1. Wenn dein ewiges Heil dir am Herzen liegt, so sei wachsam, allen näheren Umgang mit verkehrten und lasterhaften Menschen zu meiden. Denn nicht nur schadest du dadurch deinem guten Ruf bei allen Guten, sondern du selbst auch wirst bald werden wie diejenigen, mit denen du umgehst. Das Böse ist seiner Natur nach ansteckend, und wird leichter als das Gute angenommen. Denn unser eigenes Herz ist heimlich dazu geneigt, und es gelüstet ihm gern nach Verbotenem. Kein Kranker wird gesund, weil er mit Gesunden umgeht, aber gar leicht wird krank, wer viel mit Kranken umgeht.
2. Kein Verworfener ist in der ewigen Verdammnis, der nicht klagte, das böse Beispiel habe ihn dahin gebracht. Wer auch kann je lange unter unkeuschen Menschen sich rein erhalten? Wer lange mit Aussätzigen zusammen leben, ohne selbst aussätzig zu werden? Gern ahmt man solchen nach, die man achtet, und verlernt unter ihnen allmählich den Abscheu vor den Bösen, bis man zuletzt schlimmer wird als sie. Wie viele, die nichts weniger dachten, haben auf diese Weise Glauben und Sitten verloren. Wären also solche Menschen dir auch lieb wie deine Augen, notwendig wie deine Hände, nützlich wie deine Füße, so ermahnt dich dennoch der Herr, sie abzusondern und zu entfernen, wenn du nicht willst in das ewige Feuer geworfen werden.
3. Fürchte dich nicht, solchen zu missfallen, die Gott missfallen. Meide diejenigen, die von Gott sich entfernen, und von denen Gott sich entfernt. Beleidige die Gnade Gottes nicht dadurch, dass du in die Gefahr dich begibst, sie zu verlieren, denn die Gelegenheit ist eine mächtige Feindin, und viele fanden darin den Tod ihrer Seele. Wir selbst geben dem Feind Waffen gegen uns in die Hände, denn er ist nur stark durch unsere Schwäche, oder vielmehr durch unsere Vermessenheit. Wenig vermag er über uns, wenn wir nicht selbst in die Schlinge gingen, die er durch die Gelegenheit uns gibt. Jesus Sirach 13,1+13: "Wer Pech anrührt, dem klebt es an der Hand; wer mit einem Zuchtlosen umgeht, nimmt seine Art an. Gib acht, und sei vorsichtig, geh nicht mit gewalttätigen Menschen!"
Gebet des Pater Cyrillus von der Mutter Gottes zum Prager Jesulein:
O Jesulein, zu dir fliehe ich,
durch deine Mutter bitt’ ich dich,
aus dieser Not woll’st retten mich;
denn wahrhaft glaube ich an dich,
dass du, o Gott, kannst schützen mich.
Vertrauend hoffe ich auf dich,
dass deine Gnad’ werd’ finden ich.
Aus ganzem Herzen lieb’ ich dich,
drum meine Sünden reuen mich,
von denen, flehend bitt’ ich dich,
Jesus, woll’st befreien mich.
Mein Vorsatz ist, zu bessern mich,
und nicht mehr zu betrüben dich,
darum dir ganz ergeb’ ich mich,
zu leiden mit Geduld für dich
und dir zu dienen ewiglich.
Den Nächsten aber gleich wie mich
will wegen deiner lieben ich.
Jesulein, ich bitte dich,
aus dieser Not woll’st retten mich;
dass einstens kann genießen ich
mit Joseph und Maria dich
und allen Engeln ewiglich.
Wir bitten Dich, allmächtiger Gott, gib, dass die Fürsprache der heiligen Gottesmutter Maria, aller heiligen Apostel, Märtyrer, Bekenner und Jungfrauen, und aller Deiner Auserwählten uns überall erfreue, damit wir, ihre Verdienste feiernd, die Macht ihres Beistandes erfahren. Durch ihn, unseren Herrn Jesus Christus, Deinen Sohn, der mit Dir lebt und herrscht in der Einheit des Heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Kirchengebet am 4. Februar
O Gott, der Du den heiligen Blutzeugen Johannes zur Verbreitung des katholischen Glaubens unter der Indern mit unbesiegbarem Starkmut erfüllt hast; verleihe gnädig durch seine Verdienste und Fürsprache, dass wir, die wir das Gedächtnis seines Sieges feiern, auch dem Beispiel seines Glaubens nachfolgen, durch Christus, unseren Herrn. Amen
Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Andreas Corsini
O Gott, der Du Deiner Kirche immer neue Beispiele der Tugend leuchten lässt, verleihe uns durch die Fürbitte des heiligen Andreas die Gnade, in seine Fußstapfen zu treten, dass wir auch zur ewigen Belohnung gelangen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Gebet der Kirche
O Gott, Du hast durch die selige Johanna eine neue Genossenschaft Dir geweihter Jungfrauen zur Nachahmung der Tugenden der seligsten Jungfrau und Mutter Deines Sohnes gründen wollen; gewähre durch deren Verdienste und Fürbitte, dass auch wir denselben Tugendbeispielen nachfolgen mögen. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
Nach der Meinung vieler Schriftsteller geschah am heutigen Tag die Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten. Heute wurde auch in den jungfräulichen Klöstern der Annonciaden in Frankreich das Fest der zehn Haupttugenden Mariä begangen, die da sind: ihre Keuschheit, Klugheit, Demut, Glauben, Andacht, Gehorsam, Armut, Geduld, Liebe, Mitleiden.
Johannes war zu Lissabon am 1. März 1647 von vornehmer Familie geboren. Wegen seiner vorzüglichen Eigenschaften kam er als Mitschüler der jungen Prinzen an den Hof. Seine Mutter hatte ihn so gut erzogen, dass in dieser gefährlichen Stellung seine Tugend nicht nur keinen Schaden litt, sondern zu immer größerer Vollkommenheit sich entwickelte. Allgemein hieß er der Heilige und der Märtyrer. Als ihn im zwölften Jahr eine lebensgefährliche Krankheit überfiel, weihte die Mutter ihn dem heiligen Franz Xaver und gelobte diesem, wenn ihr Sohn genese, er ein Jahr lang das Jesuitenkleid tragen solle. Der junge Page erlangte die Gesundheit und erschien am Hof im Ordenskleid. Von da an war sein heißester Wunsch, in die Fußstapfen des heiligen Franz Xaver zu treten.
In seinem sechzehnten Lebensjahr verließ Johann von Britto den Glanz des Hofes und trat am 17. Dezember 1662 in das Noviziat der Gesellschaft Jesu. Nach der Priesterweihe wurde er auf seine inständige Bitte als Missionar für Indien bestimmt. Am 25. März 1673 fuhr er von Lissabon ab. Auf dem Schiff erhielt er wegen seiner großmütigen Aufopferung für die Kranken den Namen eines neuen Xaver. Im September lief das Schiff in den Hafen von Goa ein. Schon bald bewarb sich Britto um die schwierige Mission von Madura. Mit unermüdlichem Eifer begann er seine apostolische Tätigkeit. Es ist kaum zu glauben, wie viele und wie große Entbehrungen und Widerwärtigkeiten aller Art er mit Freuden erduldete. Seine Nahrung bestand in einigen Früchten. Wein, Fleisch und Fisch genoss er nie. Die mühevollsten Reisen machte er unter den glühenden Strahlen der indischen Sonne und gewöhnlich mit nackten Füßen. Beständig war er den Feindseligkeiten der Brahminen, den Nachstellungen der Räuber und anderer Lebensgefahren ausgesetzt. Vierzehn Jahre hatte er so für das Heil der Seelen mit außerordentlichem Erfolg gearbeitet, da gelang es den Brahminen, ihn ins Gefängnis zu werfen. In einem Brief vom 30. Juli 1686 schreibt er unter anderem: „Wir wurden mit Fußtritten, Faustschlägen, Stockprügeln und aller schlechten Behandlung überhäuft; endlich in Eisen gelegt und verurteilt, in Stücke gehauen zu werden.“ Aber vor den König geführt, verteidigte der Heilige so überzeugend die christliche Religion, dass er freigelassen wurde. Bald darauf reiste er in Missionsangelegenheiten nach Europa. In Lissabon wollte der König seinen ehemaligen Gespielen und Edelknaben als Erzieher seines Sohnes zurückhalten. Nun galt es! Auf der einen Seite die Gunst des Königs und der Großen des Reiches, Ehren und Würden, ein angenehmes Leben am königlichen Hof; auf der anderen Seite ein schlichter, einfacher Missionar, ein Leben voller Entbehrungen und Entsagungen, verfolgt und geächtet, die Aussicht auf einen schrecklichen Martertod. Was wird Johannes wählen? Sein Apostelherz kennt nur eine Antwort: „Was würde der heilige Ignatius und der heilige Franz Xaver, was würde mein Herr und Meister, der Heiland, sagen, wenn ich den Kelch an die Lippen gesetzt hätte, aber nicht den Mut zeigte, ihn vollends auszutrinken?“ Zum zweiten Mal geht die beschwerliche Reise nach Indien. Die Würde eines Missionsbischofs schlug Johannes bescheiden aus; er will wieder unter seinen Parias, der verachtetsten Volkskaste, sein.
In Marava hatte Johannes die Freude, in kurzer Zeit über zehntausend Heiden taufen zu können. Auch ein Prinz, der wunderbar geheilt wurde, wünschte Christ zu werden. Er entließ alle seine Frauen bis auf eine, die er zuerst geheiratet hatte. Aber eine der Entlassenen, eine Verwandte des Königs, stachelte ihn und die Brahminen gegen den Verhassten Missionar auf. Britto erkannte die drohende Gefahr. Aber mit apostolischem Freimut verteidigte er wie Johannes der Täufer das göttliche Gesetz der Ehe. Am Tag, den er vorausgesagt hatte, wurde er verhaftet und in den Kerker geworfen. Das Urteil lautete: Tod durch das Schwert.
Nur mehr etwa fünfzehn Monate war Johannes in Indien tätig gewesen. „Mein Haupt,“ hatte er öfter gesagt, „bewahre ich für den König von Marava auf. Um es ihm zu überliefern, bin ich nach Indien zurückgekehrt.“ Am 4. Februar 1693 führte man ihn auf den Richtplatz. Sein Antlitz strahlte von himmlischer Freude. Er kniete nieder und betete wie in Verzückung. Bei diesem Anblick zaudert der Scharfrichter, das Schwert zu schwingen. Da erhebt der Heilige sich, umarmt ihn und ermuntert ihn seine Pflicht zu tun. Dann kniet er wieder nieder und neigt den Kopf zum Todesstreich. Der erste Hieb schlägt eine tiefe Wunde in die Schulter, der zweite trifft den Nacken, erst beim dritten Schwertstreich rollt das Haupt in den Staub. Der Henker hieb noch Hände und Füße ab und hing sie mit dem Kopf an den dazu errichteten Pfahl. Fast lautlos entfernte sich die Menge, die Heiden erstaunt über den Heldenmut des Martyrers, die Christen glücklich, einen Glauben zu bekennen, der mit dem Blut ihres Apostels besiegelt ist. Johannes de Britto wurde am 21. August 1853 von Papst Pius IX. selig- und am 22. Juni 1947 von Papst Pius XII. heiliggesprochen.
Auf die Ehre der Welt hat Johannes de Britto verzichtet, dafür ist ihm die Ehre des Himmels zuerkannt worden. Viele Menschen machen es umgekehrt. Wer nun handelt weise?
Kirchengebet am 4. Februar
O Gott, der Du den heiligen Blutzeugen Johannes zur Verbreitung des katholischen Glaubens unter der Indern mit unbesiegbarem Starkmut erfüllt hast; verleihe gnädig durch seine Verdienste und Fürsprache, dass wir, die wir das Gedächtnis seines Sieges feiern, auch dem Beispiel seines Glaubens nachfolgen, durch Christus, unseren Herrn. Amen
Die Kirche feiert das Andenken dieser Heiligen am 4. Februar. Uns allen tritt diese edle Frauengestalt so oft lebendig vor Augen, so oft wir die 6. Station des heiligen Kreuzweges beten oder betrachten.
Wir können das Andenken der heiligen Veronika nicht besser feiern, als wenn wir recht innig die große feierliche Begebenheit betrachten, wie sie dem göttlichen Heiland das Schweißtuch darreicht.
1.
Achtzig Schritte von der Stelle, wo Simon von Cyrene zum Kreuztragen gezwungen wurde, stand ehemals das Haus der Veronika. Uralte Handschriften nennen diese Frau Berenice. Hier soll sie aber den Namen „Veronika“ behalten, denn Veronika heißt auf Deutsch „wahres Bild“ und weil Christus in ihr Tuch das wahre Bild seines Antlitzes eindrückte, so ging dieser Name „Veronika“ auch auf die Besitzerin des Tuches über. Man nimmt gewöhnlich an, dass sie bereits eine Jüngerin Jesu war und von seiner Unschuld, sowie von der Göttlichkeit seiner Sendung vollkommen überzeugt war, weshalb ihr sein Leiden um so tiefer zu Herzen ging.
Veronika tritt, als sich der Zug nähert, aus der Tür ihres Hauses auf die Straße. Sie trug um das Haupt ein Tuch, das über die Schulter herabhing. Solche Tücher, etwa dreimal so lang als breit, trugen nach damaliger Art die Frauen um Haupt und Nacken, auch ein zweites um die Schulter gewunden, beide von feiner Wolle. Es war auch Sitte, Trauernden und Weinenden oder Ermüdeten damit entgegenzutreten, um ihnen die Tränen oder Schweißtropfen vom Gesicht abzutrocknen. Veronika sieht Jesus mühselig einherschwanken. Seine Kräfte sind gebrochen, die Hitze der morgenländischen Mittagssonne brennt scharf auf sein dornenumflochtenes Haupt nieder, Blut und Schweiß mischen sich untereinander und fallen in schweren Tropfen von Stirn und Angesicht herab.
Von Liebe und Mitleid fast außer sich, dringt Veronika durch den Haufen der Soldaten, löst eilends ihr Tuch vom Haupt und hält es dem Heiland kniend als Schweißtuch entgegen. Der Herr nimmt es mit Wohlgefallen an, drückt es gegen sein schweiß- und blutbenetztes Angesicht und gibt es mit einem Blick des innigsten Dankes der Veronika wieder zurück.
Diese nicht achtend des Gespöttes wie der Flüche der grausamen Peiniger, drückt das Tuch wie ein hochgeweihtes Andenken an ihr Herz, eilt damit zurück in ihr Haus, legt es ausgebreitet auf den Tisch hin und sinkt mit einem Schrei der seligsten Überraschung auf ihre Knie nieder, denn auf dem Tuch erblickt sie das blutige Angesicht ihres armen Jesus in seiner Jammergestalt wunderbar abgedrückt. O welch ein kostbares und teures Geschenk seiner Liebe!
Nach den Angaben der Tradition kam das heilige Schweißtuch in den Besitz des heiligen Clemens, der nach Petrus der dritte Papst war. Es wurde durch die Jahrhunderte hindurch in großen Ehren gehalten. Papst Paul V. setzte es nach prachtvoller Prozession in der Peterskirche bei, wo es bis heute aufbewahrt wird. Am Karfreitag wird es alljährlich zur Verehrung ausgestellt.
2.
Der Heiland gibt sein Bild einer Frau, weil sie ihm auf dem Leidensweg in so liebevoller Weise beigestanden ist.
Welch ein preiswürdiges Vorbild ist die edle Veronika für alle christlichen Frauen und Jungfrauen!
Eilt auch ihr zu Jesus, weiht ihm eine Träne des Mitleids, bietet ihm das Schweißtuch dar, das heißt, tröstet ihn in den Kranken, helft ihm in den Armen, trocknet sein Blut und seine Tränen in den Unglücklichen, ihr könnt und sollt ihm diesen Dienst erweisen. „Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan, das habt ihr mir getan.“ Fürchtet nicht den Spott und die Missachtung einer ungläubigen Mitwelt. Seid stark im Glauben und in der Liebe zu Jesus. Der lebendige Glaube ist eure schönste Krone. Eine Frau ohne Glauben gleicht einem Stängel ohne Blume. Aus diesem Glauben kommt die wahre und reine Liebe. Das ist euer Schmuck. Eine Frau ohne die christliche Liebe ist gleich einer Blume ohne Farbe und Duft. Die Schöpferhand Gottes hat den Glauben und die Liebe als zarte Pflanzen in euer Herz gelegt, veredelt sie im Sonnenglanz der göttlichen Liebe Jesu und zieht sie groß.
Gott hat deshalb diese edlen Anlagen und Gefühle in eure Seelen gelegt, dass ihr sie pflegt und heiligt und sie ihm zum Opfer hingebt. Bringt ihm dieses Opfer und er wird euch belohnen wie Veronika, er wird die Züge seines heiligsten Bildes auch in eure Seelen drücken. Für den kleinen Dienst erhaltet ihr große Belohnung.
3.
Christliche Frau! Das Leiden ist ganz besonders dein Los und Anteil, du hast es in noch größerem Maß zu kosten als der Mann. Aber deine Stärke, dein natürlicher Adel ist das Mitleid mit den Leidenden. So trage dein Leiden Jesus zu Liebe und es wird versüßt: zeige das Mitleid wo und wie du kannst, dann wirst du eine wahre Veronika, das heißt, das „wahre Abbild“ Jesu Christi, dann wird das göttliche Passionsbild Zug für Zug in deine Seele gezeichnet, und dieses Bild wird sich verklären nach dem Bild der Herrlichkeit des göttlichen Sohnes. So steigst du empor zu deiner ursprünglichen Würde und Hoheit.
Euch, ihr christlichen Frauen und Jungfrauen, hat der Heiland mit seinem Bild beschenkt, weil er euch die Liebe und das Mitleid tief ins Herz gepflanzt hat. Darum gebt Acht auf diese zarten Regungen der Natur, helft, tröstet, leidet, das ist euer Ruhm, das eure Größe, das eure Zierde für Zeit und Ewigkeit.
Doch Ehre sei Gott und Preis seiner göttlichen Führung!
Die christliche Frau hat dieses Geheimnis erfasst, sie ist in der Tat die mitleidige Veronika. Sie opfert sich dem Dienst der kranken und leidenden Menschheit in den verschiedenen Orden der Wohltätigkeitspflege und hält so dem Herrn das Schweißtuch dar. Sie eilt in stiller Stunde in das arme Stüblein eines Verlassenen und bringt ihm Labung und Trost, Labung für den Leib, Trost für das Herz.
Sie sitzt Tage und Nächte lang am Krankenbett ihres Mannes, ihrer Eltern, ihrer Kinder, und ermüdet nicht in diesem opferreichen Beruf. Sie ist bemüht, die Schmerzen zu lindern, das Elend zu mildern, sie ist ein tröstender Engel der leidenden Menschheit. Und das ist ihre Stärke, ihr schönster Schmuck, ihr höchster Adel. Christliche Frauen, verleugnet niemals das angeborene Mitleid, seid entschlossen, wo es gilt, Gutes zu tun. Nehmt euch ein Beispiel an Veronika und euer Lohn wird groß sein im Himmel, und ihr werdet einst als Engel der Liebe und Erbarmung glänzen vor dem Thron des göttlichen Lammes.
4.
Veronikas Begegnung mit dem Heiland und die Darreichung ihres Schleiertuches ist eigentlich der einzige Lichtpunkt auf seinem Leidensweg, keine einzige Wohltat wurde dem armen Jesus erwiesen. Simon wurde zum Kreuztragen gezwungen und kam erst nach und nach zur Einsicht der ihm aufgenötigten Gnade, sogar die Begegnung mit seiner heiligsten Mutter war für ihn mit großem Leid verbunden, die mitleidigen Frauen von Jerusalem konnten ihn nicht trösten, sondern nur traurig stimmen, weil sie selbst keinen Trost zu bieten hatten – und so folgte im ganzen langen Lauf des Kreuzweges Schmerz auf Schmerz, Schmach und Entehrung, Todesangst und Schrecken bis zur letzten schlimmsten Verlassenheit auf dem Kreuzesstamm und dem „Consumatum est“ (Es ist vollbracht) des göttlichen Dulders.
Einzig schön und freundlich leuchtet Veronikas Liebestat aus all diesem Wehe hervor. Eine Tat so einfach, so voll des besten Willens, wie nur die liebende Seele sie erfindet und vollbringt. Und der Heiland hat sie angenommen, hat sie in seiner unendlichen Güte und Erbarmung verklärt und verewigt als eine ihm in höchster Bedrängnis erwiesene Wohltat.
Wo immer seither der Kreuzweg gebetet wird, wird auch der edlen Frau gedacht, ihre Tat bleibt in ständiger Erinnerung aller gläubigen Herzen, sie wird nie mehr vergessen werden für alle Zeiten!
* * *
Aus dem Lexikon für Theologie und Kirche:
Veronika von Jerusalem, Name einer legendären Frau, die in einer reichen und verworrenen Legendenentwicklung vom 4. bis 16. Jahrhundert immer neue, konkretere Züge erhält und im Spätmittelalter in Verbindung mit einem vielverehrten Christusbild zur volkstümlichen Heiligen wird. Anfang des 4. Jahrhunderts sehen die palästinensischen Christen in einer Bronzegruppe eines stehenden Mannes und einer knieenden Frau zu Paneas das Standbild, welches die blutflüssige Frau (Mt 9,20 u. Parall.) zum Dank für ihre Heilung dem Herrn habe errichten lassen und das man auf dem Lateransarkophag nachgebildet sehen möchte. Im Abendland wird die blutflüssige Frau mit Martha von Bethanien identifiziert; im Osten führt sie schon im 4. Jahrhundert den Namen Berenike oder Beronike und tritt als Zeugin gegen Pilatus auf. In der Weiterentwicklung der Pilatuslegende, vor allem in der norditalienischen Cura sanitatis Tiberii (zwischen 6. u. 8. Jahrh.) und der südgallischen Vindicta Salvatoris, wird in vielerlei Varianten berichtet, dass der schwerkranke Kaiser Tiberius, um Heilung durch Jesus zu finden, einen Boten nach Palästina schickte, der aber dort vom Kreuzestod des Herrn hörte, darauf Pilatus gefangen setzen ließ und die geheilte Blutflüssige mit einem Bild, das sie noch zu Lebzeiten Christi habe malen lassen, nach Rom brachte, wo der Kaiser beim Anblick alsbald geheilt wurde und sich taufen ließ. Das Bild habe der Kaiser in kostbare Steine fassen lassen. In dieser älteren Berichtsform, die vor allem die Bestrafung des Pilatus und der Juden betonen will, sind Veronika und ihr Bild nur von nachgeordneter Bedeutung. Eine jüngere Legende dagegen weiß, dass Veronika in Rom blieb, Umgang mit Petrus und Paulus hatte und das Christusbild beim Tod dem heiligen Klemens vermachte. Nach der Cura sanitatis Tiberii hat sie das Bild, auch Tuch der Veronika genannt, aus Verehrung für Christus malen lassen; nach jüngerer Version sei ihr, als sie mit dem Tuch zum Bemalen unterwegs war, Christus begegnet, habe es an sein Gesicht gedrückt und seine Züge ihm eingeprägt, nach anderer Fassung, erst nachdem Lukas 3mal vergeblich versucht, die Gesichtszüge festzuhalten. Wieder nach anderen habe Christus, als er ermüdet bei Veronika anlangte, ein Tuch zum Abtrocknen erbeten und darauf sein Bild hinterlassen. In dieser gesamten älteren Veronikaüberlieferung ist nie die Rede davon, wo dieses Bild verblieben ist. In Rom aber steht ein Christusbild in der Peterskirche, dessen Herkunft unsicher, dessen Identität mit einem dort schon im 8. Jahrhundert erwähnten nicht beweisbar ist, seit dem 12. Jahrhundert in hoher Verehrung. Es wurde im Oratorium S. Maria ad praesepe aufbewahrt und von Cölestin III. 1197 unter ein prächtiges Ziborium gebracht. Durch Tiberius sei es nach Rom gekommen, heißt Sudarium, womit der Herr seinen Blutschweiß im Ölgarten getrocknet, auch vultus effigies und im Volksmund Veronyca, Veronica; eine Beziehung zur älteren Veronikalegende wird abgelehnt, die Bezeichnung rühre vielmehr von einer Bildbeischrift vera icon her. Daraus auch die ganze Veronikalegende abzuleiten, geht nicht an, da sie viel älter ist. Nach J. Wilpert besteht das heutige Sudarium in St. Peter aus Linnen mit rostbraunen Flecken, auf das Ende des 12. Jahrhunderts ein eigentliches Bild Christi aufgelegt worden sei. Das römische Sudarium wurde oft nachgebildet; manche Repliken kamen wieder zu höchstem Ansehen, wie die von Jaen, Montreuilles-Dames, in S. Silvestro in Capite und S. Maria Maggiore in Rom, S. Bartolomeo degli Armeni in Genua, Cadouin.
Im weiteren Mittelalter besaß fast jede Kirche ein derartiges Bild, in Tafel- oder Wandmalerei oder in Stickerei. Lange nur einfache Darstellungen des lebenden, verklärten Heilandes, ohne Andeutung des Leidens, zeigen sie später die Spuren und Beigaben der Passion (Bluttropfen, Dornenkrone). Die Entstehung des Urbildes wird nun unter der für das Leiden Christi interessierten Zeitströmungen mit dem Kreuzweg in Verbindung gebracht; während desselben habe Veronika, erst in späterer Vorstellung eine der weinenden Frauen, dem Herrn ihr Tuch gereicht, um das vom Blutschweiß entstellte Gesicht abzutrocknen. Die Passionsspiele und die Itinerarien, die auf der Via dolorosa genau das Haus der Veronika und die Stelle der Tuchreichung verzeichnen, gestalten diesen Zug für die Volksvorstellung wie für die Kunst besonders fruchtbar. Das Bild Christi erscheint jetzt auf einem Tuch, gehalten von den Apostelfürsten, Engeln, meist von Veronika selber. Ihr legendäres Bild ist jetzt voll ausgereift; sie ist Heilige, deren Fest seit Ende des 15. Jahrhunderts am 4. Februar gefeiert wird, verehrt gegen Blutfluss. Nach anderer Legende ist sie Gespielin Mariens, kommt später mit ihrem Mann Amator nach Gallien und fördert dort das Missionswerk des heiligen Martial; ihr Leib wird in Soulac verehrt. Die kritische Forschung wie kirchliche Stellen haben früh den geschichtlichen Charakter der Veronikalegende abgelehnt. Unter Veronikas Schutz haben sich gestellt: Das Veronikawerk für katholische Pfarrhausangestellte in Baden und die Katholischen weltlichen Schwesternschaften Veronika in München.
1. Niemals wirst du zu dem wahren Frieden der Kinder Gottes gelangen, so lange du dein Herz nicht von dieser Welt entfesselst, weil du niemals zur Freiheit gelangen kannst, sondern, je nach ihrem beständigen Wechsel, bald fröhlich, bald betrübt und verwirrt sein wirst. Nicht umsonst verglichen alle heiligen Lehrer die Welt dem Meer, wo beständige Stürme herrschen, wo alle Fluten bitter sind, wo die kleineren Fische beständig von den größeren verschlungen werden, und wo die Schiffer in fortwährender Gefahr schweben, durch Schiffbruch umzukommen. Denn also verhält es sich genau mit der Welt. Wie aber kann je eine christliche Seele diese Welt lieben, und ihr Herz an sie setzen.
2. Indessen können wir dennoch manches von den Schiffern lernen, um unsere eigene Schifffahrt auf diesem sturmbewegten Meer zu ordnen. Fahren nämlich auch die Schiffer auf dem Meer, so trinken sie doch niemals von seinen salzigen Gewässern. Auch halten sie sich nicht auf, ob sie auch an noch so schönen Städten oder Inseln vorüber segeln, sondern sie benützen den günstigen Wind, um in ihrer Fahrt weiter zu kommen, und ihr Ziel zu erreichen, denn nicht das Meer ist ihr ständiger Aufenthalt. Sie segeln nur hindurch und blicken oft zum Himmel und zu den Sternen, den Lauf ihres Schiffes recht zu richten, damit sie den ersehnten Hafen nicht verfehlen.
3. Schließlich sind auch alle Schiffer unablässig beschäftigt. Einige sind bestimmt, das Schiff zu leiten, andere, die Segel aufzuspannen oder einzuziehen. Andere stehen am Ruder, und jeder hat daselbst seine eigene, vom obersten Befehlshaber ihm angewiesene Arbeit, die so lange dauert, als die Schifffahrt selbst, damit sie die Schätze, die sie mit sich führen, glücklich in die Heimat bringen. Also sollen auch wir während unserer Schifffahrt getreu in dem Beruf arbeiten, den Gottes Vorsehung uns angewiesen hat, und diese Welt nur im Vorübergehen gebrauchen. "Denn wir haben hier keine bleibende Stätte, sondern wir suchen die künftige", spricht der Apostel. Psalm 39,13: "Höre mein Gebet, Herr, vernimm mein Schreien, schweige nicht zu meinen Tränen. Denn ich bin nur ein Gast bei dir, ein Fremdling wie all meine Väter."
Maria, du wünschst so sehr, dass dein Sohn Jesus geliebt wird. Wenn du mich liebst, so bitte ich dich, erlange mir die Gnade, dass ich eine große Liebe zu Jesus erhalte, so dass ich nichts anderes liebe als Jesus allein. Erlange mir auch eine große Liebe zu dir, die du das liebreichste und liebenswürdigste unter allen Geschöpfen bist, und von Gott am meisten geliebt wirst. Erlange mir doch von Gott eine größere Liebe. Denn dich lieben ist eine Gnade, die Gott nur denen gewährt, deren Heil dir am Herzen liegt. Amen.
Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Blasius
O Gott, befreie uns durch die Fürbitte des heiligen Blasius von jedem Übel der Seele und des Leibes, und lass uns Deiner teilhaftig werden, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Anscharius
Verleihe uns, o Gott, dass wir durch die Fürbitte des heiligen Bischofs Anscharius alle Leiden dieser Welt geduldig ertragen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
Verschiedene Ordensstände der Benediktiner, Kluniazenser, Zisterzienser, Karmeliter hielten von dem gestrigen Fest eine Oktav. Von dieser Oktav schrieb schon Gerson in einem Brief, den er aus der Kirchenversammlung zu Konstanz im Jahr 1416 schrieb.
Die Lebensgeschichte dieses heiligen Bischofs ist uns unbekannt. Wir wissen von ihm nur, dass er Bischof von Sebaste war, und auf Befehl des Agricolaus, des Statthalters von Cappadocien und Kleinarmenien, um das Jahr 316, während der Verfolgung des Licinius, gemartert wurde. Ferner finden wir noch in den Akten des heiligen Eustrat, der unter Diocletian hingerichtet wurde, dass der heilige Blasius, der Bischof von Sebaste, seine Gebeine mit Ehrfurcht sammelte, um sie mit jenen des heiligen Orest zu begraben, und dass er mit aller Genauigkeit die letzten Befehle des seligen Eustrat (13. Dezember) vollzog. Das Fest unseres Heiligen ist bei den Griechen ein gebotener Feiertag, und wird am 11. Februar gefeiert. Man findet auch seinen Namen in den alten Martyrologien des Abendlandes, die dem heiligen Hieronymus zugeschrieben werden. Als durch die Kreuzzüge die Gebeine des heiligen Blasius ins Abendland gebracht wurden, ist seine Verehrung da zugleich sehr verbreitet worden. Durch viele wunderbare Heilungen, die auf seine Fürbitte geschehen sind, hat sich die Verehrung dieses heiligen Märtyrers beim Volk noch vermehrt. Er ist Titularpatron von Ragusa.
Dürfen wir wohl der Peinen gedenken, die die Märtyrer aus Liebe zu Jesus Christus erduldet haben, ohne uns unserer Feigheit zu schämen? Was für eine Unbeständigkeit in unseren Entschlüssen, einem Gott zu dienen, der so viel für uns getan hat! Die kleinste Beschwerde bringt uns in Verwirrung, und wir kehren schnell wieder auf den Weg unserer ersten Verirrungen zurück. Werden wir denn nie den Mut haben, unser Leben nach unseren besseren Einsichten einzurichten? Werden wir uns immer als Schwächlinge vom Strom der Welt hinreißen lassen, ihren verführerischen Beispielen folgen, und ihre falschen Grundsätze annehmen, die wir doch, als dem Geist des Evangeliums zuwider, verdammen, wofern wir nur ein wenig mit ruhigem Gemüt über dieselben nachdenken? Werden wir nie aufhören, Sklaven einer Einbildung zu sein, die die Hindernisse immerdar in unseren Augen vergrößert, um uns vom einzig wichtigen Werk der Bekehrung stets zurückzuhalten. Soll uns denn immer die Eigenliebe blenden, die uns unsere Schlaffheit unter trügerischem Schein verbirgt? Fassen wir heute einen neuen Entschluss, uns fest an Gott anzuschließen. Allein dieser Entschluss muss auch wirksam sein, und uns siegreich aus allen Kämpfen führen, die wir gegen das Fleisch und die Welt zu bestehen haben, und die uns immer in unsere alten Treulosigkeiten zurückzuwerfen versuchen.
Viele hundert Jahre lang war der heilige Blasius eigentlich „jedermanns Heiliger“, so wie der heilige Antonius oder der heilige Franziskus es in unserer Zeit sind. Besonderes Interesse an ihm hatten alle, die es mit der Medizin zu tun hatten, sicherlich, weil er auch Arzt war. Menschen, die eine Krankheit im Hals haben, wenden sich besonders an St. Blasius, und bis zum heutigen Tag wird an seinem Festtag ein besonderer Segen gegeben, als Schutz gegen solche Krankheiten.
Sein Ruf war so groß, dass die Einwohner der Stadt in Armenien, in deren Nähe er lebte, ihn zum Bischof haben wollten. Zunächst mussten sie ihn erst einmal finden, denn er hatte so eine Art, sich an den unmöglichsten Orten zu verstecken; eine Höhle in den Bergen oder eine hohle Eiche im Wald waren ihm gerade recht. Jedenfalls ging mit Hast und Eile das Suchen los, eine ganze Menge Volk zog aus, den Einsiedler zu finden. Schließlich kamen sie zu einem hohen Hügel, an dessen Seite eine tiefe Höhle war. Hier fanden sie Blasius, umgeben von den wildesten Tieren, die ihnen bekannt waren, er aber bewegte sich frei und sicher zwischen ihnen, legte ihnen die Hand auf den Kopf und war ganz vertraut mit ihnen.
Es kam dann heraus, dass er dort oben eine richtige Tierklinik gehabt hatte. Die Tiere hatten herausbekommen, dass Blasius ein Arzt war, und dass er auch Operationen machen konnte. Wenn also ein Löwe oder Leopard, Wolf oder Bär sich schlecht fühlte oder sich verletzt hatte, dann ging er zu Dr. Blasius am Hügel. War er am Beten, wenn die Patienten kamen, dann warteten sie geduldig, bis er geendet hatte. Er brauchte keine Medizin und keine Heilsäfte, er berührte sie einfach mit der Hand und rief den Namen dessen an, der ein jedes Tier nach seiner Art erschuf.
Man kann ganz traurig bei dem Gedanken werden, wie es den Tieren wohl erging, als Blasius nicht mehr zu ihrer Hilfe da war. Er wurde Bischof in Armenien, ein Land, das ja für sich in Anspruch nimmt, eins der ersten gewesen zu sein, dass sich zum Christentum bekehrt habe. Leider hat dieser freundliche Mann einen grausamen Tod gehabt. Er wurde wegen seines Glaubens zu Anfang des sechsten Jahrhunderts getötet. Während er im Gefängnis auf sein Ende wartete, machte er die Operation, durch die er so berühmt wurde. Die Legende berichtet, dass er dem Sohn des Gouverneurs eine Fischgräte aus dem Hals zog. Aber ihn selbst rettete das nicht.
Ein anderer, ihm ähnlicher Mann, der auch heilen konnte, war Makarius von Alexandrien, der fast hundert Jahre nach St. Blasius starb. Er lebte in der ägyptischen Wüste und verbrachte eigentlich all seine Zeit im Gebet. Aber er war voll praktischer Liebe und hatte ein mitleidiges Herz für alle Leidenden und Traurigen.
Eines Abends – er betete auf seinen Knien – hörte er jemand anklopfen oder eigentlich kratzen, und das an seiner Zellentür! Ehe er noch öffnen konnte, erschien eine riesige Hyäne, die etwas im Maul trug. Sie kam direkt auf Makarius zu und legte das Paket zu seinen Füßen nieder. Es war ein sehr lebendiges Paket, das sie da hatte, und es enthielt nichts anderes als ihren eigenen Welpen. Der Mönch hob das Kleine vom Boden auf, nahm es auf den Schoß und untersuchte es sorgsam, um zu finden, was ihm fehlte. Er brauchte nicht lange dazu: das hilflose Geschöpf war blind.
Nun kann ganz gewiss kein wildes Tier unter den andern leben, wenn es blind ist. Die meisten Tiere kommen in Höhlen oder im Bau zur Welt und öffnen die Augen erst einige Zeit nach dem Wurf, zum Beispiel das Kaninchen. Sie brauchen ja auch in dem Alter die Augen noch nicht, denn sie leben an einem dunklen, sicheren Ort. Merkwürdigerweise kann der Hase, der dem Kaninchen sonst so ähnlich ist, vom ersten Moment an sehen. Aber Hasen werden ja auch über und nicht unter der Erde geboren und müssen also gleich wissen, wenn Gefahr droht.
Wieso die Hyänenmutter wissen konnte, was mit ihrem Welpen los war, das lässt sich wohl nur durch das Wort „Instinkt“ ausdrücken, der ja in allen Tieren sehr stark ist. Jedenfalls wusste sie es, und ihr fiel sofort Makarius ein. Sie erwischte ihr Junges am Nackenfell und trabte aus ihrem Bau über den Sand, bis sie die Zelle des Mönches erreichte. Das erste, was er tat, war, dem Kleinen die Augen zu salben. Dann betete er laut, und sogleich konnte das kleine Geschöpf seine Mutter zum ersten Mal sehen. Dann wanderten die beiden in ihren Bau zurück, aber die Mutter vergaß den Wohltäter nicht. Am nächsten Tag schon war sie wieder an seiner Tür und brachte ihm ein Schaffell, von dem sie meinte, es könne Makarius nützlich sein. Der alte Mann schüttelte den Kopf, - er war der Ansicht, dass es nicht auf rechtmäßige Art erworben war. Er hielt der Hyäne eine kleine Predigt und legte ihr das Versprechen nahe, in Zukunft Schafe in Frieden zu lassen, dann aber nahm er die Gabe an.
Wenn in unserem Geist die Erinnerung an eine schwere Verfolgungszeit des christlichen Glaubens, an eine Märtyrerzeit auftaucht, so schwebt ihm gewöhnlich das Bild des Amphitheaters zu Rom vor. Ein grausamer Diokletian oder Nero bringt unser beleidigtes menschliches Gefühl in Erregung. Und doch bietet das schon längst christliche England des 16. Jahrhunderts ein Saatfeld von Märtyrerblut, für Christus und seine Wahrheit vergossen, das nicht weniger fruchtbar und glorreich ist als irgend eines aus der Heldenzeit der Kirche. Dort wütete ein Wüstling und Tyrann auf dem Thron, Heinrich VIII., und eine nichtswürdige, eitle Königin, Elisabeth, durch ihre dienstbaren Schergen Jahrzehnte hindurch mit den ausgesuchtesten und gewalttätigsten Mitteln gegen die Katholiken, besonders die katholischen Priester, die ihrer Neuerung in Glaubenssachen zu widerstehen und für die Erhaltung der katholischen Religion zu wirken wagten. Vielfach haben diese seeleneifrigen Apostel sich im Ausland auf ihren gefahrvollen Beruf vorbereitet. Kaum einige Monate, während derer sie von den furchtbaren „Priesterjägern“ wie gehetztes Wild im Land herumirrten, waren ihnen meist zur Aussaat gegönnt. Ein entsetzlicher Tod am Galgen oder ein langes Siechtum im Kerker war ihr Los, ihr zumeist selbst ersehnter Lohn, die Krone eines Märtyrers Christi.
John Nelson dürfen wir heute als ersten dieser ruhmreichen Helden grüßen. Er war im Jahr der Losreißung Englands vom Heiligen Stuhl, 1534, in Yorkshire geboren. Schon hatte er das vierzigste Lebensjahr zurückgelegt, als er von dem Seminar in Douay in Flandern und seinem Zweck hörte. So glühend war er für den Glauben seiner Väter begeistert, dass ihn sein Alter nicht zurückhalten konnte, die Studien nochmals aufzunehmen, um sich zum Dienst der heiligen Kirche in seiner Heimat vorzubereiten. Im Jahr 1573 kam er nach Douay und schon nach drei Jahren war er als würdiger Missionar wieder auf dem Weg nach England.
Allzu kurz war ihm die Gelegenheit gegönnt, am Seelenheil seiner Landsleute zu arbeiten. Am Abend des 1. Dezember 1577 wurde er zu London in seinem Zimmer verhaftet, während er eben beim Lampenschein das Breviergebet, die Matutin für den folgenden Tag, verrichtet. Das genügte natürlich, ihn als papistischen Priester sofort in den Kerker zu werfen. Vor die Kronkommissare gestellt, wurde er aufgefordert, den Suprematseid, der die Königin als Oberhaupt der englischen Kirche erklärte, zu leisten. Er verweigerte ihn ganz entschieden, denn niemals habe er gelesen oder gehört, dass ein weltlicher Fürst mit der obersten Leitung der Kirche betraut sei. Das sei allein der Papst. Als man ihn fragte, was er denn von der englischen Kirche halte, entgegnete er, sie sei ohne allen Zweifel sowohl schismatisch als auch häretisch (irrgläubig). Aufgefordert, was er unter Schisma verstehe, erklärte Nelson: „Das Schisma ist die freiwillige Trennung von der Gemeinschaft des römisch-katholischen Glaubens.“ Sofort zogen die Kommissare den richtigen Schluss: „Wie? Also ist die Königin schismatisch?“
„Das weiß ich nicht,“ antwortete er vorsichtig, „denn ich kenne die Gesinnung ihres Herzens betreffs der Verkündigung und Verteidigung der neuen Religion nicht.“
„Gerade sie ist es,“ drängten die Kommissare, „welche diese Religion verkündigt und verteidigt. Was denkst du also?“ Der Selige schwieg einen Augenblick. Er kannte das Statut wohl, das jeden, der die Königin schismatisch oder häretisch nannte, mit der Strafe des Hochverrats bedrohte. Er wollte sie nicht ohne Not reizen, aber auch seinen Glauben nicht verleugnen. So antwortete er bedingungsweise: „Wenn sie diese Religion öffentlich verkündigt und verteidigt, so ist sie zweifelsohne schismatisch und häretisch.“ Dieses Bekenntnis war genügender Beweis, ihn auf Leben und Tod anzuklagen. Sieben Wochen später wurde Nelson, da er auf dieser bedingt gegebenen Behauptung verblieb, zum Tod des Hochverrats verurteilt. Mit großer Seelenruhe nahm er das Urteil auf. Es war am Vorabend von Mariä Lichtmess. Am Tag nach diesem schönen Muttergottesfest sollte es vollstreckt werden. Mit Fasten und Beten bereitete sich der Selige auf den Hingang vor, der für ihn der Eingang in die unaussprechlichen Wonnen werden sollte, die der Herr seinen treuen Blutzeugen vorbehalten hat. Von irdischen Dingen wollte er so wenig hören, dass er nicht einmal die Märtyrerakten, wie ihm ein Freund riet, zur Lesung nehmen wollte. Er habe Betrachtungsstoff genug, sagte er, und denke an das blutige Leiden, das so viele tausend Heilige für Christus geduldet hatten. Eine Quelle süßer Zuversicht war ihm der Empfang der heiligen Kommunion. Ist doch kein Kerker so tief und keine Mauer zu dick, dass nicht der eucharistische König zum Trost seiner Getreuen Eingang fände. Noch bevor sein Urteil gesprochen war, kamen nämlich einige Katholiken zu ihm in den Kerker und wünschten aus seiner Hand mit dem Himmelsbrot gespeist zu werden. Ein Priester würde ihm denselben Liebesdienst erweisen. Sie schlugen den Tag nach Mariä Lichtmess vor, weil man an diesem Tag am wenigsten Argwohn schöpfen würde. Allein Nelson entschied für vier Tage vorher, ohne eine Ahnung zu haben, dass er dem Martertod unmittelbar nahe sei. Ohne diese glückliche Fügung würde er die heilige Wegzehrung nicht mehr haben empfangen können. Auch hatte der Selige während seiner Gefangenschaft um Aufnahme in die Gesellschaft Jesu nachgesucht und sie erhalten.
Am Morgen des 3. Februar besuchten ihn nochmals zwei seiner Verwandten, vermutlich Brüder. „Was fangt ihr an,“ sprach er zu den Weinenden. „Ich sollte in dieser Stunde von euch getröstet werden. Weint und seufzt über eure Sünden! Was mich betrifft, so bin ich der zuversichtlichen Hoffnung, dass mir dieser Tod das größte Glück bringen wird.“ Gefasst nahm er Abschied. Die ihn besuchenden anglikanischen Geistlichen wies er kurz ab, ohne sich in einen Disput mit ihnen einzulassen. Als die Beamten, die ihn auf die Schleife warfen, ihn aufforderten, er solle die Königin um Verzeihung bitten, weigerte er sich, da er sich keines Vergehens bewusst sei. Die Volksmenge schrie tobend, dann würde er auch mit all den ausgesuchten Qualen eines Hochverräters sterben. „Gut,“ sagte er, „Gottes Wille geschehe! Ich sehe den Tod vor Augen und sterbe gerne. Besser ist es, hier unter den ausgesuchtesten Qualen zu sterben, als die ewigen Qualen der Verdammten in der Hölle zu leiden.“ Schon auf dem Karren stehend, der unter den Füßen weggezogen zu werden pflegte, wenn der Hinzurichtende die Schlinge um den Hals hatte, betete Nelson die gewöhnlichen Gebete eines katholischen Christen nebst dem Miserere, De profundis und Confiteor. Darauf sprach er zu dem versammelten Volk:
„Euch alle, so viele ihr am heutigen Tag diesem Schauspiel anwohnet, fordere ich zu Zeugen auf, dass ich ein Katholik bin und für meinen Glauben, den ich nicht verraten wollte, mit größter Freude Blut und Leben hinopfere. Deshalb bitte ich den allmächtigen Gott, dass er gemäß seiner großen Barmherzigkeit eure Herzen erleuchten wolle, damit ihr wahre Katholiken werdet und im Schoss der heiligen, katholischen, römischen Kirche lebt und sterbt.“
Das Volk schrie bei diesen Worten: „Nieder mit dir und deinem römisch-katholischen Glauben!“ Der Selige aber wiederholte unerschrocken nochmals diese Bitte. Dann bat er alle um Verzeihung und forderte die anwesenden Katholiken auf, für ihn zu beten. Viele riefen offen: „Herr, nimm auf seine Seele!“
Nochmals bedrängten ihn die Beamten, die Königin um Verzeihung zu bitten: Einen Augenblick sich besinnend, sprach der Selige: „Wenn ich sie oder sonst jemand beleidigt habe, so bitte ich sie und jedermann um Verzeihung, wie auch ich allen verzeihe.“
Sobald der Selige hing, wurde er wieder vom Strick losgeschnitten. Man riss ihm, noch bei voller Besinnung, die Eingeweide aus dem Leib. Als der Henker nach seinem Herzen griff, betete der Sterbende noch namentlich für seine Verfolger. Das Volk, das noch kurz zuvor sosehr gegen den Seligen tobte, wurde jetzt hiervon tief ergriffen. Die ehrwürdigen Gliedmaßen des Seligen wurden in der üblichen Weise an den vier Toren der Hauptstadt, sein Haupt an der Londoner Brücke aufgespießt. Nach einem Bericht des Kardinals Allen wirkte Gott durch die Reliquien des seligen Blutzeugen verschiedene Krankenheilungen.
„Für die Frommen ist der Tod nur wie eine Wäsche,“ sagte der heilige Pfarrer vor Ars. Die Wäsche muss erst in der Lauge liegen, dann wird sie schön weiß. Der Tod wird die Frommen zur Verherrlichung. Darum fürchteten sie nicht den leiblichen Tod, sondern nur den ewigen. Lieber die ausgesuchtesten Qualen des irdischen Leidens und Todes als die Qualen der Hölle!
Als das Kind Jesus vierzig Tage alt war, brachten es Maria und Josef zum Tempel nach Jerusalem, um es dem Herrn darzustellen, wie es im Gesetz befohlen war.
Bereits am Tag vorher machte sich die Heilige Familie von Betlehem aus auf den Weg. Der heilige Josef schritt voran, auf dem Rücken trug er einen Rucksack. In der Linken hielt er einen hohen Stock, wie es damals Brauch war, und mit der Rechten führte er am Zügel den Esel, auf dem die Mutter Gottes saß. Im Arm trug Maria das göttliche Kind, das sie sorgsam in ein dickes Wolltuch eingeschlagen hatte, denn es herrschte ein nasskaltes Winterwetter, und ein scharfer Wind blies den Wanderern ins Gesicht. Gegen Abend kam die kleine Reisegesellschaft in der heiligen Stadt Jerusalem an und verbrachte die Nacht bei Bekannten.
Weil die Darstellung Jesu im Tempel schon vor dem Morgenopfer stattfinden musste, standen Maria und Josef in aller Frühe auf, als es noch dunkel war, zogen die Sonntagskleider an, die sich im Rucksack befanden, und stiegen, Maria wieder mit dem Jesuskind im Arm, die steile Straße zum Tempel hinan. Voll Erwartung und Freude waren sie.
So kamen sie schnell dem Tempel näher, und schon hatten sie den ersten, sogenannten Heidenvorhof durchschritten und näherten sich dem Haupttor, da trat ihnen ein alter Mann in den Weg, eine ehrwürdige Gestalt mit langem Silberbart, und der Kranz seines schneeweißen Kopfhaares stand ihm wie ein Heiligenschein. Simeon war es, ein gerechter und gottesfürchtiger Greis, der vom Heiligen Geist die Verheißung erhalten hatte, dass er den Tod nicht schauen werde, bevor er den Gesalbten des Herrn erblickt habe. Jahrelang stand er deshalb jeden Tag in der Frühe am Tempeltor und wartete mit brennender Sehnsucht auf den, der da kommen sollte.
An diesem Morgen sollte sich endlich Simeons Wunsch erfüllen. Als er nämlich die Heilige Familie herankommen sah, wurde ihm innerlich bedeutet, wer die drei Ankömmlinge waren. Hocherfreut trat er vor, verbeugte sich tief und betete im Herzen den Heiland an, und als Maria die Andacht des alten Mannes sah, schlug sie das Tuch zurück und zeigte ihm das göttliche Kind. Jesus aber lächelte Simeon an und streckte verlangend die Ärmchen nach ihm aus, und als Simeon seinerseits es ebenso machte, legte ihm die Mutter Gottes den lieben Heiland zart und behutsam in die Arme. Ehrfurchtsvoll, wie ein Priester das Allerheiligste trägt, empfing der begnadete Greis das Heil der Welt, und weil er wegen seiner altersschwachen Augen kurzsichtig war, hob er das göttliche Kind empor, und da ging von dem Kind ein Licht aus, in dessen Widerschein Simeons Antlitz wie vom Glanz einer brennenden Kerze aufleuchtete, und mit einer Stimme, die vor Freude zitterte, sprach er: "Nun entlässt du, Herr, deinen Diener nach deinem Wort in Frieden, denn es haben geschaut meine Augen dein Heil, das du bereitet hast vor dem Angesicht aller Völker, ein Licht zur Erleuchtung der Heiden und zum Ruhm deines Volkes Israel."
So redete Simeon, und nach diesen Worten geschah es, dass er im Geist verzückt wurde. Die Zukunft tat sich vor ihm auf, er sah von dem Kind auf seinen Armen ein Licht ausgehen, das die ganze Welt in eitel Sonne kleidete, aber daneben erblickte er auch tiefschwarze Schatten, die gegen das Licht kämpften, und zu Maria gewendet, sprach er prophetisch die ahnungsschweren Worte:
"Siehe, dieser ist bestimmt zum Fall und zur Auferstehung vieler in Israel und zu einem Zeichen, dem man widersprechen wird. Und auch deine Seele wird ein Schwert durchdringen, dass die Gedanken vieler Herzen offenkundig werden."
Alles, was Simeon da sagte, ist später in Erfüllung gegangen. Den Heiland hat man ans Kreuz geschlagen, und neben dem Kreuz stand eine Mutter mit sieben Schwertern im Herzen, aber das Licht zur Erleuchtung der Heiden strahlt heute noch in die Welt, und kommen wird der Tag, an dem das Licht die Finsternis endgültig besiegt. Und damit wir an diese Tatsache erinnert und in diesem Glauben gestärkt werden, findet heute bei der heiligen Messe die Weihe der Kerzen statt, deren Licht ein Sinnbild Christi ist.
Von der "heiligen Sippe"
Vor einigen Jahrzehnten wurde das Fest der "Erscheinung des Herrn" das "Fest der Reinigung Mariä und Aufopferung Jesu Christi im Tempel" genannt. Noch weiter zurück in der Geschichte war das Fest den heiligen Vätern und sämtlichen Christen unter dem Namen der "Entgegenkunft des Herrn" schon längst lieb und heilig. Papst Sergius hat die Feier dieses Festes durch die Prozession, die man an diesem Tag mit geweihten Kerzen vornimmt, vermehrt. Die Kirche rückt uns an diesem Tage die Reinigung Mariä und die Opferung des Kindes Jesus ins Gedächtnis. Der heilige Thomas von Villanova sagt: "Diese doppelte Erinnerung soll unsere Freude und Andacht verdoppeln, indem wir den Sohn und die Mutter durch die Feier zugleich verehren." Nach dem heiligen Sophronius nehmen wir dabei brennende Kerzen in die Hand, teils um den dadurch zu ehren, der als das ewige Licht die schädlichen Finsternisse in und um uns zerstreut und mit dem Strahlen seiner Gottheit alles beleuchtet; teils um den reinen Glanz unserer Seele, mit der wir Christus entgegengehen sollen, zu zeigen.
Bitten wir daher Gott am Fest Mariä Lichtmess um die Gnade, allen seinen Geboten und den Geboten seiner Kirche nachzukommen. Wir wollen uns selbst und die, die zu uns gehören, Gott aufopfern und uns, besonders für die bevorstehende Fastenzeit, vornehmen, jede Sünde gegen die Mäßigkeit und Reinheit zu meiden, denn dadurch würden wir das Herz Jesu und das Herz Mariä wie mit einem Schwert durchbohren. Auch verwenden wir etwas von unserem Geld und viel von unserer Zeit zur Ehre Gottes und Mariä oder für einen armen Menschen. Tun wir manches in den kommenden Wochen bis zum Osterfest, wozu wir nicht ausdrücklich verpflichtet sind, weil auch die seligste Jungfrau mehr tat, als sie tun musste. Unterlassen wir keine guten Werke aus Menschenfurcht! Lassen wir, nach den Worten von Jesus selbst, unser Licht leuchten vor den Menschen, damit sie die guten Werke sehen, und den himmlischen Vater preisen. Beim Anblick eines Lichtes bitten wir Gott, er möge unser Herz mit seiner Liebe entzünden, und einst sowohl uns selbst als allen verstorbenen Gläubigen das ewige Licht leuchten lassen. Begleiten wir an Mariä Lichtmess die Prozession, so denken wir dabei, wie Jesus, das Licht der Welt, von seinen heiligen Eltern in den Tempel getragen worden ist. Wir bitten dann demütig, dass wir durch das Befolgen seiner lichtvollen Lehre, auf die Fürsprache Marias und Josefs, Simeons und Hannas, nach dieser Zeit zur Gesellschaft der Heiligen aufgenommen werden. Empfehlen wir uns Maria, dass sie uns beistehe in jenem wichtigen Augenblick, in dem ein guter Mensch uns vor unserem Sterben das geweihte Licht in die Hände gibt und die Sterbegebete für uns spricht. Unsere Augen mögen dann erleuchtet werden, damit wir nicht in die ewige Finsternis kommen, sondern des ewigen Lichtes, der ewig seligen Anschauung Gottes, teilhaftig werden.
Matthias Hergert
Auf dem Fest Mariä Lichtmess ruht der letzte Glanz von Weihnachten. Darum ist es wohl so beliebt. Es heißt aber zugleich Abschied nehmen von der Heiligen Nacht. Zum letzten Mal im Kirchenjahr begegnet uns die Mutter mit dem Kinde lieb. Noch muss sie es auf dem Arm tragen; ganz Mutterliebe und Mutterglück.
Es ist nämlich ein Tag stolzen Mutterglückes für die selige Jungfrau und junge Mutter. Sie darf ihren Erstgeborenen, der bei den meisten Völkern mehr gilt als die Nachgeborenen, weil in ihm sich Gottes Segen in der Ehe geoffenbart hat und weil er zum Stammhalter bestimmt erscheint, in die Öffentlichkeit ihres Volkes tragen und die Frucht ihres gesegneten Schoßes allen Mitmenschen zeigen. Ja, Maria als fromme Israelitin darf ihn sogar dorthin tragen, wo das Herz ihres auserwählten Volkes schlägt, in das Bundesheiligtum. Sie darf ihn hintragen vor das Antlitz ihres Gottes, von dem sie ihr Kind in so wunderbarer Weise erhalten hat, dem noch mehr als bisher die ganze Liebe ihres reinen Herzens gilt. Ihr Kind ist freilich mehr als die Erstgeburt anderer Mütter. Ihn, den Sohn Gottes, brauchte sie eigentlich nicht erst zum Tempel zu bringen, um darzutun, dass er nach dem Gesetz Eigentum Gottes sei. Denn sein Leib ist ein viel hehrerer und kostbarerer, ein mehr von Gottes Gegenwart erfüllter und ihm mehr zu eigener Tempel als das Heiligtum in Jerusalem. Dennoch beugt sich Maria dem Gesetz, weil sie in ihm den Willen Gottes sieht; demütig reiht sie sich in die Schar gewöhnlicher Mütter ein.
Das ließ Gott nicht unbelohnt. Unerwartet durfte sie Segensübermittlerin sein. Fromme Seelen, angetrieben vom Heiligen Geist, warten schon auf sie und das Kind, warten auf den schönsten Tag ihres Lebens, an dem sie schauen durften: „Das Licht zur Erleuchtung der Heiden und den Ruhm des Volkes Israel.“ Nun, da sie vom Arm Mariens Christus empfangen hatten, hatte ihr Leben seine Erfüllung gefunden.
Nicht das erste Mal war die junge Mutter Segensvermittlerin gewesen. Noch ehe sie das Kind geboren hatte, diente sie ihm als Gnadenvermittlerin für das Haus ihrer Base Elisabeth. In der lichtumflossenen Nacht reichte sie ihn den Hirten. Die Weisen aus dem Morgenland fanden in dem Kind auf ihrem Schoß den Lohn einer mühseligen Reise.
Doch meinen wir nicht, nur dem noch kleinen Erlöser habe die Mutter als Vermittlerin dienen dürfen. Das erste Wunder Jesu bei der Hochzeit zu Kana spricht die gleiche Sprache. Und die Kirche lehrt uns, die im Himmel weilende Gottesmutter als unsere allmächtige Fürbitterin zu verehren. Willst du demnach zu Christus: lass ihn dir von der Mutter reichen! Wenn Maria dir Christus vermittelt, dann wird deine Begegnung mit ihm für dich eine segensreiche.
Kirchengebet
Allmächtiger ewiger Gott, wir flehen in Demut zu Deiner Majestät: wie Dein eingeborener Sohn am heutigen Tag in unserer menschlichen Natur im Tempel dargestellt wurde, so lass auch uns mit geläutertem Herzen Dir dargestellt werden. Amen.
Zur Geschichte des Festes: Entsprechend den Zeitangaben in der Heiligen Schrift wird dieses Fest 40 Tage nach Weihnachten gefeiert; im Orient einst 40 Tage nach dem Epiphanietag, den man als den Geburtstag des Herrn auffasste. Seinen Namen hat es von dem Wort des greisen Simeon: „Ein Licht zur Erleuchtung der Völker“. Es ist darum an erster Stelle ein Christusfest und wird als solches auch heute noch in der Kirche des Ostens gefeiert. In Jerusalem ist dieses Fest bereits im 4. Jahrhundert bekannt. Im Jahr 542 wird es für Konstantinopel, bzw. für das ganze byzantinische Reich, angeordnet. Die Veranlassung dazu gab das Erlöschen einer Pestepidemie.
Vom Orient ging dieses Fest im 6. Jahrhundert auf die römische Kirche über. Von Rom aus verbreitete es sich im 7. Jahrhundert nach Spanien und von dort nach Frankreich und Deutschland. In der Festfeier der abendländischen Kirche steht aber mehr Maria im Vordergrund, die Mutter, die das Licht, Jesus, uns geschenkt hat.
Die mit dem Fest verbundene Lichterprozession war schon im Orient ein heiliges Brauchtum, eine Auswirkung des Simeonwortes. In Rom aber verdrängte oder ersetzte sie altgewohnte Fackelzüge, mit denen viel Ausgelassenheit verbunden war.
Die Kirche weiht am Lichtmesstag – schon seit dem 10. Jahrhundert – die Kerzen, sowohl für den liturgischen wie auch für den privaten Gebrauch. Diese sollen in den Wohnungen brennen bei häuslichen religiöser Feiern, bei besonderen Familienfesten, bei Gewitter und Gefahr, bei der Krankenkommunion und am Sterbebett.
(„So feiert dich die Kirche“, Prof. Dr. Carl Feckes, Maria im Kranz ihrer Feste, Steyler Verlagsbuchhandlung, 1957)
Und sprich ein Wort, dann wird auch sie zum Licht.
1. Betrachte in Andacht die Heiligen und Gerechten, die heute im Tempel zu Jerusalem sich versammeln. Dort ist die durch langjährige Abtötung und Gebet leuchtende Prophetin Anna, dort der heilige, von Gottes Geist erfüllte Greis Simeon, dort der heilige Patriarch Joseph, dem der ewige Vater die Pflege der Kindheit seines Eingeborenen übergeben hat, dort Maria, die jungfräuliche Gottesgebärerin, dort endlich Jesus, der Sohn Gottes, der hier seinem ewigen Vater zu einem Morgenopfer sich darbringt, und zwar nun sich loskaufen lässt, doch nur um später durch sein Abendopfer uns selbst loszukaufen.
2. Wie wunderbar ist diese heiligste Versammlung. Wie leuchtend sind die Beispiele der Heiligkeit aller. Ganz besonders aber glänzt bei dieser heiligen Feier die Demut der hochgebenedeiten Jungfrau, die, ob auch reiner denn die Sterne des Himmels, dennoch unter den Sünderinnen zur gesetzlichen Reinigung erscheint, zu der sie nicht verpflichtet ist, da sie vom Heiligen Geist selbst empfangen, und als Jungfrau geboren hat. Sie, die Heiligste der Heiligen, spricht zu dem Priester: "Nimm hin dies Opfer für meine Reinigung, bringe dem Herrn es dar, und bitte für mich!" O Abgrund der Demut! Ach, hätten wir doch bei unseren Sünden die Demut, die die Heiligen bei ihren Tugenden hatten.
3. Diese heiligsten Personen kamen im Tempel zusammen. Der Tempel war ihr Lieblingsaufenthalt. Hier schütteten sie ihr Herz vor Gott aus. Hier empfingen sie Erleuchtungen und Gnaden zu einem so heiligen Lebenswandel. Hier offenbarte Gott ihnen die verborgensten Geheimnisse. Sie alle vereinigten sich mit heiliger Freude um Jesus, den sie als das Licht der Welt mit ehrfürchtigster Liebe umfingen. Thront aber nicht der gleiche Gott und Erlöser in unseren Tempeln? So versammeln wir uns denn mit so vielen frommen und heiligen Seelen, die daselbst mit inbrünstiger Andacht ihn anbeten. Flehen wir ihn um seine Gnade an, und wirken wir getreu damit, dann werden wir dem Tod getrost entgegen sehen, und mit jenem heiligen Greis ausrufen: "Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen." (Lukas 2,29-30)
O mein Gott, ich bringe mich selbst Dir heute zum Opfer dar in Vereinigung mit dem Opfer, das Maria Dir heute darbringt. Ich opfere Dir Deinen Mensch gewordenen Sohn auf und bitte Dich, du wollest mir um Seiner Verdienste willen Deine Gnade verleihen. Ich verdiene sie zwar nicht, aber Jesus hat sich ja selbst Dir zum Opfer darbringen wollen, um sie mir zu erlangen. Erbarme Dich also meiner aus Liebe zu Jesus. Amen.
Zu Gott
Gott, dessen eingeborener Sohn heute im Tempel durch Seine heiligste Mutter dargestellt wurde, verleihe, dass das Leben Marias uns wie ein helles Licht vorleuchtet, und wir durch seine Nachahmung würdig sind, Dir dereinst im Tempel Deiner ewigen Herrlichkeit dargestellt zu werden, durch denselben Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Burkard verdankte sein zeitliches Leben und seine gute Erziehung frommen Eltern aus dem Adelsstand in England, Gott aber ein kindlich frommes Gemüt. Schon als Kind fand er keine Freude an den Kinderspielen, sondern am Beten und am Besuch der Gottesdienste. Unverdrossen erlernte er, was mit der Zeit ihm zu seinem Seelenheil und Beförderung der Ehre Gottes dienen konnte. An zeitlichen Dingen hatte er kaum ein Interesse. Seinen Leib versuchte er durch Enthaltsamkeit als Tempel des heiligen Geistes zu bewahren und mit Tugenden auszuschmücken. Er hatte ein immer größeres Verlangen, mit ungeteiltem Herzen Gott zu dienen. Etwa zu dieser Zeit suchte der heilige Bonifatius, der Apostel Deutschlands, tüchtige Arbeiter für seine große Mission und lud den heiligen Lullus und den heiligen Burkard zu diesem apostolischen Werk ein. Beide folgten dem Ruf und legten mit der Zeit die schönsten Proben ihrer Heiligkeit und ihres Religionseifers ab. Einige sagen, Bonifatius habe den Burkard mit sich nach Rom zum Papst Zacharias geführt und dort zum Bischof von Würzburg weihen lassen. Einige andere sind der Meinung, Bonifatius habe ihn konsekriert und nach Würzburg geschickt, obschon dadurch die Demut des Heiligen sehr gekränkt wurde. Würzburg zählte damals schon viele Gläubige seit der Zeit des heiligen Kilian und seiner Gehilfen. Burkard wurde von ihnen mit Freude im Herrn aufgenommen. In diesem Amt war der treue Oberhirt das Licht zur Erleuchtung der noch übrigen Heiden und der treue Haushalter der göttlichen Geheimnisse für die Gläubigen, indem er mit Nachdruck sowohl auf den heiligen Glauben, als auf die Erfüllung der Glaubensvorschriften drang, weil ohne beides die Erbarmung Gottes fruchtlos, ja nur zu größerer Verdammung sein würde. Seine Predigt wurde durch seinen Lebenswandel bestätigt und sein Hirtenamt durch sein eifriges Gebet von Gottes Geist gesegnet. An ihm sah man die christliche Sanftmut gegenüber jedermann, Geduld bei den Lästerungen böser Zungen, Mitleid gegenüber Armen und Betrübten, große Abtötung seiner selbst, Demut im ganzen Lebenswandel und bei der Hauseinrichtung, Gebets- und Seeleneifer, so dass sein geistliches Ansehen bei Großen und Kleinen vieles vermochte, wodurch die Ehre Gottes befördert wurde, weil der Heilige alles nur aus der Liebe zu Gott tat. Durch seine große Verehrung Gottes erhob Pipin die Bischöfe von Würzburg zu Grafen des Landes.
Um der Religion Kraft und Würde zu geben und die Gläubigen zur Dankbarkeit und Andacht zu ihren ersten Glaubensboten zu bewegen, fasste Burkard nach zwei Jahren seines Hirtenamtes den frommen Entschluss, die heiligen Leiber des heiligen Kilian und seiner Gehilfen zu erheben und der öffentlichen Verehrung auszusetzen. Für den guten Ausgang seines Vorhabens verordnete er einen Tag des Gebetes und des Fastens. Dann ging er mit der Geistlichkeit und dem Volk an den Ort, wo man glaubte das Heiligtum zu finden. Dort stach der erste in die Erde. Andere Arbeiter gruben die Erde aus und das Heiligtum wurde gefunden, das sich durch Wohlgeruch und Heilung vieler Pestkranken bei und nach der Entdeckung bewährte. Auf ihren Gräbern wurde eine Kirche erbaut und von nun an wurden diese Märtyrer öffentlich verehrt. Burkard stiftete auch mehrere religiöse Institute für Frauen und Männer. Seine Hirtentreue war von Gott so gesegnet, dass die ganze Umgegend zu Jesus Christus bekehrt wurde. Indessen nahmen bei seiner zehnjährigen Amtsführung seine Kräfte zusehends ab und er sehnte sich danach, die letzten Lebenstage enthoben von der Hirtenlast in stiller Ruhe zu verleben und sich zum Tod zu bereiten. Mit Bewilligung des heiligen Lullus (Bonifatius predigte damals in Friesland) und Pipins weihte er den zum Nachfolger bestimmten Megingaud oder Megingoz, einen Jünger des heiligen Wigbert, zum Bischof und übergab ihm den Hirtenstab. Darauf zog er nach Hohenbrug, einem einsamen Ort des Bistums, nahm den Büchervorrat mit sich, und verlebte da mit sechs Mönchen oder Priestern, die den frommen Eifer mit ihm teilten, den Rest seiner Tage im Wachen, Fasten und Beten. Er starb am 9. Oktober 752, wurde neben dem heiligen Kilian auf dem Marienberg begraben, wo er unter Anrufung des heiligen Andreas ein Kloster gebaut hatte. Hugo, Bischof zu Würzburg, erhob mit Erlaubnis und auf Befehl Papst Benedikts VII. die Gebeine des Heiligen im Jahr 983 am 14. Oktober, weshalb sein Andenken um diese Zeit gehalten wird. Die Ehre des Heiligen vor Gott wurde bekannt durch viele Wunderwerke.
Der heilige Laurentius war von Geburt ein Römer und Ordensmann und als der heilige Papst Gregor vierzig Missionare im Jahr 596 nach England schickte, denen er den heiligen Augustin zum Anführer gab, begleitete sie Laurentius aus heiligem Eifer zur Verbreitung des wahren Glaubens. Sie besuchten auf ihrer Reise durch Frankreich den christlichen König und die frommen Bischöfe und kamen endlich glücklich in England an, wo sie der König Ethelbert sehr gütig aufnahm und ihnen zu Canterbury Wohnungen anwies, wo sie durch ihre Predigten und ihr heiliges Leben viele Heiden und im Jahr 597 den König selbst zum Christentum bekehrten. Als die Zahl der Bekenner Jesu sich von Tag zu Tag vergrößerte, reiste Laurentius wieder nach Rom, um dem obersten Kirchenhirten die günstigen Nachrichten ihres segensvollen Unternehmens zu hinterbringen und ihn zu bitten, einen Bischof zu ernennen für die neuen Christengemeinden. Papst Gregor erwählte den heiligen Augustin zum Erzbischof zu Canterbury und überschickte ihm bei dieser Gelegenheit das Pallium, mehrere Glaubensprediger, geistliche Kleidungen und heilige Reliquien. Bis auf das Jahr 608 arbeitete Augustin rastlos an der Bekehrung der Engländer, der Sachsen und Angeln, und ernannte und weihte noch vor seinem Tod den heiligen Laurentius zu seinem Nachfolger, der nicht nur nach dem Beispiel seines Vorgängers mit unermüdeter Sorgfalt über die ihm anvertraute Herde wachte, sondern auch alle Mittel anwendete, um die Bewohner Schottlands und anderer angrenzender Länder im wahren Glauben zu erhalten und sie zu bewegen, mit der römischen Kirche zu gleicher Zeit das Osterfest zu feiern.
Schon stand die Kirche in England in der hoffnungsvollsten Blüte, als der fromme König Ethelbert starb und sein Sohn Eduald den Thron bestieg, der ein lasterhafter Mensch war, im Heidentum lebte und sogar die Gemahlin seines Vaters zur Beischläferin hatte. Noch größer wurde das Unglück und die traurige Lage der christlichen Religion, als auch Sabereth starb, der so christlich gesinnte sächsische König, und seine drei Söhne überall die Gläubigen verfolgten und den Götzendienst wieder einführten. In einer Versammlung der Geistlichen unter dem Vorsitz des Erzbischofs wurde also beschlossen, das Bekehrungswerk Englands ganz wieder aufzugeben und über Frankreich und Rom zurückzukehren. Schon hatten Melitus und Justus, die eifrigsten Gefährten des heiligen Laurentius, England verlassen, und auch er war schon bereitet, ihnen mit den übrigen Missionaren nachzufolgen, als er die letzte Nacht vor seiner Abreise in der Hauptkirche der heiligen Apostelfürsten Peter und Paul unter vielen Tränen zu Gott um die Erhaltung der verfolgten Kirche flehte und schließlich von einem Schlummer überfallen wurde. Da erschien ihm der heilige Apostel Petrus, schlug ihn mit einer Geißel heftig und wies ihn hin auf die Treulosigkeit, die durch das Blut Jesu so teuer erkauften und ihm von Gott anvertrauten Seelen dem Verderben zu überlassen. „Hast du“, sprach er, „deine heiligen Pflichten ganz vergessen und gilt dir mein Beispiel denn gar nichts, der ich Ketten und Schläge, Gefängnis und Qualen, ja selbst den Martertod willig gelitten habe, ohne je daran zu denken, durch Flucht meine Herde zu verlassen?“ Diese Ermahnung und Züchtigung ermutigte den heiligen Erzbischof so sehr, dass er sogleich am folgenden Morgen zum König ging, ihm die frischen Wunden seines Körpers zeigte und im Namen des wahren und lebendigen Gottes ihn beschwor, abzulassen von der Verfolgung der Kirche Jesu und die errichteten Götzenbilder zu zerstören. Der König wurde gerührt, er änderte seinen lasterhaften Lebenswandel, empfing die heilige Taufe zur Vergebung seiner Sünden, ließ den Melitus und Justus wieder aus Frankreich zurückbringen und unterstützte und beförderte die Bemühungen der frommen Glaubensprediger so eifrig, dass in kurzer Zeit das Christentum in seinem Reich von neuem aufblühte. Unter seiner Regierung noch, nämlich im Jahr 619, starb der heilige Laurentius als ein lebensmüder Greis und wurde in der Kirche der heiligen Apostel neben dem heiligen Erzbischof Augustin beigesetzt.
1. So lange wir leben, wird es uns niemals an Trübsalen und Versuchungen mangeln, die gleich Stürmen über uns kommen und uns erschüttern werden. Was aber sollen wir tun, wenn diese Stürme wüten? Hinzutreten sollen wir gleich den Jüngern zum Herrn, und durch Gebet und lauten Ruf ihn aufwecken. Denn nur darum scheint er zu schlafen und unsere Not nicht wahrzunehmen. Rufen wir also zu ihm: "Herr, rette uns, wir gehen zu Grunde!" Lässt aber nach unserem inbrünstigen Gebet der Sturm nicht nach, so lassen wir ihn toben, schlafen wir selbst zu den Füßen Jesu. Verlassen wir uns nämlich auf seine Vorsehung, denn gewiss wird er bald den Winden und Wellen gebieten, und den Frieden uns zurückgeben.
2. Was zögerst du, kleingläubige Seele? Geschieht je das Geringste in der Welt ohne Anordnung oder bestimmte Zulassung deines Herrn? Ist nicht er der König der Schöpfung, der Herr des Himmels und der Erde? Glaubst du, er vermag es nicht, diesen Sturm zu besänftigen? Halte noch kurze Zeit aus, und du wirst mit Erstaunen sehen, wie das stürmische Meer seinen Befehlen gehorcht, und wie seine Wogen gleich einem Spiegel sich ebnen. Notwendig ist dieser Sturm dem Meer, damit seine Gewässer nicht faulen. Notwendig ist dir die Prüfung, damit du nicht erschlaffst. Aber auf die Trübsal folgt Trost, auf Unruhe Friede, auf die Nacht der Tag und auf die Stürme große Ruhe.
3. Herr, sieh die Gefahren, in denen ich schwebe. Verschlungen werde ich von den Wogen der Trübsale, von den Stürmen der Versuchungen. Psalm 46,4 und 6,4: "Wenn deine Wasserwogen tosen und schäumen, dann ist meine Seele tief verstört, du aber, Herr, wie lange säumst du noch?" Fürchte dich nicht. Nichts Böses wird dir widerfahren. Niemals aber kannst du deinen Glauben, deine Hoffnung, deine Liebe deutlicher zeigen, als in den Prüfungen des Herrn, denn darum sandte er dieses Ungewitter, deine Treue zu ihm zu bewähren. Aber niemals ist er dir näher, als wenn du alles für verloren hältst. Psalm 27,14: "Hoffe auf den Herrn, und sei stark. Hab festen Mut, und hoffe auf den Herrn."
"Beten heißt: fromm mit Gott - oder Seinen Heiligen - reden. Gut beten heißt: demütig, beharrlich, vertrauensvoll, ergeben beten. Das Beten ist für die Seele, was das Atemholen für den Leib ist. Wer aufhört zu beten, fängt an zu sündigen. Mit dem Falten der Hände beginnt das Walten der Gnade. - Gebet muss mit Arbeit, Arbeit mit Gebet gepaart sein. Zwei Flügel gehören zu Fliegen: Gebet und Arbeit sind die Schwingen, die dich nach oben tragen.
Gebet des heiligen Ephrem am 1. Februar
Unbefleckte und vollkommen reine Jungfrau Maria, Mutter Gottes, Königin der Welt, Hoffnung der Verzweifelnden, du bist die Freude der Heiligen, du bist die Friedensstifterin zwischen Gott und den Sündern, du bist die Fürsprecherin der Verlassenen, ein sicherer Hafen für die Schiffbrüchigen. Du bist der Trost der Welt, das Lösegeld der Sklaven, die Freude der Betrübten, das Heil der ganzen Welt. O große Königin, wir fliehen unter deinen Schutz. Du bist unsere einzige Hoffnung, o allertreueste Jungfrau. O Maria, unsere Gebieterin, nach Gott setzen wir auf niemanden Vertrauen als auf dich. Wir tragen den Namen deiner Diener. Lass also nicht zu, dass der böse Feind uns mit sich in die Hölle reißt. Gegrüßet seist du, beste Mittlerin zwischen Gott und den Menschen, o Mutter unseres Herrn Jesus Christus. Gegenstand der Liebe deines Gottes und aller Menschen. Ehre und Preis sei dir mit dem Sohn, dem Vater und dem heiligen Geist. Amen.
Zu Jesus Christus
Verleihe uns, o Jesus, der Du für uns gekreuzigt worden bist, die Gnade, dass wir die Leiden nicht fürchten, weil sie uns reinigen und zu Deinen Schülern machen, der Du lebst und regierst mit Gott dem Vater in Einigkeit des Heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Zu Gott auf die Fürbitte der heiligen Brigitta
Wir bitten Dich, o Gott, verleihe uns auf die Fürbitte Deiner heiligen Jungfrau Brigitta Liebe zur Reinheit und Eifer zu allem Guten, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
"In jener Zeit", so berichtet das Evangelium, "traten die Jünger vor Jesus mit der Frage: Wer ist denn der Größte im Himmelreich? Da rief Jesus ein Kind herbei und stellte es mitten unter sie mit den Worten: Fürwahr, ich sage euch, wenn ihr euch nicht bekehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht in das Himmelreich eingehen. Doch wer sich demütig macht wie dieses Kind, der ist der Größte im Himmelreich."
So berichtet das Evangelium, und die Legende will wissen, dass jenes Kind, das Jesus damals den Aposteln als Beispiel vor Augen stellte, der spätere heilige Martyrer Ignatius war, dessen Gedächtnis man heute begeht. Der Heilige muss daher gerade den Kindern wert und teuer sein, denn in dem kleinen Ignatius hat der liebe Heiland alle Kinder hoch geehrt und sie den großen Leuten sogar als Muster hingestellt. Sie müssten werden wie die Kinder, hat er ihnen gesagt, sonst könnten sie nicht in den Himmel kommen.
Vom heiligen Ignatius berichtet die Legende weiter, dass er später nach Ephesus in Kleinasien ging, wo der Lieblingsjünger Johannes als Bischof wirkte. Bei diesem großen Heiligen ist er in die Schule gegangen, und weil im Hause des heiligen Johannes bekanntlich auch die Mutter Gottes weilte, durfte Ignatius alle Tage die Hochgebenedeite sehen, durfte ihr kleine Gefälligkeiten erweisen und durfte mit ihr reden, und Maria hat ihn gern gehabt und hat ihn oft mit ihrem kräftigen Muttersegen beglückt und begnadet.
Später wurde Ignatius vom heiligen Apostel Johannes zum Bischof der Weltstadt Antiochien geweiht. In dieser Stellung wirkte er vierzig Jahre lang als der gute Hirt seiner Herde, und ganz glorreich war schließlich sein Sterben.
Als nämlich die dritte römische Christenverfolgung ausbrach, wurde Ignatius verhaftet und zum Tod um des Glaubens willen verurteilt. Nicht an seinem Wohnort Antiochien sollte er den Tod erleiden, sondern in Rom. Dort wollte man ihn zur Schaulust der Menge im Zirkus den wilden Tieren vorwerfen.
Von Antiochien in Asien bis nach der Hauptstadt des römischen Reiches war es eine weite Strecke. Die Reise, die teils zu Fuß und teils mit dem Schiff zurückgelegt werden musste, dauerte mehrere Monate, und was das für einen achtzigjährigen Mann bedeutet, kann man sich leicht ausdenken. Zehn Soldaten begleiteten den Glaubenszeugen. Ignatius war gut zu ihnen, aber je freundlicher er sich gegen sie benahm, desto unfreundlicher behandelte man ihn. Es war ein harter Kreuzweg für den Christusjünger.
Um den Gefangenen überhaupt lebend nach Rom zu bringen, musste unterwegs zweimal eine Ruhepause eingelegt werden. Diese Zeit benutzte Ignatius, um eine Reihe herrlicher Briefe an die ihm bekannten Christengemeinden zu schreiben, in denen er die Gläubigen zur Treue gegen Christus aufforderte.
Dann drängte er selbst zur Weiterreise, denn eine glühende Sehnsucht nach dem Martertod erfüllte ihn, und als er unterwegs hörte, dass die Christen in Rom ein Gnadengesuch für ihn an den Kaiser planten, bat und beschwor er sie, es doch nicht zu tun. "Erweist mir kein unangebrachtes Wohlwollen", schrieb er, "sondern lasst mich eine Speise der wilden Tiere werden, denn ich bin ein Brotkorn Gottes und muss von den Zähnen der wilden Tiere zermalen werden, nur dass ich zu Jesus Christus gelange."
Welch ein Held war dieser Bischof Ignatius, der trotz seiner achtzig Jahre mit dem feurigen Mut eines jungen Mannes für Christus in den Tod ging.
Im Kloster Seligenstadt im Odenwald in der Diözese Mainz lebte im 11. Jahrhundert ein Mönch, der den Ordensnamen Klarus, der Berühmte, führte. Diesem Namen machte er durch ein tugendhaftes Leben und Kenntnis der weltlichen und geistlichen Wissenschaften alle Ehre. Da wehte eines Tages durch seine Seele ein wunderbarer Hauch vom Heiligen Geist und mächtig rührte ihn die ewige Liebe. Von Stund an verwandte der Begnadete all den Eifer, mit dem er bisher die Wissenschaft pflegte, ganz auf Erwerbung der vollkommenen Liebe Gottes. Willst du aber Gott finden und ihm allein mit ganzer Kraft dienen, dann musst du den Verkehr der Welt meiden. Deshalb ließ sich der selige Klarus in eine ganz enge Zelle neben dem Kloster einschließen. Dreißig Jahre brachte er hier Gott das Opfer seines Dienstes, indem er seinen Geist beständig darauf gerichtet hielt, Gott mit Akten des Lobes und der Liebe zu verherrlichen. Im achten Jahr nach seiner Einschließung wurde er von Gott der prophetischen Schau gewürdigt, einer Gabe, die bis zum Tod andauerte. Wie dankbar war doch hierfür der Selige und tat alles, um diese seine innige Gottvereinigung fest zu bewahren. Seinen Leib hielt er in strenger Zucht. Er aß nie Fleisch, überhaupt nichts, was ehemals Leben in sich hatte; Wein und Bier kam nicht in seine Zelle. Seinen Geist ließ er nie müßig sein, nährte ihn vielmehr beständig durch das Studium der Heiligen Schrift, durch Gebet und Betrachtung.
Schon längst der Welt entrückt, hatte der Selige sich so durch gute Werke bereit gemacht, sie ganz zu verlassen. Am 1. Februar 1043 ging er in die ewige Ruhe des himmlischen Vaterlandes ein. Bei seinem Hingang hörten mehrere Mitbrüder den englischen Lobgesang: „In den himmlischen Reichen ist der Heiligen Wohnung, Halleluja, und in Ewigkeit währt ihre Ruhe, Halleluja.“
Nicht jeder ist berufen, sich gänzlich von der Welt abzuschließen, aber für jeden gilt das Apostelwort: „Flieht die Welt und was in ihr ist!“ Jeder soll sein Herz zu einer kleinen Einsiedlerzelle machen, wohin die Welt nicht dringen kann. Dahin soll er sich immer wieder zurückziehen, um Gott zu loben und anzubeten. Und der Herr wird dann dieses Herz auch zu einer Stätte innigster Liebesvereinigung und himmlischen Friedens machen.
1. Der Geist Jesu entfesselt den Menschen von irdischen Dingen und erhebt ihn über sich selbst. Er wandelt Sünder in Gerechte, schwache Seelen in starke, traurige in fröhliche, laue in eifrige, zornige in sanftmütige, unwissende in weise, stolze in demütige, furchtsame in mutige und tapfere um. Darum auch spricht er: "Seht, ich mache alles neu!" (Offenbarung 21,5) Ist die Umwandlung der Apostel durch diesen göttlichen Geist nicht eine ganz neue Schöpfung? Ist, der die hohen Priester des Gottesmordes furchtlos ins Angesicht beschuldigt, wohl der selbe Petrus, der vor wenigen Tagen noch vor der Stimme einer schwachen Magd gezittert hat? Sind diese Apostel, die ihr Blut freudig für Jesus vergießen, dieselben, die bei seinem Leiden feigherzig die Flucht ergriffen?
2. Der Geist Jesu kehrt nicht bei den Stolzen, noch bei jenen ein, die voll sind des Geistes dieser Welt. Er nimmt seine Ruhe nicht in aufgeregten Herzen, er verabscheut die Unzüchtigen, und entfernt sich von den Eitlen und Ehrsüchtigen. Er regt zum Hass des Fleisches an, und duldet keine Anhänglichkeit an vergängliche Dinge. Kehrt dieser göttliche Geist in ein Herz ein, so flößt er ihm Demut, Gehorsam, Abtötung der Sinne, Nächstenliebe, Sanftmut und Geduld ein. Er ist ein Geist der Liebe und der Barmherzigkeit, und bildet die Seele, von der er Besitz nimmt, sich selbst gleich. Hiernach magst du beurteilen, ob der Geist Jesu in dir herrscht.
3. Der Geist Jesu wird uns gegeben, Gott zu lieben, mit dem er uns vereint. Er ist ein heiliges Feuer, das unsere Sünden verzehrt, unsere Begierden reinigt, unsere Leiden versüßt, uns Gott ähnlich bildet, und unser Verlangen zum Himmel erhebt. Aber wir selbst auch müssen dies himmlische Feuer durch fromme Regungen anfachen, und durch Werke der Gerechtigkeit unterhalten. Die lässliche Sünde schwächt, die Todsünde löscht es. Denn niemals können das Leben und der Tod in einem Haus zusammen wohnen. Darum mahnt uns der Apostel und spricht: "Löscht den Geist nicht aus!" (1. Thessalonicher 5,19) Römer 8,14: "Alle, die durch den Geist Gottes angetrieben werden, sind Kinder Gottes!"
Maria, o Maria, die du schöner bist als alle Geschöpfe, die du nach Jesus liebenswürdiger bist als alles Liebenswürdige, die du kostbarer bist als alle erschaffenen Dinge, die du lieblicher bist als alle Lieblichkeit: o Maria, habe Mitleid mit meinem armen Herzen. Siehe, deshalb bin ich elend, weil ich dich nicht liebe, da ich dich doch so sehr lieben sollte. Du kannst mein Herz mit deiner heiligen Liebe entzünden. Wende also deine liebevollen Augen zu mir, blicke auf mich, ziehe mich hin zu dir, und mache, dass ich nach Gott nichts anderes liebe als dich, lieblichste, liebenswürdigste Mutter meines Jesus und meine Mutter. Amen.
Gebet der Kirche
O Gott, Du hast der seligen Ludovica unter den anderen herrlichen Gaben auch eine vorzügliche und wahrhaft einzige Liebe zu den Armen Christi gnädig gespendet, verleihe uns, deinen Dienern, wegen ihrer Verdienste und Fürsprache eine solche Liebe, dass wir Dich aus ganzem Herzen über alles zu lieben vermögen. Amen.
Zur heiligen Marcella um ihre Fürbitte
Heilige Marcella, du edelstes Beispiel und Vorbild der christlichen Witwen, bitte für mich, dass ich bei Zeiten verlasse, was mir im Tod zur Last fallen könnte, und alle meine Handlungen immer so verrichte, als wenn ich nach jedem vollbrachtem Werk sogleich sterben müsste. Amen.
Zu Gott
Gütigster Gott, wir wollen von nun an jede Trübsal und Krankheit als eine Prüfung ansehen, die Deine Barmherzigkeit uns zur Heiligung zuschickt. Da wir jedoch von uns nichts vermögen, so erwecke und erhalte in uns jene heiligen Gesinnungen, durch die allein unsere Erdenleiden uns heilsam und vor Dir verdienstlich werden. Amen.
Der heilige Petrus Nolaskus,
Ordensstifter, wurde von seiner Mutter aufgefordert, sich zu verehelichen. Er aber fühlte sich in seinem Herzen zu einem abgeschiedenen Leben berufen. Da betete er in der folgenden Nacht anhaltend und innig zu Gott, und siehe, am Morgen gelobte er, in beständiger Enthaltsamkeit sich ganz dem Dienst Gottes zu weihen.
Das Gebet mit Andacht und Inbrunst verrichtet, befeuchtet gleich einem fruchtbaren Tau oder Regen unser Herz, reinigt es, reißt es los von der Welt und Geschöpfen, und ruft Blumen, d.h. heilige Gedanken und gute Entschlüsse in uns hervor.
Prüfe dich, ob du so hohen Wert auf das Gebet legst? - Dies magst du erkennen, wenn du in einer wichtigen Angelegenheit, Entscheidung über Beruf, Dienständerung, schwerer innerer Versuchung, bei schmerzlichem Verlust etc. gleich betest, und anhaltend bittest, dass Gott dir seinen heiligen Willen selbst, oder etwa durch deinen Beichtvater zu erkennen gäbe.
Bete den hohen Wert des Gebetes recht zu erkennen.
Beten führt dich auf die rechte Bahn
Und hebt die Seele himmelan.
Gelobt sei Jesus Christus und die schmerzhafte Mutter Maria!
Als Sohn armer Leute wurde der spätere Ordensgründer am 16. August 1815 in Becchi bei Turin geboren. Mit zwei Jahren verlor er den Vater, aber seine Mutter, Margarete Bosco, war eine ausgezeichnete Erzieherin, die es meisterhaft verstand, die guten Anlagen ihres Kindes zu fördern. Sicher hat die Erziehung dieser frommen Frau die Grundlagen für das spätere pädagogische Wirken des Johannes Bosco geschaffen.
Mit neun Jahren hatte er einen Traum, in dem er deutlich auf seinen zukünftigen Beruf hingewiesen wurde. Die Visionen wiederholten sich und wurden immer konkreter. Angeregt durch diese Träume, sammelte Johannes die Dorfkinder, erzählte ihnen Geschichten und unterhielt sie mit Kunststücken, verband damit aber immer eine religiöse Unterweisung und schloss mit einem Gebet oder einem frommen Lied.
Johannes Bosco wollte Priester werden, aber die finanziellen Mittel für den Besuch einer höheren Schule fehlten. 1831 erhielt der Sechzehnjährige einen Freiplatz am Seminar von Chieri. Essen und Unterkunft musste er sich selbst verdienen. Er arbeitete in einem Café, bei einem Schneider, einem Schmied, einem Schlosser und einem Schreiner.
Nach seiner Priesterweihe am 5. Juni 1841 ging Johannes zur Weiterbildung in das Theologische Konvikt in Turin, an dem sein Beichtvater und vertrautester Freund Josef Cafasso tätig war.
Am 8. Dezember 1841, als Don Bosco sich für den Gottesdienst ankleidete, bemerkte er, wie der Küster einen zerlumpten Jungen aus der Sakristei hinauswies. Er rief den Jungen zurück und unterhielt sich mit ihm. Ohne Eltern aufgewachsen, konnte dieser weder lesen noch schreiben und wusste von Religion überhaupt nichts. Johannes Bosco begann sofort mit dem religiösen Unterricht und forderte den Jungen beim Weggehen auf, doch wiederzukommen. Er kam bald wieder und brachte seine Freunde mit.
Die Schar um Don Bosco wuchs von Woche zu Woche. Er versammelte sie zunächst sonntags in irgendeiner Kirche, feierte mit ihnen die Messe und unterrichtete sie im Katechismus. Den Rest des Tages gestaltete er mit Ausflügen, Spielen und gemeinsamen Festen.
Seinen oben erwähnten ersten Traum schildert er selbst in seinen Erinnerungen wie folgt:
„Im Alter von ungefähr neun Jahren hatte ich einen Traum, der mir für mein ganzes Leben unvergesslich blieb. Im Schlaf glaubte ich, in der Nähe des Hauses in einem sehr großen Hof zu sein, wo eine muntere Schar von Jungen sich herumtummelte. Die einen lachten und scherzten, die anderen spielten, wieder andere fluchten. Als ich die Gotteslästerungen hörte, stürzte ich mich gleich unter die Jungen, um sie mit Rufen und Stößen zum Stillschweigen zu bringen. In diesem Augenblick erschien ein ehrwürdiger, vornehm gekleideter Mann, der im besten Alter stand. Ein weißer Mantel umgab seine ganze Gestalt; sein Antlitz aber war so leuchtend, dass ich es nicht anzuschauen vermochte. Er rief mich beim Namen und befahl mir, mich an die Spitze dieser Jungen zu stellen, indem er hinzufügte: „Nicht mit Schlägen, sondern mit Sanftmut und Liebe sollst du diese dir zu Freunden machen. Schicke dich darum gleich an, sie über die Hässlichkeit der Sünde und die Schönheit der Tugend zu belehren!“ – Verwirrt und erschrocken bemerkte ich, ich sei ein armer, unwissender Junge, gänzlich unfähig, diese Jungen in der heiligen Religion zu unterrichten. In diesem Augenblick hörten die Jungen auf zu streiten, zu lärmen und zu fluchen und alle scharten sich um jenen Mann. Fast ohne zu wissen, was ich sprach, fragte ich:
„Wer seid Ihr, dass Ihr Unmögliches von mir verlangt?“
„Gerade weil es dir unmöglich scheint, musst du es durch Gehorsam und Wissenschaft ermöglichen.“
„Wo und mit welchen Mitteln werde ich mir dieses Wissen erwerben?“
„Ich werde dir eine Lehrmeisterin geben, unter deren Obhut du weise werden wirst und ohne deren Einfluss jede Weisheit nur Torheit ist.“
„Aber wer seid Ihr denn, dass Ihr so zu mir sprecht?“
„Ich bin der Sohn derjenigen, die täglich dreimal zu grüßen deine Mutter dich lehrte.“
„Meine Mutter befiehlt mir, mich keinem Unbekannten ohne ihre Erlaubnis anzuschließen; sagt mir darum Euren Namen.“
„Danach frage meine Mutter!“
In diesem Augenblick sah ich an der Seite jenes Mannes eine Frau von majestätischer Gestalt, angetan mit einem Gewand, von dem ein solcher Glanz ausging, als sei es mit lauter hellstrahlenden Sternen übersät. Da sie meine wachsende Verwirrung in meinen Fragen und Antworten wahrnahm, hieß sie mich näher treten, nahm mich dann gütig bei der Hand und sprach: „Sieh dort!“ Aufschauend bemerkte ich, dass alle jene Jungen geflohen waren, und statt ihrer sah ich eine große Herde von Ziegen, Hunden, Katzen, Bären und verschiedenen anderen Tieren. Die hohe Frau fuhr fort: „Das ist dein Arbeitsfeld; hier sollst du wirken. Werde demütig, stark und mannhaft, und die Verwandlung, die du jetzt bei diesen Tieren sehen wirst, sollst du später bei meinen Söhnen vollbringen.“ Ich schaute abermals hin und erblickte statt der wilden Tiere ebenso viele sanfte Lämmer, welche freudig hüpfend und blökend sich um jenen Mann und um jene Frau scharten, wie um ihnen zu huldigen.
Sobald ich dies bemerkte, fing ich im Schlaf zu weinen an und bat die hehre Frau um Aufklärung über das, was ich gesehen hatte, da ich nicht wüsste, was dies alles zu bedeuten habe. Sie legte mir aber nur die Hand aufs Haupt und sagte: „Zur rechten Zeit wirst du alles verstehen.“ Kaum hatte sie diese Worte beendet, da erwachte ich durch ein Geräusch und alles war verschwunden. Ich war wie betäubt. Die Hände schienen mir weh zu tun von den Faustschlägen, die ich ausgeteilt hatte, das Gesicht schmerzte mich von den Ohrfeigen, die ich von den Straßenjungen erhalten hatte. Der geheimnisvolle Mann, die hohe Frau, alles was sie gesagt und was ich gehört hatte, beschäftigte derart meinen Geist, dass ich die ganze Nacht nicht mehr schlafen konnte.
Am anderen Morgen drängte es mich, den merkwürdigen Traum zuerst meinen Brüdern zu erzählen – sie lachten mich aus; dann ging ich zur Mutter und Großmutter. Jeder gab eine andere Erklärung. Mein Bruder Joseph sagte: „Du wirst einmal als Hirt Ziegen, Schafe und andere Tiere zu hüten haben.“ Meine Mutter: „Wer weiß, ob er nicht doch Priester wird.“ Anton bemerkte trocken: „Vielleicht wirst du Räuberhauptmann.“ – Das Schlusswort aber gab die Großmutter, die ja in religiösen Dingen wohl bewandert war, wenngleich sie weder lesen noch schreiben konnte: „Träume sind Schäume“, sagte sie. Ich war der gleichen Meinung wie die Großmutter, trotzdem konnte ich mir jenen Traum nicht aus dem Kopf schlagen.“
Der Zulauf, den Giovanni Bosco unter der Jugend fand, brachte ihn allmählich in Schwierigkeiten. Wo sollte er eine so große Gruppe, inzwischen waren es über 400 Jugendliche, unterbringen? Eine Scheune in Turin-Valdocco, die er zunächst pachten und später kaufen konnte, richtete er als Schule ein. Er bildete selbst seine begabtesten Schüler als Lehrer für ihre Kameraden aus und gründete auf dem Schulgelände Lehrwerkstätten.
Zur Unterstützung seiner erzieherischen Tätigkeit gründete er 1868 die „Fromme Gesellschaft des heiligen Franz von Sales und einige Jahre später eine Frauengenossenschaft: die Mariahilfschwestern.
Seine Erziehungsmethode beruht auf dem System des Vertrauens, der Ausschaltung jeglichen Zwangs, der Vermeidung von Strafen und auf einer umfangreichen religiösen Bildung. Das Jugenddorf in Valducco wurde zum Modell für zahlreiche ähnliche Einrichtungen im In- und Ausland.
Don Bosco starb am 31. Januar 1888.
Aus „Tiere unterm Regenbogen“, von Aloysius Roche, Berlin 1954:
Grigio – der Graue
„Grigio – der Graue“, so wurde der geheimnisvolle Hund gerufen, der Leib und Leben Don Boscos beschützte; er wurde wegen seiner Farbe so genannt, „grigio“ heißt ja italienisch „grau“. „Geheimnisvoll“ – das ist die richtige Bezeichnung für dieses Tier, denn alle die, die ihn nur für einen besonders scharfsinnigen Hund gewöhnlicher Art hielten, konnten doch die Tatsache nicht leugnen, dass er mehr als dreißig Jahre lang lebte!
Es gab freilich auch genug Leute, die fest überzeugt waren, dass dieser Grigio nicht aus einem gewöhnlichen Zwinger stammte. Sie meinten, er hätte etwas vom alten Cerberus an sich, dem unheimlichen Wachhund, an den die Menschen längst vergangener Zeiten glaubten, allerdings mit dem Unterschied, dass, während der erstere offenbar „von oben“ kam, der letztere doch entschieden „nach unten“ gehörte.
Dieser merkwürdige Hund zeigte sich zuerst, als Don Bosco durch die recht düsteren Vororte von Turin ging. Das war im Jahr 1852. Er suchte bei diesem Gang nicht etwa eine Abkürzung für seinen Weg. Seit 46 Jahren hatte dieser Mann solch elende Vororte im Kopf gehabt. Er dachte bei Tage daran und träumte nachts davon – buchstäblich, denn es war ja ein Traum gewesen, der ihn zu seiner Lebensaufgabe bewogen hatte: jene zu retten, die in diesen Elendsquartieren lebten. Es waren die Kinder dieser wüsten Orte, um die er sich Sorgen machte, die Jungen und Mädchen, an denen jedermann verzweifelte, und für die nichts weiter geschah, als dass man sie ins Gefängnis warf, wenn sie es übertrieben hatten. Für diese Ausgestoßenen schuf er ein Hilfswerk, das wuchs und wuchs, bis es sich über die Welt ausbreitete. Als er 1888 starb, hatte er statt einer ungefähr 250 Herbergen und 130 000 Kinder darin! Im Anfang dachten seine Mitmenschen, er sei verrückt. Das denken nun allerdings bloß Zuschauer leicht von tapferen Leuten, die besonders heikle Aufgaben anpacken.
Merkwürdig und ganz unerklärlich ist’s, dass dieser Mann Feinde haben konnte, bittere Feinde, die ihm ernstlich ans Leben wollten – und mehr als einmal haben sie es versucht. Deshalb tauchte dann eines Tages Grigio aus dem Nichts auf, es war an einem Abend des Jahres 1852.
Don Bosco hastete eine enge Straße im ärmlichsten Quartier der Stadt entlang, als er plötzlich glaubte, Schritte hinter sich zu hören. Sich umschauend, sah er, dass ihm ein riesiges Tier folgte, das aussah, wie eine Kreuzung aus Wolf und Hund. Es war ihm anfangs nicht so ganz wohl zumute, aber er blieb stehen, und als das Tier herankam, sprach er zu ihm und streichelte den großen Kopf. Dann ging er weiter. Aber der Graue folgte ihm dicht auf den Fersen.
„Vielleicht ist’s ein entlaufener Hund“, sagte Don Bosco zu sich selber, „obwohl er wirklich nicht so aussieht – er ist zu gut gehalten. Aber da er so fest entschlossen zu sein scheint, bei mir zu bleiben, nehme ich ihn mit. Wer weiß – er kann mir recht nützlich sein. Wenn er wirklich einen Besitzer hat, kann er ja noch immer angefordert werden.“
Damit ging er schon dem Haus zu; sobald er es aber erreicht hatte, war der Hund verschwunden. Das geschah wieder und wieder, immer auf die gleiche Weise. Sooft Don Boscos Weg besonders einsam war, oder wenn verdächtige Gestalten auftauchten, erschien „der Graue“. Einmal hörte Don Bosco einen Revolver knacken und eine Kugel hätte fast sein Gesicht gestreift. Kaum war es ihm bewusst geworden, wie knapp er davongekommen war, da warf sich der Bandit schon auf ihn. Aber der Hund war da. Seine starken Zähne regelten die Angelegenheit, der Mann floh ins Dunkel und trug Grigios „Hausmarke“ als Andenken mit sich. Ein andermal lauerten zwölf verkommene Gestalten zugleich dem Priester auf – aber das ergab nur zwölf weitere „Markierungen“!
Nach diesem letzten Fehlschlag steckten die Verbrecher die Köpfe zusammen und beschlossen, Don Bosco eine Falle zu stellen, eine Falle von solcher Art, dass alle Grigios der Welt ihm diesmal nicht würden helfen können. Es dauerte nicht lange, und sie hatten die erwartete Gelegenheit. Es war eine dunkle Nacht – aber, mochte es hell sein oder dunkel, Don Bosco hatte seine Pflicht zu tun. Er wickelte sich fest in seinen Mantel und steckte sich eine Laterne an, dann öffnete er die Tür. Man denke sich, wie verblüfft er war, als er Grigio auf der Schwelle fand.
„Hallo, was tust du hier um diese Zeit? Ich seh’ schon, du willst mit! Eine gute Idee! Komm!“
Aber Grigio blieb, wo er war, und weigerte sich auch, beiseite zu gehen, und als der Priester versuchen wollte, über ihn wegzusteigen, zeigte er böse die Zähne. Don Bosco dachte einen Augenblick nach und beschloss dann, dies als ein Zeichen zur Vorsicht zu nehmen. Schon am nächsten Morgen erfuhr er, dass ein heimtückischer Plan bestanden hatte, ihn hinterlistig zu ermorden.
Danach gab es eine Art Waffenstillstand, und der Hund erschien vierzehn Jahre lang nicht mehr. Dann aber wurde Don Bosco eines Tages in ein Landhaus bestellt, das in ziemlicher Entfernung von der Stadt lag, in ganz einsamer Gegend – und der Weg dahin hatte einen üblen Ruf. „Oh“, rief er, „wenn ich doch Grigio bei mir hätte!“ Er brach tapfer auf und verließ bald die belebten Straßen der Stadt. Allmählich kam er zum gefährlichen Teil seines Weges. Der Weg war jetzt nicht viel mehr als eine bloße Spur, und an einer Stelle führte er durch dichtes Buschwerk. Don Bosco befahl sich Gott und suchte sich seinen Weg durch das Unterholz. Schon stand er lauschend still – es war kein Zweifel, er hörte in der Ferne menschliche Stimmen. Er dachte schon, er müsste doch umkehren, da teilten sich die Äste vor ihm, und Grigio war da. Natürlich erreichte er nun sicher sein Ziel!
Zum letzten Mal erschien der Hund – 31 Jahre nachdem er zuerst aufgetaucht war – in Bordighera, als der Heilige sich dort verirrt hatte. Danach wurde er nie mehr gesehen.
Wir wollen nicht behaupten, dass die Klugheit und Hingabe dieses Tieres in sich selbst außergewöhnlich waren. Hunde haben ja einen glänzenden Ruf hinsichtlich ihres Instinktes für den Schutz ihres Herrn. In Griechenland wurde dem Hund eines gewissen Alkibiades ein Denkmal gesetzt, der seinem Herrn durch dick und dünn beigestanden hatte, der sogar in der Seeschlacht von Salamis neben ihm her geschwommen war – 480 Jahre, bevor Unser Herr geboren wurde. Und immer wieder und durch alle Zeiten sind erstaunliche Dinge über Klugheit und Opfermut dieser Tiere berichtet worden: aber ich denke, wir müssen doch zugeben, dass Grigio einen besonderen Platz unter ihnen verdient!