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#1

Stufen zur Vollkommenheit

in Leben und Sterben 20.04.2013 18:34
von Aquila • 4.137 Beiträge

Die grossen Mystiker der Heiligen Mutter Kirche haben in ihren 
Lehren den Weg zur Vollkommenheit- d.h. der Vereinigung mit GOTT - stets die dazu notwendigen drei Stufen genannt...

- die Reinigung ( Anfänger )

- die Erleuchtung ( Fortgeschrittene )

- die Einigung ( Vollkommene )


Will ein Mensch im Streben nach Heiligkeit voranschreiten, so muss er denn auch v.a. in der 
LIEBE wachsen.

Diese ist gemäss dem
heiligen Bernhard von Clairvaux in vier Graden zu ersteigen....
besser in dreien, denn die erste Stufe, diejenige der fleischlichen Liebe, ist denn auch noch die unechte Liebe....


1.

Diese fleischliche Liebe 
ist denn auch gleichzusetzen mit einer 
versteckten Eigenliebe ( Denken wir auch an die vom heiligen Johannes vom Kreuz genannten drei Feinde des Menschen; Satan, das Ego / Fleisch (!) und das Hangen an der vergänglichen Welt )

Diese Liebe sucht denn auch - sei sie gegen aussen auch noch so "heilig" - immer sich selber !

Will nun der Mensch den schwierigen und beschwerlichen Weg der Läuterung auf sich nehmen, so muss er sich 
gegenüber der GNADE DES HEILIGEN GEISTES öffnen, 
um das im Ego gefangene HERZ zu befreien.


2.

Die knechtliche Liebe 

dagegen ist bereits 
ein Fortschritt, denn sie ist eine Liebe, die denn auch auf eine "Wertschätzung" seitens der allerheiligsten Dreifaltigkeit, GOTTES wartet, ist denn aber gerade deswegen 
noch unvollkommen !

Unvollkommen deshalb, weil diese Liebe immer noch mehr darauf aus ist, selbst beschenkt zu werden als selber zu schenken.


3.

Die kindliche Liebe

ist jene Liebe, die denn auch im Grunde genommen jeder Mensch auf seinem Glaubensweg erreichen kann und soll.
Es ist jene Liebe, die alleine GOTT gefallen will und entspringt spontan aus dem Herzen.

Der heilige Bernhard von Clairvaux nennt sie denn auch eine ""reine, echte und GOTT angenehme Liebe"" 


4.

Die vierte Stufe der mystischen Liebe
ist denn auch eine Bestimmung....
eine besondere Berufung seitens GOTTES.

Hier ergreift GOTT selbst Besitz von der der Seele, die selbst dies mit sich geschehen lässt, ohne selbst aktiv zu werden.
Es ist der Zustand der dauernden unmittelbaren GOTT-EINUNG.

Der menschliche Wille wird eins mit dem Göttlichen, ohne aber dabei die menschliche Eigenständigkeit zu verlieren !

Im nächsten Beitrag folgt ein Abriss über die Läuterungsstufen der Seele in dieser Zeit vom hl. Johannes v. Kreuz....


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#2

RE: Stufen zur Vollkommenheit

in Leben und Sterben 20.04.2013 21:45
von Aquila • 4.137 Beiträge

Fortsetzung des vorigen Beitrages....

Der heilige Johannes vom Kreuz,
( 1542 – 1591 )
ist einer der bedeutendsten Mystiker unserer heiligen Mutter Kirche.
Vier grosse Werke ( Hauptwerke ) hat er uns hinterlassen ( neben Briefen und geistlichen Anweisungen ) :

- Aufstieg zum Berg Karmel
- Die Dunkle Nacht
- Geistlicher Gesang
- Flamme der Liebe


In "Die Dunkle Nacht" beschreibt er


den Weg einer Seele zur Gotteinung, der höchsten Stufe des Gebetes !
Dieser Weg ist überschattet von mehreren zu
gehenden Stufen, die je nach der geistlichen Bestimmung einer Seele früher oder erst am Ziel enden.
Sehr schön beschreibt der heilige Johannes vom Kreuz den Weg
der Anfänger ( ihre noch sehr hinderlichen Unvollkommenheiten ) über die
Forgeschrittenen bis hin
zu jenen
Vollkommenen, die der HERR für die schmerzlichste aller Stufen, der geistigen Dunklen Nacht, bestimmt hat (dies sind sehr wenige )

Der Beginn der Läuterung ist
für alle gleich;
die Läuterung des Sinnesbereiches !

Dies ist noch nicht.die schreckliche geistige "Dunkle Nacht", die nur dann folgt, wenn der Mensch dazu bestimmt ist und willens ist den unglaublich schmerzlichen Weg zur Gotteinung zu gehen, die Läuterung des Geistes !

Letzere, die Läuterung des Geistes, geschieht durch
die Kontemplation, der Selbstmitteilung Gottes !
Sein allerheilgstes "Einströmen" in einen Menschen, das einhergeht mit einer schmerzlichen inneren Dunkelheit aufgrund der Unzulänglichkeit des Menschen:


Der heilige Johannes vom Kreuz schreibt:
"
"Das Göttliche stösst in ihn hinein, um ihn zu kochen und zu erneuern und zu vergöttlichen, indem es ihn von allen angewöhnten Neigungen und Eigenschaften des alten Menschen, mit denen er noch sehr vereint, verquickt und verbunden war, entblösst.
So sehr zerstückelt und zerschneidet das Göttliche des Wesenskern des Geistes – dadurch dass es ihn in eine tiefe und unauslotbare Finsternis hineinzieht – dass der Mensch sich im Angesichte und Anblick seiner Armseligketen in einem grausamen geistlichen Tod aufgelöst und zerschmolzen fühlt."

---

Ist ein Mensch aus dieser schrecklichen
"Dunklen Nacht" geläutert herausgegangen
( der heilige Johannes vom Kreuz schildert es als in der dunklen Nacht in brennender Liebessehnsucht entflammt….über eine "geheime Treppe"
( mit 10 Stufen ) der Kontemplation aus sich und aus allem Geschaffenen hinaus zur vollkommenen Liebeseinung mit GOTT, seinem geliebten Heil gehend….)
so ist er mit
drei "Gewändern" bekleidet:

Dem
w e i s s e n
Untergewand….des Glaubens
Dem
g r ü n e n Hemd ....der Hoffnung
Und dem
r o t e n Obergewand....der Liebe


Die drei Farben der Gewänder bezeichnen die
gottwirkenden Tugenden!


Das
w e i s s e
Untergewand,
der Glaube.... blendet jeglichen Verstand.
Mit diesem Untergewand bekleidet wird der Mensch
für den Bösen nicht sichtbar und dieser kann ihm nicht schaden !
Die Tugend des Glaubens ist der
beste Schutz vor
dem stärksten und verschlagendsten Feind,
dem Bösen, Satan und seiner höllischen Brut.

Der heilige Petrus mahnt uns auch

"Widersteht ihm ( dem Bösen ) fest im Glauben !" ( 1 Petr 5,9 )
Ohne den Glauben ist es für den Menschen unmöglich Gott zu gefallen
!

Die zweite Farbe, das
g r ü n e
Hemd,
die Hoffnung, muss der Mensch nun über dieses erste Untergewand des Glaubens ziehen.
Mit diesem Hemd bekleidet wird der Mensch
vor seinem zweiten Feind,
der Welt
, beschützt, denn die Tugend der Hoffnung schenkt die 
Ausrichtung auf die Dinge des ewigen Lebens !
Der Mensch entblösst sich aller Gewänder der Welt, indem er sein Herz auf nichts festlegt und nur mit der Hoffnung auf das ewige Leben lebt !

Der heilige Paulus nennt die Hoffnung den 
"Helm des Heils"( 1 Thess 5,8 ),

also eine Ausrüstung, die den ganze Kopf beschützt und bedeckt, sodass nur ein Visier unbedeckt bleibt, mit damit man sehen kann…..das Auge kann nur nach oben schauen und sonst nichts !
Die Hoffnung lässt die Augen erheben, um alleine auf Gott zu schauen.
Der Mensch ist so frei von allem Besitz und Halt, dass er seine Augen und seine Sorge auf nichts anderes richtet als auf GOTT !


Die dritte Farbe, das
r o t e
Obergewand, ist die
geistige Liebe.
Diese Tugend schützt die Seele vor dem
dritten Feind, dem Fleisch und stärkt auch die anderen Tugenden !
Fleisch als Feind im Sinne -des tief sitzenden
Egoismus, der die Liebeseinung mit GOTT verhindern kann.
Ohne diese Tugend der geistigen Liebe ist keine einzige Tugend vor GOTT liebenswürdig,
denn sie verleiht Stärke und Anmut und verleiht Liebreiz, um GOTT zu gefallen.

-


zuletzt bearbeitet 23.05.2013 22:42 | nach oben springen

#3

RE: Stufen zur Vollkommenheit

in Leben und Sterben 03.05.2013 21:49
von Aquila • 4.137 Beiträge

Ergänzend zu den beiden vorigen Beiträgen .....
der heilige Johannes von La Verna über die Seelen-Zustände im Streben nach Vollkommenheit:


-

"Der erste Zustand,
den die Seele durchschreitet, beginnt mit Tränen und Schmerzen über die Sünden,
im Mitleiden mit Christus und im Ringen mit den eigenen Fehlern.


Der zweite Zustand besteht im brennenden Erglühen der Gottesliebe aus allen Kräften;
und das reinigt die Seele von Rost und Fäulnis, die sie sich zugezogen hat und noch beständig zuzieht.
Solches geschieht unter Mühen und Erschöpfung.


Der dritte Zustand ist Süsse,
und das gibt eine gewisse Salbung und Erquickung nach dem Erglühen und erleuchtet die Seele;
und es scheint, dass die Seele ganz Auge sei und die Glieder des Leibes wohltuend gelöst
und das Weltgetriebe klingend wie eine Zither, und so wird die Seele fähig gemacht, Gott zu umfangen.


Der vierte Zustand ist Ruhe.
Da ist der Mensch der Welt und dem Fleisch begraben und ans Kreuz geheftet und ruht in Gott,
wenn er das auch nicht beständig tut.


Der fünfte ist Herrlichkeit,
und das ist, wenn der Mensch beginnt, verherrlicht zu werden
und sich ihm die Schauungen der Glorie erschliessen."

-


zuletzt bearbeitet 03.05.2013 21:55 | nach oben springen

#4

RE: Stufen zur Vollkommenheit

in Leben und Sterben 28.05.2013 22:59
von Aquila • 4.137 Beiträge

Das Streben nach Vollkommenheit geht einher mit einer
Läuterung schon hier auf Erden.

Der hl. Johannes vom Kreuz
hat die Läuterung der Sinne und je nach Bestimmung des Geistes hier auf Erden mit einem vortrefflichen Vergleich dargelegt.
So vergleicht er
die Seele eines Menschen, die noch der Läuterung bedarf, mit einem
Holzscheit,
das vom FEUER ( GOTT) umformt wird.


Der Heilige schreibt, dass diese Läuterung in dieser Zeit
die Vorwegnahme der
- sehr, sehr schmerzlichen -
Läuterung im Feugefeuer sein kann, denn dort werden sämtliche noch Unvollkommenheiten jener Seelen, die zwar in der Gnade gestorben sind, aber noch der Sühne und Läuterung bedürfen, solange vom FEUER der gerechten Barmherzigkeit GOTTES umformt, bis die Unvollkommenheiten ein Ende nehmen.

( Für die bewusst unbussfertig Verstockten bis zuletzt ist nach dem irdischen Tode keine Läuterung mehr möglich !)

Weiter entfacht diese Läuterung in dieser Zeit auf Erden eine immer grösse
Liebesentflammung für die allerheiligste Dreifaltigkeit, GOTT.

Das Göttliche Liebesfeuer
- die Kontemplation!

Hier nun der sehr tiefgründige und einprägsame Vergleich des heiligen Johannes vom Kreuz:
( aus seinem Werk "Die Dunkle Nacht"" )


"Dieses läuternde und liebende Erkennen oder das göttliche Licht, von dem wir hier sprechen,
geht bei der Läuterung des Menschen und dessen Vorbereitung auf die vollkommene Einung mit sich
genau so um
wie das FEUER mit einem Holzscheit, das es in sich umformt.

Das erste, was echtes Feuer mit einem Holzscheit macht, ist, es
allmählich auszutrocknen, indem es alle Feuchtigkeit heraustreibt und alles Wasser, das es enthält, herausweinen lässt;
dann macht es das
Holzscheit schwarz, dunkel und hässlich und gibt ihm dazu noch einen üblen Geruch.
Durch die allmähliche Austrocknung
befördert und treibt es alle hässlichen und dunklen Bestandteile, die dem Holzscheit im Gegensatz zum Feuer anhaften,heraus ans Licht.
Und indem das Feuer das Holz
allmählich von aussen her entflammt und erhitzt,
überformt es dieses in sich selbst
und macht es so schön wie das Feuer.

In dieser Schlussphase gibt es für das Holzstück
kein Erleiden und keine Eigenwirkung mehr ausser seiner Schwere und Masse, die noch dichter ist als die des Feuers.
Es hat jetzt die
Eigenschaft und die Wirkungen des Feuers in sich:

Es
i s t
trocken und
m a c h t
trocken,

es
i s t
warm und
m a c h t
warm,

es
i s t
Licht und
m a c h t
Licht,

und es ist viel leichter als vorher,
weil das Feuer in ihm diese Eigenschaften und Wirkungen hervorruft."

-


zuletzt bearbeitet 28.05.2013 23:22 | nach oben springen

#5

RE: Stufen zur Vollkommenheit

in Leben und Sterben 02.07.2013 00:33
von Aquila • 4.137 Beiträge

Das Streben nach Vollkommenheit geht mit einem kontinuierlichem Fortschreiten im Gebetsleben einher.

In ihrer Autobiographie

"Gott hat mich überwältigt"
vergleicht die 
heilige Theresa von Avila

ausführlich das Fortschreiten im Gebetsleben 
mit einem Gärtner, der um seinen Garten ( Seele ) besorgt ist !

Ich will versuchen, kurz das Wesentliche zusammenzufassen:


1. Stufe:

Der Gärtner geht - noch recht mühsam - zu einem 
Brunnen, um Wasser zu schöpfen !

Der Beginn des Gebetslebens eines jeden Menschen !
Oft hat er keine Lust und ringt sich richtiggehend durch zu beten. 
Es ist noch keine Regelmässigkeit zu erkennen, noch keine Ausdauer. 
Der Versucher setzt gar alles daran, den Menschen davon abzuhalten, wohlwissend,
dass er über einen Menschen, der betet, die "Macht" verliert !

Das geholte Wasser ( die Gnaden des Heiligen Geistes ) bewässert den Boden ( die Seele ),
aber nicht auf Dauer.
Sie droht stets wieder auszutrocknen oder gar völlig zu verdorren !



2. Stufe:

Der Gärtner bewässert den Boden mit einem 
Bewässerungsrad, das Wasser fliesst regelmässiger dem Boden zu
und er bleibt länger gut durchtränkt und ist weniger der Gefahr ausgesetzt, auszutrocknen.

Der im Gebet Ausdauer zeigende Mensch spürt die Gnaden "fliessen".
Das Gebet wird regelmässiger, ausdauernder und inniger.
Die Mühe weicht mehr und mehr dem Verlangen nach dem Gebet. 



3. Stufe:

Der Gärtner bewässert den Boden mittels eines 
Bewässerungskanals vom nahegelegenen Fluss.

Das Gebet ist nun keine Last oder Mühe mehr, nur noch Freude.
Die Ausdauer im Gebet zeitigt wahre Gnadenströme,
Gott selbst sorgt für das lebendsnotwendige, kostbare Gut für die Seele.
Die freudige Regelmässigkeit im Gebet ist die Frucht der Ausdauer, des Vertrauens !



4.Stufe:

Sich ausbreitender Regen bewässert den Boden !

Gott selbst erhebt den Menschen gleichsam in ein dauerndes Gebet, eine dauernde Lobpreisung seiner Herrlichkeit.
Das Gebet ist nur noch Freude und Glück.
Der Boden ist fruchtbar und immer gut durchtränkt.
Der Gärtner muss selber keine Mühe mehr aufbringen !
In Ueberfülle erfährt der Boden nun das kostbare, lebensnotwendige Gut ! 

-


zuletzt bearbeitet 01.04.2016 23:53 | nach oben springen



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