Grüss Gott und herzlich Willkommen im KATHOLISCHPUR- Forum....

Foren Suche

Suchoptionen anzeigen
  • Foren-Beitrag von sairo im Thema

    Ein weiterer Nachtrag aus theologischer Sicht.

    Das Konzil von Trient schreibt im 1. Kapitel über das Meßopfer am 22. September in ihrer 22. Sitzung zum Thema Hl. Meßopfer folgendes:

    [...]Dieser unser Gott und Herr (göttliche Natur) also hat zwar sich selbst ein für allemal auf dem Altar des Kreuzes durch den eintretenden Tod (menschliche Natur) Gott, dem Vater, opfern wollen (vgl. Hebr. 7,27), um für jene (daselbst) ewige Erlösung zu wirken[...] [...] ein sichtbares (wie es die Natur des Menschen erfordert) Opfer zu hinterlassen, durch das jenes blutige (Opfer), das einmal am Kreuze dargebracht werden sollte, vergegenwärtigt werden, [...] seinen Leib und Blut unter den Gestalten von Brot und Wein Gott, dem Vater, dargebracht [...]

    Wer diesen Text von Trient liest und dies vergleicht mit meiner Antwort, die ich mit den Dogmatiken von Ott, Pohle und Diekamp Jüssen gegeben habe, kann doch nicht Schlussfolgern, dass Jesus Christus in seiner Funktion als leidensfähigen Menschen sich Gott hingegeben hat!

    * Fette Hervorhebungen von mir

  • Thema von sairo im Forum Wenn etwas der Klärung...

    Liebe Leser und Leserinnen

    Ich bin vor wenigen Tagen über diese Artikel von Frau Felizitas Küble von http://www.charismatismus.wordpress.com gestolpert, mit dem Titel

    Korrektur an einem Sonder-Rosenkranz: Die Gottheit Christi wurde nicht geopfert!

    Ich bitte euch, die sich in diesem Forum beteiligen, um Ihre Meinung. Ehrlich gesagt, ich bin erschrocken über die Tatsache, dass Frau Küble sich jetzt an die Gebete von Fatima oder das Gebet von der Hl. Sr. Faustine wagt und diese aufgrund folgendem Inhalt kritisiert: "Ewiger Vater, ich opfere Dir auf den Leib und das Blut, die Seele und die Gottheit..." und dies als theologischen Unsinn abtut.




    Mein Kommentar zu diesem Artikel:

    Salvatore

    13. März 2014 um 21:36

    Geschätzte Frau Küble
    Ich bin seit Jahren ein stiller Leser Ihrer Webseite und möchte an dieser Stelle meine Dankbarkeit zum Ausdruck bringen. Ihre vielen fundierten und gut theologisch begründeten Artikel zu den Privatoffenbarungen haben mir oftmals geholfen, das Falsche vom Wahren zu trennen.

    Mit schwerem Herzen sehe ich mich diesmal gezwungen, Ihnen in folgender Hinsicht zu widersprechen. Jesus Christus hat sich als wahrer Mensch und wahrer Gott am Kreuz für seinen Vater geopfert. Gerne belege ich es, mit folgenden Passagen aus drei verschiedenen Dogmatiken:

    Ludwig Ott (S. 526) schreibt in seinem Grundriss der Dogmatik: “In der Eucharistie ist der Leib und das Blut Christi zugleich mit seiner Seele und seiner Gottheit und darum der Ganze Christus wahrhaftig gegenwärtig. DE FIDE” Dieses Dogma bezieht sich nicht nur auf das hl. Messopfer, sondern das Kreuzesopfer ist implizit auch enthalten. In Ihrem Artikel stellen Sie einen Unterschied zwischen dem Kreuzes- und dem heiligen Messopfer fest, wenn Sie schreiben: “Die Gottheit Christi wurde nicht geopfert!” Ich gebe Ihnen recht, Gott ist leidensunfähig und kann nicht sterben, doch wenn Sie schlussfolgern, dass nur der Mensch Jesus Christus am Kreuz geopfert wurde, erliegen Sie einem Irrtum. Aus dem obigen Dogma ist die theologische Konklusion eben diejenige, dass er in beiden Naturen sich Gott geopfert hat, sterben konnte jedoch nur die menschliche Natur.

    Im Lehrbuch der Dogmatik von Josef Pohle (3. Band S. 219) steht: “Wo also der verklärte Leib existiert oder das verklärte Blut, da ist eo ipso der ganze Christus mit Leib und Seele, Gottheit und Menschheit.” und die Dogmatik nach Diekamp Jüssen (S. 969) ergänzt: “Aber das Dogma von der totalen Gegenwart belehrt uns, dass mit dem Leib und Blut auch die Seele und die Gottheit unter jeder beiden Gestalten unzertrennlich gegenwärtig sind, also der g a n z e Christus, der sich auch am Kreuz ganz dem Vater zum Opfer gebracht hat.”

    Es gibt Unterschiede zwischen dem Kreuzes- und hl. Messopfer, aber die tangieren nicht die beiden Naturen Jesu Christi. Das Abendmahl ist das erste hl. Messopfer das Christus persönlich als wahrer Gott und wahrer Mensch vollzog und bis heute Millionenmal durch Priester der katholischen Kirche getreu dem Auftrag Christi – “tut dies zu meinem Gedächtnis” – das hl. Messopfer vollziehen.

    Gottes Segen am heutigen Fatima Tag wünscht Ihnen

    Salvatore

  • 1. DIE LEHRE DER KIRCHEDatum02.03.2014 14:27
    Foren-Beitrag von sairo im Thema

    Lieber Blasius

    Vielen Dank für deine Ergänzungen.

    Zu deiner Frage,

    Zitat


    "Auf dem Apostolischen Stuhl wurde die katholische Religion stets unbefleckt bewahrt" (DH 363f). Vgl. DH 680, 704, 1067.


    Ist das heute noch mit ja zu beantworten?



    werde ich demnächst beantworten und dies im Zusammenhang mit den irrigen Ansichten über die Unfehlbarkeit.

    Zur folgenden Frage:

    Zitat


    Ein Widerspruch, soll es eine:

    Zitat:

    wahre und falsche Unfehlbarkeit der Päpste, geben?



    kann ich dir folgendermassen beantworten, dies ist der Name eines Buchtitels, der als Quellenangabe diente. Hier werden eben auch die irrigen Ansichten über die Unfehlbarkeit angesprochen. Wie ich oben schon geschrieben habe, ich werde mich demnächst zu dieser Frage äussern.

    Salvatore

  • 1. DIE LEHRE DER KIRCHEDatum18.02.2014 21:48
    Foren-Beitrag von sairo im Thema

    3. Begründung aus Schrift und Tradition

    a) Christus hat Petrus zum Fundament seiner Kirche gemacht, d.h. zum Garanten der Einheit und unerschütterlichen Festigkeit, und hat ihr unvergängliche Dauer versprochen (Mt 16, 18). Die Einheit und Festigkeit der Kirche ist aber nicht möglich ohne den rechten Glauben. Petrus ist darum
    auch der oberste Glaubenslehrer der Kirche. Als solcher muss er in der amtlichen Glaubensverkündigung in seiner eigenen Person und in seinen Nachfolgern unfehlbar sein, wenn die Kirche so, wie sie von Christus gestiftet wurde, für alle Zeiten fortbestehen soll. Ferner hat Christus dem Petrus (und seinen Nachfolgern) eine umfassende Binde- und Lösegewalt verliehen.
    Da man im rabbinischen Sprachgebrauch unter Binden und Lösen auch die authentische Gesetzeserklärung verstand, so ist darin auch die Gewalt enthalten, das Gesetz des Neuen Bundes, das Evangelium, authentisch zu erklären. Gott im Himmel wird sein Urteil bestätigen. Dies setzt voraus, dass er als oberster Glaubenslehrer vor Irrtum bewahrt bleibt. Christus hat Petrus (und seine Nachfolger) zum obersten Hirten über seine gesamte Herde eingesetzt (Jo 21, 15-17). Zur Aufgabe des obersten Hirten gehört die Belehrung in der christlichen Wahrheit und der Schutz vor Irrtum.
    Diese Aufgabe könnte er nicht erfüllen, wenn er in der Ausübung seines obersten Lehramtes selbst dem Irrtum unterworfen wäre. Christus hat für Petrus um Glaubensstärke gebetet und hat ihn beauftragt, seine Brüder zu stärken. Lk 22, 31f: "Simon, Simon, siehe, der Satan hat sich euch ausgebeten, um euch zu sieben wie den Weizen. Ich aber habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht aufhöre. Du aber stärke, wenn du dich einst zurückgefunden hast, deine Brüder!" Der Grund, warum Jesus für Petrus besonders betete, lag darin, dass er nach seiner eigenen Bekehrung den übrigen Jüngern Halt im Glauben bieten sollte, was deutlich auf seine Stellung als Haupt der Apostel hinweist. Die führende Stellung des Petrus in der urchristlichen Gemeinde zeigt, dass er den Auftrag des Herrn erfüllte. Ist das zunächst an Petrus persönlich gerichtet, so ist es in Verbindung mit Mt 16, 18f auch auf diejenigen zu beziehen, in denen Petrus als Haupt der Kirche fortlebt; denn die Gefährdung des Glaubens, die zu allen Zeiten besteht, macht die Stärkung im Glauben immer zu einer vordringlichen Aufgabe des Hauptes der Kirche. Zur wirksamen Erfüllung derselben ist die Unfehlbarkeit in Sachen des Glaubens und der Sitten erforderlich.

    b) Die Väter sprechen noch nicht ausdrücklich von der Unfehlbarkeit des Papstes, bezeugen aber die massgebende Lehrautorität der römischen Kirche und ihres Bischofs. von Antiochien zollt den Christen von Rom die Anerkennung, dass sie "von jeder fremden Farbe gereinigt sind", d.h. frei von jeder Irrlehre (Röm, inscr.). Wohl mit Rücksicht auf den Klemensbrief sagt er: "Andere habt ihr belehrt" (Röm 3, 1). Zum Unterschied von allen anderen Briefen nimmt er im Brief an die Römer davon Abstand, sie zu belehren und vor der Irrlehre zu warnen. lrenäus von Lyon anerkennt den Glauben der römischen Kirche als Norm für die ganze Kirche: "Mit dieser Kirche muss wegen ihres besonderen Vorranges jede Kirche übereinstimmen.... In ihr ist die apostolische Überlieferung stets rein bewahrt worden" (Adv. haer. Ill 3, 2).
    Die lrrtumslosigkeit der römischen Kirche im Glauben setzt die Unfehlbarkeit ihres bischöflichen Glaubenslehrers voraus. Cyprian bezeichnet die römische Kirche als "Lehrstuhl des Petrus" (cathedra Petri), als "Ausgangspunkt der bischöflichen Einheit" und rühmt die Reinheit ihres Glaubens. Er sagt von seinen Widersachern, die sich um die Anerkennung der römischen Kirche bemühten: "Sie bedenken nicht, dass es die Römer sind, deren Glaube durch das rühmende Zeugnis des Apostels gelobt worden ist (Röm 1, 8), zu denen der Irrglaube keinen Zutritt finden kann" (Ep. 59,14).

    Hieronymus erbittet sich in einer im Orient umstrittenen Frage von Papst Damasus, dem Inhaber der cathedra Petri, eine Entscheidung, wobei er bemerkt: "Bei euch allein wird das Erbe der Väter unversehrt bewahrt" (Ep. 15, 1). Augustin hält das Urteil des Papstes Innozenz I. im pelagianischen Streit für entscheidend: "In dieser Angelegenheit wurden die Beschlüsse zweier Konzilien an den Apostolischen Stuhl gesandt. Von dort sind auch Rückäusserungen eingetroffen. Die Sache ist damit erledigt (causa finita est). Möchte doch auch der Irrtum ein Ende nehmen!" (Sermo 131,10, 10.) Petrus Chrysologus fordert Eutyches auf, sich dem Urteil des Bischofs von Rom zu unterwerfen: "Denn der selige Petrus, der auf seinem Bischofssitz fortlebt und den Vorsitz führt, bietet den Suchenden den wahren Glauben dar" (bei Leo 1,Ep. 25, 2).

    Praktisch kam der Lehrprimat des Papstes seit alters in der Verurteilung häretischer Anschauungen zum Ausdruck. Viktor I. oder Zephyrin verurteilte den Montanismus; Kallistus I. schloß Sabellius aus der kirchlichen Gemeinschaft aus; Stephan I. verwarf die Wiederholung der Ketzertaufe; Dionysius wandte sich gegen die subordinatianische Auffassung des Bischofs Dionysius von Alexandrien; Kornelius verurteilte den Novatianismus, Innozenz I. den Pelagianismus, Cölestin I. den Nestorianismus, Leo I. den Monophysitismus, Agatho den Monotheletismus. Weitere Zeugnisse für den Lehrprimat des Papstes sind die Glaubensformeln, welche mehrere Päpste den zur Kirche zurückkehrenden Häretikern und Schismatikern vorlegten. Hervorzuheben ist die Formel des Papstes Hormisdas (519), die unter Berufung auf Mt 16, 18f eine ausdrückliche Anerkennung der unfehlbaren Lehrautorität des Papstes enthält: "Auf dem Apostolischen Stuhl wurde die katholische Religion stets unbefleckt bewahrt" (DH 363f). Vgl. DH 680, 704, 1067.

    Die Theologen der Hochscholastik lehren die päpstliche Unfehlbarkeit übereinstimmend. Nach Thomas von Aquin gehört es zur Amtsgewalt des Papstes, "die Fragen des Glaubens endgültig zu entscheiden, so daß sie von allen mit unerschütterlichem Glauben festgehalten werden". Positiv begründet er diese Lehre aus Lk 22, 31f, spekulativ aus dem Gedanken, daß gemäß 1 Kor 1, 10 in der ganzen Kirche ein einziger Glaube sein muß. Die Glaubenseinheit könnte aber nicht gewahrt werden, wenn derjenige, der an der Spitze der ganzen Kirche steht, eine Glaubensfrage nicht endgültig entscheiden könnte. S. th. 2 li 1, 10. Vgl. S. th. 2 li 11, 2 ad 3; S. c. G. IV 76.

    Konziliarismus. Im 14. Jh. sank infolge der kirchenpolitischen Wirren das Ansehen des Papsttums beträchtlich. Dies wirkte sich auch in der Lehre vom päpstlichen Primat verhängnisvoll aus. Wilhelm von Ockham begann in seinem Kampfe gegen Papst Johannes XXII. an der göttlichen Einsetzung des Primates zu rütteln. Marsilius von Padua und Johannes von Jandun leugneten sie direkt, erklärten den Primat als bloßen Ehrenprimat und erkannten die oberste Rechtsgewalt und Lehrgewalt dem allgemeinen Konzil zu. In der Zeit des großen abendländischen Schismas (1378-1417) sahen viele angesehene Theologen, wie Heinrich von Langenstein, Konrad von Gelnhausen, Peter von Ailly, Johannes Gerson, in der Lehre von der Superiorität des allgemeinen Konzils über den Papst (konziliare Theorie) das einzige Mittel zur Beseitigung der Kirchenspaltung. Es trat die Anschauung hervor, daß zwar die allgemeine Kirche irrtumslos sei, die römische Kirche aber irren, in Häresie und Schisma fallen könne. Die Konzilien von Konstanz (4. u. 5. Sitzung) und von Basel (2. Sitzung) erklärten sich für die Superiorität des Konzils über den Papst. Die diesbezüglichen Beschlüsse erlangten jedoch nicht die päpstliche Bestätigung und damit auch nicht Rechtskraft (DH 1247 [siehe auch DR 657 Fn. 2]). Im Gallikanismus lebte die konziliare Theorie noch jahrhundertelang fort (DH 2282 u. 2284: 2. u. 4. gallikanischer Artikel). 1)


    Fortsetzung folgt...




    Hinweis


    1)Ludwig Ott S. 405 – 406 11. Auflage

  • 1. DIE LEHRE DER KIRCHEDatum17.02.2014 21:52
    Foren-Beitrag von sairo im Thema

    Lieber Blasius

    vielen Dank für deine Ergänzung. In der Tat verhält es sich so, wie du geschrieben hast.



    C. Vorstehende Begriffsbestimmung sieht von den einzelnen Trägern der Lehrgewalt gänzlich ab, passt also gleichmäßig auf die Infallibilität der Kirche überhaupt, mag sie sich im magisterium ordinarium (ordentliches Lehramt), oder auf den ökumenischen Synoden, oder in den Päpsten verkörpern. Nur weil die päpstliche Unfehlbarkeit vor und nach dem Vaticanum in ganz unverantwortlicher Weise entstellt worden ist, erheischt sie hier noch eine besondere Erläuterung (vgl. Schulte, Die Stellung der Konzilien, Päpste und Bischöfe, Prag 1871, 7: „Der Papst ist die leibhaftige, inspirierte, absolute, göttliche Unfehlbarkeit“). Wenn dieselbe vielfach eine „persönliche“ genannt wird, so will man dem Papste selbstverständlich weder eine göttliche Irrtumslosigkeit noch eine direkte Inspiration beilegen, sondern lediglich den von Bossuet (s. d. Art.) ersonnenen Unterschied zwischen sedes und sedens, d. h. zwischen der ganzen Reihenfolge aller Päpste und dem jeweiligen Inhaber des Stuhles Petri, als eine unberechtigte Fiktion zurückweisen; denn die abstrakte sedes ist nur in und durch den konkreten sedens unfehlbar (vgl. Fanzelin, De Ecclesia, Romae 1887, thes. 13; Chr. Pesch, Praelectiones dogmat. I, 2. ed., Friburgi 1898, 301 sq.). Aber diese dem jeweiligen Papste zukommende Unfehlbarkeit ist für ihn keine persönlich, sondern eine Amtsgnade (gratia gratis data), die von seiner Wissenschaft und Tugend gänzlich unabhängig ist. Deswegen betonen die Theologen den Satz, dass der Papst weder als Privatgelehrter, noch als weltlicher Souverän, noch als bloßer Bischof der Stadt Rom, noch als Primas von Italien, noch als Patriarch des Abendlandes, sondern einzig und allein als oberstes Haupt der Gesamtkirche für sich Unfehlbarkeit beanspruchen kann. Allein selbst wo der Papst als Papst auftritt, ist er nicht eher unfehlbar, als bis er ex cathedra spricht, d. h. cum omnium christianorum Pastoris et Doctoris munere fungens pro suprema sua apostolica auctoritate doctrinam de fide vel morbus ab universa Ecclesia tenendam definit (Vatcan. Sess. IV, cap 4, bei Denzinger n. 1682). An dieser authentischen Feststellung des Ausdruckes ex cathedra ist vor allem hervorzuheben, dass die päpstliche Unfehlbarkeit erst unter der zweifachen Beschränkung einsetzt: einerseits muss der Gegenstand einer unfehlbaren Definition auf eine doctrina de fide vel moribus (Glaubens- und Sittenlehre) eingeengt bleiben, andererseits muss die Ausübung der Lehrgewalt sich in ihrer höchsten Intensitätsstufe vollziehen. Wo immer also Anordnungen lehrpolizeilicher, kirchenpolitischer, administrativer Natur oder Anwendungen eines Lehrprinzips auf Spezialfälle in Frage kommen, da kommt die päpstliche Infallibilität ebenso wenig ins Spiel, als wenn der Papst als Oberhaupt der Kirche eine doktrinelle Frage entscheidet, nicht aber in der feierlichen, allgemeinen verbindlichen Form einer unwiderruflichen Kathedralentscheidung (vgl. Calixt. III. Ep. ad Fridericum regem Rom., bei Aeneas Sylv., Ep. 385 [al. 371]: Possumus enim et nos ut homines aliquando labi atque errare, in his maxime, quae fa[c]ti sunt [ed. Basil. s. a. (1571), 842]). Ein wichtiges Korollar (Folgerung) hieraus bildet die Forderung allseitiger Freiheit von äußerem Zwang, unbehinderter Selbstbestimmung: eine durch Gefangenschaft, Einschüchterung, Zwangsmaßregeln erpresste Entscheidung, auch wenn sie die Gesamtheit der Gläubigen feierlich zu verpflichten versuchen möchte, besäße offenbar nicht jene ethisch-juridische Qualifikation, die sie als eine bindende und authentische Äußerung der obersten Lehrgewalt erscheinen lassen könnte (vgl. Palmieri, De Romano Pontifice, Romae 1877, 628: Si constat, decretum aliquod fidei vel suscriptionem formulae fidei vi sive physica sive morale extortam esse, eo ipso constat, definitionem non esse ex Cathedra). Auch tragen die Theologen nicht das geringste Bedenken, die Möglichkeit eines Glaubensirrtums zuzugestehen, wenn der Papst als Privatmann spricht (vgl. d. Art. Johannes XXII., ob VI, 1590 f.). Ja, aus dem Vaticanum lässt sich nicht einmal die Unmöglichkeit eines förmlichen Glaubensabfalls des Papstes folgern, wie denn das kanonische Recht für einen solchen (wohl imaginären) Fall den sofortigen Verlust der päpstlichen Würde vorgesehen hat (Decret. Grat. dist. 39, c. 6; vgl. Phillips, Kirchenrecht I, 261 f., Scheeben, Dogmatik I, 214) Manche Theologen halten freilich mit triftigen Gründen dafür, dass die göttliche Vorsehung über die Kirche Christi niemals eine solche Schmach hereinbrechen lassen werde (vgl. Suarez, De fide disp. 10, sect. 6, n. 11: Mihi magis pium et probabilius videtur, posse quidem Papam ut privatam personam errare ex ignorantia, non tamen ex contumacia. Quamvis enim efficere Deus possit, ut haereticus Papa non noceat Ecclesiae, suavior tamen modus providentiae est, ut, quia Deus promisit Papam definientem numquam erraturum, consequenter provideat, ne umquam ille haereticus sit). Weil auch die päpstliche Infallibilität weder auf Offenbarung noch auf Inspiration neuer Glaubenswahrheiten beruht, so liegt dem Papste die selbstverständliche Pflicht ob, in inständigem Gebet um Erleuchtung, in eifriger Erforschung der Glaubensquellen, durch Befragung der Kardinäle und gelehrter Theologen, durch Abhaltung partikulärer Synoden, bei besonders wichtigen und schwierigen Fragen aber auch durch Einberufung eines allgemeinen Konzils alles aufzubieten, um zur klaren Erkenntnis des zu entscheidenden Glaubenspunktes zu gelangen (vgl. Vatican. I. c., bei Denzinger n. 1679: Romani autem Pontifices, prout temporum et rerum conditio suadebat, nunc convocatis oecumenicis Conciliis aut explorata Ecclesiae per orbem dispersae sententia, nunc per Synodos particulares, nunc aliis, aquae divina suppeditabat providentia, adhibitis auxiliis, ea tenende definiverunt, quae s. Scripturis et apostolicis traditionibus consentanea, Deo adjutore, cognoverant). Die Frucht einer Überstürzung ist bei ihm so grundlos wie bei einem ökumenischen Konzil, da die vorgängige Befragung der Quellen nicht weniger unter göttlichen Schutz gestellt erscheint wie die Entscheidung selbst (vgl. Bellarmin. De Roman. Pontif. 4, 2: Parum prodesset scire, Pontificem non erraturum, quando non temere definit, nisi etiam sciremus, non permissuram Dei providentiam, ut ille temere definiat). Gegen den Gallikanismus ist schließlich festzuhalten, dass eine Kathedralentscheidung ex sese, d. h. unabhängig vom nachfolgenden Konsens der Bischöfe, das Gewissen bindet, gerade so, wie wenn die ganze lehrende Kirche die Entscheidung getroffen hätte (vgl. Vatican. I. c., bei Denzinger n. 1682: Definimus ex sese, non autem ex consensu Ecclesiae, irreformabiles esse - übersetzt: und daher sind solche Definitionen Römischen Bischofs aus sich, nicht aber aufgrund der Zustimmung der Kirche unabänderlich.). Das arg missdeutete ex sese (aus sich)will nicht besagen, wovor schon der hinzugefügte Gegensatz non ex consensu Ecclesiae (Zustimmung der Kirche ) warnen sollte, dass der Papst aus eigener Kraft und „dogmatischer Schöpfermacht“, statt durch göttlichen Beistand, oder in vollständiger Isolierung von der Kirche, anstatt als deren sichtbares Oberhaupt, oder in gänzlicher Unabhängigkeit von Schrift und Tradition, anstatt in strenger Bindung an die Offenbarungsquellen, die Prärogative der Unfehlbarkeit besitzt; denn das Vaticanum selber hat durch ausdrückliche Zurückweisung allen diesen aus Bosheit oder Unverstand stammenden Entstellungen den Boden entzogen. (Vgl. noch J. Fessler, Die wahre und falsche Unfehlbarkeit der Päpste, Wien 1871; Martin, Der wahre Sinn der vatikanischen Lehrentscheidung über das unfehlbare päpstliche Lehramt, 3. Aufl., Paderborn 1871, Hergenröther, Katholische Kirche und christlicher Staat, Freiburg 1872, 9927 ff.; Heinrich, Dogmat. Theologie II, 2. Aufl., Mainz 1882, §§ 88-90; Norbert. a Tux O. Cap., Theologia fundamentalis II, Brixinae 1891, 25 sqq. 119 sqq.) 3)


    Hinweis

    Hervorhebungen von mir
    3) Wetzer und Welte's Kirchenletzikon, 2. Auflage - XII Band S. 240 - 245

  • 1. DIE LEHRE DER KIRCHEDatum16.02.2014 17:06
    Foren-Beitrag von sairo im Thema

    2. Begriff und Wesen der Unfehlbarkeit

    A. Die bloße Tatsache der Irrtumslosigkeit begründet an sich ebenso wenig eine innere Unfehlbarkeit im Erkennen, wie die faktische Sündenfreiheit (impeccantia) eine innere Unsündlichkeit (impeccabilitas) im Willen. Von Natur aus ist Gott allein wie unsündlich so unfehlbar, da bei ihm jeder Irrtum, auch der allergeringste, einen metaphysischen Widerspruch einschließt (s. d. Art. Gott V, 877 ff.). Von dieser absoluten Unfehlbarkeit (infallibilitas absoluta s. increata) ist die von Gott seinen Vernunftgeschöpfen mitgeteilte (infallibilitas relativa s. creata) wesentlich verschieden nicht nur nach dem Erkenntnisprinzip, sondern auch hinsichtlich des Gegenstandes, insofern dieselbe ihrer innersten Natur gemäß sich bloß auf einen beschränkten Kreis von Wahrheitserkenntnissen erstreckt. Dieser Wesensunterschied ist so durchgreifend, dass er für die natürliche und übernatürliche Ordnung in Geltung bleibt. Auch die menschliche Vernunft ist, als Ausfluss und Abbild des göttlichen Geistes, in allen denjenigen natürlichen Erkenntnissen wahrhaft unfehlbar, welche auf dem allgemeinen Wahrheitskriterium der Evidenz beruhen, namentlich bezüglich der grundlegenden Axiome der Logik, Metaphysik, Mathematik, Religion und Sittlichkeit; jeder ernsthaft Versuch, die Möglichkeit solcher unfehlbaren Wahrheitserkenntnisse zu erschüttern, führt geradeswegs zum Skeptizismus (s. d. Art. Toleranz XI, 1859 f.). Die Unfehlbarkeit des kirchlichen Lehramtes gehört selbstverständlich der übernatürlichen Ordnung an, da sie der Kirche bzw. den Trägern der Lehrgewalt als ein Charisma zur Bewahrung, Bezeugung und authentischen Erklärung des in Schrift und Tradition hinterlegten Glaubensschatzes von Gott verliehen ist. Von dieser aktiven Unfehlbarkeit (infallibilitas activa s. in docendo) des kirchlichen Lehrkörpers unterscheidet sich die passive des Glaubenskörpers (infallibilitas passiva s. in credendo) genau so, wie die lehrende von der hörenden Kirche, nur dass beide sich zu einander verhalten wie das Mittel zum Zweck; denn die Unfehlbarkeit des Lehramtes hat die Aufgabe, den wahren Glauben in der ganzen Kirche Christi stetsfort zu bewirken, zu erhalten und zu gewährleisten. Hieraus erhellt der enge Kausalzusammenhang zwischen den beiden Grundeigenschaften der Kirche, der Infallibilität und Indefektibilität; denn die Kirche wäre notwendig in dem Augenblick von ihrem Sein und Wirken abgefallen, in welchem sie vom wahren Glauben, d. h. von der unfehlbaren Erkenntnis und Verkündigung der Lehre Christi und seiner Apostel, abwiche. Folglich steht und fäll die Indefektibilität der Kirche mit ihrer Infallibilität (vgl. d. Art. Kirche VII, 493 ff.).

    B. Zum Wesen der aktiven Unfehlbarkeit, die hier allein in Betracht kommt, genügt ein besonderer Beistand des Heiligen Geistes (assistentia Spiritus S.), wie ihn Christus der Kirche tatsächlich verheißen hat. Obschon dieser übernatürliche Einfluss gewiss nicht ohne eine positive göttliche Tätigkeit zu denken ist, so ist doch der Zweck der Assistenz primär ein negativer: Abwehr des Irrtums. Hierdurch unterscheidet sich die kirchliche Infallibilität wesentlich von der göttlichen Offenbarung einer- und der Inspiration andererseits (s.d. Art.). Während den das Glaubensdepositum erzeugenden Offenbarungsorganen neue Wahrheiten mitgeteilt worden sind, welche der im Entstehen begriffenen Glaubenshinterlage ein substantielles Wachstum sicherten, beschränkt sich die Assistenz des Heiligen Geistes auf die Aufgabe, zu verhindern, dass bei der Erhaltung, Bezeugung und Geltendmachung des für alle Zeiten unwiderruflich abgeschlossenen Offenbarungsschatzes sich irgend ein Irrtum einschleiche (vgl. Vatican. Sess. IV, cap. 4, bei Denzinger, Enchir. n. 1679: Neque enim Petri successoribus Spiritus S. promissus est, ut eo revelante novam doctrinam patefacerent, sed ut, eo assistente, traditam per Apostolos revelationem seu fidei depositum sancte custodirent et fideliter exponerent). Dazu gesellt sich noch ein zweiter, subjektiver Unterschied; während der die neuen Offenbarungen aufnehmende Geist der Apostel sich lediglich rezeptiv zu verhalten, d. h. auf die Mitteilungen Christi und des Heiligen Geistes sozusagen nur aufzuhorchen brauchte, ist das kirchliche Lehramt an Schrift und Tradition gebunden, insofern es keine Wahrheiten unfehlbar zu verkünden im Stande ist, welche nicht ausdrücklich oder einschlussweise im depositum fidei niedergelegt sind. Durch letztere Forderung, bezw. die Notwendigkeit des Forschens in den Glaubensquellen, ist die lehramtliche Infallibilität auch von der Inspiration grundsätzlich geschieden. Weder ein ökumenisches Konzil noch der Papst können nach reiner Willkür Glaubens- und Sittenentscheidungen treffen, sie müssen vielmehr sich an Schrift und Tradition als die unveränderlich gegebene Grundlage ihrer Erlasse halten.  Was Unkundigen als „neues Dogma“ erscheinen könnte, das ist tatsächlich nichts Anderes als der konsequente Ausdruck, die logische Fortbildung einer alten allgemeineren Offenbarungswahrheit, in welcher das anscheinend Neue wie die Frucht im Keime vorgebildet lag (s. d. Art. Dogmenentwicklung). Somit schließt eine unfehlbare Glaubensentscheidung die menschliche Tätigkeit des Lehramtes so wenig aus, dass sie dieselbe vielmehr zur notwendigen Voraussetzung hat (vgl. Melchior Canus, De locis theol. 5, 5 [Patav. 1734, 161]: Perspicuum est, non dormientibus aut oscitantibus Patribus [in Concilio congregatis] Spiritum S. assistere, sed diligenter humana via et ratione quaerentibus rei, de qua disseritur, veritatem). In dieser Gebundenheit liegt der tiefste Grund dafür, dass die lehrende Kirche es nicht nötig hat, gleich den Propheten und Aposteln die Göttlichkeit ihrer Lehre erst durch Zeichen und Wunder zu beweisen; denn der geforderte Wahrheitsbeweis ruht in der bloßen Tatsache, dass die gegen jede Möglichkeit des Irrtums übernatürlich geschützte Kirche es ist, welche durch den Mund der rechtmäßigen Träger der Lehrgewalt autoritativ im Namen Christi spricht. Nach einer anderen Richtung ist die Assistenz von der Inspiration dadurch verschieden, dass letztere den inspirierten Schriftsteller positiv anregt zur Aufzeichnung aller, selbst der unwichtigsten Wahrheiten und Tatsachen, welche den Gesamtinhalt der betreffenden Schrift ausmachen, wohingegen erstere sich mit einer Erleuchtung des Verstandes und der äusseren Leitung begnügt, um die Lehrorgane vor Irrtum allein in Glaubens- und Sittenfragen zu bewahren. Die kirchlichen Glaubenserlasse sind deshalb nicht, wie die Bibel, inspiriertes Wort Gottes, sondern formell bloßes Wort der Kirche, aber kraft der Unfehlbarkeit in notwendiger Übereinstimmung mit dem Inhalt des Wortes Gottes, wie es in Schrift und Tradition sich verkörpert (vgl. Möhler, Symbolik § 40).

    Fortsetzung folgt...



    Hinweis

    Hervorhebungen von mir
    3) Wetzer und Welte's Kirchenletzikon, 2. Auflage - XII Band S. 240 - 245

  • 1. DIE LEHRE DER KIRCHEDatum16.02.2014 00:02
    Foren-Beitrag von sairo im Thema

    Der Papst ist, wenn er ex cathedra spricht, unfehlbar. De Fide

    Das Erste Vatikanische Konzil, das die päpstliche Unfehlbarkeit mit dem Konzilsdekret „Pastor Aeternus“ 1870 dogmatisch feststellte, definiert sie wie folgt:

    Wenn der römische Bischof „ex cathedra“ spricht, dass heisst, wenn er in Ausübung seines Amtes als Hirt und Lehrer aller Christen kraft seiner höchsten apostolischen Autorität entscheidet, dass eine Glaubens- oder Sittenlehre von der gesamten Kirche festzuhalten ist, dann besitzt er mittels des ihm im seligen Petrus verheissenen jene Unfehlbarkeit, mit welcher der göttliche Erlöser seine Kirche bei der Definition der Glaubens- oder Sittenlehre ausgestattet sehen wollte; und daher sind solche Definitionen Römischen Bischofs aus sich, nicht aber aufgrund der Zustimmung der Kirche unabänderlich.

    [Kanon] Wer sich aber – was Gott verhüte – unterstehen sollte, dieser Unserer Definition zu widersprechen: der sei mit dem Anathema belegt.


    1. Erklärungen zum Dogma

    Zum rechten Verständnis des Dogmas ist zu beachten:

    a) Träger der Unfehlbarkeit ist jeder rechtmässige Papst als Nachfolger des Apostelfürsten Petrus, aber auch nur der Papst, nicht andere, denen er einen Teil seiner Lehrautorität überträgt, z.B. die römischen Kongregationen.

    b) Gegenstand der Unfehlbarkeit sind Glaubens- und Sittenlehren, vor allem geoffenbarte, aber auch nichtgeoffenbarte, die mit der Offenbarungslehre in einem inneren Zusammenhang stehen.

    c) Bedingung für Unfehlbarkeit ist, dass der Papst ex cathedra spricht. Dazu ist erforderlich:

    1) dass er als Hirt und Lehrer aller Gläubigen mit dem Einsatz seiner höchsten apostolischen Autorität spricht. Wenn er als Privattheologe oder als Bischof seiner Diözese spricht, ist er nicht unfehlbar;
    2) dass er die Absicht hat, eine Glaubens- oder Sittenlehre endgültig zu entscheiden, so dass sie von allen Gläubigen festzuhalten ist. Ohne diese Absicht, die aus der Formulierung oder aus den Umständen deutlich erkennbar sein muss, kommt eine Kathedralentscheidung nicht zustande. Die meisten Lehräusserungen der Päpste in ihren Enzykliken sind keine Kathedralentscheidungen.

    d) Der Grund der Unfehlbarkeit ist der übernatürliche Beistand des Hl. Geistes, der den obersten Lehrer der Kirche vor Irrtum bewahrt. Dieser Beistand ist zu unterscheiden von der Offenbarung, durch die dem Offenbarungsträger irgendwelche Wahrheiten von Gott mitgeteilt werden, und von der Inspiration, die eine derartige positive Einwirkung Gottes auf den Schriftsteller ist, dass Gott selbst der Urheber der Schrift und diese somit Gottes Wort ist. Der Hl. Geist hält den Träger des obersten Lehramtes vor einer falschen Entscheidung zurück (assistentia negativa) und führt ihn, wenn und soweit es nötig ist, durch äussere und innere Gnaden zur rechten Erkenntnis und Vorlage der Wahrheit hin (assistentia positiva). Der göttliche Beistand entbindet den Träger der unfehlbaren Lehrgewalt nicht von der Verpflichtung, sich mit natürlichen Mitteln, besonders durch Studium der Offenbarungsquellen, um die Erkenntnis der Wahrheit zu bemühen. Vgl. DH 3069f.

    e) Eine Folge der Unfehlbarkeit ist, dass die Kathedralentscheidungen der Päpste "aus sich", d.h. ohne das Hinzutreten einer weiteren Autorität, unabänderlich sind, nicht erst auf Grund der Zustimmung der Gesamtkirche, wie die Gallikaner lehrten (DH 2284: 4. gallikanischer Artikel). 1)

    Dem Wortlaut des Dogmas zufolge stellt die päpstliche Unfehlbarkeit ein streng persönliches Privileg des römischen Bischofs dar; er kann sie deshalb in keiner Weise anderen Personen übertragen oder delegieren. - Ganz unkirchlich ist die Auffassung der Gallikaner, die zwischen der Sedes Apostolica und dem jeweiligen Sedens unterschieden und wohl hingegen der römische Stuhl, weil Gottes Vorsehung dafür sorge, dass ein dem Papst eventuell unterlaufener Irrtum alsbald richtig gestellt werde.

    Wenn der Papst, sei es in eigener Person, sei es durch andere, seines oberstes Lehramtes waltet, ohne „ex cathedra“ zu sprechen, so sind seine Verordnungen oder Entscheidungen nicht unfehlbar und nicht unwiderruflich. Das gilt auch von den Dekreten der päpstlichen Kongregationen. Wenngleich einige dieser Kongregationen im Namen des Papstes für die ganze Kirche Entscheidungen in Glaubenssachen treffen können, kommt ihren Beschlüssen keine Unfehlbarkeit zu. Unfehlbar werden sie auch nicht dadurch, dass der Papst sie in forma communi (allgemeinen Formulierung) oder in forma speciali (besonderen Formulierung) bestätigt., sondern nur dann, wenn er sie in einer allen Zweifel ausschliessenden Weise zu einer förmlichen Kathedralentscheidung erhebt.

    Die nicht unfehlbaren Akte der päpstlichen Lehrtätigkeit legen keine Glaubenspflicht auf; sie fordern keine unbedingte und endgültige Unterwerfung. Aber Entscheidungen dieser Art sind doch, weil sie vom höchsten Lehrer der Kirche stammen und bedeutende natürliche und übernatürliche Bürgschaften ihrer Wahrheit besitzen, mit innerer, religiöser Zustimmung anzunehmen. Diese Pflicht kann nur in seltenen Fall zu bestehen aufhören, dass jemand, der zu eigenem Urteil in der betreffenden Frage befähigt ist, nach wiederholter, gewissenhafter Prüfung aller Gründe zu der festen, wissenschaftlichen Überzeugung kommt, die Entscheidung müsse auf einem Irrtum beruhen. 2)



    Hinweise

    DH) Denzinger / Hühnermann - Kompendium der Glaubensbekenntnisse und kirchlichen Lehrentscheidungen 43. Auflage

    1) Ludwig Ott S. 405 – 406 11. Auflage
    2) Katholische Dogmatik – Diekamp, Jüssen S. 76

  • Foren-Beitrag von sairo im Thema

    Lieber Aquila, Liebe Hemma, Lieber Blasius

    In der Tat ist die Kirche unsere Mutter und der Ausdruck "heilige Mutter Kirche" stammt, wie es die liebe Hemma schon richtig bemerkt hat, aus dem Trienter Glaubensbekenntnis.

    Ich zitiere lieber Blasius aus der Bulle " Iniuctum nobis" vom 13. Nov. 1564:

    Ich N.N. glaube und bekenne mit festem Glauben alles und jedes einzelne, was im Glaubensbekenntnis [von Konstantinopel] enthalten ist, welche die heilige Römische Kirche bentutzt, nämlich:
    Credo in unum Deum Patrem omnipotentem, factorem caeli et taerra [...] Confiteor unum baptisma in remissionem peccatorum, et exspecto resurrectionem mortuorum, et vitam venturi seculi. Amen [...] (1)

    Die apostolischen und kirchlichen Überlieferungen und übrigen Bräuche und Bestimmungen der Kirche anerkenne und halte ich ganz fest. Ebenso anerkenne ich die heilige Schrift gemäß jenem Sinn, den die heilige Mutter Kirche festgehalten hat und festhält, deren Aufgabe es ist, über den wahren Sinn und Auslegung der heiligen Schriften zu urteilen, und werde sie niemals anders auffassen und auslegen, als gemäß der einmütigen Übereinstimmung der Väter. usw. (2)



    Lieber Blasius, Glaubensbekenntnisse haben die gleiche Verbindlichkeit wie ein Dogma! Wer dieses Glaubensbekenntnis ablehnt, lehnt die Lehre der "heiligen Mutter Kirche" ab!

    Viele Grüße und Gottes Segen
    Salvatore


    1) DH 1862
    2) DH 1863

    DH = Heinrich Denzinger - Kompendium der Glaubensbekenntnisse und kirchlichen Lehrentscheidungen 43. Auflage

  • Die Heiligsprechung unfehlbar?Datum08.07.2013 01:12
    Thema von sairo im Forum Heiligsprechungen durc...

    Liebe Leser/innen

    In den letzten Tagen erregt eine Nachricht in traditionellen Kreisen für aufsehen. Die Medien vermeldeten die Nachricht, dass die Päpste Johannes XXIII und Papst Johannes Paul II durch Papst Franzikus heilig gesprochen werden. Wann diese Heiligsprechung erfolgen wird, ist noch nicht bekannt. Man kann jedoch davon ausgehen, dass es noch in diesem Jahr geschieht.

    Für mich waren zwei Dinge sofort klar, dass die ominöse Frage aufkeimen wird: Ist eine Heiligsprechung ein unfehlbares Urteil des Papstes? Ich gebe hier zu Protokoll, dass ich von beiden Päpsten in ihrer Funktion als oberste Hirten der Kirche nicht sehr begeistert bin. Diese Skepsis von meiner Seite rührt daher, weil ich sehr viele Bücher über das II Vatikanum gelesen habe und nach heutigem Kenntnisstand ich zur Überzeugung gelangt bin, dass in Fragen der Religionsfreheit und der Ökumene ein Bruch stattgefunden hat. Ich werde mich jedoch heute nicht mit dem zweiten Vatikanischen Konzil befassen, sondern der Thematik, ist eine Heiligsprechung unfehlbar, zuwenden. Ich bediene mich bei meinen Ausführungen folgender Sachliteratur:

    • Eine von mir gekürzte Abhandlung des Theologen Pier V. Aimone – von der Universität Freiburg/Schweiz
    • Der Dogmatik von Ludwig Ott und Diekamp Jüssen
    • Dem Katechismus der katholischen Kirche

    Aus der von mir stark gekürzten Fassung vom Theologen Pier V. Aimone geht eines klar hervor, dass die Theologen seit dem zweiten Vatikanischen Konzil die Heiligsprechung nicht mehr als Akt der Unfehlbarkeit werten. Aber ich lasse den Text von Pier V. Aimone selber auf euch wirken und dann werde ich mich dazu äussern.

    Einführung von Pier V. Aimone
    Im Gegensatz zum CIC von 1917 (can. 1999-2141) enthält das Gesetzbuch der lateinischen Kirche von 1983 keine Normen über das, was man gemeinhin einen Heiligsprechungsprozess nennt. Der oberste Gesetzgeber – der Papst – hat es vorgezogen, diese Normen im Rahmen eines besonderen Gesetzes, der Apostolischen Konstitution Divinus perfectionis Magister, zu erlassen.

    Das Zweite Vatikanische Konzil hatte seinerzeit in der Tat auch die Frage der Kanonisierungen angesprochen und einige Hinweise gegeben, die von Paul VI. getreulich und vorsichtig aufgegriffen und in einige rechtliche Regelungen gefasst wurden, die den Willen des Konzils im kanonisch-rechtlichen Bereich umsetzten. In diese Reihe von Aktualisierungsmaßnahmen fügten sich die neuen Normen über Kanonisierungsprozesse ein, das heißt diejenigen über die Reform der römischen Instanz, die mit einer derartigen Aufgabe betraut ist. Durch diese Regelungen wurde auch die Kongregation für Selig- und Heiligsprechungsprozesse gegründet.

    Seit ihren Ursprüngen hat die Kirche ihre Martyrer verehrt, die mit ihrem Blut für Christus Zeugnis abgelegt hatten. Und seit dem fünften Jahrhundert empfiehlt die Kirche ihren Gläubigen die confessores, die Bekenner, zur Verehrung. Darunter werden Gläubige verstanden, die – so wie die Martyrer mit ihrem Blut Zeugnis für Jesus, den göttlichen Meister der Vollkommenheit, ablegten – durch die heroische Ausübung christlicher Tugenden während ihres Lebens von ihrem Glauben Zeugnis gaben. Johannes Paul II. hat dieser ehrwürdigen Tradition der katholischen Kirche sicherlich neue und grundlegende Impulse gegeben.

    Einige haben ausgerechnet, dass Johannes Paul II. mehr Menschen heilig- und seliggesprochen hat als jeder seiner Vorgänger. Doch nicht nur das – die Summe seiner Selig- und Heiligsprechungen übertrifft die Zahl der Selig- und Heiligsprechungen aller seiner Vorgänger, seitdem die Regelungen bestehen, die dem Papst allein die Fähigkeit zur Kanonisierung zusprechen.

    Vom CIC/1917 bis zur Reform Pauls VI. und der Apostolischen Konstitution "Divinus perfectionis Magister" 1983
    In der Tat änderte der CIC von 1917 nichts Grundlegendes an der von Benedikt XIV. eingeführten Vorgehensweise. Man umschrieb die im Prozess beteiligten Personen, die Beweise, die von den Bischöfen vor Ort durchzuführende Prozedur, die Prüfung dieser bischöflichen Untersuchung durch die Ritenkongregation, den apostolischen Prozess, das Urteil über den heroischen Tugendgrad oder das Martyrium, den Prozess über die Wunder und das Ende des Prozesses genauer. Die Kanonisation per viam cultus wurde in die geltenden Regelungen aufgenommen. Dem folgten einige Reformen unter Pius XI. (Errichtung der Historischen Abteilung der Ritenkongregation) sowie unter Pius XII. (Errichtung des Medizinischen Rates).

    Wesentliche Reformen wurden dagegen erst durch die Impulse des Zweiten Vatikanischen Konzils ab 1965 von Paul VI. vorgenommen, so Veränderungen in der Ritenkongregation, das Motuproprio Sanctitas Clarior, die Errichtung der Kongregation pro causis Sanctorum, die Reform des Selig- und Heiligsprechungsritus, die neue Vorgehensweise des Rates der medizinischen Experten. Vor allem der Erlass der Apostolischen KonstitutionDivinus Perfectionis Magister im Jahre 1983 durch Johannes Paul II. stellte eine grundlegende Neuordnung der Materie dar. Dort sind zum einen die Grundlagen der Kanonisierung (fama sanctitatis, Martyrium und heroischer Tugendgrad) hervorgehoben, zum anderen wird ein Akzent gelegt auf den Prozess der Kanonisation (Actor und Postulator, Vorgehensweise in der Diözese, Verfahren hinsichtlich der Kongregation de causis Sanctorum, die Rolle der Wunder im Verfahren der Selig- und Heiligsprechung). Die Konstitution enthält außerdem noch Übergangsregelungen für die Verfahren, die bereits zum alten Reglement begonnen wurden und sieht die Möglichkeit einer Finanzhilfe für die ärmsten Verfahrensfälle vor.

    Das Heiligsprechungsdekret
    Unter canonizatio versteht man die unfehlbare Entscheidung, mit der der Papst festsetzt, dass ein verstorbener Diener Gottes sich im Paradies befindet, womit zugleich sein Kult bzw. seine Verehrung in der ganzen Kirche angeordnet wird. Handelt es sich bei der Seligsprechung nur um einen Zwischenschritt, was bedeutet, dass die Entscheidung des Papstes weder definitiv noch unfehlbar ist, so nimmt die päpstliche Entscheidung im zweiten Fall (Heiligsprechung) sowohl endgültigen, irreformablen als auch unfehlbaren Charakter an.

    Über den endgültigen, irreformablen Charakter scheint kein Zweifel zu bestehen. Allerdings lässt Kuttner eher implizit einige Bedenken bezüglich der Bezeichnung "unfehlbar" durchscheinen, obgleich er beteuert, deren theologische Schlussfolgerung nicht bestreiten zu wollen.

    In einem System scholastischen Typs, wo jede dogmatische Äußerung von einer positiven theologischen Qualifikation und einer dazugehörenden negativen Zensur begleitet wurde, wurde das Kanonisationsdekret durch die sehr relevante Qualifikation der Unfehlbarkeit charakterisiert. Diese unter Theologen allgemein verbreitete Position wurde, obwohl sie Kuttner 1938 mit kritischen Anmerkungen versehen hatte, von Theologen noch in den Konzilsjahren für zutreffend gehalten.

    Was die theologische Qualifikation der Heiligsprechung anbelangt, so unterstreicht man heute auch auf Seiten der eher klassischen, gemäßigten Theologen, dass das alte System der Qualifikationen und Zensuren der Vergangenheit angehört. Dieses System der theologischen Qualifikationen und Zensuren hat sich vor allem im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelt. Auch wenn es dazu nie eine einheitliche Interpretation gab und dieses System nie offiziell von der Kirche autorisiert wurde, benutzten Lehramt und Theologen dieses doch oft und gerne als taugliches Mittel zur Bezeichnung des Grads der Anerkennung einer theologischen Lehre mit Hilfe kurzer Formeln. Noch heute unterstreicht man, dass dieses System, auch wenn es inzwischen von geringerer Wichtigkeit ist, nicht seine Bedeutung für die Unterscheidung zwischen Offenbarungs- und kirchlichem Glauben sowie für die Beurteilung dogmengeschichtlicher Entwicklungen verloren hat. Dieses System ist der heutigen dogmatischen Theologie nicht völlig fremd, wenngleich heute eher die Qualifikation als die Zensur betont wird. Dies gilt umso mehr, als es jüngst von der Kongregation für die Glaubenslehre in der lehrmäßigen Anmerkung, die das Apostolische Schreiben (ein Schreiben Motu Proprio) Ad Tuendam Fidem Johannes Pauls II. vom 18. Mai 1998 begleitete, wieder aufgegriffen wurde.

    Tatsächlich kann die Kanonisierung von Heiligen in der Reihe von Beispielen, die als verbindlich (im Verständnis des zweiten Absatzes des vom Heiligen Stuhl approbierten Glaubensbekenntnisses) zu betrachten sind und die aus historischer Notwendigkeit mit Offenbarungswahrheiten verknüpft sind, eingeordnet, nicht aber als göttlich geoffenbart bezeichnet werden – und genau so wird sie auch erwähnt: Ihr wird ausdrücklich die theologische Qualifikation des dogmatischen Faktums zugeschrieben. [1]
    ------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
    Einschub aus der Dogmatik von Diekamp Jüssen zur Erklärung des dogmatischen Faktum
    Das dogmatische Faktum / Tatsachen sind im Allgmeinen Tatsachen, die nicht geoffenbart, aber so eng mit dem Dogma bzw.
    mit seiner authentischen Verkündigung verknüpft sind, dass dieses nicht zweifellos anerkannt und wirksam verteidigt werden
    kann, wenn jene Tatsachen nicht feststehen, z. B. die Rechtmässigkeit eines Papstes oder Konzil. [2]

    ------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
    Bevor wir in die nähere Untersuchung über die Frage der Wahrheiten eintreten, die aus logischer oder historischer Notwendigkeit mit der Offenbarung verknüpft sind, für endgültig entschieden zu gelten haben und welche zudem Objekt der ersten Änderung des CIC/1983 waren, ist bezüglich der Qualifikation als dogmatischer Fakt, die dem Dekret bzw. Äußerung der Kanonisation zugesprochen wurde, Stellung zu nehmen.

    Wenn man sich die von Kuttner und der herrschenden Meinung der Theologen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gelieferte Bestimmung bewusst macht, dass es sich dabei um eine verbindliche Entscheidung des obersten Lehramts handelte, der als unfehlbare Äußerung anzuhängen galt, so kann es scheinen, dass die Qualifikation als dogmatischer Fakt (factum dogmaticum) den Grad der der Kanonisationssentenz gewährten theologischen Qualifikation verringert. In der Tat ist daran zu erinnern, dass die theologischen Qualifikationen, wenn man die verschiedenen Bereiche berücksichtigt, auf die sie sich beziehen können, alle aus dem Bereich der Theologie stammen (vom de fide definita bis zur sententia probabilis), während die des höchsten Grades den eng begrenzten Bereich des Glaubens betreffen, die des höheren und des höchsten Grades zugleich den Bereich des Glaubens und den der Unfehlbarkeit.

    Wenn nach diesem Schema die dogmatischen Fakten (facta dogmatica) den Bereich der Theologie betreffen, so betreffen sie sicher nicht den Bereich des Glaubens, aber sie können zumindest den Bereich der Unfehlbarkeit berühren. Sie verlangen dennoch wenn schon nicht eine absolute, so doch eine theologische Zustimmung im Licht des Glaubens, des Lehramts und der Vernunft, also wäre die anwendbare Zensur im Falle der Nichtzustimmung die des theologischen Irrtums (error theologicus). Tatsächlich gilt ein dogmatischer Fakt (factum dogmaticum) als theologisch sicher (theologice certum) und im Fall der Nichtzustimmung resultiert daraus die Leugnung eines eng mit der Offenbarung verknüpften Dogmas, die Leugnung also einer theologischen Schlussfolgerung.

    Ein letztes Beispiel für einen dogmatischen Fakt (factum dogmaticum), zusätzlich zu den von der lehrmäßigen Anmerkung zitierten, wäre der Beweis der Existenz Gottes. Die Leugnung oder Nichtzustimmung zu einem solchem Satz, der logischerweise mit der Offenbarung verknüpft ist, bedeutete das Begehen eines theologischen Fehlers, während die für einen derartigen Satz notwendige Zustimmung nicht absolut, sondern nur theologisch wäre.

    Hier wurde angemerkt, dass der dogmatische Fakt (factum dogmaticum) der Kanonisierung von Heiligen sich an der Grenze zwischen dem Bereich der Unfehlbarkeit und demjenigen der Theologie ansiedelt. Tatsächlich verließe man, wenn die der Kanonisationsäußerung beigefügte theologische Note nicht als theologisch sicher, sondern nur als eine der katholischen Lehre (doctrina catholica) zählen würde, den Bereich der Unfehlbarkeit, um wieder in den Bereich der Theologie zu kommen. Der Grenzbereich verschwimmt zudem immer mehr, weil für einige die theologische Note der katholischen Lehre auf der Skala der theologischen Qualifikationen derjenigen der theologisch sicheren (theologice certa) vorangeht. Auch im Falle einer katholischen Lehre wäre die Zustimmung nur theologisch, aber die Zensur wäre darauf reduziert, die Meinung dessen, der seine Zustimmung nicht gibt, nur als waghalsig (opinio temeraria) zu bezeichnen. Im moralischen Bereich bedeutet dies, wenn die Nichtzustimmung zu einer theologisch sicheren Äußerung (factum dogmaticum) als Todsünde bezeichnet werden könnte, da sich indirekt ein Verstoß gegen den Glauben ergäbe, dass die Nichtzustimmung zu einer katholischen Lehre zwar als Sünde – und zwar als Sünde wegen Kühnheit, also als Verstoß gegen die Tugend der Vorsicht und nicht wie im Fall der Qualifikation theologice certa als ein, zumindest indirekt, gegen die Tugend des Glaubens gerichtetes Vergehen – nicht unbedingt aber als Todsünde, bezeichnet werden könnte.

    Moraltheologische Aspekte
    Wie man feststellen kann, dürften das factum dogmaticum und somit auch das Urteil über die Kanonisation eines Heiligen sowie das Dekret zur Seligsprechung auf keinen Fall eine Klassifikation als unfehlbare Entscheidung beinhalten, wie zuvor hier von verschiedenen Theologen vertreten wurden. Wenn also bezüglich der Unfehlbarkeit des päpstlichen Urteils über die Kanonisation Zweifel erhoben werden können, so kann hinsichtlich der Endgültigkeit der Entscheidung der Heiligsprechung, im Gegensatz zum derzeitigen Seligsprechungsdekret, kein Zweifel bestehen. Man kann sich fragen, ob die endgültige Entscheidung der Kanonisation gleichzeitig eine definitive Wahrheit, die historisch mit der Offenbarung verknüpft ist, bedeutet. Im Falle einer positiven Antwort auf diese Frage bedeutete die Nichtzustimmung zu einer päpstlichen Heiligsprechung das Vorliegen des in c. 752 §2 CIC beschriebenen Tatbestandes und somit folglich auch die Konsequenzen des c. 1371 §1 CIC (bzw. c. 598 §1 und c. 1436 §2 CCEO).

    Wenn die Kanonisation als dogmatischer Fakt (factum dogmaticum) verstanden wird, müsste sie selbstverständlich als definitive Wahrheit angenommen werden. Man muss jedoch die Frage beantworten, ob die Heiligsprechung ein dogmatischer Fakt (factum dogmaticum) ist, auf den man die Qualifikation des theologisch sicheren (theologice certum) und die Zensur des theologischen Fehlers (error theologicus, gegen die Tugend des Glaubens) oder zumindest die Qualifikation als katholische Lehre und die Zensur der kühnen Meinung (gegen die Tugend der Vorsicht) anwenden kann.

    Für einige Theologen hätte die Qualifikation des ‚theologisch Sicheren‘ den gleichen Wert wie die des ‚sicheren Urteils‘ (sententia certa), des ‚gemeinsamen und sicheren Urteils‘, des ‚moralisch sicheren Urteils‘. Diese Qualifikation verweist die Heiligsprechungsäußerung ausschließlich in den Bereich der Theologie und folglich nicht in den des Glaubens oder der Unfehlbarkeit. In diesem Falle wäre die nötige Zustimmung eine theologische, während die Zensur diejenige einer "kühnen Meinung" wäre; moralisch gesehen käme dieser einer Sünde, eventuell sogar einer Todsünde der Kühnheit gleich.

    Aber die päpstliche Entscheidung, einen Seligen in den Kanon der Heiligen aufzunehmen, könnte auch nicht als definitive Wahrheit erscheinen (obwohl es sich um eine definitive Entscheidung handelt, aber genauer gesagt nur unter gerichtlichem Aspekt), sondern nur als sichere Wahrheit (tuta). Man kann also nicht das Gegenteil von dem, was der Pontifex erklärt hat, unterrichten oder unterstützen. In diesem Falle wäre die nötige Zustimmung, obwohl die Zensur noch immer die einer kühnen Meinung wäre, nur eine äußerliche und im moralischen Bereich käme dies wohl einer Todsünde, allerdings eher einer Todsünde des Nichtgehorsams, gleich. Wenn man sich die von Kuttner formulierten historisch-kritischen Anmerkungen bewusst macht und wenn die Verbindung zwischen der Kanonisationsäußerung und der Offenbarung nicht logischen Charakters, sondern eher historischer Natur ist, könnte man bei aller Vorsicht dazu neigen, das Kanonisationsdekret eher als sichere Wahrheit denn als theologisch definitive Wahrheit zu betrachten.[3]
    ---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

    Was sagt das ordentliche Lehramt (KKK) und die Sachliteratur über eine Heiligsprechung
    Im Artikel 828 des Katechimus der katholischen Kirche findet sich für mich eine aufschlussreiche Erklärung, was das ordentliche Lehramt der Kirche über die Heiligsprechung denkt:

    828 Wenn die Kirche gewisse Gläubige heiligspricht, das heißt feierlich erklärt, daß diese die Tugenden heldenhaft geübt und in Treue zur Gnade Gottes gelebt haben, anerkennt die Kirche die Macht des Geistes der Heiligkeit, der in ihr ist. Sie stärkt die Hoffnung der Gläubigen, indem sie ihnen die Heiligen als Vorbilder und Fürsprecher gibt [Vgl. LG 40; 48-51,]. „In den schwierigsten Situationen der Geschichte der Kirche standen am Ursprung der Erneuerung immer Heilige" (CL 16,3), „Die geheime Quelle und das unfehlbare Maß der missionarischen Kraft der Kirche ist ihre Heiligkeit" (CL 17,3). [4]

    Die Formulierung „d.h. heisst feierlich erklärt“ steht nur dem Papst zu und dies hängt sehr stark mit dem Dogma der Unfehlbarkeit des Papstes zusammen. Alle Dogmatiker vor dem Konzil, sowie das Lehramt der Kirche gingen bis Ende des zweiten Vatikanums davon aus, dass eine Heiligsprechung unfehlbar ist. Wenn ich die Dogmatik von Ott und Diekamp Jüssen bemühe, dann steht folgendes zu Heiligsprechungen:

    Die Kanonisation der Heiligen, d.i. das endgültige Urteil, dass ein Glied der Kirche in die ewige Seligkeit aufgenommen ist und Gegenstand der öffentlichen Verehrung sein darf. Die den Heiligen erwiesene Verehrung ist, wie Thomas von Aquin lehrt, „ein gewisses Bekenntnis des Glaubens, in welchem wir an die Herrlichkeit der Heiligen glauben“ (Qoudl. 9,16). Könnte die Kirche in ihrem Urteil irren, so ergäben sich daraus Konsequenzen, die mit der Heiligkeit der Kirche unvereinbar wären. [5]

    Die Kanonisation der Heiligen ist das letzte und endgültige Urteil der Kirche darüber, dass jemand zu den Heiligen des Himmels zählt und in der ganzen Kirche als heilig zu verehren ist.[6]

    Erst Theologen seit dem zweiten Vatikanischen Konzil sprechen nicht mehr von Unfehlbarkeit, jedoch sind sie der Meinung, dass eine Heiligsprechung, sowohl endgültigen, und irreformablen Charakter besitzen. Dies stellt zwar eine Abschwächung von der Unfehlbarkeit dar, jedoch gilt weiterhin, dass Heiligsprechungen den endgültigen Charakter besitzen und daher ein Heiliger im Himmel ist und nicht mehr im Fegfeuer oder sogar in der Hölle.

    Schlusswort
    Nach längerem Studium der Materie, bin ich persönlich der Auffassung, eine Heiligsprechung ist ein unfehlbarer Akt des Papstes. Auch wenn der Text von Pier V. Aimone die Unfehlbarkeit und das dogmatische Faktum sehr abschwächt, besitzen die Äusserungen der Dogmatiker Ott und Diekamp Jüssen ernstlichere Argumente. Sie sprechen von der Heiligsprechung als dogmatisches Faktum und die Theologische Qualifiaktion des dogmatischen Faktums wird in den Bereich der Unfehlbarkeit verlegt.

    In den Ausführungen von Pier V. Aimone wird eine modernistische Tendenz sichtbar, wenn er rein von der historischen Bewertung der Sachlage spricht. Das Hauptaugenmerk liegt für mich im Kirchenrecht von 1917, da wird alles detailliert geregelt, wie ein Heiligsprechungprozess abläuft. Bis dahin kann man ohne Bedenken sagen, dass das ordentliche Lehramt, die Kanoniker und die Dogmatiker von der Unfehlbarkeit ausgegangen sind. Erst nach dem zweiten Vatikanischen Konzil und mit den Reformen von Papst Paul VI. treten die ersten Äusserung zur möglichen NIchtunfehlbarkeit auf.

    Ich persönlich werde ab Heute den heroischen Tugendgrad beider Päpste anerkennen und als Heilige der Kirche ansehen. Verhaltene Kritik an der Amtsführung und den nicht idealen theologischen Äusserungen der beiden Päpste werde ich jedoch weiterhin vorbringen. Heilig sein heisst nicht Irrtumslos sein! Weiter ist die Heiligsprechung für mich nicht eine direkte oder indirekte Bestätigung für das zweite Vatikanische Konzil!



    Hinweis
    1) Die kanonisch-theologische Qualifikation päpstlicher Selig- und Heiligsprechungen - Pier V. Aimone
    2) Katholische Dogmatik - Diekamp Jüssen
    3) Die kanonisch-theologische Qualifikation päpstlicher Selig- und Heiligsprechungen - Pier V. Aimone
    4) Katechismus der Katholischen Kirche Art. 828
    5) Grundriss der Dogmatik - Ludwig Ott
    6) Katholische Dogmatik - Diekamp Jüssen

  • 1. DIE LEHRE DER KIRCHEDatum05.07.2013 15:56
    Foren-Beitrag von sairo im Thema

    Das kirchliche Lehramt als nächste und unmittelbare katholische Glaubensregel

    Die göttliche Einsetzung und die Unfehlbarkeit des kirchlichen Lehramtes werden hier als in der Apologetik bewiesen vorausgesetzt. Die Einleitung in die Dogmatik handelt vom unfehlbaren Lehramt der Kirche, insofern es Quelle der Dogmatik und katholische Glaubensregel ist. Ersteres ist in Letzterem enthalten. Denn wenn das Lehramt eine Richtschnur des katholischen Glaubens darstellt, so bietet es dem Dogmatiker reichen und sicheren Stoff zur wissenschaftlichen Behandlung.

    Katholische Glaubensregel ist dasjenige für alle Glieder der Kirche Christi massgebend bestimmt.

    Sie ist eine entfernte (mittelbare), wenn sie zwar die göttliche Gewähr der Glaubwürdigkeit ihres ganzen Inhaltes in sich trägt, aber einer weiteren Instanz bedarf, die ihre (scil. der entfernten Regel) innere Autorität in allgemein bindender Weise nach aussen geltend macht. Sie ist hingegen eine nächste (unmittelbare), wenn sie, ohne solcher Vermittlung zu bedürfen, durch sich selbst jeden einzelnen Gläubigen verpflichtet. Hl. Schrift und Tradition — Letztere als Summe der Traditionszeugen und -denkmäler verstanden— sind regula fidei remota (d.h. entfernte od. mittelbare Regel des Glaubens); das kirchliche Lehramt ist regula fidei proxima (d.h. unmittelbare Regels des Glaubens). Den jeweiligen Trägern des Lehramtes steht es zu, aus der Hl. Schrift und der apostolischen Überlieferung zu schöpfen, unfehlbar über sie zu urteilen und dadurch allen Gliedern der Kirche Glaubenspflicht aufzuerlegen.

    Man kann von der nächsten Glaubensregel im aktiven und im objektiven Sinn sprechen. Im A k t i v e n Sinn ist sie die Tätigkeit, durch die das kirchliche Lehramt den Inhalt der Offenbarung als Gegenstand des pflichtmässigen Glaubens verkündigt. Im objektiven
    Sinn ist sie die von der Kirche vorgeschriebene Lehre, die von allen Christen in bereitwilliger Unterwerfung angenommen werden muss, damit sie in der Einheit des Glaubens und der Kirche stehen.

    Die kirchliche Lehrverkündigung ist nächste und unmittelbare Richtschnur des katholischen Glaubens (regula proxima fidei). DE FIDE

    Positiver Beweis
    1. Kirchliches Lehramt. — Das Vatikanum lehrt: Wenn das kirchliche Lehramt kraft seiner Unfehlbarkeit endgültig entscheidet, dass eine Wahrheit von Gott geoffenbart ist, und ihre gläubige Annahme gebietet, so ergibt sich für jeden einzelnen Christen die Pflicht der fides divina et catholica (DH. 1792/3011.1795/3015).

    2. Die Offenbarungsquellen
    Die Hl. Schrift. — Die Kirche ist die von Christus bevollmächtigte Zeugin der göttlichen Wahrheit gegen jeden Zweifel und Irrtum (Apg 1, 8; Lk 24, 48 f.), eine Säule und Grundfeste der Wahrheit (1 Tim 3, 15), auf Felsengrund gebaut, so dass die Pforten der Hölle trotz ihrer unheimlichen Lügenmacht sie nicht überwältigen können (Mt 16, 18). Die unbedingte Sicherheit dessen, was die Kirche zu glauben befiehlt, wird gewährleistet durch den ununterbrochenen besonderen Beistand Christi und des Geistes der Wahrheit, den er ihr gesandt hat (Mt 28,18 ff.; Joh 14, 26; 16,13).
    Der Hl. Geist spricht durch die Kirche (Apg 15, 28); auf seiner göttlichen Kraft beruht ihre Glaubensverkündigung (1 Kor 2, 4 f.). Ihr steht es daher zu, richterlich über den Inhalt der Lehre Christi und deren Sinn zu entscheiden (Mt 18, 17 f.; Mk 16,15 f.; Lk 10,16).
    So haben es auch die Apostel als die ersten Inhaber der kirchlichen Lehrgewalt gehalten. Ihr Predigen ist ein autoritatives Gebieten, dem die Gläubigen Gehorsam zu leisten haben (Rom 1, 5; 10,13 ff.; 16, 26), mögen sie auch ihre eigene Einsicht zum Opfer bringen müssen (2 Kor 10, 5). Wer der apostolischen Predigt widerspricht, den trifft das Anathem (Gal 1, 8; 1 Tim 1, 20). Die Nachfolger der Apostel aber sollen die Ausübung dieser Lehrgewalt mit allen ihren Rechten fortsetzen (vgl. Apg 20, 28; 1 Tim 4,16; 6,13 f.; 2 Tim 1, 6. 8. 13 f.; 2, 2; 4,1 -6; Tit 1, 9).

    Begründung aus der Tradition
    Schon Ignatius betont mit hohem Ernst die Pflicht der Gläubigen, mit der Lehre des Bischofs übereinzustimmen, der seinerseits mit dem gesamten Episkopat in der Lehre Christi eins ist (Eph. 3 u. 4; Philad. 3 usw.). Klar und entschieden lehrt Irenäus, das Lehramt der Bischöfe sei für alle Christen, die sichere und verpflichtende Richtschnur des Glabuens. Durch die Kirche sprichte der Hl. Geist, der die Wahrheit selber ist; wer sich nicht an die Kirche hält, beraubt sich selbst durch schlechte Lehre des Lebens (Adv. haer. III, 4). Es ist eine Amtsgnade der Bischöfe, den wahren Glauben zu verkündigen: Cum episcopatus successione charisma veritatis certum secundung placitum Patris acceperunt... Ubi igitur charismata Domini posita sunt, ibi discere oportet veritatem, apud qous est ea, quae est ab apostolis, Ecclesiae succesio, et id, quod est ... inadulteratum et incorruptibile sermonis, constat (IV 26). Vgl. Tertullian De praescr. 20 f.; Cyprian De unit. Eccl. 4; Origenes de princ. Praef. 2; In Matth. comm. 46 f. Ebenso lehren alle jüngeren Kirchenväter – Auch die kirchliche Praxis hat, wie namentlich die Geschichte der Konzilien und die päpstlichen Urteile über die Häretiker zeigen, stets bekundet, dass das kirchliche Lehramt der oberste Richter in Sachen des Glaubens und der Sitten ist.

    Spekulative Begründung
    Die Hl. Schrift und die Überlieferung / Tradition (anm. d. Verf.) enthalten zwar die ganze Offenbarungslehre, bedürfen aber, wie oben gezeigt wurde, der Bestätigung und Auslegung durch das kirchliche Lehramt. Deswegen sind Schrift und Überlieferung regula remota fidei, und nur das Lehramt kann die nächste und unmittelbare Regel unseres Glaubens sein.2)



    Hinweise:

    2) Diekamp Jüssen - Katholische Dogmatik S. 74-76
    DH) Denzinger / Hühnermann - Kompendium der Glaubensbekenntnisse und kirchlichen Lehrentscheidungen 43. Auflage

  • 1. DIE LEHRE DER KIRCHEDatum04.07.2013 03:10
    Thema von sairo im Forum Dogmatik

    Liebe Leser und Leserinnen

    Ich beginne nun mit meiner Beitragsserie über die Dogmen der katholischen Kirche. Anfangen möchte ich mit den Dogmen über die "Lehre der Kirche" oder der Fachausdruck der nachfolgend verwendet wird, heisst: Ekklesiologie. Im Buch Ludwig Ott's - Grundriss der Dogmatik - beginnt die Ekklesiologie auf Seite 384.



    Die Gründung der Kirche durch Christus

    DOGMA NR 134: Die Kirche wurde von dem Gottmenschen Jesus Christus gegründet DE FIDE

    Das erste Vatikanische Konzil erklärte in der dogmatischen Konstitutionen über die Kirche Christi: "Der ewige Hirt und Bischof unserer Seelen (1 Petr 2,25) beschloß, um dem heilbringenden Werk der Erlösung Dauer zu verleihen, die heilige Kirche zu bauen, in der alle Gläubigen wie im Hause des lebendigen Gottes durch das Band des einen Glaubens und der einen Liebe zusammengeschlossen sein sollten" DH 3050ff.

    Papst Pius X erklärte im Antimodernisteneid von 1910, daß "die Kirche vom wahren und geschlichtlichen Christus selbst in der Zeit seines Erdenlebens unmittelbar und persönlich gegründet wurde". DH 3357ff. Die Gründung der Kirche durch Christus besagt, daß er selbst die wesentlichen Grundlagen der Kirche in der Lehre, im Kult und in der Verfassung gelegt hat.

    Häretische Gegensätze
    Die Reformatoren lehrten, Christus habe eine unsichtbare Kirche gegründet. Die rechtliche Organisation sei eine menschliche Einrichtung. Die griechisch-orthodoxe Kirche und die anglikanische Kirche anerkennen die göttliche Stiftung einer sichtbaren, hierarchischen Kirche, leugnen aber die göttliche Einsetzung des Primates. Nach der modernen liberalen Theologie lag es nicht in der Absicht Jesu, seine Jünger von der Synagoge abzusondern und zu einer selbständigen religiösen Gemeinschaft zusammenzuschließen; beides sei unter dem Eindruck der äußeren Verhältnisse erfolgt. Nach dem Modernismus faßte Jesus das „Himmelreich", dessen Nähe er verkündete, rein eschatologisch im Sinne der spätjüdischen Apokalyptik auf. Da er das Weltende für unmittelbar bevorstehend gehalten habe, sei es ihm fernegelegen, eine Kirche als eine Gesellschaft zu gründen, die jahrhundertelang auf Erden bestehen sollte. Die Kirche habe sich aus dem Kollektivbewußtsein der ersten Gläubigen, das zum gesellschaftlichen Zusammenschluß drängte, entwickelt. DH 3452, 3492.

    Begründung aus der Heiligen Schrift
    Bereits die Propheten des Alten Bundes hatten für die messianische Zeit die Errichtung eines neuen Gottesreiches angekündigt, das nicht mehr auf das Volk Israel beschränkt sein sollte, sondern alle Völker umfassen sollte (vgl. Is 2, 2-4; Mich 4, 1-3; Is 60). Jesus begann sein öffentliches Wirken mit der Predigt vom „Himmelreich" (so Mt) oder „Gottesreich" (so die übrigen Evangelisten): „Tuet Buße, denn das Himmelreich ist nahe" (Mt 4, 17; vgl. 10, 7). Seine Wundertaten zeigen, daß das messianische Gottesreich bereits gekommen ist
    (Mt 12, 28). Als Bedingungen für den Eintritt in das Gottesreich verlangt Jesus Gerechtigkeit (Mt 5, 20), Erfüllung des Willens seines Vaters
    (Mt 7, 21) und Kindessinn (Mt 18, 3). Er fordert seine Zuhörer auf, zuerst das Reich Gottes zu suchen (Mt 6, 33), droht den Pharisäern mit dem Ausschluß aus dem Reiche Gottes (Mt 21, 43; 23,13) und kündet den Übergang des Reiches Gottes von den Juden auf die Heiden an
    (Mt 21,43). Das Gottesreich versteht Jesus nicht rein eschatologisch. Es ist ein Reich, das in dieser Weltzeit auf Erden gegründet wird und fortbesteht, in der künftigen Welt aber im Jenseits vollendet wird. Zahlreiche Gleichnisse Jesu, z.B. vom Sämann, Unkraut im Weizen, Netz, Sauerteig, Senfkorn, beziehen sich auf die diesseitige Form des Gottesreiches.

    Im Gegensatz zur alttestamentlichen Gemeinde Jahwes bezeichnet Jesus die neue religiöse Gemeinschaft, die er gründen will, als seine Gemeinde. Mt 16, 18: „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen." Hier spricht Jesus klar die Absicht aus, eine von der Synagoge losgelöste, neue religiöse Gemeinde zu gründen. Zu diesem Zwecke sammelte er Jünger um sich (Mt 4,18ff) und wählte aus ihnen zwölf aus, „daß sie bei ihm seien und daß er sie aussende, zu predigen und Vollmacht zu haben, die Dämonen auszutreiben" (Mk 3, 14f). Nach ihrer Aufgabe nannte er sie Apostel (Lk 6, 13), d.h. Abgesandte, Beauftragte, Bevollmächtigte (Wiedergabe des hebräischen schaliach und schaluach bzw. des aramäischen schelucha = der Abgesandte). In einem längeren persönlichen Verkehr schulte er sie für das Predigtamt (Mk 4, 34; Mt 13, 52) und übertrug ihnen eine Reihe von Gewalten:

    - die Binde- und Lösegewalt (Mt 18,17f), d.i. die gesetzgebende, richterliche und strafende Gewalt
    - die Gewalt, die Eucharistie zu vollziehen (Lk 22, 19)
    - die Gewalt, Sünden zu vergeben (Jo 20,23)
    - und die Gewalt, zu taufen (Mt 28,19).

    Er sandte sie in alle Welt aus mit dem Auftrag, überall sein Evangelium zu predigen und zu taufen (Mt 28,19f; Mk 16,15f). Bevor er zum Vater zurückkehrte, gab er seine Sendung an die Apostel weiter: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch" (Jo 20, 21). Den Apostel Petrus bestimmte er zum Haupt der Apostel und zum obersten Leiter seiner Kirche (Mt 16,18f; Jo 21,15-17). Der von Christus gewollte übernationale Charakter seiner Stiftung und der über das Alte Testament weit hinausgreifende Inhalt seiner Glaubens- und Sittenlehre mußte notwendig zur Absonderung der urchristlichen Gemeinde von der Synagoge führen.

    Nach der Lehre des hl. Paulus ist Christus selbst der „Eckstein", auf dem der geistige Tempel, den die Gläubigen mitsammen bilden, aufgebaut ist (Eph 2, 20), „das Fundament, das gelegt worden ist" und auf dem die Glaubensboten bei ihrer Missionsarbeit weiterbauen müssen (1 Kor 3, 11). Christus ist das Haupt der Kirche (Eph 5, 23; Kol 1, 18). Die Kirche ist sein Eigentum, das er mit seinem eigenen Blute erworben hat (Apg 20, 28); seine Braut, die er geliebt hat und für die er sich hingegeben hat, um sie zu heiligen und sie sich herrlich zu gestalten (Eph 5, 25-27). Getreu dem Auftrag Christi predigten die Apostel Juden und Heiden das Evangelium Christi und gründeten christliche Gemeinden. Diese waren durch das Bekenntnis desselben Glaubens und durch die Feier desselben Kultes unter der Leitung der Apostel miteinander verbunden. Vgl. Apg und Apostelbriefe.

    Begründung aus der Tradition
    Die Väter sehen in der Kirche und ihren Einrichtungen allgemein das Werk Christi. Klemens von Rom führt die gesamte kirchliche Ordnung auf die Apostel, über die Apostel auf Christus, über Christus auf Gott zurück (Kor 42). Cyprian spricht im Anschluß an Mt 16, 18 vom Bauen der Kirche durch Christus und bezeichnet die Kirche als „Kirche Christi" und als „Braut Christi" (De unit. eccl. 4 u. 6). Was den Zeitpunkt der Stiftung der Kirche durch Christus betrifft, so muß man verschiedene Stufen unterscheiden, die Vorbereitung in der Zeit der öffentlichen Wirksamkeit, die Vollendung durch den Opfertod am Kreuze und den Eintritt in die Öffentlichkeit am Pfingstfeste nach der Sendung des Hl. Geistes. Das erste christliche Pfingstfest gilt darum als Geburtstag der Kirche. Vgl. Vat. II, „Lumen gentium" n. 3-5.1)


    Hinweise

    1) Ludwig Ott - Grundriss der Dogmatik S. 388 - 390
    DH) Denzinger / Hühnermann - Kompendium der Glaubensbekenntnisse und kirchlichen Lehrentscheidungen 43. Auflage

  • Theologische Gewißheitsgrade Teil IIDatum30.05.2013 16:31
    Thema von sairo im Forum Dogmatik
    Die katholischen Wahrheiten oder kirchlichen Lehren, über die das unfehlbare Lehramt der Kirche endgültig entschieden hat, sind mit einem Glaubensassens anzunehmen, der sich auf die Autorität der Kirche allein stützt (FIDES ECCLESIASTICA). Die Gewißheit dieser Wahrheiten ist unfehlbar wie bei den eigentlichen Dogmen.


    SENTENTIA FIDEI PROXIMA ist eine Lehre, für deren Offenbarungscharakter fast die Gesamtheit der Theologen und auch die Kirche selbst eintritt, ohne dass sie jedoch von der Kirche mit voller Deutlichkeit als unfehlbare Wahrheit verkündigt worden wäre.

    z. B. nehmen wir folgende Sentenz:

    Gott will auch unter der Vorrausetzung des Sündenfalles und der Erbsünde wahrhaft und aufrichtig das Heil aller Menschen. SENT. FIDEI PROXIMA


    SENTENTIA AD FIDEM PERTINENS oder THEOLOGICE CERTA (SENT. CERTA) ist eine Lehre, über die sich das kirchliche Lehramt noch nicht endgültig geäussert hat, deren Wahrheit aber durch ihren inneren Zusammenhang mit der Offenbarungslehre (Dogma) sicher verbürgt ist (theologische Konklusionen).


    SENTENTIA COMMUNIS ist eine Lehre, die an sich in das Gebiet der freien Meinungen gehört, von den Theologen aber allgemein vertreten wird und der man aber wegen der allgemeinen Zustimmung der Theologen nur auf die triftigsten Gründen hin widersprechen darf.


    Weitere theologische Meinungen von geringerem Gewißheitsgrad sind die

    - SENT. PROBABILIS
    - SENT. PROBABILIOR
    - SENT. BENE FUNDATUR


    und die mit Rücksicht auf Ihre Übereinstimmung mit dem Glaubensbewusstsein der Kirche sogenannte

    - SENT. PIA

    den geringsten Gewißheitsgrad bseitzt die

    - OPINIO TOLERATA

    die nur schwach begründet ist, aber von der Kirche geduldet wird.
  • Theologische Gewißheitsgrade Teil IDatum28.05.2013 17:17
    Thema von sairo im Forum Dogmatik
    In der Dogmatik werden Glaubenssätze in verschiedene Gewißheitsgrade unterteilt.

    Den höchsten Gewißheitsgrad besitzen die unmittelbar geoffenbarten Wahrheiten. Der ihnen gebührende Glaubensassens (-zustimmung) stützt sich auf die Autorität des offenbarenden Gottes (fides divina = göttlichen Glaubens) und, wenn die Kirche ihre Vorlage des Enthaltensein in der Offenbarung verbürgt, auch auf die Autorität des unfehlbaren Lehramtes der Kirche (fides catholica = katholischen Glaubens). Wenn sie (die Kirche) ein feierliches Glaubensurteil (Definition) des Papstes oder eines allgemeinen Konzils vorgelegt werden, sind sie DE FIDE (DIVINA et CATHOLICA) DEFINITA

    Ein Beispiel für ein Dogma das den höchsten Gewißheitsgrad besitzt:

    Gott, unser Schöpfer und Herr, kann aus den geschaffenen Dingen durch das natürliche Licht der Vernunft mit Sicherheit erkannt werden. DE FIDE (DIVINA et CATHOLICA) DEFINITA Dieses Dogma wurde durch das I. Vatikanische Konzil definiert, siehe DH 3026; vgl. 2441, 3004, 3875ff.

    Die vielfach verwendete Bezeichnung "DE FIDE (DIVINA et CATHOLICA) DEFINITA" drückt aus, dass die betreffende Glaubenswahrheit in außerordentlicher Betätigung des kirchlichen Lehramtes durch ein iudicium sollemne (d.h. päpstliches Kathedraurteil oder Glaubensentscheidung eines allgemeinen Konzils) definiert worden ist.

    Aus praktischen Gründen verwende ich folgende Form für ein Dogma 
    mit dem höchsten Gewißheitsgrad --> DE FIDE
  • Was ist Dogmatik?Datum28.04.2013 23:59
    Foren-Beitrag von sairo im Thema

    Lieber blasius

    Mir ist dieser Wikipedia Artikel bekannt und habe den jetzt nochmals aufmerksam durchgelesen.

    Wie ich hier schon geschrieben habe und ich wiederhole: Wenn ein Getaufter (von einem katholischen Priester) ein eigentliches Dogma vorsätzlich leugnet oder bezweifelt, macht er sich der Sünde der Häresie schuldig und verfällt der Strafe der von selbst eintretenden Exkommunikation (CIC 1325 §2 und CIC 2314 §1).

    Was andere Glaubensgemeinschaften über die katholische Dogmatik denken, ist mir bekannt. Diese Argumente kann man jederzeit widerlegen. Dazu empfehle ich dir das Studium der scholastischen Philosophie und diverse Literatur von Kirchenvätern, Kirchenlehrer und der Dogmatik von Ott, Scheeben oder Diekamp Jüssen, aber ganz speziell die Summa Theologica des heiligen Thomas von Aquin.

    Ich werde mich jetzt wieder der Erklärung der katholischen Dogmen widmen und alle Leser sind herzlichst eingeladen, mich bei Verständnisfragen hier zu kontaktieren.

    Freundliche Grüße und Gottes Segen
    sairo

  • Was ist Dogmatik?Datum28.04.2013 16:31
    Foren-Beitrag von sairo im Thema

    Zitat von blasius im Beitrag #4
    Wozu Dogmen?

    http://www.vatican.va/archive/compendium...ium-ccc_ge.html

    http://www.bibleserver.com/




    Lieber blasius

    Die Dogmen sind das Fundament der Glaubenslehre der katholischen Kirche. Dogmen werden vom Lehramt der Kirche oder von Konzilien definiert, weil sie das Prinzip sind, die in der Bibel grundgelegten Aussagen zu verdeutlichen bzw. gegen falsche Deutungen zu verteidigen.

    Das gerade Dogmen heute stark umstritten sind, ist nicht verwunderlich. Fällt das Dogma, fällt die Lehre der katholischen Kirche. Fällt die Kirche, werden unweigerlich noch mehr Seelen das Unheil der ewigen Verdammnis ereilen. Denn schon Petrus sagte: "Brüder, seid nüchtern und wacht, denn der Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge; widersteht im stark im Glauben." Dieser Glaube wovon der Hl. Petrus spricht, muß stark sein und daher ist es evident, daß der Glaube von der Kirche verteidigt, definiert und sprachlich in die Form von Dogmen gebracht wird.

    Es ist töricht zu meinen, Gott schenkt jedem Menschen das vollkommene Wissen über den Glauben. Die Dreifaltigkeit hat in seinem Ratschluss festgelegt, die Leitung und Autorität der Einen, Heiligen, Katholischen und Apostolischen Kirche zu übergeben.

    Freundliche Grüße und Gottes Segen
    sairo

  • Was ist Dogmatik?Datum21.04.2013 18:40
    Thema von sairo im Forum Dogmatik

    Die Dogmatik kann man definieren als "wissenschaftliche Darstellung der ganzen theoretischen, von Gott geoffenbarten Lehre über Gott selbst und seine Tätigkeit auf Grund des kirchlichen Dogmas." 1)

    Was ist eine Dogma?

    Begriff des Dogmas im strengen Sinn versteht man eine von Gott unmittelbar (formell) geoffenbarte Wahrheit, die vom kirchlichen Lehramt als solche zu glauben vorgelegt wird. Zum Begriff des Dogmas gehören folgende zwei Momente:

    a) die unmittelbare göttliche Offenbarung

    Die betreffende Wahrheit muß unmittelbar, sei es ausdrücklich (explicite, lat. Begriff für ausdrücklich) oder einschlußweise (implicite), von Gott geoffenbart und darum in den Offenbarungsquellen

    a1) in der Heiligen Schrift oder
    a2) in der Tradition enthalten sein.


    b) die Vorlage durch das kirchliche Lehramt

    Diese schließt nicht bloß die Bekanntgabe der Glaubenslehre in sich, sondern auch die Verpfichtung, die vorgelegte Wahrheit zu glauben. Sie erfolgt entweder auf außerordentliche Weise durch eine feierliche Glaubensentscheidung des Papstes oder eines allgemeinen Konzils

    oder

    durch das ordentliche Lehramt und allgemeine Lehramt der Kirche. Letztere ist am leichtesten greifbar in den vom Episkopat (d. h. den Kongregationen in Rom, Bischöfen oder Bischofskonferenzen) herausgegeben Katechismen.

    Gegenstand des Dogmas
    Das Dogma im eigentlichen Sinne ist Gegenstand der "fides divina et catholica" (Göttlichen und katholischen Glaubens). Wenn ein Getaufter (von einem katholischen Priester) ein eigentliches Dogma vorsätzlich leugnet oder bezweifelt, macht er sich der Sünde der Häresie schuldig und verfällt der Strafe der von selbst eintretenden Exkommunikation (CIC 1325 §2 und CIC 2314 §1).




    HINWEIS

    Ich werde im Laufe der Zeit verschiedene Glaubenswahrheiten hier veröffentlichen. Dazu dient mir folgende Sachliteratur:

    1) Grundriss der Dogmatik - Ludwig Ott
    2) Katholische Dogmatik - Diekamp, Jüssen
    3) Enchiridion symbolorum definitionem et declarationum de rebus fide et morum (Koompendium der Glaubensbekenntnisse und kirchlichen Lehrentscheidungen - Heinrich Denzinger, Peter Hünermann 43. Auflage

    Wenn Begriffe unbekannt sind, bitte ich die Leser nicht zu verzweifeln. Nach und nach werden die Begriffe im Zusammenhang mit dem jeweiligen Dogma erklärt. Da ich mich mit der Dogmatik als Laie auseinandersetze, ist es nicht auszuschliessen, dass auch mir Fehler unterlaufen können. Ich bitte die Leser/innen, mich jederzeit auf Fehler aufmerksam zu machen.

    Vielen herzlichen Dank und allen Gottes Segen
    sairo

Inhalte des Mitglieds sairo
Beiträge: 20
Geschlecht: männlich

Besucher
0 Mitglieder und 11 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: Elisabeth
Besucherzähler
Heute waren 166 Gäste und 1 Mitglied online.

Forum Statistiken
Das Forum hat 3358 Themen und 22076 Beiträge.

Heute war 1 Mitglied Online :
Hemma



Xobor Einfach ein eigenes Xobor Forum erstellen
Datenschutz