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#1111

RE: Der Heilsplan Gottes für den Menschen - Die rettende Botschaft für alle

in Wenn etwas der Klärung bedarf 19.02.2020 08:49
von Blasius • 2.787 Beiträge



BILD: https://www.kloster-scheyern.de/klosterr...euzkapelle.html

Der Heilsplan Gottes für den Menschen
Gott offenbart seinen „gnädigen Ratschluß“

Liebe Leserinnen und Leser,


Christliches Leben als drückendes Kreuz
Wer mir nachfolgen will:


Jesus Christus trägt das Kreuz auf Seiner schulter; auf dem Haupt die Dornenkrone,
auf der Brust Sein heiligstes Herz

Tautropfen für das kleinmütige Herz
Das christliche Leben als drückendes Kreuz
Das drückende Kreuz

Auch die Dornen um sein Herz im Bild sind sehr trostreich für ein geplagtes Herz. Solche Dornenstiche in das Herz waren bei Jesu Lebzeiten der Undank der Juden für alle die Liebe, die er ihnen erzeigt, der Verrat seines Freundes Judas, die Verzagtheit der übrigen Jünger, die ihn bei seinem Leiden im Stich lassen; nach seinem Tod sind es die Christenleute, die solches Verfahren fortsetzen. Aber auch dieses Leid hat er über sich kommen lassen und hat es aufgeopfert für dich als Zahlung für deine Sündenschuld. Daran denk, wenn auch du von Seiten der Deinigen Dornenstiche des Undanks, der Zurücksetzung, der Lieblosigkeit ins Herz bekommst. Denk, es geschehe, um dich hier gelind zu strafen, auf daß du drüben in der Ewigkeit nicht mögest tausendfach ärger gequält werden…

Es gibt noch ein anderes, drückendes Kreuz, das christliche Leben selbst. Nach Vorschrift des Glaubens zu leben ist kein Kinderspiel. Der natürliche Mensch ist dazu einesteils zu schwach, anderenteils sträubt er sich sogar gegen das christliche Leben, weil es seinen Gelüsten Abbruch tut. Und die böse Welt von Außen lockt fort und fort auf ihre Seite, und der Widersacher, der Teufel, steht ebenfalls ununterbrochen auf der Lauer, um dich in seine Netze zu bringen. Heute regt sich die Ungeduld, und du solltest trotzdem sanftmütig sein wie ein Lamm; morgen hörst du feindselige Reden gegen dich und du solltest ein versöhnliches Herz zeigen; dann trifft dich ein Ungemach, und du solltest es gottgefällig ertragen; hernach bekommst du von den Deinigen Verdruss und du solltest liebevoll sein, als hättest du keinen bekommen; bisweilen geschieht wilder Andrang von mehreren Seiten auf einmal, von innen und von außen, und du solltest zu gleicher Zeit nach allen Seiten hin streiten.

Durch alle diese Stürme, und über alle diese aufgeregten Wogen des täglichen Lebens solltest du mutig voran schreiten. Aber woher die Kraft nehmen? Aus dir selbst kannst du nur sinken und fallen und mußt kleinmütig verzagen. Es braucht also zu einem Leben nach dem Glauben, auch eine gläubige Hoffnung, feste Zuversicht, männlichen Mut, all das zu vollbringen, was deine Schwachheit allein nie zu vollbringen vermag, und Gott doch von dir fordert. Da nun sieh dir recht genau das Herz des Herrn selber an; es wird dir werden, wie der heiligen Angela Foligno.

Das Beispiel Angela Foligno

Angela hatte am Anfang ihrer Bekehrung mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Das Weltleben, dem sie früher ergeben war, hatte tiefe Wurzeln geschlagen, die sich nur mit großer Anstrengung ausrotten ließen. Der Satan flüsterte ihr ein, sie werde ein solches Leben der Bekehrung nicht aushalten, es wäre unklug, sich solche Entsagungen aufzulegen, auch die Vernünftigen würden sie darüber tadeln. In diesem Kampf und in großer Angst ihrer Seele fing sie an zu beten, daß Gott ihr helfen möge. Und wie sie wieder einmal so betete, schlief sie ein, und im Traum sah sie das Herz Jesu, und sie hörte die Worte sagen: „In diesem Herzen ist alles wahr, und kein Schatten der Lüge.“ Sie verstand zwar nicht sogleich, was damit für sie sollte gemeint sein. Aber später ließ der Herr sie erkennen, wie treu er in seinen Verheißungen sei, Allen zu helfen, die ihn darum bitten. „O“, sprach er, „was habe ich nicht gelitten, zumal für die Sünden deines Herzens! Dein Herz war gegen Gottes Gebot voll Zorn, Neid, Trauer, Weltlust, ein See von sündhaften Gefühlen und bösen Begierden. Aber, ich habe darum mein Herz durchbohren lassen; aus diesem Herzen kommt die Heilkraft, die alle Übel des Menschenherzen wegnimmt. Das Wasser ist daraus geflossen, um die Flammen der Begierlichkeit zu löschen, und das Blut ist daraus hervor gequollen, um Trauer und Ermüdung weg zu nehmen.“ So tröstete, so ermutigte sie der Herr zum weiteren Kampf, und sie hat ihn im Vertrauen auf die Heilkraft des göttlichen Herzens auch siegreichst durchgekämpft, und gelangte bis zur höchsten Vollkommenheit des christlichen Lebens.

Gebet um Bußgeist

Hast du nun so oder ähnlich am Bild des Herzens Jesu sein Beispiel betrachtet, dann bete auch kräftig um Stärke und Geduld, um Bußgeist, daß du dein Leiden zur Abzahlung deiner vielen Schulden christgemäß ertragest. Solches Gebet hört das mitleidige Herz Christi gern, und gibt dir von seinem Geist, wie er dir von seinem Leiden gegeben. Seinem geliebten Vetter Johannes hat er einen Kessel siedendes Öl bereiten und ihn darin eintauchen lassen, um ihn desto herrlicher ewig beseligen zu können. Denke auch du, dein Leiden sei gleichsam siedendes Öl vom Herrn selber zugerichtet, auf daß in demselben alles Unreine und Schadhafte und Sündige und Unhimmlische an dir ausgekocht werde, und du rein befunden werdest vor Gottes Augen. So hat ehedem auch der heilige Märtyrer Ignatius die Sache betrachtet. Er dachte, die Löwen, welche die Heiden auf ihn hetzten, seien mit ihren Zähnen die Mühle, auf welcher er als Weizen Christi sollte gemahlen erden, um ein süßes Brot Christi zu werden.

Auf solche Weise wird dir das Anschauen des Herz-Jesu-Bildes fortwährend Christum lebendig vor die Seele bringen und sein Beispiel dich anlocken und ermuntern, dein Kreuz alle Tage wieder von Neuem auf dich zu nehmen und ihm still ergeben nachzutragen. –

aus: Franz Ser. Hattler SJ, Christkatholisches Hausbrod für Jedermann, der gut leben und fröhlich sterben will., II. Band, VII. Teil, 1892, S. 132 – S. 133


Liebe Grüße, Blasius


zuletzt bearbeitet 19.02.2020 08:50 | nach oben springen

#1112

RE: Der Heilsplan Gottes für den Menschen - Die rettende Botschaft für alle

in Wenn etwas der Klärung bedarf 20.02.2020 07:45
von Blasius • 2.787 Beiträge



Der Heilsplan Gottes für den Menschen
Gott offenbart seinen „gnädigen Ratschluß“

Liebe Leserinnen und Leser,


Hl. Hieronymus (347-420)
Priester, Bibelübersetzer und Kirchenlehrer

Homilien zum Markus-Evangelium, 8, 235; SC 494 (trad. © Evangelizo)

„Öffne mir die Augen für das Wunderbare an deiner Weisung“ (Ps 119(118),18)

„Jesus bestrich seine Augen mit Speichel, legte ihm die Hände auf und fragte ihn, ob er etwas sehe“ (vgl. Mk 8,23). Erkenntnis ist immer fortschreitend. […] Nur um den Preis eines großen Zeitaufwands und einer langen Lehrzeit kann man zur vollkommenen Erkenntnis gelangen. Zuerst verschwinden die Verschmutzungen, dann die Blindheit, und so kommt das Licht. Der Speichel des Herrn ist eine vollkommene Lehre: Um auf vollkommene Weise zu lehren, kommt er aus dem Mund des Herrn.
Der Speichel des Herrn, der sozusagen aus seiner Substanz fließt, ist die Erkenntnis, so wie sein Wort, das aus seinem Mund kommt, eine Arznei ist […]

„Ich sehe Menschen; denn ich sehe etwas, das wie Bäume aussieht und umhergeht“; ich sehe immer noch Schatten, noch nicht die Wahrheit. Der Sinn dieses Wortes ist folgender: Ich sehe etwas im Gesetz, aber ich nehme noch nicht das strahlende Licht des Evangeliums wahr. […] „Da legte er ihm nochmals die Hände auf die Augen; nun sah der Mann deutlich.“ Er sah, meine ich, alles, was wir sehen: Er sah das Geheimnis der Dreifaltigkeit, er sah alle heiligen Geheimnisse, die im Evangelium enthalten sind. […] Auch wir sehen sie, denn wir glauben an Christus, der das wahre Licht ist.


Liebe Grüße, Blasius

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#1113

RE: Der Heilsplan Gottes für den Menschen - Die rettende Botschaft für alle

in Wenn etwas der Klärung bedarf 21.02.2020 13:37
von Blasius • 2.787 Beiträge



Der Heilsplan Gottes für den Menschen
Gott offenbart seinen „gnädigen Ratschluß“

Liebe Leserinnen und Leser,

Hl. Gertrud von Helfta (1256-1301)
Benediktinerin

Geistliche Übungen VII, EOS-Verlag St. Ottilien 2008, S. 133–134

Wer sein Leben um meinetwillen verliert, wird es finden

O du geliebtester Tod, du bist mein glücklichstes Los. Ja, bei dir, bei dir kann meine Seele ein Nest für sich finden, o Tod. O Tod, der du die Früchte für ein ewiges Leben zur Welt bringst, ach wenn doch deine Lebensflüsse mich ganz umhüllten. O Tod, du ewiges Leben, ach lass mich doch immerfort hoffnungsfroh sein unter deinen Flügeln. O du heilbringender Tod, ach wenn doch meine Seele verweilen könnte bei deinen Gütern. O ganz kostbarer Tod, meine liebste Erwerbung bist du. Ja, so nimm doch mein ganzes Leben auf, in dich hinein, und versenke in dir meinen Tod. […]

O Tod, voller Leben, ja unter deinen Flügeln lass mich dahinschmelzen. O Tod, du Lebenstropfen, ja, in alle Ewigkeit glühe in mir der Funken deiner überaus süßen Lebenskraft. […] O du herzinnigster Tod, du geistige Zuversicht meines Herzens. O Tod, du geliebtester, in dir sind für mich alle Güter aufbewahrt. Ja, so umgebe mich deine gütige Sorge, damit ich im Sterben lieblich in deinem Schatten ruhen kann.

O Tod, du barmherzigster, du bist mein allerglücklichstes Leben. Du bist mein bestes Teil (Lk 10,42). Du bist der, der mich freikauft, versehen mit den reichsten Mitteln. Du bist mein alles überstrahlendes Erbteil. Ja, so hülle mich doch ganz in dir ein, verbirg in dir mein ganzes Leben, birg in dir meinen Tod. O herzinnigster Tod, bewahre du mich auf für dich in alle Ewigkeit in deiner väterlichen barmherzigen Liebe als ewigwährende Erwerbung und Besitz.


Liebe Grüße, Blasius

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#1114

RE: Der Heilsplan Gottes für den Menschen - Die rettende Botschaft für alle

in Wenn etwas der Klärung bedarf 22.02.2020 09:24
von Blasius • 2.787 Beiträge




Der Heilsplan Gottes für den Menschen
Gott offenbart seinen „gnädigen Ratschluß“

Liebe Leserinnen und Leser,

Als Christ fragst du gerne Andere um Rat
Bescheidenheit lehrt, andere um Rat zu fragen


In der Nachfolge Christi heißt es: „Es ist wahr, jeder handelt am liebsten nach seinem Kopf, und neigt sich mehr zu denen, welche mit ihm übereinstimmen. Aber wenn Gott bei uns ist, so müssen zuweilen unsere Meinung aufgeben um des Friedens willen. Wer ist so weise, daß er Alles vollkommen wissen kann? Daher sollst du nicht so sehr auf deine Ansicht vertrauen, sondern begehre auch gern die Ansicht Anderer zu hören. Ich habe vielmal gehört, es sei sicherer, Rat zu hören und anzunehmen, als zu geben. Es kann auch zutreffen, daß die Meinung von Jemand gut ist; aber Andern nicht zustimmen wollen, wo es Vernunft oder Grund verlangt, ist ein Zeichen von Stolz und Eigensinn.“

Dieses hat mir in dem Leben des seligen Pippin so wohl gefallen und habe es deswegen besonders heraus gehoben, daß dieser ausgezeichnete Mann, durch dessen Rat drei mächtige Könige sich leiten ließen, selbst wieder Rat bei tauglichen Männern angesucht hat. Der gewöhnliche Mensch ist ein hochmütiges, verblendetes Geschöpf. Ganz unwissende Menschen, Handwerksleute, Schreiber, Bauern, Weiber urteilen oft über Kirche und Staat, wie gepredigt und wie regiert werden solle; und würden es für gut halten, wenn Papst, König und Kaiser sie um Rat fragen würden, während sie selbst nicht einmal ihr eigenes Hauswesen und ihre Kinder in Ordnung zu halten wissen. Wie schön und edel steht dagegen der hoch gestellte weise Fürst Pippin da, der in keiner wichtigen Sache einen Entschluss fassen mag, ohne vorerst mit kenntnisvollen frommen Männern sich beraten zu haben! Solches Ratsuchen lehrt der wahre Geist des Christentums.
(siehe den Beitrag: Seliger Pippin der Ältere Ratgeber)

Bist du ein wahrer Christ, so wirst du gern und oft Andere um Rat fragen, und nichts Wichtiges bloß auf deinen Kopf hin tun. Denn wenn du ein wahrer Christ bist, so bist du bescheiden und gewissenhaft. So wenig die Kraft des stärksten Mannes allein ausreicht, ein großes Haus zu bauen, so wenig reicht der Verstand des gescheitesten Menschen allein aus, das Richtige zu finden in jeder Angelegenheit. Deswegen verlangt die Bescheidenheit auch vom weisesten und gelehrtesten Mann, Andere oft um ihre Meinung zu fragen und nach Umständen sich darnach zu richten.

Gewissenhaftigkeit verlangt, andere um Rat zu fragen

Aber auch die Gewissenhaftigkeit verlangt es. Oft hängt außerordentlich viel von einem Entschluss oder einer Handlung a, und wie viele Tausendmal geht das Sprichwort in Erfüllung: „Vorher getan, hernach bedacht, hat Manchen in groß Leid gebracht“, und bringt oft nicht einen allein, sondern auch Andere, ganze Familien in großes Leid. Es gut gemeint zu haben bewahrt noch nicht vor verderblichen Folgen. Wenn der Arzt eine Krankheit nicht recht kennt und dem Kranken ein unrechtes Mittel gibt, so geht der Kranke zu Grunde, wenn es der Arzt auch noch so gut gemeint hat. Eben deshalb entschließe dich, ohne Rat von Andern in wichtigen Dingen eingeholt zu haben, z. B. wenn es sich um eine Heirat handelt, um die Wahl des Standes, um Versorgung eines Kindes. Nicht Rat hören wollen ist ein Zeichen von Eigensinn und hochmütigem Dünkel, und führt oft in großes Unglück und oft auch in Sünde.

Wähle Ratgeber, die auch gewissenhaft sind

Wenn du aber um Rat fragst, so wähle dir solche Leute, die in deiner Angelegenheit auch viele Einsicht haben. Was soll es helfen, leichtfertige Menschen anzuhören, die in alle Dinge sich mischen und mit ihren Ratschlägen aufdringlich sind, und vielleicht doch nur unwissende oberflächliche Schwätzer sind, die es nie der Mühe wert finden, ernstlich über eine Sache nachzudenken! Und wähle dir einen Ratgeber, der auch gewissenhaft ist. Pippin wählte zu seinen Ratgebern nach einander zwei Männer, die durch die Heiligkeit ihres Wandels sein vertrauen erworben hatten; und so lange der König Dagobert auf den Rat des Pippin hörte, war er glücklich in allen Dingen, beleibt bei dem ganzen Volk und berühmt noch über die Grenzen seines Landes hinaus. Sobald er aber auf andere gewissenlose Ratgeber hörte, geriet er, wie der König Salomon während seiner letzten Jahre, in Laster und Schande. Ist ein Ratgeber noch so gescheit, aber ein schlechter Christ, so wird er dir entweder raten, was deiner Regierung angenehm ist oder was ihm selbst einen Vorteil bringt, und wird wenig darnach fragen, ob es deiner Seele und andern Menschen Nachteil bringe oder nicht, ob es eine Sünde oder Gefahr zur Sünde ist. Hast du aber Jemanden gefunden, der wirklich den Geist des Rates, der Einsicht und der Gottesfurcht besitzt, dann suche auch seinen Rat in allen wichtigen und zweifelhaften Dingen; und wenn dir Etwas anders scheinen will, als er rät, so denk`, daß du aus Zuneigung oder Abneigung schwerer das Wahre und Richtige erkennst, als der Unparteiische, und halte dich an die Worte der Nachfolge Christi: „Es ist sicherer, Rat zu hören und anzunehmen, als zu geben.“ –

aus: Alban Stolz, Legende oder der christliche Sternhimmel, Bd. 1 Januar bis März, 1872, S. 267 – S. 269

https://katholischglauben.info/als-chris...-andere-um-rat/



Liebe Grüße, Blasius


zuletzt bearbeitet 22.02.2020 09:25 | nach oben springen

#1115

RE: Der Heilsplan Gottes für den Menschen - Die rettende Botschaft für alle

in Wenn etwas der Klärung bedarf 23.02.2020 09:01
von Blasius • 2.787 Beiträge



BILD: Bartolomeo Montagna 1482.


Der Heilsplan Gottes für den Menschen
Gott offenbart seinen „gnädigen Ratschluß“

Liebe Leserinnen und Leser,


Unterricht für den Sonntag Quinquagesima
23. Februar 2020

Die Vorfastenzeit – Unterricht für den Sonntag Quinquagesima


1 Die Vorfastenzeit – Unterricht für den Sonntag Quinquagesima
1.1
1.2 Warum hat Christus den Jüngern sein Leiden so oft voraus gesagt?
1.3 Verstanden die Jünger gar nichts von dem, was Er ihnen über sein Leiden vorher sagte?
1.4 Warum nennt sich Christus den „Menschensohn“?
1.5 Warum nennt der Blinde Christum den „Sohn Davids“?
1.6 Was können wir aus der Geschichte dieses Blinden lernen?
1.7 Warum wird dieses Evangelium am heutigen Sonntag gelesen?

An diesem Sonntag, an dem sich so viele Christen den weltlichen, gefährlichen Lustbarkeiten blindlings ergeben, stellt uns die Kirche Jesum vor, der mit unendlicher Liebe freiwillig in den Tod geht, um uns von der Blindheit des Geistes zu erlösen, und ruft im Eingang der heiligen Messe mit bedrängtem, aber vertrauensvollem Herzen zu Gott um Hilfe mit den Worten: „Sei mir ein beschirmender Gott und ein Haus der Zuflucht, um mir zu helfen! Denn meine Stärke und meine Zuflucht bist Du; um deines Namens willen wirst Du mich führen und ernähren.“ (Ps. 30, 3 u. 4) – Ehre sei dem Vater etc.

Gebet der Kirche.
Wir bitten Dich, o Herr! Erhöre gnädig unser Gebet, befreie uns von den Banden der Sünden und bewahre uns vor aller Widrigkeit, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen.

Lesung aus dem ersten Brief des hl. Apostels Paulus an die Korinther.
Kap. 13 Vers 1-13.

siehe 1. Kor. 13, 1-13

Was lehrt uns hier der hl. Paulus?
Er lehrt uns kennen:

1) Die Notwendigkeit der christlichen Liebe. Alle natürlichen und übernatürlichen Gaben, alle guten Werke, alle Tugenden und Aufopferungen, selbst der Martertod können den Menschen die Seligkeit nicht verschaffen, wenn sie nicht von der Liebe beseelt sind, wie der Leib von der Seele. Nur durch die Liebe werden wir und alles, was wir tun, Gott wohlgefällig.

2) Die Eigenschaften der christlichen Liebe. Diese sind a) herzliches Wohlwollen ohne Neid, Argwohn, Verstellung und Erbitterung; b) reine Absicht ohne Selbstsucht, Ehrgeiz, Unbescheidenheit und Ungerechtigkeit; c) starkmütige Geduld ohne Übereilung; d) demütige Ergebung an Gott, der dem Liebenden alles ist.

3) Die Vorzüge der christlichen Liebe. Sie bestehen darin, daß die Liebe allem Guten erst Wert verleiht, daß, während alles übrige vergeht, während der Glaube in Schauen, die Hoffnung in Besitz, bruchstückweise Wissenschaft in volle Erkenntnis der ganzen Wahrheit übergeht, sie allein ewig währt, demnach das größte ist. Der Glaube, spricht der hl: Augustinus, legt den Grund zum Haus Gottes, die Hoffnung führt das Gebäude auf, die Liebe vollendet es, indem sie uns reinigt und an Gott unabänderlich kettet.

Was lehrt uns der hl. Paulus noch weiter?

1) Daß der Glaube, und wäre er so groß, daß man Berge versetzen könnte, nichts helfe, ohne den Stand der heiligmachenden Gnade;

2) daß man durch gute Werke nichts verdienen könne, wenn man nicht im Stande der Gnade Gottes ist.

Daher befleiße dich, christliche Seele, daß du stets im Stande der Gnade seiest.

Nützen die Werke, welche dieselben keine Belohnung im Himmel verdient, so belohnt Gott sie doch oft zeitlich; ja sie können dazu verhelfen, daß Gott den Menschen um solcher Werke willen innerlich erleuchtet und zur Buße bewegt, wie an den Hauptmann Kornelius zu sehen ist. (Apg. 10)

Übung.
Trachte, daß alle deine Werke von der Liebe zu Gott und dem Nächsten erzeugt, genährt und vollbracht werden. Erwecke beim Beginn eines jeden Geschäftes die gute Meinung: Alles meinem Gott zuliebe! Bete:

O Gott der Liebe! Gieße den Geist der reinen Liebe in mein Herz, auf daß ich mich nach der Lehre des hl. Paulus befleiße, allzeit im Stand der Gnade zu sein, damit alle meine Werke Dir angenehm und mir verdienstlich werden. Amen.

Evangelium nach dem hl. Lukas. Kap. 18 Vers 31-43.

Warum hat Christus den Jüngern sein Leiden so oft voraus gesagt?
1) Um zu zeigen, wie sehnlich Er für uns zu leiden verlange; denn von dem, wonach man sich sehnt, spricht man gern und oft;

2) damit seine Jünger, wenn sie sehen würden, wie Er als Übeltäter behandelt und gepeinigt werde, nichts Arges von Ihm dächten und sich nicht für betrogen hielten, sondern vielmehr durch Erinnerung an seine Worte im Glauben an Ihn, als den wahrhaften Sohn Gottes und Erlöser der Welt, der sein Leben freiwillig hingeopfert, bestärkt würden.

Verstanden die Jünger gar nichts von dem, was Er ihnen über sein Leiden vorher sagte?
Sie mögen zwar wohl verstanden haben, daß Er leiden würde, da ja der hl. Petrus Ihn sogar davon abhalten wollte (Matth. 16, 22); aber sie konnten seine Worte mit ihren Erwartungen von einem herrlichen Reich des Messias nicht vereinbaren. Sie verstanden die heilige Schrift und die Weissagungen auf den künftigen Messias nicht und konnten daher nicht begreifen, aus welchen Ursachen und zu welchem Ziel und Ende Er leiden, oder Er wieder auferstehen würde. Alles dieses musste ihnen erst, nachdem es geschehen war, der hl. Geist begreiflich machen. (Joh. 14, 26) – So viel ist an der Erleuchtung des hl. Geistes gelegen, indem man ohne sie auch die noch so klar vorgetragenen Glaubens-Wahrheiten nicht verstehen kann.

Warum nennt sich Christus den „Menschensohn“?
Um anzuzeigen, daß Er wahrer Mensch und derjenige sei, von welchem die Propheten vorher gesagt, daß Er die menschliche Natur annehmen und die Menschen erlösen würde, und um uns Demut zu lehren.

Warum nennt der Blinde Christum den „Sohn Davids“?
Um anzudeuten, daß Er der aus dem Geschlecht Davids stammende wahre Messias sei.

Warum fragt Christus den Blinden: „Was willst du, daß Ich dir tun soll?“

1) Damit dieser seinen Glauben und seine Hoffnung, das Gesicht durch den Heiland wieder zu erhalten, öffentlich bezeugte, und sein Vertrauen auf dessen Macht und Güte belebt und gestärkt würde;

2) um an den Tag zu legen, wie sehr Er uns Gutes zu tun verlange, und wie angenehm es Ihm sei, wenn wir mit Vertrauen unsere Bedürfnisse Ihm vortragen.

Was können wir aus der Geschichte dieses Blinden lernen?

Wir können daraus lernen:

1) Welch eine große Wohltat die Gabe des Gesichtes sei, und daß man dafür Gott danken und die Augen nicht zur Sünde missbrauchen solle;

2) welch ein unaussprechliches Unglück die Blindheit des Geistes sei, – jener Zustand, in dem man seinen Gott, seinen Erlöser und Seligmacher, den Weg der göttlichen Gebote etc. nicht kennt, nicht einsieht, was dem Heil hinderlich ist, sondern fern von Ihm in der Finsternis der Unwissenheit und Sünde wandelt;

3) wo der Erlöser aus diesem Zustand zu finden sei; es ist Jesus Christus, heilend und erleuchtend durch seine heilige Kirche;

4) mit welch beharrlichem Eifer man Ihn aufsuchen und um Befreiung bitten müsse, ohne sich durch böse Beispiele, Verfolgung oder Spott von Seiten der Weltmenschen irre machen zu lassen; 5, wie inbrünstig man Gott danken, und mit welch unwandelbarer Treue man Ihm anhangen soll, wenn Er uns einmal die Augen der Seele geöffnet und von der geistigen Blindheit der Sünde durch seine Gnade uns befreit hat.

Warum wird dieses Evangelium am heutigen Sonntag gelesen?
Die Kirche will uns an das schmerzliche Leiden und Sterben Christi erinnern, dadurch für die heilige Fastenzeit vorbereiten und von den in diesen Tagen üblichen Fastnachts-Lustbarkeiten abhalten, denen sich die Kinder der Welt hingeben.

Übung.
Bitte Gott oft und inbrünstig um das himmlische Licht, damit du erkennen mögest, wie abscheulich die Sünde ist; insbesondere aber bitte, daß du dich selbst erkennen mögest; denn die Selbsterkenntnis ist die vollkommenste Gerechtigkeit.

Gebet.
O Jesus! Der Du ein so großes Verlangen gehabt hast, für unsere zeitliche und ewige Wohlfahrt zu leiden, gib, daß wir Dir zuliebe die Wollüste hassen, dagegen die Abtötung und Kreuzigung des Fleisches lieben, damit wir dadurch verdienen, von der Blindheit der Seele befreit zu werden, Dich immer besser zu erkennen eifriger zu lieben und endlich ewig zu besitzen. Amen. –

in: Leonhard Goffine, Ord. Praem.; Unterrichts- und Erbauungsbuch oder Katholische Handpostille, 1885, S. 131 – S. 135

https://katholischglauben.info/unterrich...-quinquagesima/



Liebe Grüße, Blasius


zuletzt bearbeitet 23.02.2020 09:06 | nach oben springen



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