Grüss Gott und herzlich Willkommen im KATHOLISCHPUR- Forum....

#326

RE: Lehre von der Tradition

in Wenn etwas der Klärung bedarf 12.01.2020 14:21
von Blasius • 2.943 Beiträge




Weihnachtspredigt von Bischof Fellay in Zaitzkofen


Liebe Seminaristen, liebe Gläubige,

wenn wir heute hier sind, wenn wir heute dieses so schöne Amt feiern dürfen, dann ist es wegen des Ereignisses, das wir heute feiern. Es gehört zur Geschichte der Menschen. Damals, vor 2000 Jahren, ist ein Kind geboren worden. Dieses Kind, wahrer Mensch, ist zugleich wahrer Gott!

Das ist also nicht bloß irgendein Ereignis – wenn es Gott ist, so müssen wir ihm alles zuschreiben, was wir von Gott sagen und glauben. Tatsächlich liegt er in der Krippe, Gott, der große Gott, der Schöpfer des Weltalls liegt in einer Krippe! Wahrer Mensch, aber dieses Menschwerden hat nichts weggenommen von seiner Gottheit. Er ist tatsächlich der Allmächtige, der Ewige, oh, noch mehr, die Offenbarung sagt uns: Durch ihn ist alles erschaffen worden, alles Sichtbare und alles Unsichtbare, die Welt der Engel, das Weltall, alle die Sterne, die kleinsten Schneeflöckchen, ein jeder Mensch, alle und alles ist durch ihn erschaffen. Nicht nur durch ihn, sondern auch für ihn.

Wir Menschen, alle Menschen haben einen Lebenssinn: Der Sinn unseres Lebens besteht in diesem Kindlein in der Krippe. Wir können es nicht fassen – Gott tritt in die Schöpfung ein, Gott ist mitten unter uns! Ist es so – und es ist so! – dann gebührt ihm alle, schlicht und einfach alle Herrschaft. Deshalb grüßt ihn die Kirche mit dem Wort König. Das erste Wort von diesem Fest bei der ersten Vesper ist zweimal nacheinander bei den ersten [beiden] Antiphonen: Rex magnificatus est – der König wurde verherrlicht. Und wenn wir König sagen, dann sagen wir König, dann anerkennen wir wirklich die Herrschaft, die Gewalt, nicht wie die eines Geschöpfes, sondern die aller Herrschaft Gottes über uns. Gehen wir noch weiter: Es gibt Herrschaften in dieser Welt, es gibt gewisse, die einfach befehlen dürfen und sollen, regieren, sei es die menschliche Gesellschaft, sei es die Kirche oder die Familie, eine jede Herrschaft kommt von ihm. Er, dieses Kindlein in der Krippe, ist es, der einem jedem dieses Stücklein Gewalt der Herrschaft erteilt. Er regiert die Welt, alles, Er ist Gott.

Aber nicht nur das. Die Heilige Schrift sagt uns: In ihm wurden wir vor der Gründung der Welt, also vor der Schöpfung, schon auserwählt, dass wir heilig werden: ut essemus sancti, dass wir heilig werden. Er kommt zu uns, nimmt unsere Menschheit in einem undenkbaren, unfassbaren Tausch an. Er will, dass wir Teilhaber werden an seiner Gottheit. Der Plan Gottes geht noch weiter, es genügt ihm noch nicht. Die Menschen haben vor diesem so wunderbaren [Geheimnis], das unseren Verstand übersteigt, die Menschen haben versagt! Sie haben ihrem Schöpfer „nein“ gesagt. Das hätte wohl das Ende sein können, ein schreckliches Ende: Die ewige Verdammnis. Eigentlich ist es das Einzige, das wir verdient haben, verdienen könnten. Aber Gott ist größer, die Liebe Gottes ist größer als das größte Übel der Menschen.

Den wir heute begrüßen bei der Krippe trägt einen Namen: Jesus. Er kommt, um uns zu erlösen! Sein Plan war wunderbar, er will es noch wunderbarer machen. Er wird unsere Strafe auf sich nehmen, das, was wir verdient haben, das nimmt er auf sich, indem er Mensch wird. Noch unbegreiflicher aber ist, dass die Menschen trotzdem gleichgültig bleiben; ist das nicht unfassbar? Schauen wir umher, wie viele feiern das Weihnachtsfest richtig? Wie viele empfangen denjenigen, von dem wir gerade im Evangelium gehört haben: „...und die Seinen nahmen ihn nicht auf“ – schrecklich! Oh, erflehen wir, dass wir unser Herz öffnen für solch eine Güte, solch eine Barmherzigkeit! Erflehen wir, dass wir ihn empfangen, dass er ein Zuhause in unserem Herzen finde. Wie gesagt, in ihm haben wir unseren Sinn, den Sinn unseres Lebens! Er ist wirklich Ursprung und Ziel, Alpha und Omega. Er kommt, weil er uns liebt. Der hl. Augustinus sagte schon: „Weil er mich liebt, hat er mich erschaffen“; ja, weit mehr noch: weil er mich liebt, ist er Mensch geworden. Wegen uns Menschen und unseres Heiles wegen ist er vom Himmel herabgestiegen. Bringen wir ihm die Anbetung entgegen, die ihm gebührt! Bringen wir ihm diese Zusage, dieses Ja, dieses Fiat der Gottesmutter, das, was wir bei jeder Messe sagen, für die Seminaristen bei jeder Prim. Dort beten wir: Dies actus nostros in tua pace disponas – verfüge über unsere Tage, über all unser Handeln, über all unsere Tätigkeit, mache wie du willst in deinem Frieden. Schenken wir ihm dieses Vertrauen! Er kommt, um uns zu erlösen. Gott, sichtbar, aber Gott ist doch ein reiner Geist, wir können ihn nicht sehen. „Wer mich sieht“, sagt der Heiland, „sieht meinen Vater“. In seiner Menschwerdung ist Gott tatsächlich sichtbar geworden, in seiner Person, und diese Person ist Gott. Deshalb sagt er: Wer mich sieht, sieht den Vater. Ich bin im Vater, und der Vater ist in mir. Wir dürfen Gott sehen! Gut, jetzt ist er wieder im Himmel, es bleibt uns die heilige Eucharistie: Selig, die nicht sehen und doch glauben. Aber es ist ein und derselbe Gott, immer noch da, nicht mehr in der Krippe, sondern auf der Patene, im Ziborium, physisch, ein und derselbe Jesus ist da! Ich spreche hier zu Ihnen, und ein Meter fünfzig von mir ist Er, der große Gott, der Heiland gegenwärtig! Er ist hier – für uns, für uns Menschen, um unseres Heiles willen, weil er uns liebt, um uns in den Himmel zu bringen.

Wenn wir eine Geburt feiern, meine lieben Gläubigen, schauen Sie doch, wie wir es machen: Wir gehen zum Kind, ja, wir bewundern das Kind; aber gibt es unter den Menschen solch ein Ereignis, wo man die Mutter nicht beglückwünscht? Ist es nicht normal, dass wir heute auch zur Gottesmutter gehen und ihr gratulieren? Die Mutter, die wir begrüßen dürfen als Mutter Gottes... Die Theologie sagt uns mit Recht, das ist der Grund und Ursprung von allen Privilegien, mit denen der große Gott die Gottesmutter geschmückt hat. Und eines dieser Privilegien sehen wir schon heute mehr als alles andere: Sie ist Mutter und Jungfrau. Das scheint nicht zusammenzugehen, aber die Gottesmutter vereint beides: Die immerwährende Jungfrau ist Jungfrau vor, in und nach der Geburt. Jungfrau und Mutter.

In der Liturgie ist das der Titel, den wir überall finden: beata Virgo Maria. Die selige Jungfrau Maria. Zwar ist sicher der Titel Mutter noch größer; die moderne Wissenschaft hat entdeckt, dass zwar die Mutter ihrem Kind die Nahrung und alles in ihrem Schoß gibt, aber sie hat jetzt entdeckt, dass das Kind der Mutter auch etwas zurückgibt, das ganz tief im Wesen bleibt. Die Mutter empfängt vom Kind irgendwie ein Merkmal für das ganze Leben. Sie schenkt alles ihrem Kind, und sie bekommt etwas zurück! Schauen wir also die Gottesmutter an: Sie hat auch vom Kindlein Jesu etwas empfangen. Dann verstehen wir auch, dass wir sie als Königin begrüßen, das ist nicht bloß ein Titel, das ist wiederum eine Wirklichkeit. Ihr wurde auch die Herrschaft gegeben, sie ist die Königin des Himmels und der Erde. In Fatima sagt sie uns, der Herrgott habe den Frieden der Nationen in ihre Hände gelegt. Es hängt von der Gottesmutter ab, ob Friede oder Krieg hier auf Erden herrscht. Und sie ist es, die alles vor dem Zweiten Weltkrieg ankündigte. Sie ist es auch, die am Ende dieses Weltkrieges herrscht: Hier in Europa endet er am 8. Mai, Fest des hl. Michael und auch Fest der Gottesmutter [Vermittlerin aller Gnaden]. In Japan, also das ganze Ende des Weltkrieges, ist es der 15. August. Man möge mir nicht sagen, dass die Japaner und die Amerikaner extra diesen Tag gewählt haben! Nicht wahr, weil es das Fest der heiligen Mutter ist, nein, Gott steht dahinter! Gott schreibt die Geschichte, auch ohne die Freiheit der Menschen zu verletzen. Gott steht so darüber, er ist so mächtig, schenken wir doch unser ganzes Vertrauen dem Kindlein in der Krippe und seiner Mutter. Wir erschrecken, wenn wir diese arme Welt sehen, wir erschrecken, wenn wir sehen, wie die Kirchenleute sich benehmen, wir erschrecken, wenn wir sehen, was die deutschen Bischöfe jetzt sagen, ja, wir erschrecken. Mit Recht. Aber vergessen wir nicht: Es gibt jemanden, der herrscht, auch wenn er in der Krippe liegt! Er diktiert, was geschieht. Er ist es, der uns alle Gnaden verdient hat und anbietet, was wir brauchen, um in dieser Welt, unter diesen Umständen unser Heil zu wirken und heilig zu werden. Für ihn ist es nicht schwieriger, heute oder bei den herrlichsten Zeiten des Mittelalters zu heiligen. Er ist tu solus altissimus, tu solus Dominuns, tu solus sanctus. Er ist der Heilige, er ist die Heiligkeit. In ihm wurden wir auserwählt, dass wir heilig werden. Mögen alle Gnaden, die das Kindlein bei dieser Geburt uns verdient hat, mögen alle diese Gnaden so in Überfülle auf uns kommen, mögen wir diese empfangen, damit wir gerettet werden und viele mit uns, zur größten Herrlichkeit Gottes. Amen.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.


10 JANUAR, 2020
QUELLE: DISTRIKT DEUTSCHLAND
https://fsspx.de/de/news-events/news/wei...aitzkofen-54138

Liebe grüße Blasius

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#327

RE: Lehre von der Tradition

in Wenn etwas der Klärung bedarf 21.01.2020 15:09
von Blasius • 2.943 Beiträge




Katholische Schulen: Verlangen nach der Wahrheit wecken


Bereits zum vierten Mal haben sich Gesamt-, Schul- und Internatsleiter der Grund- und weiterführenden Schulen der Priesterbruderschaft St. Pius X. im deutschsprachigen Raum, sowie die Schwestern der Kongregation des Heiligsten Namens Jesu (Dominikanerinnen) zur Klausurtagung in Saarbrücken getroffen. Wegen der strategisch günstigen Lage und der vorteilhaften Räumlichkeiten traf man sich in der Schule in Fechingen.

Diese Tagung, die von den deutschsprachigen Distrikten gefördert wird, will ein Instrument der Transparenz sein, um die Gemeinsamkeiten, Unterschiede, Herausforderungen und Nöte der Schulen vor Augen zu haben und effizient in den Fokus nehmen zu können.

Unter Regie und Moderation von Dr. Johannes Laas aus Schönenberg nutzte man intensiv das letzte Wochenende im November. Den Auftakt hielt unser Distriktoberer, H. H. Pater Stefan Pfluger, mit einem geistlichen Vortrag. Er stellte am Handeln Jesu – dem Urbild des Pädagogen – die Notwendigkeit heraus, bei den Kindern das leidenschaftliche Verlangen nach dem Guten und nach der Wahrheit zu wecken. Dieses Verlangen bringt die Kinder dazu, aus Überzeugung zu handeln, verantwortungsvoll zu agieren, um im geistlichen und materiellen Leben Fortschritte zu machen. „Was nützt es für die Ewigkeit?“

Im anschließenden gemeinsamen Colloquium wurde die aktuelle Lage jeder Schule dargelegt und besprochen.

In allen Gesprächsforen kam immer wieder zum Ausdruck, dass trotz vieler Gemeinsamkeiten aufgrund der unterschiedlichen Rahmenbedingungen und der geschichtlichen Entwicklung der einzelnen Standorte auch die behördlichen Anforderungen unterschiedlich an unsere Schulen herangetragen werden, mit denen sich die jeweilige Einrichtung dann auseinandersetzen muss.

Insbesondere die Grundschulen stellen fest, dass der Anteil der Kinder aus nicht traditionell katholischen Familien stetig zunimmt. Daraus ergeben sich neue Herausforderungen im Hinblick auf die Zusammenarbeit mit dem Elternhaus, dessen Sicht auf unsere strukturellen Regelungen und Konzepte sowie die notwendige Ausweitung der Erziehungsarbeit auf die Familien (Elternschule) im Rahmen unseres Apostolats.

Nach wie vor bleiben die Themen Kleidung, Musik und Medienkonsum aktuell und fordern beständige Aufmerksamkeit besonders seitens der Schulen, da sich auch hier die zunehmende Überforderung der Eltern bemerkbar macht.

Den Rahmen für die Klausurtagung, die in offener, ja herzlicher Atmosphäre stattfand, bildeten die gemeinsamen Gebetszeiten, eine Sakramentsandacht und als Höhepunkt die Feier der Heiligen Messe.

So sehen wir der anstehenden Klausurtagung im November 2020 voller Erwartung entgegen, um über die zwischenmenschlichen Kontakte hinaus die gemeinsame Arbeit für die katholische Bildung und Erziehung weiter zu vertiefen, sich auf einer gemeinsamen Plattform gegenseitig zu unterstützen und von den Kenntnissen und Erfahrungen der anderen zu profitieren.

Weiterhin gilt es, sich der Herausforderung zur Beantwortung folgender Fragen zu stellen: „Wie kann einerseits die Attraktivität, andererseits die Notwendigkeit der Wahrnehmung unseres vielfältigen Schulangebots den betreffenden Eltern und ihren Kindern noch stärker bewusst gemacht werden? Wie kann das Verlangen nach der Wahrheit auch aus dem (nicht traditionellen) Elternhaus geweckt werden?“

21 JANUAR, 2020
QUELLE: DISTRIKT DEUTSCHLAND


https://fsspx.de/de/news-events/news/kat...it-wecken-54482


Liebe Grüße, Blasius


zuletzt bearbeitet 21.01.2020 15:09 | nach oben springen

#328

RE: Lehre von der Tradition

in Wenn etwas der Klärung bedarf 12.02.2020 09:09
von Blasius • 2.943 Beiträge



DISTRIKT DEUTSCHLAND

Wo bleibt die Logik?


Der Priester - Alter Christus
Von Pater Stefan Pfluger

Mit großem Aufwand und riesigem Medienecho hat nach vielen aufwändigen Beratungen und Vorverhandlungen am vergangenen 1. Dezember der Synodale Weg begonnen. Im Vorfeld hatte das Was und Wie geklärt werden müssen. Die Zusammensetzung der Gremien und vor allem das jeweilige Mitbestimmungsrecht hatten definiert werden müssen.

Nun sind sie also unterwegs, zusammen unterwegs, wohlgemerkt, die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) – zwei interessante Partner.

Die Bischöfe sind die von Gott eingesetzten Hirten der einzelnen Bistümer mit einer ganz persönlichen Verantwortung vor Gott und den Menschen. Ihre Aufgabe ist es, den Gläubigen geistige und geistliche Nahrung zu geben (Priesteramt), sie im Glauben zu stärken und vor dem Irrtum zu bewahren (Lehramt), sowie ihnen die Richtung zu weisen (Hirtenamt), wozu als elementare Aufgabe das Eintreten für die katholische Morallehre gehört.

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken ist ein Zusammenschluss von Laien, vor allem von Vertretern der Diözesanräte und der katholischen Verbände. Die Mitglieder des Zentralkomitees fassen ihre Entschlüsse in eigener Verantwortung und sind dabei von Beschlüssen anderer Gremien, also auch von der Bischofskonferenz unabhängig. Die Tatsache, dass sie sich mit dem Namen „Katholiken“ schmücken, hindert sie nicht, seit Jahren für eine Abschaffung des Zölibats einzutreten, für Frauen Zugang zu allen kirchlichen Ämtern zu fordern und für eine Aufweichung der kirchlichen Ehemoral zu plädieren, womit gemeint ist, man solle sogar gutheißen, was der Katechismus himmelschreiende Sünden nennt.

Die Interessen, welche das ZdK offensichtlich hat, und die, welche die Bischofskonferenz objektiv haben sollte, sind sehr unterschiedlich. Wie kann der Spagat des synodalen Wegs gelingen? Wer wird bereit sein, seinen Standpunkt aufzugeben oder mindestens aufzuweichen?

Es ist in dieser Hinsicht nicht gerade ermutigend, dass das ZdK zur Teilnahme am Synodalen Weg nur unter der Bedingung bereit war, dass Klerus und Laien „paritätisch“ verstreten seien und dass die gemeinsam gefassten Beschlüsse tatsächlich zwingend sein würden. Symptomatisch für das Amtsverständnis der Bischöfe ist das Ausbleiben eines allgemeinen Aufschreis über diese Forderung. Man hätte sich gewünscht, dass viele Bischöfe sich wie Rainer Kardinal Woelki die Umsetzung der Beschlüsse in der eigenen Diözese und nötigenfalls den Rückzug aus dem Synodalen Weg vorbehalten hätten. Für das, was in den einzelnen Diözesen geschieht, muss ja schließlich nicht das Präsidium des ZdK, sondern der Ortsbischof vor Gott geradestehen.

Anlass für den Synodalen Weg war, auch das ist bedeutend, die Veröffentlichung der MHG-Studie (Mannheim – Heidelberg – Gießen, wegen der beteiligten Forscher), einer Studie über den Missbrauch Minderjähriger durch Männer der Kirche. Sie soll angeblich aufzeigen, dass die Missbräuche im kirchlichen Umfeld nicht bloß Untaten kirchlicher Mitarbeiter sind, sondern dass die Ursachen dieser schrecklichen Taten im „System“ der Kirche verwurzelt sind. Besonders werden die Missbräuche mit dem kirchlichen Amt als Machtstruktur und mit dem Zölibat in Verbindung gebracht.

Wie „wissenschaftlich“ ist die MHG-Studie in Wahrheit? Wie logisch ist dies Art zu argumentieren?

Zur ersten Frage schreibt der bekannte Psychiater und Theologe Manfred Lütz: „Wer über Verhältnisse in der katholischen Kirche wissenschaftlich arbeitet, muss besonders darauf achten, nur als wissenschaftliche Ergebnisse auszugeben, was sich mit Daten seriös belegen lässt. Das ist in der MHG-Studie leider spektakulär misslungen. (…) Wer die ganze Studie dann liest, ist befremdet vom unwissenschaftlichen Stil weiter Passagen, von feuilletonistischen und anekdotischen Bemerkungen und vom fast vollständigen Mangel an wissenschaftlich-kritischer Diskussion der Ergebnisse.“

Wenden wir uns nun den hauptsächlichen Vorwürfen zu:

Das kirchliche Amt des Priesters oder Diakons, sagt man, führe zu einem Machtgefälle. Das werde dann ausgenutzt, um mit der ganzen „Autorität“ einen anvertrauten Minderjährigen dazu zu bringen, einen Übergriff zuzulassen. Folglich möchte man alles überwinden, was noch nach einer Vorrangstellung des geweihten Priesters aussieht, und hofft damit, die Grundlage für die Missbräuche zu eliminieren.

Zugegebenermaßen wird bei einem Missbrauch ein Autoritätsverhältnis ausgenutzt. Aber das bedeutet selbstverständlich noch nicht, dass Autorität grundsätzlich schlecht ist. Wenn man bedenkt, dass die meisten Missbräuche im Umfeld der Familie geschehen, müsste man mit derselben verdrehten Logik grundsätzlich das Autoritätsgefälle zwischen Erwachsenen und Kindern für schlecht erklären. Das entspricht dem Denkmodell der 68er-Generation, wurde in den letzten 50 Jahren zu Genüge ausprobiert und ist grauenhaft gescheitert.

Aber nicht nur im kirchlichen Amt wird eine Ursache für die Missbräuche erblickt, sondern auch im Kleriker-Zölibat. Dieser wird als geradezu leibfeindliche Lebensform betrachtet, welche durch die Zurückdrängung des Geschlechtstriebs dazu führe, dass der Trieb immer stärker werde und schließlich zu übergriffigen Handlungen treibe. Eine solche Argumentation ist natürlich willkommen, weil man die Forderung der Reformatoren und ihrer Epigonen nach Abschaffung des Priesterzölibats nun „wissenschaftlich begründet“ wieder stellen kann.

Aber auch bei diesem Gedankengang bleibt der gesunde Menschenverstand auf der Strecke. Wenn ein Autofahrer durch eine Fußgängerzone rast und dabei Menschen tötet, würde es niemandem einfallen, ihn ernst zu nehmen, wenn er als Ausrede vorbringen würde, die vielen Geschwindigkeitsbegrenzungen hätten ihn zu sehr eingeengt, sein Bedürfnis nach hoher Geschwindigkeit habe sich dadurch so angestaut, dass er sich schließlich einfach nicht mehr beherrschen konnte. Aber wenn es um den Zölibat und die Missbräuche geht, ist man bereit, ähnlich inkohärent zu argumentieren.

Dass der Geschlechtstrieb durchaus beherrscht werden kann, zeigt nicht nur das Leben von vielen Heiligen, die ein jungfräuliches Leben geführt haben. Diese Beispiele zeigen aber auch, dass ein solches Leben nur möglich ist durch eine innige Gottverbundenheit, als ein Leben des Gebets und der Hingabe.

Wenn für jemanden der Zölibat nichts anderes ist als ein Heiratsverbot, wird er zur unerträglichen Last. Wenn er aber eine Lebensform ist, die sich ganz Christus angleicht und Gott mit der ausschließlichen und innigen Liebe hingibt, die Er verdient – dann ist der Zölibat etwas sehr Erfüllendes und Beglückendes.

Es ist lobenswert, dass die Bischöfe möglichst verlässlich zukünftige Missbrauchsfälle verhindern wollen. Viel zielführender als der Synodale Weg, bei dem grundlegende Punkte der kirchlichen Lehre und Moral in Frage gestellt werden, wäre es, die folgenden Punkte umzusetzen:

Die Priester ihre Identität finden zu lassen, indem man, der Lehre der Hl. Schrift gemäß, das Priestertum als Anteilnahme am Priestertum Christi erkennt.
Die Priesteramtskandidaten in erster Linie zu einem Leben des Gebets und der Hingabe heranführen. Sie verstehen lassen, dass Gott mit einer ausschließlichen Liebe geliebt zu werden verdient und dass in dieser Tatsache die eigentliche Begründung des Zölibats liegt.
Nur Kandidaten zu den Weihen zulassen, welche den Primat der Innerlichkeit vor dem Apostolat verstanden haben. Christus im allerheiligsten Altarssakrament muss die Quelle der Spiritualität sein.
Aufhören, sich über die traditionelle Moraltheologie lustig zu machen, die schon bewusst zugelassene oder gewollte Vorstellungen und Begierden gegen die Keuschheit als schwere Sünde bezeichnet. Wenn ein Priester schon im Bereich seiner Gedanken und Vorstellungen für moralische „Hygiene“ sorgt, kann er sicher sein, nie in Gefahr zu kommen, sich irgendwelche Übergriffe zu erlauben.

https://fsspx.de/de/news-events/news/wo-...die-logik-55044


Liebe Grüße, Blasius

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#329

RE: Lehre von der Tradition

in Wenn etwas der Klärung bedarf 31.03.2020 23:17
von Aquila • 6.046 Beiträge

Gelobt sei Jesus Christus !


Mit dem Sündenfall ist die gesamte Schöpfung in eine Unordnung geraten !
Das Ausmass des Sündenfalls hat gleichsam die ganze Schöpfung erschüttert!

Daher ist denn die von der allerheiligsten Dreifaltigkeit, GOTT
gut erschaffene Natur durch den Sündenfall in die Unordnung miteinbezogen.

GOTT nutzt denn aber auch die nun bestehende Unordnung auch dazu,
um mahnend-strafend einzugreifen.
Wichtig ist die Tatsache, dass
nichtsohne den WILLEN GOTTES geschieht....
trotz des gewaltigen Ausmasses des Sündenfalles auf die gesamte Schöpfung bleibt
alles im EWIGEN RATSCHLUSS GOTTES eingebunden.


Der hl. Augustinus:

Nichts geschieht ohne den Willen des Allmächtigen. 
Entweder läßt er zu, daß es geschehe, oder er tut es selbst
. 



Katastrophen treffen sowohl Menschen guten als auch schlechten Willens !

Die Unordnung in der Welt
- von der äusserlichen unbelebten Natur bis hin zur innerlichen der Seelen -
ist eine Folge des Sündenfalles der ersten Menschen, Adam und Eva.
Die Sünde in der Welt wiederum ist eine Frucht der Zustimmung des freien Willens zum Hang nach ungeordenten Begierlichkeiten.
Dieser Hang zu ungeordeneten Begierlichkeiten ist denn auch eine Folge der Erbsünde.
Die Sünde verleiht denn auch immer dem personalen Bösen mehr an Einfluss !
Die Welt scheint aus den Fugen zu geraten !
Auch die unbelebte Natur kündet denn von dieser Erschütterung der Schöpfung durch die Sünde !

Wenn nun aber bei Katastrophen nicht nur Menschen schlechten Willens zu Tode kommen sondern eben auch jene, die ein gottgefälliges, mit gutem Willen genährtes Leben geführt haben, so bleibt dennoch ein gewichtiger Unterschied bestehen;
während es für diejenigen, die bis zuletzt verstockt und unbussfertig geblieben sind zum ewigen Verderben gereichen wird,
wird es für diejenigen, die nach bestem Wissen und Gewissen gottesfürchtig gelebt haben zu einer seelenläuternden und seelenrettenden Gnade!
Gerade in Katastrophen finden denn auch erst viele Menschen ( zurück ) zur allerheiligsten Dreifaltigkeit, GOTT !

Jegliches Leid und jeglicher Schmerz
- also auch jegliche Katastrophen -
sind eingebunden in den Ewigen Ratschluss der allerheiligsten Dreifaltigkeit, GOTTES.

Der heilige Augustinus hat es denn auch sehr schön beschrieben in seinem Werk "De civitate Dei" ( Vom Gottesstaat ):

-
"So darf man nicht sagen, dass, wenn Gute und Böse dasselbe Schicksal trifft, darum zwischen ihnen kein Unterschied sei, weil in ihrem Ergehen vielleicht kein Unterschied zu finden ist.

Bei aller Gleichheit der Leiden
bleiben die Leidenden dennoch ungleich, und mag auch die Plage diesselbe sein, sind doch Standhaftigkeit und Haltlosigkeit nicht dasselbe....

Darum schmähen und lästern die bösen Gott in derselben Trübsal, in der die Guten Ihn anrufen und preisen.
Nicht was, sondern wie jeder leidet, darauf kommt es vor allem an.
Denn vom gleichen Lufthauch berührt, lässt der Kot abscheulichen Geruch, das Salböl lieblichen Duft aufsteigen."

-


Einer der grossen Apologeten ( Verteidiger ) des wahren Glaubens ist der aus der Provinz Africa stammende Kirchenvater Laktanz ( Lactantius, gest. ca. 320 )

In seinem Werk
"de irae dei" ( Von Gottes Zorn )
erläutert er die Lehre über den Zorn Gottes näher.
Zunächst zeigt er im zweiten Kapitel die von philosophischen Strömungen jener Zeit vertretenen - aber auch heute immer noch vorgebrachten - irrigen Thesen auf, um dann die alleinig wahre Lehre zu definieren:

Aus dem 2. Kapitel: Die Stufen der Wahrheit

-

Denn manche behaupten, daß Gott niemand Gnade erweise und niemand zürne,
daß er vielmehr ruhig und unbekümmert die Güter seiner Unsterblichkeit genieße.
Andere sprechen Gott den Zorn ab und belassen ihm die Gnade;
denn das Wesen, das durch die höchste Vortrefflichkeit sich auszeichne,
dürfe zwar nicht Übles zufügen, aber auch des Wohltuns nicht entbehren.
So stimmen die Philosophen insgesamt bezüglich des Zornes überein, gehen aber in der Gnade auseinander.
Um nun die gestellte Aufgabe der Ordnung nach zu behandeln,
müssen wir folgende Einteilung treffen und einhalten;
da Zorn und Gnade im Gegensatz stehen und einander ausschließen,
so muß man
entweder: erstens den Zorn der Gottheit zuerkennen und die Gnade entziehen;
oder zweitens Zorn und Gnade zugleich entziehen (Epikureer);
oder drittens den Zorn wegnehmen und die Gnade belassen (Stoiker);
oder viertens Zorn und Gnade Gott zuerkennen.
Etwas weiteres außer diesem läßt die Natur der Sache nicht zu,
und so muß sich in einer dieser vier Möglichkeiten die gesuchte Wahrheit finden.
Betrachten wir nun die einzelnen Punkte,
damit uns der geordnete Gang der Untersuchung zur verborgenen Wahrheit führe.


-

Im 6. Kapitel schildert er dann die folgerichtige Wahrheit:

-

6. In Gott ist Zorn und Gnade.

Dies sind die Meinungen der Philosophen über die Gottheit;
etwas weiteres hat keiner je vorgebracht.
Wenn sich nun all diese Aufstellungen als falsch erwiesen haben,
so bleibt nur jener vierte und letzte Punkt noch übrig,
in dem allein die Wahrheit sich finden muß,
daß Gott folgerichtig auch zürnt,
n a c h d e m
er von Gnade bewegt wird.

Diesen Gedanken haben die Philosophen weder je aufgegriffen noch jemals verteidigt.
An uns ist es, diese Anschauung zur Anerkennung und Geltung zu bringen;
denn hierin liegt Wesen und Kern der ganzen Religion und Frömmigkeit.
Man kann ja Gott keine Ehre schulden, wenn er für die Verehrung nichts gewährt;
man braucht vor Gott keine Furcht zu haben, wenn er wegen Verweigerung der Ehre nicht zürnt.


-

Pater Metz von der Petrus-Bruderschaft skizziert unter dem Begriff falsche Propheten u.a. auch Aussagen wie diese:

-
Für sie ist es erst recht undenkbar,
dass Katastrophen auch Fingerzeige des allmächtigen Gottes sein können.
Für sie ist es undenkbar, dass Gott durch die Geschehnisse in der Natur und der Geschichte sich kundtut, um die Menschen aufzurütteln, zu warnen und zur Umkehr zu bringen.
All das, ist mit dem Gottesbild der falschen Propheten nicht zu vereinbaren.

-

Die sehr lesenswert Predigt von Pater Metz in Gänze:
Wahre und falsche Propheten



Aus einer Predigt von Hw Prof. May aus dem Jahre 2009:
-
"[....]
Wer es wagt, die Katastrophen unserer Zeit als die Sprache Gottes zu deuten, wer in den Untergängen und Unfällen unserer Tage den Finger Gottes zu erkennen meint, der wird verunglimpft, verhöhnt und ausgesperrt.
Aber gerade das war ja die Aufgabe der wahren Propheten, die Zeichen der Zeit, also die Geschehnisse in Natur und Geschichte, im Namen Gottes zu deuten.
Gott spricht eben durch die Tsunamis,
Gott spricht durch Flugzeugabstürze und Schiffsunfälle.
Gott spricht auch durch die Wirtschafts- und Finanzkrise unserer Tage.

Wenn, meine lieben Freunde, wenn Gott die Welt regiert, dann darf und muss man sich fragen, wo und in welchen Ereignissen der Finger Gottes zu erkennen ist.
Der zum Weihbischof in der Diözese Linz ausersehen Pfarrer Gerhard Maria Wagner mußte den Papst bitten, seine Ernennung zum Weihbischof zurückzunehmen.
Warum? Weil die kirchen- und glaubensfeindliche Meute über ihn hergefallen ist.
Weswegen?
Weil er angesichts des Wirbelsturms Cathrina in New Orleans die Frage stellte – die Frage stellte –, ob Katastrophen dieser Art nicht Folge geistiger Umweltverschmutzung seien.
Ich frage: Was soll denn falsch sein an dieser Frage?
Hat Gott nicht
Sodom und Gomorrha wegen widernatürlicher Unzucht in einem Feuer- und Schwefelregen verbrannt?
Sodom und Gomorrha erscheinen in der Bibel oftmals als warnendes Beispiel der Sünde und göttlicher Strafgerichte."

[....]"

-


zuletzt bearbeitet 01.04.2020 09:35 | nach oben springen



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