Der heilige David war ein Sohn Xantus, des Fürsten von Ceretica, jetzt Cardiganshire. Er erhielt eine sehr gute und besonders christliche Erziehung, die auf sein ganzes künftiges Leben Einfluss hatte. Nachdem er zum Priester geweiht worden war, zog er sich auf die Insel Wigth zurück, wo er unter der Leitung des frommen und gelehrten Paulin lebte, der ein Schüler des heiligen German von Auxerre war. – Man sagt, Gott habe die ausgezeichneten Tugenden Davids durch die Wundergabe verherrlicht, und dieser habe durch das heilige Kreuzzeichen seinem Lehrer, das, sei es durch sein hohes Alter, oder durch die häufigen beim Gebet vergossenen Tränen, verlorene Augenlicht wiedergegeben. Als er sich vollkommen zum Dienst des Herrn vorbereitet hatte, verließ er die Einsamkeit, und trat, wie ein anderer Johannes, hervor, um den Briten das Wort des ewigen Lebens zu predigen. Zu Glastenbury, einem Ort, den die ersten Apostel Großbritanniens der Verehrung des wahren Gottes geweiht hatten, erbaute er eine Kapelle. Er stiftete auch zwölf Klöster, von denen das bedeutendste im Tal Roß, bei Menew, lag. Aus diesem Kloster gingen viele Heilige hervor, von denen mehrere in der Kirche als erste Hirten glänzten. Es wird oft vom Kloster Roß gesprochen in den Akten mehrerer inländischer Heiligen, unter dem Namen Rosnat oder Rosnan.
Die Regel, die David seinen Mönchen gab, war sehr streng. Sie verrichteten beständige Handarbeit im Geist der Buße, ohne jemals die zur Arbeit bestimmten Tiere zu gebrauchen, und dies zwar, damit ihre Arbeit desto mühsamer wäre. Nur die Notwendigkeit konnte sie bewegen, das Stillschweigen zu brechen. Ein ununterbrochenes, wenigstens inneres Gebet, heiligte alle ihre äußerlichen Handlungen. Gegen Ende des Tages kehrten sie in das Kloster zurück, um dem Lesen und mündlichen Gebet sich zu widmen. Brot und Wurzeln, die bloß mit Salz zubereitet waren, machte ihre ganze Nahrung auf. Und sie hatten keinen anderen Trank, als Wasser mit etwas Milch vermischt. Nach ihrem Mahl brachten sie drei Stunden im Gebet zu. Dann erholten sie sich durch einen kurzen Schlaf. Mit dem ersten Hahnenschrei erhoben sie sich aber wieder von ihrer Lagerstätte, und beteten bis zur Arbeit. Sie trugen eine grobe aus Tierhäuten gefertigte Kleidung. Wenn einer um Aufnahme in das Kloster ansuchte, musste er zehn Tage an der Pforte bleiben, und während dieser Zeit prüfte man ihn durch raue Worte, wiederholte Weigerungen, mühsame Arbeiten, ob er sich daran gewöhnen könne, sich selbst abzusterben. Wenn er nun diese Prüfung mit Standhaftigkeit und Demut bestand, wurde er in das Haus aufgenommen. Seine Güter musste er in der Welt zurücklassen, weil die Ordensregel verbot, etwas für die Aufnahme irgendeines Gliedes anzunehmen. Alle Brüder waren verpflichtet, ihr Inneres dem Abt zu offenbaren, und ihm sogar ihre Gedanken und geheimsten Versuchungen zu berichten.
Da sich die pelagianische Irrlehre zum zweiten Mal wieder in England gezeigt hatte, versammelten sich die 519 Bischöfe zu Brevy in Cardiganshire. Der heilige David wurde auch eingeladen, der Synode beizuwohnen. Er erschien dabei mit Glanz, und beschämte die Ketzer durch die mächtige Kraft seines Wissens, seiner Beredsamkeit und seiner Wunder. (In der Folge erbaute man eine Kirche an der Stelle, wo das Konzil gehalten worden ist, und nannte sie Llan-Devi-Brevy, d.h. Davids-Kirche bei dem Fluss Brevy.) Der heilige Dubricius, der Erzbischof von Caerleon, benützte diese Gelegenheit, um ihm die Leitung seiner Kirche abzutreten. David, bestürzt über den ihm gemachten Antrag, zerfloss in Tränen, und beteuerte, dass er nie eine solche Bürde, die seine Kräfte so weit übersteige, auf sich nehmen werde. Umsonst brachte man die dringendsten Gründe vor, um ihn zu bewegen. Aber nie hätte er sich dazu bereiterklärt, wenn die Väter der Versammlung ihm nicht ausdrücklich befohlen hätten, sich der Wahl des heiligen Dubricius zu fügen. Man bewilligte ihm jedoch die Verlegung des Sitzes aus Caerleon, einer damals wenig bevölkerten Stadt, nach Menew, jetzt St. David genannt, einem stillen und einsamen Ort. Kurze Zeit darauf versammelte er eine Synode zu Victoria, wo die Akten der vorigen Synode bestätigt wurden.
Man verfasste da auch mehrere Kanonen in Betreff der Kirchenzucht, denen Rom in der Folge das Siegel der Genehmigung aufdrückte. Diesen zwei Synoden hatten die Kirchen von Großbritannien ihre Vorschriften und ihre Verwaltungsform zu verdanken. Unterdessen wuchs mit jedem Tag der Ruf unseres Heiligen. Er war die Zierde und das Muster der Hirten seiner Kirche. Die Gabe des Wortes besaß er in einem vorzüglichen Grad. Allein seine Beredsamkeit konnte bei weitem nicht die Wirkungen hervorbringen, die auf sein Beispiel von selbst folgten. Zu jeder Zeit wurde er als eines der glänzendsten Lichter der englischen Kirche angesehen. Durch die Stiftung seiner verschiedenen Klöster wurde er der geistliche Vater vieler Heiligen, die ihr Vaterland erleuchteten. Endlich starb er nach einem langen und tätigen Wirken in dem heiligen Hirtenamt um das Jahr 544 oder später in einem sehr hohen Alter. Der heilige Kentigern sah von Engeln seine Seele in den Himmel tragen. Sein Leib wurde in der Kirche zum heiligen Andreas beigesetzt, die später mit der Stadt und Diözese Menew (Menevia) den Namen des heiligen David angenommen hat. Neben dieser Kirche stehen mehrere Kapellen, wo ehehin das andächtige Volk zahlreich hinströmte. Die prachtvollste ist die der heiligen Nun, der Mutter unseres Heiligen. Eine andere führt den Namen zum heiligen Lily, Gwas-Dewy genannt, d.h. Mann des heiligen Davids, weil er einer seiner liebsten Schüler war. Er wird daselbst am dritten und die heilige Nun am zehnten März verehrt. Sie hatte mehrere Frauen, die ein zurückgezogenes Leben führten, zur Vollkommenheit gebildet. Vor langer Zeit feierten die Südwalliser die drei ersten Tage des Monats März zur Ehre des heiligen David, der heiligen Nun und des heiligen Lily. Heutzutage feiert man nur noch den ersten im ganzen Fürstentum Wallis. Im Jahr 962 brachte man die Überreste unseres Heiligen mit einem Teil der des heiligen Stephanus, des ersten Märtyrers, nach Glastenbury.
Ohne das lebhafte Verlangen, für Gott zu leben, und seine unendlichen Vollkommenheiten zu preisen, kann man ihn nicht wahrhaft lieben. Die Seele findet in diesen Übungen eine unaussprechliche Wonne. Sie kostet da, wie wunderbar der Herr für die ist, die ihm mit Treue dienen. Sie seufzt nach dem glücklichen Augenblick, wo nichts mehr imstande sein wird, die Glut ihrer heiligen Entzückungen zu hindern. Dadurch nährt und stärkt sie ihre guten Regungen, und zieht die Fülle der Gnaden über sich herab. Der heilige David hatte dies sowohl in der Einsamkeit, als in Mitte seiner bischöflichen Amtsverrichtungen erfahren. Wir lesen in den Lehren des heiligen Stephanus von Grandmont, dass, da einer seiner Schüler ihn gefragt hatte, warum die Lehrer der Gottseligkeit so oft ermahnen, Gott zu loben und zu preisen, da doch bei seiner Unendlichkeit die Huldigungen seiner Geschöpfe ihm keinen Zuwachs der Ehre und Herrlichkeit geben können, ihm dieser Heilige die Antwort gegeben habe: „Die Schrift befiehlt uns nichts, als was auf unser Heil Bezug hat. Wenn sie daher sagt: Lobet Gott, preiset den Herrn, so ist dies nur zum Vorteil und Besten des Menschen, weil er allein allen Nutzen daraus ziehen soll, den diese Pflichten hervorbringen können, die er gegenüber Gott zu erfüllen schuldig ist. Denn so oft ein Mensch mit reinem Herzen, und durchdrungen von den Gefühlen einer wahren Andacht, spricht: gesegnet sei der Herr, gepriesen sei Gott, antwortet ihm der Herr sogleich: Sie sind für dich, die Segnungen und Lobpreisungen, die du mir spendest. Diese Wahrheit wird man leicht erfassen, wenn man bedenkt, dass der Mensch Gott nicht segnen könnte, wofern ihn nicht Gott zuerst segnete, und ihm mit seiner Gnade zuvorkäme. Hieraus folgt nun, dass, da jede Segnung von Gott, als der einzigen Quelle des Segens, komme, der Mensch sie nur nach Empfang wieder zurückgibt, so zwar, dass, wenn er beständig Gott lobpreist und segnet, er die göttlichen Segnungen in reichlicherer Fülle auf sich herabzieht, die eben so viele neue Zuwächse der Liebe in seiner Seele sind.“
Aus „Tiere unterm Regenbogen“, von Aloysius Roche, Berlin 1954:
Wie die Bienen nach Irland kamen
Von Zeit zu Zeit berichten die Zeitungen erstaunliche Leistungen von Katzen und Hunden, die weite Strecken zurückgelegt haben, um wieder in ihre Heimat zurückzugelangen. Von den Katzen meint man gewöhnlich, sie seien besonders anhänglich an den Ort, von den Hunden aber, sie seien dem Menschen verbunden. In beiden Fällen ist das Ergebnis das gleiche.
Von einer Katze heißt es, sie habe Hunderte von Kilometern hinter sich gebracht. Und erst die Tauben! Bisher hat noch niemand den unglaublichen Instinkt ganz erforscht, der sie befähigt, über Land und See zu fliegen, bis sie endlich ihr Zuhause erreicht haben. Und all die anderen Zugvögel, die mit so unbeirrbarer Regelmäßigkeit kommen und gehen und oft sogar zum gleichen Garten zurückkehren, wo sie im Jahr zuvor genistet haben! Und wie es wohl der Schmetterling macht, das möchte man auch wissen!
Im Fall der Bienen nun, die nach Irland auswanderten, war dieser merkwürdige Instinkt von Anfang bis zu Ende einzig und allein auf einen Mann gerichtet. Wir können ihn ruhig Dominikus nennen und es dabei lassen, wenn auch das alte Buch verschiedene Varianten des Namens angibt. Die Geschichte wird im „Leben des heiligen David von Wales“ erzählt, dessen Schüler dieser Dominikus war. Er war aus Irland herübergekommen, um in St. Davids Kloster von Minevia zu arbeiten.
Zuerst wurde er beim Wegebau und Ausbesserungsarbeiten rings um den Ort beschäftigt, aber schließlich gab man ihm die Bienen zu versorgen, die ein wichtiger Bestandteil des klösterlichen Besitzes waren. Er machte das so gut, dass die Bienen sich in den Kopf setzten, ohne ihn gar nicht leben zu können!
Als er an das Ende seines Lebens kam, ergriff ihn ein sehnliches Verlangen, in seinem Heimatland zu sterben -, und wenn sich bei Iren einmal eine solche Vorstellung festgesetzt hat, gibt es nichts, was sie zurückhalten könnte. So wurden denn die Vorbereitungen getroffen; das kleine Boot, der sogenannte „Corragh“ (sprich „Korrach“) wurde zum Seestrand hinuntergebracht und seetüchtig gemacht, bereit zur Fahrt.
„Corragh“ hießen die handlichen kleinen Boote, die von den Seeleuten jener Tage so besonders gern benutzt wurden. Sie waren von einfachster Bauart, gewöhnliches Rahmenwerk aus Weidengeflecht, mit einem Überzug aus Tierhaut. Diese kleinen Boote nannte man „Ein-Fell-Corragh“, und sie konnten an Land befördert werden, indem an jeder Seite ein Gurt befestigt wurde, den man sich um die Schulter hing. Der Abt von der Insel Jona, Kolumban, besaß ein solches Boot und befuhr darin die gefährlichen Gewässer zwischen den Hebriden.
Dominikus erschien also mit seinem Gepäck und dem Ruder. Er winkte seinen Gefährten einen letzten Abschiedsgruß, stieß den Corragh ein oder zwei Meter vor sich her und sprang hinein, sobald er tieferes Wasser erreicht hatte. Das Ruderblatt tauchte rasch ein und aus, und sehr bald erreichte er die hohe See.
Inzwischen begaben sich hinten im Klostergarten sehr merkwürdige Dinge. Die eine oder andere verflogene Biene musste gesehen haben, was da am Strand vor sich ging und berichtete das im Hauptquartier. Es gab eine Konferenz am „runden Tisch“, und ein wichtiger Beschluss wurde einträchtig ausgeführt. In einem Augenblick begannen die Bewohner der Bienenstöcke hintereinander herzumarschieren. Es sah aus, als ob sie durch die kleine Öffnung gequetscht würden, so wie der Dampf durch die Schnauze eines kochenden Wasserkessels kommt. Sie warteten in der Luft, bis alle versammelt waren, und dann brausten sie davon, ein einziger, dicker Schwarm – auf Dominikus und seinen Corragh zu.
Dreimal brachte er sie zurück an die Küste, in der Hoffnung, er könne sie überreden, zu Hause zu bleiben. Freilich folgten sie ihm jedes Mal an Land; aber sobald er versuchte, ihnen zu entkommen, waren sie sogleich wieder hinter ihm her.
Da hatte Dominikus eine Eingebung. Er wusste ja, dass in den Klöstern der Gehorsam eine Hauptsache ist, mächtig genug, manchmal sogar Wunder zu wirken. Und so wandte er sich, als ihm die Bienen zum dritten Mal folgten, an St. David und beschwor ihn, sie in ihre Stöcke zurückzubeordern.
Es war vergebens. Man konnte nur gute Miene zum bösen Spiel machen: Dominikus ruderte davon, eine schwarze Wolke über sich, wie einen großen Regenschirm! Und so, sagt der Chronist, kam Irland zu Honigwaben und Wachskerzen.
Der Schreiber dieser Geschichte nahm die kleinen Bienen ernst. Aber Bienen sind überhaupt von jeher ernster genommen worden, als andere Vertreter des Tierreichs. Als die Menschen anfingen, die Natur zu studieren, gerieten sie auch an den Bienenstock, und als die ersten naturgeschichtlichen Bücher geschrieben wurden, da schrieb man über die Bienen! In langvergangenen Tagen wurden sie „die geflügelten Begleiter der Musen“ genannt, und der lateinische Dichter Virgil erinnert daran, dass ernste Männer die Meinung vertraten, den Bienen sei ein gewisser Anteil am göttlichen Verstand mitgegeben worden.
Viele junge Leute, besonders Mädchen, aber mittlerweile auch Jungen, bilden sich so viel ein auf ihr schönes Gesicht und ihre schöne Gestalt, bedenken aber nicht, dass alle jugendliche Schönheit nicht lange dauert, und dass gerade die Schönheit ohne Zurückgezogenheit, Keuschheit und Gottesfurcht ein Fallstrick zum Verderben wird. Mit Recht heißt es daher im Buch der Sprichwörter 11, Vers 22: „Ein goldener Ring im Rüssel eines Schweins ist eine Frau, schön, aber sittenlos.“ Eine solche Frau, aber auch ein solcher Mann, verliert nach und nach alle Schamhaftigkeit und wälzt sich wie ein Schwein im Kot abscheulicher Laster und Sünden. Dies kannst du deutlich sehen an der schönen Eudokia.
Eudokia wurde zu Samaria unter der Regierung des Kaisers Trajan geboren. In ihrer Kindheit hatte sie keine gute Erziehung genossen, aber dafür besaß sie einen hellen Verstand, ein heiteres Gemüt und eine seltene Schönheit. Auf diese Schönheit war sie stolz, sie begann damit zu prahlen, und bald sammelten sich um sie leichtfertige junge Leute, die ihr schmeichelten und durch schlüpfrige Reden ihr Herz vergifteten. Die natürliche Schamhaftigkeit verließ sie und der erste Schritt zum Fall war getan. Sie fand Gefallen an sündhaften Bekanntschaften und nicht lange, so verlor sie ihre Unschuld, sie wurde verführt und versank nun immer tiefer in den Schlamm der Unreinheit. Noch hatte sie eine Scheu vor ihren Eltern und Verwandten, aber zuletzt vergaß sie auch diese, und um ungehindert und nach ihrem Gefallen der bösen Lust sich hingeben zu können, ging sie nach Heliopolis, heute Kairo, einer großen Stadt, die damals zu Sizilien gehörte. Dort überließ sie sich schamlos ihren Begierden, lockte eine Menge unbesonnener junger Männer in ihr Netz und wurde bald zum allgemeinen Ärgernis der ganzen Stadt. Aber nun geschah an dieser armen Sünderin, was der Apostel im Römerbrief Kapitel 5, Vers 20 sagt: „Wo jedoch die Sünde mächtig wurde, da ist die Gnade übergroß geworden.“ Der liebe Gott öffnete der leichtfertigen Frau die Augen und zog die Unglückliche aus der Tiefe ihres Elends.“
Auf einer Reise kehrte ein frommer Mönch, Germanus mit Namen, zu Heliopolis bei einem seiner Verwandten ein, dessen Haus mit dem der Eudokia zusammenstieß. Um Mitternacht stand Germanus auf, um nach dem Gebrauch der Mönche zu beten. Nach dem Gebet hielt er laut eine geistliche Lesung von den Strafen der Hölle und den unaussprechlichen Freuden des Himmels.
Die Kammer des Mönches war nur durch eine dünne Scheidewand von dem Schlafzimmer der Eudokia getrennt. Das laute Beten und Lesen weckte sie aus dem Schlaf, sie horchte und hörte da von Dingen lesen, die sie noch nicht gehört hatte. Aus Neugierde ließ sie am Morgen den Mönch zu sich bitten, um von ihm zu erfahren, was sein Beten und Lesen für eine Bedeutung hätte. Der gutmütige Mann, der sie noch nicht kannte, ging zu ihr. Eudokia befragte ihn über seine Lebensweise, über sein lautes Beten und bat ihn um Erklärung dessen, was er von der Hölle und dem Himmel gelesen hatte. Der fromme Mann durchschaute die Sünderin und noch voll der Rührung von der nächtlichen Lesung, machte er ihr eine eindringliche Schilderung von den Qualen der Hölle, in der die verstockten Sünder leiden müssen und von den Freuden des Himmels, die die frommen und bußfertigen Diener Gottes genießen.
Wie ein Schwert drangen die Worte des Mönchs durch das Herz der Sünderin; sie seufzte laut auf und rief jammernd: „Wenn es so ist, dann bin ich auf ewig verloren; auf ewig von den Freuden des Himmels ausgeschlossen, dann bin ich verdammt!“ „Welchen Glaubens bist du?“ fragte sie Germanus. „Ich bin“, erwiderte sie, „eine Samaritanerin, habe aber gar keine Religion; ich habe bisher geglaubt, was ich wollte, und nur nach den abscheulichen Trieben meines bösen Herzens gelebt. Sage mir, kann ich der Hölle noch entkommen?“ Voll Mitleid sagte der Mönch: „Wenn du dich von Herzen bekehrst, so ist Gott gnädig und vergibt dir um Jesus, seines Sohnes willen, der für alle Sünder am Kreuz gestorben, deine Sünden.“ „Was muss ich denn tun?“ fragte die Sünderin. „Du musst glauben,“ entgegnete der Mönch, „dich taufen lassen und Buße tun. Höre also auf zu sündigen, lass einen Priester kommen, der dich unterrichtet, und wenn du fest entschlossen bist, nicht mehr zu sündigen, so wird er dich taufen und dich von all deinen Sünden reinigen.“ Mit Dank gegenüber Gott und dem Mönch ließ Eudokia sogleich einen katholischen Priester rufen. Der Priester kommt, aber wie erschrickt er, als er die stadtbekannte Sünderin vor sich sieht, die sich ihm mit heißen Tränen, wie einst Magdalena, zu Füßen wirft und flehentlich bittet, sich ihrer zu erbarmen und sie mit dem Gott der Christen bekannt zu machen, der den reumütigen Sündern so gerne verzeiht. Der Priester, voll Verwunderung über die unendliche Barmherzigkeit Gottes gegenüber den Sündern, hörte sie voll Mitleid an und gebot ihr die eitlen Kleider abzulegen, die bisherigen Gesellschaften zu verlassen, acht Tage zu fasten und ihr Sündenleben in der Einsamkeit zu beweinen, auch begann er sogleich, sie im heiligen Glauben zu unterrichten.
Als nach acht Tagen der fromme Germanus sie besuchte, fand er sie ganz umgewandelt; ihr Leib war ganz abgezehrt und in züchtige Kleidung gehüllt; ihre frechen Augen niedergeschlagen, ihr Antlitz von Tränen der Reue befeuchtet und mit sanfter Stimme erzählte sie ihm, dass sie sechs Tage hindurch über ihre Sünden die bittersten Tränen vergoss, am siebenten Tag, fuhr sie fort, „lag ich voll Reue auf der Erde und betete, da sah ich plötzlich einen glänzenden Jüngling neben mir, der hob mich auf und führte mich zum Himmel empor. Dort zeigte er mir eine Menge himmlischer Geister, die sich meiner freuten und mir Glück wünschten, dass ich nun in ihre Gesellschaft gehöre. Während ich dieses Gesicht betrachtete, hörte ich an meiner Seite das Geheul eines Ungeheuers, das sich über meinen Verlust beklagte, denn ich war ihm entkommen: Aber eine himmlische Stimme vertrieb das Untier mit den Worten: „Gott gibt nach seinem Wohlgefallen Gnade dem reuigen Sünder!“ Getröstet von dieser Stimme, kam ich wieder zu mir und nun bitte ich euch, frommer Mann, zeigt mir den Weg, den ich von nun an gehen soll, um Gott zu dienen.“ Germanus hielt sie für würdig der Taufe und führte sie zum Bischof Theodoret. Nachdem er sie geprüft hatte, erteilte er ihr die Taufe und nahm sie in die Kirche auf.
Als nun Eudokia durch die Taufe ein Kind Gottes geworden war, fasste sie einen großmütigen Entschluss. Nach Hause gekommen, rief sie ihre Diener und Mägde zu sich, gab ihnen reichliche Geschenke und entließ sie mit den Worten: „Ich habe euch leider ein Beispiel der Sünde gegeben; ich will euch nun ein Beispiel der Buße geben; folgt mir jetzt nach.“ Sie verteilte nun all ihr Vermögen unter die Armen und verschenkte die Kostbarkeiten, die sie auf sündhafte Weise erworben hatte; ihre Tage brachte sie in Armut und Buße zu. Nach einiger Zeit kam Germanus wieder zu ihr; und da er mit Freude ihren großen Bußeifer wahrnahm, zugleich aber fürchtete, sie möchte in der Stadt, wo sie so viel Gelegenheit zur Sünde gefunden hat, wieder in die alten Sünden zurückfallen, gab er ihr den Rat, sich in eine Einöde zurückzuziehen, wo sie ungestört ihrem Seelenheil abwarten könnte. Willig befolgte sie den Rat, aber nun kam auch eine schwere Prüfung über sie. Ein junger Mensch, der früher mit ihr Umgang gehabt hatte, verkleidete sich als Einsiedler, suchte sie auf und bat sie um die Erlaubnis, in ihrer Nähe bleiben zu dürfen. Aber Eudokia erkannte ihn und verwies ihm streng seine böse Absicht, worauf er tot zu Boden stürzte, getroffen von der strafenden Hand Gottes. Tief ergriffen wirft sie sich auf die Knie und fleht inbrünstig zu Gott, er möge dem armen Sünder, wie ihr, die Gnade der Buße verleihen. Und siehe da, ihr Gebet wird erhört, der Tote erwacht und verlässt, von ihr zur Buße ermahnt, reuevoll die heilige Büßerin. Sie aber setzte beharrlich ihr frommes Leben fort und hatte sonst kein anderes Verlangen mehr, als ihren sündhaften Leib für Jesus der Marter zu weihen. Ihr Verlangen wurde gestillt. Kaiser Trajan ließ die Christen verfolgen; auch Eudokia wurde angezeigt und auf Befehl des Statthalters Vinzentius am 1. März 114 enthauptet.
Eudokia wird abgebildet als Matrone mit dem Schwert in der Hand.
Den bösen Gelegenheiten entfliehen
Der fromme Germanus kannte gar gut die Schwachheit und Unbeständigkeit des menschlichen Herzens und die Gefahren, die es umgeben, darum gab er auch der Büßerin Eudokia den heilsamen Rat, die Stadt zu verlassen, wo sie früher so viel gesündigt hatte, damit sie nicht durch den Anblick der Personen, mit denen sie Umgang, und der Orte, wo sie sich den eitlen Vergnügungen hingegeben hatte, aufs Neue angereizt und zum alten sündhaften Leben verleitet würde. Hätte Eudokia den Rat nicht befolgt, allem Anschein nach wäre sie wieder gefallen.
Hast du also gesündigt und willst du dich wahrhaft bessern, so ist es durchaus notwendig, dass du dir selbst nicht mehr traust und den bösen Gelegenheiten fliehst. Eine böse Gelegenheit nennt man den Ort, die Person, die Gesellschaft, das Geschäft usw., wodurch man leicht und gewöhnlich in eine Sünde fällt. So lange du also eine solche böse Gelegenheit nicht meidest, da du sie doch meiden könntest, so lange wirst du immer in die alten Sünden fallen. Damit du aber diese Wahrheit besser einsiehst und dir zu Herzen nimmst, so will ich die Worte eines großen Heiligen hersetzen, der sich besonders um die armen Sünder angenommen, und viele Hunderte zu einem wahrhaft frommen, gottseligen Leben angeleitet hat; es ist dies der heilige Alphons Liguori, der so spricht: „Wer selig werden will, muss nicht nur die Sünde verlassen, sondern auch den Gelegenheiten zur Sünde entfliehen. Der böse Feind schleicht stets um eine Seele herum, damit er in sie eindringen und von ihr Besitz nehmen könne. Deshalb sucht er ihr Gelegenheit zur Sünde darzubieten, wonach er schon tiefer in das Herz eindringen wird. Lässt die Seele sich bewegen, sich der Gelegenheit auszusetzen, so findet der Teufel leicht einen Eingang, worauf er die Seele verschlingt. Darum geschah es denn auch, dass, als der Teufel eines Tages gezwungen wurde, zu bekennen, welche Predigt ihm am meisten missfällt, er aussagt, dies sei die Predigt über die Flucht der Gelegenheit und das mit Recht, denn der böse Feind lacht und spottet über all unsere guten Vorsätze, über alle Gott gemachten Versprechungen und ist einstweilen nur darauf bedacht, uns dahinzubringen, dass wir aus der Gelegenheit nicht fliehen, denn die Gelegenheit ist wie eine Binde, die uns die Augen verdeckt und bewirkt, dass wir die empfangenen Erleuchtungen, dass wir die ewigen Wahrheiten und all unsere gemachten Vorsätze nicht mehr sehen, kurz, dass wir alles verachten, und auf diese Weise beinahe gezwungen sind, zu sündigen.“
Was insbesondere die betrifft, die dem Laster der Unreinheit ergeben gewesen sind, so müssen sie jede Gelegenheit meiden. Denn in Bezug auf dieses Laster bedürfen wir eines ganz besonderen Beistandes Gottes, damit wir nicht unterliegen, weshalb wir denn auch, um diesen göttlichen Beistand zu verdienen, notwendigerweise die Gelegenheiten meiden und uns Gott stets anempfehlen müssen, damit wir die heilige Keuschheit bewahren. „Im Kampf mit der Unlauterkeit“, sagt der heilige Philipp Neri, „bleiben nur die Feigen Sieger, das heißt jene, die vor der Gelegenheit fliehen.“ Es ist unmöglich, sich in Flammen zu befinden und dennoch nicht zu brennen. Ähnliches hat der Heilige Geist selbst gesagt mit den Worten der Sprichwörter 6, Vers 28: „Kann man über glühende Kohlen schreiten, ohne sich die Füße zu verbrennen?“ Dies wäre gewiss ein Wunder. „Aber“, sagt der heilige Bernhard, „es ist ein noch größeres Wunder keusch zu bleiben, da man sich doch der nächsten Gelegenheit aussetzt, als wenn man einen Toten zum Leben erwecke. Wer es dennoch wagt, sich freiwillig in die Gelegenheit zur Sünde zu begeben, der wird schwerlich selig werden. Deshalb müssen wir täglich bei unserem Gebet mehrmals die Bitte des Vaterunsers wiederholen: Und führe uns nicht in Versuchung, d.h. lass nicht zu, o Herr, dass ich mich zu einer Gefahr zur Sünde aussetze, böse Gelegenheiten selbst aufsuche oder sie nicht meide.“
Schau also, christliche Seele, so spricht ein Heiliger, und du willst seinen Worten kein Gehör geben? Überdenke die Worte noch einmal: „Schwerlich wird selig werden, wer sich freiwillig in eine Gelegenheit zur Sünde begibt“, und meide, fliehe wie eine Schlange von heute an alle die Personen, Häuser, Gesellschaften, kurz alles, was dich zu einer Sünde verleiten könnte!
O göttlicher Heiliger Geist, lass mich es doch recht klar erkennen, welch große Gefahren von der Seite meines Fleisches, der Welt und des Satans meiner armen Seele drohen. Ich will diese Gefahren meiden, ich will besonders vor jener Gelegenheit fliehen, die mich schon so oft zu Fall gebracht hat. Hilf mir, mein Herr, dass ich meinen Vorsatz halte und nicht mehr sündige. Amen.
2 Aussprüche der heiligen Eudokia
Ich will an jedem Tag meines Lebens Gott dienen und wie ich sehr vielen Menschen durch meine Sünden ein böses Beispiel gegeben habe, so will ich ihnen durch meine Buße ein gutes Beispiel geben.
Durch den Glauben an Jesus bin ich dem ewigen Tod entgangen; ich kann das durch ihn erhaltene Leben nicht mehr verlassen, und mich wieder in den ewigen Tod stürzen.
1. Beherzige den Ausruf Jesu zu seinem himmlischen Vater, als er im Begriff war, diese Welt zu verlassen: "Ich habe das Werk vollendet, das du mir aufgetragen hast." (Johannes 17,4) Dieses große Werk war unsere Erlösung, die Jesus am Kreuz vollendete, wo er durch seinen zeitlichen Tod vom ewigen Tod uns errettete, und durch sein Blut die ewige Gerechtigkeit versöhnte. Aber noch genügte dies nicht, wir bedurften auch eines sicheren Weges, dieses große Heil zu erlangen, und eines vollkommenen Vorbilds zur Nachbildung, Gott wohlgefällig zu werden. Und diesen Teil seiner Sendung hatte Jesus während seines Lebens vollbracht. "Christus hat für euch gelitten und euch ein Beispiel gegeben, damit ihr seinen Spuren folgt." (1. Petrus 2,21)
2. Die Beispiele unseres Herrn sind die Richtschnur unseres Lebens, und das Maß unserer künftigen Seligkeit. Alle Heiligen bildeten sich nach diesem göttlichen Vorbild, und auch nur darum waren sie heilig. Einige zwar ahmten diese, andere jene seiner anzubetenden Tugenden insbesondere nach. Es gab Heilige, in denen vorzüglich die Demut, andere, in denen die Sanftmut, andere, in denen die Geduld, andere, in denen die Liebe Jesu ganz besonders hervorleuchtete. Einige folgten ihm in seinem verborgenen Leben, andere in seinen Arbeiten am Heil der Seelen nach. Alle jedoch trafen darin zusammen, dass sie seinem göttlichen Ausspruch folgten: "Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach." (Matthäus 16,24) Denn Kreuz und Selbstverleugnung sind die Grundfesten der Nachfolge Jesu für alle.
3. Diese Ähnlichkeit ist das Gepräge aller Auserwählten. Römer 8,29: "Denn alle, die er im voraus erkannt hat, hat er auch im voraus dazu bestimmt, an Wesen und Gestalt seines Sohnes teilzuhaben." Ohne Selbstverleugnung also, das heißt ohne Überwindung unserer ungeordneten Triebe, ohne Hingabe unseres Willens an Gottes Vorsehung, ohne geduldiges Tragen des täglichen Kreuzes, das diese Vorsehung uns auferlegt, und ohne Nachbildung der Sanftmut, Demut, Abtötung und Liebe unseres göttlichen Vorbilds, nennen wir uns vergeblich seine Jünger. Matthäus 17,5b: "Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe; auf ihn sollt ihr hören."
Von nun an sollst du, o liebenswürdigstes Herz Mariä, neben dem göttlichen Herzen deines geliebten Sohnes der Gegenstand meiner innigsten Verehrung, meiner Liebe und zärtlichsten Andacht sein. Du sollst der Weg sein, der mich zu meinem Heiland führt, durch dich auch werde ich seiner Gnade und Barmherzigkeit teilhaftig werden. Du sollst meine Zuflucht in Gefahren, mein Trost in Leiden, und meine Hilfe in allen Nöten sein. Von dir will ich erlernen die Reinheit, Demut und Sanftmut: du endlich sollst meinem kalten Herzen stets eine Quelle sein, aus der es eine feurige Liebe zum heiligen Herzen Jesu, deines Sohnes schöpfen wird. Amen.
Zu den Heiligen Lupizinus und Romanus
Heiliger Lupizinus und heiliger Romanus, bittet für mich, dass ich mich jetzt so daran gewöhne, nur für Gott zu leben, damit ich dann auch in meinem Tod, wenn der Satan mich anfechten will, ihn ritterlich besiegen und in die himmlischen Wohnungen eingehen möge. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
An diesem Tag hat Papst Pius IV. im Jahr 1562 die Bruderschaft des Rosenkranzes bestätigt, und ihnen viele Ablässe erteilte.
Der heilige Roman ist um das Jahr 390 in der alten Grafschaft Burgund auf die Welt gekommen. Man weiß von ihm, dass früh in ihm der ernsthafte Gedanken entstanden ist, in der Einöde Gott zu dienen und so ein Heiliger zu werden. Weil man nun in seinem Land von der Weise eines einsiedlerischen Lebens nichts wusste, begab sich Roman nach Lyon zum heiligen Abt Sabinus um sich in dessen Kloster in der Regel eines einsamen geistlichen Lebens unterrichten zu lassen.
Von da zurückgekehrt, suchte er sich einen einsamen Ort aus, wo er Gott die ganze Zeit seines Lebens nach dem empfangenen Unterricht getreu zu dienen vorhatte. Roman hatte dazu auch zwei Bücher aus Lyon mit sich gebracht: „Das Leben der Altväter in der Einöde und die Unterweisung der Einsiedler von Abt Cassianus.“
In einer der Bergschluchten des Jura, gerade da wo die Grafschaft Burgund an die Schweiz angrenzt, befindet sich, von hohen Felsen eingeengt und von finsterer Waldung bewachsen, ein tiefes Bergtal, Condat genannt. In der Mitte des Tales ist eine freie sonnige Ebene, deren Mittelpunkt ein ungewöhnlich großer Feigenbaum zierte, dessen fleischige Äste rund herum von den süßen Früchten beschwert auf den Boden herabhingen und so eine natürliche Laube bildeten. Neben der Wurzel des Baumes öffnet sich die Erde und aus der Spalte strömt reichliches reines Quellwasser. Diese Stelle wählte sich Roman zum Aufenthalt, da sie ihm für seine Bedürfnisse Obdach, Speise und Trank darbietet. Einige Jahre hielt er sich da auf, las in dem Leben der Altväter, betrachtete, betete, las oder sang die Psalmen und baute täglich einige Stunden die um den Feigenbaum umgrenzende Erde an. Das Lesen diente ihm zur Erholung, denn er schlief wenig, fastete streng und erlaubte sich fast keine Erquickung. Nach viel verflossener Zeit erschien Roman einmal in der Nacht seinem Bruder Lupizinus und lud ihn ein, mit ihm die Süßigkeiten des einsamen Lebens zu kosten. Lupizinus verlässt seine Mutter und Schwester, bei denen er bisher wohnte, und begibt sich zu seinem Bruder in die Einöde. Der heilige Gregor, Bischof von Tours, der das Leben des heiligen Romanus und Lupizinus beschrieben hat, erzählt, wie die beiden Brüder so von ganz verschiedener Gemütsbeschaffenheit und doch dabei so nahe Geistesverwandte und einander mit unverbrüchlicher Liebe zugetan gewesen. Lupizinus war von Natur rau und streng gegen sich selber, so wie gegen andere, der heilige Romanus aber war von stiller, sanfter Gemütsart, wenn auch mit sich selber strenger, gegen andere sehr nachsichtig und liebevoll und ängstlich bekümmert um all ihre Bedürfnisse.
Die geistlichen Übungen und das heilige Leben der frommen Brüder wollte dem höllischen Feind keineswegs behagen. Darum ängstigte er die beiden, wie er nur konnte, und tat ihnen alles nur erdenkliche Herzensleid an. Sie waren in einem solchen Streit noch wenig erfahren. Und als einmal während sie beteten, der Teufel einen Hagel von Kieselsteinen über sie ausschüttete, verließen sie den Ort, um anderwärts bessere Ruhe zu finden. Auf dem Weg kehrten die Brüder bei einer armen Frau ein. Als diese ihre Not und ihr Vorhaben vernommen hatte, entsetzte sie sich darüber, dass so fromme geistliche Leute die Nachstellungen des Teufels fürchteten. Die Brüder wurden dadurch beschämt und kehrten noch in derselben Stunde wieder in ihre Einsamkeit zurück und dankten Gott nun umso eifriger, so dass das Gerücht ihrer Heiligkeit weit im Land umher erscholl und eine große Anzahl Nachfolger und Jünger der heiligen Eremiten sich auf dem Juragebirge ansiedelte. Die ersten Jünger waren zwei junge Chorherren aus dem Stift Nyon.
Es kam dahin, dass man ein Kloster erbaute, aus dem nachher die berühmte Abtei zu Kondat entstand, die nachher von dem heiligen Augendus, einem Jünger der heiligen Brüder, später aber von dem heiligen Klaudius den Namen erhielt. Der heilige Klaudius war Bischof von Besancon, verließ sein Bistum und begab sich in das Kloster von Kondat, wo sein unversehrter heiliger Leib aufbewahrt wird. Ein zweites Kloster in der Nähe des ersten wurde in Leukonne errichtet. Diesem stand Lupizinus, dem Kloster von Kondat Romanus vor. Dieselbe Klosterregel und der gleiche Eifer in treuer Befolgung derselben herrschte in beiden Klöstern.
Ein ungemein fruchtbares Jahr ergab, dass man auch einen reichlicheren Vorrat in den beiden Klöstern sammelte. Da murrten einige Mönche des Klosters in Kondat, die noch nicht genug abgetötet waren, dass nicht auch die Tafel reichlicher mit Speisen besetzt werde. Der heilige Lupizin vermutete, die Milde des Bruders gebe dem Mangel an klösterlicher Zucht Vorschub. Auf Antrag des Lupizinus wechselten beide Brüder auf einige Zeit miteinander ihre Aufseherstellen. Aber nach harter Bestrafung fliehen die für schuldig erkannten Brüder nachts aus dem Kloster Kondat, worauf Ruhe und Einigkeit wieder im Kloster einkehrte. Der heilige Roman war damit keineswegs zufrieden und war traurig über den Verlust seiner geistlichen Brüder, und dass vielleicht weniger Strenge und mehr Liebe ihre Seelen gerettet haben würde. Er ließ auch nicht nach mit Weinen und Beten, bis Gott ihn erhörte, so dass durch Gottes Gnade gerührt, die geflohenen Mönche in das verlassene Kloster reumütig wieder zurückkehrten und durch strenge Buße das gegebene Ärgernis wieder gut machten.
Der heilige Hilarius, Erzbischof von Arles, bereiste als Primas von Frankreich das Bistum Besancon. Er ließ den heiligen Romanus zu sich nach Besancon einladen und nachdem er sich in vertraulichem Gespräch lange mit ihm unterhalten hatte, erkannte er dessen große Heiligkeit und nötigte den demütig Widerstrebenden, dass er von ihm die heilige Priesterweihe empfangen musste. Die wachsende Anzahl der Jünger machte die Errichtung mehrerer Klöster notwendig. Auch ein Nonnenkloster wurde erbaut und stand unter Aufsicht des heiligen Romanus. Die Schwester des heiligen Roman war die erste Äbtissin des Nonnenklosters zu Beaume und man zählte nach dem Tod des heiligen Romanus 105 Klosterfrauen.
Als der heilige Romanus mit seinem Jünger Palladius nach Agaunum wallfahrtete, um das Grab des heiligen Martyrers Mauritius zu verehren, begaben sich beide, von der Nacht überrascht, in eine einsame Berghöhle. Zwei Aussätzige, Vater und Sohn, bewohnten diese Höhle. Sie waren gerade ausgegangen, um Holz zu sammeln. Bei ihrer Rückkehr verwunderten sie sich sehr, zwei fremde Männer in ihrer Wohnung anzutreffen. Noch mehr aber erstaunten sie, als die beiden Fremden die grüßend freundlich umarmten und küssten, obwohl sie ihnen ihre Krankheit mitteilten. Die zwei Mönche durchwachten die Nacht im gemeinschaftlichen Gebet und verließen die Höhle vor Tagesanbruch. Als bei anbrechendem Tag die zwei Aussätzigen sich völlig von ihrem Siechtum befreit sahen, ergriff sie ein freudiger Schrecken. Sie machten sich beide sogleich auf, eilten dem heiligen Roman nach und trafen ihn endlich in Genf an, wo sie das Wunder ihrer Heilung den Leuten überall erzählten. Der Bischof, die Geistlichkeit und das Volk machten sich auf und gingen in Prozession, wie im Triumph, dem heiligen Roman entgegen. Diese Auszeichnung war dem heiligen Abt in der Seele zuwider. Er entwich, sobald er konnte, kehrte in sein Kloster zurück und sperrte sich allda ein, um von niemanden gesehen zu werden. Nach wenigen Monaten hatte er das Ziel seines zeitlichen Lebens erreicht. Er starb 60jährig am 28. Februar 460. Dreißig Jahre hatte er in der Einöde zugebracht. Sein Leichnam wurde in dem Kloster zu Beaume begraben.
1. In allen deinen Bedrängnissen hoffe fest auf den Herrn, denn in seiner Hand allein liegen alle Güter der Natur, der Gnade und der Glorie. Und er auch ist die allerhöchste Güte, und immer bereit, dir zu helfen. Dazu auch haben wir die Verheißung seines Eingeborenen, alles vom Vater zu erbitten, um was wir in seinem Namen ihn bitten werden. Höre den Ausruf des Heiligen Geistes: "Wer hat auf den Herrn vertraut und ist dabei zuschanden geworden? Wer hoffte auf ihn und wurde verlassen? Wer rief ihn an, und er erhörte ihn nicht?" (Jesus Sirach 2,10) Strafreden sind dies an die "Ungehorsamen", die auch der Apostel mit Gottes Zorn bedroht. (Epheser 5,6)
2. Gott führt zwar seine Getreuen oft durch bittere Trübsale, weil er durch ihre Geduld verherrlicht und ihre Glorie vermehrt wird. Aber nimmermehr lässt er ihre Hoffnung zu Schanden werden. Mitten unter seinen schrecklichsten Leiden rief Ijob mit unerschütterlicher Hoffnung aus: "Er mag mich töten, ich hoffe dennoch auf ihn." (Ijob 13,15) Und wurde etwa seine Hoffnung getäuscht? "Der Herr mehrte den Besitz Ijobs" spricht die Schrift, "auf das Doppelte. Der Herr aber segnete die spätere Lebenszeit Ijobs mehr als seine frühere." (Ijob 42,10 + 12) Wie viele solcher Beispiele zeigt uns die Heilige Schrift und die Kirchengeschichte. Sind wir demnach verlassen und trostlos: wer trägt dann die Schuld, wenn nicht unser Unglaube und unser Misstrauen?
3. Befiehlst aber du, unser Gott, bei deinem Fluch, sogar alle zeitlichen Güter von dir zu hoffen, und rufst aus deinen Schriften: "Verflucht sei der Mensch, der sein Vertrauen auf Menschen setzt." (Jeremia 17,5): wie weit mehr müssen wir die Gnaden des ewigen Heils von dir hoffen, und wie zahllos sind hierüber deine Aussprüche. Nun spricht aber deine Schrift: "Gott ist wahrhaft, und nicht möglich ist es, dass er lügt." (Römer 3,4 und Hebräer 6,16-17) So ist denn niemand, selbst der größte Sünder nicht, von dieser Hoffnung ausgeschlossen, wofern anders er entschlossen ist, von seiner Sünde abzulassen, "denn niemand hat auf dich gehofft und ist zu Schanden geworden." "Auf dich, Herr, habe ich gehofft, lass mich ewig nicht zu Schanden werden." (Psalm 71,1)
Wunderbare Königin und Mutter, du hast schon diese Erde verlassen, du bist schon in deinem Reich angelangt, wo du als Königin über alle Chöre der Engel erhoben bist, wie die heilige Kirche singt. Wir armen Sünder, wir wissen es allzuwohl, dass wir es nicht verdienen, dich bei uns in dieser finsteren und traurigen Welt zu haben. Aber wir wissen auch zu gleicher Zeit, dass du ungeachtet deiner Herrlichkeit, zu der du erhoben bist, dennoch uns Elende nicht vergessen und das Mitleid mit uns armen Kindern Adams nicht verloren hast, sondern das es vielmehr in dir gewachsen ist. O heiligste Jungfrau Maria, wende von dem erhabenen Thron, auf dem du jetzt herrschst, deine barmherzigen Augen auf uns herab und habe Mitleid mit uns. Bedenke, dass, als du diese Erde verlassen, du uns versprochen hast, uns nie vergessen zu wollen. Blicke also gnädig auf uns herab und stehe uns bei. Amen.
Zu Gott
Verleihe uns, o Herr, dass wir uns stets zu einem lebhaften Glauben und einem Dir wohlgefälligen Leben durch das Andenken an den Glauben und die Tugendbeispiele Deiner heiligen Martyrer ermuntern, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Leander
Nur Du, o Herr, kannst uns durch die Befreiung von den Fesseln der vergänglichen Erdengüter zu Dir ziehen, und uns zu würdigen Begründern Deines Reiches in unseren Mitmenschen umgestalten. Verleihe uns die Gnade, dass wir nach dem Beispiel und auf die Fürbitte des heiligen Leander Deinem himmlischen Ruf zu unserem und dem Heil anderer folgen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
Am heutigen Tag wurde vom Papst Sixtus IV. im Jahr 1476 das Fest der Unbefleckten Empfängnis bestätigt.
Am 31. Mai 1908 hat der Heilige Vater Papst Pius X. einen jungen Kleriker aus dem Passionistenorden feierlich die Ehre der Altäre erwiesen, und das Fest des Seligen auf denselben Tag festgelegt , als wollte er am Ende des Marienmonats allen Gläubigen in dem Seligen die Macht der hehren Maienkönigin zeigen und uns in ihm zugleich ein vollkommenes Muster der Verehrung der allerseligsten Jungfrau vor Augen stellen. Der selige Gabriel von der schmerzhaften Mutter wurde dann am 13. Mai 1920 vom Heiligen Vater Papst Benedikt XV. heiliggesprochen. Am 27. Februar wird das Fest des Heiligen begangen.
Er wurde am 1. März 1838 zu Assisi geboren und Franziskus genannt.
Sein Vater bekleidete angesehene Ämter, und ihm selbst waren die herrlichsten Herzens- und Geistesgaben vom Himmel verliehen. Somit war es ihm ein leichtes, die Gunst der Welt zu gewinnen, und er unterlag dieser Versuchung. Zwar bewahrte er seine Seele vor groben Fehlern, aber in leichtsinnigem Jagen haschte er nach den gefährlichen Lustbarkeiten der höheren Stände. Er wandelte am Rand des Abgrundes. Doch die Mutter Gottes wachte über ihn und ließ es nicht zu, dass er seine Unschuld befleckte. Als er eines Tages vor einer Muttergottesstatue betete, vernahm er eine innere Stimme: „Mein Kind, dein Platz ist nicht in dieser Welt, das Kloster erwartet dich.“
Franziskus hörte die Mahnung; aber lauter sprachen zu dem munteren, nur zu leichtsinnigen Jungen die Vergnügungen, die ihm in der Welt geboten wurden. Später werden wir hören, wie er in den beredtesten Worten seiner himmlischen Mutter für ihre treue Liebe dankt; für den Augenblick jedoch, konnte er sich nur schwer von der Notwendigkeit einer Trennung von der Welt überzeugen; viermal machte er in verschiedenen ernsten Mahnungen des Himmels das Gelübde, ins Kloster zu gehen, doch ohne es auszuführen. Bei einem feierlichen Umzug mit dem Gnadenbild der lieben Mutter Gottes von Spoleto wurde Franziskus aber so getroffen, dass er unverweilt und im stillen alles für die Ausführung seines Entschlusses vorbereitete und in den Passionistenorden eintrat im Jahr 1856.
Maria hatte gesiegt. Aber noch herrlicher sollte ihre Liebe und ihre Macht sich offenbaren. Sechs Jahre lebte der heilige Gabriel von der schmerzhaften Mutter im Kloster in treuer Übung der schönsten Tugenden; von seinem Eintritt ins Noviziat an betete er um die Gnade, in der Jugend sterben zu dürfen, und seinem Wunsch gemäß starb er am 27. Februar 1862 in dem einsamen Kloster seines Ordens zu Isola in den Abruzzen. Infolge der großen Wunder wurde der Ruf der Heiligkeit so allgemein, dass Papst Leo XIII. von der vorgeschriebenen Untersuchung dispensierte und Papst Pius X. den sehnsüchtigen Wunsch aussprach, ihm möglichst bald der Jugend als neuen Patron hinstellen zu können. Dies geschah am 31. Mai 1908, also sechsundvierzig Jahre nach dem Tod des nunmehr Heiligen. Einer seiner Brüder wohnte der Feier der Seligsprechung bei.
Woher kommt nun diese außerordentliche Verherrlichung? Wie viele hervorragende Frauen und Männer, die Großes taten, sind in Vergessenheit geraten! Und ein Junge, dessen Leben in stiller Einsamkeit dahinfloss und nichts Außergewöhnliches bietet, wird plötzlich ans helle Tageslicht gezogen.
Wir finden die Erklärung einer solchen Tatsache zum Teil in der schlichten Einfachheit dieses Lebens und in der ganz besonderen Andacht des Heiligen zu Maria.
In dieser Andacht liegt das unterscheidende Merkmal seines Lebens, das die Kirche in ihrem Offizium vor allem hervorhebt. Und diese außerordentliche Verehrung Mariens hat ihn zu einer so staunenswerten Vollkommenheit geführt. Stets betrachtete er in Maria das lieblichste Muster aller Tugenden, das ihn erleuchtete und zu jedem Opfer freudig begeisterte. Hatte er sie vor allem als die schmerzhafte Mutter betrachtet, wie groß war dann seine Freude, wenn er Gelegenheit fand, aus Liebe zu seiner Mutter auch ein Opfer bringen zu können! Stand er vor einer Schwierigkeit, vor der seine Eigenliebe zurückschauderte, so ermutigte er sich mit dem Gedanken: „Wie, du solltest dich nicht aus Liebe zu Maria überwinden können?“ Zu Maria betete er ohne Unterlass, da sie die Ausspenderin aller Gnaden ist. „Maria!“ das war sein Wahlspruch in dem Kampf, den er fortwährend mit sich selber führte, und Maria half ihm zu jeder Zeit.
So war der heilige Gabriel in der Tat ein besonderer Liebling Mariens und ein treuer Diener seiner himmlischen Mutter. Über dem Altar, der sich an seinem Grab erhebt, hat man in sinniger Weise die Worte unseres Heilandes am Kreuz angebracht: „“Frau, siehe, dein Sohn!“ Der liebe Heiland vertraute uns alle seiner Mutter an; mögen wir nach dem Beispiel des heiligen Gabriel ihrer Mutterliebe stets als treue Kinder durch Gebet und gute Werke Freude bereiten.
1. Lebe vor dem Herrn in heiliger Furcht, und überlasse dich nicht törichter Sicherheit. Dazu ermahnen dich sowohl die Seher des alten, als die Apostel des neuen Bundes mit eindringlicher Stimme: "Dient dem Herrn in Furcht", ruft der heilige Psalmensänger. Der Weltapostel aber: "Er ist euch von Herzen zugetan, wenn er daran denkt, wie ihr euch alle gehorsam gezeigt und ihn mit Furcht und Zittern aufgenommen habt." (2. Korinther 7,15) Auch sehen wir, dass alle großen Heiligen, in je größerer Unschuld und Heiligkeit sie lebten, um so sorgsamer alle ihre Wege hüteten. Diese Furcht entsprang bei ihnen nicht etwa aus einem Mangel an Liebe. Wahrlich, sie liebten Gott über allen Ausdruck. Aber ihre Liebe war von der tiefsten Ehrfurcht begleitet, die aus dem Anblick seiner unendlichen Heiligkeit kam.
2. Diese erleuchteten Seelen fürchteten sich auch nicht sowohl wegen der Sünden ihres verflossenen Lebens, von der Gottes Gnade sie befreit hatte, als wegen der Gaben, die sie von seiner Freigebigkeit empfangen hatten, da der Ausspruch ihnen vor Augen schwebte: "Wem viel gegeben wurde, von dem wird viel zurückgefordert werden, und wem man viel anvertraut hat, von dem wird man um so mehr verlangen." Lukas 12,48b) Sie zitterten, dass sie die Gnaden Gottes vergeblich empfangen, und die Talente ihres Herrn nicht als getreue Knechte zu seiner Ehre verwendet hätten. Diese Furcht regte den großen Apostel, ungeachtet seiner feurigen Gottesliebe, an, seinen Leib zu züchtigen und in die Knechtschaft zu zwingen, damit er nicht, wenn er anderen gepredigt hätte, selbst verworfen würde.
3. Zitterten aber diese starken Säulen des Hauses Gottes: was sollen wir elende Sünder tun? Wahrlich, ohne Vergleich mehr Ursache haben wir zu zittern, als sie. Der große heilige Bernhard, dessen ganzes Leben beinahe ein beständiger Akt der Liebe Gottes war, sprach dennoch: Ich erbebe, wenn ich den Ausspruch lese: "Der Mensch weiß nicht, ob er des Hasses oder der Liebe würdig ist." (Kohelet 9,1) Ein Abgrund sind die göttlichen Gerichte. Wie viele, die lobwürdig anfingen, fielen ab und nahmen ein böses Ende. Und wir fürchten nicht, und zittern nicht, sondern schmeicheln uns, mit unserer sehr geringen, sehr unvollkommenen und werklosen Liebe Gott wohlgefällig zu sein. "O durchstich, Herr, mein Fleisch mit deiner Furcht, denn ich habe deine Gerichte gefürchtet." (Psalm 119,120)
Sei mir gegrüßt, o Maria, die du in deinem Schoß den Unendlichen und Unbegreiflichen trugst, durch die der allerheiligsten Dreifaltigkeit Ehre und Anbetung erwiesen wird, durch die das köstliche Kreuz des Erlösers auf der ganzen Erde erhöht ist, durch die die höllischen Geister in die Flucht gejagt, der Versucher überwunden, die Erkenntnis der Wahrheit auf den Trümmern des Götzendienstes aufgepflanzt und die Gläubigen der Taufe teilhaftig werden. Sei mir gegrüßt, o Maria, durch die alle Kirchen der Welt gestiftet und die Völker der Erde zum Glauben und Heil gebracht worden sind. O Maria, nimm mich unter deinen Schutz und leite mich mit mächtiger Hand zum ewigen Heil. Amen.
Zu Gott
O Gott, der Du den Irrenden das Licht Deiner Wahrheit zeigst, damit sie auf den Weg der Gerechtigkeit zurück gehen können, verleihe allen, die sich Christen nennen, das zu vermeiden, was diesem Namen zuwider ist, und jenes, was zuträglich ist, zu ergreifen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
Das Leben der seligen Jungfrau Edignia, einer königlichen Prinzessin aus Frankreich, die an diesem Tag im Jahr 1109 selig gestorben ist, kann als ein Beispiel der Nachfolge der seligsten Jungfrau bewundert werden, da sie, um in ewiger Jungfräulichkeit zu leben, aus Frankreich auf einem ärmlichen Bauern-Wägelchen nach Buch, einem Dorf unweit Bruck bei Fürstenfeld, gekommen ist, und da ihr Leben in stiller Armut heilig zugebracht hat.
Der heilige Nestor war Bischof der Christengemeinde zu Magydis in Pamphylien und sah mit prophetischem Geist die grausame Verfolgung der Kirche Christi unter der Regierung des Kaisers Decius vorher. Deswegen ermahnte er seine ihm anvertraute Herde unermüdlich zur Treue Gott und ihrer heiligen Religion gegenüber und zum standhaften Bekenntnis ihres Glaubens unter den heftigsten Martern und selbst im Tod. Unter Fasten und vielen Tränen flehte er stets zu Gott, dass er ihn vor allen zuerst der Marterkrone würdigen wolle, damit er durch sein Beispiel der christlichen Standhaftigkeit und Geduld seine Gläubigen ermuntern und vor dem Abfall vom Glauben bewahren möge. Im Jahr 254 brach die Verfolgung wirklich aus und der Heilige war der erste, der von den Heiden ergriffen und vor das Gericht geführt wurde. Der Präfekt von Magydis erklärte ihm die strengen Verordnungen des Kaisers gegen das Christentum und redete ihm freundlich zu, sich nicht durch Ungehorsam unglücklich zu machen, sondern den Göttern, wenn auch nur dem Schein nach, zu opfern und friedlichere Zeiten abzuwarten. Aber der eifrige Diener Gottes, der sich schon lange auf den Tod mit Sehnsucht vorbereitet hatte, bekannte Jesus freimütig als den wahren Gott und erklärte das Götzenopfer als Teufelsdienst und als das größte Verbrechen. Da auch Drohungen bei ihm fruchtlos waren, ließ ihn der Richter in schwere Ketten legen und nach Perga schleppen, wo er dem Statthalter Pollio ausgeliefert wurde. Der fragte den Heiligen nach seinem Stand und Namen und Nestor sagte ihm, dass er ein Christ und Priester des wahren Gottes sei. Pollio versuchte ihn zum Abfall dadurch zu bewegen, dass er ihm Ämter und Würden, ja die Stelle eines obersten Götzenpriesters versprach. Aber der Bekenner erhob seine Augen zum Himmel, bezeichnete sich mit dem heiligen Kreuz und sprach: „Wenn du mir alle Schätze deines Kaisers überlieferst, oder wenn du mich zum Feuer oder Schwert oder zu den wilden Tieren verurteilst, so wirst du mich doch nicht bewegen können, meinen Gott und Herrn zu verleugnen.“ Auf diese Worte ließ ihn der Statthalter auf die Folter werfen und seinen Leib so grausam zerfleischen, dass die bloßen Gebeine sichtbar waren. Aber der Martyrer lobte Gott mit lauter Stimme und antwortete den Heiden, die Mitleid mit ihm hatten und ihm zuriefen, sein Leben zu retten: „Ich lebe nur in Jesus.“ Da schrie der Richter: „So sollst du auch wie dein Jesus sterben“ und verurteilte ihn zum Tod des Kreuzes.
Sogleich schlugen ihn die Henker an Händen und Füßen an das Kreuz und der heilige Martyrer ermahnte noch in einer rührenden Rede die Christen zur Standhaftigkeit und zum Vertrauen auf Gott und schloss mit den Worten: „Und nun lasst uns beten und unsere Knie beugen vor Jesus unserem Erlöser und Heiland!“ Und als alle Anwesenden, selbst Heiden, auf der Erde lagen und beteten, sprach er laut: „Amen“ und gab seinen Geist auf.
1. Psalm 143,10a: "Lehre mich, deinen Willen zu tun; denn du bist mein Gott." Denn dein Wille, o ewig anzubetende Majestät, ist der Urquell aller Glückseligkeit, der Ursprung aller Liebe, der Spiegel aller Vollkommenheit, die Regel aller erschaffenen Geister. Denn er ist die unerschaffene Weisheit und Güte selbst. Wegen dieser unendlichen Vollkommenheit, die du ewig in dir schaust, liebst du, o Gott, dich selbst notwendig, wesentlich, unendlich. Und auch deine Heiligen, die in deiner Glorie dich schleierlos schauen, lieben, nach Maßgabe dieser glorreichen Anschauung, deinen göttlichen Willen wesentlich und notwendig. Diese Liebe selbst aber ist ihre Seligkeit. Dies, mein Gott, erkenne ich in deinem Licht, und preise deine ewige Güte, der du zu deiner heiligen Erkenntnis und Liebe mich erschaffen hast.
2. Wehe dem erschaffenen Geist, der deinem Willen widerstrebt. Je weiter er von dieser göttlichen Richtschnur alles guten Willens abweicht, um so mehr entfernt er sich von dem Urquell alles Friedens und aller Glückseligkeit. Ewig rasen in den Kerkern deiner Gerechtigkeit die Verworfenen, weil sie deinem gerechten Willen ewig, und ewig vergeblich, widerstreben. Unglückselig auch sind, selbst in diesem Leben, alle Sünder, die deinem heiligsten Willen feindlich gegenüber stehen. Unglückselig ist der Ungläubige, der Lasterhafte, der Sinnenmensch. Und gleich jenen Verworfenen ergrimmt er über Schmerz, Unglück, Schmach. Und alles, was in dem grauenhaften Spiel seiner Leidenschaften ihn stört, oder seine sündhafte Lust ihm vergällt.
3. Und woher auch, mein Gott, die Bitterkeit meines eigenen Lebens, wenn nicht daher, dass mein Wille dir nicht vollkommen unterworfen ist? Denn eine gerade Richtschnur ist dein ewiger Wille. Mein Wille aber ist verkehrt. Er will, was dein Gesetz verbietet. Und, ach, bitter wie die Arznei dem Kranken, fällt es mir oft, diesen schiefen Willen nach dem deinigen zu richten. Gib mir doch, Herr, dass ich dich liebe gleich deinen Heiligen, die sogar in den bittersten Leiden und Trübsalen frohlocken, weil sie erkannten, dass alle diese Bitterkeiten nur zu deiner Verherrlichung und zu ihrem Heil aus der Hand deines Willens kamen. Psalm 5,13: "Denn du, Herr, segnest den Gerechten. Wie mit einem Schild deckst du ihn mit deiner Gnade."
Maria, Mutter der göttlichen Gnade, habe Erbarmen mit mir und lass mir von der Fülle deiner Gnaden einen geringen Teil zukommen, damit ich Kraft gewinne, einen guten Kampf zu kämpfen, alle Hindernisse auf dem Weg der Tugend zu überwinden und in der Treue gegen meinen Herrn und Gott niemals zu wanken. Blicke mit Huld und Liebe auf mich und sei meine Beschützerin im Leben und im Sterben. Amen.
Zu Gott auf die Fürbitte der heiligen Walburga
Wir bitten Dich, o Herr, hilf uns durch die Verdienste Deiner heiligen Jungfrau Walburga in allen unseren Schwierigkeiten und Anfechtungen, und verleihe uns auf ihre Fürbitte ein recht demütiges Herz, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Arztes Cäsarius
Herr, gib auf die Fürbitte Deines heiligen Bekenners Cäsarius unseren Ärzten den rechten Geist, damit sie das, wozu sie ihr Stand verpflichtet, zu Deiner Ehre und aus christlicher Liebe tun, damit sie bei ihrer leiblichen Dienst- oder Hilfeleistung zugleich das geistliche Wohl der Kranken befördern, wenigstens aber es nicht in Gefahr bringen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Zu Jesus Christus
Erfülle, göttlicher Heiland, unseren Geist und unser Herz mit dem heiligenden Glauben, der durch die Gottlosigkeit immer mehr aus unserer Mitte verdrängt wird. Du hast das himmlische Licht auf die Erde gebracht, damit es uns erleuchte. Halte fern die Finsternis von den Kindern Deiner Kirche, und lass alle Völker der Erde Dich erkennen und als eine große Familie Dich und den Vater mit dem Heiligen Geist in heiliger Liebe anbeten. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
Für das Fest des heiligsten Namens Jesus, den Maria nach Andeutung des Erzengels ihrem göttlichen Kind gegeben hat, wurden im Jahr 1530 von Papst Clemens VII. an diesem Tag Ablässe erteilt. Seine hierüber ausgefertigte Bulle ist im Brevier des Ordens von Montevrault, der eine Äbtissin zur Oberin des ganzen Ordens hat, enthalten. Diese Einrichtung hat der selige Robertus von Arbrissel nach dem Beispiel Christi am Kreuz, der Maria zur Mutter des Johannes bestimmt hat, gemacht im Jahr 1100.
Walburga stammt aus einer Familie, die viele Heilige hervorgebracht hat. Der Vater, ein englischer Fürst, war der heilige Richard. Willibald, später Bischof von Eichstätt in Bayern, und Wunibald, der erste Abt des Klosters Heidenheim, waren Brüder Walburgas. Und zu Sankt Bonifatius, dem Apostel der Deutschen, sagte Walburga Onkel. Das war eine große Heiligkeit in dieser gottgesegneten Familie.
Weil alle Heiligen in der Nachfolge unseres Herrn Jesus Christus Kreuzträger sind, kam auch Walburga früh in diese Leidensschule. Mit jungen Jahren verlor sie Vater und Mutter durch den Tod. Die beiden Brüder halfen dem großen Onkel Bonifatius als Missionare bei der Bekehrung unserer Vorfahren, und Walburga blieb vereinsamt daheim, wo sie in einem Kloster erzogen wurde.
Darüber verging die Zeit, bis eines Tages ein Brief von den Ufern des Mains Walburga erreichte. Der heilige Bonifatius hatte den Brief geschrieben und darin stand, die Verhältnisse in der deutschen Mission seien nun soweit geordnet, dass auch Missionsschwestern eingesetzt werden könnten, welche die Predigt des Glaubensboten durch die christliche Caritas unterstützen müssten. Deshalb solle Walburga zu ihm und ihren Brüdern nach Deutschland kommen und auch noch andere Missionsschwestern mitbringen.
Walburga las den Brief mit großer Freude, und wenige Wochen später bestieg sie mit dreißig gleichgesinnten Frauen das Schiff und gelangte nach stürmischer Meerfahrt an die Mündung des Rheins und fuhr den Rhein hinauf bis Mainz, wo sie die beiden Brüder und den Onkel nach langen Jahren wiedersah. Es war ein frohes Wiedersehen, und nachdem sich die vier Heiligen erst einmal gründlich ausgesprochen hatten, ging Walburga mit den Gefährtinnen rüstig und fleißig an die Missionsarbeit. Zu Heidenheim wurde neben Wunibalds Männerkloster auch eine Frauenabtei gebaut, der Walburga als Äbtissin vorstand, dreißig Jahre lang. Die Schwestern pflegten die Kranken, nahmen sich der Waisenkinder an und gründeten Schulen, in denen sie die Mädchen unterrichteten und durch Wort und Beispiel zu christlichen Menschen erzogen. Es war eine segensreiche Arbeit.
Im Jahr 779 starb die heilige Walburga. Ihre Überreste gelangten später nach Eichstätt in die Walburgakirche, wo sie sich heute noch befinden. Eigentümlich ist es, dass aus ihrem Grabmal ständig eine geringe wasserklare Flüssigkeit fließt, das sogenannte Walburgisöl, das, im gläubigen Vertrauen gebraucht, schon in vielen Krankheiten geholfen hat. So ist es auch zu verstehen, dass Sankt Walburgas Grab ein vielbesuchter Wallfahrtsort war und es heute noch ist.
Walburga war also die erste Missionsschwester in Deutschland. Ehre sei ihr daher für alle Zeit und bis in Ewigkeit.
Tharasius wurde in der ersten Hälfte des achten Jahrhunderts aus einem vornehmen Geschlecht in Konstantinopel geboren und von seinen frommen Eltern sehr gottesfürchtig erzogen. Er widmete sich mit Auszeichnung den Wissenschaften, besonders der Rechtsgelehrsamkeit und wurde Geheimschreiber am kaiserlichen Hof, in welchem Amt er viel Gutes zur Erhaltung und Verbreitung der reinen Lehre des Christentums wirkte. Denn damals wüteten die Bilderstürmer in der Kirche Gottes mit einer solchen Macht, dass der ehrwürdige Patriarch Paulus ihnen nicht mehr widerstehen konnte, sein Amt niederlegte und sich in ein Kloster verschloss. Er gab seiner Geistlichkeit den Rat, den frommen Tharasius zu seinem Nachfolger zu wählen, weil der durch sein Ansehen, in dem er beim Kaiser stand, und durch seinen Eifer, den er von jeher für die gute Sache bewies, der Verheerung am meisten Einhalt tun könnte. Tharasius war schon im männlichen Alter, als er den Ruf zum Patriarchalamt erhielt und weigerte sich gegen diese Würde so lange beharrlich, bis die Geistlichkeit und das Volk, an die er eine eindringliche Rede hielt, feierlich versprach, die Beschlüsse aller Kirchensynoden zu erfüllen, zu kämpfen gegen die Bilderstürmer und dem römischen Papst den strengsten Gehorsam zu bezeugen. Jetzt erst, im Jahr 784, ließ er sich zum Bischof weihen und arbeitete unermüdlich an der Herstellung der alten Kirchenzucht. Er verbesserte die Klöster und stiftete mehrere von seinem eigenen Vermögen. Er führte die strengste Ordnung unter seinen Geistlichen ein und bestrafte alle Missbräuche bei ihnen in Hinsicht der weichlichen Lebensart und Kleidung und linderte allenthalben das Elend und die Armut der Unglücklichen und Unterdrückten. Er selbst lebte in der größten Armut und Abtötung, ertrug Hass und Verfolgungen mit Geduld und leuchtete seiner Herde als ein Muster aller Tugenden vor. Die Rechte der Kirche verteidigte er unerschrocken, widersetzte sich mutig der Ehescheidung des Kaisers Konstantin und forderte von den Gerichten einen Übeltäter, der sich in die Kirche geflüchtet und den man durch List daraus entführt hatte, zurück, und verteidigte ihn so lange, bis seine Sache genau untersucht war und er als unschuldig befunden wurde.
Um die Irrtümer der Irrlehrer, besonders der Bilderstürmer zu bekämpfen, veranstaltete der heilige Patriarch die 7. Synode in Konstantinopel und da diese Versammlung der Bischöfe durch die Anhänger der Irrlehrer beunruhigt wurde, verlegte er sie nach Nicäa, wobei selbst die Gesandten des Papstes Adrianus erschienen und die Verehrung der Bilder bestätigt wurde. Der heilige Tharasius starb am 25. Februar des Jahres 806, beweint und betrauert von allen Christen und besonders vom Kaiser Nicephorus. Sein Leichnam wurde in der Klosterkirche aller heiligen Martyrer beerdigt.
1. Nichts im Weltall geschieht ohne Gottes Willen. Als die Apostel, die Stelle des verworfenen Judas zu ersetzen, das Los über zwei gerechte Männer warfen, fiel es auf Matthias. Kein Zufall war dies, Gott hatte ihn von Ewigkeit zum Apostel bestimmt. Denn das Los aller Menschen ist in seinem ewigen Plan voraus geordnet. Jeder der Auserwählten hat seine bestimmte Stelle im Himmel. Doch hängt unser Heil nicht von dieser Vorherwissenschaft Gottes, sondern von unserer Mitwirkung mit seiner Gnade ab, die er allen gibt. Denn so viel an ihm liegt, will er, dass alle Menschen selig werden. Wirken wir also getreu mit seiner Gnade, und wir sind unseres Heiles sicher.
2. Offenbarung 3,11: "Halte fest, was du hast, damit kein anderer deinen Kranz bekommt." Eine ernste Warnung ist dieses Wort unseres Herrn. Denn verlieren wir den Glauben und die Liebe, so wird ein anderer unsere Krone empfangen. Judas fiel, und Matthias wird erwählt. Die Juden wurden meineidig, und die Heiden traten an ihre Stelle. Ein Land verliert den Glauben, und ein anderes nimmt ihn mit Freuden an. Es waren vierzig Kronen für jene 40 Märtyrer bestimmt, die die Marter auf dem gefrorenen Teich erlitten. Einer fiel, und ein heidnischer Wächter trat an seine Stelle und empfing seine Krone. Dies geschieht jeden Tag. Darum wachen und beten wir, dass die Gnade der Beharrlichkeit uns verliehen wird.
3. Hinge mein ewiges Heil nur von Gott ab, dann wäre ich darüber in großer Sicherheit. Da es aber auch von mir abhängt, muss ich allerdings zittern, denn schwach bin ich, wandelbar und bestandlos. Ach, mein Gott, was wird am Ende aus mir werden? Werde ich die Seligkeit erlangen? Ich weiß es nicht. Kann ich sie erlangen? Allerdings, denn der Glaube versichert mich, dass Gott mein Heil aufrichtig will, und von mir nur verlangt, dass ich mit seiner Gnade wirke. Er aber verleiht mir alle Gnaden, dies Werk meiner Ewigkeit zu beginnen und glückselig zu vollenden. Dies ist der Trost meiner Hoffnung. "Noch ist keine Versuchung über euch gekommen, die den Menschen überfordert. Gott ist treu; er wird nicht zulassen, dass ihr über eure Kraft hinaus versucht werdet. Er wird euch in der Versuchung einen Ausweg schaffen, so dass ihr sie bestehen könnt." (1. Korinther 10,13)
Würden wir uns doch, gütiger Vater, mit unerschütterlichem Vertrauen in jeder Beziehung des Lebens zu Dir wenden, damit Du Dich unser erbarmst, und uns einst zu Dir führst, als dem einzigen Ziel all unserer Gedanken, Worte und Werke, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Zu Gott
Liebevoller Vater, ziehe die Herzen Deiner Kinder an Dich heran, damit sie von irdischen Dingen befreit in reiner Liebe Dir ergeben sind, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
Heute kann man sich an den dreifachen Stand erinnern, den die seligste Jungfrau mit ihrem heiligsten Leben geehrt hat, nämlich den Stand der Jungfräulichkeit, den Ehestand und den Witwenstand. Vom ersten und vom zweiten Stand ist ausführlich betrachtet worden. In den letzten Stand aber ist die seligste Jungfrau durch den Tod des heiligen Joseph versetzt worden, und hat darin genau beobachtet, was später der heilige Paulus im ersten Sendschreiben an Timotheus den Witwen anbefohlen hat: "dass jene, die eine wahre Witwe ist und sich in Traurigkeit befindet, auf Gott hoffen und sich Tag und Nacht dem Gebet widmen soll".
Etwa ein Stündchen Wegs vom Hohen Dom zu Trier die Mosel aufwärts erhebt sich breit und wuchtig aus der Niederung am Fluss, grau und verwittert, ein mächtiges Gotteshaus aus alter Zeit. Jahrhundertelang haben unsere Vorfahren in Ehrfurcht daran gebaut und haben keine Mühen und keine Kosten gescheut, bis das herrliche Werk vollendet war zu Ehren des heiligen Matthias, der dort als einziger Apostel diesseits der Alpen die letzte Ruhestätte gefunden hat, hochverehrt von den Völkern, die ringsum wohnen.
Nach der Legende ist Betlehem der Geburtsort des heiligen Matthias. Als der liebe Heiland zu Beginn des öffentlichen Lebens aus der Schar der Jünger die zwölf Apostel auswählte, war Matthias allerdings nicht unter ihnen. Wohl gehörte er zu der Schar der zweiundsiebzig Jünger. Warum, wann und wie aber wurde Matthias in die Schar der Apostel aufgenommen?
Judas hatte, wie wir uns erinnern, versagt und den Heiland verraten und verkauft. Weil er also ausfiel, gab es eine Lücke unter den Zwölfen. Bei den vielen Aufregungen, die sich nach der Auferstehung Jesu in der Osterwoche einstellten, kam niemand auf den Gedanken, den Verräter durch einen anderen zu ersetzen. Anschließend zogen die Jünger auf das Geheiß des Herrn nach Galiläa, wo ihnen der Auferstandene mehrmals erschien, und von dort wanderten die Jünger wieder nach Jerusalem zurück, um Zeugen bei der Himmelfahrt Jesu zu sein.
Nach der Himmelfahrt versammelten sich die Apostel und die übrigen Jünger im Abendmahlssaal, um betend die angekündigte Herabkunft des Heiligen Geistes zu erwarten. Da endlich wurde es stiller um sie, und langsam kamen sie wieder so weit, dass sie nachdachten, Petrus vor allem; denn er war jetzt derjenige, der nach des Herrn Heimgang die Verantwortung trug. Petrus dachte nach, und da kam es ihm zum Bewusstsein, dass der Verräter vor dem Pfingstfest noch ersetzt werden müsse, damit bei der Herabkunft des Heiligen Geistes die Zwölfzahl wieder aufgefüllt sei und damit sie als die ersten Missionare zu zwölft die Sendung erhielten, die Frohbotschaft in der ganzen Welt zu verkünden.
So kam es zur Wahl eines neuen Apostels, und wie es bei der Wahl zuging, wird im Neuen Testament erzählt. Zwei Männer, Joseph und Matthias mit Namen, wurden ausersehen, und Petrus warf über sie das Los, und das Los fiel auf Matthias, und Matthias wurde den elf Aposteln beigezählt. Man kann wohl sagen, dass diese Wahl eine gute und glückliche war, denn Matthias war einer von denen, auf die man sich verlassen konnte. Nach der Legende hat er in Äthiopien, also in Afrika, die Frohbotschaft verkündet, bis auch er das Los aller übrigen Apostel außer Johannes teilte und durch Enthauptung das Leben für Christus hingeben durfte.
Auf weiten Wegen kamen später die Überreste des heiligen Matthias durch die heilige Kaiserin Helena in die Stadt Trier an der Mosel, die dadurch zu einem vielbesuchten Wallfahrtsort wurde bis in unsere Zeit.
Leider gibt es auch heutzutage manche, die wie der Verräter Judas für Geld oder weil ihnen die Zugehörigkeit peinlich ist oder für eine gutbezahlte Stellung den Glauben an Christus aufgeben und aus der katholischen Kirche austreten. Das ist eine Armseligkeit und Treulosigkeit sondergleichen.
Dieser mit himmlischer Weisheit und dem Geist Gottes erfüllte Mann war der Nachfolger des heiligen Flavius auf dem bischöflichen Stuhl zu Rouen und zeichnete sich durch seinen apostolischen Eifer für die Verherrlichung der Kirche Jesu auf der 3. Kirchenversammlung zu Paris und auf der zu Tours im Jahr 566 rühmlich aus. Es war im unerforschlichen Ratschluss der heiligen Vorsehung beschlossen, dass seine Sanftmut und Geduld den schwersten Prüfungen ausgesetzt sein sollte, denn der friedliebende und gerechte Heilige wurde bei König Chilperich von Frankreich verleumderisch angeklagt, als versuche er das Volk gegen ihn aufzuwiegeln. Diese schändliche und von seinen Feinden erdichtete Anklage war die Quelle aller seiner schweren und langwierigen Verfolgungen, wurde schließlich sogar die Ursache seines Martertodes. Der heilige Oberhirt verwendete den größten Teil seiner Einkünfte zur Unterstützung der Armen und Unglücklichen, und diesen Hang zum Wohltun missbrauchten böse, lasterhafte Menschen, denen der Diener Gottes wegen seiner Frömmigkeit verhasst war, und zeigten ihn bei dem verblendeten König an, dass er das Volk gegen die Regierung aufwiegle. Chilperich geriet in eine rasende Wut und befahl sogleich, den Majestätsverbrecher von seinem bischöflichen Stuhl zu reißen, ihn zu fesseln und gefangen zu nehmen und versammelte dann die Bischöfe des fränkischen Reiches, über ihn das Verdammungsurteil zu sprechen. Umsonst widerlegte der schuldlose Heilige gründlich alle ihm zur Last gelegten Verbrechen und besonders den angeschuldigten Kirchenraub. Umsonst verteidigten Aetius, der Erzdiakon von Paris, und der ehrwürdige Gregor, Bischof von Tours, die Unschuld ihres Mitbruders. Die Rache des Königs wurde zwar für dieses Mal durch unwiderlegbare gestillt, aber alle List wurde angewendet, um den Verhafteten in Fallstricke zu verwickeln, dass es wenigstens doch einen Schein von Gerechtigkeit hatte, ihn gewalttätig zu unterdrücken. In einem Gespräch mit einem Höfling sagte der heilige Oberhirt, dass Meroveus, wenn er auf dem Thron säße, durch sein liebevolles Benehmen sich die Achtung aller seiner Untertanen erwerben würde. Dies wurde dem König mit dem Zusatz hinterbracht, dass er es selbst eingestanden habe, Chilperich verdiene nicht, König zu sein, und aller Verteidigung ungeachtet, Prätextatus aus seinem Bistum vertrieben und in das Elend verwiesen. Mit unerschütterlicher Geduld ertrug er Verbannung und Armut und erst nach dem Tod des Königs wurde er von dessen Nachfolger Gunthram, der die Sache auf der Synode zu Mascon genau untersuchen ließ, für unschuldig erklärt und in sein Bistum zurückberufen. Als bei seiner Ankunft in Rouen alle Bischöfe über den endlichen Sieg seiner Unschuld frohlockten und das Volk bei dem Anblick ihres heiligen, misshandelten Bischofs in leuten Freudenjubel ausbrach, soll die rachgierige Fredegundis, die verwitwete Königin, mit Hohn gesagt haben: Auf diese allgemeine Freude folgt gewiss bald wieder eine Verbannung.
Mit rastlosem Eifer verwaltete nun der Heilige sein bischöfliches Amt, bis ihn am heiligen Osterfest im Jahr 588 Mörder am Altar überfielen, wo er gerade das allerheiligste Opfer verrichtete, und ihn so gefährlich verwundeten, dass er bald darauf seinen Geist aufgab. Jedermann hielt die schändliche Fredegundis für die Urheberin dieser gräulichen Mordtat.
1. Wie lange ist es, dass wir im Dasein sind? Haben wir uns selbst erschaffen, als wir noch nicht waren? So gehören wir also auch uns selbst nicht an, sondern demjenigen, der uns Leben, Vernunft und Freiheit verliehen hat, so wie das Bild von Rechtswegen dem Bildner angehört, weil er es hervorgebracht hat. Erfüllen also müssen wir die Absichten unseres Schöpfers, da wir seine Geschöpfe sind, und die Bestimmung erreichen, zu der er uns erschaffen hat, nämlich ihm dienen, zumal da wir ihm nicht umsonst dienen, sondern von seiner Freigebigkeit unsterbliche Belohnungen dafür empfangen.
2. Wie aber haben wir diese heilige Pflicht bisher erfüllt? War sein heiliger Dienst das Ziel unserer Arbeiten, unserer Bestrebungen? Beschämen uns nicht alle vernunftlosen Geschöpfe, die den Willen ihres Schöpfers unwandelbar erfüllen, und sogar, nach seiner Anordnung, uns selbst dienen? Die Sonne leuchtet uns, Pflanzen und Tiere nähren uns, ja die ganze Natur dient uns. Alle Wesen fordern auf ihre Weise uns zu seinem Dienst auf, und sagen uns, dass wir des Lebens nicht wert sind, wenn wir nicht für Gott leben. Wir aber? Können wir wohl mit Wahrheit sagen, dass wir unser Leben, ja dass wir nur acht Tage seinem heiligen Dienst ausschließlich geweiht haben? Wohin zielen auch jetzt unsere Gedanken und Begierden? Ach, meist nur nach der Erde, nach der Verwesung.
3. Bedenken wir wohl, dass wir, wenn wir Gott nicht frei und mit Liebe angehören wollen, ihm gegen unseren Willen angehören werden. Notwendig müssen wir unter der Herrschaft entweder seiner Güte, oder seiner Gerechtigkeit stehen. Unser Gott jedoch ist die Liebe. Er will unsere Seligkeit. Er tut zwar unserer Freiheit keine Gewalt an, aber die Stimme seiner Gnade drängt uns ohne Unterlass, sie drängt uns in jedem Lebensalter, bald liebevoll, bald drohend. Wollen wir noch länger warten? Siehe, schon neigt sich der Tag. Eilen wir wenigstens mit den letzten Arbeitern in seinen Weinberg, und verdoppeln wir unseren Eifer, damit wir nicht uns selbst um den Taglohn des ewigen Lebens bringen. "Ich will deiner Weisung beständig folgen, auf immer und ewig." (Psalm 119,44)