Königin des Himmels und der Erde, Mutter des Herrn der ganzen Welt, die du das größte, das erhabenste, das liebenswürdigste Geschöpf bist, es ist wahr, es gibt viele Menschen auf Erden, die dich nicht lieben, und die dich nicht kennen. Aber wie viele Millionen Engel und Selige gibt es dagegen im Himmel, die dich fortwährend lieben und loben. Aber schon hier auf Erden gibt es viele Seelen, die von Liebe zu dir entzündet sind, und die deine Güte preisen. Ach, wenn doch auch ich dich liebte, meine liebenswürdigste Königin, wenn doch auch ich immer darauf bedacht wäre, dir zu dienen, dich zu lieben und zu ehren, und dazu mitzuwirken, dass alle dich lieben. Du hast das Herz deines Gottes gewonnen, der aus Liebe zu dir selbst den Schoß des ewigen Vaters verlassen, und auf die Erde gekommen ist, um Mensch, um dein Sohn zu werden. Und ich Elender, warum sollte ich dich nicht lieben wollen? Nein, nein, meine liebste Mutter, auch ich will dich lieben, ich will dich innigst lieben, und mein Möglichstes tun, damit auch andere dich lieben. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
Gegen Ende des Monats März begingen die Einwohner der Stadt Bilbilis in Spanien ein großes Fest und verehrten mit sonderbarer Andacht ein altes von einem Bürger ehemals gefundenes Mutter-Gottes-Bild, weil sie dadurch viel Hoffnung geschöpft haben, die Befreiung vom Sarazenischen Joch zu erhalten, das auch in demselben Jahr 1367 geschehen ist.
Der heilige Johannes Klimakus (Der Beiname Climacus wurde dem Heiligen gegeben wegen seines Werkes, das den Titel: Climax oder Leiter führt.), der aus Palästina herstammen soll, wurde geboren gegen das Jahr 525. Er wurde mit großer Sorgfalt erzogen und seine Fortschritte in den Wissenschaften waren so schnell, dass man ihm von seiner frühen Jugend an, den Namen Scholasticus beilegte. (Den Namen Scholasticus, etwa Schulmann, der damals sehr ehrenvoll war, bekamen nur die, die sich durch Talente und Kenntnisse auszeichneten.) Kaum hatte er das 16. Lebensjahr erreicht, als er allen Vorteilen, die er in der Welt hätte genießen können, entsagte, und auf den Berg Sinai zog, wo mehrere Einsiedler, seitdem die Jünger des heiligen Antonius und des heiligen Hilarion jene Wüsteneien bevölkert hatten, ein englisches Leben führten. Er wollte nicht in dem großen Kloster, das auf der Spitze des Berges stand, verbleiben, aus Furcht, er möchte da häufig zu Zerstreuungen veranlasst werden, sondern bezog eine abgelegene Einsiedelei, wo er sich der Führung eines ehrwürdigen Greises, mit Namen Martyrius, anvertraute. Strenges Stillschweigen war das Mittel, das er gebrauchte, um sich von dem Fehler, dem große Köpfe gewöhnlich unterworfen sind, zu verwahren. Ich meine jenen Drang, von allem zu reden, und der von einer geheimen Eitelkeit herrührt. Demütig von Geist und Herzen, brachte er Gott das Opfer seines Wissens, ohne je zu widersprechen oder sich in gelehrtes Gezänke einzulassen. Durch Gehorsam versicherte er sich des Verdienstes seiner Handlungen und brachte es so weit in dieser Tugend, dass es schien, als hätte er keinen eigenen Willen mehr. Durch diese Unterwürfigkeit gegen seinen Führer wich er den Klippen aus, an denen er unfehlbar hätte scheitern müssen, wenn er sein eigener Steuermann geblieben wäre. Von jenem sichtbaren Berg, den er bewohnte, schwang er sich in heiligem Flug zum unsichtbaren Gott empor, dessen Willenserkennung sein einziges Geschäft ausmachte. Daher bemerkte er aufmerksam alle Regungen der Gnade, um derselben getreulich zu entsprechen.
Der glühende Novize verwandte 4 Jahre, um sich zu prüfen und unterweisen zu lassen, ehe er die Klostergelübde ablegte. Er dachte, und er hat es auch in seinen Schriften tief eingeprägt, dass ein solcher Schritt ein reifes Alter und ernste Prüfungen voraussetze. Als er den Tag seiner Opferung herankommen sah, bereitete er sich durch Beten und Fasten dazu vor, um sie zur höchst möglichen Vollkommenheit zu steigern. Seine feierliche Weihe, womit er sich Gott gänzlich hingab, brachte die kostbarsten Früchte der Gnade hervor. Martyrius sah mit Staunen, wie sein Jünger auf der Bahn des Heils mit jeglichem Tag so unaufhaltsam schnell voranschritt.
Nach Martyrius Tod, der in das Jahr 650 fiel, entschloss sich der Heilige, zufolge des von seinem Gewissensleiter ihm erteilten Rates, das Einsiedlerleben anzutreten. Er begrub sich daher in die Einsiedelei von Thola, die auf der Ebene am Fuß des Berges Sinai lag. Seine Zelle war etwa zwei Stunden von der Kirche entfernt (Es scheint, dass es die Kirche zu Unserer Lieben Frauen war, die der Kaiser Justinian für die Mönche auf dem Gipfel des Sinai bauen ließ.), wo er sich jeden Samstag und Sonntag hinbegab, um dem Gottesdienst beizuwohnen und mit den Mönchen und Einsiedlern der Wüste das heilige Abendmahl zu empfangen. Er vermied jegliche Sonderbarkeit, indem er dies als ein Kind der eitlen Ehrsucht ansah: darum aß er von allem, was den ägyptischen Mönchen nicht verboten war, und begnügte sich damit, die Grenzen der strengsten Mäßigkeit niemals zu überschreiten. Das Gebet war seine liebste und beste Beschäftigung. Immer entflammt von heiligem Eifer vergaß er nie die Gegenwart Gottes. Seine Gedanken, Worte und Werke bezogen sich unbedingt auf die Erfüllung des göttlichen Willens. So übte er in der Tat, was er allen Christen so teuer anbefohlen hatte. Durch unausgesetzte Übung der Beschauung erwarb er sich vollkommene Herzensreinheit und eine außerordentliche Fertigkeit, in allem den Finger Gottes zu erkennen. Er widmete eine geraume Zeit dem Lesen der göttlichen Schriften und der Werke der heiligen Väter, wodurch er selbst einer der größten Kirchenlehrer geworden ist. Allein er verbarg seine seltenen Fähigkeiten und die besonderen Gnaden, womit seine Seele bereichert war, in der Furcht den kostbaren Schatz der Demut zu verlieren. Er wusste, dass sich das Gift der eitlen Ehre so leicht einschleicht, und dass es, ohne außerordentliche Wachsamkeit von unserer Seite, unseren besten Handlungen anklebt und uns alles Verdienst raubt.
Obgleich Johannes in seiner Abgeschiedenheit als wahrer Einsiedler lebte, so glaubte er doch, er wäre nicht genug entfernt von der Gemeinschaft der Menschen. Er höhlte sich daher eine Grotte in einer benachbarten Felsenkluft, um sich wenigstens von Zeit zu Zeit da einzuschließen. Wenn er sich darin befand, ergab er sich mit mehr als menschlichem Feuereifer allen Übungen der Beschauung. Er war von so glühender Liebe und so lebhafter Zerknirschung durchdrungen, dass beinahe immerwährend eine Tränenflut seinen Augen entströmte. Der Anblick der von diesem Leben unzertrennlichen Armseligkeiten erpressten ihm Seufzer und Wehklagen, die so heftig die Lüfte durchschollen, als nur immer die Schmerzensschreie derjenigen, die als eine Beute des Schwertes oder der Flammen erliegen müssen. Sein innigstes Verlangen wäre gewesen, immer allein und den Menschen ganz unbekannt zu leben. Allein die Strahlen seiner Tugend verbreiteten sich gegen seinen Willen umher. Man kam sich bei ihm Rat zu holen als bei einem Mann, dem die Hinterlage des Heils anvertraut war, und er konnte einem Einsiedler namens Moyses nicht versagen, ihn unter seine Leitung zu nehmen.
Der Diener Gottes hatte eine ungewöhnliche Fertigkeit, die Seelenkrankheiten zu heilen. Ein Mönch mit Namen Isaac, den die heftigsten Versuchungen wider die Reinheit fast in Verzweiflung gebracht hatten, erfuhr dies zu seinem höchsten Glück: er ging zum Heiligen, entdeckte ihm noch mehr mit Tränen, als mit Worten den schweren Kampf, den er zu bestehen hatte. Johannes Klimakus sagte ihm: „Mein Sohn, lass uns zu Gott im Gebet unsere Zuflucht nehmen.“ Und sogleich warfen sie sich beide auf die Knie nieder, den Himmel um Beistand anzuflehen, und von jener Zeit war Isaac keinen Augenblick mehr von dem unlauteren Geist beunruhigt. Auch viele andere Personen nahmen in geistlichen Nöten ihre Zuflucht zum heiligen Johannes, und jedes Mal ernteten sie die reichlichsten Früchte ein.
Wer sollte nun nach diesem glauben, dass der Heilige noch Feinde haben konnte? Und dennoch hatte er einige – selbst unter den Einsiedlern. Sie beschuldigten ihn der Zeitverschwendung in eitlen Gesprächen, als hätte er die Absicht, der Menschen Achtung zu gewinnen. Die Anschuldigung war gewiss eine Verleumdung. Allein der Heilige sah sie als eine freundliche und liebreiche Mahnung an: er legte sich deshalb ein strenges Stillschweigen auf, und brachte beinahe ein ganzes Jahr zu, ohne mit jemanden zu reden. Seine Feinde, entwaffnet durch seine Demut und Bescheidenheit, erkannten die Falschheit ihrer Aussage. Sie gesellten sich zu den übrigen Mönchen, auf dass sie ihn beschwuren, das ihm von Gott verliehene Talent nicht zu vergraben, und diejenigen, die sich bei ihn Rat einholten, der Hilfe seiner Einsichten nicht zu berauben. Johannes unterbrach sein Stillschweigen mit eben der Demut, die ihn zu deren Beobachtung bewogen hatte, und fuhr fort, die, die sich an ihn wandten, zu unterrichten. Man redete überall von seiner großen Weisheit und gesetzten Erfahrung: man betrachtete ihn als einen anderen Moyses, dem Gott einen Teil seines Geistes mitgeteilt hatte.
Kurz darauf, das heißt, im Jahr 600, wurde unser Heiliger einhellig zum Abt des Berges Sinai und zum allgemeinen Vorsteher aller Mönche und Einsiedler des Landes erwählt. Er war damals 75 Jahre alt und hatte demnächst 60 Jahre in der Einöde zugebracht. Kaum war er zu dieser Würde erhoben worden, als eine große Dürre entstand, der eine verderbliche Hungersnot folgte. Die Einwohner Palästinas und Arabiens wandten sich an ihn, wie an einen anderen Elias, um seine Fürbitte bei Gott zu erlangen. Johannes, gerührt durch das Unglück dieser armen Völker, nahm seine Zuflucht zum Gebet und erflehte vom Himmel einen gedeihlichen Regen, der den dürren Feldern ihre Fruchtbarkeit wiedergab. Um dieselbe Zeit erhielt er einen Brief von Gregor dem Großen, der damals auf dem Stuhl des heiligen Petrus saß. Dieser heilige Papst schrieb ihm, um sich in sein Gebet zu empfehlen und mitzuteilen, dass er ihm Geld und sonstige Dinge sende, um das Pfleghaus, das in einiger Entfernung vom Berg Sinai zum Behuf der Pilger erbaut war, auszustatten.
Der gottselige Johannes, der Abt von Raithus, einem am Roten Meer gelegenen Kloster, wollte die Früchte der Belehrungen des Heiligen auch den künftigen Jahrhunderten überliefern. Er bat ihn daher, eine Sammlung von Vorschriften, wodurch eifrige Seelen zur christlichen Vollkommenheit geleitet werden könnten, zu veranstalten. Der Heilige stellte ihm vor, das Unternehmen gehe über die Kräfte eines Sünders wie er: doch ergab er sich endlich den wiederholten Bitten, ohne sich jedoch des glücklichen Erfolges zu schmeicheln: „Ich habe getan,“ sagte er, „was von mir abhing, aus Furcht, das Joch des Gehorsams abzuwerfen, den ich immerdar als die Mutter aller Tugenden ansehe. Ich darf nicht glauben, etwas Nützliches zutage gefördert zu haben. Gleich einem Schüler der Mahlerkunst habe ich nur einen rohen Abriss hingeworfen. Nur ein vollkommener Meister wie du, vermag an dieses Werk letzte Hand anzulegen.“ Dieses ist der Ursprung des vortrefflichen Buches, betitelt: Climax oder Leiter, weil darin die Seele von Stufe zu Stufe hinangeleitet wird bis zur höchsten Vollkommenheit.
Dieses Buch besteht aus Aphorismen oder Sprüchen, die in wenig Worten einen hohen Sinn enthalten. Seine Schreibart ist einfach, aber edel; gedrängt, aber deutlich. Man findet darin eine wunderbare Salbung und eine gewisse Sprache der Demut, die dem Leser das Vertrauen abgewinnt. Was aber das Hauptverdienst dieses Werkes ausmacht, ist der Adel und die Erhabenheit der Gefühle im Bund mit einer vollkommenen Darstellung aller Tugenden. Der Verfasser beschränkt sich nicht auf die Zergliederung der Vorschriften. Er stellt sie lebendig durch Beispiele dar, und unter diesen wählt er vorzugsweise jene, wo die Liebe des Gehorsams und der Buße hervorstrahlt. Einige davon seien hier angeführt.
In Ägypten war ein Kloster mit 330 Mönchen, die der Heilige besucht hatte. Ein Bürger von Alexandrien namens Isidor meldete sich an der Pforte, um darin aufgenommen zu werden. „Mein Vater,“ sagte er zum Abt, „ich bin in deinen Händen, was das Eisen in den Händen des Schmiedes ist.“ „Ich befehle dir,“ antwortete der Abt, „an der Pforte zu harren und dich vor allen, die du siehst, auf die Knie zu werfen, mit den Worten: Habet die Güte für mich zu beten, dieweil meine Seele mit einem gefährlichen Aussatz behaftet ist.“ Auf diese Art gingen 7 Jahre vorbei. Als der heilige Johannes Klimakus Isidor sah, fragte er ihn, was er in dieser langen Prüfung bei sich gedacht habe. „Im ersten Jahr,“ sagte er ihm, „betrachtete ich mich als einen wegen seiner Sünden verdammten Sklaven und habe recht harte Kämpfe bestanden, im zweiten war ich ruhig und voll des Vertrauens auf des Herrn Beistand.“ Er fügte noch bei, dass er im dritten Jahr die Verdemütigungen mit Freude ertragen habe. Dieser heilige Büßer erschwang einen solchen hohen Tugendgrad, dass sich der Abt des Klosters nicht nur entschloss ihn aufzunehmen, sondern ihn noch zum Priester weihen ließ. Isidor, der in seinem Stand bleiben wollte, bat um einigen Verschub und starb 7 Tage darauf.
Der heilige Johannes Klimakus wurde nicht wenig gerührt durch die Tugend eines Kochs desselben Klosters. Da er ihn allzeit versammelt und von Tränen übergossen sah mitten in seinen Beschäftigungen, die nichts als Irdisches darboten, befragte er ihn um die Art, wie er seine Seele in dieser Geistessammlung und Zerknirschung erhalte. „Wenn ich die Mönche bediene,“ sagte der gute Ordensmann, „gedenke ich nicht Menschen, sondern Gott selbst in Person seiner Angelobten zu dienen. Und der Anblick dieses Feuers, das ich allzeit vor meinen Augen habe, erinnert mich an die Flammen, in denen die Sünder ewig brennen werden.“ Nachdem der Heilige eine sehr rührende Beschreibung des Büßerklosters machte, der Kerker genannt, das eine Meile von dem soeben erwähnten entlegen war, erzählt er folgenden Zug von Johannes dem Sabaiten. „Als ein Einsiedler“ (es ist Johannes der Sabaite selbst, der in der dritten Person von sich redet), „als ein Einsiedler sich in seinem Kloster mit einer gewissen Ehrerbietung behandelt sah, meinte er in Gefahr zu schwebe, seine Sünden daselbst nicht gehörig abbüßen zu können. Er verließ es also mit Bewilligung seines Obern und bezog ein Kloster in Pontus. Drei Jahre darauf sah er im Traum einen Zettel, wo alle seine Schulden aufgeschrieben waren: sie beliefen sich auf einhundert Pfund Goldes, und er hatte erst zehn davon abgetragen. Armer Antiochus, sagte er oft zu sich selbst, du hast große Schulden zu bezahlen, nachdem er zehn Jahre in der Übung der Demut und Buße zugebracht hatte, wurde ihm ein zweites Gesicht zuteil, dass ihm alle seine Schulden als abgetan vorstellte.“
Ein anderer Einsiedler, der in einer großen Vernachlässigung seiner Pflichten gelebt hatte, wurde mit einer schweren Krankheit heimgesucht: er verlor das Bewusstsein und man hielt ihn eine Stunde lang für tot. Als er aber wieder zu sich gekommen war, vermauerte er die Tür seiner Zelle und brachte noch 12 Jahre darin zu. Er weinte ohne Unterlass und war nur mit der Betrachtung des Todes beschäftigt. Da er dem Tod nahe war, ging man in die Zelle, ihm die nötige Hilfe zu leisten. Allein man konnte nur noch diese Worte aus ihm bringen: „Wer immerdar den Tod vor Augen hat, wird niemals sündigen.“
Nebst der heiligen Leiter haben wir noch von Johannes Klimakus einen Brief an den gottseligen Abt von Raithus. Es werden darin die Pflichten eines wahren Hirten entwickelt, wovon die vorzüglichsten sind, dass er keusch sei an Leib und Seele, unablässig an der Heiligung der Seelen arbeite, jene zurückführe, die vom rechten Weg sich entfernen, und sie aneifere, ihre Standespflichten getreu zu erfüllen, dass er unerschütterlich sei und voll der Kraft, doch so, dass die Strenge durch die Sanftmut gemildert werde, dass er Anteil nehme an der menschlichen Schwachheit, indem er sich nach jeder Gemütsart richte, um dadurch alle für Jesus Christus zu gewinnen. „Unter allen Opfergaben,“ sagt der Heilige, „die man Gott darbringen kann, sind unbezweifelt keine kostbarer in seinen Augen als jene, der durch die Buße und Liebe geheiligten Seelen.“
Der heilige Johannes Klimakus hatte 4 Jahre seinen Mönchen des Berges Sinai vorgestanden: sein sehnlichster Wunsch war aber, ein Amt niederzulegen, das er nur mit Zittern angenommen hatte und dass er als eine furchtbare Bürde ansah. Er gedachte daher sich ihm zu entledigen und erwartete nur noch eine schickliche Gelegenheit zur Ausführung dieses Vorhabens. Diese Gelegenheit stellte sich schließlich auch kurz vor seinem Tod ein. Da er wieder sich selbst zurückgegeben war, widmete er sich mit neuem Eifer dem Gebet und der Betrachtung. Er starb in seiner Einsiedelei zu Thola den 30. März 605, in seinem 80. Lebensjahr. Der Abt Georg, sein Nachfolger, der von Gott die Gnade erbeten hatte, nicht von seinem geistlichen Vater getrennt zu werden, folgte ihm einige Tage darauf ins Reich der Seligen.
Der heilige Johannes Klimakus ist außerordentlich feurig, wenn er von der Erhabenheit und den Wirkungen der Liebe redet: „Eine Mutter,“ sagt er, „verspürt kein so großes Vergnügen, wenn sie ein geliebtes Kind an ihrer Brust nährt, als dem wahren Kind der Liebe zu Teil wird, in seiner Vereinigung mit Gott und in den Armen seines himmlischen Vaters . . . Die Liebe bringt einige beinahe ganz außer sich, andere bestrahlt sie mit ihrem Licht und erfüllt sie mit solcher Wonne, dass sie sich nicht erwehren können auszurufen: Auf den Herrn habe ich vertraut, er hat mir geholfen. Mein Körper blüht wiederum auf, daher will ich ihn von ganzem Herzen loben (Psalm 27). Diese Freude, die sie in ihrem Herzen fühlen, strahlt aus ihrem Antlitz hervor. Und wenn sie Gott mit seiner Liebe vereinigt, oder sie gleichsam in sie einverleibt hat, lässt er in ihrem Äußeren, wie in einem Spiegelglas, den Glanz und die Ruhe ihrer Seele hervorschimmern. So wurde Moyses, als er gewürdigt wurde den Herrn zu schauen, von himmlischem Glanz umflossen.“ Der heilige Johannes Klimakus pflegte in folgendem Gebet die Liebe zu erflehen: „Mein Gott, ich hoffe nichts auf Erden, als mit dir im Gebet so innig vereinigt zu sein, dass ich nie von dir getrennt werden kann. Andere mögen Reichtümer und Ehre verlangen, ich begehre nichts, als mit dir unzertrennlich vereint zu sein, und auf dich allein alle Hoffnung meiner Wohlfahrt und Ruhe zu setzen.“
1. Hüte dich vor dem falschen Vertrauen der blinden Kinder dieser Welt. Sie preisen Gottes Barmherzigkeit und erheben sie über alle Himmel, da sie sie als eine Stütze betrachten, um so frecher zu sündigen, weil diese Barmherzigkeit unendlich sei, und dem schwachen Menschen alle Laster verzeiht, wären sie auch noch so abscheulich und in noch so großer Anzahl. Und dennoch vertrauen sie andererseits so wenig auf diese von ihnen genannte Barmherzigkeit, dass sie es für vergeblich halten, sich an sie zu wenden, die notwendigen Bedürfnisse des Lebens, oder Hilfe in der Not von ihr zu erlangen, und lieber durch Trug, List und Ungerechtigkeit sich zu helfen suchen, als Gott um diese Dinge bitten.
2. Eine schwere Beleidigung Gottes ist dies, und zugleich ein Widerspruch, dessen nur die größte Blindheit fähig ist. Wie bildest du, blinder Frevler, Gott so barmherzig, dass er alle deine Laster dir verzeihen wird, und zugleich so taub und so unbarmherzig, dass er deiner Not dich weder entreißen kann noch will, wofern du nicht sein heiliges Gesetz mit Füßen trittst? Offenbar ist es doch weit größere Barmherzigkeit, die Sünden zu verzeihen, als dem sterblichen Leben das Notwendige zu spenden. Denn durch jenes schenkt er dir das ewige, durch dieses aber erhält er dir nur das zeitliche Leben. In jenem spendet er dir den Wert seines Blutes, in diesem aber gibt er dir nur Speise, die er auch den Ameisen und Würmern nicht versagt.
3. Was für eine menschliche Verkehrtheit! Wie kann je einem Menschen zur Wohlfahrt gereichen, was er nur durch Missetaten erlangt, und - um was zu erlangen - er denjenigen sich zum Feind macht, ohne dessen Hilfe keinem etwas zur Wohlfahrt gereichen kann. Denn wer wurde jemals glücklich dadurch, dass er Gott beleidigte? Gott, der für seine Ehre eifert, pflegt, damit kein Laster auf Erden glücklich ist, die Ratschläge der Gottlosen umzukehren, so dass gerade die von ihnen genannten Mittel, durch die sie dem Anschein nach ihr Glück sich bereiten, ihren zeitlichen und ewigen Untergang nach sich ziehen. Psalm 127,1: "Wenn nicht der Herr das Haus baut, müht sich jeder umsonst, der daran baut."
Du siehst, o meine Hoffnung, allerseligste Jungfrau Maria, du siehst einen elenden Sünder zu deinen Füßen, der leider so oft durch seine eigene Schuld ein Sklave der Hölle geworden ist. Ach ich weiß es, dass die Teufel nur deshalb mich überwunden haben, weil ich mich nicht an dich, meine Zuflucht, gewandt habe. Wäre ich immer sogleich zu dir geeilt, hätte ich dich immer sogleich angerufen, so wäre ich gewiss nie in eine Sünde gefallen. Doch ich hoffe, o meine liebenswürdige Königin, dass ich nun durch deine Vermittlung schon aus den Händen des Teufels befreit bin, dass Gott mir schon verziehen hat. Aber ich fürchte, später von neuem in seine Gewalt zu fallen. O meine Königin, meine Zuflucht, stehe mir bei, ich fliehe unter deinen heiligen Schutzmantel. Gestatte nicht, dass ich von neuem ein Sklave des Teufels werde. Amen.
Zu Gott
Nie wollen wir uns beschweren oder klagen über die Leiden, die Du, bester Vater, uns zuschickst. Stärke uns nur mit Deiner Gnade, damit wir alles zu Deiner Ehre und unserem Heil erduldend, nie anders, als mit gänzlicher Ergebung in Deinen heiligen Willen, um Befreiung bitten. Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
Am heutigen Tag wurde in Sizilien das Fest der Wunderwerke Mariä zur dankbaren Erinnerung so vieler und großer Wunder-Guttaten, so die Einwohner dieser Insel durch die Fürbitte der seligsten Jungfrau erhalten haben, mit großer Andacht und Feierlichkeit gefeiert.
Im 18. Jahr der Regierung des Königs Sapor erhob sich eine grausame Verfolgung gegen die Christen in Persien. Allenthalben erblickte man Blutströme, allenthalben Verwüstung der Kirchen und Klöster. Als Jonas und Barachisius, zwei Brüder aus der Stadt Beth-Asa, erfuhren, dass mehrere Gläubige zu Hubaham sollten hingerichtet werden, eilten sie sogleich dahin, in der Absicht, ihnen beizustehen und Mut zuzusprechen. Neun von ihnen erlangten auch die Märtyrerkrone.
Unmittelbar nach der Hinrichtung dieser neun Christen wurden Jonas und Barachisius, die den Mut hatten eher zu sterben, als den Glauben zu verleugnen, gefangen genommen und vor den Richter geführt. Der bedrängte sie, dem König der Könige, das heißt, dem König von Persien zu gehorchen und die Sonne, den Mond, das Feuer und das Wasser anzubeten. „Es ist besser“, antworteten die Heiligen, „dass man dem unsterblichen König des Himmels und der Erde gehorche, als einem Fürsten, der vom Tod unterworfen ist“. Die Magier erzürnt darüber, dass man ihren König sterblich nannte, waren der Meinung, man solle die beiden Bekenner voneinander trennen. Ihnen gehorchend warfen sie Barachisius in ein enges und düsteres Kerkerloch. Jonas aber behielten sie bei sich zurück, in der Hoffnung, ihn zum Opfern überreden zu können. Aber all ihre Bemühungen waren vergeblich. Hierauf befahl der Oberste der Magier, man solle den Märtyrer auf den Bauch legen, ihn einen Pfahl in den Nabel schlagen, und ihn mit Ruten und knotigen Stöcken züchtigen, was auf der Stelle ausgeführt wurde. Jonas hörte nicht auf zu beten während seiner ganzen Marter. „Gott unseres Vaters Abraham“, rief er aus, „ich sage dir unendlichen Dank. Verleihe, ich beschwöre dich, dass ich dir ein angenehmes Brandopfer darbringen kann. Nur eins habe ich vom Herrn begehrt und dies werde ich immerdar suchen. Ich entsage dem Dienst der Sonne, des Mondes, des Feuers und des Wassers. Ich glaube an den Vater, den Sohn, den Heiligen Geist, und erkenne keine andere Gottheit.“ Danach band man ihm ein Seil an die Füße und warf ihn in einen gefrorenen Teich.
Als Barachisius am Abend vor die Magier geführt wurde, sagte man ihm, sein Bruder hätte geopfert. „Das ist falsch“, erwiderte er, „ich kenne ihn zu gut, als dass ich ihn für fähig halten sollte, niederen Geschöpfen göttliche Ehre zu erweisen.“ Dann redete er noch über die unendliche Macht des wahren Gottes, und schilderte sie mit solcher Kraft und Beredtheit, dass selbst die Magier erstaunten. „Wir dürfen nicht zulassen“, sagten sie zueinander, „dass er öffentlich davon spricht. Es ist zu befürchten, dass er durch seine Reden die Anhänger unserer Religion gewinnt.“ Es wurde also unter ihnen beschlossen, dass Barachisius nunmehr zur Nachtzeit verhört würde. Zugleich befahlen sie, dass man ihm an jedem Arm glühende Eisen anlegte. „Beim Glück des Königs“, sagten sie ihm, „wenn du eines dieser Eisen fallen lässt, so entsagst du dem Christentum.“ – „Ich fürchte euer Feuer nicht“, entgegnete ruhig der Heilige. „Ich werde die Werkzeuge meiner Qual nicht abschütteln. Nur bitte ich euch, ihr möget mir ohne Verzug alle Martern antun, die ihr mir bereitet habt man ist voller Mut, wenn man für Gott streitet.“ Diese Standhaftigkeit reizte die Magier immer mehr, und sie befahlen den Henkersknechten, geschmolzenes Blei in die Nasenlöcher und Augen des Heiligen zu gießen, worauf sie ihn dann wieder ins Gefängnis zurückführen ließen, wo er an einem Fuß aufgehängt wurde.
Am anderen Tag zog man Jonas aus dem Teich. Als er vor den Magiern stand, sagten sie ihm: „Wie befindest du dich? Ohne Zweifel wird die vergangene Nacht sehr schmerzhaft für dich gewesen sein.“ – „Nicht im mindesten“, erwiderte Jonas, „seitdem ich auf der Welt bin, habe ich nie solche Süßigkeiten gekostet, wie in dieser Nacht. Die Erinnerung an die Leiden Jesu Christi war für mich eine Quelle unaussprechlichen Trostes.“
Die Magier: „Dein Gefährte hat abgeschworen.“
Jonas: „Jawohl, ich weiß, dass er seit langer Zeit abgeschworen hat dem Satan und seinen Gesandten.“
Die Magier: „Hüte dich vor dem Verderben.“
Jonas: „Wenn ihr weise seid, wie ihr euch schmeichelt, so sagt mir, ob es nicht besser sei, das Getreide auszusäen, als es aufzuhäufen auf einen Speicher, unter dem Vorwand, es gegen Regen und Sturm zu schützen? Nun aber ist dieses Leben wie ein Same, den man in die Erde wirft. Er wird hervortreiben im künftigen Leben, wo Jesus Christus in unsterblicher Herrlichkeit dasselbe erneuern wird.“
Die Magier: „Eure Bücher haben viele Leute betrogen.“
Jonas: „Wahr ist, dass sie viele Menschen von den irdischen Vergnügungen abgebracht haben. Wenn ein Christ, mitten in den Peinen, von dem Feuer jener Liebe brennt, die ihm das Andenken an das Leiden seines Erlösers einflößt, so vergisst er Reichtümer, Ehren und alle Güter dieses vergänglichen Lebens. Er sehnt sich nur nach der Anschauung des wahren Königs, dessen Reich ewig ist, und dessen Gewalt alle Jahrhunderte umfasst.“
Als der Märtyrer zu reden aufhörte, schnitt man ihm die Finger, die Zehen und die Zunge ab. Auch zog man ihm die Haut vom Kopf herunter und warf ihn in einen mit kochendem Pech angefüllten Kessel. Aber das Pech entfloss plötzlich dem Behälter, ohne den Diener Gottes im Geringsten zu beschädigen. Hierauf legte man ihn unter eine hölzerne Presse, wo man ihn mit unmenschlicher Grausamkeit zerquetschte. Schließlich wurde sein Leib in Stücke zersägt und in einen ausgetrockneten Wasserbehälter geworfen, den man bewachen ließ, aus Furcht, die Christen möchten seine Übrigbleibsel wegnehmen.
Die Richter ließen Barachisius abermals vor sich führen und ermahnten ihn, Mitleid mit seinem Körper zu haben. Seine Antwort war, dass Gott, der seinen Leib gebildet habe, ihn wieder auferwecken würde, und dass die Magier mit ihrem König dereinst vor dem Richterstuhl eben dieses Gottes erscheinen müssten, worauf einer der Richter sagte: „Lasst uns dem Ding ein Ende machen; unsere Zögerung ist eine Unbild für den König. Man richtet nichts mit dieser Gattung Menschen, weder durch Reden, noch durch Qualen aus.“ Es wurde also unter ihnen entschieden, dass Barachisius mit Stechgnister gestrichen und hierauf sein Körper mit Schilfsplittern, die man, vermittelst eng an einander gereihten Seile, in die Haut drückte, bedeckt, und wenn er so überall durchstochen wäre und einem Stacheligel ähnlich sehe, auf der Erde hin und her gewälzt werden sollte. Bei dieser grauenvollen Peinigung ließen es jedoch die Magier nicht bewenden, sondern gossen dem Heiligen noch siedendes Pech und Schwefel in den Mund. Diese letztere Marter vereinigte Barachisius mit seinem Bruder Jonas. Abtusciatas, ein alter Freund des Märtyrerpaares, kaufte ihre Leichname von den Persern.
Der Verfasser der Akten unserer Heiligen beschließt sie folgendermaßen: „Dieses Buch, geschrieben nach dem Bericht von Augenzeugen, enthält die Akten der Heiligen Jonas, Barachisius, Märtyrer Jesu Christi, der sie, nachdem er sie im Kampf gestärkt hatte, mit der Siegeskrone geschmückt aus demselben hervortreten ließ. Möchte Isaias, Adabs Sohn, aus Arzun (in Armenien), Anteil haben an ihrem Gebet.“ Dieser Isaias, der in der Reiterei des Königs Sapor diente, wohnte den Verhören und Qualen der Diener Gottes bei und schrieb die Geschichte ihrer Triumphe.
Unsere heiligen Märtyrer litten am 29. des Dezembermondes, d.h. am 24. Desselben Monats, im Jahre 327 unseres Herrn Jesus Christus, und im 18. Des Königs Sapor. Im römischen Märtyrerverzeichnis stehen sie unter dem 29. März.
Wenn wir die Erzählung der Triumphe der Blutzeugen lesen, müssen wir die erhabenen Beweggründe, die sie in ihren Kämpfen stärkten, auch uns aneignen. Durch eine solche Vorsicht werden die Zeiten der Prüfungen für uns eine reichhaltige Quelle hoher Verdienste werden. Was begehrt aber Gott von uns in den Prüfungen? Dass wir sie von seiner Hand annehmen, wo nicht mit Freuden, doch wenigstens mit Geduld und Ergebung. Bei wie vielen aber findet man diese heilige Stimmung? Wie viele verlieren nicht, z.B., die Früchte, die sie aus ihren Krankheiten ziehen könnten? Die seufzen nach der Herstellung ihrer Gesundheit nur unter dem Vorwand, die Pflichten ihres Standes erfüllen und für die Ehre Gottes arbeiten zu können. O die Blinden, sie sehen nicht, dass dieses heftige Verlangen nach Gesundheit nur von der Ungeduld der Eigenliebe herrührt. Nein, sie würden nicht wünschen von ihrer Krankheit befreit zu werden, wofern sie den ganzen Wert und Nutzen der christlichen Geduld erkennen würden. Oder wenn sie sich nach Gesundheit sehnten, würde dies ohne Ängstlichkeit geschehen, mit der ausdrücklichen Bitte, Gott möge sie nur in so weit erhören, als es seiner Ehre und ihrem geistigen Wohl zuträglich wäre.
(Gezogen aus echten Urkunden, in chaldäischer Sprache geschrieben und im Original bekannt gemacht von Stephan Assemani. Diese Akten sind das Werk eines Augenzeugen, namens Isaias, der von einer ansehnlichen Familie in Armenien abstammte, und als Hauptmann im Heer des Königs Sapor diente. Metaphrast hat ebenfalls die Akten dieser heiligen Blutzeugen herausgegeben. Es finden sich aber darin viele Verfälschungen.)
1. Bewaffnen wir uns mit dem Zeichen des Heils gegen die Mächte der Finsternisse, denn "der Teufel geht gleich einem brüllenden Löwen umher, suchend, wen er verschlinge". Viele Unwissende und Ungläubige spotten nun über diesen bösen Geist wie über eine Fabel, und wollte Gott, sie würden nicht einst ein Raub seiner furchtbaren Gewalt. Denn niemals erfreut der Vogelsteller sich mehr, als wenn die Vögel ihn nicht sehen, weil sie dann um so sicherer ihm ins Netz gehen. Jahrtausende seufzte das menschliche Geschlecht unter der Tyrannei dieses Geistes der Hoffart, der gleich einem Blitz aus dem Himmel geschleudert wurde, und nun auf Erden die Völker verführte, und von ihnen sich anbeten ließ.
2. Nicht die Schriften der Juden allein, noch auch die Schriften der Apostel und Evangelisten, sondern das ganze Altertum, Plato, Porphyr, Plutarch und eine große Anzahl anderer heidnischer Schriftsteller bezeugen, wie die unglückseligen Völker der Heiden die so schreckliche Macht der Dämonen nur allzu sehr kannten, und vor ihnen erbebten. Ganze Jahrhunderte hindurch hatten die Apostel und die ersten Väter gegen das Götzentum zu kämpfen, und die gelehrtesten Stifter der neueren philosophischen Schulen, Leibnitz, Neuton und andere, so wie alle gelehrten Forscher der Geschichte, beschämen durch ihre unwiderleglichen Beweise alle unwissenden und irreligiösen Schwätzer und Leugner des Teufels, dessen Dasein die heiligen Schriften als einen wesentlichen Punkt des Glaubens aufstellen.
3. Noch dauerte diese lange, finstere Nacht der Dämonie, die den ganzen Erdkreis bedeckte, wäre nicht das Licht der Welt erschienen, diese "dauernde Angst der Erde", wie der berühmte römische Dichter sie nennt, zu verscheuchen, und hätte diesen starken Bewaffneten gefesselt und sein Reich zerstört. Indessen lässt seine göttliche Weisheit, die das Böse nur duldet, Gutes daraus zu erzielen, in allen Jahrhunderten der Kirche Ereignisse zu, welche das Dasein dieses bösen Geistes anschaulich zeigen, und gestattet ihm auch seine Auserwählten in gewissem Maße zu versuchen, damit sie zu seiner Ehre ihn beschämen und besiegen. Fürchte dich also nicht! Offenbarung 5,5: "Weine nicht! Gesiegt hat der Löwe aus dem Stamm Juda, der Spross aus der Wurzel Davids."
O Maria, du Heiligste unter den Heiligen, du bist so rein, ich bin durch Sünden befleckt. Du bist so demütig, ich bin so hochmütig. Du bist so heilig, ich bin so gottlos. Du musst es bewirken, o Maria, dass ich dir ähnlich werde. Weil du mich liebst, so mache, dass ich dir auch gleiche. Du hast alle Macht, die Herzen umzuwandeln. Nimm mein Herz, ändere es um, zeige der Welt, wie viel du über die vermagst, die du liebst. Mache, dass ich heilig, dass ich dein würdiges Kind werde. Amen.
Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Papstes Sixtus
Verleihe uns, o Gott, durch die Fürbitte Deines heiligen Papstes Sixtus Deinen Schutz und Frieden, damit Deine Kirche alle Schwierigkeiten und Übel überstehe, und Dir mit sicherer Freiheit diene, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Zu Jesus Christus
Beschirme jederzeit, o göttlicher Heiland, Deine heilige Kirche, wie in ihrem Oberhaupt, so in jedem ihrer Glieder. Lass die Hölle, die sich stürmend gegen Deine heilige Gemeinde erhebt, nie siegreich werden, sondern richte Deine heilige Kirche auf, wo sie niedergedrückt ist, und bewahre sie, wo sie der Blüte und Frucht sich erfreut, von jeglichem Verderben, damit die Welt erkenne, dass Du unser Hort und Schirmer bist, gegen den keine feindliche Macht bestehen kann, der Du lebst und herrschst mit Gott dem Vater in der Einheit des Heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
Seine Andacht zur heiligsten Mutter Gottes zu bezeugen, hat der heilige Papst Sixtus die vom Papst Liberius errichtete Kirche, Maria Major genannt, von neuem herrlich erbauen lassen, und dorthin einen Altar von geschlagenem Silber, eine große Menge Kelche, Leuchter, Rauchfässer und andere zum göttlichen Dienst gebräuchlichen Gefäße von Gold und Silber gegeben. So hat er auch der Kirche, St. Mariä vom Taufstein genannt, alle notwendigen Taufgeschirre von reinem Silber geschenkt.
1.Johannes 5,4: „Und das ist der Sieg, der die Welt besiegt hat: unser Glaube.“ Die Wahrheit dieser Worte des Apostels bestätigt der glorreiche Martertod der heiligen Jungfrau Augusta. Ihr Vater Matruzius war ein deutscher Fürst, der beim Sturz des Römerreiches mit seinen Kriegsscharen in die Berge von Friaul einbrach und sich das Land unterwarf. Er war ein grausamer Mann und ganz blind dem Götzendienst ergeben, weshalb er auch die Christen hasste und mit schrecklicher Härte verfolgte. Allein die Christen, die er martern und töten ließ, blieben ihrem heiligen Glauben treu. Diese Standhaftigkeit und Treue machte auf die Tochter des Matruzius, Augusta, einen tiefen Eindruck. Auch sie war noch eine Heidin, hatte aber ein sanftes Gemüt und ein weiches Herz. Daher suchte sie denn auch die Leiden der Christen zu mildern; sie reichte ihnen in der Stille Almosen, unterstützte die christlichen Waisen und Kranken und suchte auch manchmal aus den Händen ihres grausamen Vaters die Christen zu retten. Eines Tages begegnete sie einer großen Gruppe von Christen, die gerade zum Tode geführt wurden und mit heiterem Antlitz einhergingen, als würden sie zu einem Gastmahl gehen. Staunend darüber fragte sie: „Was gibt euch denn die Kraft, so standhaft, ja so freudig alle Marter zu ertragen?“ „Es ist“, sagten sie, „die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, an den wir glauben, es ist sein Beispiel und sein Lohn, die uns die Marter verachten und den Tod als eine Wohltat erkennen lassen.“ Diese Worte drangen tief in das Herz der Fürstentochter und sie ruhte von dieser Stunde an nicht mehr, bis sie den Gott der Christen kennen gelernt hatte. Ihr heißes Verlangen wurde erfüllt; sie fand einen Priester, der sie im christlichen Glauben unterrichtete und dann taufte. Von jetzt an war sie wie verändert; sie mied den heidnischen Götzendienst, betete Tag und Nacht, und suchte in allem das Beispiel Jesu nachzuahmen.
Ihr Vater bemerkte bald diese Veränderung und ließ sie beobachten. Einer seiner Diener schlich ihr eines Tages nach, als sie in die geheimen Versammlungen der Christen ging, traf sie dort und hinterbrachte es dem Vater. Außer sich vor Wut, ließ er Augusta vor sich hintreten und verlangte zu wissen, warum sie die Christen aufsuche, und was sie bei ihnen zu tun hätte. Ohne Furcht gab die Jungfrau zur Antwort: „Vater, ich bin eine Christin und bin hingegangen, um den wahren Gott anzubeten.“ „Also eine Christin bist du,“ schrie ihr Matruzius zornentbrannt entgegen; du kannst unsere alten Götter verlassen und einem fremden falschen Gott anhangen?“ „Nicht einem falschen Gott,“ antwortete Augusta, „hänge ich an, sondern ich bekenne den allein wahren Gott. Die Götter, die ich bisher verehrt hatte, sind falsch. O wüsstest du nur, wie herrlich, wie gut mein Gott ist, o Vater, du würdest ihn augenblicklich eben so wie ich von ganzem Herzen lieben und ihm allein dienen.“
Matruzius schwieg und gedachte seine Tochter durch Güte zu gewinnen. Er versprach, ihr alles zu geben, was einer jungen Fürstentochter Freude machen könne, wenn sie seinen Willen tun würde. Allein Augusta blieb standhaft und erwiderte dem Vater auf alle seine Anerbietungen: „Was du mir versprichst, Vater, das ist wie Asche und Rauch, den der Wind verweht, aber was Jesus den Christen verheißt, das allein hat Bestand, das allein ist ein Glück, das ewig währt und ewig selig macht.“ Bei diesen Worten stieß Matruzius die fürchterlichsten Drohungen aus; allein Augusta erklärte entschlossen, lieber den Tod leiden als Christus verleugnen zu wollen.
Jetzt ließ sie der Vater in ihr Zimmer einsperren und verbot, ihr Speise zu reichen. Augusta verharrte die ganze Nacht im Gebet und um nichts anderes bat sie, als um Ausdauer im Kampf und die Bekehrung ihres Vaters. Der Vater aber ließ sie nach drei Tagen zu sich kommen, zugleich versammelte er um sich die nächsten Blutsverwandten und die Edelsten seines Hofes, damit sie ihm helfen möchten, seine Tochter auf andere Gesinnungen zu bringen. In ihrer Gegenwart nun fragte er Augusta, ob sie sich entschlossen habe, den Aberglauben der Christen zu verlassen. Mutig antwortete sie: „Ich will meinem Jesus treu bleiben und weder durch Peinen noch Tod von ihm mich scheiden lassen, denn er ist mein Leben, meine Freude und meine Hoffnung.“ Da geriet der verblendete Vater in schreckliche Wut und befahl, dass man seiner Tochter die Zähne ausbreche. Sogleich machte sich ein Knecht ans Werk, und geduldig wie ein Lamm reichte Augusta ihren Mund dar, aus dem der Grausame mit Gewalt einen Zahn herausriss. Augusta blickte seufzend zum Himmel und ließ sich ohne Widerstand auch den zweiten Zahn herausbrechen. Da ergriff die Anwesenden großes Mitleid und sie baten den Fürsten, der Grausamkeit Einhalt zu tun. Doch umsonst; Matruzius befahl, in der Marter fortzufahren, und fragte dazwischen seine Tochter, ob sie nicht den Götzen opfern wolle? Allein Augusta gab mit blutendem Mund immer dieselbe Antwort: „Von meinem Gott weiche ich nicht: ausreißen magst du mir alle Zähne, ja auch die Eingeweide des Leibes; aber mein Herz kannst du nicht von Jesus trennen.“
Da Matruzius sah, dass er den Willen seiner Tochter nicht beugen könne, so ließ er sie in einen finsteren Kerker werfen, ihr Wasser und Brot vorsetzen mit der Mahnung, dass sie ihren Sinn ändern oder eine noch größere Marter ausstehen müsse. Augusta warf sich im Kerker auf die Knie nieder und flehte zu Gott um Kraft. Des Morgens fand sie sich wunderbar gestärkt und mit heiterem Angesicht trat sie vor den Vater, der sie wieder zum Abfall aufforderte. Allein Augusta stimmte einen Lobgesang zu Ehren der heiligsten Dreifaltigkeit an und bezeichnete sich mit dem heiligen Kreuz, als wollte sie sich zum Tod einsegnen. Nun befahl der unmenschliche Vater, man soll seine Tochter an zwei Bäume anhängen und unter ihr ein Feuer anzünden, damit sie im Rauch ersticke; allein ein heftiger Wind löschte das Feuer aus. Nun ließ Matruzius ein großes Rad, mit scharfen Messern und spitzen Stacheln bedeckt, herbeibringen. Entkleidet ließ er nun seine Tochter unter dieses schreckliche Rad legen, damit sie von ihm am ganzen Leib zerschnitten werde. Augusta schauderte zusammen, allein auf ihr Gebet stieg ein Engel nieder, der das Rad zertrümmerte und Augusta befreite. Da sprach die mutige Jungfrau zu den Anwesenden: „Seht ihr denn nicht die Kraft meines Gottes, der seinen Engel gesendet und mich aus der Pein errettet hat. So erkennt denn endlich die Falschheit eurer Götter und die Wahrheit meines Glaubens, damit ihr dem Verderben entrinnt.“ Aber Matruzius, vom Satan ganz besessen, hörte nicht auf die Worte seiner Tochter und ließ sie enthaupten, ihren Leib aber an einem verborgenen Ort begraben, wo ihn später die Christen fanden, auf einen Berg trugen und dort über ihm eine herrliche Kirche bauten. Gott verherrlichte seine heilige Dienerin mit großen Wundern.
Die heilige Augusta wird abgebildet in fürstlicher Kleidung, ein Rad neben sich, ein Schwert und die Palme in der Hand.
Die Kraft des heiligen Glaubens
Die heilige Augusta war nur kurze Zeit in den Lehren des Christentums unterrichtet worden und dennoch erlitt sie standhaft alle Martern und selbst den Tod für Jesus, von dem sie vorher gar nichts gehört hatte. Wer hat wohl dieses schwache Mädchen so standhaft gemacht, wer hat sie dahin gebracht, ihr junges Leben, dem alle Freuden der Welt geboten wurden, für Jesus, den Gekreuzigten hinzuopfern? Ich sage: Der Glaube! Bei der heiligen Taufe wurde ihr die kostbare Gabe des Glaubens eingegossen, da senkte der Glaube seine Wurzeln tief in ihr Herz. Im Licht dieses Glaubens erkannte sie hell und klar die Wahrheit, dass Jesus der wahre Sohn Gottes ist, dass in Jesus alle Schätze der Weisheit verborgen, alle Wonne und Freude zu finden sind, dass er allen, die an ihn glauben und ihn lieben, eine unaussprechliche Seligkeit ohne Ende verheißen hat. Das erkannte sie, das fühlte sie in ihrem Herzen und das verlieh ihr solche Kraft und solchen Mut, dass sie selbst aus der Hand ihres grausamen Vaters Marter und Tod hinnahm. Welch unbegreifliche Kraft muss also der Glaube verleihen, der den Menschen, der davon erfüllt ist, lehrt und ermutigt, alles, selbst das Leben hinzugeben, um eine Seligkeit zu gewinnen, die noch kein Auge gesehen, die nur versprochen ist.
Es muss hierin ein Geheimnis verborgen sein und so ist es auch. Der Glaube ist ein helles Licht, das von Gott selbst in den Sinn und in den Geist des Menschen, der ein aufrichtiges, gutes Herz hat, sich ergießt und ihm alle Lehren und Verheißungen Jesu so klar macht und ihn davon so fest überzeugt, dass er für ihre Wahrheit alles hinopfert. Und zugleich verleiht dem Menschen dieses Licht eine solche Kraft und Standhaftigkeit, dass ihn von der erkannten Wahrheit keine Gewalt, selbst der Tod nicht abbringt. Deshalb haben selbst Kinder und junge Frauen, die doch so furchtsam sind, in der Kraft dieses Glaubenslichtes freudig das Leben in grässlichen Martern hingegeben!
Frage dich nun, christliche Seele:
Habe ich auch einen solchen Glauben?
Fühle ich auch eine solche Kraft in mir?
Bin ich auch so fest von der Wahrheit meiner heiligen Religion überzeugt, dass ich dafür selbst sterben könnte?
Empfangen hast du dieses Glaubenslicht in der heiligen Taufe und bewahren musst du es durch ein frommes Leben, durch ein Leben im Glauben, durch Gebet und oftmaligen Empfang der heiligen Sakramente. Denn durch ein leichtsinniges, gottvergessenes, sündiges Leben löscht dieses Licht tatsächlich aus, und dann? Ein altes Wort dazu ist: Wehe dir dann! Wehe dir, wenn das Licht erloschen ist. Dann hast du nämlich den Schild verloren, von dem der heilige Apostel sagt, dass man damit alle feurigen Pfeile des Bösen auslöschen kann. Epheser 6, Vers 16: „Vor allem greift zum Schild des Glaubens! Mit ihm könnt ihr alle feurigen Geschosse des Bösen auslöschen.“
Bewahre also den heiligen Glauben wie einen sehr kostbaren Schatz! Denn hast du den Glauben tatsächlich verloren, dann musst du Ärmster wie ein Blinder in Nacht und Tod versinken!
Bete daher öfters mit den Jüngern des Herrn, so wie es in Lukas 17, Vers 5 nachzulesen ist: „Die Apostel baten den Herrn: Stärke unseren Glauben!“
1. Lass von dem Gerede ruchloser Gleisner und ausschweifender Lüstlinge dich nicht betören, die durch das süße Schlummerlied von einer unendlichen Barmherzigkeit, die keine Sünde ewig bestraft, sich selbst und andere in den furchtbarsten Todesschlaf lullen, denn schrecklich wird einst ihr Erwachen sein. Begib dich vielmehr oftmals im Geist an diesen Ort der Strafe. Betrachte die Stelle, die du daselbst verdienen und wo du nun wirklich in ewiger Verzweiflung wüten würdest, wenn Gott deiner sich nicht erbarmt hätte. Dieser Anblick lehre dich dankbar sein, vor der Sünde erschaudern und alle Trübsale des Lebens mit Geduld ertragen, die gegen das ewige Feuer gleich Schatten verschwinden.
2. Erwäge, zu wie unendlichen Danksagungen du gegenüber deinem Gott verpflichtet bist, dass er vor diesen ewigen Schrecknissen dich bewahrte. Befreite er einen jener Verworfenen aus diesen feurigen Kerkern seiner Gerechtigkeit: in welche Danksagungen würde sein Herz sich ergießen, in wie lebendige Lobgesänge würde er ausbrechen, wie innig würde er seinen Gott preisen, ja wie sehr auch würde er die Sünde verabscheuen, und wie strenge Buße würde er wirken. Weit inniger aber müssen deine Danksagungen sein, denn es ist fürwahr eine ohne Vergleich größere Wohltat, vor dieser schrecklichen Verdammnis zu bewahren, als von ihr zu befreien.
3. Unterlass an keinem Tag, der unendlichen Barmherzigkeit Gottes für diese so unaussprechliche Wohltat zu danken, und sei eifrig in seiner Liebe und in seinem Dienst. Hältst du seine heiligen Gebote getreu, dann darfst du allerdings auf seine unendliche Güte vertrauen, denn nimmer wird sie dann dich verlassen. Das wahre Vertrauen aber fasst beständige Wachsamkeit und heilige Furcht in sich, weil wir, so lange wir in diesem Leib der Sünde leben, keine vollkommene Sicherheit haben. Und dies auch war es, warum selbst die größten Heiligen zitterten. Flehe täglich aus inbrünstigem Herzen zum Herrn, vor der Sünde dich zu bewahren, die ein größeres Übel als selbst die Hölle ist, und die dahin führt, wo keine Erlösung ist in Ewigkeit. Offenbarung 2,10b: "Sei treu bis in den Tod; dann werde ich dir den Kranz des Lebens geben."
Lass mich dich loben, gleichwie dein Gott dich selbst lobte: Du bist ganz schön, Maria, und es ist keine Makel an dir. O reinste Taube, die du ganz heilig, ganz schön, die du immer eine Freundin deines Gottes gewesen bist: Blicke mit deinen barmherzigen Augen auf die schrecklichen Wunden meiner armen Seele. Blicke mich an, habe Mitleid mit mir und heile mich, Maria. O himmlischer Magnet der Herzen, ziehe auch mein elendes Herz zu dir. Maria, die du vom ersten Augenblick deines Lebens an ganz rein und schön vor den Augen deines Gottes erschienen bist, erbarme dich meiner, der ich nicht nur in der Sünde geboren, sondern sogar nach meiner Taufe meine Seele durch Sünden befleckt habe. Amen.
Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Rupert
Verleihe uns, o Gott, dass wir auf die Fürbitte des heiligen Bischofs Rupert unsere Herzen nie gegen Deine Stimme zu unserem Unglück verhärten, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
An diesem Tag wurde im Jahr 591 am ersten Ostertag auf Anordnung des heiligen Papstes Gregor, um die Pest von Rom abzuwenden, das Bildnis der seligsten Mutter Gottes, das der heilige Lukas gemalt hat, in einer feierlichen Prozession herumgetragen.
In Johannes Damaszenus mit dem Ehrennamen Chrysorrhoas (der „Goldströmende“, „Goldredende“) erstand der alten Kirche des Morgenlandes nochmals ein gewaltiger Geistesmann und Wortführer, während rings ein immer tieferer Verfall der geistigen und wissenschaftlichen Regsamkeit um sich griff. Er kam aus einer christlichen Familie in Damaskus, die inmitten der religiösen Verheerungen des siegreich vordringenden Islams treu den Glauben der Väter bewahrt hat. Der Vater Sergius stand im sarazenischen Staatsdienst und bekleidete ein hohes Steueramt, das sich später auf den Sohn vererbte. Er wünschte dem kleinen Johannes, der frühzeitig so ungewöhnlich reiche Geistesanlagen an den Tag legte, außer einer tiefen religiösen Herzensbildung auch eine höhere wissenschaftliche Ausbildung zu geben. Doch die äußeren Verhältnisse schienen diesem Wunsch große Schwierigkeiten entgegenzusetzen. Da führte ihm die Vorsehung wunderbarerweise einen geeigneten Mann zu. Unter den von Seeräubern gefangenen Christensklaven auf dem Markt von Damaskus befand sich nämlich auch ein Mönch aus Kalabrien, namens Kosmas, der in den weltlichen wie heiligen Wissenschaften gleich trefflich unterrichtet war. Sergius, der bereits so vielen Gefangenen die Freiheit verschaffte, kaufte auch ihn los. Da er auf seine reichen Kenntnisse aufmerksam wurde, nahm er ihn in sein Haus auf und vertraute ihm die Erziehung und den Unterricht seines Sohnes an. Welche Tugend- und Wissensfortschritte Johannes an der Hand seines Lehrers machte, davon sollte der ganze christliche Erdkreis Zeuge werden.
Nach des Vaters Heimgang und des Lehrers Weggang, der sich ins Kloster des heiligen Sabas bei Jerusalem zurückzog, riefen zunächst die verschiedenen Irrlehren den mutigen Streiter der christlichen Wahrheit und kirchlichen Rechtgläubigkeit auf den Plan. In Wort und Schrift schwingt jetzt der Damaszener die scharfe Geistesklinge gegen sie. Insbesondere aber taucht seine überragende Gestalt im sogenannten Bilderstreit auf. Der griechische Kaiser Leo der Isaurier hatte nämlich durch zwei Verordnungen „die Entfernung aller Bilder der Heiligen, Martyrer und Engel“ sowie die Vernichtung aller Bilder Christi und der Gottesmutter befohlen. Ein allgemeiner Bildersturm setzte infolgedessen durch die ganze griechische Kirche ein. Er rief überall große Aufregung in den Gemütern, in manchen Gegenden sogar förmlicher Aufruhr hervor. In Konstantinopel selbst war es der heilige Patriarch Germanus, der lieber abdanken als dem Befehl sich beugen wollte; im Abendland die Päpste Gregor II. und III., die trotz schwerster Bedrohungen und Anfeindungen den Bannfluch über die Bilderstürmer verhängten. Unter allen Gottesgelehrten aber wurde der heilige Johannes von Damaskus der unerschrockenste und unermüdlichste Vorkämpfer der kirchlichen Lehre von der Verehrung der Bilder Christi und der Heiligen. Mit Wort und Feder führte er gleich nachdrücklich und erfolgreich den Kampf gegen die ebenso verkehrte wie gewalttätige Irrlehre. Seine drei Verteidigungsschriften über die Bilderverehrung gehören zum Besten, was je darüber geschrieben wurde. Er unterscheidet hier scharf zwischen der Gott allein gebührenden „Anbetung“ und der auch dem heiligen Geschöpf zukommenden „Verehrung“. Alle und jede dem Bild erwiesene Ehre beziehe sich auf den durch das Bild Dargestellten. Auch den erzieherischen Wert der Bilder hob er hervor: sie vergegenwärtigen die Tatsachen der Erlösung und die Tugendbeispiele der Heiligen, sind Bücher für den des Lesens Unkundigen und Predigten für den frommen Beschauer.
Eine spätere, freilich unzuverlässige Legende weiß zu erzählen, der Kalif habe auf ein verleumderisches Schreiben Kaisers Leo hin dem Glaubensstreiter als Hochverräter die rechte Hand abhauen lassen, sie sei ihm aber auf sein Flehen vor dem Gnadenbild der heiligen Jungfrau bei Nacht wiederum wunderbar hergestellt worden.
Immer mehr hatte es den Heiligen aus dem Lärm der Großstadt und dem Getriebe der Welt in die Ruhe und den Frieden der klösterlichen Einsamkeit gezogen. Nach dem Jahr 730 setzte er das Vorhaben in die Tat um. Er verteilte sein ansehnliches Vermögen unter die Armen und Kirchen, wanderte in ärmlicher Kleidung mit seinem Halbbruder Kosmas nach Jerusalem und zog sich von da, seinem Lehrer folgend, ins nahe Kloster des heiligen Sabas zurück. Der Abt stellte ihn unter die Leitung eines älteren, seelenerfahrenen Mönches. Dieser schärfte dem Novizen als Grundbedingung des geistlichen Lebens vor allem die Abtötung der äußeren Sinne, insbesondere das Stillschweigen, ferner den Verzicht auf den Eigenwillen und die Übung der Armut im Geist ein. Um die beiden Grundpfeiler, auf welchen letztere beruhen, d.i. seinen Gehorsam und seine Demut zu prüfen, schickte ihn der Seelenleiter einmal nach Damaskus, um geflochtene Körbe zu verkaufen, und setzte noch dazu deren Preis so ungewöhnlich hoch an, dass er ihm den Unwillen und Schimpf der Einkäufer eintragen musste. Der demütige Mönch brachte willig das Opfer dieser Selbstverleugnung. Schweiß- und staubbedeckt schritt er mit den Körben auf dem Rücken unter dem Spott der Leute durch die Stadt, die so lang den Glanz seiner vornehmen Geburt, seiner hohen Stellung und seines wissenschaftlichen Rufes bewundert hatte. In seiner großen Demut und Selbstverachtung hielt er sich auch des Priesteramtes nicht würdig. Erst nach langem Widerstreben vermochte ihn der Patriarch von Jerusalem zu bewegen, sich die Priesterweihe geben zu lassen.
Nachdem seine Tugend, seine mönchische Entsagung so glänzende, ja heroische Proben bestanden hatten, durfte er mit Erlaubnis seiner Obern wiederum das fruchtbare Feld wissenschaftlicher und schriftstellerischer Tätigkeit bebauen, auf dem er sich so heimisch wusste. Die reifste Frucht und die berühmteste Schöpfung seines Geistes wurde nun unter seinen zahlreichen Werken die dreiteilige Schrift „Quelle der Erkenntnis“, worin er die geistigen Errungenschaften der christlichen Vorzeit, die Lehren der Konzilien und der bewährtesten griechischen Väter in einem gedrängten Gesamtbild zusammenschloss. Dieses Werk blieb durch mehr als ein Jahrtausend hindurch bis zum heutigen Tag das klassische Lehrbuch der Gottesgelehrsamkeit in der ganzen morgenländischen Kirche. Unsterblichen Ruhm erwarb er sich insbesondere auch als Dichter. Vor seinen religiösen Liedern mussten selbst die Gesänge des berühmten Liederdichters Romanus aus den gottesdienstlichen Büchern der griechischen Kirche weichen.
Der Heilige starb um das Jahr 749 und wurde nahe dem heiligen Sabas zu Grabe gebettet. Seine Verdienste bleiben nicht ohne Anerkennung von Seiten der dankbaren Nachwelt. Schon das 7. Allgemeine Konzil von Nikäa 787 ehrte sein Andenken und feierte ihn namentlich als den Hauptvorkämpfer der religiösen Bilderverehrung. Noch in jüngster Zeit aber würdigte Papst Leo XIII. seine wissenschaftlichen Verdienste um die ganze Kirche, indem er ihn im Jahr 1890 feierlich in die Zahl der Kirchenlehrer aufnahm.
Wissenschaft ohne Tugend bläht auf (1 Kor 8,1). Nur über dem Grund und im Bund tiefer, echter Tugend baut sie auf und wird zu einem überfließenden Strom des Segens zum Nutzen und zur Glaubensstärkung des einzelnen wie der Kirche.
1. Es ist eine der Grundwahrheiten des Christentums, dass es eine Hölle, nämlich einen Kerker der ewigen Gerechtigkeit, für Sünder gibt, die dies Leben verlassen, ohne sich von ihren Sünden abzukehren. Auf dieser Wahrheit ruht das ganze Werk der Erlösung wie auf seiner Grundfeste. Jesus starb am Kreuz, von diesem ewigen Tod alle zu erlösen, die an seiner göttlichen Erlösung Anteil nehmen wollen. Denn dass die Sünde, als eine Beleidigung der unendlichen Majestät, eine unendliche Strafe verdiente, die nur durch unendlichen Ersatz konnte aufgehoben werden, dies zeigt uns Kalvaria, wo wir die Gerechtigkeit Gottes und seine Barmherzigkeit im vollkommensten Einklang sehen.
2. Wie schrecklich dieser Ort der ewigen Strafe ist, lässt sich aus den Ausdrücken der Schrift ermessen, die ihn einen Feuerofen ohne Luft und Öffnung nennt, wo das Feuer ewig brennt; und die Unglückseligen, die der ewige Fluch traf, gleich feurigen Bränden glühen; den Flammen- und Schwefelteich des Zornes Gottes; die Kelter des göttlichen Grimmes; den Brunnen des Todes; den Ort der Qual und Finsternis, wohin in Ewigkeit kein Strahl des Lichtes dringt; ein Gefängnis, worin die Verdammten, in ewigen Ketten gefesselt, Tag und Nacht in rasender Verzweiflung heulen; ein Haus des bösen Geistes, worin er herrscht, und die Verworfenen als Schergen der göttlichen Gerechtigkeit peinigt! Ach, welch ein Haus, welch ein schrecklicher Aufenthalt.
3. Über alle Vorstellung sind diese Strafen der unendlichen Gerechtigkeit. Dennoch würden sie den größten Teil ihrer Bitterkeit verlieren, wenn den Verworfenen auch nur ein Funke Hoffnung leuchtete, dass sie einst ein Ende nähmen. Aber darin eben besteht die Verzweiflung, die sie ewig foltert, dass sie kein Ende nehmen. Ewig rasen sie gegen sich selbst: Ich, ich bin schuld an meiner Verdammnis. Ich könnte nun im Himmel sein, und bin in der Hölle. Nun erkennen sie Gott als den unendlichen Quell aller Glückseligkeit, hungern ewig vergeblich nach ihm, und hassen und verfluchen sich selbst und seine ewige Gerechtigkeit. "Besser ist es für dich, dass du . . .zum Leben eingehst, als dass du . . . in die Hölle geworfen wirst, wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt." (Markus 9,42-48)
Ewiges Wort, das Du vom Himmel auf die Erde herabgekommen, Mensch geworden und gestorben bist um der Menschen willen, und damit sie Dich lieben, wie ist es möglich, dass es unter den Menschen so wenige gibt, die Dich lieben? Unendliche Schönheit, liebenswürdiger, unendlicher Gott, der Du eine unendliche Liebe verdienst, siehe, auch ich bin einer von diesen Undankbaren, die Du so sehr geliebt hast, und die Deine Liebe nicht einmal gekannt haben. Ach, statt Dich zu lieben, habe ich Dich so oft beleidigt. Aber Du, mein Gott, Du bist Mensch geworden, Du bist gestorben, um den Sündern, die ihre Sünden verabscheuen und Dich lieben wollen, zu verzeihen. Siehe, mein Gott, es ist freilich war, dass ich ein Sünder bin, aber ich bereue die Beleidigungen, die ich Dir zugefügt habe. Ich will Dich lieben, erbarme Dich meiner. Amen.
Zu Gott
Um den kräftigen Sinn der Tugend bitten wir zu Dir, ewiger Vater, der in uns alles Irdische verzehrend, den stäten Aufschwung zu Dir uns erleichtert, damit wir immer weiter auf der Tugendbahn auch mitten in der Welt voranschreiten, und einst Deiner Anschauung würdig werden, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
Im Jahr 1128 wurden am heutigen Tag zu Soissons in der Abtei-Kirche der heiligen Maria, wovon am 22. März berichtet wurde, über hundert Personen von dem zu jenen Zeiten so gefährlichen Antonius-Feuer durch die Fürbitte der seligsten Jungfrau befreit. Dergleichen Wunderkuren sind in dieser Kirche ganz gewöhnlich.
Der heilige Kastulus zeichnete sich während der wütenden Christenverfolgung des grausamen Kaisers Diokletian durch einen unerschrockenen Mut und Eifer aus. Er war ein angesehener Bediensteter im kaiserlichen Palast, achtete aber die Gunst des heidnischen Regenten so wenig, dass er gegen dessen Verbot alle verfolgten Christen in seinem Haus verbarg und sie zur Standhaftigkeit im Glauben aneiferte. Durch Wunder und Wohltaten führte er viele Heiden zur Erkenntnis des wahren Gottes, denen der heilige Papst Cajus, der ein Blutsverwandter des Kaisers Diokletian war, die heilige Taufe erteilte. Zweimal wurde Kastulus von den Götzenpriestern als Christ angegeben und aller Drohungen ungeachtet besuchte er mit dem heiligen Tiburtius die Gefangenen Gläubigen in ihren Gefängnissen, sprach den Martyrern Mut während ihrer Leiden zu und beerdigte ihre Leichname. Um das Jahr 286 aber wurde er vor ein öffentliches Gericht geführt und zum Götzenopfer aufgefordert. Da er bei dieser Gelegenheit den Unsinn und die Schändlichkeit des Heidentums bewies und unerschrocken die anwesenden Götzendiener zum Glauben an den wahren Gott ermahnte, verurteilte ihn der Richter zum Tod. Mit hoher Freude, dass er des Martertums gewürdigt wurde, folgte er seinen Mördern zum Richtplatz, wo er zuerst grausam gegeißelt, dann lebendig in eine Grube gestürzt wurde, die man mit viel Sand zuschüttete. Dieses geschah am 26. März an der lavicanischen Landstraße. Nachdem die Verfolgung beendet war, erhoben gottesfürchtige Christen die Reliquien des heiligen Martyrers und beerdigten sie an einem geweihten Ort.
1. Begib dich im Geist der Andacht in die stille Kammer der Jungfrau zu Nazareth, die im Gebet heiliger Beschauung den Herrn dringend um das Heil der Welt anfleht, das er in allen Jahrhunderten durch Mose, David, Jesaja und alle Propheten hatte weissagen lassen. Noch ist sie in diesem feurigen Gebet begriffen, als der Engel des Allerhöchsten vor ihr steht, ihr zu verkündigen, sie selbst sei die, von Ewigkeit in Gottes Ratschluss erkorene Jungfrau, die den Sohn Gottes in ihrem keuschesten Leib empfangen und gebären soll. Die demütige Gottesmagd erschrickt, denn gleich der schneeigen Lilie, die ihre eigene Schönheit nicht kennt, erstaunt sie über diese unerhörte Botschaft.
2. Vieles spricht der Bote des Allerhöchsten zu der fleckenlosen Taube von den hocherhabenen Vorzügen des himmlischen Königs, ihres künftigen Sohnes. Doch nur überaus wenig die weise, sittsame, an Geist und Körper heilige Jungfrau, die, die Erste und Einzige im Alten Bund, ohne Vorbild und ohne Rat, auf innerliche Eingebung dem Herrn als beständige Jungfrau sich geweiht hatte. Erst als der heilige Engel sie versichert, sie werde die Mutterkrone mit dem Jungfraukranz vereinigen, und, nach Art und Weise der Propheten, ihr ein Beispiel der göttlichen Allmacht anführt, spricht sie, ganz in Gehorsam, Demut und Liebe aufgelöst: Siehe, ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Wort."
3. O glorreiche Jungfrau, welche Seligkeit liegt in deinem Ausspruch. Jubelnd vernehmen deine Worte die heiligen Altväter und Mütter in der Tiefe, jubelnd die in Finsternisse versunkene Welt, ja freudig auch eilt der Himmelsbote zum Allerhöchsten mit deiner Antwort. Nimmermehr jedoch dringt ein Sterblicher, ja nimmermehr auch ein Engel in den besiegelten Abgrund der großen Dinge, die der Herr an dir, o Jungfrau der Jungfrauen, getan hat. Nur schweigen und anbeten können wir die Gnadenfülle, die Überschattung der Kraft des Allerhöchsten, die jungfräuliche Fruchtbarkeit, die Menschwerdung des ewigen Wortes in deinem Schoß. Von dieser Stunde an verehren die Engel dich als ihre Königin, und preisen dich selig alle Geschlechter. "Gesegnet bist du unter den Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes." (Lukas 1,42)
O seligste, und in Ewigkeit gebenedeite Jungfrau Maria. Am Verkündigungstag sende ich dir durch den Erzengel Gabriel einen freundlichen Gruß und wünsche dir im Namen aller Menschen unendliches Glück zu den unaussprechlich großen Gnaden, die dir heute von der heiligen Dreifaltigkeit erwiesen worden sind.
Durch deine freudenreiche Verkündigung bitte ich, sei meine Fürsprecherin bei Gott und erwirb mir seine göttliche Gnade und Barmherzigkeit. Um dir, wunderbare Jungfrau, durch die Erinnerung die Freuden jenes glücklichen Tages zu erneuern, spreche ich mit Andacht den Gruß des Engels: Gegrüßet seist du Maria . . . Amen.
Zu Gott
O Gott, Dein Wille war es, dass die seligste Jungfrau Maria, auf die Verkündigung Deines Engels, Deinen eingeborenen Sohn empfange. Wie wir sie nun als die Mutter Deines Sohnes verehren, so rufen wir auch kindlich zu Dir, lass uns ihr heiliges Leben nachahmen und zur ewigen Seligkeit gelangen, durch eben denselben Jesus Christus Deinen Sohn, unseren Herrn. Amen.
Zu Maria
Sei gegrüßt Maria, du Gnadenvolle, der Herr ist mit dir, Magd des Herrn, Mutter Gottes, in der heute das Wort Fleisch geworden ist: sei für mich, was dein Name heißt, ein wahrer Stern des Heils, und erlange mir, du Gnadenvolle, dass ich in der Gnade Gottes sterbe, und dass der Herr mit mir sei, und ich mit dem Herrn in Ewigkeit. O Gebenedeite unter den Frauen, bitte für mich, dass Jesus, die gebenedeite Frucht deines Leibes, mir im Leben und im Sterben wahrhaft zum Heiland werde. Also soll es geschehen, heilige Maria, Mutter Gottes, Mutter aller Lebenden, aller Sterbenden und Auserwählten. Amen.
Zum heiligen Erzengel Gabriel
Heiliger Erzengel Gabriel, grüße mit mir und für mich Maria, und lehre mich, sie allezeit so zu grüßen, dass sie für mich bittet, jetzt, so lange ich noch lebe, jetzt - da ich bete, jetzt, so oft ich in Gefahr der ewigen Verdammnis bin, und dann in der Stunde, in dem Augenblick, in dem Angstschweiß meines letzten Todeskampfes und Hinscheidens. Amen.
Das Gedächtnis des heiligen Dismas passt gut in die Zeit, in der wir besonders an das Leiden und Sterben unseres Herrn Jesus Christus denken. Dismas ist nämlich der gute Schächer, der mit dem Herrn auf Golgatha gekreuzigt wurde und der von ihm die Zusicherung erhielt, dass er gleich nach dem Tod in das Paradies eingehen werde.
Über den glücklichen Tod des heiligen Dismas, von dem gleich noch erzählt wird, sind wir durch die biblische Geschichte genügend informiert. Weiteres erzählt die Heilige Schrift zwar nicht von ihm, aber die Legende weiß mehr zu berichten.
Weil bekanntlich der Apfel nicht weit vom Stamm fällt, ist es nicht verwunderlich, dass nach der Legende der Vater des Dismas ein Wegelagerer war, der mit einer Räuberbande die Gegend an der ägyptischen Grenze jahrelang unsicher machte.
Eines Abends spät gelangte bei den Zelten der Banditen eine kleine Reisegesellschaft an, eine junge Frau, die auf einem Esel ritt und ein Kindlein auf ihrem Arm trug, während ein Mann in den besten Jahren das Reittier am Zaum führte. Es war die Heilige Familie auf der Flucht nach Ägypten.
Kaum waren die drei heiligen Personen im Blickfeld der Räuber aufgetaucht, wurden sie auch schon von den verwegenen Gesellen umzingelt und mit dem Ruf: „Geld her oder das Leben!“ begrüßt. Im gleichen Augenblick erschien aus dem nächstliegenden Zelt eine Frau, überblickte kurz die Lage und schrie die Männer an:
„Schämt euch, ihr Lumpen! Ihr wollt ehrliche Räuber sein! Nein, ein anständiger Räuber überfällt nie eine Mutter, die ein Kind auf dem Arm trägt. Weg mit euch, Halunken, in die Zelte, oder ihr könnt euch morgen das Brot selbst backen.“
So redete die Frau mit den wüsten Burschen. Und während sich auf diese Worte hin die Räuber verzogen, führte sie die Heilige Familie in ihr Zelt, bewirtete sie aufs Beste und richtete ihnen für die Nacht ein Lager zurecht. Am anderen Morgen stellte sie der Mutter Gottes warmes Waschwasser zur Verfügung, damit sie das Jesuskind baden könne. Das geschah dann auch, und als sich die Heilige Familie mit Dank verabschiedete, empfahl Maria der Räubersfrau, die ebenfalls einen kleinen Sohn hatte, diesen mit dem Wasser zu waschen, in dem sie das kleine Jesuskind gebadet hatte. Die Mutter Gottes hatte nämlich bemerkt, dass der Räuberjunge aussätzig war. Nach dem Weggang der Heiligen Familie befolgte die Frau sofort Mariens Rat, und wirklich, ihr Sohn wurde auf der Stelle vom Aussatz geheilt und war gesund. Der Geheilte aber hieß Dismas, und es ist der gleiche Dismas, der später mit Jesus gekreuzigt wurde.
Wie gut ist doch Jesus Christus! Da hat eine Frau ihm, seiner Mutter und dem Pflegevater einen Dienst erwiesen und sofort belohnt er den Dienst dadurch, dass er den aussätzigen Sohn der Frau heilt. Das wäre an sich des Dankes genug gewesen, aber Jesus geht noch weiter. Die Reinigung vom Aussatz des Körpers war für ihn nur wie eine Anzahlung. Den vollen Lohn für die Liebestat erstattete er auf Golgatha, als er die Seele des Räubers Dismas unter der Kreuzigung mit seinem dahinfließenden Blut vom Aussatz der Sünde reinigte.
Als nämlich später auf Golgatha der Herr mit den beiden Verbrechern gekreuzigt wurde, geschah es, dass auch einer von den beiden Jesus verspottete und sprach: „Bist du Christus, so hilf dir selbst und uns!“ Der andere aber hatte andere Gedanken und sagte: „Wir empfangen, was wir verdient haben, dieser aber hat nichts Böses getan.“ Daraufhin sprach er zu Jesus: „Herr, denke an mich, wenn du in dein Reich kommst.“ Jesus antwortete ihm: „Wahrlich, ich sage dir, heute noch wirst du bei mir im Paradies sein.“
So sprach Jesus, und im gleichen Augenblick wurde aus dem Räuber ein Heiliger. Vor dem, der gerade noch am Rand des Verderbens stand, taten sich weit die Pforten des Himmels auf. So lieb ist Jesus Christus. Wer ihm Gutes antut, empfängt von ihm hundertfachen Lohn dafür.
Quelle:
Saint Dismas Prison Ministry Foundation 1701 Indian Creek Parkway Jupiter, Florida 33458
Eine Frage, die die meisten Leute in Erstaunen setzt und verwirrt, wurde einmal im irischen Radio gestellt: „Wer war der einzige Heilige, der bereits zu Lebzeiten heiliggesprochen wurde?“ Niemand konnte hierauf eine richtige Antwort geben. Wir Zuhörer fragten uns, ob die Antwort nicht die sein würde, dass irgendeine große Seele schon in diesem Leben einen solchen Ruf von Heiligkeit besaß, dass sie vom Volk ein Heiliger genannt wurde. Aber dies konnte schließlich auf eine ganze Reihe von Heiligen zutreffen.
Als aber die Antwort erteilt wurde, stellte es sich heraus, dass hinter dieser Frage keine Geschichtsverdrehung und auch kein Trick steckte. Die Antwort ist einfach die: der gute Schächer.
Aus: „Glasgow Observer and Scottish Catholic Herald“
Als vor Herodes grimmen Drohen
Die Eltern nach Ägypten flohen
Mit ihrem gottgesandten Kind,
Durch Berg und Wüste, Nacht und Wind,
Da konnten Schlangen, Löwen, Drachen
Den Heiligen keinen Schaden machen,
Denn das Kind gab seinen Segen
Den wilden Tieren entgegen,
Dass sie entwichen
Und hinwegstrichen.
Und weiter ging es durchs Gefilde
Und durch der Wüste Wilde. Wer darüber wollte kommen,
Manchem ward allda benommen
Sein Gut und auch sein Leben.
In einem Wald daneben
Zwölf Gesellen saßen,
Die auf diesen Straßen
Viel des Mordes begingen.
Sie erschlugen und fingen,
Was ihnen entgegen kam.
Jeder nach der Reihe nahm
Die Beute Tag für Tag:
Das war die Sitte, deren man da pflag.
Die Räuber fielen Joseph an.
Da trat derselbe Räubersmann,
Dem am selben Tage heute
Zugehörte die ganze Beute,
Hinzu und sah das heilige Kind
So wunderselig hold und lind,
Das in der Mutter Schoße lag,
Und ward gewahr, wie es pflag
Ihn gar lieblich anzusehen.
Er hörte nicht auf, nach dem Kinde zu spähen,
Dess Antlitz umgab ein heller Schein.
Die falkenlichten Aeugelein
Spielten in dem Haupte gar
So lauter und so klar.
Und der wunderreiche Gott,
Der nach seinem Gebot
In der Wüste aus hartem Stein
Einst Wasser weckte heil und rein,
Erweichte nun durch seine Güte
Ein felsenhart Gemüte.
Er ließ die Wand`rer frei hinziehn.
Der Strahl der Gnade traf auch ihn,
Als nach Jahren der Verbrecher
Hing als armer Schächer
Neben Christi Kreuz. Der wies
Den Dismas in das Paradies.
(Aus: "Goldene Legende der Heiligen"
von Joachim und Anna bis auf Constantin den Großen
neu erzählt, geordnet und gedichtet von
Richard von Kralik, 1902)
Ihr habt von Dismas, dem Schächer, vernommen,
Auf den schon ein Strahl der Gnade gekommen
Dort in Ägypten. Aus Galiläa
War er entstammt, doch nach Judäa
Kehrte er später, ein Gastwirtshaus
Zu verwalten. Oft fuhr er aus;
Als Seeräuber plünderte er die Reichen,
Doch von den Armen ließ er sich erweichen
Und tat ihnen Gutes. Den ganzen Hass
Zeigte er ohne Unterlass
Gegen der Hohenpriester und
Der Schriftgelehrten verruchten Bund.
So brach er einst in den Tempel ein
Und tat Gewalt dem Töchterlein
Des Hohenpriesters Kaiphas an,
Sarra geheißen, und er gewann
Durch Raub das heilige Tempelgut,
Das sie als Priesterin in Hut
Zu halten hatte. So raubte er
Auch das Gesetzbuch heilig und hehr
Aus ihrer Verwahrung. Dies war die Tat,
Ob der Dismas vom hohen Rat
Ergriffen ward und angeklagt.
Sarra hatte zudem gesagt:
"Er will erfüllen, was Jesus gesprochen!
Er drohte, der Tempel werde zerbrochen.
So seht nur seines Jüngers Wut,
Der, was der Meister droht, gleich tut!"
Man glaubte der Maid, die dergestalt
Als Prophetin am Tempel galt
Wie Hanna vor Zeiten. Aus diesem Grunde
Glaubte man, ja keine Stunde
Mehr zögern zu dürfen; den Aufrührer
Jesus, ihn, den Volksverführer,
Musste man ohne Verzug in Ketten
Legen, um so den Tempel zu retten.
Auch auf Nikodemus fiel der Verdacht,
Dem die Tempelschlüssel bei Tag und Nacht
Anbefohlen waren.
Der Juden wütende Scharen
Wollten auch die Prophetin ins Feuer
Werfen, an der so ungeheuer
Gefrevelt worden. In dieser Not
Bestach Kaiphas den Iskariot,
Alle Schuld auf Jesus zu schieben:
Er hätte das Buch, von Moses geschrieben,
Geraubt, auf dass die Juden nicht
In Zukunft nach des Gesetzes Pflicht
Opfern könnten. Ihr seht, wie viel
Die Hölle wirkte zum schrecklichen Ziel.
(Aus: "Goldene Legende der Heiligen"
von Joachim und Anna bis auf Constantin den Großen
Sonderbar ist es, dass erfahrungsgemäß gerade um diese Zeit mächtige Stürme toben, die vor allem den Schiffen auf dem Meer gefährlich werden können. Auch für die Bewohner der weltverlorenen einsamen Inseln vor den Nordseeküsten sind es böse Tage. Wochenlang ist die Verbindung mit dem Festland abgeschnitten, wegen des hohen Seegangs kann kein Schiff landen, selbst Hungersnot stellte sich zuweilen ein, und wenn der Sturm, namentlich in den dunklen Nächten, rast und heult und tost, so ist es den Insulanern oft ganz jämmerlich zumute. Umso größer zeigt sich allerdings nachher die Freude, wenn sich das Meer beruhigt und wenn wieder ein Schiff mit Post und Lebensmitteln in den Hafen einläuft. Gleichnisweise ist dies alles gesagt.
Schau, die Erde ist wie eine einsame verlorene Insel im Weltall. Frieden und Segen und Herrlichkeit ruhten auf ihr, als Gott sie erschuf. Zerstörend und vernichtend erhob sich jedoch bals hernach der Sturm der Sünde und riss alle Verbindung mit dem Himmel ab. Jahrtausendelang schmachteten die Menschen vor Not dahin, und im harten Weh klagten und seufzten sie nach dem Schiff, das ihnen den verheißenen Erlöser aus Nacht und Grauen bringen sollte. Kennst du dieses Schiff? Maria ist es, die reine und demütige Gottesmagd, die den Menschen auf der einsamen verlorenen Insel im Weltall von den glückseligen Gestaden des Jenseits her als kostbarste Fracht den Heiland brachte und die dadurch die Verbindung zwischen Himmel und Erde wiederherstellte. Maria ist das Schifflein Gottes, in das der liebe Heiland am heutigen Tag einstieg, um am hochheiligen Weihnachtsfest im trostlosen Hafen des Diesseits zu landen und alle, die guten Willens sind, von neuem mit Frieden und Segen und Herrlichkeit zu erfüllen und zu beglücken. Mit dem heutigen Tag beginnt also bereits der neue Advent des nächsten Kirchenjahres zum frühen Zeichen dafür, dass Gottes Heil und Gnade niemals enden, sondern ohne Ende bis in Ewigkeit dauern werden.
Wie man aus dem Festevangelium ersieht, ging es am heutigen Tag in Nazareth hochfeierlich zu. Der Erzengel Gabriel wurde von Gott gesandt in eine Stadt in Galiläa zu einer Jungfrau, die verlobt war mit einem Mann namens Josef aus dem Hause Davids, und der Name der Jungfrau war Maria.
"Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft, und sie empfing vom Heiligen Geist." "Maria sprach: Siehe, ich bin eine Magd des Herrn! Mir geschehe nach deinem Wort!" "Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt." "Gegrüßet seist du, Maria, du bist voll der Gnade. Der Herr ist mit dir. Du bist gebenedeit unter den Frauen, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus."
Da war es geschehen. Das herrlichste Wunder aller Zeiten hatte sich vollzogen. Die zweite Person in der Gottheit war in das Schifflein, das Maria hieß, eingestiegen und war Mensch geworden. Die Jungfrau hatte empfangen, und sie wird in der Heiligen Nacht einen Sohn gebären, dessen Name Emanuel lautet, was auf deutsch "Gott mit uns" besagt. Er wird der Sohn des Allerhöchsten genannt werden, wird auf dem Thron seines Vaters David sitzen und wird ewig im Hause Jakobs herrschen, und seines Reiches wird kein Ende sein. Der Menschen langer lauter Flehruf nach dem Tau des Himmels ist erhört, die Erde öffnete sich und sprosste den Erlöser hervor. Dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist sei für immer und ewig Dank gesagt für diese gnadenvolle Stunde der Menschwerdung des Herrn aus Maria, der Jungfrau!
Seitdem uns aber Maria als das Schifflein Gottes den Heiland gebracht hat, der uns durch sein Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit der Auferstehung führt, wird die Verbindung zwischen Himmel und Erde nie mehr abreißen, denn täglich wird sie immer wieder hergestellt in ungezählten heiligen Messen, in denen Gottes und Mariens Sohn vom Himmel zur Erde niedersteigt, um allen, die guten Willens sind, Gnade und Heil, Frieden, Segen und Herrlichkeit zu bringen.
Wie hoch und her, lob- und preiswürdig ist also das heilige Messopfer, dem man so oft und so andächtig wie möglich beiwohnen soll, weil das Wort Fleisch geworden ist.
Vom "Angelus"
An diesem Festtag erkennen wir die unendliche Güte Gottes zu uns Menschen. Der ewige Sohn Gottes nimmt die menschliche Natur an, um die Menschen von der Sünde zu erlösen und selig zu machen - welch ein Wunder der Erniedrigung zu unserer Erlösung! Dies sollte unseren Stolz beschämen und uns ganz mit Dank erfüllen. Weiterhin erkennen wir an diesem Festtag die unbegreifliche Erhöhung einer Jungfrau zur Würde einer Mutter Gottes! Maria kann mit Recht ausrufen: "Von nun an werden mich selig preisen alle Geschlechter!" Dies sollte uns zur eifrigen Verehrung der allerseligsten Jungfrau und Mutter Gottes antreiben.
Indem die heilige Kirche wünscht, dass ihre Kinder die Mutter Gottes mehr als alle anderen Heiligen verehren und sie um ihren mächtigsten Schutz bitten sollen, schenkt sie uns jenes Gebet, welches aus den von dem Engel zu Maria gesprochenen Worten zusammengesetzt ist, und deswegen der "englische Gruß" heißt. Verrichten wir daher dieses Gebet mit der größten Aufmerksamkeit und Andacht.
Das Andenken an die Menschwerdung Jesu aus dem Leib der seligsten Jungfrau sollen wir also nicht nur heute, sondern täglich dreimal feiern, wenn die Kirche uns mit dem Glockenzeichen am Morgen, mittags zwölf Uhr und abends dazu ermuntert. Papst Benedikt XIII. hat denjenigen, die dieses Gebet beim Glockenzeichen kniend, am Samstagabend und an den Sonntagen und die ganze österliche Zeit stehend beten, jedes Mal einen Ablass verliehen. Der heilige Karl Borromäus stieg sogar aus der Kutsche, wenn man zu diesem Gebet das Zeichen gab und verrichtete es mitten auf der Gasse kniend. Können wir uns etwa dieses Gebetes schämen?
Matthias Hergert
Große Dinge entstehen in der Stille. Keine Propaganda kündet von ihnen. Gottes große Werke sind stets in einer noch größeren Stille entstanden. Mit Recht singen wir so von der stillen, aber heiligen Nacht, in der Gottes Sohn geboren wurde. Aber ganz still war sie doch nicht. Den Hirten auf dem Feld kündeten ja davon die Engelscharen. Aber unheimlich still War es, als dieser Sohn Gottes im Schoß Mariens erstmalig in dieser Welt Wirklichkeit wurde. Niemand wusste darum, als nur sie, die schüchterne Jungfrau, die es nicht einmal wagte, davon ihrem Angetrauten etwas zu berichten. Und doch ist Größeres nie auf dieser Erde von Gottes Allmacht geschaffen worden als damals zu Nazareth, als Gottes ewiger Sohn Mensch wurde.
Uns ist diese heilige Begegnung zwischen der Jungfrau und dem Engel seit den Tagen der Kindheit sehr gut bekannt, ja, die meisten wissen sie Wort für Wort auswendig. Und doch, jedes Mal, wenn wir sie im Evangelium vieler Marienfeste wiederum vernehmen, will es uns den Atem verschlagen. Wir fühlen: Es dreht sich da um uns, um unser ewiges Glück oder Unglück. Die Jungfrau wird doch wohl nicht dem Wunsch Gottes ausweichen? Wir hören gar schon mit Schrecken, wie eine Schwierigkeit von ihrer Seite vorgebracht wird!
Unwillkürlich ist dann der Blick der Gläubigen seit fast zwei Jahrtausenden hinübergewechselt zu einer anderen Jungfrau und Angetrauten, die auch mit einem Wesen aus einer anderen Welt sich im Gespräch befindet. Auch im Paradies ging es um das Werden des Menschen wie Gott. Gottes Selbstherrlichkeit wird der Eva angeboten; sie selbst soll gut und bös bestimmen können. Aber es gehe nicht, ohne Gott untreu zu werden, aus dessen Schöpferhand sie soeben hervorgegangen ist. Eva greift um diesen Preis zu und – wird die oft verfluchte Mutter des Unheils.
Auch zu Nazareth wird letzthin die geheimnisvolle Teilnahme an Gottes Natur angeboten, wie der heilige Petrus unsere Gotteskindschaft benannt hat. Gottes eigener Sohn, der sie in ewiger Zeugung vom Vater selbst erhalten hat, will sie auf diese Erde bringen, indem er als Mensch ins Menschengeschlecht eintritt. Dazu bedarf es aber von Seiten der Menschen, die Maria in diesem Augenblick so vertritt, wie einst Eva es tat, der demütigen Bereitschaft und der gehorsamen Hingabe. Ob Maria sie aufbringt, obwohl die Engelsbotschaft vielerlei des Ungenannten und Unbekannten enthielt? Himmel und Erde halten den Atem an. Entzückt lauschen sie auf die Antwort, die alles besagt: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn. Mir geschehe nach deinem Wort!“ Da ward Maria Ursache unseres Heils.
Das wurde aber auch der Beginn ihrer eigenen Größe, denn Erhabeneres als Gottesmutterschaft lässt sich für ein Geschöpf nicht ausdenken. Der unermessliche Lobgesang gläubiger Menschen, der immer wieder neue Melodien formt, um Maria ob ihrer Einwilligung zu preisen, bezeugt es von Jahrhundert zu Jahrhundert. Wie wahr wurde doch an ihr ihres Sohnes Wort: „Wer krampfhaft sein Leben zu gewinnen trachtet, der wird es verlieren. Wer es aber um Gottes willen hingibt, der wird alles gewinnen.“
Kirchengebet
Gott, Du wolltest, dass Dein Wort auf die Botschaft des Engels hin im Schoß der seligen Jungfrau Maria Fleisch annehme; so gewähre denn unsere Bitte und lass durch ihre Fürsprache bei Dir uns Hilfe finden, die wir sie gläubig als wahre Gottesmutter bekennen. Amen.
Zur Geschichte des Festes: Mariä Verkündigung ist eines der ältesten Marienfeste. Wurzelt es doch in dem bedeutsamsten Geschehen unserer Heilsgeschichte: der Menschwerdung des Sohnes Gottes, des göttlichen Wortes. Dreimal am Tag dankt die katholische Welt dem himmlischen Vater beim Aveläuten für dieses kostbare Geschenk, für die Menschwerdung seines vielgeliebten Sohnes. Durch die Festfeier am 25. März will die Liturgie sagen: noch neun Monate, und wir dürfen niederknien vor Gott in Menschengestalt.
Es ist darum begreiflich, dass dieses Fest bis in die ältesten Jahrhunderte zurückreicht. Die stadtrömische Liturgie feiert es am Mittwoch der Adventsquatember. Als eigener Festtag ist es historisch nachweisbar zunächst im Orient, und zwar schon im 5. Jahrhundert, im Abendland im 7. Jahrhundert. Leo XIII. erhob es zu einem Doppelfest erster Klasse.
(Prof. Dr. Carl Feckes, „So feiert dich die Kirche“, Maria im Kranz ihrer Feste, Steyler Verlagsbuchhandlung, 1957)
Zu enden der Menschheit Klage,
Will nun der Alte der Tage
Sich erneuen an dem Kinde,
Dass man erfüllet finde,
Was die Weissagen
Sprachen in alten Tagen
Von des Himmels Güte.
Den Samen von der Minne Blüte
Er auf das Erdreich warf,
Dess alles Volk zum Heil bedarf,
Dass es mit wachsender Minne
Hinwende alle Sinne
Auch an den edlen Himmelsstamm,
Von dem der Minnesame kam.
Das war ein wunderbares Ding:
Des weiten Himmels Ring -
Gott weiß allein sein Ende wohl -
Der war der Güte also voll,
Dass sie musste überfließen.
Gott wollte ausgießen
Mit Lust und Liebe um die Wette
Nicht allein, was er hätte,
Sondern auch, was er war
In seinem Wesen lauter und klar.
Da sandt` er einen Engel hin,
Auf dass er seines Willens Sinn
Zu der wandelsfreien,
Der Jungfrau Mareien,
Hinbrächte, damit sie empfinge
Den Schöpfer aller Dinge
Vom heiligen Geist und ihn gebäre,
Dass er Mensch unter Menschen wäre.
O Gabriel, du edler Geist,
Dess Name "Stärke Gottes" heißt,
Sankt Gabriel, du Gotteskraft,
O Kraft, die große Dinge schafft,
O brächtest du von Himmelshöhn
Uns immer Botschaft also schön!
(Aus: "Goldene Legende der Heiligen"
von Joachim und Anna bis auf Constantin den Großen
1. Keine Wahrheit ist unfehlbarer, als dass wir alle die Schuld der Natur durch den Tod bezahlen müssen, und die tägliche Erfahrung ist mehr als hinreichend, uns davon zu überzeugen. Nicht weniger gewiss ist es, dass die Folgen des Todes für den Menschen, die diese Prüfungszeit in Lastern verlebten, schrecklich sind, und dass wir daher nie zu große Sorgfalt anwenden können, zu dem Augenblick uns vorzubereiten, der über unsere glückselige oder unglückselige Ewigkeit entscheidet. Dennoch tun dies nur überaus wenige. Woher diese unbegreifliche Gleichgültigkeit? Daher, weil bei weitem die meisten den Tod gleichsam als eine jener spekulativen Wahrheiten dahin gestellt sein lassen, die nur andere, nicht aber sie selbst angeht.
2. Welcher unglückselige Zauber entrückt unseren Augen doch beständig diese ernste Wahrheit. Leidest aber nicht auch du an dieser Verblendung? Lebst nicht auch du blind in den Tag, als ginge dies Urteil dich nichts an? Tröstest auch du dich mit der unsicheren Hoffnung, dass du weder heute noch morgen, ja auch in diesem Jahr nicht sterben wirst? Wie viele wurden an dieser Angel gefangen. Es gibt Menschen eines gewissen Alters, die eine halbe Welt um sich her sterben sahen, und dennoch leben sie mit unbegreiflicher Sicherheit in ihren Lastern fort. Woher dies? Sie glauben nicht an den Tod. Glaubten sie wirklich an ihn: würden sie je leben, wie sie leben?
3. Niemand lebt sicher, außer wer jeden Tag sich wiederholt: Ich weiß, dass ich sterben muss, und zwar früher als ich es vermute. Vielleicht ist meine letzte Stunde schon im Anzug. Diese Beherzigung führt den Tod nicht um einen Tag näher herbei. Wohl aber regt sie den denkenden Christen gewaltig an, sein Leben also zu ordnen, dass der Tod, zu welcher Stunde immer er erscheine, ihn nicht unvorbereitet überrasche. Präge diese Wahrheit tief in dein Herz, nicht verbittern wird sie dein Leben, sondern reinigen wird sie es, so dass du immer bereit bist, vor deinem Herrn zu erscheinen. "O könnte ich den Tod der Gerechten sterben, und wäre mein Ende dem seinen gleich." (Numeri 23,10b)
Demütigste Jungfrau Maria, durch deine Demut hast du deinem Gott so große Liebe zu dir eingeflößt, dass du ihn sogar dadurch bewogen hast, dein Sohn und unser Heiland zu werden. Ich weiß es, dass dein Sohn dir nichts abschlägt, um was du ihn bittest. Sage ihm also, dass ich ihn allein lieben will. Bitte ihn, er möge mir alle Beleidigungen, die ich ihm zugefügt habe, vergeben. Bitte ihn, er möge mir die Gnade der Beharrlichkeit im Guten verleihen. Mit einem Wort, empfiehl ihm meine Seele, denn ein Sohn, der dich so innig liebt, kann dir nichts abschlagen. O Maria, du musst machen, dass ich selig werde, du bist meine Hoffnung. Amen.
Zu Jesus Christus
O Herr, gib doch allen christlichen Eheleuten die rechte Absicht ihres Standes zu erkennen, und stärke sie, sie treu zu erfüllen, damit ihnen dieser an sich heilige Stand nicht durch unheiligen Gebrauch zur Verdammnis gereiche, der Du lebst und herrschst mit Gott dem Vater in der Einheit des Heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Zu Gott
O Gott, der Du vor allen Engeln den Erzengel Gabriel Deine Menschwerdung zu verkündigen erwählt hast, schenke gnädig, dass wir, die wir sein Fest hier auf Erden begehen, im Himmel seinen Beistand erfahren, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
Die Vigil vor dem Fest der Verkündigung Mariä wurde vom Papst Gregor um das Jahr 715 eingesetzt, und zwar sehr einfach, auf dass nämlich der heutige Tag nach der Meinung verschiedener Kirchenväter ein Vorbereitungstag zu dem Gedächtnis des ersten Geheimnisses unserer Erlösung wäre.