Gelobt sei Jesus Christus !
Lieber @benedikt
Du hast es bereits durchaus richtig gesehen.
Unser Herr hat Martha erst dann belehrt, als diese daran ging, Maria vom Zuhören abbringen.
Auf dieser Grunderkenntnis bauen auch nachfolgende Auslegungen von drei Kirchenvätern auf:
Zunächst der hl. Augustinus:
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"Die Wiederholung des Namens ist ein Zeichen der Liebe oder der stärker geforderten Aufmerksamkeit, damit sie sorgfältiger hinhöre. Die also zwei Mal Angerufene hört: Du sorgst dich um viele Dinge.[...]
Es ist viel, es ist verschiedenes, weil es sich um fleischliche, zeitliche Dinge handelt.
Das Eine aber ist dem Vielen vorzuziehen.
Denn nicht vom Vielen stammt das Eine, sondern das Viele vom Einen.
Deshalb heißt es weiter: Nur eines ist notwendig.
Sollen wir nun etwa glauben, durch dieses Wort sei der Dienst Marthas getadelt und ihre gastliche Sorge und ihre Freude über einen so hohen Gast? Wenn das wahr wäre, dann müßten die Menschen aufhören, den Armen zu dienen. Sie müßten einzig auf das Wort achten und sich mit heilbringendem Wissen beschäftigen. Um den Fremden, um den Hungernden dürfte sich niemand mehr kümmern. Die Werke der Barmherzigkeit würden unterlassen.
Der Herr tadelt die Arbeit nicht. Aber er macht einen Rangunterschied deutlich.
Darum heißt es weiter:
Maria hat den besten Teil erwählt. Er wird ihr nicht genommen werden. Du hast nicht den schlechten Teil erwählt, aber sie den besseren. Inwiefern den besseren?
Weil er ihr nicht genommen wird. Von dir wird die Last des Notwendigen einmal weggenommen werden. Denn wenn du in das himmlische Vaterland eingegangen bist, wirst du keinen Fremden finden, den du gastlich bewirten könntest. Die Arbeit wird dir genommen, damit dir die Ruhe gegeben wird.
Du bist auf dem Meer, Maria ist im Hafen.
Denn ewig währt die Freude an der Wahrheit;
in diesem Leben wird sie immer mehr, im kommenden wird sie vollendet, niemals aber wird sie genommen.
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Weiter der hl. Gregor der Grosse:
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Durch Maria, die sitzend die Worte des Herrn anhört, wird das kontemplative Leben dargestellt. Durch die äußerlich vielbeschäftigte Martha wird das aktive Leben bezeichnet. Die Sorgsamkeit Marthas wird nicht getadelt, die Sorge Marias aber wird gelobt. Denn die Verdienste des aktiven Lebens sind groß, die Verdienste des kontemplativen Lebens aber sind größer.
Deshalb heißt es, daß Maria niemals ihr Teil genommen wird; denn die Werke des aktiven Lebens vergehen mit dem Leib, die Freuden des kontemplativen Lebens aber werden am Ende noch größer.
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Schliesslich der hl. Ambrosius:
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Es bewege dich wie Maria das Verlangen nach Weisheit. Das ist nämlich das größere, vollkommenere Werk. Die Sorge des Dienstes bringe dich nicht von der Erkenntnis des himmlischen Wortes ab. Beschuldige nicht und beurteile die nicht als träge, die du nach Weisheit streben siehst.
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Freundliche Grüsse und Gottes Segen
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