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  • Foren-Beitrag von Blasius im Thema




    Das Kreuz ist eine Schule der Geduld im Leiden

    Das Kreuz ist für den Christen eine Schule der Geduld im Leiden. Als die Spanier Mexiko eroberten, wollten sie beutegierig nur Gold und immer nur Gold. Freiwillig gaben aber die Mexikaner ihre Schätze nicht heraus; darum griffen die Spanier zu allerlei Torturen, und legten sogar den Kaiser Guatimozin und seinen Diener auf glühende Kohlen, um sie zum Geständnis zu zwingen, wo die Schätze verborgen lägen. Das war aber eine unerträgliche Qual; kein Wunder also, daß der Diener bittend zu seinem Kaiser hinüber schaute, damit er doch selbst gestehe oder ihn gestehen lasse, wo sich ihre Kostbarkeiten befänden. Der Kaiser aber meinte, es heiße einem Diener nicht allzu viel zumuten, wenn er dasselbe leiden müsse, was sein Herr leide. Daher rief er ihm vorwurfsvoll zu: „Schau her, liege ich denn auf Rosen?“

    Nun ist ja aber angesichts der zahllosen Leiden, die Tag für Tag auf das arme Menschenherz herein brechen, nichts so erklärlich, als daß es den Mut und die Geduld verliert. O, der fromme Verfasser der Nachfolge Christi hat recht, wenn er sagt: „Wende dich nach oben, wende dich nach unten, wende dich nach innen, wende dich nach außen, zur Rechten oder zur Linken: allüberall wirst du finden ein Kreuz, ein Leid!“ – Am Rhein, im sogenannten Siebengebirge, gibt es eine Stelle, welche ein siebenfaches Echo bildet; ruft man von dieser Stelle ein Wort, z. B. das Wort Freude hinaus, so tönt es in siebenfachem Wiederhall rings aus den bergen zurück: Freude. Es gibt aber ein Wort, das, mag man es ausrufen von welcher Stelle man will, nicht bloß einen siebenfachen, sondern millionenfachen Wiederhall bildet, und dieses Wort heißt Leiden. Probiere es nur, du armes, Leid gequältes Menschenherz, und rufe es hinaus in die Welt: ich leide, und allüberall her, aus den Hütten der Armen, aus den Fabriken der Reichen, aus den Palästen der Großen, aus den Studierstuben der Gelehrten wird dir ein millionenfaches Echo erwidern: ich leide! Wohl also allen, die da leiden und immer nur leiden und meinen, unser Herrgott halte sie zu hart und mute ihnen mehr zu, als sie tragen können, daß es für sie eine Hochschule, eine Universität gibt, wo sie alles erlernen können, was sie zum Leiden nötig haben, vorab Mut und Geduld und Ausdauer, und diese Hochschule ist der Kalvarienberg, und der Lehrstuhl ist das Kreuz. Wie also, mein Christ, wenn du gern klagen und murren möchtest, daß dir Gott eine zu schwere Last auflade, so blicke doch erst hinauf ans Kreuz und höre, was dein gekreuzigter Heiland dazu sagt: „Schauher, liege ich denn auf Rosen?“ Es ist wahr, dein Leid ist groß, groß am Leib, groß an der Seele! Krankheit, Armut, herbe Verluste, kränkende Angriffe auf deine Ehre, deinen guten Namen, all das verbittert dir das Leben, jawohl, ich weiß das, aber schaue einmal hin auf den dort am Kreuz! Wen hat man so verachtet, so verleumdet, so verspottet, so misshandelt, so gekränkt, wie ihn, den man durch falsche Zeugen zum Verbrecher, zum Missetäter erklären ließ, um ihn ans Kreuz schlagen zu können? „Schau her, liege ich denn auf Rosen?“ Darum gilt dir das Sprüchlein:

    Blick` hinauf, o blick` hinauf!
    Sieh, zum Himmel geht dein Lauf,
    Musst nur nicht gar gleich verzagen,
    Musst dein kreuz geduldig tragen,
    Blicke nur zum Kreuz hinauf!

    aus: Philipp Hammer, Der Rosenkranz, eine Fundgrube für Prediger und Katecheten, ein Erbauungsbuch für katholische Christen, I. Band, 1896, S. 99 -S. 101

    https://katholischglauben.info/das-kreuz...ule-der-geduld/


    Liebe Grüße, Blasius

  • Thema von Blasius im Forum Neues Testament

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    Zweiter Brief des Apostels Paulus an Timotheus 4,10-17ab.

    Mein Sohn! Démas hat mich aus Liebe zu dieser Welt verlassen
    und ist nach Thessalonich gegangen; Kreszenz ging nach Galatien, Titus nach Dalmatien.

    Nur Lukas ist noch bei mir. Bring Markus mit, denn er wird mir ein guter Helfer sein.
    Tychikus habe ich nach Ephesus geschickt.

    Wenn du kommst, bring den Mantel mit, den ich in Troas bei Karpus gelassen habe,
    auch die Bücher, vor allem die Pergamente.
    Alexander, der Schmied, hat mir viel Böses getan;
    der Herr wird ihm vergelten, wie es seine Taten verdienen.

    Nimm auch du dich vor ihm in Acht, denn er hat unsere Lehre heftig bekämpft.
    Bei meiner ersten Verteidigung ist niemand für mich eingetreten; alle haben mich im Stich gelassen. Möge es ihnen nicht angerechnet werden.

    Der Herr stand mir zur Seite und gab mir Kraft,
    damit durch mich die Verkündigung vollendet wird und alle Heiden sie hören.


    Psalm 145(144),10-11.12-13ab.17-18.

    Danken sollen dir, Herr, all deine Werke
    und deine Frommen dich preisen.
    Sie sollen von der Herrlichkeit deines Königtums reden,
    sollen sprechen von deiner Macht.

    Sie sollen den Menschen deine machtvollen Taten verkünden
    und den herrlichen Glanz deines Königtums.
    Dein Königtum ist ein Königtum für ewige Zeiten,
    deine Herrschaft währt von Geschlecht zu Geschlecht.

    Gerecht ist der Herr in allem, was er tut,
    voll Huld in all seinen Werken.
    Der Herr ist allen, die ihn anrufen, nahe,
    allen, die zu ihm aufrichtig rufen.

    Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas - Lk 10,1-9.

    In jener Zeit suchte der Herr zweiundsiebzig andere Jünger aus und sandte sie zu zweit voraus in alle Städte und Ortschaften, in die er selbst gehen wollte.
    Er sagte zu ihnen: Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden.
    Geht! Ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe.
    Nehmt keinen Geldbeutel mit, keine Vorratstasche und keine Schuhe! Grüßt niemand unterwegs!
    Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als erstes: Friede diesem Haus!
    Und wenn dort ein Mann des Friedens wohnt, wird der Friede, den ihr ihm wünscht, auf ihm ruhen; andernfalls wird er zu euch zurückkehren.
    Bleibt in diesem Haus, esst und trinkt, was man euch anbietet; denn wer arbeitet, hat ein Recht auf seinen Lohn. Zieht nicht von einem Haus in ein anderes!
    Wenn ihr in eine Stadt kommt und man euch aufnimmt, so esst, was man euch vorsetzt.
    Heilt die Kranken, die dort sind, und sagt den Leuten: Das Reich Gottes ist euch nahe.

    Aus dem Lektionar der Katholischen Kirche © www.staeko.net
    II. Vatikanisches Konzil

    Dogmatische Konstitution „Dei Verbum“ über die göttliche Offenbarung (18. November 1965), 18–19 (© Libreria Editrice Vaticana)

    Das Zeugnis des hl. Lukas:

    „Nun habe auch ich mich entschlossen, allem von Grund auf sorgfältig nachzugehen, um es […] der Reihe nach aufzuschreiben“ (Lk 1,3)
    Niemandem kann es entgehen, dass unter allen Schriften, auch unter denen des Neuen Bundes, den Evangelien mit Recht ein Vorrang zukommt. Denn sie sind das Hauptzeugnis für Leben und Lehre des fleischgewordenen Wortes, unseres Erlösers. Am apostolischen Ursprung der vier Evangelien hat die Kirche immer und überall festgehalten und hält daran fest; denn was die Apostel nach Christi Gebot gepredigt haben, das haben später unter dem Anhauch des Heiligen Geistes sie selbst und Apostolische Männer uns als Fundament des Glaubens schriftlich überliefert: das viergestaltige Evangelium nach Matthäus, Markus, Lukas und Johannes.

    Unsere heilige Mutter, die Kirche, hat entschieden und unentwegt daran festgehalten und hält daran fest, dass die vier genannten Evangelien, deren Geschichtlichkeit sie ohne Bedenken bejaht, zuverlässig überliefern, was Jesus, der Sohn Gottes, in seinem Leben unter den Menschen zu deren ewigem Heil wirklich getan und gelehrt hat bis zu dem Tag, da er aufgenommen wurde (vgl. Apg 1,1–2). Die Apostel haben nach der Auffahrt des Herrn das, was er selbst gesagt und getan hatte, ihren Hörern mit jenem volleren Verständnis überliefert, das ihnen aus der Erfahrung der Verherrlichung Christi und aus dem Licht des Geistes der Wahrheit zufloss.

    Die biblischen Verfasser aber haben die vier Evangelien redigiert, indem sie einiges aus dem vielen auswählten, das mündlich oder auch schon schriftlich überliefert war, indem sie anderes zu Überblicken zusammenzogen oder im Hinblick auf die Lage in den Kirchen verdeutlichten, indem sie schließlich die Form der Verkündigung beibehielten, doch immer so, dass ihre Mitteilungen über Jesus wahr und ehrlich waren. Denn ob sie nun aus eigenem Gedächtnis und Erinnern schrieben oder auf Grund des Zeugnisses jener, „die von Anfang an Augenzeugen und Diener des Wortes waren“, es ging ihnen immer darum, dass wir die Wahrheit der Worte erkennen sollten, von denen wir Kunde erhalten haben (vgl. Lk 1,2–4).

    Aus:
    https://evangeliumtagfuertag.org/DE/gospel/2019-10-18


    Fest 18. Oktober HL. LUKAS Evangelist


    Lukas, der als Verfasser des dritten Evangeliums und der Apostelgeschichte gilt, war nach der Überlieferung in Antiochien in Syrien als Heide geboren; nach Kol 4,14 war er Arzt und hat als solcher gewiss auch den Apostel Paulus behandelt. Für sein Evangelium hat er als Quellen das Markusevangelium und andere Überlieferungen benützt, dem Ganzen aber sein persönliches Gepräge gegeben. Er betont vor allem die Barmherzigkeit Gottes und die Liebe Jesu zu den Armen und den Sündern; über das Gebet und über den Heiligen Geist sagt Lukas mehr als Matthäus und Markus. In der Apostelgeschichte berichtet er mit historischem Blick und literarischer Kunst über die Anfänge des Christentums. Auch hier hat er verschiedene Quellen benützt; zum guten Teil konnte er als Augenzeuge berichten, da er Paulus auf der zweiten und der dritten Missionsreise begleitete und auch während der römischen Gefangenschaft in seiner Nähe war (vgl. Kol 4,10-14; Phlm 24; 2 Tim 4,11). Die liturgische Verehrung des hl. Lukas ist seit dem 8. Jahrhundert bezeugt.

    https://www.erzabtei-beuron.de/schott/schott_anz/


    Liebe Grüße, Blasius

  • Thema von Blasius im Forum Unsere Fürsprecher




    Heiliger Justus von Autisiodor Märtyrer

    Das Leben und Sterben des hl. Justus wird in einer Schrift erzählt, die schon über tausend Jahre alt ist. Die Geschichte in unsere Sprache übersetzt lautet also: „Es fängt an das Leiden des hl. Märtyrers Justus. Zur Zeit, da der allmächtige Gott die Zahl der Heiligen anwachsen ließ, und Justus neun Jahre alt war, sprach dieser zu seinem Vater Justinus: „Mein Vater, ich habe einen Traum gehabt, daß ein reicher Mann, Namens Lupus, meinen Oheim Justinian in der Stadt der Ambienser im Sklavendienst gefangen hält.“ – Der Vater sprach zum Sohn: „Was wollen wir also machen?“ – Da nun Justin in der Stadt Autisiodor einen Menschen um Geld zu dingen suchte, welcher ihn begleiten sollte, den Bruder aufzusuchen, sprach Justus zu ihm: „Ich bin bereit mit dir zu gehen.“ – Darauf sagte seine Mutter Felicia: „Sohn Justus, wie könntest du einen so weiten Weg antreten? Es könnte dir etwas widerfahren.“ – Er antwortete: „Wenn Gott will, werde ich gehen, und wenn es ihm gefällt, werde ich zurück kommen.“ – Und Justin sagte: „Nimm Brot und Geld und wir wollen unter Christi Leitung die Reise machen, welche wir beschlossen haben.“

    Ungefähr um die dritte Stunde gingen sie fort aus der Stadt Autisiodor und sie kamen gegen Abend, als der Tag sich neigte, zu dem Kastell Melodun. Hier saß am Tor des Kastells ein Blinder und Lahmer und rief: „O seliger Justus, erquicke meine Seele, denn ich leide die Plage des Hungers.“ Der Knabe sagte zu seinem Vater: „Nimm das Brot und erquicke ihn“ und zog sich dann ein Kleidungsstück ab und legte es dem Armen an; der Vater aber fing an ihn darüber zu schelten. Justus antwortete: „Es steht geschrieben: Selig, wer sich erbarmt über den Dürftigen und Armen, in schlimmer Zeit wird ihn befreien der Herr.“ – Und in der Frühe gingen sie hinaus und setzten die Reise fort. Und als sie nach der Stadt Paris kamen, trafen sie einen sehr guten Mann, Hippolyt mit Namen. Er fragte sie, aus welcher Provinz sie wären; jene aber sagten, „aus der Stadt Autisiodor, wir suchen einen Gefangenen“; und es sagte Hippolyt zu ihnen: „Kommt in mein Haus, ich will euch erquicken mit Wein und Honigwasser.“

    Als sie gesättigt waren und die Reise fortsetzten, kamen sie an den Fluss Isara, fanden aber kein Schiff; da sprach Justus zu seinem Vater Justin: „Sieh`, durch Anordnung der Barmherzigkeit Gottes kommt ein Mensch den Fluss herab, wir wollen ihn bitten, daß er uns überfahre.“ Und indem sie so redeten, kam er und sie sagten zu ihm: „Freund, tue den Gefallen, daß du uns über den Fluss fährst; du bekommst Fährgeld dafür und Gewinn für deine Seele.“ Aber er fragte, wer und woher sie seien; und da sie ihm die Mitteilung machten, daß sie ausgehen, einen Gefangenen zu suchen, schiffte er sie umsonst über den Fluss. Und indem sie die angefangene Reise beschleunigten, kamen sie zu der vorgemeldeten Stadt Ambianis und fragten nach dem Handelsmann Lupus oder wo sein Haus wäre. Und da sie ihn gefunden hatten, sagten sie zu ihm: „Unser Anverwandter ist in dieses Gebiet als Gefangener zugeführt worden, und wir haben gehört, er sei bei dir. Aber er fragte, woher oder wer es sei oder was für einen Namen er habe, welchen sie suchten. Darauf antwortete Justinus: „Wir sind Christen aus der Stadt Autisiodor, und mein Bruder, den wir suchen, heißt Justinianus.“ – Und Lupus sprach zu ihnen: „Kommt in mein Haus und ich will euch Herberge geben und euch meine Sklaven zeigen, und wenn ihr den erkennt, den ihr sucht und das Lösegeld zahlt, könnt ihr euren Bruder heim führen.“

    Und da sie zur Abendstunde in das Haus des Lupus gegangen waren, führte er ihnen sein zwölf Sklaven vor. Allein der Gesuchte ward unter ihnen nicht gefunden, erst im Umschauen erblickte Justus den Justinian, welchen er suchte, wie er die Lampe hielt, und sagte: Siehe der Sklave, welcher das Licht anzündet, ist unser.“ Aber dieser sprach: „Woher kennst du mich? Ich habe dich noch nie in dieser Gegend gesehen.“ Und indem er dieses redete, war ein junger Soldat des Verfolgers Riciovarus zugegen; der stand alsbald auf und brachte die Geschichte zu dem Tyrannen und sprach: „Es sind gewisse Menschen in der Stadt Ambianis, die sich auf Zauberkünste verstehen und bekennen, daß sie Christen seien; was ist mit ihnen zu machen?“ – Aber er sprach: Geht und führt sie schnell zu mir, und wenn sie sich weigern zu kommen, sollen sie in den Kerker geworfen werden, bis sie mir vor Augen gebracht werden.“ – Da die Diener fort gingen in die oben erwähnte Stadt und das Haus des Lupus aufsuchten, fanden sie jene nicht mehr daselbst, weil Lupus vorher in der Nachtzeit zu ihnen gesagt hatte: „Steht auf und nehmt den Menschen, der eich angehört, und euer Geld, damit nicht die Vorgesetzten euch ergreifen.“ Und da die Diener dem Riciovarus so meldeten, daß jene schon aus der vorgemeldeten Stadt entwichen wären, sagte der Tyrann zu ihnen: „Es sollen vier Knechte sich aufmachen und sie schnell zu Pferd verfolgen, damit sie umkehren müssen und, wenn sie widerstreben, getötet werden.“

    Als die Knechte sie verfolgten, fanden sie dieselben bei der Quelle Sirica. Und es sprach zuerst Justinianus zu seinem Bruder Justinus: „Wir wollen ein wenig ausruhen, da wir Wasser hier haben, und wollen Speise nehmen, damit wir besser die Reise fortsetzen können.“ – Und Justus sagte zu ihnen: „Esset geschwinder, weil der Gebieter Riciovarus vier Reiter schickt, die uns zurück führen oder töten sollen. Während ihr Speise nehmt, will ich acht haben, und wenn sie kommen, mit ihnen reden; ihr aber geht in die Höhle und verberget euch.“ – Und wie er dieses sagte,sah er sie von weitem kommen, und sein Vater und dessen Bruder zogen sich in die Tiefe der Höhle zurück. Und die Diener des Herrschers kamen herbei und fragten den Justus, wo die Alten seien oder was für Göttern sie opferten. Aber er antwortete, er sei ein Christ; und da er seine Angehörigen nicht verraten wollte, sagte einer zum andern: „Zieh das Schwert und haue ihm den Kopf ab, und wir wollen ihn dem Herrscher bringen.“ Justus aber betete: „Gott Himmels und der Erde, nimm meinen Geist auf, weil ich unschuldig und eines reinen Herzens bin.“ Und da der Kopf abgeschnitten war, wurden die Diener von großem Schrecken ergriffen. Sie flohen davon und erzählten dem Tyrannen Rciovarus, wie der Hergang gewesen sei.“

    Da die Verfolger sich entfernt hatten, gingen die Angehörigen des seligen Justus aus der Höhle und fanden den Leichnam. Und es sagte Justinus zu seinem Bruder Justinianus: „Was machen wir mit diesem Leib?“ Sie fanden ein altes Gemäuer mit Efeu überzogen, hier beerdigten sie sorgfältig den Körper; das Haupt aber trugen sie mit sich fort. Und sie reisten eilig und langten am dritten Tag in der Stadt Autisiodor an. Und es sprach Felicia, seine Mutter. „Wo ist mein Sohn Justus?“ – Und Justinianus sein Oheim antwortete: „Es hat sich ereignet, daß er gestorben ist.“ – Sie sprach: „Ich sage dir Dank, Gott Himmels und der Erde, der du die unschuldige reine Seele aufgenommen hast“; und sie setzte hinzu: „O seliger Sohn Justus, bitte für mich, der du verdient hast, das Märtyrertum zu erlangen!“ Aber indem sie dieses betete und weinte, hing der Kopf des Märtyrers in Leinwand eingetan im Haus. Da nun die Zeit der Nacht da war, da leuchtete durch göttliche Einwirkung das ganze Haus.

    In jenen Tagen aber war Bischof jener Stadt ein Priester Gottes, Namens Amator. Er ist ganz früh aufgestanden zu den Metten und sagte zu seinen Brüdern: „Ich habe große Lichter gesehen über dem Haus des Justinus, wovon die ganze Stadt hell geworden; geht geschwind und erforscht, was dies gewesen. Da gingen drei Priester hin und fragten den Justinus, was das für eine Bedeutung mit dem Licht habe, das in der Nacht über seinem Haus erschienen sei. Und es sagt Justinus zu ihnen: „Mein Sohn Justus ist umgekommen in ferner Gegend; die Diener des Gebieters Riciovarus haben uns gemeinsam verfolgt, und indem wir uns geflüchtet haben, ergriffen sie meinen Sohn, hauten seinen Kopf ab und kehrten zurück. Und wir haben seinen Leib am nämlichen Ort begraben, neben der Quelle Sirica im Gebiet Bellovac, und wir haben sein Haupt genommen, damit seine Mutter ihn küssen könne. Und da es in unser Haus gebracht war, ist um die dritte Stunde der Nacht ein Licht vom Himmel gekommen, davon das Haus und die ganze Stadt durch Fügung Gottes erleuchtet ward.“

    Erstaunt meldeten dies die Priester, welche vom Bischof gesandt waren, den Brüdern und dem hl. Amator selbst, und jubelnd über ein so schönes Wunder sagten sie Dank dem allmächtigen Gott. Und der Bischof befahl, daß sie eine Tragbahre und Leuchter nehmen und das Haupt zur Kirche tragen und beerdigen in der Gruft des Hauses Gottes, wo der Bischof selbst einst zu ruhen vorhatte.Und um das Zeugnis des guten Werkes zu vollenden, so war in jener Stadt ein Mädchen von 16 Jahren, von Geburt an blind, und es rief und sprach: „Heiliger Justus, bitte zu deinem Gott, an den ich auch glaube und den ich bekenne, daß er das Licht meinen Augen gebe.“ Und alsbald wurden durch göttliche Kraft ihre Augen geöffnet, und es sahen die Priester die Herrlichkeit Gottes und alle lobten und priesen Gott, weil ihnen ein großes Wunder gezeigt worden. An ihn glauben die Völker, ihm sei Ehre und Herrlichkeit in alle Ewigkeit. Amen.“

    Du siehst in dieser Legende, wie ein Kind von übernatürlicher wunderbarer Seelenstärke durch gewaltsamen Tod seinen Eltern entrissen wird. Gewöhnlich sieht man einen unmäßigen Jammer bei den Eltern, wenn ihnen ein Kind stirbt, gar wenn es das einzige ist; dieser unmäßige Jammer ist aber gerade ein Zeichen, wie wenig der christliche Glaube wahrhaftig und lebendig in solchen Eltern wohnt.Sieh` an der Mutter des hl. Justus, wie eine Christin den Tod des Kindes aufnimmt; sie weinte wohl, aber vor Allem dankte sie Gott, daß er das Kind, da es noch unschuldig war, zu sich genommen und für die Ewigkeit gesichert habe, und sie sah von nun an das Kind an als ihren Fürsprecher im Himmel. Mich dauert kein Kind, wenn es stirbt, sei es mir auch noch so lieb gewesen; es ist ja gerade durch seinen frühen Tod vor dem vielen Leid und Kummer bewahrt, was das spätere Leben bringt, und ist bewahrt vor dem größten Unglück, vor der Sünde und ewiger Verdammung. Es mag wohl sein, daß Gott deshalb fast die Hälfte der Menschen schon in der Kindheit sterben läßt, um sie auf diese Weise für den Himmel zu retten. Ach, fast jedem Menschen kommt zuweilen der schmerzliche Wunsch: wäre ich doch als Kind gestorben! – Missgönne doch deinem eigenen Kind nicht, wenn ihm Gott das Glück eines frühen Todes beschert hat!

    Die Reliquien vom hl. Justus sind aber in viele Hauptkirchen verteilt worden und stehen in großer Verehrung. In manchen Kirchen hat am heutigen Tag auch das Brevier eine eigene Lesung über den hl. Justus, und in der Messe wird gebetet: „Gott, der du den seligen Justus, dem alter nach ein Kind, dem Glauben nach aber groß, durch den Sieg des Leidens zur ewigen Herrlichkeit geführt hast: verleihe, bitten wir, daß seine verehrungswürdige Fürsprache uns helfe und wir Genossen der ewigen Herrlichkeit werden, durch Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen.“ –

    aus: Alban Stolz, Legende oder der christliche Sternhimmel, Bd. 4 Oktober bis Dezember, 1872, S. 101 – S. 106

    https://katholischglauben.info/heiliger-...odor-maertyrer/


    Liebe Grüße, Blasius

  • Foren-Beitrag von Blasius im Thema



    Lieber Aquila, danke für Deinen Beitrag, eine Ergänzung:

    Das Kreuz ist ein Füllhorn des Segens

    Es soll sodann das Kreuz in einem christlichen Hause auch deshalb nicht fehlen, weil es fürs zweite ein Füllhorn des Segens ist. Im Volksglauben ist viel die Rede von einem Zauberstab, womit man alles in Gold verwandeln könne; wer einen solchen besäße, wäre bald reich; er würde ganze Felsenstücke in Gold verwandeln. Ein solcher Zauberstab ist aber das Kreuz; es spendet Segen für Leib und Seele, wie die Nachfolge Christi so schön sagt: „Im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Leben, im Kreuz ist Schutz, im Kreuz ist Erguss himmlischer Wonne, im Kreuz ist Starkmut der Seele, im Kreuz ist Freude des Geistes, im Kreuz der Gipfel der Tugend, im Kreuz die vollkommene Heiligkeit im Kreuz die ewige Seligkeit.“

    Der also hat recht, der vom Kreuz singt:

    O Kreuz des Herrn, so von Segen,
    O Gnadenborn auf allen Wegen,
    O selig, wer dich lieb gewonnen,
    O selig, wer mit dir begonnen,
    Mit dir beschlossen seine Pfade,
    Mit dir dem Throne Gottes nahte!

    Als Student kam der Verfasser einmal an einem Sonntag-Abend durch ein Dorf im bayerischen Hochgebirge an der Grenze von Tirol, und fand die ganze Gemeinde, jung und alt, klein und groß auf einem freien Platz um ein Kreuz herum knien und den Rosenkranz beten. Noch heute ist der Eindruck in seiner Seele nicht verwischt, den dieser Anblick auf ihn gemacht; das Bild des Gekreuzigten, von den Strahlen der untergehenden Sonne beleuchtet, ragte über die betende Schar noch empor. Aber noch nie hat ihn ein Kruzifixbild so ergriffen, wie jenes, um das die ganze Dorfgemeinde kniete; es kam ihm vor, als sei es nicht bloß das Bild, sondern der gekreuzigte Heiland selbst, der da über der Menge schwebe, um ihre Gebete zu hören und einem jeden aus seinen fünf Wundmalen gerade jene Gnade zufließen zu lassen, die er am meisten bedürfe; denn unwillkürlich muss einem sei solchem Anblick das Wort des Herrn in den Sinn kommen: „Wo zwei oder drei in meinem Namen beisammen sind, da bin ich mitten unter ihnen.“. Wo er aber ist, da ist Segen, Friede und Glück, und wo er nicht ist, da ist der Fluch. Eine solche Gemeinde geht also gewiß nur gesegnet nach Hause: zu unserm göttlichen Erlöser kommt man nicht, um – leer fort zu gehen. Wo nun aber das, was dort die ganze Gemeinde getan, Haus- und Familiensitte ist, wo Vater und Mutter mit ihren Kindern täglich um dasKruzifix zusammen knien, um Gott ihren Glauben, ihre Hoffnung und Liebe zu bekennen und ihre Anliegen vorzutragen, soll da der Heiland mit seiner Gnade und seinem Segen nicht in ihrer Mitte sein? O gewiß, das Kreuz im Haus ist ein Füllhorn des Segens. Welch ein Glück also für eine Familie, und welch ein Glück für jedes Kind, wenn in einem Haus die Sitte herrscht, daß kein Kind schlafen geht, ohne daß ihm Vater und Mutter ein Kreuz auf die Stirn gemacht und es gesegnet haben!

    Das Kreuz ist für den Christen ein Zufluchtsort in der Versuchung und Anfechtung. Es ist ein bekanntes Bild, das ein Kreuz auf einem Felsen im wild aufgeregten Meer vorstellt, woran sich ein Kind anklammert, um von den anprallenden Wogen nicht mit fort gerissen zu werden. Es betet gut, wenn es betet:

    Ich klamm`re mich an deines Kreuzes Nägel,
    Der du für mich gestorben bist,
    Und lehne mich ans Kreuz, daß du mir helfest,
    Geliebter Heiland, Jesus Christ!

    Das Menschenleben gleicht ja aber nur allzu oft, wie schon oben gesagt, dem aufgeregten Meer, und es dringen die Versuchungen und Anfechtungen gar häufig wie stürmische Wogen auf das schwankende und zagende Herz ein, um es mit fort zu reißen in Sünde, Schuld und Verderben. Wohl also ihm, wenn es sich beizeiten erinnert, daß es Zufluchtsstätten gibt, wo es sich vor solchen Stürmen schützen kann, und daß eine der sichersten – das Kreuz ist. –

    aus: Philipp Hammer, Der Rosenkranz, eine Fundgrube für Prediger und Katecheten, ein Erbauungsbuch für katholische Christen, I. Band, 1896, S. 97 -S. 99

    https://katholischglauben.info/das-kreuz...orn-des-segens/


    Liebe Grüße, Blasius

  • Thema von Blasius im Forum Unsere Fürsprecher



    Ignatius mit dem Beinamen Theophoros, „Gottesträger“, war nach dem Apostel Petrus und dem hl. Evodius der dritte Bischof von Antiochien in Syrien. Nach der Legende war er das Kind, das Jesus den Jüngern vorstellte, als sie darüber stritten, wer der Größte sei. Der Apostel Johannes soll sein Lehrer gewesen sein. Um 110 wurde er unter Kaiser Trajan wegen seines Glaubens verhaftet und nach Rom gebracht. Auf der mühsamen Reise schrieb er seine berühmten sieben Briefe, Ausdruck seiner glühenden Christusliebe und seiner Sorge um die Einheit der Gemeinden unter ihrem Bischof. An die Gemeinde von Rom schickte er einen Brief voraus, in dem er flehentlich darum bat, man möge nichts für seine Freilassung unternehmen. In Rom wurde Ignatius zum Tod verurteilt und im Kolosseum von den wilden Tieren zerrissen.



    Die Einheit

    „Seid darauf bedacht, nur eine Eucharistie zu feiern; denn es gibt nur einen Leib unseres Herrn Jesus Christus und nur einen Kelch zur Vereinigung mit seinem Blut; es gibt nur einen Altar, wie auch nur einen Bischof mit der Priesterschaft und den Diakonen.“ (Ignatius, Brief an die Gemeinde von Philadelphia)



    „Lasst es geschehen, dass ich den wilden Tieren zum Fraß diene; durch sie wird es mir vergönnt sein, zu Gott zu gelangen. Ich bin ein Weizenkorn Gottes; ich muss von den Zähnen der wilden Tiere zermahlen werden, um reines Brot Christi zu werden ... Feuer, Kreuz, ein Haufen wilder Tiere mögen über mich kommen, nur damit ich zum Herrn Jesus Christus gelange ... Gönnt es mir, die Leiden meines Gottes nachzuahmen!“ (Ignatius, Brief an die Gemeinde von Rom)



    Schriftlesungen für Märtyrer

    oder für Hirten der Kirche

    AUS:

    https://www.erzabtei-beuron.de/schott/sc...2FOktober17.htm


    Liebe Grüße, Blasius

  • Foren-Beitrag von Blasius im Thema




    Von dem Wert der Versuchungen

    Wesen und Nutzen der Versuchungen


    „Mein Sohn, willst du den Dienst Gottes antreten, so halte auf Gerechtigkeit und Gottesfurcht und mache dich auf Versuchungen gefaßt. Trage, was dir Gott auferlegt. Alles, was dir widerfährt, nimm an: harre aus im Schmerz und sei geduldig in deiner Demut; denn Silber und Gold wird durch Feuer geprüft, die Lieblinge Gottes aber im Ofen des Demütigung.“ (Ekkli. 2) Wie der hl. Johannes im Kloster und dann in einem Winkel nahe beim väterlichen Hause diese Lehre des heiligen Geistes befolgte, hast du jetzt gelesen und bewundert; aber sie ist auch für dich gegeben. Damit du sie mutiger befolgst, so denke ernstlich nach:

    1. Über das Wesen der Versuchungen: sie sind für dich das kostbare Material, aus dem du dir die Krone deiner ewigen Glorie bereiten sollst und kannst. Für dich sind die Versuchungen, mit denen dich das eigene Fleisch, oder die Reize der Welt, oder die List des Teufels belästigen, ein peinliches Gemütsleiden härter als eine Krankheit oder eine Widerwärtigkeit: sie machen dich matt und krank im Gefühl der eigenen Verderbtheit und Schwäche, sie beunruhigen deine Seele in ihrem innersten Leben ob der der unendlich wichtigen Folgen, die von deinem Sieg oder von deiner Niederlage abhängen.
    Von Seiten Gottes sind die Versuchungen, die Er dir schickt, Beweise seiner Weisheit und besonderen Liebe. Es kommt keine Versuchung über dich, die nicht von seiner Weisheit zugelassen ist, und jede seiner Zulassungen ist unfehlbar ein Ausfluss seiner Liebe. Seine göttliche Fürsorge wägt und bemißt genau die Versuchung, mit der Er dich auf die Probe stellen will, nach dem Grade deiner schwäche; Er läßt nicht zu, daß an dich, sein Kind, der Teufel heran trete, ohne daß Er ihm die Bedingungen genau vorgeschrieben, dich aber durch seine Einsprechungen zum voraus gewarnt und mit angemessenem Gnadenbeistand bewaffnet hat. O daß du es erkänntest, mit welch` zärtlicher Sorge dich seine Liebe umgibt, während du versucht wirst! „Wo warst Du, o mein Jesu, während meines schrecklichen Kampfes?“ klagte der hl. Antonius in der Wüste. „Nahe bei dir, mein Sohn, während der ganzen Zeit“, tröstete ihn der Herr. So oft du also unter dem Druck der Versuchungen seufzest, deren dich die Weisheit und Liebe Gottes würdigt, erwecke einen lebendigen Akt des Glaubens an seine Nähe und an die stets bereite Fülle seiner Gnade.

    2. Bedenke den Nutzen der Versuchungen. Der hl. Apostel Jakobus nimmt keinen Anstand zu sagen: „Haltet es für lauter Freude, meine Brüder, wenn ihr in mancherlei Versuchungen fallet, und wisset, daß die Prüfung eures Glaubens Geduld wirkt, die Geduld aber das Werk vollendet, so daß ihr vollkommen und ganz seid und an nichts Mangel habt.“ (Jak. 1, 2. 3.) Die Versuchungen bringen dir namentlich drei Vorteile:

    a) Die Erkenntnis deiner selbst. Was dir die Eigenliebe verbirgt, decken die Versuchungen schonungslos auf. Du meinst, es stehe bei dir ziemlich gut; drückt aber eine Versuchung auf deine Gefühle, so gewahrst du mit Schrecken, daß dein Stolz, deine Sinnlichkeit, deine Habsucht, dein Ehrgeiz weit größer und mächtiger ist, als du für möglich hieltest. Daher sagt ein berühmter Kenner des geistlichen Lebens: „Die Versuchungen machen dich nicht schlecht, sondern sie zeigen dir nur, wie schlecht und schwach du noch bist.“

    b) Fortschritt in der Tugend. Die Versuchungen verwunden in dir tödlich die Eigenliebe und befreien dich so von seinem schlimmsten Feind: sie machen dich wachsamer und verhindern dadurch, statt dich zu neuen Sünden zu verleiten, eine Menge derselben: sie befestigen dich in der Gottesfurcht und tragen viel dazu bei, daß du die so kostbare Gnade der endlichen Beharrlichkeit erlangst. „Die Versuchung“, sagt der hl. Augustin, „ist ein Feuer, welches das Gold glänzender macht und das Stroh verzehrt: der Gerechte wird reiner und vollkommener, der Böse aber geht zu Grunde.“

    c) Die Schönheit der Siegeskrone. Die Versuchungen bieten dir die häufigste und günstigste Gelegenheit, mehr Verdienste und eine größere Glorie im Himmel zu erwerben; denn sie vermehren die Liebe Gottes zu dir und deine Liebe zu Gott, sie flößen dir eine größere Hochschätzung der Gnade ein, die in demselben Grade in dir zunimmt, je höher du sie ehrst und schätzest: dadurch werden deine Siege vollständiger, größer dein Lohn, glorreicher deine Krone.

    Prüfe diesen Nutzen der Versuchungen am hl. Johannes und ahme ihn nach. –


    aus: Otto Bitschnau OSB, Das Leben der Heiligen Gottes, 1881, S. 756 – S. 757

    https://katholischglauben.info/von-dem-w...r-versuchungen/



    Liebe Grüße, Blasius

  • Thema von Blasius im Forum Schon gewusst ?



    Einer gibt darauf folgende Antwort:

    Kreuze schaun von Bergeshöhn
    Auf das Weltgetümmel,
    Nennt man ja das Kreuz so schön
    Leiter zu dem Himmel.

    Kreuze rings am Wege stehn,
    Um den Pfad zu weisen,
    Pilger, die zum Kreuze gehen,
    Werden sicher reisen.

    Kreuze in den Häusern stehn,
    Jeder muss sie tragen;
    Ist der Herr am Kreuz zu sehn,
    Darfst du auch nicht klagen.

    Kreuze auf den Gräbern stehn,
    Hoffnung zu erwecken,
    Sind wir mit dem Kreuz versehn,
    Kann der Tod nicht schrecken.

    Das ist aber lange nicht alles, was das Kreuz dem Christen ist. Darum soll es hier der Reihe nach gesagt werden, was dem Christen das Kreuz ist und sein soll.

    Das Kreuz ist vor allem dem katholischen Christen ein kostbares Hausgerät. Forstleute bringen oft an ihrem Haus innen und außen Rehhörner und Hirschgeweihe, Wirte an dem ihrigen Schilder und ähnliche Abzeichen an, damit man daran erkenne, wer in dem Hause wohne, welchen Beruf er habe, welches Geschäft er treibe. Das Abzeichen aber, woran man erkennt, daß ein katholischer Christ in dem Hause wohnt, der als solcher seinen Beruf gewissenhaft ausübt, ist das Kruzifix. Darum gehört das Kreuz in jedes christliches Haus, und sollte unter der Aussteuer, womit junge Brautleute von Eltern, Verwandten und Hochzeitsgästen ausgestattet werden, niemals fehlen, damit man es diesem Hausgerät sofort ansieht, wer in dem Hause wohnt.

    Um so weniger sollte das Kreuz in einem christlichen Hause fehlen, als es fürs erste eine mächtige Schutzwaffe gegen alle Feinde des Heiles ist. Dieses Zeichen ehren die Engel und fürchten die Teufel. Es ist Meinung der Gottesgelehrten, daß es Geister gibt, denen Gott den Vollzug der Urteile seiner strafenden Gerechtigkeit, den Vollzug seiner Strafgerichte überträgt, wie es der König David bezeugt, wenn er sagt: „Feuer, Hagel, Schnee, Eis und Sturmwinde richten seine Befehle aus“. Klar wird dies uns gesagt im Buch Sirach, im 39. Kapitel: „Es gibt Geister, die zur Rache erschaffen sind, und durch ihren Grimm die Marter verstärken. Zur Zeit des Verderbens lassen sie ihre Macht aus, und besänftigen wieder den grimm dessen, der sie gemacht hat. Sie frohlocken über seine Befehle, stehen bereit an dem Ort, wo er ihrer bedarf, und übertreten, wenn ihre Zeit gekommen ist, sein Gebot nicht. Hiervon war ich von Anbeginn überzeugt; ich erwog und dachte nach, und hinterließ es schriftlich.“ Wo nun aber diese Geister der göttlichen Rache das Kreuz sehen, da gehen sie schonend vorüber. Denn dasselbe ist ihnen heute noch geradeso verehrungswürdig wie damals, wo auf Gottes Geheiß jener Engel, der „das Zeichen des lebendigen Gottes hatte“, ihnen zurief: „Beschädigt nicht die Erde, noch das Meer, noch die Bäume, bis ich gezeichnet habe die Diener unseres Gottes an ihrer Stirne“.

    Das Kreuz ist also eine Schutzwaffe selbst gegen die Geister der göttlichen Rache, mehr aber noch – gegen die Geister der Bosheit. Der Teufel fürchtet das Kreuz, denn das Kreuz hat ihn mit seiner ganzen Macht bankrott gemacht. In der Geheimen Offenbarung steht geschrieben: „Ich sah einen Engel nieder fahren vom Himmel, der hatte den Schlüssel des Abgrundes und eine große Kette in seiner Hand. Und er faßte den Drachen, die alte Schlange, welche ist der Teufel und Satan, und fesselte ihn auf tausend Jahre, und er warf ihn in den Abgrund und verschloß und versiegelte ihn über ihm,, daß er nicht mehr verführe die Völker, bis tausend Jahre vollendet wären, und danach muss er losgelassen werden auf eine kurze Zeit.“ Was ist denn nun aber unter dem Schlüssel des Abgrundes und dem Siegel, womit der Abgrund über dem Teufel versiegelt, und der Kette, womit der Satan gebunden ist, zu verstehen? –

    Gerhard von Pleisse erzählt, nach Siegeberg habe man einmal ein besessenes Weib gebracht, um sie aus der Gewalt des besitzenden Geistes zu befreien. In der Kapelle des hl. Michael habe man sie oder vielmehr den geist in ihr über allerlei ausgefragt, und sei dabei auch die Rede auf den in der Hölle gebundenen Luzifer gekommen. Da habe aber der böse Geist durch den Mund des Weibes erwidert: „Toren! Mit welchen Ketten glaubt ihr meinen Meister im Abgrund gebunden, mit welchem Schlüssel verschlossen, und mit welchem Siegel verwahrt? Drei Worte sind es, die im Messbuch stehen, durch diese ist er gebunden, verschlossen und versiegelt.“ Er weigerte sich aber, diese drei Worte auszusprechen und verlangte das Messbuch, um sie zu zeigen. Das Messbuch wurde gebracht und ihm dargereicht; er öffnete es, traf mit dem ersten Griff den Kanon und setzte den Finger auf die Stelle, wo es heißt: „Per ipsum, durch ihn, et cum ipso, und mit ihm, et in ipso, und in ihm.“ Da sind, sagt er, die drei Worte, durch die mein mEister in den Abgrund fest gebannt ist. Diese Worte werden aber vom Priester jedesmal mit drei Kreuzen begleitet und heißen gerade so viel wie jene, die bei der Beschwörung angewandt werden: „Per Deum vivum, durch den lebendigen Gott, per Deum verum, durch den wahren Gott, per Deum sanctum, durch den heiligen Gott“. Daher ist das Kreuz auch eine Schutzwaffe gegen die Geister der Finsternis; wo sie es an einem Hause oder einer Türe oder einem Posten stehen sehen, da gehen die Verderber vorüber, ohne Schaden anzurichten. –

    aus: Philipp Hammer, Der Rosenkranz, eine Fundgrube für Prediger und Katecheten, ein Erbauungsbuch für katholische Christen, I. Band, 1896, S. 94 -S. 97

    https://katholischglauben.info/das-kreuz...ge-schutzwaffe/


    Liebe Grüße, Blasius

  • Foren-Beitrag von Blasius im Thema



    Das Gewissen als Gesetzgeber

    Der Gesetzgeber des Gewissens ist Gott selber



    Die erste Tätigkeit des Gewissens ist wirklich die des Gesetzgebers. Nur übt es diese Gewalt nicht in eigener Vollmacht, sondern wenn es als Gesetzgeber auftritt, so tut es dies wie jeder gute Gesetzgeber, d. h. im Namen des höchsten Gesetzgebers, im Namen Gottes selber. Obwohl es also wahrhaft Gesetze aufstellt, Gesetze, die wirklich verpflichten, so tritt es doch nicht willkürlich als unabhängiger Gesetzgeber auf, sondern nur als Verkünder des göttlichen Gesetzes. Darum muss unser Gewissen stets das für gut und das für bös erklären und uns stets zu dem verpflichten, was Gott festgesetzt hat. Darum kann es auch nicht nach eigenem Ermessen Gesetze abschaffen, sondern es muss sich dabei wieder an den Willen Gottes halten.

    Diese Wahrheit ist begreiflicher Weise nicht nach dem Sinn des zum Bösen geneigten menschlichen Herzens. Schon Archelaus, der Schüler des Anaxagoras, leugnete, daß es für gerecht und schändlich einen objektiv fest stehenden Maßstab gebe. Was man so nenne, behauptete er, sei nicht an und für sich seiner Natur nach recht oder unrecht, sondern nur der menschliche Geist habe diese Unterschiede eingeführt, und Herkommen und Gesetz habe diese willkürliche Annahme dann zu billigen für gut befunden. Noch kühner lehrte Karneades unter großem Zulauf der goldenen Jugend Roms: ein unbedingt gültiges sittliches Gesetz ein für immer unveränderlich gleich bleibendes natürliches Recht gebe es überhaupt nicht. Gesetze seien nur Erfindungen der Klugheit, zumeist auch des Eigennutzes, und wandelbar wie die Verhältnisse. Und der frechste der alten Freigeister, der gott- und vaterlandslose Theodor, dem die Alten aus Abscheu den schimpflichen Namen, den sie kannten, den Beinamen des Atheisten gaben, scheute sich nicht, davon die praktische Nutzanwendung zu machen, indem er sagte, er sehe nicht ein, warum der Weise nicht Diebstahl und Gottesraub begehen und offen jeder bösen Lust nachgehen solle. Derlei Handlungen seien ja nicht von Natur aus böse. Man habe nur manches zur Sünde gestempelt, um das dumme Volk durch eine gewisse Furcht vor dem Willen und vor der Strafe Gottes zu schrecken. Der Gebildete sei über diese Ammenmärchen hinaus. Er wisse, daß nur eigenmächtige menschliche Erfindung manche Dinge als böse erklärte. Er brauche bloß die Meinung abzulegen, als sei daran etwas Böses, dann verlören sie auch ihre böse Eigenschaft, die sie nur durch die Menschenmeinung hätten, und dann dürfe man sie ungescheut begehen.

    Demnach hat Spinoza durchaus nicht Neues vorgebracht, sondern nur dem alten Atheisten nachgesprochen, als er sagte, gut und bös seien nichts Positives, sondern bloß unsere Art und Weise, die Dinge anzusehen und miteinander zu vergleichen. Ebenso wenig ist es neu, wenn Locke die Behauptung aufstellt: wie es überhaupt nichts objektiv Feststehendes gebe, so könne man insbesondere kein apriorisches Sittengesetz annehmen. Man habe es da mit leeren Verstandesdingen zu tun und könne sich nur wundern, daß man sich so viel mit Dingen abgebe, die in der Welt der Wirklichkeit kein Dasein hätten. Vielmehr sei ein jedes Gesetz mit der Zeit eingeführt, das rechtliche durch Gesetzgeber, das moralische durch die öffentliche Meinung und das Herkommen.

    An ihm knüpft dann der moderne Unglaube an… Danach gäbe es nicht einmal für den Einzelnen, geschweige für die Gesamtheit eine fest stehende und gleich bleibende Sittlichkeit, sondern was dem einen gut anstünde, wäre für den andern unpassend, und was uns heute zusagte, könnte morgen schon wieder veraltet sein. Von einem verpflichtenden Willen Gottes aber wäre keine Rede; unsere Handlungsweise, unsere Gewissens-Überzeugungen wären künstlich anerzogene Vorurteile und Täuschungen, Früchte der Erziehung, der Suggestion und der öffentlichen Meinung. Alle diese Lehren werden heute als die kostbarsten Errungenschaften des Zeitgeistes gepriesen, in allen Schulen gelehrt und vom Liberalismus und vom Sozialismus um die Wette verwirklicht. In Wahrheit sind sie Irrtümer, die schon lange leben, nur daß ehemals, selbst in den Zeiten des sinkenden Heidentums und der allgemeinen Auflösung, wenige verwegene Geister sie vorzutragen wagten, weil der Abscheu aller Besseren die Weiterverbreitung so gemein gefährlicher Lehren unterdrückte.

    Denn das ließen sich auch die Heiden nicht ausreden, daß die Gesetze, insbesondere die Gesetze der Vernunft und des Gewissens, nicht willkürliche Erfindung der Menschen, sondern der Ausfluss des heiligen, unabänderlichen, alle ohne Ausnahme verpflichtenden Willens Gottes sind. Selbst Zeno, der Vater der Stoiker, erklärte: wenn er lehre, man müsse nach der Natur leben, so sei das im Grunde dasselbe, als wenn andere sagten, man müsse sich an das göttliche Gesetz halten; denn die richtige Vernunft oder die allgemeine Ordnung der Welt und der Natur sei eben die Ordnung Gottes selber. Noch besser sagt Cicero: Soweit ich sehe, ist das die Überzeugung aller wahrhaft Weisen, daß das Gesetz nicht menschliche Erfindung, sondern etwas Ewiges ist, was die ganze Welt beherrscht und leitet. Das oberste Gesetz ist nichts anderes als der göttliche Geist selber, der durch die menschlichen Gesetze gebietet oder verbietet. Daher ist das Gesetz überall und immer das gleiche und läßt sich durch keinen Volksbeschluss aufheben oder umändern. Denn der ewige und unveränderliche Urheber dessen, was die gesunde Vernunft und die Natur gebieten, ist kein anderer als Gott, der gemeinsame Lehrer und Beherrscher von allem. Will also einer ihm entfliehen, so müsste er erst sich selbst entfliehen und seine eigene Natur ausziehen.

    Eine wahrhaft großartige Anschauung, der wir nur mit aller Begeisterung beitreten können! Daraus folgt aber, daß der Mensch, will er seiner wahren Natur Rechnung tragen und seiner Vernunft folgen, keinen andern Weg hat als den, dem Gesetz Gottes zu folgen. Umgekehrt, will er Gottes Gebot entkommen, so gibt es für ihn keine andere Möglichkeit als die, daß er seine eigene Vernunft verleugne und seine bessere Natur mit Füßen trete. Sucht er aber aufrichtig Wahrheit und Recht, so hat er einen sehr einfachen Weg, den nämlich, daß er seinem Gewissen treu bleibe und ihm als dem Mittel gehorche, durch das ihm Gott seinen Willen zu erkennen gibt.

    Daraus ergibt sich, warum es so strenge Pflicht ist, nur nach dem Gewissen zu handeln und zu leben, und warum es nie erlaubt sein kann, gegen das Gewissen zu handeln. Was nicht der Gewissens-Überzeugung entspricht, ist Sünde (Röm. 14, 23); um so mehr das, was der Überzeugung des Gewissens widerspricht. Sobald also der Wille der Vernunft widerspricht, handelt er gegen das Gewissen und wird böse. Das kommt davon, daß uns da Gewissen nicht in eigener Kraft, sondern im Namen des göttlichen Gesetzes bindet. Hätten wir uns selber nach unserer beliebigen Annahme eine Richtschnur für das Handeln gemacht, so könnten wir diese auch wieder ändern.

    Daß wir das aber ebenso wenig können, als es in unserer Macht steht, uns eine solche Verpflichtung willkürlich aufzuerlegen oder nicht, das erleben wir alle Tage in unserer innersten Erfahrung. Wir haben uns zum Beispiel unvermutet für oder gegen etwas zu entscheiden. Nie haben wir bisher darüber nachgedacht, nie darüber gelesen, nie hat uns jemand ein Wort gesagt. Und doch steht im selben Augenblick die Pflicht, jetzt so und nicht anders zu handeln, so klar vor unserer Seele, daß wir sie uns nicht verhehlen können. Wir haben uns diese Überzeugung nicht selber gemacht. Das Widerstreben unserer niederen sinnlichen Natur spricht deutlich dafür. Die Überwindung, die sie uns auferlegt, das mühevolle Suchen, ob es nicht möglich sei, sie zu verleugnen, zeigt, daß wir gewiß eine andere, bequemere Vorschrift für unser Handeln erwählen würden, hinge das von uns ab. Sie ist uns auch nicht anerzogen worden. Nicht genug, daß uns bisher kein Mensch davon gesprochen hat, steht vielmehr das, wozu wir uns in unserem Gewissen getrieben finden, im geraden Widerspruch mit unsern anerzogenen Vorurteilen und Gewohnheiten. Dennoch vermögen wir vor uns selber nicht in Abrede zu stellen, daß wir uns nicht befugt fühlen, das, wozu unser Gewissen uns antreibt, zu unterlassen oder mit dem Gegenteil zu vertauschen, sondern daß wir uns verpflichtet wissen, gerade so und nicht anders zu handeln. Das Zittern, die Unruhe unseres innern ist uns der beste Beweis dafür.

    Ist uns nun aber diese Pflicht weder von uns selbst noch von einem andern auferlegt worden, so kann sie nur von einer höheren Macht in uns gelegt worden sein. Sie kündigt sich also durch unsere Vernunft als Ausfluss des göttlichen Willens an. Es ist also das Gewissen zwar in uns, aber nicht von uns, sondern, obschon wahrhaft menschlich und natürlich, dennoch mit einer uns überlegenen gesetzgeberischen und gebietenden Macht ausgerüstet. Es ist, mit einem Wort, die Stimme Gottes in uns. Daher die Verpflichtung, die es uns auferlegt als Stellvertreter der gesetzgeberischen Macht Gottes.

    Soweit die erste oder vorangehende Tätigkeit des Gewissens –


    aus: Albert M. Weiß, Apologetik, Bd. 1, 1905, S. 122 – S. 128


    new.php?thread=59&forum=36&reply=1&replyid=22176



    Liebe Grüße, Blasius

  • Thema von Blasius im Forum Neues Testament



    Deuteronomium 10,17-19:

    "Denn der Herr, euer Gott, ist der Gott über den Göttern und der Herr über den Herren. Er ist der große Gott, der Held und der Furchterregende. Er lässt kein Ansehen gelten und nimmt keine Bestechung an. Er verschafft Waisen und Witwen ihr Recht. Er liebt die Fremden und gibt ihnen Nahrung und Kleidung - auch ihr sollt die Fremden lieben, denn ihr seid Fremde in Ägypten gewesen."



    Lukas 19,45-46:


    "Dann ging er in den Tempel und begann die Händler hinauszutreiben. Er sagte zu ihnen: In der Schrift steht: Mein Haus soll ein Haus des Gebetes sein. Ihr aber habt daraus eine Räuberhöhle gemacht."



    Zitat des Tages 16. Oktober:



    "Die Missachtung des Priestertums läuft überall auch auf eine Missachtung der Heiligen Kirche hinaus; und die Missachtung der Kirche kommt einer Missachtung Gottes selbst überall gleich."



    Donoso Cortés

  • Mariä Reinheit - 16. OktoberDatum16.10.2019 08:36
    Thema von Blasius im Forum Die allerseligste J...



    Wenn es wahr ist, dass zu der Menschheit Erinnerungsstücken aus dem Paradies des Kindes reines Auge gehört, dann begreifen wir, warum die Menschen stets eine so hohe Ehrfurcht vor der Reinheit und Unverletztheit gehabt haben, warum als Teufelswerk gilt, die Unschuld zu verführen. Gottes Neuschöpfung in Christus muss sich daher durch das Moment der Reinheit auszeichnen als eines Zeichens ihres Ursprungs von oben. Wieder rein zu machen, war des Erlösers große Aufgabe. Rein zu werden, die Lebensaufgabe der Erlösten. So rein müssen die Geschöpfe werden, dass sie im Himmel in die Reinheit Gottes, in die Urreinheit eingehen können.



    Dieses Ideal der Reinheit hat der Wiederhersteller Christus ganz groß aufleuchten lassen im Vorbild der neuen Ordnung, in der Jungfrau Maria. So rein sollte sie, eine Adamstochter, durch die Gnade Gottes sein, dass auch kein Stäubchen der Unreinheit an ihr zu entdecken sei.



    Rein war Maria dem Leibe nach. Unberührt und jungfräulich blieb ihr heiliger Leib. Unser Glaube weist uns hin auf Mariens Jungfrauschaft vor der Geburt des Herrn, in der Geburt trotz ihres wahren Gebärens und auf ihre immerwährende nach der Geburt des Heilandes. Mariens Leib blieb nicht nur unberührt von Verletzungen durch andere, sondern blieb noch viel reiner von jeder Selbstentheiligung durch eine sündhafte Begierde. Niemals hat auch nur die geringste unreine Begierlichkeit diese Gottesschöpfung verletzt.



    Ihre leibliche Reinheit ist aber nur Ausdruck und Ausfluss ihrer seelischen Unverletztheit. Ungetrübt blieb der Spiegel ihrer Seele. Bewahrt vor der Erbsünde, frei von jeder persönlichen Sünde, auch der kleinsten. Sündenlos wie eine Unsündliche ist Maria durch dieses Erdenleben gewallt.



    Darum bewahrte der Herr die reinste Jungfrau, die unversehrte Mutter auch vor der letzten Verletzung, die sie hätte treffen können: vor der Verwesung im Grab. Jungfräulich bewahrt, ursprünglich rein weilt Maria mit Leib und Seele in dem unverletzlichen Licht Gottes.



    Mariens Reinheit das Ideal der neuen Ordnung in Christus! Mariens Reinheit ein Aufruf an uns! Mariens Reinheit die Sehnsucht unserer Seelen! Mariens Reinheit die Zuflucht der von Sündenunreinheit befleckten Menschheit!



    Kirchengebet




    Allmächtiger Gott, wir bitten dich, gib uns, die wir die makellose Jungfräulichkeit der reinsten Jungfrau Maria festlich verehren, die Gnade, durch ihre Fürbitte die Reinheit der Seele und des Leibes zu erlangen.



    Zur Geschichte des Festes: Zwar hatte König Viktor Josef Emanuel von Portugal in seinem Vertrauen auf die Gottesmutter bereits durch ein besonderes Dekret von Rom die Erlaubnis erhalten, in ganz Portugal das Fest der Mutterschaft Mariens zu feiern. Das genügt ihm aber noch nicht. Er wollte auch die besondere Eigenart dieser Mutterschaft – dass sie nämlich eine reine, eine jungfräuliche sei – in einer eigenen Festfeier betont wissen. Darum wurde er wiederum in Rom vorstellig mit seiner zweiten Bitte, auch das „Fest der Reinheit Mariens“ feiern zu dürfen. Auch diese Bitte wurde ihm 1751 gewährt. Wohl ist dieses Fest im Laufe der Zeit auch von anderen Ländern übernommen worden, aber für die ganze Kirche ist es noch nicht bestimmt.



    („So feiert dich die Kirche“, Prof. Dr. Carl Feckes, Maria im Kranz ihrer Feste, Steyler Verlagsbuchhandlung, 1957)


    Liebe Grüße, Blasius

  • Thema von Blasius im Forum Unsere Fürsprecher



    Hedwig, ein bewunderungswertes Vorbild des christlichen Weibes, eine erhabene Zierde der deutschen Frauen, stammverwandt mit dem bayrischen und österreichischen Herrscherhaus, war die Tochter Berchtold`s IV., des Grafen von Andechs und Herzogs voN Dalmatien, und der Gräfin Agnes von Rochlitz. Sie wurde in dem Benediktiner-Nonnenkloster Kitzingen am Main mit ebenso weiser Sorgfalt als herrlichem Erfolg ausgebildet. Die heilige Schrift war ihr liebstes Buch, aus dem sie das Licht ihrer Gotteserkenntnis und die Glut ihrer Andacht nährte. Im zwölften Jahr ihres Lebens wurde sie mit Heinrich I., Herzog von Schlesien und Polen, vermählt. Sie beglückte ihn mit drei Söhnen und drei Töchtern und bewog ihn dann zu dem Entschluss, daß er mit ihr vor dem Bischof von Breslau das Gelübde ihrer gegenseitigen Keuschheit ablegte. Sie heiligten die noch folgenden dreißig Jahre der Ehe durch vollkommene Enthaltsamkeit.

    Die junge Fürstin war das anmutigste Vorbild einer christlichen Hausfrau. Sie kleidete sich stets ihrem Stand gemäß, aber Ziererei und Weichlichkeit war ihr fremd. Sie verbannte allen Prunk und Schmuck von Gold und Edelgestein, Streng war sie in der Wahl ihrer Dienerschaft und duldete an ihrem Hof keine Persönlichkeit, an deren Charakter sich irgend welche Lieblosigkeit oder Heuchelei zeigte. Mit sinniger Klugheit bestärkte sie ihren Gemahl in der Friedensliebe und in der Ausübung des schönsten Rechtes eines Fürsten – das der Begnadigung. Im Verein mit ihm erbaute sie in den Jahren 1203-1219 das große Frauenkloster zu Trebnitz für tausend Nonnen, schenkte ihm sehr große Güter, damit die Fremden und Pilger eine gastliche Herberge, die Armen und Kranken eine genügende Pflege darin fänden. Neben demselben errichtete sie für sich eine eigene Wohnung, in welche sie während der Kriegszüge des Gemahls sich zurückzog.

    Die Liebe und vorzüglich die gottgeweihte Liebe ist erfinderisch. Hedwig verbündete sich mit einigen in der Frömmigkeit erprobten Witwen und stiftete mit ihnen ein Erziehungs-Anstalt für arme, elternlose Mädchen sowohl von adeliger Geburt, als von geringerer Herkunft. Diese, den Gefahren der Welt entrissenen Jungfrauen, wurden sorgfältig ausgebildet in nützlichen Kenntnissen, in religiösen Tugenden bis zur Standeswahl. Nur der ewige und gerechte Vergelter weiß es, wie viel Böses auf diese Weise verhindert, wie viel Gutes gepflanzt wurde.

    Wohltun war in Hedwig`s liebendem Herzen die einzige Leidenschaft. Für die große Menge der Armen hatte sie eine besondere Dienerschaft, und niemals setzte sie sich zu Tisch, ohne daß sie – zur Erinnerung an Jesus und die zwölf Apostel – dreizehn Arme eigenhändig gespeist hatte. Gewöhnlich aß sie nur etwas von den Resten, welche von der Mahlzeit der Armen übrig geblieben waren. In den späteren Jahren kleidete sie sich sehr einfach, sogar ärmlich; sie ging im Winter wie im Sommer barfuß und achtete nicht auf die schmerzhaften Beulen und blutenden Frostrisse, welche in Folge dessen an ihren Füßen ausbrachen. Als ihr der Beichtvater Schuhe zu tragen befahl, trug sie selbe unter dem Arm und zog sie eiligst an, wenn eine Person von Ansehen ihr begegnete. Der echte Goldglanz ihrer Herzens-Demut leuchtete hervor aus ihrem Benehmen gegen diejenigen, welche sie für fromm hielt. Diesen erwies sie die aufrichtigste Hochachtung, empfahl sich in ihr Gebet und küßte heimlich den Ort, wo sie gestanden, oder die Gegenstände, welche sie berührt hatten. Sie selbst, um ja kein besonderes Aufsehen zu erregen, betete gern an einsamen Orten. Als sie einst zu Trebnitz vor dem Altar der göttlichen Mutter Maria sich auf das Angesicht nieder warf, beobachtete heimlich eine Schwester, wie Jesus am Kreuz die rechte Hand vom Nagel ablöste, Hedwig segnete und mit lauter Stimme anredete: „Hedwig, dein Gebet ist erhört; du wirst erhalten, was du begehrt hast.“ Vierzig Jahre lang unterbrach sie ihr Fasten keinen Tag, und verkostete nie eine Fleischspeise. In ihrem Schlafzimmer stand ein schönes Bett, wie es einer fürstlichen Person gebührt; aber niemals schlief sie in demselben. Sie legte sich daneben auf den harten Boden und deckte sich mit einer Lederdecke zu.

    Ungeachtet ihrer körperlichen Schwäche und fast beständiger Kränklichkeit war Hedwig stets freundlich, sanft und gelassen. Ihre Reden waren der wohltuende Ausdruck ihrer heiligen Freude in Gott. Diejenigen, welche sie im Gebet beobachten konnten, sahen sie oft in der Verzückung, oder von einem wunderbaren Lichtglanz umflossen, oder in der Luft schwebend, oder sehr häufige Tränen vergießend bei der Betrachtung der Leiden unseres Herrn und namentlich bei dem heiligen Messopfer. Am schönsten jedoch leuchtete das Feuer ihrer Gottes liebe in dem Dunkel ihrer schmerzhaften Prüfungen. Als im Jahre 1238 die Leiche ihres Gemahls, den sie mit dem treuesten Herzen ehrte und liebte, nach Trebnitz gebracht wurde, und die Ordensschwestern dieselbe mit lautemWeinen empfingen, beherrschte Hedwig vollkommen ihre Gefühle und tröstete die Jammernden: „Alles, was Gott mit uns und an uns tut, muss uns genehm und zu besonderem Trost sein.“ Als ihr Sohn Heinrich „der Fromme“ am 9. April 1241 im Krieg wider die Mongolen für die Religion und das Vaterland bei Liegnitz Schlacht und Leben verlor, hob Hedwig, die schmerzlichst verwundete Mutter, Augen und Hände zum Himmel und betete: „O Gott, ich danke Dir, daß Du mir einen solchen Sohn gegeben: er hat mich stets geleibt, mich nie betrübt, er war mein Teuerstes auf Erden. Nun hast Du auch ihn zu Dir genommen, Dank und Preis sei Dir dafür, Dir empfehle ich seine Seele; er starb ja in dem ehrenvollen Kampf für den Glauben und für das Land, zu dessen Schützer Du ihn bestellt!“

    Unterdessen war die treue Witwe und liebende Mutter, von deren sechs Kindern nur noch die Tochter Gertrud, die regierende Äbtissin von Trebnitz lebte, reif geworden für denHimmel. Hedwig, scheinbar in voller Gesundheit, aber die nahe Ankunft des Todes erkennend, empfing die hl. Sterbesakramente imd verschied in den Armen ihres Kindes am 15. Oktober 1243. Ihr Leib durch die strengen Bußwerke zum Skelett abgezehrt, blühte nach dem Tode auf dem Leichenbett in wunderbarer Frische undSchönheit. Papst Klemens IV. feierte im Jahre 1267 ihre Heiligsprechung, und das Volk von Schlesien und Polen, dem sie eine Mutter gewesen, verehrt sie jetzt noch als seine Patronin, und pilgert häufig und in großen Scharen zu ihrem wundertätigen Grab. Ihre Reliquien ruhen gegenwärtig noch in Trebnitz: das so segensreiche Kloster aber, im Jahre 1810 aufgehoben, ist jetzt in eine Fabrik verwandelt. –

    aus: Otto Bitschnau OSB, Das Leben der Heiligen Gottes, 1881, S. 804 – S. 805

    https://katholischglauben.info/heilige-hedwig-von-andechs/


    Liebe Grüße, Blasius

  • Foren-Beitrag von Blasius im Thema

    Kardinal Sarah kritisiert: Amazonassynode wird für ideologische Pläne benutzt



    Kardinal Robert Sarah
    Foto: Bohumil Petrik / CNA Deutsch Archivbild

    Von AC Wimmer

    VATIKANSTADT , 10 October, 2019 / 6:52 AM (CNA Deutsch).-
    Der Präfekt der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, Kardinal Robert Sarah, hat Versuche, die Amazonassynode für ideologische Pläne wie die Weihe verheirateter Männer zu Priestern zu instrumentalisieren, als abscheulich und eine Beleidigung Gottes bezeichnet.

    Der Kardinal äußerte diese Mahnung in einem interview, das von der italienischen Tageszeitug "Corriere della Sera" veröffentlicht wurde.

    "Unehrlich und trügerisch"

    Auf die Frage nach seiner Meinung zur Amazonassynode antwortet Kardinal Sarah, er habe gehört, dass man aus diesem Ereignis "ein Laboratorium für die Universalkirche" machen wolle, während andere erklärt hätten, "nach dieser Synode werde nichts mehr sein wie zuvor." Dies sei eine klare Anspielung auf derartige Äußerungen deutscher Bischöfe, so Beobachter im Vatikan. Kardinal Sarah geht noch weiter:

    "Wenn das wahr ist, dann ist es unehrlich und trügerisch. Diese Synode hat ein spezifisches und örtliches Ziel: Die Evangelisierung Amazoniens", erklärt er.

    Der aus Guinea stammende Kardinal fährt fort, er fürchte, dass einige aus dem Westen dieses Treffen benutzen, um ihre eigene Agenda voranzubringen.

    "Ich denke vor allem an die Weihe von verheirateten Männern, an die Schaffung von Ämtern für Frauen und an die Gerichtsbarkeit der Laien."

    Diese Punkte betreffen die Struktur der universalen Kirche, erinnert der Kardinalpräfekt seine Leser.

    "Das zu benutzen, um ideologische Pläne einzuführen, wäre eine unwürdige Manipulation, eine unehrliche Täuschung und eine Beleidigung Gottes, der seine Kirche führt und ihr seinen Heilsplan anvertraut", so Sarah im Interview.

    Eine Instrumentalisierung der Armen
    Erschüttert und erzürnt sei er jedoch darüber, dass die Armen des Amazonas als Rechtfertigung westlicher ideologischer Absichten benutzt werden, so Sarah weiter.

    "Zudem hat es mich erschüttert und erzürnt, dass die spirituellen Beschwerlichkeiten der Armen in Amazonien als Ausrede benutzt werden, um Projekte zu unterstützen, die typisch für ein bürgerliches und weltliches Christentum sind. Das ist abscheulich", bekräftigt er im Interview.

    Der Kardinal erklärt außerdem, dass der Vorschlag der Weihe von Viri Probati – also älteren, verheirateten Männer mit anerkanntem Tugendleben – zu Priestern in entlegenen Gegenden, damit sie die heilige Messe feiern, die Beichte abnehmen und die Krankensalbung spenden, ohne eine Leitungsfunktion zu haben, ein Vorschlag sei, der "theologisch absurd ist, sowie eine funktionalistische Bewilligung des Priestertums".

    Hier würde man so tun, als ob der Mensch die drei als munera bezeichneten Ämter Christi – santificandi, docendi und regendi – voneinander einfach trennen könnte.

    Dies sei jedoch "in völligem Widerspruch zu den Lehren des Zweiten Vatikanischen Konzils", etwa in Lumen Gentium Nr. 20-22, Christus Dominus Nr. 2, Presbyterorum Ordinis Nr. 4-6 sowie der gesamten Tradition der lateinischen Kirche, die deren substantielle Einheit ausmache.

    Er weist auch auf die Konsequenzen für das Weihesakrament hin: Ein solcher Schritt würde bedeuten, "die Verpflichtung zum Zölibat an sich in Frage zu stellen."

    "In diesem Sinn tut man gut daran, sich an den Satz des heiligen Papstes Paul VI. zu erinnern, den sich Papst Franziskus in einer Rede vor einer Gruppe von Journalisten am 27. Januar 2019 zu eigen gemacht hat: 'Ich gebe lieber mein Leben, als das Zölibatsgesetz zu ändern'", erklärt er.

    Deshalb betont der Präfekt der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung: "Da gibt es nichts zu befürchten. Die Synode wird studieren, und dann wird der Heilige Vater die Schlussfolgerungen ziehen."

    "Die Frage ist eine andere, nämlich den Sinn der priesterlichen Berufung zu verstehen. Sich zu fragen, warum es nicht mehr Personen gibt, die bereit sind, sich ganz hinzugeben für Gott, für das Priestertum, für die Jungfräulichkeit."

    Stattdessen ziehe man es vor, über taktische Züge nachzudenken, mit der Anmaßung, dass diese helfen könnten, die größten Probleme - und oft Probleme der Gerechtigkeit - zu lösen, so Sarah.

    "Wie oft habe ich gehört, dass es keine Pädophilie gäbe, wenn die Priester heiraten könnten. So als ob wir nicht wüssten, dass das Problem, vielmehr das Verbrechen, vor allem die Familien betrifft, denn dort kommt es am häufigsten vor", unterstreicht er.

    Letztlich gehe es um Ansätze, die seiner Meinung nach eine "Anmaßung der Menschen" seien. Und die als Maßnahme anderen Kirchen nicht geholfen hätten:

    "Ehrlich gesagt scheint mir nicht, dass die Kirchen, in denen heute der priesterlichen Zölibat nicht existiert, sehr viel mehr erblühen als die katholische Kirche, wenn das der Zweck sein soll."

    Susanne Finner und JD Flynn trugen zur Berichterstattung bei.


    WEITERE INFO:

    https://de.catholicnewsagency.com/story/...ibat-nicht-5162


    Liebe Grüße, Blasius

  • Foren-Beitrag von Blasius im Thema

    Lieber Aquila, lieber benedikt, danke für die ergänzenden Beiträge
    zur heiligen Theresia von Avila.

    Liebe Grüße, Blasius

  • Thema von Blasius im Forum Diskussionsplattform K...



    Publiziert am 13. Oktober 2019 von dominik

    Der emeritierte Bischof Erwin Kräutler von Xingu/Brasilien schrieb im Osservatore Romano (Nr. 28, 12. Juli 2019, spanische Ausgabe) unter dem Titel „Amazonien:

    eine Herausforderung für die Kirche und die Menschheit“ einen Artikel. Im ersten Teil geht er auf die Bedeutung des Amazonasbeckens für die dort lebende indigene Bevölkerung ein, beschreibt deren wirtschaftliche und soziale Situation, ihre Ausbeutung und Einengung ihres Lebensraums sowie die Gefahren für das Weltklima, die von der Abholzung und Nutzung des Bodens durch gigantische Agrarunternehmen ausgehen.
    Den zweiten Teil seiner Ausführungen widmet Kräutler der Synode, die im Oktober in Rom beginnt. In seinen Überlegungen geht er vom Bischofstreffen vom Mai 1972 in Santerrem aus. Kräutler sagt: „Wir fragen uns heute, was aus der Kirche in Amazonien geworden wäre ohne das Engagement der Laien, besonders der Frauen. In der Prälatur von Xingu wurden mindestens zwei Drittel der Gemeinden von Frauen geleitet. Ich bin sicher, in anderen Diözesen ist es nicht anders.“

    Kräutler spricht dann über die Möglichkeiten von Eucharistiefeiern in Amazonien: „Nur 70% der Gemeinden haben die Möglichkeit drei- bis viermal im Jahr die heilige Messe zu feiern … Die Eucharistie wird zum Ausnahmefall.“ Kräutler nahm an der Vorbereitung des Arbeitspapiers zur Oktobersynode teil. Dort wurde gefragt: Wie kann die Rolle der Laien auf den verschiedenen pastoralen Feldern (Katechese, Liturgie, soziale Fragen) anerkannt und wertgeschätzt werden. Die abgefragten Beiträge aus den Gemeinden seien die Grundlage für die Ausarbeitung des Arbeitspapiers für die Oktobersynode geworden. „Die Synode findet im Vatikan statt, um so zum Ausdruck zu bringen, dass die behandelten Themen nicht nur eine Angelegenheit für die Amazonasländer, sondern für die ganze Welt sind.“ Papst Franziskus hat am 8. März 2018 die Synode mit dem Titel bezeichnet: „Amazonien: Neue Wege für die Kirche und für eine umfassende (integrale) Ökologie“.

    Kräutler fasst am Ende seines Artikels die für ihn wichtigsten Themen noch einmal zusammen.

    Das sind u.a.:

    • Die Wertschätzung der Laieninnen für den Dienst (Ministerio) ihrer Gemeinschaften.
    • Die Rolle der Frau als Evangelisierende, nicht nur in der Familie, sondern auch in den Gemeinden und als tatkräftige Verteidigerin der Menschenrechte, mit Zugang zum Diakonat.
    • Die Suche nach Alternativen, um den fehlenden Eucharistiefeiern zu begegnen, vielleicht dadurch, dass neben dem traditionellen Modell des Priesters andere Formen dazukommen – nicht nur für Männer.
    • Die Stärke der kirchlichen Basisgemeinden als erstem und grundlegendem Kern der Diözesen.
    • Die Inkulturation der Sakramente in das Leben der indigenen Bevölkerung und die Hereinnahme kultureller autochtoner Ausdrucksformen in die Liturgie.
    • Die Bewusstmachung und Sensibilisierung der gesamten brasilianischen Gesellschaft für die Verteidigung von Amazonien gegen Unternehmen, welche die Umwelt schädigen.

    Die Amazonassynode könnte der „gesamten Kirche eine radikale Kehrtwende verordnen“ (Guido Horst, Tagespost, 18.7.2019), „nach der nichts mehr so sein wird, wie es war“ (Bischof Overbeck, Münster).

    Kardinal Müller hat die Verfasser des Arbeitspapiers der Bischofssynode mit der 2014 gegründeten „Rete Ecclesiale Panamazzonica (REPAM), in dem sich Anhänger der bisher unbekannten ‚Theologia India‘ zusammengeschlossen haben“, geortet. „Es ist eine geschlossene Gesellschaft von absolut Gleichgesinnten, wie sich auch leicht aus den Namenslisten der Vorbereitungstreffen in Washington und Rom erkennen lässt“ (Gerhard Ludwig Müller, Tagespost 18. Juli 2019). Kardinal Müller nimmt zum „Offenbarungsverständnis“ des Arbeitspapiers für die Amazonien-Synode Stellung und deckt die gravierenden theologischen Defizite auf (Tagespost 18.07.2019, S. 9/10).

    Hubert Gindert

    http://blog.forum-deutscher-katholiken.de/?p=10171

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    Liebe Grüße, Blasius

  • Foren-Beitrag von Blasius im Thema



    Turmbau zu Babel und Zerstreuung der Völker -

    Der Turmbau zu Babel – Geburtsstunde des Heidentums

    (Gn. Kap. 10 und 11)

    Bevor in der Erzählung die Geschichte der Offenbarung weiter verfolgt wird, um darzustellen, wie es kam, daß Gott die bei weitem größere Mehrheit der Menschen scheinbar ihrem Schicksal überließ und nur einen kleinen Teil fernerhin der besonderen göttlichen Führung würdigte, gibt das 10. Kapitel eine Übersicht über die von den Söhnen Noes abstammenden Völker, ein nach den drei Stammvätern in der Reihenfolge: Japhet, Cham, Sem geordnetes Verzeichnis von 70 Namen (teils Stammväter teils Völker- und Städtenamen), gewöhnlich die Völkertafel genannt. Diesem Verzeichnis liegt eine (wohl auf Überlieferung beruhende) genaue Kenntnis der dem frühesten Altertum bekannten wichtigsten Zweige der Völkerfamilie zu Grunde, die weder die Handelsverzeichnisse der Ägypter noch die Eroberungs-Listen der Babylonier und Assyrer erreichen. Der die mosaische Völkertafel beherrschende Hauptgedanke von der ursprünglichen Einheit, der Zusammengehörigkeit und der gleichen Bestimmung der Menschen als einer großen Familie ist dem Heidentum überhaupt fremd. Ihre früher vielfach rätselhaften Angaben haben der wissenschaftlichen Forschung in alter und neuer Zeit oft als Anhaltspunkte und Wegweiser gedient. Jetzt sind sie größtenteils durch die Ereignisse der Völker- und Sprachenkunde sowie durch die Ägyptologie und Assyriologie aufgeklärt und bestätigt, so daß die Völkertafel zum mindesten „als ein vorzügliches historisch-geographisches Denkmal für eine Zeit, aus der wir andere umfassende Urkunden nicht mehr haben“, anerkannt werden muss.




    In das trockene Namenverzeichnis ist nur bei den Nachkommen des Cham eine geschichtliche Bemerkung eingeflochten über Nimrod (1), von dem gesagt wird: „Dieser fing an, mächtig zu sein auf Erden; und er war ein starker Jäger vor dem Herrn. Darum ging das Sprichwort aus: ‘Ein starker Jäger vor dem Herrn wie Nimrod’. Der Anfang seines Reiches aber war Babylon und Arach und Achad und Chalanne im Lande Sennaar. Von diesem Land ging er nach Assur (2) aus und baute Ninive (3) und die Straßen-Stadt (4) und Chale (5), auch Resen (6) zwischen Ninive und Chale; das ist die große Stadt.“ (7) – Das Völkerverzeichnis schließt mit den Worten: „Das sind die Geschlechter Noes nach ihren Völkern und Nationen. Von diesen verteilten sich die Völker auf Erden nach der Flut.“ (8)

    So steht auch am Beginn der Geschichte der Menschheit nach der Sündflut diese göttliche Urkunde der Einheit des Menschengeschlechtes, der Blutsverwandtschaft der Völker und besonders der Berechtigung aller, dereinst am messianischen Heil teil zu nehmen; es ist damit den Völkern, bevor sie das Vaterhaus der besonderen göttlichen Führung verlassen, gewissermaßen ihr Heimatschein (9) von Gott selbst ausgestellt; und nun erst teilt uns das 11. Kapitel jenes Ereignis mit, welches den neuen Abfall der Menschheit von Gott bewies und so den Anstoss zur Trennung und Zerstreuung der Völker gab:

    „Es war aber auf Erden nur eine Sprache und einerlei Rede. (10) Und als sie vom Aufgang (Osten) herzogen (11), fanden sie eine Ebene im Lande Sennaar und wohnten daselbst. Und sie sprachen zueinander: Kommt, lasset uns Ziegel machen und sie im Feuer brennen! Und sie gebrauchten Ziegel für Steine und Erdpech für Mörtel. (12) Und sie sprachen: Kommt, laßt uns eine Stadt bauen und einen Turm, dessen Spitze in den Himmel rage, und unsern Namen berühmt machen, ehe wir zerstreut werden in alle Lande.“ (13)

    „Aber der Herr kam herab, um die Stadt und den Turm zu sehen (14), den die Söhne Adams bauten, und sprach: Siehe, es ist ein Volk und eine Sprache unter allen; und das haben sie begonnen zu tun und werden von ihren Gedanken nicht ablassen, bis sie dieselben im Werk vollbracht haben. Daher kommt, laßt uns (15) nieder steigen und daselbst ihre Sprache verwirren, daß einer des andern Rede nicht verstehe. Und also zerstreute sie der Herr von da in alle Länder, und sie hörten auf, die Stadt zu bauen. Und darum heißt man ihren Namen Babel (16), weil daselbst die Sprache der ganzen Erde verwirrt worden; und von da zerstreute sie der Herr über alle Gegenden.“ (17)

    So der einfache, in seiner Darstellung für ein kindliches Volk berechnete, aber durchaus tatsächliche Bericht der Heiligen Schrift. Die Geschichte und Sprachforschung bestätigen denselben, soweit sie überhaupt ein Urteil ermöglichen. Die Geschichte zeigt uns die ersten Versuche eines Weltreiches durch Kuschiten, also Nachkommen Chams, in Babel und ist in unsern Tagen durch Aufdeckung der Ruinen des alten Babylon und Ninive, die zum Teil in die ältesten Zeiten hinauf ragen, und durch die dort gefundenen keilschriftlichen Denkmäler instand gesetzt worden, das, was uns die Bibel hier und anderwärts davon erzählt, auf das bestimmteste zu erhärten. Zwar hat sich bis jetzt in den Denkmälern und Urkunden kein Zeugnis gefunden, das dem biblischen Bericht über die Sprachverwirrung entspräche. Die gegenteilige Annahme mancher Gelehrten hat sich als irrig erwiesen. Wohl aber hat sich die Überlieferung von einer frevelhaften Empörung der Menschen gegen Gott und von der Verwirrung ihrer Sprache sich auch außerhalb des Judentums erhalten und an die Ruinen eines mächtigen Baudenkmals in Babylon angeknüpft.

    Anmerkungen:

    (1) Name, Geschichte und Zeit Nimrods ist noch ganz in Dunkel gehüllt; die babylonisch-assyrischen Denkmäler und Urkunden haben zur Aufhellung direkt noch nichts beigetragen. Am meisten hat die Vermutung für sich, Nimrod sei mit dem mythischen Gilgamesch identisch. Wohl aber bestätigen die babylonischen Denkmäler den Inhalt der Angaben, welche die Heilige Schrift an den Namen Nimrods knüpft. Die älteste Kultur- und Weltherrschaft, die der babylonischen voraus ging, war chamitischen Ursprungs. Die assyrische Kultur und Religion ist nachweisbar von Babylonien ausgegangen und durchaus von letzterem abhängig. Jagd (auf reißende Tiere: Löwen, Tiger) und Krieg gehört zu den Lieblings-Beschäftigungen der babylonisch-assyrischen Herrscher seit ältester Zeit. Nichts findet sich häufiger auf den Wanddarstellungen der Paläste als Jagd- und Kriegsszenen; in Reliefbildern vor den assyrischen Palästen, desgleichen auf Siegelzylindern ist häufig die Gestalt eines Helden /Riesen, Königs) zu sehen, der einen Löwen spielend erwürgt, wahrscheinlich Gilgamesch (Nimrod), der auch im Heldengedicht als gewaltiger Krieger und Jäger (dies auch der Sinn des Ausdruckes: „vor dem Herrn“) geschildert wird. Die aufgeführten Städte sind uralt und mit der Geschichte und dem Leben der ältesten Zeit eng verwachsen. Daß Nimrod Babylon gegründet habe, wird nicht gesagt; aber es war der Anfang und Mittelpunkt seines Reiches. Babylon gelangte schon in sehr alter Zeit zu hervorragender, ja zentraler Bedeutung.

    Das Land Sennaar wird im Alten Testament öfter erwähnt und bezeichnet die Ebene zu beiden Seiten des mittleren und unteren Euphrat. Ob der Name „Sumir“, der zusammen mit „Akkad“ in altbabylonischen Urkunden oft ein altes Volk und Reich in dortiger Gegend bezeichnet, damit zusammen hängt, ist zweifelhaft, aber nicht unmöglich. Jedenfalls wird die ganze oben angeführte Stelle „heutzutage besser als durch alle Kommentare illustriert durch die gewaltigen Trümmerhügel, die sich dem Spaten geöffnet und durch ihre Inschriften-Funde die unzweifelhafte Identität der darauf genannten Örtlichkeiten mit den biblischen ergeben haben: Erech, die umfangreichen Ruinen von Warka am linken Euphratufer, das inschriftliche Uruk, die Stadt mit dem Haupttempel der Göttin Ischtar oder Nanai, der Göttin des Planeten Venus als Abendstern; Akkad, die Stadthälfte der uralten Doppelstadt Sippar-Akkad, des anderwärts in der Bibel sog. Sepharwajim, gleichfalls am linken Euophratufer, woselbst eine ursprünglich unter dem Namen Anunitu verehrte Lokalgöttin später gleichfalls mit Ischtar, und zwar mit dem Planeten Venus als Morgenstern identifiziert wurde“ (Bezold a.a.O. 21). Nur Chalanne ist noch nicht mit Sicherheit festgestellt; vielleicht ist es das von Hilprecht wieder ausgegrabene Nuppur.

    (2) Name des Landes und der alten Hauptstadt Assyriens, deren weite Trümmerhaufen man bei dem heutigen Kalah-Schergat, über 50 km südlich von Mosul oder dem diesem gegenüber liegenden Ninive im eigentlichen Sinn, am rechten Ufer des Tigris entdeckt hat.
    (3) Ninive, assyrisch Ninua. Der Name erscheint schon um das 18. Jahrhundert v. Chr. auf ägyptischen Inschriften; er bedeutet „Wohnung“, etwa unser „Haufen“; man erklärt ihn auch mit „Ninus- oder Ninib-Stadt.
    (4) Hebräisch Rechoboth-Ir, wahrscheinlich das rêbit Ninâ der Keilinschriften und wohl an Stelle des heutigen Mosul, Ninive gegenüber, zu suchen.
    (5) Chale vermutet man in dem heutigen Nimrud, 44 km südlich vom eigentlichen Ninive.
    (6) Resen bis jetzt nicht sicher identifiziert und wohl unter einem Trümmerhügel zwischen Ninive und Nimrud zu suchen. Der Beisatz, „das ist die große Stadt“, bezieht sich wohl auf die vier genannten Städte, die, wenn auch nicht, wie man früher annahm, durch ein großes Befestigungssystem verbunden, doch unter einem gemeinsamen Namen („Groß-Ninive“) zusammen gefaßt werden konnten. Ist auch das Ninive des Geschichtsschreibers Diodor (Zur Zeit Christi; 480 Stadien = 90 km Umfang, 30 m hohe und breite Mauern, 1500 Türme) ein Phantasiestück und der Beisatz „das ist die große Stadt“ aller Wahrscheinlichkeit nach eine spätere Glosse, so bleibt doch wahr, daß Ninive für die spätere Geschichte der Mittelpunkt eines ungeheuren Stadtgebietes war, das in der volkstümlichen Auffassungs- und Ausdrucksweise als eine große Stadt betrachtet wurde.
    (7) Gn. 10, 8-12.
    (8) Gn. 10, 32.
    (9) Darum wird auch später bei dem ersten Schritt zur Auserwählung eines besonderen Volkes ausdrücklich diese Berechtigung aller Völker am dereinstigen messianischen Heil hervor gehoben: „In dir (Abraham) werden gesegnet werden alle Geschlechter der Erde“ (Gn. 12, 3)
    (10) „Auf Erden“ steht für: „unter den Bewohnern der Erde“. In welchem Umfang Erde (oder Land) hier zu nehmen ist, hängt von der Auslegung des gleichen Ausdruckes in 6, 11; 9, 19 und 10, 25 32 ab. – Die Ausdrücke „eine Sprache und eine Rede“ sind von der Denk- und Redeweise, vom Sprachgeist und der Sprachform zu verstehen. Nach dem hebräischen Text, der die beiden Ausrücke (Lippe und Wort) genau unterscheidet, ist nur das erstere von der Verwirrung betroffen: die Denkweise, der Sprachgeist: die Folge davon ist, „daß sie einander nicht mehr verstanden“ und auch die äußere Sprachform sich änderte.
    (11) Wer zog aus? Die in V. 1 bezeichnete „Erde“, d. h. ihre Bewohner sind nach dem Zusammenhang die 10, 32 und 25 genannten Geschlechter Noes. Andere Menschen existieren für die Erzählung überhaupt nicht, weil ihr Horizont durch die Stammtafeln in Kap. 4, 5, 10 und 11 umgrenzt ist. Unter den Geschlechtern Noes kommt für den Auszug von vorne herein wohl nur ein Teil in Betracht. Von Noe und Sem, die möglicher Weise noch lebten, haben ältere Ausleger angenommen, sie seien wenigstens an dem frevelhaften Beginnen (Bau der Stadt) nicht beteiligt gewesen. – Vom Anfang her, d. h. von Armenien, wo die Arche stehen blieb. Bei weiterer Ausbreitung zogen sie, wohl dem Lauf des Tigris folgend, erst südlich, dann über den Tigris westwärts in das Land Sennaar. Einen bestimmten Anhaltspunkt für die zeit dieses Baues bietet wohl 10, 25: „Der Name des einen Sohnes des Heber (des Urenkels von Sem) war Phalag“ (d. i. Teilung), „deshalb, weil in seinen tagen die Erde (Bevölkerung) sich teilte“ (zerstreute). Nach 11, 10-17 wurde Phalag im Jahre 101 nach der Flut geboren, weshalb viele das Ereignis in dieses Jahr setzen: Die Worte „in seinen tagen“ lassen jedoch auch an eines der späteren Lebensjahre Phalegs, deren im ganzen 239 waren, denken. Nach der griechischen Übersetzung fiele das Ereignis zwischen 531 und 870 nach der Flut.
    (12) Diese Materialien finden sich denn auch bei den noch vorhandenen Überresten Babylons. Die ganze Gegend um Babylon ist mit gebrannten Backsteinen besät; sie war auch immer sehr reich an Asphaltquellen. Asphalt diente, mit Rohr und Sand vermischt, als Mörtel und verband die Steine so fest, daß sie nur mit großer Gewalt auseinander gebrochen werden können; getrocknet diente der Asphalt zur Feuerung.
    (13) Gn. 11, 1-4. Sache und Ausdrucksweise entsprechen vollkommen dem babylonischen Altertum, wie wir dasselbe jetzt aus den Ausgrabungen kennen. Jede Stadt hat zum Mittelpunkt einen Tempelturm (Ziggurat), dessen Spitze an den Himmel reichen soll; er hat 3-7 Etagen (entsprechend den Planeten, deren Bahn über dem Tierkreis er abbildet), trägt im obersten Geschoss ein Heiligtum, das religiösen (astrologischen) Zwecken diente. Ein Vorhaben, das frevelhaftem Übermut und Trotz entsprungen, ähnlich wie die griechische Sage von den Himmel stürmenden Titanen meldet, hat die biblische Erzählung jedenfalls im Auge. Es bezeichnet die Geburtsstunde des Heidentums. – Nach dem hebräischen Text wollen die Turmbauer die Zerstreuung geradezu verhindern, ihr vorbeugen, während sie nach dem Willen Gottes sich über die Erde zerstreuen sollen.
    (14) Menschliche Ausdrucksweise, die besagen will, daß der im Himmel thronende Herr und Richter der Menschen von dem Tatbestand der Überhebung Kenntnis genommen hat.
    (15) Die Ausdrucksweise wie oben, S. 114, A. 2
    (16) Vom hebräischen balal, verwirren. Die Form „Babel“ entspricht durchaus den Sprachgesetzen (das Babylonisch-Assyrische kennt ähnliche Bildungen) und ist unserem „Wirrwarr“ zu vergleichen. In den assyrisch-babylonischen Keilschriften liest man den Namen Bab-Ilu, d. i. Tor oder Heiligtum des Ilu (Hebr. = El, Gott), den die Babylonier neben Bel und andern als besondere Gottheit verehrten. Dieses Bab-Ilu kann spätere Umdeutung des ursprünglichen Babel = Verwirrung sein, wie auch die biblische Ableitung des Namens nicht auf streng grammatischen Regeln zu beruhen braucht.
    (17) Gn. 11, 5-9. Die Heilige Schrift hebt mehr die Zerstreuung der Menschen hervor als die Verwirrung der Sprache; diese ist aber die Voraussetzung und Ursache der ersteren. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß die Heilige Schrift ein (wunderbares) Eingreifen Gottes und eine Katastrophe schildern will, und daß Nachdruck auf das „Einander-nicht-mehr-verstehen“ gelegt wird. Über die Einzelheiten sagt aber der biblische Bericht nichts, außer daß er andeutet, die Verwirrung habe zunächst den Geist, die innere Sprachform betroffen; diese Verwirrung muss den Menschen zum Bewusstsein gekommen sein und das Aufgeben ihres Planes sowie die Zerstreuung veranlaßt haben. Die Verwirrung (Veränderung) der äußeren Sprachform konnte sich dann allmählich vollziehen, da die Möglichkeit einer Veränderung und Verzweigung der Sprache schon in ihrem Wesen begründet und durch den Sündenfall begünstigt war. „Das erstmalige plötzliche Auftreten (der Sonderung der Menschen) war von Gott gewollt; den natürlichen Entwicklungsgang hatte Gott beschleunigt, aber er schuf zu Babel nichts Neues, sondern brachte schon längst Vorhandenes den Menschen zum Bewusstsein. Die volle Ausbildung desselben gehört der späteren Geschichte an.“ Hoberg, Genesis 129. –

    aus: Schuster/Holzammer, Handbuch der Biblischen Geschichte, Bd. I, Altes Testament, 1910, S. 239 – S. 245

    https://katholischglauben.info/turmbau-zu-babel/

    Liebe Grüße, Blasius

  • Thema von Blasius im Forum Neues Testament



    ERSTE LESUNG


    Der Geist selber tritt für uns ein mit Seufzen, das wir nicht in Worte fassen können
    Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer

    Brüder!

    22Wir wissen, dass die gesamte Schöpfung bis zum heutigen Tag seufzt und in Geburtswehen liegt.

    23Aber auch wir, obwohl wir als Erstlingsgabe den Geist haben, seufzen in unserem Herzen und warten darauf, dass wir mit der Erlösung unseres Leibes als Söhne offenbar werden.

    24Denn wir sind gerettet, doch in der Hoffnung. Hoffnung aber, die man schon erfüllt sieht, ist keine Hoffnung. Wie kann man auf etwas hoffen, das man sieht?

    25Hoffen wir aber auf das, was wir nicht sehen, dann harren wir aus in Geduld.

    26So nimmt sich auch der Geist unserer Schwachheit an. Denn wir wissen nicht, worum wir in rechter Weise beten sollen; der Geist selber tritt jedoch für uns ein mit Seufzen, das wir nicht in Worte fassen können.

    27Und Gott, der die Herzen erforscht, weiß, was die Absicht des Geistes ist: Er tritt so, wie Gott es will, für die Heiligen ein.

    ZUR LESUNG

    In unserem Leben und überall in der Welt sehen wir wenig von Erlösung und Heil; was wir sehen, ist Schwachheit, Schmerz, Sünde, Tod: „Wir wissen, dass die gesamte Schöpfung ... seufzt.“ Dass wir erlöst sind, wissen wir durch den Glauben an das Wort Gottes und durch den Geist Gottes, den wir in der Taufe empfangen haben. Statt „Glaube“ kann Paulus auch „Hoffnung“ sagen (8,24). Damit ist ausgesprochen, dass unser Christenleben hier noch etwas Unfertiges, Unvollständiges ist. Es muss in Schmerzen wachsen und reifen wie das Leben eines Kindes. Derselbe Heilige Geist, der in uns das neue Leben schafft, lehrt uns auch die Grundbewegungen dieses Lebens. Er, der im Leben des dreifaltigen Gottes der „Atem“ ist, lehrt uns atmen, d. h. beten. Er selbst ist unser Atem, unser Gebet. Er kennt die Tiefen der Gottheit, er kennt auch die Geheimnisse des Menschenherzens, besser als der Mensch selbst. Weil wir noch nicht die Weite und Freiheit Gottes erreicht haben, leidet unser Gebet unter der Enge und dem Widerspruch unseres Lebens; der „Atem“ des Gebets wird zum „Seufzen“ nach Befreiung und Vollendung. Weil die „Heiligen“ unter ihrer Schwachheit leiden, deshalb leidet und seufzt in ihnen auch der Geist Gottes. Aber er bleibt in ihnen, darum sind sie „Heilige“. - 2 Kor 5,2-7; Gal 5,5; Hebr 11,1; 1 Kor 2,10-15; Ps 139,1.



    Weiteres aus der Heiligen Schrift am: 15. Oktober

    Levitikus 22,31-32a:

    "Ihr sollt auf meine Gebote achten und sie befolgen; ich bin der Herr.
    Ihr sollt meinen heiligen Namen nicht entweihen."


    Lukas 20,25:

    "Jesus sagte zu ihnen: Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört,
    und Gott, was Gott gehört!"


    Liebe Grüße, Blasius

  • Gebete am 15. OktoberDatum14.10.2019 22:02
    Thema von Blasius im Forum Weitere Gebete



    Heilige Theresia, erbitte uns bei Gott den Geist wahrhaftiger Demut, in dem wir nichts von uns denken, als dass wir arme Sünder sind, die der Barmherzigkeit Gottes allezeit bedürfen. Amen.



    Zu Jesus Christus auf die Fürbitte der heiligen Theresia



    O Herr Jesus Christus, der du aus Liebe zu uns die empfindlichsten Schmerzen und den schmählichsten Tod gelitten hast, gib uns auf die Fürbitte der heiligen Theresia die Gnade, die Leiden aus deiner Vaterhand willig anzunehmen und sie mit Geduld zu ertragen, damit wir, wie wir jetzt an deinen Leiden teilnehmen, auch Mitgenossen deiner Herrlichkeit werden, der du lebst und regierst, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.



    Andenken an die seligste Jungfrau




    Die heilige Theresia erkannte in einer Offenbarung, dass sie ihre vollkommene Bekehrung der Fürbitte der seligsten Jungfrau und des heiligen Joseph zu verdanken habe, weswegen sie der Andacht zur Himmelskönigin ganz besonders ergeben war.

    Zu Brüssel hat Papst Innozenz II. am heutigen Tag im Jahr 1131 das große Spital zur Ehre der seligsten Jungfrau eingeweiht. Diese Einweihung wurde jährlich mit großer Feierlichkeit bei großem Zulauf des Volkes daselbst begangen.

    https://www.marianisches.de/heilige-des-tages/


    Liebe Grüße, Blasius

  • Thema von Blasius im Forum Unsere Fürsprecher



    Theresia Sanchez wurde im Jahr 1515 in Avila in Spanien als Baronesse geboren. In nichts unterschied sich das Mädchen als Kind von anderen Kindern, sondern sie war, wie Mädchen eben sein können, empfindsam und raubeinig, wie es gerade kam und wie sie gerade Lust hatte, ein Mädchen also wie tausend andere auch. Allerdings war Theresia immer schon sehr religiös veranlagt. Das zeigt sich besonders bei einem Ereignis, das sich in ihrem siebten Lebensjahr zutrug.



    Als nämlich Theresia gerade etwas lesen konnte, nahm sie die Legenden von den Heiligen zur Hand, die sie in einem Zug verschlang. Vor allem war sie von den heiligen Martyrern tief beeindruckt. So schnell und sicher wie diese wollte auch sie in den schönen Himmel kommen. Lange überlegte sie hin und her und verführte schließlich den vier Jahre älteren Bruder Rodrigo dazu, sich mit ihr ins Land der mohammedanischen Mauren zu begeben und sich dort kurzerhand um des Glaubens willen den Kopf abschlagen zu lassen. Rodrigo machte bei diesem Plan große Augen, und es war ihm gar nicht geheuer, aber weil er als Edelmann der Schwester den Wunsch nicht verweigern wollte und weil auch sonst noch wenig Verstand in ihm war, sagte er zu, natürlich – und das war das Schlimmste bei der Sache – ohne Wissen und Erlaubnis der Eltern.



    Die beiden zukünftigen Martyrer steckten sich die Taschen dick voll Butterbrote und machten sich heimlich aus dem Staub. In drei Tagen würden sie es geschafft haben, meinten sie, dann wären sie bereits im Himmel. Als wenn das „Kopfabschlagenlassen“ so einfach wäre! Da war es schon ein Glück, dass den kleinen Wanderern nach kurzer Reise vor der Stadt ein Onkel begegnete, der sie wieder an die Hand nahm und zur Mutter heimführte. Dass ein Mädchen von sieben Jahren solch eine Dummheit begehen kann, ist immerhin noch verständlich, aber dass der ältere Bruder da mitmachte, geht schon ein wenig zu weit.



    Nachdem sich Theresia und Rodrigo zunächst einmal ausgeweint hatten, versuchten sie es mit dem Einsiedlerleben, weil nach der Heiligenlegende gewöhnlich auch diese Leute sicher in den Himmel kommen. Die beiden bauten im Garten der Eltern zwei Häuschen, eins für Theresia, eins für Rodrigo, in denen sie – natürlich getrennt voneinander – beteten. Manchmal und mit der Zeit immer mehr spielten sie auch miteinander. Sie ernährten sich zum Teil mit Schokolade und Bonbons, die ja an sich keine Einsiedlerkost sind. Darüber aber zerfielen allmählich die beiden Klausen und stürzten ein, und wieder war ein Traum ausgeträumt.



    Bald aber begann für Theresia ein neuer Traum. Diesmal war es ein Traum von ganz anderer Art, ein gefährlicher Traum. Denn als Theresia älter wurde, las sie plötzlich billige Romane, durch die man leicht den Boden unter den Füßen verlieren kann. Theresia kam dadurch zwar nicht auf irgendwelche Abwege, aber sie wurde eitel und putzsüchtig und streifte mit verwandten Mädchen und Jungen durch die Gegend, um sich zu zeigen und um zu glänzen. Dumm oder normal?



    Kurz und gut, eines Tages übergab der Vater, weil er größeres Unheil verhüten wollte und weil die Mutter bereits gestorben war, die Tochter Ordensschwestern zur Erziehung. Das neue ernste Leben lag der Sechzehnjährigen anfangs natürlich überhaupt nicht. Sie tat sich schwer und weinte viel, aber dann kamen allmählich die guten Anlagen, die zutiefst in ihr saßen, zum Durchbruch. Die Lust am Beten kehrte zurück, an Einsamkeit und Stille fand sie immer mehr Gefallen, und mit achtzehn Jahren trat sie in den Karmel ein. Wenn es auch in ihrem Streben nach einem heiligen Leben noch lange Zeit bergauf und bergab ging, zuletzt wurde sie eine heilige Ordensfrau, die sich um die Kirche und um die Rettung der Seelen unsterbliche Verdienste erwarb. Aus dem flatterhaften und eitlen Mädchen wurde eine Heilige, so groß, dass sie schon zu Lebzeiten oft in Visionen Jesus Christus sehen durfte, bis sie im Jahr 1582 zu Alba in Spanien starb, wo heute noch ihr unverwester Leichnam zu sehen ist.

    https://www.marianisches.de/heilige-des-tages/


    SIEHE AUCH:

    15. Oktober

    Die heilige Theresia von Jesus Karmeliterin

    Theresia, im Jahre 1515 zu Avila in Spanien aus vornehmen Geschlecht geboren, war unter zwölf Geschwistern die jüngste und erhielt eine streng religiöse Erziehung. Mit ihrem etwas älteren Bruder Rodrigo las sie fleißig die Legenden der Heiligen. Beide wurden von dem Heldenmut der heiligen Märtyrer und von dem Opfergeist der Einsiedler und Bekenner so sehr entflammt, daß sie in heftiger Sehnsucht, für Jesus und den katholischen Glauben ihr Leben zu opfern und die Siegeskrone des Himmels zu erringen, heimlich das elterliche Haus verließen und auf`s Geratewohl die Richtung zu den ungläubigen Sarazenen einschlugen. Doch ihr Oheim, dem sie begegneten und ihren Plan verrieten, brachte sie den Eltern zurück. Nun wollten sie Einsiedler werden und bauten sich kleine Zellen im Garten. Theresia schloß sich stundenlang darin ein und erhob ihren Geist in Gebet und Betrachtung recht oft zu solcher Andacht, daß man sie ausrufen hörte: „O Ewigkeit, wie unaussprechlich glücklich machst du den Frommen, wie namenlos unglücklich den Sünder!“ In ihrem zwölften Lebensjahr, in dem so gefährlichen Alter, wo das schwärmerische, lebensfrohe Mädchen des wachsamen Mutterauges am meisten bedurft hätte, schloß der Tod dasselbe für immer. Von Trauer und Schmerz zerrissen kniete das weinende Kind vor das Bild der hoch gebenedeiten Jungfrau und flehte: „O Maria, sei du meine Mutter allein und nimm mich als dein Kind an!“ An diese Weihe erinnerte sie sich noch im hohen Alter mit Freuden als an eine der segensreichsten Handlungen ihres ganzen Lebens; denn sie bedurfte gar sehr dieser weisen und gütigen Mutter.

    Dem leidenschaftlich der Lektüre ergebenen Kinde gerieten abenteuerliche Ritter- und Liebesgeschichten in die Hände. Tag und Nacht las sie solche Bücher und erhitzte dadurch ihre Phantasie so sehr, daß sie selbst einen solchen Roman schrieb, der in Anbetracht der Jugend der Verfasserin lobenden Beifall fand. Darob verlor sie allen Sinn für Gebet und ernste Beschäftigung, freute sich über den günstigen Eindruck, den ihre Wohlgestalt und Schönheit machte, und berauschte sich an den Huldigungen, die man ihr darbrachte: sie fing an, sich zierlich zu kleiden, große Sorgfalt auf ihren Haarschmuck zu verwenden, in Gesellschaften zu glänzen, mit schalkhaften Blicken und witzigen Reden zu spielen usw. In dieser Gefallsucht aber, wozu sie von einer weltlich gesinnten Base noch gereizt wurde, überschritt sie nie die Grenzen der jungfräulichen Züchtigkeit.

    Sobald der Vater die Gefahren erkannte, welche seiner hoffnungsvollen Tochter drohten, übergab er sie dem Frauenkloster der Stadt zur weiteren Erziehung. Theresia, fünfzehn Jahre alt, fühlte sich unbehaglich in der neuen Umgebung; aber der stille Friede im Hause, das freundliche Wohlwollen der Nonnen, die angenehme Regelmäßigkeit der Beschäftigung erfrischte wieder ihr edles Herz, daß sie sich bald mit ihrer Lage aussöhnte und wieder Freude am Gebet fand. Nach zwei Jahren mußte sie wegen schwerer Erkrankung ins väterliche Haus zurück kehren. Als sie wieder genas, beschäftigte sie sich allen Ernstes mit der Wahl ihres Standes, worin sie von ihrem Oheim, einem Mann von erprobter Tugend, weise unterstützt wurde; sie erwog die Kürze der Lebenszeit, die Gefahren der genußsüchtigen Welt und die Nichtigkeit der irdischen Güter, dachte ernstlich an die Ewigkeit und entschied sich endlich, nicht ohne Zögern und Zagen, für den Ordensstand. Allein der Vater, der dieses sein jüngstes Kind fast leidenschaftlich liebte, willigte nicht ein. Am 2. November 1533 verließ Theresia in aller Frühe heimlich das Haus, ging mit schwerem Herzen – denn nicht die Alles freudig hinopfernde Liebe zu Gott, sondern vielmehr die Furcht vor der Sünde und die Angst vor der Hölle drängte sie – vor die Stadt hinaus in das große Karmeliterinnen-Kloster und bat um Aufnahme.

    Die Novizin legte mutig die Hand an den Pflug und schaute nicht mehr zurück. Ihre Pünktlichkeit in allen geistlichen Übungen und häuslichen Arbeiten, ihr offenherziges Wesen und gefälliges Benehmen gewann ihr die Liebe Aller und die Erlaubnis zur Ablegung der heiligen Gelübde. Gott wollte nun dieses auserwählte Gefäß der Gnade vollkommen reinigen durch überaus schmerzliche Leiden. Sie litt furchtbar an Kopfschmerzen, Krämpfen und Blutwallungen. Der Vater sorgte dafür, daß sie von den berühmtesten Ärzten behandelt wurde; aber alle Mühe war vergebens; sie magerte innerhalb drei Monaten zum dürren Gerippe ab. Die Anfälle ihres Herzleidens waren so heftig, daß sie öfters – einmal vier Tage lang – vollkommen scheintot war. Die Nonnen hatten bereits das Grab für sie bereitet, und in einem andern Kloster wurde schon der Trauergottesdienst gehalten. Unbeschreiblich waren ihre Leiden: die Zunge war von den Zähnen durchgebissen, die Gurgel eingeschrumpft, die Hände und Füße steif, der ganze Körper so empfindlich, daß sie bei jeder Berührung erbebte. Dieser Zustand dauerte acht Monate, die Steifheit der Glieder zwei Jahre, bis sie auf Krücken gehen konnte; aber Alles litt sie mit heroischer Geduld, später mit großer Freude und Zufriedenheit. Nach drei Jahren war sie wieder ganz gesund.

    Nun lebte Theresia das stille Leben einer einfachen Klosterfrau; sie betete – ohne innere Wärme, arbeitete – ohne Freude und Lust, erfüllte alle religiösen und häuslichen Pflichten – ohne heilige Liebe; sie erhob gerne ihre Gedanken zu Gott, aber ebenso gerne über die Klostermauern hinaus in die Welt; sie las aufmerksam erbauliche Schriften, aber nicht weniger interessierte sie sich um die Stadt-Neuigkeiten; sie liebte die Einsamkeit ihrer Zelle, aber auch die Besuche in den Häusern, oder das Plaudern am Gitter: so zwischen Gott und der Welt geteilt, vergeudete sie fünfzehn kostbare Jahre ihres Lebens.

    Eines Tages betrachtete sie innig den Gekreuzigten, der von Wunden zerrissen, mit Blut überronnen da hing. Da ward ihre Seele in der tiefsten Tiefe bewegt, Tränen der Zerknirschung quollen aus ihren Augen, und sie flehte: „O Jesu, gib mir Kraft, Dir – Dir allein anzugehören!“ Nach langem Gebet stand sie auf zu einem ganz neuen Leben: mit allen Besuchen, Plaudereien und Zerstreuungen war es aus, nur Buße und Entsagung, Gebet und Gottesliebe beschäftigte ihre Seele. Nach und nach gelangte sie zu einer wunderbaren Vertrautheit mit Jesus, so daß sie zahlreicher Erscheinungen und Verzückungen gewürdigt wurde. Er erschien ihr oft, sprach mit ihr, setzte in das hölzerne Kreuz ihres Rosenkranzes fünf herrliche Edelsteine, die jedoch nur für sie sichtbar waren. Er sandte ihr einen Seraph, welcher einen goldenen Pfeil mit feuriger Spitze in ihr Herz bohrte.

    Die demütige Braut Christi fürchtete anfangs selbst, diese Erscheinungen möchten ein Trug des Satans sein, die Beichtväter verboten ihr die so strenge Einsamkeit und erlaubten ihr seltener die heilige Kommunion. Andere vermuteten bei ihr Überspannung, sogar Besessenheit: dann fühlte sie sich öfters geistig und körperlich so erschlafft, daß ihr die Ausdrücke beim Beten, das Verständnis beim Lesen fehlte, oder ein so schmerzliches Feuer in der Seele brannte, daß es ihr unausstehlich vorkam. Aber felsenfest hielt sie drei Jahre in diesen Stürmen aus, überzeugte sich vollkommen von ihrem unmittelbaren Verkehr mit Gott und wurde von hl. Männern – wie Franz von Borgia, Peter von Alcantara – in ihrer Überzeugung bestärkt.

    Unterdessen lebte in Theresia die Sehnsucht auf, ihr Kloster, das ohne Klausur, ohne feste Disziplin, ein Marktplatz des regen Verkehrs mit der Welt geworden war, zu verlassen, um in einem andern in gänzlicher Abgeschiedenheit und Strenge leben zu können. Der Beichtvater, dem sie wie ein Kind gehorchte, willigte nicht ein. Nun entschloß sie sich, ein Kloster ihres Ordens nach der ursprünglichen Regel zu errichten und auf diesem Wege den Verfall der klösterlichen Zucht zu heilen. Mit Hilfe ihrer Geschwister und mit Erlaubnis des Papstes Pius IV. richtete sie in Avila heimlich ein Haus ein und gab 1562 vier armen Jungfrauen das Ordenskleid.

    Nun brach ein furchtbarer Sturm wider sie los von allen Seiten: von ihren Mitschwestern und Ordensoberen, von dem Stadtmagistrat und der Bürgerschaft; sie verteidigte sich nur mit Tränen und Gebet, vertraute auf Gott, ließ die Wogen über sich hintoben und – siegte. Im Frühling 1563 übernahm sie dieLeitung des neuen Klosters und überließ die Erhaltung desselben der göttlichen Güte. Sie täuschte sich nicht; die strengste Armut und Abgeschiedenheit, die lauterste Gottseligkeit und Liebe der fünf Nonnen erregte überall Bewunderung und erwarb ihnen so viele Wohltäter, daß ihnen das tägliche Brot nie mangelte.

    Als der Karmeliter-General Rossi 1568 nach Spanien kam, um die Klöster des Ordens nach den Vorschriften des Konzils von Trient zu reformieren, befriedigte ihn das Haus der Theresia und ihrer zwölf Schwestern in Allem so sehr, daß er ihr die schriftliche Vollmacht gab, andere Frauenklöster nach diesem Muster zu gründen oder umzugestalten, wie auch Mannsklöster für Brüder, welche die alte Regel buchstäblich zu erfüllen verlangen. Theresia nahm diese schwierige Vollmacht an und hinterließ bei ihrem Tode sechzig Nonnen- und Mönchsklöster, welche sie neu gegründet oder eingerichtet hatte, in der schönsten Blüte. Die Widersprüche, Verleumdungen, Verfolgungen, von Seiten des Königs, der Minister, der Bischöfe und Geistlichen, der Karmeliter und selbst des päpstlichen Legaten waren zahlreich und bitter; aber die schwache Frau mit dem großen männlichen Herzen schrieb beredte Briefe an den königlichen Hof und an den heiligen Stuhl, verteidigte sich vor Fürsten und Bischöfen, mit solcher Offenheit und Kraft, daß Alle sich vor ihr beugten.

    Aufgezehrt von den Anstrengungen ihres Berufes, und noch mehr von den Flammen der Liebe im Herzen, erkrankte sie auf einer Reise im Kloster Alba de Tormes und empfing die heilige Wegzehrung. Von den Schwestern nahm sie Abschied mit den Worten: „Ich beschwöre euch bei der Liebe Gottes, verzeiht mir, nehmt nicht mich unwürdige Sünderin zu eurem Vorbild, sondern befolgt treu die Ordensregeln.“ Dann leuchtete ihr Angesicht in wunderbarer Freude und Lieblichkeit auf, und ihre Seele eilte in die Arme des göttlichen Bräutigams in der Nacht vor dem 15. Oktober 1582. Ihre Leiche, die einen himmlischen Wohlgeruch verbreitete, hatte ein jugendlich frisches Aussehen. Gregor XV. erhob sie 1622 unter die Heiligen. Theresia hat sehr wertvolle religiöse Schriften und Gedichte, welche sie auf Befehl ihrer Beichtväter verfaßte, hinterlassen, weshalb sie in Spanien oft als Kirchenlehrerin dargestellt wird.

    aus: Otto Bitschnau OSB, Das Leben der Heiligen Gottes, 1881, S. 765-767

    https://katholischglauben.info/die-heili...s-karmeliterin/


    Liebe Grüße, Blasius

  • Foren-Beitrag von Blasius im Thema



    Die zweite Vaterunser Bitte: Zukomme uns dein Reich

    Das ganze Leben des hl. Burkhard war mit einem Wort ein ununterbrochenes Gebet.
    All` sein Denken, Reden und Tun drückte die Bitte aus: „Zukomme uns dein Reich.“

    Mit diesen Worten lehrt uns Jesus den himmlischen Vater um ein Dreifaches:


    a) daß sein Reich, d. h. die Erkenntnis und Liebe des dreieinigen Gottes und des menschgewordenen Erlösers, sich mehr und mehr über den ganzen Erdkreis verbreite;

    b) daß sein Reich, d. h. die göttliche Wahrheit und Gnade, stets tiefer und vollständiger die Herzen der einzelnen Gläubigen durchdringe, läutere und befruchte zu übernatürlichen Verdiensten;

    c) daß sein Reich. d. h. die Glückseligkeit der ewigen Glorie allen Christgläubigen im Jenseits zu teil werde.

    Lerne vom hl. Burkhard diese zweite Bitte des Vaterunser mit Andacht und Beharrlichkeit beten:


    1. Um das Reich Gottes nach außen über die Erde zu verbreiten, hat er seine reichen Talente, seine wissenschaftliche Bildung, seine Zeit und Arbeitskraft dem Dienst des hl. Evangeliums gewidmet, die geliebte Heimat geopfert, Mühsale, Entbehrungen und tausend Lebensgefahren im Verkehr mit einem noch rohen, aus Heiden, Ketzern und Christen gemischten Volk auf sich genommen. Mit der Glut seines Herzens, mit der Macht seiner Stimme und mit der Anstrengung seiner Kräfte bekämpfte er das Reich des Satans, die Unwissenheit der Menschen in religiösen Dingen und die Verkehrtheit ihrer Sitten, und streute den himmlischen Samen des Evangeliums in den urbar gemachten Boden.
    Mit welchem Eifer und Ernst betest du: „Zukomme uns dein Reich“? Bedenke wohl, daß jeder Tag dich um einen bedeutenden Schritt dem Tode und der Ewigkeit näher bringt. Hoffentlich schätzest du dich mit jedem Tage glücklicher, ein Katholik, ein Kind Gottes und Mitbürger seines Reiches zu sein, hoffentlich interessierst du dich lebhaft für die Ausbreitung dieses Reiches deines Vaters. Betätige diese deine Freude und dein Interesse, indem du betest um gute Priester, eifrige Missionare und um die Gnade der Bekehrung und des Glaubens für die Heiden, indem du Kinder, Lehrlinge, Dienstboten usw. in den geoffenbarten Wahrheiten unterrichtest, Irrende und von Zweifeln Geängstigte belehrst, Institute und Vereine zur Verbreitung des Glaubens unterstützest.

    2. Zur Befestigung des Reiches Gottes nach innen hat der hl. Burkhard alle Mittel angewendet, um die Kirchen auszuschmücken, die Feier des Gottesdienstes zu verherrlichen und die Gläubigen zur freudigen Teilnahme an demselben zu begeistern: er hat durch den milden Glanz seines bischöflichen Ansehens, durch seinen evangelischen Wandel die Gläubigen auf die gute Weide gelockt, um sie mit Hilfe seiner eifrigen Priester zu erfrischen und zu stärken in dem mühsamen Kampf wider Fleisch und Blut. Mit welchem Eifer und Opfergeist betest du in dieser Beziehung: Zukomme uns dein Reich“? Du kennst den Ausspruch des hl. Paulus: „Das Reich Gottes ist nicht Speise und Trank, sondern Gerechtigkeit, Friede und Freude im heiligen Geist.“ (Röm. 14, 17) Erwäge nun: wenn Eltern in ihren Familien, wenn Lehrer und Erzieher in ihren Instituten, wenn Seelsorger und Vorgesetzte in ihren Amtskreisen diese göttliche Lehre fest halten, wenn Jeder von seiner Umgebung das Gift der ärgerlichen Moden und schlechten Bücher und Zeitungen abwehrt, wenn alle Vorgesetzten ihre Untergebenen zur Heiligung der Sonn- und Festtage, zum öfteren Empfang der heiligen Sakramente anhalten und zu friedlicher Genügsamkeit anleiten: dann verhelfen sie Alle dem lieben Jesus zur Herrschaft in ihren Herzen.

    3. Um des Reiches der Glorie in der Ewigkeit teilhaft zu werden, hat der hl. Burkhard die sorge um die Heiligung seiner eigenen Seele stets obenan gestellt, eingedenk der nachdrücklichen Lehre Jesu: „Was nützt es dir, wenn du die ganze Welt gewinnst (alle Menschen zu Heiligen machst), aber an deiner Seele Schaden leidest?“ (Matth. 16) Er hat oft sich dem Tumult der Geschäfte entrissen, um in der Einsamkeit den Zustand seines geistlichen Lebens zu ordnen: er hat sich rechtzeitig von der Öffentlichkeit zurück gezogen, ums ich mit brennender Lampe in der Hand bereit zu halten auf die Ankunft des Herrn. Wohl dir, wenn du dir Zeit nimmst, um wie St. Burkhard zu beten: „Zukomme uns dein Reich“, nämlich der ewige Genuss, Dich, o Vater, mit verklärtem Auge zu schauen und mit verklärtem Herzen zu lieben! –


    aus: Otto Bitschnau OSB, Das Leben der Heiligen Gottes, 1881, S. 764 – S. 765


    https://katholischglauben.info/die-zweit...des-vaterunser/


    Liebe Grüße, Blasius

  • Thema von Blasius im Forum Unsere Fürsprecher



    Im Jahr 1564 wollte die Äbtissin eines Klosters in Neapel den Altar der hl. Fortunata wieder herstellen lassen, weil die Gefahr war, daß er einstürze. Der Baumeister erachtete für notwendig den Altar abzubrechen; allein bevor er ans Werk ging, sah, im Traum eine außerordentlich schöne Jungfrau, welche ihm ernstlich verbot jenen Altar zu berühren, er müsse solches einer würdigeren Person überlassen. Erschrocken teilte der Baumeister den andern Morgen dieses Traumgesicht der Äbtissin mit. Diese ging alsbald in die Kirche, warf sich vor dem Altar nieder und bat inständig den gütigen Gott, daß er ihr eingeben möge, was in dieser Sache zu tun sei. Nachdem sie ihr Gebet vollendet und aufgestanden war, ging sie ungefähr zwei Schritte zurück; da stürzte auf einmal die Vorderseite des Altars zusammen. Es zeigte sich nun dahinter eine große Platte von Marmor, welche nach einer Weile, wo die Äbtissin erschrocken dastand, auch noch herab fiel. Es wurde alsbald dem Bischof Oktavian die Anzeige davon gemacht, und dieser nahm in Begleitung von andern Geistlichen eine Untersuchung vor. Es ergab sich nun, daß die Überreste der hl. Fortunata und ihrer Brüder in diesem Altar beigesetzt waren, auch wurde dabei eine Abbildung ihres Märtyrertums gefunden. In feierlicher Prozession wurden nun diese Reliquien herum getragen, ein neuer Altar dafür erbaut, und die hl Fortunata mit ihren Brüdern wurden nach langer Vergessenheit wieder eifrig angerufen und verehrt. Über ihr Leben und Sterben wird aber Folgendes berichtet:

    Das Vaterland der hl. Jungfrau Fortunata war Cäsarea in Palästina; obgleich von vornehmer Familie, hatte sie schon als junges Mädchen vor Allem Abscheu, was die Welt liebt. Ihre Mutter war ganz ungläubig, hingegen die Brüder sehr gute Christen; sie aber ließ sich nicht von der Mutter abhalten, sondern begehrte die Taufe. Von nun machte sie in kurzer Zeit die größten Fortschritte in christlicher Vollkommenheit und sollte auch durch Fügung Gottes den Siegespreis des Märtyrertums erreichen. Zur Zeit, wo die Kaiser Diokletian und Maximian die Christen auf dem ganzen Erdkreis verfolgen ließen, war ein grausamer Statthalter, Namens Urban, in Cäsarea, der eine Menge Christen in den Kerker warf und mit verschiedenen Martern belegte.

    Einmal ließ er mit einander 37 Christen ins Gefängnis setzen, um sie bei der nächsten Gerichtssitzung vorführen zu lassen; unter diesen waren auch drei Brüder der gottseligen Jungfrau Fortunata; ihre Namen sind Carponius, Evachrist, Proscian. Fortunata erwies in Begleitung einer Magd den Gefangenen unermüdlich alle Liebesdienste. Als sie erfuhr, daß die Bekenner in der nächsten Sitzung verhört und abgeurteilt werden sollten, rief sie aus: „O wenn ich doch auch Teil nehmen dürfte, damit ich mit jenen durch das Märtyrertum schneller zu meinem geliebten Herrn Jesus Christus käme!“ Jemand aus den Umstehenden hörte diese Worte und machte bei dem Richter die Anzeige, daß Fortunata unaufhörlich bei dem Gefängnis sich aufhalte und den Verhafteten beistehe. Darüber kam der Statthalter in großen Zorn und befahl, die selige Jungfrau sogleich vorzuführen. Als sie von himmlischem Licht umstrahlt im Gerichtssaal stand, schüttelte Urban den Kopf und sagte: „Wie heißest du?“ – Die selige Fortunata antwortete: „Der irdischen Abkunft nach werde ich Fortunata genannt; der himmlischen nach aber bekenne ich, daß ich eine Christin bin.“ – Der Statthalter sagte: „Leugne den Namen des Christentums und opfere den allmächtigen Göttern. Wenn du nicht willst, so wirst du durch verschiedene Martern dein Leben verlieren.“ – Fortunata antwortete: „Wenn du doch auch der Verehrung eines einzigen Gottes dich zuwenden wolltest, dann würdest du mir nicht mehr zureden, falschen Göttern zu dienen. Oder weißt du nicht, daß man nicht zwei Herren dienen kann? Um so weniger kann man vielen dienen. Nur einem einzigen muss man dienen und gefallen; und es gibt auch nur einen einzigen Gott, von welchem Alles ist und wir in ihm. Glaube an diesen, damit du auch das Heil deiner Seele erlangest.“ – Der Statthalter Urban sagte: „Nimm Bedacht auf dich und deine Jugend, wie ich auch darauf Bedacht nehme. Halte dich an die Religion, an welche sich die ganze Welt von jeher gehalten hat, damit du nicht durch die herbste Todesart die Blüte deiner Jugend verlierst. Ich habe einen einzigen Sohn, sei du mir die einzige Tochter, verbinde dich mit ihm, dann wirst du mir liebwerter sein, als die ganze Welt.“ – Die Jungfrau Fortunata antwortete: „Dein Sohn, mit dem du mich verehelichen willst, ist nur ein Mensch; mein Bräutigam aber ist Gott und Mensch; jener deckt fünf Fuß Erde mit mit seiner Leibeslänge, dieser aber füllt Himmel und Erde; jener besitzt ein wenig Land, dieser ist Eigentümer von Himmel und Erde; jener verderbt die Keuschheit, dieser erhält sie Jungfräulichkeit. Wenn ich ihm anhange, bleibe ich stets Jungfrau.“ – Der Statthalter sprach: „Was du da sagst, ist Unsinn, wer soll denn der sein, von dem du so große Dinge rühmst?“ – Fortunata antwortete: „Es ist der Herr Jesus Christus, den du nicht kennst.“ – Darauf befahl der Statthalter sie in den Kerker zu führen, in der Hoffnung, daß sie ihren Sinn noch ändern werde.

    Als die Mutter der hl. Fortunata solches erfuhr, schlug sie sich Brust und Gesicht und erhob ein großes Jammer-Geschrei, eilte zum Kerker und zerfloß ganz in Tränen; als sie die Tochter sah, warf sie sich ihr zu Füßen und rief kläglich: „Meine liebste und süßeste Tochter, was für ein Wahnsinn, was für eine Betörung ist über dich gekommen, daß du die Freuden des Lebens verlassest und von selber in die Qualen rennst? Laß dich doch durch die einzige Liebe deiner Mutter von dieser Dummheit zurück bringen. Bedenke, daß ich dich geboren, gesäugt, bis zu diesem Lebensalter heran gezogen habe; wenn deine unsinnigen Brüder nichts nach der Mutterliebe fragen, so habe doch du wenigstens, welche immer dankbarer, immer liebreicher gewesen bist als alle, habe doch du kein steinernes Herz, verachte nicht den herbsten Schmerz der Mutter.“ – Die selige Fortunata antwortete: „Was haben ich und du mit einander gemein, Erzeugerin des Fleisches? Ich ziehe jetzt die Verwandtschaft des Geistes vor; ich verlasse die irdischen Erzeuger und werde mit den himmlischen vereinigt. Glaube an Christus, der für Alle das Leben ist, dann wird Niemand uns trennen. Du freutest dich eine Tochter auf Erden zu haben; freue dich vielmehr eine Märtyrerin im Himmel zu bekommen, wenn du nur auch zum Glauben an Christus dich bringen lassest.“

    Da die Mutter hierauf schwieg und der Tochter keine Antwort gab, so bat diese den Gefängniswärter, daß er sie zu den Bekennern Christi lasse, welche im inneren Gefängnis eingeschlossen waren. Sie gab ihm einiges Geld, damit er ihr diese Bitte gewährte. Als sie eingetreten war, fiel sie den Märtyrern zu Füßen und sprach: „Ich bitte euch, Diener Christi, daß ihr mich als Begleiterin und Genossin eurer Reise annehmt, wie ihr mich auch jetzt eurer Gebete teilhaftig machen möget.“ Da solches die Märtyrer hörten, knieten sie mit der Jungfrau nieder, hoben ihre Hände zum Himmel, vergossen Tränen und beteten mit einander. Unterdessen befahl der ruchlose Urban die selige Fortunata wieder aus dem Gefängnis zu holen und ihm vorzuführen. Als er sie sah, sprach er zu ihr: „Was hast du nun während dieser Zeit über dein Heil für einen Entschluss gefaßt?“ – Die hl. Fortunata sagte: „Mein Heil ist Christus.“ – Darauf sagte Jener: „Leugne einmal den unglücklichen Namen Christi und fange an, die Götter zu verehren, oder ich werde dich zu Tode quälen lassen.“ – Fortunata antwortete hierauf: „Ich bin nicht so unsinnig, daß ich mein Heil wegwerfe, indem ich Götzenbildern anhange, und bin nicht so furchtsam, daß ich sie nicht verachte um den Martern zu entgehen.“ – Über diese Worte noch wütender, befahl der Statthalter Urban sie kahl zu scheren und zur öffentlichen Schmach in der Stadt herum zu führen. Indem aber die selige Jungfrau beschimpft wurde, redete sie nichts, sondern schaute nur zum Himmel und betrachtete die innere Schönheit ihres Bräutigams. Dies war aber dem rasenden Unmenschen nicht genug, er befahl die Jungfrau mit einer Säge wie ein Stück Holz entzwei zu sägen. Indem nun die Diener der Ruchlosigkeit Hand anlegten, wendete sich jene zum Herrn und flehte: „Ich werde nicht das Unheil fürchten, weil du, Herr, mit mir bist; Herr Jesus Christus, Kraft und Leben der Heiligen, ich bitte dich, wende diese Gattung der Marter von mir ab; ich begehre nicht dem Martertum zu entgehen, sondern daß du zur Beschämung des Statthalters deine Macht an mir geringem Mädchen zeigest.“ – Auf dieses Gebet wurden die Henkersknechte wie gelähmt und waren nicht im Stande zu vollführen, was ihnen befohlen war, sie zogen die Säge aus allen Kräften, bemühten sich aber umsonst den Leib der Jungfrau zu verletzen.

    Als sie solches dem Statthalter meldeten, wie all` ihr Bemühen vergeblich sei und sie nicht einmal eine Nadelspitze groß sie zu verwunden vermöchten, knirschte der Tyrann mit den Zähnen und brüllte: „Sie soll bei ihrer Widerspenstigkeit gegen die Götter und die Landesfürsten sich nicht des Sieges rühmen. Hat sie sich mit Zauberkunst gegen das Eisen fest gemacht, so wird ihr solches vielleicht nicht auch glücken gegen die Tierzähne.“

    Der Schauplatz wurde zugerichtet und als die wilden Tiere innerhalb der Schranken losgelassen waren, befahl der Tyrann die selige Jungfrau herbei zu bringen. Da sie nun unter den Tieren stand, nahm sie nach Gewohnheit ihre Zuflucht zu den Waffen des Gebetes; sodann redete sie das Volk an, welches höchst zahlreich zu diesem Schauspiel zusammen geströmt war; sie sprach: „Merkt nun auf und seht, wie gütig der Christen Gott ist, und wie viel der auf Erden vermag, welcher Himmel und Erde gemacht hat.“ Was geschah?

    Der Löwe brüllt, der Bär brummt, der Leopard reckt alle Glieder zum Sprung; aber nachdem sie den Namen Christi gehört haben, werden sie plötzlich ganz zahm. Die Magd des Herrn sprach nämlich also zu den Tieren: „Christus, der euch aus Erde gebildet hat, möge euch selbst befehlen, daß ihr die tierische Wildheit zum Lob und zur Ehre seines Namens vertauscht mit Zahmheit. In dem sie ihnen mit der Hand ein Zeichen machte, kamen sie mit gesenktem Kopf und leckten ihr die Füße. Da erhob sich ein großes Geschrei unter den Zuschauern; sie riefen wiederholt: „Es gibt einen Gott der Christen, der Himmel und Erde gemacht hat; es gibt einen Herrn Jesus Christus, welchen dieses selige Mädchen predigt.“ Darüber kam der Statthalter Urban fast ganz in Verzweiflung, daß er von der Jungfrau zu Schanden gebracht sei. Auf Anraten eines Dieners ließ er ihr nun die Knöchel an den Füßen durchbohren und mit eisernen Nägeln zusammen nageln; da aber Fortunata diese Marter mit Gleichmut trug und nicht im Geringsten Nachgiebigkeit zeigte, so fällte endlich der gottlose Statthalter das Todesurteil. Fortunata war über die Nachricht, daß sie mit dem Schwert hingerichtet werde, voll Freude, wendete Augen und Hände zum Himmel und sprach: „Herr Jesus Christus, Bewahrer aller Keuschheit, der du mich von Kindheit gelehrt hast, die Liebe dieser Welt von mir weg genommen hast und nun aus der Hand des gottlosen Statthalters befreist, ich lobe und preise deinen Namen, ich sage Dank dir, meinem Bräutigam und Herrn, der du mit dem Vater und dem hl. Geist lebst und regierst in alle Ewigkeit.“ Dem Scharfrichter versprach und gab sie Geld, damit er ihren Körper nicht unbegraben liegen lasse.

    ls nun die Hinrichtung stattfinden sollte, so fing der Scharfrichter an zu zittern, und als ihn Fortunata aufmunterte, den Befehl des Richters auszuführen, sprach er: „Ich sehe Männer in weißen Kleidern und eine Schar Jungfrauen um dich herum, und meine Glieder versagen mir vor Schrecken den Dienst.“ – Da rief Fortunata mit lauter Stimme: „Gott, der du die ewige Wahrheit bist, und keinen der Deinigen täuschest, der du auch mich zu deinem Reich berufen hast; Gott, wahrer, reinster Liebhaber, nach welchem die Seelen in der Fremde seufzen, den die Engel anzuschauen verlangen: laß mich ohne Verzug die Bürde der körperlichen Gebrechlichkeit verlassen, und die Süße deiner Gottheit umfangen.“ Nach diesem Gebet konnte der Scharfrichter ohne weiteres Hindernis die hl. Jungfrau enthaupten. Später kamen ihre Überreste mit denen ihrer Brüder, die auch bei dieser Gelegenheit für den Glauben hingerichtet wurden, nach Neapel, wo sie jetzt noch verehrt werden.

    Ist es erlaubt den Tod sich zu wünschen

    Im Anfang des Märtyrertums hat die hl. Fortunata Gott gebittet, daß die Säge und der Zahn der Raubtiere sie nicht verletzte; und zuletzt hat sie im Gegenteil gebittet, Gott möge es nicht verhindern, daß der Scharfrichter sie enthaupte. Ist es erlaubt, den Tod sich zu wünschen, oder noch darum zu bitten? Der hl. Aloysius fragte in seiner letzten Krankheit seinen Beichtvater, ob es keine Sünde sei, daß er so sehnlich den Tod wünsche. Darauf gibt es eine einfache gewisse Antwort, nämlich es ist mit dem Wunsch und Gebet bald zu sterben gerade so, wie mit dem Wunsch und Gebet länger zu leben. Wünschst du zu sterben aus Sehnsucht bei Gott zu sein, wie die hl. Fortunata oder der hl. Paulus, der gesagt hat: ich wünsche aufgelöst zu werden und bei Christus zu sein, dann ist dein Wunsch gut und gottgefällig. Wünscht sich aber der kranke oder sonst geplagte Mensch bald zu sterben, bloß um seines Kreuzes los zu werden und Ruhe zu bekommen, so ist ein solcher Wunsch nichts Gutes, ja ist oft ein Ziechen von Mangel an Geduld, an Bußfertigkeit, an lebendigem Glauben. So verhält es sich auch mit dem Wunsch länger zu leben. Die hl. Fortunata betete im Anfang der Marter deshalb um Erhaltung, damit Gottes Macht verherrlicht und viele Seelen zum Glauben gebracht würden. So magst du auch immerhin beten, daß dir Gott das Leben länger lasse, wenn du hoffst noch manches Gute wirken zu können, oder manches angerichtete Böse gut zu machen hast, oder dein Leben für Andere, z. B. für unerzogene Kinder, von Wichtigkeit ist. Aber nicht sterben wollen, nur um das Leben länger zu genießen oder weil man sich von seinen Gütern und Ämtern nicht trennen mag, ist ein Zeichen von einer verkehrten Seele, die freilich nach dem Tod nichts Gutes zu erwarten hat, wenn sie sich nicht vorher noch bekehrt. –
    aus: Alban Stolz, Legende oder der christliche Sternhimmel,
    Bd. 4 Oktober bis Dezember, 1872, S. 73 – S. 79

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    Liebe Grüße, Blasius

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