1. Die Liebe ist das Leben, der Trost, die Freudigkeit der Seele. Und je lebendiger diese Liebe ist, um so größer ist ihre Glückseligkeit. Daher auch wird die Verdammnis der ewige Tod genannt, weil die Verworfenen nicht lieben können, und daher ohne Trost und Freude sind. Denn sie hassen und verfluchen sich selbst, ihren Aufenthalt und ihre Gefährten, deren Abscheulichkeit sie in ihrer ganzen Größe schauen. Ebenso hassen sie auch die entsetzlichen Larven der bösen Geister, ja sie hassen Gott selbst als den Rächer ihrer Laster. Sieh also zu, wen und wie du liebst. Denn so wie der Gegenstand deiner Liebe wirst du selbst edel oder unedel, schön oder hässlich sein, dem Ausspruch des Propheten zufolge, der von den Götzendienern spricht: "Sie sind abscheulich geworden gleich den Dingen, die sie liebten." (Hosea 9,10)
2. Gedenke deines unsterblichen Adels, und liebe nichts, das du nicht ewig lieben kannst. Der fleischliche Mensch liebt nur was des Fleisches ist. Diese Liebe ist sein Ziel. Sie verschlingt alle seine Gedanken und Regungen. Dennoch wird sein Liebeshunger so wenig gestillt, als der des Ehrsüchtigen und Geizigen, weil alle irdischen Dinge beschränkt sind, unsere Seele aber ein unermessliches Begehrungsvermögen hat, das durch nichts Erschaffenes sich sättigen lässt. Hieraus wird auch verständlich, dass diese Liebe eine sündhafte Abirrung von Gott, dem unermesslichen Gut, ist. Gott aber verknüpfte mit dieser verkehrten Liebe einen unersättlichen Hunger, damit der Mensch ihn suchen lerne, der allein sein Verlangen sättigen kann.
3. Erhebe deine Liebe zu deinem Schöpfer durch die Betrachtung seiner wunderbaren Werke, seiner liebevollen Vorsehung und der zahllosen Wohltaten, mit denen er dein Leben begnadet. Gott, der die Schwäche des Menschen kennt, Unsichtbares zu lieben, ließ sich herab, sichtbar zu werden, damit unser Herz durch ihn zur Liebe unsichtbarer Dinge entzückt würde. Die heilige Menschheit Jesu Christi ist ein Spiegel, worin wir die unendliche Güte, Liebe und Barmherzigkeit des himmlischen Vaters gleichsam anschaulich sehen, und keine Seele kann sie innig betrachten, ohne zu seiner Liebe entzündet zu werden. "Gott ist der Fels meines Herzens und mein Anteil auf ewig." (Psalm 73,26b)
Gütige Jungfrau Maria, erlange mir die Gnade, dass ich mich doch nicht mehr undankbar dir und Gott gegenüber beweise, der mir aus Liebe zu dir schon so viele Gnaden erteilt hat. Was sagst du hierauf, meine liebe Mutter Maria? Werde ich ewig verloren gehen? Ach, gewiss werde ich verloren gehen, wenn ich dich verlasse. Aber dürfte ich es wohl wagen, dich je zu verlassen, könnte ich mich je wieder von dir trennen, nachdem du mir so viele Beweise deiner Liebe gegeben hast? Du bist nach Gott der einzige Grund meiner Liebe. Ich will es nicht wagen, fernerhin zu leben, ohne dich zu lieben. Siehe, ich wünsche dein Wohlergehen, ich liebe dich, ich hoffe, dass ich dich immer lieben werde, hier auf Erden und die ganze Ewigkeit hindurch im Himmel, dich, o Maria, die du das heiligste, das mildeste, das liebenswürdigste Geschöpf bist. Amen.
Zu Gott
Gott, unser höchster Herr und König, gib Deinem Volk allezeit würdige, mit Deinem Geist erfüllte Regierungen, damit sie in allem Deine Ehre und das Heil der Menschen befördern. Erwecke aber auch bei uns jenen konstruktiven Geist der Bereitwilligkeit, den guten Absichten ihrer Regierenden in allem treu zu entsprechen, damit Herrscher und Beherrschte Deiner Obhut würdig und glücklich werden, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Der heilige Felix von Nola,
Priester, war seiner elterlichen Güter beraubt worden; später hätte er sie wieder zurückfordern können, allein er zog es vor, sich von der Ernte eines kleinen gemieteten Ackers und Gärtchens, die er mit eigener Hand mühsam bearbeitete, zu ernähren.
Die Heiligen zogen die Zufriedenheit mit Wenigem, dem Reichtum und der Bequemlichkeit vor, und wirklich, wenn wir bedenken, dass Jesus 30 Jahre lang für den Sohn eines Zimmermanns gelten wollte, und seine jungfräuliche Mutter die häuslichen Arbeiten selbst besorgte, wie können wir unzufrieden sein, wenn auch wir durch mühsame, harte Arbeit unser Brot verdienen müssen!
Prüfe dich, ob du in deinem Stand zufrieden bist, auch dann, wenn du arm, verlassen, verachtet, durch schwere Arbeit ermüdet bist, dabei manches entbehren musst?
Bete um Zufriedenheit und Arbeitsamkeit in deinem Stand.
Verschmäh der Erde Güter,
Sie sind vergänglich und sind bitter.
Die heilige Abundantia,
Jungfrau. Bei ihrer Geburt und bei ihrem Tod fingen die Glocken zu läuten an, und verkündeten gleichsam ihr Lob und ihre Auserwählung von Gott; und da man sie in die Kirche zur Taufe trug, brannten die Lichter auf dem Altar von selbst an.
Wenn Gott seine Heiligen auf solch ausgezeichnete Weise ehrt, und wenn wir selber noch lebende fromme Seelen um ihr Gebet ansprechen, können und müssen wir nicht auch die Heiligen im Himmel verehren und sie um ihre Fürbitte anrufen?
Prüfe dich über deine Verehrung der Heiligen, ob du zu einigen besonderes Zutrauen hast, z.B. zu jenen, deren Namen du bei der heiligen Taufe und Firmung erhalten hast, oder den du jeden Monat besonders verehrst? - Ob du neben der Nachahmung ihrer Tugenden, z.B. an ihren Festen eine heilige Messe, Kommunion, Litanei oder täglich ein kurzes Gebet zu ihrer Ehre Gott aufopferst?
Bete um Vertrauen auf die Fürbitte der Heiligen.
Schau auf die Heiligen, verehre sie,
Es nützt dir viel, und reut dich nie.
Andenken an die seligste Jungfrau
Auf den heutigen Tag fällt das Andenken jenes Versprechens und Gelübdes ein, womit die seligste Mutter Gottes nach der Meinung der heiligen Väter vor der Vermählung mit dem heiligen Joseph die ewige Jungfräulichkeit gelobt hat.
Dieser Heilige, der in Oberägypten um das Jahr 300 geboren wurde, hütete in seiner Jugend die Herden. Als Kind stahl er einmal mit seinen Freunden Feigen und aß eine davon. An diese Begebenheit konnte er in der Folge nie denken, ohne die bittersten Tränen zu vergießen, als wäre diese unbesonnene Handlung ein großes Verbrechen gewesen. Er war noch jung, als ihm die Gnade den Entschluss, die Welt zu verlassen, eingab. Gelehrig ihren Einsprechungen gegenüber, zog er sich in eine kleine Zelle zurück, die nicht weit von einem ägyptischen Dorf lag. Mit den Handarbeiten, die in Körbeflechten bestand, vereinigte er ununterbrochenes Gebet und die strengsten Abtötungen. Sein Friede, den er im Dienst Gottes kostete, wurde bald durch eine der empfindlichsten Prüfungen gestört. Ein aus der Nachbarschaft schwanger gewordenes Mädchen klagte ihn als ihren Entehrer an. Mehr brauchte es nicht, um ihn den unwürdigsten Misshandlungen auszusetzen. Man schleifte ihn schmachvoll über die Straßen. Man schlug ihn und schimpfte ihn einen Heuchler, der das verdorbenste Herz unter der Kutte eines Einsiedlers verberge.
Makarius, obgleich sich seiner Unschuld bewusst, wollte sich doch nicht rechtfertigen, sondern erduldete die Schläge und Beschimpfungen mit bewunderungswürdiger Ergebung. Ja er tat noch mehr, er nahm es noch auf sich, für den Lebensunterhalt seiner Anklägerin zu sorgen, indem er ihr den Erlös von seinen Körben zuschickte. „Wohlan Makarius,“ sagte er zu sich selbst, „du hast eine Frau gefunden, du musst also deine Arbeit verdoppeln, um es auch ernähren zu können.“ Allein Gott machte bald die Unschuld seines Dieners kund. Da die Zeit der Niederkunft dieser Unseligen herangekommen war, fühlte sie die schrecklichsten Schmerzen, und konnte ihr Kind nicht eher zur Welt bringen, als bis sie den wahren Vater angegeben hatte. Das Volk erkannte nun die Wahrheit und seine Wut wandelte sich nun in Bewunderung, da es über die Geduld und Demut des Heiligen nachzudenken anfing. Es hätte ihm sogar öffentliche Beweise seiner Verehrung und der Reue gegeben, von denen es durchdrungen war, wenn sich Makarius, der das Gift der Lobeserhebungen fürchtete, nicht in die Wüste von Scete, wo er die sechzig letzten Jahre seines Lebens zubrachte, geflüchtet hätte. (Der Berg Nitria lag ungefähr sechzehn Stunden von Alexandrien zwischen Abend und Mittag. Die Wüste Scete lag noch weiter weg, mehr in Lybien als in Ägypten. Da sie sehr ausgedehnt war und man keinen markierten Weg hatte, konnte man nur nach dem Lauf der Gestirne seine Reise dahin richten, und man hatte jeden Grund, seinen Untergang bei der geringsten Verirrung zu befürchten. Die Zellenwüste war ungefähr fünf Stunden vom Berg Nitria entfernt und bildete mit der oben genannten ein und dieselbe Wüste. Die Kirche von Nitria war sehr groß und wurde durch acht Priester versehen. In der Wüste von Scete waren vier Kirchen für die Einsiedler. Ein Decurio – oder Dekan – hatte die Aufsicht über neun Mönche, und ein Centurio über zehn Decurien. Jede Wüste hatte oft einen allgemeinen Vorsteher.) Der Sorgfalt ungeachtet mit der er seine Tugenden zu verbergen versuchte, verbreiteten sie doch bald einen leuchtenden Glanz in die Ferne. Auch kamen mehrere Männer zu ihm, um unter seiner Leitung von ihm zu lernen, wie man zur Vollkommenheit gelangen kann. Von allen seinen Schülern behielt er jedoch nur einen einzigen bei sich, der die Fremden verpflegen musste, die anderen wohnten in einzelnen Zellen, die voneinander abgesondert waren.
Ein Bischof aus Ägypten, der die große Heiligkeit des Einsiedlers Makarius kannte, hielt es für angemessen, ihn zur Priesterwürde zu erheben. Er erteilte ihm daher die heiligen Weihen, damit er nach Bequemlichkeit die heiligen Geheimnisse für diese Gemeinde, die sich von Tag zu Tag erweiterte, feiern konnte. Als sie sich nach Verlauf einiger Zeit noch beträchtlicher vermehrt hatte, baute man vier Kirchen in der Wüste, und jede von ihnen erhielt ihren eigenen Priester.
Die Abtötungen des heiligen Makarius waren außerordentlich. Er aß nur einmal in der Woche. Auch war sein Angesicht sehr blass und sein Körper äußerst schwach. Als Evagrius, einer seiner Schüler, ihn eines Tages in glühendem Durst um Erlaubnis bat, ein Glas Wasser zu trinken, erhielt er zur Antwort: „Sei froh, dass du im Schatten bist. Viele sind wirklich sogar dieses Labsals beraubt. Seit zwanzig Jahren habe ich nicht mehr gegessen, noch getrunken, oder länger geschlafen, als zur Erhaltung des Lebens notwendig war.“ Seinem eigenen Willen hatte er gänzlich entsagt, um nur den der anderen zu tun, und deswegen auch weigerte er sich nicht, den Wein zu trinken, den man ihm hinstellte. Allein in der Folge versagte er sich zwei bis drei Tage lang jeden Trank, um sich einigermaßen für seine Gefälligkeit zu züchtigen. Evagrius, der dies wahrnahm, bat die Fremden, ihm keinen Wein mehr anzubieten.
Die Unterweisungen, die er den anderen erteilte, waren in wenigen Worten begriffen und hatten zum Hauptzweck, das Stillschweigen, das Gebet, die Geistessammlung, die Demut und Abtötung anzuempfehlen – lauter Tugenden, die er selbst im höchsten Grad besaß: „Wenn ihr betet,“ sagte er, „braucht ihr nicht viele Worte zu sprechen. Es ist genug, wenn ihr oft mit aufrichtigem Herzen wiederholt: Herr sei mir barmherzig, so wie du es für mich nützlich findest. Mein Gott stehe mir bei.“ Er kannte aus Erfahrung die Wirksamkeit dieser kleinen Gebete; und er hatte keins lieber als dieses, das zugleich das tiefste Gefühl der Ergebung und innigsten Liebe atmet: „Herr erbarme dich meiner, so wie du willst, und weißt, dass es deiner Güte am besten entspricht. Domine, sicut scis et vis, miserere mei.“
Man konnte nicht müde werden, die Sanftmut und Geduld des heiligen Makarius zu bewundern. Nichts war imstande, diese zwei Tugenden in ihm zu trüben. Ein Götzenpriester und mehrere Ungläubige wurden dadurch so betroffen, dass sie sich zur christlichen Religion bekehrten. Nicht weniger groß war auch seine Demut, sie zwang eines Tages dem Teufel selbst dieses Geständnis ab: „Makarius,“ so sagte er zum Diener Gottes, „ich kann wohl in Nachtwachen, im Fasten und mehreren anderen Dingen dich übertreffen, allein deine Demut beschämt und entwaffnet mich.“
Viele Menschen strömten von allen Seiten her, um sich beim heiligen Abt Rat zu holen. Unter diesen war auch ein junger Mann, der sich dem Einsiedlerleben widmen wollte. Makarius befahl ihm, auf einen Gottesacker zu gehen, und die Toten zu schelten. Ein anderes Mal schickte er ihn wieder dahin, sie zu loben. Bei seiner Rückkehr fragte er ihn, welche Antwort ihm die Toten gegeben hätten. „Sie haben,“ sagte der junge Mann, „weder auf die Schimpfworte, noch Lobeserhebungen geantwortet.“ – „Geh also hin,“ erwiderte der Heilige, „und ahme ihre Unempfindlichkeit nach. Wenn du der Welt und dir selbst abstirbst, wirst du anfangen für Jesus Christus zu leben.“ Da wir nicht alle bemerkenswerte Reden des heiligen Makarius anführen können, so beschränken wir uns bloß auf einige Beispiele. Aus diesen wird man seine großen Fortschritte im geistlichen Leben ohne Mühe erkennen.
Eines Tages sagte er zu jemanden: „Wenn du von der Hand Gottes Armut, wie Reichtum, Hunger und Dürftigkeit, wie Überfluss und Belustigungen, annimmst, wirst du unfehlbar den Feind deines Heils zu Boden werfen, und alle deine Leidenschaften bezwingen.“ Ein Einsiedler beklagte sich einst bei ihm, dass ein Heißhunger ihn immer reize, das Fasten in der Einsamkeit zu brechen, wo er in dem Kloster leicht eine Woche zubringe, ohne zu essen. Diesem antwortete er ganz unverhohlen: „Dies kommt daher, mein Sohn, weil du in der Wüste niemanden hast, der Zeuge deines Fastens ist, der dich aufrechterhält, und mit seinen Lobsprüchen nährt. Im Kloster war der eitle Ruhm deine Nahrung, indem dort das Vergnügen, dich vor den andern durch deine Enthaltsamkeit auszuzeichnen, eine gute Mahlzeit ersetzte.“ Da ihn ein anderer Einsiedler fragte, wie er den Anfechtungen des unreinen Geistes, der ihn heftig versuchte, Widerstand tun soll, riet ihm der Heilige, der sah, dass diese Versuchungen von der Trägheit herkamen, sich mit seiner Arbeit unablässig während des ganzen Tages zu beschäftigen, und erst nach Sonnenuntergang zu essen. Der Einsiedler befolgte diese Vorschrift genau, und wurde von seinen Anfechtungen befreit.
Makarius wurde eines Tages durch göttliche Offenbarung belehrt, dass er noch nicht so vollkommen sei, als zwei verheiratete Frauen, die in einer nahen Stadt wohnten. Sogleich reiste er ab, sie zu besuchen, und fand wirklich, dass sie das heiligste Leben führten. Aufmerksam auf ihre Zungen sprachen sie nie ein unnützes Wort aus. Demütig, geduldig, sanft und gefällig gegenüber ihren Ehemännern, richteten sie sich in allem nach ihrem Willen, wenn sie dem Gesetz Gottes nicht entgegen waren. Sie lebten in beständiger Geistessammlung und wandten sich oft in kleinen Gebeten an Gott, um ihm unablässig alle Kräfte ihrer Seele und ihres Leibes zu heiligen.
Neben der Gabe der Weissagung hatte unser Heiliger auch noch die der Wunder. Er gab hiervon einen auffallenden Beweis bei einer Gelegenheit, in der es darum ging, den Irrtum zu beschämen. Ein Ketzer, von der Sekte der Hierakiten (So genannt von Hierax, ihrem Oberhaupt, der seine gottlose Lehre in Ägypten verbreitete, zur Zeit des Kaisers Diokletian. Unter anderen Irrtümern leugnete er auch die Auferstehung der Toten.), hatte sich in die Wüste eingeschlichen, wo er seine gottlosen Lehrsätze verbreitete. Einige Einsiedler, durch seine verfänglichen Reden getäuscht, waren in Gefahr, ihren Glauben zu verlieren. Makarius erschrak darüber, und setzte die Lehre der Kirche den eitlen Trugschlüssen des Irrlehrers entgegen. Allein da er es mit einem rüstigen und verschlagenen Feind zu tun hatte, der immer darauf bestand, seine Hirngespinste auszukramen, schlug er vor, den Glauben, die seine Brüder und er bis dahin hatten, durch ein Wunder zu bestätigen, und erweckte einen Toten, wodurch der Irrlehrer beschämt und die Einsiedler im wahren Glauben bestärkt wurden.
Infolge dieser unwandelbaren Anhänglichkeit an den katholischen Glauben, verabscheuten auch der heilige Makarius und seine Schüler immer die gottesräuberische Lehre des Arius. Lucius, ein arianischer Patriarch von Alexandrien (Die Arianer haben, nachdem sie Petrus, den Nachfolger des heiligen Athanasius, vertrieben hatten, Lucius auf den Stuhl des heiligen Markus erhoben. Es war im Jahr 376, dass dieser Eingedrungene die Mönche verfolgte.), der aus Erfahrung überzeugt war, dass die Einsiedler bei der Lehre der Väter des Konzils von Nizäa unerschütterlich beharrten, schickte Soldaten in die Wüste, sie zu zerstreuen. Mehrere von ihnen trugen die Krone des Märtyrertodes davon. Allein die Hauptstützen von ihnen, die beiden Makarius, Isidor, Pambon uam., wurden auf Befehl des Kaisers Valens auf eine kleine Insel in Ägypten, die rings mit Sümpfen umgeben war, verbannt. Bald sah man aber in diesem Ort eine wunderbare Umwandlung. Die Heiden, die da wohnten, unterrichtet in der Lehre dieser heiligen Bekenner, entsagten ihrem Götzendienst, und nahmen die heilige Taufe an. Sobald das Volk von Alexandrien diese freudige Nachricht erhielt, verwünschte es den Lucius, dass er Heilige verbannt hatte, die sich einzig damit beschäftigten, Gott zu gefallen, und das Reich Jesu Christi zu erweitern. Man schrie von allen Seiten so laut über Ungerechtigkeit und Gottlosigkeit, dass der Patriarch, der einen Aufruhr befürchtete, den verbannten Einsiedlern erlaubte, wieder in ihre Zellen zurückzukehren.
Der Heilige Makarius gab sich, da er in seine geliebte Einsamkeit wieder zurückgekommen war, den gewöhnlichen Übungen hin. Als er darauf bald erkannte, dass er seinem Ende nahe ist, besuchte er noch die Einsiedler von Nitria. Ihnen gab er so rührende Lehren über die Zerknirschung des Herzens, dass sie alle mit Tränen in den Augen zu seinen Füßen niederwarfen. „Lasst uns weinen, meine Brüder,“ sagte er dann, „vergießen wir unaufhörlich Ströme der Tränen in diesem Leben, damit wir nicht in jenen Abgrund gestürzt werden, wo sie nur dazu dienen könnten, das Feuer, das unsere Leiber brennen würde, noch mehr anzufachen.“ Der Heilige überlebte diesen Besuch nicht lange, sondern verließ diese Welt im Jahr 390, um hinzugehen und die Belohnung seiner Arbeiten zu empfangen. Er war neunzig Jahre alt und hatte sechzig davon in der Wüste von Scete zugebracht.
Dieser Heilige scheint der erste Einsiedler gewesen zu sein, der diese ungeheure Wüste bewohnte. Man findet den Namen des heiligen Makarius aus Ägypten im römischen Martyrologium am 15. und in den Menäen der Griechen am 19. Januar angegeben.
1. Unser Gott, der uns zu einer ewigen Glückseligkeit in seinem Schoß erschaffen hat, gestattet uns auch gern Erholungen von den Arbeiten und Mühsalen dieses Lebens, da solche Vergnügungen Mittel sind, den Überdruss zu heben, Leib und Seele zu erquicken, und aufs neue zu arbeiten und uns in seinem Dienst zu kräftigen. Indessen verbietet sein heiliges Gesetz uns nicht nur Missbrauch und Sünde, sondern heiligen auch sollen wir nach seiner Absicht sogar das unschuldige und erlaubte Vergnügen. Darum spricht die Schrift: "Es sollen die Gerechten sich freuen", fügt aber alsbald bei: "Vor dem Anblick Gottes." (Psalm 68,4-5) Denn dieser heilige Anblick kann allein uns vor den Fehlern bewahren, die bei Unterhaltungen so leicht unterlaufen.
2. So wie wir jeden Augenblick Atem holen müssen, die natürliche Hitze zu dämpfen, also ist auch die beständige Erinnerung an Gottes heilige Gegenwart uns notwendig, die Glut unserer ungeordneten Neigungen zu dämpfen, die selbst bei dem unschuldigsten Vergnügen uns unaufhörlich zur Sünde reizen. Fordert der Wohlstand von dir, dass du einem Gastmahl, einer häuslichen Unterhaltung oder einem Freudenfest beiwohnst, so stelle dir die Sittsamkeit vor Augen, mit der Maria und Jesus selbst der Hochzeit zu Kana beiwohnten. Ebenso erwäge die Weisheit seiner Worte, wenn er sich herabließ, bei einem Pharisäer zu speisen, und betrachte seinen liebevollen Ernst. Denn Jesus, sprechen die Väter, begab sich dahin nur, uns zu lehren, wie wir sogar unsere Unterhaltungen heiligen sollen.
3. Bedenke, dass die Augen des Herrn immer auf dir ruhen. Er liebt dich, und er hört es mit Wohlgefallen, wenn du ihm oft und wiederholt beteuerst, wie innig du ihn liebst. Sage ihm also mitten unter dem Gewirr, dass du ihn als den Urquell aller Freuden liebst. Gedenke seiner Güte, die das Elend der Menschen durch so freundliche Arzneien mildert. Und der Anblick dieser irdischen Freuden erinnere dich an die Freuden des himmlischen Jerusalems. Also pflegten die Heiligen den Unterhaltungen beizuwohnen, dass sie beim Weggehen von ihnen getrost hätten vor Gottes Richterstuhl erscheinen dürfen. Habakuk 3,18: "Dennoch will ich jubeln über den Herrn, und mich freuen über Gott, meinen Retter."
Maria, stehe mir bei, Maria, hilf mir. Besonders wenn der Tag kommen wird, da ich den letzten Kampf mit der Hölle zu bestehen haben werde. Wenn die Stunde meines Todes schlägt, dann, meine Königin, dann stehe mir besonders bei, dann erinnere du mich selbst daran, dass ich dich oft mit Herz und Mund anrufe, damit ich, wenn ich den Geist aufgebe, deines heiligsten Sohnes Jesus Namen im Mund habe, und dich die ganze Ewigkeit hindurch im Himmel preisen und loben und nie von dir getrennt werden möge. Amen.
Zu Gott
O Gott, schenke Deiner Kirche Hirten nach Deinem Herzen, die ganz für ihr erhabenes Amt leben, seine Beschwerden mutig ertragen, und in allem nur auf Dich sehen. Uns aber gib die Gnade, dass wir durch unser Leben ihre Krone und Freude werden, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Die heilige Priska,
Jungfrau und Martyrin, war erst 13 Jahre alt, als sie grausam gemartert wurde, wobei sie aber ganz unverletzt blieb. Schließlich wurde sie enthauptet. Nach ihrem Tod sah man 2 Adler, die ihren heiligen Leib wunderbar beschützten, dass er nicht entehrt werden konnte.
Welch großen Wert muss eine keusche, unbefleckte Seele in den Augen Gottes haben, da Er ihren Leib selbst nach dem Tod noch so ehrenvoll zu beschützen weiß! Ja, es erwartet sie im Himmel ein Ehrenkränzlein, das selbst unter den Heiligen nur jene tragen werden, die Jungfrauen geblieben sind.
Prüfe dich, ob du bisher diese kostbare Tugend recht zu schätzen wusstest? - Lies doch etwas darüber. Einen Edelstein, dessen Wert man recht kennt, sucht man auch auf's Sorgfältigste zu bewahren.
Bete den hohen Wert der jungfräulichen Keuschheit zu erkennen.
Von Jugend auf bleib Gott geweiht,
Das bringt die ewige Seligkeit.
Andenken an die seligste Jungfrau
In Sizilien wurde heute die seligste Jungfrau sowohl wegen ihrer ausnehmenden Gnadenwahl, als wegen ihrer besonderen Fürbitte und Leistung wundertätigen Beistands hoch verehrt.
Im Diadem einer Königin glänzen neben den Edelsteinen kostbare Perlen, deren Wert manchmal Millionen aufwiegt. In dem Schmuck der Königin aller Heiligen bemerken wir einen strahlenden Kranz echter Perlen, die jungfräulichen Seelen darstellend, die ihrem erhabenen Vorbild treu nachgefolgt sind. War Maria die erste, die erhabenste und vollkommenste Jungfrau, die sich durch das Gelübde der steten Jungfräulichkeit und Keuschheit Gott verband, so haben ihr im Lauf der christlichen Jahrhunderte tausende und tausende edler Jungfrauen und Jünglinge nachgeeifert, um gleich ihr am Thron des makellosen Gotteslammes in weißen Kleidern stehen zu dürfen. Eine dieser edlen, reinen Jungfrauen war Margarita, die Tochter des Königs Bela IV. von Ungarn.
Als die Mongolen, wie einst bei der Völkerwanderung, das asiatische Steppenland verließen und Ungarn mit Feuer und Schwert verwüsteten, floh der bedrängte König mit den Seinigen nach Dalmatien. In seiner äußersten Bedrängnis gelobte er, das Kind, das seine Gattin bekommen würde, dem Dienst der Kirche zu weihen. Die Königin gebar eine Tochter, die in der heiligen Taufe den Namen Margarita (d.h. Perle) empfing. Der Name des Kindes entsprach ihrem späteren Leben, denn sie wurde eine Perle unter den Jungfrauen. Die Königstochter hatte noch nicht ihr viertes Lebensjahr vollendet, als ihre Eltern sie den Dominikanerinnen zu Vesprin übergaben. Nicht lange danach erbaute der König ein Kloster desselben Ordens auf einer Donauinsel zwischen Ofen und Pesth und ließ seine Tochter dorthin bringen. Hier legte Margarita in einem Alter von zwölf Jahren die Ordensgelübde ab.
Die junge Nonne bildete sich mit außerordentlichem Fleiß in den Wissenschaften und weiblichen Handarbeiten aus, besonders drang sie tief in die Kenntnis der Religion ein und übertraf darin viele Erwachsene. Ihre Andachtsglut und ihre Liebe zu göttlichen Dingen würdigte sie besonderer Erleuchtungen. In ihrer Demut und Selbstverleugnung wollte sie als niedrigste Magd angesehen werden und wurde immer betrübt, wenn man sie an ihre vornehme Geburt erinnerte. Mehrere Fürsten bewarben sich um die Hand der schönen Prinzessin und ihre Eltern wollten Dispens für sie erwirken, sie aber erklärte voll Entrüstung, sie wolle lieber ihr Leben verlieren, als ihr Ordenskleid.
Margarita war das Muster einer vollkommenen Ordensfrau. Obgleich sie ihre Seele von jedem Schatten der Sünde rein bewahrte, so betrachtete und behandelte sie sich als die größte Sünderin. Sie schlief auf dem Boden ihrer Zelle, nur mit einem rauen Fell bedeckt, einen Stein als Kopfkissen unter ihrem Haupt. Suchte sie Gott mit einer Krankheit heim, so verbarg sie sorgfältig ihre Schmerzen, damit man sie nicht nötige, die den Kranken gestatteten Erholungsmittel zu gebrauchen.
Behandelte Margarita sich selbst mit aller Strenge, so zeigte sie gegen andere eine außerordentlich zarte und wohlwollende Liebe. Erhielt eine ihrer Mitschwestern einen Verweis oder eine Strafe, so wünschte sie sehnlichst, anstatt ihrer diese Verdemütigung zu leiden. Schien eine Mitschwester auch nur die geringste Abneigung gegen sie zu hegen, so warf sie sich ihr zu Füßen und bat um Verzeihung. Erhielt sie von ihren königlichen Eltern Geschenke, so wandte sie diese den Armen zu. Den Kranken erwies sie die niedrigsten Dienste ohne Abscheu und Ekel. So wurde sie allen alles.
Eine besondere Verehrung hegte Margarita zum heiligen Kreuz. Von dem Kreuz, an dem unser Erlöser für die Sünden der Menschheit gestorben war, trug sie stets eine Partikel bei sich und küsste sie oft mit tiefster Verehrung. Vor dem Kreuzaltar der Klosterkirche kniete sie oft in tiefster Andacht nieder und rief voll Inbrunst den heiligen Namen Jesus an. Während der Anhörung der heiligen Messe und beim Empfang der heiligen Kommunion rannen gewöhnlich Tränen der Rührung von ihren Wangen. Am Vorabend des Tages, wo sie die heilige Kommunion empfing, nahm sie keine andere Nahrung zu sich, als Wasser und Brot, und brachte die Nacht im Gebet zu. Am Tag, wo sie sich mit ihrem göttlichen Heiland im Mahl der Liebe vereinigt hatte, genoss sie erst am Abend ein wenig Speise. Aus ihrer Liebe zu Jesus entquoll auch die innige Verehrung zu seiner heiligen Mutter. An den Festtagen der allerseligsten Jungfrau strahlte das Angesicht ihrer warmen Verehrerin von heiliger Freude und Inbrunst und in ihrem Herzen sprossen neue Entschlüsse auf, der Königin der Jungfrauen möglichst ähnlich zu werden.
Wegen ihrer vorzüglichen Tugenden wurde Margarita zur Äbtissin des Klosters erwählt. In ihrem Amt verdoppelte sie ihren Bußeifer, las eifrig in den heiligen Schriften, betrachtete andächtig die ewigen Wahrheiten und vervollkommnete ihre eigene Seele, wie die Seelen ihrer Mitschwestern. In der Blüte ihrer Jahre, in einem Alter von 28 Jahren, rief sie Gott im Jahr 1270 zu den ewigen Freuden des Himmels, um dort als auserwählte Perle zu glänzen im Ehrenkranz der Königin aller Jungfrauen. Das Kloster, das Margarita mit dem Glanz ihrer Tugenden erfüllte, wurde später von den Türken zerstört, aber heute noch wird die Insel nach ihrem Namen Margareteninsel genannt. Die Stadt Pressburg bewahrt voll Ehrfurcht ihre Reliquien.
1. Wir alle, die wir unter die Fahne Jesu Christi uns gereiht haben, und mit dem heiligen Chrisam zu Streitern seiner Kirche gesalbt wurden, sind verpflichtet, jeder nach seiner Weise, Eifer für unseren Glauben zu bezeigen, und fest im Kampf wider seine Feinde zu stehen. Nicht mehr blutig zwar, wie in den ersten Jahrhunderten, sind nun diese Kämpfe. Aber eine andere, weit gefährlichere Verfolgung erhob sich mitten im Schoß der Kirche, da viele ihrer undankbaren Kinder ihre Gesetze verachten, und auch andere zu ihrer Verachtung verleiten. Dies Ärgernis aber wird immer allgemeiner, weil niemand sich widersetzt. Und selbst die aufrichtigsten Gegner verkennen diese Kirche, weil ihre Bekenner durch ihre Sitten sie entstellen und entehren.
2. Nicht jeder zwar hat Kenntnisse und Einsicht genug, das Irrgerede der Gottlosen zu widerlegen. Alle aber können wir durch ein frommes und aufrichtiges Leben die Feinde der Religion beschämen, und unser Missfallen an ihren gottlosen Behauptungen aussprechen, oder, gestatten Rücksichten auf Rang, Würde oder höheres Alter auch dies nicht, wenigstens durch ernstes Stillschweigen unsere inneren Gesinnungen kund geben. Schwer versündigen sich, die aus sogenannter Klugheit und Nachgiebigkeit mit den Feinden der Religion gleichsam übereinstimmen, obwohl sie auch im Herzen anders denken. Schlechte Kinder sind dies, die, um den Feinden ihrer Mutter nicht zu missfallen, selbst sie schmähen und beschimpfen.
3. Viele verloren zur Strafe für diese Feigherzigkeit den Glauben, die beleidigte Gnade entzog ihnen ihr Licht und ihre Salbung, sie versanken in Gleichgültigkeit, und zuletzt in gänzlichen Unglauben. Wer vor einem Ungläubigen zittert, der wird vor einem Tyrannen den Glauben verleugnen. Tausende und abermals Tausende heiliger Märtyrer verteidigten den Glauben mit ihrem Blut und Leben: was aber hast du bei der Verteidigung des Glaubens zu fürchten? Den Spott und die Verachtung der Welt. Großer Ruhm vor Gott ist das, ein Ruhm, den du mit den Aposteln, den Propheten und den Märtyrern teilst. Lukas 9,26: "Denn wer sich meiner und meiner Worte schämt, dessen wird sich der Menschensohn schämen, wenn er in seiner Hoheit kommt und in der Hoheit des Vaters und der heiligen Engel."
O Mutter der Barmherzigkeit, ich weiß, dass du deine Freude daran findest, dass du deine Ehre darein setzt, wenn du dem Elendsten helfen kannst. Und dem kannst du immer helfen, wenn er nur nicht hartnäckig sich dir widersetzt. Siehe, ich bin ein Sünder, aber ich will mich bekehren, ich will mein Leben ändern. Du kannst mir helfen, Maria. Nun so hilf mir und mache, dass ich selig werde. Heute noch übergebe ich mich dir ganz. Sage mir nur, was ich zu tun habe, um meinem Gott zu gefallen, und ich will es tun. Ja, ich hoffe, dass ich es mit deiner Hilfe tun werde, o Maria, die du meine Mutter, mein Licht, mein Trost, meine Zuflucht, meine Hoffnung bist. Amen.
Zum heiligen Antonius
Bitte für mich, heiliger Antonius, dass ich immer wachsam und demütig bin, und dadurch die Nachstellungen des Teufels überwinde, und den Fallstricken der Welt entgehe, damit ich dann, wenn die Bande dieses Lebens zerreißen, auf immer von allen Gefahren befreit, und in die Freiheit der Kinder Gottes aufgenommen werde, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Der heilige Antonius,
Abt und Einsiedler, hörte die Worte: "Willst du vollkommen werden, so gehe hin, verkaufe was du hast, gib es den Armen, und du wirst einen Schatz im Himmel haben. Dann komm und folge mir nach." Diese göttliche Einsprechung drang so tief in sein Herz, dass er sogleich alles verließ und in der Einsamkeit blieb bis in sein 105tes Lebensjahr.
Sage doch nie, wenn du in einer Sache den Willen oder das Wohlgefallen Gottes erkennst: "Morgen, morgen will ich es tun", - weißt du denn ob dir Gott morgen noch Zeit und Gnade dazu verleihen wird?
Prüfe dich hierüber, - und lass dir doch keine innere Mahnung zu gering erscheinen. - Was ist kleiner als ein Senfkörnlein? - In guter Erde wächst es aber zu einem hohen Baum; so legt oft die augenblickliche Befolgung einer göttlichen Einsprechung den Grund zu großer Heiligkeit.
Bete um schnelle Befolgung der göttlichen Einsprechungen.
Morgen, morgen, nur nicht heute,
Sprechen immer träge Leute.
Andenken an die seligste Jungfrau
Am heutigen Tag im Jahr 1235 wurde der Orden Unserer Lieben Frau von der Erlösung der Gefangenen vom Papst Gregor IX. gutgeheißen. Die seligste Jungfrau, die dem heiligen Raimund von Pennafort und Petrus Nolaskus, wie auch dem König in Aragonien Jacob I. erschienen ist, hat diesen Orden veranlasst.
In Ägypten, und zwar im Dorf Keman bei Heraclea, wurde Antonius um 251 geboren. Dem Wort Gottes folgend, verschenkte der Sohn wohlhabender Eltern sein Erbe und zog sich in ein Felsengrab zurück.
Seine Standhaftigkeit wurde durch Versuchungen verschiedenster Art immer wieder auf die Probe gestellt. Vor der großen Verehrung, die man ihm entgegenbrachte, floh er über den Nil und erst viele Jahre später, auf Drängen seiner ständig wachsenden Jüngerzahl, gründete er eine „Einsiedlergemeinde“. Er setzte an Stelle des asketischen Einsiedlerlebens das Leben in der Gemeinschaft. Im Laufe der Zeit entwickelte sich aus diesem Modell die Mönchsgemeinde.
Antonius starb 356. Ursprünglich wurde er vor allem von Kopten, Syrern und Byzantinern verehrt, seit dem 12. Jahrhundert dann auch in Rom.
„Antonius hatte neben seiner Zelle einen kleinen Garten, den er mit eigenen Händen anbaute, und dessen Früchte ließ er für jene bereiten, welche, um zu ihm zu gelangen, eine ungeheure Wüste mit tausend Beschwerden durchwandern mussten. Der Anbau des Gärtchens war aber nicht die einzige Arbeit, , womit er sich beschäftigte; er verfertigte auch noch Matten aus Binsen. Eines Tages, da er sich nicht anhaltend der heiligen Beschauung hingeben konnte, hatte er folgendes Gesicht. Er sah einen Engel, der eine Matte aus Palmblättern machte und von Zeit zu Zeit seine Arbeit verließ, um sich mit Gott im Gebet zu unterhalten. Nachdem er so öfters zwischen Arbeit und Gebet abgewechselt hatte, sagte er zu dem Heiligen: „Tu dasselbe, und du wirst selig werden.“ Antonius unterließ hinfort nie diese Übung; während seine Hände arbeiteten, blieb sein Herz mit Gott vereint.
Aus folgenden Zügen mag man von der Glut seiner Gebete und der Erhabenheit seiner Beschauung urteilen. Er stand um Mitternacht auf und betete auf den Knien mit gegen Himmel gehobenen Händen bis Sonnenaufgang, und oft bis um drei Uhr nachmittags. Zuweilen beklagte er sich, dass ihn die Rückkehr der Sonne zu seinen täglichen Beschäftigungen rief. „Was soll ich mit deinem Licht machen“, sagte er zur Sonne, wenn sie zu scheinen anfing. „warum kommst du, mich zu zerstreuen? Warum gehst du nur auf, um mir die Helle des wahren Lichtes zu nehmen?“
Die Verehrung, welche man gegen unseren Heiligen hatte, war so allgemein, dass Konstantin der Große und seine zwei Söhne, Konstantius und Konstans, ihm gegen das Jahr 337 schrieben, ihn um seine Fürsprache bei Gott baten, und das lebhafteste Verlangen äußerten, von ihm eine Antwort zu erhalten. Da die Jünger des heiligen Antonius über die Ehre staunten, die ihm der Beherrscher der Welt zeigte, sagte er ihnen: „Ihr dürft nicht staunen, dass ich einen Brief von dem Kaiser empfange. Es ist ein Mensch, der an einen anderen Menschen schreibt. Allein staunet, dass uns Gott seinen Willen durch die Schrift zu erkennen gab, und dass er durch seinen eigenen Sohn zu uns geredet hat.“ Anfangs wollte er keine Antwort geben, indem er als Grund anführte, er wisse nicht, wie man sich dabei benehmen müsse. Endlich aber gab er den wiederholten Vorstellungen seiner Schüler nach und schrieb an den Kaiser und seinen Söhnen einen Brief, in dem er sie ermahnte, die Welt zu verachten, und niemals den Gedanken an das letzte Gericht aus ihrem Auge zu verlieren.“
Seit dem 14. Jahrhundert trägt Antonius in den zahlreichen Darstellungen ein gegürtetes grobes Gewand und einen Mantel mit „T-Zeichen“ (Antoniuskreuz). Vor allem manche „Versuchungen des heiligen Antonius“ zählen zu den eindrucksvollsten Werken der europäischen Malerei. Oft sitzt auch der Teufel zu seinen Füßen oder er wird mit Feuerflammen neben sich, mit einem geöffneten Buch, in einer Höhle und mit Kreuzstab, an dem Glöckchen hängen, dargestellt. Das bekannteste Attribut des Heiligen ist das Schwein. Es weist offensichtlich auf seine helfende Macht bei ansteckenden Tier- besonders Schweinekrankheiten hin.
Äthiopien, die französische Landschaft Dauphiné, Hildesheim und andere Städte verehren den heiligen Antonius als ihren Patron.
Er beschützt auch das Vieh, insbesondere die Schweine, die Haustiere, die Schweinehändler und Hirten, die Metzger, Bürstenbinder, Glöckner, Handschuhmacher, Korbmacher und die Totengräber. Angerufen wird er in Feuersnot, gegen Hautkrankheiten, besonders die Gürtelrose, den Rotlauf und Seuchen.
Antonius verlässt seine Höhle
Eine Episode aus der Zeit der Christenverfolgung von Henri Queffélec, aus „St. Anthony oft the Desert“, Verlag Dutton und Co., New York 1954
Kaiser Diokletian, bestrebt, den römischen Staat in seiner alten Ordnung wiederherzustellen, konnte nicht begreifen, warum sein Programm auf Widerstand stieß, und ließ nach den dafür Verantwortlichen fahnden. Früher oder später musste man dabei auch auf die Christen stoßen, die sich weigerten, ihm göttliche Verehrung zu erweisen.
Diokletian war kein blutrünstiger Tyrann, sondern wog die verschiedenen Seiten des Problems klug gegeneinander ab. Er wusste, dass in manchen Teilen Ägyptens ein Viertel der Einwohner bereits Christen waren, dass die neue Religion einen starken Auftrieb erlebte und die Bekehrungen ständig zunahmen. Eines Tages trafen Berichte ein, dass sich in der Umgebung von Memphis ein merkwürdiger Mann namens Antonius aufhalte, der in der Wüste lebe und einen ungeheuren Einfluss auf die Bevölkerung ausübe.
Diokletian selbst hatte eine große Zahl neuer Götter geschaffen, und die Christen machten sich mit ihrer Weigerung, diese anzuerkennen und zu verehren, des Hochverrats schuldig. Das reizte ihn, sie zu verfolgen. Schon so viele Kaiser vor ihm hatten das getan, dass es beinahe etwas Selbstverständliches war. Aber er wusste auch, dass man eine einmal begonnene Verfolgung bis zum endgültigen Erfolg durchführen musste.
Die Verfolgung begann keineswegs mit einem Massenmorden. Im März des Jahres 303 wurden zwei kaiserliche Gesetze erlassen. Das erste befahl die Schließung aller christlichen Kirchen und Gebetshäuser und verlangte, dass alle religiösen Gegenstände den Behörden abzuliefern seien. Das zweite ordnete die sofortige Verhaftung der Vorstände dieser Kirchen an. Aber wenn auch eine große Zahl von Kirchen samt ihren heiligen Büchern verbrannt wurde, gelang es doch vielen Priestern zu entkommen. Sie fürchteten sich nicht vor dem Tod, der sie zu Märtyrern gemacht hätte, sondern wollten nur ihre Herde nicht im Stich lassen.
Die Verfolgung nahm zu. Nun waren die einfachen Anhänger des neuen Glaubens die Opfer. Nach dem üblichen Vorgehen forderte man sie auf, den heidnischen Gottheiten zu opfern. Viele gaben dem Druck nach. Ein Teil derer, die Widerstand leisteten, wurden hingerichtet, doch die meisten wurden wieder freigelassen. Nur keine Märtyrer machen! war Diokletians Bestreben.
Auch viele Soldaten Diokletians bekehrten sich zum Christentum und desertierten aus Gewissensgründen. Diokletian wurde wütend und griff zum Terror. In Phrygien, Kappadozien, Arabien, Phönizien und vor allem in Ägypten floss das Blut in Strömen. Die Henker lösten einander ab; ihre Äxte wurden stumpf vom vielen Gebrauch. Menschlicher Erfindungsgeist und Grausamkeit verbanden sich in dem Streben, die Martern zu verlängern und sie immer schrecklicher zu machen. Frauen hing man an einem Fuß mit dem Kopf nach unten auf. Den Männern brach man Arme und Beine und vierteilte sie.
Dann kam der Tag, an dem Antonius beschloss, seinen Brüdern und Schwestern zu Hilfe zu eilen, nachdem er 20 Jahre lang einsam in der Wüste gelebt hatte. Es hatte ihn nie zum Martyrium gedrängt. Nun aber wünschte er, das Schicksal seiner Brüder und Schwestern zu teilen. So machte sich dieser Gandhi des 4. Jahrhunderts auf die Reise. Sein Entschluss stand fest, nachdem er jahrelang gezögert hatte. „Kommt, lasst uns ebenfalls kämpfen, wenn wir gerufen werden, oder wenigstens die beobachten, die kämpfen!“ Zusammen mit anderen Mönchen erreichte er in der Nähe von Aphroditopolis den Nil, und die kleine Gruppe bestieg in Boot, das sie mit zum Meer nahm. Das damalige Alexandria musste dem Neuankommenden vorkommen wie uns heute eine Stadt von Wolkenkratzern. Unter der Menge, die die Ankommenden erwartete, waren Christen, die von der bevorstehenden Ankunft der Mönche wussten. Sie empfingen Antonius mit dem Friedenskuss. Sein Name ging von Mund zu Mund und erweckte die Neugierde der Müßiggänger. Ein Mann, der 20 Jahre in der Wüste gelebt und die bösen Geister besiegt hatte und dem 40.000 Menschen gehorchten!? Alles drängte sich, um diesen Aszeten und Wundertäter zu sehen.
Antonius und seine Gefährten wurden von der großen Mehrheit der Bevölkerung dieser Großstadt gleichsam wie Ehrenbürger aufgenommen. Es machte Eindruck auf Griechen, Juden, Syrier und Afrikaner, dass diese Männer aus der Wüste herbeigeeilt waren, um denen, die sie ihre Brüder und Schwestern nannten, zu helfen, aufrecht zu sterben.
In Sporthallen, Schenken und Theatern begann eine heftige Diskussion. Würde die Polizei ihre merkwürdige Nachsicht aufgeben und die Mönche in das Gefängnis werfen? Oder würden diese Sieger bleiben? Welches Ende würde der merkwürdige Kampf nehmen, bei dem Todesurteile als Auszeichnung galten und nicht Niederlage, sondern Triumph bedeuteten?
Der Kampf war in der Tat seltsam und drückte in beredter Sprache die Verwirrung der Machthaber aus. Man erkannte, dass das Blut der Märtyrer zum Samen des Christentums wurde! So sah man sich der gewohnten Überlegenheit des Mächtigen beraubt. Es galt zu zeigen, dass man rücksichtslos bleiben und die Kandidaten des Märtyrertums ihre Hartnäckigkeit noch bereuen würden.
Eine solche Haltung aber war gegenüber Antonius und seinen Gefährten völlig nutzlos. Gleich Streikenden, die sich einfach hinlegen und von den Pferden der Polizei niedertreten oder von Lokomotiven überfahren lassen, stellten sich die Mönche freiwillig und brachten Richter und Polizei in Verwirrung.
Zur gleichen Zeit, da das Christentum seine dunkelsten Stunden zu durchleben schien, stellten Antonius und seine Gruppe sich die Aufgabe, das Heidentum zu erschüttern. Sie gingen überallhin, in die Friseurläden, die Schulen der Philosophen, die Sporthallen und selbst in die öffentlichen Häuser. Sie besuchten berühmte Kurtisanen, von denen manche so beeindruckt waren, dass sie sich der Leere der weltlichen Lust bewusstwurden. An Entbehrungen gewöhnt, schliefen diese Männer irgendwo: auf öffentlichen Plätzen, auf Treppen, in überfüllten Karawansereien, in leeren Wagen usw.
Die Verhaftungen und Verurteilungen gingen weiter, aber die Behörden wagten es nicht, Hand an die Neuankömmlinge zu legen. Sie taten, als ob sie diese Wüstenmänner, die nicht einmal Griechisch sprachen, verachteten. Die Mönche aber stellten die Verbindungen zwischen den Gefangenen und ihren Familien, den Gläubigen und den Priestern, die in der Stadt oder ihren Vorstädten verborgen waren, sowie den Bischöfen, deren Prozess vorbereitet wurde, her.
Wenn sie auch keinen direkten Zugang zu den Gefängnissen hatten, so wurden ihre Botschaften doch irgendwie weitergegeben. Überall fanden sich sympathisierende Wärter. Dazu kam, dass nicht alle Gefangenen eingesperrt waren. Die Mehrzahl musste in Kupferbergwerken und Steinbrüchen arbeiten, und die Wächter taten, als ob sie es nicht bemerkten, wenn ein Mönch einen der Arbeitenden anredete.
Die Mönche versäumten auch nicht, bei den öffentlichen Verhören dabei zu sein. Sie bildeten eine Art christlicher Zuhörer, die entweder Beifall riefen oder ihr Missfallen kundtaten. Andere, die sich weder um den Richter noch um die Soldaten kümmerten, lenkten die Aufmerksamkeit der Christen beim Verhör auf sich und ermutigten sie in ihrem Widerstand.
Auch den Hinrichtungen wohnten sie bei, da sie sehen wollten, wie ihre Brüder und Schwestern das Martyrium ertrügen. Dabei hüteten sie sich, in den Verlauf der Dinge einzugreifen, die den Eintritt einer christlichen Seele in das Paradies begleiteten. Der Anblick der Leiden bewegte sie tief, aber sie bemühten sich, ihren Schmerz in Freude zu verwandeln. Nach der Hinrichtung sammelten sie die sterblichen Überreste und sorgten für ein ehrenvolles Begräbnis.
Dies ging so weiter, bis die Behörden die Geduld verloren. Man sollte ihre Nachsicht nicht als Schwäche auslegen. Daher erließ der Präfekt eine eigene Anordnung, die es den Mönchen verbot, den Gerichtsverhandlungen beizuwohnen. Schließlich befahl er ihnen, die Stadt zu verlassen. Wenn auch das Martyrium jetzt Antonius` Lieblingstraum war, so hatte er doch bisher noch keine ernstlichen Versuche gemacht, dieses Ziel zu erreichen. Nun konnte er seine vorsichtige Haltung aufgeben. Also stellte er sich am nächsten Tag dort auf, wo der Präfekt und seine Wache auf dem Weg zum Gericht vorbeikommen mussten. In seinem festen Blick lag nichts von Unverschämtheit, aber aufrecht und mit blendend weißer Tunika angetan, stand er da, etwas entfernt von der Menge, die ihn bewunderte.
Bald erschien der Präfekt in seiner offenen Sänfte. Die ihn begleitenden Soldaten schrien die Leute an, die nicht schnell genug zur Seite traten. Die weiße Tunika des Antonius erregte die Aufmerksamkeit des Präfekten. Beider Blicke trafen sich. Entsetzt hielt die Menge den Atem an. Aber es geschah – nichts!
In dieser Szene zeigte sich die wirkliche Macht des Christentums zu jener Zeit.
Wenn man vielfach auch nachsichtig war, wurden nun doch die angesehensten Gefangenen hingerichtet. Es schien, als ob der Präfekt sich selbst beweisen wollte, dass er noch ein Mann sei.
Die Christen aber sahen der Entwicklung mit Zuversicht entgegen. Ende des Jahres 311 flaute die Verfolgung ab. Die Strenge der Behörden ließ – teils aus Ermüdung, teils aus Angst, diese Politik könnte sich rächen – nach. Man verstümmelte zwar nach wie vor die Opfer, blendete sie und lähmte sie durch Zerschneiden der Sehnen, aber man zögerte, sie zu töten. Eine Anzahl Priester kehrte in die Stadt zurück und feierte heimlich die hl. Messe.
Schließlich wurde ein Edikt der Duldung erlassen. Antonius aber hatte Alexandria bereits verlassen. Er fühlte sich nicht wohl in dieser riesigen Stadt, nachdem der Friede wieder eingekehrt war. Erneut hatte er den Ruf der Wüste vernommen. Wenn ihm schon das Martyrium nicht vergönnt war, wollte er sich wenigstens der Aszese weihen, und er kehrte zurück in die Einsamkeit.
1. Wie hoch, o Herr, erhebst du den Menschen, dass du ihn würdigst, zu deinem lebendigen Tempel ihn zu erwählen. Was fandest du in diesem Herzen vor, als ein Chaos von Sünden, öde Trümmer, eine finstere Höhle, wo die alte Schlange ihren Sitz genommen hatte. Dennoch ruft dein Apostel uns zu: "Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?" (1. Korinther 3,16) Geheiligt und geweiht wurde dieser Tempel durch das Licht und die Gnade des Heiligen Geistes. Und ohne Vergleich herrlicher glänzt dieser geistige Tempel, dem Gott innewohnt, als der materielle Tempel Salomos in seiner ganzen Pracht.
2. Erwäge diesen wunderhohen Vorzug, und bedenke, dass in deinem Herzen wie auf einem Altar beständiger Weihrauch des Gebetes zum Thron Gottes emporsteigen muss. Denn darum nennt der Fürst der Apostel die Gläubigen "ein königliches Priestertum", weil sie bestimmt sind, Gott ohne Unterlass Opfer der Liebe, heiliger Werke und inbrünstigen Gebetes zu opfern. Und Gottes würdig ist dies Gebet, da in einer Seele, die mit Gott vereint ist, "der Geist Gottes selbst mit unaussprechlichen Seufzern bittet, und begehrt, was Gott wohlgefällig ist". (Römer 8,26) Ja dieser göttliche Geist belehrt sie auch über viele Dinge des Heils, zeigt ihr das Geheimnis des Kreuzes und die unaussprechliche Liebe Gottes, und bekräftigt diesen Tempel, dessen Grundfeste Christus ist, so sehr, dass er unerschütterlich in allen Stürmen besteht.
3. Unfasslich in diesem Leben ist diese Würde, zu der Gott die Seele, die er zu ewiger Vereinigung mit sich erschuf, schon in ihrer Pilgerschaft erhöht. Aber zu welcher heiligen Treue wird sie auch dadurch verpflichtet. Wehe der Seele, die durch den Geist der Unzucht und der Hoffart den Heiligen Geist aus diesem geheiligten Tempel vertreibt, den Altar des lebendigen Gottes umstürzt, dem Teufel des Geizes opfert, und das Gefäß der Auserwählung in ein Gefäß der Schmach umwandelt. Unendlich kläglicher ist ihr Sturz, als der Ruin des Tempels zu Jerusalem. 1. Korinther 3,17: "Wer den Tempel Gottes verdirbt, den wird Gott verderben. Denn Gottes Tempel ist heilig, und der seid ihr."
Hilf, o Mutter der Barmherzigkeit, durch deine mächtige Fürbitte meiner Schwachheit ab, und erlange mir von deinem Jesus die Beharrlichkeit und die Kraft, dir bis an meinen Tod treu zu bleiben, damit ich dir hier auf Erden immer diene, und dich dann im Himmel die ganze Ewigkeit hindurch loben kann! Amen.
Zu Gott
Herr, Du weißt es am besten, was dem Menschen gut und heilsam ist. Lass es uns nie an frommen und seeleneifrigen Männern fehlen, die das Herz und den Eifer haben, dem Verderben der Welt entgegen zu arbeiten, nie an Einrichtungen fehlen, solche Männer zu bilden, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
Die Rückkehr Jesu Christi, Mariä und Josephs aus Ägypten wurde an diesem Tag begangen, weil während der Oktav der heiligen Drei Könige kein Fest gehalten wird.
Honoratus war der Abkömmling einer römischen Konsularen-Familie. Seine heidnischen Eltern bildeten die natürlichen Anlagen ihres talentvollen, aber dabei äußerst eitlen Sohnes mit allen jenen Kenntnissen aus, die zum Antritt eines höheren Staatsamtes erforderlich sind; denn zu einem solchen hatte sein Vater ihn bestimmt. Doch der Mensch denkt, Gott lenkt. Durch eine besondere Gnadenfügung wurde Honorat mit den Wahrheiten des Christentums bekannt und mit solcher Liebe für sie eingenommen, dass er gegen den Wunsch seiner Eltern sich taufen ließ und, aller Lockungen seines Vaters zu einem üppigen Weltleben ungeachtet, sich in die Einsamkeit eines Landgutes zurückzog und dort mit seinem gleichgesinnten Bruder Venantius ein heiligmäßiges, die ganze Umgebung erbauendes und mit seinem Ruhm erfüllendes Leben führte. Dies bewog das demütige Brüderpaar jedoch, von dort weg nach Griechenland zu wandern, um dort Erkundigungen über das Leben heiliger Einsiedler einzuholen, in deren Fußstapfen sie zu treten gedachten. Vorher jedoch verteilten sie den größten Teil ihres von den inzwischen gestorbenen Eltern ererbten Vermögens unter die Armen. Kaum in Griechenland angekommen, verlor unser Heiliger durch den Tod seinen Bruder Venantius, kehrte nach Frankreich zurück und wählte auf den Rat des heiligen Leontius, Bischof von Frejus, die Insel Lerins zu seinem Aufenthalt. Dahin zogen dem neuen Einsiedler so viele Jünger nach, dass er zu ihrer Aufnahme ein Kloster bauen musste, wo man bald alle Tugenden der Einsiedler im Morgenland aufblühen sah, und welches durch mehrere Jahrhunderte eine berühmte Pflanzschule gelehrter und heiliger Bischöfe blieb. Der erste heilige Bischof, der daraus hervorging, war der Gründer selber. Als nämlich im Jahr 426 der bischöfliche Sitz zu Arles frei wurde, wurde Honorat ungeachtet seiner demütigen Weigerung darauf erhoben und versuchte nun dieselben Tugenden der Liebe, Sanftmut, Enthaltsamkeit und Geduld, die er seit 35 Jahren als Leiter seines Klosters geübt und die Seinigen üben gelehrt hatte, auch in seinem Bistum durch eine gründliche Herzensbekehrung seiner Diözesanen anzupflanzen, was ihm während seiner leider nur dreijährigen Amtsführung vollständig gelang. Eine tödliche Krankheit infolge allzu großer Anstrengungen versetzte ihn im Jahr 430 in die himmlische Welt. Noch acht Tage vor seinem Tod hatte er sich in seine Kirche tragen lassen, um darin zu predigen.
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Honoratus, der in der letzten Hälfte des 4. Jahrhunderts zu Arles aus einer der berühmtesten römischen Familien geboren wurde, gab schon in seiner Jugend durch seinen Eifer für die christliche Religion die deutlichsten Anzeigen seiner künftigen Heiligkeit. Denn obschon sich sein verblendeter Vater alle Mühe gab, den frommen jungen Mann mit den Freuden der Welt bekannt zu machen und ihn auf diese Art zu bewegen, von seinem Verlangen nach der heiligen Taufe abzustehen, ließ er sich doch im Geheimen von einem christlichen Priester taufen, widerstand allen Reizen zur Wollust und bewahrte sein Herz rein von den Sünden seines Zeitalters. Sein heiliges Leben machte einen tiefen Eindruck auf das unverdorbene Gemüt seines Bruders Venantius, und beide weihten sich der Gottseligkeit und dem Streben nach christlicher Vollkommenheit. Nach dem Tod ihres Vaters verteilten sie ihr Vermögen unter die Armen, verließen in Begleitung des heiligen Caprosius ihr Vaterland und besuchten mehrere heilige Orte. In Messinien erkrankte Venantius und starb, und der heilige Honoratus ging nach Italien und nahm seinen Wohnsitz auf der berüchtigten Insel Lerin, die wegen der Menge giftiger Schlangen unbewohnt war. Durch sein Gebet vertrieb er diese schädlichen Tiere, baute eine Kirche und ein Kloster, und bald verbreitete sich der Ruf seiner Heiligkeit so sehr, dass aus allen Gegenden Jünglinge und Männer zu ihm strömten, um von ihm in den Heilswissenschaften unterrichtet zu werden. Mit unermüdeter Geduld erzog er seine Jünger zum geistlichen Leben und behandelte sie so schonend und liebreich, dass ihn alle wie ihren Vater liebten und ehrten, wie der heilige Hilarius, einer seiner Schüler, von ihm sagt. Nachdem er die Insel Lerin, wie auch sein Kloster in den besten Stand gebracht hatte, wurde er wegen seiner herrlichen Tugenden zum Bischof von Arles erwählt, in welcher Würde er sich als der eifrigste Verteidiger der reinen Lehre Jesu, als ein wachsamer Seelenhirt und Beschützer und Vater der Armen ewige Verdienste sammelte. Er starb im hohen Ruf der Heiligkeit am 16. Januar des Jahres 430 und sein Leichnam wurde auf der Insel Lerin in der Kirche zum heiligen Kreuz beigesetzt.
Der heilige Marcellus war von Geburt ein Römer und wurde unter der Regierung der heidnischen Kaiser Constantius und Galerius wegen seiner Frömmigkeit und seines unerschrockenen Mutes in Verteidigung des Christentums auf den päpstlichen Stuhl erhoben. Diese Wahl geschah nicht ohne besondere Einwirkung der göttlichen Vorsehung; denn damals wurde die Kirche Jesu hart gedrückt und verfolgt, und wenn sie während diesem unglücklichen Zeitraum aufrechterhalten werden sollte, musste ein Oberhirt dastehen, der als ein Beispiel des Heldenmutes in Verachtung aller Martern und selbst des Todes die niedergeschlagenen Gemüter der Gläubigen aufrichtete und sie mit dem felsenfesten Glauben an einen allmächtigen Gott erfüllte. So ein gottbegeisterter, apostolischer Mann war der heilige Marcellus. Nicht die gewalttätigsten Verfolgungen, nicht die augenscheinlichsten Todesgefahren, die ihm allenthalben drohten, konnten ihn abschrecken, öffentlich Jesus zu bekennen, den Christen das Evangelium zu predigen und die Heiligen, die im Kampf für Gott und ihre Religion Blut und Leben opferten, nach christlicher Sitte zu beerdigen. Noch trauriger wurde das Schicksal der Gläubigen, als der wütende Maxentius, ein blutdürstiges Ungeheuer, sich auf den römischen Kaiserthron schwang. Der heilige Oberhirt hatte um diese Zeit von der frommen Lucina, einer christlichen Matrone, zur Unterstützung der armen Christen beträchtliche Güter erhalten, und arbeitete eben rastlos daran, schicklichere Gebäude zu Gotteshäusern, und tauglichere Plätze zu Kirchhöfen zu errichten, zu deren Aufsicht, und damit die heiligen Sakramente ungehindert erteilt werden konnten, er 21 Bischöfe, 25 Priester und zwei Diakonen weihte, als ihn Maxentius gefangen nehmen ließ und ihm mit den schrecklichsten Martern drohte, wenn er nicht sogleich den Göttern opfern würde. Der heilige Papst verachtete diese Drohungen und wurde deswegen verurteilt, im Stall als Knecht zu arbeiten, wo die wilden Tiere zu den Kampfspielen ernährt wurden. Neun Monate lang schmachtete Marcellus unter unausgesetztem Fasten und Beten in diesem jammervollen Aufenthalt, und schrieb während dieser Zeit rührende Briefe an seine Christengemeinde. Endlich befreiten ihn zur Nachtzeit einige Geistliche aus seiner harten Gefangenschaft und brachten ihn in das Haus der gottseligen Lucina, das er zu einer Kirche einweihte und da den Gläubigen das Evangelium predigte.
Sobald Maxentius davon Nachricht erhielt, entheiligte er dieses Gotteshaus zu einem Viehstall, verurteilte den heiligen Papst wieder zum Sklavendienst in dem Stall, wo er schließlich unter den größten Mühseligkeiten um das Jahr 309 seinen Geist aufgab, nachdem er die Kirche Christi fünf Jahre, ein Monat und fünfundzwanzig Tage ruhmvoll regiert hatte.
Seinen Leichnam beerdigte Lucina auf dem Kirchhof der heiligen Priscilla an der Salarischen Straße.
1. Ich preise dich, o Jesus, Sohn Gottes, Hirt deiner Herde, dass du in deine eine Kirche mich berufen hast, die mit denjenigen begann, die von Anfang an bei dir waren, die so zahllose Völker aus allen Zonen und Zungen vereint, von den apostolischen Zeiten an, in einem Glauben an deine göttlichen Offenbarungen, durch alle Jahrhunderte unter der Leitung eines sichtbaren Hauptes fortschritt, und ohne Unterbrechung bis auf unsere Zeit gelangte, ob auch in allen Jahrhunderten die mächtigsten Feinde sich gegen sie verschworen, und ihr mit dem Untergang drohten. Fürwahr, mein Heiland, dein Gepräge ist dies, das Gepräge deiner Gottheit, die Verbürgung deines Wortes, dass die Pforten der Hölle sie niemals überwältigen werden.
2. Noch deutlicher wirst du das Wunder dieser Einheit erkennen, wenn du die zahllosen Gesellschaften betrachtest, die beinahe in allen Zeiten von dieser Kirche sich losrissen, ihr feindlich gegenüber traten, die allein wahre Kirche sich nannten, und alle nacheinander verschwanden, indes diese heilige Kirche immer siegreich aus ihren schwersten Kämpfen hervorging. Ja auch die eine Gesellschaft, die am letzten von ihr sich lostrennte, zerfiel bereits in so viele Parteien, dass ihre Namen kaum sich zählen lassen, und die nur eins miteinander gemein haben, nämlich gegen diese Eine heilige Kirche sich zu vereinigen: der Unbesiegbarkeit derselben Zeugnis zu geben.
3. Erfreue dich und danke der Gnade deines Erlösers, dass er, ohne dein Verdienst, in diese Arche des Heils dich aufgenommen hat. Bitte auch aus ganzem Herzen ihn, dass er die Augen so vieler Irrenden erleuchte, damit sie endlich erkennen, dass die Wahrheit nur Eine ist, nur Eine sein kann, die vom Himmel kam, deren Stimme von Anbeginn ertönte, und die einfach und auf geradem Weg durch die Zeiten bis zur Vollendung fortschreitet, indes der Irrtum gleich dem Unkraut wuchert und auf unzähligen Wegen von der Wahrheit abirrt. Ach, sollte denn nicht schon diese Betrachtung genügen, sie zu heilen. Psalm 13,4: "Erleuchte ihre Augen, Herr, dass sie nicht im Tod entschlafen."
Maria voll der Gnaden! Weil du voll der Gnaden bist, so lass mich Teil an deinen Gnaden nehmen. Siehe, Gott ist dein Sohn geworden, damit dein Gebet die Kraft erlangen sollte, jeden Sünder, wer er auch sei, selig zu machen. Bitte also für mich, Maria, jetzt, da ich noch am Leben, so vielen Versuchungen und Heilsgefahren ausgesetzt bin. Besonders aber bitte für mich in der Stunde des Todes, weil ich alsdann die Welt verlassen und vor Gott erscheinen muss. Mach, dass ich durch die Verdienste Jesu und durch deine Vermittlung selig werde und dann einst im Himmel zugleich mit dir deinen göttlichen Sohn samt dem Vater und dem Heiligen Geist ewig loben und preisen kann. Amen.
Zu Gott
Gütiger Gott, Du kannst uns die Gabe schenken, zu jeder Zeit unser Gemüt in heiligen Betrachtungen zu Dir zu erheben. So gib uns denn diese Gabe, damit alle unsere Gedanken und Handlungen sich stets auf Dich beziehen, und uns des ewigen Lebens würdig machen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Maurus
Verleihe, o Gott, dass wir durch die Fürbitte des heiligen Maurus beschützt werden, und seinen heiligen Lebenswandel nachahmen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
Man kann an diesem Tag sich des Namens Maria mit Andacht erinnern, da man gestern des heiligsten Namens Jesu gedacht hat, und die Christen nach altem Gebrauch beide Namen Jesus und Maria bei allen Vorfällen und Anliegen anrufen. Der heilige Bernhard und verschiedene gottselige Schriftsteller nach ihm haben viel Herrliches von diesen Namen geschrieben. Papst Innocenz IV. hat auf Ansuchen des heiligen Königs Ludwig um das Jahr 1244 drei Jahre Ablass denen erteilt, die andächtig lesen oder aussprechen: "Der herrliche Name unseres Herrn Jesus Christus und auch der Name der glorwürdigsten Jungfrau Maria, seiner Mutter, sei in Ewigkeit gepriesen! Amen." Ein besonderes Fest vom heiligsten Namen Maria wird in unserer Zeit am 12. September, 4 Tage nach dem Fest Mariä Geburt, gehalten.
Im Trentino liegt östlich von San Zeno bei Cles ein wildromantisches Tal. Erst vor ca. 60 Jahren wurde eine Straße dorthinein gebaut. Nach etwa vier Kilometern verbreitert sich der enge Talboden zu einem Kessel, in den fast senkrechte Felswände herabstürzen. Nur an einer Stelle werden die Felsmauern von besteigbaren und bewaldeten Felsen abgelöst, und dort erhebt sich über einer Grotte das Santuario di S. Romedio (die Wallfahrtskapelle des heiligen Romedius). Mit drei Franziskanern, die ständig dort wohnen, soll die Einsiedelei die kleinste katholische Pfarrei Europas sein. Das Trentiner Volk erzählt sich viel Wunderbares über diese Einsiedelei.
Im 4. Jahrhundert n.Chr. lebte dort ein frommer Eremit namens Romedius (Remedius) mit seinen beiden Schülern Abraham und David. Allerdings gab es damals noch nicht die Baulichkeiten wie heute, sondern die drei Gottsucher hausten in der Grotte, in die man auch heute noch durch ein Gitter im Boden der Kirche in die Einsiedelei hinabsehen kann. Es wird berichtet, dass Romedius aus einer vornehmen rhätischen Familie (der Grafen von Thaur bei Innsbruck, die mit dem Grafen von Andechs, Dießen und Hohenwart nahe verwandt waren) stammte, die im Inntal ansässig war. Er hatte seinen ganzen Besitz der Kirche vermacht und sich in die Einsamkeit der Berge zurückgezogen, um auf diesem Weg Gott näher zu kommen. Nur selten verließ Romedius seine unwirtliche Behausung, um in der Umgebung von Sanzeno und Cles Kranke zu heilen, Armen Trost zu spenden und zu predigen. Eines Tages nun, als Romedius schon alt war und krank darniederlag, fühlte er in sich den brennenden Wunsch, nach Trient zu reisen, um noch einmal vor seinem Tod den heiligen Vigilius zu sehen, der damals Bischof von Trient war. So befahl er seinen beiden Schülern, das Pferd zu holen, das unweit der Grotte am Waldrand weidete. Als aber Abraham und David auf die Weide kamen, blieben sie, von Entsetzen gebannt, stehen: ein großer Bär hatte das Pferd getötet und schmauste nun an dem Kadaver. Zitternd liefen die beiden zu ihrem Meister zurück und berichteten, was sie gesehen hatten. Da erhob sich der kranke alte Mann von seinem Lager und schleppte sich mühsam auf die Weide. Dort trat er auf den Bären zu, befahl ihm, sich niederzulegen, legte ihm den Zaum des toten Rosses an und setzte sich auf seinen Rücken. Dann trat er auf dem Bären den langen Weg nach Trient an, in weitem Abstand von seinen beiden Schülern gefolgt. Scharen von Waldvögeln folgten dem wundersamen Reiter und schützten ihn gegen Sonne und Regen. Überall strömte auf dem Reiseweg das Landvolk zusammen und ließ sich von Romedius segnen. Als er sich der Stadt Trient näherte, begannen dort alle Kirchenglocken, von unsichtbarer Hand gerührt, zu läuten. Vigilius empfing seinen Bruder in großen Ehren und segnete ihn. Dann ritt Romedius wieder auf seinem merkwürdigen Reittier heim und starb bald darauf.
Das berichtet uns die Überlieferung. Romedius wurde später heiliggesprochen – wann, weiß man nicht –, und über der Grotte wurden eine Kirche und einige Gebäude errichtet. Der älteste Teil der ganzen Einsiedelei sind die Grundmauern und das Portal der am höchsten gelegenen Kapelle, die in der Zeit Karls d. Gr., vielleicht auch noch etwas früher, also um die Wende des 7. Jahrhunderts, erbaut wurden.
Die schöne Legende von St. Romedius enthält sowohl für den Naturforscher als auch für den Kulturhistoriker hochinteressante Details. Das Trentino, namentlich dessen unwegsame und bewaldete Gebirge, sind ältestes Bärenland. Auch bis vor einigen Jahren noch lebten dort gerade in den Tälern um Sanzeno herum noch die letzten Bären der Alpen. Und zweifellos hat um die Zeit des heiligen Romedius und auch vorher der Bär in diesen Gegenden als erstrebenswerte Jagdtrophäe wie als zu bekämpfender Viehräuber eine große Rolle gespielt. Auch ist es durchaus denkbar, dass dort zu St. Romedius` Zeiten vielleicht noch Reste eines uralten Bärenkultes bestanden. Dafür spricht der Umstand, dass der Bär in dieser Legende gleichzeitig als furchtbares und als liebenswürdiges Geschöpf erscheint. Wie in anderen Legenden zeigt sich hier die deutliche Tendenz, heidnisches Gedankengut zu christianisieren.
Für den Naturforscher ist aber die Gestalt des heiligen Romedius aus einem ganz anderen Grund besonders fesselnd. Wir wissen heute, dass trotz des lustigen Aussehens der Bären im Zoo und Zirkus „zahme“ Bären zu den gefährlichsten Tieren gehören. Scheinbar ohne jeden Grund und gänzlich aus heiterem Himmel haben solch „süße“ Honigbärchen schon oft ihren vertrauten Pfleger, Wärter und Dresseur schwer verletzt und auch getötet. Was St. Romedius geglückt ist, scheint also zunächst gänzlich unmöglich zu sein. Es scheint aber nur so. Wir können davon ausgehen, dass St. Romedius einen Bären besessen hat, auf dem er geritten ist. Lassen wir einmal die Geschichte von der Umwendung des wilden Bären und dem Einzug in Trient außer Acht. Wer die Grotte gesehen hat, in der St. Romedius seinerzeit hauste, wird auch der Meinung sein, dass das ein typischer Platz ist, wo Bären ihr Winterlager aufschlagen. Vielleicht hat St. Romedius, als er von dieser Grotte Besitz nahm, dort ein verwaistes Bärenkind gefunden, dessen Mutter ein Trentiner Jäger getötet hatte. Und vielleicht hat er dann dieses Bärenkind mühsam aufgezogen. Ein so aufgezogener Bär aber, der sich nicht im Käfig befindet, was bei St. Romedius sicher der Fall war, schließt sich innig an seinen Pfleger an und lässt ihn auch eher die beim Bären so plötzlich wechselnden Stimmungen erkennen als ein Zoo- oder Zirkustier, ganz einfach weil der Pfleger ständig mit ihm zusammen ist und ihn nicht als einen Gefangenen hält. Bekannt ist, dass zu Ende des 19. Jahrhunderts ein amerikanischer Bärenjäger zwei aufgezogene Grizzly-Bären besaß, die er sogar als Lasttiere benutzte. Das Volk nannte ihn allgemein den „Grizzly-Adam“. Es scheint, dass St. Romedius ebenfalls ein solcher Mann gewesen ist.
Das fromme Altertum hat uns auch noch ein Gebet überliefert, das der heilige Romedius an den Gräbern der Apostel und an anderen Orten, die durch den Besitz von Reliquien berühmt waren, zu verrichten pflegte: „Herr Jesus von Nazareth, Sohn des lebendigen Gottes, durch die Fürbitte des lieben Heiligen, dessen Reliquien sich hier befinden, bitte ich Dich, Du wollest mich nicht verwerfen, sondern mich bewahren vor allen eitlen und gefährlichen Sorgen für diese Zeit, vor allem Bruch des geschworenen Seelenfriedens und vor allem, was meinem Heil hinderlich ist.“
Der selige Konrad Bosinlother, ein geborener Trierer, war zuerst Mönch in Siegburg, im Kölnischen, das damals unter Abt Kuno eine Hochschule der Heiligkeit und Gelehrsamkeit war. Kaum hatte Kuno (Konrad I.) den Bischofsstuhl von Regensburg bestiegen, berief er (1127) den gelehrten und in der Ordenszucht wohl erprobten Konrad als Abt des Klosters Mondsee, das als Stiftung des Agilolfinger Herzogs Otilo 8um 740) zu Bayern gehörte, jetzt in Oberösterreich. Durch Tausch war Mondsee 833 an den Bischof von Regensburg gekommen. Abt Konrad sollte das Kloster aus seinem traurigen Verfall wieder emporheben. Der Tatkraft und Klugheit des Seligen gelang das Werk auch in kurzer Zeit. Zur Sicherung für die Zukunft unterstellte er dann das Kloster unmittelbar dem Heiligen Stuhl und ließ sich von Papst Innozenz II. im Jahr 1142 das Recht der freien Abtwahl wieder bestätigen. Damit war dem Kloster die Grundlage für eine selbstständige Entwicklung gegeben. Abt Konrad Bosinlother war der letzte Abt, der vom Regensburger Bischof aufgestellt worden war.
Nach außen vertrat der ehrwürdige Abt mit aller Entschiedenheit die Rechte und Besitzansprüche seines Stiftes. Er musste es in guten Stand setzen und sichern, damit es sowohl seinen eigenen Ordenszweck wie die vielen Aufgaben für das Wohl der Mitwelt, die Seelsorgearbeit, die Erziehung der Jugend und die Wohltätigkeitswerke erfüllen konnte. Ungerechterweise entfremdete Klostergüter mussten zurückgefordert werden. Das brachte dem treuen Verwalter natürlich manche Feinde. Mehrere Zehentleute des Klosters verschworen sich gegen sein Leben. Als er am 15. Januar 1145 von einem Gottesdienst in der Pfarrkirche Oberwang heimritt, überfielen ihn die Mordgesellen und schlugen ihn mit Knütteln und Schwertern tot. Den Leichnam schleppten sie in eine nahe Hütte und zündeten sie an. Durch Gottes Fügung aber blieb sowohl die Leiche als das Brett, auf dem sie lag, unversehrt. Die Gebeine des seligen Konrad ruhen jetzt in einem Glasschrein über dem Hochaltar der alten Stiftskirche.
In einen argen Missklang scheint das Leben des seligen Konrad von Mondsee ausgelaufen zu sein. War es auch ein Missklang vor Gott? Es wäre ein arger Misserfolg gewesen, wenn der Mann der Tat und Festigkeit nicht auch immer voller Einfalt auf den Willen Gottes geschaut hätte, wenn er sich in seine Geschäfte nicht auch mit reiner Absicht, mit übernatürlicher Aufmerksamkeit, in Erfüllung des Berufes eingelassen hätte. Abt Konrad war aber ein ganzer Ordensmann, ein Mann der Innerlichkeit, des Gebetes. Auch ein Ordensmann, zumal ein Oberer, kann sich nicht in seine Zelle einschließen. Abt Konrad war als Reformator, als Erneuerer berufen. Er war ein Eiferer für die Verbesserung der geistlichen Verhältnisse seines Stiftes wie der weltlichen. Um deswillen hat auch sein Name im Heiligenverzeichnis als „ehrwürdig“ oder „selig“ Aufnahme gefunden, wenngleich er auch seliggepriesen werden mag, weil er um der irdischen „Gerechtigkeit willen Verfolgung gelitten“ hat.
Über die doppelte Tätigkeit des Ordensmannes, des Priesters, des Christen überhaupt lehrt der heilige Thomas: „Die Vereinigung des kontemplativen (beschaulichen) Lebens mit dem tätigen Leben stellt das wahrhafte Apostolat, den Hauptzweck des Christentums dar. Das Apostolat verlangt Seelen, die fähig sind, sich von der Begeisterung für eine Idee hinreißen zu lassen, sich zu opfern für den Triumph eines Prinzips. Wenn dann dieses Ideal ins Übernatürliche übertragen ist durch den Geist der Innerlichkeit, so haben wir das vollkommene Leben in seiner ganzen Größe; vollkommen sage ich, denn die Theologen ziehen dasselbe selbst der einfachen Kontemplation (der Beschauung, dem ausschließlich inneren Leben) vor.“ Der heilige Thomas will also einer rechten Vereinigung des geistlichen mit dem tätigen Leben die Vortrefflichkeit zusprechen. Die Wahrheit betrachten ist gut, sie anderen mitteilen ist besser. Erleuchten ist mehr als bloß unter dem Scheffel brennen. Immer aber muss für das ideale tätige Leben, für äußere Amtsgeschäfte, wie für das apostolische Wirken das Gebet die Quelle bleiben. Das Gebetsleben darf durch die Tätigkeit nicht unterdrückt werden. Die Seele muss bei ihren Werken die Wachsamkeit des Herzens so gut bewahren, dass sie nicht Gefahr läuft, sich in ihrem Tun dem Einfluss Jesu Christi zu entziehen. „Ein Apostel ist ein Kelch, voll von Jesus, der seine Überfülle auf die Seelen ergießt“ (Matheo Crawley). Der sogenannte Amerikanismus, dessen Anhänger von einem gemischten Leben träumen, bei dem das beschauliche durch das tätige erstickt wird, ist als moderne Irrlehre zu verwerfen und durch die Lehre des heiligen Thomas schon verurteilt.
In der großen Wüste, die sich von Arabien bis nach Ägypten ausdehnt und von diesem Land nur durch das Rote Meer und den Jordan getrennt ist, lebte in den ersten christlichen Jahrhunderten ein wildes, barbarisches Volk in der größten Sittenlosigkeit und beinahe ohne alle Religion. Diese Wilden ernährten sich von der Jagd und von der Beute, die sie auf ihren Streifzügen machten, und zur Zeit der Not verzehrten sie das rohe Fleisch ihrer Kamele. Sie beteten die Sonne als ihren Gott an und brachten ihr das Beste von ihrer Beute als Opfer dar. Bei besonderen Festen aber schlachteten sie einen Knaben aus ihrer Mitte, opferten sein Fleisch unter abergläubischen Zeremonien der aufgehenden Sonne und verschlangen es dann bei einem festlichen Mahl.
Die andere Seite der Wüste bewohnten heilige Einsiedler, die durch gänzliche Abtötung ihrer Sinnlichkeit, durch ununterbrochenes Gebet und immerwährende Betrachtung himmlischer Wahrheiten nach Gottseligkeit strebten. Sie lebten nur von Wurzeln und Kräutern, die sie erst nach dem Untergang der Sonne aßen, und mehrere von ihnen enthielten sich die ganze Woche hindurch von aller Nahrung. Damit keiner den anderen in seiner Einsamkeit stören konnte, bewohnten sie Zellen, die weit voneinander entfernt lagen und die sie die ganze Woche nicht verließen, bis am Sonntag, wo sie sich gemeinschaftlich in der Kirche versammelten, während des Gottesdienstes heilige Psalmen sangen und von einem Priester die heilige Kommunion empfingen. Am frühen Morgen eines Sonntags, wo die frommen Einsiedler schon alle versammelt waren zum Lob Gottes, ritten die wilden Barbaren auf Raub aus und erblickten schon von weitem die Kirche. Aus Begierde nach Beute drangen sie in die Kirche ein und da sie nichts als Armut erblickten, gerieten sie in Wut, schleppten die Heiligen aus der Kirche, entblößten sie von ihren Kleidern und stellten sie nach dem Alter in die Reihe zum Martertod. Mit dem heiligen Sabas, einem ehrwürdigen Greis, machten sie dadurch den Anfang, dass sie ihm befahlen, seinen Hals empor zu richten. Als er mit unerschrockenem und heiterem Angesicht sich ihnen dargestellt hatte, durchstach ihm einer der Unmenschen die Kinnlade und ein anderer stieß ihm das Schwert durch die Schulter bis in die Brust, worauf er sogleich seinen Geist aufgab. Mit einem so grausamen Blutdurst ermordeten sie die übrigen 37 Einsiedler, indem sie ihnen entweder den Rücken unter langsamer Marter aufschnitten, oder ihnen lebend die Haut vom Leib rissen, oder sie mit stumpfen Sägen entzwei schnitten. Einige Schriftsteller behaupten, dieser gräuliche Mord habe sich zu der Zeit ereignet, als Diokletian auf dem römischen Kaiserthron saß.
1. "Herr, mit dem Licht deines Angesichtes hast du uns bezeichnet!", ruft der Psalmist. Dies Licht, Herr, wodurch du den Menschen hoch über alle Geschöpfe des Erdkreises erhöht hast, ist die Leuchte der Vernunft, durch die sein Geist sogar unsichtbare Dinge schaut, in die Höhen und in die Tiefen sich erschwingt, die Sterne des Himmels misst und wiegt, und in die verborgenen Geheimnisse der Natur eindringt. Groß und wunderbar ist dies Licht, und hat nichts mit dem Staub gemein, denn es ist ein Strahl aus dem Licht deines göttlichen Angesichtes.
2. Unsterblicher Dank dir, unser Schöpfer, für dies wunderbare Licht, das den Menschen an den Engel reiht, und durch das wir sogar dich selbst, den allerhöchsten Herrn aller Wesen, finden. Aber wie weit auch dies Licht reicht, ist es dennoch beschränkt wie der Mensch selbst, und beleuchtet nur seine irdische Pilgerbahn. Wunderbare Triebe gabst du den Vögeln des Himmels und den Tieren des Feldes. Mit scharfsinniger Kunst erbauen sie Nester und sorgen für ihre Jungen. Ja Staunen erregen die kunstreichen Fertigkeiten so vieler vernunftloser Wesen. Sie kennen sogar den Menschen, aber nimmer dringen sie in das ein, was des Menschen ist. Also erkennt dich, o Gott, auch die Vernunft. Nimmer jedoch dringt sie in dein dreieiniges, glorreiches Wesen, in die abgrundtiefen Eigenschaften deiner unerschaffenen Gottheit ein.
3. Doch, o unendliche Majestät, nicht bloß deine Allmacht sollte der Himmelspilger kennen, die das Licht der Vernunft ihm zeigt, sondern auch deine unendliche Heiligkeit, die sie ihm nicht zeigen kann. Darum auch reicht sie an ihren Grenzen deiner heiligen Offenbarung die Fackel, dass sie von dort ihn weiterführe. Nicht offenbaren kann sie selbst deine heiligen Geheimnisse, die hoch über sie erhaben sind, noch kann sie auch ihm Kraft geben, den Himmelsweg zu gehen. Wehe dem Stolzen, der seine Vernunft vergöttert. Sie führt ihn in rettungslose Abgründe, wie dies jene Weltweisen erfuhren, die dich, o Gott, aus deinen wunderbaren Werken erkannten, und Schlangen und Tiere anbeteten, und in die abscheulichsten Laster versanken. Psalm 119,135: "Lass dein Angesicht leuchten über deinem Knecht, und lehre mich deine Gesetze."
Allerseligste Jungfrau, liebe Mutter Maria, erlange uns die Liebe zum Gebet und zur Einsamkeit, damit wir, frei von aller Liebe zu den Geschöpfen, unser Herz ganz Gott und dem Himmel zuwenden, wo wir eines Tages dich zu sehen hoffen, um dich und deinen Sohn Jesus dort die ganze Ewigkeit hindurch zu lieben. Amen.
Zu Jesus Christus
Gib uns, o Herr, dass wir uns niemals von der geistlichen Kindheit verirren, die so notwendig ist zur Erhaltung des Glaubens und zur Abwendung der Gefahren des Unglaubens. Wir wollen mit Deiner Gnade vor den Lehrern der Lüge fliehen, die uns in ewigen Untergang führen wollen, und nur Dein von der Kirche uns verkündetes Wort hören, der Du lebst und herrschst mit Gott dem Vater in der Einheit des Heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Der heilige Hilarius,
Bischof, befand sich in einer Versammlung, wo eine Schrift mit höchst unanständigen Ausdrücken gegen Gott verlesen wurde. - Wie vom Blitz gerührt rief er entrüstet aus: "O ihr unglückseligen Ohren, die ihr den Klang so schändlicher Worte vernommen habt! Ist es möglich, dass die Menschen von Gott, dem höchsten Gut, so reden können!"
Wenn auch wir solche Dinge in der Welt anhören müssen, sollten wir da nicht im Herzen den Schmerz eines guten Kindes empfinden, das über den Vater, über die Mutter schmähen, fluchen hört, oder eines Menschen, dessen Freund, Bruder man verachtet, lästert; denn all dies ist Gott einer christlichen Seele, und noch unendlich mehr.
Prüfe dich über dein Verhalten bei Gotteslästerungen - ob du dich dann mit Abscheu weg wendest, etwa auch dein schmerzliches Missfallen zu erkennen gibst, Gott demütig abbittest für solche schrecklichen Worte, um Gnade und Erbarmen für diese Unglücklichen Ihn anrufst?