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#61

RE: Aschermittwoch / Fastenzeit

in Leiden, Tod und Auferstehung Christi 21.03.2020 20:38
von Aquila • 5.887 Beiträge

Gelobt sei Jesus Christus !


Zum Vierten Fastensonntag "Laetare"
aus dem Schott-Messbuch 1962:

-

Introitus (Is. 66, 10 u. 11)

Lætare, Jerusalem: et conventum facite, omnes qui diligitis eam: gaudete cum lætitia, quia in tristitia fuistis: ut exsultetis, et satiemini ab uberibus consolationis vestræ. (Ps. 121, 1)
Lætatus sum in his, quæ dicta sunt mihi: in domum Domini ibimus.
V Gloria Patri, et Filio, et Spiritui Sancto. Sicut erat in principio, et nunc, et semper, et in sæcula sæculorum. Amen. – Lætare (usque ad Ps.).

Freu dich, Jerusalem! Kommt alle zusammen, die ihr es liebt; froh überlaßt euch der Freude, die ihr traurig waret; frohlocken sollet ihr und satt euch trinken an der Tröstung Überfülle, die euch quillt. (Ps. 121, 1)
Wie freute ich mich, da man mir sagte: Wir ziehen zum Hause des Herrn.
V Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste. Wie es war im Anfang, so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen. – Freu dich (bis zum Ps.).



Stationskirche: Zum hl. Kreuz in Jerusalem
1. Kl. – Farbe violett oder rosarot


Heute ist ein Sonntag der Freude, ähnlich dem dritten Adventsonntag.
In Rom beschenkte man sich mit Rosen (Rosensonntag).
Der Papst weiht auch heute noch eine goldene Rose, die er dann meist einer fürstlichen Persönlichkeit als Ausdruck besonderer Aufmerksamkeit schenkt.
Zum Zeichen der Freude darf heute der Priester statt der violetten Gewänder rosarote tragen,
der Altar mit Blumen geschmückt sein und die Orgel erklingen.

Wie wallen im Geiste nach «Jerusalem» (vgl. die Stationskirche),
dem Sinnbild der Gemeinschaft der hl. Kirche (Intr.).
Welch ein Glück für die Katechumenen, Kinder der Kirche zu werden;
welch ein Glück für uns, dieser hl. Kirche anzugehören (Epistel)!
Nur in ihr und mit ihr finden wir Christus, der in der hl. Messe das Wunder der Brotvermehrung erneuert (Evang.) und seine Kirche mit geheimnisvollen «Brot» und «Fisch» (hl. Kommunion) zur Pilgerfahrt ins himmlische Jerusalem (Comm.) liebend nährt.
Dank und Lobpreis gebührt deshalb dem gütigen Gott (Offert.).

-

Die hl. Messe:
http://www.mariawalder-messbuch.de/as62/...aso4/index.html
-


Über das himmlische Jerusalem - d.h. die katholische Gemeinschaft der Heiligen, also kein "multireligiöses Etwas" ! -
aus einer Predigt des hl. Thomas v. Aquin:

-

"In Bezug auf den zweiten Punkt aber ist zu bemerken, daß die himmlische Stadt, weil sie Jerusalem heißt auf vielfache Weise empfohlen wird; denn vielfach ist in der Schrift von Jerusalem die Rede, was man von dem himmlischen Jerusalem zu verstehen hat.
Hier werden zehn Eigenschaften angeführt.
Die erste ist die bewunderungswürdige Schönheit und Geräumigkeit. Das hohe Lied (6.) sagt: "Schön ist meine Freundin, und anmuthig und zierlich wie Jerusalem."
Die zweite ist die unaussprechliche Liebe. Es heißt (Ps. 31.): "Der Herr sprach, dessen Feuer in Sion, und dessen Feuerofen in Jerusalem ist."
Die dritte ist der schöne und klare Glanz. Darum heißt es (Tob. 13.): "In glänzendem Lichte wirst du strahlen und alle Grenzen der Erde werden es anbeten."
Die vierte ist die Schönheit der Mauern, Wege und Thore.Es heißt (Tob. 13.): "Und die Thore Jerusalems werden aus Saphir und Smaragd erbaut werden."
Die fünfte ist der Ueberfluß an allen Dingen. Die Schrift (Is. 33.) sagt: "Deine Augen werden Jerusalem, die reiche Wohnung sehen."
Die sechste ist der Überfluß an allen Vergnügungen. Daher sagt Isaias (letzt. Kap.): "Freuet euch in Jerusalem und frohlocket in ihm Alle, die ihr es liebet; ja, freuet euch Alle, die ihr über es weintet, daß ihr kostet und erfüllt werdet von den Brüsten seines Trostes, daß ihr von seiner Herrlichkeit jegliches Vergnügen genießet."
Die siebente ist die immer währende Freude; die achte die ewige Herrlichkeit. Darum spricht der Prophet (Isai. 60.): "Ueber dir Jerusalem geht der Herr auf, und seine Herrlichkeit zeigt sich an dir."
Die neunte ist die ewige Glückseligkeit, darum heißt es (Isaia. 66.): "Sieh ich will hinleiten auf Jerusalem gleichsam einen Fluß des Friedens."
Die zehnte ist der ewige Genuß des beseligenden Lichtes. Tobias (13.) sagt: "
In allen Straßen Jerusalems wird Alleluja gesungen werden. Sieh ich gebe Jerusalem Frohlocken und seinem Volke Freude."

-

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#62

RE: Aschermittwoch / Fastenzeit

in Leiden, Tod und Auferstehung Christi 28.03.2020 21:07
von Aquila • 5.887 Beiträge

Gelobt sei Jesus Christus !


Zum Ersten Passionssonntag - Judica
aus einer Predigt von Hw Hans Milch aus dem Jahre 1983:
-

[....]
"In allem ist Christus Vorbild.
Sein ganzes Verhalten, sein Kampf, seine Erhabenheit, seine Souveränität, seine Überlegenheit hat Er uns vermacht.
Wir sind Erbe Seines Kampfes.
Und Liebe ohne Kampf ist keine Liebe. Kampf und Liebe gehören zusammen,
und der Kampf ergibt sich aus der Liebe.
Wer kann schon Gott lieben und alles Seiende lieben und nicht das Nichts hassen?
Völlig unmöglich.
Wer kann entbrannt sein für Christus und nicht den Satan und seine Werke hassen?
Zeige mir deine Liebe ohne Haß; es ist keine Liebe.

Haß gegen das Nichts, Haß gegen den Irrtum, Haß gegen die Sünde:
Wie kann ich den Sünder lieben, wenn ich nicht seine Sünde hasse?
Wie kann ich den Irrenden lieben, wenn ich nicht seinen Irrtum hasse?
Selbstverständlich hasse ich nicht die Person, aber ich hasse das, was die Person entstellt.
Und dagegen Kampf, Entlarvung, Bloßstellung, um Chance zu geben, herauszutreten aus dem armseligen Miteinander des Üblichen, aus der bequemen Einbettung ins Kollektiv. Christus will dich herausreißen ins Unbequeme, in die freie Plaine, wo du ungeschützt stehst unter dem Himmel Seines Angebotes
und dir nichts übrigbleibt als JA oder NEIN: dorthin will dich Christus herausreißen.
Wer nach rechts und nach links, nach hinten und vorne schaut, nach den anderen schaut und sich einfügt und mitmacht und auf halb-und-halb geht und vorsichtig ist und halb meint und doch meint und vielleicht meint ist untauglich für Gottes Reich. Alles oder Nichts, JA oder NEIN.
Sehr undiplomatisch!
Aber Christus war im höchsten Grade undiplomatisch.
Er hat sich ausgesetzt dem Haß der Welt; Zeichen, dem widersprochen wird zum Falle und zur Auferstehung vieler in Israel.
[....]
Gott ist Mensch geworden und hat das Leiden auf Sich genommen und damit vergöttlicht.
Er hat uns nicht vom Leiden erlöst,
Er hat das Leiden erlöst von seiner Sinnlosigkeit.
Und wir haben nun das Leiden in der Hand als Waffe, als Zepter, als Medium der Machtausübung.
Von jedem Weh gehen Ströme lebendigen Wassers aus.
Wir sitzen an den Schalthebeln und sind die geheimen Herrscher.
Wir tragen zwar unseren Schatz in irdenen Gefäßen;
und Gottes Kraft kommt durch unsere Schwachheit zur Vollendung; und unsere Armseligkeit ist ein Magnet, der Sein Erbarmen anzieht: aber mitten in alldem sind wir Herren.
Das ist unser Auftrag.
Nicht winselnd, wimmernd, keuchend, fluchend, in ohnmächtigem Zorn heulend,
sondern heilig, in Ingrimm, im Widerspruch dem Satan widerstehen."
[....]

-


Zum Ersten Passionssonntag - Judica - aus dem Introitus der hl Messe (Schott-Messbuch 1962):
-

Introitus (Ps. 42, 1-2)

Vom Passionssonntag bis Gründonnerstag wird, wenn nicht ein Fest gefeiert wird,
am Schluß des Introitus kein Gloria Patri gebetet, ebenso nicht am Schluß des Lavabo-Psalmes.

Judica me, Deus, et discerne causam meam de gente non sancta: ab homine iniquo et doloso eripe me: quia tu es Deus meus et fortitudo mea. (Ps. ibid. 3) Emitte lucem tuam et veritatem tuam: ipsa me deduxerunt et adduxerunt in montem sanctum tuum et in tabernacula tua. – Judica me (usque ad Ps.).

Schaff Recht mir, Gott, und führe meine Sache gegen ein unheiliges Volk; von frevelhaften, falschen Menschen rette mich; denn Du bist ja mein Gott und meine Stärke. (Ps. ebd. 3) Send mir Dein Licht und Deine Wahrheit, daß sie zu Deinem hl. Berg mich leiten und mich führen in Dein Zelt. – Schaff Recht mir (bis zum Ps.).

-


Die Buss- und Fastenzeit ändert mit dem ersten Passionssonntag
ihren liturgischen Charakter....
hin zum Leiden Christi.

Die Einführung aus dem Schott Messbuch 1962:
-

"Heute ändert sich der Charakter der Fastenliturgie mit einem Male.
Die Beziehungen auf die Katechumenen treten jetzt mehr zurück, auch fehlen die Anspielungen auf die Stationskirchen, dagegen
tritt der leidende Christus in den Vordergrund.
In erschütternder Weise schreit er oft mit dem Psalmisten zum Vater um Rettung aus übergroßer Leidensnot.
Die Lesungen stellen uns den Mann der Schmerzen vor Augen.
Immer düsterer ballen sich die Gewitterwolken über seinem Haupte zusammen, bis sie sich endlich am Karfreitag furchtbar entladen.
Neben dieser unergründlich tiefen Verdemütigung Christi in seinem Leiden tritt in dieser Zeit aber auch deren gewaltige Wirkung: der Segen des Opfertodes, im Lobe des Kreuzes, hervor.

Um ihren Schmerz über das Leiden und den Tod ihres Bräutigams noch mehr zu bekunden,
läßt die Kirche in den Tagesmessen der Passionszeit im Staffelgebet den Psalm Judica, der in freudigem Jubel ausklingt und im Introitus des Passionssonntags wiederkehrt, wegfallen und das Gloria Patri, den frohen Lobruf an die heiligste Dreifaltigkeit, verstummen.


Sie verhüllt auch das Altarkreuz und die Altarbilder mit dunklen Tüchern, um so an die Erniedrigung des Erlösers zu erinnernund das Bild des Gekreuzigten um so tiefer in unsre Herzen zu prägen.




Die Altarkreuze bleiben verhüllt bis nach der Kreuzverehrung am Karfreitag, die Altarbilder bis zum Gloria der Osternacht.
[....]

-

Die hl. Messe am Ersten Passionssonntag:
http://www.mariawalder-messbuch.de/as62/...aso5/index.html

-


zuletzt bearbeitet 28.03.2020 21:32 | nach oben springen

#63

RE: Aschermittwoch / Fastenzeit

in Leiden, Tod und Auferstehung Christi 29.03.2020 19:17
von Simeon • 376 Beiträge

Gelobt sei Jesus Christus,

Hier eine kleine Ergänzung zum Passionssonntag von Pater M. Ramm aus dem Volksmissale

Ab heute fängt die Passionszeit an. Das Kreuz ist verhüllt..Warum das so ist, deutet Pater M.Ramm

PASSIONSZEIT

Tempus Passionis


Die Passionszeit führt zum Höhepunkt des Kirchenjahres und geleitet uns durch das Mysterium des Kreuzes zum Licht der Auferstehung: Per crucem ad lucem. Nun liegt das Augenmerk nicht mehr so sehr auf der Buße, sondern vielmehr auf dem Leiden Christi, der uns um den Preis seines kostbaren Blutes erlöst hat.

Äußeres Merkmal der Passionszeit sind die verhüllten Kreuze. Historisch gesehen reicht dieser Brauch in eine Zeit zurück, in der es noch nicht üblich war, den Heiland leidend am Kreuz darzustellen. Vielmehr wurde die Crux gemmata (= das mit Edelsteinen gezierte Kreuz) als Siegeszeichen geehrt, so dass gerade durch die Verhüllung der Aspekt des Leidens in den Vordergrund trat. Auch wenn heute Christus heute oft leidend dargestellt ist, sollte doch der Blick auf das Kreuz uns stets auch an seinen Sieg erinnern. Was nun will uns heute das verhüllte Kreuz sagen?

Den Schleier kann man als Ausdruck der Trauer der Kirche um ihren göttlichen Bräutigam (Mt 9, 15) deuten.

Es möchte uns einladen, Jesus neu zu entdecken, der sich in der Passion verbirgt, damit wir ihn suchen (vgl. Is 45, 15 und 55, 6), um ihm nahe zu sein. Darauf, dass Jesus sich verbirgt, weist auch der letzte Satz des Evangeliums vom ersten Passionssonntag hin (Joh 8, 59).

Gerade in dieser Zeit ist uns das Bild des Gekreuzigten entzogen, damit uns bewusst wird, dass wir uns an seinen Anblick niemals gewöhnen dürfen.

Am Karfreitag soll er auch in unserem Herzen gleichsam enthüllt werden, damit wir ihn mit neuen Augen schauen.

Im Leben begegnen uns die meisten Kreuze verhüllt. Es sind dies genau jene Dinge, die mühsam sind, über die man sich gerne ärgern möchte oder deretwegen man ungeduldig wird. Christsein "bedeutet aber, nicht nur beim Kreuz, sondern auch zum Kreuz zu stehen. Deshalb sagt Jesus: „Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach. (Lk9, 23)

Auch die Altarbilder sind gewöhnlich von heute an bis zum Gloria der Osternacht verhüllt.


zuletzt bearbeitet 30.03.2020 09:23 | nach oben springen


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