Wir bitten Dich, o Herr: schütze uns vor allen Gefahren des Leibes und der Seele, und auf die Fürbitte der seligen und glorreichen, allzeit jungfräulichen Gottesmutter Maria, sowie des heiligen Joseph, Deiner heiligen Apostel Petrus und Paulus, des heiligen Vedastus und aller Heiligen, schenke uns gnädig Heil und Frieden, auf dass Deine Kirche nach Überwindung aller Hindernisse und Irrtümer in ungestörter Freiheit Dir diene. Durch ihn, unseren Herrn Jesus Christus, Deinen Sohn, der mit Dir lebt und herrscht in der Einheit des Heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Kirchengebet am 6. Februar
O Gott, der Du die Erstlinge des Glaubens bei den Völkern Japans durch das Blut Deiner heiligen Märtyrer Paulus, Johannes und Jakobus gefestigt hast, verleihe gnädig, dass wir zum Bekenntnis Deines Namens durch die Fürbitte derjenigen unterstützt werden, durch deren Beispiele wir ermuntert werden, durch Christus, unseren Herrn. Amen.
Zur heiligen Dorothea
Heilige Dorothea, du hast uns in dem Beispiel eines reinen und heiligen Lebens Äpfel und Rosen hinterlassen. Bitte Gott für uns, dass wir, durch seine Gnade und durch dein Beispiel bewegt, uns bekehren, wie Theophilus, und in heiliger Freude und reinem Eifer unser Leben opfern im Glauben an Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Zu Gott auf die Fürbitte der heiligen Dorothea
Allmächtiger, ewiger Gott, für dessen Namen die glorwürdige Jungfrau und Martyrin Dorothea alle Martern besiegt hat, wir bitten Dich demütig, gib, dass wir durch ihre Fürbitte allen Gefahren entgehen, und ihre Hilfe in unseren Nöten erhalten, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Am 6. Februar des Jahres 304 nach Christi Geburt erlitt die heilige Dorothea den Martertod. Vorher hatte man sie bereits wegen ihres mutigen Bekenntnisses des christlichen Glaubens auf alle mögliche Weise erfolglos gequält und drangsaliert. Zuletzt übergab man sie ihren beiden leiblichen Schwestern Christa und Kallista. Diese beiden hatten sich durch die Androhung von Folter und Pein bewegen lassen, vom Glauben abzufallen. Die beiden sollten nun auch ihre Schwester Dorothea dazu bringen, den gleichen Schritt zu tun. Das Gegenteil jedoch trat ein, denn Dorothea führte die beiden zu Christus zurück. Darauf geriet der heidnische Richter dermaßen in Wut, dass er Christa und Kallista kurzerhand hinrichten ließ.
Es herrschte strenger Winter, als dieses geschah. Heute noch heißt eine Bauernregel: „Sankt Dorothe gibt den meisten Schnee.“ So war es damals auch. Fußhoch lag der Schnee. Frostig und schneidend blies der Wind. Der Himmel war mit grauen Wolken verhangen. Öde, trostlos und leer war der Tag, an dem Dorothea das Blutzeugnis für Christus ablegte.
Um die zehnte Stunde am Morgen holten die Henker das mutige Mädchen aus dem Gefängnis und führten es auf den öffentlichen Richtplatz. Viele Leute säumten den Weg und schlossen sich dem Zug an, so dass zuletzt wohl an tausend Menschen dabei waren. Dorothea aber befand sich in fröhlicher Stimmung wie eine Braut, die am Hochzeitstag dem Bräutigam freudig entgegengeht. Im scherzenden Ton sagte sie zu den Anwesenden:
„Kalt ist die Welt und freudenleer. Deshalb bin ich von Herzen froh, dass ich in jenes Land gehen darf, wo es keinen Winter und keinen Schnee gibt, wo die Sonne nie untergeht, wo allezeit die Felder grünen, wo im Garten meines Bräutigams Lilien und Rosen immer blühen und die schönsten Früchte das ganze Jahr hindurch reifen. Wie freue ich mich doch auf das Paradies!“
So sprach Dorothea an der Richtstätte. Es war da aber ein junger und reicher Mann anwesend, der Theophilus hieß, was auf Deutsch Gottlieb bedeutet. Auch er hörte die Rede der Blutzeugin. Und beim Hören lachte er laut auf, und mit spöttischen Lippen rief er über den Platz:
„He, du schönes Mädchen, sei doch so gut und schicke mir einige Rosen und Äpfel aus dem Garten deines Bräutigams! Es sollte mich freuen, wenn du es tätest, und gern würde auch ich dir dann in dein Paradies folgen.“
Als Dorothea die Worte hörte, schaute sie den Sprecher bedeutsam an und sagte, das wolle sie wohl tun, nur müsse er dann auch zu seinem Wort stehen.
Daraufhin entfernte sich Gottlieb eiligst, um seinen Freunden zu erzählen, welch einen lustigen Scherz er eben erlebt habe. Dorothea indessen nahm die Sache sehr ernst, und bevor sie ihr Haupt auf den Richtblock legte, betete sie ein Weilchen, und da stand auch schon ein überirdisch schöner Junge neben ihr, der ihr in einem Körbchen drei prächtige Rosen und drei eben gereifte rotwangige Äpfel brachte, mitten im Winter, in Eis und Schnee. Dorothea lächelte glücklich und schickte den Himmelsboten zu Gottlieb, während sie selbst tapfer den Todeshieb empfing.
Kaum war das geschehen, da stürmte Gottlieb heran, die Rosen und die Äpfel hatten ihm die Augen geöffnet. Mutig stand er zu seinem gegebenem Wort und bekannte laut vor dem Richter und vor allem Volk, dass auch er sich zu Christus bekenne und um den Martertod bitte. Sogleich wurde ihm die Bitte erfüllt, und wenige Augenblicke später folgte Gottlieb, durch die Bluttaufe von aller Schuld gereinigt, Dorothea ins Paradies.
Die Rosen und die Äpfel in der Legende sind ein Sinnbild der Gnaden, die Gott auf die Fürbitte der Heiligen hin den Menschen schenkt.
Interview mit dem Generaloberen der Priesterbruderschaft St. Pius X. 5 Februar 2026 Quelle: FSSPX Aktuell
„Suprema lex, salus animarum“
„‚Das oberste Gesetz ist das Heil der Seelen.‘ Von diesem übergeordneten Grundsatz hängt letztlich die gesamte Rechtmäßigkeit unseres Apostolates ab.“
FSSPX.Aktuell: Hochwürdigster Herr Generaloberer, Sie haben soeben öffentlich Ihre Absicht angekündigt, am kommenden 1. Juli Bischofsweihen für die Priesterbruderschaft St. Pius X. vornehmen zu lassen. Warum haben Sie diese Ankündigung heute, am 2. Februar, gemacht? Don Davide Pagliarani: Das Fest der Reinigung der allerseligsten Jungfrau Maria besitzt in der Bruderschaft eine große Bedeutung. Es ist der Tag, an dem die Kandidaten für das Priestertum die Soutane empfangen. Die Darstellung unseres Herrn im Tempel, die wir heute feiern, erinnert sie daran, dass der Schlüssel ihrer Ausbildung und ihrer Vorbereitung auf die Weihen in ihrer Selbsthingabe liegt, die durch die Hände Mariens geht. Es ist ein außerordentlich wichtiges Marienfest, denn indem Simeon der Gottesmutter ein Schwert des Schmerzes ankündigt, zeigt er deutlich ihre Rolle als Miterlöserin an der Seite ihres göttlichen Sohnes. Man sieht sie mit unserem Herrn vereint, vom Beginn seines irdischen Lebens an bis zur Vollendung seines Opfers auf Golgotha. Ebenso begleitet die Gottesmutter den zukünftigen Priester in seiner Ausbildung und während seines ganzen Lebens: Sie ist es, die weiterhin unseren Herrn in seiner Seele formt.
Diese Ankündigung war in den vergangenen Monaten ein hartnäckiges Gerücht, insbesondere seit dem Tod von Bischof Tissier de Mallerais im Oktober 2024. Warum haben Sie bis jetzt gewartet? Wie Erzbischof Lefebvre seinerzeit ist auch die Bruderschaft stets darum bemüht, der Vorsehung nicht zuvorzukommen, sondern ihr zu folgen, indem sie sich von ihren Hinweisen leiten lässt. Eine so bedeutende Entscheidung kann nicht leichtfertig oder überstürzt getroffen werden. Es handelt sich um ein äußerstes Mittel, das einer Notwendigkeit entsprechen muss, die ihrerseits real und ebenfalls von äußerster Natur ist. Die bloße Existenz einer Notwendigkeit zum Wohl der Seelen bedeutet noch nicht, dass jede beliebige Initiative zu ihrer Behebung von vornherein gerechtfertigt wäre.
Insbesondere, da es sich um eine Angelegenheit handelt, die offensichtlich die höchste Autorität der Kirche betrifft, war es notwendig, zunächst einen Schritt an den Heiligen Stuhl zu unternehmen – was wir getan haben – und eine angemessene Frist abzuwarten, um ihm eine Antwort zu ermöglichen. Es handelt sich um eine Entscheidung, die wir nicht hätten treffen können, ohne konkret unsere Anerkennung der Autorität des Heiligen Vaters zum Ausdruck zu bringen.
In Ihrer Predigt sagten Sie, Sie hätten tatsächlich an den Papst geschrieben. Können Sie uns dazu Näheres sagen? Im vergangenen Sommer habe ich dem Heiligen Vater geschrieben, um eine Audienz zu erbitten. Da ich keine Antwort erhielt, schrieb ich ihm einige Monate später einen weiteren Brief – in einfacher und kindlicher Weise, ohne ihm irgendetwas von unseren Bedürfnissen zu verbergen. Ich schilderte unsere lehrmäßigen Divergenzen, aber auch unseren aufrichtigen Wunsch, der katholischen Kirche unermüdlich zu dienen, denn wir sind Diener der Kirche trotz unseres nicht anerkannten kirchenrechtlichen Status.
Auf dieses zweite Schreiben erhielten wir vor einigen Tagen eine Antwort aus Rom, von Kardinal Fernández. Leider berücksichtigt diese in keiner Weise den von uns unterbreiteten Vorschlag und bietet keine Lösung an, die unseren Anliegen entspricht.
Dieser Vorschlag besteht angesichts der ganz besonderen Umstände, in denen sich die Bruderschaft befindet, konkret in der Bitte an den Heiligen Stuhl, uns vorübergehend den Verbleib in unserer Ausnahmesituation zu gestatten – zum Wohl der Seelen, die sich an uns wenden. Wir haben dem Papst versprochen, all unsere Kräfte für die Bewahrung der Tradition einzusetzen und unsere Gläubigen zu wahren Söhnen der Kirche zu machen. Mir scheint, dass ein solcher Vorschlag sowohl realistisch als auch vernünftig ist und an sich die Zustimmung des Heiligen Vaters finden könnte.
Wenn Sie diese Zustimmung also noch nicht erhalten haben, warum halten Sie es dennoch für notwendig, zu Bischofsweihen zu schreiten? Es handelt sich um ein äußerstes Mittel, das einer realen und ebenso äußersten Notwendigkeit entspricht. Gewiss bedeutet das bloße Bestehen einer Notwendigkeit zum Wohl der Seelen nicht, dass jede Initiative zu ihrer Behebung von vornherein gerechtfertigt wäre. Doch in unserem Fall glauben wir nach einer langen Zeit des Wartens, der Beobachtung und des Gebetes heute sagen zu können, dass der objektive Zustand schwerer Not, in dem sich die Seelen, die Bruderschaft und die Kirche befinden, eine solche Entscheidung erfordert.
Mit dem Erbe, das uns Papst Franziskus hinterlassen hat, bestehen die grundsätzlichen Erwägungen, die bereits die Weihen von 1988 gerechtfertigt haben, weiterhin in vollem Umfang fort und treten in vielerlei Hinsicht sogar mit erneuerter Dringlichkeit hervor. Das Zweite Vatikanische Konzil bleibt mehr denn je der Kompass, gemäß dem sich die Kirchenmänner orientieren, und es ist kaum zu erwarten, dass sie in absehbarer Zeit eine andere Richtung einschlagen. Die großen Leitlinien, die sich bereits für das neue Pontifikat abzeichnen, insbesondere durch das letzte Konsistorium, bestätigen dies nur: Man erkennt darin den ausdrücklichen Willen, die Linie von Papst Franziskus als einen unumkehrbaren Weg für die ganze Kirche beizubehalten.
„Wir haben dem Papst versprochen, all unsere Kräfte für die Bewahrung der Tradition einzusetzen und unsere Gläubigen zu wahren Söhnen der Kirche zu machen.“
Es ist traurig, dies feststellen zu müssen, aber es ist eine Tatsache: In einer gewöhnlichen Pfarrei finden die Gläubigen nicht mehr die notwendigen Mittel, um ihr ewiges Heil zu sichern. Dies betrifft insbesondere die vollständige Verkündigung der katholischen Wahrheit und Moral sowie die Spendung der Sakramente, wie die Kirche sie immer vollzogen hat. Darin besteht der Notstand. In diesem kritischen Kontext werden unsere Bischöfe älter und angesichts des stetigen Wachstums des Apostolates reichen sie nicht mehr aus, um den Bedürfnissen der Gläubigen in der ganzen Welt gerecht zu werden.
Inwiefern, meinen Sie, bestätigt das Konsistorium des vergangenen Monats die von Papst Franziskus eingeschlagene Richtung? Kardinal Fernández hat im Namen von Papst Leo die Kirche dazu eingeladen, zur grundlegenden Intuition von Franziskus zurückzukehren, wie sie in Evangelii gaudium, seiner Schlüssel-Enzyklika, zum Ausdruck kommt: Ein wenig vereinfacht geht es darum, die Verkündigung des Evangeliums auf ihren ursprünglichen, wesentlichen Kern zu reduzieren – in sehr knappen und prägnanten Formeln, dem „Kerygma“. Dies geschieht im Hinblick auf eine „Erfahrung“, eine unmittelbare Begegnung mit Christus, wobei alles Übrige, so kostbar es auch sein mag, beiseitegelassen wird – konkret die Gesamtheit der Elemente der Tradition, die als nebensächlich und sekundär eingestuft werden.
Gerade diese Methode der Neuevangelisierung hat die für das Pontifikat von Franziskus charakteristische lehrmäßige Leere hervorgebracht, die ein ganzer Teil der Kirche stark empfunden hat. Gewiss muss man sich in dieser Perspektive stets bemühen, neue und angemessene Antworten auf aufkommende Fragen zu geben; diese Aufgabe soll jedoch durch die synodale Reform verwirklicht werden und nicht durch die Wiederentdeckung der klassischen und immer gültigen Antworten der Tradition der Kirche. Auf diese Weise, im angeblichen „Wehen des Geistes“ dieser synodalen Reform, konnte Franziskus der ganzen Kirche katastrophale Entscheidungen auferlegen, wie etwa die Zulassung der Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene oder die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare.
Zusammengefasst: Durch das „Kerygma“ wird die Verkündigung des Evangeliums vom gesamten Korpus der traditionellen Lehre und Moral abgekapselt. Durch die Synodalität werden die traditionellen Antworten durch willkürliche Entscheidungen ersetzt, die leicht absurd und lehrmäßig nicht zu rechtfertigen sind. Kardinal Zen selbst hält diese Methode für manipulativ und die Zuschreibung an den Heiligen Geist für blasphemisch. Ich fürchte leider, dass er recht hat.
Sie sprechen vom Dienst an der Kirche, doch in der Praxis kann die Bruderschaft den Eindruck erwecken, die Kirche herauszufordern, insbesondere wenn Bischofsweihen in Betracht gezogen werden. Wie erklären Sie dies dem Papst? Wir dienen der Kirche zunächst dadurch, dass wir den Seelen dienen. Dies ist eine objektive Tatsache, unabhängig von jeder anderen Erwägung. Die Kirche existiert ihrem Wesen nach für die Seelen: Ihr Ziel ist ihre Heiligung und ihre Rettung. Alle schönen Reden, die verschiedenartigen Debatten, die großen Themen, über die man diskutiert oder diskutieren könnte, haben keinen Sinn, wenn sie nicht auf das Heil der Seelen ausgerichtet sind. Es ist wichtig, daran zu erinnern, denn heute besteht die Gefahr, dass sich die Kirche mit allem Möglichen beschäftigt und dabei das Wesentliche aus dem Blick verliert. Die Sorge um die Ökologie etwa oder das Eintreten für die Rechte von Minderheiten, von Frauen oder von Migranten laufen Gefahr, die wesentliche Sendung der Kirche aus dem Auge zu verlieren. Wenn die Priesterbruderschaft St. Pius X. für die Bewahrung der Tradition kämpft, mit allem, was dies einschließt, dann einzig und allein deshalb, weil diese Schätze für das Heil der Seelen absolut unerlässlich sind, und weil sie nichts anderes anstrebt als dies: das Wohl der Seelen und das des Priestertums, das auf ihre Heiligung hingeordnet ist.
„In einer gewöhnlichen Pfarrei finden die Gläubigen nicht mehr die notwendigen Mittel, um ihr ewiges Heil zu sichern. Darin besteht der Notstand.“
Indem wir so handeln, stellen wir das, was wir bewahren, in den Dienst der Kirche selbst. Wir bieten der Kirche nicht ein Museum alter und verstaubter Dinge dar, sondern die Tradition in ihrer Fülle und Fruchtbarkeit, die Tradition, welche die Seelen heiligt und verwandelt, Berufungen und wahrhaft katholische Familien hervorbringt. Anders gesagt: Gerade für den Papst als solchen bewahren wir diesen Schatz bis zu dem Tag, an dem man seinen Wert wieder verstehen wird und an dem ein Papst sich seiner zum Wohl der ganzen Kirche bedienen will. Denn die Tradition gehört der Kirche.
Sie sprechen vom Wohl der Seelen, doch die Bruderschaft hat keine Sendung für die Seelen. Im Gegenteil, sie wurde vor über fünfzig Jahren kanonisch aufgehoben. Auf welcher Grundlage lässt sich eine Mission der Bruderschaft gegenüber den Seelen rechtfertigen? Es handelt sich schlicht und einfach um eine Frage der Nächstenliebe. Wir wollen uns keine Sendung anmaßen, die wir nicht haben. Zugleich können wir uns aber nicht weigern, auf die geistliche Not der Seelen zu antworten, die sich zunehmend verwirrt, orientierungslos und verloren fühlen. Sie rufen um Hilfe. Und nachdem sie lange gesucht haben, finden sie ganz natürlich in den Reichtümern der vollständig gelebten Tradition der Kirche mit tiefer Freude Licht und Trost. Gegenüber diesen Seelen tragen wir eine wirkliche Verantwortung, auch wenn wir keine offizielle Sendung haben: Wenn jemand auf der Straße eine Person in Gefahr sieht, ist er verpflichtet, ihr nach Möglichkeit zu Hilfe zu kommen, auch wenn er weder Feuerwehrmann noch Polizist ist.
Die Zahl der Seelen, die sich auf diese Weise an uns gewandt haben, ist im Laufe der Jahre stetig gewachsen und hat in den letzten zehn Jahren sogar erheblich zugenommen. Ihre Bedürfnisse zu ignorieren und sie im Stich zu lassen, würde bedeuten, sie zu verraten und damit auch die Kirche selbst zu verraten; denn noch einmal: Die Kirche existiert für die Seelen und nicht, um eitle und fruchtlose Diskussionen zu nähren.
Diese Nächstenliebe ist eine Pflicht, die alle anderen überragt. Das Recht der Kirche selbst sieht dies so vor. Im Geist des Kirchenrechts, das der juristische Ausdruck dieser Nächstenliebe ist, steht das Wohl der Seelen über allem. Es stellt wahrhaft das Gesetz der Gesetze dar, dem alle anderen untergeordnet sind und dem keine kirchliche Gesetzgebung entgegenstehen kann. Das Axiom suprema lex, salus animarum – das oberste Gesetz ist das Heil der Seelen – ist eine klassische Maxime der kanonischen Tradition, die ausdrücklich im letzten Kanon des Kodex von 1983 aufgegriffen wird. Im gegenwärtigen Notstand hängt von diesem übergeordneten Grundsatz letztlich die gesamte Rechtmäßigkeit unseres Apostolates und unserer Sendung gegenüber den Seelen ab, die sich an uns wenden. Für uns handelt es sich um eine stellvertretende Rolle im Namen eben dieser Nächstenliebe.
Sind Sie sich bewusst, dass die Erwägung von Bischofsweihen die Gläubigen, die sich an die Bruderschaft wenden, vor ein Dilemma stellen könnte: entweder die Wahl der integralen Tradition mit allem, was sie bedeutet, oder die „volle“ Gemeinschaft mit der Hierarchie der Kirche? Dieses Dilemma ist in Wirklichkeit nur scheinbar. Es ist offensichtlich, dass ein Katholik zugleich die integrale Tradition und die Gemeinschaft mit der Hierarchie bewahren muss. Er kann nicht zwischen diesen beiden Gütern wählen, die beide notwendig sind.
Allzu oft wird jedoch vergessen, dass die Gemeinschaft wesentlich auf dem katholischen Glauben gründet, mit allem, was dies einschließt: angefangen bei einem wirklichen sakramentalen Leben und der Ausübung einer Leitungsgewalt, die denselben Glauben verkündet und zu seiner Verwirklichung anhält, indem sie ihre Autorität nicht willkürlich, sondern wirklich im Hinblick auf das geistliche Wohl der ihr anvertrauten Seelen ausübt.
Gerade um diese Grundlagen, diese für das Bestehen der Gemeinschaft in der Kirche notwendigen Bedingungen zu gewährleisten, kann die Bruderschaft nicht akzeptieren, was dieser Gemeinschaft entgegensteht und sie verfälscht, selbst wenn dies – paradoxerweise – von jenen ausgeht, die in der Kirche die Autorität ausüben.
Können Sie ein konkretes Beispiel dessen nennen, was die Bruderschaft nicht akzeptieren kann? Das erste Beispiel, das mir in den Sinn kommt, stammt aus dem Jahr 2019, als Papst Franziskus anlässlich seines Besuches auf der Arabischen Halbinsel gemeinsam mit einem Imam die bekannte Erklärung von Abu Dhabi unterzeichnete. Darin erklärte er zusammen mit dem muslimischen Würdenträger, die Vielfalt der Religionen sei als solche von der göttlichen Weisheit gewollt.
Es ist offensichtlich, dass eine Gemeinschaft, die sich auf die Annahme einer solchen Aussage gründen oder sie einschließen würde, schlichtweg nicht katholisch wäre, denn sie würde eine Sünde gegen das erste Gebot und die Leugnung des ersten Artikels des Glaubensbekenntnisses beinhalten. Ich halte eine solche Aussage für mehr als einen bloßen Irrtum. Sie ist schlicht unvorstellbar. Sie kann nicht das Fundament einer katholischen Gemeinschaft sein, sondern vielmehr die Ursache für deren Auflösung. Ich denke, ein Katholik sollte eher das Martyrium vorziehen, als eine solche Aussage zu akzeptieren.
Weltweit nimmt das Bewusstsein für die von der Bruderschaft seit Langem angeprangerten Irrtümer zu, insbesondere im Internet. Wäre es nicht angebracht, dieses Wirken im Vertrauen auf die Vorsehung sich entfalten zu lassen, anstatt durch einen starken öffentlichen Akt wie Bischofsweihen einzugreifen? Dieses Wirken ist sicherlich positiv, und man kann sich darüber nur freuen. Es veranschaulicht zweifellos die Berechtigung dessen, was die Bruderschaft verteidigt, und es ist angezeigt, diese Verbreitung der Wahrheit mit allen verfügbaren Mitteln zu fördern. Gleichwohl ist es ein Wirken mit Grenzen, denn der Glaubenskampf kann sich nicht auf Diskussionen und Stellungnahmen beschränken oder in ihnen erschöpfen, deren Schauplatz das Internet oder die sozialen Netzwerke sind.
Die Heiligung einer Seele hängt gewiss vom Bekenntnis des authentischen Glaubens ab, dieses muss jedoch in ein wirklich christliches Leben münden. Am Sonntag brauchen die Seelen keine Internetplattform. Sie brauchen einen Priester, der ihnen die Beichte abnimmt und sie unterweist, der für sie die heilige Messe feiert, der sie wahrhaft heiligt und zu Gott führt. Die Seelen brauchen Priester. Und um Priester zu haben, braucht es Bischöfe. Keine „Influencer“. Anders gesagt: Man muss zur Wirklichkeit zurückkehren, das heißt zur Wirklichkeit der Seelen und ihrer konkreten objektiven Not. Die Bischofsweihen haben keinen anderen Zweck: für die an der Tradition festhaltenden Gläubigen die Spendung des Sakramentes der Firmung, der Weihe und alles dessen, was daraus folgt, zu gewährleisten.
Besteht nicht die Gefahr, dass die Bruderschaft trotz guter Absichten in gewisser Weise dazu kommt, sich selbst mit der Kirche gleichzusetzen oder sich eine unersetzliche Rolle zuzuschreiben? In keiner Weise beansprucht die Bruderschaft, sich an die Stelle der Kirche zu setzen oder ihre Sendung zu übernehmen; vielmehr bewahrt sie das tiefe Bewusstsein, nur zu bestehen, um der Kirche zu dienen. Dabei stützt sie sich ausschließlich auf das, was die Kirche selbst immer und überall gelehrt, geglaubt und getan hat.
Die Bruderschaft ist sich ebenso zutiefst bewusst, dass nicht sie es ist, die die Kirche rettet, denn allein unser Herr bewahrt und rettet seine Braut – Er, der niemals aufhört, über sie zu wachen.
Die Bruderschaft ist schlicht und einfach – unter Umständen, die sie nicht selbst gewählt hat – ein bevorzugtes Mittel, der Kirche treu zu bleiben. Aufmerksam gegenüber der Sendung ihrer Mutter, die während zwanzig Jahrhunderten ihre Kinder durch die Lehre und die Sakramente genährt hat, widmet sich die Bruderschaft kindlich der Bewahrung und Verteidigung der integralen Tradition, indem sie die Mittel ergreift für eine unvergleichliche Freiheit, um diesem Erbe treu zu bleiben. Nach dem Wort von Erzbischof Lefebvre ist die Bruderschaft lediglich ein Werk „der katholischen Kirche, die weiterhin die Lehre überliefert“; ihre Rolle ist die eines „Briefträgers, der einen Brief überbringt“. Und sie wünscht nichts mehr, als alle katholischen Hirten vereint in der Erfüllung dieser Pflicht zu sehen.
Kommen wir auf den Papst zurück. Halten Sie es für realistisch, dass der Heilige Vater akzeptieren oder zumindest dulden könnte, dass die Bruderschaft Bischöfe ohne päpstliches Mandat weiht? Ein Papst ist vor allem ein Vater. Als solcher ist er fähig, eine aufrechte Absicht, einen ehrlichen Willen, der Kirche zu dienen, und vor allem einen echten Gewissenskonflikt in einer außergewöhnlichen Situation zu erkennen. Diese Elemente sind objektiv, und alle, die die Bruderschaft kennen, können dies anerkennen, selbst ohne notwendigerweise ihre Positionen zu teilen.
Das ist in der Theorie verständlich. Glauben Sie aber, dass Rom konkret eine solche Entscheidung der Bruderschaft dulden könnte? Die Zukunft liegt in den Händen des Heiligen Vaters und selbstverständlich der Vorsehung. Dennoch ist anzuerkennen, dass der Heilige Stuhl mitunter zu einem gewissen Pragmatismus, ja sogar zu einer überraschenden Flexibilität fähig ist, wenn er überzeugt ist, zum Wohl der Seelen zu handeln.
Man nehme den sehr aktuellen Fall der Beziehungen zur chinesischen Regierung. Trotz eines wirklichen Schismas der chinesischen patriotischen Kirche; trotz einer ununterbrochenen Verfolgung der sogenannten Untergrundkirche, die Rom treu geblieben ist; trotz regelmäßig erneuerter und vom chinesischen Staat gebrochener Abkommen – im Jahr 2023 hat Papst Franziskus nachträglich die Ernennung des Bischofs von Shanghai durch die chinesischen Behörden gebilligt. In jüngerer Zeit hat auch Papst Leo XIV. nachträglich die Ernennung des Bischofs von Xinxiang akzeptiert, der während der Vakanz des Apostolischen Stuhles in gleicher Weise ernannt worden war, obwohl der Rom treu gebliebene Bischof, der mehrfach inhaftiert worden war, noch im Amt war. In beiden Fällen handelt es sich offenkundig um regierungsfreundliche Prälaten, die von Peking einseitig eingesetzt wurden, um die katholische Kirche in China zu kontrollieren. Man beachte, dass es sich hierbei nicht um bloße Weihbischöfe handelt, sondern um Ortsbischöfe, das heißt um ordentliche Hirten ihrer jeweiligen Diözese (oder Präfektur) mit Jurisdiktion über die örtlichen Priester und Gläubigen. In Rom weiß man sehr genau, zu welchem Zweck diese Hirten ausgewählt und einseitig eingesetzt worden sind.
„Die Priesterbruderschaft St. Pius X. erstrebt nichts anderes als dies: das Wohl der Seelen und das des Priestertums, das auf ihre Heiligung hingeordnet ist.“
Der Fall der Bruderschaft ist grundverschieden: Es geht für uns keineswegs darum, eine kommunistische oder antichristliche Macht zu begünstigen, sondern einzig darum, in einer Zeit allgemeiner Krise und Verwirrung die Rechte des Christkönigs und die Tradition der Kirche zu bewahren, die schwer beeinträchtigt sind. Die Absichten und Zielsetzungen sind offensichtlich nicht dieselben. Der Papst weiß das. Zudem weiß der Heilige Vater sehr wohl, dass die Bruderschaft in keiner Weise beabsichtigt, ihren Bischöfen irgendeine Jurisdiktion zu verleihen, was der Errichtung einer Parallelkirche gleichkäme.
Ehrlich gesagt sehe ich nicht, wie der Papst von Seiten der Bruderschaft eine größere Gefahr für die Seelen befürchten könnte als von Seiten der Regierung von Peking.
Halten Sie es für möglich, dass hinsichtlich der traditionellen Messe die Notwendigkeit für die Seelen heute ebenso schwerwiegend ist wie 1988? Nach dem bekannten Auf und Ab des Ritus des heiligen Papstes Pius V. – seiner Freigabe durch Benedikt XVI. im Jahr 2007 und den von Franziskus im Jahr 2021 verhängten Einschränkungen – in welche Richtung geht es mit dem neuen Papst? Soweit mir bekannt ist, hat Papst Leo XIV. in dieser Frage eine gewisse Zurückhaltung bewahrt, die in der konservativen Welt große Erwartungen geweckt hat. Vor Kurzem jedoch wurde ein Text von Kardinal Roche zur Liturgie veröffentlicht, der ursprünglich für die Kardinäle bestimmt war, die am Konsistorium des vergangenen Monats teilgenommen haben. Es gibt keinen Grund, daran zu zweifeln, dass dieser Text in seinen Grundlinien der vom Papst gewünschten Ausrichtung entspricht. Es handelt sich um einen sehr klaren und vor allem logischen und kohärenten Text. Leider stützt er sich auf eine falsche Prämisse.
Konkret verurteilt dieser Text in vollkommener Kontinuität mit Traditionis custodes das liturgische Projekt von Papst Benedikt XVI. Nach dessen Auffassung sollten der alte und der neue Ritus zwei ungefähr gleichwertige Formen sein, die jedenfalls denselben Glauben und dieselbe Ekklesiologie zum Ausdruck bringen und sich folglich gegenseitig bereichern könnten. Um die Einheit der Kirche besorgt, lag es Benedikt XVI. daher am Herzen, das Nebeneinanderbestehen beider Riten zu fördern, und er veröffentlichte 2007 Summorum Pontificum. Für viele erwies sich dies providentiell als eine Wiederentdeckung der Messe aller Zeiten; auf längere Sicht jedoch rief es auch eine Bewegung hervor, die den neuen Ritus in Frage stellte – eine Bewegung, die als problematisch erachtet wurde und die Traditionis custodes im Jahr 2021 einzudämmen suchte.
Papst Franziskus treu verbunden, tritt Kardinal Roche seinerseits für die Einheit der Kirche ein, jedoch nach einer Vorstellung und mit Mitteln, die denen Benedikts XVI. diametral entgegengesetzt sind: Während er an der Behauptung einer Kontinuität von einem Ritus zum anderen durch die Reform festhält, lehnt er deren Koexistenz entschieden ab. Er sieht darin eine Quelle der Spaltung, eine Bedrohung für die Einheit, die durch eine Rückkehr zu einer authentischen liturgischen Gemeinschaft überwunden werden müsse: „Das vorrangige Gut der Einheit der Kirche wird nicht durch das Einfrieren von Spaltungen erreicht, sondern indem wir uns im Teilen dessen wiederfinden, was nur geteilt werden kann.“ In der Kirche, so fügt er hinzu, „soll es nur einen einzigen Ritus geben“, in voller Übereinstimmung mit dem wahren Sinn der Tradition.
Dies ist ein gerechter und kohärenter Grundsatz, denn da die Kirche nur einen Glauben und nur eine Ekklesiologie besitzt, kann sie auch nur eine Liturgie haben, die diese angemessen zum Ausdruck bringt… Doch es ist ein falsch angewandter Grundsatz. Denn in Übereinstimmung mit der neuen nachkonziliaren Ekklesiologie begreift Kardinal Roche die Tradition als etwas Evolutives und den neuen Ritus als ihre einzige lebendige Ausdrucksform für unsere Zeit. Der Wert des tridentinischen Ritus kann daher nur als überholt angesehen werden, und seine Verwendung ist höchstens ein „Zugeständnis“, „keineswegs eine Förderung“.
Dass es also eine „Spaltung“ und eine gegenwärtige Unvereinbarkeit zwischen den beiden Riten gibt, das wird damit immer deutlicher. Doch man täusche sich nicht: Die einzige Liturgie, welche die traditionelle Auffassung von Kirche, christlichem Leben und katholischem Priestertum in angemessener, unveränderlicher und nicht evolutiver Weise zum Ausdruck bringt, ist die Liturgie aller Zeiten. In diesem Punkt erscheint der Widerstand des Heiligen Stuhles mehr denn je endgültig.
Kardinal Roche räumt immerhin ein, dass es bei der Umsetzung der Liturgiereform noch gewisse Probleme gibt. Glauben Sie, dass dies zu einem Bewusstsein für die Grenzen dieser Reform führen könnte? Es ist bemerkenswert, dass man nach sechzig Jahren noch immer eine wirkliche Schwierigkeit bei der Umsetzung der Liturgiereform eingesteht, deren Reichtum es erst noch zu entdecken gelte. Dies ist ein Refrain, den man seit jeher hört, sobald dieses Thema zur Sprache kommt, und den auch der Text von Kardinal Roche nicht ausspart. Doch anstatt sich ehrlich über die inneren Mängel der neuen Messe und damit über das generelle Scheitern dieser Reform Gedanken zu machen; anstatt der Tatsache ins Auge zu sehen, dass sich die Kirchen leeren und die Berufungen zurückgehen; anstatt sich zu fragen, warum der tridentinische Ritus weiterhin so viele Seelen anzieht, sieht Kardinal Roche als einzige Lösung lediglich eine dringende vorherige Ausbildung der Gläubigen und der Seminaristen.
Ohne es zu bemerken, gerät er damit in einen Teufelskreis: Denn die Liturgie selbst ist dazu bestimmt, die Seelen zu formen. Fast zwei Jahrtausende lang sind die Seelen, oft Analphabeten, durch die Liturgie selbst erbaut und geheiligt worden, ohne dass es irgendeiner vorherigen Ausbildung bedurft hätte. Die intrinsische Unfähigkeit des Novus Ordo, die Seelen zu erbauen, nicht anzuerkennen und stattdessen eine noch bessere Ausbildung zu fordern, erscheint mir als Zeichen einer unheilbaren Blindheit. So gelangt man zu erschütternden Paradoxien: Die Reform wurde gewollt, um die Teilnahme der Gläubigen zu fördern, nun aber haben diese die Kirche in Scharen verlassen, weil diese fade Liturgie sie nicht zu nähren vermochte. Und das soll nichts mit der Reform selbst zu tun haben!
Heute profitieren in vielen Ländern Gruppen außerhalb der Bruderschaft weiterhin vom Gebrauch des Messbuches von 1962. Solche Möglichkeiten bestanden 1988 kaum. Wäre dies nicht vorerst eine ausreichende Alternative, die neue Bischofsweihen verfrüht erscheinen ließe? Die Frage, die wir uns stellen müssen, lautet: Entsprechen diese Möglichkeiten dem, was die Kirche und die Seelen brauchen? Sind sie eine ausreichende Antwort auf die Not der Seelen?
Es ist unbestreitbar, dass überall dort, wo die traditionelle Messe gefeiert wird, der wahre Ritus der Kirche ausstrahlt – mit jenem tiefen Sinn für das Sakrale, der im neuen Ritus nicht zu finden ist. Doch man kann von dem Rahmen, in dem diese Messfeiern stattfinden, nicht abstrahieren. Unabhängig vom guten Willen der einen oder der anderen scheint der Rahmen klar zu sein, insbesondere seit Traditionis custodes, bestätigt durch Kardinal Roche: Es handelt sich um den Rahmen einer Kirche, in der der einzige offizielle „normale“ Ritus derjenige Pauls VI. ist. Die Feier des Ritus aller Zeiten unterliegt folglich einer Ausnahmeregelung: Den Anhängern dieses Ritus werden aus reinem Wohlwollen Ausnahmegenehmigungen gewährt, die ihnen seine Feier erlauben. Diese fügen sich jedoch in eine Logik ein, die der neuen Ekklesiologie entspricht. Sie setzen daher voraus, dass die neue Liturgie weiterhin das Kriterium der Frömmigkeit der Gläubigen und der authentische Ausdruck des kirchlichen Lebens bleibt.
Warum sagen Sie, dass man von diesem Ausnahmerahmen nicht abstrahieren kann? Wird nicht dennoch Gutes gewirkt? Welche konkreten Folgen wären zu beklagen? Aus dieser Situation ergeben sich mindestens drei unheilvolle Konsequenzen. Die unmittelbarste ist eine tiefe strukturelle Instabilität. Priester und Gläubige, denen durch gewisse Privilegien der Gebrauch der tridentinischen Liturgie erlaubt ist, leben in der Angst vor dem folgenden Tag: Ein Privileg ist kein Recht. Solange die Autorität sie duldet, können sie ihre religiöse Praxis ohne Behelligung ausüben. Sobald jedoch die Autorität bestimmte Anforderungen stellt, Bedingungen auferlegt oder aus dem einen oder anderen Grund plötzlich die erteilten Erlaubnisse widerruft, finden sich Priester und Gläubige in einer Konfliktsituation wieder, ohne irgendein Mittel, sich zu verteidigen, um wirksam die traditionellen Heilsmittel sicherzustellen, auf die die Seelen ein Recht haben. Wie lassen sich solche Gewissenskonflikte auf Dauer vermeiden, wenn von zwei unvereinbaren Auffassungen vom kirchlichen Leben, verkörpert in zwei unvereinbaren Liturgien, die eine volle Anerkennung genießt, während die andere lediglich geduldet wird?
Zweitens – und das ist zweifellos schwerwiegender – wird der eigentliche Grund für die Verbundenheit dieser Gruppen mit der tridentinischen Liturgie nicht mehr verstanden, was die öffentlichen Rechte der Tradition der Kirche und damit das Wohl der Seelen ernsthaft gefährdet. Wenn nämlich die Messe aller Zeiten akzeptieren kann, dass die moderne Messe in der ganzen Kirche gefeiert wird, und wenn sie für sich selbst lediglich ein besonderes Privileg beansprucht, das an eine Vorliebe oder an ein eigenes Charisma gebunden ist – wie soll man dann noch verstehen, dass die Messe aller Zeiten der neuen Messe unversöhnlich gegenübersteht, dass sie die einzige wahre Liturgie der ganzen Kirche bleibt und dass niemand daran gehindert werden darf, sie zu feiern? Wie kann man erkennen, dass die Messe Pauls VI. nicht angenommen werden kann, weil sie eine erhebliche Abweichung von der katholischen Theologie der heiligen Messe darstellt, und dass niemand gezwungen werden kann, sie zu feiern? Und wie sollen die Seelen wirksam von dieser vergifteten Liturgie weggeführt werden, um aus den reinen Quellen der katholischen Liturgie zu schöpfen?
„Die Bruderschaft ist schlicht und einfach – unter Umständen, die sie nicht gewählt hat – ein bevorzugtes Mittel, der Kirche treu zu bleiben.“
Schließlich ergibt sich als weitergehende Folge aus den beiden vorhergehenden die Notwendigkeit, eine fragile Stabilität nicht durch als störend empfundenes Verhalten zu gefährden, was viele Hirten zu einem erzwungenen Schweigen verurteilt, wenn sie eigentlich gegen diese oder jene skandalöse Lehre aufstehen müssten, die Glauben oder Moral verdirbt. Die notwendige Anprangerung der die Kirche zerstörenden Irrtümer – sie ist zum Wohl der von dieser vergifteten Nahrung bedrohten Seelen geboten – wird so gelähmt. Man klärt den einen oder anderen im Privaten auf, sofern man die Schädlichkeit dieses oder jenes Irrtums überhaupt noch zu erkennen vermag, doch es bleibt ein zaghaftes Flüstern, in dem die Wahrheit kaum noch mit der erforderlichen Freiheit zum Ausdruck kommt – vor allem, wenn es den Kampf gegen Prinzipien geht, die man stillschweigend akzeptiert hat. Auch hier sind es wieder die Seelen, die nicht mehr erleuchtet werden und denen das Brot der Lehre entzogen wird, nach dem sie doch hungern. Mit der Zeit verändert dies allmählich die Mentalität und führt nach und nach zur allgemeinen und unbewussten Annahme der verschiedenen Reformen, die das kirchliche Leben betreffen. Auch gegenüber diesen Seelen empfindet die Bruderschaft die Verantwortung, sie zu erleuchten und nicht im Stich zu lassen.
Es geht nicht darum, jemandem Vorwürfe zu machen oder über irgendwen zu urteilen, sondern darum, die Augen zu öffnen und die Tatsachen festzustellen. Nun aber müssen wir anerkennen, dass die Gruppen, die in den Genuss der traditionellen Liturgie kommen, keine angemessene Antwort auf die tiefgreifenden Nöte der Kirche und der Seelen darstellen können, solange deren Gebrauch an die zumindest implizite Akzeptanz der Konzilsreformen gebunden bleibt. Umgekehrt muss man – um einen bereits geäußerten Gedanken aufzugreifen – den Katholiken unserer Zeit eine Wahrheit ohne Abstriche anbieten können, dargeboten ohne Vorbehalte und mit den Mitteln, sie vollständig zu leben, zum Heil der Seelen und zum Dienst an der ganzen Kirche.
Glauben Sie dennoch, dass Rom sich in Zukunft gegenüber der traditionellen Messe großzügiger zeigen könnte? Es ist nicht ausgeschlossen, dass Rom in Zukunft eine offenere Haltung einnehmen könnte, wie dies bereits 1988 unter ähnlichen Umständen geschah, als das alte Messbuch bestimmten Gruppen gewährt wurde, um die Gläubigen von der Bruderschaft abzuziehen. Sollte dies erneut geschehen, wäre es sehr politisch und sehr wenig der Lehre entsprechend: Das tridentinische Messbuch ist ausschließlich dazu bestimmt, die göttliche Majestät anzubeten und den Glauben zu nähren; es darf nicht als Instrument pastoraler Feinjustierung oder als Ventil zur Beschwichtigung instrumentalisiert werden.
Doch ein größeres oder geringeres Entgegenkommen würde nichts an der Schädlichkeit des oben beschriebenen Rahmens ändern und somit die Situation nicht wesentlich verändern.
Darüber hinaus ist das Szenario in Wirklichkeit komplexer: In Rom haben Papst Franziskus und Kardinal Roche sehr wohl erkannt, dass eine Ausweitung des Gebrauchs des Messbuches des heiligen Pius V. zwangsläufig eine Infragestellung der Liturgiereform und des Konzils auslöst, und zwar in einem unerquicklichen und vor allem unkontrollierbaren Ausmaß. Es ist daher schwer vorherzusehen, was geschehen wird, doch die Gefahr einer Verstrickung in Logiken, die eher politisch als lehrmäßig sind, ist real.
Was möchten Sie den Gläubigen und den Mitgliedern der Bruderschaft besonders sagen? Ich möchte ihnen sagen, dass die gegenwärtige Stunde vor allem eine Zeit des Gebetes ist, der Vorbereitung der Herzen, der Seelen und auch der Geister, um uns der Gnade zu öffnen, die diese Weihen für die ganze Kirche darstellen. Dies alles in Sammlung, in Frieden und im Vertrauen auf die Vorsehung, die die Bruderschaft niemals verlassen hat und sie auch jetzt nicht verlassen wird.
Hoffen Sie weiterhin, dem Papst begegnen zu können? Ja, gewiss. Es erscheint mir äußerst wichtig, mich mit dem Heiligen Vater unterhalten zu können, und es gibt vieles, was ich ihm gern mitteilen würde, ihm aber nicht schreiben konnte. Leider sieht die von Kardinal Fernández erhaltene Antwort keine Audienz beim Papst vor. Stattdessen stellt sie die Androhung neuer Sanktionen in den Raum.
Was wird die Bruderschaft tun, wenn der Heilige Stuhl beschließt, sie zu verurteilen? Zunächst sei daran erinnert, dass etwaige kanonische Strafen unter solchen Umständen keinerlei reale Wirkung hätten.
Sollten sie dennoch verhängt werden, ist es gewiss, dass die Bruderschaft dieses neue Leiden ohne Bitterkeit annehmen würde, wie sie die vergangenen Leiden angenommen hat, und es aufrichtig für das Wohl der Kirche aufopfern würde. Die Bruderschaft arbeitet für die Kirche. Und sie zweifelt nicht daran, dass eine solche Situation, sollte sie eintreten, nur vorübergehend sein kann; denn die Kirche ist göttlich und unser Herr verlässt sie nicht.
Die Bruderschaft wird daher weiterhin nach Kräften in Treue zur katholischen Tradition wirken und der Kirche demütig dienen, indem sie auf die Not der Seelen antwortet. Und sie wird weiterhin kindlich für den Papst beten, wie sie es immer getan hat – in der Erwartung, eines Tages von diesen möglichen ungerechten Sanktionen befreit zu werden, wie dies 2009 der Fall war. Wir sind überzeugt, dass die römischen Autoritäten eines Tages dankbar anerkennen werden, dass diese Bischofsweihen providentiell dazu beigetragen haben werden, den Glauben zu bewahren, zur größeren Ehre Gottes und zum Heil der Seelen. Interview, gegeben in Flavigny-sur-Ozerain am 2. Februar 2026 dem Fest Mariä Lichtmess
Vatikan will mit Piusbrüdern reden Kommende Woche soll ein Gespräch zwischen Kardinal Víctor Manuel Fernández und dem Generaloberen der Piusbrüder, Davide Pagliarani, stattfinden. Das teilte der Pressesprecher des Vatikans an diesem Mittwoch mit. Zuvor hatte die Bruderschaft angekündigt, eigenmächtig Bischofsweihen vornehmen zu wollen.
1. Verwundere dich nicht, wenn du im Dienst Gottes zuweilen Trockenheit erfährst, und lass darum deinen Mut nicht sinken, denn wie im Äußerlichen, also gibt es auch im Innern eine Zeit des Sommers und eine Zeit des Winters, eine Zeit des Friedens und eine Zeit des Krieges, eine Zeit des Lichtes und eine Zeit der Finsternis, und notwendig ist die Abwechslung dieser Zeiten. Gerne wärst du immer im Trost, aber wenig Verdienste erwirbt eine Seele, die nicht durch Versuchungen geprüft wird. Leuchten muss in der innerlichen Nacht ihr Glaube, zeigen muss sich in der Verlassenheit ihr Vertrauen, und in der größten Trostlosigkeit ihre Liebe.
2. Eine Seele, die im Licht des Trostes lebt, irrt nicht selten. Sie glaubt, sie liebt den Gott des Trostes, und liebt doch nur den Trost Gottes. Aber wenn alles anfängt ihr zu verleiden, wenn sie fühllos für menschlichen Trost, und der Himmel ihr verschlossen ist, wenn sie den Wermutkelch trinken muss, der zur Prüfung ihr vorgesetzt wird, wenn sie das Kreuz umfangen soll, bei dessen Anblick Schauder sie durchrieselt, wenn innerliche Angst und schwere dämonische Versuchungen sie bedrängen, wenn die Natur zu murren, und der Glaube zu wanken beginnt, dann zeigt sich die uneigennützige Liebe in ihrem reinsten Licht.
3. Ein überaus strenges Fegefeuer ist dies für heilige Seelen, aber ein Feuer, worin ihre Liebe wie das Gold geläutert wird. Alle ihre Tugenden, ja auch sich selbst hält eine solche Seele für verloren. Doch niemals ist ihr Glaube fester als in diesem Streit gegen die Anfechtungen, nie ihre Geduld standhafter als im Erdulden dieser innerlichen Pein. Sie hält sich für verlassen, aber nie ist Gott ihr näher. Er zählt alle ihre Seufzer, segnet alle ihre Kämpfe. Er hält die Kraftlose in seinen Armen, und bereitet ihrer Treue eine Krone himmlischer Vergeltung. Gleichwie der Falter aus seinem Gefängnis, also tritt auch sie neu umgewandelt ins Leben und ruft dann freudig mit dem Propheten: "Herr, nach der Fülle meiner Angst, die ich in meinem Herzen empfand, haben deine Tröstungen meine Seele erfreut." (Psalm 94)
O Gott, Du hast durch Deine Gnade der heiligen Agatha den Sieg über die grausamsten Martern verliehen. Gib uns auf ihre Fürbitte den Sieg über alle Hindernisse des Heils, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
Von den zehn evangelischen Tugenden der seligsten Jungfrau, von denen gestern berichtet wurde, wurde heute bei den Annonciaden in Frankreich die Oktav durch ein besonderes Offizium gehalten.
Andacht am 5. Februar:
Das Thema im Februar:
Von der Demut
"Wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden." (Lukas 14,11)
"Die mächtigste Waffe, den Teufel zu besiegen, ist die Demut." (Der heilige Franz von Paula)
Die heilige Theresia von Avila konnte kaum begreifen, warum die Prediger so oft von der Notwendigkeit redeten, sich zu demütigen. "Ist es denn nicht klar," so sprach sie, "dass man sich keines Dinges rühmen kann; da niemand irgend etwas Gutes hat, das nicht von Gott käme? Wie können auch je armselige Menschen stolz sein, die so vielem Elend unterworfen sind und so viele Sünden begangen haben? Wollte ich auch irgend einer Sache wegen eitel sein, ich wüsste nicht, wie mir das möglich wäre!"
Der ehrwürdige Pater Alvarez verglich die Handlungen seines Lebens einer Weintraube, an der alle Beeren verdorben sind. "Kaum finden sich," sprach er, "unter einer so großen Anzahl Werke vier oder fünf, die nicht mangelhaft wären; und wehe mir," fügte er bei, "wenn der Herr sie streng untersucht!"
Wenn der heilige Dominikus in irgend einer Stadt predigen sollte, pflegte er sich vor den Pforten dieser Stadt niederzuknien und den Herrn zu bitten, dass Er nicht seiner Sünden wegen die Einwohner mit schweren Strafen heimsuchen möchte.
Der heilige Philipp Neri riet denjenigen, deren Seelen er leitete, falls sie in irgendeinen schweren Fehler verfallen waren, zu sagen: "Wäre ich demütig gewesen, so wäre ich nicht gefallen!"
Herr, nichts denn ein Sünder bin ich; und wehe mir, wenn Du mich richtest, wie ich es verdiene! Von einer Sünde in die andere falle ich, wenn Deine Gnade mir nicht beständig zu Hilfe kommt. O erbarme Dich meiner nach Deiner großen Barmherzigkeit! Amen.
Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 5. Februar
"Die Seele soll sich niemals über irgend einen Kampf betrüben und niemals irgendein Gebet,
irgend eine Andachtsübung unterlassen,
wenn sie auch nichts anderes vermag,
als vor dem Kreuz zu knien und zu rufen: Jesus! Jesus!"
Wenige Martyrer sind berühmter als die heilige Agatha. Die Kirche begeht ihr Andenken sogar täglich im 1. Hochgebet der heiligen Messe.
Agatha war die Tochter sehr vornehmer Eltern. Sie besaßen große Reichtümer. Die ältesten Geschichten über sie erzählen, dass sie eine wunderschöne und sehr kluge Frau gewesen ist. Früh schon lernte sie den kostbaren Schatz des Christentums kennen und lieben, sie stand sogar in dem Ruf der christlichen Vollkommenheit. Zu dieser Zeit regierte Kaiser Dezius das Römische Reich und verfolgte durch noch strengere Gesetze die Christen. Da die kaiserlichen Statthalter diese Gesetze mit unmenschlicher Strenge ausführten, wurde viel kostbares Blut der Heiligen vergossen. Über Sizilien, wo Agatha lebte, war Quintianus zum Statthalter gesetzt worden. Sobald der Befehl zur Christenverfolgung erschien, begab er sich nach Katana, um da seine Untersuchungen zu beginnen. Bald bekam er heraus, wer Agatha war, dass sie eine Christin war und zugleich reich, vornehm und außerordentlich schön. Diese Vorzüge reizten den Statthalter Quintianus so sehr, dass er Agatha für sich gewinnen wollte. Er gab sich alle Mühe, die heilige Agatha in seine Gewalt zu bringen. Durch Verrat wurde ihr Aufenthalt entdeckt und sie musste vor ihm erscheinen. Der Anblick der jungen Frau betörte ihn vollends, so dass er sich nicht lange zurückhielt und ihr entsprechende Anträge machte. Die Heilige antworte ernst und entschlossen: „Ich werde weder dir noch dem Kaiser gehören!“ Quintianus wollte noch keine Gewalt anwenden, sondern verordnete, dass sie in das Haus der Aphrosia abgeführt würde. Diese war die berüchtigste Kupplerin des Ortes und verdiente sich dadurch ihren Unterhalt. Quintianus versprach ihr reiche Belohnung, wenn sie Agatha durch Geschenke und Versprechungen, und wenn das nicht fruchtet, durch Drohungen vom Christentum abbringen und ihn als Liebhaber empfehlen würde.
Dreißig Tage lang hatte die heilige Agatha den Kampf gegen diese wahrhaft teuflische Verführung zu bestehen. Aber vergebens: Weder Bitten noch Drohungen vermochten etwas auszurichten. „Mein Leben“, sprach sie zu der Verführerin, „ist auf einem Felsen gegründet, und dieser Fels ist Christus. Eure Worte sind Wind, eure Liebkosungen Regenschauer, eure Drohungen wilde Wasser; sie bestürmen das Fundament meines Glaubens, aber sie vermögen nicht das selbige zu erschüttern.“ Tag und Nacht betete sie und bat Gott mit Tränen, dass er sie für würdig halten möge, die Palme des Martyriums zu erringen.
Als die Kupplerin alle Versuche, den Felsensinn der jungen Frau zu erschüttern, scheitern sah, sprach sie zu Quintianus: „Entlasse mich aus diesem Auftrag, mit dem du mich belastet hast; leichter ist es den Marmor flüssig zu machen und das Eisen wie Blei zu biegen, als dieser Christin den Kopf zu brechen.“
Die Liebe des Statthalters verwandelte sich nun in bitteren Zorn. Er ließ Agatha vorführen, setzte sich auf den Richterstuhl, und hielt das öffentliche Verhör. „Wessen Standes bist du?“ fragte er sie. Die Heilige antwortete: „Ich bin eine Freie, eine Reiche, eine Edle.“ Der Richter sprach: „Wenn du frei, reich und edel bist, warum beträgst und kleidest du dich wie eine niedrige Sklavin?“ Agatha erwiderte: „Weil ich eine Magd Christi bin.“ „Wenn du frei geboren und vornehm bist, wie kannst du dich eine Magd nennen?“ fragte der Statthalter; und Agatha antwortete: „Christi Dienstbarkeit ist eben die wahre Freiheit, und übertrifft weit den Reichtum, den Hochmut und den Übermut der Könige.“ Quintianus sprach: „Wie, sind wir also nicht frei, die wir den Dienst Christi verachten und die Götter ehren?“ Agatha sagte: „Eure Freiheit führt euch zu einer solchen Knechtschaft, dass ihr nicht bloß Sklaven der Sünde, sondern dem Holz und den Steinen unterwürfig werdet.“ Sehr zornig sprach der Statthalter: „Wähle von Zweien Eines: entweder opfere den Göttern, oder sei der härtesten Marter gewärtig!“ Darauf antwortete sie: „Mögest du sein wie dein Gott Jupiter, und deine Frau wie deine Göttin Venus!“ „Wie“, rief der Statthalter, „darfst du den Richter des Volkes schmähen?“ und befahl den Dienern, sie ins Gesicht zu schlagen. Als das geschehen war, sprach Agatha: „Also mein Wunsch schien dir eine Schmähung? Was müssen das für Götter sein, mit welchen verglichen zu werden du dich schämst!“ Quintianus versetzte: „Spare die unnützen Worte; entweder opfere oder leide!“ Unerschrocken antwortete Agatha: „Lass nur deine Bestien auf mich los, durch Christi Namen will ich sie bändigen. Wirf mich in das Feuer, der Tau des Himmels wird die Flamme löschen. Spanne mich auf die Folterbank, der Geist, der mich beseelt, ist ein Geist der Kraft, der Zucht und der Liebe. Schlage mich mit Geißeln, mein Gott kann mich wohl deinen Händen entreißen.“ Quintianus, der vor dem Volk die Beschämung fürchtete, ließ sie ins Gefängnis führen, um sich da eines Besseren zu besinnen. Dahin aber ging sie freudig, wie sonst ein Mädchen zum Tanz geht.
Am folgenden Tag ließ der Statthalter sie wieder vor sich rufen, und sprach zu ihr: „Was hast du zu deinem Heil beschlossen?“ „Mein Heil ist Christus!“ antwortete sie. Darauf sagte Quintianus: „Wie lange willst du, Unglückliche, auf deinen törichten Sinn beharren? Verleugne Christus, ehre die Götter, bedenke deine Jugend, damit du nicht durch einen grausamen Tod zu Grunde gehst!“ Agatha erwiderte: „Verleugne vielmehr du deine Götter, die weiter nichts als Holz und Stein sind, und bete an den wahren Gott, deinen Schöpfer, dem du dein Dasein verdankst. Wenn du diesen verachtest, so werden die schwersten Strafen und ewiges Feuer dein Los sein.“ Quintianus war über diese Rede sehr erbittert. In der Hitze seines Zorns ließ er die standhafte Bekennerin auf die Folterbank legen und sie da auf die grausamste Weise quälen durch gewaltsames Auseinanderzerren der Glieder, durch Rutenstreiche, durch eiserne Hacken, mit denen ihre Seiten zerfleischt, und durch brennende Fackeln, mit denen sie gebrannt wurden. Während dessen redete er ihr beständig zu, dass sie Christus verleugnen und so ihr Leben erhalten sollte. Allein auch in diesen schrecklichen Martern verlor die heilige Agatha ihren freudigen Mut nicht. Sie rief jauchzend: „Heil mir! So ist dem zu Mute, der eine frohe Botschaft vernimmt; wie einer, der auf einmal den sieht, welchen er schon lange mit heißer Sehnsucht erwartet hat, oder wie der, der unvermutet einen großen Schatz findet, freue ich mich, dass ich dieser vergänglichen Leiden gewürdigt werde. Mag doch der Weizen nicht in die Scheune gesammelt werden, bis die Ähre auf der Tenne zertreten, und das Korn von jeder Spreu gereinigt wurde. Ebenso kann auch meine Seele mit der herrlichen Marterkrone nicht eingehen in das himmlische Paradies, wenn du nicht meinen Körper durch viele Plagen peinigen lässt.“ Den Richter verdross diese Freudigkeit. Nicht um der Marter ein Ende zu machen, sondern um sie noch grausamer fortzusetzen, ließ der Unmensch sie von der Folterbank wegnehmen, und einen Befehl geben, den man nicht ohne Grauen erzählen und hören kann. Er befahl nämlich in seiner unsinnigen Wut, sie an eine Säule anzubinden und ihr die Brüste wegzureißen. Mit bewunderungswürdigem Mut erlitt Agatha diese grausame Tat. „Gottloser, unmenschlicher Tyrann! So ist dir nicht einmal jener Ort mehr heilig, an welchem deine Mutter dich genährt hat? Doch ich habe in meiner Seele noch andere Nahrungsquellen, die du nicht verletzen kannst, durch die alle meine Sinne, die ich von Jugend auf Jesus Christus gewidmet habe, genährt und gekräftigt werden.“ Sie deutete auf den Glauben, die Zuversicht und die Gnade. Jetzt wurde sie ins Gefängnis zurück gebracht und das Verbot gegeben, dass ihr keine Nahrung und kein Wasser, noch viel weniger eine Linderung ihrer Schmerzen durch Arzneimittel zugelassen werden sollen.
Um Mitternacht öffneten sich die Türen des Kerkers mit hellem Glanz. Es trat ein Greis herein. Vor ihm ging ein Junge und trug eine brennende Kerze. Er selbst trug einen köstlichen Balsam in einer goldenen Büchse. Nachdem der Greis Agatha mit großer Freundlichkeit begrüßt hatte, sprach er zu ihr: „Liebe Tochter! zwar hat der Statthalter dich mit schlimmer Pein gequält und geängstigt! Du aber hast ihm noch heftigere Qualen und Angst gemacht durch deine Reden. Seine Wunden werden ewig bluten, die deinen aber komme ich zu heilen.“ Agatha sprach: „Bis jetzt habe ich der leiblichen Arznei nie bedurft; ich brauche sie auch heute nicht. Habe dank für deinen guten Willen!“ Der Greis sprach: „Warum willst du mir nicht erlauben, dich zu heilen?“ Sie antwortete: „Will mein Herr Christus, dass ich gesund werde, so kostet es ihn nur ein Wort.“ Lächelnd sprach nun der ehrwürdige Greis: „Ich bin sein Apostel, und im Namen unseres Herrn gebiete ich dir, dass du gesund wirst.“ Und augenblicklich verschwand er. Und siehe, Agatha war vollkommen geheilt. Mächtig gestärkt an Geist und Seele und mit ganz unverletztem Körper stand sie da, freute sich dankend, und pries Gott für diese Gnade, die er an ihr getan hatte. Die Wache des Gefängnisses war durch die Erscheinung des himmlischen Lichtes in solches Staunen und in so großen Schrecken versetzt, dass die Gefangene ungehindert aus dem Gefängnis hätte entweichen können. Allein sie wollte die nahe Marterkrone nicht verlieren.
Quintianus erfuhr, was mit Agatha im Kerker vorgegangen war. Er war aber zu sehr verblendet, als dass er daran die Macht des einzig wahren Gottes erkannt hätte. Vielmehr schrieb er die Erhaltung und die so wundervolle Heilung Agathas den Zauberkünsten zu, deren die Christen immer beschuldigt wurden. Nach vier Tagen ließ er sie wieder vor sein Gericht stellen und forderte sie auch diesmal auf, von ihrer Torheit abzulassen und den Göttern zu opfern, wenn sie nicht noch schrecklichere Marter erdulden wolle. Agatha antwortete ihm: „All dein Zureden ist eitel und fruchtlos, es ist gottlos und beleidigend. Unglücklicher! Wie kannst du doch so unverständig sein? Wie sollte ich wohl Stein zu meiner Hilfe anrufen und nicht vielmehr den höchsten und einzig wahren Gott, der mich von allen Wunden, die du mir schlagen ließest, so wundervoll befreit hat?“ „Wer hat dich geheilt?“ fragte der Statthalter. Agatha sprach: „Christus, der Sohn Gottes.“ Der Statthalter sagte: „Höre auf Christus zu bekennen, dessen Namen zu hören mir unerträglich ist.“ Agatha erwiderte: „Diesen Namen will ich mit Herz und Mund bekennen und preisen so lange ich lebe.“ Darauf sprach der zornige Richter: „Ich will doch sehen, ob dieser dein Herr Christus dir wird helfen können,“ und ließ jetzt in seiner rasenden Erbitterung allerlei spitze Scherben auf dem Boden ausbreiten, glühende Kohlen darunter mischen und Agatha entkleidet darauf herumwälzen. Gott stärkte sie auch in dieser sehr schmerzhaften Qual. Während diese unmenschlichen Martern an Agatha vollzogen wurden, erfolgte ein plötzliches Erdbeben. Die ganze Stadt wurde erschüttert und eine baufällige Mauer, die an den Richtplatz grenzte, stürzte ein und begrub zwei böse Ratgeber des Quintianus unter ihrem Schutt. Das Volk stürmte herbei und schrie: „Lass ab von dieser, du ungerechter Richter; die Götter rächen die Unschuld!“ So befahl er, sie in das Gefängnis zurückzuführen, und verbarg sich selbst, um der Wut des zornigen Volkes zu entkommen.
Kaum war die Heilige wieder im Gefängnis, als sie ihre Hände zum Himmel erhob und betete: „Herr, mein Schöpfer! mein Schutz und meine Stärke von Jugend an, der du alle böse Neigung aus meinem Herzen vertilgt und meinen Leib unversehrt bewahrt hast, der du mir in den Martern die Gnade großer Geduld und den Sieg über die Wut grausamer Henkersknechte, über die Schrecken des Kerkers und des Feuers verliehen hast, zu dir flehe ich, dass du meinen Geist aufnehmest, denn der Augenblick ist jetzt da, dass ich die Erde verlasse und zu dir, Barmherziger, kommen werde.“ Also gab sie betend ihren Geist auf im Jahr nach Christi Geburt: zweihundertdreiundfünfzig.
Sobald es bekannt wurde, dass die heilige Jungfrau gestorben sei, kamen die Christen, trugen die heilige Leiche heraus, und ordneten alles zu einem anständigen Begräbnis. Fromme Frauen salbten den Leichnam mit köstlichen Spezereien. Als sie ihn mit großer Ehrerbietung in das Grab legten, sah man einen jungen Mann, umgeben von einer Schar lieblicher Kinder, auf das Grab zugehen. Herrlich und majestätisch war er gekleidet. Die Kinder waren alle mit glänzendweißen Gewändern angetan und trugen Kränze auf dem Haupt. Der junge Mann trat zu dem Sarg und nachdem er zu dessen Haupt eine Tafel aus Marmor befestigt hatte, verschwand er mit seinem ganzen Gefolge. Auf der Tafel aber standen die Worte: „Mentem sanctam, + spontanam, honorem Deo + et Patriä liberationem.“
Es ist fromme Gewohnheit, diese lateinischen Worte auf ein Papier zu schreiben, dieses segnen zu lassen und aufzubewahren. Diese Worte, welche eine sehr passende Grabinschrift für die heilige Agatha sind, heißen: „Ein heiliges, leitsames Gemüt zur Ehre Gottes und Befreiung des Vaterlandes.“ Halten wir also lieber Glauben und Treue unserem Gott, lassen uns leiten durch das göttliche Gesetz, sind eifrig im Dienst Gottes und wagen Leib und Leben zur Erhaltung des wahren Glaubens, suchen nicht eigennützig bloß unseren Vorteil, sondern auch den Nutzen unserer Mitchristen, dann verdienen wir über unserem Grab die Aufschrift: Hier ruht die irdische Hülle eines Christen, der ein heiliges und lenksames Gemüt hatte, Gott zur Verherrlichung und seinem Land zum Heil.
Gott verherrlichte seine Dienerin Agatha durch viele Wunder, die er bei ihrem Grab geschehen ließ.
Quintianus gierte nun nach den Gütern der getöteten Agatha. Seiner ungerechten Habsucht sollte seine Grausamkeit zu Hilfe kommen. Er ließ nichts unversucht, die nächsten Verwandten der heiligen Agatha aufzusuchen und aus dem Weg zu räumen. Allein Gottes strafende Gerechtigkeit machte seinen Grausamen Umtrieben bald ein Ende. Als er nämlich in dieser Angelegenheit ausgeritten war und über einen Fluss übersetzen wollte, stürzte er ins Wasser, in dem er seinen durch unzählige Ausschweifungen gezeichneten Geist aushauchte.
Ein Jahr nach dem Martertod der heiligen Agatha hat der Berg Ätna mit solcher Gewalt Feuer ausgespien und so viel Lava ausgeworfen, dass die Stadt Katana in die größte Gefahr kam zu Grunde zu gehen. In dieser schrecklichen Not haben einige ein bei dem Grab der heiligen Jungfrau befindliches Tuch genommen und es dem Lavastrom entgegen gehalten. Dadurch sei dem Strom sogleich Einhalt geschehen und die Stadt vor dem drohenden Untergang gerettet worden. Auf diese Begebenheit hin gründete sich der Brauch, die heilige Agatha in Feuersgefahr um ihre besondere Fürbitte anzusprechen, wobei der Christ jedoch nie vergessen soll, dass die Hilfe selbst nur vom Herrn kommt.
Die am jährlichen Gedächtnistag der heiligen Agatha in der katholischen Kirche übliche Brotweihe soll uns daran erinnern, dass wir das liebe Brot und alle anderen Speisen und Getränke mit herzlichem Dank an Gott und mit christlicher Mäßigkeit genießen und gern auch unseren dürftigen Brüdern und Schwestern etwas davon mitteilen sollen, so dass durch den Genuss der irdischen Gaben unsere geistliche Vervollkommnung befördert und vermehrt werde.
Nach Aussage der Feinde unserer heiligen Kirche herrschte im Mittelalter dunkle Nacht über Deutschlands Ländern. Wir sehen aber in dieser angeblichen Finsternis so viele glänzende Sterne am Himmel der katholischen Kirche, dass wir mit Bewunderung und inniger Freude zu ihnen aufschauen. Insbesondere begegnen uns aus den höheren und höchsten Ständen wissenschaftlich und religiös gebildete Frauen und Männer, die der Welt Lebewohl sagten und hinter stillen Klostermauern nach höherer Vollkommenheit strebten.
Auch Adelheid, die Tochter des Grafen Megengoz von Geldern, schätzte schon in früher Jugend die Reichtümer und Eitelkeiten der Welt gering, und strebte nach nichts so sehr, als das Gewand der Unschuld rein zu bewahren, mit dem die Verklärten im Himmel dem Lamm folgen, wohin es geht. Zur Jungfrau herangereift, nahm sie den Schleier im Kloster zu St. Ursula in Köln. Wegen ihrer ausgezeichneten Tugenden erwählte man sie bald zur Äbtissin. Als ihre Schwester, die Äbtissin des Klosters zu St. Maria im Kapitol zu Köln, starb, musste sie auf Befehl des Erzbischofs auch die Verwaltung dieses Stiftes übernehmen. Ihr einziger Bruder wurde ebenfalls von Tod hingerafft. Die tiefbetrübten Eltern erbauten nun zu Villich bei Bonn eine ansehnliche Kirche nebst Kloster und beriefen ihre Tochter dorthin.
Hatte Adelheid bisher nach der Klosterregel des heiligen Hieronymus gelebt, so führte sie in dem neuen Kloster die Regel des heiligen Benedikt ein, weil ihr diese schärfer und vollkommener erschien. Viele fromme Jungfrauen schlossen sich ihr an, erbauten sich an dem musterhaften Leben ihrer Vorsteherin und wetteiferten mit ihr in Fasten, Gebet und gottseligen Werken.
In ihrer Stellung als Vorsteherin des Klosters leuchtete Adelheid allen Ordensschwestern durch ihre Vollkommenheit vor und hegte zu ihnen eine so fürsorgliche Liebe für ihr geistiges und leibliches Wohlergehen, dass alle freudig ihren Anordnungen und Ratschlägen folgten. Ihre Lebensbeschreiberin, die Nonne Bertha, zeichnet das hochherzige und gottgefällige Leben der heiligen Adelheid in kurzen Zügen so: „Da die hl. Jungfrau nach dem Tod ihres Vaters mit ihrem Eigentum frei schalten und walten konnte, so sorgte sie besonders dafür, dass keine Nonne durch irgend eine Not abgehalten würde, den Weg der Tugend zu gehen und die Satzungen des hl. Vaters Benedikt zu erfüllen. Sie tat alles, was eine Mutter tun konnte; sie verschaffte ihnen alles Notwendige, Kleidung und Nahrung, damit ihre Untergebenen in nichts Schaden litten. Zur Winterszeit, nach vollendetem Frühchorgebet, ging sie wieder in das Schlafzimmer zurück, besah fleißig die Betten der Mädchen und sorgte selbst zugleich, dass sie gehörig erwärmt wurden. Den kranken Schwestern erzeigte sie besondere Liebe und Sorgfalt. Diese vertraute sie nach den Ordenssatzungen nicht nur erfahrenen und zuverlässigen Schwestern an, sondern sah auch, wenn sie nicht gerade verhindert war, selbst nach, kniete vor ihre Betten hin, ordnete die Kissen und reichte ihnen freundlich Arzneien und Speisen. Dabei wurde sie von solchem Mitleid erregt, dass ihr die Tränen über die Wangen herabflossen, als ob sie die Mutter der Kranken gewesen wäre. Ihre größte Sorge war, die Kranken durch geistliche Gespräche zur Geduld und Ergebung in Gottes Willen aufzumuntern.“
Ihre barmherzige Liebe und mütterliche Sorgfalt beschränkte sich aber nicht auf die Nonnen ihres Klosters, vielmehr dehnte sie auch auf die Kranken und Armen der Nachbarschaft ihre wohlwollende und werktätige Liebe aus. Täglich ließ sie fünfzehn Armen außerhalb des Klosters Nahrung reichen, sorgte aber zudem noch für alle, deren Hilfsbedürftigkeit ihr bekannt wurde. Man verehrte sie deshalb allgemein als die gute Mutter der Armen. Damit sie auch nach ihrem Tod ihre Nächstenliebe fortsetzen könne, bestimmte sie zum Unterhalt von mindestens fünfzehn Notleidenden ein Landgut, das ihr durch Erbschaft zugefallen war.
Viele Jahre hatte die heilige Adelheid ihrem Kloster vorgestanden und einen reichen Schatz von Verdiensten für die Ewigkeit gewonnen, als ihr Gott in einer schmerzlichen Halskrankheit ihre baldige Befreiung von den Banden des Fleisches ankündigte. Mit großer Andacht empfing sie die heiligen Sterbesakramente, erweckte fromme Tugendübungen und verschied im Kloster St. Maria zu Köln im Jahr 1015, am 5. Februar. Die Klosterfrauen zu Villich baten den Erzbischof dringend, ihnen den Leib ihrer heiligen Äbtissin verabfolgen zu lassen, was er bereitwillig gestattete. Ihr Fest wird dort mit Oktav gefeiert.
1. Wenn dein ewiges Heil dir am Herzen liegt, so sei wachsam, allen näheren Umgang mit verkehrten und lasterhaften Menschen zu meiden. Denn nicht nur schadest du dadurch deinem guten Ruf bei allen Guten, sondern du selbst auch wirst bald werden wie diejenigen, mit denen du umgehst. Das Böse ist seiner Natur nach ansteckend, und wird leichter als das Gute angenommen. Denn unser eigenes Herz ist heimlich dazu geneigt, und es gelüstet ihm gern nach Verbotenem. Kein Kranker wird gesund, weil er mit Gesunden umgeht, aber gar leicht wird krank, wer viel mit Kranken umgeht.
2. Kein Verworfener ist in der ewigen Verdammnis, der nicht klagte, das böse Beispiel habe ihn dahin gebracht. Wer auch kann je lange unter unkeuschen Menschen sich rein erhalten? Wer lange mit Aussätzigen zusammen leben, ohne selbst aussätzig zu werden? Gern ahmt man solchen nach, die man achtet, und verlernt unter ihnen allmählich den Abscheu vor den Bösen, bis man zuletzt schlimmer wird als sie. Wie viele, die nichts weniger dachten, haben auf diese Weise Glauben und Sitten verloren. Wären also solche Menschen dir auch lieb wie deine Augen, notwendig wie deine Hände, nützlich wie deine Füße, so ermahnt dich dennoch der Herr, sie abzusondern und zu entfernen, wenn du nicht willst in das ewige Feuer geworfen werden.
3. Fürchte dich nicht, solchen zu missfallen, die Gott missfallen. Meide diejenigen, die von Gott sich entfernen, und von denen Gott sich entfernt. Beleidige die Gnade Gottes nicht dadurch, dass du in die Gefahr dich begibst, sie zu verlieren, denn die Gelegenheit ist eine mächtige Feindin, und viele fanden darin den Tod ihrer Seele. Wir selbst geben dem Feind Waffen gegen uns in die Hände, denn er ist nur stark durch unsere Schwäche, oder vielmehr durch unsere Vermessenheit. Wenig vermag er über uns, wenn wir nicht selbst in die Schlinge gingen, die er durch die Gelegenheit uns gibt. Jesus Sirach 13,1+13: "Wer Pech anrührt, dem klebt es an der Hand; wer mit einem Zuchtlosen umgeht, nimmt seine Art an. Gib acht, und sei vorsichtig, geh nicht mit gewalttätigen Menschen!"
Gebet des Pater Cyrillus von der Mutter Gottes zum Prager Jesulein:
O Jesulein, zu dir fliehe ich,
durch deine Mutter bitt’ ich dich,
aus dieser Not woll’st retten mich;
denn wahrhaft glaube ich an dich,
dass du, o Gott, kannst schützen mich.
Vertrauend hoffe ich auf dich,
dass deine Gnad’ werd’ finden ich.
Aus ganzem Herzen lieb’ ich dich,
drum meine Sünden reuen mich,
von denen, flehend bitt’ ich dich,
Jesus, woll’st befreien mich.
Mein Vorsatz ist, zu bessern mich,
und nicht mehr zu betrüben dich,
darum dir ganz ergeb’ ich mich,
zu leiden mit Geduld für dich
und dir zu dienen ewiglich.
Den Nächsten aber gleich wie mich
will wegen deiner lieben ich.
Jesulein, ich bitte dich,
aus dieser Not woll’st retten mich;
dass einstens kann genießen ich
mit Joseph und Maria dich
und allen Engeln ewiglich.
Wir bitten Dich, allmächtiger Gott, gib, dass die Fürsprache der heiligen Gottesmutter Maria, aller heiligen Apostel, Märtyrer, Bekenner und Jungfrauen, und aller Deiner Auserwählten uns überall erfreue, damit wir, ihre Verdienste feiernd, die Macht ihres Beistandes erfahren. Durch ihn, unseren Herrn Jesus Christus, Deinen Sohn, der mit Dir lebt und herrscht in der Einheit des Heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Kirchengebet am 4. Februar
O Gott, der Du den heiligen Blutzeugen Johannes zur Verbreitung des katholischen Glaubens unter der Indern mit unbesiegbarem Starkmut erfüllt hast; verleihe gnädig durch seine Verdienste und Fürsprache, dass wir, die wir das Gedächtnis seines Sieges feiern, auch dem Beispiel seines Glaubens nachfolgen, durch Christus, unseren Herrn. Amen
Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Andreas Corsini
O Gott, der Du Deiner Kirche immer neue Beispiele der Tugend leuchten lässt, verleihe uns durch die Fürbitte des heiligen Andreas die Gnade, in seine Fußstapfen zu treten, dass wir auch zur ewigen Belohnung gelangen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Gebet der Kirche
O Gott, Du hast durch die selige Johanna eine neue Genossenschaft Dir geweihter Jungfrauen zur Nachahmung der Tugenden der seligsten Jungfrau und Mutter Deines Sohnes gründen wollen; gewähre durch deren Verdienste und Fürbitte, dass auch wir denselben Tugendbeispielen nachfolgen mögen. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
Nach der Meinung vieler Schriftsteller geschah am heutigen Tag die Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten. Heute wurde auch in den jungfräulichen Klöstern der Annonciaden in Frankreich das Fest der zehn Haupttugenden Mariä begangen, die da sind: ihre Keuschheit, Klugheit, Demut, Glauben, Andacht, Gehorsam, Armut, Geduld, Liebe, Mitleiden.
Johannes war zu Lissabon am 1. März 1647 von vornehmer Familie geboren. Wegen seiner vorzüglichen Eigenschaften kam er als Mitschüler der jungen Prinzen an den Hof. Seine Mutter hatte ihn so gut erzogen, dass in dieser gefährlichen Stellung seine Tugend nicht nur keinen Schaden litt, sondern zu immer größerer Vollkommenheit sich entwickelte. Allgemein hieß er der Heilige und der Märtyrer. Als ihn im zwölften Jahr eine lebensgefährliche Krankheit überfiel, weihte die Mutter ihn dem heiligen Franz Xaver und gelobte diesem, wenn ihr Sohn genese, er ein Jahr lang das Jesuitenkleid tragen solle. Der junge Page erlangte die Gesundheit und erschien am Hof im Ordenskleid. Von da an war sein heißester Wunsch, in die Fußstapfen des heiligen Franz Xaver zu treten.
In seinem sechzehnten Lebensjahr verließ Johann von Britto den Glanz des Hofes und trat am 17. Dezember 1662 in das Noviziat der Gesellschaft Jesu. Nach der Priesterweihe wurde er auf seine inständige Bitte als Missionar für Indien bestimmt. Am 25. März 1673 fuhr er von Lissabon ab. Auf dem Schiff erhielt er wegen seiner großmütigen Aufopferung für die Kranken den Namen eines neuen Xaver. Im September lief das Schiff in den Hafen von Goa ein. Schon bald bewarb sich Britto um die schwierige Mission von Madura. Mit unermüdlichem Eifer begann er seine apostolische Tätigkeit. Es ist kaum zu glauben, wie viele und wie große Entbehrungen und Widerwärtigkeiten aller Art er mit Freuden erduldete. Seine Nahrung bestand in einigen Früchten. Wein, Fleisch und Fisch genoss er nie. Die mühevollsten Reisen machte er unter den glühenden Strahlen der indischen Sonne und gewöhnlich mit nackten Füßen. Beständig war er den Feindseligkeiten der Brahminen, den Nachstellungen der Räuber und anderer Lebensgefahren ausgesetzt. Vierzehn Jahre hatte er so für das Heil der Seelen mit außerordentlichem Erfolg gearbeitet, da gelang es den Brahminen, ihn ins Gefängnis zu werfen. In einem Brief vom 30. Juli 1686 schreibt er unter anderem: „Wir wurden mit Fußtritten, Faustschlägen, Stockprügeln und aller schlechten Behandlung überhäuft; endlich in Eisen gelegt und verurteilt, in Stücke gehauen zu werden.“ Aber vor den König geführt, verteidigte der Heilige so überzeugend die christliche Religion, dass er freigelassen wurde. Bald darauf reiste er in Missionsangelegenheiten nach Europa. In Lissabon wollte der König seinen ehemaligen Gespielen und Edelknaben als Erzieher seines Sohnes zurückhalten. Nun galt es! Auf der einen Seite die Gunst des Königs und der Großen des Reiches, Ehren und Würden, ein angenehmes Leben am königlichen Hof; auf der anderen Seite ein schlichter, einfacher Missionar, ein Leben voller Entbehrungen und Entsagungen, verfolgt und geächtet, die Aussicht auf einen schrecklichen Martertod. Was wird Johannes wählen? Sein Apostelherz kennt nur eine Antwort: „Was würde der heilige Ignatius und der heilige Franz Xaver, was würde mein Herr und Meister, der Heiland, sagen, wenn ich den Kelch an die Lippen gesetzt hätte, aber nicht den Mut zeigte, ihn vollends auszutrinken?“ Zum zweiten Mal geht die beschwerliche Reise nach Indien. Die Würde eines Missionsbischofs schlug Johannes bescheiden aus; er will wieder unter seinen Parias, der verachtetsten Volkskaste, sein.
In Marava hatte Johannes die Freude, in kurzer Zeit über zehntausend Heiden taufen zu können. Auch ein Prinz, der wunderbar geheilt wurde, wünschte Christ zu werden. Er entließ alle seine Frauen bis auf eine, die er zuerst geheiratet hatte. Aber eine der Entlassenen, eine Verwandte des Königs, stachelte ihn und die Brahminen gegen den Verhassten Missionar auf. Britto erkannte die drohende Gefahr. Aber mit apostolischem Freimut verteidigte er wie Johannes der Täufer das göttliche Gesetz der Ehe. Am Tag, den er vorausgesagt hatte, wurde er verhaftet und in den Kerker geworfen. Das Urteil lautete: Tod durch das Schwert.
Nur mehr etwa fünfzehn Monate war Johannes in Indien tätig gewesen. „Mein Haupt,“ hatte er öfter gesagt, „bewahre ich für den König von Marava auf. Um es ihm zu überliefern, bin ich nach Indien zurückgekehrt.“ Am 4. Februar 1693 führte man ihn auf den Richtplatz. Sein Antlitz strahlte von himmlischer Freude. Er kniete nieder und betete wie in Verzückung. Bei diesem Anblick zaudert der Scharfrichter, das Schwert zu schwingen. Da erhebt der Heilige sich, umarmt ihn und ermuntert ihn seine Pflicht zu tun. Dann kniet er wieder nieder und neigt den Kopf zum Todesstreich. Der erste Hieb schlägt eine tiefe Wunde in die Schulter, der zweite trifft den Nacken, erst beim dritten Schwertstreich rollt das Haupt in den Staub. Der Henker hieb noch Hände und Füße ab und hing sie mit dem Kopf an den dazu errichteten Pfahl. Fast lautlos entfernte sich die Menge, die Heiden erstaunt über den Heldenmut des Martyrers, die Christen glücklich, einen Glauben zu bekennen, der mit dem Blut ihres Apostels besiegelt ist. Johannes de Britto wurde am 21. August 1853 von Papst Pius IX. selig- und am 22. Juni 1947 von Papst Pius XII. heiliggesprochen.
Auf die Ehre der Welt hat Johannes de Britto verzichtet, dafür ist ihm die Ehre des Himmels zuerkannt worden. Viele Menschen machen es umgekehrt. Wer nun handelt weise?
Kirchengebet am 4. Februar
O Gott, der Du den heiligen Blutzeugen Johannes zur Verbreitung des katholischen Glaubens unter der Indern mit unbesiegbarem Starkmut erfüllt hast; verleihe gnädig durch seine Verdienste und Fürsprache, dass wir, die wir das Gedächtnis seines Sieges feiern, auch dem Beispiel seines Glaubens nachfolgen, durch Christus, unseren Herrn. Amen
Die Kirche feiert das Andenken dieser Heiligen am 4. Februar. Uns allen tritt diese edle Frauengestalt so oft lebendig vor Augen, so oft wir die 6. Station des heiligen Kreuzweges beten oder betrachten.
Wir können das Andenken der heiligen Veronika nicht besser feiern, als wenn wir recht innig die große feierliche Begebenheit betrachten, wie sie dem göttlichen Heiland das Schweißtuch darreicht.
1.
Achtzig Schritte von der Stelle, wo Simon von Cyrene zum Kreuztragen gezwungen wurde, stand ehemals das Haus der Veronika. Uralte Handschriften nennen diese Frau Berenice. Hier soll sie aber den Namen „Veronika“ behalten, denn Veronika heißt auf Deutsch „wahres Bild“ und weil Christus in ihr Tuch das wahre Bild seines Antlitzes eindrückte, so ging dieser Name „Veronika“ auch auf die Besitzerin des Tuches über. Man nimmt gewöhnlich an, dass sie bereits eine Jüngerin Jesu war und von seiner Unschuld, sowie von der Göttlichkeit seiner Sendung vollkommen überzeugt war, weshalb ihr sein Leiden um so tiefer zu Herzen ging.
Veronika tritt, als sich der Zug nähert, aus der Tür ihres Hauses auf die Straße. Sie trug um das Haupt ein Tuch, das über die Schulter herabhing. Solche Tücher, etwa dreimal so lang als breit, trugen nach damaliger Art die Frauen um Haupt und Nacken, auch ein zweites um die Schulter gewunden, beide von feiner Wolle. Es war auch Sitte, Trauernden und Weinenden oder Ermüdeten damit entgegenzutreten, um ihnen die Tränen oder Schweißtropfen vom Gesicht abzutrocknen. Veronika sieht Jesus mühselig einherschwanken. Seine Kräfte sind gebrochen, die Hitze der morgenländischen Mittagssonne brennt scharf auf sein dornenumflochtenes Haupt nieder, Blut und Schweiß mischen sich untereinander und fallen in schweren Tropfen von Stirn und Angesicht herab.
Von Liebe und Mitleid fast außer sich, dringt Veronika durch den Haufen der Soldaten, löst eilends ihr Tuch vom Haupt und hält es dem Heiland kniend als Schweißtuch entgegen. Der Herr nimmt es mit Wohlgefallen an, drückt es gegen sein schweiß- und blutbenetztes Angesicht und gibt es mit einem Blick des innigsten Dankes der Veronika wieder zurück.
Diese nicht achtend des Gespöttes wie der Flüche der grausamen Peiniger, drückt das Tuch wie ein hochgeweihtes Andenken an ihr Herz, eilt damit zurück in ihr Haus, legt es ausgebreitet auf den Tisch hin und sinkt mit einem Schrei der seligsten Überraschung auf ihre Knie nieder, denn auf dem Tuch erblickt sie das blutige Angesicht ihres armen Jesus in seiner Jammergestalt wunderbar abgedrückt. O welch ein kostbares und teures Geschenk seiner Liebe!
Nach den Angaben der Tradition kam das heilige Schweißtuch in den Besitz des heiligen Clemens, der nach Petrus der dritte Papst war. Es wurde durch die Jahrhunderte hindurch in großen Ehren gehalten. Papst Paul V. setzte es nach prachtvoller Prozession in der Peterskirche bei, wo es bis heute aufbewahrt wird. Am Karfreitag wird es alljährlich zur Verehrung ausgestellt.
2.
Der Heiland gibt sein Bild einer Frau, weil sie ihm auf dem Leidensweg in so liebevoller Weise beigestanden ist.
Welch ein preiswürdiges Vorbild ist die edle Veronika für alle christlichen Frauen und Jungfrauen!
Eilt auch ihr zu Jesus, weiht ihm eine Träne des Mitleids, bietet ihm das Schweißtuch dar, das heißt, tröstet ihn in den Kranken, helft ihm in den Armen, trocknet sein Blut und seine Tränen in den Unglücklichen, ihr könnt und sollt ihm diesen Dienst erweisen. „Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan, das habt ihr mir getan.“ Fürchtet nicht den Spott und die Missachtung einer ungläubigen Mitwelt. Seid stark im Glauben und in der Liebe zu Jesus. Der lebendige Glaube ist eure schönste Krone. Eine Frau ohne Glauben gleicht einem Stängel ohne Blume. Aus diesem Glauben kommt die wahre und reine Liebe. Das ist euer Schmuck. Eine Frau ohne die christliche Liebe ist gleich einer Blume ohne Farbe und Duft. Die Schöpferhand Gottes hat den Glauben und die Liebe als zarte Pflanzen in euer Herz gelegt, veredelt sie im Sonnenglanz der göttlichen Liebe Jesu und zieht sie groß.
Gott hat deshalb diese edlen Anlagen und Gefühle in eure Seelen gelegt, dass ihr sie pflegt und heiligt und sie ihm zum Opfer hingebt. Bringt ihm dieses Opfer und er wird euch belohnen wie Veronika, er wird die Züge seines heiligsten Bildes auch in eure Seelen drücken. Für den kleinen Dienst erhaltet ihr große Belohnung.
3.
Christliche Frau! Das Leiden ist ganz besonders dein Los und Anteil, du hast es in noch größerem Maß zu kosten als der Mann. Aber deine Stärke, dein natürlicher Adel ist das Mitleid mit den Leidenden. So trage dein Leiden Jesus zu Liebe und es wird versüßt: zeige das Mitleid wo und wie du kannst, dann wirst du eine wahre Veronika, das heißt, das „wahre Abbild“ Jesu Christi, dann wird das göttliche Passionsbild Zug für Zug in deine Seele gezeichnet, und dieses Bild wird sich verklären nach dem Bild der Herrlichkeit des göttlichen Sohnes. So steigst du empor zu deiner ursprünglichen Würde und Hoheit.
Euch, ihr christlichen Frauen und Jungfrauen, hat der Heiland mit seinem Bild beschenkt, weil er euch die Liebe und das Mitleid tief ins Herz gepflanzt hat. Darum gebt Acht auf diese zarten Regungen der Natur, helft, tröstet, leidet, das ist euer Ruhm, das eure Größe, das eure Zierde für Zeit und Ewigkeit.
Doch Ehre sei Gott und Preis seiner göttlichen Führung!
Die christliche Frau hat dieses Geheimnis erfasst, sie ist in der Tat die mitleidige Veronika. Sie opfert sich dem Dienst der kranken und leidenden Menschheit in den verschiedenen Orden der Wohltätigkeitspflege und hält so dem Herrn das Schweißtuch dar. Sie eilt in stiller Stunde in das arme Stüblein eines Verlassenen und bringt ihm Labung und Trost, Labung für den Leib, Trost für das Herz.
Sie sitzt Tage und Nächte lang am Krankenbett ihres Mannes, ihrer Eltern, ihrer Kinder, und ermüdet nicht in diesem opferreichen Beruf. Sie ist bemüht, die Schmerzen zu lindern, das Elend zu mildern, sie ist ein tröstender Engel der leidenden Menschheit. Und das ist ihre Stärke, ihr schönster Schmuck, ihr höchster Adel. Christliche Frauen, verleugnet niemals das angeborene Mitleid, seid entschlossen, wo es gilt, Gutes zu tun. Nehmt euch ein Beispiel an Veronika und euer Lohn wird groß sein im Himmel, und ihr werdet einst als Engel der Liebe und Erbarmung glänzen vor dem Thron des göttlichen Lammes.
4.
Veronikas Begegnung mit dem Heiland und die Darreichung ihres Schleiertuches ist eigentlich der einzige Lichtpunkt auf seinem Leidensweg, keine einzige Wohltat wurde dem armen Jesus erwiesen. Simon wurde zum Kreuztragen gezwungen und kam erst nach und nach zur Einsicht der ihm aufgenötigten Gnade, sogar die Begegnung mit seiner heiligsten Mutter war für ihn mit großem Leid verbunden, die mitleidigen Frauen von Jerusalem konnten ihn nicht trösten, sondern nur traurig stimmen, weil sie selbst keinen Trost zu bieten hatten – und so folgte im ganzen langen Lauf des Kreuzweges Schmerz auf Schmerz, Schmach und Entehrung, Todesangst und Schrecken bis zur letzten schlimmsten Verlassenheit auf dem Kreuzesstamm und dem „Consumatum est“ (Es ist vollbracht) des göttlichen Dulders.
Einzig schön und freundlich leuchtet Veronikas Liebestat aus all diesem Wehe hervor. Eine Tat so einfach, so voll des besten Willens, wie nur die liebende Seele sie erfindet und vollbringt. Und der Heiland hat sie angenommen, hat sie in seiner unendlichen Güte und Erbarmung verklärt und verewigt als eine ihm in höchster Bedrängnis erwiesene Wohltat.
Wo immer seither der Kreuzweg gebetet wird, wird auch der edlen Frau gedacht, ihre Tat bleibt in ständiger Erinnerung aller gläubigen Herzen, sie wird nie mehr vergessen werden für alle Zeiten!
* * *
Aus dem Lexikon für Theologie und Kirche:
Veronika von Jerusalem, Name einer legendären Frau, die in einer reichen und verworrenen Legendenentwicklung vom 4. bis 16. Jahrhundert immer neue, konkretere Züge erhält und im Spätmittelalter in Verbindung mit einem vielverehrten Christusbild zur volkstümlichen Heiligen wird. Anfang des 4. Jahrhunderts sehen die palästinensischen Christen in einer Bronzegruppe eines stehenden Mannes und einer knieenden Frau zu Paneas das Standbild, welches die blutflüssige Frau (Mt 9,20 u. Parall.) zum Dank für ihre Heilung dem Herrn habe errichten lassen und das man auf dem Lateransarkophag nachgebildet sehen möchte. Im Abendland wird die blutflüssige Frau mit Martha von Bethanien identifiziert; im Osten führt sie schon im 4. Jahrhundert den Namen Berenike oder Beronike und tritt als Zeugin gegen Pilatus auf. In der Weiterentwicklung der Pilatuslegende, vor allem in der norditalienischen Cura sanitatis Tiberii (zwischen 6. u. 8. Jahrh.) und der südgallischen Vindicta Salvatoris, wird in vielerlei Varianten berichtet, dass der schwerkranke Kaiser Tiberius, um Heilung durch Jesus zu finden, einen Boten nach Palästina schickte, der aber dort vom Kreuzestod des Herrn hörte, darauf Pilatus gefangen setzen ließ und die geheilte Blutflüssige mit einem Bild, das sie noch zu Lebzeiten Christi habe malen lassen, nach Rom brachte, wo der Kaiser beim Anblick alsbald geheilt wurde und sich taufen ließ. Das Bild habe der Kaiser in kostbare Steine fassen lassen. In dieser älteren Berichtsform, die vor allem die Bestrafung des Pilatus und der Juden betonen will, sind Veronika und ihr Bild nur von nachgeordneter Bedeutung. Eine jüngere Legende dagegen weiß, dass Veronika in Rom blieb, Umgang mit Petrus und Paulus hatte und das Christusbild beim Tod dem heiligen Klemens vermachte. Nach der Cura sanitatis Tiberii hat sie das Bild, auch Tuch der Veronika genannt, aus Verehrung für Christus malen lassen; nach jüngerer Version sei ihr, als sie mit dem Tuch zum Bemalen unterwegs war, Christus begegnet, habe es an sein Gesicht gedrückt und seine Züge ihm eingeprägt, nach anderer Fassung, erst nachdem Lukas 3mal vergeblich versucht, die Gesichtszüge festzuhalten. Wieder nach anderen habe Christus, als er ermüdet bei Veronika anlangte, ein Tuch zum Abtrocknen erbeten und darauf sein Bild hinterlassen. In dieser gesamten älteren Veronikaüberlieferung ist nie die Rede davon, wo dieses Bild verblieben ist. In Rom aber steht ein Christusbild in der Peterskirche, dessen Herkunft unsicher, dessen Identität mit einem dort schon im 8. Jahrhundert erwähnten nicht beweisbar ist, seit dem 12. Jahrhundert in hoher Verehrung. Es wurde im Oratorium S. Maria ad praesepe aufbewahrt und von Cölestin III. 1197 unter ein prächtiges Ziborium gebracht. Durch Tiberius sei es nach Rom gekommen, heißt Sudarium, womit der Herr seinen Blutschweiß im Ölgarten getrocknet, auch vultus effigies und im Volksmund Veronyca, Veronica; eine Beziehung zur älteren Veronikalegende wird abgelehnt, die Bezeichnung rühre vielmehr von einer Bildbeischrift vera icon her. Daraus auch die ganze Veronikalegende abzuleiten, geht nicht an, da sie viel älter ist. Nach J. Wilpert besteht das heutige Sudarium in St. Peter aus Linnen mit rostbraunen Flecken, auf das Ende des 12. Jahrhunderts ein eigentliches Bild Christi aufgelegt worden sei. Das römische Sudarium wurde oft nachgebildet; manche Repliken kamen wieder zu höchstem Ansehen, wie die von Jaen, Montreuilles-Dames, in S. Silvestro in Capite und S. Maria Maggiore in Rom, S. Bartolomeo degli Armeni in Genua, Cadouin.
Im weiteren Mittelalter besaß fast jede Kirche ein derartiges Bild, in Tafel- oder Wandmalerei oder in Stickerei. Lange nur einfache Darstellungen des lebenden, verklärten Heilandes, ohne Andeutung des Leidens, zeigen sie später die Spuren und Beigaben der Passion (Bluttropfen, Dornenkrone). Die Entstehung des Urbildes wird nun unter der für das Leiden Christi interessierten Zeitströmungen mit dem Kreuzweg in Verbindung gebracht; während desselben habe Veronika, erst in späterer Vorstellung eine der weinenden Frauen, dem Herrn ihr Tuch gereicht, um das vom Blutschweiß entstellte Gesicht abzutrocknen. Die Passionsspiele und die Itinerarien, die auf der Via dolorosa genau das Haus der Veronika und die Stelle der Tuchreichung verzeichnen, gestalten diesen Zug für die Volksvorstellung wie für die Kunst besonders fruchtbar. Das Bild Christi erscheint jetzt auf einem Tuch, gehalten von den Apostelfürsten, Engeln, meist von Veronika selber. Ihr legendäres Bild ist jetzt voll ausgereift; sie ist Heilige, deren Fest seit Ende des 15. Jahrhunderts am 4. Februar gefeiert wird, verehrt gegen Blutfluss. Nach anderer Legende ist sie Gespielin Mariens, kommt später mit ihrem Mann Amator nach Gallien und fördert dort das Missionswerk des heiligen Martial; ihr Leib wird in Soulac verehrt. Die kritische Forschung wie kirchliche Stellen haben früh den geschichtlichen Charakter der Veronikalegende abgelehnt. Unter Veronikas Schutz haben sich gestellt: Das Veronikawerk für katholische Pfarrhausangestellte in Baden und die Katholischen weltlichen Schwesternschaften Veronika in München.
1. Niemals wirst du zu dem wahren Frieden der Kinder Gottes gelangen, so lange du dein Herz nicht von dieser Welt entfesselst, weil du niemals zur Freiheit gelangen kannst, sondern, je nach ihrem beständigen Wechsel, bald fröhlich, bald betrübt und verwirrt sein wirst. Nicht umsonst verglichen alle heiligen Lehrer die Welt dem Meer, wo beständige Stürme herrschen, wo alle Fluten bitter sind, wo die kleineren Fische beständig von den größeren verschlungen werden, und wo die Schiffer in fortwährender Gefahr schweben, durch Schiffbruch umzukommen. Denn also verhält es sich genau mit der Welt. Wie aber kann je eine christliche Seele diese Welt lieben, und ihr Herz an sie setzen.
2. Indessen können wir dennoch manches von den Schiffern lernen, um unsere eigene Schifffahrt auf diesem sturmbewegten Meer zu ordnen. Fahren nämlich auch die Schiffer auf dem Meer, so trinken sie doch niemals von seinen salzigen Gewässern. Auch halten sie sich nicht auf, ob sie auch an noch so schönen Städten oder Inseln vorüber segeln, sondern sie benützen den günstigen Wind, um in ihrer Fahrt weiter zu kommen, und ihr Ziel zu erreichen, denn nicht das Meer ist ihr ständiger Aufenthalt. Sie segeln nur hindurch und blicken oft zum Himmel und zu den Sternen, den Lauf ihres Schiffes recht zu richten, damit sie den ersehnten Hafen nicht verfehlen.
3. Schließlich sind auch alle Schiffer unablässig beschäftigt. Einige sind bestimmt, das Schiff zu leiten, andere, die Segel aufzuspannen oder einzuziehen. Andere stehen am Ruder, und jeder hat daselbst seine eigene, vom obersten Befehlshaber ihm angewiesene Arbeit, die so lange dauert, als die Schifffahrt selbst, damit sie die Schätze, die sie mit sich führen, glücklich in die Heimat bringen. Also sollen auch wir während unserer Schifffahrt getreu in dem Beruf arbeiten, den Gottes Vorsehung uns angewiesen hat, und diese Welt nur im Vorübergehen gebrauchen. "Denn wir haben hier keine bleibende Stätte, sondern wir suchen die künftige", spricht der Apostel. Psalm 39,13: "Höre mein Gebet, Herr, vernimm mein Schreien, schweige nicht zu meinen Tränen. Denn ich bin nur ein Gast bei dir, ein Fremdling wie all meine Väter."
Maria, du wünschst so sehr, dass dein Sohn Jesus geliebt wird. Wenn du mich liebst, so bitte ich dich, erlange mir die Gnade, dass ich eine große Liebe zu Jesus erhalte, so dass ich nichts anderes liebe als Jesus allein. Erlange mir auch eine große Liebe zu dir, die du das liebreichste und liebenswürdigste unter allen Geschöpfen bist, und von Gott am meisten geliebt wirst. Erlange mir doch von Gott eine größere Liebe. Denn dich lieben ist eine Gnade, die Gott nur denen gewährt, deren Heil dir am Herzen liegt. Amen.
Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Blasius
O Gott, befreie uns durch die Fürbitte des heiligen Blasius von jedem Übel der Seele und des Leibes, und lass uns Deiner teilhaftig werden, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Anscharius
Verleihe uns, o Gott, dass wir durch die Fürbitte des heiligen Bischofs Anscharius alle Leiden dieser Welt geduldig ertragen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
Verschiedene Ordensstände der Benediktiner, Kluniazenser, Zisterzienser, Karmeliter hielten von dem gestrigen Fest eine Oktav. Von dieser Oktav schrieb schon Gerson in einem Brief, den er aus der Kirchenversammlung zu Konstanz im Jahr 1416 schrieb.
Die Lebensgeschichte dieses heiligen Bischofs ist uns unbekannt. Wir wissen von ihm nur, dass er Bischof von Sebaste war, und auf Befehl des Agricolaus, des Statthalters von Cappadocien und Kleinarmenien, um das Jahr 316, während der Verfolgung des Licinius, gemartert wurde. Ferner finden wir noch in den Akten des heiligen Eustrat, der unter Diocletian hingerichtet wurde, dass der heilige Blasius, der Bischof von Sebaste, seine Gebeine mit Ehrfurcht sammelte, um sie mit jenen des heiligen Orest zu begraben, und dass er mit aller Genauigkeit die letzten Befehle des seligen Eustrat (13. Dezember) vollzog. Das Fest unseres Heiligen ist bei den Griechen ein gebotener Feiertag, und wird am 11. Februar gefeiert. Man findet auch seinen Namen in den alten Martyrologien des Abendlandes, die dem heiligen Hieronymus zugeschrieben werden. Als durch die Kreuzzüge die Gebeine des heiligen Blasius ins Abendland gebracht wurden, ist seine Verehrung da zugleich sehr verbreitet worden. Durch viele wunderbare Heilungen, die auf seine Fürbitte geschehen sind, hat sich die Verehrung dieses heiligen Märtyrers beim Volk noch vermehrt. Er ist Titularpatron von Ragusa.
Dürfen wir wohl der Peinen gedenken, die die Märtyrer aus Liebe zu Jesus Christus erduldet haben, ohne uns unserer Feigheit zu schämen? Was für eine Unbeständigkeit in unseren Entschlüssen, einem Gott zu dienen, der so viel für uns getan hat! Die kleinste Beschwerde bringt uns in Verwirrung, und wir kehren schnell wieder auf den Weg unserer ersten Verirrungen zurück. Werden wir denn nie den Mut haben, unser Leben nach unseren besseren Einsichten einzurichten? Werden wir uns immer als Schwächlinge vom Strom der Welt hinreißen lassen, ihren verführerischen Beispielen folgen, und ihre falschen Grundsätze annehmen, die wir doch, als dem Geist des Evangeliums zuwider, verdammen, wofern wir nur ein wenig mit ruhigem Gemüt über dieselben nachdenken? Werden wir nie aufhören, Sklaven einer Einbildung zu sein, die die Hindernisse immerdar in unseren Augen vergrößert, um uns vom einzig wichtigen Werk der Bekehrung stets zurückzuhalten. Soll uns denn immer die Eigenliebe blenden, die uns unsere Schlaffheit unter trügerischem Schein verbirgt? Fassen wir heute einen neuen Entschluss, uns fest an Gott anzuschließen. Allein dieser Entschluss muss auch wirksam sein, und uns siegreich aus allen Kämpfen führen, die wir gegen das Fleisch und die Welt zu bestehen haben, und die uns immer in unsere alten Treulosigkeiten zurückzuwerfen versuchen.
Viele hundert Jahre lang war der heilige Blasius eigentlich „jedermanns Heiliger“, so wie der heilige Antonius oder der heilige Franziskus es in unserer Zeit sind. Besonderes Interesse an ihm hatten alle, die es mit der Medizin zu tun hatten, sicherlich, weil er auch Arzt war. Menschen, die eine Krankheit im Hals haben, wenden sich besonders an St. Blasius, und bis zum heutigen Tag wird an seinem Festtag ein besonderer Segen gegeben, als Schutz gegen solche Krankheiten.
Sein Ruf war so groß, dass die Einwohner der Stadt in Armenien, in deren Nähe er lebte, ihn zum Bischof haben wollten. Zunächst mussten sie ihn erst einmal finden, denn er hatte so eine Art, sich an den unmöglichsten Orten zu verstecken; eine Höhle in den Bergen oder eine hohle Eiche im Wald waren ihm gerade recht. Jedenfalls ging mit Hast und Eile das Suchen los, eine ganze Menge Volk zog aus, den Einsiedler zu finden. Schließlich kamen sie zu einem hohen Hügel, an dessen Seite eine tiefe Höhle war. Hier fanden sie Blasius, umgeben von den wildesten Tieren, die ihnen bekannt waren, er aber bewegte sich frei und sicher zwischen ihnen, legte ihnen die Hand auf den Kopf und war ganz vertraut mit ihnen.
Es kam dann heraus, dass er dort oben eine richtige Tierklinik gehabt hatte. Die Tiere hatten herausbekommen, dass Blasius ein Arzt war, und dass er auch Operationen machen konnte. Wenn also ein Löwe oder Leopard, Wolf oder Bär sich schlecht fühlte oder sich verletzt hatte, dann ging er zu Dr. Blasius am Hügel. War er am Beten, wenn die Patienten kamen, dann warteten sie geduldig, bis er geendet hatte. Er brauchte keine Medizin und keine Heilsäfte, er berührte sie einfach mit der Hand und rief den Namen dessen an, der ein jedes Tier nach seiner Art erschuf.
Man kann ganz traurig bei dem Gedanken werden, wie es den Tieren wohl erging, als Blasius nicht mehr zu ihrer Hilfe da war. Er wurde Bischof in Armenien, ein Land, das ja für sich in Anspruch nimmt, eins der ersten gewesen zu sein, dass sich zum Christentum bekehrt habe. Leider hat dieser freundliche Mann einen grausamen Tod gehabt. Er wurde wegen seines Glaubens zu Anfang des sechsten Jahrhunderts getötet. Während er im Gefängnis auf sein Ende wartete, machte er die Operation, durch die er so berühmt wurde. Die Legende berichtet, dass er dem Sohn des Gouverneurs eine Fischgräte aus dem Hals zog. Aber ihn selbst rettete das nicht.
Ein anderer, ihm ähnlicher Mann, der auch heilen konnte, war Makarius von Alexandrien, der fast hundert Jahre nach St. Blasius starb. Er lebte in der ägyptischen Wüste und verbrachte eigentlich all seine Zeit im Gebet. Aber er war voll praktischer Liebe und hatte ein mitleidiges Herz für alle Leidenden und Traurigen.
Eines Abends – er betete auf seinen Knien – hörte er jemand anklopfen oder eigentlich kratzen, und das an seiner Zellentür! Ehe er noch öffnen konnte, erschien eine riesige Hyäne, die etwas im Maul trug. Sie kam direkt auf Makarius zu und legte das Paket zu seinen Füßen nieder. Es war ein sehr lebendiges Paket, das sie da hatte, und es enthielt nichts anderes als ihren eigenen Welpen. Der Mönch hob das Kleine vom Boden auf, nahm es auf den Schoß und untersuchte es sorgsam, um zu finden, was ihm fehlte. Er brauchte nicht lange dazu: das hilflose Geschöpf war blind.
Nun kann ganz gewiss kein wildes Tier unter den andern leben, wenn es blind ist. Die meisten Tiere kommen in Höhlen oder im Bau zur Welt und öffnen die Augen erst einige Zeit nach dem Wurf, zum Beispiel das Kaninchen. Sie brauchen ja auch in dem Alter die Augen noch nicht, denn sie leben an einem dunklen, sicheren Ort. Merkwürdigerweise kann der Hase, der dem Kaninchen sonst so ähnlich ist, vom ersten Moment an sehen. Aber Hasen werden ja auch über und nicht unter der Erde geboren und müssen also gleich wissen, wenn Gefahr droht.
Wieso die Hyänenmutter wissen konnte, was mit ihrem Welpen los war, das lässt sich wohl nur durch das Wort „Instinkt“ ausdrücken, der ja in allen Tieren sehr stark ist. Jedenfalls wusste sie es, und ihr fiel sofort Makarius ein. Sie erwischte ihr Junges am Nackenfell und trabte aus ihrem Bau über den Sand, bis sie die Zelle des Mönches erreichte. Das erste, was er tat, war, dem Kleinen die Augen zu salben. Dann betete er laut, und sogleich konnte das kleine Geschöpf seine Mutter zum ersten Mal sehen. Dann wanderten die beiden in ihren Bau zurück, aber die Mutter vergaß den Wohltäter nicht. Am nächsten Tag schon war sie wieder an seiner Tür und brachte ihm ein Schaffell, von dem sie meinte, es könne Makarius nützlich sein. Der alte Mann schüttelte den Kopf, - er war der Ansicht, dass es nicht auf rechtmäßige Art erworben war. Er hielt der Hyäne eine kleine Predigt und legte ihr das Versprechen nahe, in Zukunft Schafe in Frieden zu lassen, dann aber nahm er die Gabe an.
Wenn in unserem Geist die Erinnerung an eine schwere Verfolgungszeit des christlichen Glaubens, an eine Märtyrerzeit auftaucht, so schwebt ihm gewöhnlich das Bild des Amphitheaters zu Rom vor. Ein grausamer Diokletian oder Nero bringt unser beleidigtes menschliches Gefühl in Erregung. Und doch bietet das schon längst christliche England des 16. Jahrhunderts ein Saatfeld von Märtyrerblut, für Christus und seine Wahrheit vergossen, das nicht weniger fruchtbar und glorreich ist als irgend eines aus der Heldenzeit der Kirche. Dort wütete ein Wüstling und Tyrann auf dem Thron, Heinrich VIII., und eine nichtswürdige, eitle Königin, Elisabeth, durch ihre dienstbaren Schergen Jahrzehnte hindurch mit den ausgesuchtesten und gewalttätigsten Mitteln gegen die Katholiken, besonders die katholischen Priester, die ihrer Neuerung in Glaubenssachen zu widerstehen und für die Erhaltung der katholischen Religion zu wirken wagten. Vielfach haben diese seeleneifrigen Apostel sich im Ausland auf ihren gefahrvollen Beruf vorbereitet. Kaum einige Monate, während derer sie von den furchtbaren „Priesterjägern“ wie gehetztes Wild im Land herumirrten, waren ihnen meist zur Aussaat gegönnt. Ein entsetzlicher Tod am Galgen oder ein langes Siechtum im Kerker war ihr Los, ihr zumeist selbst ersehnter Lohn, die Krone eines Märtyrers Christi.
John Nelson dürfen wir heute als ersten dieser ruhmreichen Helden grüßen. Er war im Jahr der Losreißung Englands vom Heiligen Stuhl, 1534, in Yorkshire geboren. Schon hatte er das vierzigste Lebensjahr zurückgelegt, als er von dem Seminar in Douay in Flandern und seinem Zweck hörte. So glühend war er für den Glauben seiner Väter begeistert, dass ihn sein Alter nicht zurückhalten konnte, die Studien nochmals aufzunehmen, um sich zum Dienst der heiligen Kirche in seiner Heimat vorzubereiten. Im Jahr 1573 kam er nach Douay und schon nach drei Jahren war er als würdiger Missionar wieder auf dem Weg nach England.
Allzu kurz war ihm die Gelegenheit gegönnt, am Seelenheil seiner Landsleute zu arbeiten. Am Abend des 1. Dezember 1577 wurde er zu London in seinem Zimmer verhaftet, während er eben beim Lampenschein das Breviergebet, die Matutin für den folgenden Tag, verrichtet. Das genügte natürlich, ihn als papistischen Priester sofort in den Kerker zu werfen. Vor die Kronkommissare gestellt, wurde er aufgefordert, den Suprematseid, der die Königin als Oberhaupt der englischen Kirche erklärte, zu leisten. Er verweigerte ihn ganz entschieden, denn niemals habe er gelesen oder gehört, dass ein weltlicher Fürst mit der obersten Leitung der Kirche betraut sei. Das sei allein der Papst. Als man ihn fragte, was er denn von der englischen Kirche halte, entgegnete er, sie sei ohne allen Zweifel sowohl schismatisch als auch häretisch (irrgläubig). Aufgefordert, was er unter Schisma verstehe, erklärte Nelson: „Das Schisma ist die freiwillige Trennung von der Gemeinschaft des römisch-katholischen Glaubens.“ Sofort zogen die Kommissare den richtigen Schluss: „Wie? Also ist die Königin schismatisch?“
„Das weiß ich nicht,“ antwortete er vorsichtig, „denn ich kenne die Gesinnung ihres Herzens betreffs der Verkündigung und Verteidigung der neuen Religion nicht.“
„Gerade sie ist es,“ drängten die Kommissare, „welche diese Religion verkündigt und verteidigt. Was denkst du also?“ Der Selige schwieg einen Augenblick. Er kannte das Statut wohl, das jeden, der die Königin schismatisch oder häretisch nannte, mit der Strafe des Hochverrats bedrohte. Er wollte sie nicht ohne Not reizen, aber auch seinen Glauben nicht verleugnen. So antwortete er bedingungsweise: „Wenn sie diese Religion öffentlich verkündigt und verteidigt, so ist sie zweifelsohne schismatisch und häretisch.“ Dieses Bekenntnis war genügender Beweis, ihn auf Leben und Tod anzuklagen. Sieben Wochen später wurde Nelson, da er auf dieser bedingt gegebenen Behauptung verblieb, zum Tod des Hochverrats verurteilt. Mit großer Seelenruhe nahm er das Urteil auf. Es war am Vorabend von Mariä Lichtmess. Am Tag nach diesem schönen Muttergottesfest sollte es vollstreckt werden. Mit Fasten und Beten bereitete sich der Selige auf den Hingang vor, der für ihn der Eingang in die unaussprechlichen Wonnen werden sollte, die der Herr seinen treuen Blutzeugen vorbehalten hat. Von irdischen Dingen wollte er so wenig hören, dass er nicht einmal die Märtyrerakten, wie ihm ein Freund riet, zur Lesung nehmen wollte. Er habe Betrachtungsstoff genug, sagte er, und denke an das blutige Leiden, das so viele tausend Heilige für Christus geduldet hatten. Eine Quelle süßer Zuversicht war ihm der Empfang der heiligen Kommunion. Ist doch kein Kerker so tief und keine Mauer zu dick, dass nicht der eucharistische König zum Trost seiner Getreuen Eingang fände. Noch bevor sein Urteil gesprochen war, kamen nämlich einige Katholiken zu ihm in den Kerker und wünschten aus seiner Hand mit dem Himmelsbrot gespeist zu werden. Ein Priester würde ihm denselben Liebesdienst erweisen. Sie schlugen den Tag nach Mariä Lichtmess vor, weil man an diesem Tag am wenigsten Argwohn schöpfen würde. Allein Nelson entschied für vier Tage vorher, ohne eine Ahnung zu haben, dass er dem Martertod unmittelbar nahe sei. Ohne diese glückliche Fügung würde er die heilige Wegzehrung nicht mehr haben empfangen können. Auch hatte der Selige während seiner Gefangenschaft um Aufnahme in die Gesellschaft Jesu nachgesucht und sie erhalten.
Am Morgen des 3. Februar besuchten ihn nochmals zwei seiner Verwandten, vermutlich Brüder. „Was fangt ihr an,“ sprach er zu den Weinenden. „Ich sollte in dieser Stunde von euch getröstet werden. Weint und seufzt über eure Sünden! Was mich betrifft, so bin ich der zuversichtlichen Hoffnung, dass mir dieser Tod das größte Glück bringen wird.“ Gefasst nahm er Abschied. Die ihn besuchenden anglikanischen Geistlichen wies er kurz ab, ohne sich in einen Disput mit ihnen einzulassen. Als die Beamten, die ihn auf die Schleife warfen, ihn aufforderten, er solle die Königin um Verzeihung bitten, weigerte er sich, da er sich keines Vergehens bewusst sei. Die Volksmenge schrie tobend, dann würde er auch mit all den ausgesuchten Qualen eines Hochverräters sterben. „Gut,“ sagte er, „Gottes Wille geschehe! Ich sehe den Tod vor Augen und sterbe gerne. Besser ist es, hier unter den ausgesuchtesten Qualen zu sterben, als die ewigen Qualen der Verdammten in der Hölle zu leiden.“ Schon auf dem Karren stehend, der unter den Füßen weggezogen zu werden pflegte, wenn der Hinzurichtende die Schlinge um den Hals hatte, betete Nelson die gewöhnlichen Gebete eines katholischen Christen nebst dem Miserere, De profundis und Confiteor. Darauf sprach er zu dem versammelten Volk:
„Euch alle, so viele ihr am heutigen Tag diesem Schauspiel anwohnet, fordere ich zu Zeugen auf, dass ich ein Katholik bin und für meinen Glauben, den ich nicht verraten wollte, mit größter Freude Blut und Leben hinopfere. Deshalb bitte ich den allmächtigen Gott, dass er gemäß seiner großen Barmherzigkeit eure Herzen erleuchten wolle, damit ihr wahre Katholiken werdet und im Schoss der heiligen, katholischen, römischen Kirche lebt und sterbt.“
Das Volk schrie bei diesen Worten: „Nieder mit dir und deinem römisch-katholischen Glauben!“ Der Selige aber wiederholte unerschrocken nochmals diese Bitte. Dann bat er alle um Verzeihung und forderte die anwesenden Katholiken auf, für ihn zu beten. Viele riefen offen: „Herr, nimm auf seine Seele!“
Nochmals bedrängten ihn die Beamten, die Königin um Verzeihung zu bitten: Einen Augenblick sich besinnend, sprach der Selige: „Wenn ich sie oder sonst jemand beleidigt habe, so bitte ich sie und jedermann um Verzeihung, wie auch ich allen verzeihe.“
Sobald der Selige hing, wurde er wieder vom Strick losgeschnitten. Man riss ihm, noch bei voller Besinnung, die Eingeweide aus dem Leib. Als der Henker nach seinem Herzen griff, betete der Sterbende noch namentlich für seine Verfolger. Das Volk, das noch kurz zuvor sosehr gegen den Seligen tobte, wurde jetzt hiervon tief ergriffen. Die ehrwürdigen Gliedmaßen des Seligen wurden in der üblichen Weise an den vier Toren der Hauptstadt, sein Haupt an der Londoner Brücke aufgespießt. Nach einem Bericht des Kardinals Allen wirkte Gott durch die Reliquien des seligen Blutzeugen verschiedene Krankenheilungen.
„Für die Frommen ist der Tod nur wie eine Wäsche,“ sagte der heilige Pfarrer vor Ars. Die Wäsche muss erst in der Lauge liegen, dann wird sie schön weiß. Der Tod wird die Frommen zur Verherrlichung. Darum fürchteten sie nicht den leiblichen Tod, sondern nur den ewigen. Lieber die ausgesuchtesten Qualen des irdischen Leidens und Todes als die Qualen der Hölle!
Als das Kind Jesus vierzig Tage alt war, brachten es Maria und Josef zum Tempel nach Jerusalem, um es dem Herrn darzustellen, wie es im Gesetz befohlen war.
Bereits am Tag vorher machte sich die Heilige Familie von Betlehem aus auf den Weg. Der heilige Josef schritt voran, auf dem Rücken trug er einen Rucksack. In der Linken hielt er einen hohen Stock, wie es damals Brauch war, und mit der Rechten führte er am Zügel den Esel, auf dem die Mutter Gottes saß. Im Arm trug Maria das göttliche Kind, das sie sorgsam in ein dickes Wolltuch eingeschlagen hatte, denn es herrschte ein nasskaltes Winterwetter, und ein scharfer Wind blies den Wanderern ins Gesicht. Gegen Abend kam die kleine Reisegesellschaft in der heiligen Stadt Jerusalem an und verbrachte die Nacht bei Bekannten.
Weil die Darstellung Jesu im Tempel schon vor dem Morgenopfer stattfinden musste, standen Maria und Josef in aller Frühe auf, als es noch dunkel war, zogen die Sonntagskleider an, die sich im Rucksack befanden, und stiegen, Maria wieder mit dem Jesuskind im Arm, die steile Straße zum Tempel hinan. Voll Erwartung und Freude waren sie.
So kamen sie schnell dem Tempel näher, und schon hatten sie den ersten, sogenannten Heidenvorhof durchschritten und näherten sich dem Haupttor, da trat ihnen ein alter Mann in den Weg, eine ehrwürdige Gestalt mit langem Silberbart, und der Kranz seines schneeweißen Kopfhaares stand ihm wie ein Heiligenschein. Simeon war es, ein gerechter und gottesfürchtiger Greis, der vom Heiligen Geist die Verheißung erhalten hatte, dass er den Tod nicht schauen werde, bevor er den Gesalbten des Herrn erblickt habe. Jahrelang stand er deshalb jeden Tag in der Frühe am Tempeltor und wartete mit brennender Sehnsucht auf den, der da kommen sollte.
An diesem Morgen sollte sich endlich Simeons Wunsch erfüllen. Als er nämlich die Heilige Familie herankommen sah, wurde ihm innerlich bedeutet, wer die drei Ankömmlinge waren. Hocherfreut trat er vor, verbeugte sich tief und betete im Herzen den Heiland an, und als Maria die Andacht des alten Mannes sah, schlug sie das Tuch zurück und zeigte ihm das göttliche Kind. Jesus aber lächelte Simeon an und streckte verlangend die Ärmchen nach ihm aus, und als Simeon seinerseits es ebenso machte, legte ihm die Mutter Gottes den lieben Heiland zart und behutsam in die Arme. Ehrfurchtsvoll, wie ein Priester das Allerheiligste trägt, empfing der begnadete Greis das Heil der Welt, und weil er wegen seiner altersschwachen Augen kurzsichtig war, hob er das göttliche Kind empor, und da ging von dem Kind ein Licht aus, in dessen Widerschein Simeons Antlitz wie vom Glanz einer brennenden Kerze aufleuchtete, und mit einer Stimme, die vor Freude zitterte, sprach er: "Nun entlässt du, Herr, deinen Diener nach deinem Wort in Frieden, denn es haben geschaut meine Augen dein Heil, das du bereitet hast vor dem Angesicht aller Völker, ein Licht zur Erleuchtung der Heiden und zum Ruhm deines Volkes Israel."
So redete Simeon, und nach diesen Worten geschah es, dass er im Geist verzückt wurde. Die Zukunft tat sich vor ihm auf, er sah von dem Kind auf seinen Armen ein Licht ausgehen, das die ganze Welt in eitel Sonne kleidete, aber daneben erblickte er auch tiefschwarze Schatten, die gegen das Licht kämpften, und zu Maria gewendet, sprach er prophetisch die ahnungsschweren Worte:
"Siehe, dieser ist bestimmt zum Fall und zur Auferstehung vieler in Israel und zu einem Zeichen, dem man widersprechen wird. Und auch deine Seele wird ein Schwert durchdringen, dass die Gedanken vieler Herzen offenkundig werden."
Alles, was Simeon da sagte, ist später in Erfüllung gegangen. Den Heiland hat man ans Kreuz geschlagen, und neben dem Kreuz stand eine Mutter mit sieben Schwertern im Herzen, aber das Licht zur Erleuchtung der Heiden strahlt heute noch in die Welt, und kommen wird der Tag, an dem das Licht die Finsternis endgültig besiegt. Und damit wir an diese Tatsache erinnert und in diesem Glauben gestärkt werden, findet heute bei der heiligen Messe die Weihe der Kerzen statt, deren Licht ein Sinnbild Christi ist.
Von der "heiligen Sippe"
Vor einigen Jahrzehnten wurde das Fest der "Erscheinung des Herrn" das "Fest der Reinigung Mariä und Aufopferung Jesu Christi im Tempel" genannt. Noch weiter zurück in der Geschichte war das Fest den heiligen Vätern und sämtlichen Christen unter dem Namen der "Entgegenkunft des Herrn" schon längst lieb und heilig. Papst Sergius hat die Feier dieses Festes durch die Prozession, die man an diesem Tag mit geweihten Kerzen vornimmt, vermehrt. Die Kirche rückt uns an diesem Tage die Reinigung Mariä und die Opferung des Kindes Jesus ins Gedächtnis. Der heilige Thomas von Villanova sagt: "Diese doppelte Erinnerung soll unsere Freude und Andacht verdoppeln, indem wir den Sohn und die Mutter durch die Feier zugleich verehren." Nach dem heiligen Sophronius nehmen wir dabei brennende Kerzen in die Hand, teils um den dadurch zu ehren, der als das ewige Licht die schädlichen Finsternisse in und um uns zerstreut und mit dem Strahlen seiner Gottheit alles beleuchtet; teils um den reinen Glanz unserer Seele, mit der wir Christus entgegengehen sollen, zu zeigen.
Bitten wir daher Gott am Fest Mariä Lichtmess um die Gnade, allen seinen Geboten und den Geboten seiner Kirche nachzukommen. Wir wollen uns selbst und die, die zu uns gehören, Gott aufopfern und uns, besonders für die bevorstehende Fastenzeit, vornehmen, jede Sünde gegen die Mäßigkeit und Reinheit zu meiden, denn dadurch würden wir das Herz Jesu und das Herz Mariä wie mit einem Schwert durchbohren. Auch verwenden wir etwas von unserem Geld und viel von unserer Zeit zur Ehre Gottes und Mariä oder für einen armen Menschen. Tun wir manches in den kommenden Wochen bis zum Osterfest, wozu wir nicht ausdrücklich verpflichtet sind, weil auch die seligste Jungfrau mehr tat, als sie tun musste. Unterlassen wir keine guten Werke aus Menschenfurcht! Lassen wir, nach den Worten von Jesus selbst, unser Licht leuchten vor den Menschen, damit sie die guten Werke sehen, und den himmlischen Vater preisen. Beim Anblick eines Lichtes bitten wir Gott, er möge unser Herz mit seiner Liebe entzünden, und einst sowohl uns selbst als allen verstorbenen Gläubigen das ewige Licht leuchten lassen. Begleiten wir an Mariä Lichtmess die Prozession, so denken wir dabei, wie Jesus, das Licht der Welt, von seinen heiligen Eltern in den Tempel getragen worden ist. Wir bitten dann demütig, dass wir durch das Befolgen seiner lichtvollen Lehre, auf die Fürsprache Marias und Josefs, Simeons und Hannas, nach dieser Zeit zur Gesellschaft der Heiligen aufgenommen werden. Empfehlen wir uns Maria, dass sie uns beistehe in jenem wichtigen Augenblick, in dem ein guter Mensch uns vor unserem Sterben das geweihte Licht in die Hände gibt und die Sterbegebete für uns spricht. Unsere Augen mögen dann erleuchtet werden, damit wir nicht in die ewige Finsternis kommen, sondern des ewigen Lichtes, der ewig seligen Anschauung Gottes, teilhaftig werden.
Matthias Hergert
Auf dem Fest Mariä Lichtmess ruht der letzte Glanz von Weihnachten. Darum ist es wohl so beliebt. Es heißt aber zugleich Abschied nehmen von der Heiligen Nacht. Zum letzten Mal im Kirchenjahr begegnet uns die Mutter mit dem Kinde lieb. Noch muss sie es auf dem Arm tragen; ganz Mutterliebe und Mutterglück.
Es ist nämlich ein Tag stolzen Mutterglückes für die selige Jungfrau und junge Mutter. Sie darf ihren Erstgeborenen, der bei den meisten Völkern mehr gilt als die Nachgeborenen, weil in ihm sich Gottes Segen in der Ehe geoffenbart hat und weil er zum Stammhalter bestimmt erscheint, in die Öffentlichkeit ihres Volkes tragen und die Frucht ihres gesegneten Schoßes allen Mitmenschen zeigen. Ja, Maria als fromme Israelitin darf ihn sogar dorthin tragen, wo das Herz ihres auserwählten Volkes schlägt, in das Bundesheiligtum. Sie darf ihn hintragen vor das Antlitz ihres Gottes, von dem sie ihr Kind in so wunderbarer Weise erhalten hat, dem noch mehr als bisher die ganze Liebe ihres reinen Herzens gilt. Ihr Kind ist freilich mehr als die Erstgeburt anderer Mütter. Ihn, den Sohn Gottes, brauchte sie eigentlich nicht erst zum Tempel zu bringen, um darzutun, dass er nach dem Gesetz Eigentum Gottes sei. Denn sein Leib ist ein viel hehrerer und kostbarerer, ein mehr von Gottes Gegenwart erfüllter und ihm mehr zu eigener Tempel als das Heiligtum in Jerusalem. Dennoch beugt sich Maria dem Gesetz, weil sie in ihm den Willen Gottes sieht; demütig reiht sie sich in die Schar gewöhnlicher Mütter ein.
Das ließ Gott nicht unbelohnt. Unerwartet durfte sie Segensübermittlerin sein. Fromme Seelen, angetrieben vom Heiligen Geist, warten schon auf sie und das Kind, warten auf den schönsten Tag ihres Lebens, an dem sie schauen durften: „Das Licht zur Erleuchtung der Heiden und den Ruhm des Volkes Israel.“ Nun, da sie vom Arm Mariens Christus empfangen hatten, hatte ihr Leben seine Erfüllung gefunden.
Nicht das erste Mal war die junge Mutter Segensvermittlerin gewesen. Noch ehe sie das Kind geboren hatte, diente sie ihm als Gnadenvermittlerin für das Haus ihrer Base Elisabeth. In der lichtumflossenen Nacht reichte sie ihn den Hirten. Die Weisen aus dem Morgenland fanden in dem Kind auf ihrem Schoß den Lohn einer mühseligen Reise.
Doch meinen wir nicht, nur dem noch kleinen Erlöser habe die Mutter als Vermittlerin dienen dürfen. Das erste Wunder Jesu bei der Hochzeit zu Kana spricht die gleiche Sprache. Und die Kirche lehrt uns, die im Himmel weilende Gottesmutter als unsere allmächtige Fürbitterin zu verehren. Willst du demnach zu Christus: lass ihn dir von der Mutter reichen! Wenn Maria dir Christus vermittelt, dann wird deine Begegnung mit ihm für dich eine segensreiche.
Kirchengebet
Allmächtiger ewiger Gott, wir flehen in Demut zu Deiner Majestät: wie Dein eingeborener Sohn am heutigen Tag in unserer menschlichen Natur im Tempel dargestellt wurde, so lass auch uns mit geläutertem Herzen Dir dargestellt werden. Amen.
Zur Geschichte des Festes: Entsprechend den Zeitangaben in der Heiligen Schrift wird dieses Fest 40 Tage nach Weihnachten gefeiert; im Orient einst 40 Tage nach dem Epiphanietag, den man als den Geburtstag des Herrn auffasste. Seinen Namen hat es von dem Wort des greisen Simeon: „Ein Licht zur Erleuchtung der Völker“. Es ist darum an erster Stelle ein Christusfest und wird als solches auch heute noch in der Kirche des Ostens gefeiert. In Jerusalem ist dieses Fest bereits im 4. Jahrhundert bekannt. Im Jahr 542 wird es für Konstantinopel, bzw. für das ganze byzantinische Reich, angeordnet. Die Veranlassung dazu gab das Erlöschen einer Pestepidemie.
Vom Orient ging dieses Fest im 6. Jahrhundert auf die römische Kirche über. Von Rom aus verbreitete es sich im 7. Jahrhundert nach Spanien und von dort nach Frankreich und Deutschland. In der Festfeier der abendländischen Kirche steht aber mehr Maria im Vordergrund, die Mutter, die das Licht, Jesus, uns geschenkt hat.
Die mit dem Fest verbundene Lichterprozession war schon im Orient ein heiliges Brauchtum, eine Auswirkung des Simeonwortes. In Rom aber verdrängte oder ersetzte sie altgewohnte Fackelzüge, mit denen viel Ausgelassenheit verbunden war.
Die Kirche weiht am Lichtmesstag – schon seit dem 10. Jahrhundert – die Kerzen, sowohl für den liturgischen wie auch für den privaten Gebrauch. Diese sollen in den Wohnungen brennen bei häuslichen religiöser Feiern, bei besonderen Familienfesten, bei Gewitter und Gefahr, bei der Krankenkommunion und am Sterbebett.
(„So feiert dich die Kirche“, Prof. Dr. Carl Feckes, Maria im Kranz ihrer Feste, Steyler Verlagsbuchhandlung, 1957)
Und sprich ein Wort, dann wird auch sie zum Licht.
1. Betrachte in Andacht die Heiligen und Gerechten, die heute im Tempel zu Jerusalem sich versammeln. Dort ist die durch langjährige Abtötung und Gebet leuchtende Prophetin Anna, dort der heilige, von Gottes Geist erfüllte Greis Simeon, dort der heilige Patriarch Joseph, dem der ewige Vater die Pflege der Kindheit seines Eingeborenen übergeben hat, dort Maria, die jungfräuliche Gottesgebärerin, dort endlich Jesus, der Sohn Gottes, der hier seinem ewigen Vater zu einem Morgenopfer sich darbringt, und zwar nun sich loskaufen lässt, doch nur um später durch sein Abendopfer uns selbst loszukaufen.
2. Wie wunderbar ist diese heiligste Versammlung. Wie leuchtend sind die Beispiele der Heiligkeit aller. Ganz besonders aber glänzt bei dieser heiligen Feier die Demut der hochgebenedeiten Jungfrau, die, ob auch reiner denn die Sterne des Himmels, dennoch unter den Sünderinnen zur gesetzlichen Reinigung erscheint, zu der sie nicht verpflichtet ist, da sie vom Heiligen Geist selbst empfangen, und als Jungfrau geboren hat. Sie, die Heiligste der Heiligen, spricht zu dem Priester: "Nimm hin dies Opfer für meine Reinigung, bringe dem Herrn es dar, und bitte für mich!" O Abgrund der Demut! Ach, hätten wir doch bei unseren Sünden die Demut, die die Heiligen bei ihren Tugenden hatten.
3. Diese heiligsten Personen kamen im Tempel zusammen. Der Tempel war ihr Lieblingsaufenthalt. Hier schütteten sie ihr Herz vor Gott aus. Hier empfingen sie Erleuchtungen und Gnaden zu einem so heiligen Lebenswandel. Hier offenbarte Gott ihnen die verborgensten Geheimnisse. Sie alle vereinigten sich mit heiliger Freude um Jesus, den sie als das Licht der Welt mit ehrfürchtigster Liebe umfingen. Thront aber nicht der gleiche Gott und Erlöser in unseren Tempeln? So versammeln wir uns denn mit so vielen frommen und heiligen Seelen, die daselbst mit inbrünstiger Andacht ihn anbeten. Flehen wir ihn um seine Gnade an, und wirken wir getreu damit, dann werden wir dem Tod getrost entgegen sehen, und mit jenem heiligen Greis ausrufen: "Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen." (Lukas 2,29-30)
O mein Gott, ich bringe mich selbst Dir heute zum Opfer dar in Vereinigung mit dem Opfer, das Maria Dir heute darbringt. Ich opfere Dir Deinen Mensch gewordenen Sohn auf und bitte Dich, du wollest mir um Seiner Verdienste willen Deine Gnade verleihen. Ich verdiene sie zwar nicht, aber Jesus hat sich ja selbst Dir zum Opfer darbringen wollen, um sie mir zu erlangen. Erbarme Dich also meiner aus Liebe zu Jesus. Amen.
Zu Gott
Gott, dessen eingeborener Sohn heute im Tempel durch Seine heiligste Mutter dargestellt wurde, verleihe, dass das Leben Marias uns wie ein helles Licht vorleuchtet, und wir durch seine Nachahmung würdig sind, Dir dereinst im Tempel Deiner ewigen Herrlichkeit dargestellt zu werden, durch denselben Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Burkard verdankte sein zeitliches Leben und seine gute Erziehung frommen Eltern aus dem Adelsstand in England, Gott aber ein kindlich frommes Gemüt. Schon als Kind fand er keine Freude an den Kinderspielen, sondern am Beten und am Besuch der Gottesdienste. Unverdrossen erlernte er, was mit der Zeit ihm zu seinem Seelenheil und Beförderung der Ehre Gottes dienen konnte. An zeitlichen Dingen hatte er kaum ein Interesse. Seinen Leib versuchte er durch Enthaltsamkeit als Tempel des heiligen Geistes zu bewahren und mit Tugenden auszuschmücken. Er hatte ein immer größeres Verlangen, mit ungeteiltem Herzen Gott zu dienen. Etwa zu dieser Zeit suchte der heilige Bonifatius, der Apostel Deutschlands, tüchtige Arbeiter für seine große Mission und lud den heiligen Lullus und den heiligen Burkard zu diesem apostolischen Werk ein. Beide folgten dem Ruf und legten mit der Zeit die schönsten Proben ihrer Heiligkeit und ihres Religionseifers ab. Einige sagen, Bonifatius habe den Burkard mit sich nach Rom zum Papst Zacharias geführt und dort zum Bischof von Würzburg weihen lassen. Einige andere sind der Meinung, Bonifatius habe ihn konsekriert und nach Würzburg geschickt, obschon dadurch die Demut des Heiligen sehr gekränkt wurde. Würzburg zählte damals schon viele Gläubige seit der Zeit des heiligen Kilian und seiner Gehilfen. Burkard wurde von ihnen mit Freude im Herrn aufgenommen. In diesem Amt war der treue Oberhirt das Licht zur Erleuchtung der noch übrigen Heiden und der treue Haushalter der göttlichen Geheimnisse für die Gläubigen, indem er mit Nachdruck sowohl auf den heiligen Glauben, als auf die Erfüllung der Glaubensvorschriften drang, weil ohne beides die Erbarmung Gottes fruchtlos, ja nur zu größerer Verdammung sein würde. Seine Predigt wurde durch seinen Lebenswandel bestätigt und sein Hirtenamt durch sein eifriges Gebet von Gottes Geist gesegnet. An ihm sah man die christliche Sanftmut gegenüber jedermann, Geduld bei den Lästerungen böser Zungen, Mitleid gegenüber Armen und Betrübten, große Abtötung seiner selbst, Demut im ganzen Lebenswandel und bei der Hauseinrichtung, Gebets- und Seeleneifer, so dass sein geistliches Ansehen bei Großen und Kleinen vieles vermochte, wodurch die Ehre Gottes befördert wurde, weil der Heilige alles nur aus der Liebe zu Gott tat. Durch seine große Verehrung Gottes erhob Pipin die Bischöfe von Würzburg zu Grafen des Landes.
Um der Religion Kraft und Würde zu geben und die Gläubigen zur Dankbarkeit und Andacht zu ihren ersten Glaubensboten zu bewegen, fasste Burkard nach zwei Jahren seines Hirtenamtes den frommen Entschluss, die heiligen Leiber des heiligen Kilian und seiner Gehilfen zu erheben und der öffentlichen Verehrung auszusetzen. Für den guten Ausgang seines Vorhabens verordnete er einen Tag des Gebetes und des Fastens. Dann ging er mit der Geistlichkeit und dem Volk an den Ort, wo man glaubte das Heiligtum zu finden. Dort stach der erste in die Erde. Andere Arbeiter gruben die Erde aus und das Heiligtum wurde gefunden, das sich durch Wohlgeruch und Heilung vieler Pestkranken bei und nach der Entdeckung bewährte. Auf ihren Gräbern wurde eine Kirche erbaut und von nun an wurden diese Märtyrer öffentlich verehrt. Burkard stiftete auch mehrere religiöse Institute für Frauen und Männer. Seine Hirtentreue war von Gott so gesegnet, dass die ganze Umgegend zu Jesus Christus bekehrt wurde. Indessen nahmen bei seiner zehnjährigen Amtsführung seine Kräfte zusehends ab und er sehnte sich danach, die letzten Lebenstage enthoben von der Hirtenlast in stiller Ruhe zu verleben und sich zum Tod zu bereiten. Mit Bewilligung des heiligen Lullus (Bonifatius predigte damals in Friesland) und Pipins weihte er den zum Nachfolger bestimmten Megingaud oder Megingoz, einen Jünger des heiligen Wigbert, zum Bischof und übergab ihm den Hirtenstab. Darauf zog er nach Hohenbrug, einem einsamen Ort des Bistums, nahm den Büchervorrat mit sich, und verlebte da mit sechs Mönchen oder Priestern, die den frommen Eifer mit ihm teilten, den Rest seiner Tage im Wachen, Fasten und Beten. Er starb am 9. Oktober 752, wurde neben dem heiligen Kilian auf dem Marienberg begraben, wo er unter Anrufung des heiligen Andreas ein Kloster gebaut hatte. Hugo, Bischof zu Würzburg, erhob mit Erlaubnis und auf Befehl Papst Benedikts VII. die Gebeine des Heiligen im Jahr 983 am 14. Oktober, weshalb sein Andenken um diese Zeit gehalten wird. Die Ehre des Heiligen vor Gott wurde bekannt durch viele Wunderwerke.
Der heilige Laurentius war von Geburt ein Römer und Ordensmann und als der heilige Papst Gregor vierzig Missionare im Jahr 596 nach England schickte, denen er den heiligen Augustin zum Anführer gab, begleitete sie Laurentius aus heiligem Eifer zur Verbreitung des wahren Glaubens. Sie besuchten auf ihrer Reise durch Frankreich den christlichen König und die frommen Bischöfe und kamen endlich glücklich in England an, wo sie der König Ethelbert sehr gütig aufnahm und ihnen zu Canterbury Wohnungen anwies, wo sie durch ihre Predigten und ihr heiliges Leben viele Heiden und im Jahr 597 den König selbst zum Christentum bekehrten. Als die Zahl der Bekenner Jesu sich von Tag zu Tag vergrößerte, reiste Laurentius wieder nach Rom, um dem obersten Kirchenhirten die günstigen Nachrichten ihres segensvollen Unternehmens zu hinterbringen und ihn zu bitten, einen Bischof zu ernennen für die neuen Christengemeinden. Papst Gregor erwählte den heiligen Augustin zum Erzbischof zu Canterbury und überschickte ihm bei dieser Gelegenheit das Pallium, mehrere Glaubensprediger, geistliche Kleidungen und heilige Reliquien. Bis auf das Jahr 608 arbeitete Augustin rastlos an der Bekehrung der Engländer, der Sachsen und Angeln, und ernannte und weihte noch vor seinem Tod den heiligen Laurentius zu seinem Nachfolger, der nicht nur nach dem Beispiel seines Vorgängers mit unermüdeter Sorgfalt über die ihm anvertraute Herde wachte, sondern auch alle Mittel anwendete, um die Bewohner Schottlands und anderer angrenzender Länder im wahren Glauben zu erhalten und sie zu bewegen, mit der römischen Kirche zu gleicher Zeit das Osterfest zu feiern.
Schon stand die Kirche in England in der hoffnungsvollsten Blüte, als der fromme König Ethelbert starb und sein Sohn Eduald den Thron bestieg, der ein lasterhafter Mensch war, im Heidentum lebte und sogar die Gemahlin seines Vaters zur Beischläferin hatte. Noch größer wurde das Unglück und die traurige Lage der christlichen Religion, als auch Sabereth starb, der so christlich gesinnte sächsische König, und seine drei Söhne überall die Gläubigen verfolgten und den Götzendienst wieder einführten. In einer Versammlung der Geistlichen unter dem Vorsitz des Erzbischofs wurde also beschlossen, das Bekehrungswerk Englands ganz wieder aufzugeben und über Frankreich und Rom zurückzukehren. Schon hatten Melitus und Justus, die eifrigsten Gefährten des heiligen Laurentius, England verlassen, und auch er war schon bereitet, ihnen mit den übrigen Missionaren nachzufolgen, als er die letzte Nacht vor seiner Abreise in der Hauptkirche der heiligen Apostelfürsten Peter und Paul unter vielen Tränen zu Gott um die Erhaltung der verfolgten Kirche flehte und schließlich von einem Schlummer überfallen wurde. Da erschien ihm der heilige Apostel Petrus, schlug ihn mit einer Geißel heftig und wies ihn hin auf die Treulosigkeit, die durch das Blut Jesu so teuer erkauften und ihm von Gott anvertrauten Seelen dem Verderben zu überlassen. „Hast du“, sprach er, „deine heiligen Pflichten ganz vergessen und gilt dir mein Beispiel denn gar nichts, der ich Ketten und Schläge, Gefängnis und Qualen, ja selbst den Martertod willig gelitten habe, ohne je daran zu denken, durch Flucht meine Herde zu verlassen?“ Diese Ermahnung und Züchtigung ermutigte den heiligen Erzbischof so sehr, dass er sogleich am folgenden Morgen zum König ging, ihm die frischen Wunden seines Körpers zeigte und im Namen des wahren und lebendigen Gottes ihn beschwor, abzulassen von der Verfolgung der Kirche Jesu und die errichteten Götzenbilder zu zerstören. Der König wurde gerührt, er änderte seinen lasterhaften Lebenswandel, empfing die heilige Taufe zur Vergebung seiner Sünden, ließ den Melitus und Justus wieder aus Frankreich zurückbringen und unterstützte und beförderte die Bemühungen der frommen Glaubensprediger so eifrig, dass in kurzer Zeit das Christentum in seinem Reich von neuem aufblühte. Unter seiner Regierung noch, nämlich im Jahr 619, starb der heilige Laurentius als ein lebensmüder Greis und wurde in der Kirche der heiligen Apostel neben dem heiligen Erzbischof Augustin beigesetzt.