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#1076

RE: Der Heilsplan Gottes für den Menschen - Die rettende Botschaft für alle

in Wenn etwas der Klärung bedarf 23.10.2019 12:23
von Blasius • 2.515 Beiträge



Der Heilsplan Gottes für den Menschen
Gott offenbart seinen „gnädigen Ratschluß“

Liebe Leserinnen und Leser,


Notwendigkeit der Pflege des Gewissens

Keine Tugend ohne Gehorsam gegen die Stimme des Gewissens


Warum wir so selten vorwärts kommen, das liegt sehr häufig daran, daß wir zu viele und zu verschiedene Grundsätze verfolgen. Heute lesen wir den, und weil er uns gefällt, so machen wir ihn uns zu eigen, unbekümmert darum, ob er auch für uns und unsere Verhältnisse passe. Morgen hören wir einen andern, und sofort beschließen wir, nach diesem zu leben. Ehe wir ihn aber ausgeführt haben, hat uns schon ein dritter bestochen. So wird keiner ausgeführt, und wir kommen nur über das Versuchen hinaus, oft nicht einmal über das Bewundern schöner Lebensregeln…

Einer kann nicht alle Tugenden üben und nicht alles durchführen, was er an andern Schönes und Edles sieht. Übt er sich aber auf dem Feld der Pflicht und Tugend, das seinem Stand und Charakter entspricht, mit ausdauernder Treue, so wird er bald, wenn nicht vollkommen, so doch in dem, was ihm obliegt, gut und in allen übrigen Stücken wenigstens besser werden.

Das Feld aber, das zu bebauen allen zusteht, ist das Gewissen. Darum gibt es einen Grundsatz, der für alle ohne Ausnahme unter allen Verhältnissen paßt, nach dem alle leben können und leben müssen, sie mögen sonst noch so weit auseinander gehende, besondere Wege wählen. Die erste aller Sittenregeln, nach der die Philosophen so lange vergeblich gesucht haben, lautet: Nichts gegen das Gewissen, immer treu dem Gewissen! Keine Tugend ohne Gehorsam gegen die Stimme des Gewissens!

Das Gewissen entscheidet. Dies ist die Wahrheit, auf die alles ankommt. Leuchtende Taten mögen Ruhm vor den Menschen erwerben, die nicht ins Herz sehen. Aber wenn sie mit Versäumnis anderer, wichtigerer Gewissens-Pflichten verrichtet sind, wird der ewige Richter sie nicht als probehaltig anerkennen. O wie manche große Dinge, von denen die Weltgeschichte berichtet, werden einmal sehr klein, ja nichtig erscheinen, wie viele unbeachtete Pflicht-Erfüllungen und Opfer werden als ruhmvolle Heldentaten glänzen, wenn sie vor aller Welt nach dem Richtmaß gemessen werden, das in der Ewigkeit allein Geltung hat, nach dem Gewissen! Darum, wer alle glänzenden Taten getan und alle Tugenden geübt hätte, er hätte aber sein Gewissen vernachlässigt, er würde wenig Nutzen haben. Erscheint dagegen einer vor dem Gericht mit fast leeren Händen, kann er aber in Wahrheit sagen: Mein Gott, ich bringe wenig mit, wenn du das nicht gelten läßt, daß es stets mein Grundsatz war, zu tun, was mein Gewissen eben von mit verlangte, auch wenn es wenig Schein verbreitete und wenig greifbaren Nutzen stiftete, – fürwahr, er wird für reich und groß erklärt werden und unvergänglichen Lohnes würdig sein.

Und das nach allen Anforderungen der strengsten Gerechtigkeit. Er wollte nichts als gewissenhaft sein und wurde eben dadurch pflichttreu bis zum Kleinsten. Es fiel ihm nicht von fern ein, pharisäischem Hochmut, stoischer Menschen-Verachtung und muckerischer Heuchelei mit den lügnerischen Worten von der Tugend um ihrer selbst willen und von der freien, unabhängigen Moral ein gleißendes Mäntelchen umzuhängen. Und siehe da, gerade er, und er allein, hat reine Moral ohne den ranzigen Beigeschmack der Eigenliebe, er allein freie und unabhängige Sittlichkeit, er allein die Tugend um ihrer selbst willen geübt. Denn indem er einzig nach seinem Gewissen handelte, hat er sein ganzes Tun und Lassen unabhängig gemacht von aller Rücksicht auf Anerkennung oder Verkennung, auf Nutzen und Erfolg, und das errungen, was außer ihm keiner erringt: die Freiheit des Geistes, die Freiheit von den drückendsten aller Fesseln, den Fesseln des Eigennutzes, der Ehrsucht und der so hinderlichen menschlichen Rücksichten. Er lebte nach dem Gewissen und diente der Wahrheit. Er gehorchte nur der inneren Stimme Gottes und wurde darüber, ohne durch künstliche und doch vergebliche Mittel danach zu haschen, das, was die Welt mit Recht so hoch schätzt und selber so wenig hervor bringt: ein durchgebildeter, fester, zuverlässiger Charakter. Er dachte scheinbar nur an sich und rettete gleichwohl in seiner Gewissenhaftigkeit die Ehre der Menschheit.

Im Grunde sind in dieser Treue gegen das Gewissen alle Tugenden eingeschlossen. Der herrliche Sieg Josephs über die Versuchung, die schweren Kämpfe der jungfräulichen Seelen wider die Lockungen des Fleisches und die Verführungen der Welt, also die höchsten Triumphe der Enthaltsamkeit, sie sind nichts als Treue gegen das Gewissen. Die siegreiche Tapferkeit der Makkabäer, der Heldenmut der Märtyrer inmitten von Scheiterhaufen und Folterqualen, was sind sie anders als die Frucht ihrer Treue gegen das Gewissen? Wenn die Apostel freudig von der Geißelung weg in den Kerker gingen, wenn Tausende von Bekennern gleich ihnen getrost für Pflicht und Recht Verfolgung, Schmach, Beraubung, Bande, Verbannung auf sich nahmen mit jenem Wort, das den Ausdruck der höchsten Gerechtigkeit in sich schließt: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen (Apg. 5, 29), so war es wieder nur die Gewissenstreue, die sie zu diesem bitteren, oft selbst das Martyrium durch seine Länge und innere Qual übersteigenden Opferleben stärkte. Und was Paulus und so viele Verteidiger des Glaubens und der Wahrheit aufrecht hielt in den schmerzlichsten aller Kämpfe, den Kämpfen gegen Fleisch und Blut, gegen falsche Brüder, gegen die Stammes-Genossen, gegen Freunde und Vertraute, es war einzig die Treue gegen das Gewissen, die ihnen einen undurchdringlichen Schild aus dem Wort machte: Wir können nichts gegen die Wahrheit, aber alles für die Wahrheit. 2. Kor. 13, 8)

Diese Betrachtung gibt uns den Mut, der Welt einen gut gemeinten Vorschlag zu machen. Seit anderthalb Jahrhunderten müht sich die Pädagogik, Menschen zu erziehen, die man brauchen, Menschen, auf die man sich verlassen, Menschen, die man mit Ehren sehen lassen kann. Das Ergebnis war bisher sehr gering und deckte bei weitem nicht die Kosten. Eines zumal wollte ganz und gar nicht gelingen: Charaktere nach den Systemen einer neuen Weltweisheit zu bilden. Im Gegenteil, der Niedergang der Charaktere machte sich seit dieser Zeit erst recht fühlbar. Wie wäre es denn, wenn wir wieder einmal versuchen würden, die Jugend und uns selber mit dem zu bilden, womit man in alten, starken Zeiten so schöne Erfolge errang, das heißt mit dem Gewissen? Es wäre nur um den Versuch zu tun. Naseweise Kinder und ein Geschlecht von zerstreuten, vergeßlichen, unbrauchbaren Vielwissern würde man dabei freilich nicht erzielen. Indes, die Menschheit kann auch ohne solche auskommen. Aber zuverlässige, pflichttreue Menschen, Leute, die nicht wie der Flaum vor jedem Wind tanzen, freie, feste, unabhängige Charaktere, die auch in der Stunde der Gefahr standhaft bleiben und vor einem Opfer für Überzeugung und Pflicht nicht zurück schrecken, sie sind es, woran wir Mangel leiden. Diese werden wir aber erst wieder haben, dessen sind wir gewiß, wenn wir uns entschließen, zur Grundlage aller Bildung und Erziehung statt oberflächlicher Verwirrung des Kopfes die Pflege des Gewissens zu machen. Es wäre eines ernsten Versuches wert. Es würde sich wirklich lohnen. –


aus: Albert M. Weiß, Apologetik, Bd. 1, 1905, S. 132 – S. 137

https://katholischglauben.info/notwendig...e-des-gewissen/



Liebe Grüße, Blasius

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#1077

RE: Der Heilsplan Gottes für den Menschen - Die rettende Botschaft für alle

in Wenn etwas der Klärung bedarf 16.11.2019 08:05
von Blasius • 2.515 Beiträge




Der Heilsplan Gottes für den Menschen
Gott offenbart seinen „gnädigen Ratschluß“

Liebe Leserinnen und Leser,

Paulus fordert von den Juden und den Heiden den Glauben an Christus

Der Apostel lehrt ferner, wie der Glaube in dem Menschen wirksam sein, dessen ganzes Wesen, dessen ganzes inneres und äußeres Leben umfassen und durchdringen müsse; damit der Gläubige zur Rechtfertigung und Heiligung gelangen, in derselben verharren, fortschreiten und die Vollkommenheit erringen könne. Zuerst fordert er den Glauben in dem Herzen, den inneren Glauben, durch welchen der Verstand Allem beistimmt, und Alles für wahr hielt, was Gott geoffenbart hat:

„Mit dem Herzen glaubt man zur Gerechtigkeit“ (Röm. 10, 10); das ist, dieser innere Glaube des Herzens ist das erste Notwendige, um zur Gerechtigkeit zu gelangen. Dann fordert er das äußere Bekenntnis dieses inneren Glaubens mit dem Mund:

„Mit dem Mund geschieht das Bekenntnis zum Heil“ (Röm. 10, 10); das ist, dieses äußere Glaubensbekenntnis ist außer dem innern Glauben allemal notwendig, so oft der innere Glaube ohne dasselbe verleugnet würde, wie z. B. bei den Märtyrern; und wenn es auch nur für Einen Menschen und auch nur einmal notwendig ist, muss es als wesentliches Erfordernis zum Heil mitgezählt werden. Weiter fordert er, daß man alles Dasjenige, was nach dem innern Glauben und nach dem äußeren Bekenntnis des Glaubens zu tun erforderlich ist, auch wirklich tue; daß man die nach dem Glauben erforderlichen Werke verrichte:

„In Christo Jesu gilt weder Beschneidung noch Vorhaut etwas, sondern der Glaube, welcher durch die Liebe wirkt“ (Gal. 5, 6);das ist, der Glaube, welcher die von den zwei Geboten der Liebe Gottes und des Nächsten, an welchen „das ganze Gesetz und die Propheten hangen“ (Matth. 12, 40); befohlenen Werke vollbringt, nach dem Wort des Herrn:

„Willst du zum Leben eingehen, halte die Gebote.“ (ebd., 19, 17) Wer so glaubt, der wird gerechtfertigt und geheiligt und erlangt Anspruch auf die ewige Seligkeit; denn er tut Alles, was das Evangelium fordert, damit der Mensch gerechtfertigt und geheiligt werde, und Anspruch auf die ewige Seligkeit habe.

Diesen Glauben erklärt der Apostel für unumgänglich notwendig zur ewigen Seligkeit:

„Ohne den Glauben ist es unmöglich, Gott zu gefallen; denn wer zu Gott kommen will, muss glauben, daß er ist, und daß er diejenigen, welche ihn suchen, belohne.“ (Hebr. 11, 6) Wie er immer und überall von dem übernatürlichen Glauben, der eine Gnade Gottes ist, redet; so spricht er auch hier von Gott und von der ewigen Belohnung als von übernatürlichen Gegenständen, in welchen alle übrigen enthalten und zu verstehen sind, ohne daß er sie ausdrücklich nennt, da Gott der Grund und der Zweck von Allem ist. Diesen Glauben fordert er von den Juden und von den Heiden, von allen Menschen; den Juden sagt er:

„Durch die Werke des Gesetzes wird kein Mensch vor ihm (das ist, vor Gott) gerechtfertigt; denn durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde“ (Röm. 3, 20) (*); und er sagt den Juden und den Heiden:

„Jetzt aber ist ohne Gesetz die Gerechtigkeit Gottes geoffenbart worden, von welcher das Gesetz und die Propheten Zeugnis geben.“ (ebd., V. 21)Die Juden konnten durch die Beobachtung des Gesetzes eine gesetzmäßige, das ist, eine natürliche Gerechtigkeit erlangen, aber nicht „die Gerechtigkeit Gottes“, das ist, die übernatürliche Gerechtigkeit, welche aus Gott, und eine Gnade ist, welche den Menschen vor Gott rechtfertigt, selbst gerecht und heilig macht, und ohne das Zeremonien-Gesetz, und auch von den Heiden gewonnen werden kann, wie der heilige Augustinus über diese Stelle schreibt:

„Der Apostel sagt nicht: Gerechtigkeit des Menschen; oder Gerechtigkeit des eigenen Willens; sondern: Gerechtigkeit Gottes, nicht durch welche Gott gerecht ist, sondern mit welcher er den Menschen bekleidet, wenn er den Sünder rechtfertigt.“ (De spirit. Et lit. c. 9 et 11)

Alle müssen sich durch den Glauben an Christus wenden

Um diese Gerechtigkeit zu erlangen, mussten die Juden im alten Bund, so wie im neuen Bund die Juden und Heiden, zu jeder Zeit alle Menschen durch den Glauben sich an Christus wenden; von welchem allein diese Gnade kommt: „Die Gnade Gottes durch Jesum Christum, unsern Herrn“ (Röm. 7, 25); weshalb er den Juden und den Heiden zuruft: „Gerechtigkeit Gottes nämlich vermittelst des Glaubens an Jesum Christum für Alle, und über Alle, welche an ihn glauben, denn es ist kein Unterschied. Denn Alle haben gesündigt und ermangeln der Herrlichkeit Gottes, und werden gerechtfertigt ohne Verdienst durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Jesu Christo ist, welchen Gott dargestellt hat, als Sühnopfer durch den Glauben in seinem Blut, um seine Gerechtigkeit in der jetzigen Zeit zu erweisen; damit er selbst gerecht sei, und denjenigen rechtfertige, der den Glauben an Jesum Christum hat.“ (Röm. 3, 22-27) Darüber schreibt Origenes:

„Wir Alle gehörten vermöge der Schöpfung Gott an, aber wir haben uns um den Preis der Sünden dem Teufel verkauft und übergeben; deshalb wird gesagt, daß wir um den Preis des Blutes Christi aus der Gewalt des Teufels (nicht erkauft, sondern wieder erkauft, sondern zurück erkauft), erlöst worden sein.“ (Homil. 6 in Exod.) Von der Wohltat dieser Erlösung sagt der heilige Anselmus:

„Was kann man Barmherzigeres denken, als wenn zum Sünder, welcher zu den ewigen Peinen verurteilt ist, und nichts hat, womit er sich von denselben erlösen kann, Gott der Vater spricht: Nimm meinen Eingebornen und gib ihn für dich als Lösegeld hin; und der Sohn selbst sagt: Nimm mich, und zahle mit mir für dich?“ (Libr. Cur Deus homo., c. 9) Über die Wirkung, Frucht und Gnade dieser Erlösung endlich schreibt der heilige Augustinus:

„Der das Gesetz gegeben, hat auch die Gnade gegeben; aber das Gesetz hat er durch seinen Diener gesendet, mit der Gnade ist er selbst herab gestiegen; damit, weil das Gesetz die Sünden wohl zeigt, aber nicht weg nimmt, diejenigen, welche mit ihren Kräften das Gesetz erfüllen wollen, aber es nicht vermögen, genötigt werden, zur Gnade ihre Zuflucht zu nehmen, welche die Krankheit des Unvermögens und die Schuld des Ungehorsams weg nimmt.“ (Sent. 320)

(*) Indem das Gesetz gebietet und verbietet, erkennt man aus ihm, was Sünde ist; aber es kann die Sünde nicht tilgen und nicht rechtfertigen. –

aus: Georg Patiss SJ, Paulus in seinen apostolischen Tugenden, 1881, S. 158 – S. 161

Zur Rechtfertigungslehre siehe den Beitrag: Konzil von Trient: Über die Rechtfertigung

Zur Gnadenlehre siehe den Beitrag: Die Lehre von der Gnade: Begriff und Einteilung

https://katholischglauben.info/paulus-fo...en-an-christus/

Liebe Grüße, Blasius


zuletzt bearbeitet 16.11.2019 08:09 | nach oben springen

#1078

RE: Der Heilsplan Gottes für den Menschen - Die rettende Botschaft für alle

in Wenn etwas der Klärung bedarf Gestern 10:22
von Blasius • 2.515 Beiträge



Der Heilsplan Gottes für den Menschen
Gott offenbart seinen „gnädigen Ratschluß“

Liebe Leserinnen und Leser,

Unsere Liebe Frau von Rosenthal

Gnadenorte der hohen Himmelskönigin Maria


Unsere Liebe Frau, die Gottesmutter Maria, sitzt, umringt von vielen Heiligen, in der Mitte, ihren Sohn Jesus auf dem Schoß, eine Lilie in der linken Hand; unter ihr ist das Häuschen zu sehen, daß von Engeln zum Gnadenort Loreto getragen wird

Unsere Liebe Frau von Rosenthal in der sächsischen Oberlausitz

Im Königreich Sachsen, in Mitte des Protestantismus, steht seit Jahrhunderten wie eine Rose unter den Dornen der viel besuchte Gnadenort der Lieben Frau, Rosenthal. – Dieser Wallfahrtsort gehört unter das Patronat des uralten Jungfrauen-Klosters Maria-Stern vom Orden der Zisterzienser.

Bernard, Herr von Kamentz und Bischof vom Meissen, begab sich eines Tages zur Erholung auf die Jagd, und geriet mit seinem Pferd in einen Sumpf, aus dem er sich nicht mehr durch eigenen Kräfte heraus arbeiten konnte. In großer Lebensgefahr nahm er seine Zuflucht zu Gott, dem Allmächtigen, durch die Fürbitte der jungfräulichen Mutter Maria und gelobte ihr zu Ehren hier ein Kloster zu erbauen, wenn er Rettung fände. Nachdem er die ganze Nacht im Sumpf zugebracht, und sich ihm kein Ausweg zeigte, siehe, da erblickte er vor Sonnen-Aufgang über seinem Haupt einen glänzenden Stern in einer strahlenden schleierartigen Wolke. In diesem Augenblick wird auch der Boden unter den Füßen fester und endlich konnte der Bischof sich mit dem Pferd empor heben und der Gefahr entgehen.

Nach Hause zurück gekehrt vergaß er seines Gelübdes nicht und im Jahre 1264 legte er nicht ferne von dem Ort, wo er aus so großer Gefahr errettet worden, den Grund zu einem Kloster für Jungfrauen aus dem Orden der Zisterzienser zu Ehren der L. Frau, des hl. Johannes und der hl. Ursula, und nachdem 20 Jahre daran gebaut worden, wurden die Gottgeweihten Jungfrauen in dasselbe eingeführt. An dem Ort, wo er Rettung fand, ließ der Bischof eine Kapelle erbauen, welche immer in hohen Ehren gehalten worden. Das Kloster aber erhielt den schönen Namen Maria-Stern. Es hat die gewaltigsten Stürme überstanden, unter dem Schutz der Gottesmutter mitten unter dem allgemeinen Abfall vom heiligen katholischen Glauben zu den Zeiten Luthers, Christo und seiner heiligen Kirche die Treue bewahrt und steht heute noch in schönster Blüte umgeben von sieben Pfarreien, deren Bewohner, von dem alten Volk der Wenden abstammend, ebenfalls den heiligen katholischen Glauben bewahrt haben. – In einiger Entfernung nur vom Kloster liegt das Dorf und die schöne Wallfahrtskirche Rosenthal, an welcher zwei Priester aus dem Zisterzienser-Kloster Asegg angestellt sind.

Der Ursprung dieses Wallfahrtsortes geht bis in die Zeiten Kaisers Karl des großen zurück. Bekanntlich sah sich dieser Kaiser, den die Kirche unter die Heiligen zählt, gezwungen, gegen die wilden, der Abgötterei hartnäckig anhangenden Sachsen, welche sengend und brennend seine Länder verheerten, Krieg zu führen. Wohl wußte er, daß as Christentum dieses wilde Volk bändigen und zum Frieden und zur Ordnung führen könnte, auch versuchte er es, dasselbe mit dem Glauben an Jesus bekannt zu machen; allein vergeblich. Mit dem Schwert in der Hand musste er in das Sachsenland eindringen und die besiegten Bewohner unter das Joch Christi beugen. Drei und dreißig Jahre dauerte der Kampf, bis endlich der Sachsenfürst Wittekind und mit ihm auch das Volk den christlichen Glauben annahm. Während dieses Kampfes geschah es, daß ein Feldherr des Kaisers ein Lager aufschlug an dem Ort, wo jetzt das Pfarrdorf Ostra steht. Da sah man zur selben Zeit eine Matrone von königlicher Majestät das Lager umwandeln, und nachdem die Soldaten abgezogen waren, sah man dieselbe Matrone von himmlischer Schönheit öfters die Flur, wo das Lager stand, umgehen. Nun geschah es eines Tages, daß der Edelmann Lucian von Sernan an diesem Ort eine Jagd hielt, und ebenfalls die Matrone sah. Dieser wollte wissen, der wie Matrone sei, gab dem Pferd die Sporen, eilte ihr nach, konnte sie aber nicht erreichen; immer blieb ein Raum zwischen ihm und der Matrone, so schnell er auch ritt.
Als er sie nun bis zu einem kleinen Hügel oberhalb Rosenthal verfolgt hatte, bemerkte er eine Linde, wo die Matrone seinen Augen entschwand, und als er seine Augen zur Linde erhob, sah er an derselben eine Statue der allerseligsten Jungfrau. – An dieser Linde hatte wahrscheinlich, wie eine alte Sage erzählt, ein Soldat aus dem oben erwähnten Lager das heilige Bild befestigt.

Das Bild stellt die heilige Jungfrau mit dem Kindlein Jesus auf dem linken Arm vor; in der rechten Hand hält sie eine Birne; das Kindlein hält in beiden Händen einen Apfel; das Antlitz der heiligen Jungfrau ist höchst anmutig, aber braun: sie ist mit einem purpurnen mit Lilien durchwebten Mantel bedeckt, unter welchem ein gelbliches mit Blumen durchwirktes Kleid ihren Leib umhüllt. Die Statue ruht auf einem marmorartigen Gestell von Holz. –

Der Edelmann staunte über das an der Linde befindliche heilige Bild, ehrte es hoch und ließ alsbald über dasselbe eine Kapelle von Holz errichten. – In kurzer Zeit kamen Andächtige, zeigten dem Bild ihre Verehrung und riefen die Himmelsmutter um ihre Fürbitte an und nicht vergeblich. Ihre Bitten wurden erhört; immer mehrere Andächtige kamen im Laufe der zeit, und man sah sich endlich genötigt, eine größere Kapelle aus Stein zu erbauen, und dies geschah nun im Jahre 1537 auf Kosten der Äbtissin des Klosters Maria-Stern, in dessen Besitztum die Kapelle lag. – Die Jungfrauen des Klosters hielten das heilige Bild hoch in Ehren, und man erzählt, daß sie sogar das wundertätige Bild in ihr Kloster übersetzen wollten, aber zu ihrer Verwunderung fanden, daß das heilige Bild immer wieder durch eine geheime Macht zur Linde getragen wurde.

Als die Irrlehre Luthers auch in die Gegend von Maria-Stern einzudringen suchte, fand sie bei den Bewohnern keinen Eingang. Die frommen Wenden ließen sich ihren heiligen Glauben nicht rauben; die liebe Mutter Gottes, welche sie kindlich verehrten, ließ sie nicht der Ketzerei zur Beute werden, und noch heut zu Tage ertönen ihre schönen Lieder zu Ehren der Himmelskönigin in der großen, geräumigen Kirche, welche zu Ende des vorigen Jahrhunderts gebaut wurde.

Von Priestern des Zisterzienser-Ordens wird alle Sonn- und Feiertage regelmäßig der Gottesdienst mit Hochamt und Predigt daselbst gefeiert, die Predigten müssen aber vorherrschend in wendischer Sprache gehalten werden. Obwohl das gut katholische Wendenvolk das ganze Jahr eifrig zur Muttergottes von Rosenthal pilgert, so geschieht dies doch besonders zahlreich und feierlich am Osterdienstag, Pfingstdienstag, Mariä Heimsuchung und Mariä Geburt. An diesen Tagen ziehen die katholischen Gemeinden aus der Umgegend, ihre Seelsorger an der Spitze alle nach Rosenthal, und zwar die Pfarrgemeinde von Maria-Stern, von Crostwitz, Ralbitz, Nebelschütz, Ostra, Radibor, Bautzen und aus Preußen die Pfarrgemeinde Wittichenau, ebenfalls wendisch. Es ist ein wahrhaft erhebender Anblick, wenn die meisten dieser Prozessionen mit Kreuz und Fahnen und ihren Liebfrauen-Statuen, von Jungfrauen getragen, an genannten Tagen zwischen 8 und 9 Uhr unter feierlichem Glockengeläute von allen Seiten her in Rosenthal einziehen. Beim feierlichen Gottesdienst erschallen dann, vom Klang der Orgel begleitet, mit lauter (sozusagen tausendfältiger) Stimme die wendischen Loblieder zur Ehre Gottes und seiner glorwürdigen Mutter, ebenso Nachmittags bei der Vesper, wo das Gnadenbild auch zum Küssen gereicht wird.

Diese Liebe, Verehrung und Andacht des guten Wendenvolkes zur jungfräulichen Muttergottes in Rosenthal findet man aber leicht begreiflich, wenn man weiß, wie viele und große Gnaden hier schon jene empfangen haben, welche mit Vertrauen zur mächtigen heiligen Jungfrau um Hilfe gefleht haben. –

Wie schon gesagt, ist Rosenthal rings von Protestanten umgeben, welche leider die liebe Mutter Gottes nicht kennen und verehren. Doch die wunderbaren Erhörungen und Heilungen, die fortwährend zu Rosenthal geschahen und noch geschehen, bewegen viele Protestanten, in ihren Nöten ebenfalls ihre Zuflucht zur seligsten Jungfrau zu nehmen, und – wunderbar! Auch ihre Bitten fanden und finden Erhörung. Auch auf sie, ihre verlorenen Kinder, die sich von ihrem liebevollsten Mutterherzen losgerissen haben, sieht sie doch noch mit barmherzigen Augen herab und kommt ihnen zu Hilfe. –

aus: Georg Ott, Marianum Legende von den lieben Heiligen, Zweiter Teil, 1860, Sp. 2663 – Sp. 2668

https://katholischglauben.info/unsere-li...-von-rosenthal/


Liebe Grüße, Blasius


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