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  • Foren-Beitrag von Blasius im Thema




    Das Kreuz ist Siegel und Wappen Gottes

    Darum soll hier auch noch einiges über das Kreuz als Sache mitgeteilt werden, damit der Rosenkranz-Beter schon gleich beim Beginn des Rosenkranzes, schon gleich beim Kreuzzeichen über ein ansehnliches Kapital von Andacht verfügen könne.

    Von einem heidnischen König wird erzählt, daß er jedesmal, sooft er auf Reisen ging, seine ganze Bibliothek, alle seine Bücher, die er sich mit vielem Geld zusammen gekauft, auf Kamele packen und mit sich führen ließ. Das war doch aber auf die Dauer eine gar beschwerliche Last. Daher ließ er sich zur größeren Bequemlichkeit beim Reisen von seinen Gelehrten aus allen seinen Büchern einen Auszug machen, den ein einziges starkes Maultier tragen konnte. Doch noch bequemer wollte der König seine Sache haben und ließ sich aus dem Auszug wieder einen Auszug machen. Daher bekam er am Ende den Extrakt seiner ganzen Bibliothek, den Kern, den kürzesten Inhalt aller seiner Bücher in ein einziges kleines Büchlein zusammen, das er nun selber auf der Reise mit sich tragen konnte. Mit der Zeit ward ihm aber gar noch das kleine Büchlein lästig. Darum ließ er sich aus des Auszuges Auszug noch einen Auszug machen und aller seiner Bücher Weisheit in einen einzigen Spruch zusammen fassen:

    Den faßt` er ins Gemüt und konnt` ihn leicht behalten,
    Um seines Heils danach und seines Reichs zu walten.

    Was nun dieser König da in seinem letzten Auszug besaß, die Wissenschaft des Heils,
    das besitzt der katholische Christ ganz und kurz beisammen – im Kreuz.


    Eine fromme Klosterfrau, Maria Viktoria Angelini, hat ihr ganzes Leben lang einen einzigen Brief geschrieben, und dieser Brief bestand aus einem einzigen Buchstaben, aus einem einzigen Zeichen das sie auf ein Blatt Papier gemacht und mit ihrer Unterschrift versehen an ihre Oberin geschickt. Dieser Buchstabe ist nun freilich so geheimnisvoll und inhaltsschwer, daß, wer ihn recht zu lesen versteht, Einblick in die Tiefe des Reichtums, der Weisheit und Wissenschaft Gottes erhält, und Bescheid weiß über die Dinge im Himmel, auf Erden und unter der Erde: dieser Buchstabe ist das Kreuz. Dieser Buchstabe also, der erste und der letzte im christlichen ABC, ersetzt jedem Christen den allerlängsten und interessantesten Brief, nur muss man ihn zu lesen verstehen, diesen geheimnisvollen Buchstaben!

    Kaiser Titus hatte einen zahmen Hirsch, der im kaiserlichen Garten täglich gefüttert, dann aber in den Wald entlassen wurde, worin er frei herum laufen durfte. Nun hätte aber ein Jäger gar leicht das edle Tier als Jagdbeute ansehen und erlegen können. Darum ließ ihn der Kaiser ein goldenes Halsband anlegen mit der Inschrift: „Noli me tangere, Caesaris sum, rühre mich nicht an, ich gehöre dem Kaiser“.

    Solch ein Zeichen aber hat unser lieber Herrgott allen seinen Geschöpfen aufgeprägt, um sie als sein Eigentum kennbar zu machen, und dieses Merkzeichen ist das Kreuz. „Die wunderbare Macht dieses Zeichens und seine tief eingreifende Bedeutung bezeugt uns“, sagt Görres, „die Natur und Geschichte bei jedem Schritt. Wie nämlich überall gewisse Grundzahlen dem Gewimmel der Zahlen überhaupt unterlegt erscheinen, so ist das Zeichen des Kreuzes als eine der Grundformen und Hauptzüge der Mannigfaltigkeit in den Dingen der Natur, und namentlich in der Gestalt des Menschen unterbreitet, durchgreift also das ganze Weltall, die Natur des Menschen und all sein Tun, somit auch die Geschichte“, um das bedeutsame Wort der heiligen Schrift zu erklären, daß Gott alles nach Zahl, Maß und Gewicht geordnet. Daher findet denn auch derjenige, der mit einem frommen, christlichen Auge die Kreaturen betrachtet, überall die Gestalt, die Signatur, das Zeichen des Kreuzes: in der Gestalt des Kreuzes fliegt der Vogel durch die Lüfte, in der Gestalt des Kreuzes schwimmt der Fisch durch das Wasser, in der Gestalt des Kreuzes treibt der Baum seine Äste, die Pflanze ihre Blätter, in der Gestalt des Kreuzes blühen die Blumen. Man kann dies vielleicht in folgender Weise noch verständlicher machen:

    Weltliche Fürsten und Obrigkeiten legen manchmal Siegel an, zum Zeichen, daß sie dasjenige, welchem sie Siegel anlegen, unter ihren Schutz nehmen oder als Eigentum mit Beschlag belegen und für unverletzlich erklären. Alle Geschöpfe aber, im Himmel, auf Erden und unter der Erde, sind Eigentum Gottes, wie es jener bezeugt, der vom Himmel singt: „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes und seiner Hände Wer zeigt an das Firmament“, und von der Erde beigefügt: „Des Herrn ist die Erde und alles, was sie erfüllt, und alle, die darauf wohnen“. Darum ist auch allen Geschöpfen das Siegel und Wappen Gottes aufgedrückt, und dieses Siegel, dieses Wappen ist das Kreuz. Wo also der Christ dieses Siegel findet, da soll er wissen und anerkennen, daß die Sache, die es trägt, das Eigentum Gottes, daß sie unter seinen besonderen Schutz gestellt, unverletzlich und heilig sei. Das aber hat zur Folge, daß jegliches Geschöpf, wie Hugo von Sankt Viktor so schön sagt, uns zuruft: „Vide home, schau, o Mensch, wie dich geliebt hat, der mich deinetwegen erschaffen hat“ Servio tibi, ich diene dir, damit du dienest ihm der mich und dich erschaffen hat, deinetwegen mich, seinetwegen dich; darum accipe, redde, time, nimm, danke, fürchte: accipe beneficium, nimm an die Gabe, redde debitum, statte ab den Dank, time abusum, fürchte den Missbrauch!“

    Keinem Geschöpf ist aber dieses Siegel so deutlich aufgeprägt als dem Menschen. Wir lesen es in der Geheimen Offenbarung, wie ein Engel empor stieg von Sonnenaufgang, der das Zeichen des lebendigen Gottes hatte, um jene, die Gott gehören, an ihrer Stirne zu bezeichnen. Dieses Zeichen aber ist das Kreuz. Der Prophet Ezechiel sah einst im Gesicht, wie Gott einen Mann, gekleidet in Leinwand, ein Schreibzeug an seiner Seite, mitten durch Jerusalem gehen hieß, um auf die Stirn seiner Getreuen ein Tau, d. i. den Buchstaben T, zu zeichnen. Dieser Buchstabe hat aber sowohl in der lateinischen wie in der griechischen Sprache die Gestalt des Kreuzes (T). Allen Geschöpfen also, vorab dem edelsten derselben, dem Menschen, ist das Kreuz als Siegel, als Wappen aufgeprägt, um sie als erschaffenes, erlöstes und geheiligtes Eigentum Gottes zu kennzeichnen. Das macht doch aber in der Tat diesen Buchstaben zu einem tief bedeutungsvollen, inhaltsschweren Buchstaben! Mag also der einzige Brief, den die gottselige Klosterfrau Viktoria Angelini in ihrem Leben geschrieben, auch nur aus einem einzigen Buchstaben, dem Zeichen des Kreuzes, bestanden haben, so war und ist er doch für alle, die ihn zu lesen verstehen, höchst interessant.

    In dem Buchstaben, mit Girlanden im Hintergrund geschmückt, ist ein Kreuz, an dem Jesus Christus angenagelt zu sehen ist; auf seiner Brust ist das heiligste Herz zu sehen

    Dem hl. Philippus Benitius war das Kreuz schon etwas mehr als ein Buchstabe, als ein Brief; ihm war es ein Buch, worin er jahraus, jahrein, Tag und Nacht studierte, ohne es auszustudieren; es ersetzte ihm jede Zeitung und alle irdische Unterhaltung; er fand in ihm stets neue Neuigkeiten, so daß er, als er ans Sterben kam, mit seinem Buch noch nicht einmal zu Ende war. Das wollte er aber vor seinem Tode doch noch ausstudieren. Darum verlangte er auf seinem Sterbebett nochmals – sein Buch. Die aber um sein Bett herum standen kannten es nicht, „sein Buch“. Deshalb holten sie ihm der Reihe nach verschiedene Bücher herbei, – er konnte nicht mehr reden, aber er wies alle zurück, mit dem Bedeuten, keines sei sein Buch. Man war also fast in Verlegenheit, dem Heiligen nicht einmal mehr seinen letzten Wunsch erfüllen zu können, und reichte ihm, um ihm für sein Buch wenigstens ein Ersatzmittel zu bieten, das Kruzifix, vor dem er täglich gekniet, gebetet und betrachtet. Aber das war ja gerade sein – Buch, in dem er lebend am liebsten las, das er sterbend nochmals verlangte. Kein Wunder also, daß sein brechendes Auge nochmals aufleuchtete und er das Kruzifix andächtig an seine Lippen preßte: sein letzter Wunsch war erfüllt. Es steht aber auch gar vieles in diesem Buch, alles, was einer braucht, um seines Heiles zu walten, und anderes Große noch dazu, den Ratschluss Gottes von der Erschaffung, Erlösung und Heiligung der Welt. Darum ist das Kreuz, bei Licht besehen, mehr als ein Buch, es ist, oder vielmehr es ersetzt seine ganze Bibliothek, eine ganze Sammlung von Büchern, und was alle Bücher der ganzen Welt, die bereits gedruckt sind und noch gedruckt werden, an Wissenschaft und Gelehrsamkeit enthalten, ist nichts im Vergleich zu der Weisheit, die wie ein verborgener Schatz im Kreuz verschlossen liegt. –

    Der hl. Thomas von Aquin hat allein so viele und so große Bücher geschrieben, daß sie zusammen eine recht stattliche Bibliothek oder Büchersammlung ausmachen, und was an den Büchern dieses heiligen Kirchenlehrers die Hauptsache ist, ist dies, daß jedes sich mit staunenswertem Tiefsinn an die Lösung der höchsten Welträtsel macht, und diese, soweit es dem Menschengeist möglich ist, auch bietet. Forscht man aber im Leben des großen heiligen nach, woher er den Inhalt seiner Schriften habe, so macht man die überraschende Entdeckung, daß er ihn aus dem Kreuz geschöpft, vor dem er alle schwierigen Fragen, um Erleuchtung betend, sich überlegte und durchdachte. Es ist darum auch gar nicht zu viel behauptet, wenn man sagt, das Kreuz ersetze dem Christen eine ganze Bibliothek, und darum sind wir Christen mit dem Kreuz glücklicher daran als jener König, der, um nicht länger nötig zu haben, alle seine Bücher auf hundert Kamelen sich nachtragen zu lassen, sich einen Auszug aus des Auszugs machen ließ. –

    aus: Philipp Hammer, Der Rosenkranz, eine Fundgrube für Prediger und Katecheten, ein Erbauungsbuch für katholische Christen, I. Band, 1896, S. 88 -S. 93


    https://katholischglauben.info/das-chris...eckendes-kreuz/

    Liebe Grüße, Blasius

  • Foren-Beitrag von Blasius im Thema




    Der Heilsplan Gottes für den Menschen
    Gott offenbart seinen „gnädigen Ratschluß“

    Liebe Leserinnen und Leser,



    Das Laster der Habsucht und die Tugend der Genügsamkeit


    Es ist aber die Habsucht ein Laster, von welchem die meisten Menschen in reiferen Jahren mehr oder weniger angesteckt sind. Aber daran ist besonders zu verwundern, wie höchst selten ein Mensch dieses an sich erkennt, es beichtet und sich bemüht, dagegen zu kämpfen. Du darfst keineswegs glauben, nur der sei habsüchtig, welcher stiehlt oder betrügt um einen Gewinn zu machen, sondern jeder Mensch ist habsüchtig, welchem das Zeitliche mehr angelegen ist als Gott. Wenn du also an Sonn- und Feiertagen arbeitest um Geld zu verdienen, aber den Gottesdienst versäumst um einem Geschäft nachzugehen, so bist du habsüchtig. Wenn du dein tägliches Gebet oft unterläßt, um schneller an die Arbeit zu kommen, und wenn du auch bei der Arbeit gemeiniglich nie an Gott denkst, so bist du habsüchtig. – Wenn du bei deinem Gewerbe lügst, oder deinem Gewerbs-Genossen seines Verdienstes wegen mißgünstig bist, oder du dich den gesetzlichen Abgaben zu entziehen suchst, z. B. dem Zoll, Accis (=Binnenzoll), so bist du habsüchtig. – Wenn dir ein zeitlicher Schaden mehr Sorge und Kummer macht, als wenn du eine größere Sünde getan hast, und wenn du bei weitem mehr bemüht bist, deinen Kindern viel Vermögen zu erwerben, als sie recht christlich zu erziehen, so bist du habsüchtig. – Wenn du den reichen Mann mehr achtest und Rücksicht auf ihn nimmst, sei er sonst noch so verdorben, als den tugendhaften Tagelöhner, so bist du habsüchtig.

    Die Habsucht wird aber in der hl. Schrift dem Götzendienst gleich gestellt, weil der Habsüchtige das Geld oder das zeitliche Gut zu seinem Gott gemacht hat, den er anbetet, an den er am meisten denkt, den er um keinen Preis verlieren will, und den er liebt von ganzem herzen und ganzer Seele und aus allen Kräften. Du tröstest dich umsonst mit der Ausrede, daß du ja auch betest und am Sonntag in die Kirche gehst. So haben auch die Juden den wahren Gott angebetet, aber zu gleicher Zeit oft noch falsche Götzen dazu gehabt. Gott hat aber gesprochen: „Du sollst keine fremden Götter neben mir haben.“

    Wohin zuletzt die Habsucht führt, hat man an Judas gesehen und ließ sich ahnen bei dem Tod des Mannes, von dem ich erzählte. (siehe den Beitrag: Heiliger Silvinus)

    Wir wollen aber jetzt wieder zu dem hl. Silvinus zurückkehren. In seinem Leben findet man die wahrhaft besten Mittel gegen die allgemeine Weltkrankheit der Habsucht.

    Die Habsucht kommt nämlich daher, weil der Mensch ein sinnliches Wohlleben führen, daher mehr haben will, als notwendig ist, und weil der Mensch selbst im Notwendigen kein Vertrauen auf Gott hat. Bei einer Lebensweise, wie sie der hl Siverius geführt hat, mag man sich wohl denken, daß Keiner in Versuchung kommen wird, habsüchtig zu sein. Nun wird zwar von dir nicht verlangt, du sollst wie jener kein Brot essen, auf dem Boden schlafen und ganz schlechte Kleider tragen: aber viele tausend Menschen hätten nicht notwendig, so sehr nach Erwerb zu laufen und zu rennen, wenn sie sich und ihre Familie in Kleidung, Wohnung, Essen und Trinken und Vergnügungen auf das Notwendige einschränken wollten. Freilich wenn man bei mittelmäßigem Vermögen den Reichen nachmachen will, und im niedersten Stand den Mittelleuten gleich kommen will: dann muss man sich der Habsucht ergeben, und wird selbst Lügen und Unredlichkeiten sich zu Schulden kommen lassen, wenn Gelegenheit ist etwas dadurch zu erwerben.

    Nun mag Mancher sagen: „Es kommt mir niemals in den Sinn, reich zu werden und üppig zu leben; aber wenn man eine große Familie hat, wenig Verdienst und eine bedeutende Schuldenlast, so kann man nicht anders, als man muss sich schwere Sorgen machen und auf jede Weise sich bemühen, etwas zu verdienen.“ Und doch ist dieses nicht wahr.

    Der Gott, welcher die Menschen erschaffen hat, hat auch Sorge und Veranstaltung getroffen, daß sie ihr tägliches Brot bekommen. Aber die Menschen sollen nur auch auf Gott vertrauen, und nicht meinen, sie selber und ihre Sorgen müssten alles allein tun. Manchen Menschen läßt Gott nur deswegen in Bedrängnis und Elend kommen, weil er überall um Hilfe sucht, nur bei Gott nicht. Der hl. Silvinus war ohne alle Sorge um sein Auskommen, wenn er auch gerade Alles hergeschenkt hatte; und litt niemals Not, weil er ruhig auf Gott vertraute. Wenn hingegen ein Familienvater meint, er müsse am Sonntag arbeiten, er müsse lügen, er müsse Holz freveln, er müsse seine Kinder in Bettel schicken oder in Dienst geben, wo sie nur schlechtes vor Augen haben, um sein Auskommen zu finden: er kündet Gott auf; er hofft und will nichts von Gott, sondern er will sich selber helfen und zwar gerade auf eine Weise, wie es Gott verboten hat. Da ist freilich kein Vertrauen zu Gott, und da muss die Habsucht das herz immer mehr umstricken und in die Gewalt des Teufels bringen. Nimm dir daher wohl den Ausspruch des Apostels Paulus zu herzen 1 Tim. 6, 6: „Es ist ein großer Gewinn die Gottseligkeit mit Genügsamkeit. Denn wir haben nichts in die Welt gebracht; offenbar können wir auch nichts hinaus tragen. Haben wir Nahrung und Bedeckung, so lasset uns damit begnügen. Die aber reich werden wollen, fallen in Versuchung und Fallstricke des Teufels und viele unvernünftige und schädliche Begierden, welche die Menschen in Verderben und Untergang stürzen. Denn eine Wurzel aller Übel ist die Habsucht.“ –

    aus: Alban Stolz, Legende oder der christliche Sternhimmel, Bd. 1 Januar bis März, 1872, S. 248 – S. 250

    https://katholischglauben.info/das-laste...-goetzendienst/



    Liebe Grüße, Blasius

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    Das Sendschreiben nach Philadelphia (Offb. Kap. 3 Vers 7-13)

    1 Das Sendschreiben nach Philadelphia (Offb. Kap. 3 Vers 7-13)
    1.1 Das Sendschreiben nach Philadelphia
    1.2 Lob an die Christen von Philadelphia
    1.3 Der Heilige ist Christus selbst
    1.4 Die Lage der Christen in Philadelphia
    1.5 Eine schwere Prüfung wird über die Erde kommen
    1.6 Die christlichen Sieger sind Gottes Eigentum
    Das Sendschreiben nach Philadelphia

    (7) Und dem Engel der Gemeinde in Philadelphia schreibe: Das sagt der Heilige, der Wahrhaftige, de den Schlüssel Davids hat, der öffnet so daß niemand zu öffnen vermag: (8) Ich kenne deine Werke. Siehe, ich habe vor dir eine Tür aufgetan, die niemand schließen kann; denn du hast zwar eine geringe Kraft, hast aber mein Wort bewahrt und meinen Namen nicht verleugnet. (9) Siehe, ich gebe (dir) etliche aus der Synagoge des Satans, (aus dem Kreise) derer, die behaupten sei seien Juden, sie sind es aber nicht, sondern sie lügen; siehe, ich will sie dazu bringen, daß sie kommen und sich nieder werfen vor deinen Füßen und einsehen, daß ich dich lieb gewonnen habe. (10) Weil du das Wort vom Harren auf mich bewahrt hast, so will ich auch dich bewahren vor (dem Fall in) der Prüfungsstunde, die über die ganze Welt kommen soll, um die Bewohner der Erde zu erproben. (11) Ich komme bald. Halte fest, was du hast, damit keiner deinen Siegeskranz weg nehme. (12) Wer siegt, den werde ich zu einer Säule im Hause meines Gottes machen, und er soll wahrlich niemals mehr heraus kommen, und ich werde darauf schreiben den Namen meines Gottes und den Namen der Stadt meines Gottes, des neuen Jerusalems, das aus dem Himmel herab steigt von meinem Gott her, und meinen neuen Namen. (13) Wer ein Ohr hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt!

    Lob an die Christen von Philadelphia

    Philadelphia, etwa 45 Kilometer südöstlich von Sardes an der Straße von Troas über Pergamon und Sardes nach dem Osten gelegen, war eine kleine Provinzstadt. Ihren Namen verdankte sie ihrem Gründer Attalos II. Philadelphos. Schwere Erdbeben, wie sie heute noch in Anatolien häufig sind, waren der Schrecken der Bevölkerung. Eine starke Judenkolonie war den Christen feindselig gesinnt. Vielleicht hing es gerade mit dieser ständigen Unsicherheit und Bedrückung zusammen, daß die Gemeinde der Jesusjünger zu Philadelphia so treu am Glauben festhielt. Der Herr braucht kein Wort des Tadels über sie auszusprechen. Auch Ignatius der Märtyrer spendet in seinem etwa fünfzehn oder zwanzig Jahre später an die Gemeinde gerichteten Brief den Philadelphiern nur Lob. Im Martyrium des Polykarp werden elf Blutzeugen aus Philadelphia genannt. Die bildhaften Wendungen des Schreibens dürften mit den örtlichen Verhältnissen im Zusammenhang stehen und waren darum dieser Gemeinde leichter verständlich. Wer auf vulkanischem Boden lebt, weiß, was eine „offen Tür“ bedeutet, wenn alles wankt und mancher zwischen den Mauern des eigenen Heims umkommt, weil der Ausgang versperrt ist. Er weiß auch den festen Halt einer starken Säule zu schätzen. Der „neue Name“ aber mochte die Bewohner daran erinnern, daß ihre Stadt sich mehrmals umbenannt hatte: „Neu-Cäsarea“ zu Ehren des kaiserlichen Adoptivsohnes Germanikus, und „Flavia“, um Flavius Vespasian ihre Dankbarkeit zu bezeigen.

    Der Heilige ist Christus selbst
    Als den „Heiligen“ bezeichnet sich Christus. Diesen Namen trägt er, wie Gott ihn im Alten Testament trägt. Die Heiligkeit gehört zu seinem Wesen. Aus Gnade läßt er uns daran teilnehmen. „Denn du allein bist heilig“, so preist ihn das Gloria der Messliturgie. Auch „der Wahrhaftige“ ist ein Gottestitel. Christus nennt sich selbst „die Wahrheit“ (Joh. 14, 6). Daß er als Gott nicht lügt und seine Versprechen nicht bricht, will Johannes weniger betonen, als daß der Herr die Wirklichkeit alles Seins in sich trägt. Nichts an ihm ist bloß Schein. In seiner Hand ruht der „Schlüssel Davids“, das Symbol der unumschränkten Macht über die Stadt Davids, das himmlische Jerusalem (Is. 22, 22). Die Herrschaft über die Pforten der Unterwelt ist darin eingeschlossen (1, 18). Wem Christus den Zutritt zum Reich des Messias gestattet, den kann keine andere Macht ausschließen; wem er aber die Tür versperrt, dem hilft niemand hinein. Das mögen sich die Hass erfüllten Juden Philadelphias gesagt sein lassen. Ihr Pochen auf Rasse-Privilegien nutzt ihnen nichts mehr. Wenn Christus auch die oberste Schlüsselgewalt im „Himmelreich“ seinem Stellvertreter auf Erden verheißen hat (Matth. 16, 9), so bleibt er doch selbst der eigentliche Inhaber. In Verknüpfung mit Is. 22, 22 wird der siebte Vers in der Liturgie als vierte von den sieben „O-Antiphon“ am 20. Dezember zum Magnifikat gesungen.

    Die Lage der Christen in Philadelphia
    Die Christen Philadelphias lebten in gedrückter Lage. Weniger der Zahl als dem Einfluss nach galten sie nicht viel unter ihren Mitbürgern, die bei ihrem urteil die üblichen äußerlichen Maßstäbe anlegten. Christus urteilt anders. Er weiß um „Werke“, die vollwendig sind, mögen sie bei den Menschen noch so niedrig im Kurs stehen. Und da er den Seinen eine Tür zum Eintritt ins Gottesreich geöffnet hat, ist keine Erdenmacht imstande, sie daran zu hindern. Vielleicht bedeutet der bildhafte hier ähnlich wie 1. Kor. 16, 9; 2. Kor. 2, 12; Kol. 4, 3 den besonderen Segen des Herrn zu erfolgreicher Ausbreitung der Religion Jesu von Philadelphia aus. Das wäre der schönste Lohn für das treue Bekenntnis der armen Gemeinde und für ihr Festhalten am Wort des Herrn. Also nicht vom äußeren Wohlstand, von den „reichen Spenden für kirchliche Zweck“ oder von der Geltung im Urteil der Menschen hängt das christliche Leben einer Gemeinde oder ihr Anteil an den Missions-Erfolgen der Kirche in erster Linie ab, sondern von der Festigkeit des Glaubens an das Wort Gottes und von der Bekenntnistreue zu Christus.

    Als besonders schönen und seltenen Missions-Erfolg verheißt der Herr, daß sogar einige der erbitterten Feinde aus dem Judentum ihren Irrtum und ihr Unrecht einsehen und reumütig sich zu Füßen des Bischofs der Christen werfen werden. Bisher gehörten diese Juden zur „Synagoge des Satans“, standen, wenn auch unbewußt, im Dienst des Bösen, waren seine Hörigen, mochten sie auch das Privileg für sich beanspruchen, das echte Gottesvolk zu sein (vgl. 2, 9). Bislang hatten sie nicht einsehen und zugeben wollen, daß eine große Wende im Verhältnis zwischen Israel und seinem Bundesherrn sich vollzogen und der Herr ein anderes Volk lieb gewonnen hatte. Aber er wird sie zu dieser Erkenntnis führen. Dann wird sich das Prophetenwort (Is. 45, 14; 49, 23; 60, 14) umgekehrt erfüllen: Nun kommen nicht mehr die Heidenvölker huldigend zu Israel, sondern Angehörige des ehemaligen Gottesvolkes werfen sich den Jüngern des von ihm abgelehnten Messias zu Füßen. Das ist der höchste Triumph der Kirche, wenn sie ihre Feinde ohne Gewalt durch die Macht der Wahrheit und der duldenden Liebe besiegt.

    Eine schwere Prüfung wird über die Erde kommen
    Der Endsieg aber ist noch nicht errungen. Eine schwere Prüfung wird über die ganze Erde kommen und nicht nur die Christen, sondern alle Erdenbewohner erproben. Das gilt von den Leiden und Versuchungen der gesamten Endzeit, insbesondere aber von denen, die der Parusie des Herrn vorauf gehen. Gott hat die Dauer der Prüfungsstunde voraus bemessen. Seinen Getreuen aber wird er zum Lohn für ihr tapferes Ausharren „mit der Versuchung zugleich einen Ausweg schaffen, der ihnen das Ertragen ermöglicht“ (1. Kor. 10, 13). Sie haben das „Wort vom Harren“ bewahrt. Dem Auftrag Christi, in Geduld und Ausdauer die Seelen zu retten, sind sie nachgekommen und haben sein Beispiel der Geduld nachgeahmt. Sie haben aber auch das Wort des Herrn bewahrt, indem sie in Wachsamkeit und Treue auf sein Kommen harrten, wie gewissenhafte Knechte auf die Wiederkehr ihres Herrn harren (Luk. 12, 37). Zum Lohn dafür wird er sie zwar nicht von den Prüfungsleiden verschonen, aber sein gebet wird an ihnen erhört: „Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen“ (Joh. 17, 11). Er führt zwar auch sie in Versuchung, doch er erlöst sie auch von dem Übel, indem er sie vor dem Fall bewahrt (Matth. 6, 13; Joh. 17, 15).

    Die christlichen Sieger sind Gottes Eigentum
    Das Wissen um den bewahrenden Beistand des Herrn gibt den Christen Halt in allen Schwierigkeiten. Darum erschreckt sie auch nicht die Ansage seiner baldigen Ankunft (vgl. 1, 1; 2, 16; 22, 6 u. 12 u. 20); sie tröstet und ermuntert sie vielmehr. Er kommt ja für die Seinen nicht zur Strafe, sondern zur Befreiung und Belohnung. Worauf es ankommt, ist das unentwegte Festhalten dessen, was Gott huldvoll schenkte und was mit Hilfe der Gnade bisher errungen wurde. Noch kann der dem Sieger wirkende Kranz verloren gehen. Neider und Feinde gibt es genug (2, 10; 1. Kor. 9, 24; 2. Tim. 5; 4, 8). Das Kampfmotiv klingt hier wieder an. Es wird noch verstärkt im Siegerspruch mit seiner seiner doppelten Verheißung. Wenn der Oberpriester des Kaiserkultes in einer Provinz sein Amtsjahr hinter sich hatte, durfte er im Tempelbezirk seine Statue aufstellen. Darauf waren sein Name, seine Amtszeit, der Name seines Vaters und seiner Heimat eingeschrieben. Viel höhere Auszeichnung erwartet den christlichen Sieger. Im Gottestempel der himmlischen Heimat (7, 15 u. ö.) wird er als tragende und zugleich zierende Säule eingebaut. Das ist ja kein Bau aus totem Stein, sondern ein lebendiger Tempel. Christus selbst ist der Eckstein (Eph. 2, 20 – 22; 1. Petr. 2, 5). Wer einmal dort seinen Ehrenplatz erhalten hat, bleibt in Ewigkeit darin. Unauslöschlich ist auf der lebendigen Säule, dem Symbol der tragenden Festigkeit (Gal. 2, 9; 1. Tim. 3, 15), der Name des Gottes Jesu eingeschrieben; denn die Sieger sind Gottes Eigentum geworden (vgl. 3, 5). Dazu kommt der Name des neuen Jerusalem, der Stadt Gottes, in der die Sieger für immer Bürgerrecht genießen. Ihr König ist Christus der Herr. Noch ist dieses Jerusalem nicht in seiner vollen Herrlichkeit auf Erden zu finden. Aber dereinst steigt es aus dem Himmel herab (21, 2ff). Eine neue Weltordnung beginnt alsdann. Darum wird auch ihr König mit einem neuen, jetzt noch verborgenen Namen benannt und dieser Name auf der Säule angebracht. Aus 19, 12f. Könnte geschlossen werden, daß der Logos-Name gemeint ist. Vielleicht soll aber der neue Name Jesu dem neuen Verhältnis zu seinem Vater (1. Kor. 15, 28) und zu den Erlösten Ausdruck geben.

    Die Liturgie sieht die ehrenvollen Verheißungen des zwölften Verses in besonderem Maße am Apostel Johannes selbst erfüllt. Deshalb verwendet sie diese Worte an seinem Fest im vierten Responsorium der Metten.

    Freude und sieghaftes Selbstbewusstsein sollen diese Verheißungen in den armen, machtlosen Christen Philadelphias wach rufen. Aber nicht nur in ihnen. Alle Gemeinden sind einbegriffen. Eine ähnliche Seelenhaltung wollte Paulus in den Korinthern wecken, als er ihnen schrieb: „Die Welt, das Leben wie der Tod, die Gegenwart wie die Zukunft, alles gehört euch, ihr aber gehört Christus, Christus jedoch Gott“ (1. Kor. 3, 22f). –

    Herders Bibelkommentar Die Heilige Schrift für das Leben erklärt, Bd. XVI/2 Die Apokalypse, 1942, S. 73 – S. 76
    weitere Herders Bibelkommentare zur Geheimen Offenbarung siehe: Herders Bibelkommentare zur Apokalypse

    https://katholischglauben.info/das-sends...h-philadelphia/

    Liebe Grüße, Blasius

  • Thema von Blasius im Forum Unsere Fürsprecher



    Der heilige Greis Simeon steht, mit einem Fuß auf dem Kreuz, das für ihn bestimmt ist; über ihm sieht man einen Engel, der dem Heiligen die Märtyrerkrone auf das Haupt setzen will; einer der Schergen schaut in die Richtung des Engels, der andere ergreift den heiligen Simeon; im Hintergrund sieht man Weinende.

    Der heilige Simeon Bischof von Jerusalem Märtyrer
    Der heilige Simeon war ein Sohn des Kleophas (Bruder des heiligen Joseph). Seine Mutter hieß Maria (Kleophä), die, wie das Evangelium bezeugt, bei dem Tode Jesu zugegen war. Es ist nicht zu bezweifeln, daß der heilige Simeon einer aus den Jüngern Christi gewesen, daß er dessen Predigten angehört und die vielen Wunder, welche er gewirkt hat, mit Augen gesehen. Als die Apostel sich in die ganze Welt zerstreuten, blieb Simeon zu Jerusalem und bemühte sich mit dem heiligen Apostel Jakobus dem Jüngeren, dem ersten Bischof dieser Stadt, um die Bekehrung seiner Landsleute. Als Jakobus nach der Voraussage Jesu den Kelch des Martertodes getrunken hatte, ward er zu dessen Nachfolger erwählt, wurde also der zweite Bischof von Jerusalem. Während seines oberhirtlichen Amtes wurde die Weissagung Jesu von der Zerstörung Jerusalems erfüllt. Auf göttliche Offenbarung hin flüchtete sich Simeon vor der Ankunft der Römer (unter Vespasian) mit den Gläubigen nach Pella jenseits des Jordans. Als das römische Kriegsheer nach Eroberung und Zerstörung der Stadt durch Titus im Jahre 70 n. Chr. wieder abgezogen war, kehrte Simeon mit seinen Schäflein in die Ruinen der Stadt zurück. Bei diesen Umständen hatte der heilige Bischof Arbeit genug, um für das leibliche und geistliche Wohl der ihm anvertrauten Gemeinde zu sorgen. Er zeigte sich hierin unermüdlich und hatte den Trost, daß sich die Zahl der Gläubigen täglich vermehrte. Mit der Zahl steigerte sich auch die Tugend und Andacht. Um diese zu stören, schickte der Satan verschiedene Irrlehrer, welche wie die reißenden Wölfe in den Schafstall Christi einzudringen und die Gläubigen durch ihre falschen Lehren zu verführen suchten. Allein der heilige Simeon war Tag und Nacht wachsam über seine Herde und machte durch Widerlegung derselben die Irrlehrer so zu Schanden, daß sie die Flucht ergreifen mussten.

    Zur Zeit des Kaisers Trajan entstand eine Verfolgung der Christen. Man suchte zu Jerusalem und in der ganzen Umgegend vorzüglich jene auf, welche von dem König David herstammten. Die Römer befürchteten eben, es könnte jemand aus diesen sich zum Messias aufwerfen und eine neue Empörung anfangen. Daher wurden sowohl Juden als Christen, die aus dem Geschlecht Juda waren und den König David für ihren Stammvater hielten, gefangen genommen und hingerichtet. Unter den ersten war der heilige Simeon. Von diesem wußte man, daß er ein Christ, ja sogar ein Bischof der Christen und zugleich auch aus dem erwähnten Geschlecht und Stamm wäre. Deswegen wurde er von den Juden bei dem Landpfleger Atticus angeklagt. Er hatte damals schon das 120. Jahr erreicht. Atticus befragte ihn, ob es wahr sei, daß er von dem Geschlecht Juda entsprossen wäre und Christus dem Nazaräer anhange? Der Heilige bejahte beides unerschrocken. Der Landpfleger beteuerte, daß er ihm in Anbetracht seines ehrwürdigen Alters kein Leid zufügen, sondern ansehnliche Geschenke erteilen wolle, wenn er nur Christo absagen und den Göttern des Reiches opfern würde. Der ehrwürdige Greis zeigte Abscheu vor solcher Zumutung und sprach: „Nein, in Ewigkeit werde ich Christo nicht absagen, in Ewigkeit den Götzen nicht opfern. Deine Götter sind die gottlosesten Menschen gewesen. Jesus Christus ist wahrer Gott.“ Dies sprach er mit solcher Kraft der Stimme, mit solcher Rührung und Überzeugung, daß er auf die Anwesenden tiefen Eindruck machte. Um diese Rührung zu ersticken, gab Atticus Befehl, den heiligen Bischof in seiner Gegenwart zu geißeln. Der Befehl wurde auf der Stelle vollzogen. Das Blut floß reichlich auf die Erde. An den folgenden Tagen peinigte man abermals denselben auf verschiedene grausame Art; allein man sah an dem Heiligen die nämliche Freude und Starkmütigkeit.

    Der Landpfleger wollte ein Ende machen, und verurteilte den heiligen Simeon zum Tode des Kreuzes mit den Worten: „Weil du nicht aufhörst, Christus zu predigen, so sollst du auch wie Christus des schmählichsten Todes sterben.“ Da betete Simeon, zog selbst seine Kleider aus, legte sich auf das ihm zubereitete Kreuz und reichte Hände und Füße zum Annageln dar. Man nagelte den Heiligen an und richtete das Kreuz in die Höhe. Die Schmerzen waren unsäglich groß, aber die Geduld des Heiligen war noch größer, indem ihm Gott die Kraft und Stärke verlieh, um selbe auszuhalten. Er bekannte nochmals am Kreuz mit later Stimme, daß Christus der Herr der wahre Gott und Heiland der Welt sei. Nach dessen Beispiel betete er für seine Kreuziger, befahl seinen Geist in die Hände Gottes und beendigte sein Leben im Jahre 107. –

    aus: Wilhelm Auer, Kapuzinerordenspriester, Goldene Legende Leben der lieben Heiligen Gottes auf alle Tage des Jahres, 1902, S. 122-123


    Liebe Grüße, Blasius

  • Thema von Blasius im Forum Apostolische Schreiben




    VATIKANSTADT

    Auf dem synodalen Holzweg

    Die katholische Kirche ist weder Nichtregierungsorganisation, noch Demokratie oder Monarchie.
    Ein kritischer Blick auf die Missverständnisse rund um den Synodalen Weg.

    Walter Brandmüller
    15. Februar 2020

    Brandmüller zum Synodalen Weg

    Von den zentralen Wahrheiten des Glaubens und ihrer Verkündigung im 21. Jahrhundet ist in der Diskussion innerhalb der Kirche derzeit nicht die Rede, beklagt Kardinal Brandmüller. Im Bild: Blick auf die Teilnehmer der Beratungen der ersten Synodalversammlung. Foto: Harald Oppitz (KNA)


    Nun hat er begonnen, der "Synodale Weg". Um zu sehen, wohin er führen soll, mag es nicht zu spät sein, einen nachdenklichen Blick auf das "Arbeitspapier des vorbereitenden Forums" vom September vorigen Jahres zu werfen. Dabei mag es fürs Erste genügen, die Ausführungen des Arbeitspapiers in Augenschein zu nehmen, das dem Thema "Macht und Gewaltenteilung in der Kirche Gemeinsame Teilnahme und Teilhabe am Sendungsauftrag" gewidmet ist. Mag dieser Text inzwischen im Hinblick auf relativierende Erklärungen überholt erscheinen, so lässt er doch ganz ungeschützt Ideenwelt und Absichten des Synodenmanagements erkennen.

    Nun sollte man meinen, es handle sich hierbei um die zentralen Wahrheiten des Glaubens und ihre überzeugende Verkündigung in der Welt des 21. Jahrhunderts wie notwendig wäre das! Von alldem ist in dem Vorbereitungspapier wie in der Diskussion innerhalb der Kirche in Deutschland aber nicht die Rede.

    Diskutiert und beschlossen werden soll hingegen über Macht in der Kirche, Rolle der Frauen, Zölibat und Sexualmoral, wie es seit der Würzburger Synode des Jahres 1971 unablässig und ermüdend geschieht. Es ist erschütternd, zu sehen, wie mit dieser Themenwahl beziehungsweise der Ausklammerung der wirklich zentralen Gegenstände die eigentliche Krankheit des offiziellen deutschen Katholizismus sichtbar wird: das Kreisen um sich selbst, die Autoreferenzialität, die das "Hinausgehen in alle Welt", die Verkündigung des Evangeliums ersetzt.

    Es geht nicht um Macht, sondern um "Vollmacht"

    Da nimmt man dann mit Erstaunen zur Kenntnis, wie oft in diesem Text der Begriff "Macht" vorkommt, wo es doch in der Kirche - ganz anders als in der bürgerlichen Gesellschaft - nicht um "Macht" gehen darf, sondern um "Vollmacht". Das aber bedeutet, dass diese im Auftrag ausgeübt, verliehen ist, und verantwortet werden muss. Soviel zu dem "Schlüsselbegriff" des Textes.

    Wenn dann von den "Standards einer pluralen Gesellschaft in einem demokratischen Rechtsstaat" die Rede ist, deren Beachtung von vielen Katholiken "auch in ihrer Kirche" erwartet wird, dann ist doch zu fragen, was in den Augen der Verfasser die Kirche noch von einem säkularen Gemeinwesen unterscheidet.
    Wenn es denn wirklich darum geht, dann kann man in der Tat mit einem "Wir wollen " Forderungen erheben, Absichten formulieren und so weiter. Zum Beispiel ist da von Partizipation (woran?) aller Mitglieder des Gottesvolkes und von Gewaltenteilung die Rede. Die "Macht", heißt es da, sei bisher "einseitig an die Weihe" gebunden. Es ist von einer "Vereinseitigung des Weiheamtes" die Rede. So ergibt sich die Frage nach einer gemeinsamen Teilhabe aller Gläubigen an der Übernahme, der Ausübung, der Verantwortung und der Kontrolle von Macht.

    Nun endlich auch die Frage: "Wie hängen Amt und Weihe zusammen?" In einer solchen Perspektive wird dann gar die Frage gestellt, "wie Leitungsmacht (!) in Liturgie, Lehre und Diakonie so geteilt werden, dass ". Am Ende geht es also grundsätzlich um "Macht, Partizipation und Gewaltenteilung" in der Kirche. Schließlich setzt das Papier "auf den Spürsinn des Gottesvolkes", auf die "Möglichkeiten der Theologie, Kirche anders zu denken", wobei "auf die Zeichen der Zeit" zu achten sei. So könne die Kirche in die Weite geführt werden, die Gott ihr eröffnet. "Wir wollen keine neue Kirche, sondern eine erneuerte Kirche. Wir wollen den Glauben anders leben und denken als vor der Zäsur, die durch die Aufarbeitung des Missbrauchs gesetzt wird." Soweit das einleitende Kapitel. Im Folgenden geht es noch eindeutiger zur Sache. Die Verfasser stellen hier ein "in Deutschland weit verbreitetes Kirchenverständnis" fest, "das sich durch eine Aufladung des Weiheamtes" als "heilige Gewalt" auszeichnet, was "weniger einer katholischen Notwendigkeit als vielmehr einem antimodernen Affekt" entspreche. Das aber sei eine neue Erfindung nach der Aufklärung. Bezeichnenderweise fehlt hierfür jeder kaum zu führende Beweis.

    Zwischen "gleichwertig" und "gleichartig" unterscheiden

    Als besonders anstößig empfinden die Verfasser alsdann "die Zusammenballung von sakramentaler, legislativer, exekutiver, administrativer und juristischer Vollmacht", die erst eine Entwicklung des 19. Jahrhunderts sei. Auch hinter dieser Behauptung sind Fragezeichen zu setzen. Und wiederum werden diesem in Frage gestellten System die "normativen Ansprüche, die in modernen demokratischen Verfassungsstaaten gelebte Praxis sind", als auch in der Kirche maßgeblich entgegengehalten.

    "Der universale Geltungsanspruch von Freiheit und Gleichheit, den die Kirche erhebt (!?), kann von ihr nicht widerspruchsfrei geltend gemacht werden, wenn er an den institutionellen Mauern der Kirche abprallt." Haben die Verfasser dabei an Luthers Schrift "An den christlichen Adel " gedacht, in der von eben diesen Mauern die Rede ist? Überdies ist doch zwischen "gleichwertig" und "gleichartig" zu unterscheiden!

    Noch einmal wagen sich die Verfasser aufs Glatteis, wenn sie behaupten, die Kirche habe sich seit dem 19. Jahrhundert "stark nach dem Vorbild einer Monarchie organisiert" wirklich? Wie denn? Zum Schluss des Abschnitts werden zum wievielten Mal und undifferenziert die "normativen Grundsätze von Freiheit und Gleichheit" beschworen, denen entsprechend die Kirche "auf der Höhe der institutionellen Möglichkeiten der Zeit organisiert" werden müsse. Lassen wir es fürs Erste dabei bewenden, die Richtung, in welche die Kirche geführt werden solle, ist eindeutig erkennbar.

    "Grundsätze" bedürfen kritischer Sichtung
    Nun aber werden zum Schluss "Grundsätze" formuliert, die allerdings der kritischen Sichtung bedürfen. Die einleitende Feststellung, "Machtverständnis und -ausübung, Partizipation und Gewaltenteilung sind Schlüsselthemen", ist in der Tat selbst der Schlüssel zum Verständnis des ganzen Textes, ja der eigentlichen Absicht, die hinter dem Unternehmen "Synodaler Weg" steht. Dem Text zufolge bedürfe die Kirche einer "Neubesinnung auf die Berufung und Bevollmächtigung der ganzen Kirche (!) zur Verkündigung des Evangeliums".

    Diese Forderung wird sogleich konkretisiert: Es geht um nicht mehr und nicht weniger als um die Forderung nach Abschaffung des Zölibats und Zugang von Frauen zur Priester- beziehungsweise Bischofsweihe, die offen zu diskutieren seien. Der Hinweis auf die Notwendigkeit gesamtkirchlicher Regelung ist nur ein Feigenblatt, mit dem das klare Bekenntnis zum Frauenpriestertum vorerst noch verhüllt werden soll.

    Und dann: Die theologische Basis dafür besteht in der fundamentalen Gleichrangigkeit aller Kirchenmitglieder, die sakramental in Taufe und Firmung besiegelt ist und sich im "gemeinsamen Priestertum aller Gläubigen ausdrückt". Wozu es dann noch einer Weihe zum Priester bedürfe, bleibt ungesagt. Erneut wird nicht erkannt, dass mit der Gleichrangigkeit aller Glieder der Kirche dennoch ein Unterschied in der Berufung verbunden ist. Ob sich die Verfasser dessen bewusst waren, dass sie mit Ausnahme der Erwähnung der Firmung schlichtweg die Aussagen von Luthers Kampfschriften des Jahres 1520 wiederholten?

    Nur eine Neuauflage von Luther

    Nach der Synodalversammlung zieht der Kölner Erzbischof eine verheerende Bilanz: Alle meine Befürchtungen sind eingetreten. Es ist schwierig, noch zu erkennen, was die katholische Kirche ausmacht. Der Kardinal ist überzeugt: Es kommt jetzt auf uns Bischöfe an.

    Wenn da von einer fundamentalen Gleichrangigkeit aller Kirchenmitglieder die Rede ist, dann ist das, recht verstanden, eine Selbstverständlichkeit, im Kontext jedoch nur eine Neuauflage von Luther: "Denn was aus der Taufe gekrochen ist, das kann sich rühmen, dass es schon zum Priester, Bischof und Papst geweiht sei ", dass "wir alle gleichmäßig Priester sind". So Luther in "An den christlichen Adel deutscher Nation von des christlichen Standes Besserung", einer Schrift, in welcher er unter anderem das Sakrament der Weihe nicht nur verhöhnt, sondern leugnet. Es ist erstaunlich, in welchem Maße die die Forderungen des Synodenpapiers dem Anliegen Luthers entsprechen.

    Da ist dann auch von Gewaltenteilung die Rede, von den Rechten der Gläubigen und davon, dass "Leitungsgewalt und Entscheidungsmacht nicht exklusiv an die Weihe zu binden" seien. "Auch die Leitung von Gemeinden gehört zu diesen Aufgaben." Sie ist nicht an die Weihe gebunden!

    Das nächste Thema ist die Auswahl der Bischöfe, wozu eine "Beteiligung der Betroffenen" für notwendig erachtet wird. Schließlich wäre auf dem "Synodalen Weg" auch eine Rahmenordnung für Differenzierung und Kooperation der verschiedenen Dienste in der Kirche inclusive des Bischofsamtes zu beschließen. Und wieder wird ein "problematisch-monopolistisches" Kirchenbild kritisiert, das durch Prozesse der "Rechenschaftslegung und Kontrolle, der Beteiligung und Gewaltenteilung" aufzubrechen wäre.

    Da wundert es doch sehr, wenn man abschließend liest: "Der Hirtendienst der Bischöfe wie auch der Pfarrer ist in der katholischen Kirche unbestritten. Dennoch: Er begründet keinen Absolutismus in der Ausübung kirchlicher Leitungsgewalt." Natürlich! Aber: Ist das je bestritten worden? Allerdings seien "auch gemeinsame und geteilte Entscheidungskompetenzen" notwendig. "Mitspracherechte, Entscheidungsrechte" offenbar von Laien seien schon da und dort verbrieft. Indes seien regionale Unterschiede denkbar.

    Endlich taucht der Begriff "sakramentale Vollmacht" auf

    Erneut ist von "Leitungsämtern und Machtausübung" die Rede, die "partizipativ anzulegen und nachhaltig zu praktizieren" seien, wenn es um Personalentscheidungen, Finanzverteilung und Festlegung der großen kirchenpolitischen und pastoralen Linien" geht. Wenn da nicht auch von Kirchenpolitik und Pastoral die Rede wäre, könnte man auch an die Themen der Aufsichtsratssitzung eines Industriekonzerns erinnert werden. Erstaunlich genug, dass endlich einmal der Begriff "sakramentale Vollmacht" auftaucht, wenn es auch sogleich wieder um "Leitungsvollmacht" geht.

    Natürlich wird nicht versäumt zu erwähnen, dass sich Gewaltenteilungsverfahren – was ist das? – als Kontrolle von Macht „in modernen Demokratien bewährt“ haben. Wenn nun auch noch gefordert wird, dass „Kirchenleitung“ – was ist das? –, Gesetzgebung und Rechtsprechung nicht allein in der Hand des Bischofs liegen dürften, so sprengt dies nicht nur den Rahmen des geltenden Rechtes, es widerspricht auch der im Sakrament der Weihe begründeten hierarchischen Struktur der Kirche.

    Erstaunlich genug, dass dennoch lapidar anerkannt wird: „Das Bischofsamt ist unverzichtbar und zentral für die Struktur der Kirche“, wie ja „der Dienst des Bischofs in der Ordination und in der Beauftragung zur Leitung“ in der katholischen Kirche geklärt ist. Es ist schwer ersichtlich, wie die einander widersprechenden Aussagen beziehungsweise Forderungen bezüglich des Bischofsamtes untereinander in Einklang gebracht werden könnten.

    Schließlich geht der Text mit Riesenschritten dem Ziel der Demokratisierung der Kirche entgegen: Auswahlprozesse in Form von Wahlen „und Deliberationen“ – was ist das? – unter Beteiligung gewählter Repräsentanten des gesamten Gottesvolkes, Rechenschaftspflicht aller Amtsträger gegenüber „demokratisch gewählten Gremien“, zeitliche Begrenzung – das heißt wohl Wahlperioden – für wichtige Leitungsämter würden ein Ergebnis haben, das mit „Kirche Jesu Christi“ nur noch den Namen gemein hätte. Soviel nur, um die eigentliche Zielrichtung dieses Papiers – und damit des gesamten synodalen Unternehmens – zu charakterisieren. Der offenkundige Versuch, der Kirche säkulare, demokratische Strukturen mit Verfahrensweisen aufzuzwingen, richtet sich im Grunde gegen das Wesen der Kirche. Der Leser vernimmt eine Sprache, wie sie im politischen Milieu üblich ist. Es ist ein politisches Vokabular, dem der Leser in einem kirchlichen Text begegnet.

    Erkennbar politisches Vokabular
    Ganz charakteristisch ist es, dass auf seinen 19 Seiten das Wort „Macht“ 79 Mal begegnet: Eine Beobachtung, die zeigt, worum es den Verfassern letztlich geht: um die Macht. Dass diese in der Kirche lediglich als Vollmacht existieren kann, die aufgrund von Sendung durch den Herrn der Kirche ausgeübt wird, und dass diese Vollmacht durch das Sakrament der Weihe, nicht aber durch Wahl des Volkes verliehen wird, hat man offenbar vergessen. Zu dem erkennbar politischen Vokabular des Textes stehen die ziemlich unvermittelt dazwischen eingestreuten religiösen frommen Phrasen in merkwürdigem Kontrast. Vermutlich ein Hinweis auf unterschiedliche Verfasserschaft. Der Gesamteindruck aber bleibt: Es geht um Politik. „Deine Sprache verrät dich – du bist ein Galiläer“ (Matthäus 26, 73).

    Ein weiteres Charakteristikum des Textes ist die einseitige Betonung der Mitsprache der Laien in der Kirche. Man könnte meinen, dass diese bisher unbekannt gewesen sei. Indes rennen hier die Verfasser offene Türen ein – und offenbaren damit ihre schlichte Unkenntnis des Kirchenrechts, das – so Codex Iuris Canonici Canon 224–231 – Rechte und Pflichten der Laien bestimmt.

    Die Forderungen, die in unserem Text hingegen erhoben werden, gehen jedoch weit darüber hinaus. Hier orientiert man sich allzu offenbar am Modell der protestantischen Landeskirchen, ihren Strukturen und Synoden. Dies gilt, schwer zu verstehen, auch von Zusammensetzung und Strukturen des „Synodalen Weges“. Ein solches Modell von Kirche beziehungsweise „Synodalem Weg“ entspricht freilich eher dem einer Non Governmental Organization sozialpädagogischen Zuschnitts, als der Kirche Jesu Christi.

    Es ist ebenso bezeichnend wie befremdend zu sehen, wie wenig die Verfasser unseres Textes verstanden haben, dass die Kirche Jesu Christi weder Monarchie noch Demokratie oder etwas ähnliches ist. Sie ist ein mit menschlichen Kategorien nicht adäquat zu fassendes Mysterium des Glaubens, über das selbst die Heilige Schrift nur in Bildern zu sprechen vermag.

    „Macht euch nicht gleichförmig dieser Welt“
    Wo aber bleibt diese Erkenntnis im vorliegenden Text – sieht man vom Gebrauch des theologischen, frommen Vokabulars einmal ab? Man möchte meinen, dass für den „Synodalen Weg“ der deutschen Katholiken zunächst die Konstitution „Lumen gentium“ des Zweiten Vatikanischen Konzils maßgebend sei. Im vorliegenden Text wird hingegen darauf nicht Bezug genommen.

    Wo bleiben auch die einschlägigen Dokumente des nachkonziliaren Lehramts? Werden alsdann jene Stellen der Evangelien zitiert, wo von der Sendung der Apostel, wo vom Wesen der Kirche als Leib Christi, als Haus Gottes, als Weinstock, die Rede ist? Nun, nicht zur Volksmenge oder zu den ihm folgenden Frauen und Jüngern hat Jesus gesagt: Wer euch hört, hört mich, empfangt den Heiligen Geist. Wem ihr die Sünden nachlasst... Das hat er eben nur zu den Zwölf gesagt, die im Abendmahlssaal versammelt den Auftrag erhielten: „Tut dies zu meinem Gedächtnis…“.

    All dies – und auch Paulus mit seiner geisterfüllten Schau des Mysteriums „Kirche“ – all dies soll für den „Synodalen Weg“ keine Bedeutung haben? Offenbar gilt das auch für die Konstitution „Lumen gentium“ des Zweiten Vatikanums über die Kirche.

    Wie dringend, ja beschwörend, klingt hier doch die Mahnung des Apostels Paulus im Römerbrief: „Macht euch nicht gleichförmig dieser Welt.“ Dieser Appell gilt heute in besonderer Weise für die Bischöfe und die Katholiken Deutschlands.

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    Liebe Grüße, Blasius

  • Foren-Beitrag von Blasius im Thema




    Der Heilsplan Gottes für den Menschen
    Gott offenbart seinen „gnädigen Ratschluß“

    Liebe Leserinnen und Leser,



    Vorfastenzeit – Unterricht für den Sonntag Sexagesima


    Die heilige Kirche, unsere Mutter, bekümmert wegen der Gefahren, denen ihre Kinder, die Christen, in diesen Tagen ausgesetzt sind, fleht im Eingang der heiligen Messe: „Erhebe Dich! was schläfst Du, Herr? Erhebe Dich und verwirf uns nicht auf immer! Warum wendest Du dein Angesicht und vergissest unsere Not und unsere Drangsal? An der Erde klebt unser Leib. Steh` auf! Herr, hilf uns und erlöse uns um deines Namens willen!“ (Ps. 43, 23-26) „O Gott! Mit unsern Ohren haben wir gehört; es haben unsere Väter uns erzählt – das Werk, so Du getan.“ (Ps. 43, 1)

    Gebet der Kirche.
    O Gott! Du siehst, daß all unser Tun keine Zuversicht gewährt; so laß uns denn bei Dir Gnade finden und durch die Fürbitte des Völkerlehrers vor allem Widerwärtigen bewahrt werden, durch unsern Herrn Jesum Christum. Amen.

    Lesung aus dem zweiten Brief des hl. Apostels Paulus an die Korinther. Kap. 11, Vers 19-33 und Kap. 12, Vers 1-9.

    siehe 2. Kor. 11, 19-33 u. 12, 1-9

    Warum erzählt der hl. Paulus so rühmliche Dinge von sich?

    Nicht aus Ruhmsucht, sondern zur Ehre Gottes, aus Liebe zu den Korinthern und zu ihrem Nutzen, da einige unter ihnen von gewissen falschen Aposteln sich betrügen, um ihr Vermögen und um ihren Glauben bringen ließen. Dies zu verhindern und die Hindernisse, welche durch jene falschen Apostel der Ausbreitung des Evangeliums in den Weg gelegt wurden, weg zu räumen, sich und seinen Predigten das gebührende Ansehen zu sichern, sah er sich genötigt, das, was Gott ihm erwiesen, und was er für Gott getan hatte, zu offenbaren. Hierdurch lehrt er uns, wo die Pflicht es gebietet, unsere Unschuld zu verteidigen.

    Was ist der „Stachel des Fleisches“ oder der „Engel des Satans“, von dem der Apostel spricht?

    Nach der Auslegung der heiligen Väter sind darunter zu verstehen die Versuchungen des Fleisches und unreiner Begierlichkeiten, durch welche Paulus geprüft und in der Demut erhalten wurde, die er aber leicht überwand durch die Gnade Gottes, deren Kraft sich am stärksten bei der Schwachheit des Menschen offenbart.

    Übung.
    Werde in Versuchungen nie zaghaft, sondern erinnere dich der Worte: „Meine Gnade genügt dir“, oder: „Ich kann alles in dem, der mich stärkt“ und bete:

    Gib mir, o Gott! daß ich nach dem Beispiel des hl. Paulus, der so viel für Dich getan und gelitten hat, mich ebenfalls für das Gute bemühe, mit deiner Gnade bei aller Trübsal, Widerwärtigkeit und Versuchung in allen guten Werken mich übe und nur deine Ehre suche. Amen.

    Evangelium nach dem hl. Lukas. Kap. 8, Vers 4-15.

    siehe Lukas 8, 4-15

    Warum wird das Wort Gottes mit dem Samen verglichen?

    Weil wie aus dem guten Samen gute Früchte, so aus dem Wort Gottes die guten Werke entstehen; und weil der Mensch ebenso wenig Früchte des Geistes (Gal. 5, 22) hervor bringen kann ohne den Samen des göttlichen Wortes, als ein unbesäter Acker Früchte trägt. Deswegen sagt der hl. Augustinus, daß dem Menschen das Wort Gottes ebenso notwendig sei, als selbst der Leib Christi.

    Warum hat Christus bei diesem Gleichnis ausgerufen: „Wer Ohren hat zu hören, der höre“?

    Um die Wichtigkeit und Notwendigkeit der Lehre, die Er durch dieses Gleichnis erteilen wollte, anzuzeigen und seine Zuhörer zur Aufmerksamkeit und zum nachdenken über dasselbe zu ermuntern. Denn gewiß hängt unsere Seligkeit davon ab, ob wir das Wort Gottes anhören und in uns wirksam sein lassen oder nicht.

    Woher kommt denn das viele Unkraut, da doch der Same des göttlichen Wortes so häufig ausgestreut wird?

    Dies kommt, wie das Gleichnis sagt, daher, daß dieser göttliche Same bald auf den Weg, bald auf Felsen, bald unter die Dornen, selten auf gutes Erdreich fällt, d.i. die Menschen, die das Wort Gottes anhören, sind bald wie ein offener Weg, wenn nämlich wegen der Lauigkeit, Nachlässigkeit, Leichtsinn oder oder zu großer Anhänglichkeit an Irdisches in ihrem Geist allerlei zerstreute Gedanken hin- und hergehen und den göttlichen Samen zertreten oder den Vögeln gleich auffressen; bald sind sie wie Felsen, indem sie durch Hochmut, Unzucht, Zorn und andere Leidenschaften und böse Gewohnheiten ganz verhärtet und verstockt sind, so daß der Same des göttlichen Wortes nicht Wurzeln fassen kann. Sie fallen daher bei der nächsten Gelegenheit und geringsten Versuchung wieder. Bald sind sie mit Dornen sinnlicher Begierden, zeitlicher Sorgen und des immer währenden Verlangens nach Reichtümern so überwachsen, daß, wenn sie auch den Samen des göttlichen Wortes empfangen, derselbe doch nicht aufwachsen und Frucht bringen kann, weil jene Sorgen und Begierden den, der sein Herz ihnen hingibt, immer beunruhigen, ihm keine Zeit lassen, sich mit etwas anderem zu beschäftigen, und dadurch ihn hindern, das, was er in der Predigt hört, zu behalten und darüber nachzudenken.

    Wodurch kann man sich der zerstreuenden Sorgen bei Anhörung des Wortes Gottes entschlagen?

    Durch das feste Vertrauen, daß, während wir in der Kirche sind und Gott dienen, Er unser Haus und unsere Güter bewahren werde, wie Er solches (2. Mos. 34, 24) versprochen hat. –

    in: Leonhard Goffine, Ord. Praem.; Unterrichts- und Erbauungsbuch oder Katholische Handpostille, 1885, S. 125 – S. 128

    Liebe Grüße, Blasius

  • Die Mission – eine göttliche AussaatDatum16.02.2020 08:58
    Thema von Blasius im Forum Schon gewusst ?



    BILD: http://die-missionen.blogspot.com/2016/0...me-ist-das.html

    Die Mission – eine göttliche Aussaat

    1 Die Mission – eine göttliche Aussaat
    1.1 Der Sämann ist Jesus Christus
    1.2 Jeder von uns soll am Missionswerk teilnehmen
    1.3 Die verhängnisvolle Saat des Sündenfalls
    1.4 Der göttliche Sämann Jesus Christus
    1.5 Sein Gebot: „Lehrt die Völker und taufet sie“
    1.6 Die Mission ist ein göttliches Aussaat-Werk
    1.7 Wir alle sollen in den Dienst des göttlichen Sämanns treten
    1.8 Ohne Mission bleibt die Heidenwelt tot für die Ewigkeit
    1.9 Das Missionswerk ist eine Aussaat unter Tränen
    1.10 Wo sind die wogenden Erntefelder?
    1.11 Keiner darf sich der Missionspflicht entziehen
    Predigt zum Sonntag Sexagesima

    „Es ging der Sämann aus, zu säen seinen Samen.“ (Lk. 8, 5)


    Der Sämann ist Jesus Christus
    Andächtige Christen! Von einem Sämann ist in der Parabel des heutigen Evangeliums die Rede, von Aussaat und von Erntefrucht. Wer ist dieser Sämann, der da ausgeht? Es ist Jesus Christus, der göttliche Heiland selbst, antworten wir mit dem hl. Johannes Chrysostomus (In Matth. Hom. 44, al. 45, n. 3): „Und von wo ging er aus, der Allgegenwärtige, der alles erfüllt? Oder wie ging er aus? Nicht dem Ort nach, sondern in seiner Beziehung und seinem Verhältnis zu uns, indem er uns näher kam durch das Gewand des Fleisches. Denn da wir nicht eintreten konnten, weil die Sünden uns den Eingang verschlossen, ging er aus zu uns. Und wozu? Ging er aus? Um die mit Dornen erfüllte Erde zu verderben? Um die Ackersleute zu bestrafen? Keineswegs, sondern um selbst zu bebauen und zu sorgen und das Wort der Gottesfurcht auszustreuen. Den Samen nennt er hier die Lehre, den Acker die Seelen der Menschen, den Sämann aber sich selbst.“

    Jesus Christus ist also der Sämann, der ausging. Er verließ die Herrlichkeit seines Vaters und wurde Mensch. Durch seine Lehrtätigkeit streute er den Samen seines göttlichen Wortes in das Ackerfeld dieser Zeitlichkeit, auf daß eine Frucht erwachse, die eingebracht werden könne in die Scheuern des himmlischen Vaters. Jesus Christus hat die Aussaat unter seinem Volk begonnen, die Apostel und deren Nachfolger haben sie fortgesetzt, und noch ist die Aussaat-Arbeit nicht beendet. Was unsere heilige Kirche durch ihre Missionare unter den heidnischen Völkern besorgen läßt, das ist Aussaat und Anbau. Die Missionare sind die Säleute des göttlichen Heilandes. Die Mission ist ein göttliches Aussaat-Werk.

    Jeder von uns soll am Missionswerk teilnehmen

    Der göttliche Heiland beruft auch uns zur tätigen Anteilnahme an dem heiligen Missionswerk. Säleute sollen wir alle sein, die das heilbringende Saatgut der Lehre Christi in die Heidenvölker hinein werfen. O verstehen wir recht den Ruf unserer Zeit! Ein jeder gehe im Dienst des Missionswerkes als Sämann aus, seinen Samen zu säen. Um uns dieser Aussaat-Pflicht noch mehr bewußt zu werden und in ihr uns zu bestärken, laßt uns erwägen, daß die Mission ein göttliches Aussaat-Werk ist, denn

    1. Jesus Christus ist in dem Missionswerk der göttliche Sämann;
    2. Glaube und Gnade sind der göttliche Same, der ausgestreut wird;
    3. Gottes Ehre und der Menschen Heil sind die Frucht, die das Missionswerk hundertfach zur Reife bringt.

    Die verhängnisvolle Saat des Sündenfalls
    Andächtige Christen! Vor der Aussaat liegt das Ackerfeld öde und brach. Die edlen Kräfte und Säfte schlummern gebannt in der schwarten Ackerkrume. Ein keimfähiger Same muss hinein gestreut werden, um sie auszulösen. Dann werden sie wachsen und Ähre und Frucht bringen.

    Ein weites Brachfeld war die Welt vor der Ankunft des göttlichen Heilandes, und in jedem Menschenherzen war es wüst und leer. Wohl hatte vor Zeiten ein Paradies-Garten bestanden; aber ach! Ein Sturm war nieder gegangen mit solch tief gehenden Folgen, wie die Weltgeschichte keinen zweiten kennt. Es war der erste Sündenfall und seine Erbschuld. Die Sünde hatte die Tugendblüten geknickt und jedes edle Wachstum bis in die Wurzel hinein vergiftet. Der Lebensbaum war zum Baum des Todes geworden. Und nun lag das weite Erdreich wüst und öde.

    Aber noch mehr. Eine Giftsaat war in das Erdreich, in das menschliche Herz, hinein gestreut worden, und die begann bald sich zu regen und die schlummernden Kräfte aufzuwecken. Welches Wachstum konnte aber einer Giftsaat entsprossen? Unkraut begann zu wuchern, Dornen und Disteln und Giftpflanzen aller Art überzogen in allzu üppigem Wachstum das Erdreich des menschlichen Herzens. Die sündhaften Leidenschaften gewannen die Oberhand. Die verhängnisvolle Saat zeitigte Verderben bringende Früchte. Und von diesen Früchten sättigte sich die Menschheit, und sie aß sich den ewigen Tod. Es ist kein Märchen aus alter Zeit, andächtige Christen, was ich da sage von Sünden-Aussaat und Sünden-Frucht. Noch wuchern und wachsen sie vor unsern eigenen Augen in erschreckender Größe und Besorgnis erregendem Umfang. Die Heidenwelt mit ihren 900 Millionen Menschenseelen, die im blinden Wahn des Götzenglaubens befangen und seinem sittenlosen Dienst ergeben sind, diese Heidenwelt ist der Sünde Aussaat und der Sünde Frucht. An ihr sättigen sich drei Viertel der Menschheit – o erschütternder Anblick! – und essen sich den Tod, den ewigen Tod. (*)

    „Im Anfang“, so beginnt das Buch der Bücher, „schuf Gott Himmel und Erde. Aber die Erde war wüst und leer, und Finsternis war über dem Abgrund, und der Geist Gottes schwebte über den Wasser“ (Gen. 1, 1). Sein belebendes göttliches Wort tönte mit Allgewalt in das Chaos und schuf Licht und Leben, bewirkte Ordnung und Harmonie und weckte die schlummernden und gebannten Kräfte zu herrlichem Wachstum. Ein zweiter Schöpfungs-Morgen brach an, andächtige Christen, als die zweite Person der Gottheit, Jesus Christus, auf diese Erde in sichtbarer Menschengestalt hernieder stieg. Auch da lag die Erde, das Menschenherz, das ganz irdisch geworden war, wüst und leer. Abgestorben waren die besseren Triebe, fest gebannt lagen die edlen Kräfte. Kalter Todeshauch wehte über das erstorbene Erdreich der Menschheit. Die von Gott gesetzte Ordnung und Harmonie zwischen Herz und Verstand, zwischen Natur und Gnade war gewaltsam zerrissen. Finsternis war über dem Abgrund.

    Der göttliche Sämann Jesus Christus
    Und der göttliche Sämann Jesus Christus ging aus, zu säen seinen Samen. Er entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an und begann die mühevolle Arbeit der Aussaat. Seht ihn schreiten, andächtige Christen, den göttlichen Sämann, unermüdlich und unverdrossen, mit sorgender Liebe und liebender Erbarmung; seht ihn schreiten durch die Täler Judäas, über die berge Galiläas, von Flecken zu Flecken, von Stadt zu Stadt, und auswerfen seinen Samen mit göttlicher Freigebigkeit und Geduld in alle Menschenherzen.

    Sein Gebot: „Lehrt die Völker und taufet sie“

    Mit dem Tode am Kreuz war aber die Aussaat-Arbeit des göttlichen Heilandes keineswegs beendet. Sie stand erst im Anfang. Durch sein Leiden und durch seinen Tod hatte der göttliche Sämann sich erst das Anrecht auf das Saatfeld um einen hohen Preis erworben und das göttliche Saatgut der Gnade mit seinem Blut erstanden. Was er selbst an Aussaat-Arbeit während den drei Jahren seines öffentlichen Lebens getan hatte, war gleichsam nur eine zum Vorbild vollbrachte Arbeit. Die eigentliche Aussaat sollte jetzt beginnen. Es war die ernste Stunde des Abschiedes, da Christus zu seinem himmlischen Vater zurück kehren wollte. Dort auf dem Ölberg hat er zum letzten Mal seine Jünger um sich geschart. Der Herr des Weinberges hat seine Säleute bestellt: „Geht hinaus in alle Welt!“ so spricht er zu ihnen, und die Säleute sehen vor ihren Augen das Arbeits- und Saatfeld sich ausbreiten: „es ist die ganze Welt. „Lehrt alle Völker und taufet sie!“ Christi Lehre und Gnade wird ihnen zur Aussaat anvertraut. Geht und lehret und taufet, und die Säleute schreiten aus. Die Apostel beginnen ihr Missionswerk: „Es ging der Sämann aus, zu säen seinen Samen.“

    Die Mission ist ein göttliches Aussaat-Werk
    Ein göttliches Aussaat-Werk ist die Mission. Mit göttlichem Saatgut durcheilen die Apostel die Länder und Völker. Das Beispiel ihres Meisters schwebt ihnen vor Augen, und sie bestreben sich, es ihm nachzutun. Sie kargen nicht mit der Aussaat; mit vollen Händen werfen sie ihren Samen unter die Völker am Euphrat und Tigris, am Nil und am Ganges, an der Tiber und am Ebro. Ja wahrhaft verschwenderisch gehen sie mit dem Saatgut um. Es fällt an den Weg und wird zertreten. Es fällt auf Felsen und wird verbrannt durch die Glut. Es fällt zwischen die Dornen und wird erstickt. Es fällt aber auch in gute Erde und bringt hundertfache Frucht.

    Ein göttliches Aussaat-Werk ist die Mission. Kaum war die Aussaat in dem ersten Saatfeld der griechisch-römischen Welt bestellt, da sehen wir den Pflug der Weltgeschichte tief durch die Völker schneiden. Er zieht neue Ackerfurchen, und wie gewaltige Erdschollen stürzen die Völker über- und durcheinander. Die große Völkerwanderung bringt ein neues Aussaat-Feld. Und Christus, der göttliche Sämann, läßt durch seine Kirche von neuem die Säleute ausgehen. Scharenweise ziehen die Missionare nach dem Norden, nach dem Westen und Osten des europäischen Kontinents. O seht ihr sie kommen, andächtige Christen, diese gesegneten Säleute des Missionswerkes? Sie kommen auch in unser Vaterland. Auch unser Land und unser Volk wird ein Saatfeld, ein Missionsfeld. Göttlicher Same wird in die dunklen Urwälder Germaniens hinein gesät. Die Aussaat wird bestellt am Rhein und an der Weser, an der Donau und am Main. „Es ging der Sämann aus, zu säen seinen Samen.“

    Kaum hatte das Ackerland der germanisch-slawischen Welt das göttliche Samenkorn erhalten, da zeigten sich neue Aussaat-Felder jenseits der Ozean, in der Neuen Welt. Die großen Entdeckungen um die Wende des 16. Jahrhunderts hatten die Wege zu Völkern und Ländern gebahnt, die bis dahin unbekannt geblieben waren. Eine neue Aussaat musste begonnen, nach neuen Säleuten musste gesucht werden. Die Kirche erließ ihr Aufgebot, und von allen Seiten strömten die Gott begeisterten Missionare herbei, und auf allen Wegen zogen sie hinaus, das göttliche Saatgut unter die Völker zu streuen. „Es ging der Sämann aus, zu säen seinen Samen.“ Ja, wahrhaft ein göttliches Aussaat-Werk ist die Mission. Gottes Vorsehung wacht über den Geschicken der Völker. Jesus Christus, der göttliche Sämann, läßt die Aussaat zu allen Zeiten bestellen. Wie ein stürmender Frühling setzte das 19. Jahrhundert ein. Abermals kreuze in tief gehenden Furchen der Zeitenpflug durch die Völker. Ganze Landschollen wurden gewendet und aufgeworfen. Zahlreiche Völker, die lange abseits der großen Weltstraßen gestanden hatten, drangen mit ungestümem Verlangen der neuen Zeit entgegen. Wohin wir auch blicken, in allen Erdteilen und bei allen Menschen, überall zeigt sich neues, anbaufähiges Land. Eine Aussaat wird erfordert so groß und umfangreich, aber auch so dringend und gebieterisch, daß wir besorgt die Blicke auf den göttlichen Sämann richten und fürbittend flehen: Herr, wo bleiben deine Säleute? Herr, sende Arbeiter in deinen Weinberg!

    Wir alle sollen in den Dienst des göttlichen Sämanns treten
    Andächtige Christen! Die Mission ist ein göttliches Aussaat-Werk, denn göttlich ist der Sämann, der hier durch seine Arbeitsleute den Samen auswerfen läßt. Welche Ehre, welche Auszeichnung, wenn uns der göttliche Sämann in seinen Dienst nimmt! Und wir alle sollen in seinen Dienst treten. Wir alle sollen Anteil nehmen an der göttlichen Aussaat, die durch das Missionswerk bestellt wird…

    Andächtige Christen! Als der göttliche Heiland seine Apostel zur Missions-Aussaat in die weite Welt sandte, da händigte er ihnen auch das Saatgut ein, das sie unter die Völker ausstreuen sollten. „Der Same aber ist das Wort Gottes.“ So erklärt es der göttliche Heiland selbst in der Parabel des heutigen Evangeliums. Der Same ist das Wort Gottes, das uns mitgeteilt wird in der Lehre Christi zur Erleuchtung, das uns gegeben wird in den Gnadenmitteln zur Belebung. Glaube und Gnade, das ist das göttliche Saatgut, das ausgestreut werden soll durch die Missionare unter allen Völkern, über alle Länder, durch alle Zeiten.

    „Der Same aber ist das Wort Gottes.“ Gottes Wort ist den Heiden abhanden gekommen. Sie haben die Erkenntnis Gottes verloren, und deshalb heißen sie: ein Volk der Finsternis. Aber ein Licht leuchtet in der Finsternis (Joh. 1, 5), und Christus selbst ist dieses wahre Licht, welches erleuchtet jeden Menschen, der in diese Welt kommt (Joh. 1, 9). Christus ist das Licht der Welt. Wer ihm nachfolgt, wandelt nicht in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben (Joh. 8, 12). Christi Lehre und Christi Beispiel sind das Wort Gottes, das als Same hinaus getragen werden muss in alle Welt und eingesät werden muss in jedes Menschenherz. Christus ist der göttliche Lehrmeister aller Menschen. „Siehe“, so ward von ihm im Alten Bund geweissagt, „siehe, zum Zeugen für die Völker habe ich ihn gemacht, zum Fürsten und Lehrer der Völker. Siehe, Völker, die du nicht kanntest, wirst du herbei rufen; Völker, die dich nicht kannten, werden zu dir laufen, um des Herrn deines Gottes willen, des Heiligen in Israel; denn er verherrlicht dich“ (Is. 55, 4 u. 5). Christi Lehramt ist für alle Völker bestimmt; es ist ein universales, das die ganze Menschheit und alle Zeiten umfaßt. Es wird ausgeübt durch das Lehramt der heiligen Kirche. Und deshalb muss dieses Lehramt das Wort Gottes als Samen hinaus tragen in alle Welt und hinein säen in alle Völker. Alle soll dies göttliche Wort dem Tod entreißen. „Wenn jemand dies Wort bewahrt, wird er den Tod nicht schauen in Ewigkeit“ (Joh. 8, 51). Alle soll es aus der Finsternis befreien, denn jeder, der da glaubt an Christus, bleibt nicht in der Finsternis (Joh. 12, 46); alle soll es zum Vater führen (Joh. 14, 6) und allen soll dies göttliche Wort das ewige Leben vermitteln, denn „dies ist das ewige Leben, daß sie dich erkennen, den einzig wahrhaften Gott, und den, so du gesendet hast, Jesus Christus“ (Joh. 17, 3)

    Ohne Mission bleibt die Heidenwelt tot für die Ewigkeit

    „Der Same ist das Wort Gottes.“ Wird es zur Aussaat nicht hinaus getragen, dann bleibt der große Acker der Heidenwelt tot und unfruchtbar für die Ewigkeit. Der traurige Zustand der Heidenwelt zeigt uns zur Genüge, wie notwendig die Aussaat des göttlichen Samens ist. Aus sich selbst vermag der Mensch nicht die übernatürlichen Wahrheiten zu erfassen und zur Kenntnis der Geheimnisse des heiligen Glaubens zu gelangen. Gott muss sie uns offenbaren. Wenn es daher Glaubens-Geheimnisse gibt, deren Kenntnis dem menschen zu seinem Heil notwendig sind, so schließen wir mit Recht auf die Notwendigkeit der Mission. Die göttliche Offenbarung, die für alle Menschen gegeben wurde, darf keiner einzigen Menschenseele vorenthalten bleiben. Der Same des Wortes Gottes muss ausgesät werden über die Völker, dann wird zur Wahrheit werden das Wort des Propheten Isaias: „Die Erde ist voll der Erkenntnis des Herrn, wie Gewässer den Meeresgrund decken“ (Is. 11, 9).

    „Der Same ist das Wort Gottes.“ Wie der Mensch durch eigene Verstandeskraft die hohen Glaubens-Wahrheiten nicht erfassen kann, so kann er auch nicht durch eigene Willenskraft der erkannten Wahrheit nachstehen. Gottes Gnade muss ihm zu Hilfe kommen. Je mehr wir, andächtige Christen, von der Notwendigkeit der göttlichen Gnade für den Menschen überzeugt sind, desto mehr wir sich uns auch die Überzeugung aufdrängen, wie notwendig die Missionstätigkeit und wie groß die Pflicht ist, sie auch auszuüben. Gott hat die vorzüglichsten Gnaden unseres übernatürlichen Lebens an die Heilsmittel, die heiligen Sakramente, gebunden. Ihre Verwaltung und Ausspendung hat er seiner Kirche anvertraut. Das Hirtenamt der Kirche hat daher die Pflicht, die ihr anvertrauten Heilsmittel allen Menschen zugänglich zu machen. Wie allen Menschen das Wort Gottes gepredigt werden soll, so sollen auch alle wiedergeboren werden zu dem übernatürlichen Leben, sollen alle durch den Geist der göttlichen Wahrheit gestärkt und befestigt werden, soll allen das lebendige Brot des Lebens gereicht werden. „Wenn jemand nicht wiedergeboren wird aus dem Wasser und dem heiligen Geist, kann er nicht eingehen in das Reich Gottes“ (Joh. 3, 5), und „So jemand ißt von diesem Brot, wird er leben in Wahrheit; und das Brot, welches ich geben werde, mein Fleisch ist es für das Leben der Welt“ (Joh. 6, 52).

    „Der Same ist das Wort Gottes!“ Mit diesem göttlichen Samen voll Licht und voll Kraft geht die Mission hinaus zu den Völkern und streut ihn hinein in das heidnische Ackerland. Da wird es Licht in der Finsternis, die edlen Kräfte im Menschenherzen werden geweckt und eine göttliche Keimkraft wird in die Menschenseele hinein gelegt. Eingepflanzt wird der Mensch als lebendige Rebe in den göttlichen Weinstock, ohne den er keine Frucht bringen kann; mit ihm aber vereint, bringt er viele Früchte hervor (Joh. 15, 4 u. 5). Das Missionswerk ist ein göttliches Aussaat-Werk; denn die Mission steht im Dienst des großen göttlichen Sämannes, Jesu Christi, und göttliches Saatgut streut sie unter die Völker. Wie ihr göttliches Vorbild, so schreitet auch sie aus zu mühsamer, beschwerlicher Arbeit. Mit göttlicher Freigebigkeit hatte einst der Weltheiland die Aussaat besorgt. Ein Same war ein jedes Wort gewesen, das er gesprochen, ein jedes Wunder, das er gewirkt, ein jedes Beispiel, das er uns gegeben. Ja er selbst wurde zu einem göttlichen Samenkorn.

    Das Missionswerk ist eine Aussaat unter Tränen

    Andächtige Christen! Wir stehen am Beginn der heiligen Fasten- und Leidenszeit. Wieder werden an unserem Geist die Bilder der Passion vorüber ziehen. Christi Leiden und Tod war die große, die göttliche Saat unserer Heiligung und Rettung. Wie ein Saatfeld, das zubereitet werden muss, ließ er seinen heiligen Leib mit den Geißeln und Dornen peinigen, und mit dem Kreuzespflug zog er eine Leidensfurche tief und breit von Jerusalem bis nach Kalvaria. Da hinein, zur befruchtenden Überschwemmung des öden Erdreiches, ließ er sein heilige Blut strömen und sich selbst, am Kreuz angeheftet, als göttliches Saatkorn in den Felsboden senken. „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn nicht das Weizenkorn in die Erde fällt und erstirbt, so bleibt es vereinzelt; wenn es aber stirbt, bringt es viele Frucht“ (Joh. 12, 24 u. 25).

    Ein ähnliches Los teilten mit ihm seine Nachfolger im Apostelamt und teilen mit ihm auch heute noch seine Missionare. „Ein Weizen Gottes bin ich“, so schreibt der hl. Ignatius an die Römer, „und gemahlen muss ich werden mit den Zähnen der Bestien, um reines Gottesbrot zu werden.“ Das Missionswerk ist eine Aussaat unter Tränen: „Sie gehen und weinen und streuen ihren Samen“ (Ps. 125, 6), aber auch eine Aussaat für die Ewigkeit. Die Frucht, die aus dieser Aussaat heran reift, ist ganz göttlicher Art: es ist Gottes Ehre und der Menschen Heil, und deshalb ist die Mission ein göttliches Aussaat-Werk.

    Wo sind die wogenden Erntefelder?

    Andächtige Christen! An zweitausend Jahre sind es, daß der göttliche Sämann ausgeht, seinen Samen zu streuen. Und da drängt sich uns die Frage auf: Wo sind die wogenden Erntefelder? Lohnt sich auch die Aussaat, die mit so vielen Opfern verbunden ist? Das Evangelium des heutigen Tages läßt uns über das Schicksal des Samens nicht im unklaren. „Während er säte“, so heißt es, „fiel einiges an den weg und wurde zertreten, und die Vögel des Himmels fraßen es. Un anderes fiel auf den Felsen und, aufgekeimt, verdorrte es, dieweil es nicht Feuchtigkeit hatte. Und anderes fiel zwischen die Dornen, und die Dornen, welche mit aufwuchsen, erstickten es.“ Also nicht jedes ausgestreute Samenkorn bringt Frucht, nicht alles in Anbau genommene Erdreich wird zum wogenden Erntefeld. Wie dem Samenkorn auf dem Acker, so ergeht es auch der Botschaft von dem himmlischen Gottesreich, und zwar sowohl bei einzelnen Menschen im kleinen als auch auf dem Völkeracker der Missions-Tätigkeit im großen. Es gibt Missionsgebiete, auf welchen die frohe Botschaft des Heiles wegen der Gleichgültigkeit und Unempfänglichkeit der Heiden keine Aufnahme findet. Ihr Herz gleicht dem harten Pfad neben dem Acker, auf dem der Same an der Oberfläche liegen bleibt. Wo die Herzenshärte das Samenkorn des göttlichen Wortes nicht eindringen und Wurzel fassen läßt, da wird es durch den bösen Feind alsbald weg genommen: „Es kommt der Satan und raubt das Wort aus ihrem Herzen, damit sie nicht glauben und selig werden.“

    Andere Missionsgebiete gibt es, deren Bewohner oberflächliche Augenblicks-Kinder sind. Das Wort Gottes macht nur einen vorüber gehenden Eindruck, aber gewinnt bei ihnen keine festen Halt. Bei dem Widerspruch und Kampf des Bösen gegen die Sache Gottes können Drangsal und Verfolgung um des Evangeliums willen nicht ausbleiben. In dieser Prüfung soll es sich nun bewähren, ob die freudige Annahme des Wortes Gottes nur eine vorüber gehende Regung des Gefühls oder aber eine entschiedene Hingabe des Willens war. Da zeigt es sich denn leider, daß vielen das Kreuz des Heilandes zum Anstoß wird: „Sie glauben für einen Augenblick, aber zur Zeit der Versuchung, wenn um des Wortes willen Trübsal und Verfolgung herein brechen, nehmen sie Anstoß und fallen ab“ (Mt. 13, 21).

    Eine dritte Art von Missionsfeldern stellt dem Missionserfolg Hindernisse entgegen, die zwar das Samenkorn wurzeln und wachsen, aber nicht zum Fruchttragen kommen lassen. Wir finden Heidenvölker, die von Gott reich begabt sind und anscheinend ein fruchtbares Missionsfeld bieten. Aber mit dem Kulturfortschritt des Volkes wachsen auch seine Leidenschaften, wächst seine Gier nach irdischem Reichtum und Genuss, nach Macht und ansehen. Diese Leidenschaften werden zu Dornen und Disteln, die das Wort Gottes ersticken, und es kommt nicht zur Reife.
    +
    Keiner darf sich der Missionspflicht entziehen

    Andächtige Christen! Darf uns der Gedanke, daß so viele Aussaat verdirbt, daß sie viele Mühen in dem Missionswerk ohne Erfolg bleiben, mutlos machen? Keineswegs, noch bleibt ein Erdreich übrig, und die Frucht, die hier der Same bringt, ist reichlich lohnend: es ist hundertfache Frucht… „Das aber auf gutem Erdreich, das sind die, welche mit rechtschaffenem herzen das Wort hören und behalten und Frucht bringen in Beharrlichkeit.“

    Solche Frucht in Beharrlichkeit brachten die Märtyrer zur Zeit der Christenverfolgungen im römischen Reich. Solche Frucht brachten im 16. und 17. Jahrhundert die Märtyrer in Japan. Ein solches Erntefeld war in der Neuzeit Korea, China und Uganda. Es war hundertfache Frucht…

    Keiner darf sich der Missionspflicht entziehen, denn „wer nicht mit mir ist“, so sagte einst der göttliche Sämann, „der ist wider mich, und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut. Erst dann, wenn wir unsere Pflicht getan und die Aussaat besorgt haben,, erst dann wird der himmlische Fruchtweizen hundertfältig in Ähren gehen, und erst dann können wir mit den ersten Christen beim Empfang der heiligen Kommunion beten: „Wie dieses gebrochene Brot zerstreut war auf den bergen und, zusammen gebracht, eins wurde, so laß auch deine Kirche von den Enden der Erde in dein Reich zusammen gebracht werden. Amen.“
    (Robert Streit O.M.I.) –

    aus: Robert Streit O.M.I., Missionspredigten Zweiter Teil Der göttliche Wille, 1914, S. 10 – S. 22

    (*) siehe die neuere Statistik Vergleich 1900 und 2019: Verteilung der Weltbevölkerung nach Religionen
    Hinzu kommt noch der Glaubensabfall in den ehemals christlichen Ländern sowie die sich abzeichnende Rückkehr zum Heidentum.

    https://katholischglauben.info/die-missi...tliche-aussaat/


    Liebe Grüße, Blasius

  • Thema von Blasius im Forum Unsere Fürsprecher




    Die heilige Juliana, Jungfrau und Martyrin von Nikomedia,


    + 16.2.304 - Fest: 16. Februar



    Juliana war zu Nikomedien in Bithynien geboren. Ihr Vater Afrikanus war ein Heide , ihre Mutter aber weder der heidnischen noch einer anderen Religion zugetan. Die Tochter, ein Mädchen mit ausgezeichneten Gaben des Verstandes und des Herzens, überzeugte sich von der Torheit der heidnischen Götterlehre, besuchte zuerst heimlich die Versammlungen der Christen, und bekannte sich bald darauf öffentlich zur Religion des Gekreuzigten. Als sie erst neun Jahre alt war, wurde sie von ihrem Vater einem vornehmen jungen Mann, Eleusius mit Namen, zur Ehe versprochen. Als sie das achtzehnte Jahr erreicht hatte, sollte die eheliche Verbindung vollzogen werden. Allein Juliana gab ihre Einwilligung dazu nur unter der Bedingung, dass Eleusius, der indessen Stadtvogt geworden war, ebenfalls das Christentum annehme. Dazu wollte er sich aber nicht entschließen.



    Der Vater versuchte zuerst durch zärtliche Worte und durch schmeichelhaftes Zureden seine Tochter zu bereden, und dann, als er seine Bemühungen fruchtlos sah, durch harte Behandlung und Schläge sie zu zwingen, dass sie die eheliche Verbindung eingehe. Juliana aber blieb standhaft bei ihrem Entschluss.



    Auch Eleusius wollte sie durch Beweise verführerischer Zärtlichkeit und durch glänzende Versprechungen doch noch für sich gewinnen. Allein sie blieb unerschüttert und wiederholte immer nur die Bedingung, dass sie ihn ehelichen werde, wenn er zum christlichen Glauben sich bekenne. Eleusius fing schließlich an zu drohen. Und als Juliana auch davon unbeeindruckt blieb, sollten seine Drohungen Wirklichkeit werden. Er ließ sie entkleiden, auf den Boden werfen und mit Ruten sehr grausam schlagen. Dann ließ er sie, weil sie im Bekenntnis Jesu des Gekreuzigten standhaft blieb, an den Haaren aufhängen. Durch sechs volle Stunden schwebte sie in so qualvoller Marter zwischen Himmel und Erde. Sie flehte zu Jesus Christus um Stärke und blieb so unerschütterlich im Glauben. Darüber geriet Eleusius in die höchste Erbitterung. Er ließ sie herunternehmen, wieder auf den Boden werfen und mit angezündeten Stoppeln und kleinen Reisern ihren Körper überschütten. Endlich wurden glühende Eisen durch ihre Schenkel gestochen und danach die unerschütterte Dulderin ins Gefängnis geführt. Voll Inbrunst flehte sie da zu Gott um Hilfe. Ihr Flehen wurde erhört. Sie erlangte freudigen Trost für ihren Geist und große Linderung für ihren schmerzlich misshandelten Körper.



    In dem Gefängnis wurde Juliana von dem bösen Geist, der selbst den göttlichen Heiland auf die Probe zu stellen sich erlaubte, in eine sehr schwere und gefahrvolle Versuchung geführt. Aber auch aus diesem Kampf ging sie als siegreiche Heldin hervor.



    Nach einiger Zeit wurde sie wieder dem Eleusius vorgestellt. Er hatte gehofft, dass die Schrecken des Gefängnisses ihren Sinn ändern werden, und war daher nicht wenig betroffen, als er sie mit erneuertem Mut vor sich stehen sah. Fruchtlos blieben auch diesmal sein Zureden und seine Drohungen. Er schritt deswegen wieder zu den Martern, die er auf die schrecklichste Weise an ihr vollziehen ließ. Sie wurde auf ein Rad, das mit Eisenspitzen versehen war, gebunden, über einem Feuer herumgewälzt, und danach mit geschmolzenem Blei gequält. Gottes wunderbare Macht zeigte sich herrlich an der Schwachen. Juliana überstand diese fürchterlichen Martern, blieb bei dem Bekenntnis des Glaubens und in der Lobpreisung Gottes. Endlich wurde sie enthauptet zusammen mit mehreren anderen Christen, die durch die unerschütterliche Standhaftigkeit Julianas und durch den wundervollen Beistand Gottes, den sie bekannte, zu Jesus Christus sich bekehrt hatten.



    Der Martertod der heiligen Juliana fällt in die Zeit des Kaisers Maximin Daja,
    zwischen den Jahren 304 und 311.


    Liebe Grüße, Blasius

  • Thema von Blasius im Forum Weitere Gebete



    Das ist das Lied, das in Manoppello beim Papstbesuch gesungen wurde!

    Originaltext

    O Jesu, nomen dulce,
    Nomen admirabile, nomen confortans,
    Quid enim canitur suavius,
    Quid auditur jucundius,
    Quid cogitatur dulcis,
    Quam Jesu, Dei filius.
    O nomen Jesu, verus animae cibus,
    In ore mel, in aure melos,
    In corde laetitia mea.
    Tuum itaque nomen, dulcissime Jesu,
    In aeternum in ore meo portabo.

    Übersetzung

    O Jesu, lieber Name, Name voller Wunder du, Name, der tröstet,
    Was wird besungen denn süßer noch,
    Was vernommen denn freudiger,
    Was ist zu denken lieblicher,
    Denn Jesu, Gottes einer Sohn?
    O Name Jesu, wahre Seelenspeise,
    Im Munde Honig, im Ohr Gesang,
    In meinem Herzen Freude.
    Drum will ich deinen Namen, o süßester Jesu,
    ewig mit meinem Munde lobsingen.

    (Gebet nach dem Hymnus "Jesu, dulcis memoria" des Bernhard von Clairvaux 1090-1153)



    Liebe Grüße, Blasius

  • Thema von Blasius im Forum Novenen



    BILD:
    http://www.heiliges-antlitz.com/antlitz.html


    Novene zum heiligsten Antlitz Jesu



    1. Tag: Das göttliche Antlitz

    Zu Dir, o Gott, erheben wir die Seele mit Vertrauen.

    Dein Volk erfreuet sich in Dir, wollst gnädig niederschauen.

    Laß leuchten, Herr, Dein Angesicht,

    erfüll‘ mit Deiner Gnade Licht

    die Diener Deines Thrones.



    Im Namen des Vaters…

    V. Kommt, lasset uns freudig lobsingen dem Herrn, Huldigung rufen dem Felsen unseres Heiles!

    A. Laßt uns mit Lobpreis vor sein Angesicht treten / und ihm jubeln in Liedern (Ps. 94, 1).

    V. Wahrhaft würdig ist es und heilbringend, Dir immer und überall Dank zu sagen, Herr, heiliger Vater, allmächtiger, ewiger Gott. Du wohnst in unzugänglichem Licht, doch hast Du Dich durch Deinen Sohn geoffenbart. Er ist Gott von Gott, Licht vom Licht, Dein treuer Zeuge und der Spiegel Deines Angesichtes. In ihm ließest Du die Menschheit Deine Herrlichkeit schauen voll der Gnade und Wahrheit. Durch sein Haupt voll Blut und Wunden hast Du das entstellte Antlitz der Menschen wieder nach Deinem Bild und Gleichnis umgeschaffen. Darum hast Du ihn auch erhöht und zu Deiner Rechten gesetzt. Er ist das Haupt jeder Herrschaft und Macht. Darum beten ihn an alle himmlischen Kräfte zugleich mit Dir und dem Heiligen Geiste. Mit ihnen laß, so flehen wir, auch uns einstimmen und voll Ehrfurcht bekennen:

    A. Heilig, heilig, heilig ist der Herr, / Gott der Heerscharen. / Himmel und Erde sind erfüllt von Deiner Herrlichkeit. / Hosanna in der Höhe!

    LIED:

    Auf Deinem Haupt, Herr Jesu Christ, trägst Du der Gottheit Krone,

    hell‘ Licht aus Deinem Auge geht und Glanz von Deinem Throne,

    Christkönig, Alleluja, Alleluja!



    V. Wir hören die Lesung aus dem Evangelium des heiligen Matthäus (13, 14-17): In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Es wird die Weissagung des Isaias erfüllt, die da sagt (6, 9): Hinhören werdet ihr und nicht verstehen, hinsehen werdet ihr und doch nicht sehen. Denn das Herz dieses Volkes ist verstockt, und sie hören schwer mit den Ohren und verschließen ihre Augen, damit sie nicht etwa sehen mit den Augen und hören mit den Ohren und mit dem Herzen verstehen und sich bekehren, daß ich sie heile. Aber selig sind eure Augen, weil sie sehen, und eure Ohren, weil sie hören. Denn wahrlich, ich sage euch: viele Propheten und Gerechte verlangten zu sehen, was ihr seht, und haben es nicht gesehen, und zu hören, was ihr höret, und haben es nicht gehört.

    V. Durch des Evangeliums Wort nehm‘ Gott unsre Sünden fort!

    A. Lob sei Dir, / Christus! — Sei gegrüßt, / o heiligstes Antlitz Jesu, / Du edles Siegel der Gottheit!

    V. Gott, der befahl, daß aus der Finsternis Licht sich entzündet, hat auch in unseren Herzen Licht entzündet, daß aufleuchte die Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes, die da strahlt im Antlitz Jesu Christi (2 Kor 4, 6).

    A. Denn / die er vorhererkannt hat, / die hat er auch vorherbestimmt, / dem Bilde seines Sohnes gleichförmig zu werden (Röm 8, 29).

    V. Lasset uns beten: Gott, Du Schöpfer des Lichtes und Urgrund der Wahrheit. Du hast Dein Licht in unseren Herzen erstrahlen lassen, damit wir Deine Herrlichkeit im Antlitz Deines Sohnes, Jesus Christus, erkennen können. Wir danken Dir, daß Du uns zu Deinen Kindern angenommen hast. Laß uns zum Vollalter Christi heranwachsen und sein Bild in uns Immer mehr ausprägen:

    A. Wir bitten Dich, erhöre uns. / Amen.

    V. Herr Jesus Christus! Dein anbetungswürdiges Antlitz ist wie das Siegel der Gottheit, das den Seelen das Bild der Gottheit wieder einprägen kann. Ich grüße und bete an dieses Dein heiligstes Antlitz, das aufs neue mit Schmach bedeckt ist durch die, welche Deine Gottheit lästern und leugnen. Ich opfere Dir in Vereinigung mit Deiner Mutter die Huldigung aller Engel und Heiligen als ein Weihrauchopfer auf und bitte Dich demütigst, Du wollest kraft Deines heiligsten Antlitzes in mir und allen Menschen Dein durch die Sünde entstelltes Bild wieder herstellen und erneuern. Amen.

    V. Damit Du uns mit Dankbarkeit für das unschätzbare Gut der heiligen Taufe erfüllen wollest,

    A. Laß leuchten, Herr, / Dein Angesicht (Ps. 30, 18).

    V. Damit das in der Taufe geschenkte neue Leben gegen alle Versuchungen in uns erhalten bleibe,

    A. Laß leuchten, Herr, / Dein Angesicht!

    V. Damit die Taufgnade in einem wahrhaft christlichen Leben bei uns wirksam werde,

    A. Laß leuchten, Herr, / Dein Angesicht!

    V. Damit wir zum Bekenntnis des Glaubens und zu apostolischer Tat fähig werden,

    A. Laß leuchten, Herr, / Dein Angesicht! / Denn / dieses Dein heiligstes Angesicht ist unsere Freude, / unsere Kraft und unsere Seligkeit / hier und in alle Ewigkeit. / Amen.

    Zur privaten Lesung oder stillen Betrachtung

    Jesus zur Schwester Maria vom heiligen Petrus: “Je mehr ihr Sorge tragt, mein Antlitz wiederherzustellen, das durch die Gotteslästerungen verunstaltet wird, desto mehr werde ich für das eurige, das durch die Sünde entstellt wurde, Sorge tragen. Ich werde ihm mein Bild wieder aufdrücken und ebenso schön wieder herstellen, wie es bei der heiligen Taufe war.”

    2. Tag: Das entstellte Antlitz Christi

    Jesus, Jesus, der Dein Leiden Du begonnen,

    ganz von Blutschweiß überronnen,

    erbarme Dich, erbarme Dich,

    wir flehn durch Deine Schmerzen,

    gib Reue unsern Herzen!



    V. Wir hören aus der Passion des heiligen Lukas (22, 39-44): In jener Zeit ging Jesus hinaus und begab sich, seiner Gewohnheit nach, an den Ölberg. Es gingen mit ihm auch seine Jünger. Als er an den Ort kam, sprach er zu ihnen: “Betet, daß ihr nicht in Versuchung fallet!” Er entfernte sich von ihnen etwa einen Steinwurf weit, kniete nieder und betete: “Vater, wenn es Dein Wille ist, so laß diesen Kelch an mir vorübergehen. Doch nicht mein Wille geschehe, sondern der Deine.” Da erschien ihm ein Engel vom Himmel und stärkte ihn. Und als ihn Angst befiel, betete er noch inständiger. Sein Schweiß wurde wie Blutstropfen, die zur Erde herabrannen.

    V. Durch des Evangeliums Wort nehm‘ Gott unsre Sünden fort.

    A. Lob sei Dir, / Christus! — Sei gegrüßt, o heiligstes Antlitz Jesu, / das den Zorn Gottes besänftigt!

    V. Mein Angesicht ist vom Weinen gerötet,

    A. Um meine Wimpern liegt Todesnacht (Job 16, 16).

    V. Fern von mir ist der Tröster, der mich labte,

    A. Verschüchtert sind wir, / weil großtut der Feind (Klgl. 1, 16).

    V. Herr der Heerscharen, hör mein Gebet, mit Ohren vernimm es, o Gott Jakobs!

    A. Du unser Schild, o Gott, / schau hernieder! / Blicke ins Antlitz Deines Gesalbten! (Ps. 83, 10).

    V. Lasset uns beten! In Deinem bitteren Leiden wurdest Du, lieber Jesus, der Spott der Menschen, der Mann der Schmerzen. Ich verehre Dein göttliches Antlitz. Einst strahlte daraus göttliche Schönheit und Anmut, jetzt gleich es dem Antlitz eines Aussätzigen. Doch auch in den entstellten Zügen erkenne ich Deine unendliche Liebe. Sehnlichst verlange ich darnach, Dich zu lieben und mitzuwirken, daß alle Menschen Dich lieben. Die Tränen, die so reichlich Deinen Augen entströmten, sind wie kostbare Perlen. Liebevoll möchte ich sie sammeln, um mit ihrem unendlichen Wert die Seelen der Sünder loszukaufen. Jesus, Dein anbetungswürdiges Antlitz zieht mich an: ich bitte Dich, präge meinem Herzen das Bild Deiner Gottheit ein und schenke mir eine glühende Liebe zu Dir, damit ich einst Dein Antlitz im Himmel in Deiner Verklärung schauen darf (Abl. 500 Tage. N. 208).

    A. Amen.

    V. Himmlischer Vater, Dein Sohn, unser Herr Jesus Christus, ist unser immerwährender Hoherpriester und Mittler bei Dir. — Daß Du durch sein heiliges Opfer die Schuld der Welt tilgen und die Sünder bekehren wollest,

    A. Siehe her, o Gott, / und blicke ins Antlitz Deines Gesalbten! (Ps. 83, 9).

    V. Daß Du durch die Glut seiner Liebe unsere Kälte und Gleichgültigkeit verzeihen wollest,

    A. Siehe her, o Gott, / und blicke ins Antlitz Deines Gesalbten!

    V. Daß Du uns an seinem Sühneleiden Anteil geben wollest,

    A. Siehe her, o Gott, / und blicke ins Antlitz Deines Gesalbten!

    V. Daß in der Stunde der Versuchung und Schwäche das blutüberströmte Antlitz Deines Sohnes uns vor der Sünde bewahren wolle,

    A. Siehe her, o Gott, / und blicke ins Antlitz Deines Gesalbten!

    V. Gott, Du hast uns unendliche Schätze der Liebe und Sühne geschenkt im Herzen Deines Sohnes, die sich in seinem heiligsten Antlitz offenbarten, als es blutigen Angstschweiß für uns vergossen hat. Laß uns auf das Antlitz Christi, Deines Gesalbten, schauen und in Vereinigung mit seinem erlösenden Leiden durch die Gesinnung und durch Werke der Sühne die Sünden der Welt wieder gutmachen und dieses betrübte Herz Jesu und sein heiligstes Antlitz trösten. Amen.

    A. Herr, / vergilt uns nicht nach unseren Sünden, / nicht nach der Größe unserer Missetaten (500 Tage Abl. N. 23).

    Zur privaten Lesung oder stillen Betrachtung

    Schwester Maria vom heiligen Petrus sagt: “Nichts ist geeigneter, Gott und seine erzürnte Gerechtigkeit zu entwaffnen, als wenn dieses Antlitz, dessen Stirne die Dornen unserer Sünden durchbohrten, und das unter den Streichen der strafenden Vergeltung hart gehämmert wurde, ihm aufgeopfert wird. Es hat unsere Schulden bezahlt, es tritt gleichsam als Bürge für uns ein. Darum hat mir der Heiland empfohlen, ohne aufzuhören vor dem Thron seines himmlischen Vaters zu weilen und ihm ungeachtet meiner Unwürdigkeit dieses göttliche Antlitz, den Gegenstand seines Wohlgefallens, aufzuopfern. Dieser liebevolle Erlöser gab mir die Verheißung: ‘Sooft du dem Vater mein Antlitz darbietest, ebensooft wird mein Mund um Barmherzigkeit rufen’.”

    3. Tag: Das entheiligte Antlitz

    Schon fühlest Du und siehst im Geist Dein ganzes Leiden,

    von da, wo Judas küßt, bis hin zu Deinem Scheiden.

    Kreuz, Geißel, Dornenkron‘ und allen Schmerz und Hohn,

    den Menschen Dir bereiten, empfindest Du jetzt schon.



    V. Wir hören aus der Passion des heiligen Lukas (22, 47f:

    Während Jesus noch redete, kam eine Schar, und Judas, einer von den Zwölfen, ging ihnen voran. Er näherte sich Jesus, um ihn zu küssen. Jesus aber sprach zu ihm: Judas, mit einem Kusse verrätst Du den Menschensohn?

    V. Durch des Evangeliums Wort nehm‘ Gott unsre Sünden fort.

    A. Lob sei Dir, / Christus! — Sei gegrüßt, o heiligstes Antlitz Jesu, / das für uns verraten wurde!

    V. Hätte den Schimpf mir ein Feind getan, so wollt ich ihn wahrlich ertragen.

    A. Wär nur, wer mich haßt, / wider mich aufgestanden, / ich wüßte mich vor ihm zu verbergen.

    V. Du aber, mein Gefährte, bist es gewesen, du, der Freund und Vertraute,

    A. Mit dem ich liebe Gemeinschaft gehabt, / durch Gottes Haus in festlichem Zuge geschritten bin (Ps. 54, 13)

    V. Zum Spott hast du mich für die Heiden gemacht,

    A. Und mein Gesicht bedeckt die Scham (Ps. 43, 15).

    V. Lasset uns beten! Ewiger Vater, ich opfere Dir durch die reinsten Hände Mariens das anbetungswürdige Antlitz Deines lieben Sohnes auf zur Sühne für die Lästerungen Deines heiligen Namens und zur Bekehrung der armen Sünder.

    Mildreicher Jesus, ich opfere Deinem ewigen Vater mein armes Herz auf, das in Reue und Demut die Beleidigungen wiedergutmachen möchte, die Du besonders in der heiligen Eucharistie immer wieder erfährst. Ich vereinige meinen geringen Schmerz mit Deinem Herzeleid, das Du empfunden hast, als Dich Judas im ÖIgarten durch einen Kuß Deinen Feinden überlieferte. In tiefster Anbetung und Ehrfurcht küsse ich Dein heiligstes Antlitz, das Deinen innersten Seelenschmerz und die Liebe Deines Herzens widerspiegelt, und flehe zu Dir:

    A. Wende ab Dein Angesicht von meinen Sünden, / und Deinen Heiligen Geist nimm nicht von mir! (Ps. 50, 10. 12).

    V. Wenn ich selbst durch Unehrerbietigkeit in Deiner heiligen Gegenwart gesündigt habe,

    A. Wende ab Dein Angesicht von meinen Sünden / und Deinen Heiligen Geist nimm nicht von mir!

    V. Wenn ich durch Lauheit und Gleichgültigkeit gegen Dein Sakrament der Liebe gefehlt habe,

    A. Wende ab Dein Angesicht von meinen Sünden / und Deinen Heiligen Geist nimm nicht von mir!

    V. Wenn ich durch unwürdigen Sakramentenempfang den Ekel des Judaskusses Dir erneuert hätte,

    A. Wende ab Dein Angesicht von meinen Sünden und Deinen Heiligen Geist nimm nicht von mir!

    V. Wenn ich die Sünde Deiner Diener, der Priester, lieblos aufgedeckt und nicht bemüht mich hätte, sie zu sühnen,

    A. Wende ab Dein Angesicht von meinen Sünden / und Deinen Heiligen Geist nimm nicht von mir!

    V. Wenn ich in Deinen Priestern immer nur den Menschen und nie Dein heiligstes Antlitz sehe,

    A. Wende ab Dein Angesicht von meinen Sünden / und Deinen Heiligen Geist nimm nicht von mir!

    V. Wenn in meinem Antlitz nichts von Deiner Güte und Heiligkeit aufleuchtete und deswegen Deine Kirche geschmäht wurde,

    A. Wende ab Dein Angesicht von meinen Sünden / und Deinen Heiligen Geist nimm nicht von mir!

    V. Göttliches Herz Jesu, bewahre unsere Priester im Schutze Deines Herzens, wo ihnen keiner schaden kann. Behüte ihr Herz rein, das gesiegelt ist mit dem erhabenen Zeichen Deines glorreichen Priestertums. Laß sie wachsen in der Liebe und Treue zu Dir und schütze sie durch Dein heiligstes Antlitz vor der Ansteckung der Welt. Gib, daß sie sich mit ganzer Kraft dafür einsetzen, daß in ihnen selbst und in den ihnen anvertrauten Gläubigen das Bild Deines heiligsten Antlitzes aufleuchte zum Zeugnis für die ungläubige Welt, damit sie Dich erkenne und den, der an Dir sein Wohlgefallen hat und der mit Dir lebt und regiert als gleicher Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

    A. Gütiger Jesus, / sei mir nicht Richter, sondern Erlöser! (300 Tage Ablaß N. 71)

    Zur privaten Lesung oder stillen Betrachtung

    Schwester Maria vom heiligen Petrus sagt: “Ich vernahm vom göttlichen Erlöser, daß die Glaubensverächter unserer Tage durch die Gotteslästerungen die Beschimpfungen erneuern, die dem heiligsten Antlitz während seines Leidens und Sterbens zugefügt worden sind. Sie fallen gleich dem Auswurf der Juden zurück auf das Antlitz des göttlichen Heilands, der sich als Sühne für die Sünden dahingegeben. Ferner sagte er mir, ich müsse den Eifer der frommen Veronika nachahmen, die sich mutig durch die Menge der Feinde drängte.”

    4. Tag: Das rettende Antlitz

    Zu dir in schwerem Leid komm ich, mein Herr und Gott,

    und such‘ Barmherzigkeit in meiner Seelennot.

    Zu Deinem Kreuz blick ich hinauf,

    da quillt die Gnad‘ in vollem Lauf. —

    Jesus, Jesus, verstoß mich Sünder nicht,

    erbarme Dich, ach, über mich, erleucht Dein Angesicht!



    V. Wir hören aus der Passion des heiligen Lukas (22, 54-62):

    Sie nahmen ihn fest und führten ihn ab und brachten ihn in das Haus des Hohenpriesters. Petrus aber folgte von ferne. Da sah ihn eine Magd beim Feuerschein sitzen, schaute ihn genau an und sagte: “Auch dieser war bei ihm!” Er aber leugnete und sprach: “Frau, ich kenne ihn nicht!” Kurz darauf sah ihn ein anderer und sprach: “Auch du bist einer von ihnen!” Petrus aber sprach: “Mensch, ich bin es nicht.” Nach etwa einer Stunde behauptete mit Nachdruck ein anderer: “In Wahrheit, auch dieser war bei ihm, ist er doch ein Galiläer.” Petrus aber erwiderte: “Mensch, ich weiß nicht, was du sagst.” Und im Augenblick, da er noch redete, krähte ein Hahn. Da wandte sich der Herr um, blickte Petrus an, und Petrus erinnerte sich des Wortes des Herrn, da er gesagt hatte: “Ehe der Hahn heute kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.” Und er ging hinaus und weinte bitterlich.

    V. Durch des Evangeliums Wort nehm‘ Gott unsre Sünden fort.

    A. Lob sei Dir, / Christus! — Sei gegrüßt, o heiligstes Antlitz Jesu, / das sich so barmherzig zu Petrus gewendet hat!

    V. Die Augen des Herrn blicken auf die Gerechten, seine Ohren öffnen sich ihrem Ruf.

    A. Das Antlitz des Herrn aber / wendet sich ab von den Bösen, / tilgt ihr Gedächtnis auf Erden aus (Ps. 33, 15)

    V. Laß leuchten über Deinem Knecht Dein Angesicht, in Deiner Güte errette mich (Ps. 30, 17).

    A. Wende ab, o Herr, / Dein Angesicht von meinen Sünden / und tilge meine Missetat (Ps. 50).

    V. Meine Augen schauen allezeit auf den Herrn, er ist es, der meinen Fuß aus den Schlingen befreit.

    A. Blicke auf mich und erbarme Dich meiner, / denn einsam bin ich und arm (Ps. 25, 15).

    V. Lasset uns beten! O liebster Jesus, an keinem Teil Deines anbetungswürdigen Leibes hast Du soviel für uns gelitten wie an Deinem heiligsten Antlitz, das um unserer Sünden willen ganz entstellt und von den Lästerungen der Juden übergossen wurde. O wende Dein heiligstes Antlitz zu uns, wie Du es dem heiligen Petrus zugewendet hast, damit wir auch, von Liebesreue durchdrungen, würdig werden, es im Himmel zu schauen in alle Ewigkeit.

    A. Amen.

    V. Lasset uns beten, daß alle aus unserer Gemeinde dem Rufe des Herrn zur inneren Umkehr folgen mögen:

    A. Herr, zeige uns Dein Angesicht! (Ps. 80, 4).

    V. Daß Du die Verhärteten und Verstockten erschüttern wollest:

    A. Herr, zeige uns Dein Angesicht!

    V. Daß Du die Verbitterten und Verzweifelten mit neuer Zuversicht erfüllen wollest:

    A. Herr, zeige uns Dein Angesicht!

    V. Daß Du allen Sündern die Freude der Heimkehr des verlorenen Sohnes schenken wollest

    A. Herr, zeige uns Dein Angesicht!

    V. Daß Du die Lauen mit neuem Eifer erfüllen wollest:

    A. Herr, zeige uns Dein Angesicht!

    V. Daß Du die Bereitschaft zum Opfer, zur Sühne und zum Apostolat an den Abseitsstehenden in unsern Herzen wecken wollest:

    A. Herr, zeige uns Dein Angesicht!

    V. Denn Du willst, daß alle gerettet werden und niemand verlorengehe. So hilf uns, daß wir die Werke der Finsternis ablegen und zum neuen Leben auferstehen in Christus Jesus, unserm Herrn. Amen.

    A. Jesus, sei mir Heiland / und schenke mir Heil!

    (300 Tage Ablaß N. 84)

    Zur privaten Lesung oder stillen Betrachtung

    Jesus sagte zu Schwester Maria vom heiligen Petrus: “Durch mein Antlitz werdet ihr das Heil vieler Sünder erlangen. Durch diese Opfergabe wird euch nichts verweigert. Wenn ihr doch wüßtet, wie angenehm meinem Vater der Anblick meines Antlitzes ist… Durch mein Antlitz werdet ihr Wunderbares wirken.”

    5. Tag: Das verhüllte Antlitz

    Dir war ich abgewandt, drum kost‘ ich Bitterkeit,

    was ich im Herzen fand, war nur Verlassenheit.

    Nun seufz ich arm zu Dir, zu Dir: ach Jesus, gib den Frieden mir!

    Jesus, Jesus, verstoß mich Sünder nicht,

    erbarme Dich, ach, über mich, erleucht‘ Dein Angesicht!



    V. Wir hören aus der Passion des heiligen Lukas (22, 63‑65):

    Die Männer, die Jesus bewachten, trieben ihren Spott mit ihm. Sie schlugen ihn, verhüllten dabei sein Angesicht und fragten ihn: weissage, wer ist es, der Dich geschlagen hat? Und noch viele andere Schmähungen stießen sie gegen ihn aus.

    V. Durch des Evangeliums Wort nehm‘ Gott unsre Sünden fort.

    A. Lob sei Dir, / Christus! — Sei gegrüßt, o heiligstes Antlitz Jesu, / das für uns angespien, geschlagen und verwundet wurde.

    V. Mein Gott, ich schäme mich und scheue mich, zu Dir, mein Gott, mein Angesicht zu erheben,

    A. Denn unsere Missetaten sind uns übers Haupt gewachsen / und unsere Schuld ist himmelhoch geworden (1 Esdr. 9, 6).

    V. Siehe, wie die Augen des Knechtes blicken auf die Hand ihres Herrn, und wie zu der Herrin Hand die Augen der Magd, so blicken unsere Augen zum Herrn, unserm Gott, bis er sich unser erbarmt (Ps. 1 23).

    A. Zu Dir erhebe ich meine Augen, / der Du wohnest in den Höhen des Himmels (Ps. 123).

    V. Lasset uns beten! O ewiger Vater, ich opfere Dir auf das allerheiligste Antlitz Deines Sohnes. Es ist das unendliche Lösegeld, das allein unsere Schulden zu tilgen vermag. Ewiger Vater, ich opfere Dir auf dieses Antlitz, um Deinen Unwillen zu besänftigen. Bedenke, daß es die Dornen unserer Sünden getragen hat und sich gestählt hat unter den Schlägen Deiner Gerechtigkeit, deren Zeichen es noch trägt. Siehe auf diese göttlichen Wunden; sie rufen: Barmherzigkeit, Barmherzigkeit, Barmherzigkeit für die Sünder! (Schw. Maria v. hl. P.)

    V. Herr Jesus Christus, der Du für Deine Kirche um die Gabe der Einheit gebetet hast, damit die Welt glaube, daß Du der Verheißene des Vaters bist.

    A. Verwirf uns nicht vor Deinem Angesicht. (Ps. 50, 6)

    V. Wir wissen, daß auch die Kinder der römischen Kirche an der Zerrissenheit der Christen mitschuldig sind.

    A. Verwirf uns nicht vor Deinem Angesicht!

    V. Wir haben es oft nicht verstanden, den Irrtum zu hassen und dabei die Irrenden zu lieben.

    A. Verwirf uns nicht vor Deinem Angesicht!

    V. So flehen wir zu Dir: daß Du uns die verlorene Einheit im Glauben zurückgeben wollest.

    A. Verwirf uns nicht vor Deinem Angesicht!

    V. Daß Du die Irrenden, Zweifelnden und Suchenden mit Deinem Licht erleuchten wollest.

    A. Verwirf uns nicht vor Deinem Angesicht!

    V. Daß Du uns und alle Christen vor falschen Urteilen und Mißverständnissen, vor Haß und Überheblichkeit bewahren wollest.

    A. Verwirf uns nicht vor Deinem Angesicht!

    V. Daß Du unsere Gemeinde zu einem leuchtenden und anziehenden Zeugnis brüderlicher Liebe und Hilfe machen wollest.

    A. Verwirf uns nicht vor Deinem Angesicht!

    V. Daß Du alle Völker der Erde in der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche vereinen wollest.

    A. Verwirf uns nicht vor Deinem Angesicht!

    V. Denn Du, o Herr, siehst mit gleicher Liebe auf alle, die Dich lieben und suchen.

    A. So wende denn Dein Antlitz ihnen zu / und schenke ihnen den Frieden! / Amen.

    V. Gott, Du zeigst den Verirrten den rechten Weg, Du einigst die Getrennten und erhältst sie in der Einheit. Wir bitten Dich: Gieße in Deiner Güte über das christliche Volk die Gnade der Einigung aus, daß es der Spaltung ein Ende mache, dem wahren Hirten Deiner Kirche sich anschließe und Dir würdig diene. Durch Christus, unseren Herrn. Amen. (3 Jahre Abl. N. 623)

    Zur privaten Lesung oder stillen Betrachtung

    Zu Schwester Maria Pierina de Micheli († 1945) sprach der Herr: “Ich möchte, daß mein Antlitz, das die innersten Leiden meiner Seele, den Schmerz und die Liebe meines Herzens offenbart, mehr verehrt werde. Wer mich betrachtet, tröstet mich. — Ich habe mein Herz als ausdrucksvolles Zeichen meiner großen Liebe den Menschen gegeben und gebe nun mein Antlitz als ausdrucksvolles Zeichen meines Schmerzes über die Sünden der Menschen.”

    6. Tag: Das mißhandelte Antlitz

    O Haupt voll Blut und Wunden, voll Schmerz, bedeckt mit Hohn! O Haupt, zum Spott umwunden mit einer Dornenkron: O Haupt, sonst schön gekrönet mit höchster Ehr und Zier, jetzt aber frech verhöhnet, gegrüßet seist Du mir!

    V. Wir hören aus der Passion des heiligen Matthäus (27, 27‑30):

    Da brachten die Soldaten des Statthalters Jesus in das Prätorium und versammelten um ihn die ganze Kohorte. Sie zogen ihn aus und legten ihm einen purpurroten Mantel um, flochten einen Kranz aus Dornen, setzten ihn auf sein Haupt und gaben ein Rohr in seine rechte Hand. Das Knie vor ihm beugend, verspotteten sie ihn und sprachen: sei gegrüßt, Du König der Juden! Und sie spien ihn an, nahmen das Rohr und schlugen auf sein Haupt.

    V. Durch des Evangeliums Wort nehm‘ Gott unsre Sünden fort!

    A. Lob sei Dir, / Christus! — Sei gegrüßt, o heiligstes Antlitz Jesu, / das um unserer Sünden willen entstellt, mißhandelt und jeder Schönheit beraubt wurde!

    V. Er ist ohne Schönheit und Gestalt: nicht zieht er unsere Blicke auf sich.

    A. Er ist ohne Ansehen, / aller Reize für uns bar.

    V. Er ist verachtet und vor aller Welt verlassen, ein Schmerzensmann;

    A. Verachtet so wie einer, / der sein Angesicht vor uns verhüllen muß (Is 53, 2).

    V. Ganz krank ist das Haupt, ganz siech das Herz, vom Fuß bis zum Scheitel ist nichts daran heil, nur Beulen, Striemen und Wunden (Is 1, 6).

    A. Gehet hinaus, ihr Töchter Jerusalems / und schauet den König mit der Krone (Hohel. 3, 11).

    V. Meinen Leib gab ich den Schlagenden hin, verhüllte mein Angesicht nicht vor jenen, die mich lästern und anspeien.

    A. Ich mache mein Angesicht zu härtestem Felsen / und ich weiß, / ich werde nicht zuschanden (Is 50, 6).

    V. Lasset uns beten: Jesus, Du hast Dich vernichtet aus Liebe zu mir. Wandle mein Herz um! Laß mich die Größe Deiner Verdemütigungen erkennen! Gib, daß ich von Deinem Licht erleuchtet, heute zu entfernen beginne, was vom alten Menschen noch ganz tief in mir lebt. Es ist der Hauptgrund meines Elends, das ständige Hindernis, das ich Deiner Liebe entgegensetze. (500 Tage Ablaß N. 112)

    A. Jesus, gib, daß ich Dein sei, / ganz Dein, immer Dein! (300 Tage Ablaß N. 87)

    V. Herr Jesus Christus, Du bist verspottet, verleumdet, verfolgt und grausam hingerichtet worden. Wie Du es vorausgesagt hast, wird auch Deine Kirche in ihren Bischöfen, Priestern und Getreuen verfolgt und gemartert.

    V. So rufen wir Dich an für die Glieder Deines geheimnisvollen Leibes, denen Du Anteil an Deiner Schmach schenkst.

    A. Verhülle nicht Dein Angesicht vor denen, / die Dich lästern! (Is 50, 6).

    V. Daß Du ihr Leiden mit Deinem Erlösungsopfer vereinen und fruchtbar machen wollest.

    A. Verhülle nicht Dein Angesicht vor denen, / die Dich lästern!

    V. Daß Du durch die Leiden Deiner Zeugen Dein Reich ausbreiten und mehren wollest.

    A. Verhülle nicht Dein Angesicht vor denen, / die Dich lästern!

    V. Daß Du die gefangenen Bischöfe, Priester und Ordensleute wieder zu den verwaisten Gemeinden zurückführen wollest.

    A. Verhülle nicht Dein Angesicht vor denen, / die Dich lästern!

    V. Daß Du die wankenden Christen aufrichten und die Abgefallenen wieder zu Dir und Deiner Kirche bekehren wollest.

    A. Verhülle nicht Dein Angesicht vor denen, / die Dich lästern!

    V. Daß Du den Verfolgern Deiner Kirche verzeihen wollest.

    A. Verhülle nicht Dein Angesicht vor denen, / die Dich lästern!

    V. Daß Du ihnen den Geist der Gottesfurcht und Gerechtigkeit verleihen wollest.

    A. Verhülle nicht Dein Angesicht vor denen, / die Dich lästern!

    V. Denn Du hast selbst Deinen Feinden Dein Angesicht am Kreuze noch zugewandt und für sie gebetet. So entferne auch aus unseren Herzen allen Haß und allen falschen Eifer, der Du nicht willst, daß einer verlorengehe, den Du mit Deinem kostbaren Blute erlöst hast.

    A. Ewiger Vater, / wir opfern Dir auf das heiligste Antlitz Jesu Christi, / bedeckt mit Blut, Schweiß und Staub / zur Sühne und Genugtuung für unsere und der ganzen Welt Sünden / und für die Bekehrung der Sünder. / Amen.

    Zur privaten Lesung oder stillen Betrachtung

    Jesus zu Schwester Maria vom heiligen Petrus: “So wie man in einem Königreiche mit dem Geldstück, welches das Bild des Fürsten trägt, sich alles verschaffen kann, was man will, ebenso werdet ihr mit der Münze meiner heiligen Menschheit, die mein Antlitz ist, alles erhalten, was ihr begehrt.”

    7. Tag: Das dürstende Antlitz

    Ach, Herr, zum Tode krank ist meine Seele mir.

    Wo find ich Labetrank, wenn nicht, o Herr, bei Dir?

    Die Sünde brennt mit heißer Glut:

    ach lösch den Brand mit Deinem Blut.

    Jesus, Jesus, verstoß mich Sünder nicht,

    erbarme Dich, ach, über mich, erleucht‘ Dein Angesicht!



    V. Wir hören aus der Passion des heiligen Johannes (19, 28-29):

    Darauf sagte Jesus, da er wußte, daß alles vollbracht sei, damit die Schrift erfüllt würde: Mich dürstet! — Es stand ein Gefäß mit Essig da, und sie steckten einen mit Essig gefüllten Schwamm auf einen Ysopstengel und brachten ihn an seinen Mund.

    V. Durch des Evangeliums Wort nehm‘ Gott unsre Sünden fort.

    A. Lob sei Dir, / Christus! — Sei gegrüßt, o heiligstes Antlitz Jesu, / das lechzte nach einem Trank und nach den Seelen.

    V. Mein Gaumen ist ausgetrocknet wie eine Scherbe,

    A. Und meine Zunge klebt an meinem Gaumen (Ps. 21, 16).

    V. Wie lange noch, Herr, vergissest Du meiner ganz? Wie lange hältst Du Dein Angesicht vor mir verborgen? (Ps. 112, 1).

    A. Zu Dir redet mein Herz, / nach Dir sehnt sich mein Gesicht, / nach Deinem Antlitz suche ich, o Herr! (Ps. 26, 11).

    V. Wie der Hirsch verlangt nach strömendem Wasser, so verlangt meine Seele nach Dir, o Gott!

    A. Meine Seele dürstet nach Gott, dem Lebendigen, / wann darf ich kommen / und Gottes Angesicht schauen? (Ps. 41, 2).

    V. Lasset uns beten! Herr Jesus Christus, aus dem Schoß des Vaters bist Du vom Himmel auf die Erde herabgestiegen und hast Dein kostbares Blut vergossen zur Vergebung der Sünden. Wir bitten Dich demütig: laß uns am Tage des Gerichtes zu Deiner Rechten das Wort vernehmen: Kommt, ihr Gesegneten! Der Du lebst und regierst in Ewigkeit. Amen. (5 Jahre Ablaß N. 221)

    A. Daß Du alle Irrenden zur Einheit der Kirche zurückrufen / und alle Ungläubigen zum Lichte des Evangeliums führen wollest, / wir bitten Dich. Herr, erhöre uns! (300 Tage Ablaß N. 621)

    V. Herr Jesus Christus, Dich hat der Vater zum Lichte für die Heiden gemacht. Wir flehen zu Dir um Dein Erbarmen: Daß Du Dich über die arme Welt, die ihren Erlöser noch nicht kennt, erbarmen wollest.

    A. Im Schutze Deines Angesichtes berge sie! (Ps. 30, 21)

    V. Daß Du allen Völkern der Erde Deine Wahrheit offenbaren wollest.

    A. Im Schutze Deines Angesichtes berge sie!

    V. Daß Du Deine Kirche als den Hort des Heiles allen Menschen sichtbar machen wollest.

    A. Im Schutze Deines Angesichtes berge sie!

    V. Daß Du ihr Zeugen und Arbeiter in Deinen Weinberg senden wollest.

    A. Im Schutze Deines Angesichtes berge sie!

    V. Daß Du die Sendboten des Evangeliums mit Deiner Kraft ausrüsten wollest.

    A. Im Schutze Deines Angesichtes berge sie!

    V. Daß Du die Neubekehrten in Wort und Tat zu Boten des Evangeliums machen wollest.

    A. Im Schutze Deines Angesichtes berge sie!

    V. O Gott, Du hast uns in Gnaden angeschaut und zu Deinen Kindern gemacht, wir bitten Dich: gib, daß alle Völker der Erde im Lichte Deiner Wahrheit den Ausweg finden aus dem Irrtum und in der Rettung ihrer Seelen der Durst Deines Herzens gestillt werde.

    A. Amen.

    V. Gebet des Heiligen Vaters, Papst Pius IX.

    A. O mein Jesus, sieh uns an in Barmherzigkeit. / Wende jedem von uns Dein Antlitz zu, / wie Du es einst der heiligen Veronika zugewandt hast, / nicht, damit wir es mit den Augen des Leibes sehen, / denn wir verdienen es nicht, / sondern laß unser Herz es schauen, / auf daß wir, Deiner gedenkend, / aus dieser Quelle der Stärke die notwendige Kraft für die Kämpfe, / welche wir zu bestehen haben, / schöpfen mögen. Amen.

    Zur privaten Lesung oder stillen Betrachtung

    Jesus sagte zu Schwester Maria vom heiligen Petrus: “Dieses anbetungswürdige Antlitz ist wie das Siegel der Gottheit, das die Eigenschaft besitzt, den Seelen, die sich an dasselbe wenden, das Bild der Gottheit einzuprägen.”

    8. Tag: Das geneigte Antlitz

    Ach, neig Dein Haupt zu mir mit Deinem Gnadenblick,

    die Seele lechzt nach Dir, ach, Jesus, sie erquick!

    Vom Dornenkranz zum Herzen mein,

    laß träufeln, Herr, die Gnade Dein!

    Jesus, Jesus, verstoß mich Sünder nicht,

    erbarme Dich, ach, über mich, erleucht Dein Angesicht!



    V. Wir hören aus der Passion des heiligen Johannes (19, 30):

    Als nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! Und er neigte sein Haupt und gab den Geist auf!

    V. Durch des Evangeliums Wort nehm‘ Gott unsre Sünden fort.

    A. Lob sei Dir, / Christus! — Sei gegrüßt, / Du anbetungswürdiges Antlitz Jesu Christi, / Du Gnadenschatz der Gläubigen!

    V. Jetzt werden sie aufschauen zu dem, den sie durchbohrt haben (Zach. 12, 10).

    A. Laß Dein Antlitz mich schauen. (Hohel. 2, 14)

    V. Herr der Heerscharen, höre mein Gebet, mit Ohren vernimm es, o Gott Jakobs!

    A. Du unser Schild, o Gott, / schau hernieder! Blicke ins Angesicht Deines Gesalbten! (Ps. 83, 10)

    V. Mit Deiner Gnade werde ich Dich preisen vor großer Gemeinde,

    A. Vor dem Angesicht aller, / die Dich fürchten. (Ps. 21, 16)

    V. Verwirf mich nicht vor Deinem Angesicht,

    A. Und Deinen Heiligen Geist nimm nicht von mir. (Ps. 50. 12)

    V. Lasset uns beten: Herr Jesus Christus, Du Sohn des lebendigen Gottes, Du hast um die sechste Stunde zur Erlösung der Welt den Pfahl des Kreuzes bestiegen und Dein kostbares Blut vergossen zur Vergebung der Sünden. Wir bitten Dich demütig: laß uns nach unserem Hinscheiden freudig eingehen in die Pforten des Paradieses, der Du lebst und regierst in Ewigkeit. Amen. (5 Jahre Abl. N. 213)

    A. In Deine Hände, Herr, / befehle ich meinen Geist! (500 Tage Abl. N. 19)

    V. Herr Jesus Christus, schon jetzt nehme ich jede Art des Todes mit allen Nöten, Ängsten und Schmerzen bereitwillig aus Deiner Hand an. Aber um eines bitte ich Dich, göttlicher Heiland:

    A. Verbirg Dein Angesicht nicht vor mir!

    V. Wenn mein mattes, brechendes Auge Dein heiliges Antlitz nicht mehr schauen kann,

    A. Verbirg Dein Angesicht nicht vor mir!

    V. Wenn meine erkaltenden Lippen Dein heiliges Kreuz nicht mehr küssen können,

    A. Verbirg Dein Angesicht nicht vor mir!

    V. Wenn meine Zunge nicht mehr fähig ist, Deinen heiligen Namen anzurufen,

    A. Verbirg Dein Angesicht nicht vor mir!

    V. Wenn Finsternis und Schatten des Todes mich umfangen,

    A. Verbirg Dein Angesicht nicht vor mir!

    V. Wenn meine Augen brechen und ich Dich dann als Richter schaue,

    A. Verbirg Dein Angesicht nicht vor mir!

    V. Lasset uns beten: Herr Jesus Christus, ich vereinige mich mit Deinem ewigen, immerwährenden, vorbehaltlosen Opfer. Deinem heiligen, anbetungswürdigen Willen gemäß, weihe ich mich für alle Tage meines Lebens und für jeden Augenblick des Tages. Du warst das Opferlamm für mein Heil, ich möchte aus Liebe zu Dir zum Opferlamm werden. Laß meine Hingabe Dir gefallen, nimm mein Opfer an, erhöre mein Gebet. Laß mich leben in der Liebe, laß mich sterben vor Liebe, laß den letzten Schlag meines Herzens sein ein Akt vollkommener Liebe. Amen.

    (500 Tage Abl. N. 104)

    A. In allem werde erfüllt, gelobt und in Ewigkeit gepriesen / der gerechte, erhabene und liebenswürdige Wille Gottes! (500 Tage Abl. N. 4)

    Zur privaten Lesung oder stillen Betrachtung

    Die Gottesmutter sprach zu Schwester Maria Pierina de Micheli: “Das Skapulier vom heiligsten Antlitz ist eine Schutzwaffe, ein Schild und ein Pfand der Erbarmung, das Jesus in diesen sinnlichen und gegen Gott und Kirche haßerfüllten Zeiten der Welt geben will…

    Alle diejenigen, welche sich mit diesem Skapulier bekleiden und am Dienstag dem hochheiligen Sakrament einen Besuch machen als Genugtuung der Schmähungen, die das heiligste Antlitz während seiner Passion erlitt und die es jeden Tag im eucharistischen Sakrament erleidet, werden, im Glauben gestärkt, bereit sein, ihn auch zu verteidigen und alle inneren und äußeren Schwierigkeiten zu überwinden. Zudem werden sie einen ruhigen Tod unter dem liebevollen Blick meines göttlichen Sohnes haben.”

    9. Tag: Das liebreiche Antlitz

    Bei Dir allein ist Ruh vor Angst und Seelennot.

    Dir sag ich fest mich zu, o Herr, bis in den Tod.

    Mit Deinem Blut aus Herz und Hand

    erneu‘ ich Kraft, die mir entschwand.

    Jesus, Jesus, verstoß mich Sünder nicht.

    Erbarme Dich, ach, über mich, erleucht Dein Angesicht!



    V. Wir hören aus dem Evangelium des heiligen Johannes (13, 1) und Matthäus (26, 26-28): Vor dem Paschafest aber, da Jesus wußte, daß die Stunde gekommen war, da er aus dieser Welt zum Vater hinübergehen sollte, zeigte er den Seinen, die in der Welt waren, seine Liebe bis zur Vollendung. — Während sie nun aßen, nahm Jesus Brot, sprach den Segen, brach es und gab es seinen Jüngern mit den Worten: Nehmet hin und esset, denn das ist mein Leib. Dann nahm er den Kelch, sagte Dank, gab ihnen denselben und sprach: Trinket alle daraus, denn dies ist mein Blut des Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden.

    V. Durch des Evangeliums Wort nehm‘ Gott unsre Sünden fort.

    A. Lob sei Dir, / Christus! — Sei gegrüßt, o heiligstes Antlitz Jesu, / Du Spiegel der Gottheit!

    V. Errichte mir ein Heiligtum, damit ich in eurer Mitte wohnen kann. Sieh zu, daß du es genau machst nach dem Bilde, das dir auf dem Berge gezeigt worden ist. (Ex. 25, 9)

    A. Forschet nach dem Herrn und seiner Herrlichkeit, / suchet allezeit sein Antlitz! (1 Chron. 16, 11)

    V. Dein, spricht mein Herz, ist ja das Wort: ihr sollt mein Antlitz suchen.

    A. So suche ich auch Dein Antlitz, Herr, / verbirg es nicht vor mir! (Ps. 29, 8)

    V. Kommt alle zusammen, die ihr Leid getragen, seid fröhlich von Herzen.

    A. Frohlocket / und trinket euch satt an der Quelle des Trostes, / die in Fülle euch fließt. (Is. 66, 10)

    V. Lasset uns beten! Sei gegrüßt, o anbetungswürdiges Antlitz Jesu, gegenwärtig im heiligsten Sakrament des Altares, glänzender als die Sonne. Sei gegrüßt, Du Siegel der Gottheit, Du Spiegel der göttlichen Vollkommenheiten, Du Freude und Wonne aller Engel und Heiligen! Aus allen Kräften meiner Seele wende ich mich an Dich und bitte Dich demütigst, Du wollest meinem Herzen alle Züge Deines göttlichen Bildes einprägen. Amen.

    A. Lob und Dank sei ohne End / dem heiligen und göttlichen Sakrament! (300 Tage Abl. N. 136)

    V. Jesus, wahrer Gott und Mensch, Hoherpriester und Opferlamm, nimm auf unser Flehen:

    Daß Du uns zu einer immer tieferen Erkenntnis des eucharistischen Geheimnisses führen wollest,

    A. Herr, zeige uns Dein Angesicht!

    V. Daß Du unsere Gemeinde zu einer lebendigen Mitfeier Deiner heiligen Geheimnisse führen wollest,

    A. Herr, zeige uns Dein Angesicht!

    V. Daß Du Eltern und Kinder zum oftmaligen würdigen Empfang dieses heiligen Sakramentes führen wollest,

    A. Herr, zeige uns Dein Angesicht!

    V. Daß Du uns aus diesem Geheimnis Kraft zu echtem christlichem Wandel schenken wollest,

    A. Herr, zeige uns Dein Angesicht!

    V. Daß Du viele Jünglinge und Jungfrauen zum Dienst in Deinem Heiligtum rufen und bereiten wollest,

    A. Herr, zeige uns Dein Angesicht!

    V. Daß Du uns in unserer Todesstunde durch den Genuß Deines Leibes und Blutes stärken wollest,

    A. Herr, zeige uns Dein Angesicht!

    V. Denn Du bist die Freude und Seligkeit Deiner Auserwählten im Himmel und auf Erden und lässest uns in diesem Sakrament bereits, im Glauben verborgen, schauen, was uns im Himmel einst beseligen wird, Dein heiligstes Antlitz, hochgelobt in Ewigkeit. Amen.

    A. Möge der heilige, anbetungswürdige und unaussprechliche Name Gottes / immer gelobt, gepriesen, geliebt, angebetet und verherrlicht werden / im Himmel und auf Erden und unter der Erde / durch alle Gottesgeschöpfe / und durch das heiligste Herz Jesu Christi im allerheiligsten Sakrament des Altares. / Amen.

    Zur privaten Lesung oder stillen Betrachtung

    Die gottselige Schwester Maria vom heiligen Petrus sagt: “Unser göttlicher Heiland klagte mir, wie sehr seine Liebe im allerheiligsten Sakrament durch die Glaubenslosigkeit der Christen verkannt wird. Durch dieses hochwürdigste Sakrament will Jesus, unser Erlöser, den Seelen die Kraft seines heiligsten Antlitzes mitteilen.”

    10. Tag: Das verkärte Antlitz

    Wann ich aus dem Grabe gehe nach des Todes langer Frist und ich dann Dein Antlitz sehe, Herr und Heiland Jesu Christ! Wirst Du alles mir enthüllen, wirst mir jeden Wunsch erfüllen. Alleluja! Jesus lebt, Jesus lebt, Jesus lebt, Alleluja! Jesus lebt!

    V. Wir hören aus dem Evangelium des heiligen Matthäus (17, 1) :

    In jener Zeit nahm Jesus den Petrus, Jakobus und Johannes mit sich auf einen hohen Berg. Da wurde er vor ihnen verklärt. Sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden hell wie das Licht… Und siehe, eine Stimme sprach aus der Wolke: Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich mein Wohlgefallen habe, auf ihn sollt ihr hören. — Da die Jünger dies hörten, fielen sie auf ihr Angesicht und fürchteten sich sehr. Jesus trat hinzu, rührte sie an und sprach: Stehet auf und fürchtet euch nicht!

    V. Durch des Evangeliums Wort nehm‘ Gott unsre Sünden fort.

    A. Lob sei Dir, / Christus! — Sei gegrüßt, o heiligstes Antlitz Jesu, / das die Freude und Wonne aller Auserwählten sein wird in Ewigkeit!

    V. Er ist der Abglanz des ewigen Lichtes,

    A. Ein Spiegel ohne Makel, / das Ebenbild seiner Güte (Weish. 7, 26).

    V. Schöner bist Du als alle Kinder der Menschen,

    A. Ausgegossen über Deine Lippen ist Gnade. (Ps 44, 3)

    V. Wir alle schauen mit unverhülltem Auge die Herrlichkeit des Herrn und werden so zu dem gleichen Bilde umgestaltet (2 Kor 3, 18).

    A. Selig das Volk, / das wandelt in der Klarheit Deines Antlitzes (Ps. 88, 15).

    V. Ohne ihn gesehen zu haben, liebt ihr ihn, ohne ihn jetzt zu schauen, glaubt ihr an ihn, in unsagbarer und strahlender Freude werdet ihr frohlocken, wenn ihr das Endziel eures Glaubens erreicht: das Heil eurer Seele (1 Petr 11, 4).

    A. Davor schauend sich zu beugen, / sehnen sich die Engel.

    V. Vater, ich habe die Herrlichkeit, die Du mir gegeben hast, auch ihnen gegeben, damit sie eins seien, wie wir eins sind.

    A. Und sie sollen die Herrlichkeit sehen, / die Du mir gegeben hast (Joh 17, 22).

    V. Lasset uns beten: Gott, Du hast bei der glorreichen Verklärung Deines eingeborenen Sohnes durch die Stimme aus den Wolken unsere vollkommene Annahme an Kindesstatt auf wunderbare Weise angedeutet: mache uns gnädig zu Miterben dieses Königs der Glorie und laß uns teilnehmen an seiner Herrlichkeit. Durch denselben Christus, unsern Herrn. Amen.

    A. Herr Jesus Christus, / Du allein bist der Heilige, / Du allein der Herr, / Du allein der Allerhöchste. (500 Tage Abl. N. 86)

    V. Herr Jesus Christus, König der kommenden Herrlichkeit, Du wirst auf den Wolken des Himmels wiederkehren am Tage der Vollendung. Erhöre unser vertrauendes Rufen:

    Daß Du alle aus Zweifel und Unglauben zur Erkenntnis Deiner Gottheit führen wollest,

    A. Laß schauen uns Dein Angesicht! (Hohel. 2, 10)

    V. Daß Du besonders der Jugend einen frohen Glauben an Deine Macht und Liebe schenken wollest,

    A. Laß schauen uns Dein Angesicht!

    V. Daß Du alle Trauernden in der christlichen Hoffnung stärken wollest,

    A. Laß schauen uns Dein Angesicht!

    V. Daß Du als Friedensfürst allem Streit ein Ende machen wollest,

    A. Laß schauen uns Dein Angesicht!

    V. Daß Du Deine Macht und Herrlichkeit vor aller Welt offenbaren wollest,

    A. Laß schauen uns Dein Angesicht!

    V. Daß Du am Tage des Gerichtes uns gnädig sein und in Dein ewiges Reich einführen wollest,

    A. Laß schauen uns Dein Angesicht!

    V. Denn Du bist es, der kommen wird im Glanze heiliger Scharen. Du versammelst Deine Gemeinde um den Tisch Deiner Gnade, wie Du sie einst zusammenrufen wirst aus allen Zeiten und Völkern zum Hochzeitsmahl Deines Reiches, wo Du mit dem Vater in der Einheit des Heiligen Geistes lebst und regierst in Ewigkeit. Amen.

    A. Gott erbarme sich unser und segne uns; / er lasse sein Angesicht leuchten über uns / und erbarme sich unser! (Ps. 66, 1)

    Zur privaten Lesung oder stillen Betrachtung

    Der Herr sprach zur heiligen Gertrud: “Die mein heiligstes Antlitz verehren, werden in ihrem Innern durch das Bild meiner Menschheit einen lebhaften Glanz meiner Gottheit erhalten. Sie werden bis in den Grund ihrer Seele davon erleuchtet und durch die Ähnlichkeit mit meinem Antlitz glänzender erscheinen als viele andere im ewigen Leben.” Zur heiligen Mechthilde sagte der Herr: “…Keiner von ihnen darf von mir getrennt sein.”


    AUS: https://peripsum.wordpress.com/2007/04/1...n-antlitz-jesu/

    Liebe Grüße, Blasius

  • Hl. Siegfried Gefeiert - Am 15. FebruarDatum15.02.2020 08:59
    Thema von Blasius im Forum Unsere Fürsprecher



    Hl. Siegfried (Sigfrid, Sigurd)

    Glaubensbote in Schweden, erster Bischof von Skara

    * in England
    † am 15. Februar nach 1045 in Växjö am Heiligensee in Schweden

    Sigfrid war der Überlieferung nach Mönch in Glastonbury und kam um 995 als Missionar nach Norwegen, dann nach Schweden. Widerstände der Bevölkerung gegen seine Missionsarbeit trieben ihn nach Süden, wo er nach manchen Quellen in Skara das erste schwedische Bistum gründete. Nach weiterer Tätigkeit in Norwegen war er zuletzt wieder in Südschweden tätig.

    Erzbischof Liawizo bestätigte nach dem Zeugnis von Bischof Adam von Bremen einem Sigfrid den Missionsauftrag für die nordischen Länder. König Olaf sandte ihn zur Predigt aus, schließlich wurde er um 1035 der dritte Bischof von Skara.

    Später ist in isländischen und norwegischen Quellen ein Bischof Sigurd erwähnt, der wohl um 1008 in Husaby in Västergötland den schwedischen König Olav Erikson Skötkonung taufte, und in Växjö als Märtyrer zusammen mit seinen drei ihm verwandten Gehilfen Unaman, Vinaman, Sunaman starb. In Växjö, das später Bischofssitz wurde, ist dessen Verehrung 1208 bezeugt. Sigurd ist wohl mit Sigfrid identisch.

    Sigfrid wird als Apostel von Schweden verehrt. Die Reliquien wurden teilweise in der Reformation vernichtet.


    Liebe Grüße, Blasius

  • Foren-Beitrag von Blasius im Thema




    Der Heilsplan Gottes für den Menschen
    Gott offenbart seinen „gnädigen Ratschluß“

    Liebe Leserinnen und Leser,


    Hl. Johannes Paul II. (1920-2005)
    Papst


    Rundschreiben „Slavorum apostoli“ in Erinnerung an das Werk der Evangelisierung der Heiligen Cyrill und Methodius vor 1100 Jahren (2. Juni 1985), 13 (© Libreria Editrice Vaticana)

    „Ut unum sint – Damit sie eins sind“ (vgl. Joh 17,21)

    An diesem Punkt erscheint es einzigartig und bewundernswert, wie die beiden heiligen Brüder, die in so schwierigen und unsicheren Situationen wirkten, nicht einmal versuchten, den Völkern, die ihrer Predigt zugewiesen waren, die unbestrittene Überlegenheit der griechischen Sprache und der byzantinischen Kultur oder die Sitten und Gebräuche der fortgeschritteneren Gesellschaft aufzudrängen, in welcher sie selbst aufgewachsen waren und ihre Angehörigen und Freunde selbstverständlich noch lebten. Vom Ideal bewegt, die neuen Gläubigen in Christus zu einigen, passten sie die reichen und verfeinerten Texte der byzantinischen Liturgie der slawischen Sprache an und glichen ebenso die ausgefeilten und komplizierten Werke des griechisch-römischen Rechtes der Mentalität und den Gewohnheiten der neuen Völker an.

    Aufgrund des gleichen Programms von Eintracht und Frieden erfüllten sie jederzeit die Verpflichtungen ihrer Mission, indem sie auf die traditionellen Vorrechte und kirchlichen Rechte achteten, die in den Konzilskanones festgelegt waren, wie sie es auch für ihre Pflicht hielten − als Untertanen des Ostreiches und als Gläubige des Patriarchates von Konstantinopel −, dem römischen Papst Rechenschaft über ihre Missionsarbeit abzulegen und seinem Urteil zur Bestätigung die Lehre, die sie bekannten und verbreiteten, die in slawischer Sprache verfassten liturgischen Bücher und die Methoden, die sie bei der Evangelisierung jener Völker anwandten, zu unterbreiten. Als sie ihre Missionsarbeit im Auftrag von Konstantinopel aufnahmen, versuchten sie gewissermaßen die Bestätigung hierfür zu erhalten, indem sie sich an den Apostolischen Stuhl in Rom wandten, das sichtbare Zentrum der Einheit der Kirche. […]

    Man kann sagen, dass die Bitte Jesu im Hohenpriesterlichen Gebet − damit sie eins sind − ihr missionarisches Motto darstellt nach den Worten des Psalmisten: „Lobet den Herrn, alle Völker, preist ihn, alle Nationen“. Für uns Menschen heute liegt in ihrem Apostolat auch ein ökumenischer Appell: die Aufforderung, in Versöhnung und Frieden die Einheit wieder herzustellen, die in der Zeit nach den heiligen Cyrill und Methodius tief verletzt worden ist, zu allererst die Einheit zwischen Ost und West.


    Liebe Grüße, Blasius

  • Gebete am 15. FebruarDatum15.02.2020 08:48
    Thema von Blasius im Forum Weitere Gebete




    TAGESGEBET

    Ewiger Gott.

    Du selber hast uns hier zusammengeführt,

    um mit uns zu reden und mit uns Mahl zu halten.

    Stärke in uns die Zuversicht,

    dass diese Feier sich bei dir vollenden wird -

    in dem Leben, das du uns heute versprichst

    und dessen Speise du uns heute gibst.

    Darum bitten wir durch Jesus Christus. (MB 318, 36)

    -

    Heilige Maria, du bist unsere Führerin auf der Reise durch das Leben, unsere Kraft in der Schwachheit, unser Reichtum in der Armut, das Heilmittel unserer Wunden, unsere Zuflucht in der Trübsal und unsere Seligkeit durch Jesus Christus. O Maria, du bist mächtig genug die Sünder zu retten, weil du die Mutter Gottes bist. Gebrauche also deine Macht und rette meine Seele. Amen.



    Zu Gott auf die Fürbitte der heiligen Brüder Faustin und Jovita



    Wir bitten dich, o Herr, erhöre unser demütiges Bitten, und hilf uns, dass wir auf unsere Gerechtigkeit nicht vertrauen können, durch die Verdienste und Fürbitte der heiligen Märtyrer Faustinus und Jovita, die ein dir wohlgefälliges Leben geführt haben, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.



    Zu Jesus Christus



    Herr, jetzt bist du noch Heiland und Mittler. Hilf uns, dass wir die Wohltat deiner Erlösung und deines Mittleramtes so benützen, dass wir dein Gericht nicht zu fürchten haben. Hilf uns mit deiner Gnade dazu, der du lebst und herrschst mit Gott dem Vater in der Einheit des Heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.



    Andenken an die seligste Jungfrau



    An diesem Tag kann man der Vermählung der seligsten Jungfrau gedenken nach jenen Worten des weisen Sirachs, die buchstäblich der ewigen Weisheit zukommen, von der Kirche aber auf die seligste Mutter Gottes angewendet werden: "Ich bin von Anfang und vor allen Jahrhunderten erschaffen worden, und werde bis zum künftigen Jahrhundert nicht aufhören. Ich bin von Ewigkeit und von den ersten Zeiten her erwählt worden, ehe die Erde erschaffen worden ist."


    Liebe Grüße, Blasius

  • Thema von Blasius im Forum Wort- und Begrifferklä...



    1 Kaiser Joseph II. und sein Reformsystem “Josephinismus”
    1.1 Charakter und Ideenwelt von Joseph II.
    1.2 Seine Wahl zum König
    1.3 Seine Reisen unter dem Namen Graf von Falkenstein
    1.4 Joseph II. setzt seine Pläne als Kaiser um
    1.5 Das System des Josephinismus beginnt
    1.6 Aufklärung und Unglaube bereits unter Maria Theresia
    1.6.1 Französischer Unglaube beim Hofadel
    1.6.2 Der Einfluss von Jansenismus und Gallikanismus
    1.6.3 Die febronianische Neuerungspartei dehnt ihren Einfluss aus
    1.7 Die Bischöfe versagen in der Verteidigung kirchlicher Rechte

    Charakter und Ideenwelt von Joseph II.
    Joseph II., römisch-deutscher Kaiser aus dem Hause Habsburg-Lothringen, war der älteste Sohn des Herzogs Franz Stephan von Lothringen, welcher sich 1736 mit der Erzherzogin und späteren Kaiserin Maria Theresia von Österreich vermählt hatte, 1737 Großherzog von Toskana und 1740 Mitregent seiner Gemahlin in Österreich, Ungarn und Böhmen geworden war. Joseph wurde am 13. März 1741 zu Wien geboren; seine Taufpaten waren Papst Benedikt XIV. und König August II. von Polen. Die Erziehung des Prinzen war eine durchaus verfehlte; sein flüchtiges Naturell, sein früh entwickelter Starrsinn, seine Spottsucht und Anmaßung wurden nicht zurück gedrängt, sondern groß gezogen. Schon mit vier Jahren zeigte der Prinz solchen Eigensinn, daß er die Nahrung verweigerte, wenn er nicht erhielt, was er wünschte. Die Kaiserin geriet auf das unglückliche Mittel, durch einen Bauchredner hinter der Tapete den Knaben mit einer Stimme aus der Geisterwelt bedrohen zu lassen; die spätere Einsicht in diese Komödie legte den Grund zu manchen Zweifeln in religiösen Dingen. Die Stelle eines Hofmeister bei ihm übertrug die Kaiserin aus Dankbarkeit gegen die Ungarn dem Grafen und späteren Fürsten Batthyanyi. Dieser tapfere Soldat, welcher leider nichts von Erziehung verstand, suchte den Starrsinn seines Zöglings durch militärische Disziplin zu brechen, vermehrte aber nur das Übel; Joseph fühlte sich als Kronprinz und trotzte jeder Gewaltmaßregel. Bis zu seinem zehnten Jahr musste den Prinzen der Jesuit Bittermann unterrichten, und zwar nicht bloß in Religion und Latein, sondern auch, was den Knaben besonders langweilte, in Mathematik, Geometrie und Kriegsbaukunst. Dann folgte der alte Pedant Bartenstein, welcher ein historisches Unterrichtsbuch in 15 Folianten für den Prinzen zusammen schrieb. Man wird kaum irren, wenn man annimmt, daß dem flüchtigen und phantasievollen Knaben bei solcher Methode durch Bittermann die Religionslehre samt den Jesuiten und durch Bartenstein nicht nur die Geschichte, sondern auch der ganze historische Boden auf Lebenszeit verleidet wurde. Batthyanyi aber war ein Feind der Wissenschaft und ließ oft die Unterrichtsstunden ausfallen, um seinen Zögling ins Ballhaus oder in die Reitschule zu führen.

    Nur ein Lehrer gewann später Einfluss auf ihn, der Professor des Naturrechtes an der Wiener Universität, Freiherr von Martini. Dieser begeisterte den Prinzen für die revolutionären Ideen der französischen Ökonomisten. Martini leitete alle Rechtsbegriffe vom sogenannten Naturzustand des Menschen ab und erfüllte allmählich seinen Schüler mit Geringschätzung für alles Herkommen und alles historisch Gewordene, für jedes Vorrecht einzelner Klassen und für korporative Selbständigkeit im Staat. Joseph nahm in sich die Vorstellung auf, daß nur ein einziger uneingeschränkter Herrscherwille das Werk der Reform im Sinne der Humanität und der allgemeinen Volkswohlfahrt vollbringen werde. Diese Überzeugung wurde gekräftigt durch den Einfluss der beiden einzigen Autoritäten, welche jene Zeit kannte, durch die Schriften Voltaire`s und durch das Beispiel Friedrichs II. von Preußen. Während der österreichische und der preußische Adler mit abwechselndem Glück ihre Stärke auf den Schlachtfeldern maßen, weckte der Kriegsruhm Friedrichs in dem feurigen Jüngling eine Eifersucht, welche ihn im späteren Alter zum unbedingten Verehrer und sklavischen Nachahmer des Königs machten. Er wünschte anfänglich nichts sehnlicher, als die Waffen ergreifen zu dürfen, allein die Mutter wehrte es ihm aus Furcht, der Krieg möge in ihm Gleichgültigkeit gegen die Pflichten eines friedliebenden Regenten erzeugen. Dafür suchte ihn die Kaiserin allmählich in die Beteiligung an Staatsgeschäften einzuführen; im Jahre 1761 erhielt er Sitz und Stimme im neu gegründeten Staatsrat.

    Im Jahr vorher hatte er sich mit Isabella von Parma verheiratet; als aber diese glückliche Ehe schon 1763 durch den Tod gelöst wurde, bot er mehr aus Politik als aus Neigung seine Hand der Tochter Karl Albrechts von Bayern (Kaisers Karl VII.), um durch sie einstens Erbe der Allodialgüter ihres Bruders zu werden. Diese Hoffnung schlug fehl; Joseph lebte mit Maria Josephine unzufrieden und unglücklich, und als 1767 auch diese Gemahlin ohne Nachkommen starb, gingen die Ansprüche auf das Erbe des Kurfürsten Max Joseph verloren, ein Umstand, der später die für Österreichs Machtstellung unglücklichen Wirren in der bayerischen Erbfolge zur Folge hatte.

    Seine Wahl zum König

    In einem geheimen Artikel des Hubertsburger Friedens vom Februar 1763 hatte Preußen dem ältesten Sohn der Kaiserin seine Stimme für die Wahl zum römisch-deutschenKönig versprochen. Joseph kam mit seinem Vater nach Frankfurt, wurde dort am 27. März 1764 zum König gewählt und am 3. April feierlich gekrönt. Im folgenden Jahr starb der Vater unerwartet am Schlagfluss. Joseph nahm nun den Titel Kaiser an, und wie sein Vater Mitregent in den Königreichen und den Erbstaaten der Kaiserin gewesen, so berief jetzt Maria Theresia ihren Sohn zu demselben Amt, jedoch mit dem auch 1740 gemachten Vorbehalt, daß sie keineswegs ihre persönliche Oberherrlichkeit über alle Staaten aufgebe. Nur das Militärwesen wurde dem jungen Kaiser ganz überlassen. Seiner absolutistischen Natur sagte die straffe Zentralisierung der Armee durchaus zu, und er versuchte diese auf die ganze Regierung zu übertragen; alle Fäden sollten von ihm ausgehen und in seiner Hand zurück kehren; er wollte Alles wissen, Alles leiten, Alles anordnen. Die Devise des Kaisers war Verbesserung der Gesetzgebung, Förderung des Ackerbaus, des Handels und der Industrie, Beschützung des Volkes gegen die Unterdrückung seitens eines mächtigen Adels; aber diese lobenswerten Pläne wurden in einer Weise ins Werk gesetzt, welche nicht zum Guten führen konnte. Maria Theresia versuchte den überstürzenden Drang des Sohnes zu mäßigen. Hieraus entwickelte sich eine immer wachsende Spannung zwischen Mutter und Sohn. Ein großerTeil der Korrespondenz wurde von Joseph selbst vernichtet, aber schon Andeutungen in dem noch erhaltenen französischen Briefwechsel (herausgegeben von Arneth) lassen das unerquickliche Verhältnis kund werden, und in den höchst vertraulichen Briefen, welche die Kaiserin an ihre Freundin, Marquise D`Herzelle richtete (herausgegeben von Kervyn, Brüssel 1868), offenbaren sich die Schmerzen und Tränen einer tief betrübten und schwer verletzten Mutter. Das Missbehagen des Kaisers über die Hindernisse, die er fand, steigerte sich so sehr, daß er 1774 die Kaiserin bat, ihn seiner Stellung als Mitregenten gänzlich zu entheben.

    Seine Reisen unter dem Namen Graf von Falkenstein
    Da seine Mutter nicht darauf einging, suchte er durch ausgedehnte Reisen sich zu zerstreuen. Unter dem Namen eines Grafen von Falkenstein besuchte er die verschiedenen Kronländer und durchzog 1769 Italien. Von politischer Bedeutung waren seine Reisen nach Schlesien und nach Frankreich. Schon 1766 war eine Zusammenkunft mit Friedrich von Preußen verabredet, aber durch die Kaiserin verhindert worden. Seitdem aber hatten sich die politischen Verhältnisse geändert; das Wachsen der russischen Macht gegen Osten machte eine Annäherung zwischen Österreich und Preußen wünschenswert. Die Zusammenkunft fand daher zu Neisse im August 1769 statt. Joseph erwiderte die Freundschafts-Bezeugungen des Königs mit der Versicherung, daß Österreich auf den schlesischen Besitz aufrichtig verzichtet habe. Eine zweite Zusammenkunft erfolgte 1770 im Lager zu Neustadt in Mähren. Hier wurde über die Vermittlung in der russisch-türkischen Frage unterhandelt, als deren letztes Resultat die Teilung Polens erschien, obwohl man an sie bei dieser Zusammenkunft noch nicht gedacht zu haben scheint. Später, weil eine Österreich ungünstige Änderung in der französischen Politik vor sich gegangen war, entschloss sich der Kaiser zu einer Reise nach Paris, woselbst er wiederum als Graf von Falkenstein am 18. April 1777 ankam. Hier prunkte er eigentlich mit seiner Prunklosigkeit und Einfachheit, indem er überall den stärksten Kontrast zur Üppigkeit des Hofes an den Zag zu legen suchte; selbst der Putz seiner königlichen Schwester Marie Antoinette entging seiner Bekrittelung nicht. Auf der anderen Seite zeigte er sich als den Mann von höherem wissenschaftlichem Interesse und strebsamer Bildung, indem er alle öffentlichen Anstalten ohne Unterschied sich zeigen ließ und zugleich persönliche Bekanntschaft mit bedeutenden Männern und Frauen zu machen suchte. Friedrich von Preußen konnte es Joseph kaum verzeihen, daß er bei dieser Gelegenheit an Fernay vorüber reiste, ohne 2den alten Patriarchen der Philosophie“, Voltaire, zu besuchen; gewiß hat er übrigens den Grund dieser Negligenz richtig gefunden, wenn er glaubte, „daß eine gewisse, sehr wenig philosophische Dame Theresia ihrem Sohn verboten habe, den Patriarchen der Toleranz zu besuchen.“ Dafür besuchte Joseph auf seiner Durchreise durch Bern den großen Dichter Haller; in Genf machte er Bekanntschaft mit Saussure, in Waldshut mit Lavater. Indes schien für ihn die Zeit heran zu nahen, wo die ganze Fülle der Regierungsgewalt in seine Hände übergehen sollte. Maria Theresa, die schon längere Zeit kränkelte, starb am 29. November 1780, nachdem sie auf dem Todbett ihrem Sohn noch Unterweisungen in der Staatskunst gegeben und ihn gebeten hatte, niemals von der Religion seiner Väter abzulassen. Dies Ereignis traf den Kaiser nicht unvorbereitet; längst waren seine Pläne entworfen, und es hatte nur an der Möglichkeit gefehlt, sie ungehindert durchführen zu können.

    Joseph II. setzt seine Pläne als Kaiser um

    Nicht ohne ernste Spannung sah man in Europa den ersten Schritten des Kaisers entgegen, und selbst Friedrich rief aus: „Maria Theresia ist nicht mehr, eine neue Ordnung der Dinge beginnt!“ Dieses Wort hatte für die österreichischen Erblande seine volle Richtigkeit. Der Kaiser hatte sich als bestimmtes und klares Ziel vorgesetzt, aus den verschiedenen Teilen der österreichischen Monarchie einen großen Staat zu schaffen, der nach innen gleichförmig, nach außen unabhängig wäre. Dieser Plan, sollte er ausgeführt werden, schloss eine Menge Revolutionen in sich, denn derselbe enthielt eine Kriegserklärung gegen Jahrhunderte lang verbriefte Rechte der Provinzen., gegen jede selbständige Bewegung und Entwicklung, gegen Sprache und Sitte seiner Untertanen. Joseph, ganz in jener absolutistischen Anschauungsweise befangen, wonach er sich als unumschränkten Beamten des Staates betrachtete, fand in diesem Streben so wenig eine gewalttätige Unternehmung, daß er es vielmehr für die Pflicht des Regenten hielt, wohl erworbene Rechte und Landeskonstitutionen unbeachtet zu lassen, wenn ihm eine Reform zur Durchführung des Staatszweckes notwendig schien. Dieser Absolutismus, der, möge er nun vom Thron oder vom „souveränen“ Volk ausgehen, sich am wenigsten mit den kirchlichen Institutionen verträgt, wies dem Kaiser auch ganz notwendig eine Stellung der Kirche gegenüber an, vermöge deren er sich zum kirchlichen Reformator für berechtigt hielt.

    Das System des Josephinismus beginnt
    Der Streben, die Kirche so viel als möglich von ihrem Oberhaupt zu isolieren und sie dafür dem Staat unterzuordnen, führte jenes staatskirchenrechtliche System ins Leben, das unter dem Namen „Josephinismus“ die österreichische Kirche bis auf die Gegenwart unter die strengste bürokratische Bevormundung gestellt und auch in anderen Staaten getreue Nachahmung gefunden hat. Längst war es aber auch die sogenannte Aufklärungspartei, sowohl in als außer Deutschland, welche ihre größte Hoffnung in diesem Stück auf den jungen Kaiser setzte. Dieselbe Partei, die in Frankreich das Gift des Unglaubens durch die höheren Stände hindurch bis in die niedrigsten Schichten des Volkes zu verbreiten wußte, hatte auch in Deutschland Anhänger gewonnen und betrachtete namentlich den Kaiser als ihren getreuen Adepten. Auf welche Weise diese Partei den Kaiser in ihren Bestrebungen hinein zu ziehen suchte, beweist namentlich eine schon sechs Jahre vor dem Regierungsantritt Josephs im Jahre 1774 zu Lausanne erschienene Schrift von Lanjuinais, einem ehemaligen Benediktiner, später aber Lehrer an einer reformierten Erziehungsanstalt in der Schweiz, unter dem Titel: Le monarque accompli ou prodiges de bonté, … Vergleicht man den Inhalt dieser Schrift, namentlich den Teil, welcher das Verhältnis des Regenten zur Religion und Kirche bespricht, mit dem, was wenige Jahre nachher Punkt für Punkt ins Werk gesetzt wurde, so möchte man in derselben den Schlüssel zu dem ganzen Reformbestreben Josephs auf kirchlichem Gebiet gefunden zu haben glauben. –

    Aufklärung und Unglaube bereits unter Maria Theresia
    Französischer Unglaube beim Hofadel
    Übrigens war die Ordnung der Dinge, welche mit dem Regierungsantritt Josephs in Österreich für die Kirche eintrat, keineswegs ganz neu; sie war bereits unter Maria Theresia zu Grunde gelegt und zu ziemlich großem Fortschritt gediehen. Unter dieser Regentin, die persönlich eine fromme Frau war, griff französische Bildung und damit auch der französische Unglaube beim Hofadel immer mehr um sich; besonders war es der Minister und Ratgeber der Kaiserin, Wenzel Graf von Kaunitz, der den Ideen der französischen Philosophie huldigte. Sodann kamen auch aus den Niederlanden hohe Beamte an den Hof, die, jansenistisch gesinnt, zugleich den ganzen Hass dieser Partei gegen die Kirche mitbrachten. Wie Frankreich in allem Übrigen Muster und Vorbild war, so suchte man dasselbe auch darin nachzuahmen, daß man die Grundsätze des Gallikanismus zur Geltung zu bringen suchte und die wesentlichsten Rechte des kirchlichen Oberhauptes zu Gunsten der Staatsgewalt zu beschränken anfing. Der Angriff kehrte sich zunächst gegen diejenigen, welche die festesten und sichersten Stützen der kirchlichen Ordnung waren, gegen die Jesuiten.

    Der Einfluss von Jansenismus und Gallikanismus
    Ein im Jahre 1752 von der Regierung bekannt gemachter Studienplan beschränkte schon in wichtigen Punkten die Wirksamkeit der Geistlichkeit auf den Lehrstühlen. Bald darauf zog die Regierung die Zensur selbst über theologische Werke an sich und begünstigte entschieden die gallikanische Richtung. Den päpstlichen Legaten wehrte sie die Visitation der österreichische Bistümer (1749). Um die Jesuiten die höchste Ungnade fühlen zu lassen, verloren sie ihre Stellen als Beichtväter bei Hof, was allgemeines Aufsehen erregte. Im Jahre 1759 entzog man ihnen vollends die Direktion der philosophischen und theologischen Fakultät an der Wiener Universität, und an ihre Stelle traten ihre Gegner, der Domherr Simon von Stock, der Leibarzt van Swieten und der Kanonikus Simen. Ähnliches geschah in den Provinzen. So blieb den Jesuiten nur mehr ein Einfluss auf die niederen Schulen, und auch von diesen hätte man sie gerne entfernt, wenn nicht einerseits die persönliche Neigung der Kaiserin und andererseits der Mangel an passenden Lehrern eine vollständige Ausschließung des Ordens unmöglich gemacht hätte. Bei Ernennung zu Bistümern sah es die Hofpartei auf Männer ab, welche in ihrem Sinn wirken sollten. Solchen Bestrebungen musste das Werk von Febronius (1763) als äußerst willkommen und vortrefflich erscheinen. Konnte man dasselbe auch nicht in den Schulen einführen, so wußte man doch wenigstens den freien Umlauf desselben im Buchhandel durchzusetzen. Das Werk fand reißenden Abgang, und um sein Glück im geistlichen Stand zu machen, musste man Febronianer sein. Erst nach der feierlichen Zensurierung des febronianischen Werkes durch den heiligen Stuhl wagte es die österreichische Regierung nicht mehr, dasselbe offen in Schutz zu nehmen. Dafür erschien nun das Kompendium des kanonischen Rechts von Stephan Rautenstrauch, das ganz im febronianischen Geist geschrieben war. Bei dem Klerus fand dieses Werk eine ungünstige Aufnahme; um so dankbarer aber war dafür die Regierung. Rautenstrauch wurde Abt des Klosters Brzevnov bei Prag, Referent über die geistlichen Studien und Hofrat, und war von nun an eine Hauptperson bei allen Neuerungen des Josephs II. –

    Die febronianische Neuerungspartei dehnt ihren Einfluss aus
    Die Neuerungspartei war es daran gelegen, sich einen tüchtigen Nachwuchs heran zu bilden; deshalb wurden auf Antrag Gerhards van Swieten an allen hohen Schulen des Staates Lehrstühle des Naturrechts und der politischen Wissenschaften errichtet. Von diesen Lehrstühlen herab wurden die widersprechendsten Grundsätze vorgetragen; auf der einen Seite der krasseste Radikalismus, der alle Standesvorrechte als Usurpationen erklärte und dem Naturrecht eine absolute Geltung über das positive Recht einräumte, auf der anderen Seite dagegen die größte Verehrung für den Polizeistaat, den man als Musterstaat anpries. Als Ideal der Staatsweisheit erschien eine gute Polizei, eine große Population und viel Industrie. Den Zöglingen, welche aus diesen schulen hervor gingen, durfte es um einen für sie geeigneten Posten nicht bange sein. Auf den Rat des Professors von Sonnenfels, der ein Hauptvertreter dieser staatswissenschaftlichen Weisheit war, nahm nun auch die Regierung das ganze Volksschulwesen in die Hand, und es wurden zur Bildung der Volkslehrer sogenannte Normalschulen errichtet, durch welche man den Geist der Regierung unter die Volksmassen zu verbreiten suchte. Selbst der Katechismus wurde zu einem Gegenstand, welchem die Regierung ihre Aufmerksamkeit schenken zu müssen glaubte. Der längst im Gebrauch gewesene Katechismus von Canisius paßte nun nicht mehr; er sollte durch einen andern ersetzt werden, der den Prälaten Ignaz Felbiger zum Verfasser hatte. Weil aber auch dieser Katechismus noch zu spezifisch katholisch war, wurde auf Grundlage desselben ein anderer ausgearbeitet; derselbe ward den Bischöfen mit der Weisung zugesendet, ihn durch einen Hirtenbrief dem Klerus und dem Volk zu empfehlen. Ein im Dezember 1774 von der Kaiserin erlassenes Patent verordnete, daß in jedem Pfarrbezirk eine Schule sein sollte, auf welche der Kirche außer der Erteilung des Religions-Unterrichtes kein weiterer Einfluss gestattet war. Die Aufsicht über dieselben führte ein von der Regierung bestellter Schul-Oberaufseher und dehnte sie auch auf den Geistlichen aus, sofern er Religionslehrer war. Die Wissenschaft ruhte nicht, um als Bundesgenossin den Unternehmungen der Regierung den geeigneten Vorschub zu leisten und denselben den Schein von Berechtigung zu verleihen. Die Werke von Febronius und Rautenstrauch verstießen doch zu offen gegen die kirchliche Verfassung, als daß man dieselben hätte offen den Lehrvorträgen zu Grunde legen können. Weit günstiger waren hierzu die 1774 in vier Bänden erschienenen Vorlesungen über das kanonische Recht von Riegger, der den Gallikanismus in einer milderen und gemäßigteren Form darzustellen und mit vorsichtigem Rückhalt den Neuerungen der Regierung das Wort zu reden wußte. Nach diesem Werk musste zufolge der allgemeinen Gesetze, welche für die bischöflichen und Klosterschulen schon seit 1764 die Lehrbücher der Universitäten vorgeschrieben hatte, überall das Kirchenrecht vorgetragen werden. Fast gleichzeitig erschien eine sogenannte Synopse, welche die Grundsätze der gallikanischen Deklaration von 1682, nur mehr entwickelt, enthielt. Dieselbe war eine offizielle Zusammenstellung der kirchenrechtlichen Grundsätze, die in den kaiserlichen Erbländern Geltung hatten. Bei Disputationen durften nur Sätze aus der Synopse gewählt werden. Übrigens war immer noch durch die Persönlichkeit der Kaiserin, welche freilich dem Treiben ihrer Ratgeber nicht auf den Grund zu sehen vermochte, den Neuerungen eine angemessen Schranke gesetzt.

    Die Bischöfe versagen in der Verteidigung kirchlicher Rechte
    Dies war der Stand der Dinge in Österreich, als die Regierung durch den Tod seiner Mutter in die Hände Josephs überging. Er selbst hatte an diesen Vorgängen schon tätigen Anteil genommen und musste sich um so mehr zum konsequenten Weiterschreiten aufgelegt fühlen, je weniger ihm von Seiten derer, welche dazu berufen waren, von den Bischöfen, Schwierigkeiten in den Weg gelegt wurden. Einige derselben, wie Graf Herberstein, Bischof von Laibach, und die Erzbischöfe Graf Trautson und Graf Migazzi waren sogar Beförderer der Neuerung. Letzterer jedoch zog sich schon früh zurück und wurde später ein Haupt der kirchlich gesinnten Partei. Die andern Bischöfe aber, welche größtenteils aus dem Hofadel gewählt waren, besaßen, wenn sie auch die Neuerungen nicht gerne sahen, doch nicht die notwendige Befähigung, nicht die Wissenschaft, um ihre Rechte und die Sache der Kirche verteidigen zu können. Sie verließen sich auf die Person der Kaiserin und sahen in der ganzen Bewegung nur die Wirkung vorüber gehender Hofränke, welche durch andere Hofränke unwirksam gemacht werden müssten. Der Wink eines Ministers, sie möchten sich in Hinsicht auf Ratschläge an Männer halten, welche in dem geläuterten Kirchenrecht bewandert wären, genügte, sie allen Schein vermeiden zu lassen, der sie um die Hofgunst hätte bringen können. Doch das bisher Geschehene war im Verhältnis zu dem, was jetzt erst kommen sollte, nur ein schwacher Anfang. Einige hundert der Reihe nach erschienene Hofdekrete sollten praktisch machen, was bisher bloß in Kompendien enthalten und auf Lehrstühlen vorgetragen wurde. –

    aus: Wetzer und Welte`s Kirchenlexikon, Bd. 6, 1889, Sp. 1845 – Sp. 1852


    Liebe Grüße, Blasius

  • Thema von Blasius im Forum Unsere Fürsprecher



    Ein Porträt des heiligen Claudius de la Colombiere aus der Gesellschaft Jesu;
    seitlich oben sieht man das heiligste Herz Jesu

    Der heilige Claudius de la Colombiere SJ


    Claudius de la Colombiere war in Frankreich von hochadeligen Eltern zu St. Symphorian, zwei Meilen von Lyon, im Jahre 1641 geboren. Nachdem er seine ersten Jugendjahre in der Reinheit der Sitten und in Erlernung der schönen Wissenschaften zurück gelegt hatte, trat er im Jahre 1659 im Alter von achtzehn Jahren in den Orden der Gesellschaft Jesu. Hier zeichnete er sich sowohl durch die Bildung seines Geistes als durch die schönsten Tugenden seines Herzens aus. Nach Vollendung seiner Studien wurde er im Jahre 1671 zum Priester geweiht und dann von seinen Obern zum Predigtamt bestimmt. Im Jahre 1673 machte er den Vorschriften des Ordens gemäß das dritte Probejahr, und während desselben die 30-tägigen geistlichen Übungen des heiligen Ignatius. Gott gab ihm während dieser Tage reiches Gnadenlicht; er schrieb sich das Wichtigste davon für sein weiteres Leben auf. Diese Schrift besitzen wir noch, und finden darin, daß er schon damals mit der Andacht zum göttlichen Herzen sehr vertraut war. Wir wollen daraus nur Einiges anführen.

    Bei der Betrachtung über die Sünde kam ihm zwar eine tiefe Selbstbeschämung über die Fehler seines Lebens, aber dabei spürte er den süßen Trost im Gedanken, wie da Gott gerade schöne Gelegenheit habe, seine Barmherzigkeit an ihm zu erzeigen und so sich selbst zu verherrlichen: „Bei diesem Gedanken, so schreibt er nun weiter, erfaßte mich ein starkes Vertrauen, Gott werde mir alle meine Unordnungen vergeben, um sich dadurch zu verherrlichen. Dieses Vertrauen steht durch Gottes Gnade so fest in meinem Herzen, daß ich meine, man könnte mir ehe das Leben, als dieses Vertrauen nehmen. – Darauf habe ich mich in die Arme der heiligen Jungfrau geworfen; mir kam vor, sie nehme mich mit wunderbarer Herablassung und Freundlichkeit auf und stelle mich ihrem Sohn vor. Dieser richtete um ihretwillen seine Augen auf mich und öffnete mir sein Herz, als wäre ich der unschuldigste Mensch der Welt gewesen.“ Die Bescheidenheit des P. Claudius sagt uns nicht, ob dies eine übernatürliche Erscheinung gewesen, oder nur ein frommer, von Gott verliehener, tröstlicher Gedanke.

    Seelenführer der hl. Margaretha Alacoque


    Schon diese wenigen Stellen aus dem Tagebuch des Ehrwürdigen zeigen uns, daß er mit dem Geist des Herzens Jesu und mit der Andacht gegen dasselbe wohl vertraut geworden und zwar im selben Jahr und fast zu gleicher Zeit, wo die selige Margaretha Alacoque die erste Offenbarung über dieselbe erhalten hatte.
    Nachdem P. Claudius das dritte Probejahr vollendet hatte, schickten ihn seine Obern nach Paray le Monial, um dem dortigen Hause der Jesuiten vorzustehen, und das Amt eines außergewöhnlichen Beichtvaters bei den Salesianerinnen zu versehen. Es geschah dies anfangs des Jahres 1675. Hier hatte er nun vermöge seines Amtes Gelegenheit, die selige Margaretha Alacoque kennen zu lernen, ihren Geist zu prüfen, und ihr in schwerster Zeit zum Tröster zu werden. Die ungewöhnlichen Gnaden-Bezeugungen, welche sie vom Herrn empfangen hatte, brachten ihr viel Ungemach. …

    Inzwischen war im selben Jahr 1675 das hohe Fronleichnamsfest gekommen. Am Sonntag darauf, am 16. Juni, bekam nun Margaretha jene berühmte Offenbarung, in welcher ihr der Auftrag wurde, dafür zu sorgen, daß das Fest des heiligsten Herzens eingeführt werde…

    Der ehrwürdige Diener Gottes fühlte in seinem Herzen eine ungemeine Freude bei dem Gedanken, daß der göttliche Heiland auch ihn als Mitarbeiter zu einem so heiligen Werk zu gebrauchen würdige. Er zögerte nicht, dem Wunsch des Herrn Folge zu leisten und sich ganz dem göttlichen Herzen Jesu und der Ausbreitung der Verehrung desselben zu weihen. Diese Weihe vollzog er an dem Tage, welchen der Herr zum Fest seines heiligsten Herzens bestimmt hatte, am Freitag nach der Fronleichnams-Oktav, welcher in jenem Jahr auf den 21.Juni fiel. Er hatte sich diesen Weiheakt aufgeschrieben und demselben die Beweggründe der Weihe voraus gestellt. Sie enthalten eine kurze aber sehr klare und schöne Darlegung der Andacht zum göttlichen Herzen. Er schreibt:

    „Die Aufopferung an das heiligste Herz Jesu geschieht zu Ehren dieses göttlichen Herzens, welches da ist:


    1. der Sitz aller Tugenden; 2. die Quelle aller Segnungen; 3. der Zufluchtsort aller heiligen Seelen. – Die vorzüglichsten Tugenden, die in ihm geehrt werden sollen, sind erstens: die brennende Liebe zu seinem göttlichen Vater, verbunden mit einer tiefen Ehrfurcht und einer großen Demut. Zweitens: eine unendliche Geduld in allen Leiden, eine herzliche Zerknirschung und inniger Schmerz über die Sünden, mit denen es sich beladen hatte; das zarte Vertrauen eines Kindes zugleich mit der Beschämung eines großen Sünders. Drittens: das herzlichste Mitleid mit dem Elend der Menschen, und trotz dieses Elendes eine unermeßliche Liebe zu uns, und trotz dieser vielen heftigen Gemüts-Bewegungen eine unveränderliche Gleichmütigkeit, die sich auf die vollkommenste Ergebung in Gottes heiligsten Willen stützt, die sich durch kein Ereignis erschüttern ließ, so sehr es auch seinem Seeleneifer, oder seiner Demut, oder seiner Liebe, oder anderen Seelen-Stimmungen, in denen er war, widersprach.“

    Dem Martertod entgangen


    Nur anderthalb Jahre hatte Pater Claudius in Paray zugebracht, als er von seinen Obern abberufen und nach England geschickt wurde, um dort das Amt eines Beichtvaters der Königin Beatrix Eleonora und Hofpredigers zu übernehmen. Er kam am 13. Oktober 1676 in London an. Er wohnte hier zwar im königlichen Palast, aber gänzlich zurück gezogen vom Tumult und der Pracht des Hoflebens, einzig darauf bedacht, sich selbst zu heiligen und am Heil seiner Mitmenschen zu arbeiten. Er benützte sorgfältig die Gelegenheit, die ihm so teure Andacht zum Herzen Jesu zu verbreiten. Schon nach Ablauf eines Jahres konnte er in sein geistliches Tagebuch die Worte schreiben: „Ich habe erkannt, daß Gott sich meiner zur Ausführung seiner Wünsche bezüglich seiner Andacht bedienen wolle, die er einer Person (der sel. Margaretha Alacque) mitgeteilt, mit welcher er sehr vertraulich zu verkehren pflegt und durch die er sich meiner Schwäche zu bedienen gewürdigt. Ich habe in England schon Viele zu dieser Andacht bewogen und habe darüber an einen Freund nach Frankreich geschrieben und ihn gebeten, dieselbe in seiner Umgebung bekannt zu machen…“

    Der Eifer, mit welchem P. Claudius seiner seelsorglichen Verrichtungen oblag, schwächte seine ohnehin nicht starke Gesundheit, daß er wiederholt aussetzen musste. Er erwartete auch schon seine Abberufung nach Frankreich von seinem Vorgesetzten, als Gott plötzlich die Feuerprobe des Leidens über ihn kommen ließ.
    In einer Nacht, bei vorgerückter Stunde, ohne Rücksicht auf königliche Gastfreundschaft, die ihn gegen jede Gewalt schützen sollte, wurde Pater de la Colombiere verhaftet, aus seiner Wohnung geführt und in den Kerker geschleppt; Verschwörung wurde ihm zur Last gelegt, die Todesstrafe stand in Aussicht. Es versteht sich von selbst, daß man bei ihm keinen Anhaltspunkt finden konnte, um ihn der Teilnahme an einer Verschwörung zu überweisen, die übrigens bloß in den Köpfen der Ankläger war, der die Geschichte längst schon Gerechtigkeit hat widerfahren lassen, und die Protestanten selbst als eine plumpe und feige Verleumdung offen eingestanden haben.

    Daß Pater de la Colombiere der Hinrichtung entgangen ist, hatte er nur seinem Titel als Hofprediger Ihrer königlichen Hoheit der Gräfin von York und dem Schutz Ludwigs XIV., Königs von Frankreich, dessen Untertan er war, zu verdanken; neun seiner Ordensbrüder und mit ihnen der erlauchte Markgraf von Stafford, Wilhelm Hovard, sind dieser eingebildeten Verschwörung zum Opfer gefallen und hingerichtet worden. Den Pater Colombiere verurteilten die hohen Herren Richter zur Verbannung. Dem unerschrockenen Glaubenshelden war es nicht gegönnt, den Kelch des Martertums zu trinken, nach dem es ihn so sehr verlangt hatte. Mißgestimmten Herzens verließ er England; musste er ja seine Brüder zurück lassen, die im Kerker schmachteten und mit einem Fuß so zu sagen schon auf dem Blutgerüst standen; er musste von den Kindern seines Apostolates Abschied nehmen und sie der Verwaisung und der Trauer überlassen. Übrigens war er bereit, zu jeder Stunde auf einen Wink seiner Vorgesetzten zurück zu kehren, zu dulden und zu sterben „im Lande des Kreuzes“, wie er England zu nennen pflegte.

    Auf dem Weg in die ewige Heimat

    Nach Frankreich zurück gekommen, war es ihm nicht mehr vergönnt, wieder nach England zu gelangen; noch zwei Jahre sollte er in der Verbannung dieses Erdenlebens zubringen, um dann ins Land der ewigen Freuden, ins wahre Vaterland abzureisen. Seine Gesundheit war wirklich lebensgefährlich angegriffen. Die Leiden des Kerkers, die peinliche Aufregung bei der Abreise von England, die Trennung von seinen geistlichen Kindern, die Meeresfahrt zur rauhen Jahreszeit, ganz besonders wohl der tief gehende Schmerz seines apostolischen Herzens angesichts der kirchlichen Bedrängnisse Englands, der Schmerz, es preis geben zu müssen, – das Alles hat die ohnehin schwache Brust des Paters ruiniert und sein Blutbrechen verdoppelt. Opfermutig ohne Rückhalt bot er sich seinen Vorgesetzten an, was immer für ein Amt zu versehen, das man ihm noch auftragen wolle, glücklich auf dem Feld der Ehre, mitten in Berufsarbeiten, sterben zu können. Man schickte ihn also nach Lyon, und gab ihm ein Amt, das sich mit seinen erschöpften Kräften vertragen konnte. Auf der Reise dahin hatte er den Trost, einige Tage in Paray le Monial verweilen zu können, die Demut und den Gehorsam der Schwester Margaretha zu bewundern und eine große Anzahl Leute, die herbei geeilt waren, ihren einstigen Seelenführer zu sehen und zu sprechen, mit neuem Eifer der Gottseligkeit zu erfüllen.

    In Lyon hatte Pater de la Colombiere die geistliche Leitung der Ordensbrüder zu besorgen. Seine seltene Unterscheidungsgabe in geistlichen Dingen und seine ganz himmlische Salbung hatten sich bald bemerkbar gemacht. Der hoch berühmte Pater Joseph de Gallifet, dessen Schriften später die Herz-Jesu-Andacht in Frankreich und in Rom auf unumstößliche Grundlagen gestellt hatten, ist einer dieser jungen Ordensmänner gewesen, die da unsern Pater de la Colombiere zum geistlichen Führer hatten.

    Die göttliche Vorsehung führte ihn noch einmal von Lyon nach Paray. Da wurde er von der seligen Margaretha aufmerksam gemacht, „daß der göttliche Heiland an diesem Ort von ihm das Opfer seines Lebens wollte“, nachdem er sich da einige Jahre früher dem Apostolat des göttlichen Herzens Jesus geweiht hatte. Diesen prophetischen Wink wohl erfassend, kam er bei seinen Vorgesetzten um Verlängerung seines Aufenthaltes in Paray ein; er hatte so nur auf das Geheiß der Ärzte zu einem Verwandten auf sein Landgut reisen sollen, um Heimatluft atmen zu können. Der Gottesmann verweilte nun länger in der gesegneten Nähe des Heiligtums, wo ihn der göttliche Heiland zum Apostel seines Herzens durch die selige Margaretha gemacht hatte. Es stellten sich jetzt aber bei ihm auf die Erschöpfung sehr empfindliche Schmerzen ein, er verlangte mit den heiligen Tröstungen der Kirche versehen zu werden, empfing die heiligen Sakramente mit englischer Andacht und – entschlief im Frieden des Herrn. – In seinen letzten Augenblicken hat er an sich die Wahrheit der Worte erfahren, welche er ins Buch seiner geistlichen Zurückgezogenheit hinein geschrieben hatte: „Nur Jene dürfen einen sanften Tod erwarten, welche sich Gott ohne Vorbehalt hingeben.“ Pater de la Colombiere starb in seinem einundvierzigsten Lebensjahr, und brachte über zwanzig Jahre in der Gesellschaft Jesu zu. Er starb am 15. Februar 1682. –

    aus: Franz Hattler SJ, Großes Herz-Jesu-Buch für die christliche Familie, 1897, S. 631 – S. 638


    Liebe Grüße, Blasius

  • Foren-Beitrag von Blasius im Thema




    Der Heilsplan Gottes für den Menschen
    Gott offenbart seinen „gnädigen Ratschluß“

    Liebe Leserinnen und Leser,


    Hl. Johannes Chrysostomus (um 345-407)
    Priester in Antiochia und später Bischof von Konstantinopel, Kirchenlehrer


    Kommentar zum Evangelium des hl. Matthäus, 52,1–2 (vgl. Bibliothek der Kirchenväter, München 1915)
    „Auch für die Hunde unter dem Tisch fällt etwas von dem Brot ab, das die Kinder essen“

    Wie nun die kanaanäische Frau vor ihn tritt, sagt sie nichts anderes als nur: „Erbarme Dich meiner“, und veranlasst durch ihr Geschrei einen großen Auflauf. Es war auch in der Tat ein mitleiderweckender Anblick, eine Frau zu sehen, die mit solchem Schmerz rief, eine Mutter, die für ihre Tochter bat, und zwar für eine Tochter, die so elend dran war. […] Auch sagt sie nicht: Erbarme Dich meiner Tochter, sondern: „Erbarme Dich meiner.“ Meine Tochter fühlt ja ihr Leiden nicht, ich aber habe schon unzählige Schmerzen gelitten, weil ich es empfinde, dass ich leide, weil ich weiß, dass ich von Sinnen bin. […]

    Christus aber spricht: „Ich ward einzig nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt“ (vgl. Mt 15,24). Was tat nun die Frau, als sie diese Worte hörte? Wurde sie still? Ging sie weg? Ließ sie von ihrem Vorhaben ab? Keineswegs, sie wurde vielmehr noch zudringlicher. Wir handeln freilich nicht so: wenn wir etwas nicht gleich erhalten, so lassen wir vom Bitten ab, während wir gerade dann um so eifriger flehen sollten. Und doch, wen hätten die Worte des Herrn nicht entmutigen sollen? Hätte schon das Schweigen die Frau zur Verzweiflung bringen können […], jetzt kommt sie sogar noch näher heran, betet ihn an und spricht: „Herr, hilf mir!“ […] „Dass man die Nahrung für die Kinder braucht, weiß ich wohl, allein auch mir kann sie nicht verweigert werden, da ich wenigstens ein Hündlein bin. […] gerade so erhalte ich am sichersten einen Anteil, wenn ich ein Hündlein bin.“

    Christus wusste, dass sie so reden würde; deshalb hatte er sie hingehalten, darum hatte er ihr die Gewährung verweigert, um ihre Klugheit zeigen zu können. […] So lag also in seinen Worten keine Verachtung, sondern eine Aufmunterung und er deckte durch sie einen großen Schatz auf.


    Liebe Grüße, Blasius

  • Thema von Blasius im Forum Wort- und Begrifferklä...




    1 Was das Kirchenlexikon über den Zölibat schreibt
    1.1 Ursachen für den Zölibat
    1.2 Die heilbringenden Folgen des Zölibats
    1.3 Unabhängigkeit von der Welt
    1.4 Einwände gegen den Zölibat
    1.5 Das Sittengesetz der Enthaltsamkeit besteht für alle, die nicht in der Ehe leben
    1.6 Die Priester haben eine Mission
    1.7 Weitere Einwendungen gegen den Zölibat
    1.8 Ist die Klerikerehe in der Hl. Schrift begründet?
    1.9 Das klösterliche Gelübde der Keuschheit

    Zölibat heißt die für alle in den höheren Weihen stehenden Kleriker existierende Verpflichtung, im Stande der Ehelosigkeit die Keuschheit zu bewahren. Dieselbe ist unmittelbar an den Empfang der sakramentalen Weihen geknüpft, selbst wenn sie dem Empfänger vorher nicht bekannt gewesen wäre. In ihren Wirkungen wird sie einem Gelübde gleich gestellt, so daß bei den betreffenden Klerikern auch innere Sünden gegen die Keuschheit als Sakrilegien anzusehen sind“

    Die ehedem viel verbreitete Meinung, daß Papst Gregor VII. den Zölibat zuerst und zwar als ein wirksames Mittel zu hierarchischen Zwecken eingeführt habe, kann in gebildeten Kreisen gegenwärtig nicht mehr auf Geltung Anspruch machen. Man hat die Tatsache nachgewiesen, daß jene Gesetze bereits in einer Zeit von mehr als sieben Jahrhunderten vor Gregor VII. ihren Anfang genommen haben, ihnen aber selbst wiederum eine Periode voran gegangen ist, in welcher der Zölibat von den Klerikern beobachtet wurde, ohne daß es dazu der Gesetze bedurft hätte. Denn – wie ein neuerer ungenannter Schriftsteller über den Zölibat (Regensburg 1841) sehr treffend bemerkt – als das Gesetz nicht mehr in das Herz geschrieben war, da schrieb man es aufs Papier.

    Die beiden hervor gehobenen Gesichtspunkte, das Grundprinzip des Zölibats und die historische Gestaltung desselben durch die Gesetzgebung, sind es demnach, welche bei einer Entwicklung dieser Materie vorzugsweise ins Auge gefaßt werden müssen.

    Ursachen für den Zölibat
    Fragt man nach den Ursachen, warum der Zölibat für den Klerus in der Kirche gesetzlich besteht, so muss man die Gründe der Zweckmäßigkeit und des großen Nutzens, der daraus für das Wohl der Kirche und dadurch auch für das Heil der Menschen überhaupt hervorgeht, sehr scharf von dem Prinzip selbst unterscheiden, welches, ganz abgesehen von jenen Gründen, den Zölibat für den Klerus als eine innere Notwendigkeit fordert. Dies Prinzip liegt aber in der Virginität (*) der Kirche selbst; die jungfräuliche Kirche will auch ein jungfräuliches Priestertum haben. Während das jüdische und heidnische Priestertum wesentlich auf der fleischlichen Generation beruhte, hat der jungfräuliche, von der Jungfrau geborene Hohepriester Christus die Kirche, die sein jungfräulicher Leib geworden ist, gegründet und in ihr an die Stelle der fleischlichen die jungfräuliche Generation des Priestertums durch die Weihe gesetzt. In diesem Prinzip und in ihm allein ist die eigentliche Basis aller Zölibats-Gesetze zu suchen; die Virginität gehört ganz spezifisch zu dem christlichen Priestertum.

    (*) Jungfräulichkeit

    Beide, die Virginität und die Ehe, sind heilig, aber jene ist heiliger; sie ist, nach einem tief in der menschlichen Seele wurzelnden Gefühle, reiner, und dafür geben selbst Heidentum und Judentum Zeugnis. Was diese nach der Natur ihres Priestertums zur Verwirklichung jenes Prinzips zu tun vermochten, das haben sie geleistet; aus priesterlichen Geschlechtern entsprossen, selbst priesterliche Geschlechter begründend, haben die Priester der Juden und Heiden doch zur Zeit der Opfer Enthaltsamkeit geübt. Um so mehr muss sich die jungfräuliche Reinheit bei dem christlichen Priestertum von selbst verstehen, da dieses täglich, vom Aufgang bis zum Niedergang, Christum als unblutiges Opfer darbringt. –

    Gehört also die Virginität zur Natur des christlichen Priestertums, so muss auch das Gesetz, welches die Jungfräulichkeit für den Klerus fordert, durchaus zweckmäßig sein; denn das Priestertum wird und muss dann am leichtesten und besten seinen Zweck erreichen und erfüllen, wenn es selbst in seinem naturgemäßen Zustande sich befindet. Demgemäß fragt es sich, welches der Zweck des Priestertums sei? Dieser läßt sich einfach dahin ausdrücken: das Priestertum hat das Menschengeschlecht der Herrschaft Christi zu unterwerfen und unter dieser Herrschaft zu erhalten. Dazu hat dasselbe die drei Vollmachten erhalten, durch Lehre, Sakramente und Regierung auf die Erziehung und Heiligung des Menschengeschlechtes zu wirken, und hierfür ist der unverheiratete Priester geeigneter.

    Die heilbringenden Folgen des Zölibats
    Von diesem Standpunkte aus kann nunmehr auch im Einzelnen hervorgehoben werden, wie das jungfräuliche Priestertum wirke, oder vielmehr, welches die heilbringenden Folgen des Zölibats sind. Hier tritt zunächst entgegen, was der Apostel Paulus ausspricht: Der ohne Weib ist, ist besorgt um dasjenige, was des Herrn ist, auf daß er Gott gefalle; wer aber ein Weib hat, ist besorgt um dasjenige, was von der Welt ist, auf daß er dem Weibe gefalle, und ist geteilt (1 Kor. 7, 32. 33). Wer aber soll weniger geteilt sein, wer vollständiger Gott angehören, um sich wirksam dem Heile der Mitmenschen widmen zu können, als gerade der Priester? Aber eben diese wesentliche Bedingung zur Erfüllung seines Berufes wird allein durch den Zölibat erreicht; nur in diesem Stande kann er gänzlich besorgt sein um dasjenige, was des Herrn ist. (…) Ja der Kaiser ging in seinen Anforderungen weiter als die Kirche, indem er den Witwer, welcher Kinder hatte, nicht einmal zum Episkopat zulassen wollte, eine Verordnung, die von der Kirche nicht anerkannt und auch von seinem Nachfolger Leo dem Weisen wieder aufgehoben wurde.

    Unabhängigkeit von der Welt
    Die weitere wichtige Folge davon, daß der Priester, welcher vom Familienleben getrennt ist, ungeteilt seinen Beruf als das höchste Ziel vor Augen behalten kann, ist, wie seine Unabhängigkeit von der Welt überhaupt, so insbesondere auch die von der weltlichen Gewalt. Dieser ist er als Bürger untertan, und tüchtige Priester, wie Kaiser Valentinian sich ausdrückt, gehorchen nicht bloß den Gesetzen Gottes, sondern auch denen der Könige. Allein dessen ungeachtet können hier möglicher Weise Kollisionen eintreten, und die Kirche muss in solchen Fällen von ihren Dienern fordern können, daß sie Gott und ihren Beruf ebenso wenig verleugnen, als sie durch irgendwelche Rücksicht abgehalten werden dürfen, sich dem Dienste der Kranken und Sterbenden auch zur Zeit ansteckender Seuchen aufopfernd hinzugeben. Das Eine wie das Andere ist wegen der notwendigen Rücksicht, die ein Familienvater auf Weib und Kind nehmen muss, ohne den Zölibat schwer zu erreichen. Will man auch in dieser zur Natur des Priestertums gehörenden Wirkung des Zölibats eine Förderung hierarchischer Zwecke erkennen und annehmen, die Päpste hätten sich bei ihrer diesen Gegenstand betreffenden Gesetzgebung auch von diesem Gesichtspunkt leiten lassen, so ist mit Bezug auf die oben hierüber gemachte Bemerkung nicht füglich etwas einzuwenden.

    Aber auch aus einigen anderen Gründen, welche von der Erfahrung an die Hand gegeben werden, erscheint der Zölibat der Geistlichen als eine sehr zweckmäßige Einrichtung. Für die kirchliche Disziplin kann nichts nachteiliger sein, als wenn zur Erlangung geistlicher Ämter, für welche allein der wahre innere Beruf entscheiden soll, auf irgend eine andere bloß natürliche Eigenschaft ein Anspruch gegründet wird. Die menschliche Schwachheit hat sich bei der Vergebung von Pfründen allerdings sehr viel zu Schulden kommen lassen; durch den Zölibat wird aber wenigstens eine große Versuchung in dieser Beziehung hinweg geräumt. Nichts übt nämlich in jener Rücksicht einen so großen Einfluss aus, als die Bande des Blutes. Hat auch die Kirche zu allen Zeiten gegen den Nepotismus zu streiten gehabt, da nur zu oft die Bischöfe ihren Neffen und anderen Verwandten bei der Verleihung geistlicher Stellen den Vorzug gaben, so ist das Band, welches sie an diese knüpft, doch nicht ein so inniges, als wenn sie eigene Söhne hätten oder durch ihre Töchter ihnen Schwiegersöhne zugeführt würden. Ein Blick auf die anglikanische Kirche liefert davon den hinlänglichen Beweis. Ein Blick auf die orientalische zeigt einen anderen Grund von der Zweckmäßigkeit des Zölibats. Hier nämlich stehen in dem weltlichen und in dem Regularklerus verheiratete und unverheiratete Geistliche nebeneinander; jene aber sind, weil sie des Vertrauens entbehren, fast ganz außer Stande, das Richteramt in dem Sakramente der Buße und somit einen wesentlichen Bestandteil ihres priesterlichen Berufes auszuüben.

    Einwände gegen den Zölibat
    Da der Zölibat in einer Abtötung der sinnlichen Natur des Menschen besteht, so hat es auch nicht fehlen können, daß zu allen Zeiten große Einwendungen gegen denselben erhoben worden sind. Der zunächst liegende Einwand, der eben deshalb auch am meisten Beifall gefunden hat, ist der, daß man den Zölibat für naturwidrig erklärt und von ihm behauptet, er führe zur Ausschweifung und Unsittlichkeit, diene aber eben darum nicht zur Ehre, sondern zur Herabsetzung des geistlichen Standes.

    Das Sittengesetz der Enthaltsamkeit besteht für alle, die nicht in der Ehe leben
    Stellt man sich aber auf den Standpunkt, daß die Naturtriebe des Menschen überhaupt nicht beschränkt werden sollen, so erscheint schon die Ehe als eine drückende Fessel; stellt man sich aber auf den höheren sittlichen Standpunkt, daß die von Gott geheiligte Ehe die allein rechtmäßige und zu gestattende Verbindung zwischen Mann und Weib sei, so bleibt das Sittengesetz der Enthaltsamkeit doch für alle diejenigen bestehen, welche nicht in der Ehe leben, sei es, daß sie noch nicht zu derselben geschritten sind, sei es, daß ihre Ehe durch den Tod getrennt worden ist. Unter den Ersteren gibt es aber viele, welche durch die Macht der Verhältnisse, ja durch den oft nicht nach Belieben gewählten Stand sich gar nicht in der Lage befinden, eine Ehe schließen zu können, und für alle diese involviert die unfreiwillige Enthaltsamkeit von der Ehe doch ebenso sehr die Pflicht zur strengen Beobachtung des sittlichen Gesetzes der Enthaltsamkeit überhaupt. Nimmt man hinzu, daß diese sittliche Pflicht für die meisten jener Personen gerade während derjenigen Periode ihres Lebens gefordert wird, wo sie am schwersten zu üben ist, so erscheint es dagegen als etwas verhältnismäßig nicht so Schwieriges, sie dann zu beobachten, wenn jemand nach reiflicher Selbstprüfung mit freiem Willen sich dazu entschlossen hat. Allerdings tritt er mit einem solchen Entschluss seiner Natur entgegen; das ist aber überhaupt die Aufgabe des Menschen, und wird bei dem Priester nur in einem höheren Grad gefordert, welchen zu erreichen es ihm bei dem aufrichtigen Willen, sein Leben ganz Gott zu widmen, auch nicht an der nötigen Gnade fehlen wird.

    Die Priester haben eine Mission

    Dazu fordert aber Christus selbst auf, indem er sagt: Und es sind Entmannte, die sich selbst entmannt haben um des Himmelreiches willen (Matth. 19, 11. 12). Daß es zu jeder Zeit unsittliche Geistliche gegeben hat, welche die Zölibats-Gesetze überschritten haben, beweist ebenso viel gegen den Zölibat, als der Ehebruch gegen die Ehe. Ja, um eben hierbei stehen zu bleiben: die Durchführung der Ehe fordert eine nicht minder sittliche Kraft als der Zölibat, und wollte man von dem Ehebruch einen Rückschluss auf die Zulässigkeit des Gebotes machen, so hätte das sechste Gebot längst aufgehoben werden müssen. Jenen Einwand, daß die menschliche Gesellschaft durch den Zölibat eine Einbuße an der Zahl der Individuen erleide, können wir wohl, da er im Zusammenhang mit den verkehrten, nunmehr meistens aufgegebenen Bevölkerungs-Theorien des verflossenen Jahrhunderts steht, mit Stillschweigen übergehen und statt seiner eines andern, der sich ebenfalls auf eine scheinbar philanthropische Basis stützt, gedenken. Man hat es nämlich für eine besondere Pflicht der Geistlichen ansehen wollen, daß sie durch ihre Ehen den Laien ein Muster des ehelichen Lebens zu geben hätten. Allen diesen Auftrag hat Christus seinem Priestertum nicht hinterlassen, sondern demselben in den Worten: „Gehet hin und lehret alle Völker“ eine Mission übergeben, welche es von den Familienbanden notwendig lostrennen muss. Was aber der Apostel für alle Völker, das soll der Bischof für das ihm besonders anvertraute Volk sein; er soll der Vater für seine ganze Gemeinde, aber nicht durch die Bande der fleischlichen Gemeinschaft mit einem Mitglied derselben verbunden sein, um etwa mit seinem Weibe zu zeigen, wie man gute Kinder erzieht; er hat sie alle zu erziehen. Des Bischofs Gehilfen aber, die Pfarrer und die übrigen Geistlichen, können keinen anderen Beruf haben als er, denn sie alle sind zu der nämlichen großen Mission bestimmt.

    Weitere Einwendungen gegen den Zölibat
    Aber auch von dem Standpunkt des Nutzens der Kirche, sowie des Staates, hat man sich wider den Zölibat erklärt. Dort, weil die Zahl der unter der Bedingung der Ehelosigkeit in den geistlichen Stand Eintretenden dem Bedürfnis der Kirche nicht genüge; hier, weil der Zölibat den Geistlichen zu unabhängig mache. Allein was den ersten Punkt anbetrifft, so wartet die Kirche überhaupt ruhig ab, daß der Herr die Arbeiter zu der Ernte sende, d. h. daß Gott ihr diejenigen zuführe, welche Kraft und Entschlossenheit haben, sich ihm unbedingt hinzugeben. Diejenigen, welche dies nur bedingungsweise tun und nicht alles um Gottes willen verlassen wollen, sondern erst nach einem Joch Ochsen oder einem Landgut, das sie gekauft haben, sich umsehen, oder eine Frau sich genommen haben und bei dieser weilen müssen, kann die Kirche nicht brauchen. Die Ansicht von der durch den Zölibat begründeten zu großen Unabhängigkeit des Klerus, und somit der Kirche von dem Staat, ist im Vorübergehen bereist oben berührt und beseitigt worden; sie hat ihren Grund in historischen Missgestaltungen des Verhältnisses zwischen Kirche und Staat und wird durch das Beispiel des verheirateten anglikanischen Klerus zur Zeit der Stuarts nicht bestätigt.

    Ist die Klerikerehe in der Hl. Schrift begründet?
    Doch auch hiermit ist die Zahl der Einwendungen, welche man gegen den Zölibat erhoben hat und noch erhebt, nicht erschöpft, sondern man hat sich gegen denselben auch auf die heilige Schrift und auf das Beispiel der älteren Kirche berufen, die selbst zu verschiedenen Zeiten die Clerogamie (**) in ihren Gesetzen ausdrücklich anerkannt hat. Das Zeugnis der heiligen Schrift wird in der bekannten Stelle: Der Bischof sei eines Weibes Mann (1 Tim. 3, 2) gesucht. Der Apostel sagt mit diesen Worten aber nicht, daß der Bischof durchaus ein Weib haben müsse, sondern nur so viel, daß, wenn einer, der verheiratet war, Bischof werden soll, er nicht mehr als einmal verheiratet gewesen sein dürfe. Unter der sich hierbei von selbst verstehenden Voraussetzung der Enthaltsamkeit hat die Kirche demgemäß nach dem Worte des heiligen Paulus verheirateten Männern die Weihe erteilen können; auch hat sie sich durch die Zeitumstände und die menschliche Gebrechlichkeit öfters genötigt gesehen, die Clerogamie zu dulden, ohne daß sie darum jemals unterlassen hätte, die Virginität als das dem Priestertum entsprechende Prinzip ausdrücklich hervor zu heben. Eben darum hat sie auch, wo es irgend sich durchführen ließ, keine Dispensation von dem dem Empfang der Weihe inhärierenden Gelübde der Keuschheit gewährt. –

    (**) Klerikerehe

    Das klösterliche Gelübde der Keuschheit
    Noch erübrigt die Bemerkung, daß in dem soeben angedeuteten Punkt der Inhärenz des Gelübdes zur Weihe der charakteristische Unterschied zwischen dem Keuschheits-Gelübde der Kleriker und dem klösterlichen Gelübde der Keuschheit bestehe. Das letztere, bei welchem es auf die Weihe gar nicht ankommt, und welches ebenso wohl von Laienbrüdern als auch von Personen weiblichen Geschlechts abgelegt wird, ist nur ein Mittel zum Zwecke der Vollkommenheit, ein Mittel, um den ganz auf Gott zu richtenden Willen wahrhaft frei zu machen; der Zölibat des Klerus ist aber nicht Mittel zum Zweck, sondern insofern Zweck selbst, als er wesentlich zur Natur des Priestertums gehört. –

    aus: Wetzer und Welte`s Kirchenlexikon, Bd. 3, 1884, Sp. 584 – Sp. 589

    https://katholischglauben.info/das-kirch...r-den-zoelibat/

    Liebe Grüße, Blasius

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    Von der heiligen Messe


    Einige Erwägungen über das heilige Messopfer


    1 Einige Erwägungen über das heilige Messopfer
    1.1 Was bei der heiligen Messe unbegreiflich scheint
    1.2 Der Priester am Altar ist Mittler
    1.3 Welch schreckliches Urteil Gottes der Priester zu fürchten hat
    1.4 Die Gesinnungen des heiligen Pater Colombiere
    1.5 Der Priester hat ein Hilfsmittel wider alle Übel
    1.6 Was ist die Ursache, daß man so wenig erhält durch die heilige Messe?
    Was bei der heiligen Messe unbegreiflich scheint

    Durch Nichts in der Welt wird Gott mehr geehrt als durch das heilige Messopfer; wir müssen also dasselbe als das wichtigste Geschäft unseres Lebens ansehen. In diesem Geheimnis ist Alles groß, Alles wunderbar; die Macht Gottes ist da unendlich, Seine Liebe ohne Maß, und Seine Langmut steigt aufs höchste. Wir finden da Nichts, worüber wir uns nicht billig verwundern müssen; doch kann man leicht begreifen, Gott könne alle diese Wunder wirken, wenn Er sie wirken will; es läßt sich auch nicht zweifeln, Er habe sie wirken wollen. Dies aber scheint unbegreiflich und noch wunderbarer zu sein, daß ein Priester ohne Ernst, Andacht und Ehrerbietigkeit beim Altar sich einfinde, und daß Christen sich unterstehen, diesem furchtbaren Geheimnis beizuwohnen, und selbes durch ihre Uneingezogenheit, ihr unreines Herz, ihr zerstreutes Gemüt und ihre herum schweifenden Sinne zu entehren.

    Man begreift, ein Mensch könne so weit in der Undankbarkeit kommen, daß er die Guttaten verachtet, welche er von einem andern Menschen empfängt; dies aber scheint ganz unbegreiflich, daß ein Mensch, der alle Tage vertraulich mit Jesu Christo umgehen kann, Ihn in seinen Händen hält und dem Volk austeilt, doch keine Hochschätzung von seiner erhabenen Würde hat; daß er gegen Jesum Christum ganz gleichgültig und lieblos ist; daß er zwar einen Glauben hat, aber doch mit vielen und großen Unvollkommenheiten sich dem Altar nähert; daß er dabei ohne Andacht und Liebe das Opfer entrichtet, und daß er sich endlich wieder eben so weg begibt, wie er hinzu gegangen ist, ohne von der Hoheit dieses heiligsten Geheimnisses im herzen gerührt worden zu sein.

    Der Priester am Altar ist Mittler
    Ein Priester am Altar ist der Mittler zwischen Gott und den Menschen; er handelt mit Gott im Namen der ganzen Kirche und bringt Ihm ein würdiges Dank- und Bittopfer dar für alle Gnaden, welche wir entweder schon empfangen haben, oder um welche wir noch anhalten können; dieses Opfer ist hinreichend, alle Sünden der Menschen auszulöschen, und muss Gott höchst wohlgefällig sein; und doch gibt es leider Priester, welche ein so heiliges und erhabenes Amt nich hoch schätzen, und welchen man es nur am Altar ansieht, daß sie Priester sind, wo sie durch ihr unandächtiges Betragen noch dazu den Altar und ihr heiliges Amt entehren.

    Ist die Übereilung, mit welcher man das furchtbare Opfer entrichtet, nicht ein sichtbarer Beweis von schlechtem Glauben? In Gesellschaften bringt man ganze Stunden mit Vergnügen zu; aber man läßt es sich schon schwer fallen, wenn man sich bloß eine halbe Stunde mit Jesu Christo solchen Überdruss verursacht?

    Welch schreckliches Urteil Gottes der Priester zu fürchten hat
    Wenn wir eine desto strengere Rechenschaft ablegen müssen, je schwerere Pflichten wir auf uns genommen, und je größere Gnaden wir empfangen haben; wenn es zur Erlangung der Seligkeit nötig ist, daß unsere Tugend eben so erhaben sein muss, als heilig unser Stand und Amt ist: hat dann ein Priester nicht Ursache, die schrecklichen Urteile Gottes zu fürchten, wenn er nur eine mittelmäßige Tugend besitzt, und nach so vielen heiligen Messopfern nicht andächtigere, ja vielleicht noch unvollkommener ist, als er vor dem Priestertum war? Was wird wohl vermögend sein, einen solchen Menschen aus seiner Schlafsucht aufzuwecken, auf den der Leib und das Blut Jesu Christi, da er es in seinen eigenen Händen hielt, keinen Eindruck hat machen können?

    Das Priestertum ist ohne Widerrede eine der höchsten Würden, und eine der größten Gnaden, welche Gott jemals einem Geschöpf erwiesen hat; man kann also leicht einsehen, daß dieses vortreffliche Amt vollkommene Männer fordert. Die Einsiedler zur Zeit des heiligen Chrysostomus lebten so tugendhaft, daß sie zu einer hohen Vollkommenheit gelangten, und die meisten aus ihnen hatten die Gabe Wunder zu wirken; und doch sagte dieser heilige Lehrer von ihnen, ihre Tugend sei für den Priesterstand um eben so viel noch zu niedrig, als viel der Stand eines gemeinen Menschen unter der Würde eines Königs ist. (S. Chrys. De sacerdot. 1. 6.)

    Um zu so hoher Tugend zu gelangen, sind große Gnaden nötig; hat aber ein Priester nicht, so zu sagen, die Allmacht in Seiner Hand? Und ist die heilige Messe nicht ein sicheres Mittel alle Gnaden zu erlangen?

    Die Gesinnungen des heiligen Pater Colombiere
    Von diesen Gesinnungen war jener große Diener Gottes, der geistreiche Pater Colombiere, ganz durchdrungen; daher sagte er: „Wenn ich bete, faste, oder Almosen gebe, tue ich es mit einem gewissen Mißtrauen; ich sage zu mir selbst: vielleicht entehre ich Gott mehr durch meine bösen Absichten, und wegen der Umstände meiner Werke, als ich Ihn durch alle meine guten Werke ehre; vielleicht ist meine Buße so schlecht bestellt, daß sie meine Sünden nicht nur nicht auslöscht, sondern selbst einer neuen Buße bedarf. Aber wenn ich die heilige Messe lese oder anhöre, wenn ich das anbetungswürdige Opfer als Priester entrichte, oder demselben mit den übrigen Gläubigen beiwohne, so bin ich, o Gott! Voll Vertrauen und Mut; ich getraue mir alle Seligen des Himmels zu fragen, ob sie etwas Dir Wohlgefälligeres tun können; da erschreckt mich weder die große Zahl, noch die Schwere meiner Sünden; ich bitte Dich ganz zuversichtlich um Verzeihung derselben, und zweifle nicht, Du werdest mir sie viel vollkommener verzeihen, als ich es zu begehren wüßte. So weit sich immer meine Wünsche und Hoffnungen erstrecken, so habe ich doch kein Bedenken, Dich um Alles zu bitten, was sie sättigen und befriedigen kann. Ich bitte Dich um Ganden, um große Gnaden, und um alle Gattungen der Gnaden für mich, für meine Freunde und für meine größten Feinde; und doch kommt mir meine Bitte nicht zu groß vor, ich habe kein Mißtrauen, daß ich so große Gnaden nicht erhalten werde, sondern sehe, daß meineBitte noch gering ist in Vergleich mit dem Opfer, das ich darbringe; ja, ich meine, es möchte diesem lebendigen Opfer eine Unbild zugefügt werden, da ich unendlich weniger begehre, als es wert ist.

    Ich fürchte da nichts so sehr, als daß ich nicht sicher und beständig genug Alles das erwarte, um was ich gebeten habe, und daß ich nicht sicher und beständig genug wo möglich noch größere Gnaden hoffe, als ich begehren kann. Wollte Gott! Wir erkännten den großen Wert dieses Schatzes, welchen wir in Händen gaben! O wie glücklich und tausendmal glücklich würde nicht das christliche Volk sein, wenn es diesen Vorteil recht zu benützen wüßte! Was für eine unerschöpfliche Quelle alles Guten ist nicht dieses anbetungswürdige Sakrament! Wie viele Gnaden, Gunstbezeigungen, zeitliche und geistliche Reichtümer für den Leib und die Seele, für Zeit und Ewigkeit würde man da nicht antreffen! Aber wir müssen die Wahrheit bekennen; wir tragen keine Sorge, uns dieser Gnaden zu bedienen; und würdigen uns nicht einmal die Hand nach diesem himmlischen Schatz auszustrecken, welche uns Jesus Christus hinterlassen hat.“ (Reflex. ehret. Da la messe)

    Der Priester hat ein Hilfsmittel wider alle Übel

    Wir haben ein Hilfsmittel wider alle Übel in unseren Händen; der Baum des Lebens, welcher uns nicht nur die Gesundheit, sondern auch die Unsterblichkeit mitteilen kann, ist in unserer Gewalt: und doch werden wir von Krankheiten geplagt. Wenn du die heilige Messe anhörst, so geschieht für dich eben das, wenn du es dir zu Nutzen machen willst, was am Kalvarienberg für Jene geschehen ist, welche bei dem Tod Jesu Christi zugegen waren; würde dir die Verzeihung abgeschlagen worden sein, wenn du damals gegenwärtig gewesen wärest? Der Wirkung nach geschieht hier das Nämliche.

    Bei der heiligen Messe legt sich Jesus Christus Selbst als ein unendlich kostbares Opfer in unsere Hände, damit wir von Seinem himmlischen Vater alle Gnaden erhalten, welche wir immer wünschen können, und so kostbar sie auch sein mögen. Bei dem heiligen Messopfer ist Jesus Christus nicht allein unser Fürbitter bei Seinem himmlischen Vater, um von Ihm durch Seine Verdienste Alles, was uns notwendig und erwünscht ist, zu erflehen; sondern Er opfert auch Sein Blut und Leben zur Bezahlung der Gnaden auf, um welche wir bitten. Was wir also immer Großes begehren können, so ist es doch allzeit geringer, als das, was wir zur Erlangung desselben darbringen. Woher kommt es denn, daß sich so viele beklagen, einige wenige ihrer leiblichen Armseligkeiten, andere wegen ihrer Unvollkommenheiten und Mängel? Woher kommt es, daß unsere bösen Neigungen so gewaltig über uns herrschen? daß die bösen Gewohnheiten uns gleichsam mit Ketten gefangen halten? daß dieser von der eitlen Ehre geplagt wird? Jener den Versuchungen so oft unterliegt? Daß sich einige beständig von der Ungeduld und vom Zorn dahin reißen lassen? Und daß Andere von Schmerzen und Überdruss gleichsam ganz zu Boden gedrückt werden?

    Was ist die Ursache, daß man so wenig erhält durch die heilige Messe?

    Woher kommt es, daß jene Ehefrau ihren Ehemann nicht zur Sanftmut bringen, und in ihrem Haus den Frieden nicht erhalten kann? Woher kommt es, daß der Vater mit Schmerzen sehen muss, wie seine Kinder dem Verderben zulaufen? Woher kommt es, daß die Meisten sogar von denjenigen, die sich der Andacht widmen, fast ihr ganzes Leben in Unvollkommenheiten zubringen, und besonders im Dienst Gottes äußerst lau sind? Man hat ein Verlangen sich selbst zu bessern und auch Andere auf den rechten Weg zu bringen, und besonders im Dienst Gottes äußerst lau sind? Man hat ein Verlangen sich selbst zu bessern und auch Andere auf den rechten Weg zu bringen, und doch geschieht es nicht. Solche Leute scheinen mir jenen Geizhälsen gleich zu sein, welche an Allem Mangel haben, obwohl sie Gold und Silber im Überfluss besitzen.

    Hast du um diese Gaben bei der heiligen Messe gebührend angehalten? Wie oft hast du sie in dieser Meinung angehört? Sollte man glauben können, Gott habe dir etwas so geringes für ein so großes Opfer versagt, und das Blut und Leben Seines Sohnes habe bei Ihm einen so geringen Wert, daß Er dir jene Gnade, jene Tugend, jenes zeitliche oder geistliche Gut, welches du für dich oder für Andere verlangst, nicht gegeben hätte, wenn es nützlich gewesen wäre, dir selbes zu gewähren? Sollte man glauben können, du habest aufrichtig eine inbrünstige Liebe zu Jesu Christo begehrt, und Jesus Christus habe dir dieselbe abgeschlagen? Ich kann dieses nicht glauben, und bin versichert, du glaubst es selbst nicht. Was ist also die Ursache, daß man so wenig erhält? Es ist keine andere, als weil man nachlässig ist in Anhörung der heiligen Messe, weil man während dieser kostbaren Zeit des Heils und der gnädigen Erbarmung seine Armseligkeiten Gott nicht mit Einfalt und Vertrauen vorstellt, und Ihn nicht mit gehörigem Eifer um die notwendigen Gnaden bittet, und weil man das anbetungswürdige Opfer nicht so darbringt, wie Jene, welche einen lebendigen Glauben an dieses große Geheimnis haben, und selbes ernstlich zu Gemüte führen. –

    aus: Johannes Croiset SJ, Die Andacht zum göttlichen Herzen unseres Herrn Jesu Christi, 1836, S. 176 – S. 183


    Liebe Grüße, Blasius

  • Thema von Blasius im Forum Zitate von Heiligen



    Der heilige Valentin steht in seiner Bischofskleidung, den Bischofsstab
    in der linken Hand, eine Frau hockt vor ihm auf dem Boden und empfängt seinen Segen

    Der heilige Valentin Bischof von Terni Märtyrer
    Der heilige Valentin, aus einem adeligen Geschlecht in Rom entsprossen, wurde auf Bitten des Volkes vom heiligen Bischof Felician von Foligno um Bischof von Terni (in Italien) im Jahre 203 geweiht. Er war besonders wohltätig gegen die Armen und erhielt von Gott auch die Gabe der Krankenheilung. Nach einiger Zeit wurde der Heilige von dem Philosophen (oder Rhetor=Redner) Kraton gebeten, zu ihm nach Rom zu kommen. Dieser hatte drei edle Athener, seine Landsleute, als Schüler zum Unterricht in der Redekunst. Der heilige Valentin heilte den einzigen Sohn des Kraton wunderbar von einer argen Verkrümmung. Dieser hatte ihn nämlich darum flehentlich angerufen. Valentin verhieß dessen Heilung, wenn Kraton und sein Haus an Christus glauben wollten. Kraton antwortete: Ich will es tun, wenn mein Sohn vollkommen hergestellt sein wird. – Valentin ließ den Sohn in ein Zimmer bringen; schloß sich mit ihm ein, und setzte sein Gebet bis Mitternacht fort. Während des Gebetes wurde der verkrüppelte Knabe von seinem elenden Zustand gänzlich befreit. Kraton rief voll Freude die Seinigen zusammen und ließ sich von dem heiligen Bischof im christlichen Glauben unterweisen und taufen. Die obigen drei Schüler des Philosophen: Proculus, Ephebus und Appollonius folgten dem Beispiel ihres Lehrers und empfingen das Bad der Wiedergeburt, mit ihnen auch der Sohn des Stadtpräfekten Abundius.

    Auf die Nachricht hiervon ließen die Senatoren den heiligen Valentin gefangen nehmen, und längere Zeit im Gefängnis schmachten. Als sie aber gewahrten, daß nicht nur der Heilige, sondern auch die von ihm Bekehrten im Bekenntnis ihres Glaubens immer standhafter wurden, so ließen sie ihn auf Befehl des Statthalters Placidus zur Nachtzeit aus dem Kerker führen und ihn enthaupten. Ehe der Heilige sein Leben beendigte, sagte er Gott mit lauter Stimme Dank für die Gnade, ihm zuliebe sterben zu können, betete einige Zeit für sich, für seinen Untergebenen und für alle diejenigen, welche ihn um Hilfe in ihren Krankheiten, besonders in der fallenden Sucht (Epilepsie) nach seinem Tode anrufen würden. Gott der Herr hat auch von jener Zeit an bis jetzt durch viele Wunder gezeigt, daß er dieses Gebet seines getreuen Dieners erhört habe.

    Der heilige Valentin wird deshalb als Schutzpatron gegen Gicht und die fallende Sucht sehr verehrt und angerufen. –

    aus: Wilhelm Auer, Kapuzinerordenspriester, Goldene Legende Leben der lieben Heiligen Gottes auf alle Tage des Jahres, 1902, S. 111


    Liebe Grüße, Blasius

  • Thema von Blasius im Forum Unsere Fürsprecher



    Der heilige Priester Valentin lebte zur Zeit des Kaisers Claudius II. zu Rom. Christen und Heiden schätzten ihn sehr hoch wegen seiner angeborenen Freundlichkeit, wegen seiner Wissenschaft und Tugend. Claudius selbst verlangte, ihn zu sehen; und nachdem er ihn zu sich berufen, fragte er ihn: „Warum willst du mein Freund nicht sein, der ich doch wünsche, dein Freund zu sein? Nichts mißfällt mir an dir, als daß du dich zu einem Glauben bekennst, der unseren Göttern zuwider ist.“ Valentin sprach: „O Kaiser! Wenn du den Gott, den ich anbete, erkenntest, so würdest du dich für glückselig schätzen, daß du ihm dienen könntest. Er ist es, der dir dein Leben und Szepter gegeben hat und dich ewig glückselig machen kann.“ Einer aus den Gegenwärtigen fiel ihm in die Rede und sprach: „Was hältst du von dem großen Jupiter? Was von Merkur?“ – Ich halte dafür“, antwortete der heilige Priester, „daß sie gottlose Menschen gewesen, wie ihre Lebensgeschichten beweisen, mithin des Namens der Götter unwürdig seien.“ – „Das ist eine Lästerung“, riefen einige mit lauter Stimme; „Valentin ist des Todes schuldig!“ Valentin ersuchte den Kaiser, ihm nur auf eine kurze Zeit ein geneigtes Ohr zu leihen, so wolle er seine Aussage klar beweisen. Darauf fing er an, die Nichtigkeit der heidnischen Götter und die Wahrheit des Gottes der Christen so klar vor Augen zu stellen, daß der Kaiser zu den Umstehenden sagte: „Ich muss bekennen, dieser Mann redet vernünftig, und man kann seiner Lehre nicht widersprechen.“

    Der Stadtpräfekt Calpurnius, welcher zugegen war und dieses hörte, fürchtete, der Kaiser möchte selbst Christ werden, und schrie laut: „Valentin ist ein Zauberer, ein Lästerer der Götter des Reiches; er muss des Todes sterben, sonst wird das ganze Volk in Aufruhr kommen.“ Diese Sprache jagte dem Kaiser solche Furcht ein, daß er den heiligen Priester der Gewalt dieses frechen Stadtpflegers gänzlich übergab. Calpurnius ließ ihn sogleich in den Kerker werfen und befahl dem Richter Asterius, ihm als seinem Feind der Götter den Prozeß zu machen. Asterius versuchte es vorher, durch List und Schmeichelei den bei allen so beliebten Mann Gottes zum Abfall zu verleiten. Da gab Valentin durch Anrufung des heiligsten Namens Jesus der blinden Adoptivtochter des Richters das Augenlicht wieder; und dieser, erkennend die Macht und Wahrhaftigkeit des Gottes der Christen, verließ seinen abgöttischen Irrtum und ließ sich mit seinem ganzen Hause taufen. Kaiser Claudius wurde hiervon benachrichtigt und bewunderte die Macht des Gottes, den Valentin anbetete; er hätte vielleicht den Heiligen frei gelassen; weil er aber einen allgemeinen Aufruhr auf Anstiftung des Calpurnius befürchtete, so ließ er ihn mit Prügeln schlagen und befahl er, ihn zu enthaupten, den 14. Februar 269.

    Beherzigung.
    … Um zur rechten Erkenntnis des wahren Glaubens zu gelangen, ist (…) auch das Gebet um innere Erleuchtung und Gnade notwendig. Daher betete der Priester Valentin, ehe er enthauptet wurde: „O Gott! Der du zu unserer Erlösung Jesus Christus auf die Welt gesandt hast, damit keine Mensch verloren gehe; zu dir rufe ich um Erleuchtung und Bekehrung aller Ungläubigen.“
    Bete auch du eifrig für dich und all um immer vollständigere Erleuchtung und größeren Fortschritt in der Tugend! –

    aus: Wilhelm Auer, Kapuzinerordenspriester, Goldene Legende Leben der lieben Heiligen Gottes auf alle Tage des Jahres, 1902, S. 111 – S. 113



    Liebe Grüße, Blasius

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