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RE: Die Messe in ihren Riten erklärt

in Das allerheiligste Altarsakrament 01.08.2013 14:42
von Kristina (gelöscht)
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http://www.alte-messe.de/07_ordo.html

7. Kapitel: DER ORDO MISSÆ
Geschichtlich betrachtet ist die eigentliche und ursprüngliche Form der hl. Messe die vom Papst oder einem Bischof zelebrierte feierliche Pontifikalmesse. Die Entwicklung zu einfacheren liturgischen Formen kam später, als die römische Liturgie sich auszubreiten begann und Anpassungen an einfachere Verhältnisse notwendig wurden. Dabei ist es bemerkenswert, dass bis hin zur sog. ‚stillen Messe‘ die wesentlichen Strukturen, wenn auch in vereinfachter Form, immer beibehalten wurden.

Die heutige Praxis beschreitet allerdings den umgekehrten Weg. Ausgehend von einer möglichst würdigen Zelebration einfacher Formen der hl. Messe, sucht sie den notwendigen Rahmen zu schaffen, damit die Liturgie vor allem zu den hohen Festen ihren ganzen Reichtum entfalten kann, angefangen vom gesungenen Amt über das levitierte Hochamt bis hin zum feierlichen Pontifikalamt.

Bei aller Vielfalt ist es ein starker Ausdruck von Einheit, dass all diesen möglichen Formen eine feste und immer gleich bleibende Ordnung zugrunde liegt. Wer sich einmal mit dem ORDO MISSÆ, der Messordnung, vertraut gemacht hat, wird sich in allen mehr oder weniger feierlichen Formen der Messe leicht zurecht finden.

Auch heute noch beansprucht die kirchliche Autorität das alleinige Recht, die Liturgie zu ordnen. Sowohl im letzten Konzil als auch im kirchlichen Gesetzbuch werden die Priester eindringlich gemahnt, sich bei der Feier der Liturgie genau an die amtlichen liturgischen Bücher zu halten: „Deshalb darf niemand dabei eigenmächtig etwas hinzufügen, weglassen oder ändern“ (Canon 846 § 1 CIC), „auch wenn er Priester wäre“ (SC 22 § 3). Im ‚Direktorium für Dienst und Leben der Priester‘ der Kongregation für den Klerus vom 31. Januar 1994 wird betont, dass die Gläubigen „ein wahres Recht“ darauf haben, „an liturgischen Feiern so teilzunehmen wie sie die Kirche will und nicht nach dem persönlichen Geschmack des einzelnen Amtsträgers“ (Nr. 64). In der Instruktion ‚Redemptionis Sacramentum‘ der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung vom 25. März 2004 heißt es: „Alle Christgläubigen haben das Recht auf eine wahre Liturgie und besonders auf eine Feier der heiligen Messe, wie sie die Kirche gewollt und festgesetzt hat, wie es also in den liturgischen Büchern und durch andere Gesetze und Normen vorgeschrieben ist. In gleicher Weise hat das katholische Volk das Recht, dass das Opfer der heiligen Messe unversehrt und in voller Übereinstimmung mit den Äußerungen des Lehramtes der Kirche gefeiert wird.“ (Nr. 12)

ORDO MISSÆ - Aufbau der hl. Messe (http://www.alte-messe.de/07_ordo.html)

Wie demgegenüber vielfach die liturgische Realität aussieht, brauchen wir hier nicht zu kommentieren. Immerhin stellt dieselbe Instruktion fest, man könne nicht verschweigen, „dass es Missbräuche, auch sehr schwerwiegender Art, gegen das Wesen der Liturgie und der Sakramente sowie gegen die Tradition und die Autorität der Kirche gibt“ (Nr. 4).

Die hl. Messe im überlieferten Ritus ist klar gegliedert in drei Hauptteile, wie es die Übersicht auf der vorhergehenden Seite veranschaulicht. Dieser Ordnung werden wir nun folgen, um Schritt für Schritt die darin verborgenen Reichtümer zu erläutern und den Sinn für ihre zeitlose Schönheit zu wecken.

Vielleicht mag es in einer sehr kurzlebigen und nach immer neuen Abwechslungen haschenden Zeit ungewohnt erscheinen, am Altar Tag für Tag der gleichen Ordnung zu folgen. Wer sich aber auf die Logik ständiger Abwechslung einlässt, gerät bald in den Zwang, kreativ sein und immer Neues ‚bieten‘ zu müssen. Wir sind überzeugt, dass auch der heutige Mensch sich im Grunde nach einer festen Ordnung sehnt und inmitten des ständigen Wandels gerade in dieser Form der Liturgie einen sicheren Halt, eine Quelle inneren Friedens und ein Stück geistige Heimat finden kann.

Neben den immer gleich bleibenden Teilen der hl. Messe gibt es einige Elemente, die sich je nach dem liturgischen Tag oder Festgeheimnis ändern, wie es die folgende Übersicht veranschaulicht.

Veränderliche Teile des ORDO MISSÆ (http://www.alte-messe.de/07_ordo.html)

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RE: Die Messe in ihren Riten erklärt

in Das allerheiligste Altarsakrament 01.08.2013 14:51
von Kristina (gelöscht)
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http://www.alte-messe.de/08_vormesse.html

8. Kapitel: DIE VORMESSE

Stufengebet
Der Beginn der hl. Messe mit dem Stufengebet ist besonders charakteristisch für den überlieferten römischen Ritus. Es wird vor der untersten Altarstufe gebetet und will dem Priester bewusst machen, wo er steht.

Altarstufen
Die Altarstufen bedeuten einerseits den inneren Aufstieg zu Gott durch die drei göttlichen Tugenden [Glaube, Hoffnung und Liebe]. Andererseits versinnbilden sie den Berg Golgotha, auf dem Jesus sein Blut für uns vergossen und sein Kreuzesopfer dargebracht hat.

Schon im Alten Bund spielen Berge als Orte der Nähe Gottes und als Opferstätten eine wichtige Rolle. Besonders bedeutsam ist in diesem Zusammenhang das Opfer des Abraham auf dem Berg Moria: „Gott sprach: ‚Nimm deinen einzigen Sohn, den du lieb hast, den Isaak, begib dich in das Land Moria und bringe ihn dort auf einem der Berge, den ich dir noch zeigen werde, zum Brandopfer dar!‘“ (Gen 22, 2) Nach alten Überlieferungen könnte dieser Berg Moria durchaus identisch sein mit Golgotha. Wie Isaak ist auch Jesus der einzig geliebte Sohn, der selbst das Holz für sein Opfer getragen hat.

Die symbolische Deutung des Altares als Golgothaberg wird unterstrichen durch die Gegenstände auf dem Altar: Das Altarkreuz erinnert an das blutige Opfer Jesu, die drei Leinentücher bedeuten die Grabtücher, und die Kerzen symbolisieren das Licht der Auferstehung. All dies soll uns lebhaft bewusst machen, dass im heiligen Messopfer nichts anderes geschieht als damals auf Golgotha. Das Kreuzesopfer wird in jeder hl. Messe in unblutiger Weise auf dem Altar gegenwärtig gesetzt. Daher ziemt es sich, mit eben solcher inneren Haltung zum Altar hinzuzutreten, wie es einem Aufstieg auf Golgotha entspricht.

Über die Bedeutung des Emporsteigens schreibt Romano Guardini: „Das Unten ist nun einmal vom Wesen her Gleichnis für das Geringe, Schlechte; das Droben Gleichnis für das Edle, Gute, und jedes Emporsteigen spricht vom Aufstieg unseres Wesens zum ‚Allerhöchsten‘, zu Gott ... Darum führen die Stufen von der Straße zur Kirche. Sie sagen: Du gehst hinauf, zum Haus des Gebetes, näher zu Gott. Vom Schiff der Kirche führen wieder Stufen zum Chor. Sie sagen: Nun trittst du ins Allerheiligste ein. Und Stufen tragen zum Altar empor. Wer die hinaufgeht, dem sagen sie, wie einst Gott zu Moses auf dem Berge Horeb: ‚Ziehe die Schuhe von den Füßen, denn die Stätte, darauf du stehst, ist heiliges Land.‘ (Ex 3, 5) Der Altar ist Schwelle der Ewigkeit. Wie groß ist das! Nicht wahr, nun wirst du die Stufen wissend steigen? Wissend, dass es emporgeht? Wirst alles Niedrige drunten lassen, und wirklich ‚zur Höhe‘ steigen? Aber was soll man da viel sagen. Es muss dir innerlich klar werden, damit die ‚Aufstiege des Herrn‘ sich in dir ereignen, das ist alles.“ (Von heiligen Zeichen S. 26 f.)

Kreuzzeichen
Das Stufengebet beginnt „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Mit dem Kreuzzeichen stellen wir uns unter das Kreuz Jesu und bekennen in Wort und Gestus die beiden grundlegendsten Geheimnisse des christlichen Glaubens: Der Mund bekennt den dreifaltigen Gott, während die Hand ein Kreuz zeichnet und so den Glauben an das Geheimnis der Menschwerdung und die Erlösung durch das Kreuz zum Ausdruck bringt.

Psalm ‚Judica‘
Der Psalm ‚Judica‘ [Ps 43] ist besonders gut geeignet, den Gang zum Altar zu deuten, denn er enthält in groben Zügen eine wunderbare Zusammenschau der ganzen Messe.

Der vierte Vers wird zum Kehrvers: „Introibo ad altare Dei - Zum Altare Gottes will ich treten, zu Gott, der meine Jugend erfreut.“ Gemeint ist hier nicht so sehr die leibliche Jugend. Vielmehr steckt darin ein Hinweis auf die neue Geburt durch die hl. Taufe [vgl. Joh 3, 5], von welcher der hl. Ambrosius sagt: „Du hast abgelegt das Alter der Sünde und angelegt die Jugend der Gnade.“ Die Sünde lässt die Seele altern, macht sie hässlich und führt zum ewigen Tod. Die göttliche Gnade aber schenkt neue Jugend, die hinführt zum ewigen Leben. Eine Seele im Stand der Gnade ist immer jugendlich schön. „Mag auch unser äußerer Mensch aufgerieben werden, so wird doch der innere von Tag zu Tag neu.“ (2 Kor 4, 16) Durch die Sakramente und vor allem im heiligen Messopfer wird das göttliche Leben der Seele gestärkt und vermehrt. Wir nahen uns dem Quell des Lebens, um ‚erfreut‘ zu werden mit frischer Jugend.

„Wie kostbar ist Deine Huld, o Gott! Im Schatten Deiner Flügel bergen sich die Menschen. Am Reichtum Deines Hauses laben sie sich, mit dem Strom Deiner Wonnen tränkst Du sie. Ja, bei Dir ist die Quelle des Lebens, in Deinem Lichte schauen wir das Licht.“ (Ps 36, 8-11)

Drei Wege
Die Lehrer des geistlichen Lebens sprechen von drei Wegen, die der Mensch gehen muss, um zur Vereinigung mit Gott zu gelangen: dem Weg der Reinigung, dem Weg der Erleuchtung und dem Weg der Einigung. Entsprechend ist auch die innere Ordnung der gesamten Messe. Zunächst steht deutlich der Gedanke der Reinigung im Vordergrund, während Lesung, Evangelium und Predigt hauptsächlich der Erleuchtung dienen. Höhepunkt der Messe ist die heilige Wandlung und die sakramentale Vereinigung mit Christus in der heiligen Kommunion.

Der Psalm ‚Judica‘ spiegelt dieses geistliche Grundgesetz in geraffter Form wider: Der erste Vers [‚Judica me Deus ...‘] drückt das Verlangen nach Reinigung aus und nach Abgrenzung von der gottfremden Welt. Der „homo iniquus et dolosus - der böse und tückische Mensch“ ist der ‚alte‘ Mensch, der auch in uns gekreuzigt werden soll [vgl. Röm 6, 6]. So sagt der hl. Apostel Paulus: „Wenn ihr nach dem Fleische lebt, werdet ihr sterben; wenn ihr aber durch den Geist die Werke des Fleisches zum Sterben bringt, werdet ihr leben.“ (Röm 8, 13) In der Bitte des dritten Verses erkennen wir den Weg der Erleuchtung: „Sende aus Dein Licht und Deine Wahrheit; sie haben mich geleitet und geführt auf Deinen heiligen Berg und in Dein Gezelt.“ Im Heiligtum und durch den Segen vom Altar, werden wir dann aufs Innigste mit Gott vereint: „Und ich will zum Altare Gottes treten, zu Gott, der meine Jugend erfreut.“

Confiteor
Das Confiteor [Schuldbekenntnis] erinnert an das Gleichnis vom Pharisäer und vom Zöllner im Tempel: „Der Zöllner aber ... wollte nicht einmal die Augen zum Himmel erheben, sondern schlug an seine Brust und sprach: ‚Gott, sei mir Sünder gnädig!‘“ (Lk 18, 13) Ebenso nimmt der Priester äußerlich die tief gebeugte Haltung eines Sünders ein, der sich zerknirscht an die Brust schlägt, um sein armes Herz zu heilsamer Reue zu erschüttern, während er den ganzen himmlischen Hof zu Zeugen anruft: „Ich bekenne Gott dem Allmächtigen, der seligen, allzeit reinen Jungfrau Maria, dem heiligen Erzengel Michael, dem heiligen Johannes dem Täufer, den heiligen Aposteln Petrus und Paulus, allen Heiligen, und euch Brüdern, dass ich viel gesündigt habe in Gedanken, Worten und Werken: durch meine Schuld, durch meine Schuld, durch meine übergroße Schuld ...“

Das Schlagen an die Brust deutet Romano Guardini: „Du hast vielleicht schon einmal auf alten Bildern Sankt Hieronymus in der Wüste knien sehen, wie er mit einem Stein in der Hand schütternd an die Brust schlägt. Es ist ein Schlag, kein zierliches Getue. Er soll wider die Pforten unserer inneren Welt fahren und sie durchschüttern ... Das also bedeutet es, wenn der Mensch an seine Brust schlägt: er weckt sich auf. Er rüttelt die innere Welt wach, damit sie Gottes Ruf vernehme.“ (Von heiligen Zeichen S. 23 f.)

Versikel
Das Stufengebet endet mit den in leicht gebeugter Haltung gesprochenen Versikeln.
Der hl. Ignatius von Loyola fordert in seinen geistlichen Übungen dazu auf, jeweils vor den Betrachtungen darum zu bitten, was man als besondere Gnade begehrt. Vielleicht dürfen wir die Versikel des Stufengebetes ähnlich deuten als innige Bitte um das, was wir als Frucht der hl. Messe begehren: „Gott, wende Dich uns zu und gib uns neues Leben. - Dann wird Dein Volk in Dir sich freuen. Erzeige, Herr, uns Deine Huld. - Und schenke uns Dein Heil. Herr, erhöre mein Gebet. - Und lass mein Rufen zu Dir kommen.“

Aufstieg zum Altar
Während der Priester die Stufen zum Altar empor steigt, betet er still das Gebet Aufer a nobis: „Nimm weg von uns, so bitten wir, o Herr, unsere Sünden, damit wir ins Allerheiligste mit reinem Herzen einzutreten verdienen.“

Das lateinische Wort ‚Sancta sanctorum‘ [wörtlich: ‚das Heiligste der Heiligen‘] bezeugt tiefe Ehrfurcht vor der Heiligkeit des Ortes.

Altarkuss
Der Priester stützt zunächst die gefalteten Hände auf den Altar. Dann beugt er sich tief nieder und küsst ihn, während er still das Oramus te Domine spricht: „Wir bitten Dich, o Herr, durch die Verdienste Deiner Heiligen, deren Reliquien hier ruhen, und aller Heiligen, Du mögest gnädig nachlassen alle meine Sünden.“

Indem er die Hände auf den Altar stützt, will er andeuten, „dass er nicht auf eigene Kraft, sondern auf Christus und die Heiligen sich stütze, und dass er im Vertrauen auf die Verdienste derselben Nachlass all seiner Sünden von Gott hoffe und erflehe“ (Gihr S. 334).

Der Kuss gilt dem Altar, insofern er Sinnbild Christi ist. Nach urkirchlicher Tradition muss nämlich auf jedem Altar ein Altarstein sein, der bei der Weihe vom Bischof mit Chrisam gesalbt wurde. Das Chrisam deutet hin auf Christus [= der Gesalbte]. Unterstützt wird diese Symbolik durch fünf Kreuze, die auf dem Altarstein eingraviert sind und an die fünf Wunden Jesu erinnern.

Ganz ausdrücklich gilt der Kuss aber auch den Reliquien der Märtyrer, die bei der Altarweihe im Altarstein eingemauert wurden. Zu Zeiten der frühen römischen Kirche war es Brauch, besonders am Gedächtnistag eines Martyriums die hl. Messe direkt über den Gräbern der Märtyrer zu feiern. Schon um das Jahr 270 bestätigt dies Papst Felix I. als eine längst bestehende Gewohnheit. Als später die Christen in Freiheit Kirchen bauen konnten, nahmen sie die Leiber der Märtyrer mit und bestatteten sie unter den Altären. Dabei denken wir an das geheimnisvolle Wort von der Öffnung des fünften Siegels in der Apokalypse des hl. Apostels Johannes: „Als es das fünfte Siegel öffnete, sah ich unter dem Altar die Seelen derer, die hingemordet waren um des Wortes Gottes und um des Zeugnisses willen, an dem sie festhielten.“ (Offb 6, 9)


Die Märtyrer haben ihr Blut vergossen in Treue zu Christus und im Bekenntnis des wahren Glaubens. Die Kraft zur Darbringung ihres Lebensopfers hatten sie aber nicht aus sich selbst, sondern gerade aus der Vereinigung mit jenem Opfer, „von dem jedes Martyrium seinen Ausgang nimmt“ (Secret vom Donnerstag nach dem 3. Fastensonntag). Der Kuss des Märtyrergrabes soll Zeichen der Bereitschaft sein, verbunden mit der Bitte, dass auch uns das Opfer des Altares zum Kraftquell für ein frohes und mutiges Glaubenszeugnis werde.

Schließlich setzt dieser Kuss den Glauben an die Auferstehung des Fleisches voraus. Als Vertreter der streitenden Kirche auf Erden grüßt der Priester die Heiligen, deren sterbliche Überreste hier ruhen. Sie haben ihr Ziel bereits erreicht und erwarten in seliger Freude die Auferstehung ihrer Leiber [resurrectio carnis] am Jüngsten Tag. So wird der Kuss zum Ausdruck der festen Hoff53 nung, dass auch unsere Leiber einmal auferstehen werden in Herrlichkeit: „Unser Heimatrecht ist im Himmel, von wo wir auch den Heiland erwarten, den Herrn Jesus Christus. Er wird unseren armseligen Leib umgestalten, dass er teilhabe an der Gestalt seines verherrlichten Leibes vermöge der Kraft, mit der er sich auch zu unterwerfen vermag das All.“ (Phil 3, 20 f.)

Wenn der Priester sich zum Kuss niederbeugt, mag er in Demut daran denken, dass einer, der zur engsten Freundschaft mit Jesus berufen war, ihn gerade durch einen Kuss verraten hat: „Er näherte sich Jesus, um ihn zu küssen. Jesus aber sprach zu ihm: ‚Judas, mit einem Kuss verrätst du den Menschensohn?‘“ (Lk 22, 47 f.)

Altarinzens
Noch zwei weitere Riten stehen deutlich im Kontext der Weihe des Altares, nämlich das sonntägliche Asperges und die Altarinzens.

• Beim Asperges besprengt der Priester zunächst dreimal den Altar mit Weihwasser, wie auch damals der Bischof den Altar mit einem besonders geweihtem Wasser [gregorianischem Wasser] besprengt hat. Die anschließende Besprengung der Gläubigen erinnert wiederum an die hl. Taufe, in welcher auch sie zu lebendigen Gottestempeln geweiht wurden.

• Es gehört zu den eindrucksvollsten Zeremonien einer Altarweihe, wenn gegen Ende nach der Salbung auf dem Altar fünf Häuflein Weihrauchkörner entzündet werden, so dass der Altar in eine dichte Wolke gehüllt ist. Daran wird erinnert, wenn der Priester nach dem Stufengebet Weihrauch einlegt und den Altar beweihräuchert.

Schon im Alten Testament war die Wolke Zeichen der besonderen Nähe und Gegenwart Gottes: „Moses stieg den Berg hinauf; sodann verhüllte die Wolke den Berg. Die Herrlichkeit des Herrn ließ sich auf den Berg Sinai nieder, und die Wolke bedeckte ihn sechs Tage lang. Am siebten Tage rief er den Moses mitten aus dem Gewölk. Die Herrlichkeit des Herrn aber erschien den Israeliten wie ein loderndes Feuer auf dem Bergesgipfel. Moses ging in die Wolke hinein, stieg den Berg hinauf und verblieb vierzig Tage und vierzig Nächte auf dem Berg.“ (Ex 24, 15-18) Ähnlich wie Moses tritt auch der Priester vor Gott, und nicht weniger gewaltig als die Gotteserscheinung auf dem Sinai ist das Geheimnis des Altares.

Introitus
IntroitusDer Priester bekreuzigt sich und liest auf der rechten Seite des Altares den Eingangsvers [Introitus von introire = eintreten]. In alter Zeit war dies ein Psalmengesang, der während des Einzugs zum Altar gesungen wurde. Seit dem hohen Mittelalter ist er geschrumpft auf die heutige Form: Nach einer in schöne Melodien gefassten Antiphon folgt ein Psalmvers mit Gloria Patri, worauf die Antiphon wiederholt wird. Gewöhnlich gibt der Introitus die Grundstimmung der ganzen Messfeier an und eignet sich gut für den betrachtenden Zugang zum Festgeheimnis des jeweiligen Tages.

Kyrie
Das Kyrie eleison [= Herr, erbarme Dich] ist das einzige Gebet des Messritus, welches in griechischer Sprache abgefasst und bis heute so beibehalten wurde. Die Neunzahl der Anrufungen geht zurück auf den hl. Papst Gregor den Großen [† 604]. Sie soll erinnern an die neun Chöre der heiligen Engel und an die Einheit von himmlischer und irdischer Liturgie.

Wir sehen darin deutlich eine Huldigung an die Allerheiligste Dreifaltigkeit: Jeweils drei Anrufungen gelten nacheinander zunächst dem Vater, dann dem Sohn und schließlich dem Hl. Geist.

Die beiden Teile jeder einzelnen Anrufung entsprechen genau dem zweifachen Ziel des Menschen, nämlich der Ehre Gottes und dem Heil der Seele, wie der Katechismus lehrt: „Wir sind auf Erden um Gott zu erkennen, ihn zu lieben, ihm zu dienen und dadurch in den Himmel zu kommen.“

• Das ‚Kyrie‘ ist eine Huldigung zur Ehre Gottes. Es vereinigt uns im Bekenntnis zur wahren Gottheit und zum Königtum Christi mit dem hl. Apostel Thomas, der anbetend sprach: „Mein Herr [kyrios] und mein Gott!“ (Joh 20, 28) Auch denken wir an das Wort des hl. Apostels Paulus: „Auf dass beim Namen Jesu sich beuge jedes Knie, derer im Himmel, derer auf Erden und derer unter der Erde, und jede Zunge bekenne: Herr [kyrios] ist Jesus Christus, zur Verherrlichung Gottes, des Vaters.“ (Phil 2, 10 f.)

• Im Wort ‚eleison‘ erflehen wir Gottes Gnade zu unserem Heil. Auch hierin ist ein biblischer Anklang, und es ist gut, wenn wir es nicht nur mit denselben Worten, sondern auch in derselben Gesinnung rufen wie die Blinden vor Jericho: „Als sie von Jericho weggingen, folgte ihm viel Volk. Und siehe, zwei Blinde, die am Wege saßen, hörten, dass Jesus vorübergehe, und schrien: ‚Herr, erbarme dich unser [eleison ... kyrie], Sohn Davids!‘ Die Menge aber fuhr sie an, sie sollten schweigen. Doch sie schrien noch lauter: ‚Herr, erbarme dich unser, Sohn Davids!‘“ (Mt 20, 29-31)

Gloria
Das Gloria wird an allen Festen des Jahres gebetet. Es beginnt mit den Worten des Lobgesanges der Engel auf den Fluren von Bethlehem bei der Verkündigung der Geburt des göttlichen Erlösers: „Ehre sei Gott in der Höhe, und Friede auf Erden den Menschen, die guten Willens sind.“ (Lk 2, 14) Seinen ursprünglichen Platz in der Liturgie hat es gemäß dem Sakramentar des hl. Papstes Gregor des Großen aber nicht an Weihnachten, sondern vielmehr an Ostern. Noch heute wird das Gloria in der Osternacht am meisten hervorgehoben. Erst seit dem 12. Jahrhundert wurde es auch an sonstigen Festen gebraucht.

Wie das Kyrie ist auch das Gloria klar trinitarisch gegliedert:
• Der erste Teil ist an den Vater gerichtet und enthält sehr stark das Motiv von Lobpreis und Dank: „Wir loben Dich. Wir preisen Dich. Wir beten Dich an. Wir verherrlichen Dich. Wir sagen Dir Dank ob Deiner großen Herrlichkeit. Herr und Gott, König des Himmels, Gott allmächtiger Vater!“

• Der zweite Teil richtet sich an den Sohn und enthält zusammen mit dem Lobpreis vor allem [wie beim Kyrie!] die Bitte um Erlösung: „Herr Jesus Christus, eingeborener Sohn! Herr und Gott, Lamm Gottes, Sohn des Vaters! Du nimmst hinweg die Sünden der Welt: erbarme Dich unser. Du nimmst hinweg die Sünden der Welt: nimm unser Flehen gnädig auf. Du sitzest zur Rechten des Vaters: erbarme Dich unser. Denn Du allein bist der Heilige. Du allein der Herr. Du allein der Höchste, Jesus Christus.“

• Seinen Ausklang findet das Gloria mit einer Huldigung an die dritte göttliche Person: „Mit dem Heiligen Geist in der Herrlichkeit Gottes des Vaters.“

Theodor Schnitzler deutet sowohl das Kyrie als auch das Gloria vor dem Hintergrund des antiken Kaiserkultes als Huldigung an den himmlischen König: „Wenn ein Kaiser als siegreicher Feldherr Triumphzug hielt, wurde seine Via triumphalis [= Triumphstraße] umsäumt von den Scharen des Volkes. Dann lösten einander ab die Chöre der Huldigenden. Immer neue Titel und Ehrennamen wurden dem Sieger zugerufen. Ein Echo dieser Triumphzüge hat sich im Gloria, wie im Kyrie, erhalten. Immer neue Jubelrufe, immer neue Ehrentitel erklingen. Sehen wir nur die Gruppen: Wir loben dich! Wir beten dich an! Wir verherrlichen dich! Wir sagen dir Dank! Beachten wir die Reihe der Titel, von denen jedes einzelne Wort ein neuer Ruf, ein neuer Chor ist: Herr! König! Himmlischer! Gott! Vater! Allmächtiger! Herr! Eingeborener Sohn! - Wenn wir den Text auf diese Weise lesen, spüren wir seinen österlichen Charakter. Wir erleben den Triumphzug des österlichen Triumphators, des Siegers von Golgatha, des Königs Christus.“ (Theodor Schnitzler, Die Messe in der Betrachtung, Bd. II S. 19)

Dominus vobiscum
Im Dominus vobiscum entdecken wir ein wunderbares Zusammenspiel von Wort und Gestus.
Dieser Gruß hat schon im Alten Testament deutliche Bezüge zum Geheimnis der Menschwerdung. Im Buch Ruth, welches die Vorgeschichte des Hauses David schildert, aus dem einst der Messias kommen sollte, gebraucht ihn der Urgroßvater des Königs David: „Boas aber kam soeben von Bethlehem her und sprach zu den Schnittern: ‚Der Herr sei mit euch!‘“ (Ruth 2, 4) Der große adventliche Prophet Isaias [7, 14] kündigt Christus an als den ‚Gott mit uns‘: „Dies alles ist geschehen, damit erfüllt würde, was gesagt ist vom Herrn durch den Propheten: ‚Siehe, die Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären, und man wird ihn Emmanuel nennen‘, was übersetzt heißt: ‚Gott mit uns‘.“ (Mt 1, 22 f.) Und als der Engel Gabriel bei Maria eintrat, um ihr die Verwirklichung des Heilsratschlusses zu verkünden, sprach er: „Sei gegrüßt, Begnadete, der Herr ist mit dir [Dominus tecum]!“ (Lk 1, 28) Der hl. Apostel Paulus gebraucht diesen Gruß in seinem Brief an die Thessalonicher: „Er aber, der Herr des Friedens, gebe euch den Frieden zu jeder Zeit und in jeder Weise! Der Herr sei mit euch allen!“ (2 Thess 3, 16)

Vor dem Dominus vobiscum beugt sich der Priester und küsst den Altar: „Da nun der Priester als Mittler zwischen Himmel und Erde am Altar steht, begrüßt er mit dem Altarkuss zuerst die triumphierende Kirche, um derselben Liebe und Huldigung zu erweisen, und danach im ‚Dominus vobiscum‘ die streitende Kirche mit Worten, die Heil und Segen auf dieselbe herabrufen.“ (Gihr S. 375)

Zum Volk hin gewendet, breitet der Priester vor der Brust beide Hände aus. Dieser Gestus drückt das Anwünschen des göttlichen Gnadenbeistandes aus. Zugleich kann er gedeutet werden als symbolische Umarmung, ähnlich, wie wenn eine Mutter ihr Kind an sich zieht.

Oration
Die Oration gehört zu den wechselnden Teilen der Messe. In vielsagender Kürze schließt sie alles in sich, worum wir Gott vor allem bitten wollen. Vor der Oration steht das Oremus [= ‚Lasset uns beten‘]. Die ursprüngliche Vollform war verbunden mit einem Flectamus genua [= ‚Beuget die Knie‘], dem ein kurzes stilles Gebet folgte. Bis heute hat sich das Flectamus genua bei einigen besonderen Gelegenheiten wie beispielsweise in den Quatembermessen, bei den großen Fürbitten des Karfreitags oder in der Osternacht gehalten.

In den gewöhnlichen Messen bleibt von der einstigen Gebetspause nur eine ehrfürchtige Verneigung des Priesters zum Wort Oremus. „Wenn diese Verneigung würdig und langsam gemacht wird, entsteht von selbst wieder eine Weile, die von stillem Gebet gefüllt werden kann.“ (Th. Schnitzler, Die Messe in der Betrachtung Bd. II S. 26) Das Volk ist eingeladen, sich in diesem kurzen Verweilen mit dem Gebet des Priesters zu vereinen.

Orante
Während der Oration erhebt der Priester seine geöffneten Hände. Diese Gebetshaltung heißt Orante. Sie ist schon auf Darstellungen in den frühchristlichen römischen Katakomben bezeugt und kennzeichnet den Priester als offiziellen Beter der Kirche.

Sie erinnert an Moses, der zum ägyptischen Pharao sprach: „Sobald ich die Stadt verlasse, will ich meine Hände zum Herrn ausbreiten; dann hören die Donnerschläge auf, der Hagel wird nicht mehr fallen, damit du erkennst, dass dem Herrn die Erde gehört.“ (Ex 9, 29) Später sehen wir Moses mit erhobenen Armen auf dem Berg in der Wüste beim Kampf gegen Amalek: „Solange Moses nun seine Hände erhob, obsiegte Israel; sobald er aber seine Hände sinken ließ, waren die Amalekiter überlegen.“ (Ex 17, 11)

Die Erhebung der Hände gilt als Ausdruck der Innigkeit des Flehens [‚händeringend‘], wie es beim Psalmisten heißt: „Höre auf mein lautes Flehen, da ich zu Dir um Hilfe rufe, da ich meine Hände hebe zu Deinem Allerheiligsten im Tempel.“ (Ps 28, 2) Die emporgerichteten Hände sagen Gott Lob: „So will ich Dich rühmen mein Leben lang, in Deinem Namen die Hände erheben!“ (Ps 63, 5) Sie zeigen die Richtung des Gebetes und werden im Psalmvers, den der Priester im feierlichen Hochamt bei der Beweihräucherung des Altares zur Opferung spricht, sogar ausdrücklich zum Opfergestus: „Herr, lass mein Gebet wie Weihrauch vor Dein Antlitz dringen. Wie ein Abendopfer sei vor Dir das Erheben meiner Hände.“ (Ps 141, 2)

Nach einer schönen Deutung des hl. Ambrosius nimmt der Priester in der Orante die Haltung Christi ein, der seine Hände vor dem Thron des Vaters in Kreuzesform erhebt, um ihm die Wundmale, den Preis unserer Erlösung zu zeigen.

Lesung
Schon für die Juden war es selbstverständlich, im Synagogengottesdienst aus den heiligen Schriften zu lesen. Jesus selbst gibt uns dafür ein Beispiel: „Er kam nach Nazareth, wo er aufgewachsen war, ging nach seiner Gewohnheit am Sabbat in die Synagoge und erhob sich, um vorzulesen. Man reichte ihm das Buch des Propheten Isaias.“ (Lk 4, 16 f.) Von Anfang an wurde dieser Brauch auch in die christliche Liturgie übernommen. Die beiden Lesungen der Messe heißen Lesung [oder Epistel von epistola = Brief] und Evangelium [von eu-angelion = Heilsbotschaft]. Um ihren Sinn zu verstehen, muss man bedenken, dass auch sie - wie alles in der Liturgie - zunächst zum Lob und zur Verherrlichung Gottes dienen und in zweiter Linie zur Belehrung und Erbauung des Volkes. Beides gehört untrennbar zusammen, und es wäre viel zu kurz geschaut, wenn die Lesungen nur als Belehrung gesehen würden.

Primär haben die Lesungen den Charakter einer Laudatio. Sie verkünden rühmend die Großtaten Gottes. Der Verkünder muss nach traditionellem Verständnis mit einer besonderen amtlichen Vollmacht ausgestattet sein [deputatio ad cultum divinum]. Diese wird stufenweise verliehen in den Weihen zum Lektor, Subdiakon und Diakon und befähigt dazu, im Namen der Kirche Gott das Opfer des Lobes [sacrificium laudis] darzubringen.

• Damit soll der zweite Aspekt weder geschmälert noch vernachlässigt werden. Die Worte der Schrift sind selbstverständlich bestens geeignet zur Belehrung des Volkes, und es ist vor allem die Aufgabe der Predigt, sie zu erklären und sie wie gute Samen in die Herzen der Gläubigen einzupflanzen.

Es ist für jeden Christen eine Pflicht und sollte ein inneres Bedürfnis sein, sich um eine solide Kenntnis der heiligen Schriften zu bemühen, sagt doch der hl. Hieronymus: „Unkenntnis der Schriften ist Unkenntnis Christi.“ (Is. prol.) Im Brief an seinen Schüler Timotheus schreibt der hl. Apostel Paulus: „Jede von Gott eingegebene Schrift ist auch dienlich zur Belehrung, zur Beweisführung, zur Zurechtweisung, zur Schulung in der Gerechtigkeit, damit ausgestattet sei der Mann Gottes, wohlgerüstet zu jedem guten Werk.“ (2 Tim 3, 16 f.)

Zwischengesang
Die Zwischengesänge sind ursprünglich Lieder, deren Texte wie beim Introitus und der Communio meistens den Psalmen entnommen sind. Sie sind zugleich eine Antwort auf die Lesung und eine Überleitung zum Evangelium. Gewöhnlich findet darin ein prägender Tagesgedanke einen meditativen Widerhall. Ihren Charakter ändern sie mit dem Kirchenjahr. Ab dem Sonntag Septuagesima bis Ostern bestehen sie aus dem Graduale und dem Tractus, in der Osterzeit aus zwei Allelujaversen und in der übrigen Zeit des Jahres aus dem Graduale und einem Allelujavers.

Munda cor
Vor dem Evangelium betet der Priester in der Mitte des Altares tief verbeugt das Munda cor: „Reinige mein Herz und meine Lippen, allmächtiger Gott. Wie Du einst die Lippen des Propheten Isaias mit glühenden Kohlen gereinigt hast, reinige auch mich in Deinem gnädigen Erbarmen, und lass mich so Dein heiliges Evangelium würdig verkünden.“

Dieses Gebet erinnert an die erhabene Szene der Berufung des Propheten Isaias: „Vor der Stimme des Rufenden erbebten die Pfosten der Türschwellen, und der Tempelraum füllte sich mit Rauch. Da sprach ich: ‚Wehe mir, ich bin verloren; denn ein Mann mit unreinen Lippen bin ich und wohne unter einem Volke mit unreinen Lippen! Denn den König, den Herrn der Heerscharen, haben meine Augen gesehen.‘ Da flog zu mir einer der Seraphim heran, in seiner Hand einen glühenden Stein, den er mit einer Zange vom Altar genommen hatte. Mit ihm berührte er meinen Mund und sprach: ‚Siehe, dies hat deine Lippen berührt, gewichen ist deine Schuld, deine Sünde gesühnt.‘ Und ich hörte die Stimme des Herrn, der da sprach: ‚Wen soll ich senden, wer wird für uns gehen?‘ Und ich erwiderte: ‚Hier bin ich, sende mich!‘“ (Is 6, 4-8)

Evangelienseite
Während des Munda cor trägt der Ministrant das Messbuch auf die andere Seite. Die tiefere Symbolik der Evangelienseite kommt aus den Himmelsrichtungen, denn wo der Altar nach Osten hin ausgerichtet ist, weist sie in Richtung Norden. Da in unseren Breiten im Norden niemals die Sonne steht, gilt er als Symbol der Finsternis. Das nach Norden hin verkündete Evangelium ist wie ein Licht, das leuchtet in die Finsternis [vgl. Joh 1, 5].

Im Hochamt wird dies zusätzlich unterstrichen durch eine feierliche Evangeliumsprozession und durch die brennenden Kerzen der Akolythen.

Evangelium
Den Beginn des Evangeliums bezeichnet der Priester mit einem Kreuz, und auch die Gläubigen bekreuzigen sich an Stirn, Mund und Brust.

Das Wort Gottes soll unser Denken formen, auf den Lippen wiederklingen und im Herzen bewahrt werden.

Das Stehen beim Evangelium ist Ausdruck wacher Bereitschaft. Wie der junge Samuel sollen wir sagen: „Rede, Herr, Dein Diener hört!“ (1 Sam 3, 9) Der Christ drückt aus, „dass er sich zusammengenommen hat. Er ist wach, aufmerksam, gespannt. Und er ist bereit. Denn wer steht, kann sofort auf und davon gehen; kann ungesäumt einen Auftrag ausführen; mit einer Arbeit beginnen, die ihm zugewiesen wird. Das ist die andere Seite der Ehrfurcht vor Gott. Im Knien war es die anbetende, in Sammlung verharrende; hier die wache, tätige. Solche Ehrfurcht hat der aufmerksame Gehilfe, der gerüstete Kämpfer. Sie offenbart sich im Stehen.“ (Romano Guardini, Von heiligen Zeichen S. 19)

Am Ende küsst der Priester den Beginn des Evangeliums, indem er spricht: „Durch die Worte des Evangeliums mögen getilgt werden unsere Sünden.“ Darin steckt die Überzeugung, dass dem geoffenbarten Gotteswort eine exorzistische, sündentilgende Kraft innewohnt, denn wo das Licht leuchtet, vertreibt es die Finsternis. „Lebendig ist das Wort Gottes, wirksam und schärfer als jedes doppelt geschliffene Schwert; es dringt durch bis zur Trennung von Seele und Geist, von Gelenk und Mark, und ist Richter über Gedanken und Regungen des Herzens.“ (Hebr 4, 12)

Selbst im Evangelium finden wir also den für den gesamten ersten Teil der Messe prägenden Gedanken der Reinigung im Hinblick auf die bald beginnende Opferhandlung.

Credo
An Sonn- und Feiertagen folgt auf das Evangelium [bzw. auf die Predigt] das Glaubensbekenntnis. Während das Apostolische Glaubensbekenntnis mit seinen zwölf Glaubenssätzen seinen eigenen liturgischen Platz im Ritus der Taufe hat, wird in der hl. Messe ab dem 6. Jahrhundert und allgemein seit dem frühen 11. Jahrhundert das Große oder Nicæno-Konstantinopolitanische Glaubensbekenntnis gesprochen. Seinen Namen hat es von den beiden Konzilien von Nizäa [325] und Konstantinopel [381], auf denen vor allem wichtige christologische Glaubensinhalte klar definiert wurden. Es enthält in brillanter Kürze einen Grundriss der gesamten katholischen Glaubenslehre. Zum Höhepunkt des Credo bei den Worten „Et incarnatus est ... - Er hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist aus Maria, der Jungfrau, und ist Mensch geworden.“ beugt man anbetend die Knie.

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#8

RE: Die Messe in ihren Riten erklärt

in Das allerheiligste Altarsakrament 01.08.2013 14:57
von Kristina (gelöscht)
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9. Kapitel: DIE OPFERUNG
Die Opfermesse besteht aus drei Teilen. Sie beginnt mit der Opferung.

Teile der Opfermesse (http://www.alte-messe.de/09_opferung.html)

Bevor wir die Gebete und Vollzüge der Opferung einzeln betrachten, werfen wir einen kurzen Blick auf das Ganze.
(http://www.alte-messe.de/09_opferung.html)

Die Opferung verbindet verschiedenste Elemente zu einer harmonischen Einheit. Ursprünglich bestand sie wohl nur aus einem Oremus und der dazu gehörigen Oration. Dazwischen wurde die Bereitung der Opfergaben still vollzogen. Diese beiden Elemente sind noch immer vorhanden und bilden gleichsam den Rahmen für die ganze Opferung, nämlich das Oremus am Anfang und die Secret am Ende. Im Laufe der Zeit wurde die Opferbereitung mehr und mehr angereichert bis hin zur heutigen Gestalt.

Offertorium
Nach dem Dominus vobiscum mit Oremus liest der Priester den Offertoriumsvers. Ursprünglich war dies ein Begleitgesang zur Opferung, ähnlich wie zu Beginn der hl. Messe der Introitus.

Enthüllung des Kelches
Dann wird der Kelch feierlich enthüllt. Der Priester legt das gefaltete Kelchvelum seitlich auf den Altar, und die Ministranten geben nach deutschem Brauch ein Glockenzeichen, um die Aufmerksamkeit der Gläubigen auf die beginnende Opferhandlung zu lenken.

Opfergabe
Die zu bereitenden Opfergaben sind in erster Linie die materiellen Gaben von Brot und Wein. Sie werden durch die Hände des Priesters dargebracht, um bei der Wandlung zum Opferleib und Opferblut Christi zu werden. Gleichzeitig aber stehen die materiellen Gaben symbolisch für ein geistiges Opfer, welches nicht nur der Priester, sondern zugleich mit ihm auch die anwesenden Gläubigen kraft ihres in der Taufe erworbenen allgemeinen Priestertums darbringen sollen.

Opferung des Brotes
Der Opfergestus der Erhebung der runden goldenen Patene mit der daraufliegenden Hostie wird begleitet von der Bitte, Gott möge die Opfergabe annehmen, ihm zur Ehre und uns zum Heil: „Nimm an, heiliger Vater, allmächtiger ewiger Gott, diese makellose Opfergabe, die ich, Dein unwürdiger Diener, Dir, meinem lebendigen und wahren Gott, darbringe, für meine unzähligen Sünden, Fehler und Nachlässigkeiten, für alle Umstehenden und auch für alle lebenden und verstorbenen Christgläubigen, damit sie mir und ihnen zum Heil gereiche zum ewigen Leben. Amen.“

Das Oblationsgebet spricht von einer immaculata hostia [= makellose Opfergabe]. Damit ist gesagt, dass ganz selbstverständlich jede Gabe zur Ehre Gottes nicht anders sein soll als makellos rein.

• Das Wort hostia [= Opfergabe] meint zunächst die materielle Opfergabe, nämlich das Brot. Nach dem Wunsch der Kirche soll die Opfermaterie von Brot und Wein mit Sorgfalt hergestellt und makellos rein sein: reines Weizenbrot und reiner Traubenwein, immaculata hostia.

Ganz ähnlich war es bei den vorbildlichen Opfergaben im Alten Bund. Auch sie sollten immaculata hostia sein, denn so sprach Gott durch Moses zu den Israeliten: „Nehmt einen Ziegenbock zum Sündopfer sowie ein Kalb und ein Lamm zum Brandopfer, beide einjährig und fehlerlos [sine macula].“ (Lev 9, 3) Vom Opfer des Erstlingswurfes heißt es: „Hat er einen Makel [= maculam], sei es, dass er blind oder lahm oder sonst mit einem bösen Fehler behaftet ist, so opfere ihn dem Herrn, deinem Gott, nicht!“ (Dt 15, 21)

• Gleichzeitig weist die Hostie über sich selbst hinaus. Als Brot steht sie stellvertretend für die Grundbedürfnisse des Menschen und ist so Symbol für den Menschen selbst. Während die Hostie auf der Patene geopfert wird, sollen auch die Gläubigen ihr Opfer darbringen, indem sie ihre persönliche Hingabe erneuern und gleichsam sich selbst geistigerweise mit auf die Patene legen. Verbunden mit dem Opfer Christi möge Gott auch die „hostia devotionis nostræ“ [= „Opfergabe unserer Gottergebenheit“, vgl. Secret vom 3. Adventsonntag] gnädig annehmen.

Auch das geistige Opfer der Gläubigen soll zur Ehre Gottes makellos sein. Aus diesem Grund stand ja die gesamte Vormesse unter dem Gedanken der Reinigung. Die vom Weihwassernehmen an der Kirchentür bis hin zum Evangelium immer wieder ausgedrückte Bitte um ein reines Herz zielte genau darauf hin, uns selbst für Gott als immaculata hostia zu bereiten. So spricht der Psalmist: „Ein reines Herz erschaffe mir, o Gott! Erneuere in mir den rechten Geist! ... Denn Schlachtopfer gefallen Dir nicht, und brächte ich Brandopfer dar, Du möchtest es nicht. Opfer für Gott ist ein zerknirschter Geist; ein zerknirschtes und zerschlagenes Herz wirst Du, o Gott, nicht verschmähen.“ (Ps 51, 12.19)

In diesem Zusammenhang denken wir an die Worte des hl. Apostels Paulus: „Ich ermahne euch ... um der Erbarmungen Gottes willen: Bringt eure Leiber dar als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer [hostiam viventem, sanctam, Deo placentem] ... Macht euch nicht die Art dieser Welt zu eigen, sondern wandelt euch um durch Erneuerung eures Denkens, um zu prüfen, was der Wille Gottes ist, was gut, wohlgefällig und vollkommen.“ (Röm 12, 1 f.)

Mischung
Bei der Bereitung des Kelches gibt der Priester einen Tropfen Wasser in den Wein und spricht dabei die Worte einer vormaligen Weihnachtsoration: „Gott, der Du die Würde der menschlichen Natur wunderbar begründet und noch wunderbarer erneuert hast, lass uns durch das Geheimnis dieses Wassers und Weines an der Gottheit dessen teilhaben, der sich gewürdigt hat, unserer Menschennatur teilhaftig zu werden, Jesus Christus, Dein Sohn, unser Herr.“

• Dieser unscheinbare Ritus weist hin auf die Verbindung von göttlicher und menschlicher Natur in der Person des Gottmenschen Jesus Christus [hypostatische Union], wobei der Wein für die göttliche und das Wasser für die menschliche Natur steht.

• Zugleich aber geht es um das Geheimnis unserer eigenen Erlösung, denn wie der Tropfen Wasser in den Wein, so wird der Mensch in der Taufe gleichsam hineingetaucht in den dreifaltigen Gott. Durch die heiligmachende Gnade wird er mit göttlichem Leben erfüllt und „teilhaft göttlicher Natur“ (2 Petr 1, 4). Noch wunderbarer, als Gott den Menschen ursprünglich erschaffen hat, wird er im Werk der Erlösung erneuert.

Wieder begegnet uns der Gedanke der Selbstaufopferung, denn der kleine Wassertropfen fordert uns auf, uns dem ganz zu schenken, der sich uns ganz geschenkt hat. Und wenn auch all unser armseliges menschliches Tun und Wirken zur Ehre Gottes im Verhältnis zum unendlich wertvollen Opfer Christi nicht mehr ist als ein Tropfen Wasser im Vergleich zum Ozean, so wird doch dieser glückliche Wassertropfen mit dem Opfer Christi vereint und deshalb dem himmlischen Vater wohlgefällig.

Über den Mischungsritus sagt das Konzil von Trient: „Endlich mahnt die heilige Kirchenversammlung, dass es kirchliche Vorschrift für die Priester ist, dem Wein, der im Kelch geopfert wird, Wasser beizumischen, sowohl deshalb, weil wohl auch Christus so getan hat, aber auch, weil aus seiner Seite zugleich mit dem Blut auch Wasser hervorgegangen ist. Dieses Geheimnisses wird durch die Vermischung gedacht. Und da in der Geheimen Offenbarung des heiligen Johannes die Völker Wasser genannt werden, so wird die Vereinigung des gläubigen Volkes mit Christus dem Haupt dargestellt.“ (22. Sitzung [1562], 7. Kapitel)

Opferung des Kelches
Während der Priester den Kelch empor hält, spricht er: „Wir opfern Dir, Herr, den Kelch des Heiles und flehen Dich, den Allgütigen, an: lass ihn, uns zum Segen und der ganzen Welt zum Heil, wie lieblichen Wohlgeruch vor das Angesicht Deiner göttlichen Majestät emporsteigen.“

In spiritu humilitatis
Die mit dem Opfer Christi verbundene Selbstopferung des christlichen Volkes, die in den bisherigen Riten sinnbildlich dargestellt wurde, wird nun ganz ausdrücklich formuliert. Äußerlich nimmt der Priester eine demütig verbeugte Haltung ein, während die Kirche ihm das Gebet der drei Jünglinge im Feuerofen in den Mund legt. Weil diese jungen Helden sich geweigert hatten, das Götzenbild des Nebukadnezar in Babel anzubeten, ließ der König sie in einen glühenden Feuerofen werfen, doch mitten in der Feuersglut blieben sie unversehrt und priesen Gott. Und weil sie keine andere Opfergaben hatten, brachten sie sich selbst zum Opfer dar: „Es ist in gegenwärtiger Zeit kein Fürst vorhanden, kein Prophet oder Lenker, kein Brandund Schlachtopfer, kein Speiseopfer und Räucherwerk, kein Ort, um Erstlingsgaben zu spenden vor Dir und so Erbarmen zu finden. Doch mit zerknirschtem Herzen und demütigem Geiste lass uns Aufnahme finden, als kämen wir mit Brandopfern von Widdern und Stieren und unzähligen fetten Lämmern! So komme unser Opfer heute vor Dich und möge Dich versöhnen!“ (Dan 3, 38-40) Genau so spricht der Priester: „Demütigen Geistes und mit zerknirschtem Herzen mögen wir von Dir angenommen werden, Herr, und so geschehe heute unser Opfer vor Deinem Angesicht, dass es Dir wohlgefalle, Herr und Gott.“

Sehr schön ist dieser Gedanke ausgedrückt in der Secret des Dreifaltigkeitssonntags: „Herr, unser Gott, wir bitten Dich: heilige diese Opfergabe durch die Anrufung Deines heiligen Namens und mache durch sie uns selber zur vollendeten ewigen Opfergabe für Dich.“

Veni sanctificator
Zum Veni sanctificator erhebt der Priester genau wie später bei der Wandlung in Nachahmung Jesu die Augen zum Himmel. Dann zeichnet er mit den Händen einen Kreis und segnet die Opfergaben. Wesentlicher Inhalt dieses Gebetes ist die in Wort und Gestus ausgedrückte Bitte um die Herabkunft des Hl. Geistes: „Komm, Heiligmacher, allmächtiger ewiger Gott, und segne † dieses Opfer, das Deinem heiligen Namen bereitet ist.“

Ähnlich wie das Wunder der Menschwerdung Gottes wird auch die eucharistische Wesensverwandlung der Kraft des Hl. Geistes zugeschrieben: „Wie soll mir dies geschehen, spricht die heilige Jungfrau, da ich keinen Mann erkenne? Der Erzengel Gabriel antwortet: Der Heilige Geist wird über dich kommen und die Kraft des Allerhöchsten dich überschatten. Und nun fragst du, wie das Brot der Leib Christi werde und der mit Wasser gemischte Wein das Blut Christi? Und auch ich sage dir: der Heilige Geist kommt darüber und wirkt, was über Sprache und Begriff hinausgeht.“ (Johannes von Damaskus, De fide orthod. 1. 4, c. 13)

Inzens der Opfergaben
Im feierlichen Hochamt folgt die Beweihräucherung der Opfergaben und des Altares. Dieser Ritus fasst die gesamte Opferung noch einmal zusammen.

Das Gebet zur Segnung des Weihrauchs beruft sich auf die Fürsprache des hl. Erzengels Michael und erinnert an die vom hl. Apostel Johannes geschaute himmlische Liturgie: „Ein anderer Engel kam und trat vor den Altar, eine goldene Rauchschale tragend, und viel Räucherwerk wurde ihm gegeben, dass er es darbringe unter dem Gebet aller Heiligen auf dem goldenen Altar vor dem Throne Gottes. Und der Rauch des Räucherwerkes stieg unter den Gebeten der Heiligen aus der Hand des Engels empor zu Gott.“ (Offb 8, 3 f.)

Nach der Segnung erhebt der Priester das Rauchfass zu genau festgelegten, kreuz- und kreisförmigen Schwingungen über die Opfergaben. Einen ähnlichen Schwingritus gab es schon in den vorbildlichen Opfern des Alten Bundes: „Dies alles lege Aaron und seinen Söhnen auf die Hände und lass sie es hin und her schwingen als Weihegabe vor dem Herrn. Sodann nimm ihnen alles wieder aus den Händen und lass es auf dem Altar als Ganzopfer in Rauch aufgehen zu einem lieblichen Wohlgeruch vor dem Herrn.“ (Ex 29, 24 f.) Durch das Schwingen des Rauchfasses über Kelch und Hostie wird ihre Aussonderung und Bestimmung zur Opfergabe ausgedrückt.

Danach zieht das Rauchfass ganz feierlich immer weitere Kreise. Auch der zelebrierende Priester und selbst das anwesende Volk werden inzensiert, um auf symbolträchtige Weise ins heilige Opfer hineingenommen zu werden.

Die glühende Kohle ist Symbol der göttlichen Liebe. Wie die Weihrauchkörner in der Glut geschmolzen werden müssen, um dann als angenehmer Opferduft empor zu steigen, so werden auch unsere guten Werke, Opfer und Gebete erst durch die Liebe zur Gott wohlgefälligen Gabe: „Wenn ich mit den Zungen der Menschen und der Engel rede, doch Liebe nicht habe, bin ich ein tönendes Metall oder eine klingende Schelle. Und wenn ich Prophetengabe besitze und um alle Geheimnisse weiß und alle Erkenntnis, und wenn ich allen Glauben habe, dass ich Berge versetze, doch Liebe nicht habe, so bin ich nichts. Und wenn ich all meine Habe austeile zur Speise für die Armen, und wenn ich meinen Leib hingebe zum Verbrennen, doch Liebe nicht habe, nützt es mir nichts.“ (1 Kor 13, 1-3)

Jeder einzelne Zug des Rauchfasses ist begleitet von Gebetsworten. Während der Priester die Opfergaben umkreist, spricht er: „Dieser Weihrauch, den Du gesegnet hast, steige, Herr, zu Dir empor; und es komme herab über uns Deine Barmherzigkeit.“ Darin enthalten ist eine ganze Theologie des Opfers, denn in jeder Opferhandlung unterscheidet man zwei Linien: eine aufsteigende und eine absteigende. Wir bitten Gott, er möge das Opfer annehmen [aufsteigend] und uns zum Heil seine Gnade schenken [absteigend]. Dies drückt sehr schön der Weihrauch aus, denn nachdem sich die Weihrauchwolken droben im Gewölbe der Kirche gesammelt haben, schweben sie langsam wieder herab und werden so zum Zeichen der auf uns herabkommenden göttlichen Gnade.

Zur Übergabe des Rauchfasses spricht der Priester: „Es entzünde in uns der Herr das Feuer seiner Liebe und die Flamme ewiger Liebe.“

Lavabo
Beim Lavabo reinigt der Priester gerade die vier Fingerspitzen, mit denen er dann den Leib des Herrn berühren wird. Dazu sagt der hl. Thomas von Aquin: „Wir pflegen nicht etwas Kostbares anzurühren, außer mit gewaschenen Händen. Deshalb erscheint es ganz unschicklich, wenn zu solch einem hohen Sakrament jemand mit befleckten Händen hinzutritt.“ (S. th. III,83,5 ad 1)

Außerdem bittet das begleitende Psalmgebet noch einmal um eine tiefgreifende innere Reinigung: „In Unschuld will ich meine Hände waschen und den Altar umschreiten, Herr. Da will ich Deinen Lobgesängen lauschen, will preisen alle Deine Wundertaten. Ich liebe, Herr, die Zierde Deines Hauses, die hehre Wohnung Deiner Herrlichkeit ...“ (Ps 26, 6-12)

Suscipe sancta Trinitas
Nach dem Lavabo erhebt der Priester die Augen zum Kreuz, senkt sie wieder, legt in leicht verbeugter Haltung die Hände auf den Altar und spricht das Aufopferungsgebet Suscipe sancta Trinitas: „Heilige Dreifaltigkeit, nimm diese Opfergabe an, die wir Dir darbringen zum Andenken an das Leiden, die Auferstehung und die Himmelfahrt unseres Herrn Jesus Christus, zu Ehren der seligen, allzeit reinen Jungfrau Maria, des heiligen Johannes des Täufers, der heiligen Apostel Petrus und Paulus, dieser [d. h. deren Reliquien im Altar ruhen] und aller Heiligen. Lass sie ihnen zur Ehre, uns aber zum Heile gereichen, und lass die im Himmel unsere Fürsprecher sein, deren Gedächtnis wir auf Erden feiern.“

Orate fratres
Mit den Worten: „Betet, Brüder, dass mein und euer Opfer annehmbar werde bei Gott, dem allmächtigen Vater.“, wendet sich der Priester noch einmal zum Volk, bevor er endgültig das Innerste des Heiligtums betritt, um - wie Moses - ganz mit Gott allein zu sein.

Einerseits wird durch die Worte „mein und euer Opfer“ deutlich gesagt, dass die tätige Teilnahme der Gläubigen in einem wirklichen inneren Mitopfern besteht und dass Priester und Volk am Altar in heiliger Opfergemeinschaft verbunden sind. Andererseits wird aus der Antwort des Volkes deutlich, dass es keinerlei Vermischung geben darf und dass der wesentliche eucharistische Opferakt allein durch die Hände des zelebrierenden Priesters geschieht: „Der Herr nehme das Opfer an aus deinen Händen zum Lob und Ruhme seines Namens, zum Segen für uns und seine ganze heilige Kirche.“

Secret
Ihren endgültigen Abschluss findet die Opferung in der Secret, durch die sich der Bogen vom anfänglichen Oremus wieder schließt. Ihren Namen trägt sie, weil sie still gesprochen wird.

Gewöhnlich wird in den wechselnden Texten der Secret ganz besonders der Opfergedanke betont, wie beispielsweise am Pfingstmontag: „Wir bitten Dich, o Herr: heilige in Deiner Güte diese Gaben; nimm an dieses geistige Opfer und mache uns selbst so zur vollendeten Opfergabe für Dich.“

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#9

RE: Die Messe in ihren Riten erklärt

in Das allerheiligste Altarsakrament 01.08.2013 15:07
von Kristina (gelöscht)
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10. Kapitel: DER MESSKANON
Der römische Messkanon ist nicht einfach nur ein altehrwürdiger Text, sondern vielmehr lebendiger Bestandteil jenes heiligen Tuns, in dem Christus selbst durch den Dienst der Kirche sein Opfer in die Zeit hinein verlängert und es zum Aufbau seines mystischen Leibes in unblutiger Weise auf dem Altar gegenwärtig setzt.

Über den römischen Kanon sagt das Konzil von Trient: „Das Heilige muss heilig verwaltet werden. Da es nun nichts Heiligeres gibt als dieses Opfer, so hat die katholische Kirche, um würdig und ehrfurchtsvoll zu opfern und zu empfangen, seit vielen Jahrhunderten den heiligen Kanon eingeführt. Er ist frei von jedem Irrtum und enthält nichts, was nicht ganz und gar Heiligkeit und Frömmigkeit atmet und die Herzen der Opfernden zu Gott emporrichtet.“ (22. Sitzung [1562], 4. Kapitel)

Aufbau des Kanon
Ähnlich wie bei der Opferung, werfen wir auch beim Kanon zuerst einen Blick auf das Ganze, denn die Struktur des Kanon entspricht in wunderbarer Ordnung den Gesetzen der Ästhetik.

Jeweils vor und nach der Wandlung gibt es acht ‚Strophen‘, die gleich den Säulen einer antiken Basilika in klarer Symmetrie einander gegenüber stehen, und wie in der Basilika der Altar, so stehen im Kanon die beiden ‚Strophen‘ der Wandlung genau im Zentrum.

Sursum corda
Nach der Secret, durch die zugleich die Opferung abgeschlossen und zum Kanon übergeleitet wird, steht ein feierlicher Wechselgruß zwischen Priester und Volk. Er beginnt mit dem Sursum corda: „Empor die Herzen!“ Dazu erhebt der Priester die Hände, „um durch diese Gebärde den inneren Aufschwung des Gemütes und das Verlangen nach völliger Hingabe an den Herrn kund zu machen und zu verstärken. In dieser Bewegung der Hände spricht sich nämlich die Sehnsucht nach dem aus, was erhaben ist über uns, d. h. nach dem Himmlischen und Ewigen.“ (Gihr S. 519)

Nach der klassischen Definition des hl. Johannes von Damaskus ist jedes Gebet Erhebung der Seele zu Gott [ascensio mentis in Deum]. Solch ein innerer Aufstieg ist zu Beginn des Kanon besonders nötig, denn nur betend kann man sich dem Heiligen nahen.

Wir denken auch an das Wort des hl. Apostels Paulus, das uns aus der Epistel der Osternacht vertraut ist: „Wurdet ihr also auferweckt mit Christus, so sucht, was droben ist [quæ sursum sunt quærite], wo Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes! Was droben ist, habt im Sinn [quæ sursum sunt sapite], nicht das auf Erden!“ (Kol 3, 1 f.)

Das Volk antwortet: „Habemus ad Dominum. - Wir haben sie beim Herrn.“ Dies soll keine bloße Floskel sein, sondern Wirklichkeit: „Keiner sei derart anwesend, dass er zwar mit dem Munde sage: ‚Wir haben das Herz zum Herrn erhoben‘, in seinen Gedanken aber den Geist bei den Sorgen dieses Lebens habe. An Gott muss man zwar allzeit denken; wenn aber dies wegen der menschlichen Schwachheit unmöglich ist, so muss man es sich doch ganz besonders bei der Opferfeier eifrig angelegen sein lassen.“ (hl. Cyrill von Jerusalem)

Gratias agamus
Es folgt die Aufforderung: „Gratias agamus Domino, Deo nostro. - Lasset uns danken dem Herrn unserem Gott.“ Dazu vereint der Priester beide Hände, erhebt kurz die Augen und macht eine tiefe Verneigung.

Die Antwort des Volkes lautet: „Dignum et justum est. - Das ist würdig und recht.“ Daran knüpfen sich die ersten Worte der Präfation: „Vere dignum et justum est - In Wahrheit ist es würdig und recht, geziemend und heilsam, dass wir Dir immer und überall danken, Herr, heiliger Vater, allmächtiger, ewiger Gott, durch Christus, unsern Herrn.“

Die Danksagung ist dem Messopfer so wesentlich, dass das griechische Wort eucharistia [= Danksagung] zur gebräuchlichen Bezeichnung für die Messe selbst wurde.

„Die Heilige Schrift berichtet, dass Jesus Christus seinem himmlischen Vater gedankt habe, bevor er Brot und Wein konsekrierte ... Wer sollte nicht auf den ersten Blick erkennen, dass die Kirche auch hierin dem Beispiel ihres göttlichen Herrn und Meisters folgt, indem sie dem Wandlungsakt in der Präfation einen unvergleichlich erhabenen Dank- und Preisgesang vorangehen lässt?“ (Gihr S. 516)

Die Präfation
Das Wort ‚danken‘ ist verwandt mit ‚denken‘ und ‚gedenken‘. Eben dazu dient die Präfation, nämlich zum dankbaren Gedenken der Großtaten Gottes.

Gegen Ende der Präfation vereint die Kirche ihren Lobgesang ganz ausdrücklich mit dem der Engel: „Darum singen wir mit den Engeln und Erzengeln, mit den Thronen und Herrschaften und mit all den Scharen des himmlischen Heeres den Lobgesang Deiner Herrlichkeit und rufen ohne Ende: Heilig, heilig, heilig ...“

Das Sanctus
Zum äußeren Ausdruck des Wortes ‚supplici confessione‘ [= mit demütig verneigtem Lobgesang] betet der Priester das Sanctus in verbeugter Haltung.

Es besteht aus zwei Teilen, die genau den beiden grundlegendsten Geheimnissen des christlichen Glaubens entsprechen: „Die erste Hälfte enthält die Verherrlichung der heiligsten Dreifaltigkeit durch die Engel des Himmels; die zweite Hälfte besteht aus der Begrüßung des Heilandes durch den Mund der Gläubigen auf Erden.“ (Gihr S. 528)

• Der erste Teil des Sanctus stammt aus der Berufungsvision des Propheten Isaias: „Im Todesjahr des Königs Ussia sah ich den Herrn. Er saß auf einem hohen und erhabenen Throne, seines Gewandes Schleppen füllten den Tempel. Über ihm schwebten Seraphim; sechs Flügel hatte ein jeder; mit zweien verhüllte er sein Angesicht, mit zweien bedeckte er seine Füße, und mit zweien flog er. Einer rief dem andern zu und sprach: ‚Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Heerscharen, die Fülle der ganzen Erde ist seine Herrlichkeit.‘ Vor der Stimme des Rufenden erbebten die Pfosten der Türschwellen, und der Tempelraum füllte sich mit Rauch.“ (Jes 6, 1-4) Das dreimal wiederholte Heilig deuten die Väter als Hinweis auf die drei göttlichen Personen und somit als indirekte alttestamentliche Offenbarung der allerheiligsten Dreifaltigkeit.

• Der zweite Teil erinnert an den feierlichen Einzug Jesu in Jerusalem zum Palmsonntag: „Die Scharen, die vorausgingen und nachfolgten, riefen: ‚Hosanna dem Sohne Davids! Gepriesen sei, der da kommt im Namen des Herrn! Hosanna in der Höhe!‘“ (Mt 21, 9)

Einmal klagt Jesus: „Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, ihr Herz aber ist fern von mir.“ (Mt 15, 8) So war es auch am Palmsonntag, denn kaum fünf Tage später schrien viele, die eben noch „Hosanna!“ gerufen hatten: „Hinweg! Hinweg! Kreuzige ihn!“ (Joh 19, 15) Dies sei uns zur Mahnung. Damit unser „Hosanna!“ stets echt sei, bitten wir mit den Worten der Oration zur Weihe der Zweige am Palmsonntag: „Gib, dass Dein Volk, was es heute im Äußeren zu Deiner Verehrung tut, auch geistig mit ganzer Hingebung vollbringe.“

Das lateinische Wort ‚venit‘ ist offen für eine zweifache Deutung. Es heißt sowohl: „Gepriesen sei, der gekommen ist ...“ [nämlich damals bei der Menschwerdung], als auch: „Gepriesen sei, der kommt ...“ [nämlich jetzt auf den Altar].

Die Kanonstille
Nach dem Sanctus beginnt der Hauptteil des Kanon in heiliger Stille.
• Die Kanonstille hat die Funktion eines verhüllenden Schleiers zum Schutz des Heiligen. Sie drückt Ehrfurcht und Demut aus, denn vor dem, was hier geschieht, muss jedes menschliche Wort verstummen. Mehrfach spricht die Schrift von einem ‚Schweigen vor Gott‘, wie etwa beim Propheten Habakuk: „Der Herr thront in seinem heiligen Tempel; es schweige vor ihm, alle Welt!“ (Hab 2, 20) Oder bei Sophonias: „Silete a facie Domini Dei. - Still vor dem Angesicht Gottes des Herrn! Denn nahe ist der Tag des Herrn.“ (Soph 1, 7; vgl. auch Zach 2, 17) Oder im Psalm: „Quiesce in Domino et exspecta eum. - Sei still vor dem Herrn und warte auf ihn!“ (Ps 37, 7)

• Ein Blick in die Heilsgeschichte zeigt, dass Gott häufig große Dinge ganz im Verborgenen tut. In einer der erhabensten Gotteserscheinungen des Alten Bundes offenbart er sich dem Elias im leisen, zarten Säuseln: „Der Herr befahl: ‚Tritt hinaus und stelle dich auf dem Berg vor den Herrn hin!‘ Siehe, da zog der Herr vorüber: Ein starker mächtiger Sturm, der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach, ging vor dem Herrn einher, doch im Sturm war der Herr nicht. Nach dem Sturm kam ein Erdbeben, doch der Herr war nicht im Erdbeben. Nach dem Erdbeben kam ein Feuer, doch auch im Feuer war der Herr nicht. Nach dem Feuer kam ein leises, zartes Säuseln. Elias vernahm es, hüllte sein Gesicht in seinen Mantel, trat hinaus und stellte sich an den Eingang der Höhle.“ (1 Kön 19, 11-13) Im Neuen Bund vollzogen sich gerade die Heilsmysterien der Menschwerdung, der Geburt und der Auferstehung Jesu in tiefem Schweigen: „Als lautlose Stille alles umfing und die Nacht in ihrem schnellen Lauf die Mitte erreichte, da sprang dein allgewaltiges Wort vom Himmel her, vom Königsthron.“ (Weish 18, 14 f.) Deshalb erscheint es höchst angemessen, auch die kultische Vergegenwärtigung eben dieser Mysterien in heiliges Schweigen zu hüllen. „Die heilige Stille ist ... geeignet, die Verborgenheit und Tiefe, die Unbegreiflichkeit und Unaussprechlichkeit der wundervollen Geheimnisse, welche auf dem Altar sich vollziehen, anzudeuten und in Erinnerung zu bringen.“ (Gihr S. 548)

• Durch den stillen Vollzug des Kanons wird der eigentliche eucharistische Konsekrations- und Opferakt als ausschließlich priesterliche Handlung gekennzeichnet, denn die sakramentale Gegenwärtigsetzung des Kreuzesopfers vollzieht Christus selbst durch den geweihten Priester. Darin ist ein deutlicher Bezug zum Alten Bund: „Der Priester betritt nun allein das Heiligtum des Kanons ... Es herrscht heiliges Schweigen; Schweigen ist eine würdige Bereitung für die Nähe Gottes. Gleich dem Hohenpriester des Alten Bundes, der einmal im Jahr mit dem Blut der Opfertiere allein das Allerheiligste betreten durfte [Hebr 9, 7], löst sich der Zelebrant nun vom Volk und tritt vor den heiligen Gott hin, um ihm das Opfer darzubringen.“ (Jungmann, Missarum solemnia Bd. II S. 169)

• Die Gläubigen lädt die Kanonstille zu Einkehr und innerem Mitvollzug, denn kraft ihres in der Taufe erworbenen allgemeinen Priestertums sind sie befähigt, sich auf ihre Weise als Mitopfernde innigst mit dem Priester am Altar zu vereinen.

Die Kreuzzeichen im Kanon
Obwohl der römische Kanon weitgehend in Stille vollzogen wird, wirkt er doch durch zahlreiche begleitende Gesten sehr lebendig. Besonders bedeutsam sind dabei die vielen Kreuzzeichen. Allein schon aufgrund ihres hohen Alters verdienen sie Ehrfurcht, denn in der Form, wie der Kanon im klassischen römischen Ritus bis heute bewahrt wird, ist er seit weit mehr als 1000 Jahren bezeugt. Schon in einem Brief vom 4. November 751 an den hl. Bonifatius listet Papst Zacharias auf dessen Bitte hin alle Stellen auf, an denen ein Kreuzzeichen zu machen sei.

Der Ursprung dieser Kreuzzeichen lässt sich erklären aus einem stilistischen Grundsatz der antiken Rhetorik: Damit nämlich die gepflegte Rede lebendig wirkt, müssen Wort und Geste übereinstimmen. Deshalb wird der ‚Redner‘ immer dann, wenn er auf einen anwesenden Gegenstand zu sprechen kommt, zugleich durch einen Gestus auf ihn hinweisen. Je näher dieser Gegenstand ist, desto zwingender ist der Hinweis.

Auf dem Altar sind die Opfergaben wirklich gegenwärtig. Deshalb weist der Priester, sooft er sie nennt, darauf hin. Stilisiert wird dieser Hinweisgestus in Kreuzesform. Als Beispiel diene die erste Kanonstrophe nach der Wandlung: „Indem wir nun eingedenk sind, Herr, wir, Deine Diener, aber auch Dein heiliges Volk, des so seligen Leidens, der Auferstehung von den Toten und der glorreichen Himmelfahrt Deines Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus, bringen wir Deiner erhabenen Majestät von Deinen Geschenken und Gaben ein reines † Opfer, ein heiliges † Opfer, ein makelloses † Opfer dar, das heilige † Brot des ewigen Lebens und den † Kelch des immerwährenden Heiles.“

Selbstverständlich ist in dieser Deutung der Kreuzzeichen ihr Sinn nicht erschöpft. Auch der Charakter eines Segens ist keineswegs ausgeschlossen.

Te igitur
Schon der erste Buchstabe des Te igitur ist bedeutungsvoll, denn seit altchristlicher Zeit hat man im T [griechisch Tau, hebräisch Taw] aufgrund seiner Form ein Symbol des Kreuzes gesehen. Deshalb hatte auch der hl. Franziskus eine besondere Vorliebe für das T. Da es im Mittelalter üblich war, die ersten Buchstaben [= Initialen] wichtiger Texte sehr kunstvoll zu gestalten, lag es den Buchmalern nahe, aus diesem T wirklich ein Kreuz zu machen. Im Laufe der Zeit hat dieses sich verselbständigt, weshalb man gewöhnlich im Messbuch vor dem Te igitur eine ganze Seite mit einer prachtvollen Kreuzesdarstellung findet.

Während sonst bei Orationen die Berufung auf die Mittlerschaft Jesu stets am Ende steht [z. B. in der Schlussformel „Per Dominum nostrum Jesum Christum filium tuum...“], steht sie im Te igitur ganz betont am Anfang: „Dich also, mildreichster Vater, bitten wir demütig und flehen zu Dir durch Jesus Christus, Deinen Sohn, unsern Herrn.“

Die Worte „supplices rogamus ac petimus - bitten wir demütig und flehen“ werden dargestellt, indem der Priester die Hände erhebt, sie zusammen fügt, wieder senkt und tief verbeugt auf den Altar legt. Ganz wunderbar ist darin zugleich tiefe Demut und kindliches Vertrauen auf den himmlischen Vater ausgedrückt, der angeredet wird als ‚Pater clementissimus‘ [von clemens = sanftmütig, mildreich].

Nun küsst er den Altar, zeichnet drei Kreuzzeichen über die Opfergaben und bittet Gott, dass er sie annehmen und segnen wolle.

In primis
Die nächste Strophe beginnt mit den Worten: „Vor allem [= in primis] bringen wir sie Dir dar für Deine heilige katholische Kirche.“ Für sie erbitten wir eine vierfache Gnade:

Gott möge ihr den Frieden schenken [pacificare].
Er möge sie schützen und beschirmen [custodire].
Er möge ihr Einheit geben [adunare].
Er möge sie regieren und leiten [regere].

Dieses Opfer wird aber nicht nur für die Kirche, sondern immer auch in ihrem Namen dargebracht. Deshalb muss der Priester in Einheit stehen [una cum] mit dem Papst als sichtbarem Oberhaupt der Kirche, dem Ortsbischof und mit „allen rechtgläubigen Förderern des katholischen und apostolischen Glaubens“, denn: „Ubi Petrus, ibi Ecclesia. - Wo Petrus ist, da ist die Kirche. Wo die Kirche ist, da ist kein Tod, sondern ewiges Leben.“ (hl. Ambrosius, Enarr in Ps. 40)

Memento
Zu Beginn des Memento steht die Einfügung „N. et N.“ Diese geht zurück auf die sogenannten Diptychen. Ein Diptychon war ein kleines Gedenktäfelchen, auf dem die Namen derer, für die das heilige Opfer dargebracht werden sollte, zur ausdrücklichen Erwähnung verzeichnet waren. Noch heute verweilt der Pries94 ter an dieser Stelle einige Augenblicke in Stille, um für alle zu beten, die ihm anvertraut sind und die sich seinem Gebet empfohlen haben. Insbesondere gedenkt er der Intention dessen, der diese Messe in besonderen Anliegen bestellt hat, sowie aller Anwesenden, „deren Glauben und Hingabe Du kennst“, denn von der Größe ihrer Glaubens und ihrer Opfergesinnung hängt es ab, wie reiche Früchte sie aus der Teilnahme am hl. Messopfer gewinnen.

Die anwesenden Gläubigen [circumstantes] werden bezeichnet als solche, für die geopfert wird [pro quibus tibi offerimus] und die auch selbst mitopfern [qui tibi offerunt] dieses Opfer des Lobes „für sich selbst und für all die Ihrigen, für die Rettung ihrer Seelen, für die Hoffnung auf Heil und Wohlfahrt“.

Vom Opfer des Lobes lesen wir im Alten Testament: „Wir können nur noch preisen, aber nicht ergründen, und größer ist er noch als alle seine Werke. Ehrwürdig ist der Herr gar sehr, gar sehr, und wunderbar sind seine Machterweise. Die ihr den Herrn lobpreist, erhebt die Stimme, so laut ihr könnt, denn es wird nie genügen! Wenn ihr erhebt die Stimme, schöpfet neue Kraft, ermüdet nicht, denn ihr kommt nie ans Ende! Wer sah ihn je und kann davon erzählen, und wer kann ihn so preisen, wie er ist?“ (Sir 43, 28-31) Hier auf dem Altar wird Gott wirklich ein seiner Größe entsprechendes würdiges Lobopfer dargebracht, denn es ist das Opfer des eingeborenen Gottessohnes, mit dem die Kirche ihr Lob vereint.

Die Bitte um Heil und Wohlfahrt erinnert an die alttestamentliche Heilsnot und Sehnsucht nach dem Erlöser. So sagt der Psalmist: „Es kann kein Mensch sich selber erlösen, noch Lösegeld für sich zahlen an Gott! Zu hoch ist der Preis für sein Leben.“ (Ps 49, 8 f.) Was kein Mensch vermag, das kann doch Gott, denn Christus selbst wurde zum Kaufpreis unseres Heiles: „Du wurdest geschlachtet und hast uns erkauft mit Deinem Blut für Gott, aus jedem Stamm und jeder Sprache, aus jedem Volk und jeder Nation.“ (Offb 5, 9)

Weil das Heil aber den ganzen Menschen betrifft mit Seele und Leib, werden beide Aspekte auch ausdrücklich erwähnt: Salus meint das Heil der Seele, incolumitas [von incolumis = unversehrt, wohlbehalten] das Heil des Leibes.

Das Memento klingt aus mit den Worten: „Dir, dem ewigen, lebendigen und wahren Gott, erfüllen sie ihre Gelübde [reddunt ... vota sua]“. Sie erinnern deutlich an den Psalmvers: „Bringe Gott als Opfer Lob dar und löse dem Allerhöchsten deine Gelübde [redde Altissimo vota tua]!“ (Ps 50, 14) Das Wort ‚votum‘ bezeichnet ein Gelübde, eine gelobte Gabe oder auch einfach einen inneren Akt der Gottesverehrung. ‚Reddere‘ bedeutet wörtlich ‚zurück-geben‘. Es erinnert daran, dass wir Leib und Leben und alles Gott verdanken: „Was hast du, und hättest es nicht empfangen?“ (1 Kor 4, 7) Was immer wir ihm geben, ist doch stets ein Zurückgeben, denn alles gehört ihm.

Communicantes
Das Communicantes beruft sich auf die Gemeinschaft mit der triumphierende Kirche im Himmel.

In der Apokalypse sieht der hl. Apostel Johannes den himmlischen Thron umgeben von 24 Ältesten: „Im Umkreis des Thrones waren vierundzwanzig Throne, und auf den Thronen saßen vierundzwanzig Älteste, angetan mit weißen Kleidern, und auf ihren Häuptern goldene Kränze.“ (Offb 4, 4) Dieselbe Zahl von Heiligen begegnet uns auch hier, denn wie in einer feierlichen Prozession stehen sich - angeführt von der „glorreichen immerwährenden Jungfrau Maria, der Gebärerin unseres Gottes und Herrn Jesus Christus“ und ihrem Bräutigam, dem hl. Joseph, - genau 24 Heilige, je 12 Apostel und 12 frühchristliche Martyrer, gegenüber.

Im Blick auf die nahende Wandlung denken wir an die adventliche Antiphon: „Ecce Dominus veniet - Siehe, der Herr wird kommen und all seine Heiligen mit ihm ...“ (erster Adventssonntag)

Nach katholischer Auffassung wird Christus durch die Heiligen keineswegs verdeckt. Vielmehr offenbaren gerade sie in ihren heroischen Tugenden die Kraft seiner Gnade. Und wenn wir auch von einigen dieser Heiligen historisch nur sehr wenig wissen, so gehören sie doch alle zum apostolischen Urgestein, auf dem die Kirche errichtet ist.

Nach dem Bekenntnis des Petrus bei Cäsarea Philippi sprach Jesus zu ihm: „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.“ (Mt 16, 18) Sehr schön sagt dazu der hl. Papst Leo der Große: „Wie immerdar bleibt, was Petrus von Christus geglaubt, so bleibt auch immerdar, was Christus in Petrus eingesetzt hat.“ (2. Rede am Jahrestag der Konsekration)

Im Credo bekennen wir den Glauben an die apostolische Kirche: Sie ist erbaut „auf dem Fundament der Apostel“ (Eph 2, 20), in ihr lebt das apostolische Amt und sie bewahrt unverfälscht und rein den apostolischen Glauben.

An dieses Fundament erinnert indirekt auch die abschließende Bitte: „Auf ihre Verdienste und Fürsprache hin gewähre, dass wir in allem durch die Hilfe Deines Schutzes gesichert seien [muniamur].“ Das Wort ‚muniamur‘ ist abgeleitet von ‚moenia‘ [= Mauer]. Von der heiligen Stadt, dem himmlischen Jerusalem, heißt es aber: „Sie hat eine mächtige, hohe Mauer mit zwölf Toren, und auf den Toren zwölf Engel und Namen darauf geschrieben ... Die Mauer der Stadt hat zwölf Grundsteine, und auf ihnen die zwölf Namen der zwölf Apostel des Lammes.“ (Offb 21, 12-14)

Hanc igitur
Das Hanc igitur wird angekündigt durch ein Glockenzeichen der Ministranten. Es ist die letzte Bitte um Annahme des Opfers unmittelbar vor dem eigentlichen Höhepunkt: „Dieses Opfer unseres Dienstes und Deiner ganzen Familie nimm denn, so bitten wir, o Herr, gnädig an.“ Dargebracht wird sie zu unserem zeitlichen und ewigen Heil: „Ordne unsere Tage in Deinem Frieden. Gewähre, dass wir der ewigen Verdammnis entrissen und der Schar Deiner Auserwählten zugezählt werden.“

Dazu breitet der Priester seine Hände über die Opfergaben aus, wie einst auch Aaron und seine Söhne es taten bei den vorbildlichen Opfern des Alten Bundes, denn so sprach Gott zu Moses: „Hole dann den einen Widder; Aaron und seine Söhne sollen ihre Hände auf den Kopf des Widders legen. Schlachte darauf den Widder, nimm sein Blut und sprenge es ringsum an den Altar!“ (Ex 29, 15 f.)

Quam oblationem
Die letzte Kanonstrophe vor der Wandlung ist eine Art Epiklese [= Wandlungsbitte]. Die zur Beschreibung der Opfergabe verwendeten Begriffe sind teilweise der Rechtssprache entnommen. Sie möge in jeder Hinsicht von Gott gesegnet sein [benedicta], angenommen ohne Rechtsunsicherheit [adscripta], rechtskräftig gleich einem Vertrag [rata]. Vom Geist Gottes erfasst, soll sie ein ‚lebendiges‘ und ‚geistiges‘ Opfer werden [rationabilis], im höchsten Grad Gott wohlgefällig und angenehm [acceptabilis]: „Damit sie uns werde Leib und Blut Deines vielgeliebten Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus.“ Die je fünf Kreuzzeichen können als Hinweis auf die heiligen fünf Wunden gedeutet werden.

Konsekration
Alles Bisherige diente zur Vorbereitung auf das Große, das nun geschieht, denn „der Konsekrationsmoment ist der wichtigste und feierlichste, der erhabenste und ergreifendste, der weihevollste und gnadenreichste Augenblick der Messfeier“ (Gihr S. 595).

Niemals ist der Priester so sehr Priester wie jetzt, da er ganz und gar in persona Christi handelt, indem er Christus als Werkzeug dient und ihm gleichsam seinen Mund und seine Hände leiht, damit er durch sie dem Vater das sakramentale Opfer der Erlösung darbringen kann [vgl. Direktorium für Dienst und Leben der Priester Nr. 48]. Als eigentlich Handelnden erkennen wir mit den Augen des Glaubens Jesus, den ewigen Hohenpriester.

Sehr schön wird dies veranschaulicht, wenn nun der Ministrant direkt hinter dem Priester niederkniet und den Saum des Messgewandes ergreift. Ganz ähnlich tat es die kranke Frau in Kapharnaum: „Und siehe, eine Frau, die seit zwölf Jahren an Blutfluss litt, trat von rückwärts hinzu und berührte den Saum seines Kleides; denn sie sagte sich: Wenn ich nur sein Kleid berühre, werde ich gesund. Jesus wandte sich um, sah sie und sprach: ‚Sei getrost, Tochter, dein Glaube hat dir geholfen!‘ Und die Frau war geheilt von jener Stunde an.“ (Mt 9, 20-22) Im Geiste sollen auch wir den Saum seines Gewandes berühren, im festen Glauben, dass Jesus selbst im zelebrierenden Priester gegenwärtig ist und dass wir heil werden durch ihn. „Wo er Dörfer oder Städte oder Gehöfte betrat, legten sie die Kranken auf die offenen Plätze und baten ihn, dass sie wenigstens den Saum seines Kleides berühren dürften; und alle, die ihn berührten, wurden geheilt.“ (Mk 6, 56)

Der Form nach handelt es sich bei den Wandlungsworten nicht um einen ‚Bericht‘, sondern vielmehr um ein an Gott den Vater gerichtetes Gebet: „Er nahm am Abend, bevor er litt, Brot in seine heiligen und ehrwürdigen Hände, und indem er mit zum Himmel, zu Dir, Gott, seinem allmächtigen Vater, erhobenen Augen, Dir Dank sagte, segnete er es, brach es und gab es seinen Jüngern mit den Worten: Nehmet hin und esset alle davon ...“

Durch die begleitenden Riten wird im Tun des Priesters dem Vater die actio Christi dargestellt, denn er tut genau das, was auch Jesus tat: Er nimmt Brot und Kelch, erhebt die Augen, verneigt das Haupt und segnet die Gaben. Das Brechen und die Austeilung finden allerdings erst später statt, während das Danken bereits vorher in der Präfation entfaltet wurde.

Die Einleitung „am Abend bevor er litt“ erinnert an den Zusammenhang zwischen Messopfer und Passion. Auch beim Letzten Abendmahl hat Jesus ganz ausdrücklich von seinem Leiden gesprochen: „Sehnlichst habe ich danach verlangt, dieses Pascha mit euch zu essen, bevor ich leide [antequam patiar].“ (Lk 22, 15) Dieses heilbringende Leiden wird in jeder Messe mit all seinen Früchten auf geheimnisvolle Weise gegenwärtig.

Zum ersten Teil der Wandlung beugt sich der Priester über das Brot und spricht die Worte: „Das ist mein Leib.“ Danach hält er nicht mehr Brot in den Händen, sondern den geopferten Leib Jesu.

Von der eucharistischen Wesensverwandlung sagt das Konzil von Trient: „Zu Beginn lehrt die heilige Kirchenversammlung, und sie bekennt offen und ohne Rückhalt, dass in dem erhabenen Sakrament der heiligen Eucharistie nach der Konsekration von Brot und Wein unser Herr Jesus Christus als wahrer Gott und Mensch wahrhaft, wirklich und wesentlich unter der Gestalt jener sichtbaren Dinge gegenwärtig ist.“ (13. Sitzung [1551], DS 1636)

Der hl. Thomas von Aquin besingt dieses Geheimnis mit den Worten: „Gesicht, Gefühl, Geschmack, sie täuschen sich in Dir, doch das Gehör verleiht den sichern Glauben mir. Was Gottes Sohn gesagt, das glaub ich hier allein. Es ist der Wahrheit Wort, und was kann wahrer sein?“ (Hymnus ‚Adoro te devote‘)

Der Glaube an die wirkliche Gegenwart des Herrn [= Realpräsenz] findet im überlieferten römischen Ritus einen passenden Ausdruck, indem nun der Priester ihn sofort - noch vor der Elevation - mit gebeugtem Knie anbetet [genuflexus adorat]. Dabei ahmt er die drei Weisen nach, die sogleich als sie das Kind sahen, vor ihm niederfielen und ihm huldigten [vgl. Mt 2, 11].

„Die kleine Hostie schließt jetzt unendlich mehr Schätze, Reichtümer und Herrlichkeiten in sich, als auf dem Weltall sich finden ... Der Priester trägt seinen Schöpfer, Erlöser, Richter in Händen: was liegt da näher, als dass er vor demselben in heiliger Furcht und seliger Freude anbetend auf die Knie niedersinkt?“ (Gihr S. 600 f.)

Nach der anbetenden Kniebeuge erhebt er die Hostie gleich der im Osten aufgehenden Sonne hoch über sein Haupt [= Elevation].

Der Priester zeigt die hl. Hostie dem gläubigen Volk [‚ostendit populo‘ - Missale Romanum], damit es anschaue und anbete: „Jesus, den verborgen, jetzt mein Auge sieht, stille mein Verlangen, das mich heiß durchglüht: Lass die Schleier fallen, einst in Deinem Licht, dass ich selig schaue, Herr, Dein Angesicht.“ (hl. Thomas von Aquin, Hymnus ‚Adoro te devote‘)

Die Glückseligkeit der Heiligen im Himmel besteht wesentlich in der beseligenden Anschauung Gottes [= visio beatifica].

• Zugleich aber zeigt der Priester den geopferten Leib Jesu auch dem himmlischen Vater: „Was stellt der Priester hier Gott dem Herrn vor Augen? Es ist die vergöttlichte Menschheit seines eingeborenen Sohnes, das vortrefflichste Ebenbild der allerheiligsten Dreifaltigkeit, das allerkostbarste Kleinod, wie keines zu finden ist in allen Schätzen der Welt.“ (Martin von Cochem, Erklärung des heiligen Messopfers, S. 336)

In der erhobenen Hostie trifft sich der anbetende Blick der Gläubigen mit dem Blick des himmlischen Vaters, der wie damals bei der Taufe im Jordan oder bei der Verklärung auf dem Tabor uns sagen möchte: „Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“ (Mt 3, 17 und 17, 5)

Nach dem Vorbild Jesu wird die Wandlung in zwei Teilen vollzogen. Zur Konsekration des Weines beugt sich der Priester über den Kelch und spricht die Worte: „Das ist der Kelch meines Blutes, des neuen und ewigen Bundes, Geheimnis des Glaubens, das für euch und für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden.“

Der heilige Leib und das kostbare Blut Jesu werden getrennt gegenwärtig, um zur mystischen Darstellung des gewaltsamen Opfertodes am Kreuz die Blutvergießung und die Trennung von Leib und Seele anzudeuten. Beide Teile der Wandlung entsprechen einander in genauer Symmetrie.

Nach der heiligen Wandlung fällt die besondere Fingerhaltung des Priesters auf. Auch sie kündet eindrucksvoll vom Glauben an die wirkliche Gegenwart des Herrn. Bei der Priesterweihe wurden Daumen und Zeigefinger des Neupriesters eigens gesalbt. Von der ersten Berührung im Moment der Wandlung an hält er sie beisammen, und aus Ehrfurcht berührt er mit ihnen nichts anderes mehr, als nur die hl. Hostie.

Unde et memores
Nach der Wandlung des kostbaren Blutes steht die Aufforderung Jesu: „Sooft ihr dies tut, tut es zu meinem Gedächtnis.“

Eben dieses Gedächtnis wird nun aufgegriffen, denn aus dem Gedenken an das Große, das Gott für uns getan hat, wächst der Dank, und dieser drängt danach, sich auszudrücken im Opfer: „Indem wir nun eingedenk sind [memores], Herr, wir, Deine Diener, aber auch Dein heiliges Volk, des so seligen Leidens, der Auferstehung von den Toten und der glorreichen Himmelfahrt Deines Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus, darum bringen wir [offerimus] Deiner erhabenen Majestät“ das Gotteslamm dar, dessen geopferter Leib nun vor uns auf dem Altar liegt. Jesus selbst ist die ‚hostia pura‘, die reine, heilige und makellose Opfergabe. Er selbst ist das ‚heilige Brot des ewigen Lebens‘ [vgl. Joh 6, 51].

Die fünf Kreuzzeichen über die Opfergaben erinnern wieder an die heiligen fünf Wunden und an Jesu Leiden und Tod.

„Werden die eucharistischen Opfergaben genannt, dann tritt passend das Symbol des Kreuzes hinzu, um auch für das Auge anschaulich zu machen, dass auf dem Altar der nämliche Leib und das nämliche Blut geopfert werde wie einst am Kreuz.“ (Gihr S. 616)

Neben den geweihten Priestern [„nos servi tui“] werden auch die Gläubigen als Mitopfernde genannt [„sed et plebs tua sancta“]. Darin ist sehr schön der übernatürliche Adel des Gottesvolkes im allgemeinen Priestertum ausgesprochen, von dem der hl. Apostel Petrus sagt: „Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein geheiligtes Volk.“ (1 Petr 2, 9)

Supra quæ
Im Supra quæ bittet die Kirche den himmlischen Vater, ihr mit dem Opfer Jesu vereintes Opfer wohlgefällig anzunehmen. Dazu erinnert sie an die heilsgeschichtlichen Zusammenhänge vom ersten Opfer des Abel an über die Opfer Abrahams und Melchisedechs bis hin zu ihrer Erfüllung im Kreuzesopfer Jesu. So heißt es in der Secret vom 7. Sonntag nach Pfingsten: „O Gott, Du hast all den verschiedenen Opfern des alten Gesetzes durch das eine vollkommene Opfer ihre Erfüllung gegeben ...“

Der vorbildhafte Charakter wird in den drei erwähnten Opfern ganz besonders deutlich:

Abel, der Gerechte, opfert ein Lamm.
Abraham, der Vater, opfert den Sohn
Melchisedech, der Priester, opfert Brot und Wein.

• Vom „gerechten Diener Abel“ heißt es ausdrücklich: „Der Herr blickte auf Abel und seine Opfergabe.“ (Gen 4, 4) Jesus selbst nennt den „gerechten Abel“ (Mt 23, 35), der sein Opfer in seinem eigenen schuldlos vergossenen Blut vollendet hat und dadurch zum Vorbild für den wurde, dessen Blut „wirksamer redet als das Blut Abels“ (Hebr 12, 24) und von dem Pilatus sagt: „Ich bin unschuldig am Blute dieses Gerechten.“ (Mt 27, 24)

• Eine ganz vorzügliche vorbildhafte Beziehung besteht zwischen dem Kreuzesopfer Jesu und dem Opfer Abrahams, denn wie Isaak ist auch Jesus der einzig geliebte Sohn, der selbst das Holz für sein Opfer zum Berg Moria empor getragen hat. In ihm finden die Worte Abrahams ihre letzte Erfüllung: „Gott selbst wird sich ein Opferlamm ersehen.“ (Gen 22, 8)

• Auch der Priesterkönig Melchisedech ist Vorbild des Messias, von dem prophezeit ist, er werde Priester sein auf ewig „nach der Ordnung des Melchisedech“ (Hebr 5, 10 und Ps 110, 4). Stellvertretend für sein ganzes Geschlecht entrichtete ihm Abraham den Zehnten, als Melchisedech zur Ehre des allerhöchsten Gottes Brot und Wein zum Opfer brachte [vgl. Gen 14, 18].

Supplices
Ähnlich wie die Seraphim in der Vision des Isaias vor dem hohen und erhabenen göttlichen Thron ihr Angesicht verhüllen [vgl. Is 6, 2], senkt nun der Priester den Blick und spricht tief verbeugt: „Demütig flehend bitten wir Dich, allmächtiger Gott: Lass dies durch die Hände Deines heiligen Engels zu Deinem himmlischen Altar gelangen, vor das Angesicht Deiner göttlichen Majestät.“

Der ‚Engel‘ und der ‚himmlischen Altar‘ erinnern an die Schau der himmlischen Liturgie in der Offenbarung des Johannes: „Und als es das siebte Siegel öffnete, wurde es still im Himmel, wohl eine halbe Stunde lang. Und ich sah die sieben Engel, die vor Gott stehen, und es wurden ihnen sieben Posaunen gegeben. Ein anderer Engel kam und trat vor den Altar, eine goldene Rauchschale tragend, und viel Räucherwerk wurde ihm gegeben, dass er es darbringe unter dem Gebet aller Heiligen auf dem goldenen Altar vor dem Throne Gottes. Und der Rauch des Räucherwerkes stieg unter den Gebeten der Heiligen aus der Hand des Engels empor zu Gott.“ (Offb 8, 1-4)

Der hl. Thomas von Aquin [S. th. III,83,4 ad 9] deutet den Opferengel auf Christus selbst, der als Mittler des Neuen Bundes das Opfer der Kirche zum himmlischen Altar trägt.

Memento etiam
Nachdem er den Segen für die Lebenden erbeten hat, gedenkt der Priester nun der leidenden Kirche, der Seelen im Fegfeuer, die in ihrem gegenwärtigen Zustand nicht mehr selbst opfern können, sondern passiv geläutert werden: „Gedenke auch, o Herr, Deiner Diener und Dienerinnen, die uns mit dem Zeichen des Glaubens vorangegangen sind und die nun ruhen im Frieden.“

In den Worten „die uns vorangegangen sind“ liegt eine Mahnung für die streitende Kirche auf Erden, denn auch sie wird einmal diesen Weg gehen. Es ist heilsam, an den Tod zu denken, um im Blick auf den Tag der Rechenschaft stets bereit zu sein, „denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, da ihr es nicht vermutet“ (Mt 24, 44).

Das ‚Zeichen des Glaubens‘ [signum fidei] ist das unauslöschliche Merkmal, das in der Taufe der Seele eingeprägt wird zum Zeichen unbedingter Zugehörigkeit und unverbrüchlicher Treue zu Christus und seiner Kirche.

Der Zustand der Seelen im Fegfeuer wird sehr positiv beschrieben als ‚Schlaf des Friedens‘, denn obgleich sie der Vollendung ihrer Erlösung noch entgegenharren, ist ihnen der Friede doch gesichert. Zwar sind sie noch nicht am Ziel, aber sie sind auf dem Weg, auf dem sie das Ziel nicht mehr verlieren können. „Selig sind von jetzt an die Toten, die im Herrn sterben! Wahrlich, spricht der Geist, sie werden ausruhen von ihren Mühen; denn ihre Werke folgen ihnen nach.“ (Offb 14, 13)

Die himmlische Seligkeit wird dreifach umschrieben als Ort erfrischender Kühle [locus refrigerii], des Lichtes [lucis] und des Friedens [pacis].

• Die erfrischende Kühle deutet darauf hin, dass die läuternden Strafen des Fegfeuers beendet sein werden: „Transivimus per ignem et aquam: et eduxisti nos in refrigerium. - Durch Feuer und Wasser sind wir geschritten: und Du hast uns hinausgeführt zum Ort der Erfrischung.“ (Ps 66, 12) Auch denken wir an die Bitte des reichen Prassers im Gleichnis vom armen Lazarus: „Als er in der Unterwelt in der Qual seiner Schmerzen seine Augen erhob, sah er Abraham von ferne und Lazarus in seinem Schoß. Da rief er: Vater Abraham, erbarme dich meiner und sende den Lazarus, dass er die Spitze seines Fingers ins Wasser tauche und meine Zunge erfrische; denn ich leide große Pein in dieser Glut.“ (Lk 16, 23 f.)

• Als ‚Ort des Lichtes‘ schildert Johannes das himmlische Jerusalem: „Die Stadt bedarf weder der Sonne noch des Mondes, dass sie scheinen in ihr; denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtete sie, und ihre Leuchte ist das Lamm.“ (Offb 21, 23) Und im Psalm 36 stehen die herrlichen Verse: „Am Reichtum Deines Hauses laben sie sich, mit dem Strom Deiner Wonnen tränkst Du sie. Ja, bei Dir ist die Quelle des Lebens, in Deinem Lichte schauen wir das Licht.“ (Ps 36, 9 f.)

Bei den abschließenden Worten „Per eundem Christum Dominum nostrum“ neigt der Priester das Haupt. Dies ist ungewöhnlich, weil der Name Jesus hier nicht genannt wird. Nach einer schönen allegorischen Deutung soll diese Verneigung den Tod Jesu darstellen, der ebenfalls mit geneigtem Haupt [vgl. Joh 19, 30] gestorben ist: „Sterbend hat Christus am Kreuze sein Haupt geneigt und ist dann in die Tiefe des Totenreiches hinabgestiegen, um die Frommen der Vorzeit dort zu trösten und aus ihrer Gefangenschaft zu befreien. Daran will der Priester nun erinnern durch Neigung seines Hauptes, da er ja hier für alle in Christus Ruhenden betet und fleht.“ (Gihr S. 635)

Nobis quoque
Da sonst der ganze Kanon in Stille vollzogen wird, fällt es auf, dass nun der Priester die Stimme ein wenig hebt und drei Worte ganz deutlich ausspricht, wobei er sich mit der rechten Hand an die Brust schlägt: „Nobis quoque peccatoribus. - Auch uns Sündern, Deinen Dienern, die wir auf die Fülle Deiner Barmherzigkeit hoffen, schenke gnädig Anteil und Gemeinschaft mit Deinen Heiligen ...“ Der Grund liegt darin, dass er hier für sich selbst und für den anwesenden Klerus betet. Durch die Erhebung der Stimme soll die Aufmerksamkeit der übrigen Geistlichen geweckt werden, damit auch sie sich an die Brust schlagen und sich mit dem Gebet des Zelebranten vereinen.

Das Schlagen an die Brust geschieht hier nicht nur zum Ausdruck von Reue und Zerknirschung, sondern kann in direkter Anknüpfung an die Allegorese der vorherigen Strophe gedeutet werden. Nachdem nämlich Jesus sterbend sein Haupt geneigt hatte, schlugen sich alle an die Brust: „Als der Hauptmann sah, was geschah, pries er Gott und sprach: ‚Wirklich, dieser Mensch war ein Gerechter!‘ Und all die Volksscharen, die sich zu diesem Schauspiel eingefunden hatten und sahen, was vorging, schlugen an die Brust und gingen von dannen.“ (Lk 23, 47 f.)

In den Worten „die wir auf die Fülle Deiner Barmherzigkeit hoffen“ ist ein starker Anklang an den Psalm Miserere, den König David angestimmt hat, nachdem er schwer gesündigt hatte: „Gemäß Deiner überreichen Barmherzigkeit, tilge mein Vergehen!“ (Ps 51, 3)

In der Bitte um Anteil und Gemeinschaft mit den Heiligen findet sich die Wendung „partem aliquam“: Wir bitten in Demut wenigstens um einen „kleinen Teil“, denn so sagt der Psalmist: „Wahrlich, ein Tag in Deinen Vorhöfen ist besser als tausend andere. Lieber auf der Schwelle liegen im Haus meines Gottes, als in den Zelten der Frevler wohnen!“ (Ps 84, 11)

Angeführt von Johannes dem Täufer werden 14 Märtyrer aufgelistet: 7 Männer und 7 Frauen.


Während der erste Teil ganz zu Gott empor gerichtet ist, tritt nach den Worten „ut quotquot“ eine deutliche Wende ein. Nun küsst der Priester den Altar und erbittet den göttlichen Segen, „damit wir alle, die wir durch diese Teilnahme am Altar den hochheiligen † Leib und das † Blut Deines Sohnes empfangen, mit allem himmlischen Segen und mit Gnade erfüllt werden, durch ihn, Christus, unsern Herrn.“

Aus der Zahl dieser Heiligen sei hier nur einer besonders herausgegriffen, nämlich der hl. Ignatius, Bischof von Antiochien, der um das Jahr 107 in Rom den Martertod starb. Von seiner letzten Reise besitzen wir sieben Briefe, von denen besonders jener an die römische Christengemeinde in ergreifender und eindrucksvoller Weise von seiner Opfergesinnung zeugt. Aus Sorge, die römischen Christen könnten versuchen, sein Martyrium zu verhindern, schrieb er: „Ihr könnt mir nicht besser eure zärtliche Liebe beweisen, als wenn ihr es geschehen lasst, dass ich mich zum Opfer weihe - jetzt, wo der Altar errichtet ist: begnügt euch, im heiligen Chore der Liebe Dank zu singen dem Vater in Christo Jesu. Wohl mir, wenn ich der Welt untergehe, um für Gott aufzugehen! Lasset mich den Tieren zur Speise werden, damit ich durch sie zu Gott gelange. Ich bin der Weizen Gottes und muss durch die Zähne der Tiere gemahlen werden, um reines Brot Christi zu sein. Feuer und Kreuz, Scharen wilder Tiere, Zerreißung des Leibes, Zerstückelung meiner Glieder, Zermalmung meiner Gebeine, - kurz, was immer der Teufel an Qualen ersinnen kann, alles möge über mich kommen, wenn ich nur Jesum Christum gewinne. Alle Vergnügungen der Erde achte ich für nichts, für nichts alle Königreiche der Welt: besser ist es für mich, zu sterben für Jesus Christus, als zu herrschen über alle Grenzen der Erde. Lasset mich nachahmen das Leiden meines Gottes. Meine Liebe ist ja gekreuzigt. Kein Feuer glüht in mir, das nach dem Irdischen zielt, sondern ein Quell lebendigen Wassers sprudelt in meinem Herzen und ruft mir zu: Komm zum Vater! Nur das Brot Gottes verlange ich, das Himmelsbrot des Lebens, welches ist das Fleisch Jesu Christi, des Sohnes Gottes: nur den Trank verlange ich, sein Blut, welches ist die unvergängliche Liebe und das ewige Leben!“ (Ignatius von Antiochien, Brief an die Römer, zitiert nach Gihr S. 640 f.)

Die abschließende Bitte um Aufnahme ins ‚Consortium Sanctorum‘ [= Lebens- und Gütergemeinschaft mit den Heiligen] erinnert an das Wort des hl. Apostels Paulus: „Möget ihr in Freude Dank sagen dem Vater, der uns befähigt hat, Anteil zu erhalten am Erbe seiner Heiligen im Lichte.“ (Kol 1, 12)

Per quem hæc omnia
In der folgenden Kanonstrophe beziehen sich die Worte „hæc omnia“ [= dies alles] zunächst auf die eucharistischen Elemente. Tatsächlich hat Gott die Gaben von Brot und Wein durch die Wesensverwandlung auf höchstmögliche und unüberbietbare Weise geheiligt, belebt und gesegnet. Aus den materiellen Gaben wurde ein ‚lebendiges‘ Brot: „Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wenn einer von diesem Brote isst, wird er leben in Ewigkeit, und das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt.“ (Joh 6, 51)

Zugleich aber repräsentieren die Gaben von Brot und Wein die sichtbare Schöpfung. In ihnen wird stellvertretend auch die übrige Welt gesegnet. Deshalb bezieht sich das „hæc omnia“ auch auf die Gaben der Natur.

Tatsächlich fand früher zu bestimmten Zeiten und an gewissen Festen genau an dieser Stelle eine Segnung von Naturalien statt. In einer von Papst Gelasius [492 - 496] verfassten Sammlung liturgischer Riten steht die Anweisung, kurz vor Ende des Messkanons Früchte zu segnen. Darauf folgt eine Segensformel mit den abschließenden Worten: „... in nomine D. N. I. Ch. per quem hæc omnia ...“ (vgl. Gihr S. 651, Fußnote 3). Das heutige Per quem hæc omnia war also ursprünglich eine feststehende Schlussformel für verschiedene Segensgebete. Ein Überbleibsel davon befindet sich noch heute im Pontificale Romanum, denn in der Chrisammesse des Gründonnerstag findet die Segnung des Krankenöles genau an dieser Stelle statt.

Per ipsum
Das Per ipsum ist ein abschließender Lobpreis, der den ganzen Kanon noch einmal zusammenfasst und gleichsam auf den Punkt bringt.

Der Priester deckt den Kelch ab, beugt das Knie, ergreift ehrfurchtsvoll mit Daumen und Zeigefinger der rechten Hand die hl. Hostie und macht mit ihr langsam drei Kreuzzeichen von Rand zu Rand des Kelches. Wie zuvor die zweigeteilte Wandlung auf den gewaltsamen Opfertod Jesu hinweist, so kann dies als symbolische Zusammenfügung zur Darstellung der Auferstehung verstanden werden.

Die Kreuze deuten in die vier Himmelsrichtungen, von denen her die Kirche versammelt ist, um in Vereinigung mit dem unendlich wertvollen Opfer Christi „durch ihn und mit ihm und in ihm“ Gott dem allmächtigen Vater in der Einheit des Hl. Geistes „omnis honor et gloria“, d. h. die ihm gebührende höchste und vollkommenste Ehre und Verherrlichung zu erweisen.

Bei den Worten „omnis honor et gloria“ erhebt der Priester Kelch und Hostie zur ‚kleinen Elevation‘, um sie so auch äußerlich sichtbar dem himmlischen Vater aufzuopfern, wozu der Ministrant ein Glockenzeichen gibt.

Nach dem wieder laut gesprochenen „Per omnia sæcula sæculorum“ antwortet das Volk: „Amen“, was soviel heißt wie: „So sei es!“ Dieses unscheinbare Wort hat an dieser Stelle ein sehr hohes Gewicht, denn auf diese Weise erklären die Gläubigen zur ganzen Opferhandlung ihre feierliche Zustimmung.

Pater noster
Seit Papst Gregor dem Großen [590 - 604] folgt nun das Pater noster. In einem Brief an den Bischof von Syrakus [ep 7, 63] sagt er, wenn schon von Menschen verfasste Gebete über die Opfergaben gesprochen würden, dann zieme sich dies umso mehr für das vom Herrn selbst verfasste Gebet. Er selbst verstand die Einführung des Pater noster als wichtige Ergänzung und Vollendung des Kanon. Weil es aber ausdrücklich in den Kreis der Kanonstrophen einbezogen war, sollte es vom Priester allein gebetet werden.

Sehr feierlich klingt die Einleitung: „Durch heilbringende Anordnung gemahnt und durch göttliche Belehrung angeleitet, wagen wir zu sprechen: ...“

Die vierte Bitte um das tägliche Brot meint nicht nur die Nahrung für den Leib, sondern umfasst sämtliche Bedürfnisse des Menschen in seiner leib-seelischen Ganzheit, denn „nicht vom Brot allein lebt der Mensch“ (Mt 4, 4 / Dt 8, 3).

Ganz deutlich ist darin bereits auch eine Überleitung und Vorbereitung auf die heilige Kommunion.

Embolismus
Die letzte Bitte des Pater noster wird fortgeführt und ausgedeutet im sogenannten Embolismus, in dem der Kanon seinen endgültigen Abschluss findet: „Erlöse uns, wir bitten Dich, o Herr, von allen Übeln, den vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen, und auf die Fürsprache der seligen und glorreichen, immerwährenden Jungfrau und Gottesgebärerin Maria, der hll. Apostel Petrus und Paulus sowie Andreas und aller Heiligen, gib gnädig Frieden in unseren Tagen ...“ Bei diesen Worten bekreuzigt sich der Priester mit der Patene, denn er bittet um jenen wahren Frieden, den Christus gebracht hat durch sein Kreuz, „... damit wir mit Hilfe Deiner Gnade allzeit von Sünden frei und vor jeder Verwirrung gesichert seien.“

Nun küsst der Priester die Patene und schiebt sie unter die Hostie. Diese Aufnahme der Hostie deutet der sel. Hrabanus Maurus [776 - 856] als symbolische Grablegung und den Kuss als „Zeichen der Liebe und Ehrfurcht ... gegen dieses ‚neue Grabmal‘ des anbetungswürdigen Fronleichnams Christi“ (Gihr S. 662).

Fractio
Schon bei der Wandlung wurde erwähnt, wie Jesus beim Letzten Abendmahl das Brot gebrochen hat: „Er nahm Brot, sprach das Dankgebet, brach es und gab es ihnen mit den Worten: ‚Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Tut dies zu meinem Gedächtnis!‘“ (Lk 22, 19) Diese Brechung wird nun vollzogen.

Der Priester deckt den Kelch ab, macht eine Kniebeuge, ergreift die Hostie, bricht sie ehrfurchtsvoll in der Mitte [fractio], löst ein kleines Stück von der linken Hälfte ab, zeichnet damit zur Pax drei Kreuze über den Kelch [consignatio] und senkt diesen Partikel in das kostbare Blut [mixtio].

Die frühen Christen haben das Brotbrechen als starkes Symbol empfunden und den Begriff [ähnlich wie den der Eucharistia = ‚Danksagung‘] sogar als Bezeichnung für das ganze eucharistische Opfer gebraucht: „Sie verharrten in der Lehre der Apostel, in der Gemeinschaft, im Brotbrechen und im Gebet.“ (Apg 2, 42)

Die Brechung der Hostie wird direkt über dem Kelch mit dem kostbaren Blut vollzogen. Sie erinnert wiederum an den gewaltsamen Opfertod Jesu und ganz besonders an die Öffnung seiner Seite, aus der eben dieses kostbare Blut zum Heil der Welt geflossen ist: „Einer der Soldaten stieß mit der Lanze in seine Seite, und sogleich kam Blut und Wasser heraus“ (Joh 19, 34).

Consignatio und Pax
Mit dem kleinen, von der linken Seite der gebrochenen Hostie abgelösten Partikel, macht der Priester ein dreifaches Kreuz über den Kelch [= consignatio] und spricht: „Der Friede † des Herrn † sei allezeit † mit euch.“ Wir denken an das Wort des hl. Apostels Paulus: „Es war Gottes Ratschluss, ... durch ihn alles mit sich zu versöhnen, da er den Frieden wirkte durch sein Blut am Kreuz.“ (Kol 1, 19)

Mixtio
Schließlich wird der Partikel in das kostbare Blut versenkt, während der Priester spricht: „Diese Mischung und Weihung des Leibes und Blutes unseres Herrn Jesus Christus gereiche uns Empfangenden zum ewigen Leben.“ Durch die Zusammenführung der getrennten Gestalten von Leib und Blut Christi wird wieder, wie beim Per ipsum, symbolisch die Auferstehung dargestellt.

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#10

RE: Die Messe in ihren Riten erklärt

in Das allerheiligste Altarsakrament 01.08.2013 15:27
von Kristina (gelöscht)
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http://www.alte-messe.de/11_kommunion.html

11. Kapitel: DIE KOMMUNION

Agnus Dei
Nachdem der Priester den Kelch wieder bedeckt hat, beugt er das Knie, faltet die Hände und spricht zur hl. Hostie geneigt dreimal das Agnus Dei. Zu den Worten „miserere nobis“ klopft er mit der rechten Hand an die Brust: „Lamm Gottes, das Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erbarme Dich unser!“

Als ‚Lamm Gottes‘ wurde Jesus gleich zu Beginn seines öffentlichen Wirkens von Johannes dem Täufer begrüßt [vgl. Joh 1, 29.36], denn im Alten Bund war das Lamm eines der wichtigsten Vorbilder des kommenden Christus. Zum Auszug des Volkes Israel aus Ägypten gebot Gott durch Moses, dass jede Familie ein fehlerloses, im besten Alter stehendes männliches Lamm nehme und es am Vorabend des großen Sabbat schlachte. Dabei sollte an ihm kein Bein zerbrochen werden [Ex 12, 46 vgl. Joh 19, 36]. Durch sein an die Türpfosten gestrichenes Blut fand das auserwählte Volk Rettung vor dem Tod: „Von dem Blut sollen sie nehmen und damit die beiden Türpfosten und die Oberschwelle an den Häusern bestreichen, in denen man es essen wird ... Ich will in dieser Nacht durch Ägypten schreiten, werde alle Erstgeborenen schlagen vom Menschen bis zum Vieh ... Das Blut an den Häusern, in denen ihr weilt, soll euch zu einem Schutzzeichen sein; wenn ich das Blut sehe, dann schreite ich an euch vorüber.“ (Ex 12, 7-13)

In der Prophetie vom leidenden Gottesknecht schreibt Isaias: „Verachtet war er, von Menschen gemieden, ein Mann der Schmerzen, mit Krankheit vertraut ... Unsere Krankheiten trug er, unsere Schmerzen lud er sich auf ... Er wurde durchbohrt für unsere Frevel, zerschlagen we123 gen unserer Missetaten. Züchtigung für unser Heil lag auf ihm, durch seine Wunden sind wir geheilt ... Ihn ließ der Herr treffen unser aller Verschuldung. Man misshandelte ihn, und er beugte sich; er tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird, und gleich einem Schaf, das vor seinen Scherern verstummt.“ (Is 53, 3-7)

Die alttestamentlichen Prophetien haben sich buchstäblich erfüllt, als Jesus am Karfreitag genau zu der Stunde starb, als im nahen Tempel zu Jerusalem die Osterlämmer geschlachtet wurden.

Wiederholt begegnet uns das Lamm ganz am Ende der Hl. Schrift in den geheimnisvollen Schauungen des hl. Apostels Johannes, wo die Schar der Erlösten im Verein mit unzähligen Engeln und im Namen aller Geschöpfe mit lauter Stimme ruft: „Würdig ist das Lamm, das geschlachtet wurde, Macht zu empfangen und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre, Verherrlichung und Lobpreis.“ (Offb 5, 12)

Bei der dritten Wiederholung des Agnus Dei steht die Bitte: „Gib uns den Frieden!“ Die dem menschlichen Herzen tief eingeprägte Sehnsucht nach Frieden wird einmal erfüllt sein im himmlischen Jerusalem: „Sie werden nicht mehr hungern und dürsten, und nimmer wird die Sonne auf sie fallen noch irgendeine Glut. Denn das Lamm in der Mitte vor dem Throne wird sie weiden und zu den Wasserquellen des Lebens führen, und Gott wird jede Träne wegwischen von ihren Augen.“ (Offb 7, 16 f.)

Friedensgebet
Nun legt der Priester beide Hände gefaltet auf den Rand des Altares, richtet seinen Blick auf die hl. Hostie und spricht leise das Friedensgebet sowie zwei Gebete zur Vorbereitung auf die hl. Kommunion. Diese sind nicht mehr an den Vater gerichtet, sondern direkt an den im Sakrament gegenwärtigen Herrn.

Das Friedensgebet hat seine biblische Wurzel in den Abschiedsreden Jesu: „Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht wie die Welt ihn gibt, gebe ich ihn euch. Euer Herz bange nicht und zage nicht!“ (Joh 14, 27) Die Bitte um „Frieden und Eintracht, wie es Deinem Willen entspricht“ erinnert deutlich an das Hohepriesterliche Gebet Jesu: „Lass sie alle eins sein. Wie Du, Vater, in mir bist und ich in Dir bin, so lass auch sie in uns sein, damit die Welt glaube, dass Du mich gesandt hast.“ (Joh 17, 21)

Sehr bedeutungsvoll sind die Worte: „Herr, Jesus Christus, ... schau nicht auf meine Sünden, sondern auf den Glauben Deiner Kirche.“ Sie erinnern an das Geheimnis priesterlicher Gewalt. Selbst ein der priesterlichen Würde unwürdiger Lebenswandel kann die Wirksamkeit der Sakramente nicht mindern [vgl. KKK 1584].

Vom hl. Franz von Assisi wird berichtet, auf einer Reise durch die Lombardei sei er in einer Dorfkirche gefragt worden, ob man den Worten und dem Lebenswandel eines Priesters Glauben schenken dürfe, der im Konkubinat lebe und unreine Hände habe. Franziskus kniete in Anwesenheit des Volkes vor jenem Pfarrer nieder und sprach: „Ich weiß nicht, ob die Hände dieses Menschen so sind, wie sie dieser Mann beschreibt. Doch selbst wenn diese Beschreibung der Wahrheit entspräche, so weiß und glaube ich, dass die göttlichen Sakramente hierdurch weder Kraft noch Wirksamkeit einbüßen. Durch diese Hände hindurch gießt Gott Wohltaten und Gaben auf sein Volk aus, und so küsse ich diese Hände aus Ehrfurcht vor den Sakramenten, deren Verwalter sie sind, und vor der Heiligkeit dessen, der ihnen solche Macht verliehen hat.“ (Mederlet, Die Hochzeit des Lammes S. 125)

Kommuniongebete
Die beiden folgenden Gebete sind auch für die Gläubigen zur persönlichen Vorbereitung auf die hl. Kommunion bestens geeignet.

Das erste Gebet beginnt mit der Anrede: „Herr Jesus Christus, Sohn des lebendigen Gottes.“ Darin ist eine deutliche Anlehnung an das Bekenntnis des hl. Apostels Petrus: „Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.“ (Mt 16, 16), von dem Jesus sagt: „Nicht Fleisch und Blut haben dir das geoffenbart, sondern mein Vater, der im Himmel ist.“ (Mt 16, 17) Im Zentrum steht die Bitte: „Erlöse mich durch diesen Deinen hochheiligen Leib und Dein Blut von all meinen Sünden und von jeglichem Übel. Gib, dass ich Deinen Geboten immer treu bleibe und lass nicht zu, dass ich jemals von Dir getrennt werde!“ Wir denken dabei an das Wort des hl. Apostels Paulus: „Wer will uns trennen von der Liebe Christi? ... Ich bin überzeugt, weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges noch Kräfte, weder Höhe noch Tiefe noch sonst etwas Geschaffenes wird uns zu trennen vermögen von der Liebe Gottes in Christus Jesus, unserem Herrn.“ (Röm 8, 35- 39)

Das zweite Gebet trägt einen ernsteren Charakter. Es enthält eine dringliche Mahnung zur würdigen Kommunion: „Der Genuss Deines Leibes, Herr Jesus Christus, den ich Unwürdiger zu empfangen wage, gereiche mir nicht zum Gericht und zur Verdammnis, sondern um Deiner Güte willen sei er mir Schutz und Heilmittel für Seele und Leib.“ Wieder denken wir an ein Wort des hl. Apostels Paulus: „Es prüfe ein jeder sich selbst, und so esse er von dem Brot und trinke aus dem Kelch. Denn wer unwürdig isst und trinkt, der isst und trinkt sich das Gericht, da er den Leib des Herrn nicht unterscheidet.“ (1 Kor 11, 28 f.) In der Sequenz Lauda Sion zum Fronleichnamsfest sagt der hl. Thomas von Aquin: „Gute kommen, Böse kommen, alle haben ihn genommen, die zum Leben, die zum Tod; Bösen wird er Straf‘ und Hölle, Frommen ihres Heiles Quelle; so verschieden wirkt dies Brot.“

Domine non sum dignus
Während der Priester die beiden Teile der Hostie ergreift, spricht er: „Das himmlische Brot will ich nehmen und anrufen den Namen des Herrn.“

Dann hält er sie über der Patene in der linken Hand, schlägt sich mit der Rechten dreimal an die Brust und spricht wie der Hauptmann von Kapharnaum: „O Herr, ich bin nicht würdig, dass du eingehst unter mein Dach, aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.“ (vgl. Mt 8, 8)

Darin ausgedrückt ist zugleich tiefe Demut und großes Vertrauen. „Betrachtet der Priester mit lebendigem Glauben die wunderbare Hoheit und Heiligkeit des eucharistischen Herrn, der Einkehr bei ihm nehmen will, dann wird er gar mächtig ergriffen und tief beschämt ob seiner Unwürdigkeit, da das Herz so leer und öde, so arm und kalt ist. Voll heiliger Scheu und Furcht möchte er mit Petrus ausrufen: ‚Geh hinweg von mir, o Herr, denn ich bin ein sündiger Mensch!‘ (Lk 5, 8)“ (Gihr S. 693) Zugleich aber denkt er an das Wort Jesu, der ja selbst gesagt hat: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken ... und ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen.“ (Mt 11, 28 f.)

In der Bitte um das Heil der Seele [et sanabitur anima mea] klingt das Psalmwort an: „O Herr, sei mir gnädig. Heile meine Seele, denn ich habe wider Dich gesündigt [sana animam meam, quia peccavi tibi].“ (Ps 41, 5).

Die dreimalige Wiederholung drückt gemäß einer besonderen Eigenart der hebräischen Sprache Steigerung und Ernsthaftigkeit aus.

Kommunion
Das Wort ‚Kommunion‘ bedeutet ‚Vereinigung‘. So, wie Brot und Wein dem Menschen zur Nahrung dienen für den Leib, so gibt Christus uns gerade unter diesen Gestalten seinen Leib und sein Blut zur Nahrung für die Seele. Und ebenso, wie die Nahrung sich aufs innigste mit dem Leib vereint, so vereinigt uns die hl. Kommunion aufs innigste mit Christus. Vor seiner Himmelfahrt hat der Herr gesagt: „Seht, ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ (Mt 28, 20) Dieses ‚Bei uns sein‘ hat er im Sakrament seiner Liebe ganz wunderbar verwirklicht.

Bei der Kommunion des Priesters ist jede einzelne Bewegung von Psalmversen und stillem Gebet begleitet.

Während er den Kelch ergreift, spricht er: „Was soll ich dem Herrn vergelten für alles, was er an mir getan hat? Den Kelch des Heils will ich ergreifen und anrufen den Namen des Herrn.“ (Ps 116, 5)

Danach folgt die Kommunion der Gläubigen.
Im Laufe der Zeit ist die Kirche unter der Leitung des Hl. Geistes [vgl. Joh 16, 12 f.] immer tiefer in Wahrheit und Bedeutung des eucharistischen Mysterium eingedrungen. Es war und ist ihr ein Bedürfnis, im Umgang mit diesem kostbarsten Gut und insbesondere in der Ausspendung der hl. Kommunion ihren Glauben an Christus und ihre Anbetung deutlich zum Ausdruck zu bringen. So entstand ein Ritus, der ganz reif und adäquat das ausdrückt, was die katholische Kirche vom hochheiligen Sakrament des Altares glaubt:
Zum Zeichen der Anbetung knien die Gläubigen an der Kommunionbank nieder. Der Priester segnet jeden einzelnen und legt ihm die Hostie direkt auf die Zunge, indem er spricht: „Der Leib unseres Herrn Jesus Christus † bewahre deine Seele zum ewigen Leben. Amen.“

Von dieser Art zu kommunizieren sagt die Instruktion ‚Memoriale Domini‘ vom 29. Mai 1969: „Die herkömmliche Praxis gewährleistet zuverlässiger die erforderliche Ehrfurcht und die geziemende Würde bei der Spendung der heiligen Kommunion; sie hält die Gefahr der Verunehrung der eucharistischen Gestalten fern, unter denen Christus in einzigartiger Weise ganz und unversehrt zugegen ist, Gott und Mensch, wesentlich und dauernd; sie fördert die Sorgfalt, mit der die Kirche stets die Fragmente des konsekrierten Brotes zu achten empfiehlt: ‚Denn was du zugrunde gehen lässt, sollst du so betrachten, als ginge dir eines deiner eigenen Glieder verloren.‘ (Cyrill von Jerusalem)“

Während der Kommunion halten die Gläubigen oder besser noch ein Ministrant die Kommunionpatene. Dies ist ein ovaler vergoldeter Teller, der verhindern soll, dass Fragmente der konsekrierten Gestalten zu Boden fallen, denn mit dem Konzil von Trient bekennen wir, „dass in dem verehrungswürdigen Sakrament der Eucharistie unter jeder Gestalt und unter den einzelnen Teilen einer jeden Gestalt nach der Teilung der ganze Christus enthalten ist“ (Konzil von Trient, 13. Sitzung 1551, 3. Lehrsatz).

Schon der hl. Cyrill von Jerusalem [† 386] mahnt: „Habe wohl acht, damit von den eucharistischen Gestalten nichts verloren gehe. Denn sage mir, wenn dir jemand Goldkörner gäbe, würdest du sie nicht mit größter Behutsamkeit halten und besorgt sein, dass keines davon verloren geht und du keinen Schaden leidest? Um wie viel mehr musst du auf der Hut sein, auch nicht ein Brosämlein zu verlieren von dem, was unvergleichlich wertvoller ist als Gold und Edelstein.“ (Mystagog. Kat. 5, 21)

Wo die äußeren Zeichen der Ehrfurcht nicht beachtet werden, muss notwendig auch die innere Ehrfurcht und der Glaube an die wirkliche Gegenwart des Herrn im Sakrament des Altares Schaden leiden.

Purifikation
Nach der Kommunion folgt die Purifikation [von purificare = reinigen]. Bevor der Priester den Kelch reinigt, gießt er unter stillem Gebet Wein und Wasser über die vier Fingerspitzen, mit denen er den Leib des Herrn berührt hat, um sie erst danach wieder auseinander zu nehmen. Mancher Gestus sagt mehr als viele Worte!

Während der Purifikation spricht er: „Was wir mit dem Mund empfangen haben, Herr, das lass uns auch mit reinem Herzen aufnehmen, und aus der zeitlichen Gabe werde uns ein ewiges Heilmittel. - Dein Leib, o Herr, den ich empfangen, und das Blut, das ich getrunken habe, bleibe stets in meinem Innersten. Gib, dass in mir kein Sündenmakel zurückbleibe, da mich diese reinen und heiligen Geheimnisse neu gestärkt haben, der Du lebst und herrschest in alle Ewigkeit. Amen.“

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