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#131

RE: Lehre von der Tradition

in Wenn etwas der Klärung bedarf 14.06.2016 23:55
von Aquila • 3.994 Beiträge

Gelobt sei Jesus Christus !


Weihbischof Athanasius Schneider aus Kasachstan spricht Klartext:
Aus "gloriatv":
-

"Das kirchliche Leben ist in vielen Ländern von einer tiefen Krise des Glaubens geprägt.
Das sagt der kasachstan-deutsche Weihbischof Athanasius Schneider im Video-Interview mit dem österreichischen Philosophie-Professor Thomas Stark.

Verheerende Kirchenkrise: "Dazu braucht es keine Beweise mehr“

Schneider stellt fest, dass der Glaube das Fundament der Kirche ist, und fährt weiter:
"Wenn das Fundament nicht stimmt oder geschwächt wird, dann wird langsam das Gebäude schief oder mit der Zeit schwerwiegend beschädigt."

Die Ursache der Kirchenkrise verortet er im Klerus.
Der Klerus habe mit seinem schwachen Glauben das Volk Gottes angesteckt.
Darum wäre eine solide Priesterausbildung für Schneider die Lösung des Problems.
Die unterrichtete Theologie müsse auf dem Fundament des heiligen Thomas von Aquin stehen.
Die Feier der Liturgie in den Priesterseminarien müsse würdig sein.
Das geistliche Leben der Kandidaten sei zu festigen.


Es ist unverantwortlich, die Krise schönzureden

Professor Stark weist auf das Wort Christi hin, wonach die Pforten der Hölle die Kirche nicht überwältigen werden. Zitat:
"Manche optimistisch gestimmte Leute bedienen sich des Zitates, um dann zu sagen:
'Es ist ja alles gar nicht so schlimm'." Weihbischof Schneider findet eine solche optimistische Beurteilung "gar nicht realistisch":

"Wir können vor der Wirklichkeit nicht die Augen schließen oder den Kopf in den Sand stecken und sagen: 'Alles ist in Ordnung.'
Es ist nicht in Ordnung. Das sehen wir. Dazu braucht es keine großen Beweise mehr
.
Es wäre verantwortungslos, wenn wir sagen würden, es ist alles in Ordnung oder es ist nicht so schlimm. Es ist schlimm.
Wenn wir die offensichtlichen Übel im Leben der Kirche heute feststellen, bedeutet das nicht, Pessimisten zu sein. Das ist Realismus.
Das ist die Sorge um den Glauben, um die Kirche.
Wenn ein Vater über eine große Not in der Familie sagt:
'Es ist gar nicht so schlimm, man muss nichts machen, es wird sich irgendwie lösen', dann ist das verantwortungslos
.
Ein Vater muss, wenn es eine ernste Krise gibt, Hilfe und Lösungen suchen. So ist es auch in der Kirche."



Kardinäle verkünden Häresien

Professor Stark spricht Weihbischof Schneider auf dessen Aussage an, wonach zunehmend Leute an den Schaltstellen der Kirche sitzen, die den katholischen Glauben nicht vollständig besitzen. Schneider antwortet mit Verweis auf die letzten beiden Bischofssynoden:

"Das sind alles Leute, die an die Schaltstellen der Macht der Kirche gelangt sind
- Kardinäle zum Beispiel. Das ist nach dem Papst das höchste Kirchenamt.
Wir haben in den letzten beiden Jahren erlebt, wie sogar aus dem Munde von Kardinälen Worte gesprochen worden sind, die gegen den katholischen Glauben waren.
Das ist natürlich sehr traurig."


Schneider zitiert den früheren Präfekten der Glaubenskongregation Franjo Kardinal Šeper (1905-1981), der sagte: "Die Krise der Kirche ist eine Krise der Bischöfe."


Die Kommunion an Ehebrecher ist unmöglich

Zu Amoris Laetitia fordert Bischof Schneider Korrekturen,
sonst "verbreitet sich die Unsicherheit und die Zweideutigkeit und die falsche Anwendung noch mehr".
Johannes Paul II. und Benedikt XVI. hätte die Kommunion an Wiederverheiratete ausnahmslos verboten:
"Sie haben gesagt, dass diese Praxis auf dem Wort Gottes gründet, das heißt auf der Offenbarung. Somit ist es unfehlbar."
Es handle sich nicht um eine Erfindung von Johannes Paul II., sondern um die beständige Praxis der Kirche.

Von diesem Punkt könne man auch bei schuldmindernden Umständen nicht abweichen:
"Das wäre eine Untreue.
"Das wäre nicht, wie Kardinal Kasper meint, eine Weiterentwicklung, sondern würde den Sinn verändern:

"Solange man die intellektuelle Redlichkeit hat, muss man sagen, dass es ein Widerspruch ist - sonst werden wir Gnostiker, Sophisten."

Schneider stellt fest, dass die Kommunionspendung an Ehebrecher bereits seit Jahren in manchen Ortskirchen stillschweigend geduldet wird:
"Durch Amoris Laetitia wird diese Praxis bestärkt."
Dieser Missstand werde sich - wenn keine Korrektur aus dem Vatikan komme – wie eine Metastase im Körper ausbreiten.


Der Weihbischof ermutigt Priester, die von den eigenen Oberen gezwungen werden, die Kommunion an Ehebrecher zu spenden, sich auf die kirchliche Praxis der letzten 2000 Jahre zu berufen:
"Der Priester muss sogar bereit sein, sein Amt als Pfarrer oder ein anderes Amt, zu verlieren, weil er hier Gott verteidigt und nicht sich selbst.“

Ein Priester verteidigt, so Schneider, bei der Kommunion etwas, das ihm nicht gehört, sondern nur anvertraut ist:
„Letztlich ist es der Glaube und für den Glauben muss man sogar bereit sein, zu sterben.
Was nützt es diesem Priester, diesem Bischof, wenn er hier für diese kurze Lebenszeit etwas gewinnt: ein Amt, ein Ansehen der Menschen?
Wie schnell vergeht das, wie nichtig ist das!

Plötzlich steht er vor dem Richterstuhl Gottes, vor der ewigen, unerbittlichen Wahrheit. Dort muss er Rechenschaft ablegen.
Da wird kein Papst neben ihm stehen. Kein Bischof.
Keine Zeitung. Keine öffentliche Meinung.
Alleine er mit seinem Gewissen vor Gott.“


Die gegenwärtige, „sehr ernste Situation“ erfordert für Weihbischof Schneider,
„dass man manchmal vor den eigenen kirchlichen Oberen ein Bekenner sein muss:
Solche Zeiten gab es in der Kirchengeschichte.
Nicht oft, sehr selten, aber es gab sie. Darum muss es uns nicht wundern.
Wir haben unser Taufversprechen nicht dem Papst gegeben, nicht dem Bischof, nicht unserem Pfarrer, nicht der Zeitung, nicht der Bischofskonferenz.
Wir haben unsere Taufgelübde Jesus gegeben, der ewigen Wahrheit. Daran müssen wir uns halten."



Christus ist der einzige Erlöser - auch der Juden

Schneider fordert, dass die Kirche in ihren Verlautbarungen auf eindeutige Weise formuliert.
In der Straßenverkehrsordnung wäre es verantwortungslos, die Weisung zu erlassen: "Man kann bei der roten Ampel durchfahren oder nicht."

Ebenso müssten die kirchlichen Dokumente bei Dingen, von denen das ewige Leben abhängt, klare Weisungen geben. Das betreffe Dinge wie die Gebote Gottes oder die Einzigartigkeit der Erlösung durch Jesus Christus:
"Es gibt keinen anderen Weg ohne ihn - nicht einmal das heutige Judentum. Er ist der einzige Erlöser aller, auch der heutigen Juden."

Bischof Schneider betont,
dass es nur eine einzige Kirche gibt, die römisch-katholische Kirche:
"Außerhalb der Kirche gibt es kein Heil, das heißt:
außerhalb Christi gibt es kein Heil."



Die Alte Messe kommt sogar bis in die Kreuzzeichen aus dem 8. Jahrhundert

Hinsichtlich der Messe warnt der Bischof, diese zu einer "Show" verkommen zu lassen.
Das würde die Liturgie zu einer Veranstaltung machen, von der man sagen kann:
"Wir haben die Herrlichkeit der Menschen gesehen."

Schneider beurteilt es als Fortschritt, dass der alte Ritus im Jahr 2007 wiederbelebt wurde.
Er habe über tausend Jahre lang "so viele Früchte, so viel herrliches kirchliches Leben gebracht"
.

Dagegen fehlten der Liturgiereform nach dem Zweiten Vatikanum überwiegend die Früchte der größeren Ehrfurcht und Andacht.
Es habe mehr Früchte der gegenseitigen, menschlichen Verehrung bewirkt.

Schneider wendet sich gegen die Bezeichnung „tridentinische Liturgie“.
Der Bischof spricht von "der Liturgie der Väter“ und „der Liturgie der Heiligen".

Die alte Messe sei viel älter als das Konzil von Trient (1545-1563).
Der Aufbau der überlieferten Messe, alle Gesten und Kreuzzeichen, können aus Manuskripten nachgewiesen werden, die bis ins 8. Jahrhundert zurückgehen: "8. Jahrhundert.
Das ist nicht das tridentinische Konzil."

Bischof Schneider betrachtet das Motu Proprio Summorum Pontificum von Benedikt XVI.,
dass die überlieferte Liturgie wieder zur Verfügung gestellt hat,
"als eine der größten Handlungen seines Pontifikats."

-


zuletzt bearbeitet 14.06.2016 23:56 | nach oben springen

#132

RE: Lehre von der Tradition

in Wenn etwas der Klärung bedarf 13.08.2016 12:02
von Aquila • 3.994 Beiträge

Gelobt sei Jesus Christus !


Liebe Mitglieder, liebe Mitleser

Die traditionsverbundene Lehre der Kirche bez. der
Differenzierung zwischen Irrendem und Irrtum
erfährt heute oft eine "zeitgemässe" Entstellung;
es wird mittels falsch verstandener / gelehrter "Toleranz" suggeriert, dass nebst der Liebe zum Irrenden ( im Sinne der Sorge um sein Seelenheil ) auch der Irrtum / die Lüge eine "Wertschätzung" erfahren müsse.....
betrachtet man manche Verlautbarungen einiger Hirten, so scheinen diese mittlerweile gar mit dem Irrtum / der Lüge "geistigen Frieden" geschlossen zu haben.....
ja eine Art "Toleranz" bis zur Häresie !

Die traditionsverbundene Lehre der Kirche hat dagegen
Hw Robert Mäder im Jahre 1937 auf den Punkt gebracht:
-

"Persönlich liebenswürdig mit allen, aber dogmatisch intolerant denken!"

-


Freundliche Grüsse und Gottes Segen

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#133

RE: Lehre von der Tradition

in Wenn etwas der Klärung bedarf 24.09.2016 15:06
von Aquila • 3.994 Beiträge

Gelobt sei Jesus Christus !


Liebe Mitglieder, liebe Mitleser

Wer als traditionsverbundener Katholik die nachfolgenden mahnenden Worte des
hl. Papstes Pius X. aus seiner Enzyklika "Pascendi Dominici" liest, kommt nicht umhin, diese sogleich mit der "zeitgemäss" entstellten "Verkündigung"von heute zu vergleichen.
Papst Pius X. schrieb diese gleichsam Prophetie in weiser Weitsicht:

-

"Viele Christen, die nur eine oberflächliche Kenntnis des Glaubenswissens haben und ihn wenig praktizieren, beanspruchen Lehrer zu sein, indem sie erklären, dass die Kirche sich nun endlich den Forderungen der Zeit anpassen soll, weil es in der Tat nicht möglich wäre, die ursprüngliche Vollständigkeit ihrer Gesetze aufrecht zu erhalten; dass die weisesten und praktischsten Menschen von nun an die barmherzigsten sein werden, d. h.,
dass sie fähig sein werden, etwas vom alten Schatz zu opfern, um den Rest zu retten.
In solch einem modernen Christentum, in welchem die Torheit des Kreuzes vergessen sein wird, sollen sich die Dogmen des Glaubens bescheidenerweise den Anforderungen der neuen Philosophie anpassen.

Das öffentliche Recht des christlichen Zeitalters soll sich zaghaft den großen Grundsätzen der modernen Zeit stellen.
Auch wenn es seinen Ursprung und seine Vergangenheit nicht verleugnet, so soll es wenigstens die Rechtmäßigkeit seiner Niederlage im Angesicht seines Siegers bekennen.
Die zu strenge Sittennorm des Evangeliums soll den
Freuden und den Anpassungen nachgeben und die Disziplin soll schließlich alle ihre die Natur belästigenden Vorschriften zurücknehmen, um selber beim glücklichen Fortschritt des Gesetzes der Freiheit und der Liebe mitzuwirken.


Solche Grundsätze werden nun nicht mehr von den offenen und erklärten Feinden der Kirche verbreitet, sondern von jenen,
die sich selber Kinder der Kirche nennen; und nachdem diese die Gesetze der Kirche bekämpft und verhöhnt haben, würden sie sich beleidigt fühlen, wenn sie die Kirche als Deserteure ihrer Kampfreihen und Söhne ihres Schmerzes bezeichnen würden. (...) Es ist ein Mangel des Glaubens und der Achtung vor der Kirche, sie mit unseren kurzsichtigen Urteilen unterstützen zu wollen.
Halten wir fest an dieser Wahrheit, dass die Kirche göttlich ist und wir werden sehen,
dass diese Art zu urteilen und zu handeln nicht nur niederträchtig und treulos, sondern dreist und sündhaft ist
. (...)

Ich hoffe, dass diese tödlichen Keime nicht unter euch sind.
Da aber der Irrtum einer Pflanze gleicht, die mit der Wurzel ausgerissen werden muss und der Bischof vom Himmel die Pflicht erhielt nicht nur zu ermahnen, zu bestürmen, zurechtzuweisen, sondern auch vorzuwarnen, wiederholt er Euch von Neuem:
Habt acht und entfernt Euch von jenen, die auf irgendeine Weise sich die Sendung anmassen zu raten und zu beschliessen, welche Zugeständnisse die Kirche den angeblichen Bedürfnissen der neuen Zeit machen soll.

-


Freundliche Grüsse und Gottes Segen

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#134

RE: Lehre von der Tradition

in Wenn etwas der Klärung bedarf 29.09.2016 21:53
von Aquila • 3.994 Beiträge

Gelobt sei Jesus Christus !

Aus dem "Mitteilungsblatt" der Pius-Bruderschaft Januar 2016
ein Beitrag von Pater Gaudron über wahre und falsche Barmherzigkeit und die Bedeutung der Übung der wahren Barmherzigkeit:

-
Die Werke der Barmherzigkeit

In der Kirche hat sich seit langem eine Aufzählung von sieben Werken der
leiblichen Barmherzigkeit etabliert. Diese sind:
• Hungrige speisen
• Durstige tränken
• Fremde beherbergen
• Nackte kleiden
• Kranke pflegen
• Gefangene besuchen
• Tote bestatten


Die ersten sechs Werke folgen der Rede Jesu bei der Ankündigung des Weltgerichts:
„Kommt, ihr Gesegneten meines Vaters! Nehmt das Reich in Besitz, das seit der Erschaffung
der Welt für euch bereitet ist. Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben, ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben, ich war fremd, und ihr habt mich beherbergt, nackt, und ihr habt mich bekleidet, ich war krank, und ihr habt mich besucht, ich war im Gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen“(Mt 25,34-36).
Das siebte Werk, die Toten zu bestatten, wurde vom Kirchenvater Lactanz (ca. 250-370 n. Chr.) mit
Bezug auf das Buch Tobias hinzugefügt. Hier wird nämlich berichtet, wie der ältere Tobias in der Verbannung seine Volksgenossen trotz des Gebots des Königs, diese unbestattet liegen zu lassen, begrub.

Da es für den Menschen aber nicht nur leibliches, sondern auch geistliches Elend gibt
und dieses eventuell viel schlimmer ist
als jenes, zählt man noch
sieben geistliche Werke der Barmherzigkeit auf, nämlich:
• Unwissende belehren
• Zweifelnden raten
• Betrübte trösten
Sünder zurechtweisen
• Beleidigern verzeihen
• Lästige geduldig ertragen
• für Lebende und Verstorbene beten


Gerade das vierte Werk der geistlichen Barmherzigkeit, die Zurechtweisung der Sünder, zeigt, dass die Barmherzigkeit nichts mit einer Gutheißung oder Verharmlosung der Sünde zu tun hat.

Wahre und falsche Barmherzigkeit

Die wahre Barmherzigkeit ist nicht gegen die Gerechtigkeit, wenn sie diese auch übersteigt.
Ein Reicher, der seinem Schuldner eine Schuld, die dieser nicht begleichen kann, erlässt, handelt nicht ungerecht, sondern barmherzig.
Wer sich allerdings aus eigener Schuld vergangen hat, muss seine Schuld zunächst bereuen und den Willen zur Besserung haben, um sich der Barmherzigkeit würdig zu machen.
Ein Richter kann einen Verbrecher begnadigen, wenn dieser Anzeichen echter Reue zeigt und Besserung verspricht, aber die Begnadigung eines Verbrechers, der in seiner verbrecherischen Ge-
sinnung beharrt, wäre nicht barmherzig, sondern ungerecht.
Auch Gott schenkt seine Barmherzigkeit niemandem, der nicht seine Schuld eingesteht, bereut und zur Wiedergutmachung bereit ist, sofern diese möglich ist.
Jesus Christus forderte die Sünder, denen er vergab, darum immer auf, nun nicht mehr zu sündigen. So sagte er z. B. zur Ehebrecherin:
„Geh hin und sündige von nun an nicht mehr
(Joh 8,11).

Falsche Barmherzigkeit ist es darum, wenn man von einem Sünder keine Umkehr verlangt.
Diese wird in unseren Tagen von Kardinal Walter Kasper und vielen anderen Bischöfen besonders in Bezug auf die wiederverheirateten Geschiedenen
Obwohl diese Menschen im beständigen Ehebruch und damit im Zustand der schweren Sünde
leben, will man von ihnen keine Umkehr verlangen. Es ist freilich viel bequemer, den Menschen nach
dem Mund zu reden, als ihnen unangenehme Wahrheiten zu sagen. Der Beifall der Medien ist demjenigen sicher, der solchen, die objektiv in Schuld und Sünde leben, versichert, sie bräuchten ihr Leben nicht zu ändern. Diese falsche Barmherzigkeit ist aber letztlich Unbarmherzigkeit, da sie den Sünder in der Gefahr, sein ewiges Heil zu verlieren, lässt und sich nicht darum bemüht, ihn aus seinem Elend herauszuführen.
In unserer Zeit versucht man sogar, das Töten unschuldiger Menschen zu einem Akt der Barmherzigkeit zu erklären. Weil die Pflege eines behinderten Kindes oder eines alten,
schwerkranken Menschen mühsam ist, sollen diese ungestraft getötet werden dürfen, und diese barbarische Unbarmherzigkeit will man in völliger Verdrehung der Wahrheit noch barmherzig und humanitär nennen.

Die Bedeutung der Übung der Barmherzigkeit für uns

Wir alle fallen mehr oder weniger häufig in die Sünde und bedürfen daher der Barmherzigkeit Gottes.
Unser Herr Jesus Christus hat uns darum einen Weg gezeigt, wie wir uns ein barmherziges Gericht sichern können:
„Selig die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.“

Wenn wir selbst die Barmherzigkeit üben, dürfen wir hoffen, dass Gott auch mit uns einmal barmherzig sein wird. Wenn wir dagegen nur tun, wozu uns die Gerechtigkeit verpflichtet, und wenn
wir mit anderen streng ins Gericht gehen, dann müssen wir fürchten, dass Gott auch uns einmal die
ganze Strenge seiner Gerechtigkeit spüren lässt.
Da wir also selbst das Maß angeben, nach dem wir einmal gerichtet werden (vgl. Mt 7,2), sollten wir uns bemühen, mit Eifer die Werke der Barmherzigkeit zu üben."


-


zuletzt bearbeitet 29.09.2016 22:10 | nach oben springen

#135

RE: Lehre von der Tradition

in Wenn etwas der Klärung bedarf 04.10.2016 23:00
von Aquila • 3.994 Beiträge

Gelobt sei Jesus Christus !

Oft wird fälschlicherweise pauschalisierend querbeet von "Tugenden" gesprochen.
Doch die wahren Tugenden stehen nicht im luftleeren Raum.....
sprich sie sind nicht "wahrheitsgefiltert" sondern eingebunden in den Glauben an die Ewige Wahrheit Jesus Christus.

Dazu Hw Joseph Reiter in "Das dreifache Reich Gottes" (1911):

-

[....]
"Die Tugend, als eine sittliche Eigenschaft,
ist eine Fertigkeit, das Gute und Wahre zu erkennen, zu wollen und zu tun.
Aber auch das allein wäre noch nicht christliche Tugend;
denn in diesem Sinne hatten auch die Heiden Tugenden,
in diesem Sinne waren auch die Heiden tugendhaft.
Sie hatten nämlich das Sittengesetz, welches ihnen die Vernunft und das Gewissen gegeben hatte; wenn sie nun, durch ihre Vernunft belehrt und durch ihr Gewissen angetrieben,
aus Achtung gegen dieses Sittengesetz, mäßig, keusch, gerecht, friedfertig, treu, gehorsam, mildtätig gegen die Armen, versöhnlich gegen ihre Feinde waren, so übten sie eben so viele Tugenden, sie waren tugendhaft, je mehr oder weniger sie das Gute, welches sie erkannten,
aus Achtung des Guten ausübten.
Allein dieses sittliche Handeln aus blossem Antrieb der Vernunft und des natürlichen Gewissens ist keine Tugend, keine Tugendhaftigkeit,
welche Gott wohlgefällig ist zum ewigen Leben;
eine solche bloß natürliche Tugend mag ihren Lohn hier finden,
aber sie ist nicht verdienstlich für den Himmel.

Das ist sehr wichtig, lieber Christ! denn man hört nun hin und wieder die Äußerung:
"Wenn ich nur einen rechtschaffenen Mann mache, das ist genug."
Das ist nicht genug, sage ich, und wenn du auch unter deiner Rechtschaffenheit alle Tugenden verstehst, welche dem Sittengesetz der Vernunft gemäß sind;
denn ich weise dir tausend Heiden auf, welche nach deinem Sinne rechtschaffene Menschen waren,
waren sie darum auch vor Gott gerechtfertigte Menschen?
Waren sie Erben des ewigen Lebens?
"Der Gerechte lebt aus dem Glauben", sagt der Apostel;
zu jener Tugend, die vor Gott gilt zum ewigen Leben,
gehört also mehr als das blosse Handeln aus Achtung gegen das Vernunftgesetz.
Jesus drückt sich hierüber so aus:
"Wenn ihr nur das tut, was die Heiden tun, was ist das Grosses?"
"Wenn eure Gerechtigkeit nicht grösser ist, als die der Pharisäer, so taugt ihr nicht in das Reich Gottes."

Zu der Tugend, die vor Gott gilt zum ewigen Leben,
gehört also vor allem der Glaube an Jesum Christum
und die Beziehung aller Gesinnung und aller Handlung auf den
durch Jesum Christum geoffenbarten Willen Gottes.
Das ist die christliche Tugend.
Was ist die christliche Tugend?
Die christliche Tugend ist die Fertigkeit, die Vernunftgesetze
und alle von Jesus Christus geoffenbarten Sittenvorschriften als Gebote Gottes aus Ehrfurcht, Liebe und Gehorsam gegen Gott zu befolgen.
Ich fasse das noch kürzer zusammen:
Die christliche Tugend ist die Fertigkeit, das Wahre und Gute aus Liebe zu Gott und im gläubigen Gehorsam gegen Jesus Christus zu erkennen, zu wollen und zu tun.


Die christliche Tugend ist eine Fertigkeit.
Merke wohl: eine Fertigkeit! Eine Fertigkeit setzt aber nicht nur die eine oder andere gute Handlung voraus, sondern eine Leichtigkeit, eine Gewohnheit, eine Beständigkeit im Guten.
Wenn du also sagen willst, du habest diese oder jene Tugend, so muss es dich leicht ankommen, diese gute Handlung allezeit und bei jeder Gelegenheit auszuüben;
du musst dazu allezeit geschickt und fertig sein; es muss dir schon zur Gewohnheit geworden sein, dieses oder jenes Gute zu tun, so und so zu handeln.
Sagst du, du seiest tugendhaft, so musst du das Gute nicht etwa nur ein und das anderemal zun, nicht etwa nur heute und morgen, sondern alle Tage, alle Stunden, so oft sich eine Gelegenheit bietet.

Die Tugend ist eine Fertigkeit, das Gute und Wahre zu erkennen, zu wollen und zu tun.
Alle diese drei Dinge müssen bei einander sein:
Das Erkennen, das Wollen, das Tun.
O wie vielen mangelt schon das allererste Stück, welches zur christlichen Tugend gehört, das Erkennen des Wahren und Guten!
Sie kennen nicht mal das Gute, welches sie tun, die Wahrheit, in der sie Gott dienen sollen.
Weisst du z.B., was die göttliche Tugend des Glaubens, der Hoffnung, der Liebe ist, was diese Tugenden alles in sich fassen, in welchen Übungen sie bestehen?
Weisst du,
was die christliche Klugheit, Gerechtigkeit, Starkmut und Mäßigung, was die Demut, die Sanftmut, die Geduld, die Gottesfurcht ist, und was alles dazu gehört, um diese Tugenden zu besitzen?
Und was ist bei den meisten die Ursache ihrer Unkenntnis?
Ihre Trägheit im Guten, ihre Gleichgültigkeit gegen das Gute.
Sind diese tugendhaft?
Nein, nicht im mindesten; denn ein tugendhafter Christ liebt das Gute, er bestrebt sich, das, was gut, was eine Tugend ist, kennen zu lernen, er hört gerne davon reden, lässt sich willig darin unterrichten.
Aber die Kenntnis des Guten selbst reicht noch nicht hin, dass man die Tugend besitze, man muss das Gute, das Tugendhafte auch wollen.
O viele kennen das Gute, sie wissen es gleich, was gut und recht ist; aber sie haben keine Freude daran, ihr Wille ist zum Guten nicht geneigt, sie haben kein Verlangen danach!
Und gesetzt auch, man kennt und will das Gute, so ist das noch nicht genug, man muss es auch tun; denn:
"Nicht ein jeder, der sagt: 'Herr, Herr', wird in das Himmelreich eingehen, sondern der, welcher den Willen meines Vaters tut, der im Himmel ist, der wird eingehen."

Die Tugend ist also eine Fertigkeit, das Gute zu erkennen, zu wollen und zu tun aus Liebe zu Gott
und im gläubigen Gehorsam gegen Jesus Christus, und diese Gesinnung macht erst die Tugend zur Tugend, zur christlichen Tugend, die vor Gott gilt zum ewigen Leben.

Man kann tugendhaft scheinen, ohne dass man es wirklich ist.
Es gibt z.B. Menschen, die von Natur aus eine gute Anlage zur Tugend haben,
sie sin eingezogen im Reden, sie sind sanftmütig in ihrem Benehmen, sie sind friedfertig und geduldig, aber sie sind es vermöge eines ihnen angeborenen Temperamentes,
sie haben von Natur aus keine Neigung zum Zorn, zur Ungeduld, zum Unfrieden.
Sind diese im wirklichen Sinne tugendhaft?
Nein, sie sind es noch nicht, weil sie von Natur aus eine solche gutmütige Beschaffenheit haben;
sie sind es erst dann, wenn sie sanftmütig, demütig, geduldig, friedfertig sind aus Liebe zu Gott, aus gläubigem Gehorsam gegen Jesus Christus,
wenn sie bei ihrer Sanftmut, Demut, Geduld, Friedfertigkeit keine andere Absicht haben,
als Gott wohlzugefallen, und den Glauben an Jesum durch eine Handlungsweise an den Tag zu legen, welche den Lehren des Evangeliums angemessen ist.

Wieder andere Menschen gibt es, die keusch bescheiden, langmütig, gehorsam sind, aber sie sind es aus natürlichen Gründen, aus Rücksichten, welche ihre Verhältnisse erfordern,
aus Absichten, welche sie auf zeitliche Vorteile haben, sie sind es der Ehre, des öffentlichen Anstandes wegen - sind diese tugendhaft?
Sie sind natürlich gut geartet, sie sind anständig, sie sind gebildet,
aber ihr Benehmen ist noch keine christliche Tugend;
zur christlichen Tugend gehört notwendig,
dass das gute aus Liebe zu Gott,
aus Gehorsam gegen seinen Willen, aus dem Glauben an Jesum geschehe.


-


zuletzt bearbeitet 04.10.2016 23:04 | nach oben springen



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