Recht sinngemäß wird das Fest des heiligen Silvester am Ende der weihnachtlichen Achttagefeier begangen, denn wie der heilige Ambrosius und der heilige Eusebius, so war auch Silvester ein machtvoller Verteidiger der Gottheit Christi gegen die falsche Lehre der Arianer, die dem Kind in der Krippe die göttliche Krone rauben wollten. Unter Papst Silvester fand im Jahr 325 zu Nicäa in Kleinasien die erste Allgemeine Kirchenversammlung statt, die zur endgültigen Verurteilung der arianischen Lehre führte. Damals wurde ganz klar die echte Lehre von der Gottheit Christi herausgestellt und als katholischer Glaube für ewige Zeiten festgelegt, dass Jesus Christus Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott und eines Wesens mit dem Vater ist. Wenn wir demnach in diesen Tagen vor der Krippe knien, so sind wir im innersten Herzen davon überzeugt und glauben und bekennen feierlich, dass Mariens Kind Gott gleich und Gott selbst ist. So hat auch der heilige Silvester als Schützer der Gottheit Christi einen passenden Platz an der Krippe zu Betlehem.
Der Umstand, dass das Fest des heiligen Silvester auf den letzten Tag des Jahres fällt, ist ferner deswegen nicht ohne Bedeutung, weil der Heilige der Jahreswende in seinem Leben an einer Zeitenwende stand. In der Jugend hat Silvester noch die neunte und im Mannesalter die letzte und blutigste römische Christenverfolgung erlebt. Als er Papst wurde, war der Sieg des Christentums über das Heidentum entschieden. Christus war in dem dreihundertjährigen Streit unbestrittener Sieger geblieben, wie er überhaupt bis zum Ende der Welt in allen Kämpfen Sieger sein wird, denn er ist unüberwindlich stark und überdauert alle Gegner bis in Ewigkeit. Diese Tatsache muss uns am Ende des Jahres den katholischen Rücken straffen, und wenn selbst die ganze Welt in Trümmer gehen sollte, auf den Trümmern erstände verjüngt und neu gekräftigt die katholische Kirche, die auch von den Pforten der Hölle nicht überwältigt wird.
Der Silvestertag bildet ferner den Jahresschluss. Wieder ist heute ein Jahr vorüber. Zwölf Monate, zweiundfünfzig Wochen, dreihundertfünfundsechzig Tage sind an uns vorbeigerast wie ein Wolkenschatten auf der Heide, wie ein Schiff, das im Wasser keine Wegspur zurücklässt. Geradeso wird es im neuen Jahr weitergehen, denn die Zeit steht niemals still, und einmal wird auch in unserem Leben der letzte Tag anbrechen. Täglich sterben hunderttausende Menschen. Damit man sich ein Bild von der Zahl machen kann, stelle man sich vor, alle fünf Minuten führe ein langer, vollbesetzter Zug in die Ewigkeit ab. An unserem Sterbetag müssen auch wir in einen der Ewigkeitszüge einsteigen. Himmel, Fegfeuer und Hölle sind die Stationen, an denen der Zug hält. Die Fahrkarte schreiben wir uns selbst durch die guten und durch die bösen Werke, die wir tun. Man schaue also einmal nach, welche Station in diesem Augenblick auf der Fahrkarte steht. Sollte etwa Station Hölle darauf stehen, so lässt man am besten die Karte tunlichst bald im Beichtstuhl umschreiben. Es könnte nämlich sein, dass wir bereits in den nächsten Tagen abreisen müssen. So ernst sind die Gedanken, die sich am Jahresende dem besinnlichen Menschen aufdrängen.
Der heilige Silvester schließt das Jahr ab. Es ist das allerdings nur scheinbar der Fall, denn eine Legende ist wie ein Ring, der keinen Anfang und kein Ende besitzt. Da löst ein Tag den anderen ab, und ein Jahr reicht dem nächsten die Hand. So werden wir morgen also von vorn beginnen, und wieder werden uns die Heiligen das neue Jahr entlang begleiten, schützend und führend, aufmunternd und helfend, leicht und sicher, treu und tapfer.
Die Legende von der heiligen Melania, die am 31. Dezember 439 starb, passt sehr gut in die Weihnachtszeit hinein, denn die Heilige hat die letzten zwanzig Jahre ihres Lebens in Jerusalem und Bethlehem zugebracht. Sie hat aus Verehrung zum göttlichen Kind von Bethlehem in der Nähe der Stelle, wo die Krippe stand, ein Kloster gegründet und hat sich vor allem dadurch bewährt, dass sie wie unser Herr Jesus Christus arm wurde aus Liebe zu den Menschen. Die heilige Melania ist eine richtige Krippenheilige.
Melania wurde in Rom geboren im herrlichsten Palast, den es neben dem Kaiserschloss gab, und Roms reichster Mann war Melanias Vater. So reich war die Familie, dass bereits die jährlichen Einnahmen aus dem großen Grundbesitz in Italien, Spanien und Nordafrika in die Millionen gingen. Und Melania, das Milliardärstöchterchen, war als einziges Kind die Alleinerbin des Riesenvermögens. In Marmor, Gold und Silber, in Samt und Seide, bei Musik und Festen, im Schimmer ungezählter Kerzen, die sich in den Spiegelwänden der Säle verzehnfachten, wuchs das Mädchen auf, dem tausend Diener und Dienerinnen zur Verfügung standen.
Melania interessierte sich jedoch nicht für das schöne Leben, so als wenn sie damit nichts zu tun hätte. Nur ihre Haut berührte den Reichtum, nicht ihr Herz, das sich schon ganz früh von den irdischen Dingen loslöste, um Gott allein anzugehören. Gern wäre Melania ins Kloster gegangen, aber der Vater erfüllte ihr diesen Herzenswunsch nicht und verheiratete sie in jungen Jahren nach damaligen Brauch, ohne sie zu fragen, mit dem vornehmen Römer Pinian, damit durch die Tochter das Geschlecht weiterblühe. Zu Anfang schien es auch, als ob die Wünsche des alten Mannes in Erfüllung gingen, denn Melania schenkte erst einer Tochter und im folgenden Jahr einem Sohn das Leben. Da war die Freude groß, aber dann starb die Tochter, und gleich darauf starb auch der Sohn. Die junge Mutter wollte vor Traurigkeit gar nicht mehr Leben und wurde schließlich todkrank. Als sie aber nach vielen Monaten langsam wieder gesund wurde, legte sich der Vater alt und schwach nieder und starb schließlich. In dem Augenblick, als das geschah, war Melania die reichste Frau der ganzen Welt.
Die reichste Frau der Welt war inzwischen auch eine ganze Christin geworden. Mit der Zustimmung ihres Mannes, der von gleich guter und edler Art war, begann Melania, das ererbte Riesenvermögen auf christliche Weise zu verwenden, indem sie die Armen versorgte. In kurzer Zeit verkaufte die Milliardärin den gesamten Besitz, und der Erlös floss reichlich den Notleidenden zu. Allen Sklaven, achttausend an der Zahl, schenkte die hochherzige Frau die Freiheit. Sie aß auch mit den Sklaven am gleichen Tisch und bediente sie, wie eine Magd die Herrschaft bedient. Melania machte Ernst mit dem Christentum, und wenn sie dabei schnell verarmte, so wurde sie umso reicher in Christus, nach dessen Beispiel sie sich richtete, der, obwohl er der Herr des Himmels und der Erde ist, um der Menschen willen Knechtsgestalt annahm, der reich war und aus Liebe zum Nächsten arm wurde.
Was in der Krippe geschehen war, wiederholte sich im Leben der treuen Christusjüngerin Melania. Die heilige Melania ist die erste in der Geschichte des Christentums, die in solch hochherziger Weise die christliche Nächstenliebe ausgeübt hat, heute noch allen Christen zum Beispiel und Vorbild.
Wie bereits erwähnt, verlebte Melania betend und glaubend die letzten zwanzig Jahre des Lebens in Jerusalem und Bethlehem unter armseligen Verhältnissen. In einer Bretterbude wohnte sie. Mit dem Geld, das reiche Freunde ihr schenkten, unterstützte sie weiterhin die Armen und baute ein Kloster, in das sie selbst eintrat, nicht um die Vorsteherin, sondern um die Dienstmagd der anderen zu sein.
So hat die heilige Melania in ihrem ganzen Leben das Wort des Herrn zur Wahrheit gemacht. Von ihr kann man sagen, dass sie das gleiche Denken gehabt hat, wie es Jesus Christus hatte. Darin besteht ja letzten Endes das Christentum.
„Maria, nimm mein Kind doch lieber zu dir, als dass es schlecht wird.“ Ein hochedler Gebetswunsch einer glaubensstarken Mutter, Beltramis Mutter! Und Maria, die himmlische Schutzfrau, nahm den ihr Empfohlenen früh zu sich, jedoch nicht eher, als bis er seine Lebensaufgabe, sich und andere durch Gebet, Arbeit und Leiden zu heiligen, erfüllt hatte.
Des ehrwürdigen Andreas Beltrami Heimat ist Omegna in der Provinz Novara in Norditalien, reizvoll am See von Orta gelegen und umsäumt von einer Krone in erhabener Schönheit ruhender Berge. Zum ersten Mal schauten sie in seinen ahnungslosen Kinderschlummer am 24. Juni 1870. Von den malerischen Reizen seiner Heimat schöpfte Andreas wohl jene Liebenswürdigkeit und jene Begeisterung für das Schöne, das ihn so sehr erfüllte und sich auch in seinen Schriften offenbarte. Während der Knabe die Realschule zu Omegna besuchte, war die Furcht nicht ganz zu bannen, sein lebhaftes Naturell werde in Leichtsinn verflattern. Als aber der gutbeanlagte Schüler der von Don Bosco gegründeten Anstalt zu Lanza bei Turin anvertraut wurde, da brachten die übernatürlichen Grundsätze und geschickten Methoden der salesianischen Erziehung alle jene Eigenschaften seines empfänglichen Gemütes und ehrlichen Charakters zur Entwicklung, die einen glänzenden Erfolg erwarten ließen. Alle Triebe der Selbstbetätigung in Ausübung des Guten wurden geweckt und sicher geleitet. Die Liebe und Verehrung zur seligsten Jungfrau, die Andreas am Wort und Beispiel seiner Mutter erlernt hatte, vertiefte sich jetzt. Seine Vorliebe für das Studium, die er allzeit an den Tag legte und die ihm Auszeichnungen einbrachte, war belebt und geadelt von dem Gedanken der gottschuldigen Pflicht. Niemand war so wie er gesammelt im Gebet, so pünktlich in der Beobachtung der Hausregel, so gelehrig gegen die Oberen, begierig ihre Ratschläge zu hören und auszuführen, so fleißig und arbeitsam. Die charakteristische Tugend aller großen Seelen, die Liebe zum Apostolat, trat unbewusst in Erscheinung. Andreas übte unter seinen Mitschülern ein Ansehen aus, das, von allen freudig anerkannt, auch die unzufriedenen und unguten Zöglinge gewann und mit ihrem Beruf versöhnte. In den Ferien brachte sein Bemühen eine katholische Volksbibliothek für seine Heimat zustande.
Die erste Begegnung Beltramis mit Don Bosco war von tiefgehender Wirkung. Andreas war schon im ersten Jahr auserwählt, die Anstalt von Lanza beim Namensfest des ehrwürdigen Vaters in Turin zu vertreten und in einem Vortrag die Wünsche aller niederzulegen. Bosco, dessen forschendes Auge in die Tiefen der Seele zu dringen gewohnt war, ließ sich den Vortrag wiederholen und flüsterte dann dem glücklichen Zögling einige vertrauliche Worte ins Ohr, die sein Antlitz mit Röte übergossen und seine Augen vor Freude erstrahlen ließen.
Am 2. Oktober 1887 durfte Beltrami, obwohl noch jung, aber reif an Geist und Tugend, im kleinen Kirchlein von Valsalice die Ordensgelübde in die Hände Don Boscos ablegen. Während des Noviziates zu Foglizzo setzte er durch seine musterhafte Führung und sein sichtliches Voranschreiten in der Übung aller Ordenstugenden, in der Vereinigung mit Gott, in strengster Abtötung und einer tiefen Demut seine Mitbrüder in Erstaunen. Jeden Tag kam er mit glühendem Angesicht aus der Betrachtung und vom Tisch des Herrn. Wie geistesabwesend wandelte er durch das Haus, von Sehnsucht erfüllt, bald wieder zum Heiland im Sakrament zurückkehren zu dürfen. Um dem Drang der Liebe zum göttlichen Herzen Jesu genügen zu können, erbat sich Beltrami vom Direktor des Hauses die Erlaubnis, zu jeder Stunde der Nacht aufwachen zu dürfen, um einige Stoßgebetchen emporzusenden. Und tatsächlich hatte er die Gnade, jede Stunde zu erwachen und so in innigstem Verkehr mit Gott zuzubringen. Noch war der treue Jünger des Herrn mit seinen Studien nicht zu Ende, als sich bei ihm jenes unheilvolle Lungenleiden einstellte, das so viele junge Menschenleben unabwendbar unter den Rasen bringt. Beltrami, der bereits die Beweise seltener Lehrbefähigung und eines glühenden Seelenapostolates geliefert hatte, schien von der Vorsehung die Aufgabe zugeteilt erhalten zu haben, den so schwer heimgesuchten Kranken ein leuchtendes Vorbild stillgeduldigen Leidens zu werden. Beinahe sieben Jahre musste er dahinsiechen. Die liebevollste Pflege seiner Oberen vermochte das Endgeschick nicht zu bannen. Kein anderer Gedanke gewann mehr die Herrschaft in seinem Geist, als sich in heiliger, fröhlicher Leidensliebe dem Herrn zum Opfer zu bringen. Vom Wunsch beseelt, „weder gesund zu werden, noch zu sterben, um zu leiden“, unterschrieb der edle Kranke einen förmlichen Weiheakt ans göttliche Herz Jesu mit seinem Blut und trug ihn an seiner Brust, um gleichsam bei jedem Atemzug zu wiederholen, dass er ein Opfer der Sühne sein will: für den Papst, für die Kardinäle und Bischöfe, für die Kirche im allgemeinen, für die Oberen der salesianischen Gesellschaft und in besonderer Weise für alle Sterbenden auf der ganzen Welt und für die armen Seelen im Fegfeuer.
In den langen Jahren des Leidens sah niemand einen Schatten über das Antlitz des Dulders schweben. Ein Strahl inneren Friedens und freudiger Bereitwilligkeit zum Leiden prägte sich darin aus. Jeder neue Hustenanfall entlockte ihm nur ein Deo gratias („Gott sei Dank!“). Auf dem fruchtbaren Boden des Leidens wuchs die Liebe zu Gott immer stärker und wurde bis zur geheimnisvollen Süßigkeit der Ekstase erhoben. Von einem Fensterchen des Krankenzimmers konnte Beltrami auf den Tabernakel sehen: da zog er seine innigen Unterredungen mit dem Gefangenen der Liebe in die Länge, da wurde er nicht müde, seine beständige Hinopferung zu erneuern. „Die Flammen der Liebe,“ so schrieb er selbst aus Gehorsam an seinen Oberen, „verbrennen mir Leib und Seele. Vor meiner Krankheit waren sie schon heftig und tief. Und es ist wahrscheinlich, dass die Ursache der Krankheit diese Heftigkeit in der Liebe und Vereinigung mit Gott gewesen ist, die in den letzten Monaten vor meiner Erkrankung einen solchen Grad erreicht hatte, dass ich meinte, sterben zu müssen. Ich ging aus der Betrachtung ganz erschöpft, dann kam die heilige Kommunion, die mich vor Sehnsucht ermüdete. Der Genuss von Eis und Schnee, eine Kälte von zwanzig Grad unter Null – in jenem Jahr war der Winter überaus kalt – genügten nicht, um die inneren Gluten zu kühlen.“
Der selige Leidensgenosse des Herrn hatte noch die Kraft und Gnade, die Priesterweihe zu empfangen und täglich bis zum Vorabend seines Todes die heilige Messe zu lesen. Und da war es, wo er nicht nur seelisch in einer anderen Welt zu weilen schien, wo er auch körperlich für einige Zeit dem Erdenleid entrückt wurde. Die Mitbrüder, die dem kranken Priester im Privatoratorium zur Messe dienten, haben unter Eid bezeugt, dass er, während er sonst alle fünf Minuten heftig hustete und keine fünf Minuten auf den Füßen stehen konnte ohne sich zu stützen, bei Darbringung des heiligen Messopfers von der Wandlung bis zur Kommunion ungefähr eine Stunde verweilte, ohne sich irgendwie am Altar anzulehnen und ohne einen Hustenanfall zu bekommen, das Antlitz glühend wie feurige Kohlen, während er tagsüber immer ganz bleich war.
Andreas Beltrami hatte den Geist Christi so sehr verstanden, dass er das Leiden als große Huld und Auszeichnung von Gott ansah. In seinen Aufzeichnungen schreibt er: „Die Ketten, mit denen ich ans Zimmer gefesselt bin, sind mir teurer als die Halsketten der Fürsten, und ich küsse sie wie die wertvollsten Kleinodien. Verflossenen Februar feierte ich den fünften Jahrestag meiner Krankheit drei Tage lang. Ich betete das Te Deum, Benedictus, Laudate Dominum, um Gott zu danken, dass er sich gewürdigt hat, mich den Leiden seines Sohnes ähnlich zu machen.“ „Ich bin der glücklichste Mensch auf der Welt in meinem Kämmerlein, wo man von der Welt nichts hat, wohl aber von den ersten Freuden des Himmels.“
Nicht bloß durch rechtes Erfassen der Krankheit, durch Leiden und Gebet, hat der Selige für die Mitwelt sich verdient gemacht, er hat noch, zum Reden unfähig, das Apostolat des geschriebenen Wortes eifrigst geübt. Obwohl sein Leiden derart war, dass es ihm niemals Ruhe gönnte und die Todesgefahr gar oft in drohende Nähe gerückt schien, hat Don Beltrami nicht weniger als zwölf populäre religiöse Schriften erscheinen lassen; mehrere andere waren bei seinem Tod fast bis zur Vollendung gereift. Die Schrift über die lässliche Sünde wurde auch in deutscher Sprache herausgegeben.
Der Tod des frommen Priesters, am 30. Dezember 1897, war wie das Verglühen eines sonnigen Tages. „Das Osterlamm wird bald geschlachtet werden; ich muss es immer reiner machen, damit es seiner göttlichen Majestät würdiger werde.“ So sprach der Schwerleidende in seiner letzten Nacht.
Was kann doch der Glaube aus den ärmsten Menschen, auch aus den einem unheilbaren Siechtum Verfallenen für starke und glückliche Seelen machen! Leiden ist Gnade. Leiden kann Lebensaufgabe, kann zum Apostolat werden. Vom kleinen Krankenzimmer aus kann ein gottergebener Christ, sich selbst heiligend, die Anliegen der ganzen Welt umfassen und zu den seinigen machen.
1920 eröffnete Papst Benedikt XV. den Seligsprechungsprozess, nachdem der zuständige Diözesanbischof den Gerichtshof dafür errichtet hatte. Am 5. Dezember 1966 wurde er als verehrungswürdig erklärt.
Von der Gleichförmigkeit unseres Willens mit dem Willen Gottes
"Nicht wie ich will, sondern wie du willst!" (Matthäus 26,39)
"Notwendig ist es, dass wir immer in der Stimmung sind, zu sterben in der Zeit und auf die Weise, und durch die Todesart, die der Herr will." (Der heilige Alphons von Liguori)
Der große Diener Gottes Johannes von Avila schrieb einst an einen kranken Priester: "Erwägen Sie nicht, was Sie tun würden, wenn Sie gesund wären, sondern bedenken Sie vielmehr, wie sehr Sie Gott gefallen werden, wenn Sie Ihre Krankheit bereitwillig annehmen. Wenn Sie, wie ich glaube, rein und einzig den Willen Gottes suchen, was kann Ihnen je daran liegen, ob Sie krank oder gesund sind, da dieser göttliche Wille, worin all unser Gut besteht, in beiden Fällen auf gleiche Weise in Erfüllung geht?"
Einst als die heilige Gertrud einen Hügel erstieg, fiel sie, und da sie sich nirgends anhalten konnte, rollte sie bald bis ins Tal hinab, und nur durch ein Wunder der Vorsehung geschah es, dass sie mit dem Leben und sogar ohne gefährliche Verwundung davon kam. Da fragten ihre Gefährtinnen, ob sie sich nicht sehr gefürchtet hat, zu sterben, ohne die letzten Sakramente zu empfangen; die Heilige aber antwortete ihnen: "Nein, denn wiewohl ich mich herzlich sehne, bei meinem Tod mit den heiligen Sakramenten versehen zu werden, so sehne ich mich doch noch mehr, dass der Wille Gottes in Erfüllung geht. Ich bin überzeugt, dass dies die beste Stimmung ist, heilig zu sterben!"
Mein Gott, willig nehme ich den Tod an, weil Du willst, dass ich sterbe. Ich verlange, auf die Weise zu sterben und die Todesart zu erleiden, die Dir wohlgefällig ist, und danke Dir, dass Du es so willst. Verleihe mir nur, in Deiner Gnade und Liebe zu sterben, und ich will Dich ewig preisen! Amen.
1. Machen wir uns auf und gehen wir mit den frommen Hirten zur Krippe unseres Herrn. Sieh, der Engel schildert ihn genau: Armut, Demut, Sanftmut und Geduld sind die Merkmale, woran wir ihn erkennen werden, der da kam, diese himmlischen Tugenden uns üben zu lehren. Erlöser meiner Seele, mit den hochbegnadeten Hirten sinke ich zu deinen Füßen, und bete dich als meinen Gott und Heiland an. Nicht vor Angst erbebend, sondern mit großem Vertrauen komme ich zu dir, denn was kann ich von einem liebreichen Kindlein fürchten, das über mein Elend gerührt ist, Tränen darüber vergießt, und kommt, mich davon zu erlösen.
2. Von seliger Freude, Liebe und Hoffnung ist mein Herz bei deinem Anblick durchdrungen. Denn nun verzweifle ich nicht mehr wegen meiner zahllosen Sünden. Ich hörte die Stimme des heiligen Engels, dass ein Erlöser mir geboren wurde. O Emmanuel, Weisheit Gottes, Heiland und Gesetzgeber der Welt, nach dir sehnten sich die verflossenen Jahrhunderte, zu dir blickt im Geist die fernste Zukunft, dich lieben alle heiligen Seelen. Deine Tränen sind Tränen der Barmherzigkeit, deine Krippe ist die Lehrkanzel der Weisheit, durch deine Armut wird die Welt bereichert, und dein göttliches Herz ist der Wohnsitz ewiger Liebe und wird einst als der Quell ewiger Erlösung für mich geöffnet werden.
3. Gebenedeit sei der keuscheste Leib, der dich getragen hat. O glorreiche und allerseligste Jungfrau, wahre Mutter Gottes, gepriesen seist du von allen Geschlechtern, die du uns allen den Erlöser geboren hast. In Andacht verehren wir dich als unsere wahre Mutter, da du Jesus in unserer Natur als unseren erstgeborenen Bruder uns geboren hast, und dadurch uns alle vom Tod zum Leben erweckt hast. Gestatte nicht, dass ich ewig verloren gehe, für den dein göttlicher Sohn geboren wurde, sondern erbitte mir seine wirksame Gnade, damit ich durch ihn zum ewigen Leben gelange. "Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes." (Lukas 1,42)
O Maria, unsere Mutter, sei unsere gütige Beschützerin in allen Gefahren dieses Lebens, unsere Hilfe in allen Anfechtungen, unser Trost und unsere Erquickung in allen Nöten und Schwierigkeiten. Bitte für uns, dass Jesus seine Liebe uns schenke, dass sein Geist nie von uns weiche, dass wir rein von aller Befleckung der Sünde, nach deinem heiligen Beispiel, im Herzen gläubig, im Geist demütig, im Leiden ergeben und geduldig, dem Willen unseres Gottes mit frommen Gehorsam stets unterworfen leben. Besonders aber in der Stunde unseres Todes bitte für uns. Empfehle unsere scheidende Seele deinem göttlichen Sohn. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
Um diese Zeit, wie Saussay in seinem Marterbuch meldet, ist der vom heiligen Petrus abgeschickte Bischof Pontentianus aus höherem Antrieb nach Chartres in Frankreich gekommen, und hat den Einwohnern, die von den alten Druiden eine künftige jungfräuliche Geburt vernommen hatten, die wirklich geschehene Geburt Jesu Christi aus Maria der Jungfrau verkündigt.
Der heilige Anysius wurde nach dem Tod des heiligen Ascholus auf den dortigen Stuhl erhoben. Der heilige Ambrosius von Mailand wünschte der Geistlichkeit, die ihm diese Wahl mitgeteilt hatte, Glück und erteilte in seinem Antwortschreiben dem neuen Oberhirten glänzende Lobsprüche. Auch richtete der große Kirchenvater an Anysius selber einen Brief und ermahnte ihn väterlich, in die Fußtapfen seines berühmten Vorgängers zu treten. Desgleichen gab Papst Damasus seine Hochschätzung ihm gegenüber zu erkennen, indem er ihm dieselben Vorrechte gab, wie dem heiligen Ascholus, nämlich die geistliche Gerichtsbarkeit in Ostillyrien. Anysius stand der Kirche von Thessalonich sehr lange vor und entfaltete in seiner Amtsführung einen Eifer und eine Wachsamkeit, ganz würdig eines Nachfolgers der Apostel. Er blieb in der damaligen Verwirrung stets unerschütterlich fest in seinem Glauben und dem heiligen Chrysostomus treu zugetan. Mit vierzig anderen Bischöfen war er zu Konstantinopel und half die Sache des verfolgten Patriarchen verteidigen. In derselben Angelegenheit schickte er 404 den Bischof Elysius von Apamea mit Briefen an den Papst Innocenz I. und berief sich auf den Ausspruch des römischen Stuhls, dessen Ansehen allein dem Unwesen Einhalt tun könne. Er war damals schon hoch bejahrt, man weiß aber nicht, wie lange er hierauf noch gelebt hat.
1. Betrachte die Menge der himmlischen Heerscharen, die mit dem ersten Engel sich vereinigen und den Lobgesang des Allerhöchsten mit den Worten anstimmen: "Verherrlicht ist Gott in der Höhe, und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade." (Lukas 2,14) Dies fürwahr sind die Früchte dieses gnadenreichen Festes: Gottes Ehre zu fördern, und Frieden den Menschen zu geben. Nicht allen jedoch, sondern nur jenen, die guten Willens sind, deren Wille nämlich mit dem Willen Gottes übereinstimmt. Stören wir die Ordnung dieses himmlischen Gesetzes nicht. Gott behält sich die Ehre vor, und gibt dir den Frieden. Entziehst du ihm aber die Ehre, dann nimmt er den Frieden dir hinweg.
2. Wohnt der Friede Gottes in deinem Herzen? Woher aber dein Unfriede, deine Angst? Gewiss daher, weil du Gott die Ehre entzogen, seine Gebote übertreten und die Hand nach der verbotenen Frucht ausgestreckt hast. Denn dies ist der Quell alles Unfriedens. Niemand, der Gott die Ehre raubt, wird seinen Frieden genießen. Frieden wirst du nur in dem Maße haben, als du seine Ehre suchst. Suchst du deine eigene Ehre, dann wirst du weder Ehre noch Frieden finden. Stimme in den Lobgesang der heiligen Engel ein, und lobe und verherrliche Gott mit ihnen bis an den letzten Hauch deines Lebens, damit du würdig wirst, ihn ewig zu loben.
3. Heilig ist die Beschäftigung, unseren Gott zu loben und zu verherrlichen. Dies auch ist das Ziel unseres Daseins. Und wie mächtig auch fordern seine unendliche Güte, seine unendliche Liebe und Barmherzigkeit, seine zahllosen Wohltaten uns dazu auf. Er kam vom Himmel und nahm das Gewand unserer Sterblichkeit, nicht furchtbar, sondern liebevoll uns zu erscheinen. "Er liebte uns zuerst, die wir noch Feinde waren", und er, der uns vernichten konnte, bietet uns seinen Frieden an. So lieben wir denn eine so unermessliche Liebe, preisen wir eine so unendliche Güte, und danken wir einer Barmherzigkeit, die alles Maß übersteigt. Psalm 34,2: "Ich will den Herrn allezeit preisen; immer sei sein Lob in meinem Mund."
O Maria, wie wird mein Tod beschaffen sein? Angst und Furcht befällt mich, wenn ich an die letzte Stunde meines Lebens denke, auf die das Gericht folgt. O meine liebste Mutter Maria, ich setze alle meine Hoffnung auf das Blut Jesu Christi und auf deine Vermittlung. Trösterin der Betrübten, verlasse mich nicht, tröste du mich in der großen Not, in der ich mich dann befinden werde. Ohne dich würde ich verzweifeln. Erbitte mir also, geliebte Königin, noch ehe meine Todesstunde eintrifft, einen großen Schmerz über meine Sünden, aufrichtige Besserung und Beharrlichkeit im Dienst Gottes. Amen.
Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Thomas Becket
O Gott, für Deine Kirche hat der heilige Thomas sein Leben hingegeben. Gib, dass alle, die sich um seine Fürsprache an ihn wenden, sich der Erhörung ihrer Bitte erfreuen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
Die Andacht, die der heilige Thomas von Canterbury von Kindheit an zur seligsten Mutter Gottes hatte, war ihm Zeit seines Lebens bei den vielen Verfolgungen zum Trost, und beim Tod zum Vertrauen. Daher hat er in Gegenwart der Meuchelmörder, vor dem Altar kniend, seine Seele und die Gerechten der Kirche dem Herrn, der seligsten Jungfrau, den heiligen Patronen dieses Ortes und dem heiligen Martyrer Dionysius anbefohlen. Es meldet auch seine Lebensbeschreibung, ihm sei von der seligsten Mutter aufgetragen worden, ihre himmlischen Freuden zu preisen.
In dem Heiligen des heutigen Tages tritt vertretungsweise noch einmal eine ganze Gruppe von Heiligen huldigend an die Krippe heran. Es ist die Gruppe der heiligen Priester und Bischöfe, zu denen der heilige Thomas Becket nicht als erster der Zeit nach, wohl aber als einer der ersten dem Rang und dem Ruhm nach gehört.
Als Kaufmannssohn wurde Thomas Becket kurz nach dem Jahr 1100 zu London geboren. In der Jugend war er von Leichtsinn nicht frei. Dass aber ein gesunder Kern in ihm steckte, beweist die Tatsache, dass sich dieser Mann aus dem schlichten Volk Stufe um Stufe zum Kanzler von England emporarbeitete, mit dem der König nicht wie mit einem Beamten, sondern wie mit einem Freund verkehrte. Unter Beckets sachkundiger Leitung blühten in England Handel und Gewerbe mächtig auf, Reichtum und Wohlstand mehrten sich, Kunst und Wissenschaft hatten gute Zeiten, kurzum, der englische Reichskanzler Thomas Becket war der rechte Mann am rechten Platz, und eines Tages machte ihn der König obendrein auch noch zum ersten Bischof im Land, damit er alle weltliche und alle geistliche Gewalt in seiner Hand vereinigte und rücksichtslos zum Nutzen des Königs gebrauche.
Thomas Becket sträubte sich anfangs, die Würde anzunehmen, dann aber fügte er sich, wurde zum Priester und am Tag darauf zum Bischof geweiht und war von der gleichen Stunde an ein anderer geworden, nicht mehr ein willfähriger Höfling, sondern der mutige Verteidiger der kirchlichen Rechte gegen die Übergriffe der königlichen Gewalt.
Bald brach der Kampf aus zwischen Krone und Kirche, zwischen König und Bischof, jahrelang zog er sich hin, und stets war Thomas der scheinbar Unterlegene, der vor Gericht gestellt und verurteilt wurde und außer Landes nach Frankreich flüchten musste, arm und verfemt wie ein Bettler und Verbrecher, aber unbeugsam in der Wahrung der kirchlichen Rechte, ein wirklicher Gottesstreiter.
Nur zwei Jahre hat Thomas Becket als Bischof geamtet, sechs Jahre lebte er, von dem ehemaligen Freund, dem König, überall belästigt und bedroht, als Flüchtling im Ausland, und als er schließlich den scheinheiligen Versprechungen des Fürsten erlag und nach England heimkehrte, erfüllte sich schnell sein Geschick.
Zu verschiedenen Malen hatte sich der König seiner Umgebung gegenüber im verärgerten Ton geäußert, dass es in seinem Reich einen Priester gäbe, mit dem er nicht zurechtkomme. Alle wussten, auf wen die Worte zielten, und vier von den Hofleuten taten in der Meinung, , dem König einen Dienst zu erweisen, den entsetzlichen Schwur, nicht zu ruhen, bis sie den Königsfeind, wie sie den Bischof nannten, umgebracht hätten. Gleich machten sie sich auf den Weg, das blutige Vorhaben auszuführen.
Der bedrohte Bischof befand sich gerade beim Abendgebet in der Kirche, als die Mörder, die Heiligkeit des Gotteshauses nicht achtend, auf ihn eindrangen und ihn töteten. Der letzte Schwertstreich, den man gegen den Heiligen führte, durchbohrte auf grausame Weise das Haupt des Blutzeugen, und damit war Thomas Becket im Kampf gegen den König um der kirchlichen Rechte willen restlos unterlegen.
Scheinbar war er unterlegen, denn letzten Endes siegte er über den König, der, über die Freveltat, die er nicht gewollt hatte, entsetzt und den Bann fürchtend, der Kirche alle angetasteten Rechte und Freiheiten zurückgab. Auch kündeten Wunder, die sich am Grab des Heldenbischofs ereigneten, dass er der eigentliche Sieger war, nicht der König, der sich eines Tages als Pilger im härenen Büßergewand und mit bloßen, blutenden Füßen an der Grabstätte des Martyrers einstellte, um den Schutz des Heiligen gegen den eigenen aufrührerischen Sohn zu erbitten. Selbstredend fand sein Gebet Erhörung, denn die Heiligen tragen nicht nach und vergelten gern Böses mit Gutem.
Dass aber jener König, der sich gegen die Kirche und gegen seinen Bischof auflehnte, von dem eigenen Sohn bedrängt wurde, ist wieder einmal ein Beweis mehr für die Tatsache, dass die Sünden, die man durch Auflehnung gegen Priester und Bischöfe begeht, gewöhnlich sehr genau und sehr pünktlich bestraft werden. Im Volksmund heißt es sogar, solche Sünden würden sich bis ins vierte Glied hinein rächen.
Früher: Sonntag nach dem Dreikönigstag (12. Januar)
Die Feier am Fest der Heiligen Familie bewegt sich hauptsächlich um eine kleine Bemerkung am Schluss des Evangeliums vom Festtag, wo es heißt: "Dann kehrte er mit ihnen nach Nazareth zurück und war ihnen gehorsam."
Die Stadt Nazareth, wo die Heilige Familie zu Hause war, lag gut fünfhundert Meter hoch in einer Talwiege, rundum von mäßigen Höhen umhütet. Kornfelder gab es dort und Weingärten und Obstwiesen mit Feigen-, Dattel- und Apfelbäumen. Im Ort selbst erhob sich die Synagoge und rundherum lagerten sich wie Kücklein unter den schützenden Flügeln der Henne die einzelnen Häuser, die mit ihrem weißen Kalkanstrich dem Städtchen ein sauberes Aussehen gaben.
Dort lebte der göttliche Heiland mit Maria und Josef nahezu dreißig Jahre lang. Das Haus, in dem die drei heiligen Personen wohnten, unterschied sich in keiner Weise von den Gebräuchlichkeiten der Nachbarn. Es war ein Viereck, gleich lang wie hoch, mit flachem Dach und enthielt nur ein Erdgeschoss mit zwei Zimmern, dem Wohnraum und dem Schlafraum. Reben rankten an den Hauswänden empor. Zur linken Hand draußen im Freien befand sich der Ofen, in dem das Brot gebacken wurde, und auf der rechten Seite lag der Hühnerhof. Noch weiter rechts sah man die bescheidene Schreinerwerkstatt des heiligen Josef. Einige Apfelbäume überschatteten das gesamte Anwesen. Ein schönes Fleckchen Erde war die Heimat Jesu auf jeden Fall.
Den Heiland selbst, von dem es in der Heiligen Schrift heißt, dass er der Schönste unter den Menschenkindern war, muss man sich vorstellen als kräftige schlanken jungen Mann in langem, ortsüblichem Gewand mit ausgeweiteten Ärmeln. Hüftlings wurde das Kleid mit einem Gürtel gehalten. Langes Haar umrahmte das edelgeformte Antlitz, aus dem zwei seelenvolle Augen Liebe und Güte auf alle ausstrahlten, die des göttlichen jungen Mannes Wege kreuzten, und wenn er, der von hohem, geradem Wuchs war, federnden Ganges daherschritt, konnte man meinen, er sei ein König. Tatsächlich war er auch ein König, der König aller Könige, Gottes Sohn und Gott selbst.
Der Sohn Gottes aber war als Mariens Sohn und als des Zimmermanns Lehrling und Geselle seiner Mutter und dem Pflegevater untertan. Wer gehorcht, bekennt damit, dass er unter demjenigen steht, dem er gehorcht. Wer gehorchte denn in Nazareth? In Nazareth gehorchte derjenige, der die Weisheit selbst ist, der Herr aller Dinge, dem alle Menschen Gehorsam schulden. Der gehorchte wem? Der gehorchte zwei Menschen, die ohne Zweifel große Vorzüge besaßen, deren Verstand aber mit dem seinen weniger verglichen werden kann als ein Funke mit der Sonne, Wie gehorchte er? Voll Freude, überall und stets, Diener war derjenige, durch den die Könige herrschen. Wie hehr und herrlich ist doch der Gehorsam der Kinder gegen die Eltern, weil sich der König der Könige nicht scheute, seiner Mutter und dem Pflegevater untertan zu sein! Mit heiligem Neid haben damals die anderen Mütter in Nazareth auf Maria und Josef geblickt, deren Sohn, obwohl er als Gott weit über ihnen stand, ehedem und heute noch allen Kindern das Beispiel gab, wie ein gutes Kind den Eltern folgsam sein soll.
Doch noch eine zweite Lehre gibt der junge Mann Jesus aus Nazareth. Bis zum dreißigsten Lebensjahr arbeitete er nämlich, er, der Sohn Gottes und der Erlöser der Welt, an der Hobelbank. Nicht spielend arbeitete er nach Laune und Lust, sondern ernst und beharrlich, auf Bestellung hin, im Dienst der Auftraggeber. Wie schwer mag ihm oft die Arbeit gefallen sein! Wie mögen seine Hände ausgesehen haben, diese harten, schwieligen Schreinerhände! Wieviel Schweiß wird er in der Hitze des Südens vergossen haben! So adelte der Heiland die körperliche Arbeit, und seitdem der Gottessohn schreinerte, ist Arbeit keine Schande mehr, und alle, die körperliche Arbeit verrichten, sind vom hohen Adel des Zimmermannssohns zu Nazareth.
Von der Heiligen Familie
In der Heiligen Familie haben wir ein einzigartiges Vorbild für alle Familien. Wir hören von der Hingabe des Vaters. Er ist für seine Familie zu allem bereit. Er folgt der Weisung des Engels, die allein auf das Wohl des Kindes hinzielt. Wie schwer mag Josef der Gehorsam gefallen sein! Nach Ägypten fliehen zu müssen bedeutet: du musst dein Haus verlassen und deine Arbeit beenden, du musst in die Fremde ziehen und Gefahren und Ungewissheiten aushalten. Dann der Befehl für die Heimreise. Josef tut wieder alles für das Kind. Maria und Jesus sind in seiner Sorge geborgen. Wie viele nützliche Lehren können wir aus den wenigen Handlungen ziehen, die wir vom heiligen Josef wissen. Wie fest muss sein Glaube gewesen sein, mit welchem er die Menschwerdung des göttlichen Wortes, dieses wunderbarste aller Geheimnisse, glaubte, ungeachtet dessen, was die Sinne dagegen sagen mochten! Wie arm und zufrieden lebte er als Handwerker von der Arbeit seiner Hände, obwohl er doch den König der Herrlichkeit in seinem Haus und die Mutter Gottes, die Königin der Engel, zur Gemahlin hatte. Mit einem Wort: Alles war groß an dem heiligen Josef!
Seit Jahrhunderten bitten die Menschen den heiligen Josef um eine gute Sterbestunde. Wir haben keinen Zweifel, dass er selbst in den Armen von Jesus und Maria seinen Geist aufgab. Gibt es einen schöneren Tod? Daher ruft man auch den heiligen Josef an um die Gnade eines guten Todes.
Die heilige Theresia wählte den Heiligen zum Hauptpatron ihres Ordens. Sie drückt sich folgendermaßen aus: "Ich wähle den glorwürdigen heiligen Josef zu meinem Vater, und empfehle mich ihm in allen Dingen. Ich erinnere mich nicht, je etwas durch seine Fürbitte von Gott begehrt zu haben, das ich nicht auch erhalten hätte. Ich habe noch keinen Verehrer des heiligen Josef gekannt, der nicht merkliche Fortschritte in der Tugend gemacht hätte. Seine Fürsprache bei Gott ist von wundertätiger Kraft für alle jene, die ihn mit Vertrauen anrufen."
Ein altes Gebet sollte auch das unsere werden: "Heiliger Vater Josef! ich bitte dich, stehe mir bei, wenn ich sterbe, und erlange mir die Gnade, dass Jesus und Maria mir in meinem letzten Hinscheiden zu Hilfe eilen, und meine Seele zu Sich in die ewige Wohnung aufnehmen wollen!"
Matthias Hergert
Wenn der heilige Glaube uns lehrt, dass die Sünde der Stammeltern die menschliche Natur mehr oder weniger beschädigt hat, kann es nicht wundernehmen, dass sich dies in der Urzelle des menschlichen Lebens, in der Familie, besonders stark ausgewirkt hat. Wer es unternähme, die Geschichte der Familie in den Jahrzehntausenden menschlichen Daseins zu schreiben, müsste eine recht traurige Geschichte schreiben. Traurig vor allem für die Frauen und die Kinder, weil beide oft in voller Willkür den Launen und Gelüsten des Mannes und Vaters preisgegeben waren. Erinnert sei nur an die schmachvolle Vielweiberei und die grausame Kindestötung.
Darum hat die Familie in besonderer Weise die Wiederherstellung einer gottgewollten und beglückenden Ordnung notwendig. Gottes Segen musste in reichster Fülle gerade ihr zuteilwerden. Nur wenn die Familie gesund ist, kann ein Volk gesund sein. Nur ein geheiligtes Familienleben garantiert das Blühen des Gottesreiches auf dieser Erde.
Darum dünkt es uns nicht abwegig, dass Gottes Sohn als Glied einer Familie diese Erde betreten wollte, ja die meiste Zeit seines irdischen Lebenswandels in ihrem Schoß verbracht hat. Was bedeutet die kurze Zeit seines öffentlichen Auftretens gegenüber den drei Jahrzehnten zu Nazareth! Ausdrücklich macht sogar die Heilige Schrift darauf aufmerksam, dass der zwölfjährige Jesus, als ihm nach jüdischer Auffassung Selbstständigkeit zustand und er dies durch sein eigenwilliges Verbleiben im Tempel bekundete, freiwillig wieder nach Nazareth in den Schoß der Familie zurückkehrte. Der Heiland der Welt muss also dort unendlich Wichtiges zu tun gehabt haben. So ist es. Betend, opfernd, arbeitend wollte er in der Heiligen Familie zu Nazareth die Urzelle des Menschengeschlechtes, die Familie, reinigen, entsühnen, heiligen, segnend.
Wenn es wahr ist, dass die Mutter das Herz der Familie ist, dann muss ein bedeutsamer Anteil des Opferns und Segnens des Familienkindes Jesus der Mutter zugeflossen sein, der Mutter Maria. Es lag dem Erlöser daran, sie zu einer unerreichbar feinen und unübertroffen guten Familienmutter zu gestalten. Dann konnte von der großen Fülle dieses ganz reinen und gnadenvollen Herzens einer heiligen Familie Gnade um Gnade überströmen in die Herzen christlicher Mütter, auf dass sie das rechte Herz einer gottwohlgefälligen Familie würden. So konnte Maria heranwachsen zum hellleuchtenden Vorbild aller Familienmütter. Die christliche Geschichte ist voll der Zeugnisse, wie segensreich in dieser Hinsicht das Vorbild Mariens gewirkt hat.
Sind die Herzen unserer christlichen Familien, die Mütter, durch ihren marianischen Eifer heilig und gesund, dann wird sich dies – von wenigen Ausnahmen abgesehen – auch auf den Mann und die Kinder heilsam auswirken.
Kirchengebet
Herr Jesus Christus, Du warst Maria und Josef untertan und hast das häusliche Leben durch unaussprechliche Tugenden geheiligt; lass uns unter dem Beistand der beiden durch das Vorbild Deiner Heiligen Familie unterwiesen werden und die ewige Gemeinschaft mit ihr erlangen. Amen.
Zur Geschichte des Festes: Es lässt sich nicht genau feststellen, wie weit die Verehrung der Heiligen Familie zurückreicht. Im 17. Jahrhundert ist sie bereits weit verbreitet, vor allem in Italien, in Frankreich und Belgien. Der Jesuitenmissionar P. Chaumonet gründete in Kanada in damaliger Zeit sogar Vereinigungen zu Ehren der Heiligen Familie. Papst Leo XIII. erkannte in der Verehrung der Heiligen Familie ein vorzügliches Mittel für die notwendige soziale Erneuerung, für die Rettung der christlichen Familie vor den modernen Gefahren. Die erhabene Lebensgemeinschaft dieser drei heiligsten Personen sollte allen Familien als Vorbild dienen und alle zur Nachahmung aneifern. Die im Jahr 1861 in Frankreich gegründete Vereinigung christlicher Familien erhielt die päpstliche Approbation. Als Festtag wurde der 12. Januar festgesetzt. Heute wird das Fest fast allgemein am Sonntag innerhalb der Epiphanie-Oktav gefeiert. Benedikt XV. schrieb 1921 das Fest für die ganze Kirche vor.
(„So feiert dich die Kirche“, Prof. Dr. Carl Feckes, Maria im Kranz ihrer Feste, Steyler Verlagsbuchhandlung, 1957)
1. "Christus", spricht der Apostel, ist arm geworden, damit wir reich würden." Unendlich reich war er im Schoß seines ewigen Vaters, aber seine unbeschreibliche Liebe zu uns bewog ihn, arm zu werden, uns zu bereichern. Nur er konnte durch seine Armut uns bereichern, so wie auch nur er durch seinen Tod uns beleben und durch seine Erniedrigungen erheben konnte. Durch seine Armut entriss er unserem Herzen die Liebe zu vergänglichen Dingen dieser Erde, befreite uns von der Unruhe, die diese Liebe nach sich zieht, heilte uns von der Hoffart, die von dieser Liebe unzertrennlich ist, und wandelte sie in eine Liebe der unsterblichen, unwandelbaren Güter der Ewigkeit um.
2. Wäre Jesus im Glanz irdischen Reichtums zur Welt gekommen, er hätte dieses Wunder nimmermehr bewirkt. Wir wären, gleich den Heiden, Sklaven unserer Gier geblieben, Irdisches zu suchen und zu sammeln, bei unserem Tod aber, nach dem Ausdruck der Schrift, trotz unserer Schätze, mit leeren Händen fortgewandert. Sein Beispiel aber zeigte uns, dass diese Gier die Seele erniedrigt und in Güter einengt, die ihrer unwürdig sind. Und Jesus lehrte uns, dass Reichtümer Dornen sind, die durch ihre Sorgen das Herz zerreißen. Er verdrängte den Stolz, wodurch der Reiche den Armen verachtet, und erhob unsere Seelen zum himmlischen Vaterland, wo unser wahrhafter Schatz besteht.
3. Wie fruchtbar, Herr, wie glorreich ist deine Armut. Der selige Frieden, den sie verleiht, ist jener hundertfältige Ersatz, den du denjenigen verheißt, die um deinetwillen alles verlassen. Denn der himmlische Trost, den du in ein Herz ergießt, das leer an allen Begierden nach vergänglichem Reichtum ist, wiegt alles Gold und alle Schätze dieser Welt hundertmal auf. Fern von aller Angst und Unruhe ist bei seinem Ende das Herz desjenigen, der um deinetwillen arm wurde. Indes oft der Reiche, der im Palast und auf dem Purpur stirbt, wahrhaft arm und elend ist, da er alles in der Zeit verliert, und nichts in die Ewigkeit mitbringt. Also geht der Ausspruch deiner heiligsten Mutter in Erfüllung: "Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen." (Lukas 1,53)
Durch das allerheiligste Blut, das dein Sohn, unser Herr Jesus Christus, für uns am Kreuz vergossen hat, bitte ich dich, o gütigste Mutter, du wollest mir in allen Anliegen mütterlich beistehen und mir von Gott die Gnade erlangen, dass ich mir in allen Gedanken, Worten und Werken und so viel mir möglich auch bei anderen nichts erlaube, was deinem göttlichen Sohn und dir missfallen könnte, damit ich gewürdigt werde, mit dir dereinst in der Ewigkeit zu schauen und anzubeten die allerheiligste Dreifaltigkeit, Gott den Vater und den Sohn und den Heiligen Geist. Amen.
Gruß an die heiligen Unschuldigen Kinder
Seid gegrüßt, Blumen der Märtyrer!
Die, wie Rosen der Sturm zerknickt,
Noch an dem Morgen des Lebens
Der Feind des Heilands abgepflückt.
Ihr, des Herrn lieblichsten Erstlinge!
Der Geschlachteten erste Schar!
Ihr spielt mit Palmen und Kränzen
Unschuldig noch um sein Altar.
Lob sei dir, Vater, und heil`ger Geist!
Lob sei, gütiger Jesus, dir,
Den uns die Jungfrau geboren,
Durch alle Zeiten für und für.
Zu Gott
O Gott, dessen Lob die unschuldigen Märtyrer nicht mit ihrem Mund, sondern durch ihren Tod verkündet haben, töte in uns alle sündhaften Begierden, damit der Glaube an Dich, den wir mit dem Mund bekennen, durch unseren tugendhaften Lebenswandel sichtbar werde, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
Der an diesem Tag im Jahr 1622 selig verstorbene heilige Franziskus von Sales hat den andächtigen Gebrauch, täglich zur Ehre der seligsten Jungfrau den Rosenkranz zu beten, 40 Jahre hindurch beobachtet, und ihrer Fürbitte zugeschrieben, dass er von den großen Ängstlichkeiten wegen seiner Gnadenwahl, die ihn lange quälte, befreit worden ist.
Der Krippe zunächst steht der heilige Stephanus als Vertreter jener, die großmütig und hochherzig Gut und Blut für Christus in den Martertod dahingaben. Sankt Johannes schließt sich an, ein ehrwürdiger Greis, der an der Krippe jene unübersehbare Schar von heiligen Menschen vertritt, die durch ein gottgefälliges Leben dem Heiland in Treue dienten. Doch an der Krippe des göttlichen Kindes und Kinderfreundes dürfen auch die Kinder nicht fehlen, und deshalb ist heute zu Ehren aller Kinder der Kindertag, an dem unter Anführung der Unschuldigen Kinder von Betlehem alle Kinder auf der weiten Welt im Geist zur Krippe gehen und dem Christkind liebend und dankend ihr Herz schenken.
Aus der Biblischen Geschichte erinnern wir uns, dass der gottlose Herodes den drei Weisen aus dem Morgenland, als er sie nach Betlehem schickte, den Auftrag gab, nach dem neugeborenen König der Juden zu forschen und ihm Meldung zu machen, damit auch er hingehe und das Kind anbete. Das war, wie wir wissen, Lug und Trug, und deshalb zogen die heiligen Männer, in einem Traum gewarnt, auf einem anderen Weg in ihr Land zurück.
Nachdem die Weisen fortgegangen waren, erschien ein Engel dem Joseph im Traum und sprach: „Steh auf, nimm dein Kind und seine Mutter und fliehe nach Ägypten.
Als Herodes merkte, dass er von den Weisen hintergangen war, geriet er in heftigen Zorn, Er ließ in Betlehem und in der ganzen Umgegend alle kleinen Jungen ermorden, die zwei Jahre und darunter alt waren. Da entstand großes Wehklagen, und die Mütter wollten sich nicht trösten lassen.
So lautet in der Biblischen Geschichte der Bericht über die Unschuldigen Kinder von Betlehem. Wie viele Kinder damals zum Leid, aber auch zur höchsten Ehre ihrer Mütter getötet wurden, ist nirgendwo aufgeschrieben, es mögen vielleicht zwanzig oder dreißig gewesen sein, die, kaum zum irdischen Leben geboren, im eigenen Blut getauft wurden und als die Erstlinge der Martyrer in das ewige Leben mit seinen Freuden ohne Ende eingehen durften.
Auf den Abhängen der Alpenberge schmilzt der Schnee zum Teil erst im Hochsommer, wenn die Sonne ihre größte Wärme ausstrahlt, und dann kann man es erleben, dass gleich neben dem Schnee, noch in der Schneeschmelze, stark und kräftig Alpenblumen blühen.
So ähnlich verhält es sich mit dem Fest der Unschuldigen Kinder. Viertausend Jahre lang war es auf der Erde winteröde, kalt und dunkel gewesen, bis in der Heiligen Nacht das Licht erschien und in die Finsternis leuchtete, und kaum leuchtete und wärmte das Licht, als sich auch schon, noch in der Winterkälte des Unglaubens und im Froststurm der allerersten Christenverfolgung, Blumenknospen, stark und kräftig, zu Betlehem dem neuen Licht und der weihnachtlichen Wärme erschlossen, um als die Blüten der Blutzeugen die Krippe des Christkinds zu schmücken.
Doch damit nicht genug, denn mit den Unschuldigen Kindern zu Betlehem hat auf Erden ein Frühling der Herzen begonnen, der nie mehr enden wird, solange die Welt steht. Wo immer nämlich auf dem weiten Erdenrund Kinder sind, die das Jesuskind dadurch liebhaben, dass sie ihm zulieb brav und gut und fromm und folgsam und friedfertig sind, da blühen Blumen an der Krippe ohne Zahl, voll Duft und Schmelz, fein und zart. Solche Kinder sind wie ein großer, schöner Blumengarten, der dem Christkind zur Ehre und zur Freude rings um die Krippe zu Betlehem blüht.
Als Herodes, der falsche Mann,
Den bösen Willen gewann,
Den neuen König zu töten,
Entrann dieser den Nöten
Nach Ägypten. Ganz vergebens
Beraubte der Tyrann des Lebens
So viele Kinder an seiner Statt,
Des Blutvergießens nimmer satt.
O weh des Leides groß und schwer!
Wie viele Martyrer jung und hehr
Wurden da erschlagen!
Wie hörte man da klagen
Die Mütter, denen man aus den Armen
Die Kinder riss ohne Erbarmen
Und ihrer keiner schonte!
Gott aber selber lohnte
Ein Teil dem Könige Herode;
Denn auch ihm ward zu Tode
Seiner Söhne einer erschlagen,
Den die Amme sollte tragen,
Mit dem sie war dahin gekommen;
Er ward ihr von der Hand genommen
Und getötet den anderen gleich,
Mit denen er fuhr ins Himmelreich.
Gott grüß euch, Märtyrerblümelein,
Ihr lieben holden Kinderlein!
Ihr seid das erste Opfer zart,
Das Gott im Kampf geopfert ward
In Unschuld und in Reinigkeit;
Drum freut ihr euch in Ewigkeit
Und spielt um Gottes hohen Thron
Mit Palmenzweig und Siegeskron`.
(Aus: "Goldene Legende der Heiligen"
von Joachim und Anna bis auf Constantin den Großen
1. Betrachte die schlichten Hirten, die über ihre Herde wachen, und mitten in der Nacht plötzlich einen Engel in himmlischer Klarheit vor sich sehen. Angst und Schrecken überfällt sie bei diesem Anblick. Aber da heute, durch den göttlichen Mittler, die Engel mit den Menschen verschwistert werden, tröstet er sie alsbald liebevoll und spricht: "Fürchtet euch nicht, denn ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird." Wie wunderbar sind Gottes Ratschlüsse! Keinem Großen, keinem Reichen, keinem Gelehrten dieser Welt: armen, einfachen, ungebildeten Hirten offenbart er die erhabensten Geheimnisse. Er verachtet die Stolzen und erwählt die Demütigen. Sei also demütig und der Herr wird seinen Auserwählten dich beizählen.
2. Die Freude, die der Engel Gottes verkündigt, ist die Geburt unseres göttlichen Erlösers. Was auch kann den Gefangenen lieblicher erfreuen, als dass ein Erlöser ihn befreien, was den unheilbar Kranken, als dass ein allmächtiger Arzt ihn heilen, was den zum Tod verurteilten Verbrecher, als dass das Leben ihm geschenkt wird. Sei gebenedeit, geliebter göttlicher Erlöser, der du kamst, uns zu befreien, zu heilen, und von der ewigen Verdammnis zu erretten. Es ist aber diese Erscheinung nicht ohne Geheimnis, denn diese Hirten stellen die Hirten der Kirche vor, die die Herde Jesu Christi weiden, und denen Gott zuerst die Geheimnisse des Heils offenbart, damit sie ihre Schafe darüber belehren.
3. So erfreue dich denn mit diesen frommen Hirten, denn auch dir wurde dieser Erlöser geboren. Denn wurde er auch nur einmal aus der Jungfrau geboren, so wird er doch täglich unsichtbar durch die Gnade in den Herzen geboren, zumal in dieser heiligen Zeit, und bringt darin die nämlichen Wirkungen hervor, wie bei seiner ersten gnadenreichen Geburt, da er von der Tyrannei der Sünde uns erlöst, das Leben der Gnade uns mitteilt, und uns himmlische Freude und Frieden verleiht. Titus 2,11-12: "Denn die Gnade Gottes ist erschienen, um alle Menschen zu retten. Sie erzieht uns dazu, uns von der Gottlosigkeit und den irdischen Begierden loszusagen und besonnen, gerecht und fromm in dieser Welt zu leben."
O Gott, der Du diejenigen verherrlichst, die Dich verherrlichen und in der Ehre Deiner Heiligen selber geehrt wirst: lass die Strahlen Deiner Gnade auf Deine Kirche fallen, damit sie durch die Lehren Deines heiligen Apostels und Evangelisten Johannes erleuchtet zu den ewigen Gütern gelange. Durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
Der heilige Johannes hat an der Andacht zur seligsten Jungfrau einen ganz besonderen Anteil, weil sie ihm als eine Mutter vom göttlichen Heiland am Kreuz empfohlen, und bei seinem Tod, wie durch ein Testament, als das Kostbarste, das er auf der Erde hatte, überlassen worden ist. Daher kam es, dass die seligste Jungfrau in Gesellschaft des heiligen Johannes verschiedenen Heiligen erschien. Wie in ihrem Leben zu lesen ist, wurde diese Gnade zuteil: dem heiligen Gregor dem Wundertäter, nach dem Zeugnis des heiligen Gregor von Nyssa dem heiligen Hermann Joseph, dem heiligen Petrus Cölestin, der seligen Ida von Löwen, dem heiligen Petrus von Alcantara usw. So hat auch der selige Robert von Aubrisselle zur Ehre der seligsten Jungfrau und des heiligen Johannes des Evangelisten einen Orden von Klosterfrauen und Ordensmännern im Jahr 1117 errichtet.
Weil niemand eine größere Liebe hat, als wer sein Blut für seinen Freund vergießt, deshalb hat der Erzmartyrer Stephanus die hohe Ehre, dass sein gestriges Fest gleichsam eins ist mit dem Weihnachtsfest. Dann aber zündet die Kirche heute die zweite Apostelkerze bei der Krippe an – die erste war Sankt Thomas am 21. Dezember – und feiert das Gedächtnis jenes Mannes, der von allen Männern hier auf Erde dem Herzen des Heilandes am nächsten standen. Es ist der heilige Apostel und Evangelist Johannes.
Wenn einer, so verdiente Johannes den erhabenen Vorzug, der Lieblingsjünger des Heilandes zu sein. Nicht deswegen verdiente er ihn, weil er unter den Jüngern der jüngste, sondern weil er, das darf man wohl sagen, der hingebendste von den anderen war.
Wie in allen edlen Israeliten zu jener Zeit, so brannte auch in dem Fischersohn Johannes die Sehnsucht nach dem verheißenen Messias, den das Volk in heißen Gebeten erflehte und den die Bauern und Hirten in wehmutsvollen Liedern besangen. Als der Vorläufer erschien und das Nahen des neuen Reiches kündete, wurde der junge Fischer vom See Genezareth einer seiner ersten Anhänger.
Doch Johannes der Täufer war nicht das Licht, das in die Welt kommen sollte, er sollte nur Zeugnis geben von dem Licht, und das Zeugnis gab er damals, als er eines Tages seine treuen Jünger Andreas und Johannes an den Heiland verwies. Vom Jordan her folgten die zwei dem Herrn, der gerade vorüberging, und da wurde beiden eine der größten Gnaden zuteil, die es für einen Menschen gibt, die Berufung zum Apostelamt. So tief und beseligend hat der zwanzigjährige junge Mann Johannes das Glück dieser Begnadigung erfasst und erfüllt, dass er sich fünfundsiebzig Jahre später, als er sein Evangelium schrieb, noch genau erinnerte, dass es um die zehnte Stunde gewesen war.
Mit ganzem Herzen schloss sich Johannes dem Meister an, dem zulieb er in rückhaltloser Hingabe alles verließ, und der Heiland seinerseits belohnte die Treue des Jüngers dadurch, dass er ihn offensichtlich bevorzugte. Mit Petrus und Jakobus durfte Johannes bei der Verklärung auf Tabor, bei der Totenerweckung der Tochter des Jairus und im Garten Getsemani zugegen sein. Er wurde mit Petrus vom Herrn ausgesandt, um das Ostermahl vorzubereiten, und dann kam die beseligende Stunde, da er während des Mahles an Jesu Brust und Herz ruhen durfte. Nie hat es auf Erden einen Vorzug gegeben, der größer ist als dieser, dass Johannes der Herzbruder des lieben Heilandes war.
Johannes hinwieder bewährte gleich darauf dem Heiland die Freundestreue, denn als alle anderen Apostel bei der Gefangennahme Jesu flohen, folgte er ihm mutig von fern in das Haus des Annas, und dann begleitete er die Mutter Jesu tröstend auf dem harten Weg nach Golgatha und stand als einziger von den Aposteln unerschrocken drei Stunden lang unter dem Kreuz.
Treu war also Johannes dem Meister bis zuletzt, und diese letzte Treue hat der Herr ihm aufs herrlichste belohnt, denn unter dem Kreuz hat er dem Lieblingsjünger seine Mutter geschenkt. Wie unermesslich reich war doch dieses Erbe! Glücklicher Jünger, dem der Meister seine Mutter schenkte!
Auch nach der Himmelfahrt des Heilandes hat Johannes die Treue hochgehalten, nicht nur dadurch, dass er liebend und ehrend für die Mutter Gottes gesorgt hat, wie nur ein Sohn für die Mutter sorgen kann, sondern auch dadurch, dass er in dem Evangelium, das er schrieb, alle Reden und Aussprüche Jesu aufs getreueste festgehalten hat, und bei jeder Gelegenheit betonte er sein Leben lang das große Vermächtnis seines Herzbruders, das Hauptgebot der Liebe, bis er als Greis von fünfundneunzig Jahren noch unter dem letzten Atemzug die Christen ermahnte und anflehte: „Kindlein, liebet einander! Liebet einander! Liebet einander!“
Beim heiligen Johannes zeigt sich wieder einmal deutlich, dass es vor allem die Treue ist, die dem lieben Heiland am meisten gefällt und für die er am dankbarsten ist. Die Treue hat den heiligen Johannes zum Herzbruder des Heilandes gemacht. Das wollen wir uns also gut merken, dass man durch die Treue zum Herzbruder des Heilandes wird. Doch auch deswegen muss uns der heilige Johannes überaus teuer sein, weil er so gut für die liebe Mutter Gottes gesorgt hat.
1. Gleich ihrem göttlichen Stifter wurde seine heilige Kirche schon in ihrem ersten Entstehen zu einem Zeichen des Widerspruchs aufgestellt. Die ergrimmte Synagoge wütete gegen sie, und gierte, sie im Keim zu ersticken. Aber die allmächtige Kraft Christi siegte glorreich in seinen Bekennern. Vom Feuer des lebendigsten Glaubens durchdrungen, und durch die ihm innenwohnende Gnade des Heiligen Geistes gleich einem Engel Gottes leuchtend, beschämte Stephanus durch die Kraft seiner siegreichen Rede den ganzen Hohen Rat der gottesmörderischen Juden, ohne vor dem gewissen Tod zu erschrecken. Wie verteidigst du den Glauben Jesu Christi gegen seine Feinde? Zitterst du aber vor ihrem Unwillen: was würde erst geschehen, wenn du vor Tyrannen stündest?
2. Großmütig besiegelte der von heiligem Eifer glühende Bekenner durch seinen Tod die heilige Lehre. Niemand vor ihm hatte die Marter erlitten. Er hatte kein Beispiel vor sich, das ihn ermutigte. Vielmehr ermutigte er selbst durch die Kraft und das Licht seiner Liebe die Jünger Jesu, nach seinem Beispiel ihr Blut für ihn zu vergießen. Er wusste, wem er geglaubt hatte, "er sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen", und sehnte sich in seliger Freude durch die Pforte der Marter in diese Herrlichkeit einzugehen. O wären wir von diesem Glauben, von dieser Liebe durchdrungen: wie leicht, wie lieblich würden alle Trübsale uns werden.
3. Wunderbar auch leuchtete die Feindesliebe in diesem glorreichen Erzmärtyrer. Weit schmerzlicher, als sein Tod, fiel ihm der verbrecherische Unglaube seiner grausamen Feinde. Mitten unter einem Hagel von Steinen, womit sie ihn zu Tode warfen, betete er für sie zum Herrn, und die Bekehrung des Saulus war eine Frucht seines Gebetes. Wie schwer verdammt diese hochsinnige Liebe die kleinliche Feigheit unseres Herzens, die wir uns so große Gewalt antun müssen, eine geringe Beleidigung zu verzeihen. O Herr Jesus, nimm diesen so lieblosen, so unversöhnlichen Sinn von uns, und gib uns den Geist, der deine Heiligen beseelte. Matthäus 5,44b-45a: "Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet."
Allerkeuscheste Jungfrau Maria, wie viele Seelen sind um dieser Sünde willen in der Hölle. Bewirke, o meine Königin, dass ich in der Versuchung immer zu dir meine Zuflucht nehme, und dich anrufe und bitte: Maria, Maria, steh mir bei! Amen.
Meine liebste Mutter Maria, du hattest Recht, da du sagtest, dass alle deine Freude in Gott sei: Mein Geist frohlockt in Gott, meinem Heiland; denn hier auf Erden wünschtest und liebtest du kein anderes Gut als Gott. Ziehe mich zu dir, o meine Königin, mache, dass ich der Welt absterbe. Ziehe mich zu dir, damit ich nur den liebe, der allein geliebt zu werden verdient. Amen.
Meine geliebte Königin und Mutter meines Gottes, bitte Jesus für uns und erlange uns um deines Gehorsams willen die Gnade, dass wir den Willen Gottes und die Vorschriften der geistlichen Führer genau befolgen. Amen.
Zu Gott
Wir bitten Dich, o Gott, gib uns, dass wir den, den wir verehren, auch nachahmen, damit wir unsere Feinde lieben lernen, wie sie der heilige Stephan geliebt, und für sie zu Deinem Sohn gebetet hat, der mit Dir lebt und regiert, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
Der heutige Tag wurde bei den Griechen, Syriern und anderen christlichen Völkern zur Ehre der seligsten Jungfrau, teils der Versammlungen wegen, die die Griechen zu ihrer Ehre halten, teils des dankbaren Andenkens ihrer freudenreichen Niederkunft wegen, hochfeierlich seit alten Zeiten gefeiert.
Heute und an den folgenden Tagen stellen sich die verschiedenen Gruppen der Heiligen in je einem bevorzugten Vertreter huldigend bei der Krippe ein. Dass unter diesen Gruppen die Martyrer den ehrenvollen Vortritt haben, ist nicht mehr als recht, denn sie gaben das Letzte für Christus hin, Leib und Leben. Ihr Fahnenträger ist, wiederum sehr einleuchtend, der erste Blutzeuge überhaupt, der heilige Erzmartyrer Stephanus.
Manche Leute stellen sich unter den Martyrern sanfte Lämmer vor, die sich mit Lammsgeduld abschlachten lassen. Nein, mit einer solchen Ansicht tut man den Blutzeugen Unrecht, denn gerade sie ragen durch hohen Mut über andere empor, wie mächtige Eichen über dem Gestrüpp des Kleinholzes. Gleich der erste aller Blutzeugen war solch eine Eiche.
Es ist anzunehmen, dass Stephanus zu jenen gehörte, die sich am Pfingstfest zu Christus bekehrten. Die Heilige Schrift berichtet dann von ihm, dass er einer von den sieben Diakonen war, welche die Apostel geweiht hatten, damit sie den christlichen Liebesdienst an den Armen und Kranken, an Witwen und Waisen ausüben sollten.
Das tat Stephanus, aber er tat noch mehr. Alle Tage machte er sich an andere heran und versuchte jedermann zu Christus zu bekehren. Warm und überzeugend sprach er auf die Leute ein, und seine Worte wurden von Gott durch Wunder gesegnet. So konnte es nicht ausbleiben, dass sich die Zahl der Anhänger Jesu in Jerusalem andauernd vermehrte. Von allen, welche in jenen Tagen die frohe Botschaft verkündeten, war Stephanus wohl der erfolgreichste. Freimütig und ohne Furcht wagte er sich offen sogar an ausgesprochene Gegner heran und machte sie aus Feinden zu Freunden Christi.
Die Hohenpriester und Schriftgelehrten, die eben erst vor drei Monaten den Heiland gekreuzigt hatten und deswegen glaubten, ruhig sein zu dürfen, sahen sich aufs neue beunruhigt, und um die drohende Gefahr im Keim zu ersticken, beschlossen sie einhellig, schnell und gründlich gegen Stephanus nach dem gleiche Rezept vorzugehen, wie es sich beim Heiland bewährt hatte: Volksaufwiegelung, falsche Anklagen, bestochene Zeugen, parteiische Richter, vorgefasstes Todesurteil mit sofortiger Vollstreckung.
So hatte man es beim Heiland gemacht. Warum also nicht auch bei Stephanus? Wieder klappte alles vorzüglich wie am Schnürchen. Nur mit dem Freimut des Angeklagten hatten die Ankläger nicht gerechnet, denn während der Gerichtsverhandlung erhob sich Stephanus und redete kühn und mutig. Nicht, dass er sich verteidigte. Was lag ihm am Leben? Helden von seiner Art haben das Leben noch stets als das Geringere angesehen. Ihnen kommt es zuallererst auf das Recht an.
So war es bei Stephanus. Den gewaltsamen Tod sicher vor Augen, hielt der christliche Held mit erhebendem Freimut den Hohenpriestern und Schriftgelehrten ihr Unrecht vor. Unbelehrbarkeit, Halsstarrigkeit, Gesetzesheuchelei, Prophetenmord, Verrat, so sauste es wie ein Hagel über die geduckten Häupter nieder. Hellauf brannte der Gerichtssaal in den Pfingstgluten des Heiligen Geistes.
Dann kam es, wie es kommen musste. Alle erhoben ein wüstes Geschrei, stürzten sich auf Stephanus, trieben ihn zur Stadt hinaus und steinigten ihn. Doch derjenige, der den Mut hatte, offen nach seiner Überzeugung zu reden, besaß auch den noch weit höheren Mut, starkmütig für den Glauben zu sterben.
Freimut zierte den heiligen Stephanus mit echter Männlichkeit, Starkmut gab ihm das Gepräge einer glänzenden Treue zum Heiland, und eine herrliche Großmut krönte ihn schließlich zum Heiligen, denn nach dem Vorbild Christi betete er sterbend für seine Feinde: „Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an!“ Wo das letzte Wort eines Sterbenden ein Segen und ein Gebet ist für diejenigen, die ihn töten, da stirbt ein großer Christ und ein Heiliger. Sankt Stephanus war ein Heiliger, und wohl ist er der Ehre wert, dass er, der Erzmartyrer, als Fahnenträger aller Martyrer gleich neben der Krippe zu Betlehem gefeiert wird.
Solch ein freimütiger, starkmütiger und großmütiger Held, wie der heilige Stephanus es war, muss jeder Christ sein. Jedenfalls ist es mit einer schönen Krippe und einigen stimmungsvollen Weihnachtsliedern nicht getan. Erst durch die Bewährung in der Gefahr und durch die Treue bis in den Tod wird man ein Vollchrist.