Die legendäre Leidensgeschichte der Heiligen berichtet, dass Martina eine junge Frau aus edlem römischen Geschlecht gewesen ist und unter Kaiser Septimius Severus (146-211) den Martertod erlitten hat. Sie musste viele Qualen erdulden, bis sie schließlich um 210 enthauptet wurde.
Papst Urban VIII. (1623-1644) verfasste ihr zu Ehren eine Hymne.
„Diese berühmte Jungfrau, eine der Schutzheiligen Roms, die Papst Urban VIII. selbst in einer herrlichen Hymne besungen hat, stammte aus einer der edelsten Familien dieser Stadt. Ihr Vater hatte dreimal die Konsulwürde bekleidet und war sehr reich wie an schönen Tugenden so auch an zeitlichen Gütern.
Martina, mit der größten Sorgfalt im christlichen Glauben und Leben unterrichtet, verlor schon im zarten Alter beide Eltern. Aus Liebe zu Christus, die ihr Herz entflammte, verteilte sie mit wundersamer Freigebigkeit das Geld, welches sie im großen Überfluss besaß, unter die Armen, gelobte beständige Jungfräulichkeit und wurde wegen ihrer hervorragenden Tugenden des Geistes und Herzens unter die Diakonissinnen aufgenommen, eine Ehre, zu welcher nur erprobte Frömmigkeit den Weg bahnte.
Kaiser Alexander Severus, entschlossen, die Sekte der Galiläer – so nannte man die Christen – auszurotten, bot alles auf, um die wegen ihrer Schönheit, ihres Adels und ihrer Mildtätigkeit im höchsten Ansehen stehende Martina für sich zu gewinnen, und versprach ihr, sie zur Mitregentin zu erheben, wenn sie dem Apollo opfere.
Martina erklärte: „Dem unbefleckten Gott will ich opfern, damit mein Opfer den Apollo zu Schanden mache, und er aufhöre, Seelen zu verderben.“ Der Kaiser deutete diese Rede fälschlicherweise als eine Einwilligung, veranstaltete ein feierliches Opferfest und führte Martina in den Tempel des Apollo, wo die Götzenpriester mit vielem Volk versammelt waren. In lautloser Stille waren aller Augen auf sie gerichtet; sie bezeichnete sich andächtig mit dem heiligen Kreuz, erhob Hände und Augen flehentlich zum Himmel und betete mit lauter Stimme: „O mein Herr und Gott, erhöre meine Bitte und zertrümmere dieses blinde und stumme Götzenbild, damit der Kaiser und sein Volk erkenne, dass du der allein wahre Gott bist, und dass man keine anderen Götter anbeten dürfe, als nur dich!“ In demselben Augenblick erschütterte ein Erdbeben die ganze Stadt, das Götzenbild des Apollo fiel vom Altar herab in hundert Stücke, ein Teil des Tempels stürzte ein und begrub die Götzenpriester mit vielen Anwesenden unter seinem Schutt. Wütend über diesen Ausgang des Opfers befahl der Kaiser, dass Martina ins Angesicht geschlagen, mit Ruten gegeißelt, und ihr mit Zangen das wunde Fleisch vom Leib gerissen werde. Die Schergen strengten ihre Kräfte bis zur gänzlichen Ermüdung an; aber ein Engel stärkte und beschützte die heilige Jungfrau so wunderbar, dass sie in der Glut der Schmerzen in frohlockender Begeisterung Jesus Christus lobpries und verkündete, und die Schergen zum Glauben an ihn aufforderte. Die Gnade begleitete ihre Worte. Acht Schergen sanken auf ihre Knie, baten die Dulderin um Verzeihung der ihr angetanen Misshandlungen und bekannten laut ihren Glauben an Jesus Christus. Ergrimmt über diesen Vorfall ließ der Kaiser die Jungfrau ins Gefängnis führen, die acht Bekenner mit eisernen Krallen zerfleischen, und da er ihre Standhaftigkeit nicht zu besiegen vermochte, enthaupten.
Am anderen Tag ließ Severus die „Zauberin“ wieder vor sich kommen und höhnte: „Betrügerin, jetzt wollen wir sehen, wie weit du deine Künste noch treibst! Willst du den Göttern des Staates opfern, oder es noch länger mit Christus, dem Schwarzkünstler, halten?“ In edler Entrüstung sprach die Heilige: „Halt ein, lästere nicht meinen Gott; wenn du Qualen vorrätig hast, wende sie nur an, ich fürchte sie nicht, Gott wird mich stärken!“ Unmenschlich wurde Martina am ganzen Leib geschlagen, zerschnitten, ihre Glieder verrenkt; aber keine Folter schwächte die Freudigkeit ihres Mutes. In lauten Lobgesängen pries sie Gott, und ein süßer Wohlgeruch entströmte ihren klaffenden Wunden. Ratlos in seiner Ohnmacht ließ der Kaiser die Halbtote wieder in den Kerker werfen; aber wie staunte er, als am folgenden Tag die Wächter ihm anzeigten, Martinas Wunden seien vollständig geheilt, während der ganzen Nacht hätten sie ihr Gefängnis von einem wunderbaren Lichtglanz erleuchtet gesehen und ein mehrstimmiges Beten und Singen gehört.
In wildem Unmut befahl Severus, sie ins Amphitheater zu führen und den Löwen vorzuwerfen; er selbst wollte dabei zuschauen. Marina kniete in entzückender Schönheit auf dem Sand und betete; der hungrige Löwe stürzte brüllend aus dem Zwinger und legte sich, von unsichtbarer Macht gezähmt, schmeichelnd zu ihren Füßen; dann erhob er sich, flog in rasendem Sprung über die hohen Schranken und tötete viele Zuschauer. Der erboste Kaiser schrieb dieses Wunder der Zauberei Martinas zu und glaubte entdeckt zu haben, dass diese Zauberkraft in ihren Haaren liege. Sogleich befahl er, ihr Haupt kahl zu scheren und sie in den Tempel des Jupiters, in welchem noch zwölf andere Götter verehrt wurden, einzusperren. An den folgenden zwei Tagen ging Severus mit Priestern und dem Volk zum Tempel, aber er trat nicht hinein, weil man viele Männerstimmen darin hörte und meinte, Jupiter habe seine Götter versammelt, um Martina zu bekehren. Erst am dritten Tag wurde der Tempel geöffnet zum festlichen Opfer; aber – alle Götzenbilder lagen zertrümmert am Boden. Entrüstet fragte der Kaiser, wo Jupiter sei? Martina sprach lächelnd: „Er hat Christus, meinem Herrn, Rechenschaft geben müssen, dass er die zwölf Götzen hier nicht vom Untergang gerettet; und zur Strafe hat ihn mein Gott den Teufeln übergeben, welche ihn dann zerrissen.“ Über diesen Spott rasend befahl der Kaiser, sie mit heißem Fett zu übergießen und im Feuer zu verbrennen. Aber ein furchtbarer Regenschauer löschte plötzlich die Flammen. Auf dieses neue Wunder folgte endlich das Todesurteil durch das Schwert.“
Martina trägt eine Lilie zum Zeichen ihrer Reinheit. Manche Darstellungen zeigen sie auch mit eisernen Nägeln, Zange und Haken, umgeben von ihren Henkern. Auch ihre Enthauptung wird dargestellt; wobei im Hintergrund ein Apollotempel vom Blitz zerstört wird. Ferner wird sie auch auf dem Scheiterhaufen stehend, den der Regen auslöscht, abgebildet. Auf einigen Bildern sitzt auch ein Löwe zu ihren Füßen.
1. Willst du mit Sicherheit im Innern gehen, so bedarfst du des Lichtes, den Weg des Lebens zu sehen, und der Kraft, diesen Weg bis ans Ende standhaft zu vollbringen. Dies Licht, das deine Finsternisse erleuchtet, ist der Geist Jesu Christi, der reinen Seelen sich offenbart, und sie oft in einem Augenblick über viele Dinge belehrt. Die Kraft aber ist seine Gnade, ohne die wir nichts vermögen. Dieser Geist Jesu wird nur durch Zerknirschung, Andacht und Reinheit erbeten, und nur in der Einsamkeit des Herzens bewahrt. Die Welt empfängt ihn nicht, weil sie Jesus nicht kennt, der das wahrhaftige Licht und das Leben der Seelen ist, ohne das sie in beständiger Blindheit und im Tod irren.
2. Das Leben im Geist Jesu ist das wahre Paradies auf Erden. Es ist ein Unterpfand und ein Vorgeschmack des Himmels. Aber wie bei allen edlen Tugenden, also tut auch hier die Übung vieles. Die Erkenntnis und Liebe Jesu nimmt durch die andächtige Betrachtung seines Lebens und die oftmalige Vereinigung mit ihm im Sakrament seiner Liebe zu. Die tägliche Betrachtung der Geheimnisse seines heiligsten Lebens und Leidens durchdringt den Geist mit Bewunderung und Liebe, regt zu seiner Nachfolge an, und führt allmählich in das Innere Jesu ein, die abgrundtiefe Weisheit und Liebe Gottes zu schauen, wodurch unser Glaube lebendiger, unsere Hoffnung freudiger, und unsere Liebe feuriger wird.
3. O mildester Geist Jesu, komm und wandle mich in einen Menschen nach dir um, der bei Reichtum und Ehren demütigen und entfesselten Herzens, in Armut, Schmach und Leiden geduldig sei, und in allen Dingen nach deinem liebevollen Geist lebe: auf dass der ewige Vater das Bild seines Eingeborenen in mir schaue und liebe. Dies ist mein Gebet, dies mein Verlangen, o mein Heiland, denn zitternd erwäge ich den Ausspruch deines Apostels: "Wer den Geist Christi nicht hat, der gehört nicht zu ihm." (Römer 8,9b) Gehören sie aber dir nicht an: wessen sind sie dann? Psalm 104,30: "Sende, Herr, deinen Geist aus, und diese Dinge werden wirklich werden; und du wirst das Angesicht meiner Seele erneuern."
Heilige Jungfrau Maria, du hast schon so viele Herzen mit deiner Liebe entzündet, entzünde auch mein Herz, damit ich in der Folge nichts liebe als nur Gott und dich. Du weißt es, dass ich alle meine Hoffnung auf dich gesetzt habe. O meine liebe Mutter, verlasse mich nicht. Stehe mir, so lange ich lebe, durch dein heiliges Gebet bei. Aber besonders stehe mir in meiner Todesstunde bei. Mache, dass ich dich alsdann liebe, damit ich dich die ganze Ewigkeit hindurch im Himmel lieben kann. Amen.
Gebet der Kirche
O Gott, Du hast die selige Jungfrau Hyacintha zu einem Opfer der beständigen Abtötung und Liebe gemacht: gewähre uns wegen ihres Beispiels und ihrer Fürbitte, dass wir unsere Sünden beweinen und Dich immer zu lieben vermögen. Amen.
Zu Gott auf die Fürbitte der heiligen Martina
O Gott, der Du unter anderen Wundern Deiner Macht auch vielen Frauen den Martersieg verliehen hast, gib, dass wir, die wir das Fest Deiner heiligen Jungfrau und Martyrin Martina begehen, durch ihr Beispiel und ihre Fürbitte zu Dir gelangen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Die heilige Adelgund,
Jungfrau, lebte auf dem Schloss ihrer Eltern, die ganz weltlich gesinnt waren. Sie aber ließ sich in ihrer frommen Lebensweise als Braut Christi nicht irre machen, ertrug dies schwere Kreuz standhaft, begegnete jedoch ihren Verwandten stets voll Achtung und Liebe, und gewann sie zuletzt selbst für Gott.
Schon oft verlieh Gott solcher Geduld und Liebe den höchsten Segen. Ein ausschweifender Mann kam einst mit vielen Freunden spät in der Nacht nach Hause, und forderte mit Ungestüm Speise und Trank. Seine fromme Frau kam ihnen mit solcher Geduld und Liebe entgegen, dass der Mann hierüber ganz betroffen, von dieser Stunde an sein Leben änderte.
Prüfe dich, ob du auch solche Geduld und Liebe zeigst im Umgang mit jenen, die dir entgegen sind, oder ob du etwa immer streitest, deine Meinung geltend zu machen suchst, ohne Gebet und liebevolles Nachgeben? - Nichts wusste man unserem Herrn Jesus Christus vorzuwerfen, als seine Geduld und Nachsicht gegenüber den Sündern.
Bete um liebevolles Benehmen gegenüber Fehlenden.
Fehlt dein Mitchrist ohne Schuld,
So übe Demut und Geduld.
Andenken an die seligste Jungfrau
An diesem Tag hat Papst Honorius III. im Jahr 1216 nach einer im Traum gehabten Erscheinung und auf Befehl der seligsten Jungfrau den Orden und die Regel der Karmeliter bestätigt. So hat auch an diesem Tag im Jahr 1586 Papst Sixtus V. die Bruderschaft des Rosenkranzes und alle ihr verliehene Ablässe bestätigt.
Wenn kein Verlass mehr ist auf den wirksamen Schutz des Staates für seine Bevölkerung, dann ist der Heilige anzurufen als Schutzpatron der unschuldig Gefährdeten und Opfer brutaler terroristischer Angriffe mit Messern, Äxten, Schwertern und ähnlichen Stich- und Stoßwaffen besonders in unserer Zeit.
Heiliger Aquilin – bitte für uns!
Der heilige Aquilin wurde wahrscheinlich in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts (um 970) zu Würzburg geboren. Seine Eltern gehörten zu den Edlen der Stadt. Der Vater hieß Clavus, die Mutter Aquilia. Schon vor der Geburt hatte die Mutter ein Gesicht, worin ihr angedeutet wurde, dass ihr Kind etwas Großes werde. Es kam ihr vor, sie hätte einen Adler geboren, der in die Luft aufflog, sich auf eine goldene Wolke setzte, und dem eine mit Rubinen besetzte Krone aufgesetzt wurde (Aquilin = der Adlergleiche). Als Kind zeichnete sich Aquilin durch Sittsamkeit vor seinen Altersgenossen aus. Einst wurde er mit anderen Jungen in einen Streit verwickelt. Die Jungen sprachen die gotteslästerliche Behauptung aus, Jesus Christus sei nicht vom Heiligen Geist empfangen worden. Aquilin widersprach ihnen mit aller Kraft. Die Sache wurde vor den Bischof gebracht, und es fand sich, dass es unter den Vornehmen viele gäbe, die diesen Irrtum behaupteten. Durch den Eifer des Bischofs wurden die Irrenden fast allesamt zum Glauben zurückgeführt.
Noch sehr jung kam Aquilin nach Köln und wurde vom dortigen Bischof in die Zahl der gemeinsam lebenden Kanoniker aufgenommen. Hier lebte er eine Zeit lang, bis zum Tod seiner Eltern. Als er die Nachricht von ihrem Tod erhielt, begab er sich nach Würzburg. Daselbst verkaufte er sein elterliches Erbgut und verteilte den Erlös und alles, was ihm von den Eltern zugekommen war, unter die Armen. Darauf wurde er wieder nach Köln zurückberufen und dort zum Priester geweiht. Zugleich übertrug ihm der Bischof einen Teil seiner Arbeiten und ernannte ihn zum Vorstand der Kanoniker. Nach dem Tod des Bischofs wurde er einstimmig zu dessen Nachfolger erwählt. Um der Last und Verantwortung dieses Amtes zu entkommen, ergriff er die Flucht.
Der Heilige wendete sich jetzt in Richtung Frankreich und kam nach Paris. In dieser Stadt wütete gerade damals eine verheerende Seuche. Der Heilige flehte zu Gott um Schonung der Stadt, und auf sein Gebet hörte die Seuche auf zu wüten. Auch hier nahm ihn der Bischof als seinen Gehilfen auf und wollte ihn zu seinem Nachfolger bestimmen. Alles Volk wünschte, diesen großen Diener Gottes als Bischof zu erhalten. Nach dem Tod des Bischofs wurde er wirklich zum Oberhirten erwählt. Auch diesmal entfloh der Heilige und begab sich nach Pavia. Hier führte er im Verein mit mehreren Priestern ein heiliges Leben.
Aus Verehrung zum heiligen Kirchenlehrer Ambrosius, der einst die Kirche von Mailand als Bischof regiert hatte, begab sich Aquilin einige Zeit später in diese Stadt und wohnte daselbst bei den Kanonikern an der Kirche des heiligen Laurentius. Schon in Pavia hatte er eine solche Fertigkeit in der Sprache dieses Landes erlangt, dass er in ihr das Wort Gottes verkünden konnte. Er predigte mit großem Eifer gegen die Ungläubigen und Ketzer. Es gab nämlich damals auch in Mailand viele, die den Sohn Gottes leugneten. Man nannte sie Arianer. Durch die Predigt des Heiligen wurden viele bekehrt. Die Verstockten aber erzürnten über den mächtigen Prediger und wollten ihn anfangs durch List von seinem Eifer in der Bekämpfung der Irrtümer abbringen. Sie stellten sich, als wären auch sie bekehrt und rieten ihm, er sollte jetzt, nachdem alle Ketzerei überwunden sei, vom Frieden predigen. Allein Gott gab ihm ihre Tücke zu erkennen und verlieh ihm neue Kraft zur Bekämpfung der Irrlehren. Die Zahl der aufrichtig Bekehrten nahm von Tag zu Tag zu. Jetzt nahmen die Verstockten ihre Zuflucht zur Gewalt. Als der Heilige sich einst in aller Frühe in die Kirche des heiligen Ambrosius begab, ergriffen sie ihn, schlugen ihn und ließen ihn halbtot liegen. Der Heilige erholte sich wieder und predigte aufs Neue gegen die Gottlosigkeit. Nun überfielen sie ihn zum zweiten Mal, da er eben wieder in dieselbe Kirche ging, und stachen ihm einen Dolch in die Kehle. Der Heilige sank tot zur Erde. Die Mörder wollten seinen Leichnam zerstückeln und heimlich wegschaffen. Allein ein dichter Nebel verhinderte diese Ruchlosigkeit. Der heilige Leichnam wurde von einigen Gläubigen aufgefunden und in die Kirche des heiligen Laurentius gebracht. In dieser Kirche ist der Leib des Heiligen beigesetzt und bis auf den heutigen Tag noch unversehrt. Das große steinerne Grab, in das der heilige Aquilin gelegt wurde, hat der heilige Karl Borromäus im Jahr 1581 zum Hauptaltar der Kirche zu St. Laurentius verwendet. Später wurde zu Ehren des heiligen Aquilin eine eigene Kapelle erbaut, und sein Leichnam in einem Sarg von weißem Marmor in ihr beigesetzt. Auf dem Sarg ist die Inschrift: „Des Priesters und Martyrers Aquilinus unverweseter Leichnam.“ Der heilige Karl Borromäus ließ den heiligen Leichnam mit Albe und Messgewand bekleiden. Von dort wurde er in einen von Silber und Bergkristall verfertigten Sarg den 28. Mai 1697 feierlich versetzt, und dieser Sarg am Hochaltar der Kapelle des heiligen Genesius angebracht. Diese Kapelle erhielt nun vom heiligen Aquilin den Namen.
1. Willst du auf dem Weg des Heils ernsthaft fortschreiten, so bewaffne dich vor allem mit dem starken Schild der Geduld. Denn so lange wir hienieden pilgern, ist unser Weg mit Trübsalen wie mit Dornen besät. Diese Trübsale kommen teils aus der göttlichen Gerechtigkeit, aus der Bosheit oder den Fehlern der Menschen, aus Versuchungen des alten Feindes und anderen Quellen, teils aus unserer eigenen Gebrechlichkeit, wie Krankheiten, Schmerzen und Tod. Aber gleichwie die Arznei den Körper, also heilt die Geduld die Krankheiten unserer Seele, und "durch viele Trübsale müssen wir eingehen in das Reich Gottes". (Apostelgeschichte 14,22b)
2. Betrachte aber auch den Adel und den hohen Wert der heiligen Geduld. Sie ist die Grundfeste aller Tugenden, und je höher unsere Tugenden wachsen sollen, um so tiefer muss diese Grundfeste gegraben werden. Dazu bedarf es allerdings der Stärke eines tapferen Gemütes. Aber nur diese Tugend wirkt, nach dem Ausspruch des Herrn, die Frucht des Heils in einem guten Herzen. (Lukas 8,15) Der wahrhaft Geduldige teilt, auch ohne Schwert und Feuer, das Verdienst der Märtyrer. Durch diese Waffe wird der Mensch unüberwindlich. Sie erringt durch ihre Starkmütigkeit die Palme des Friedens, und niemand gelangt ohne sie zur himmlischen Erbschaft.
3. Zu dieser so edlen als notwendigen Tugend dich zu ermuntern, stelle dir oftmals das Beispiel unseres göttlichen Heilandes vor, dessen ganzes irdisches Leben in beständiger Übung der Geduld verfloss, und der die Fehler seiner Jünger, die Misshandlungen seiner Feinde und des Volkes, und sein bitterstes Leiden in wunderbarer Geduld ertrug. Führe auch wohl zu Gemüte, dass die Sünden deines verflossenen Lebens strengere Strafen als alle Trübsale verdienen, die je über dich kommen können, dass die Geduld das einzige Mittel ist, deine Seele in dieser Zeit wie in einem gelinden Fegfeuer zu reinigen, der göttlichen Gerechtigkeit genug zu tun, und Gott deine Liebe wahrhaft zu bezeigen. Diese heilige Tugend ist das Merkmal aller Auserwählten, und ist verdienstlicher als Zeichen und Wunder. "Ich lobe dich, Herr, Gott Israels, dass du mich gezüchtigt hast; denn du auch hast mich geheilt." (Tobit 11,14)
Es ist nur allzu wahr, dass durch deine Vermittlung, meine Königin und Mutter, die Gnaden Gottes ausgeteilt und die Seelen geheiligt werden. Vergiss mich also nicht, o meine liebe Mutter Maria, mich, der ich dein armer Diener bin, der ich dich liebe, und auf dich alle meine Hoffnung setze. Gott, der eine so große Liebe zu dir trägt, erfüllt alle deine Bitten. Darum, meine liebe Mutter, bitte für mich und mache, dass ich heilig werde.
Zu Gott auf die Fürbitte des seligen Kaisers Karl
Allmächtiger ewiger Gott, wir bitten Dich demütigst, gib uns, Deinen Dienern, auf die Fürbitte und durch die Verdienste Deines seligen Bekenners Karl, dem du, nach dem Gipfel des irdischen Reichs, einen Thron im Himmel verliehen hast, dass wir die ewige Glückseligkeit zum Lohn erhalten, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Zum heiligen Jakob
Heiliger Jakob, erhalte mir durch deine Fürbitte die Gnade, dass Gott mein unreines Fleisch mit seiner heiligen Furcht und Liebe durchdringe, damit ich mein Heil immer mit Furcht und Zittern wirke, und nach der seligen Ewigkeit trachte, und dass ich auf solche Weise entweder schuldlos von aller Sünde, oder doch wenigstens wahrhaft bußfertig mein Leben im Tod beschließe, und nach dem Tod zur glückseligen Ewigkeit eingehe. Amen.
Der fromme Kaiser Karl der Große
Als er am Weihnachtsfest vom Gebet aufstand, setzte ihm der Papst eine kostbare Krone auf, und das Volk rief ihn zum römischen Kaiser aus. Voll Bestürzung beteuerte er, dass, wenn er von diesem Vorhaben gewusst hätte, er an diesem Tag, so heilig derselbe auch sei, nicht in die Kirche gekommen wäre.
Die Heiligen flohen die Ehre, den Beifall der Menschen, während wir oft so sehr danach verlangen, offenbar oder insgeheim uns darum bemühen, unruhig, verdrießlich, kleinmütig werden, uns gar nicht darein finden wollen, wenn wir falsch beurteilt, zurückgesetzt werden, oder andere mehr Lob und Anerkennung finden.
Prüfe dich, ob du nicht Wohlgefallen, innere Freude hast bei Lob und Ehre, besonders von Gutgesinnten, in Gedanken dich damit beschäftigst? - Ein heiliger Einsiedler setzte sich mit einem Stück Brot und Käse vor seine Zelle, da er hörte, es wolle ihn jemand seiner Heiligkeit wegen besuchen. Als ihn dieser so erblickte, entfernte er sich wieder und verachtete ihn.
Der heilige Thomas von Aquin, ein Nachkomme aus dem edlen Geschlecht der Grafen von Aquin in Mittelitalien, gilt als einer der größten Gottesgelehrten aller Zeiten. Als er 1274 im Alter von erst fünfzig Jahren starb, hinterließ er über zwanzig dicke Bücher. Diese hatte er so gut und treffend geschrieben, dass auf ihnen zusammen mit der Heiligen Schrift heute noch die gesamte katholische Glaubenslehre wie auf einem festen und sicheren Fundament begründet ist.
Thomas war erst fünf Jahre alt, als ihn die Eltern zur Erziehung in das berühmte Benediktinerkloster auf dem Cassinoberg zwischen Rom und Neapel brachten, wo zu jener Zeit sein Onkel Sinnibald Abt war. Vater und Mutter, kluge Leute, hatten im Herzen den stillen Wunsch, ihr Sohn solle später des Onkels Nachfolger in der Leitung des mächtigen Klosters werden. Es kam aber anders. Nachdem Thomas seine Studien abgeschlossen hatte, trat er in den Bettelorden der Dominikaner ein. Die Eltern und Geschwister waren entsetzt über diesen Schritt, denn da stürzten mit einem Schlag alle ehrgeizigen Zukunftspläne zusammen. In ihrer Wut bemächtigten sie sich des jungen Ordensmannes, rissen ihm das Ordenskleid in Fetzen vom Leib und hielten ihn ein ganzes Jahr lang im Turm eines ihrer Schlösser gefangen. Thomas ließ sich dadurch jedoch in seinem Sinn nicht irremachen.
Die Freiheitsberaubung des jungen Ordensmannes durch die eigene Familie hat in der damaligen Welt viel Staub aufgewirbelt, so dass schließlich sogar Papst und Kaiser eingriffen, bis endlich wenigstens die Mutter Verstand annahm und dem Eingekerkerten zur Flucht verhalf. Thomas begab sich daraufhin nach Paris und nach Köln am Rhein. Dort wollte er unter der Leitung des heiligen Albert des Großen, des angesehensten Gelehrten seiner Zeit, die unterbrochenen Studien vollenden. Damals trug sich auch die folgende Begebenheit zu.
Thomas, der ein Riese von Gestalt war, etwas dickleibig und im Auftreten unbeholfen und schwerfällig, der wenig sprach und ohne Hintergedanken wie ein Kind jedem traute, galt anfangs als ein Dummkopf, der von den Mitschülern gerne geärgert wurde. Einmal rief ihm ein Mitschüler scherzend zu: „Thomas, komm, komm schnell! Schau, da fliegt ein Ochse durch die Luft!“ Thomas hastete herbei und suchte mit seinen Augen fieberhaft den Himmel ab. Da lachten ihn natürlich alle aus. Nur der Gehänselte lachte nicht, sondern sagte im heiligen Ernst: „Eher sollte man glauben, dass ein Ochse durch die Luft fliegt, als dass der Mund eines Christen lügt.“ So streng urteilte ein Heiliger über eine Lüge, die nicht einmal eine Sünde ist; denn solange man eine Lüge fühlen kann, ist sie nicht sündhaft. Schöner und geradliniger ist es allerdings, wenn man überhaupt nicht lügt, auch nicht aus Scherz.
Aus der Studienzeit von Köln wird vom heiligen Thomas noch eine andere Geschichte berichtet. Einmal musste er nämlich, als die Reihe an ihn kam, während des Essens bei Tisch vorlesen, wie es in den Klöstern üblich ist. Plötzlich schellte der Obere und tadelte den Vorleser, weil er ein Wort falsch ausgesprochen habe. Thomas berichtigte sofort den gerügten Fehler, obwohl er wusste, dass sich der Obere in diesem Fall irrte. Als ihm nachher die Mitschüler sagten, das hätte er nicht tun dürfen, weil er doch im Recht und der Vorgesetzte im Unrecht war, entgegnete der Heilige: „Es liegt nicht viel daran, ob ein Wort richtig oder falsch ausgesprochen wird, wohl aber liegt sehr viel daran, dass man gehorsam ist.“ Da können sich an Thomas jene ein Beispiel nehmen, die, meist zu Unrecht, klüger sein wollen als die Eltern und Lehrer.
Aus dem scheinbar einfältigen Studenten Thomas von Aquin ist später, wie bereits erwähnt, einer der tiefsinnigsten Gottesgelehrten aller Zeiten geworden, dessen Ruhm bis heute noch die Welt erfüllt. Als es dann mit ihm zu Ende ging, fragte ihn im Angesicht des Todes ein Mitbruder: „Thomas, nun sage uns noch das eine! Was ist dir bei all deinem Wissen das Unbegreiflichste gewesen?“ Auf diese Frage gab der Gelehrte eine ganz schlichte Antwort, die jedes Kind versteht, denn er erwiderte: „Das, was ich nie verstanden habe, ist die Tatsache, dass sich ein Mensch abends zur Ruhe legt mit einer schweren Sünde auf dem Herzen. Das habe ich wirklich nie begreifen können.“
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Der berühmteste Gelehrte und Kirchenlehrer stammte aus dem lombardischen Adelsgeschlecht der Grafen von Aquino. Er wurde 1225 in Roccasecca geboren und schon mit fünf Jahren zur Erziehung in das Benediktinerkloster Montecassino gebracht. 1236 setzte er an der Universität in Neapel seine Studien fort und entschloss sich 1243, in den Dominikanerorden einzutreten.
Seine Brüder, die seinen Entschluss, Mönch zu werden, nicht billigten, entführten ihn und hielten ihn auf der väterlichen Burg gefangen. Durch List und mit Hilfe einiger Dominikaner konnte Thomas aus dieser Haft entkommen. Im selben Jahr schickte sein Orden ihn zum Studium an die berühmte Pariser Hochschule.
Von dort zog er 1248 mit seinem Lehrer Albertus Magnus an die neugegründete Universität in Köln. Nach vier Jahren intensiver Studien begann er mit philosophisch-theologischen Vorlesungen seine eigene Lehrtätigkeit in Paris. Von Papst Urban IV. gerufen, leitete er von 1259-1269 die Ordensschulen in Orvieto, Viterbo und Rom; ab 1269 lehrte er wieder in Paris. In dieser wissenschaftlich sehr fruchtbaren Zeit entstand auch seine bedeutsamste Schrift: „Summa theologiae“, die als das Hauptwerk der Scholastik gilt.
1272 kehrte er nach Neapel zurück und reiste zwei Jahre später auf Wunsch Gregors X. zum Konzil nach Lyon. Unterwegs starb er am 7. März 1274 im Zisterzienserkloster Fossanova.
„Zwei seiner Brüder, Landulph und Raynald, welche bei der Armee des Kaiser Friedrich II. dienten, hatten von dieser Reise Kunde erhalten; sie ließen daher alle Wege so sorgfältig bewachen, dass Thomas bei Acqua-Pondente gefangen und ihnen ausgeliefert wurde. Sie versuchten ihn zur Ablegung des Kleides, das er trug, zu bewegen; allein der junge Novize erklärte standhaft, dass ihn nichts dahin bringen könne. Sie brachten ihn daher in seinem Ordenskleid auf das Schloss Monte San Giovanni, das seiner Familie gehörte. Seine Mutter war hoch erfreut, ihn bei sich zu haben, und schmeichelte sich mit dem Gedanken, dass man ihn schon allmählich zur Wahl eines anderen Standes überreden werde. Unter dem Vorwand, dass er ohne die Einwilligung seiner Eltern über seine Freiheit verfügt habe, versuchte sie ihn zu bereden, er gehe nicht den Weg, der ihm von der Vorsehung bestimmt sei. Sie folgerte sodann, dass er sich umsonst auf den Ruf des Himmels stütze, weil dieser dem Gesetz nicht widersprechen könne, welches die Kinder verpflichte, nichts ohne die Zustimmung der Eltern zu tun. Die Mutter brachte noch andere Gründe vor, denen sie durch Bitten, Tränen und Liebkosungen neue Kraft zu geben wusste. Man weiß, wie beredt die Natur in solchen Umständen ist. Thomas blieb nicht ungerührt bei dem Schmerz seiner Mutter; allein dieses Gefühl wusste er in den Schranken der Pflicht zu halten. Er antwortete ihr mit bescheidener und ehrfurchtsvoller Festigkeit, er habe alles wohl erwogen, sein Beruf komme gewiss von Gott und er sei entschlossen, demselben, was es ihn auch kosten möge, zu folgen. Die Gräfin, da sie ihre Hoffnung vereitelt sah, geriet in heftigen Zorn, machte ihrem Sohn die bittersten Vorwürfe, ließ ihn in enge Verwahrung bringen, und erlaubte nur seinen zwei Schwestern, ihn zu besuchen und mit ihm zu sprechen.
Man stelle sich die Anstürme vor, welche Thomas von Seiten seiner Schwestern zu bestehen hatte. Sie griffen seine Standhaftigkeit mit allen Mitteln an, welche die Zärtlichkeit zu erfinden vermag. Sie schilderten ihm vor allem in den lebhaftesten Farben den Schmerz der trostlosen Mutter, der durch nichts als seine Rückkehr geheilt werden könne. Der Heilige, stets unerschütterlich, antwortete nur durch ergreifende Reden über die Verachtung der Welt und die Liebe zur Tugend.
Unterdessen kamen Landulph und Raynald vom Heer zurück und fanden bei ihrer Ankunft ihre Mutter ganz in Trostlosigkeit versunken, Thomas aber eben noch so fest entschlossen wie vorher. Diese Lage, die sie vielleicht nicht erwarteten, brachte sie auf Ideen, welche die Menschlichkeit sowohl als auch die Religion missbilligten. Die erste gewalttätige Handlung, die sie an ihm verübten, war, dass sie ihn in den Schlossturm sperrten. Sein Ordenskleid zerrissen sie in Stücke, überhäuften ihn mit Schmähungen und fügten ihm tausend andere Misshandlungen zu. Da nichts imstande war, den Heiligen zu erschüttern, benützten sie ein Mittel, das ihnen nur der Geist der Finsternis eingeben konnte. Sie führten eine der schönsten Buhlerinnen des Landes in sein Gemach und versprachen ihr eine große Belohnung, wenn sie ihn verführen würde. Diese Unglückselige bot alles auf, was eine solche Frau durch List und Unverschämtheit vermag. Thomas, obgleich bestürzt über die Gefahr, in welcher er seine Unschuld ausgesetzt sah, verlor den Mut nicht. In demütigem Misstrauen zu sich selbst, rief er den Gott der Reinheit um Beistand an. Dann ergriff er einen glühenden Brand, ging auf die schändliche Buhlerin los und jagte sie mit dieser Waffe zum Zimmer hinaus.
Es verflossen ein oder sogar nach einigen Schriftstellern zwei Jahre und Thomas war noch im Schloss eingekerkert. Papst Innozenz IV. und Kaiser Friedrich II., die von der grausamen Verfolgung, welche er leiden musste, Nachricht erhielten, verwendeten sich mit vieler Anteilnahme für dessen Befreiung. Sie ließen bei seiner Mutter und seinen Brüdern für ihn sprechen, so dass diese endlich auch zu menschlicheren Gesinnungen zurückkehrten. Die Gräfin schien sogar nicht abgeneigt, heimlich die Flucht ihres Sohnes zu begünstigen. Die Dominikaner von Neapel, von ihrer Denkweise benachrichtigt, schickten einige Ordensbrüder verkleidet in das Schloss Monte San Giovanni; diese fanden sich zur bestimmten Stunde am Turm ein, empfingen den Heiligen, den seine Schwester in einem Korb hinabließ, in ihre Arme, und führten ihn freudevoll in ihr Kloster. Thomas legte im folgenden Jahr die Gelübde ab. Der Tag, an dem er Gott das Opfer seiner Freiheit darbrachte, schien ihm der schönste seines Lebens; er brachte ihn zu in den Übungen der innigsten Frömmigkeit. Indessen missbilligten es seine Mutter und seine Brüder laut, dass er die Gelübde abgelegt habe; sie unterschoben ihm niedrige Beweggründe, und brachten ihre Klagen vor den Heiligen Stuhl. Der Papst berief sogleich den jungen Ordensmann nach Rom, um seine Berufung zum Klosterstand zu prüfen. Seine Antworten befriedigten ihn auf das vollkommenste, und seine Tugenden setzten ihn in Erstaunen. Er billigte dessen gewählte Lebensweise und erlaubte ihm, darin zu beharren. Seit dieser Zeit ward unser Heiliger nicht mehr durch seine Familie beunruhigt.
Da unterdessen der Dominikanergeneral Johannes Teutonius eine Reise nach Paris machte, nahm er unseren Heiligen mit sich. Danach schickte er ihn nach Köln, wo Albert der Große Theologie lehrte. Thomas wohnte den Vorträgen dieses trefflichen Lehrers bei und widmete alle Zeit, die ihm die Religionspflichten übrig ließen, den höheren Wissenschaften. An seiner Lernbegierde hatte aber Ruhmsucht nicht den mindesten Anteil, und die außerordentlichen Fortschritte, welche er bald machte, wusste seine Demut zu verbergen. Aus demselben Beweggrund beobachtete er auch ein strenges Stillschweigen, welches aber seine Mitschüler als Stumpfsinn ansahen. Man nannte ihn daher spottweise den stummen Ochsen, oder den großen Ochsen aus Sizilien. Es ereignete sich sogar einmal, dass sich einer seiner Mitschüler anbot, ihm den Lehrvortrag zu erklären, um ihm dessen Verständnis zu erleichtern. Thomas nahm mit innigem Dankgefühl das Angebot an, obgleich er damals schon Lehrer der andern hätte sein können. Eine solche Demut war um so verdienstvoller vor Gott, als studierende Jünglinge sonst geneigt sind, ihre Fähigkeiten glänzen zu lassen, und ihre Überlegenheit gegenüber anderen zu zeigen. Allein Gott, der seine Diener umso mehr zu verherrlichen weiß, als sie von aller Ruhmbegierde entfernt sind, fügte es, dass man bald in dem Heiligen einen großen und durchdringenden Geist, der mit vielen Kenntnissen und einer gründlichen Beurteilungskraft ausgestattet war, erkannte. Als ihn Albert über sehr dunkle Gegenstände fragte, antwortete er mit solcher Richtigkeit und Kürze, dass alle Zuhörer in Verwunderung gerieten und Albert selbst vor Freude entzückt, ausrief: „Wir nennen Thomas den stummen Ochsen, allein seine Gelehrsamkeit wird einst brüllen, dass man ihn auf der ganzen Erde hören wird.“
Zahlreiche Attribute werden dem Heiligen zugeordnet. Dargestellt wird er im weißen Dominikanerhabit mit Skapulier und Kapuze, ein offenes Buch haltend. Kelch und Monstranz in seinen Händen sollen an seine innige Frömmigkeit, an seine Hymnen und an das Fronleichnamsoffizium, das er verfasst hat, erinnern. Die Taube am Ohr ist das Symbol für seine übernatürliche Erleuchtung, und die Lilie in seiner Hand deutet auf sein engelgleiches reines Leben hin. Mitra und Stab zu seinen Füßen zeigen an, dass er alle kirchlichen Ämter und Würden abgewiesen hat. Sein ganz besonderes Kennzeichen ist jedoch ein Stern oder ein Edelstein oder eine Strahlensonne, die er auf der Brust trägt.
Thomas von Aquin ist der Patron aller katholischen Hochschulen, der studierenden Jugend, der Buchhändler und Bleistiftfabrikanten. Er schützt die Keuschheit und hilft gegen Blitz und Sturm.
Weil der bisherige Festtag, der 7. März, wegen der Fastenzeit oft nicht gefeiert werden konnte, wurde der Gedenktag auf den 28. Januar verlegt.
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St. Thomas von Aquin
Dem Orden des hl. Dominikus gebührt der Ruhm, unter die Schar seiner Mönche den größten Gottesgelehrten aller Zeiten und Nationen zu zählen, einen Mann, der viel genannt wurde, da durch eine Verfügung des Heiligen Vaters Pius X. seine Werke neuerlich allen Theologiestudierenden dringendst zum intensivsten Studium anempfohlen wurden, da sie hervorragenderweise geeignet sind, den Priestern jene tiefe philosophische Bildung zu geben, die nötig ist, um den modernen Irrtümern gewappnet entgegentreten zu können. Dieser Mann ist Thomas von Aquin, geb. 1226, gest. 1274.
Thomas war der Sohn des Grafen von Aquin, Herrn von Loretto und Bebastro, der aus königlichem Geblüt stammte und mit Kaiser Friedrich II. verschwägert war. Auf dem Schloss Roccasicca wuchs der Junge bis zu seinem 5. Lebensjahr heran, dann wurde er in die Klosterschule der Mönchsburg Monte Cassino gebracht, um hier die Grundbildung in allen Wissenschaften zu empfangen. Schon da erkannten seine Erzieher, dass dieses Kind von Gott mit ganz außergewöhnlichen Talenten und Gnadenvorzügen bedacht sei. Nach sechs Jahren erklärten sie, dass der Junge in Monte Cassino nichts mehr zu lernen habe, dass der Zwölfjährige für die Hochschule reif sei. Der Graf holte seinen Sohn heim, er sollte einige Zeit die Freiheit und die Freuden der Jugend genießen. Alles war alsbald über Thomas entzückt. Seine Liebenswürdigkeit und Anmut, seine Sanftmut und Frömmigkeit gewann ihm aller Herzen. Auch am väterlichen Schloss, wo es an Festen und Zerstreuungen nicht fehlte, studierte er weiter und schien überhaupt dem höfischen Treiben wenig Gefallen abzugewinnen. Zwei Jahre später bezog Thomas die Universität in Neapel. Hier ging er bereits ganz andere Wege als die übrigen Studenten, die ihn umsonst zu ihrem tollen Leben zu gewinnen versuchten. Die Zeit teilte er sich in Studium und Gebet und nichts liebte er mehr, als vor einem Tabernakel die Liebe und Weisheit des Heilandes zu betrachten. Die Erholungszeit verbrachte der junge Mann gerne in einem neugegründeten Dominikanerkloster, dessen innigfromme, hochgelehrte Priester ihn ungemein anzogen. Und doch kam es aller Welt unerwartet, als es eines Tages hieß, der Sohn des Grafen von Aquin ist Novize eines Bettelordens geworden. Ohne Wissen der Eltern, deren Einwilligung er nie erhalten hätte, aber in vollster Überzeugung eines gottgewollten Berufes, hatte Thomas den entscheidenden Schritt getan. Um ihn vor Verfolgung zu schützen, sandten die Oberen den jungen Mann über Rom nach Paris. Doch unterwegs lauerten ihm seine zwei Brüder auf, die im kaiserlichen Heer dienten, und brachten ihn gefangen nach Roccasicca. Eltern und Geschwister versuchten durch alle Mittel, durch Güte wie auch durch Misshandlung seinen Sinn zu ändern – umsonst! So flammend sprach er von der Liebe Gottes und den ewigen Gütern, dass er dadurch sogar seine älteste Schwester, die bereits verlobt war, zu dem Entschluss brachte, sich gleich ihm Gott zu weihen. Diese Schwester war es auch, die ihn nach zwei Jahren rettete, indem sie ihn in einem Korb vom Gefangenenturm in die Tiefe ließ, wo ihn Dominikaner erwarteten. Bald darauf legte Thomas die heiligen Gelübde ab. Die Eltern klagten nun ihren unbotmäßigen Sohn beim Heiligen Vater an, der Thomas kommen ließ und seinen Beruf prüfte. Er erkannte klar die Heiligkeit und Unschuld des Verfolgten, nahm sich seiner an und seit der Zeit beunruhigte ihn seine Familie nicht mehr. – So ist es immer: schenkt Gott jemand wirklich einen hohen Beruf und türmen sich Berge vor dem Ziel, der den Beruf gibt, gibt die nötige Kraft und räumt die Hindernisse beiseite, wenn es Zeit ist.
Nun reiste der junge Ordensmann nach Köln, um die Vorträge des weltberühmten Dominikaners Albertus Magnus zu hören. Später folgte er diesem Meister der Scholastik nach Paris. Unermüdlich studierte Thomas unter der großartigen Anleitung und der Meister sah bald in ihm den Stern, der seine eigene Wissenschaft überstrahlen würde. Nicht kleinere Fortschritte machte er in der Heiligkeit. Stieß er im Studium auf Schwierigkeiten, so eilte er zum Tabernakel oder unter das Kreuz. Im Gebet fand er alle Erleuchtung, das demütige Gebet war die Quelle seines erhabenen Wissens. So erklärte Thomas später einmal, er habe weniger aus Büchern als zu Füßen des Gekreuzigten gelernt.
Mit 22 Jahren wurde Thomas zum Lehrer in Köln ernannt und empfing bald darauf die heilige Priesterweihe. Das heiligste Sakrament des Altares ist fortan der Mittelpunkt in des Heiligen innerem und äußerem Leben. Thomas ist ein Heiliger der Eucharistie. Bei der heiligen Messe flossen immer reichlich seine Tränen. Stundenlang, auch des Nachts, kniete er, in Liebe und Anbetung versunken, vor einem Tabernakel. Was er da dachte und fühlte, das legte er in seinen Schriften über die heilige Eucharistie nieder, das quoll wohl auch als Hymne von seinen Lippen, und wer diese heiligen Gesänge heute hört, meint, sie seien den Engeln im Himmel abgelauscht worden. So der Hymnus aus der Messe am Gründonnerstag: „Pange lingua gloriosi . . . Preiset, Lippen, das Geheimnis“, dessen letzte zwei Strophen „Tantum ergo . . .“ und „Genitori, Genitoque . . .“ bei jedem feierlichen Segen angestimmt werden. Dann die herrliche Sequenz von der Fronleichnamsmesse, die das Geheimnis der heiligen Eucharistie in ganzer Vollständigkeit und schlichter Erhabenheit besingt: „Lauda Sion, Salvatorem . . . Deinem Heiland, deinem Lehrer . . .“, dann die zwei Lobgesänge von der Fronleichnamsprozession: „Sacris Solemniis juncta sint gaudia . . . Lasset am heiligen Fest heut uns fröhlich sein . . .“, „Verbum supernum prodiens . . . Das ew`ge Wort im Himmel hoch . . .“ und endlich der „Hymnus zum heiligsten Sakrament“, dem ein Teilablass verliehen ist, so er nach der heiligen Kommunion gebetet wird. Dieses weniger bekannte, innigfromme Lied lautet:
„In Demut bet` ich dich, verborgne Gottheit, an,
Die du den Schleier hier des Brotes umgetan.
Mein Herz, das ganz in dich anschauend sich versenkt,
Sei ganz dir untertan, sei ganz dir hingeschenkt.
Gesicht, Gefühl, Geschmack betrügen sich in dir,
Doch das Gehör verleiht den sicheren Glauben mir.
Was Gottes Sohn gesagt, das glaub` ich hier allein,
Es ist der Wahrheit Wort, und was kann wahrer sein?
Am Kreuzesstamme war die Gottheit nur verhüllt,
Hier hüllt die Menschheit auch sich gnädig in ein Bild;
Doch beide glaubt mein Herz und sie bekennt mein Mund,
Wie einst der Schächer tat in seiner Todesstund`.
Die Wunden seh` ich nicht, wie Thomas einst sie sah;
Doch ruf` ich: Herr, mein Gott, du bist wahrhaftig da!
Wascht alle Sünder rein, stellt alle schuldenfrei.
O Jesu, den verhüllt jetzt nur mein Auge sieht,
Wann stillst das Sehnen du, das in der Brust mir glüht,
Dass ich enthüllet dich anschau` von Angesicht
Und ewig selig sei in deiner Glorie Licht? – Amen.“
Von Köln weg, wo der junge Lehrer hohe Berühmtheit erlangt hatte, kam er als Lehrer der Theologie nach Rom. Hier wie dort gewann er die weitesten Massen durch seine unvergleichlichen, zündenden Predigten. Auch seine Angehörigen durfte er Gott zuführen. Neben dem anstrengenden Beruf eines Hochschullehrers schrieb Thomas unermüdlich Werke über Philosophie und Theologie, in denen er sein gotterleuchtetes Wissen niederlegte. Bis zu seinem Ende blieb Thomas so demütig, dass er alle Ehrenstellen, die ihm vom Papst angetragen wurden, zurückwies.
Über seine Werke war er oft unruhig, ob sie doch – alle die 18 Folianten – nichts gegen die katholische Lehre enthielten. Gott selbst gab ihm Antwort. Als er einst in Neapel vor einem Kruzifix betete, fiel er in Extase und hörte die Worte: „Thomas, du hast gut von mir geschrieben; welche Belohnung begehrst du dafür?“ Da erwiderte der Heilige: „Keine andere, als dich, o Herr!“ – Und der große Lohn kam bald. Von übergroßer Geistesarbeit geschwächt, begann Thomas zu kränkeln. Der Papst sandte ihn als Verteidiger der katholischen Lehre gegen die Griechen zum Konzil von Lyon (1274). Unterwegs erkrankte der Heilige so heftig, dass er in der Zisterzienser-Abtei in Fossa Nuova die Fahrt unterbrechen musste. Als er die Pforte durchschritt, sagte er: „Hier ist der Ort meiner Ruhe für alle Zeit!“ Schnell schwanden trotz der besten Pflege seine Lebenskräfte und nach einer allgemeinen Beichte und der mit der Andachtsglut eines Heiligen empfangenen heiligen Wegzehrung verschied der Fürst der Gottesgelehrten sanft und leicht.
Er wurde 1567 von Pius V. zum Doctor ecclesiae (Kirchenlehrer) und 1880 von Leo XIII. zum „Patron der studierenden Jugend und der Schulen“ ernannt. Er heißt auch „Doctor angelicus“ – der englische Kirchenlehrer – da er durch eine besondere Gnade keine Anfechtungen gegen seine Unschuld zu leiden hatte.
In der langen Reihe deutscher Herrscher hat keiner den Kaiserthron so sehr geziert und der vollen Blüte des Christentums so eifrig gedient, als der erste deutsche Kaiser, Karl, mit vollem Recht „der Große“ genannt. So eifrig sich die Feinde des Christentums auch bemüht haben, die Verdienste Karls zu schmälern, seinen Lebenswandel zu verdächtigen und seine Taten herabzuwürdigen, so werden sie ihm doch kaum ein zweites Muster eines christlichen Regenten an die Seite stellen können. Hier soll nicht die Rede sein von seiner Weisheit und Festigkeit in seiner Regierung, nicht von seinen Großtaten in Kriegen und Schlachten, nicht von Deutschlands Größe und Machtstellung in der christlichen Welt, deren Gründer er war, vielmehr soll nur das berührt werden, was ihn groß und herrlich gemacht hat in den Augen Gottes.
Karl, 742 geboren, war ein Sohn des Frankenkönigs Pipin und der griechischen Prinzessin Bertha. Von seinen Eltern erhielt der reichbegabte Sohn eine sorgfältige Erziehung. Nach dem Tod seines mächtigen Vaters wurde er zum König gekrönt (768). Karls höchstes Ziel war das Glück seines Volkes, und da er erkannte, dass nur im Christentum das wahre Glück der Seelen, Bildung, Kunst und Wissenschaft gedeihen, so strebte er mit allem Eifer nach Ausbreitung der katholischen Kirche, die er wie seine eigene Mutter verehrte.
Da die Sarazenen in Spanien die Christen hart bedrängten, unternahm er gegen sie einen Feldzug. Dann wandte er sich gegen die kriegerischen Sachsen, die öfters verwüstend in sein Reich einfielen und die Glaubensboten ermordeten. Der Sachsenkrieg dauerte 32 Jahre und wurde seitens der heidnischen Sachsen mit großer Erbitterung geführt. Nachdem ihr Nationalheiligtum, die Irminsäule, zerstört war und ihr Herzog das Christentum angenommen hatte, pflanzte Karl überall das Kreuz auf und ließ Priester zurück, um das Volk zu unterrichten und mit den Segnungen des Christentums zu beglücken. Zweimal zog Karl mit seiner Heeresmacht über die Alpen, um die Päpste Hadrian I. und Leo III. vor den Bedrängungen der Langobarden zu schützen.
Im Jahr 800 feierte Karl das Weihnachtsfest in Rom. Während er, ganz in Andacht vertieft, im Hochamt demütig auf den Knien lag, trat Papst Leo III. vor ihn hin und setzte ihm feierlich die Kaiserkrone aufs Haupt. Der Petersdom widerhallte von dem begeisterten, tausendstimmigen Jubelruf des Volkes: „Leben und Sieg dem von Gott gekrönten Kaiser der Römer!“ War die Kaiserkrone durch die ohnmächtigen und selbstsüchtigen Cäsaren des Morgenlandes entweiht, so sollte sie auf dem Haupt des ersten abendländischen, römisch-katholischen Kaisers neuen Glanz entfalten. Um seinen Untertanen die Segnungen des christlichen Glaubens, der Bildung des Geistes und Herzens zuwenden, und selbst in den sittlichen und bürgerlichen Tugenden befestigt zu werden, berief er fromme und gelehrte Männer aus Italien und England an seinen Hof, errichtete 24 Klöster und stattete sie mit reichlichen Einkünften aus, stiftete zwei Erzbistümer und neun Bistümer, baute 27 neue Kirchen, versah sie mit reichem Schmuck und kostbaren Gefäßen, sorgte für die Würde und den Glanz des Gottesdienstes, führte einen erbaulichen Kirchengesang ein, errichtete zahlreiche Volksschulen, zwei Hochschulen zu Paris und Pavia, ließ viele Bücher abschreiben und errichtete Bibliotheken, wodurch kostbare Schätze der Wissenschaft der Nachwelt erhalten wurden.
Mit dem größten Eifer förderte Karl die christliche Lehre und Zucht. Die Bischofswahl legte er in die Hände der Geistlichkeit und des Volkes, die Verordnungen Roms waren für sein ganzes Reich maßgebend, den gregorianischen Kirchengesang verpflanzte er nach Frankreich und Deutschland, die Bischöfe und Äbte hatten Sitz und Stimme in den Reichsversammlungen, die Kirchengüter schützte er als Opfer der Gläubigen und Erbteil der Armen. Sobald sich Irrtümer zu verbreiten drohten, versammelte er die Bischöfe zum Konzil, um die rechte Lehre gegen Ketzerei zu schützen. Auf Zucht und fromme Sitte hielt er mit allem Eifer. Oft besuchte er die Schulen, belobigte die Fleißigen und tadelte die Trägen. Er wollte sein Volk nicht nur zeitlich, sondern auf ewig glücklich machen.
Zeigte sich Kaiser Karl als unbesiegbaren Kriegshelden, als weisen und tatkräftigen Herrscher, so glänzte er nicht minder durch seine Tugenden im Privatleben. Er beobachtete in Speise und Trank strenge Mäßigkeit, hielt die Fasten genau wie ein Mönch, trug, außer bei feierlichen Gelegenheiten, ein einfaches Kleid, das ihm seine Gattin Hermengarde gesponnen und gewebt hatte, und unter dem ein härenes Bußhemd. Täglich wohnte er dem Gottesdienst und in der Nacht dem Chorgesang bei, selbst auf seinen Feldzügen mussten ihn immer Geistliche begleiten und das heilige Messopfer im Feldlager halten. Mochte er noch so sehr beschäftigt sein in Staatsdiensten, niemals versäumte er seine religiösen Pflichten. Sehr gern beschäftigte er sich mit dem Lesen geistlicher Bücher, selbst während der Mahlzeit ließ er sich aus dem Werk des heiligen Augustinus, „die Stadt Gottes“, abschnitte vorlesen. Oft saß er zu den Füßen seines Lehrers Alkuin, um von ihm zu lernen. Allen Armen und Hilfsbedürftigen nicht nur in seinem weiten Reich, sondern auch in den fernsten Ländern, teilte er so reiche Almosen aus, dass sein Schatz oft erschöpft war.
Die letzten Lebenstage Karls des Großen wurden durch den schmerzlichen Verlust seiner beiden hoffnungsvollsten Söhne, Pipin und Karl, getrübt. Als er seinen baldigen Tod verspürte, ließ er seinen Sohn Ludwig nach Aachen kommen, versammelte die Bischöfe und Großen des Reiches in der prachtvollen, von ihm erbauten Marienkirche, legte seine Kaiserkrone auf den Altar, bestimmte Ludwig zu seinem Nachfolger und legte ihm feierlich seine Regentenpflichten ans Herz mit den Worten: „Liebe Gott und halte heilig seine Gebote! Trage Sorge für die Kirche Jesu Christi und schütze sie alle Zeit gegen Boshafte! Ehre die Priester als deine Väter und liebe die Untertanen wie deine Kinder! Den Klöstern und Armen sei ein Tröster, wähle nur gerechte und gottesfürchtige Richter und betrage dich selbst vor Gott und den Menschen unsträflich!“ Nachdem Ludwig dies zu befolgen mit lauter Stimme versprochen hatte, fuhr er fort: „Nimm nun die Krone vom Altar als aus der Hand Gottes, setze sie dir selbst auf zum beständigen Andenken an dein Gelöbnis!“
Nur wenige Monate nach der Krönung Ludwigs ergriff Karl ein heftiges Fieber. Da ließ er den Bischof Hildbold, seinen Vertrauten, rufen und empfing aus seiner Hand die letzte Wegzehrung. Am folgenden Morgen, den 28. Januar 814, fühlte er die Annäherung des Todes. Mit letzter Kraftanstrengung drückte er das Zeichen des heiligen Kreuzes auf Stirn und Brust, legte dann die Hände gefaltet auf der Brust zusammen und sang mit geschlossenen Augen und leiser Stimme: „Vater, in deine Hände empfehle ich meinen Geist!“
So entschlief der große Mann im zweiundsiebzigsten Lebensjahr, nach einer sechsundvierzigjährigen glorreichen Regierung. In vollem Kaiserschmuck, mit Krone und Zepter, ein goldenes Evangelienbuch auf den Knien, ein Stück des heiligen Kreuzes auf dem Haupt, die goldene Pilgertasche um die Hüfte, auf einem goldenen Stuhl sitzend, wurde er in der Gruft der Münsterkirche zu Aachen feierlich beigesetzt. Noch lange lebte der Name des großen Karl in den Sagen und Liedern des Volkes fort und viele Jahrhunderte hindurch knüpfte man alles Große und Schöne an den Namen Karls des Großen.
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Aus dem Marianischen Festkalender, Regensburg 1866:
Karl war der Sohn des Frankenkönigs Pipin des Kleinen und dessen Gemahlin Berta, einer griechischen Prinzessin. Er wurde am 2. April 742 geboren. Von seiner Mutter lernte er die griechische Sprache, von seinen Lehrern die lateinische, in der er perfekt sprechen konnte. Ebenso perfekt sprach er die deutsche und fränkische Sprache. Sein Lehrer war der berühmte Alkuin. Von ihm lernte er auch die Sternkunde. Vor allem aber wurde er in der Lehre des Heils gründlich unterrichtet. Die Heilige Schrift des Neuen Testamentes konnte er größtenteils auswendig. Er dichtete mehrere Gesänge und wurde ein trefflicher Redner. Zugleich verlegte er sich auf die Kriegswissenschaft und trat mit fünfzehn Jahren den Kriegsdienst an.
Nach dem Tod seines Vaters 768 wurde er zum König gekrönt. Anfangs regierte er mit seinem Bruder Karlmann dem Jüngeren das Frankenreich. Nach Karlmanns Tod wurde er 771 Alleinherrscher. Er hatte sich ungeachtet der Abmahnung des Papstes Stephanus mit der Tochter des Longobardenkönigs Desiderius vermählt. Diese Ehe wurde als ungültig erklärt, und die Tochter ihrem Vater zurückgesendet. Darauf verehelichte sich Karl mit Hildegardis, der Tochter eines Großen im Schwabenland. Diese gebar ihm drei Söhne und drei Töchter.
Im Jahr 799 hatte Papst Leo III. in seinen Bedrängnissen zum Frankenkönig Karl seine Zuflucht genommen und war nach Paderborn gekommen. Im darauffolgenden Jahr unternahm Karl den großen Römerzug zum Schutz des Papstes. Hier wurde er am Weihnachtsfest, als er eben dem Gottesdienst beiwohnte, vom Papst als Kaiser des Abendlandes gekrönt und als Schirmvogt der Kirche erklärt. Das ganze Volk jubelte und rief ihm zu: "Dem von Gott gekrönten Carolus Augustus, dem großen und friedfertigen Kaiser der Römer Leben und Sieg!"
Merkwürdig ist die Bekehrung des Sachsenherzogs Wittekind. Er hatte sich lange gegen die Annahme des Christentums gesträubt. Da kam er einst am heiligen Osterfest als Bettler verkleidet in das Lager der Franken, um darin auszuspähen. Eben wurde Gottesdienst gefeiert und die heilige Kommunion ausgeteilt. Der mächtige Kaiser Karl lag auf seinen Knien vor dem Altar, durch Demut und Andacht ausgezeichnet vor allen. Dies machte einen solchen Eindruck auf den Herzog, dass er sogleich Belehrung über das erhabenste Geheimnis des Christentums verlangte und aus freier Überzeugung den Glauben annahm. Von nun an war er ein treuer Vasall des Kaisers.
Als Schützer der Kirche nahm der Kaiser sich nicht bloß des Papstes in seiner Bedrängnis an, sondern er errichtete neun neue Bistümer und sorgte dafür, dass die Neubekehrten tüchtige Bischöfe und Seelsorger erhielten.
In Übereinstimmung mit dem Oberhaupt der Kirche gab der große Kaiser Gesetze zur Ordnung der kirchlichen Zucht und der christlichen Sitte. Er ordnete die Sammlung der Episteln und Evangelien an, die an den Sonn- und Festtagen des Jahres den Gläubigen vorgelesen und erklärt werden sollen. Diese Anordnung besteht noch bis auf den heutigen Tag und ist so ausgezeichnet, dass sie selbst ein protestantischer Theologe des 18. Jahrhunderts ein Werk göttlicher Eingebung nennt. Durch einen gewissen Diakon Paulus ließ er die Lebensgeschichten der Heiligen zusammenschreiben, damit man sie an den treffenden Tagen den Gläubigen vorlesen konnte. Ebenso veranstaltete er eine Sammlung der Konzilsbeschlüsse, woraus die Geistlichen die Gesetze und Anordnungen der Kirche lernen konnten.
Die Verherrlichung des Gottesdienstes lag ihm ganz besonders am Herzen. Er erbaute Kirchen und versah sie mit notwendigem Schmuck. Von den Geistlichen verlangte er, dass sie über die Reinlichkeit aller Kirchengeräte wachen und die Zierde des Hauses Gottes lieben sollten. Er beförderte mit allem Eifer den Chor- und Psalmengesang. Immer sang er selber mit, wenn er dem Chor beiwohnte, was in den letzteren Jahren seines Lebens fast alle Tage geschah. Hörte er einen falsch singen, so wies er ihn zurecht.
Die von diesem großen Fürsten erbaute Kirche ist heute noch das Ziel häufiger Wallfahrten. Von allen Seiten ziehen die Gläubigen in Menge dahin, um dort die Barmherzigkeit und Macht Mariä anzurufen.
Die letzteren Jahre seines Lebens widmete der mächtige Kaiser, wie schon erwähnt, ganz vorzüglich den Werken der Buße und der Andacht. In seinem eigenen Haus wurden ihm, wie einst dem König David, viele Leiden bereitet, die er mit bewunderungswürdiger Geduld ertrug. Sein ruhmvolles Leben beschloss der große Kaiser den 28. Januar 814 in einem Alter von zweiundsiebzig Jahren, nachdem er siebenundvierzig Jahre das Reich der Franken regiert und vierzehn Jahre die römische Kaiserkrone getragen hatte. Er starb zu Aachen. Seine Leiche wurde in dem von ihm daselbst erbauten Dom beigesetzt.
1. Das Leben im Glauben erhebt das Herz über alle wandelbaren Dinge dieser Welt, um es mit Jesus, dem Urheber und Vollender unseres Glaubens, vollkommen zu vereinigen. Sehr liebevoll spricht der Apostel hierüber: "Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir. Soweit ich aber jetzt noch in dieser Welt lebe, lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich für mich hingegeben hat." (Galater 2,20) Wer in diesem Glauben, in dieser innigen Vereinigung lebt, und der Liebe Jesu sich vollkommen zum Opfer gebracht hat, der lebt im Glauben des Sohnes Gottes wie ein Kind im Schoß der liebenden und geliebten Mutter, in großer Ruhe und in einem seligen Frieden, den nichts auf dieser Welt zu erschüttern vermag.
2. Belebe deinen Glauben durch lebendige Liebe. Denn wie dieser liebeflammende Apostel, also kannst auch du in voller Wahrheit sagen: "Er hat mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben." Nicht einen Engel, nicht einen Cherub, sich selbst hat er zum Opfer für dich hingegeben. Denn nur in so fern konnte Judas ihn verraten, als er selbst sich wollte verraten lassen. Nichts auch konnte die gottesmörderische Synagoge ihm antun, außer was er ihr erlaubte. Denn "er wurde geopfert, weil er selbst es wollte". (Jesaja 53) Freiwillig gab er, der gute Hirt, sein Leben für seine Schafe.
3. Unermesslich war das Leiden Jesu, aber noch unermesslicher seine Liebe. Er starb für alle, und starb für dich insbesondere. Denn so lebendig war sein Verlangen, jede einzelne Seele von der ewigen Verdammnis zu erretten, dass er mit Freuden für jede einzelne den Tod erlitten hätte, wenn nicht die Hochverdienste seines einen göttlichen Opfertodes unendlich und überreichlich gewesen wären, alle Sünder zu erlösen. Diese Betrachtung durchdrang alle heiligen Seelen so tief, dass ihr Herz in unsagbarer Liebe sich auflöste. Und erwägst du diese ergreifende Wahrheit, dann wirst auch du mit dem nämlichen Apostel ausrufen: "Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Not oder Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert? Denn ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten der Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn." (Römer 8,35.38+39)
Demütigste Jungfrau Maria, durch deine Demut hast du deinem Gott so große Liebe zu dir gegeben, dass du ihn sogar dadurch bewogen hast, dein Sohn und unser Heiland zu werden. Ich weiß es, dass dein Sohn dir nichts abschlägt, um was du ihn bittest. Sage ihm also, dass ich ihn allein lieben will. Bitte ihn, er möge mir alle Beleidigungen, die ich ihm zugefügt habe, vergeben, bitte ihn, er möge mir die Gnade der Beharrlichkeit im Guten verleihen. Mit einem Wort, empfiehl ihm meine Seele, denn ein Sohn, der dich so innig liebt, kann dir nichts abschlagen. O Maria, du musst machen, dass ich selig werde, du bist meine Hoffnung. Amen.
Zu Gott auf Fürbitte der heiligen Angela
O Gott, der Du die heilige Angela zum Unterricht der Jugend ihres Geschlechtes berufen hast, gib uns durch ihre Verdienste und Fürbitte die Gnade, Dich über alles, und den Nächsten deinetwegen zu lieben, und ihn zu allem Guten anzuweisen, damit wir einst von Dir in den Himmel aufgenommen werden, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Der heilige Johannes,
Bischof, wegen seiner Beredsamkeit Chrysostomus, d.h. Goldmund genannt, wurde öfters durch lauten Beifall seiner Zuhörer unterbrochen. "Ihr lobt meine Predigt", sagte er einmal, "hört lieber still und aufmerksam zu, und tut dann, was ich euch lehre."
Lassen wir niemals den Samen des göttlichen Wortes nutzlos auf das Erdreich unserer Seele fallen, dass es nicht einst gegen uns aufstehe am Tag der ewigen Ernte, und uns richte als treulose Knechte, die den Willen ihres Herrn wohl erkannten, aber nicht befolgten.
Prüfe dich besonders über zwei Fehler: Das göttliche Wort mehr auf andere als auf sich selbst anzuwenden, und dann leichtsinnig, ohne Andacht und Ehrerbietung davon zu reden, etwa den Prediger, seine Person, Stimme, Vortrag zu beurteilen.
Bete darum, Nutzen aus der Predigt zu ziehen.
Höre Gottes Wort und wend es auf dich an,
Dann gehst du auf der rechten Bahn.
Andenken an die seligste Jungfrau
An diesem Tag im Jahr 1611 wurde das berühmte Bildnis der seligsten Jungfrau, das der heilige Lukas gemalt hat, aus der Kirche Maria Major zu Rom in die Kirche auf dem Berg Esquilinus mit großer Pracht unter Papst Paul V. übertragen.
Nach dem Tod des Papstes Martinus, wurde der heilige Vitalianus am Ende des Monats Juli im Jahr 656 zu dessen Nachfolger erwählt. Er war zu Segin in Italien geboren und hatte sich durch ein heiliges Leben und durch eine tiefe Gelehrsamkeit unter seinen Zeitgenossen ausgezeichnet. Mutig verteidigte er gegen die Feinde der Kirche die Reinheit der christlichen Lehre und hielt auf strenge Ordnung bei seiner Geistlichkeit. Den Bischof von Ravenna, den er fruchtlos zum schuldigen Gehorsam ermahnt hatte, belegte er mit dem Kirchenbann, und Ferrara erhob er zu einem Bischofssitz. Als sich die griechischen Bischöfe gegen ihn empörten und ihn nicht als Oberhaupt der Kirche anerkennen wollten, wendete er sich an den Kaiser, indem er eine verderbliche Trennung befürchtete und durch dessen Verwendung wurde der Friede erhalten. Er war ein wachsamer Kirchenhirt und sorgte vorzüglich für die Verbreitung des Christentums in England, weswegen unter seiner Regierung in Frankreich, Spanien und England viele Kirchenversammlungen gehalten wurden. Durch seine Bemühungen wurde der Kirchengesang verbessert und in Ordnung gebracht und, wie mehrere Schriftsteller behaupten, führte er beim Gottesdienst die Orgeln ein. Vierzehn Jahre und sechs Monate regierte er die Kirche Christi mit ausgezeichnetem Ruhm und stand sowohl beim Kaiser und anderen christlichen Regenten in einem so hohen Ansehen, dass er von ihnen für die Kirche wichtige Begünstigungen und Freiheiten erhielt. Er starb am 27. Januar im Jahr 672.
Zu Desenzano, am südlichen Gardasee, wurde die spätere Gründerin der Ursulinen am 21. März 1474 geboren. Den Frauenorden, der sich insbesondere um die Erziehung und den Unterricht der Mädchen kümmert, gründete sie 1535. Angela Merici stellte ihn unter das Patronat der heiligen Ursula und wurde 1537 zur ersten Oberin der Ursulinen gewählt. Sie starb am 27. Januar 1540 zu Brescia in Oberitalien.
„Angela wurde 1470 zu Desenzano am Gardasee von unbemittelten Eltern geboren und in heiliger Gottesfurcht erzogen. In ihrem Herzen lag der gesunde Keim einer tiefen Religiosität, der von dem Eifer und der Wärme ihrer frommen Mutter geweckt und gepflegt, im friedlichen und wohlgeordneten Familienkreis gar lieblich sich entfaltete. Sie hatte zierliche blonde Haarlocken, welche in Italien für eine auszeichnende Schönheit gelten, ihr süße Schmeicheleien eintrugen und natürlich auch die Prophezeiung, dass sie einen reichen Mann bekommen werde; aber sie wollte nur Gott und nicht der Welt gefallen und – färbte ihren Hauptschmuck schwarz. Nur zu bald verhüllte eine finstere Wolke die Maisonne ihres jugendlichen Glückes, das kalte Grab schloss sich über den teuren Leichen ihrer Eltern, und sie kam mit ihrer inniggeliebten Schwester zum Oheim nach Salo.
Hier hatten sie zwar volle Freiheit, dem Gebet und frommen Übungen sich hinzugeben; aber der Drang nach vollkommener Einsamkeit verleitete die Schwestern zu der jugendlichen Unbesonnenheit, dass sie heimlich das Haus verließen und einige Stunden von Salo entfernt in einer Höhle sich verbargen. Der besorgte Oheim fand sie nach langem Suchen und führte die Reumütigen wieder heim. Sie lebten nun so abgeschieden von der übrigen Welt und in so heiliger Schwesterliebe, dass man sie die „zwei Turteltauben von Salo“ hieß. Aber kurze Zeit darauf zerschnitt der Tod das schöne Liebesband; Angela weinte bittere Schmerzenstränen an dem blumenbekränzten Grab ihrer teuren Schwester, das sie Tag und Nacht fast nicht verlassen konnte. Doch Gottes Güte heilte diese Wunde mit der Hoffnung des Wiedersehens und gab ihr den Mut, Ihn allein aus ganzem Herzen zu lieben. Sie empfing – schon dreizehn Jahre alt – die erste heilige Kommunion und fand in dem „Brot der Engel“ eine solche Süßigkeit, dass sie, um öfters kommunizieren zu können, in den Dritten Orden des heiligen Franz von Assisi eintrat. Jesus in der heiligen Hostie war ihr Alles, ihr Höchstes, ihr Liebstes, weshalb sie das Fasten und die Abtötung in Kleidung und Wohnung mit äußerster Strenge beobachtete.
Nach dem Ableben des Oheims begab sich Angela in ihre Heimat Desenzano, entschlossen, sich dem religiösen Unterricht der weiblichen Jugend zu widmen. Darin wurde sie bestärkt durch ein Gesicht, womit sie während des Gebetes begnadigt wurde. Sie sah eine Schar glänzender Jungfrauen mit Kronen auf dem Haupt und Lilien in den Händen, links und rechts von Engeln begleitet, auf einer Leiter zum Himmel emporsteigen und hörte eine Stimme: „Angela, du wirst die Erde nicht verlassen, bis du einen Verein von Jungfrauen, wie du sie jetzt geschaut, wirst gestiftet haben.“ Sie schloss sich an einige Ordensschwestern an, versammelte die jungen Mädchen des Ortes zu gewissen Stunden und unterrichtete sie im Katechismus und im frommen Leben. Ihr Beginnen wurde von Gott außerordentlich gesegnet; die Sittsamkeit, die Demut, die Frömmigkeit ihrer Schülerinnen erregte die allgemeine und freudigste Aufmerksamkeit; die Väter und Mütter kamen von allen Seiten zu ihr, sie um Rat zu fragen und um ihre Belehrung und ihr Gebet zu bitten. Sie wurde in die Hauptstadt des Landes, nach Brescia, berufen, um dort Schulen einzurichten, was ihr gut gelang.
Immer klarer wurde ihr das Bedürfnis eines religiösen Vereines für diesen so wichtigen Zweck des Unterrichts. Um den Beistand Gottes dazu sich zu erflehen, wallfahrtete sie nach Jerusalem. Auf dem Weg verlor sie das Augenlicht, aber nicht das Gottvertrauen. An der Hand einer Führerin kam sie in das Heilige Land, nach Bethlehem, an den Ölberg, auf Golgatha, schaute mit den Augen des Geistes die Geheimnisse der göttlichen Liebe und ehrte mit der Glut des Herzens die Wege des kreuztragenden Erlösers. Auf der Rückfahrt wurde das Schiff auf die Insel Candia verschlagen, wo in der Nähe des Hafens ein wundertätiges Kruzifix, viel besucht von Andächtigen, stand. Angela kniete flehend vor dasselbe, fand Erhörung und stand mit gesunden Augen auf. Voll des Dankes pilgerte sie nach Rom, um den Jubiläumsablass des Jahres 1525 zu gewinnen; Papst Clemens VII. nahm sie huldvoll auf, prüfte ihre gotterleuchtete Weisheit und spendete ihr den apostolischen Segen zu dem Werk, das die göttliche Vorsehung ihr aufgetragen hat. Sie verweilte einige Zeit noch in Cremona und legte dann in Brescia den Grund zu dem verdienstreichen Orden, der sie als Stifterin verehrt.
Am 25. November 1535 kommunizierte Angela in der Sankt-Afra-Kirche zu Brescia mit zwölf gleichgesinnten Jungfrauen zur Besiegelung ihres Schwesternbundes, sich ganz dem Dienst des göttlichen Kinderfreundes zu widmen. Am gleichen Tag gesellten sich noch fünfzehn andere zu ihnen, und diese siebenundzwanzig Schwestern waren das Weizenkorn, aus dem so viele Konvente in den katholischen Ländern aufsprossten. Angela stellte sie unter den Schutz der heiligen Ursula, und nannte sie „Ursulinen“, um ihren Namen desto sicherer zu verbergen. Der Zweck dieses Vereines war, nicht in klösterlicher Stille ein beschauliches Leben zu führen, sondern im Schoß der Familie zu bleiben, die jungen Mädchen in den Häusern in der Religion zu unterweisen, vor Gefahren zu hüten, Armen und Kranken beizustehen, Zucht und Sittlichkeit zu fördern. Sie verfasste eine Regel, welche der Kardinalbischof von Brescia prüfte und – ohne ein Wort zu ändern – als eine göttliche Eingebung genehmigte und die Papst Paul III. bestätigte.
Schnell mehrte sich dieser Verein auf sechsundsiebzig Mitglieder und wählte Angela trotz ihres Widerstrebens zur Oberin. Sie leitete ihn drei Jahre lang mit jener Weisheit des Geistes und mit jener Innigkeit der Liebe, welche nur engelreinen Seelen eigen ist: dann gefiel es Gott, die weitere Sorge für diese Genossenschaft selbst zu übernehmen und die treue Dienerin am 27. Januar 1540 in die ewige Ruhe heimzurufen.“
Angela wird in Ordenstracht, junge Mädchen unterrichtend, abgebildet. Manche Darstellungen zeigen sie auch mit Kreuz, Rosenkranz und einem offenen Buch.
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Das Leben der heiligen Angela Merici zeigt die wunderbaren Wege der göttlichen Vorsehung, die die Menschen mild und stark zu ihrem Ziel leitet. Gott führte Angela zu einem Beruf, der bis dahin von Frauen noch wenig gepflegt wurde, der ihnen aber einen großartigen Wirkungskreis eröffnete, in dem Tausende von christlichen Frauen unermesslich viel Gutes zum Segen der ganzen Welt gewirkt haben.
Unbeschreibliches Elend kam über die Völker Europas durch die Glaubensneuerer des 16. Jahrhunderts. Eine Hauptursache der raschen Ausbreitung der Irrlehren war die religiöse Unwissenheit; diese bestand vielfach nicht bloß in den deutschen Ländern, sondern teilweise auch in den romanischen, in Oberitalien und anderen. In Mailand zum Beispiel kannten viele Leute nicht einmal das Vaterunser und das Ave-Maria, geschweige denn die Zehn Gebote und die Glaubensartikel. Dies trug dazu bei, dass viele Gebildete sich dem Protestantismus zuwandten, der den verwilderten Sitten und Leidenschaften freie Bahn ließ.
Diesem Elend konnte nur abgeholfen werden durch gründlichen Unterricht in religiösen Dingen, dazu erweckte Gott neue Orden, wie die Gesellschaft Jesu durch den hl. Ignatius. In demselben Jahr 1535, als Ignatius auf dem Montmartre (Marterberg) zu Paris den ersten Grundstein zu seiner „Compagnia di Jesu“, zur „Gesellschaft Jesu“, legte, gründete in Brescia die hl. Angela die „Compagnia di santa Orsola“, die „Gesellschaft der heiligen Ursula“. Da muss man unwillkürlich an das Wort von Papst Paul III. denken, das bald darauf gesprochen wurde: „Das ist der Finger Gottes.“
Angela war damals bereits 61 Jahre alt. Die reichen Erfahrungen eines wechselvollen Lebens kamen ihr und der neuen Gesellschaft sehr zustatten.
Angelas Wiege stand am lieblichen Gardasee, wo sie am 21. März 1474 in dem Städtchen Desenzano das Licht der Welt erblickte und fromm erzogen wurde. Mit fünfzehn Jahren verlor sie ihre vortrefflichen Eltern und kam mit ihrer Schwester zu einem Onkel. Begeistert von dem Einsiedlerleben der alten Mönche, begaben sich die beiden Mädchen eines Tages zu einer Felsenhöhle, um dort das Leben der Einsiedler nachzuahmen; dies dauerte einige Zeit, bis sie der besorgte Onkel suchte und fand; er nahm sie in seine Familie zurück und ließ ihnen eine standesgemäße Ausbildung zuteilwerden.
Als Angela auch ihre Schwester und den Onkel durch den Tod verlor, kehrte sie nach Desenzano zurück. Um ein Leben der Christusliebe führen zu können, entsagte sie dem väterlichen Erbe und wählte das Kleid und die Regel des Dritten Ordens vom hl. Franziskus. Heftige innere Leiden und Stürme überwand sie mutig und treu durch die Waffe des Gebetes und durch Werke der Buße. Dadurch wurde sie geprüft und geläutert und vorbereitet für Gottes Pläne. Die Welt war für sie überwunden; Christus allein war ihr Trost und ihre Kraft, die Freude und Schönheit ihres Lebens; mit ihm vereinigte sie sich jeden Tag in der heiligen Kommunion.
So verlebte sie zwanzig Jahre im Haus ihrer Verwandten, verrichtete fleißig die gewöhnlichen Hausarbeiten und übte zugleich die Werke der Frömmigkeit und der Nächstenliebe. Mit besonderem Eifer widmete sie sich den Kindern. Sie übte mit ihnen die täglichen Gebete und unterrichtete sie in den Glaubenswahrheiten. Ihr Beispiel zog ähnlich gesinnte Frauen an, die sie zu gleichem Tun ermunterte. Viele Leute aus nah und fern kamen, bei ihr Trost und Hilfe zu suchen, darunter auch eine wohltätige Familie aus Brescia. Als diese von einem schweren Unglück, dem Tod ihrer Kinder, betroffen wurde, erlangte sie von den Obern der Tertiaren, dass Angela nach Brescia übersiedelte.
Die kleine, arme Zelle, die sich die Dienerin Gottes dort wählte, wurde bald der Mittelpunkt einer religiösen Erneuerung der Stadt. Zahlreiche Frauen aus den ersten Gesellschaftskreisen ließen sich durch ihr Beispiel zu einer eifrigen Nachahmung Christi begeistern und das Volk, hoch erstaunt über den Wandel Angelas, betrachtete sie fast wie einen Engel des Himmels. Fromme Frauen und edelste Männer wählten sie zu ihrer geistlichen Führerin, selbst Theologen und Fürsten, wie der Herzog Franz Sforza, suchten ihren Rat. Im Jahr 1524 machte sie aus Liebe zu Jesus eine Wallfahrt in das Heilige Land, im Jahr darauf nach Rom, um die Gnade des großen Jubiläumsablasses zu gewinnen. Papst Klemens VII. wurde auf Angela aufmerksam und legte ihr den ständigen Aufenthalt in der Ewigen Stadt nahe; doch sie glaubte, nicht darauf eingehen zu sollen; der Heilige Vater war damit einverstanden.
Im Jahr 1529 musste sie in den Kriegswirren nach Cremona fliehen. Erschöpft durch Entbehrungen und Bußübungen, wurde sie schwer krank. Die Ärzte hatten bereits jede Hoffnung aufgegeben. Schon wollte man die Sterbegebete beginnen, da richtete sich die Todkranke plötzlich auf, sprach wie verklärt über die Seligkeit der Auserwählten, als habe Gott sie einen Blick in seinen Himmel tun lassen, und war gesund.
Angela kehrte nach Brescia zurück. Um der immer weiter sich ausbreitenden Glaubens- und Sittenlosigkeit entgegenzuarbeiten, wählte sie aus ihren Freundinnen zwölf Frauen aus und weihte sich mit ihnen auf dem Monte Varallo dem gekreuzigten Gottessohn (1532); sie suchte dieselben immer mehr mit Liebe zu Jesus und seinem Geist zu durchdringen. Am 25. November 1535 stellte sie ihre Vereinigung unter den Namen und den Schutz der heiligen Ursula.
Angela beabsichtigte zunächst nicht, eine klösterliche Gemeinschaft zu gründen; auf Anraten ihres Beichtvaters und anderer erfahrener Männer und Frauen entwarf sie aber doch einen bestimmten Plan, Anweisungen und Regeln für ihre Mitarbeiterinnen und überreichte diese Regeln dem vortrefflichen Bischof von Brescia, Kardinal Franz von Cornaro, der sie am 28. August 1536 genehmigte und damit die neue und neuartige Gründung der Ursulinen sicherstellte.
Am 18. März 1537 wurde Angela trotz ihres Alters und ihrer Gegenvorstellungen zur ersten „Mutter“ oder Oberin gewählt. Unter ihrer umsichtigen, liebevollen Leitung vermehrte sich rasch die Mitgliederzahl der Genossenschaft. Die Liebe Gottes und der Eifer für das Wohl der Seelen waren der Beweggrund all ihrer Handlungen. „Eher helfen als befehlen, mehr geliebt als gefürchtet werden“, dieses Wort des hl. Augustin an eine Klosterfrau war der Grundton ihrer Leitung.
Auch als Oberin änderte sie nichts an ihren Gewohnheiten. Sie blieb die demütige Magd, die für sich die geringsten Arbeiten aussuchte; sie blieb die strenge Büßerin wie vordem in Fasten und Nachtwachen und Abtötungen jeder Art; sie blieb die innige Beterin. Täglich empfing sie die heilige Kommunion. Der Verkehr mit ihrem Herrn und Schöpfer wurde noch mehr ihre Lebensader, da sie für so viele zu sorgen hatte. Fand die Heilige während des Tages keine Zeit zum Gebet, so waren ihr die stillen Stunden der Nacht gerade recht, sich in Gott zu versenken. So blieb Angela auch die allzeit Freundliche, die für jeden ein Wort der Aufmunterung und des Trostes hatte, für alle Rat und Hilfe suchte. Neben hohen Gästen kamen fast alle Armen zu ihr; und sie, die selbst von Almosen lebte, fand stets noch ein Mittel, anderen zu helfen.
Ein heiliger Tod krönte Angelas heiliges Leben. Es war gegen Ende des Jahres 1539, da sie sich wegen eines leichten Fiebers legen musste. Ihre Umgebung, auch der Arzt fand nicht Beunruhigendes; aber die Heilige wusste, dass ihre letzte Stunde nahte. Sie traf alle notwendigen Verordnungen. Am 25. Januar nahm die Schwäche auffallend zu, dass man dem Verlangen der Sterbenden nach der letzten Wegzehrung entsprach. In heiliger Andacht und tiefster Freude sah Angela dem Heiland und Erlöser entgegen, der seit ihrem 18. Lebensjahr fast täglich zu ihr als seiner reinen Braut gekommen war. Als wollte sie ihren Herrn und Gott nicht mehr lassen, kreuzte sie nach Empfang der heiligen Kommunion die Arme über der Brust. Die Welt war ihr versunken.
Die Heilige verschied am 27. Januar 1540, im Bußkleid des Dritten Ordens auf einer Strohmatte liegend und mit friedlich heiterer Miene dem sterbenden Christus die Worte nachbetend: „Vater, in deine Hände empfehle ich meinen Geist.“
Ihr Leichnam blieb durch vierzig Tage unbeerdigt, aber nicht die geringste Spur von Verwesung zeigte sich, vielmehr verbreitete er einen lieblichen Wohlgeruch um sich; er wurde dann in der Kirche von St. Afra in Brescia beigesetzt. Sie wurde 1768 selig- und am 24. Mai 1807 heiliggesprochen. Das Fest wurde auf den 31. Mai festgesetzt.
Die Bestätigung ihres Ordens geschah am 9. Juni 1544 durch Papst Paul III., denselben, der am 27. September 1540 die Gesellschaft Jesu bestätigt hatte.
Wohl war die Heilige überzeugt, dass Gott ihre Gründung nicht verlassen werde, solange die Welt steht, aber die herrliche Zukunft ihrer Schöpfung, ihr großartiges Wirken in vielen Ländern, ihre gesegneten Erfolge konnte sie nicht ahnen. In ihrem „Testament für die Vorsteherinnen“ und ihre „letzten Ermahnungen an ihre geistlichen Töchter“ hat sie ihnen ein reiches Kapital gediegener Lebensweisheit und christlicher Erziehungskunst hinterlassen. „Jesus Christus sei eure einzige Liebe“, war ihre stete Mahnung, die sie vor allem selbst ihr Leben lang befolgte. Gott hat Angela Merici auserwählt zu seinem Werkzeug, zu einer Führerin ihres Geschlechtes für Mit- und Nachwelt, neben Ignatius von Loyola zu einer wahren Reformatorin des 16. Jahrhunderts, darum wird ihr Name stets mit goldenen Lettern in den Büchern der Kirche stehen.
1. "Meine Seele, warum bist du betrübt und bist so unruhig in mir?" (Psalm 42,12a) Sind wir nicht des Herrn, ob wir leben oder sterben? Sieh, nun ist die Stunde erschienen, deinem Gott die Treue zu bezeigen, die du so oft ihm versprochen hast. Weichen wir also nicht zurück, sondern sprechen wir aus freiem, aufrichtigem Gemüt: "Herr, dein Wille geschehe!" Welche sichere Zufluchtsstätte in allen unseren Schmerzen ist diese heilige Ergebung in den Willen unseres Gottes. Kein größeres Opfer können wir ihm bringen, als wenn wir seinem heiligsten Willen uns auf Leben und Tod übergeben. Ein vollkommenes Opfer ist dies, das er mit wunderbaren Gnaden und himmlischen Belohnungen aufwägt.
2. Nicht verwehrt zwar ist der Natur die Klage über ihr Leiden. Ja erlaubt auch ist ihr selbst die Bitte um Entfernung des bitteren Kelches, wenn anders sie mit Unterordnung unter den Willen ihres Schöpfers klagt und bittet. Niemand liebt uns inniger als er. Niemand weiß besser, was uns heilsam ist. Niemand auch ist bereitwilliger, uns zu helfen, wenn wir wahrhaftes Vertrauen zu seiner väterlichen Güte haben. Will er aber durch Trübsale uns heimsuchen, und für unsere Sünden als ein milder Vater uns bestrafen, so umfangen wir seine Strafrute mit Danksagung und Liebe, "denn weit weniger fordert er von uns, als unsere Missetaten verdienen".
3. Hefte den Blick fest auf deinen göttlichen Heiland, der in allen Mühsalen seines sterblichen Lebens aufs Innigste mit dem Willen seines himmlischen Vaters vereint war. Er sah in seinem heiligen Todeskampf das ganze abgrundtiefe Leiden vor sich, das ihm bereitet war, und seine menschliche Natur entsetzte sich darüber bis zu blutigem Schweiß. Dennoch aber siegte seine vollkommene Gleichförmigkeit mit dem Willen seines himmlischen Vaters, und er sprach: "Nicht wie ich will, sondern wie du!" Wie lieblich tönt dieser Gesang in den Ohren Gottes. Wie leicht ist das Reinigungsfeuer der Krankheit für eine Gott vollkommen ergebene Seele. Denn wenig oder nichts mehr bringt sie zur Reinigung in die Ewigkeit mit. Matthäus 26,42: "Dann ging er zum zweiten mal weg und betete: Mein Vater, wenn dieser Kelch an mir nicht vorübergehen kann, ohne dass ich ihn trinke, geschehe dein Wille."
Du große Mutter Gottes, bitte Jesus für mich. Sieh, wie elend ich bin, habe Mitleid mit mir. Bitte für mich und werde nicht müde, für mich zu bitten, bis du mich selig im Himmel siehst. O Maria, du bist meine Hoffnung, verlasse mich nicht. Heilige Gottesgebärerin, bitte für uns. Amen.
Zu Gott
O Gott, flöße uns Ehrfurcht gegenüber der heiligen katholischen Kirche, unserer Mutter, ein. Gib, dass wir sie stets hören und nach ihren Lehren leben, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Der heilige Polykarp,
Bischof und Martyrer. Er stand vor dem Richter, der zu ihm sprach: "Vom Feuer werde ich dich verzehren lassen, wenn du Christus nicht verleugnest!" - "Du drohst," antwortete Polykarp, "mit dem Feuer, das ein Weilchen brennt und bald verlischt, und weißt nichts vom ewigen Feuer, das die Bösen erwartet."
Das Feuer, das Polykarp erwähnt, quält die Verdammten in der Hölle und die Gerechten im Fegfeuer, nur dass das Fegfeuer nicht ewig währt. Die geringste Pein dort übersteigt das größte Leiden hier.
Prüfe dich über deine lässlichen Sünden! - Man brennt im Fegfeuer wegen freiwilliger Zerstreuungen im Gebet, unreiner Absicht und Nachlässigkeit bei täglichen Werken, wegen der unnützen Worte, kleinen Unwahrheiten, Unehrerbietigkeit gegenüber Eltern und Vorgesetzte, Ungeduld, Versäumter Werke der Barmherzigkeit etc.
Bete um heilsame Erinnerungen an das Fegfeuer.
Das kleinste Böse muss gebüßet sein,
Im Feuer einst wirst dort von Sünden rein.
Andenken an die seligste Jungfrau
An diesem Tag im Jahr 1618 wurde die große türkische Flotte, die die Stadt Loretto überfallen wollte, durch die Fürbitte der seligsten Mutter Gottes von einem starken Ungewitter zerstreut und zerstört, wofür die Einwohner zu Loretto an diesem Tag Gott und der seligsten Jungfrau in ihrer dort so berühmten Kirche Dank gesagt haben, wie dies ein in der dortigen Kirche noch befindliches Bild anzeigt.
Die Mutter von fünf Kindern verlor früh ihren Gatten. Trost und Hilfe in diesem Leid kam aus dem Kreis der heiligen Witwe Marcella, die sich auch mit dem heiligen Hieronymus bekannt machte. Paula erwählte den Heiligen zu ihrem Seelenführer und folgte diesem 385 zusammen mit ihrer Tochter nach Bethlehem.
Mit Hieronymus besuchte sie gemeinsam die heiligen Stätten und die Einsiedler in der Nitrischen Wüste. Ab 386 weilte sie ständig in der Geburtsstadt des Herrn und gründete und leitete dort ein Mönchs- und drei Nonnenklöster.
Paula starb 404 in Bethlehem.
Pilgerstab, Geißel, Kürbisflasche oder ein Weihwasserwedel können ihre Attribute sein. Manchmal trägt sie auch einen Pilgerstab in der Hand oder ist in die Betrachtung der Heiligen Schrift versunken.
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Aus dem römischen Martyrologium:
Diese im 3. Jhd. So berühmte Heilige wurde in Rom aus einer der ältesten adeligen Familien geboren, denn ihr Vater Rogatus stammte aus einem griechischem Geschlecht, welches den Agamemnon zum Stammvater hatte, und ihre Mutter Blesilla zählte die Grachen und Scipionen unter ihre Vorahnen. Als Paula nach einer fromm verlebten Jugend zur Jungfrau herangewachsen war, wurde sie mit Toxotius, einem Mann von ungeheuren Reichtümern, vermählt, dem sie fünf Kinder gebar, und nach dessen Tod sie sich gänzlich dem Dienst Gottes weihte. Sie verteilte aus Liebe zur Armut alle ihre Güter unter die Notdürftigen und ihr Haus war die Herberge aller Pilger und der Zufluchtsort der Betrübten. Als die Bischöfe der morgen- und abendländischen Kirche wegen obwaltenden Streitigkeiten nach Rom kamen, bewirtete Paula die heiligen Bischöfe Epiphanius aus Cypern und den heiligen Paulinus von Antiochia, durch deren Frömmigkeit sie so sehr begeistert wurde, dass sie sich entschloss, alles Irdische zu verlassen und in der Einsamkeit ein heiliges Leben zu führen. Nicht das Wehklagen ihrer Kinder, nicht die Tränen ihrer Freunde und Anverwandten konnten sie bewegen, in Rom zu bleiben; sie schlug ihre Augen zum Himmel empor, um dort Trost bei dem traurigen Abschied von den ihrigen zu finden und bestieg mit ihrer Tochter Eustochia ein Schiff und begab sich nach Palästina. Da besuchte sie mit glühender Andacht und unter den größten Gefahren die heiligen Orte und die Klöster in Jerusalem, Galiläa und Samaria und kam schließlich nach Bethlehem, wo sie drei Jahre lang in größter Armut eine enge Zelle bewohnte, bis sie Klöster, Krankenhäuser und Pilgerwohnungen in der Gegend erbaut hatte, wo Jesus der Heiland geboren wurde. Die Klöster besetzte sie teils mit frommen Ordensmännern, damit das Wort Gottes verkündigt und die heiligen Sakramente ausgespendet wurden, teils mit Jungfrauen aus mehreren Provinzen, die sie zur Frömmigkeit des christlichen Lebens führte. Zwanzig Jahre lang züchtigte sie ihren ohnehin schwachen Körper durch strenge Abtötungen, lebte beständig im Umgang mit Gott und starb schließlich, verherrlicht im Tod, mit den auffallendsten Wundern am 26. Januar des Jahres 404.
In der ganzen katholischen Welt, vorzugsweise aber in Rom, dem Mittelpunkt der Christenheit, wird das heutige Fest der Apostelfürsten Petrus und Paulus mit Recht wie ein zweites Osterfest gefeiert, denn im Martertod der beiden Glaubenszeugen wurde der Sieg Christi auch über das Heidentum grundgelegt. Ihr Sterbetag war der Ostertag des christlichen Rom und der Geburtstag des christlichen Abendlandes. Wie ein zweites Osterfest ist der heutige Tag.
Der heilige Apostel Petrus:
Da fährt vor zweitausend Jahren ein Boot auf den See Genezareth hinaus. Die Fischer werfen die Netze zum Fang aus. Tag für Tag tun sie es. Unter den Männern, die da mit Netz und Angel ihr Handwerk betreiben, ist einer, der Simon heißt, ohne Schulbildung, hitzig und blitzig im Wesen, aber ein kerniger Mann, ein Geradeaus, treuherzig und dienstbereit und im Übrigen nur einer von den vielen. Alles in allem, Simon, der Sohn des Jonas, ist ein unbekannter Fischer in einem verlorenen Winkel der Welt, über den nach dem Tod die Zeit hinweggehen wird, wie die Wellen des Sees die Spur seiner Barke verschlingen.
Doch da taucht eines Tages im Blickfeld des galiläischen Fischers ein Mann auf, der schon bald weitum im Land ein Stein des Anstoßes für die einen und für die anderen die Beseligende Erfüllung einer jahrhundertealten Sehnsucht sein wird. Diesem Einzigen und Herrlichen begegnet der unbekannte Fischer Simon, und als er ihm begegnet, legt der andere in freier Gnadenwahl die Hand auf ihn und nimmt ihn für sich so ausschließlich in Beschlag, dass er ihm sogar einen neuen Namen gibt. Simon hieß der Fischer, Petrus wird der Menschenfischer heißen, Petrus der Fels, auf den der Herr seine Kirche bauen will.
Es war ein etwas wackeliger Fels, dieser Simon Petrus, denn alle Liebe und Hingabe, die er ehrlich und herzlich in männlich schöner Art dem Meister entgegenbringt, können es nicht verhindern, dass derjenige, der kurz zuvor Treue bis in den Tod geschworen hat, im Augenblick der Gefahr bei der Gefangennahme Jesu schmählich flieht und eine Stunde später dreimal steif und fest behauptet, dass er diesen Menschen nicht einmal kenne.
Ein wackeliger Fels war Petrus, aber trotzdem hat ihn der Herr, weil er ihn zum Eckstein auserlesen hatte, nicht verworfen, sondern auf ihn seine Kirche gebaut, groß und mächtig, und siehe da, wenn Menschen ohne Gott selbst auf Granit bauen, stürzt der Bau einmal zusammen. Wenn aber Gott auf einen wackeligen Felsen baut, so hält der Bau jahrtausendelang.
So war es bei Petrus. Bitter hat derjenige, den der Herr des größten Vorzuges würdigte, seine Untreue bereut, und die Reue hat er mit dem Blut im Martertod besiegelt, froh, dass er wie der Meister gekreuzigt wurde und dass ihm die Gnade zuteil wurde, mit dem Haupt nach unten gekreuzigt zu werden, weil er sich der Ehre nicht würdig hielt, auf die gleiche Weise wie der Herr zu sterben.
Als dann Petrus an der Stätte, wo er gerichtet, auch begraben wurde, war das Fundament gelegt, fest und stark und unzerstörbar, so dass darauf der herrlichste Dom, den es auf Erden gibt, errichtet werden konnte, in dessen Kuppelwölbung mit goldenen Buchstaben die für alle Zeiten unlöschbaren Worte stehen: „Du bist Petrus, der Fels. Auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen.“
Doch Sankt Peters Dom zu Rom, wie herrlich und groß er auch sein mag, ist nur ein schwaches Abbild jener weit herrlicheren und größeren unsichtbaren Kirche, welche die gesamte Christenheit darstellt. Auch diese Kirche, die sich über alle fünf Weltteile erstreckt, ist gebaut und steht fest begründet auf dem Felsenmann Petrus, der ehedem ein unbekannter Fischer war, dann aber durch die Gnade Gottes seit zweitausend Jahren das Fundament ist, auf dem die Kirche steht, von der Christus gesagt hat, dass die Pforten der Hölle sie nicht überwältigen werden.
Der heilige Apostel Paulus:
Etwa um die Zeit, da der zwölfjährige Jesus mit Maria und Josef zum Tempel nach Jerusalem wallfahrtete, erblickte weitab in der kleinasiatischen Stadt Tarsus ein Kind das Licht der Welt, dem die Eltern in Anlehnung an die Heilige Schrift des Alten Testamentes den Königsnamen Saul gaben, und ein Fürst ist der Junge auch geworden, ein Fürst im Reich des Christkönigs, einer von den beiden Apostelfürsten.
Sauls Eltern waren strenggläubige Israeliten, die den Sohn in der Ehrfurcht vor dem Herrn erzogen, so dass der zwanzigjährige junge Mann, der für den Lebensunterhalt das schwere Zeltweberhandwerk erlernt hatte, nach Jerusalem übersiedelte und sich an der dortigen jüdischen Hochschule im Gesetz unterrichten ließ, um später als Gesetzeslehrer zu wirken. Es geschah das um die gleiche Zeit, da der Heiland öffentlich auftrat und den Kreuzestod starb.
Saulus hat damals den Erlöser nicht gefunden, denn er gehörte zu den halsstarrigen Juden, die den Messias nicht annahmen, sondern sich ihm widersetzten, und als sich nach dem Pfingstfest die Kirche Jesu Christi unter dem jüdischen Volk ausbreitete, entwickelte sich Saulus zu einem eifrigen Verfolger, der alle Christen, die er ausfindig machen konnte, dem Hohen Rat, der obersten Gerichtsbehörde in Israel, mit Lust und Wonne anzeigte.
Als Stephanus, der erste Martyrer, gesteinigt wurde, übergaben diejenigen, die ihn töteten, dem Saul die Kleider zum Aufbewahren, und höhnisch lächelnd, schaute der junge Gesetzeslehrer dem grausamen Werk der Steinigung zu. Kurze Zeit später war Saulus mit einem polizeilichen Aufgebot nach Damaskus unterwegs, um auch die dortigen Christen aufzuspüren und anzuzeigen.
Als allerdings der blindwütige Mann in Damaskus anlangte, war er kein Christenverfolger mehr, denn Christus war ihm unterwegs erschienen und hatte in einem einzigen Augenblick an ihm das Wunder der Bekehrung vollbracht. So gut ist das Herz des Heilandes, dass es sich selbst der ärgsten Feinde huldvoll erbarmt.
Saulus wurde Christ und ließ sich fortan Paulus nennen, das heißt auf Deutsch „der Geringe“, aber aus dem Geringen wurde später einer, der mit Petrus zu den beiden Apostelfürsten zählt. Es ist fast unglaublich, was der ehemalige wütende Christushasser in einer grenzenlosen Christusliebe geleistet hat, um das Evangelium des Gekreuzigten den Juden und den Heiden zu verkündigen.
Etwa fünfzehn Jahre lang war der körperlich schwache und stets kränkelnde Mann auf Missionsreisen unterwegs. Aneinandergereiht, legte Paulus zu Land einen Weg zurück, der zehnmal der Strecke von München nach Rom entspricht, und die Reisen des Heiligen zur See machen viermal die Entfernung von Rom nach Jerusalem aus. Von den unvorstellbaren Mühen dieser Missionsreisen aber erzählt der Apostel selbst:
„Vielerlei Mühen habe ich erduldet, häufige Kerkerhaft, Misshandlungen über alle Maßen und oftmals Todesgefahr. Fünfmal empfing ich von den Juden vierzig Streiche weniger einen. Dreimal wurde ich mit Ruten geschlagen, einmal gesteinigt, dreimal litt ich Schiffbruch, einen Tag und eine Nacht trieb ich auf hoher See. Reisen in großer Zahl, Gefahren in Flüssen, Gefahren von Räubern, Gefahren von meinem Volk ... Mühsal und Elend, schlaflose Nächte, Hunger und Durst, häufiges Fasten, Kälte und Blöße ...“
So berichtet derjenige, der sich selbst den Geringsten unter den Aposteln nennt, und doch ist dieser Mann ganz groß, und überall, wo er weilte, gründete er Christengemeinden, verkündete unablässig die Frohbotschaft vom Reiche Christi, hielt durch Briefe die fernen Glaubensbrüder bei der Stange, saß um des Glaubens willen zwei Jahre im Kerker, stand zwei weitere Jahre unter polizeilicher Aufsicht, duldete und litt, nur rastete und ruhte er nicht bis zum glorreichen Martertod am 29. Juni des Jahres 67.
Bekehrung des heiligen Apostels Paulus:
Der große Heidenapostel war ein geborener Jude, aus dem Stamm Benjamin, und empfing bei seiner Beschneidung den Namen Saul. Sein Vater wohnte zu Tarsus, der Hauptstadt Ciliciens, und war folglich ein römischer Bürger. Seine Eltern schickten ihn frühzeitig nach Jerusalem, wo ihn Gamaliel, der durch seine Kenntnisse, wie durch seine Geburt gleich ausgezeichnet war, in der genauesten Beobachtung des Mosaischen Gesetzes heranbildete. Er war ein eifriger Anhänger der pharisäischen Sekte, der strengsten aber auch der stolzesten von allen, und die am meisten im Widerspruch stand mit dem Geist der Demut, den das Evangelium so sehr empfiehlt.
Der heilige Paulus zeichnete sich vor allen seinen Altersgenossen aus durch seinen Eifer für das Gesetz und die jüdischen Überlieferungen. Und eben dieser noch unerleuchtete Eifer machte ihn zum Gotteslästerer, zum Verfolger und zum heftigsten Feind Jesu Christi. Er war zugegen beim Tod des heiligen Stephanus, und gab dazu seine Zustimmung. Er bewachte die Oberkleider derer, die ihn steinigten, und steinigte ihn so, nach der Bemerkung des heiligen Augustin, durch die Hände aller anderen. Eben dieser Vater schreibt auch die Bekehrung des heiligen Paulus, die bald darauf erfolgte, den Gebeten zu, die der heilige Diakon für seine Feinde zu Gott sandte. „Die Kirche“, sagt er, „würde niemals einen Paulus gehabt haben, wenn Stephanus nicht gebetet hätte.“
Die Priester und Vorsteher der Juden erregten in jenen Tagen eine heftige Verfolgung gegen die Kirche von Jerusalem, und Saul zeigte den bittersten Eifer, die Jünger Jesu auszurotten. Kraft der ihm vom Hohenpriester erteilten Vollmacht riss er die Christen aus ihren Häusern, legte sie in Fesseln, schleppte sie in die Gefängnisse, ließ sie mit Ruten schlagen, und wandte alle Peinigungsarten an, um sie zu zwingen, den Namen Jesus zu lästern. Saul, der unseren Heiland und seine Jünger unaufhörlich als Feinde des Mosaischen Gesetzes darstellen hörte, rief Drohungen gegen die Jünger des Herrn aus und lechzte nach ihrem Blut. Er ließ sich daher vom Hohenpriester und dem Rat der Ältesten Gewaltbriefe erteilen, alle Juden, die Jesus bekennen würden, in Damaskus aufzugreifen und nach Jerusalem führen zu dürfen, um sie dort so zu züchtigen, dass alle abgeschreckt würden, ihrem Beispiel zu folgen. Sein Name allein war schon ein Schrecken für alle Gläubigen.
Eitel sind aber der Menschen Anschläge. Gott wollte auf das Gebet des heiligen Stephanus und der anderen verfolgten Gläubigen an Saul seine Langmut offenbar werden lassen. Es war um die Mittagszeit, als er sich Damaskus näherte. Plötzlich umstrahlte ihn und seine Begleiter ein Licht vom Himmel, das die Sonne selbst an Glanz übertraf. Alle sahen das Licht, und fielen, von Schrecken ergriffen, zur Erde nieder, und Saul hörte eine Stimme, die ihm ganz vernehmlich sagte, ohne jedoch von den anderen, die sie ebenfalls hörten, verstanden zu werden: „Saul, Saul, warum verfolgst du mich?“ Saul antwortete: „Wer bist du, Herr?“ Und der Herr sagte ihm: „“Ich bin Jesus von Nazareth, den du verfolgst.“ Dieser sanfte Verweis des Erlösers, begleitet von der inneren Gnadensalbung, erweichte Sauls Hartherzigkeit, löschte aus seine Verfolgungswut, heilte seinen Stolz, und schuf ihn zu einem ganz neuen Menschen um. Bebend rief er aus: „Herr, was willst du, das ich tue?“ Jesus befahl nun dem tieferschütterten Saul, sich aufzurichten und in die Stadt zu gehen, wo einer seiner Diener ihn lehren würde, was er zu tun habe. Saul erhob sich von der Erde, sah aber nichts, obgleich er seine Augen öffnete, und man musste ihn an der Hand nach Damaskus führen. Da wohnte er im Haus eines Juden mit Namen Judas, und blieb drei Tage seines Gesichtes beraubt, ohne zu essen oder zu trinken, ohne zu wissen, was Gott von ihm fordert.
Zu Damaskus war ein Jünger Jesu, Ananias mit Namen. Ihm erschien der Herr, und sagte ihm, er soll den Saul im Haus des Judas aufsuchen, wo er im Gebet begriffen sei. Der Name Saul erfüllte den frommen Ananias schon mit Entsetzen, denn er wusste alles Übel, das er den Gläubigen zu Jerusalem zugefügt hatte, und warum er auch nach Damaskus kam. Der Herr wiederholte aber diesen Befehl und sagte ihm zu seiner Beruhigung: „Gehe hin, er ist ein Werkzeug, das ich erwählt habe, meinen Namen den Heiden und Königen und Israels Kindern zu bringen. Ich will ihm kund machen, wie viel er um meines Namens willen werde leiden müssen.“ Zu gleicher Zeit sah Saul in einem Gesicht einen Mann, der zu ihm hineintrat, und ihm die Hände auflegte, dass er das Gesicht wiedererhielt. Ananias ging zu Saul, legte ihm die Hände auf und sagte: „Saul, mein Bruder, der Herr Jesus, der dir auf deiner Reise erschienen ist, hat mich hierher gesandt, damit du das Augenlicht wiedererlangst, und mit dem Heiligen Geist erfüllt wirst.“ Sogleich fiel es ihm wie Schuppen von den Augen, und er sah. Ananias setzte noch bei: „Der Gott unserer Väter hat dich vorherbestimmt, seinen Willen zu kennen, um den Gerechten zu sehen, und die Worte aus seinem Mund zu hören. Denn du sollst ihm Zeugnis geben vor allen Menschen, von allem, was du gesehen und gehört hast. Was zögerst du also? Steh auf, und lass dich taufen, und wasche ab deine Sünden durch Anrufung des Namens Gottes!“
Saul stand auf, um die Taufe zu empfangen, und kam nach einer Speise wieder zu Kräften. Er blieb dann einige Tage bei den Jüngern zu Damaskus, fing an, Jesus in den Synagogen zu predigen, und verkündete laut, dass er der Sohn Gottes ist. So wurde aus einem Lästerer und Verfolger ein Apostel und eins der Hauptwerkzeuge, deren sich Gott zur Bekehrung der Welt bediente.
Unter die Geistesmänner, die ihr ganzes Leben dem Seelenheil ihrer Mitmenschen und dem Streben nach eigener Vollkommenheit weihten, darf mit vollem Recht auch der heilige Poppo gezählt werden. Er wurde im Jahr 978 als ein Kind von sieben Monaten in Flandern geboren, wo sein Vater Tizekinus als ein ausgezeichneter Kriegsheld in hoher Achtung stand und seine Mutter Adelviva wegen ihrer Frömmigkeit berühmt war. Nach dem Tod seines Vaters, der in einer Schlacht fiel, wählte er den Soldatenstand und hatte sich durch seine Tapferkeit schon großen Ruhm erworben, als das verzweiflungsvolle Ende einiger seiner Kriegsgefährten, die ein lasterhaftes Leben geführt hatten, einen solchen Eindruck auf sein frommes Gemüt machte, dass er das Kriegsheer verließ mit dem Entschluss, sein Leben dem Dienst Gottes zu weihen. Er machte zuvor eine Wallfahrtsreise nach Palästina, wo er alle die heiligen Orte mit inniger Andacht besuchte, die durch das Leiden und Sterben des göttlichen Erlösers berühmt wurden, und als er nach seiner Rückkehr in Rom an den Gräbern der Apostelfürsten sein Gebet verrichtet hatte, begab er sich wieder nach Flandern und erwarb sich durch seine Tugenden so sehr die Liebe des Frumoldus, der erster Minister des Fürsten Balduin war, dass ihm dieser seine Tochter, eine Jungfrau von besonderer Schönheit und Unschuld, zur Gemahlin antrug. Schon waren die feierlichsten Anstalten zur Vermählung gemacht und unzählige Männer beneideten Poppo wegen seines glänzendes Glückes, als er der Versuchung entfloh, sich heimlich in das Kloster Stablo flüchtete und fußfällig den heiligen Abt Theodoricus bat, ihn unter die Zahl seiner Jünger aufzunehmen. Bald übertraf er durch seinen Eifer alle Ordensmänner und wurde zum Vorsteher des Armen- und Krankenhauses erwählt. Mit unaussprechlicher Geduld und Liebe bediente und pflegte er da die Unglücklichen und Bedrängten und wirkte durch sein Gebet viele Wunder durch Heilung der bösartigsten Krankheiten. So erhielt ein Aussätziger seine Gesundheit über Nacht, dem der Heilige seinen Mantel zur Bedeckung gab.
Allgemein verbreitete sich nun der Ruf der Heiligkeit des Dieners Gottes und der Abt Richardus bediente sich seiner, um in verschiedenen Klöstern die Missbräuche und das eingerissene Sittenverderbnis aufzuheben und die Befolgung der alten, strengen Klosterregeln wieder einzuführen. Da er dieses schwere Unternehmen mehr durch das Beispiel seiner Frömmigkeit und Demut, als durch Befehle zu Stande gebracht hatte, begab er sich wegen kirchlicher Angelegenheiten an den Hof des Kaisers Heinrich, wo er mit den größten Ehrenbezeigungen empfangen wurde und durch seine Ermahnungen die gefährlichen Faustkämpfe aufhob, an denen bisher der Kaiser so großes Vergnügen hatte. Dadurch zog er sich den Hass der Höflinge zu, die ihn sogar durch Gift töten wollten. Aber der Heilige entging durch ein Wunder ihren Nachstellungen, wie auch anderen Verfolgungen, die sittenlose Mönche ihm bereiteten, da er auf Drängen des Kaisers Heinrich die Würde eines Abtes zu Stablo und später des Klosters zum heiligen Maximin übernehmen musste.
Nach dem Tod Heinrichs bestieg Conrad den Kaiserthron und weil auch König Heinrich von Frankreich auf diese Würde gegründete Ansprüche zu haben glaubte, entstand ein verheerender Krieg, welcher aller Bemühungen der Mächtigen des Reiches ungeachtet nicht vermieden werden konnte. Da verließ schließlich der heilige Poppo seine Einsamkeit, bewirkte eine Versöhnung zwischen den beiden Regenten und wurde zur Belohnung vom Kaiser Conrad zum Bischof von Straßburg ernannt. Doch der demütige Diener Gottes hielt sich für zu unwürdig dieses heiligen Amtes und begab sich wieder auf den Weg zu seinem Kloster. Aber auf der Reise überfiel ihn ein Fieber und er starb im Kloster Marchienes 1048 im siebzigsten Jahr seines Lebens, nachdem er in einem Bußkleid auf bloßer Erde liegend, die heiligen Sterbesakramente empfangen hatte. Unter dem Wehklagen aller Ordensmänner, die ihn als ihren Vater liebten, wurde sein Leichnam nach Stablo geführt, wo er, beweint von vielen Menschen, in der Klosterkirche beigesetzt wurde
Heiliger Franz von Sales, Bischof von Genf, Ordensstifter, Kirchenlehrer, Übertragung der Gebeine: 29.1., + 28.12.1622 – Fest: 24. Januar
Aus dem so reichen und tätigen Leben dieses Gottesmannes, der im Jahr 1567 von vornehmen Eltern geboren, fromm erzogen, im Alter von vierundzwanzig Jahren zum Priester geweiht, im Jahr 1602 zum Bischof von Genf konsekriert wurde und am 28. Dezember 1622 aus der Zeitlichkeit schied, kann und soll hier nur dasjenige ausgehoben werden, was zunächst auf die Andacht und Verehrung Bezug hat, die dieser Heilige der seligsten Jungfrau widmete. Die Lebensgeschichte selbst aber möge in einer Legende nachgelesen werde.
Franz von Sales kann in der Tat allen Marienverehrern als herrliches Muster und Vorbild dienen, denn von der Jugend bis zu seinem Lebensende war und blieb er Marien mit innigster Andacht und Liebe zugetan, worin er durch manche Lebensumstände noch mehr gekräftigt wurde.
Er befand sich der Studien wegen zu Paris und führte mitten in den Gefahren der Hauptstadt ein sehr gottseliges Leben. Aber ungefähr im siebzehnten Jahr seines Lebens verfiel er in einen Gemütszustand, dem auch sein junger, kräftiger Leib unterliegen zu müssen schien. Dichte Finsternis verbreitete sich in seiner Seele. An die Stelle des süßen Friedens trat eine gänzliche Trostlosigkeit. Diesen Zustand benützte noch überdies der Feind unseres Heils, ihm den martervollen Gedanken einzugeben, alles, was er für Gott tue, sei unnütz und sein ewiger Untergang schon entschieden und unvermeidlich. In seiner Lebensgeschichte wird erzählt, dass er in diesem qualvollen Zustand oft ausgerufen habe: „So soll ich denn, allerseligste Jungfrau, Mutter meines Gottes, Schönste aus allen Töchtern Jerusalems, so soll ich dich denn niemals dort im Himmel sehen.“
Endlich gefiel es Gott, ohne menschliche Beihilfe seinen Diener durch die mächtigste Trösterin der Betrübten, durch Maria, die er schon von Kindheit an so innig geliebt und der zu Ehren er bereits lebenslängliche Jungfräulichkeit gelobt hatte, den jungen Grafen von dieser schrecklichen Versuchung zu befreien. Er gab ihm den Gedanken ein, die nämliche Kirche zu besuchen, in der er das Gelübde der Keuschheit gemacht hatte. Der erste Gegenstand, der hier auf ihn Eindruck machte, war das Bild der Gebenedeiten. Dieser Anblick erneuerte in ihm das Vertrauen, das er immer auf ihre mächtige Fürbitte in seinem Herzen getragen wird. Er warf sich auf die Knie nieder, betete das bekannte Gebet des heiligen Bernardus: „Gedenke, o gütigste Jungfrau etc.“ und fügte, indem er das Gelübde der Keuschheit erneuerte, noch hinzu: „O meine Königin, sei du meine Fürsprecherin bei deinem Sohn, an den ich mich nicht zu wende wage. O meine Mutter, wenn ich denn so unglückselig sein sollte, in jener Welt meinen Heiland nicht lieben zu können, da ich doch erkenne, wie liebenswürdig er ist, so erlange mir die Gnade, dass ich ihn doch auf dieser Welt nach allen meinen Kräften liebe. Um diese Gnade bitte ich dich, und ich hoffe von deiner Güte ihre Gewährung.“
Sein Gebet fand Erhörung. Sein Herz war voll des süßesten Trostes, und mit dem inneren Frieden kehrte auch bald die Gesundheit des Körpers zurück, und seine Andacht zu Maria wuchs so sehr, dass er nicht müde wurde, sein ganzes Leben lang ihre Liebe und Barmherzigkeit in Gesprächen, Predigten und Schriften zu verkündigen.
Wenn er den Ketzern gegenüber die Lehren der Kirche verfocht, empfahl er sich stets der heiligen Jungfrau mit gänzlichem Vertrauen und mit den Worten, die die Kirche an sie richtet: „Du allein hast alle Ketzereien in der ganzen Welt vernichtet.“ Bei jeder Gelegenheit suchte er ihren Beistand und predigte allen dieses heilsame Vertrauen. „Alle meine Hilfe finde ich in dem allerheiligsten Sakrament und bei der Gottesmutter. „Ach, wie sehr fühle ich,“ fügte er hinzu, „welches Glück es ist, ein, wenn auch unwürdiges Kind einer so glorreichen Mutter zu sein. Lasst uns große Dinge unter ihrer Anrufung unternehmen, und wenn wir in der Liebe zu ihr zärtlich sind, wird sie uns alles erwirken, um was wir bitten.“
Als er eines Tages einen steilen Hügel, auf dem eine Kirche der heiligsten Jungfrau stand, mit so harter Mühe bestieg, dass ihm die Füße bluteten, wollten ihn seine Leute zurückhalten und bewegen, einen so schmerzlichen Gang aufzugeben. „Es ist war,“ entgegnete er ihnen, „dass ich sehr ermüdet bin. Allein wenn es für mich eine Beschämung ist, dass ich für den Dienst Gottes nicht genug an Mühsale gewöhnt bin, so ist es dagegen eine Freude für mich, im Dienst der Gottesmutter mein Blut vergossen zu haben.“ Die Hingabe dieses heiligen Bischofs für Maria war so groß, dass er in allen seinen Besprechungen darauf zu reden kam, wo sich ihm Gelegenheit bot.
Er predigte an allen ihren Festtagen, und die Inbrunst, die Lebendigkeit und die Fülle seiner Reden zeugten für seine inneren Gefühle. „Sie wissen,“ schrieb er an die heilige Chantal, „dass unsere glorreiche Königin mir stets einen besonderen Beistand leiht, wenn ich von ihrer göttlichen Mutterschaft rede. Ich flehe sie an, ihre Hand in die kostbare Seite ihres Sohnes zu legen, um daraus seine teuersten Gnaden zu schöpfen und sie uns in Fülle zu geben.“
Seine zärtliche Verehrung für Maria flößte ihm den Gedanken ein, dieser himmlischen Mutter seine Abhandlung von der Liebe zu Gott zu widmen, und man kann diese Widmung nicht lesen, ohne die heilige Glut seines Herzens für sie zu bewundern. „Heiligste Gottesmutter,“ redete er sie an, „liebenswürdigstes, liebevollstes und geliebtestes aller Geschöpfe, zu deinen Füßen auf mein Angesicht hingestreckt, widme und weihe ich dieses kleine Werk der Liebe der unermesslichen Hoheit deiner himmlischen Liebe. O Jesus, wem könnte ich die Werke deiner Liebe besser widmen, als dem liebenswürdigsten Herzen der Geliebten deiner Seele?“
Der Tag der unbefleckten Empfängnis Mariä war ein werter Tag für seine zarte Frömmigkeit. Obschon er mit der Leitung eines großen Bistums belastet, mit vielen Predigten beschäftigt, in der Führung der Seelen stets in Anspruch genommen war, und nebst dem noch die Kirche mit vielen Schriften bereicherte, unterließ er doch nie, täglich den heiligen Rosenkranz zu beten. Eines Tages, da er durch die vielen Geschäfte bis in die späte Nacht daran verhindert worden war, und sein Hausgeistlicher meinte, er könne ja, da er der Ruhe so sehr bedürfe, den Rosenkranz für den nächsten Tag versparen, entgegnete der heilige Bischof: „Mein Grundsatz ist, nie auf den künftigen Tag zu verlegen, was heute noch geschehen kann.“ Und er vollendete seinen Rosenkranz mit der gewöhnlichen Andacht.
Gebet der Kirche
O Gott, du wolltest zum Heil der Seelen deinen heiligen Bekenner und Bischof Franziskus allen alles werden lassen: verleihe gnädig, dass wir von der Süßigkeit deiner Liebe erfüllt und durch seine Lehren, Fürbitte und Verdienste geleitet und unterstützt, die ewigen Freuden erlangen mögen. Amen.
1. Bete die wunderbaren Ratschlüsse Gottes in Demut und heiliger Freude an, denn göttlich und unergründlich sind sie, wie der Allerhöchste selbst. Mit hohem Erstaunen ruft der Seher aus: "Was ist der Mensch, dass du ihn groß achtest? Oder warum setzt du dein Herz an ihn?" (Ijob 7,17) Denn so hoch achtete Gott den Menschen, dass er, aus der Tiefe ihn zu erheben, in die er gefallen war, selbst in diese Tiefe stieg, "Knechtsgestalt annahm", schwach, leidend war, und dem Tod sich unterwarf. Und weil er nur dadurch uns erheben, bereichern und verherrlichen konnte, dass "er selbst sich erniedrigte, erschöpfte" und der tiefsten Schmach preisgab, scheute die allerhöchste Majestät selbst diesen tiefsten Abgrund der Erniedrigungen nicht. Psalm 40,6a: "Zahlreich sind die Wunder, die du getan hast, und deine Pläne mit uns; Herr, mein Gott, nichts kommt dir gleich."
2. Durch die Aufnahme der menschlichen Natur in die Einheit seiner Person wurde die Menschheit unendlich verherrlicht, und bis zu Gott selbst erhoben. 1. Korinther 2,7: "Vielmehr verkündigen wir", spricht der Apostel, "das Geheimnis der verborgenen Weisheit Gottes, die Gott vor allen Zeiten vorausbestimmt hat zu unserer Verherrlichung." Wurde aber auch diese allerhöchste Verherrlichung ganz eigentlich nur dem Wort mitgeteilt, das da Fleisch wurde, so erhielten dennoch wir alle Anteil daran, da, gleichwie wenn ein König sich herablässt, eine arme Tochter zur Gemahlin zu nehmen, alle ihre Verwandten dadurch erhöht, und Blutsverwandte des Königs werden. Deutlich sprach, nach seiner glorreichen Auferstehung, der Herr dies aus, als er seine Jünger seine Brüder nannte. (Johannes 20,17)
3. Beherzige diese wunderhohe Würde, zu der die unendliche Güte deines Gottes durch die Menschwerdung seines Eingeborenen dich erhoben hat. Diese Betrachtung erhebe deinen Sinn über alles Niedrige und Vergängliche. Sie rege dich mächtig an, vor allen Gedanken, Begierden und Werken zu erschaudern, die einer so wunderbaren Erhebung unwürdig sind. Und ziehe deine Gedanken immerdar zu der glorreichen Bestimmung an, die auf dich in den ewigen Höhen wartet. "Durch Christus wurden uns die kostbaren und überaus großen Verheißungen geschenkt, damit ihr der verderblichen Begierde, die in der Welt herrscht, entflieht und an der göttlichen Natur Anteil erhaltet." (2. Petrus 1,4)
Erbarmungsreiche Mittlerin Maria, führe du uns in allen unseren Wegen, rate du uns bei allen unseren Begegnungen und hilf du uns in allen Anliegen des Leibes und der Seele. Erwirb uns die Gnade, dass wir deinen Tugenden nachfolgen, alles Böse meiden, vor allen Feinden gesichert, stets die Pfade der göttlichen Gebote gehen, bis wir endlich zum Land der Lebendigen gelangen, wo wir in Gott, unserem Heiland mit dir und allen Auserwählten frohlocken in Ewigkeit. Amen.
Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Timotheus
O Gott, der Du den heiligen Timotheus für den Unterricht des Weltapostels so empfänglich gemacht hast, schenke uns auf seine Fürbitte hin, dass wir durch Aufmerksamkeit und Folgsamkeit gegenüber den Verkündigern Deiner Lehre Dir wohlgefällig werden, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Denkschrift auf dem Grab des heiligen Franz von Sales
"Wanderer! verweile bei diesem Grabe; bewundere, verehre und ahme nach das Beispiel dieses großen Mannes Franziskus von Sales, Fürsten und Bischof von Genf. Seinen allzu frühen Hingang aus diesem Tränentale in die allerherrlichste Welt Gottes beweinen hier seine geistlichen Söhne und Töchter. Verehre an dieser Ruhestätte die erblasste Hülle einer verklärten Seele, die der Kirche Leuchte, des Glaubens Säule, der Hirten Muster, ein Lehrer der wahren Gottseligkeit; die Liebe der Fürsten, der Trost seiner Herde, ein Vater der Armen; ein apostolischer Prediger, der Stifter einer Pflanzschule von Engeln in Menschengestalt; der Tugend liebenswürdiges Vorbild war. Erstaune über dieses größte Wunder der Gnade in unseren Tagen. Folge, wenn du aus der Zahl der Stillen im Lande bist, die das Heimweh nach des Vaters seligem Hause haben, dem Beispiel dieses verherrlichten Gerechten nach!"
Letztes Gebet des heiligen Franz von Sales während seines Todeskampfes
"Einziger, dreieiniger Gott! Alles, was ich durch Dein Erbarmen bin, opfere ich Dir. Mein Gedächtnis und meine Gedanken seien Dir geheiligt, ewiger Vater! Mein Verstand und meine Worte Dir, göttlicher Sohn! Mein Wille und meine Handlungen Dir, göttlicher Geist! Mein Herz, meinen Leib, meine Zunge und meine Sinne schenke ich Dir zum Opfer, heilige Menschheit meines Erlösers Jesus Christus, der aus Liebe meiner sich in den schmerzlichen Tod des Kreuzes hingegeben hat!"
Der heilige Timotheus,
Bischof und Martyrer, war der geliebte Schüler des heiligen Apostels Paulus. Ungeachtet seiner vielen Arbeiten, beschwerlichen Reisen und Schwächlichkeit trank Timotheus doch nur Wasser. Sein Lehrer aber ermahnte ihn in einem seiner ersten Briefe: "Trinke nicht mehr bloß Wasser, sondern genieße ein wenig Wein, wegen deiner häufigen Unpässlichkeit.
Alles ist sicher im Gehorsam, alles verdächtig außerhalb des Gehorsams. Daher ist es besser und verdienstlicher vor Gott, nach dem Rat und Willen des Beichtvaters essen und trinken, als eigenwillig fasten.
Prüfe dich, ob du nicht ohne Erlaubnis fastest, wachst, zu lange betest, oder sonstige Bußübungen verrichtest, es etwa machst wie ein Kranker, der ohne Wissen seines Arztes allerlei Mittel zur Heilung anwendet?
Bete um Gehorsam gegenüber dem Beichtvater.
Gehorsam ist das Beste,
Und was er tut, das Größte.
Der heilige Johannes,
der Almosengeber, wurde von einem Bettler beschimpft. Sein Diener wollte den Unverschämten strafen, Johannes aber sprach: "Sechzig Jahre habe ich Gott beleidigt durch meine Sünden, und sollte mich nun über diese geringe Störung ereifern?" - Der Bettler erhielt ein reichliches Almosen.
O wie ungerecht, wenn Sünder sich gegen Sünder erhebt, und wie schwach muss das Feuer der Liebe in unseren Herzen sein, wenn schon ein paar Tropfen, ein paar beleidigende Worte es auslöschen oder vermindern!
Prüfe dich, ob du nicht bei kleinen Beleidigungen deiner Verwandten, Freunde, Geschwister etc. kränkende, kurze oder gar keine Antworten gibst, jener Person oft Stunden, Tage lang unfreundlich begegnest, ausweichst, zu reden vermeidest?
Bete um christliches Ertragen der Beleidigungen.
Wirst du beleidigt, so vergib es gern -
Denn so gehorchest du dem Herrn.
Andenken an die seligste Jungfrau
An diesem Tag wurde zu Toledo in Spanien das Fest begangen, das der heilige Bischof Ildephonsus, der so eifrige Verteidiger der Jungfräulichkeit Mariä, im Jahr 657 eingesetzt hat, nämlich zum Gedächtnis der wundervollen Erscheinung der seligsten Jungfrau in der Domkirche zu Toledo, die ihm an Mariä Himmelfahrt zuteil geworden ist. Die zu Toledo wegen dieser Erscheinung an diesem Tag gebräuchlichen priesterlichen Tagzeiten sind von Papst Gregor XIII. gutgeheißen worden.