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#1126

RE: Der Heilsplan Gottes für den Menschen - Die rettende Botschaft für alle

in Wenn etwas der Klärung bedarf 04.03.2020 16:49
von Blasius • 2.787 Beiträge



Der Heilsplan Gottes für den Menschen
Gott offenbart seinen „gnädigen Ratschluß“

Liebe Leserinnen und Leser,


Hl. Johannes Chrysostomus (um 345-407)
Priester in Antiochia und später Bischof von Konstantinopel, Kirchenlehrer


Homilien über die Umkehr nach seiner Rückkehr vom Land (trad. © Evangeliz

Auf die Androhung des Jona hin kehrten sie um.

Hüten wir uns davor, alle Hoffnung zu verlieren, doch vermeiden wir ebenfalls, zu leicht der Lässigkeit nachzugeben […] Die Verzweiflung verhindert, dass der Gefallene wieder aufsteht, und die Lässigkeit bringt den Stehenden zu Fall […] Wenn die Vermessenheit uns aus der Himmelshöhe herabstößt, schleudert uns die Verzweiflung in den bodenlosen Abgrund des Bösen; dabei würde doch ein wenig Hoffnung genügen, um uns da herauszureißen […]

So wurde Ninive gerettet. Dabei hätte das gegen die Einwohner Ninives ausgesprochene Urteil diese in Verzweiflung stürzen können, denn es besagte nicht: „Wenn ihr umkehrt, werdet ihr gerettet“, sondern einfach: „Noch drei Tage, und Ninive ist zerstört“ (vgl. Jona 3,4 LXX). Aber weder die Drohungen des Herrn, noch die Aufforderungen des Propheten, noch die Härte des Urteils […] brachten ihr Vertrauen ins Wanken. Gott will, dass wir aus diesem unbedingten Urteil eine Lehre ziehen, damit wir durch dieses Beispiel sowohl der Verzweiflung als auch der Passivität widerstehen […] Das göttliche Wohlwollen zeigt sich überdies nicht nur in der Vergebung, die den bußfertigen Ninivitern gewährt wird […]: auch der gewährte Aufschub beweist Gottes unbeschreibliche Güte. Glaubt ihr, dass drei Tage ausgereicht hätten, um so viel Missetat auszulöschen? Gottes Güte leuchtet hinter diesen Worten auf. Ist nicht sie die hauptsächliche Urheberin der Rettung der ganzen Stadt?

Möge dieses Beispiel uns vor aller Verzweiflung bewahren. Denn der Teufel betrachtet diese Schwäche als seine wirksamste Waffe, und selbst wenn wir sündigen, können wir ihm kein größeres Vergnügen bereiten, als die Hoffnung zu verlieren.


Liebe Grüße, Blasius

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#1127

RE: Der Heilsplan Gottes für den Menschen - Die rettende Botschaft für alle

in Wenn etwas der Klärung bedarf 06.03.2020 07:35
von Blasius • 2.787 Beiträge



Der Heilsplan Gottes für den Menschen
Gott offenbart seinen „gnädigen Ratschluß“

Liebe Leserinnen und Leser,




Origenes (um 185-253)
Priester und Theologe

Vom Gebet (De oratione), 8–9 (vgl. Bibliothek der Kirchenväter, München 1926)

„Versöhne dich zuerst mit deinem Bruder“ (Mt 5,24)

Es dürfte wohl niemand dieses oder jenes erlangen, wenn er nicht so betet, mit solcher Gesinnung, mit diesem Glauben […] Man soll also nicht „plappern“ (vgl. Mt 6,7), auch nicht „unbedeutende Dinge“ erbitten, auch nicht um „Irdisches“ beten, auch nicht mit „Zorn“ und verwirrten „Gedanken“ (vgl. 1 Tim 2,8) zum Gebet kommen; ebenso wenig darf man denken, dass man sich ohne Reinheit „dem Gebet widmen“ könne (vgl. 1 Kor 7,5). Aber auch Vergebung der Sünden kann der Betende unmöglich erlangen, wenn er nicht „dem Bruder“, der gefehlt hat und Verzeihung erhalten will, „von Herzen vergibt“ (vgl. Mt 18,35). […]

Und zuerst hat der innerlich zum Gebet Gesammelte unbedingt einen Nutzen, wenn er gerade durch seine Gebetshaltung ausdrückt, dass er sich vor Gott hinstellt und zu ihm, dem Gegenwärtigen, redet, in der Überzeugung, dass Gott ihn sieht und hört. Denn wie diese und jene Vorstellung und Erinnerung an das und jenes bei den Gegenständen, deren Erinnerung geweckt wird, die innerhalb solcher Vorstellungen erzeugten Gedanken befleckt, ebenso muss man überzeugt sein, dass in gleicher Weise Nutzen bringt die Erinnerung an Gott, an den man glaubt und der die Regungen in dem Innersten der Seele wahrnimmt, während diese sich in die geeignete Stimmung bringt, um dem, der „die Herzen prüft und die Nieren erforscht“ (vgl. Ps 7,10), als dem, der gegenwärtig ist und auf sie blickt und jedem Gedanken zuvorkommt, zu gefallen. […]

Aus den heiligen Schriften lässt sich das Gesagte auf diese Weise begründen. „Reine Hände“ muss der Betende „erheben“ (vgl. 1 Tim 2,8) dadurch, dass er einen „jeden von denen, die sich an ihm vergangen haben, vergibt“ (vgl. Mt 6,12.14), die leidenschaftliche Erregung aus seiner Seele tilgt und niemandem grollt. […] Wie sollte dies nicht der glückselige Zustand sein? So lehrt Paulus, indem er im ersten Brief an Timotheus sagt: „Ich will, dass die Männer überall beim Gebet ihre Hände in Reinheit erheben, frei von Zorn und Streit“ (1 Tim 2,8).

https://evangeliumtagfuertag.org/DE/gospel


Liebe Grüße, Blasius

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#1128

RE: Der Heilsplan Gottes für den Menschen - Die rettende Botschaft für alle

in Wenn etwas der Klärung bedarf 07.03.2020 09:00
von Blasius • 2.787 Beiträge



Der Heilsplan Gottes für den Menschen
Gott offenbart seinen „gnädigen Ratschluß“

Liebe Leserinnen und Leser,


Nichts geschieht ohne Gottes Zulassung

Der Weg zum inneren Frieden

Von der Ergebung in die Fügungen der göttlichen Vorsehung


1 Von der Ergebung in die Fügungen der göttlichen Vorsehung
1.1 Nichts geschieht ohne Gottes Anordnung oder Zulassung
1.2 Kann Gott mir Übles wollen?
1.3 Was bei jeder bösen Handlung eines Menschen zu unterschieden ist
1.4 Gott wirkt bei der äußeren Bewegung mit
1.5 Der hl. Gregorius gibt ein Beispiel
1.6 Die Geschichte des frommen Job
1.7 Das Beispiel Jesus Christus
1.8 Unser Schicksal müssen wir Gott zuschreiben
1.9 Gott prüft uns nur zu unserem Heil
Erstes Kapitel

Von der liebevollen Leitung der Menschen durch die göttliche Vorsehung, und vom Glück derjenigen, welche sich dieser göttlichen Vorsehung ganz anheim stellen.

Nichts geschieht ohne Gottes Anordnung oder Zulassung
Nichts in der Welt geschieht ohne Gottes Anordnung oder Zulassung. „Nichts“, sagt der hl. Augustinus, „geschieht im Laufe unseres Lebens durch Zufall; Gott greift überall ein.“ Schon durch den Mund des Propheten Isaias sagt er: „Ich bin der Herr, und es ist kein anderer; der ich das Licht bilde und die Finsternis schaffe, der ich Frieden gebe und das Übel schaffe.“ (Is. 45, 6,7) „Kommt ein Unglück, das nicht der Herr gesandt?“ fragt Amos (Am. 3,6) „Glück und Unglück“, fügt Sirach bei, „Leben und Tod, Armut und Reichtum kommen von Gott.“ (Ekkl. 11,14)

Kann Gott mir Übles wollen?
Nun wirst du mir vielleicht erwidern, dieses gelte wohl von Tod und Krankheit, von Kälte und Hitze und von allen Ereignissen, welche in der willenlosen Natur ihren Ursprung nehmen, nicht aber von dem, was von dem freien Willen des Menschen abhängt. Denn, wirst du sagen, wenn jemand Übles von mir redet oder mir mein Vermögen raubt oder mich verfolgt und mißhandelt, wie kann ich denn hierin den Willen Gottes sehen, da doch Gott eine solche Handlungsweise verbietet? Folglich, so ist dein Schluss, kann ich solche Vorfälle nur dem Willen und der Unwissenheit oder Bosheit eines Menschen zuschreiben. Allein Gott selbst spricht sich über diesen Punkt klar und deutlich aus, und auf sein eigenes heiliges Wort hin müssen wir glauben, daß auch bei dem, was der Willkür des Menschen überlassen scheint, doch nichts ohne göttliche Zulassung geschieht; denn die Juden, welche die Gefangenschaft lieber einer andern Ursache als der Fügung Gottes zuschreiben wollten, mahnt der Prophet Jeremias: „Wer darf sagen, daß etwas geschehe ohne des Herrn Befehl, und daß nicht Böses wie Gutes komme aus dem Munde des Allerhöchsten?“ (Klagel. 3, 37, 42)
Deshalb, wenn man uns um unsern guten Namen bringt, wenn man uns unser Vermögen raubt, wenn man uns mißhandelt oder auf sonst eine Art beleidigt, so müssen wir alles dem Willen Gottes zuschreiben. Gottes Hand ist es, die uns heimsucht; alles ist das Werk seiner Vorsehung.

Was bei jeder bösen Handlung eines Menschen zu unterschieden ist
Aber, wendest du von neuem ein, alle diese Handlungen sind ja sündhaft; wie kann denn Gott sie wollen? Wie kann er Anteil daran nehmen? Gott, seinem Wesen nach die Heiligkeit selbst, kann doch mit der Sünde nichts gemein haben. Hierauf antworte ich: Bei jeder bösen Handlung eines Menschen muss man zwei Dinge wohl unterscheiden, nämlich:

1. die Handlung selbst oder die äußerliche Bewegung,

2. die Verirrung des Willens, der von dem göttlichen Gesetze abweicht.

Schlägt oder verleumdet dich jemand, so musst du einerseits die Bewegung des Armes oder der Zunge und andererseits die böse Absicht, welche dieser Bewegung zu Grunde liegt, unterscheiden. Die Bewegung an sich ist nicht sündhaft, und so kann Gott ihr Urheber sein. Dies ist er ja auch wirklich; denn kein Geschöpf hat Leben und Bewegung aus sich selbst, sondern alle erhalten diese von Gott, der in ihnen und durch sie wirkt. Die böse Absicht hingegen ist ganz Sache des menschlichen Willens, und sie allein macht die Sünde aus. An dieser nimmt Gott keinen Anteil; er läßt sie aber zu, um dem freien Willen des Menschen keine Gewalt anzutun.

Gott wirkt bei der äußeren Bewegung mit
Gott beteiligt sich demnach an den schlechten Handlungen der Menschen nur insofern, als er bei der äußern Bewegung mitwirkt; der bösen Absicht, die der Tat zu Grunde liegt und die ganz Sache unseres Willens ist, bleibt er durchaus fremd. Du hast deine Ehre, dein Vermögen eingebüßt. Gott will, daß du diese Güter verlierst; aber er nimmt nicht den geringsten Anteil an der Sünde des Verleumders oder des Diebes, die sie dir rauben. Ein Richter verurteilt einen Verbrecher gerechterweise zum Tode; nun trifft es sich aber, daß der Scharfrichter ein persönlicher Feind des Verurteilten ist, und so vollzieht er den Ausspruch des Richters nicht aus Pflicht, sondern aus Haß und Rachsucht. Offenbar hat der Richter keinen Anteil an der Sünde des Scharfrichters, die nicht in seiner Absicht lag; er wollte nur Gerechtigkeit geübt sehen. Ebenso beteiligt sich Gott an der bösen Absicht des Verleumders oder Diebes durchaus nicht, sondern diese böse Absicht ist die persönliche Sache des Menschen. Wie schon gesagt, will Gott dich verdemütigen und dich deiner zeitlichen Güter berauben, um dich dadurch zu bessern und tugendhafter zu machen; allein diese Absicht Gottes, welche seiner unendlichen Güte so sehr entspricht, und die er auch durch tausend andere Mittel zur Ausführung bringen könnte, hat nichts mit der Sünde des Menschen, dessen er sich als Werkzeug bedient, gemein. Auch ist es in der Tat nicht die Sünde, welche dich demütigt oder in Armut und Elend stürzt, sondern der Verlust deiner Ehre und deines Vermögens; denn die Sünde selbst schadet nur dem, der sie begeht. So müssen wir stets unterscheiden, was Gott durch den Menschen wirkt, und was der böse Wille des Menschen hinzufügt.

Der hl. Gregorius gibt ein Beispiel
Der hl. Gregorius zeigt uns dieselbe Wahrheit an einem andern Beispiele. Ein Arzt hat Blutegel verordnet; diese Tiere wollen nur ihren Durst stillen und den Kranken womöglich alles Blut bis auf den letzten Tropfen aussaugen: der Arzt will aber nur das unreine Blut entfernen und den Kranken dadurch heilen. Die Blutegel sind nur sein Werkzeug, und deren Blutgier hat also gar nichts mit den Absichten des Arztes gemein. Gott bedient sich der Menschen, wie der Arzt der Blutegel. Der Kranke macht sich keine Sorgen über die unersättliche Gier dieser Tiere; er betrachtet sie nicht als seine Feinde; er sucht im Gegenteil seinen Ekel vor ihrem widerlichen Anblick zu besiegen; ja, er tut selbst alles, damit sie recht anbeißen und ruhig fort saugen; denn er weiß wohl, daß sie es nicht länger tun werden, als der Arzt es will und für nützlich hält. Ebenso sollen auch wir nicht auf die Leidenschaften derjenigen achten, denen Gott Macht wider uns gegeben hat; wir sollen nicht an ihren bösen Absichten denken und in unserem Herzen keine Abneigung gegen sie aufkommen lassen; denn wir wissen ja, daß, so feindselig auch ihre persönlichen Absichten sein mögen, sie doch stets nur Mittel sind, deren sich ein allgütiger, allweiser und allmächtiger Gott zu unserem Heile bedient, und denen er nicht mehr Gewalt über uns gibt, als für uns nützlich und heilsam ist. Unser eigener Vorteil sollte uns demnach antreiben, uns eher ihrer Macht freiwillig auszusetzen, als uns derselben zu entziehen; denn es ist ja nicht ihre eigene Macht, sondern die des Herrn. Keines von allen Geschöpfen ohne Ausnahme kann uns etwas anhaben, wenn ihm nicht von oben Gewalt wider uns gegeben ist.

Die Geschichte des frommen Job
Alle wahrhaft von Gott erleuchteten Seelen waren von dieser Glaubenswahrheit fest überzeugt; die Geschichte des frommen Job gibt uns ein schönes Beispiel davon. Job hat alle seine Kinder verloren, er ist um den Besitz seines ganzen Reichtums gekommen; von dem höchsten Gipfel irdischen Glücks ist er in den tiefsten Abgrund menschlichen Elends hinab gesunken, und was spricht er? – „Der Herr hat es gegeben; der Herr hat es genommen. Wie es dem Herrn gefallen hat, also ist es geschehen; der Name des Herrn sei gebenedeit!“ (Job 1, 21) „Siehe“, sagt der hl. Augustinus, „wie dieser fromme Mann das große Geheimnis der Vorsehung verstanden hat. Er sagt nicht: Der Herr hat es gegeben; der Herr hat es genommen. Wie es dem Herrn gefallen hat, und nicht wie es dem Teufel gefallen hat, also ist es geschehen.“ – Nicht weniger treffend ist das Beispiel des ägyptischen Joseph. Seine Brüder haben ihn aus Hass und Neid verkauft, und doch schreibt er alles der göttlichen Vorsehung zu. „Gott hat mich“, sagt er, „nach Ägypten gesandt, daß ihr erhalten werdet auf Erden und Speise habet, um leben zu können… Nicht durch euren Verrat bin ich hierher gesandt worden, sondern durch Gottes Willen.“ (1. Mos. 45, 5. 7. 8.) – David, von Semei verfolgt und beschimpft, sieht gleichfalls die Hand der Vorsehung in dem empörenden Betragen seines aufrührerischen Untertanen; zweimal hält er die Entrüstung seiner treuen Diener, die ihn rächen wollen, mit den Worten zurück: „Lasset ihn fluchen; denn der Herr hat ihm befohlen, daß er David fluche. Lasset ihn fluchen nach dem Befehl des Herrn!“ –

Das Beispiel Jesus Christus
Und Jesus Christus selbst, der Heilige der Heiligen, unser Heiland und Erlöser, der vom Himmel herabstieg, um durch sein Wort und Beispiel uns zu lehren, sagt er nicht zu Petrus, der ihn in unbesonnenem Eifer abhalten will, sein Leiden zu beginnen und sich den Händen seiner Feinde zu überliefern: „Soll ich den Kelch nicht trinken, den mir der Vater bereitet hat?“ (Joh. 18, 11) So schreibt Jesus die Schmach und Schmerzen seines bitteren Leidens nicht denen zu, welche die unmittelbaren Urheber desselben waren, nicht den Juden, die ihn verklagten, nicht dem Judas, der ihn verriet, nicht dem Pilatus, der ihn verurteilte, nicht den Henkern, die ihn unter den fürchterlichsten Misshandlungen zum Tode schleppten, nicht den Teufeln, die diese Unglücklichen zu dem entsetzlichsten Gottesmorde aufhetzten, sondern er sieht in allem nur Gott, und zwar nicht als strengen Richter, sondern als liebenden Vater.

Unser Schicksal müssen wir Gott zuschreiben
Daher müssen wir unsere Verluste, unsere Schicksale, unsere Leiden und Verdemütigungen nicht den bösen Geistern oder den Menschen zuschreiben, sondern Gott, ihrem wahren Urheber. Wir dürfen deshalb nicht sagen: „Dieser oder jener ist an meinem Unglück, an meinem Verderben schuld.“ Nein, unsere Leiden sind nicht das Werk eines Menschen; sie sind Gottes Werk, und dieses gereicht uns zur größten Beruhigung; denn alles, was Gott, unser allgütiger Vater, tut, das ist voll unendlicher Weisheit und dient den heiligsten und erhabensten Zwecken.

Alle seine Werke, sagen die heiligen Väter, sind mit Berücksichtigung der Umstände so vollkommen, daß sie nicht vollkommener, und so gut, daß sie nicht besser sein könnten. Darum müssen wir auch, wie der hl. Basilius es empfiehlt, uns recht von dem Gedanken durchdringen lassen, daß wir das Werk eines guten Meisters, der mit unendlich weiser Vorsehung allezeit für uns als für seine Geschöpfe besorgt ist. Unter seiner liebevollen Obhut stößt uns nicht nur nichts zu, was gegen seinen Willen wäre oder uns schaden könnte, sondern es ist auch alles, was über uns kommt, so gut, daß es sich gar nicht besser denken ließe. „Groß sind die Werke des Herrn und ausgesucht nach seinem ganzen Wohlgefallen.“ (Ps. 110, 2) Am wunderbarsten zeigt sich seine Weisheit in der vollkommenen Angemessenheit aller seiner Mittel zu dem Zwecke, dem sie dienen. Und wie seine Weisheit von seiner Liebe nicht getrennt sein kann, so schickt er uns auch nichts zu, was zu hart oder verletzend für uns wäre. „Allmächtiger Herrscher“, ruft der Weise aus, „Du richtest mit Sanftmut und regierest uns mit großer Nachsicht.“ (Weish. 12, 18) Unendlich ist seine Macht; nichts kann ihr widerstehen, und doch läßt er uns nicht die unumschränkte Gewalt seiner Allmacht fühlen, sondern behandelt uns mit unendlicher Milde. Er nimmt auf die natürliche Beschaffenheit, die Anlagen, die Eigentümlichkeiten jedes Einzelnen Rücksicht und weist jedem die Stelle an, wo er sein Heil am besten wirken kann. Ja, wir dürfen sagen, daß er uns Achtung und Ehrerbietung beweist, weil er in uns seine lebendigen Ebenbilder anerkennt, denen er nicht wie Sklaven in gebieterischem Tone befehlen, sondern mit Schonung und aller erdenklichen Rücksicht begegnen will. Sieht er sich genötigt, uns zu unserem eigenen Besten mit Krankheit, Trübsal oder Leiden heimzusuchen, so macht er es wie ein guter Arzt, der mit dem Messer heilen muss; ein solcher sucht nicht mehr Schmerzen zu verursachen als zur Heilung unumgänglich nötig sind; mit der schonendsten Vorsicht verbindet er unsere Wunden, und so viel als immer möglich versüßt er uns die bittere Arznei.

Gott prüft uns nur zu unserem Heil

Mit einem Worte: Gott prüft uns nur, wenn es zur Erreichung der edelsten und heiligsten Zwecke, zu seiner Ehre, zu unserem Heile und zu unserer Vervollkommnung notwendig ist. Was er aber uns zuschickt, das ist stets unsern Kräften, Fähigkeiten und Bedürfnissen gerade so angemessen wie der Handschuh der Hand, die ihn trägt, oder wie die Scheide dem Degen, der darin verborgen ist; sonach muss alles zu unserer Vervollkommnung beitragen, wenn wir nur den Absichten der Vorsehung entsprechen wollen.

Darum dürfen wir bei den Trübsalen, die manchmal über uns hereinbrechen, nicht ungeduldig werden. Wie er dem Weltenmeer Schranken setzt, so daß die Wogenmasse, die ganze Länder zu vernichten droht, an dem beweglichen Sandkorn des Gestades sich brechen muss, so gibt es auch keine Leiden, keine Versuchungen, denen Gott nicht Maß und Ziel gesetzt hätte, damit sie uns zum Heile, statt zum Verderben dienen. In der Tat sind die Trübsale ein wesentlicher Teil der uns dargebotenen Heilsmittel. „Silber und Gold wird im Feuer geprüft, Gottes Lieblinge aber im Ofen der Demütigung.“ (Ekkl. 2, 5) Es ist notwendig, daß wir Versuchungen haben, und wenn wir uns weigerten, sie anzunehmen, so wären wir unsere eigenen Feinde. Wir sind in Gottes Hand, was der Marmorblock unter der Hand des Künstlers ist. Um eine schöne Statue zu schaffen, muss der Bildhauer den Meißel an den Marmorblock setzen: er muss ihn behauen und glätten, daß die Splitter weithin fliegen. Gott will aus uns sein Ebenbild machen; darum müssen wir stillhalten und uns seiner Meisterhand überlassen. Jeder seiner Streiche ist vollkommen kunstgerecht und führt unsere Heiligung näher herbei. „Das ist der Wille Gottes, eure Heiligung“ (1. Thess. 4, 3), sagt der hl. Paulus. Sie ist der einzige Beweggrund bei allem, was Gott über uns verfügt. O, was würde er nicht zu seiner Ehre und zu unserem Heile in uns wirken, wenn wir ihn nur machen ließen! –

aus: P. von Lehen S.J., Der Weg zum innern Frieden, 1896, Kap. 1, S. 1- S. 9

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Liebe Grüße, Blasius


zuletzt bearbeitet 07.03.2020 09:02 | nach oben springen

#1129

RE: Der Heilsplan Gottes für den Menschen - Die rettende Botschaft für alle

in Wenn etwas der Klärung bedarf 08.03.2020 08:41
von Blasius • 2.787 Beiträge



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Der Heilsplan Gottes für den Menschen
Gott offenbart seinen „gnädigen Ratschluß“

Liebe Leserinnen und Leser,

8. März 2020


Unterricht für den zweiten Sonntag in der Fasten, „Reminiscere“ genannt.


1 Unterricht für den zweiten Sonntag in der Fasten, „Reminiscere“ genannt.
1.1 Warum ist Christus auf dem Berg (Tabor) vor den Jüngern verklärt worden?
1.2 Warum sind Moses und Elias dabei erschienen?
1.3 Warum wollte Petrus auf dem Berg drei Hütten bauen?

1.4 Warum hat Christus den Jüngern verboten, die Verklärung vor seiner Auferstehung zu offenbaren?
Die Kirche ermuntert uns heute zur Buße im Hinblick auf die ewige Herrlichkeit, von welcher Jesus auf Tabor einige strahlen geoffenbart, und bittet daher im Eingang der heiligen Messe: „Gedenke, Herr! Deiner Erbarmungen und deiner Gnaden, die vom Anbeginn her sind. Laß fürder nicht unsere Feinde über uns herrschen. Erlöse uns, Gott Israels! Von allen unsern Drangsalen. Zu Dir, Herr! Habe ich erhoben meine Seele; mein Gott! Auf Dich vertraue ich; laß mich nicht zu Schanden werden.“ (Ps. 24) – Ehre sei dem Vater etc.

Gebet der Kirche.

O Gott, der Du siehst, daß uns alle Kraft mangelt, beschütze uns innerlich und äußerlich, damit wir am Leib vor allen Unfällen bewahrt und von bösen Gedanken im Gemüt gereinigt werden. Durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen.

Lesung aus dem ersten Brief des hl. Apostels Paulus an die Thessalonicher. Kap. 4, Vers 1-7.

Brüder! Wir bitten und ermahnen euch im Herrn Jesu, daß ihr so, wie ihr von uns unterrichtet worden seid, zu wandeln und Gott zu gefallen, auch wirklich wandelt, damit ihr immer vollkommener werdet. Denn ihr wisset, welche Vorschriften ich euch gegeben habe durch den Herrn Jesus. Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung: daß ihr euch euch enthaltet von der Unzucht; daß ein jeder von euch seinen Körper in Heiligkeit und Ehre zu erhalten wisse, nicht in leidenschaftlicher Lust, wie auch die Heiden, die Gott nicht kennen; daß keiner übervorteile und seinen Bruder nicht überliste; denn der Herr ist Rächer von allem diesem, wie wir euch schon mündlich gesagt und bezeugt haben. Denn Gott hat uns nicht berufen zur Unlauterkeit, sondern zur Heiligung in Christo Jesu, unserm Herrn.

Erklärung und Anwendung.
Der hl. Paulus ermahnt uns, dem von Jugend auf empfangenen Unterricht gemäß gottgefällig zu wandeln und die Gelüste des Fleisches zu kreuzigen, alle Unzucht in Gedanken, Begierden, Worten und Handlungen, allen Betrug in Handel und Wandel abzulegen und nicht zu rasten, sondern ernstlich nach immer höherer Vollkommenheit zu streben. Möchten es doch alle bedenken, weil das der Wille des Herrn ist, der uns zur Heiligkeit berufen hat und alle Unzucht und Ungerechtigkeit strenge rächen wird!

Bete inbrünstig:

Verleihe mir, o Gott! Daß ich nicht bin wie die Heiden, die Dich nicht kennen, den irdischen und fleischlichen Gelüsten anhange, sondern meinem Beruf gemäß ehrbar, keusch und heilig lebe und meinen christlichen Namen mit guten Werken ziere. Amen.

Evangelium an dem hl. Matthäus. Kap. 17, Vers 1-9.

siehe Matth. 17, 1-9

Warum ist Christus auf dem Berg (Tabor) vor den Jüngern verklärt worden?
1) Um ihnen einen augenscheinlichen Beweis seiner Gottheit und göttlichen Sendung zu geben und sie

2) dadurch vor allen Zweifeln zu bewahren, wenn sie Ihn einstens auf dem Kalvarienberg würden sterben sehen; um

3) sie und mit ihnen alle Gläubigen im Hinblick auf die künftige Herrlichkeit zur Geduld in Kreuz und Leiden aufzumuntern;

4) um uns zu lehren, wie herrlich unsere Leiber einst von den Toten auferstehen werden.
(1. Kor. 15, 52)

Warum hat Christus nur die drei Jünger mit sich genommen?

Weil sie die Standhaftesten unter den Zwölfen waren, und weil sie auch im Ölgarten Zeugen seiner Todesangst sein sollten, auf daß sie alsdann nicht kleinmütig würden, sondern die unter der Menschheit verborgene Gottheit erkennten.

Warum sind Moses und Elias dabei erschienen?
Weil der ganze alte Bund die Ankunft und das Leben des Messias geweissagt hatte. Es erschien also Moses, unter dem das Gesetz, und Elias, unter dem die Propheten verstanden werden, um Zeugnis zu geben, daß von Jesus das Gesetz und die Propheten geredet, daß also Er und kein anderer der Heiland der Welt sei.

Warum wollte Petrus auf dem Berg drei Hütten bauen?
Weil die übergroße Freude ihn der ruhigen Besinnung so beraubt hatte, daß er nicht mehr wußte, was er redete, und nicht daran dachte, daß der Mensch nur durch große Mühe zur Herrlichkeit des Himmels gelangen könne und daher eher um Beharrlichkeit im Kampf mit den Versuchungen der Welt, als um Verherrlichung bitten solle. – Hat den hl. Petrus ein Tropfen der himmlischen Süßigkeit so eingenommen, mein Gott! Was wird dann der Überfluss deines Hauses tun, in welchem Du deine Auserwählten mit Strömen von Freuden tränken wirst? (Ps. 35, 9)

Von wem kam und was bedeutet die Stimme: „Dieser ist mein geliebter Sohn; Ihn sollt ihr hören“?

Vom himmlischen Vater, der dadurch erklärte, daß Jesus sein wahrer Sohn, sein Gesandter an die Menschen sei, an den sich also alle wenden, an dem sie festhalten, dessen Lehren und Gebote sie annehmen und befolgen müssten, wenn sie Ihm wohl gefallen und selig werden wollten.

Warum hat Christus den Jüngern verboten, die Verklärung vor seiner Auferstehung zu offenbaren?
1, Weil die Zeit der Offenbarung seiner Herrlichkeit noch nicht gekommen war;

2) damit die andern Jünger und alle Nachfolger Christi, wenn sie nach dem Tode und der Auferstehung von diese Begebenheit hörten, um so fester an Ihn glaubten;

3) um uns zu lehren, daß die göttliche Offenbarung nicht auf eigener Einsicht, sondern auf dem Glauben an das Zeugnis der Gesandten Gottes beruhe.

Übung.
Erinnere dich recht oft an die Freuden des Himmels, damit du um so leichter dich von dieser Welt los löst und ein heiliges Heimweh nach der Anschauung Gottes in dir nährst!

Gebet.
O Jesus! Du Lehrmeister aller Völker, der Du auf den Berg Tabor zu deiner wunderbaren Verklärung deine drei liebsten Jünger mit Dir genommen und sie einen Funken deiner himmlischen Glorie hast sehen lassen, wir bitten Dich in tiefster Demut, Du wollest uns die Gnade verleihen, daß die Betrachtung dieses hohen Geheimnisses uns nützlich und zur Seligkeit ersprießlich sein möge. Erleuchte unsern finsteren Verstand, damit er einsehe, daß keiner der ewigen Glorie teilhaftig werde, der nicht auf den Berg Tabor der Gottseligkeit hinauf steigt. Gib unserm schwachen Willen Stärke, damit er um des Himmelreiches und deiner Liebe willen keine mühselige Arbeit sich verdrießen lasse, sondern durch Trübsal, Kreuz und Leiden freudig und getrost dem ewigen Tabernakel zueile. Amen.

Ziehe uns, o Jesus! Durch die Betrachtung der himmlischen Freuden zu Dir hin, damit wir im geistlichen Streit nicht unterliegen, sondern durch deine Gnade überwinden und den unverwelklichen Siegeskranz erlangen. Amen.

Betrachtung.
Während der Nacht leidet Jesus unnennbaren Spott und große Qualen. – Und du wolltest von deinem Mitmenschen nichts ertragen? Bei jeder Widerrede in Zorn geraten? –

in: Leonhard Goffine, Ord. Praem.; Unterrichts- und Erbauungsbuch oder Katholische Handpostille, 1885, S. 159 – S. 162

https://katholischglauben.info/die-missi...aerung-christi/


Liebe Grüße, Blasius


zuletzt bearbeitet 08.03.2020 08:44 | nach oben springen

#1130

RE: Der Heilsplan Gottes für den Menschen - Die rettende Botschaft für alle

in Wenn etwas der Klärung bedarf 09.03.2020 09:00
von Blasius • 2.787 Beiträge



Der Heilsplan Gottes für den Menschen
Gott offenbart seinen „gnädigen Ratschluß“

Liebe Leserinnen und Leser,

9. März 2020
Die religiösen Lebenswerte der Geheimen Offenbarung

1 Die religiösen Lebenswerte der Geheimen Offenbarung
1.1 Vertrauen auf die göttliche Vorsehung
1.2 Erwartung einer gerechten Wiedervergeltung
1.3 Unvergänglicher Hymnus auf Christus
1.4 Das Christkönigs-Motiv

1.5 Harte Prüfungszeiten für die Getreuen

Die religiösen Lebenswerte der Apokalypse können kaum überschätzt werden. Das Buch bildet, wenn auch nicht als letztes geschrieben, den würdigen Abschluss des Neuen Testamentes. Ihm etwas zuzufügen oder von ihm etwas weg zu nehmen, zieht Gottes schwerste Strafen nach sich (22, 18f). Johannes hat die wahrhaft religiösen Menschen stets zu packen gewußt und ihnen immer wieder neue Hoffnung eingeflößt, wenn es auch schien, als sei „der Teufel los“ (20, 7). Das kommt nicht zuletzt daher, daß die meisten Menschen für religiöse Lebenswerte dann an empfänglichsten sind, wenn sie ihnen nicht in lehrhaften, trockenen Auseinandersetzungen, sondern in anschaulichen Bildern und dramatischen Szenen dargeboten werden. Wenn allerdings der Unendliche sich offenbart, wenn das Ewige ins Zeitliche einbricht, sieht sich der Mensch stets vor Geheimnisse gestellt. Und wenn Gott die Offenbarung über seine Weltregierung, über das künftige Schicksal seiner Kirche und den letzten Sinn alles irdischen Geschehens in die apokalyptische Bildersprache kleidet, müssen wir mit Hieronymus gestehen: „So viel Geheimnisse wie Worte!“ Dem gläubigen Menschen aber gilt die Versicherung des Herrn: „Euch ist es gegeben, die Geheimnisse des Himmelreiches zu verstehen2 (Matth. 13, 11). Nicht auf einmal erschließt sich der unerschöpfliche Reichtum des Buches an religiösen Lebenswerten. Aber jede Entdeckung reizt den demütig suchenden Geist zu weiterem Forschen. Je tiefer er eindringt, desto mehr erkennt er in der zunächst verwirrenden Fülle von Bildern den ordnenden Plan und die Zielstrebigkeit der göttlichen Gnadenführung.

Vertrauen auf die göttliche Vorsehung

Das Vertrauen auf die göttliche Vorsehung zu wecken und gegen Anfechtungen zu sichern, das könnte man ein Hauptanliegen des Buches nennen. Dieses Vertrauen aber gehört zur Grundhaltung des Gotteskindes. Ein gesundes Vertrauen muss es sein, das selber die Hände regt und mit schafft. Bleibt dem Gläubigen auch verhüllt, was die Vorsehung über ihn und über Christi Reich beschlossen hat, kommt die furchtbarste aller Versuchungen über ihn: die dunkle Nacht, in der alle orientierenden Himmelslichter erloschen zu sein scheinen, während nur noch das Gespenst der vermeintlichen Sinnlosigkeit des Daseins und der Zwecklosigkeit eigenen Ringens grinsend vor ihm steht, dann wird er doch nicht irre an seinem Gott und verbrennt nicht, was er bislang angebetet hat. Seine Treue beruht ja nicht auf eigener Einsicht, sondern auf dem Glauben. Die siebenfache Verheißung an den Sieger, den Überwinder, kommt ihm in die Erinnerung und die Mahnung an den „Engel“ von Philadelphia: „Halte fest, was du hast, damit keiner deinen Siegeskranzweg nehme!“ (3, 11) Darum ist er bereit, auch das Letzte einzusetzen und das Blutzeugnis für Christus abzulegen. Wie hoch gerade dieser Lebenswert in der Apokalypse geschätzt wird, ist vorhin bei der Zweckbestimmung des Buches schon gesagt worden. Märtyrergeist aber ist allzeit das Merkmal echten Christenglaubens, und wir müssen wieder lernen, ihn nicht nur als hohes Gut früherer Jahrhunderte zu bewundern. Wer seine Treue zur Kirche mit der Hingabe des Lebens besiegelt, offenbart eine Gesinnung, in der wir „die eigentlichen, die letzten und entscheidenden Reserven des Christentums vor uns haben, wenn es zum Äußersten kommt. Was heißt denn eine Christenverfolgung anders, als daß sich der Opfertod Christi, welcher ein freiwilliger war, an den Gliedern seines mystischen Leibes wiederholt? In diesem Sinn stirbt kein christlicher Märtyrer gewaltsam!“ (Gertrud v. Le Fort, Die Letzte am Schafott 83f)

Erwartung einer gerechten Wiedervergeltung

Aus der gleichen Wurzel wie der Glaube an die göttliche Vorsehung wächst in der Apokalypse die zuversichtliche Erwartung einer gerechten Wiedervergeltung. Mit explosiver Wucht bricht sie in dem Schrei der Märtyrer-Seelen unter dem Himmelsaltar durch bei der Öffnung des fünften Siegels (6, 9-11). Allzu oft erweckt ja das Geschehene auf Erden den gegenteiligen Eindruck, wenn die Bösen scheinbar in allem Erfolg haben, die Guten aber aus dem Missgeschick nicht heraus kommen. Trotz ihrer gerechten Sache wissen sie oft kein Recht zu erlangen. Da antwortet die Apokalypse, namentlich in der zweiten Hälfte, nicht mit rednerischen Auseinandersetzungen wie das Buch Job,, vielmehr mit einem Anschauungs-Unterricht visionärer Bilder voll gewaltiger Überzeugungskraft, daß „der Arme nicht auf ewig vergessen bleibt und die Hoffnung der Elenden nicht für immer zunichte ist“ (Ps. 9, 19). Die Heiden, die den Vorhof des Tempels und die Heilige Stadt zertrampeln (11,2), die Bewohner der Erde, die über die ermordeten Gotteszeugen jubeln (11, 10), geraten beim zweiten Wehe in Schrecken und müssen Gott die Ehre geben (11, 13). Wie eine seelische Entspannung ob dieser Wiedervergeltung wirkt die liturgische Jubelfeier im Himmel (11, 15ff). Ähnliches wiederholt sich nach der Vernichtung Babylons (19, 1-10) und noch eindrucksvoller im Anschluss an die Klagechöre der Enttäuschten (18, 1ff). Gott hat lange gewartet. Als aber die Schuld sich bis zum Himmel aufgetürmt hatte (18, 5), kam in einer einzigen Stunde das furchtbare Strafgericht (18, 10 u. 17). Der ganze Schlussteil des Buches, die Schilderung des Sieges Christi über das Tier und den Lügenpropheten mit ihrem Anhang (19, 11-21) sowie der Sturz des Drachen und das Endgericht (20, 7ff), am meisten aber der Ausblick in die Herrlichkeit des neuen Jerusalem dienen dem gleichen Nachweis: es gibt eine gerechte Vergeltung für alles Gute und Böse, was auf Erden geschieht. Das Schicksal der Gläubigen, wie es die Apokalypse schildert, ist darum trotz alles Schweren und Leidvollen doch ein stets Zueinander-Streben zweier Liebenden, der Menschenseele und ihres Gottes. Das Leben der Bösen dagegen wird trotz aller Scheinerfolge auf Erden von unheimlichen Zentrifugal-Kräften zuinnerst auseinander gerissen, bis die Gottesfeinde wehklagend vor den Trümmern ihrer Hoffnungen stehen, wie es das 18. Kapitel ergreifend ausmalt.

Man kann ohne Übertreibung die Apokalypse neben den Evangelien als ein Hohes Lied auf Christus kennzeichnen. Vom ersten Wort: „Offenbarung Jesu Christi“, bis zum abschließenden Sehnsuchtsruf: „Komm, Herr Jesus!“ klingt durch das ganze Buch in reichsten Variationen das Christkönigs-Motiv.

Unvergänglicher Hymnus auf Christus
Der Jünger, den Jesus liebt, singt in diesem Buch einen unvergänglichen Hymnus auf seinen verklärten Meister und bezeugt den Satz, den er später im Prolog seines Evangeliums spricht: „Wir haben seine Herrlichkeit gesehen.“ In mystischen Gnadenstunden hat der Geist Gottes ihn tiefer als andere „in die ganze Wahrheit eingeführt“ (Joh. 16, 13). Dabei hat er ihm besonders das Christus-Geheimnis mehr und mehr erschlossen. Dieses Geheimnis, die Erlösungstat und ihr Fortwirken durch die Jahrhunderte, steht in den Bilderfolgen der Visionen immer wieder vor uns. Das hatte der jüngere Luther noch nicht erfaßt, als er in der Vorrede von 1522 schrieb, er halte die Offenbarung Johannis weder für apostolisch noch für prophetisch. „Mir ist die Ursache genug, daß ich sein nich hoch achte, daß Christus darin weder gelehrt noch erkannt wird, welches doch zu tun vor allen Dingen ein Apostel schuldig ist.“ In der Ausgabe seiner Übersetzung von 1530 und 1546 aber muss er gestehen, daß gerade dieses Buch uns lehrt, nicht zu „zweifeln, Christus sei bei und mit uns, wenns gleich aufs Ärgste geht; wie wir hier sehn in diesem Buch, daß Christus durch und über alle Plagen, Tiere, böse Engel dennoch bei und mit seinen Heiligen ist und endlich obliegt“ (Luthers werke, Weimarer Ausgabe, Bibelband VII 404 u. 420). Wer den ganzen Christus kennen lernen will, darf sich nicht mir seinem kurzen Erdenleben zwischen Menschwerdung und Himmelfahrt begnügen. Denn „Christus ist gestern und heute derselbe und ist es in Ewigkeit“ (Hebr. 13, 8). Von dem Gestern, dem vorweltlichen Sein und Wirken des Logos, spricht Johannes im Prolog seines Evangeliums; in der Apokalypse dehnt er den Rahmen des Lebens Jesu über alle Ewigkeit der Zukunft aus.

Das Christkönigs-Motiv
In keinem Buch des Neuen Testamentes ist so viel vom thronenden Christus die Rede wie in der Apokalypse, sei es in der Gestalt des mit allen Insignien der Herrscherwürde geschmückten Menschensohnes, sei es in der zart verhüllenden Erscheinung des Lammes. Wie Paulus vor allem im Kolosserbrief den durch Irrlehren in ihre Christus-Glauben bedrohten Christen die Erhabenheit Christi über alle Engel und Mächte in tiefen dogmatischen Ausführungen dartut und den beweis führt, daß Christus der vorweltliche und überweltliche Gottessohn ist, Erstgeborener vor aller Schöpfung und Endziel des Alls, Gottes wesenhaftes Abbild und einziger Mittler des Heils für alle Menschen, daß in Christus die Fülle der Gottheit leibhaftig wohnt und alleSchätze der Weisheit und der Erkenntnis in ihm verborgen sind, so will nun Johannes den durch die Verfolgungen verwirrten Christen die Majestas Domini vor Augen stellen, aber nicht in dogmatisch-spekulativer Art, sondern in den kühnen Bildern seiner Visionen. Wie in einem gewaltigen Tonfilm läßt er Bild für Bild vorüber ziehen, Auge und Ohr sind dauernd gefesselt. Das Thema dieses Anschauungs-Unterrichtes aber lautet: Christus ist „König der Könige und Herr der Herren“ (19, 16). Das Lamm, das geschlachtet ward, hat mit dem Allherrscher den Himmelsthron inne. Ihm wird das Schicksalsbuch der Menschheit anvertraut. Es ist allein imstande, die sieben Siegel zu lösen und den Inhalt des Buches zu vollstrecken. Ihm huldigt der ganze himmlische Hof, und die gesamte Schöpfung stimmt den Hymnus an: „Dem, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm gebührt der Lobpreis und die Ehre und die Herrlichkeit und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit“ (5, 13). Wieder begegnen sich Paulus und Johannes in der Verherrlichung des Christkönigs: Weil Christus sich auf Erden so tief erniedrigt und zum Opferlamm für unsere Sünden gemacht hat, „darum hat auch Gott ih gar hoch erhöht und ihm einen Namen gegeben, der über alle Namen ist, auf daß im Namen Jesu sich jegliches Knie beuge derer, die im Himmel, und derer, die auf der Erde, und derer, die unter der Erde sind, und daß jegliche Zunge zur Ehre Gottes des Vaters bekenne: Jesus Christus ist der Herr“ (Phil. 2, 9-11).

Harte Prüfungszeiten für die Getreuen
Die Widerstände gegen seine Königsherrschaft sind stark, aber nur solange er die Macht der Feinde duldet. In dem Kampf zwischen seinem Gefolge und den Gewalten der Hölle kann niemand als Neutraler abseits stehen. Gewiß tobt der Kampf nicht stets mit gleicher Heftigkeit, und in den scheinbar friedsamen Pausen mag von manchen das Tragen auf zwei Schultern gepriesen werden. Sie meinen, zwei Herren dienen zu können. Die Gegensätze werden latent, die Christen „gewinnen die Welt lieb“ (1. Joh. 2, 15) und „passen sich ihr an“ (Röm. 12, 2). Dann aber kommen wieder Zeiten, die zur Entscheidung für oder gegen Christus nötigen. Die Fronten heben sich klar ab. Oft wartet der Himmelskönig lange, bis er gerechte Vergeltung an seinen Feinden übt.

Das sind harte Prüfungszeiten für die Treue der Seinen, „apokalyptische Zeiten“, auf das Ende hinweisende Vorspiele. „Hier bedarf es der Ausdauer und des Glaubens der Heiligen“ (13, 10). Erst im Ausgang wird das ganze Weltgeschehen sinnvoll, wenn der Logosreiter auf weißem Roß erscheint (19, 11f) und die große Abrechnung beginnt. Darum sollen die Christen lernen, in allen Widerwärtigkeiten an das Ende der Dinge zu denken. Auf das Kommen ihres himmlischen Herrn müssen sie ihr ganzes Leben einstellen, nicht aber um vergänglicher irdischer Vorteile willen das Bild des Tieres anbeten und sein Zeichen tragen. Weil diese eschatologische Spannung um so mehr nachließ, je mehr die Christenheit in Kulturseligkeit ihr Genüge fand, brachten die späteren Jahrhunderte nicht mehr den Bekennermut der weit stärker endzeitlich eingestellten Urkirche auf. Zugleich aber trat der Christkönigs-Gedanke in den Hintergrund.

Wir verstehen, warum er heute wieder so machtvoll hervor tritt. (siehe den Beitrag:
Pius XI. Quas primas Das Königtum Christi) –

Herders Bibelkommentar Die Heilige Schrift für das Leben erklärt,
Bd. XVI/2 Die Apokalypse, 1942, S. 18 –S. 22

weitere Herders Bibelkommentare zur Geheimen Offenbarung siehe:
Herders Bibelkommentare zur Apokalypse

https://katholischglauben.info/die-relig...der-apokalypse/


Liebe Grüße, Blasius


zuletzt bearbeitet 09.03.2020 09:05 | nach oben springen



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