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#101

RE: FASTENZEIT - Zur Entwicklung der christlichen Fastenpraxis

in Für Gäste: Fragen zum Forum / Beiträge 26.02.2020 08:01
von Blasius • 2.787 Beiträge





Benedikt XVI.
Papst von 2005-2013


Generalaudienz vom 21. Februar 2007 (© Libreria Editrice Vaticana)

Die Fastenzeit, ein Weg zur wahren Freiheit

Seit den Ursprüngen wird daher die Fastenzeit als eine Zeit der unmittelbaren Vorbereitung auf die Taufe gelebt, die in der Osternacht feierlich gespendet werden soll. Die ganze Fastenzeit war ein Weg hin zu dieser großen Begegnung mit Christus, zu diesem Eintauchen in Christus und dieser Erneuerung des Lebens. Wir sind schon getauft, aber die Taufe ist in unserem Alltagsleben oft nicht sehr wirksam. Darum ist auch für uns die Fastenzeit ein neues „Katechumenat“, in dem wir erneut unserer Taufe entgegengehen, um sie wieder neu zu entdecken und zutiefst wieder zu erleben, um wieder wirklich Christen zu werden. Die Fastenzeit ist also eine Gelegenheit, um wieder neu Christen „zu werden“, durch einen ständigen Prozess des inneren Wandels und des Fortschreitens in der Erkenntnis und in der Liebe Christi.

Die Umkehr geschieht nie ein für allemal, sondern sie ist ein Prozess, ein innerer Weg während unseres ganzen Lebens. Dieser Weg der dem Evangelium entsprechenden Umkehr darf sich gewiss nicht auf eine besondere Periode des Jahres beschränken: Es ist ein Weg, der jeden Tag zu gehen ist, der den ganzen Bogen der Existenz, jeden Tag unseres Lebens umfassen muss. […] Umkehren: Was heißt das wirklich? Umkehren heißt Gott suchen, mit Gott gehen, die Lehren seines Sohnes, Jesu Christi, willig befolgen. Umkehren ist nicht ein Bemühen um Selbstverwirklichung, denn der Mensch ist nicht der „Architekt“ seines eigenen ewigen Schicksals. Wir haben uns nicht selbst gemacht. Deshalb ist die Selbstverwirklichung ein Widerspruch und für uns auch zu wenig. Wir haben eine höhere Bestimmung. Wir könnten sagen, dass die Umkehr gerade darin besteht, sich nicht als „Schöpfer“ seiner selbst zu betrachten und so die Wahrheit zu entdecken, denn wir sind nicht die Urheber von uns selbst. Umkehr besteht darin, frei und mit Liebe zu akzeptieren, dass wir in allem von Gott, unserem wahren Schöpfer, abhängig sind, dass wir von der Liebe abhängig sind. Das ist nicht Abhängigkeit, sondern Freiheit.

SIEHE AUCH: DIE FASTENZEIT

Liebe Grüße, Blasius


zuletzt bearbeitet 26.02.2020 08:58 | nach oben springen

#102

RE: FASTENZEIT - Zur Entwicklung der christlichen Fastenpraxis

in Für Gäste: Fragen zum Forum / Beiträge 27.02.2020 07:46
von Blasius • 2.787 Beiträge



Hl. Franz von Sales (1567-1622)
Bischof von Genf und Kirchenlehrer

Geistliche Gespräche, 15. Gespräch II,2.6.11; III.2
(in: Werke des hl. Franz von Sales, Eichstätt 2002, Band II, S. 210.213–214.219.221)

Der Verzicht auf sich selbst

Wir lieben uns selber auch auf verschiedene Weise, denn unsere Selbstliebe ist sowohl eine Tat- als auch eine Gefühlsliebe. Die Tatliebe beherrscht die Großen, die Machthungrigen, die Geldgierigen, die Besitz um Besitz zusammenraffen und nie genug haben. Andere lieben sich wieder eher mit einer mehr sentimentalen Liebe, sie gehen sehr zärtlich mit sich um und tun nichts, als sich verhätscheln, verpäppeln und pflegen. Immer sind sie voller Angst, dass ihnen etwas schaden könnte. Es ist geradezu ein Jammer! […]

Seelische Verweichlichung ist noch unausstehlicher als körperliche. Leider wird sie gerade von geistlichen Personen am meisten gepflegt und großgezogen; sie möchten ohne Anstrengung mit einem Schlag heilig sein; ja, sie möchten sogar verschont bleiben von allen Kämpfen, welche das Niedere in unserer Seele mit seinem Widerstreben gegen alles, was der Natur entgegen ist, heraufbeschwört. […]

Unseren Widersprüchen widersprechen, unseren Neigungen abgeneigt sein, unsere Gefühle unterdrücken, auf unsere eigene Meinung verzichten – das alles kann die gefühlvolle, sentimentale Liebe, die wir für uns hegen, nicht zulassen, ohne Ach und Weh zu schreien. Und das ist die Ursache, dass wir untätig bleiben. […]

Auch trüge ich lieber ein kleines Strohkreuz, das mir auf die Schultern gelegt würde, ohne dass ich es wählte, als ein großes Kreuz, das ich mir mit großer Mühe selber aus dem Wald geholt und an dem ich recht schwer schleppen müsste. Ich glaube, dass ich dem lieben Gott wahrscheinlich mit dem Strohkreuz lieber bin als mit dem anderen großen, das ich mir mit vieler Plage und vielen Schweißtropfen selber gezimmert habe. Denn dieses selbstgewählte Kreuz tragen, ist eine größere Befriedigung für die Eigenliebe, die ein großes Gefallen an dem hat, was sie sich selber zurechtlegt, während es ihr nicht gefällt, sich einfach führen und leiten zu lassen.

SIEHE AUCH: 1.  STAUB BIN ICH UND ASCHE – GEBET AM BEGINN DER FASTENZEIT-Franz von Sales


Liebe Grüße Blasius


zuletzt bearbeitet 27.02.2020 09:17 | nach oben springen

#103

RE: FASTENZEIT - Zur Entwicklung der christlichen Fastenpraxis

in Für Gäste: Fragen zum Forum / Beiträge 07.03.2020 09:06
von Blasius • 2.787 Beiträge



Die heilige Fastenzeit
29 FEBRUAR, 2020


von Franz Spirago

Als Christus 30 Jahre alt war, ließ er sich von Johannes im Jordan taufen und fastete hier­auf 40 Tage in der Wüste, wo er vom Teufel versucht wurde (Mt 4).



Christus war 30 Jahre alt, als er zu lehren anfing (Lk 3,23). Alle apostolischen Männer zogen sich in die Einsamkeit zurück, bevor sie öffentlich auftraten, so z. B. Moses, Johannes der Täufer und die Apostel vor dem Pfingstfeste. Durch sein Fasten und seinen siegreichen Kampf mit dem Teufel wollte Christus als der neue Adam für den sündhaften Genuss der verbotenen Frucht im Paradies und für den Fall Adams in der Versuchung Genugtuung. Die Zahl 40 kommt oft in der Religion vor; sie ist die Zahl der Buße.



Zur Erinnerung an das Fasten Christi setzte die Kirche die 40-tägige Fasten­zeit ein. In den ersten christlichen Jahrhunderten begann man an einzelnen Orten das 40-tägige Fasten schon am 70. Tage vor Ostern, an anderen Orten am 60., wieder an anderen am 50. Tage vor Ostern. Man ließ aber an einzelnen Wochentagen das Fasten aus, sodass die ganze Fastenzeit doch nur 40 Tage dau­erte. Daher die Bezeichnung Septuagesima, Sexagesima, Quinquagesima (= der siebzigste, sechzig­ste, fünfzigste Tag) für jene drei Sonntage, die unserem 40-tägigen Fasten vorausgehen. Jetzt beginnt die 40-tägige Fastenzeit überall mit dem Aschermittwoch, dem 46. Tag vor Ostern.



Da die sechs Sonntage in der Fastenzeit keine Fasttage sind, so dauert die Fastenzeit doch nur 40 Tage. „Aschermittwoch“ sagen wir, weil an diesem Tage der Priester den Gläubigen Asche auf die Stirne streut mit den Worten: „Gedenke, o Mensch, dass du Staub bist und wieder zu Staub werden wirst.“ Durch diese Worte, die Gott nach dem Sündenfalle Adams gesprochen hat (Gen 3,19), und durch die Asche will und die Kirche lebhaft an den Tod und das Grab erinnern und uns dadurch zu bußfertiger Gesinnung bewe­gen. Die Asche wird genommen von den verbrannten Palmen, die am Palmsonntage des vorausge­gangenen Jahres geweiht worden sind, um uns so die Nichtigkeit aller irdischen Freude und Herrlichkeit noch deutlicher vorzustellen.



Die Fastenzeit dauert vom Aschermittwoch bis zum Beginn des Osterfe­stes. In dieser Zeit sollen sich die Erwachsenen nur einmal täglich sättigen (3. Kirchen­gebot) und alle Christen sollen lärmende Lustbarkeiten vermeiden (5. Kirchengebot) und das Leiden Christi betrachten. (Daher die Fastenpredigten und das Verhängen der Altar­bilder.) Der Priester liest an den Sonntagen die hl. Messe im violetten Messgewande, um uns zur Buße zu ermahnen.



Statt mit den Worten „Ite missa est“ entlässt er bei der Messe das Volk mit „Bene­dicamus Domino“ (= Lobet den Herrn). Damit soll gesagt sein: „Vergesset nicht darauf, in dieser Zeit eifrig zu beten.“. Die drei Tage vor dem Aschermittwoch (oder überhaupt die Zeit vom Dreikönigs­feste bis zum Aschermittwoch) nennt man Fasching, welches Wort wahrscheinlich von Fastenschank, Verabreichung des üblichen Fastentrunkes, herkommt. (Das Wort „Bastschang“ findet sich bereits 1283 in einer Weberordnung der Stadt Passau.) Die drei Faschingstage vor dem Aschermittwoch heißen auch Karneval, vom lateinischen caro vale = Fleisch lebe wohl, oder von carrus navalis (Schiffs­wagen), da die Germanen besonders in der Nähe des Meeres und der Flüsse beim Einzug des Frühlings mit einem auf Räder laufenden Schiffe im feierlichen Umzug herumfuhren. (Sebastian Brand spielt in seinem „Narrenschiff“ darauf an.)



Um uns von übertriebenen Lustbarkeiten an diesen Tagen abzuhalten und Gott für die vielen Beleidigungen, die ihm in diesen Tagen zugefügt werden, Genugtuung zu leisten, setzt die Kirche das Allerheiligste aus und verrichtet das sogenannte 40-stündige Gebet. Die vielen Torheiten, die vor dem Aschermittwoch aufgeführt werden (namentlich Maskenzüge und Maskentänze) stammen aus den Zeiten des Heidentums. Die Heiden feierten nämlich im Monat Februar, wo der Tag wieder auffallend zunimmt, das neue Jahr oder die Wiederkehr des angeblich auf einem Wagen einherfahrenden Sonnengottes.



Am 5. Sonntag in der Fastenzeit werden die Kreuze verhüllt, um zu versinnbildlichen, dass sich Christus vor seinem Leiden verbergen musste, um nicht schon früher getötet zu werden (Joh 11,54). Der genannte Sonntag heißt Passionssonntag (Leidenssonn­tag), weil sich die Kirche von ganz besonders der Betrachtung des Leidens Christi hingibt. Deshalb lässt sie auch in der Woche vor Ostern viermal die Passion, das ist die Leidensgeschichte Christi, nach den vier Evangelien vorlesen und außerdem Trauermetten, d. i. Gesänge, die sich auf das Leiden Christi beziehen, abhalten.

QUELLE: DISTRIKT DEUTSCHLAND

https://fsspx.de/de/news-events/news/die...fastenzeit-6881


SIEHE AUCH:

Fastenzeit - Begrifferklärung


Aschermittwoch / Fastenzeit


Liebe Grüße, Blasius


zuletzt bearbeitet 07.03.2020 09:11 | nach oben springen


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