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  • Thema von Blasius im Forum Unsere Fürsprecher




    Odilia wurde vor dreizehnhundert Jahren im Elsass als die Tochter des alemannischen Herzogs Atich geboren. Die Mutter war recht, aber der Vater war nicht recht, war nur äußerlich ein Christ, innerlich jedoch ein wilder Heide, der die Frauen und Mädchen nicht achtete. Mächtig hatte er sich gefreut, als ihm die Gattin sagte, sie wolle ihm ein Kindlein schenken. Als aber das Kind geboren wurde und der Herzog erfuhr, dass es ein Mädchen und dazu ein blindes, unschönes und hässliches Geschöpf war, geriet er in Zorn, denn einen Sohn wollte er haben und nicht solch einen Wurm von einem Mädchen.



    Das Ende vom Lied war, dass der unmenschliche Vater den Befehl gab, dass Kind im Rhein zu ertränken. Doch da legte sich die Mutter ins Mittel und ließ die Kleine heimlich in ein weit entferntes Kloster bringen. Dort wuchs das Mädchen unbekannt in ängstlich gehüteter Verborgenheit heran, unschön und blind, und unverständlicherweise wurde es erst mit fünfzehn Jahren auf den Namen Odilia getauft. Bei der Taufe ereignete sich ein Wunder. Als sich nämlich das Taufwasser über Odilias Haupt ergoss, öffneten sich die Augen dem Licht, so dass die Blinde sehend wurde. Zugleich wich alle körperliche Unehre von dem jungen Menschenkind, und in fast überirdischer Schönheit blühte Odilia auf wie eine Rose im Morgentau.



    Unsichtbarerweise wiederholt sich übrigens dieser Vorgang, sooft eine Taufe gespendet wird. Jeder Mensch ist wegen der Erbsünde, mit der er zur Welt kommt, unschön und hässlich vor Gottes Blick, sobald aber das Taufwasser die schwarzen Flecken der Erbschuld fortspült, wird die Seele des Täuflings mit einer unvergleichlichen Schönheit bekleidet, so dass sich darüber sogar die Engel und Heiligen im Himmel freuen.



    Weiter berichtet die Legende, dass Odilia später auf das elterliche Schloss Hohenburg im Elsass heimkehrte. Ihr Bruder Hugo verhalf ihr dazu, und weil Hugo es gegen den Willen des Herzogs tat, erschlug der Vater den eigenen Sohn. Weinen möchte man fast, wenn man von solcher Grausamkeit erfährt, und alle Kinder sollen dem lieben Gott herzlich dafür danken, dass er ihnen einen Vater gab, der sich, selbst wenn er zuweilen streng ist und straft, doch vielmals besser aufführt als der wüste Herzog Atich.



    Dann sollte Odilia auf des Vaters Befehl einen jungen Mann heiraten, den sie nicht mochte, weil sie sich in lebenslänglicher Jungfräulichkeit dem lieben Heiland versprochen hatte. Um dem heiligen Gelöbnis treu zu bleiben, floh die Prinzessin in der Kleidung einer Magd zur nächtlichen Stunde über den Rhein in den Schwarzwald. Als sie dort, eine Stunde von Freiburg im Breisgau entfernt, am Fuß eines Felsens rastete, erschien auf schnaubendem Ross der rasende Vater, um die Flüchtlinge zu züchtigen und heimzuholen. Da betete Odilia aus Herzensgrund zum Himmel um Hilfe und Schutz, und siehe, der Felsen war weicher als das harte Vaterherz, denn er öffnete sich und nahm die Verfolgte auf und verbarg sie vor dem blindwütigen Herzog Atich. Heute steht an der Stelle, wo das geschah, eine Kapelle, und eine Quelle sprudelt dort, aus der Heilwasser für kranke Augen fließt.



    Nach diesem Ereignis öffneten sich endlich auch des Vaters Augen, und der Herzog erkannte, dass Gottes Hand sein Kind schützte und schirmte. Wahrhaft bekehrte sich der wüste Mann und machte aus der Hohenburg ein Kloster, dem Odilia vierzig Jahre lang bis zu ihrem seligen Ende vorstand. In Freude diente sie dem Herrn, und gegenüber den Armen war sie überaus wohltätig bis in unsere Zeit, denn auf dem Hohenberg, der jetzt Odilienberg heißt, fließt heute ebenfalls eine Heilquelle für kranke Augen.



    Ottilia und der Pilger



    Ein Greis, im Schnee ohnmächtig hingestreckt,

    Mit Beulen wie ein Lazarus bedeckt,

    Zum Himmel schickt er halb erstorbne Laute.

    Das hört Ottilia, die Gottgetraute,

    Die jeder Seufzer aus dem Schlafe schreckt.



    Sie eilt dahin, wo sie´s im Geist gesehn;

    Allein zu spät, schon ist´s um ihn geschehn,

    Sie findet nur den Leichnam des Erstarrten.

    „Versuch ich´s, ihn zu betten und zu warten,

    Vielleicht erhört der Himmel noch mein Flehn.“



    Zur Klosterpforte trägt sie ihn im Nu,

    Bereitet ihm auf weichen Polstern Ruh,

    Auf seine Brust gesenkt, dass er erwarme,

    Umschlingt sie ihn mit lilienweißem Arme,

    Und Leben facht ihr reiner Hauch ihm zu.



    Da öffnet er die Augen und erschrickt,

    Als er so nah die Holde sich erblickt:

    „Hinweg, o schnell von dem unselig Kranken!

    Soll ich durch Pest und bös Geschwür dir danken,

    Du edle Retterin, die Gott mir schickt?



    Wer mich berührt, den fasst der Seuche Graus,

    Drum weichen alle Menschen vor mir aus,

    Mich duldet niemand unter seinem Dache;

    Denn kaum empfand ich Gottes schwere Rache,

    So stieß der Knecht mich aus dem eignen Haus.



    Und als ich weinend mich zur Kirche schlich,

    Der Priester am Altar entsetzte sich,

    Und der Gemeinde weigert er den Segen.

    Ich musste mich auf eine Bahre legen,

    Und eine Messe las man über mich.



    Dann auf dem Friedhof ward ich ausgeführt,

    Verbrannt die Bahre, die mein Leib berührt,

    Und mir geboten, Menschenspur zu meiden.

    Seitdem nun schweif ich pfadlos über Haiden

    Wo nie des Menschen Stapfe ward verspürt.



    Siehst du die Klapper nicht, das graue Kleid,

    Des Misselsücht´gen warnendes Geleit,

    Dass du es wagtest, Hilfe mir zu reichen?

    O soll das Gift dich, Herrliche, beschleichen,

    So find ich erst den Gipfel meinem Leid.“



    Ottilie schweigt, ein seliges Lächeln schwebt

    Ihr um das Auge, das zum Himmel strebt,

    Dann küsst sie ihn und weiß von keinem Schrecken.

    „Unreines mag das Reine nicht beflecken;

    Denn rein verbleibt, wer Gottes Ehren lebt.



    Den Menschen war dein Atemzug verhasst;

    Denn sie gedachten ihrer Sündenlast,

    Und deine Näh war sichtliches Verderben,

    Du aber musstest Reinigung erwerben

    Und hättest du nur meinen Saum gefasst.



    Erhebe dich, du bist gesund und rein,

    Nicht reiner kann des Himmels Sonne sein,

    Und deine Sünden hat dir Gott vergeben!“

    Durchdrungen fühlt er sich von neuem Leben

    Und Gottes Dienst gelobt er es zu weihn.


    https://www.marianisches.de/heilige-des-tages/

  • Thema von Blasius im Forum Unsere Fürsprecher

    Das Bistum Straßburg verehrt, nach der allerseligste Jungfrau, die heilige Odilia als seine erste Schutzpatronin, und nicht ohne Grund ist sie daselbst immer im gesegnetsten Andenken und in hoher Verehrung geblieben. Sie war die Gründerin des weiblichen Klosterlebens im Elsass, und die Stifterin vortrefflicher Anstalten zum Wohl der leidenden Menschheit, in denen sie mit ihren Klosterfrauen für andere sich auf die wohltätigste Weise nützlich machte, während sie von der Welt geschieden die evangelische Armut übte, ganz jener großen Weisheit der Heiligen gemäß, die von dem Menschen sich trennen, um vor deren Lastern sich zu bewahren, und mit den Menschen in Verbindung stehen, um ihre Gebrechen zu heilen, und in ihrem Elend sie zu unterstützen. Die Heiligkeit der Dienerin Gottes, die schon in ihren Taten so herrlich erglänzte, ward auch sogar bei ihren Lebzeiten, und noch mehr nach ihrem Tod durch häufige Wunder bekräftigt.



    Odilia oder Othilia war eine Tochter Adalrichs (den man auch Atticus, Attich und Hettich nennt), Herzogs von Elsass, und kam zur Welt ungefähr um das Jahr 662 zu Oberehenheim, einer etwa fünf Stunden von Straßburg gelegenen ehemaligen freien Reichsstadt, wo der Herzog seinen Wohnsitz hatte. Das Schloß des Atticus ward in der Folge zerstört, und jetzt sind nur noch einige Trümmer desselben zu sehen.



    Odiliens Mutter hieß Berswinda (Berwinde, Berchinde, Bruswinde usw.), und war eine Schwestertochter des heiligen Leodegar, und der Bilibilde, Gemahlin des Königs Childerich II; wie Schöpflin in einer handschriftlichen Note nachweißt. Attich, wie le Cointe und Schöpflin dartun, ein Sohn Leuterichs oder Leuthers, Herzogs von Allemanien, der an Siegberts II. Hof die ersten Ämter bekleidete, hatte nebst Odilien noch eine Tochter, Roswinda genannt, und vier Söhne, namens Etto, (Eticho oder Heddo), Adalbert, Hugo und Batacho oder Batticho. Wegen der Verdienste seiner Ahnen und seiner Verwandtschaft mit dem austrasischen König, erhielt er nach des Herzogs Bonifaz Tod von Childerich II. das Herzogtum Elsaß, das nach seinem Tod auf seine Söhne überging.



    Der Herzog Attich war, obgleich im Christentum geboren und erzogen, und auf Christentum haltend, von roher Gemütsart, was er durch verschiedene unedle Handlungen, besonders gegen Odilia, und, wie man sagt, gegen seinen Sohn Hugo, auf eine ganz unwürdige Weise an Tag legte. Diese nämlich kam blind zur Welt, was er für sein Haus als entehrend hielt, und darum seine eigene Tochter nicht einmal in seinem Schloss dulden wollte. Einige Schriftsteller wollten sogar behaupten, der grausame Vater habe den Befehl gegeben, das schuldlose Kind zu ermorden, gleich den Spartanern, welche in unmenschlicher Gefühllosigkeit die mit Gebrechen zur Welt geborenen Kinder dem Tode weihten.



    Die fromme Berswinda, voll Angst und Besorgnis, und wohl einsehend, dass ihres Gemahls unmenschliche Gesinnungen nicht zu besiegen wären, dass vielmehr jede Bemühung seine Leidenschaftlichkeit nur desto höher steigern würde, entfernte im Stillen ihr Kind durch eine treue Dienerin, welche dasselbe nach Scherweiler bei Schlettstadt brachte, wo sie ein ganzes Jahr mit ihm verblieb. Da aber mittlerweile die ganz außergewöhnliche Sorgfalt, mit welcher sie des Kindes pflegte, Aufsehen erregte, und die Mutter hiervon Nachricht erhielt, schickte sie es einer Verwandten oder Freundin, welche Äbtissin zu Palme, später Baume-les-Nones an dem Doubs, sechs Stunden von Besancon, war.



    In Betreff des Ortes, wo Odilia die heilige Taufe empfangen, so wie auch hinsichtlich der Person, die ihr dieselbe erteilt, sind die Geschichtsschreiber nicht einig. Die einen sagen, sie sei in ihrem zwölften Monat zu Moyen-Moutier oder in einer Kapelle bei Stibach oder Etival getauft worden; andere behaupten etwas später zu Regensburg; wieder andere meinen, sie habe in der Abtei Baume am Doubs nach ihrem zwölften Jahr von dem heiligen Erhard, Bischof von Regensburg, die heilige Taufe empfangen. Diese Meinung aber, dass sie der heilige Eberhard, angeblich Bischof von Regensburg, getauft habe, zerfällt schon deshalb, weil der bischöfliche Stuhl dieser Stadt erst ein Jahrhundert später errichtet worden ist. Der Pater le Cointe glaubt, sie sei getauft worden im Elsass. Allein die meisten Denkmale stimmen für die Abtei Baume, und für den heiligen Eberhard oder Erhard, Abt von Ebersheimmünster an der Ill, eine deutsche Meile unterhalb Schlettstadt. Eberhard von Ebersheimmünster mochte wohl ein Regionar-Bischof gewesen sein, und das Evangelium zu Regensburg gepredigt haben. Auch kann man ganz gut annehmen, dass der heilige Hidulph, früher Bischof von Trier, dann Abt von Moyen-Moutier, als Taufpate gegenwärtig gewesen, denn er genoss einer hohen Achtung in dem Hause des Herzogs, der seiner Abtei auch das Landgut von Feldkirch schenkte, welches bis in die letzte Zeit diesem Gotteshaus zugehörte.



    Obgleich indes die Angaben in obiger Beziehung nicht zur geschichtlichen Gewissheit gesteigert werden können, so wissen wir doch zuverlässig, dass Odilia in der Taufe mit der Erleuchtung der Seele, auch zugleich das Augenlicht erhalten hat; dass aber der Herzog, ihr Vater, ungeachtet demselben die frohe Botschaft dieser wunderbaren Begebenheit überbracht worden, seine Tochter dennoch von sich entfernt wissen wollte.



    In dem Kloster Baume, wo alle Tugenden geübt wurden, nahm indes die Heilige zu an Gnade und Weisheit. Mit schnellen Schritten eilte sie auf dem Weg der Vollkommenheit voran, und die Widerwärtigkeiten, die ihr jeweilig zustießen, befeuerten nur noch wundersamer ihren Eifer, und begründeten sie unerschütterlich in der christlichen Geduld und Sanftmut. Sie fühlte sich zwar nicht gedrungen, unter die Zahl der Klosterfrauen sich aufnehmen zu lassen, wie das Brevier von Besancon fälschlich angibt, dennoch aber befolgte sie mit großem Eifer die Ordensregel, und konnte sogar in diesem Betreff den Klosterfrauen zum Muster aufgestellt werden. In ihr war vorzüglich jenes Licht des Glaubens aufgegangen, das in allem Gottes Fügung und den Zweck der Tugend zeigt; in ihr flammte jenes Feuer des himmlischen Sinnes und der Nächstenliebe, das zu Gebet und Betrachtung begeistert, und zum Wohltun und zur Aufopferung für die Menschen. Keine Not blieb ihr unbekannt, und kein Bedrängter schied von ihr ohne Trost und Labung. Alles, was ihr zu Gebote stand, goss sie mit fröhlicher Mildherzigkeit in den Schoß der Armen, und verdoppelte dadurch ihre Werke der Barmherzigkeit, dass sie ihnen zugleich Frömmigkeit und Gottesfurcht einzuflößen sich bestrebte. – Ihre Amme ehrte sie mit kindlicher Liebe wie eine Mutter. Durch ihre Vermittlung ward auch dieselbe in das Kloster Baume aufgenommen; und in ihrer letzten Krankheit wich Odilia nie von ihrer Seite. Nach ihrem Hinscheiden bestattete sogar die Heilige mit eigener Hand ihren Leichnam.



    Diese allumfassende, aber gegen Angehörige ganz besonders zärtliche Liebe drängte sie auch unaufhörlich, sich mit demjenigen auszusöhnen, dem sie ihr Leben verdankte, obgleich er sie nie als Kind behandelt hatte. Ohne Zweifel stand sie ununterbrochen in Verbindung mit ihrer gottseligen Mutter, die ihr auch die vielen Almosenspenden mochte gegeben haben, welche sie in den Schoß der Armen goss. Sie begann nun auch einen Briefwechsel mit einem ihrer Brüder, den einige Schriftsteller, jedoch ohne Gewährschaft, Hugo nennen, und der einen überaus milden und friedfertigen Sinn hatte. Als sie dessen Zutrauen sich erworben, eröffnete sie ihm ihr glühendes Verlangen, ihren Vater wieder zu sehen, seine Abneigung gegen sie zu besiegen, und ihn, sei es auch mit der schwersten Demütigung, zu bewegen, dass er seine Härte ablegen, und sein Herz den sanften Eindrücken der Vaterliebe und zugleich durch diese den höher begeisternden Gesinnungen des Glaubens öffnen möchte. Der wohlmeinende Bruder versuchte beim hartherzigen Grafen alle Mittel, dessen Gemüt zu sänftigen und ihn zu bewegen, seine Tochter aus ihrer Verbannung endlich zurück zu rufen. Atticus aber blieb verhärtet, und erwiderte nichts, als dass er seine Ursache habe, auf seiner Weigerung zu beharren. So hat besonders Hartherzigkeit und Grausamkeit, wie jedes andere Laster, wenn der Mensch einmal aus den Schranken der Menschlichkeit, und also damit ganz aus den Schranken des Christentums getreten ist, seine eigene Verstockung, die keine Selbstrechtfertigung kennt, oder nur Verstocktheit zur Rechtfertigung hat. Der junge Edelmann, dem die Versöhnung zwischen Vater und Schwester sehr am Herzen lag, und der dabei die Überzeugung hegte, dass die Gegenwart der heiligen Odilia, die er als eine tugendhafte, sanfte und liebenswürdige Schwester kannte, mehr vermöchte, als seine zudringlichsten Reden, lud dieselbe nach Hohenburg, und gab ihr das Versprechen, er wolle alle nötigen Einleitungen hierzu treffen.



    Schon bestieg sie mit ihrem Gefolge den Berg, als der Herzog den Zug erblickte. Da er sogleich von seinen Söhnen hierüber Aufschluss begehrte, erwiderte ihm der genannte Hugo, Odilia komme, und er selbst habe sie in die Burg eingeladen, hoffend, er werde sie als ein guter Vater in Gnaden aufnehmen. Bei diesen Worten geriet der Graf in solche Wut, dass er seinem Sohn einen tödlichen Streich versetzte. Einige sagen, er sei nur schwer verwundet worden; andere behaupten, er sei tot zur Erde gestürzt. Die erste Vorgabe wäre erwiesen, wenn man dartun könnte, dass jener Sohn wirklich Hugo geheißen, von dem der gleichzeitige Verfasser der Lebensgeschichte Odiliens sagt, er sei vor seinen Eltern gestorben. Die zweite Behauptung macht indessen das Stillschweigen des gedachten Schriftstellers unwahrscheinlich, weil er gewiss nicht ermangelt hätte, dem Vater diese Grausamkeit vorzuwerfen, wofern der Tod des Sohnes wirklich sogleich erfolgt wäre.



    Indessen ward das Gemüt des Herzogs erweicht, und er verabscheute selbst den Gräuel, zu welchem er sich in seinem Zorn hatte hinreißen lassen. Gestraft durch seine eigene Tat, wie dies überall die Leidenschaft tut, obgleich diese Strafe nicht immer Besserung zur Folge hat, gab er sich den Gefühlen der Natur und der Religion zurück. Odilia, welche indes den Berg erstiegen, wirft sich in Tränen zerfließend zu den Füßen ihres Vaters, der sie mit inniger Zärtlichkeit aufrichtet, in seine Arme schließt, und ihr mit der unglücklich beglückten Mutter Berswinda und der ganzen Familie den Kuss des Friedens und der Liebe gibt.



    Atticus wollte nun, wie es heißt, die Heilige mit einem Edelmann vermählen; doch sie hatte eine höhere Absicht: nämlich, dem Herrn sich zu weihen, und dieser trat auch der Vater, er, der vorhin nur seinen Willen kannte und seiner Leidenschaft folgte, willig bei.



    Odilia übte von nun an einen großen Einfluss auf das Herz ihres Vaters; sie erteilte ihm heilsamen Rat sowohl in Betreff seines Seelenheils, als hinsichtlich der Verwaltung des Herzogtums Elsass, deren Bewohner sie durch Mitwirkung des Herzogs zu eifrigen Christen gebildet zu sehen, den sehnlichsten Wunsch hegte. Zu diesem Zweck gedachte sie eine fromme Genossenschaft gottseliger Jungfrauen zu gründen, die ihre eigene Heiligung wirkend, zugleich durch ununterbrochene Aufopferung und Dienstwilligkeit gegen andere, den Menschen nahe und fern nützlich werden sollte.



    Attich gab daher unserer Heiligen um das Jahr 680 das Schloss Hohenburg mit allen seinen Einkünften und Gütern, wo sie auf dem Gipfel des Berges, der beinahe das ganze Elsass beherrscht, ein Jungfrauenstift begründete, das in kurzer Zeit von heilsbegierigen Seelen, die sich durch den Tugendglanz der heiligen Odilia angezogen fühlten, bevölkert wurde. Mannsklöster gab es zwar damals schon einige im Elsass; unserer Heiligen aber war es vorbehalten, das erste für Frauen zu stiften. Das Opfer, das der Herzog zu diesem Zweck brachte, war außerordentlich. Denn wegen seiner vorteilhaften Lage, der Festigkeit seiner Mauern und der Stellung seiner Türme war Hohenburg jeder Zeit ein unübersteigbarer Wall gegen feindliche Anfälle, so wie dasselbe nun durch die Frömmigkeit der jungfräulichen Seelen, die es eingenommen, eine feste Burg gegen die Andränge der Welt und ihrer Laster wurde. Hohenburg heißt von jenen Zeiten an Odilienberg.



    Zehn Jahre gingen mit der Aufführung des Klostergebäudes dahin, ohne dass dasselbe noch zur gänzlichen Vollendung gebracht worden, so umfassend war der Plan, nach dem es eingerichtet werden sollte. Indes hatten sich schon bei hundertdreißig Töchter von vornehmer Geburt zur Genossenschaft aufnehmen lassen; und wie eine liebende Mutter versammelte sie Odilia in ihrer Einsamkeit und leuchtete ihnen als ein vollendetes Muster der klösterlichen Heiligkeit vor. Ihr Eifer dachte im Augenblick an keine Regel und an keine Frage, was sie zu tun hätten; sie strebten nach Vollkommenheit und schauten bloß auf ihre geistliche Führerin, um als gelehrige Kinder in ihre Fußstapfen zu treten. Ihr stilles, abgezogenes, dem Gebet geweihtes Leben vereinigte sie allzeit inniger mit Gott und die Handarbeit, mit dem Psalmengesang wechselnd, schützte vor Einförmigkeit und beugte der Gefahr des Ermüdens und Überdrusses vor. Für ihren Unterhalt sorgte der Herzog, wie auch für einige Priester, welche die Bestimmung hatten, auf dem Berg den Gottesdienst zu besorgen. Es sollen deren vierzehn gewesen sein. Indessen sah Odilia wohl ein, dass, um der Genossenschaft einen dauernden Beistand zu geben, durch eine bestimmte Regel sowohl dem Wankelmut als dem übertriebenen Eifer vorgebeugt werden müsse, und benützte deshalb die glückliche Stimmung ihrer Mitschwestern, die in dem ersten Eifer der Nachahmung keiner Regel bedurften, im Einverständnis mit ihnen für das Kloster gewisse Satzungen zu bestimmen. Sie berief sie demnach zusammen, und nach einmütiger Anrufung des Heiligen Geistes wählten sie sich miteinander eine Regel, nach welcher sie forthin ihre Lebensweise einzurichten gedachten. Alle Chroniken des Benediktiner-Ordens behaupten, sie hätten die Regel des Patriarchen der abendländischen Mönche angenommen; und sogar der gelehrte Mabillon, durch die Vorliebe für seinen Orden vielleicht bestochen, spricht sich für diese Meinung aus, indem er vorgibt, um die Beweise seiner Gegner mit einem Mal niederzuschlagen, der Name Canonica oder Chorfrau sei erst am Ende des 8. Jahrhunderts aufgekommen. Allein Laguille, Hugo von Stibach, Albrecht und Grandivier haben ihn bündig widerlegt.



    Odilia eröffnete die Versammlung mit folgenden Worten an ihre Klostergenossinnen: „Ich weiß, meine teuersten Schwestern, dass wir für Jesus nicht zu viel tun können, und dass die größten Abtötungen die Anbeter der gekreuzigten Gottmenschen nicht abschrecken sollen. Allein lasst uns den Vorwürfen unserer Nachkommen vorbeugen; die Lage unseres Hauses erfordert eine Arbeit, der sie nicht gewachsen wären; nicht einmal können wir ohne große Mühe unser weniges Wasser bekommen. Beschränken wir eine Strenge, die den Körper ertöten würde, ohne die Seele zu trösten, nimmermehr unterlassen wir aber solche Übungen, welche das Herz läutern und heiligen. Das kanonische Leben scheint demnach unserer jetzigen Lage am angemessensten zu sein.“ Alle stimmten der Meinung ihrer heiligen Vorsteherin bei, und unterwarfen sich einer bestimmten Lebensregel. Humbert, Abt von Moyen-Moutier, welcher 1044 die Lebensgeschichte der heiligen Odilia in Versen schrieb, behauptet, sie habe ihren Mitschwestern eine Sammlung von Satzungen gegeben, die sie aus den Regeln des heiligen Augustinus, des heiligen Benedikt und des heiligen Columban gezogen. Wahrscheinlich haben die Stiftsdamen von St. Stephan in Straßburg und jene von Eschau auch die Regel von Hohenburg angenommen; denn kurz darauf wurden die ersten vom Herzog Adalbert, Odiliens Bruder, die andern von dem Straßburger Bischof Remigius, ihrem Neffen gestiftet, und die zwei ersten Äbtissinnen derselben, Nichten unserer Heiligen, hatten zu Hohenburg ihre Bildung erhalten.



    Wenn diese sogenannten Stiftsdamen die kanonische Regel beobachteten, so ist dieses nicht so zu verstehen, als wären sie weltliche Chorfrauen gewesen, wie später die Stiftsdamen von Remiremont in Lothringen, und jene von Andlau, welche die heilige Kaiserin Richardis als ihre Stifterin verehrten. Sie waren wirkliche Klosterfrauen, die, allem Irdischen entsagend, unter einer Äbtissin eine Genossenschaft bildeten. Man nannte sie nur darum Chorfrauen, um sie von den Nonnen zu unterscheiden, welche sich zu der Regel des heiligen Benediktus bekannten. Die Lebensweise jener war nicht so streng wie dieser, indes hießen beide Monialen oder Sanctimonialen, und ihre Häuser nannte man Klöster oder Konvente. Odilia glaubte jedoch von ihrer Seite mehr schuldig zu sein, als sie von ihren Mitschwestern zu verlangen berechtigt wäre. Sobald sie daher ihre Gemeinde gegründet hatte, ergab sie sich allen Werken der Abtötung. Ihre Nahrung bestand in etwas Gerstenbrot und einigen Gemüsen; sie trank nur Wasser, ausgenommen an Festtagen; die Nacht brachte sie im Gebet zu, bis der Schlaf sie zur Ruhe nötigte; ihre Lagerstätte bestand aus einer Bärenhaut und einem harten Stein.



    Der Eifer der heiligen Äbtissin wuchs mit jedem Tag. Ihre heilige Gesinnung war fruchtbar an heiligen Taten; und diese selbst streuten wieder hundertfältig segenbringenden Samen in ihr Herz und befeuerten aufs Neue ihre großmütige wohltätige Liebe. In wenigen Menschen erschien die Heiligkeit liebenswürdiger als in Odilia. Ihre Andacht war nicht beschränkt in der Stunde des Gebets und in die Stimmung und den frommen Genuss des Gemüts; sie verstand vollkommen ein arbeitsames Leben mit der Süße der Beschaulichkeit zu vereinen. Und wenn sie die Mängel und Seelenkrankheiten anderer unverwandt ins Auge fasste, um in Liebe dieselben zu heilen, so entgingen keineswegs ihrem Blick die körperlichen Leiden der Armut und der Verlassenheit. Da Hohenburg sehr mühsam zu besteigen war, besonders für die Armen und Kranken, so ließ sie am Fuß des Berges gegen Mittag hin, wo man die St. Nikolauskapelle sieht, ein Spital erbauen, um alle Gebrechlichen und Notleidenden darin aufzunehmen. Ob diese Stiftung vor oder nach dem Tod Berswindas, die im Jahr 690 starb, geschehen sei, kann nicht genau bestimmt werden: wäre es ausgemacht, dass ihre Güter, welche sie im Flecken Bersch besessen, durch sie selbst an dieses Pflegehaus übergegangen, dann wäre freilich dieser Zweifel gehoben. Allein wir möchten diese Stiftung mit mehr Grund einige Jahre nach dem Tod dieser Gräfin annehmen.



    Wir erinnerten eben, dass die hohe Lage des Klosters den Zutritt desselben höchst beschwerlich machte: dessen ungeachtet besuchte Odilia jeden Tag die Armen und Kranken des Hospitals zum hl. Nikolaus, und spendete ihnen häufige Almosen.



    Die Heilige, die, wie wir schon erzählten, den Herzog, ihren Vater, zu milden und christlichen Gesinnungen gebracht, und gleichsam sein ganzes Gemüt umgewandelt hatte, bewog ihn auch noch in seinem Alter, dass er sogar seine Wohnung neben dem neuen Kloster nahm, um da seine Tage in Buße und Gottergebenheit zu beschließen. Die fromme Mutter begleitete ihn dahin, und beide dienten dem Herrn in einmütiger Liebe. Der Herzog ward vor seinem Ende mit einer schmerzlichen Krankheit heimgesucht, in welcher ihm seine heilige Tochter stets zur Seite blieb, um ihn mit kindlicher Sorgfalt zu verpflegen, zu trösten und zu stärken. Nach seinem Hintritt (am 20. Februar 690) ergoss sie sich mehrere Tage nacheinander in glühende Gebete für die Ruhe seiner Seele, beobachtete strengeres Fasten und übte noch sonstige Bußwerke; und endlich am fünften Tag soll Gott ihr und einigen Klosterfrauen geoffenbart haben, dass seine Seele in den Himmel aufgenommen worden.



    Berswinda, welche, von gleichem Eifer entflammt, mit ihrem Gemahl den Bußweg betreten, folgte ihm auch bald in die Ewigkeit. Neun Tage nach dessen Bestattung, da sie eben in der Kapelle des heiligen Täufers Johannes im Gebet versunken war, starb sie eines plötzlichen Todes. Odilia setzte ihren Leichnam unter seinem Grabmal bei, das sie in der Muttergottes-Kapelle errichten lassen, und wo die Gläubigen in der Folge zur Verehrung hinströmten, bis beide im Jahr 1617 in die Engelskapelle übertragen worden. Bei der Bestattung waren auch des Grafen zwei Söhne Etto oder Eticho und Adelbert gegenwärtig, welche besonders reichliche Almosen bei dieser Gelegenheit spenden ließen. Man sieht dermalen noch auf dem St. Odilien-Berg Attichs Grabmal mit einigen von seinen und seiner Gemahlin Berswinda Gebeinen; die meisten sind jedoch in die Abtei Ebersheimmünster gebracht worden.



    Vor seinem Tod hatte der Herzog seine Besitzungen unter seine Söhne verteilt. Etto, den einige als den jüngsten Sohn angeben, behielt das Herzogtum Breisgau und die Grafschaft Argau; Adelbert, den man für den ältesten Sohn hält, das Herzogtum Elsass nebst Sundgau, Schwaben und der Schweiz; Hugo erhielt mehrere Ländereien mit dem Titel: Graf von Elsass; Battacho fiel das Willer- oder Weylertal nebst dem Gut Limburg zu.



    Wenn Odilia das Institut für Chorfrauen der eigentlichen Nonnen-Regel vorzog, so geschah dies mitunter wohl in der Absicht, um mit ihrer Familie beständig in Verbindung zu bleiben, und so auf die Heiligung derselben tätig einwirken zu können. Und wirklich hat dieses Haus eine Menge Stiftungen als Denkmale seiner Frömmigkeit zurückgelassen, die bis zum Ausbruch der französischen Staatsumwälzung den Unglücklichen einen Zufluchtsort, den Künsten und Wissenschaften eine Freistätte darboten, und zur Förderung der Wohlfahrt in der ganzen Provinz nicht wenig beitrugen.



    Da die zwei von dem Herzog Attich vor der Rückkehr Odiliens errichteten Kapelle die Klosterfrauen und die Menge herbeiströmenden Volkes nicht mehr fassen konnten, baute die fromme Äbtissin eine neue und viel größere Kirche, die unter der Anrufung der allerseligsten Jungfrau eingeweiht wurde. Diese Kirche scheint noch zu den Lebzeiten Attichs begonnen worden zu sein, weil er die Kosten des Baues getragen haben soll. Um mit desto größerer Geistessammlung beten zu können, ließ sie neben der Hauptkirche noch ein Bethaus errichten, das sie Muttergottes-Kapelle nannte. Neben diesem Bethause erbaute sie dann noch die sogenannte Kreuzkapelle, worin sonst der alte steinerne Sarg sich befand, der die Überbleibsel der Gebeine des Atticus und der Herzogin Berswinda verwahrt, und der erst im Jahr 1753 aus der Engels- oder hangenden Kapelle dahin gebracht worden. Aus Dankbarkeit für das in der heiligen Taufe erlangte Augenlicht errichtete sie noch eine Dritte zu Ehren des heiligen Johannes des Täufers, die in der Folge St. Odilienkapelle genannt wurde, weil man in derselben die heilige Äbtissin beigesetzt, und ihre Gebeine daselbst der Verehrung der Gläubigen ausstellte. Im Klostergarten stand eine vierte Kapelle, in welche man durch die Klostermauer ging. Da war es, auf dem Felsenboden vor dem Altar, wo die heilige Odilia unter anhaltendem Gebet für ihren Vater häufig Zähren vergoss, weshalb dieselbe auch den Namen Zährenkapelle führte. Es ruhte darin der Leichnam der heiligen Eugenia. Endlich sah man noch eine andere, von welcher wir oben schon geredet haben, Engelskapelle genannt, weil sie der Verehrung der himmlischen Geister gewidmet war, oder hangende Kapelle, weil sie am äußersten Rand eines Felsen lag, der zum Teil unterhöhlt war, zum Teil eine senkrechte Wand bildete.



    Diese verschiedenen Kapellen waren eben so viele Stationen, worin die frommen Gefährtinnen unserer Heiligen ihrer Andacht in einsamer Stille pflegten. Gegen Morgen pflanzte Odilia zu Ehren der drei göttlichen Personen drei Linden, welche zugleich das Kloster gegen die heftigen Winde schützten. Beim Brand im Jahr 1681 zerfielen zwei davon in Asche, die dritte stand noch im Jahr 1698.



    Wir haben bereits erinnert, dass Odilia am Fuß des Berges ein Armen- und Krankenhaus errichtet, und dass sie täglich die Armen und Kranken in demselben besuchte. Ein so rührendes Beispiel der großmütigsten Nächstenliebe machte tiefen Eindruck auf ihre Mitschwestern, die, um gleichfalls an diesem edlen Wer teilzuhaben, und für den Fortbestand des Hauses zu sorgen, ihre Äbtissin baten, neben dem Spital ein neues Kloster zu bauen, weil zu gewissen Zeiten des Winters das Ab- und Aufsteigen unmöglich werden könnte, um von dort aus die Kranken Tag und Nacht verpflegen zu können. Der Antrag wurde genehmigt, und um das Jahr 700 waren die neuen Gebäude nebst einer Kirche schon aufgeführt. Diese neue Anstalt wurde Niedermünster genannt und blieb unter der Aufsicht der heiligen Odilia.



    Der Herr, welcher gerechte Seelen oft hier schon verherrlicht, bewies mehr als einmal, wie sehr ihm die erbarmende und großmütige Liebe seiner Dienerin gefiel. Eines Tages lag an der Klosterpforte ein Aussätziger, der jammernd ein Almosen begehrte. Die Heilige bereitete sogleich einiges Labsal und wollte selber den Armen damit bedienen, als ihr im Nähertreten aus dieser lebendigen Leiche ein unausstehlicher Gestank entgegen kam; sie entsetzte sich anfänglich, doch sogleich über die menschliche Natur sich erhebend, umarmte sie mit inniger Zärtlichkeit den Unglücklichen, reichte ihm das Essen, und flehte zu Gott, er wolle ihm Geduld verleihen, oder die Gesundheit wieder geben. Ihr Gebet ward sogleich erhört, indem der Aussätzige plötzlich von seinem Übel genas.



    Spätere Geschichtsschreiber erzählen, dass sie ein anderes Mal, da sie aus dem Spital in das obere Kloster hinaufstieg, einem vor Durst bis zum Tod entkräfteten Kranken begegnet ist. Wegen ihres hohen Alters und ihrer Gebrechlichkeiten war es ihr aber unmöglich, schleunige Hilfe zu schaffen. Da betete sie zu Gott, mit der ganzen Kraft ihres Flehens, und ward erhört; aus einem Felsen sprudelte ein Wasserquell hervor, an dem der Kranke sich labend auf der Stelle genas. An diese fromme Begebenheit erinnert immer noch der Odilienbrunnen, eine Quelle, welche eine Viertelstunde unterhalb dem Kloster an dem langen schmalen Wolfstaler Hügel aus dem unterhöhlten Felsen strömt, und unter einem steinernen Kreuz durch eine Rinne in einem Sarg fließt, aus welchem das Wasser den Berg hinab gen Niedermünster läuft.



    Dem Kloster war es verboten, einen Armen oder Kranken abzuweisen. Da nun eines Tages eine ungewöhnliche Menge sich einfand, wurde der Weinvorrat erschöpft; man meldete dies der Äbtissin, die erwiderte, der Himmel habe schon dafür gesorgt; und wirklich, berichtet man, waren alle Gefäße wieder mit Wein gefüllt.



    Die vollendete Tugend der heiligen Odilia hatte sie schon längst für den Himmel reif gemacht, und ihr hohes Alter ließ auf ihren baldigen Hintritt schließen. Sie selber hatte von ihrem nahen Tod eine geheime Ahnung, und offenbarte dies in der St. Johannes-Kapelle ihren versammelten Schwestern. Nebst der heiligen Eugenia und Gundelinde, war auch die heilige Attala, ehehin Chorfrau zu Hohenburg, und damals Äbtissin von St. Stephan in Straßburg, alle drei Nichten unserer Heiligen, bei dieser Voraussagung gegenwärtig. Nachdem sie den Schwestern ihren baldigen Tod bekannt gemacht, ermahnte sie dieselben, in keiner Weise von ihrem bisherigen Eifer abzuweichen. Sie stellte ihnen das Vergängliche und Eitle dieses Lebens und die Kürze der Prüfungen vor, auf welche eine ewige Belohnung folgt, und ermahnte sie endlich auch zur Liebe Gottes und zum Gebet für ihre Verwandten. Darauf ließ sie dieselben in die Muttergottes-Kapelle ziehen, um da ein seliges Ende für sie zu erflehen. Während dies geschah, lag die Heilige in Verzückung; dann empfing sie die heilige Wegzehrung, sagte ihren Schwestern das letzte Lebewohl und entschlief selig im Herrn den 13. Dezember, am Tag der heiligen Lucia. Ihr Todesjahr weiß man nicht genau. Gemeinhin gibt man das Jahr 720 an; jeden Falles starb sie vor dem Jahr 722, wo Eugenia schon als Äbtissin erscheint. Ihre sterbliche Hülle ward in der Kapelle des heiligen Johannes des Täufers beigesetzt; und an ihrem Grab sind zu allen Zeiten viele Wunder geschehen, aus welcher Ursache sie auch öffentlich verehrt wird.



    Im Jahr 1354 kam der Kaiser Carl IV. nach Hohenburg, um den Leichnam der Heiligen zu sehen. Der Bischof von Straßburg und der Bischof von Olmütz, eröffneten daher den Sarg, aus welchem der Kaiser den vorderen Teil des rechten Armbeins erhielt, den er dem Dom zu Prag verehrte. (Die Verehrung der Reliquien von Heiligen ist biblisch begründet: Reliquien sind, übersetzt man das Wort aus dem Lateinischen ins Deutsche, nach christlicher Deutung „Überbleibsel“ aus dem irdischen Leben einer heiligmäßigen Person – sei es ihr Leichnam, Teile ihres Körpers oder Dinge, die mit ihr in Berührung getreten sind. Schon den Schriften der Bibel sind Ansätze der Reliquienverehrung zu entnehmen. So nahm Moses beim Auszug aus Ägypten die Gebeine Josephs mit, Exodus 13,19; durch die Berührung der Gebeine Elischas wurde ein Toter wieder lebendig, 2 Könige 13,21. Im Neuen Testaments heißt es zu den Wundern des heiligen Paulus: „Sogar seine Schweiß- und Taschentücher nahm man ihm vom Körper weg und legte sie den Kranken auf; da wichen die Krankheiten und die bösen Geister fuhren aus“, Apostelgeschichte 19,12. Für die katholische Kirche ist der Reliquienkult erlaubt und nützlich. Das Konzil von Trient, 1545-1563, betont, dass die Leiber der Heiligen lebendige Glieder Christi und Tempel des Heiligen Geistes waren, dass sie einst wieder auferweckt und verherrlicht werden und dass Gott durch sie den Menschen viele Wohltaten spendet.)



    Die heilige Odilia war sehr unterrichtet, und vorzüglich bewandert in der Heiligen Schrift und in der Kirchengeschichte. Ihre Reden, wie auch ihr Testament zeugen von einer erleuchteten Frömmigkeit und einer seltenen Gewandtheit in der Führung der Seelen wie in der äußeren Leitung ihrer Genossenschaft. Einen ihrer Vorträge über das einsame Leben findet man bei Ruyr. Ihr echtes Testament, verfasst um das Jahr 708, das man mit einem Unterschobenen nicht verwechseln wolle, steht bei Grandidier. Ach trieb Odilia das Studium der lateinischen Sprache, welches sich auf ihre nachfolgenden Schwestern vererbte.



    Nach dem Ableben der heiligen Odilia, welche die sämtlichen Einkünfte der beiden Stiftungen zu Hohenburg und Niedermünster verteilt hatte, mit Ausnahme des Hofes Oberehnheim, der ihnen gemeinschaftlich blieb und als Band der Einheit dienen sollte, versammelten sich die Chorfrauen beider Klöster, um für jedes eine eigene Äbtissin zu wählen und zu ernennen. Die einstimmige Wahl fiel auf Eugenia und Gundelinde, zwei Nichten Odiliens, und Töchter des elsässischen Herzogs Adelbert und seiner Gemahlin Gerlinde, Eugenia für Hohenburg, Gundelinde für Niedermünster. Eugenia starb am 16. September um das Jahr 735, und wurde lange Zeit öffentlich verehrt. Ihre Gebeine wurden bis in das Jahr 1622 aufbewahrt, wo die Schweden unter Mansfelds Anführung ihren Sarg zerschlugen. Einige ihrer Reliquien befinden sich noch zu Oberehnheim und zu Wilgotheim.



    Ju jeder Zeit wurden häufige Wallfahrten zum Grab der heiligen Odilia unternommen, an dem eine unzählige Menge Wunder auf ihre Fürbitte geschehen sind, besonders an Augenkranken. Der Odilienberg, wo sich die Gebeine der Heiligen unversehrt erhalten haben, wird dermalen noch sehr besucht aus der Nähe und Ferne. Seit der französischen Revolution war gewöhnlich ein Geistlicher daselbst, der die Wallfahrtskirche bediente.



    Die Verehrung der heiligen Odilia schreibt sich beinahe von ihrem Todesjahr her; der gleichzeitige Verfasser ihrer Lebensgeschichte nennt sie durchgehend glückselig. Das alte Martyrologium vom Ende des 8. Jahrhunderts, so wie das von Beda setzen ihren Todestag unter die Feiertage, die dortmals in der Straßburger Diözese begangen wurden. Ihren Namen ließt man auch in einem Kalender, der vor einem Vesperbuch des 9. Jahrhunderts steht. Dieses Buch gebrauchte die Königin Hemma, Gemahlin Lothars, und wurde ehehin zu Reims in der Bibliothek von St. Remigius aufbewahrt. Ihre Verehrung wurde durch viele Wunder, so wie durch verschiedene päpstliche Bullen bestätigt. Der Name der heiligen Odilia steht bei Ado und Molan, wie auch im römischen Martyrologium unter dem 13. Dezember.


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  • Vom Reich GottesDatum12.12.2025 07:38
    Foren-Beitrag von Blasius im Thema Vom Reich Gottes



    Johannes im Gefängnis



    Frei und selig selbst in Banden

    Ist, wer Gott im Herzen trägt;

    Hat er treu den Kampf bestanden,

    Durch den Gott zu führen pflegt.

    Reicht er selbst die Siegeskrone

    Ihm zu ewig reichem Lohne.




    1. Ein Abgrund sind die göttlichen Gerichte. Betrachte den stolzen König Herodes und den heiligen Täufer Johannes in einem Palast. Herodes ist in Purpur, Samt und Seide gekleidet, Johannes mit einer rauen Kamelhaut kaum halb bedeckt. Herodes hält glänzende Gastgelage in seinen Prunkgemächern, Johannes leidet Hunger im Kerker. Herodes wird als ein Halbgott verehrt, Johannes von den Großen des Hofes und der unwissenden Welt verachtet. Herodes glänzt in Gold und Geschmeide, Johannes ist belastet mit Fesseln und Banden. Wer wird nicht den einen beneiden, den andern bedauern? Dennoch vertauschte der so schmählich gefesselte Engel der Wüste seine Fesseln nimmermehr gegen allen Glanz und alle Herrlichkeit dieses Königs.



    2. Sitzt aber der Gottlose auf dem Thron, und schmachtet der Heilige im Kerker und wird für ein ungerechtes Bluturteil aufbewahrt, so muss notwendig eine andere Welt sein, wo diese himmelschreiende Ungerechtigkeit vollkommen ausgeglichen wird. Denn ist ein Gott, so muss er gerecht sein. Das Amt der Gerechtigkeit aber ist, die Tugend zu belohnen und die Schuld zu bestrafen. Weil aber Gottes unendliche Weisheit dies nicht immer in dieser Welt tut, leugnen viele Gottlosen seine Gerechtigkeit und dadurch ihn selbst. Oder aber sie sagen, ihre Laster zu beschützen, Gott sei zu erhaben, als dass er um menschliche Dinge sich kümmere.



    3. Doch wer den freien Geist erschaffen hat, der ist auch sein Richter. Unendlich ist Gottes Weisheit, "wie unergründlich sind seine Entscheidungen, wie unerforschlich seine Wege!" (Römer 11,33b) Erfahren muss der Pilger die Mühsale der Pilgrimschaft, zu den Wonnen der Heimat zu gelangen. Im Feuer muss das Gold geläutert werden, um so glänzender daraus hervorzugehen. Ersterben muss das Samenkorn, hundertfältige Frucht für den Himmel zu bringen. In Tränen säen muss, wer in Freuden ernten will. Und mehr wird Gott durch die großmütige Aufopferung seiner Märtyrer verherrlicht, als durch alle übrigen Werke seiner Schöpfung. Psalm 19,10b: "Die Urteile des Herrn sind wahr, gerecht sind sie alle."

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  • Tages-Gebete Datum12.12.2025 07:25
    Foren-Beitrag von Blasius im Thema Tages-Gebete



    Die Gottesmutter Maria in der Pfarrkirche St. Gordian und Epimachus (Frechenrieden)

    Gebet am 12. Dezember



    Wie groß, erhabene Jungfrau, ist deine Glorie im himmlischen Vaterland! Deine Klarheit erleuchtet das ganze himmlische Paradies und das ganze himmlische Heer erfreut sich im Anschauen deiner unvergleichlichen Schönheit und alle Engel und Heiligen lieben dich. Weil ich dich aber nicht genug lieben kann, so rufe ich alle Engel und Heiligen an, sie mögen dich für mich lieben und bitte auch deinen Sohn, er möge dir jetzt an meiner Stelle eine herzliche Liebe erweisen und auch meinem Herzen eine große und treue Liebe zu dir einflößen. Amen.



    Andenken an die seligste Jungfrau



    Letzter Sieg des Kaisers Heraclius, den er im Jahr 627 über den Chosroes durch den Beistand der seligsten Jungfrau erhalten hat. Kaiser Heraclius wagte sich gleich zuerst in den Kampf, und erschlug mit himmlischer, durch die Fürbitte der seligsten Jungfrau erhaltener Stärke den Anführer der persischen Armee, den Prinzen Razates und zwei der vornehmsten persischen Feldherren, wobei er an den Lippen und sein Pferd am Schenkel durch einen Lanzenstich verwundet wurde. Das Gefecht war blutig und lang, die feindliche Armee wurde endlich ganz geschlagen, und die Paläste des Chosroes verbrannt. Dies geschah am Samstag den 12. Dezember im Jahr 627 durch den mächtigen Schutz der Mutter Gottes, nachdem der Krieg zwischen Heraclius und Chosroes schon sieben Jahre gedauert hatte.

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  • Thema von Blasius im Forum Unsere Fürsprecher



    Die vom Kaiser Decius verursachte Verfolgung gab im Jahr 250 zu Alexandria Anlass zu unerhörten Ausschweifungen. Die ganze Stadt schien in eine Räuberhöhle und Mordgrube verwandelt zu sein. Der heidnische Pöbel drang gewaltsam in die Wohnungen der Christen und schleppte sie ohne Rücksicht auf Alter und Geschlecht zu Hunderten zu den Richtstätten, die nicht aufhörten, vom Blut der Bekenner Jesu zu rauchen. Ihre Häuser wurden geplündert, und was man von der Einrichtung nicht des Fortbringens wert hielt, warf man auf die Gasse und legte Feuer daran. Wild und und unmenschlich brutal ging es zu. Der Schrecken lähmte die Gemüter vieler Christen, besonders der begüterten und in Ehrenämtern stehenden. Manche von ihnen waren feige und niederträchtig genug, den Glauben zu verleugnen, um das Leben und ihre Schätze zu retten, so dass sich auch hier bewährte, wie schwer der Reiche zur Seligkeit gelangt. Doch fanden sich dafür wieder andere, die unerschütterlich wie Felsen standen und furchtlos im Bekenntnis für Jesus, den Gekreuzigten ausharrten. Unter diesen war einer der hervorragendsten der heilige Julian, dessen Festtag wir am 27. Februar feiern. Gleichen Starkmut zeigten Epimachus und Alexander, zwei angesehene Bürger der Stadt. Man riss sie aus ihren Häusern und führte sie mit Ketten beladen in das Gefängnis, wo sie die Qualen des Hungers und Misshandlungen aller Art zu ertragen hatten. Da ihre Standhaftigkeit nicht zu besiegen war, wurden sie mit Stockschlägen und eisernen Krallen auf das Entsetzlichste zerfleischt und zuletzt in ungelöschtem Kalk verbrannt.



    Der heilige Dionysius, Bischof von Alexandria, der Augenzeuge ihrer Peinen war, hat uns einen gedrängten Bericht davon hinterlassen. In ihm macht er auch Meldung von vier Frauen, die die Marterkrone am selben Tag und am selben Ort empfingen. Die erste hieß Ammonaria und war eine zarte Jungfrau, deren schwachen Körper aber eine wahre Heldenseele bewohnte. Sie brachte dem Richter, der mit Hilfe der grausamsten Martern das Geständnis des Abfalles von ihr erpressen wollte, durch ihr lautloses Dulden zur Verzweiflung, so dass er, um nicht wieder von einer Frau beschämt zu werden, die anderen drei ohne vorangehende Folterung kurzweg enthaupten ließ. Merkuria, Dionysia und abermals Ammonaria waren die Namen dieser treuen Bekennerinnen. Dionysia, die Mutter vieler Kinder, die sie zärtlich liebte, erhob sich über die Gefühle der Natur, um in der Liebe zu Jesus nicht wankend zu werden. Alle diese Blutzeugen kommen unter dem 12. Dezember im römischen Martyrologium vor.

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  • Vom Reich GottesDatum10.12.2025 21:25
    Foren-Beitrag von Blasius im Thema Vom Reich Gottes




    Vom Anhören der Heiligen Messe



    Lass, Herr, in Andacht mich vor dir erscheinen,

    Mit deinem Sühnungsopfer mich zu einen;

    Denn hier wird die Erlösung mir zu Teil.

    Dein ewiges Opfer tilget meine Schulden,

    Es kräftigt mich, zu kämpfen und zu dulden,

    Und führt mich durch dein Blut zum ewigen Heil.



    1. Jesus, unser ewiger Hoher Priester, brachte auf dem Altar des Kreuzes seinem ewigen Vater sich als ein Opfer dar, das die ewige Gerechtigkeit Gottes versöhnte. In der Heiligen Messe aber bittet er als unser ewiger Mittler beim Vater, die unendlichen Verdienste seines heiligsten Leidens uns zuzuwenden, gibt allen, die dem Tisch des heiligen Altars sich in Andacht nahen, sich selbst als die Opferspeise und das Unterpfand des ewigen Lebens, und vereint die Gebete seiner Gläubigen mit den seinigen, damit sie dadurch geheiligt und erhörbar werden vor dem ewigen Vater, der alles, was er uns verleiht, nur durch seinen eingeborenen Sohn und um seinetwillen uns verleiht.



    2. Jesus ist unser wahrhaftiges Sühnopfer, das Lamm Gottes, das alle unsere Sünden hinwegnimmt, wenn wir beim heiligen Opfer uns mit ihm vereinigen, und durch ihn in wahre Zerknirschung um die Verzeihung unserer Sünden bitten. Vergeblich jedoch bitten wir, und keine Erhörung findet unser Gebet und unser Opfer, wenn wir nicht selbst aus ganzem Herzen denjenigen verzeihen, die uns irgendwie beleidigt, betrübt oder auf was immer für eine Weise uns geschadet haben, weil ein Mensch eines unversöhnlichen Herzens kein lebendiges Glied seines Körpers ist, und daher den belebenden Einfluss des Hauptes nicht empfangen kann, der nur den lebendigen Gliedern zuteil wird. Denn keine Barmherzigkeit findet, wer keine Barmherzigkeit erzeigt.



    3. Opfert aber Jesus, unser Hoher Priester und unser Opfer, sich jeden Tag in unbeschreiblicher Liebe für uns: können wir dann je sagen, dass wir ihn lieben, dass wir wahres Verlangen haben, seiner unendlichen Verdienste teilhaft zu werden und Gnaden des Heils zu erlangen, wenn wir diesem heiligen Opfer nur selten, nur wenn wir unter einer schweren Sünde dazu verpflichtet sind, und auch da nur mit zerstreutem Herzen und Sinn, beiwohnen? Versammeln wir uns vielmehr täglich um unseren göttlichen Erlöser, beten wir ihn mit inbrünstigem Herzen an, opfern wir uns mit ihm in bußfertigen Gesinnungen, und wir werden die Früchte seiner Erlösung wahrhaft in uns erfahren. "Jesus aber hat, weil er auf ewig bleibt, ein unvergängliches Priestertum." (Hebräer 7,24)

    https://www.heiligen-legende.de/damasus-von-rom/

  • Tages-Gebete Datum10.12.2025 21:18
    Foren-Beitrag von Blasius im Thema Tages-Gebete




    Gebet am 11. Dezember




    O unvergleichliche, wunderbare Jungfrau, wir verehren dich mit demütigem, andachtsvollem Herzen. Die Heiligsten der Jungfrauen übertriffst du an Heiligkeit und wie eine Lilie unter dem Dornengesträuch erhebst du dich unter ihnen. Sie wurden in Sünde empfangen und fielen der Sünde anheim, du aber, rein von Sünden und Mängeln, tratest hervor aus Gottes Hand. So bist du, Maria, das Meisterstück der größten Reinheit und Schönheit geworden. Nimm unsere Begrüßung gnädig an, damit wir deine heilige Empfängnis würdig feiern. Amen.



    Zu Jesus Christus auf die Fürbitte des heiligen Damasus



    O Herr, der Du dem heiligen Damasus die Sorge über Deine Kirche anvertraut und den Mut gegeben hast, ihre Feinde zu bekämpfen und zu besiegen, stärke uns auf seine Fürbitte, dass wir Deine Kirche auch mit Gefahr unseres Lebens verteidigen, der Du lebst und regierst, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.



    Zu Jesus Christus



    Herr, wir haben zu fürchten, das zarte Jungfrauen einst im Gericht gegen uns aufstehen und uns verurteilen. Stärke uns, dass wir es zur Ehre Deines heiligen Namens mit Wort und Tat bekennen, dass wir Christen sind, der Du lebst und herrschst mit Gott dem Vater in der Einheit des Heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

    https://www.heiligen-legende.de/damasus-von-rom/

  • Tages-Gebete Datum10.12.2025 21:18
    Foren-Beitrag von Blasius im Thema Tages-Gebete




    Gebet am 11. Dezember




    O unvergleichliche, wunderbare Jungfrau, wir verehren dich mit demütigem, andachtsvollem Herzen. Die Heiligsten der Jungfrauen übertriffst du an Heiligkeit und wie eine Lilie unter dem Dornengesträuch erhebst du dich unter ihnen. Sie wurden in Sünde empfangen und fielen der Sünde anheim, du aber, rein von Sünden und Mängeln, tratest hervor aus Gottes Hand. So bist du, Maria, das Meisterstück der größten Reinheit und Schönheit geworden. Nimm unsere Begrüßung gnädig an, damit wir deine heilige Empfängnis würdig feiern. Amen.



    Zu Jesus Christus auf die Fürbitte des heiligen Damasus



    O Herr, der Du dem heiligen Damasus die Sorge über Deine Kirche anvertraut und den Mut gegeben hast, ihre Feinde zu bekämpfen und zu besiegen, stärke uns auf seine Fürbitte, dass wir Deine Kirche auch mit Gefahr unseres Lebens verteidigen, der Du lebst und regierst, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.



    Zu Jesus Christus



    Herr, wir haben zu fürchten, das zarte Jungfrauen einst im Gericht gegen uns aufstehen und uns verurteilen. Stärke uns, dass wir es zur Ehre Deines heiligen Namens mit Wort und Tat bekennen, dass wir Christen sind, der Du lebst und herrschst mit Gott dem Vater in der Einheit des Heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

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  • Thema von Blasius im Forum Unsere Fürsprecher




    Alle Steine sind hart, aber nicht alle sind gleich hart, es gibt weichere Steine, wie den Sandstein, und härtere, wie den Marmorstein. Welcher Stein mag wohl der härteste sein? Der Diamant ist der härteste Stein, denn er ist so hart, dass er sich von keinem anderen Stein auch nur ritzen lässt, während die Glaser mit ihm spielend Glas zerschneiden, als wenn das Glas Papier sei. Der Diamant ist das härteste Gestein.



    „Ja“, möchte man fragen, „was hat denn der Diamant mit dem heiligen Damasus zu tun, dessen Fest heute gefeiert wird?“ Der heilige Damasus hat das mit dem Diamanten gemeinsam, dass er in der Kirchengeschichte den ehrenden Beinamen „Diamant des Glaubens“ erhielt. Da kann man sich bereits denken, was den Heiligen besonders auszeichnete. Sein Glaube war ohne alle Weichheit festes war ein katholischer Glaube, hart wie Diamant.



    Der Name Damasus ist griechischen Ursprungs und heißt auf Deutsch „Bändiger“, und bei ihm ist wieder einmal der rechte Name an den rechten Mann gekommen. Damasus war ein Bändiger. Was mag er denn wohl gebändigt haben?



    Damasus wurde um das Jahr 304 zu Rom als Sohn eines römischen Neubürgers, der aus Spanien zugewandert war, geboren. Der Vater, ein frommer Mann, ließ sich nach dem Tod der Gattin die heilige Priesterweihe erteilen, und so ist er einer von den wenigen, die im Leben alle sieben Sakramente empfingen.



    Nach dem Vorbild des gediegenen Vaters schlug auch Damasus die geistliche Laufbahn ein, und wegen seiner Tüchtigkeit und Frömmigkeit zählte er zu den einflussreichsten Geistlichen in der Ewigen Stadt. Als daher der heilige Papst Liberius starb, wurde Damasus im Jahr 366 sein Nachfolger.



    Damals war der dreihundertjährige Kampf zwischen Christentum und Heidentum zu Ende gegangen. Christi Lehre hatte gesiegt, aber Friede war deswegen nicht, denn wie Pilze im Herbst schossen die Irrlehren aus dem Boden. Der heilige Augustinus, der etwa zur gleichen Zeit lebte, berichtet, dass es damals bereits an die dreihundert verschiedene Bekenntnisse unter den Christen gab, die natürlich samt und sonders wie kurzlebige Pilze längst vom Erdboden verschwunden sind. Heute ist es ähnlich. Die Zahl der Sekten ist vielfältig. Baptisten, Adventisten, Bibelforscher, Neuapostolische, Menschenfreunde, Mormonen, Methodisten und so weiter nennen sich diejenigen die heute in die Irre gehen. Keine von diesen Sekten wird indessen Bestand haben, denn alle sind sie Rebzweige, die vom Rebstock Christi, von der wahren römisch-katholischen Kirche, abgeschnitten wurden und die deswegen Saft und Kraft verlieren und notwendigerweise verdorren und eingehen müssen.



    Mit solchen falschen Propheten in Menge hatte es Papst Damasus zu tun. Er hielt den wahren Glauben rein und gab auch nicht ein Jota davon preis. Weißt du, was ein Jota ist? Das Jota ist der kleinste Buchstabe im griechischen Alphabet, kleiner noch als unser i, das Jota ist wie ein winziges Häkchen. Damasus hat nicht einmal solch ein Häkchen vom wahren Glauben fallen lassen, und deshalb hat er seinen Namen „Bändiger“ Ehre gemacht, indem er die Irrlehrer bändigte.



    Zum Schluss sei noch bemerkt, dass Papst Damasus es war, der als erster das „Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist. Amen“ als Gebetsbrauch eingeführt hat. Seit über anderthalbtausend Jahren klingt bereits dieser Lobpreis der Allerheiligsten Dreifaltigkeit von den Lippen ungezählter Gläubigen. Es bilden also die Worte ein altehrwürdiges Gebet, das wir stets mit der größten Andacht verrichten sollten.


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    Die Heiligen-Verzeichnisse geben zwei christliche Jungfrauen und Martyrinnen mit dem Namen Eulalia an. Beide haben in der Verfolgung des Kaisers Diokletian im Jahr 303 und 305 in Spanien ihr Blut des christlichen Bekenntnisses wegen vergossen, die eine zu Barcelona, die andere zu Merida. Das Gedächtnis der ersten wird am 12. Februar, das der anderen heute am 10. Dezember gefeiert. Von der erzählt der heilige Prudenzius, übereinstimmend mit den vorhandenen Martergeschichten folgendes:



    Eulalia stammte aus einer vornehmen und sehr angesehenen Familie ab. Merida war ihre Vaterstadt. Von ihrer frommen Mutter wurde sie in der christlichen Religion unterrichtet. In früher Jugend schon leuchtete sie als ein Muster inniger Gottesfurcht und liebenswürdiger Sittsamkeit anderen als Vorbild. Als die grausame diokletianische Christenverfolgung sich auch über Spanien verbreitete, hörte sie vieles von dem hohen Mut der christlichen Bekenner und von der unerschütterlichen Standhaftigkeit, mit der die heiligen Märtyrer ihr Leben um des Namens Jesu willen in der qualvollsten Todesart dahingaben. Solche Erzählungen machten auf ihr jugendliches Gemüt einen tiefen Eindruck. Immer heftiger entflammte in ihrem Herzen die Begierde, eines gleichen Heils durch den Martertod gewürdigt zu werden. Die Gesinnung der Tochter konnte der Mutter nicht verborgen bleiben. Sie war besorgt darüber, dass Eulalia sich selbst bei den Verfolgern angeben würde, und glaubte ernste Maßregeln dagegen treffen zu müssen. Eulalia wurde aufs Land gebracht und da in einem kleinen Häuschen von den Menschen abgesondert gehalten. Das wachsame Auge der besorgten Mutter begleitete alle ihre Schritte. Allein die brennende Begierde für Christus und seine göttliche Heilslehre zu leiden, besiegte alle Hindernisse, die sich ihr entgegenstellten. Sie fand Gelegenheit, in der Nacht aus dem Haus zu kommen. Die Dunkelheit der Nacht schützte sie vor Nachforschungen. Durch unwegsame Gegenden, durch Gesträuche und Dornen ging sie dahin und kam schließlich in ihrer Vaterstadt Merida an. Der Statthalter Dazian saß gerade auf dem öffentlichen Platz zu Gericht. Er war umgeben von Personen der Obrigkeit, von bewaffneten Kriegsleuten und von einer großen Menge Volkes. Eulalia drängte sich durch die Menschenmassen hindurch, stellte sich vor den Statthalter hin und erklärte ihm mit der bewunderungswürdigsten Unerschrockenheit: dass es die größte Torheit sei, vor Holz und Steinen, gleich als wären sie Gottheiten, die Knie zu beugen. „Ihr sucht“, sprach sie weiter, „die Christen auf. Seht, auch ich bin eine Christin! Ich hasse die Götter und möchte alle eure Götzen zertrümmern. Mit Herz und Mund bekenne ich den einzig wahren Gott. Eure Götzen, der Isis, der Apollo, die Venus sind nichts – bloßes Menschenwerk, und Maximian handelt sehr töricht, dass er sie verehrt und zu verehren befiehlt. Er tut großes Unrecht, dass er so viel unschuldiges Blut deswegen vergießen lässt.“ Schließlich sprach sie zu den Schergen: „Was zögert ihr? Nehmt mich! Schneidet, brennt, zerreißt meinen Körper! Er ist vergänglich, deswegen wird es euch ein Leichtes sein, ihn zu zerstören. Nichts aber werdet ihr anhaben können meinem Geist.“



    Der Statthalter hatte eine so nachdrückliche Erklärung von einem zwölfjährigen Mädchen nicht erwartet. Er wurde heftig erzürnt und befahl den Schergen, dass man sie durch Martern auf andere Gedanken bringen solle. Bevor jedoch dieser Befehl vollzogen wurde, versuchte er, nachdem er sich von der ersten Zorneshitze erholt hatte, durch Zureden sie zu gewinnen und ihren Sinn zu ändern. Er stellte ihr das Ansehen ihrer Familie vor Augen, die durch ihr Bekenntnis tief herabgesetzt werden würde. Er schilderte ihr die Vergnügungen, die sie, wenn sie durch Verleugnung des Christentums ihr Leben erhalte, in ihrem vornehmen Stand genießen könne. Er machte sie aufmerksam auf die vorteilhaften ehelichen Verbindungen, auf die sie seiner Zeit hoffen dürfe. Er bat sie schließlich, dass sie doch der grauen Haare ihrer schon bejahrten mütterlichen Großeltern schonen wolle. Diesem Zureden desto größeren Nachdruck zu verschaffen, wurden die Marterinstrumente vor die Augen der jungen Bekennerin gebracht, mit der Bedrohung, dass sie die Wirkungen derselben bald empfinden werde, wenn sie nicht zu etwas anderem sich entschließe. Zuletzt wurde ihr bedeutet, dass es in der Willkür der Obrigkeit stehe, sie enthaupten oder von den Tieren zerreißen oder verbrennen zu lassen, - lauter Todesarten, vor denen sie zurückschaudern möge.



    Ganz ruhig hatte Eulalia diesen Vortrag angehört. Ihre Gegenerklärung gab sie jetzt nicht mit Worten, sondern durch eine Handlung kund, die den Statthalter hinlänglich überzeugen konnte, dass sein Zureden ihren Mut nicht geschwächt, sondern vielmehr erhöht habe. Sie ergriff einige Opfergeräte, die neben ihr standen, und zertrümmerte sie. Mit Wut wurde sie nun angefallen von den Schergen, die mit spitzen Krallen ihre Brust und ihre Seiten bis zur Entblößung des Gebeines zerfleischten. Der Schmerz war unbeschreiblich. Das Blut floss häufig bis zur Erde, und doch verlor die junge Kämpferin ihren Mut nicht. Freudig rief sie während der Marter aus: „Herr Jesus Christus, mit Eisen und Stahl haben sie deinen errungenen Sieg meinem Leib eingegraben, und dein heiligster Name glänzt in Purpur auf ihm.“ Die unmenschliche Grausamkeit veranstaltete neue, noch schmerzlichere Qualen. Der ganz wunde Leib wurde mit Fackeln gebrannt. Schließlich legte man rings um sie her Feuerbrände und schürte diese immer näher zu ihr. Der Schmerz war überaus groß. Dabei litt die jungfräuliche Scham am meisten, da das Feuer ihre Kleider und die Haarlocken verzehrte, womit ihr Busen bedeckt war. Endlich schlug die Flamme über ihrem Kopf zusammen und sie atmete das Feuer ein. Da bat sie Gott um Vollendung. Ihre Bitte wurde erhört, der Leib sank in die Glut, die Seele flog in Gestalt einer schneeweißen Taube vor den Augen der staunenden Menge dem Himmel zu. Auch der Henker und der Gerichtsdiener sehen die Wundererscheinung, staunen und zittern darob, verwünschen ihre böse Tat und eilen davon. Sie wurden bekehrt. Indessen erstirbt die Glut, und es fällt Schnee, den Leichnam der zarten Jungfrau vor den unreinen Augen zu bedecken, bis die Gläubigen die Gelegenheit ersahen, die glorreiche Martyrin zu beerdigen. In Folge der Zeit erhob sich über ihrem Grab eine herrliche Kirche und großer Ruhm der Heiligkeit und ihrer mächtigen Fürbitte durch viele Wunderzeichen. Mit dieser heiligen Jungfrau litt zugleich nach dem Zeugnis des römischen Marterbuches eine andere Jungfrau, Julia mit Namen, ihre Spielgefährtin, den Martertod durch das Schwert.



    „Wahrlich sage ich (der Sohn Gottes) euch: Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht in das Himmelreich eingehen. So gläubig, so arglos, so ohne Verstellung, ohne Anmaßung, so versöhnlich, so teilnehmend, so liebevoll, wie gute Kinder sind, erklärt die Eigenschaft der Himmelskinder.“ (Der heilige Gregor)

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  • Vom Reich GottesDatum10.12.2025 06:21
    Foren-Beitrag von Blasius im Thema Vom Reich Gottes




    Vom heilsamen Verlangen

    nach der ewigen Seligkeit



    Drängt das Leben dich hienieden,

    Sieh empor zum heilgen Blau;

    Denn von dort quillt Trost und Frieden

    Sanft ins Herz wie Himmelstau.




    1. Nichts ist so sehr geeignet, uns zu kräftigen und zu trösten, als der Gedanke an die künftige Seligkeit, die wir hoffen. O wie glückselig werden wir dann sein, wenn wir das heilige Gesetz unseres Herrn beobachtet haben und auf dem Weg des Kreuzes gingen, der zu diesem glorreichen Ziel führt. Wie unbeschreiblich wird unsere Wonne sein, dort vereint mit allen seligen Geistern Gott von Angesicht zu Angesicht zu schauen und sein Lob in seligem Jubel zu singen. O seliges Entzücken, im sicheren Besitz der ewig glorreichen Seligkeit zu sein. Erheben wir unsere Gedanken oft zu diesem unserem himmlischen Vaterland, wo die unversiegbare Fülle aller Freude herrscht.



    2. Der Aufblick zum Himmel allein kann unser Herz von aller Anhänglichkeit an diese vorübergehenden Güter lösen, die wahre Übel sind, wenn sie gegen die unermesslichen Güter des Himmels verglichen werden, und die die Seele bestricken, in zahllose Sünden verflechten, und diejenigen täuschen, die ihnen gierig nachstreben, da sie ihr Herz nicht sättigen, sondern ermüden. Kein Mittel auch ist so wirksam, alle Trübsale des Lebens uns zu versüßen und gegen alle Regungen der Leidenschaften und Anfälle der Versuchungen uns zu stärken, da diese vorübergehenden Leiden uns eine unendliche Seligkeit erwirken. Wie viele Seligen preisen nun ihr Kreuz, das ihnen eine so große Glorie erwarb.



    3. Nichts auch wirkt so mächtig, die Strenge des Todes zu mildern, als die oftmalige Erhebung unseres Herzens zum Himmel. Denn führt, wie jede wahrhaft fromme Seele hoffen darf, der Tod in die selige Ewigkeit: warum denn sollen wir ihn so sehr fürchten und bei seiner Annäherung erbeben? Ist das Ziel unserer mühevollen Pilgrimschaft das glückselige Vaterland des Himmels: wie kann es uns je so schmerzlich fallen, diese Verbannung zu verlassen. So lange wir hienieden sind, verfließt unser Leben unter Seufzern und Sünden, der Tod aber öffnet uns die Pforte des Heils. So bringen wir denn Gott unser Leben mit Freuden zum Opfer, und seine Barmherzigkeit wird den Tod uns versüßen. Psalm 122,1: "Ich freute mich, als man mir sagte: Zum Haus des Herrn wollen wir pilgern."

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  • Maria Loreto 10. DezemberDatum10.12.2025 06:14
    Thema von Blasius im Forum Die allerseligste J...




    Was gäben wir doch darum, wenn wir in dem kleinen Haus zu Nazareth einmal hätten Gast sein dürfen! Was wäre heilsamer für unser Leben gewesen, als das Leben dieser heiligen Gemeinschaft im Rahmen ihres Alltages zu belauschen? Was würde es uns vorwärtshelfen, wenn wir es beobachtet hätten, wie der Alltag ihnen zur Himmelsleiter wurde! Man kann es daher wohl verstehen, wenn die christliche Legende die Erhaltung dieses Hauses gesichert haben möchte und im Heiligen Haus von Loreto es dankbar begrüßt. Was es mit diesem rätselhaften Haus auf sich haben mag – die Kirche entschied nichts darüber -; auf jeden Fall ist es uns für alle Zeiten ein heiliges Symbol dafür, wie der Alltag der heiligsten und wertvollsten Personen gestaltet war.



    Es ist etwas Seltsames um den Alltag. Wir sprechen mit Recht von seiner Mühseligkeit. Wir erblicken uns in ihm gefesselt und getrieben. Wir stöhnen und seufzen unter seiner Last wie unter dem schwersten Kreuz. Und doch – wie bald vermissen wir ihn, wenn er uns fehlt. Schon drei Feiertage hintereinander sind vielen Menschen eine Qual. Man sehnt sich förmlich aus den schönen Urlaubstagen nach seiner Wiederkehr. Seltsame Widersprüche im rätselhaften Menschenherzen. Lassen wir sie ungelöst, bis die ewige Sabbatruhe des Herrn alles klärt.



    Aber eins ist uns aus all dem doch gewiss: Wenn demnach der Alltag in unserer Lebenszeit obsiegt, dann wird letzthin nur er uns zu unserem Glück oder Unglück sein. Nicht der Sonntag gibt unserem Leben das Gesicht. Vom Alltagsberuf ist es geformt. Nicht zu feiern sind wir auf Erden gesetzt, sondern um im Schweiße des Alltags Brot und Segen aus der Hand des Herrn zu empfangen. Darum gäbe es kaum etwas Tadelnswerteres im Leben des Getauften, als wenn eine tiefe Kluft sich zeigte zwischen seiner Sonntagsfeier und seinem Alltagsgang. Sonntags – ein Gotteskind, alltags – ein Mammonsdiener! Sonntags – die Freude des Herrn, alltags – die Wollust der Sinne! Nur wenn dein christlicher Sonntag den Alltag formt, nur wenn der Alltag zum Spiegelbild deines Sonntags wird, dann ist bei dir jene Harmonie erreicht, die den Atem des Schöpfers birgt.



    Ob darin nicht das Geheimnis offenbar wird, dass ein menschgewordener Gott die längste Zeit seines Erdendaseins im Alltag verbrachte? Ob dadurch Maria nicht ihre herrliche Vollendung fand, dass sie in einem langen Leben kaum aus dem Alltag herausgetreten ist? Aber was für ein Alltag das wohl gewesen ist! Unnütz ihn zu schildern, denn Mariens Tugendreichtum, Mariens Gnadenwachsen spricht allzu laut für ihn. Ach, wäre die selige Jungfrau die stete Begleiterin unseres Alltags, es stünde besser um unser Gotteskindsein!



    Kirchengebet



    Gott, Du hast barmherzig durch das Geheimnis des fleischgewordenen Wortes das Haus der seligen Jungfrau Maria geheiligt und es wunderbar im Schoß Deiner Kirche Aufstellung finden lassen. Lass uns fern von den Zelten der Sünder würdige Bewohner Deines heiligen Hauses werden. Amen.



    Zur Geschichte des Festes: Dieses Fest führt uns nach Loreto, dem bekanntesten marianischen Wallfahrtsort in Italien. Er verdankt seinen Ruhm dem von einer prächtigen Basilika umschlossenen „Heiligen Haus“. Nach einer Legende aus dem 15. Jahrhundert soll das Wohnhaus der Heiligen Familie zu Nazareth im Jahr 1291 von Engelhänden zunächst nach Tersato (Dalmatien) und 1295 nach Loreto übertragen worden sein. Im 16. und 17. Jahrhundert fand diese Legende weiteste Verbreitung. Neueren Forschungen zufolge liegt in diesem Bericht eine Verwechselung mit der Übertragung eines alten marianischen Gnadenbildes von Tersato nach Loreto samt dem Landkirchlein, worin das Gnadenbild geborgen war. Es handelt sich also bei dem Heiligen Haus in Loreto um eine Nachbildung der Nazarethwohnung der Heiligen Familie. Die Basilika stammt aus den Jahren 1468-87. Die großen Seitenkapellen gehören verschiedenen Nationen.



    Die historische Tatsache ist eigentlich unwesentlich. Entscheidend ist der Geist, der die gläubigen Scharen immer wieder nach Loreto führte und heute noch führt. Der Pilgerstrom war so stark und die Verehrung der Gottesmutter so lebendig, dass sie zu einer eigenen Festfeier drängten, die bereits 1632 erwähnt wird. Zunächst blieb diese Feier auf Ostitalien beschränkt. Innozenz XII. nahm das Fest ins Martyrologium auf und bestimmte seine Feier für die ganze Kirche. Pius X. zog diese Bestimmung wieder zurück. Durch ein Dekret der Ritenkongregation vom 12. April 1916 wurde aber das Loreto-Fest auf ganz Italien ausgedehnt. Seitdem erhalten auch andere Ordensgemeinschaften und Diözesen dazu die Erlaubnis, wenn sie eigens darum bitten.


    (Prof. Dr. Carl Feckes, So feiert dich die Kirche, Steyler Verlagsbuchhandlung, 1957)


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  • Tages-Gebete Datum09.12.2025 08:14
    Foren-Beitrag von Blasius im Thema Tages-Gebete





    Gebet am 9. Dezember



    Gib uns, o Herr und Gott, dass es uns als Deine Diener leiblich und geistig immer wohlergeht, und unter der Fürsprache der seligsten allzeit glorreichen Jungfrau Maria von der Trauer der Gegenwart befreit, dereinst die ewige Seligkeit genießen dürfen. Amen.



    Zu Gott



    Gott, Du Stärke der Schwachen, verlass uns nicht, damit wir standhaft im Glauben und unveränderlich in der Liebe alles überwinden, was unsere Hoffnung, einst im Himmel bei Dir zu sein, vereiteln möchte. Amen.



    Zu Jesus Christus auf die Fürbitte der heiligen Gorgonia



    Herr Jesus Christus, der Du uns so oft ermahnst, dass wir für unser Seelenheil Sorge tragen sollen. Verleihe uns auf die Fürbitte der heiligen Gorgonia, dass wir bei unserer Sorge für das Zeitliche, nie das Andenken an den Tod, an Dein Gericht und an die Ewigkeit verlieren, der Du lebst und herrschst mit Gott dem Vater in der Einheit des Heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.



    Andenken an die seligste Jungfrau



    Am heutigen Tag halten die Griechen das Fest der Unbefleckten Empfängnis Mariä. An diesem Tag hat auch Ludwig XIII., König in Frankreich, im Jahr 1629 zur Danksagung wegen des im vorigen Jahr zu Rochelle gegen die Hugenotten erhaltenen Sieges den ersten Stein zur Kirche Unserer Lieben Frau der Siege gelegt.



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  • Thema von Blasius im Forum Unsere Fürsprecher



    Gorgonia, eine Schwester des heiligen Gregor von Nazianz, wurde wahrscheinlich im Jahr 326 geboren und von ihren heiligen Eltern zur Liebe Gottes erzogen.



    Schon in der aufblühenden Jugend bewährte sich der Spruch: „Wie der Baum, so die Frucht.“ Obgleich sie eine große Schönheit, einen hellen Verstand und viele weltliche Kenntnisse besaß, so war sie doch nur bedacht, ihre Seele mit Tugenden zu zieren. Den Putz, das Schminken und andere Erfindungen der Eitelkeit, schreibt ihr Bruder Gregor, überließ sie den Schauspielerinnen und anderen leichtfertigen Personen. Sie fürchtete das Ebenbild Gottes zu entehren, wenn sie die Haare gekräuselt oder in Locken gelegt, kostbare fliegende Kleider getragen und sich mit Diamanten und Edelsteinen geschmückt hätte. Sie sah die Kleider nur als Mittel an, unsere Blöße zu bedecken, und als Ursache der Demütigung, weil sie ein Beweis sind vom Fall unserer Stammeltern.



    Beseelt von der lebendigen Erkenntnis Jesu Christi, gab sie ihre Einsicht und Geschicklichkeit nur daran zu erkennen, wenn es die Liebe forderte, anderen mit Rat, Hilfe und Trost beizustehen. Obwohl sie gleich in der alten und neuen Geschichte wohl bewandert war, so suchte sie doch niemals ein gelehrtes Gespräch zu führen. Auch eitle und unnütze Reden verabscheute sie. Sie sprach nur das Notwendige, oder wollte nur reden und hören, was zu Gott führt. Man konnte es ihrem stillen Sinn ansehen, dass sie in ihrem Herzen unablässig mit Gott sich unterhalte. Sie wachte stets über ihre Blicke, aus Furcht, etwas Gefährliches zu sehen; betrachtete sich als einen Fremdling auf der Erde, sehnte sich nur nach dem Himmel, wo der Geliebte ihrer Seele, ihr Trost und ihre Freude war, und suchte allein Jesus Christus und den Heiligen im Himmel zu gefallen. Das Leben auf Erden sah sie an als eine Vorbereitung und Sichfähigmachung zum Genuss und Umgang der Himmelsbürger. Wer hier keine Freude am Himmlischen hat, wird sie dort schwer erhalten. Es war daher ihre ganze Beschäftigung auf die immer größere Erkenntnis Gottes und die Erfüllung seines Willens gerichtet.



    Solche Jungfrauen, wie Gorgonia eine war, besitzen allein die erforderlichen Eigenschaften, den heiligen Ehestand auf eine würdige Weise anzutreten, und eine wahrhaft christliche Gattin und Mutter zu werden. Unsere Heilige ist daher auch hierin ein nachahmungswürdiges Beispiel. Sie wurde, nach dem Willen ihrer Eltern, mit einem vornehmen und reichen heidnischen Jüngling, Vitalianus, aus Pisidien vermählt, und gebar ihm drei Töchter. Durch ihren willigen Gehorsam und ihre sanfte Nachgiebigkeit in allem, was ihr Gewissen nicht verletzte, lebte sie mit ihm in stätem Frieden, und gewann ihn auch bald für Jesus Christus. Ihre Kinder erzog sie von dem zartesten Alter an zur Liebe Gottes, mehr durch ihr Beispiel als durch Worte. Ihr Haus war stets, mit Einwilligung ihres Mannes, ein Zufluchtsort der Armen, Witwen und Waisen. Fromme Christen empfing sie mit besonderer Freude und verschaffte ihnen jede Bequemlichkeit. Übrigens übte sie gegenüber jedem Fremden Gastfreundschaft und zeigte Mitleid zu allen Leidenden. Ihr Gemüt war aber so fest mit Gott vereinigt, dass weder fremde, noch eigene Leiden ihre ruhige Gleichmütigkeit zu stören vermochten.



    Bei all diesen Werken der Liebe sah sie nur auf das Wohlgefallen Gottes. Sie wollte keinen anderen Lohn, als den Jesus denen verheißen hat, die sich mit ihren zeitlichen Gütern Schätze für den Himmel sammeln. Ihre linke Hand durfte nicht wissen, was ihre rechte gab. Für ihre Kinder glaubte sie besser zu sorgen, wenn sie einen großen Teil des vergänglichen Reichtums mit dem ewigen vertauschen würde. – Bei ihrer großen Wohltätigkeit führte sie ein strenges Leben. Sie ließ sich, setzt der heilige Gregor hinzu, von dem unseligen Wahn nicht täuschen, als könne man durch Mitleid gegenüber den Armen die Schuld eines sinnlichen Lebens auslöschen. Sie fastete streng, brachte ganze Nächte im Gebet, auf der Erde liegend, zu, sang die Psalmen und las die Heilige Schrift auf den Knien. Nichts vermochte sie in diesen heiligen Übungen zu stören, so fest war dabei ihr Herz durch die Liebe mit Gott vereinigt. Sie liebte einsame dunkle Zimmer, die der Gemütssammlung und der Andacht förderlicher sind, und vermied möglichst weltliche Gesellschaften, die ihr beschwerlich fielen. Ihr Verlangen nach der Gesellschaft der Auserwählten im Himmel wuchs mit jedem Jahr, bis sie endlich in dieselbe aufgenommen wurde.



    Sie bereitete sich zum Tod, wie zu einem Fest vor, und gab, im Beisein ihrer Mutter, der heiligen Nonna, ihres Gemahls, ihrer Kinder und ihres Beichtvaters, der ein Bischof war, ihren Geist auf, mit den Worten: „Ich will im Frieden einschlafen und ruhen“, um das Jahr 371.


    https://www.heiligen-legende.de/gorgonia-von-nazianz/

  • Vom Reich GottesDatum09.12.2025 06:58
    Foren-Beitrag von Blasius im Thema Vom Reich Gottes




    Katholische Bestattung


    Über die Worte des Apostels:

    "Täglich sehe ich dem Tod ins Auge." (1. Korinther 15,31a)



    Nimmer fließe dir die Zeit vergebens.

    Täglich raubt sie einen Teil des Lebens.

    Du weißt nicht, wie viel noch übrig ist:

    Darum sei bereit zu jeder Frist.




    1. Willst du in Sicherheit leben, so traue niemals dem Tod. Denn gleich einem Dieb schleicht er umher, überrascht täglich viele, die nicht auf ihrer Hut sind, und nimmt sie mit sich in die Ewigkeit. Könnten wir mehrere Male sterben, so ließe ein böser Tod durch einen zweiten sich verbessern. Da wir aber nur einmal sterben, sind wir, wenn wir in der Sünde sterben, verloren, "denn auf welche Seite der Baum fallen wird, da bleibt er liegen!" (Kohelet 11,3b)



    2. Dies ist die große Kunst der Auserwählten: so zu leben, dass der Tod zu keiner Zeit sie unvorbereitet überrascht. Schließe gleich ihnen jeden Tag die Rechnung mit deinem Gewissen ab, und lass, so viel an dir liegt, nichts unberichtigt. Denke daher jeden Abend, wenn du zur Ruhe dich niederlegst, wenige Minuten, du liegst bereits auf dem Sterbebett, und denke nach, was in deiner letzten Stunde dich ängstigen könnte. Fasse jedoch festes Vertrauen zur göttlichen Barmherzigkeit, die, bist anders du über die Sünden deines verflossenen Lebens wahrhaft zerknirscht, im Tod dich gewiss mütterlich umfangen wird. Stehst du hingegen in der Frühe auf, so ordne diesen neuen Tag so, als wäre er dein letzter. Denn da gewiss ein Tag kommt, der dein letzter sein wird: warum sollte es nicht der heutige sein können? Und sterben nicht zahllose Menschen ohne vorhergegangene Krankheit?



    3. Ein seliger Tod ist die Wissenschaft der Wissenschaften, er ist das Ziel unseres Lebens. Niemals aber werden wir diese Wissenschaft erlernen, niemals dieses Ziel glückselig erreichen, wofern wir nicht, nach dem Ausspruch des Apostels, täglich sterben, das heißt, unser Herz täglich mehr von allem Vergänglichen, von allen irdischen Gütern, von allen eitlen Hoffnungen, von allen Geschöpfen und von diesem sterblichen Leben selbst entfesseln, so dass wir immer bereit seien, unsere Seele friedlich in die Hände unseres Schöpfers zu übergeben. Durch diese heilige Übung werden wir auch alle unsere Pflichten weit getreuer und weit reiner erfüllen, weil wir sie dann so erfüllen werden, wie wir bei unserem Tod wünschten, sie erfüllt zu haben. "O Tod, wie gut ist dein Urteil!" (Jesus Sirach 41,2+3)

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  • Thema von Blasius im Forum Unsere Fürsprecher



    Eine der ältesten Städte Europas, unstreitig die älteste Kirche diesseits der Alpen ist Trier. Schon zur Zeit der Geburt Christi, unter dem römischen Kaiser Augustus, war Trier eine wichtige Militärstation zum Schutz der Grenzen des Reiches gegen die deutschen Völkerstämme jenseits des Rheins, im Jahr 287 wurde es kaiserliche Residenz für das Abendland und mit aller Pracht und Herrlichkeit ausgestattet, was die Würde und der Luxus eines römischen Imperators jener Zeit einforderte. Ganz nach dem Muster von Rom erhielt es seinen Senat, Paläste, Tempel, Triumphbogen, Amphitheater, Bäder und Feste, so dass es „das zweite Rom“ genannt wurde. Der erste christliche Kaiser, Konstantin, und seine Nachfolger im 4. Jahrhundert, residierten zumeist in Trier. Bei dieser engen Verbindung Triers mit Rom war es nicht verwunderlich, dass schon die ersten christlichen Glaubensboten ihr Auge nach diesem lohnenden Ziel richteten.



    Dem Auftrag des göttlichen Heilandes getreu: „Gehet hin in alle Welt, lehrt alle Völker und tauft sie.“ waren die Apostel Petrus und Paulus bis zur Weltstadt Rom gekommen und hatten dort eine Christengemeinde gegründet. Da sie indes dort gefangen gehalten wurden, so schickten sie ihre Jünger in nahe und entfernte Länder, um die Lehre Christi auszubreiten. Unter diesen Verkündigern des Evangeliums befand sich auch der heilige Eucharius, ein Schüler des heiligen Petrus und der Sage nach einer der 72 Jünger des Herrn.



    Mit seinen beiden Mitarbeitern Valerius und Maternus kam Eucharius in das östliche Gallien und predigte im Elsass und an den Ufern des Rheins. Dann wandte er sich zur Mosel, um dorthin den Frieden und das Heil zu bringen, wohin die Römer den Krieg und den heidnischen Götzendienst überführt hatten. Auf dem Hauptplatz der Stadt Trier standen an hundert Bildsäulen heidnischer Götzen, denen das verblendete Volk göttliche Ehre erwies. Eucharius ermahnte das Volk, diesen törichten Götzendienst aufzugeben, und den einzig wahren Gott, den Schöpfer Himmels und der Erde, anzubeten, allein der Stolz und Reichtum der Bürger verschloss der Predigt des armen Fremdlings das Ohr. Der Eifer und Mannesmut des Glaubensboten ließ sich indes weder durch Misserfolge, noch durch Drohungen seitens der Götzenpriester einschüchtern. Eines Tages wollte er auf dem öffentlichen Markt vor dem versammelten Volk predigen. Da erhoben mehrere Männer Steine und spannten schon die Arme aus, um ihn zu steinigen. Der ehrwürdige Diener Gottes erhob indes Augen und Hände zum Himmel und betete unter Tränen, Gott wolle den verblendeten Menschen Herz und Sinn öffnen, die Wahrheit zu erkennen und das Heil zu suchen. Die Ruhe und Zuversicht des heiligen Mannes, die Kraft seiner Worte erschütterte die Umstehenden derart, dass sie die Arme sinken ließen, ihm zu Füßen fielen und ausriefen: „Zeige uns den Weg zum Heil! Sag an, was sollen wir tun, was sollen wir lassen, damit wir dazu gelangen?“



    Mit glühender Begeisterung entwickelte nun Eucharius den Inhalt des christlichen Glaubens, die Lehre von der Schöpfung, vom Sündenfall unserer Stammeltern, von der Erlösung durch Jesus Christus, der von der reinsten Jungfrau Fleisch annahm und durch seinen Opfertod am Kreuz für die Sünden der Welt genugtat, die Macht der Hölle brach, vom Grab glorreich auferstand, seinen Aposteln den Auftrag erteilte, alle Völker zu lehren, zu taufen und dem Himmel zuzuführen und ihnen den Heiligen Geist sendete, damit er sie in alle Wahrheit einführe und alle Tage bei seiner Kirche bleibe bis ans Ende der Welt. Seine Rede schloss er mit den Worten: „Von den Jüngern Christi kamen Petrus und Paulus nach Rom, den Glauben an Jesus Christus standhaft und unermüdet zu lehren, und diese Stadt, die bisher in den Finsternissen des Irrtums dahinlebte, mit den Strahlen himmlischer Weisheit zu erleuchten. Wir aber sind nach Anordnung des Apostels in diese eure Gegenden abgesandt, auch euch eben denselben Glauben zu verkündigen und euch getreulich den Weg des Heils zu zeigen, der allein zum himmlischen Vaterland führt.“



    Die Worte des gottbegeisterten Glaubensboten gingen seinen Zuhörern tief zu Herzen. Sie bekannten, dass sie nie etwas Herrlicheres gehört hätten.



    Unter den Zuhörern des heiligen Eucharius befand sich auch eine vornehme und reiche Witwe, namens Albana. Ihr einziger Sohn lag zu Hause gefährlich krank. Sie hatte sich nur auf kurze Zeit von ihm entfernt, um die Predigt des Fremdlings zu hören, von dem sie viel Wunderbares vernommen hatte. Vergeblich hatte sie bei den Menschen Hilfe in ihrer Not gesucht, vielleicht fand sie Trost bei diesem heiligen Mann. Da überraschten sie ihre Diener mit der Trauerbotschaft: „Dein Sohn ist soeben gestorben.“ Sobald sie dies hörte, fiel sie dem heiligen Eucharius zu Füßen und rief unter lautem Jammer und heißen Tränen: „Ich bitte dich inständigst, erbarme dich einer armen Mutter! Habe Mitleid mit mir Unglücklichen, die zweifach bemitleidenswert ist! Denn erst vor wenigen Tagen verlor ich meinen Mann und heute – ach des Jammers! – wird mir nun noch mein einziger Sohn durch den Tod entrissen! Erwecke meinen Sohn! Sieh ich bin aufrichtig bereit, alle deine Lehren aufs willigste zu befolgen. Ich glaube an Jesus Christus, den du uns verkündest, ja auch mein Sohn und mein ganzes Haus werden an ihn glauben.“



    Von dem Jammer der Mutter innigst gerührt, begab sich Eucharius mit Valerius und Maternus zu ihrer Wohnung. Eine große Menge Volkes folgte voll Erwartung. Eucharius trat mit der Mutter und seinen Gefährten in das Haus der Trauer, fiel auf seine Knie und betete lange. Dann stand er auf, trat zu dem Leichnam, fasste ihn bei der Hand und sprach: „Jüngling, im Namen Jesu Christi, der durch seine Allmacht den einzigen Sohn der Witwe von Naim vom Tod erweckt hat, sage ich dir: Kehre zurück in dieses Leben und lerne hier auf Erden noch deinen Schöpfer erkennen und mit aufrichtigem Herzen an ihn glauben!“ Der Jüngling stand sogleich auf und fing an, Gott zu loben und zu preisen. Eucharius stellte ihn dem versammelten Volk vor und alle riefen mit lauter Stimme: „Groß und mächtig ist der Gott der Christen, der durch seine Diener solche Zeichen und Wunder tut!“ Die beglückte Mutter Albana, ihre ganze Familie und eine große Menge Volkes ließen sich taufen.



    Albana ließ ihr schönes Haus zu einer Kirche einrichten und vom heiligen Eucharius einweihen. Nach und nach bekannte sich fast die ganze Stadt zum Glauben an Jesus Christus. Eucharius wurde der erste Bischof dieser Christengemeinde, Valerius und Maternus seine Diakonen. Von Trier aus machte Eucharius seine Missionsreisen in der Umgegend weit und breit und bekräftigte sein Wort durch viele Wunder.



    Nachdem Eucharius 23 Jahre der jungen Christengemeinde zu Trier als Bischof vorgestanden hatte, erschien ihm nachts ein Engel und sprach zu ihm: „Eucharius, du hast nach dem Befehl des Herrn dein Tagewerk getreulich vollendet und deinen Kampf auf Erden männlich durchgekämpft. Gehe nun ein in die verheißene Ruhe und empfange die unverwelkliche Siegeskrone!“ Eucharius rief seine Jünger zu sich und sprach: „Geliebteste! Ich weiß es nun gewiss, dass ich diese Welt bald verlassen und die Schuld der menschlichen Hinfälligkeit abtragen werde. Ich bitte euch daher noch um drei Dinge: Habt beständig einen festen Glauben, eine unerschütterliche Hoffnung und eine wahre, unverfälschte Liebe zu Gott, sowie untereinander. Gebt den Irrtümern, die vom Satan herrühren, niemals Gehör. Meinen Staub übergebt der Erde, meinen Geist aber empfehlt in Andacht und Liebe dem Herrn!“ Darauf ernannte er Valerius zu seinem Nachfolger und mahnte ihn dringend, die Talente, die ihm Gott anvertraut habe, zur Ehre Gottes und zum Heil der Seelen gewissenhaft zu verwenden.



    Während er sprach, umgab ihn heller Lichtglanz und erfüllte die ganze Zelle. Noch einmal sagte er seinen Jüngern Lebewohl, blickte zum Himmel und schloss die Augen im seligen Tod am 8. Dezember des Jahres 72 nach Christi Geburt. Sein Leichnam wurde in der Matthiaskirche vor den Toren Triers feierlich zur Erde bestattet.

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  • Tages-Gebete Datum08.12.2025 08:54
    Foren-Beitrag von Blasius im Thema Tages-Gebete





    Gebet am 8. Dezember



    Unvergleichliche, herrliche Jungfrau! Jegliches Menschengeschöpf wurde in Sünde empfangen und trat mit der Sünde behaftet in diese Welt. Du allein aus Tausenden erkoren, bliebst rein und ohne Mangel und Makel. Euch, ihr Eltern Joachim und Anna, ist dies kostbarste Gut anvertraut. Nun tritt die Liebe, die reinste, als junge Pflanze empor im Garten dieses Tränentales. Nun geht die Morgenröte auf am Himmel, die bald die Sonne beleuchten soll. Die ersten Strahlen schon verjüngen und entzücken den Erdball. Wir wünschen dir Glück, o Maria, zu dieser Ehre und grüßen dich voll Freuden als die Schönste und Reinste der Evakinder. Lass uns deinen Freudentag würdig feiern und senke vor seinem Untergehen einen Gnadenstrahl auf uns Arme nieder. Amen.





    Übungen für das heutige Fest



    Erfreue dich über den besonderen Vorzug, über die in ihrer Art einzige Gnade, die Gott seiner Mutter durch ihre Unbefleckte Empfängnis erwiesen hat. Danke Gott dafür. Grüße Maria öfter mit diesen kurzen Worten: "Sei mir gegrüßt, o Maria, die du ohne Erbsünde bist empfangen worden". Bete die Tagzeiten von der Unbefleckten Empfängnis Mariä. Bitte sie dass sie dir einen reinen und unbefleckten, oder doch einen bußfertigen Lebenswandel von Gott erbitte. Mach den Vorsatz, die standesmäßige Keuschheit zu beobachten, damit du Gott immer wohlgefälliger, zur Seligkeit reifer, und an der Herrlichkeit Gottes teilzunehmen würdiger wirst.



    Zu Maria als Fürsprecherin



    Reine Jungfrau, allerseligste Gottesgebärerin, blicke auf uns, die wir dich anrufen, herab mit erbarmungsvollen Augen. Du selber kennst die Kraftlosigkeit des Menschen, die vielen uns umgebenden Gefahren. Du kennst das hohe Vorrecht einer ungetrübten Gottseligkeit, eines stets heiligen Sinnes. Sei unsere Fürsprecherin bei Gott, damit wir in dieser Prüfungszeit die in dem Land der Wiedergeburt erlangte Unschuld unversehrt bewahren, oder durch die Tränen der Buße wieder erlangen, und mit reinem Herzen dereinst vor Gott erscheinen, um mit dir und allen Heiligen ewig vereinigt zu werden. Amen.



    Kirchengebet




    Wir bitten Dich, o Herr, erteile Deinen Dienern das Geschenk der himmlischen Gnade, damit uns, denen die Geburt der seligsten Jungfrau der Anfang des Heils war, die Feierlichkeit ihrer Empfängnis den Frieden und das Heil vermehre, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.



    Allgemeine Erinnerung über die Festtage Marias




    Gott der Herr selbst hielt seine heiligste Mutter besonders in Ehren, und erhob sie über alle anderen Heiligen. Nach diesem Beispiel pflegt die Kirche nach Gott niemand so andächtig und so besonders zu verehren, als eben die hochwerteste Mutter unseres Herrn, zu deren Ehre die katholische Kirche verschiedene Festtage einsetzte, und zwar in der Absicht, dass das Feuer der Andacht zu dieser gebenedeitesten Jungfrau in den Herzen ihrer Rechtgläubigen entzündet, und das Jahr hindurch öfters in neue Flammen gebracht wird.



    Erfülle die schönen Absichten deiner heiligen Mutter, und zeige an diesen Tagen, welch ein kindlich frommer Verehrer Mariä du bist. Und zwar

    1) schon am Vorabend eines Festtages der göttlichen Mutter äußere deine Andacht durch einen Abbruch in Speise und Trank, durch ein Almosen oder Bußwerk.

    2) Am Festtag selbst richte gleich morgens früh deine ersten Gedanken dahin, dass du das gegenwärtige Fest mit einem besonderen Eifer begehst, und den Tag durch Übung einer auf das Fest gerichteten Tugend heiligen willst. Lies aufmerksam in einem Erbauungsbuch den Unterricht von dem heutigen Fest.

    3) Wenigstens an den Hauptfesttagen beichte und kommuniziere, zu dem Ziel und Ende, dass dir Gott durch die Fürbitte Mariä die Gnade verleihen möge, das in dir bessern zu können, was der heiligen Jungfrau an dir noch missfällt. Nach der heiligen Kommunion erneuere deinen Vorsatz, Mariä in dieser oder jener Tugend nachzufolgen.

    4) Was du immer an diesem Tag in oder außerhalb der Kirche tust, tue es mit größerem Eifer. Enthalte dich aber auch von unnötigen Vergnügungen, die den Geist der Sammlung, und mit ihm oft alle Andacht der Seele stören.

    5) Nutze die Gelegenheit, dass du in Gegenwart eines andern etwas von Maria redest, und ihre Ehre beförderst. Aus dieser Absicht verrichte ein geistliches Werk der Barmherzigkeit. Einem Liebenden kommt viel Gutes in Sinn und Werk.

    6) Erwähle an jedem Festtag Maria erneut zu deiner Frau, zu deiner Mittlerin und Fürsprecherin. Erwecke am Tag recht oft andächtige und fromme Betrachtungen zu ihr.

    7) Bete, aber überwinde dich auch öfters zu Ehren Mariä, z.B. beim Essen, im Reden, in den Augen, und wenn dich der Zorn oder eine andere Leidenschaft überfallen will. Kurz, bringe den Festtag so zu, dass Gott und seine Mutter an dir ein Wohlgefallen haben, und dich an diesem Tag in Gnaden ansehen, der für dich ein wahrhaft glücklicher Tag, ein Tag des Segens sein wird.



    Weiteres Andenken an die seligste Jungfrau



    In Neapel besteht ein Orden geistlicher Jungfrauen unter dem Namen der Unbefleckten Empfängnis. Er wurde von einer gottseligen Jungfrau Beatrix de Siva gestiftet, und von Papst Innozenz VIII. auf Ersuchen der Königin Isabella von Castilien im Jahr 1489 gutgeheißen. Im Jahr 1511 hat Papst Julius II. ihnen eine besondere Regel erteilt. Man zählt auch in der Christenheit sehr viele Bruderschaften und Sodalitäten unter dem Titel der Unbefleckten Empfängnis.


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  • Thema von Blasius im Forum Hochfeste der allersel...



    1. Es geziemte sich, dass die drei göttlichen Personen der heiligen Dreifaltigkeit Maria vor der Erbsünde bewahrten.

    Es geziemte sich, dass der ewige Vater es tat, weil Maria seine erstgeborene Tochter war. Gleichwie Jesus der Erstgeborene des Herrn war: "Der Erstgeborene der ganzen Schöpfung" (Kolosser 1,15), so wurde auch Maria, die zur Mutter Jesu bestimmt war, immer als die erstgeborene angenommene Tochter des Herrn betrachtet, und deshalb war sie auch immer durch die göttliche Gnade ein Eigentum des Vaters: "Der Herr hat mich geschaffen im Anfang seiner Wege." (Sprichwörter 8,22)

    Es geziemte sich, dass der ewige Vater, um seinen göttlichen Sohn zu ehren, seine Mutter vor aller Sündenmakel bewahrte. Doch auch deshalb geziemte es sich, weil diese heilige Jungfrau bestimmt war, der höllischen Schlange, die den Menschen verführt hatte, den Kopf zu zertreten, wie es in der Heiligen Schrift heißt: "Sie wird deinen Kopf zertreten." (Genesis 3,15) Wie wäre es wohl möglich gewesen, dass sie selbst vorher unter der Herrschaft des Teufels gelebt hätte?

    Überdies war Maria auserwählt worden, eine Fürsprecherin der Sünder zu sein, und deswegen geziemte es sich, dass Gott sie vor aller Sündenschuld bewahrte, damit sie nicht selbst mit der Schuld der Menschen, für die sie Verzeihung erbitten sollte, beladen sei.



    2. Es geziemte sich, dass der göttliche Sohn eine von aller Schuld unbefleckte Mutter habe. Jesus selbst hatte Maria zu seiner Mutter gewählt. Wer würde wohl glauben, dass ein Sohn, der eine Königin zur Mutter haben könnte, sich eine Sklavin wählen würde? Überdies, sagt der heilige Augustin, müssen wir bedenken, dass das Fleisch Christi das Fleisch Mariens ist. Gewiss hätte der Sohn Gottes seinen heiligen Leib nicht von einer heiligen Agnes, von einer heiligen Gertrud oder Theresia annehmen wollen, weil diese heiligen Jungfrauen vor ihrer Taufe durch die Sündenschuld befleckt waren, und weil alsdann der Teufel Christus dem Herrn den Vorwurf hätte machen können, dass er seinen Leib von einem Geschöpf empfangen habe, das ihm eine Zeit lang unterworfen gewesen wäre.



    3. Maria musste aber auch als die geliebte Braut des Heiligen Geistes rein und unbefleckt sein. Nachdem die Erlösung der sündigen Menschen beschlossen war, wollte der Heilige Geist, dass seine heilige Braut auf erhabenere Weise als alle anderen Menschen erlöst würde, und bewahrte sie deshalb vor aller Sünde. Er verkündigt ihr Lob und nennt sie ganz schön und sagt, dass sie immer seine Freundin gewesen und ganz rein sei: "Alles an dir ist schön, meine Freundin; keine Makel haftet dir an." (Hohelied 4,7)


    Kaum hat das Kirchenjahr seinen Anfang genommen, da beginnt am heutigen Tag auch schon die lange Reihe der Liebfrauenfeste. Das ist ganz in der Ordnung. Jedes Kirchenjahr erinnert uns nämlich fortlaufend an die Geschichte unserer Erlösung, und in der trostvollen Erlösungsgeschichte nimmt Maria neben dem Erlöser den ersten Platz ein. Deshalb ist es recht und billig, dass wir der Hochgebenedeiten auch gleich zu Beginn des Kirchenjahres gedenken.



    Schön und sinngemäß ist es ferner, dass das heutige Liebfrauenfest in den Advent fällt. Wir erinnern uns in diesen Tagen an die Finsternis, die viertausend Jahre lang die Erde von dem Zeitpunkt an bedeckte, da alle Menschen durch den Sündenfall im Paradies die Gotteskindschaft verloren hatten und Satansknechte geworden waren. Es war eine lange dunkle Nacht, die erst in der heiligen Weihnacht, als die Sonne, welche Christus ist, über der Welt aufstieg, zu Ende ging. Strahlend und schön leuchtet da das Licht in die Finsternis. Die Morgenröte dieses Lichtes aber ist die Immakulata, die unbefleckte, unberührte, unversehrte, allzeit reine Jungfrau Maria. Wie herrlich muss doch die Weihnachtssonne sein, wenn bereits in ihrer Morgenröte ein Ozean von Licht heranflutet! Schau dir nur das Bild von der Immakulata an.



    In dunklen Wolken schwebt die Erdkugel, von dem Leib einer Schlange umschlungen zum Zeichen dafür, dass die Schlange, welche der Satan ist, die Welt und alles, was darauf lebt, unterjocht hat und immerwährend bedrängt. Wo aber der Fürst der Finsternis herrscht, da breitet sich mit rabenschwarzen Flügeln düstere Nacht aus.



    Plötzlich streift ein Lichtstrahl die Finsternis, wird stärker und glänzender, und es weicht die Nacht dem Licht. In weißer Glut blüht die Sonne auf, und in der Sonne steht, über und über in Licht getaucht, von Licht umflutet, mit einem Kronreif kreisender Sterne um das Haupt, die hohe Frau Maria. Bei diesem Blick in die strahlende Morgenröte unserer Erlösung wallt das Herz in hellen Freuden auf, wenn wir mit der Kirche im Hallelujalied die Worte vernehmen:



    „Gesegnet bist du, Jungfrau Maria, vom Herrn, dem erhabenen Gott, vor allen Frauen der Erde. Du bist der Ruhm Jerusalems, du die Freude Israels, du die Ehre unseres Volkes. Halleluja, halleluja! Ganz schön bist du, Maria, in dir ist nicht der Erbschuld Makel. Halleluja!“







    Was aber mögen wohl Sonne, Mond und Sterne auf dem Bild der Immaculata zu bedeuten haben?




    Die Sonne ist die heiligmachende Gnade, das Freisein von ererbter und von erworbener Schuld. Maria besaß diese Gnade. Durch eine besondere Bevorzugung Gottes blieb die zukünftige Gottesmutter vom ersten Augenblick der Empfängnis an frei von der Erbsünde, frei von jeder persönlichen Sünde, frei von der bösen Begierlichkeit. Ganz schön bist du, Maria, und ein Makel ist nicht an dir. Von Herzen wollen wir uns freuen, dass es wenigstens eine unter den Menschen gibt, über die der Satan nie Sieger war.



    Was bedeutet ferner der Mond auf dem Immakulatabild? Der Mond ist das Sinnbild der Veränderlichkeit. In jeder Nacht wechselt er, wird größer oder kleiner. Bald erscheint er früher, bald später. Einmal steht er voll am Himmel, und ein anderes Mal ist er überhaupt nicht sichtbar. Der Mond ist das Sinnbild der Veränderlichkeit, aber über aller Veränderlichkeit steht unverrückbar fest Maria, die kein Schwanken zwischen Gut und Bös, und kein Wanken zwischen Gott und Satan kennt.



    Der Kronreif kreisender Sterne endlich, der Mariens Haupt schmückt, ist ein Sinnbild ihrer Tugenden, denn nicht nur ist die Hochgebenedeite frei von Sünde und Schuld, sondern sie ist auch voll der Gnade, ist liebenswürdig, weise, mächtig, gütig, ist der Spiegel der Gerechtigkeit, Heil der Kranken, die Zuflucht der Sünder, die Trösterin der Betrübten und so weiter. Das bedeuten die Sterne auf dem Immakulatabild.



    Ganz schön ist also diese Frau, die hoch über allen Frauen, über allen Männern, über allen Heiligen und über allen Engeln Gott am nächsten steht, diese Frau im Lichtmeer von Sonne, Mond und Sternen, die uns als leuchtende Morgenröte im Dunkel des Advents die nahende Weihnachtssonne anmeldet.



    Ave Maria klare, du lichter Morgenstern!

    Dein Glanz, o Wunderbare, verkündigt uns den Herrn.

    Erwählt von Ewigkeit

    Zur reinsten Mutter Gottes,

    Zum Trost der Christenheit.



    Von Maria, der "Zuflucht der Sünder" und dem "Heil der Kranken"



    Wenn man jemanden lieb hat, hält man sein Bild, sein Foto in Ehren. Wenn man in verschiedene Wohnungen kommt, sieht man daher oft die Bilder der lebenden oder verstorbenen Eltern und Angehörigen an der Wand hängen. Außerdem findet man in Wohnungen katholischer Christen oft auch ein Bild des gekreuzigten Heilands und ein Bild unserer himmlischen Mutter Maria. Und wir nennen Maria mit Recht unsere Mutter, denn am Kreuz hat sie uns Christus zur Mutter gegeben mit den Worten, die er an Johannes richtete: „Siehe, deine Mutter!“ Der heilige Johannes vertrat, wie der heilige Augustinus sagt, auf dem Kalvarienberg unsere Stelle. Von den Abbildungen unserer himmlischen Mutter haben viele eine weite Verbreitung erlangt: Zum Beispiel das Mariahilf-Bild, das Bild der Schmerzhaften Mutter, das Bild der Himmelskönigin und auch das Bild der Unbefleckten Empfängnis, wie sie 1858 in Lourdes in Frankreich erschienen ist.



    Bekanntlich erschien die Mutter Gottes damals in Lourdes einem vierzehnjährigen Mädchen Bernhardette Subiru insgesamt 18 Mal. Maria trug ein weißes Gewand, einen weißen, herabhängenden Schleier, einen himmelblauen Gürtel und am rechten Arm einen schneeweißen Rosenkranz mit goldenem Kreuz. Sie nannte sich die „Unbefleckte Empfängnis“ und ließ eine Quelle entstehen, durch deren Wasser schon tausende Menschen wunderbar geheilt wurden.



    Das Bild der Unbefleckten Empfängnis erinnert uns vor allem an die Tatsache, dass Maria durch ein besonderes Privileg Gottes ohne Makel der Erbsünde war. Das Bild erfüllt also einen ähnlichen Zweck wie das Fest der Unbefleckten Empfängnis am 8. Dezember.



    Das Bild der Mutter Gottes in Lourdes soll uns aber nicht nur an die Reinheit und Makellosigkeit Mariens erinnern, sondern uns auch ermahnen, die Mutter Gottes in ihrer Reinheit nachzuahmen.



    Insbesondere sollten jene, die in schweren Sünden leben und einsehen, dass sie sich aus eigener Kraft nicht zu bessern imstande sind, zur unbefleckten Gottesmutter die Zuflucht nehmen; Maria, die „Zuflucht der Sünder“ und „Mutter der Barmherzigkeit“ würde ihnen bald die notwendigen Gnaden von Gott erbitten, die zur Lebensbesserung notwendig sind.



    Jedoch nicht nur die Sünder, also nicht nur, die an der Seele krank sind, auch diejenigen, die am Leib krank sind, haben sich schon oft mit großem Erfolg an die „Unbefleckte“ gewendet, die ja nicht ohne Grund das „Heil der Kranken“ genannt wird. Der beste Beweis sind die tausende und abertausende Krankenheilungen am Wallfahrtsort zu Lourdes. Das Bild der Mutter Gottes von Lourdes ist also gewissermaßen eine Ermunterung für die Kranken, eine Aufforderung, auch in der Krankheit bei der „Unbefleckten“ Hilfe zu suchen.



    Je größer unser Vertrauen zu Maria sein wird, umso sicherer und schneller wird unser Gebet zur Mutter Gottes erhört werden. Auch Christus verlangt Vertrauen. Das sehen wir aus seinen Worten, die er bei Heilungen sprach. Wie sollten wir zu Maria nicht ein großes Vertrauen haben, da wir wissen, dass sie unsere Mutter ist! Unter großen Schmerzen ist sie am Karfreitag unter dem Kreuz unsere Mutter geworden. An die Mutter aber wendet man sich nie vergebens. Wie sollten wir kein großes Vertrauen zu Maria, unserer Mutter, haben, da wir wissen, dass sie bei Gott alles erreichen kann, dass sie – wie der hl. Bernard sagt – „die fürbittende Allmacht“ ist. Wir wollen uns also der Mutter Gottes bei unseren Gebeten, die wir vor ihrem heiligen Bild verrichten, stets mit jenem Vertrauen nähern, von dem wir in einem bekannten Marienlied singen:



    „Mutter Gottes, weit und breit schallt`s aus deiner Kinder Mitte, dass Maria eine Bitte, eine Bitte nicht gewährt, ist unerhört, nicht erhört durch alle Zeit in der ganzen Christenheit.“ Amen.

    Matthias Hergert


    Im Advent gedenken wir mit inniger Anteilnahme der unerlösten Welt. In Gebeten und Gesängen versetzen wir uns in jene Zeit zurück, da der Erlöser noch nicht geboren war und der Mensch in der Finsternis der Sünde und des Irrtums umhertappte. Wenn wir uns in solcher Art auf das Weihnachtsfest vorbereiten, um der so notwendigen Geburt des Erlösers mit tiefem Dank gedenken zu können, dann taucht in dieser dunklen Zeit auf einmal die allerseligste Jungfrau in der Lichtgestalt ihrer unbefleckten Empfängnis auf.



    Das hat seinen guten Grund. Denn nichts dürfte geeigneter sein, die Herrlichkeiten des gekommenen Gottesreiches uns anschaulicher und begeisternder vor Augen zu stellen als diese Gestalt der Gottesmutter. Offenbart sie sich doch darin als die Erst- und Vollsterlöste des erschienenen Weltheilandes. Maria ist die kostbarste Frucht des Erlöserblutes. Maria ist schlechthin das Ideal- und Urbild eines erlösten Gotteskindes.



    An die Unerlöstheit, deren wir im Advent gedenken, gemahnt uns gerade die große Gnade der unbefleckten Empfängnis. Besagt diese Glaubenswahrheit doch, dass Maria kraft der vorauswirkenden Kreuzesverdienste ihres Sohnes jenes ausgezeichnete Menschenkind gewesen ist, das nicht in der Finsternis und auf dem Irrweg der Erbschuld diese Erde betreten hat. Nicht Sündenschuld, nicht Gottentfremdetheit kennzeichneten den Lebensbeginn dieses Kindes, wie es bei uns der Fall ist, die dann auf das reinigende Wasser der heiligen Taufe warten müssen. Vielmehr als Gotteskind, als Gottesbraut, im Schmuck heiliger Gnaden hat sie diese Erde betreten. Und das geschah ihr, obgleich Maria in keiner anderen Weise ihren Eltern ihr Leben verdankte als wir, obschon sie voll und ganz Adamstochter war. Diesmal aber entspross der verdorbenen Wurzel ein grünender Edelzweig, weil er dazu bestimmt war, die Quelle des Fleisches eines herabsteigenden Gottessohnes zu werden. Diese Ursprungsheiligkeit Mariens nimmt die Kirche so ernst, dass sie in dem Namen „Unbefleckte Empfängnis“ sagen will: In jenem geheimnisvollen, allem Menschenvorwitz entzogenen Augenblick, da im Schoß der Mutter zum ersten Mal davon die Rede sein konnte, dass ein neues Menschenkind da war, dass Maria da war, war sie auch schon mit der heiligmachenden Gnade geschmückt, ja mit einer Fülle von Gnaden überschüttet.



    Und woher kam ihr dies zugeflossen? Einzig und allein aus den leiderfüllten Verdiensten ihres Sohnes am Kreuz, denn Gott ist es durchaus möglich, die Kraft von Ereignissen, die erst in der Zukunft sich abspielen, in ihrer Verdienstursächlichkeit vorwegzunehmen. Erlösungsgnaden sind alle Gnaden Mariens, auch die Gnade ihrer unbefleckten Empfängnis. Maria ist eine Erlöste wie wir, aber doch nicht ganz so wie wir. Vielmehr ist sie in einer schnelleren, tiefgreifenderen, umfassenderen Weise erlöst worden. An ihr hatte demnach das Blut Jesu Christi mehr zu leisten als an uns. Ihr Erlöstsein ist so tief, dass es zu einem Vorausbewahren vor jedem Schadennehmen wurde, das ihr kraft ihrer Adamsabstammung drohte.



    Darum ist Mariens unbefleckte Empfängnis ein Preisgesang auf Christi Erlösung, wie er schöner und überzeugender gar nicht erklingen könnte. Deswegen passt die Gestalt der unbefleckten Jungfrau in das Dunkel und in das Sehnen der Adventszeit, weil es in anschaulicher Weise uns zeigt, was wir erhalten, wenn in uns auch nur in einem kleinen Abbild ihr tiefes Erlöstsein nachgeformt wird.



    Kirchengebet



    Gott, Du hast durch die unbefleckte Empfängnis der Jungfrau Deinem Sohn eine würdige Wohnstatt bereitet. Nun bitten wir Dich: wie Du sie in Voraussicht des Todes dieses Deines Sohnes vor aller Makel bewahrt hast, so lass auf ihre Fürbitte hin auch uns rein zu Dir gelangen. Amen.



    Zur Geschichte des Festes: Ein Fest der Wunderbaren Empfängnis ist in der morgenländischen Kirche bereits im 8. Jahrhundert nachweisbar. Es gelangte über Unteritalien (Neapel, 9. Jahrhundert) nach Irland und England (10. Jahrhundert). Nunmehr als Fest der Unbefleckten Empfängnis gefeiert, gewann es immer mehr an Volksbeliebtheit. Als das Generalkapitel der Franziskaner in Pisa im Jahr 1263 das Fest der Unbefleckten Empfängnis für den ganzen Orden annahm, war der Bann gebrochen. Mit Sixtus IV. bestieg ein Franziskaner den Thron Petri. Bald führte dieser das Fest in der römischen Diözese ein (1476) und verlieh ihm sogar besondere Ablässe. Clemens IX. schenkte ihm eine Oktav, und Clemens XI. bestimmte 1708 das Fest für die ganze Kirche. Am 8. Dezember 1854 ergänzte er die Lauretanische Litanei mit der Anrufung: „Königin ohne Makel der Erbsünde empfangen“. Leo XIII. erhob das Fest zu einem Doppelfest erster Klasse. Anlässlich der Hundertjahr-Feier der Dogmaverkündigung proklamierte Pius XII. zum ersten Mal in der Kirchengeschichte ein „Marianisches Jahr“.



    (Prof. Dr. Carl Feckes, So feiert dich die Kirche, Steyler Verlagsbuchhandlung, 1957)






    Aus dem "Marianischen Festkalender":



    Das Fest Mariä Unbefleckte Empfängnis



    "Die Empfängnis Mariä lasst uns aufs Andächtigste feiern, damit sie beim Herrn Jesus Christus für uns bitten möge." (Kirchliche Antiphon)



    Das heutige Fest ist gleichsam der Grund, worauf alle übrigen Marienfeste beruhen, weil ja hier der Beginn, der erste Anfang Mariens, das Werden Mariä im menschlichen Fleisch gefeiert wird. Bei diesem ersten Eintritt aber ins Leben schon erhielt Maria ein Vorrecht, das keinem Sterblichen widerfuhr, die Reinheit von der Erbsünde - ein Geheimnis, das, wie jeder katholische Christ weiß, stets fromme Meinung der katholischen Welt war, jetzt aber zum Glaubenssatz erhoben ist.



    Der Vorgang dieses Begebnisses, oder wie Maria empfangen und im Mutterleib geheiligt worden ist, erzählt uns die gottselige Klosterjungfrau Maria von Agreda mit folgenden Worten:



    Alles war vorbereitet auf die Erschaffung derjenigen, die der Welt Heil in der Welt gebären sollte. Zur Zeit ihrer Empfängnis war Anna 44 und Joachim 66 Jahre alt. In beiden Eltern waren Natur und Gnade zusammengeflossen, so aber, dass die Gnade die weitaus vorherrschende Wirksamkeit übte.



    Neben der göttlich hinzugetretenen Kraft zeichnete diese Empfängnis auch die Abwesenheit aller Sünde und aller sündhaften Regung aus. Nach diesem von Wundern begleiteten Ursprung wurde der junge Leib der künftigen Himmelskönigin auch in vollkommenster Weise gebildet.



    Die Empfängnis erfolgte an einem Sonntag. Nach sieben Tagen war der wunderbare Leib so völlig bereitet, dass er die allerheiligste Seele Mariens in sich aufzunehmen im Stande war. Deshalb ist der Samstag der Jungfrau Maria von der Kirche besonders geheiligt, weil an einem Samstag der Kirche durch Erschaffung und Vereinigung der Seele Mariens mit deren Leib die höchste Wohltat geschehen ist. Der Tag der Unbefleckten Empfängnis ist nicht der Tag der ersten Empfängnis ihres Leibes, sondern der Tag ihrer anderen Empfängnis, an dem ihr die Seele eingegossen worden war. Mit noch größerer Regung der Liebe, als bei der Erschaffung Adams Ähnliches vernommen wurde, sprach bei Eingießung dieser Seele die allerheiligste Dreifaltigkeit: Lasset uns Maria machen zu unserem rechten Ebenbild, zu unserer wahren Tochter und Braut, zur Mutter des Eingeborenen von der Wesenheit des ewigen Vaters. Von der Erschaffung dieser Seele an gab es keinen Augenblick, in dem ihr das Licht, die Freundschaft, die Liebe ihres Schöpfers entzogen gewesen wäre. Keine Makel, keine Dunkelheit der Erbsünde konnte sie berühren, und sie befand sich unausgesetzt in der vollkommensten und höchsten Gerechtigkeit. Den Augenblick, in dem Mariens Seele mit ihrem Körper vereinigt wurde, empfand Anna auf eine besonders ausgezeichnete Weise. Sie war sich der Gegenwart Gottes deutlich bewusst und geriet in eine von hellem Seelenjubel getragene Ekstase, die von tiefer Erkenntnis verborgener Geschehnisse begleitet war. Dieser wunderbaren Gotteswirkungen erfreute sich Anna vorzüglich, solange Maria unter ihrem Herzen ruhte. Besonders wurde dadurch Anna ein tiefes Verständnis der heiligen Schriften zuteil.



    Mit der Seele wurden alle Gnaden und Gaben, die Maria auszeichnen sollten, ihr eingegossen. Besonders waren die drei göttlichen Tugenden: Glaube, Liebe und Hoffnung ihr in vollkommenster Weise schon damals eigen. Sie erfreute sich auch sofort einer übernatürlich eingegossenen erleuchteten Wissenschaft. Ausdrücklich hatte sie alsbald eine Erkenntnis der allerheiligsten Dreieinigkeit, wie sie keine andere Natur vollkommener haben konnte. Sie hatte auch bereits eine Bekanntschaft und selbst einen Verkehr mit den Schutzgeistern, die Gott ihr zugewiesen hatte. Mit diesen Gaben übte sie auch schon, , so weit ihre Lage es möglich werden ließ, alle die Tugenden, mit denen sie ausgerüstet war. Alle ihre Kräfte waren sogleich vom ersten Augenblick ihrer Wesenheit an dem erhabensten, edelsten Gegenstand zugewendet, der sie bewegte und an sich zog. Je mehr die leibliche Gestaltung in der Entwicklung noch zurück war, und je tiefer die körperlichen Sinne noch schliefen, desto heller und vollkommener leuchtete und wirkte das göttliche Element, das ihrer jungen Seele eingeboren war. Ich betrübte mich selbst, dass ich arme, schwache, unwissende Frau mit meinen leeren und unbedeutenden Worten das Licht nicht schildern kann, das mir in Bezug auf all diese Geheimnisse verliehen worden war. Schon die menschliche Blödsichtigkeit ist außerstande, dieses Licht völlig zu ertragen, und die Strahlen der Gottheit auszuhalten, wenn sie sich auch hinter den Wolken von Annas mütterlichem Leib verborgen halten. Mariens Zustand war schon jetzt dem der Seligkeit nahe. Doch war sie noch keine Selige, da sie erst in das Leben eintreten sollte, um ihre Pilgerfahrt zu leben.






    Andacht zur Unbefleckten Empfängnis



    Die Verehrung der heiligen Johanna-Franziska von Chantal

    für die Unbefleckte Empfängnis



    Unter allen Festen der seligsten Jungfrau hegte die heilige Johanna-Franziska von Chantal eine unvergleichliche Vorliebe für ihre Unbefleckte Empfängnis, und war mit einem außerordentlichen Eifer dahin bestrebt, dass der Bischof von Genf es in seiner Diözese feiern ließ. Als sie ihre Bemühungen von keinem Erfolg gekrönt sah, wendete sie sich mit den demütigsten und inständigsten Bitten an den Dekan Superior der Liebfrauenkirche, damit er es in seiner Kirche feierlich begehen lasse, was er ihr zusagte. Alsdann sprach diese gottselige Mutter mit außerordentlicher Freude zu ihren Töchtern: "Unser guter Herr Dekan hat mir eine große Freude gemacht, denn er sagte mir, dass, wenn er selbst die große Glocke der Liebfrauenkirche läuten müsste, so werde er sie für das Fest der Unbefleckten Empfängnis wie für die hohen Feste läuten."



    Am Ende eines Briefes an einen ehrwürdigen Abt äußerte sie folgende Worte: "Außerdem habe ich, teurer Pater, eine Bitte an Sie zu stellen: nämlich, dass Sie in Ihrer Abtei, wie in den zugehörigen Prioraten die Empfängnis der Gottesmutter mit derselben Feier begehen lassen, die bei den übrigen Festen Unserer Lieben Frau beobachtet wird, und eine Predigt veranlassen, wodurch das Volk zur Verehrung für dieses heilige Vorrecht angeleitet werden möchte: ich würde mich glücklich schätzen, wenn ich zur Verteidigung desselben mein Leben opfern könnte."



    Eine Schwester bat sie eines Tages um die Erlaubnis, neun Tage vor und neun Tage nach diesem Fest den Rosenkranz von der Empfängnis beten zu dürfen. Dies war für diese würdige Mutter eine Veranlassung, selbst diese beiden neuntägigen Andachten, und so oft sie sonst Muße hatte, zu verrichten.



    Verehrung des heiligen Franz von Sales für die Unbefleckte Empfängnis



    Der Tag der Unbefleckten Empfängnis Mariä war ein werter Tag für die zarte Frömmigkeit des heiligen Franz von Sales unter allen Festen der heiligsten Jungfrau. Als er nur erst Subdiakon war, hatte er unter dem Namen Unbefleckte Empfängnis eine Bruderschaft von Büßenden errichtet. Zur Begehung dieses Festes zu Ehren Mariens bereitete er sich durch Wachen und Beten vor. Sein Eifer bewog ihn, es für seine ganze Diözese zu einem gebotenen Fest zu machen. Um sein ganzes Bistum unter den Schutz dieser unbefleckten Jungfrau zu stellen, hatte er dieses Fest für den Tag seiner Weihe gewählt. Und während dieser rührenden Feierlichkeit kam er in eine Verzückung, worin er sah, wie die heiligste Dreieinigkeit in seiner Seele alles wirkte, was die Bischöfe an seinem Leib vornahmen. Überdies gewahrte er die heilige Jungfrau, die ihn unter ihren allvermögenden Schutz zu nehmen und über ihn zu wachen versprach.



    Verehrung des heiligen Peter Fourrier für die Unbefleckte Empfängnis



    Als der gottselige Peter Fourrier, der Stifter des Frauen-Ordens von Unserer Lieben Frau, in eine Stadt in Lothringen kam, wo diese frommen Schwestern ein Kloster hatten, fand er alles Volk in größter Bestürzung wegen einer ansteckenden Krankheit, die sich über Menschen und Tiere erstreckte. da sie bei ihm einigen Trost suchten, forderte er sie auf, sich vertrauensvoll an die große Trösterin der Betrübten zu wenden, und fügte hinzu, er sei überzeugt, dass, wenn man auf mehrere Papierstreifen die schönen Worte schreibt: "Maria wurde ohne Sünde empfangen", die, die sie gläubig tragen würden, gewiss Trost und Linderung finden würden. Sobald diese Art der Verehrung bekannt wurde, nahmen alle in der Nähe wohnenden Personen dazu ihre Zuflucht, und die mit Gefühlen wahrer Frömmigkeit taten, sahen sich durch diese Übung der Frömmigkeit von einem Übel befreit, unter dem sie seufzten. Die Vorteile, die man in dieser Stadt daraus zog, veranlassten eine schnelle Verbreitung dieses frommen Verfahrens in mehreren anderen Städten, wo es wunderbare Erfolge mit sich brachte. Besonders zu Nemours aber erfuhr man die große Wirksamkeit dieser Verehrungsweise in Zeiten allgemeiner Bedrängnis. Als sich nach der Einnahme der Stadt die Nachricht verbreitet hatte, dass sie der Plünderung überlassen werden soll, teilte sich der Schrecken allerwärts mit und man vernahm überall nur Geschrei und Jammer. Inmitten der allgemeinen Trostlosigkeit wendeten sich, von jenem lebendigen Glauben beseelt, den die Wunder erzeugen, mehrere geistliche Genossenschaften und viele andere Personen an die heilige Jungfrau und brachten auf den äußeren Türen ihrer Häuser folgende Worte an: "Maria ist ohne Sünde empfangen worden". Dies war gleichsam das Blut des Lammes, das die Israeliten gegen das Schwert des vertilgenden Engels anwendeten. Der Befehl für die Plünderung der Stadt wurde zurückgenommen, und die Soldaten, die nur Rache atmeten, nahmen sanftere und menschlichere Gefühle an. Ein so überraschender Wechsel der Dinge wurde allgemein dem Schutz der heiligen Jungfrau zugeschrieben und trug viel dazu bei, eine große Verehrung für ihre Unbefleckte Empfängnis einzuflößen. Hier ist der Ursprung des frommen Gebrauchs zu suchen, der in mehreren Orden besteht, und gemäß dem die Mitglieder eine Medaille tragen, auf der diese die Gnadenmutter so sehr verherrlichende Worte eingeprägt sind, indem sie uns an das schönste ihrer Vorrechte erinnern. Maria ist ohne Sünde empfangen worden.



    Die unseligen Ereignisse, die sich in unseren Tagen unausgesetzt aneinanderreihen, haben die frommen Diener Mariens veranlasst, ihren Beistand anzurufen, indem sie Unbefleckte Empfängnis auf eine besondere Art verehren. Wir haben außerordentliche Dinge gesehen. In Paris hat man sich in den Julitagen und als die Cholera schreckliche Verwüstungen daselbst anrichtete, zu Lyon in den Monaten November und April, beeilt, sich mit diesen frommen Medaillen zu versehen: "Maria ist ohne Sünde empfangen worden". Und wir haben die wunderbare Gewissheit, dass der Schutz dieser erhabenen Jungfrau denen nicht versagt wurde, die sie so glaubensvoll anriefen.



    Der Ungläubige wird vielleicht über diese Erzählung lächeln, allein wir haben ihm nur ein einziges Wort zu erwidern. Lässt ein mächtiger Fürst seine Liebsten ohne Schutz und Hilfe, lässt er zu, dass sie beschimpft werden? Sicherlich nicht. Warum sollte denn Maria, die wir als Mutter Gottes erkennen, die, wie der Glaube uns lehrt, im Himmel allvermögend und für die Erdbewohner voll Güte ist, diejenigen nicht beschützen, die sie anrufen, indem sie ihr teuerstes und glorreichstes Vorrecht ehren.

    https://www.marianisches.de/marienfeste/...mpfängnis/

  • Thema von Blasius im Forum Hochfeste der allersel...



    Die heilige Brigitta, so berühmt durch ihre zärtliche Verehrung für Maria und durch die Geheimnisse, die ihr vom Himmel mitgeteilt worden sind, erklärt in mehreren Büchern ihrer Offenbarungen, dass die Unbefleckte Empfängnis Mariä ihr sei geoffenbart worden, dass die heiligste Mutter Gottes ihr versichert habe, es sei eine Wahrheit, dass sie ohne Sünde empfangen worden sei.



    Im Orden des heiligen Norbert gilt eine Überlieferung, die besagt, dass die heiligste Jungfrau ihm erschienen sei und ihn aufgefordert habe, zum Zeugnis für ihre Unbefleckte Empfängnis ein weißes Kleid zu tragen.



    Die gottselige Johanna vom Kreuz, die heilige Hildegard, die heilige Elisabeth von Ungarn haben ähnliche Offenbarungen erhalten, wie man in ihren von gelehrten und frommen Männern verfassten Lebensgeschichten sehen kann.



    Dem heiligen Alphons Rodriguez ist ebenfalls durch Offenbarung kund geworden, dass Maria Wohlgefallen finde an der Andacht, die er zu verrichten pflegte, und die darin bestand, dass er täglich das kleine Choramt ihrer Unbefleckten Empfängnis betete.



    Der Verteidiger der Unbefleckten Empfängnis



    Johann Duns, Mitglied des Ordens des heiligen Franziskus, hatte vor den Doktoren der Universität in Paris eine These über das Vorrecht der Unbefleckten Empfängnis Mariä zu verteidigen, weswegen er sie anflehte, ihm die erforderliche Geisteskraft zu schenken, um dieses glorreiche Vorrecht auf eine unumstößliche Weise geltend zu machen. Zu den Füßen eines Bildes der Gottesmutter hingestreckt, richtete er mit dem größten Vertrauen diese kurze Anrufung an sie: "Würdige mich, dich zu loben, heilige Jungfrau. Gib mir Stärke wider deine Feinde." Man erzählt, das Standbild der seligsten Jungfrau habe das Haupt geneigt, um ihm zu zeigen, wie wohl ihr seine Bitte gefalle und um ihm ihren Beistand zuzusichern.



    Man wendete ihm zweihundert sehr schwere Einwände zu, allein er erwiderte sie mit solcher Klarheit und Schärfe, dass er zum Zeichen des Beifalls den Beinamen Viktor, der Siegreiche, erhielt. Es geschah in Folge der glänzenden Verteidigung dieser These zu Ehren Mariens, dass die Universität zu Paris fortan das Fest der Unbefleckten Empfängnis Mariä zu feiern beschloss.



    Einführung des Festes der Unbefleckten Empfängnis



    Die Einführung des Festes der Unbefleckten Empfängnis reicht weit in die Geschichte der Kirche hinauf. Im Orient fand es schon im 5. Jahrhundert statt. Wir finden es in einer Sammlung am Tag des 9. Dezember, unter dem Namen Empfängnis der heiligen Anna. Der heilige Andreas von Kreta, der im 4. Jahrhundert lebte, erwähnt dieses Fest an diesem Tag ebenfalls. Der heilige Johannes von Damaskus weist im Jahr 721 im Martyrerkalender der Griechen, den er erstellte, auf das Fest der Empfängnis der seligsten Jungfrau hin, indem er beifügt, dass sie unbefleckt gewesen sei. Man ersieht auch aus einer Verordnung des Kaisers Emanuel (1150), dass das Fest in den morgenländischen Kirchen seit langem begangen wurde. Man findet auch in einigen alten Handschriften einige Aufsätze, die zu ihren Ehren von Kaiser Leo VI., zubenannt dem Weisen, verfasst waren, dessen Regierung mit dem Ende des neunten Jahrhunderts beginnt.



    Der gelehrte und berühmte Vicomte von Walsh sagt uns in seiner Darstellung der christlichen Feste: "Wenn man alles, was über die Einführung des Festes der Unbefleckten Empfängnis berichtet worden ist, gelesen und studiert hat, gelangt man zu der Überzeugung, dass es im Orient seinen Ursprung hat." Es war dort im 11. Jahrhundert geboten.



    Im Abendland wurde das Fest der Unbefleckten Empfängnis zuerst im Jahr 1160, in England vom heiligen Anselm, Erzbischof von Canterbury, bei Gelegenheit eines Wunders eingeführt, das von mehreren Schriftstellern gleichzeitig erzählt wird.



    Andere behaupten, der Ursprung dieser Feier müsse der Kirche zu Neapel zuerkannt werden, die sie im 9. Jahrhundert begangen habe. Endlich versichern normannische Schriftsteller, dieses Fest habe in der Abtei Bec im reichen und fruchtbaren Neustrien, seinen Anfang genommen, und sei von da nach Rouen gekommen, wo wir es ganz freudig vom Volk gefeiert finden, wie man in einer alten Geschichte von den Altertümern Rouens sehen kann: "Schon zur Zeit der Einführung des Festes", heißt es darin, "gründete man einen Verein der angesehensten Personen der Stadt, die wieder jährlich aus ihrer Mitte einen Mann erwählten als Vorstand der Genossenschaft, der allen Rednern das Gerüst hält, die in allen Sprachen reden, und der denjenigen vortreffliche und wertvolle Preise gibt, die das Lob der Jungfrau Maria in Betreff der heiligen Empfängnis durch Hymnen, Oden, Sonette, Balladen, Königslieder am schönsten, getreuesten und besten singen."



    Diese normannische Feier bestand noch im 17. Jahrhundert. Wir wissen, dass die berühmte Jakobina Paskal im Jahr 1639 dabei eine Partie Verse vortrug mit dem Titel: Die Unbefleckte Empfängnis, und dass sie damit den Preis davontrug. Ihre letzten Verse waren:



    "Wie könnt ihr denken, dass die heil`ge Mutter,

    Wär` sie ein Tempel der Unlauterkeit,

    Zum Tempel Gottes wär` erhoben worden?"



    Sieben Jahre zuvor hatte der große Corneille an diesem nämlichen Wettkampf sich beteiligt.



    Auch die Kirche von Lyon, wo dieses Fest schon im Jahr 1145 eingeführt war, nimmt die Ehre für sich in Anspruch.



    Im Jahr 1270 ließ Simon von Bust, Bischof zu Paris, zum ersten Mal in seiner Kirche das Officium von der Empfängnis feiern, das von seinem Vorgänger war gestiftet worden, der zu diesem Zweck dreihundert Pariser Franken hinterlassen hatte.



    Aus allem diesem müssen wir schließen, dass das Fest der Unbefleckten Empfängnis bis in die ersten Jahrhunderte der Kirche hinaufreicht, und dass es im Abendland schon weit verbreitet war, als Papst Sixtus IV. durch seine Bulle vom 1. März 1476 alle Gläubigen aufforderte, aller Orte das Fest der Empfängnis Mariä zu begehen, die er ausdrücklich unbefleckt nannte, und zwar bei folgender Gelegenheit:



    Im Anfang des Jahres 1476 verursachte ein plötzliches und außerordentliches starkes Schmelzen des Schnees zu Rom eine so furchtbare Überschwemmung, dass man, wie der Kardinal sich ausdrückt, die Wiederkehr der Sündflut zu schauen glaubte. Verwüstungen und ungeheure Verluste fanden statt, sowohl auf dem Land wie in der Stadt. Dies war jedoch nur das Vorspiel anderer Geißeln. Dem folgte die Pest, die in einigen Tagen diese ganz große Stadt zu einer erschreckenden Einöde machte.



    Von dem Strom der Fliehenden mit fortgerissen, verließ der Papst selbst diese Stätte des Todes und der Verlassenheit. Um diese Geißel abzuwenden, führte er durch eine Bulle und reichliche Ablässe feierlich in der ganzen Kirche das Fest der Unbefleckten Empfängnis der seligsten Jungfrau ein.



    Das Konzil zu Basel vom Jahr 1439, das zwar nicht als ein allgemeines betrachtet wird, zeigt uns gleichwohl, welches vor dem Erlass Sixtus IV. die Meinung der Kirche war. In seiner 36. Sitzung erklärte er förmlich, dass der Glaube an die Unbefleckte Empfängnis ein Gott wohlgefälliger, und in Übereinstimmung sei mit dem Cultus der Kirche, dem katholischen Glauben, der gesunden Vernunft und der Heiligen Schrift; dass es niemand gestattet sei, das Gegenteil zu lehren oder zu predigen, und dass ihre Feier dem Gebrauch der römischen Kirche gemäß begangen werden solle, was das Dasein dieses Festes in vielen lateinischen Kirchen beweist.



    Im 16. Jahrhundert führte Pius V. das Offizium von der Unbefleckten Empfängnis in das römische Brevier ein, und setzte das Fest auf den 8. Dezember fest. Paul V., Gregor XV. und Alexander VII. begünstigten die Feier dieses Festes durch Privilegien und Ablässe. Gregor XVI. fügte der Litanei zu Ehren der seligsten Jungfrau folgende Anrufung bei: "O Königin, ohne die Makel der Erbsünde empfangen, bitte für uns!" Endlich ist die Verehrung der Unbefleckten Empfängnis in unseren Tagen einer der Grundbestandteile der katholischen Frömmigkeit geworden. Sie hat unter dem Segen Gottes aller Orte eine glänzende Aufnahme gefunden, und jedermann weiß, dass der Heilige Vater Pius IX. auf das Verlangen der Hirten und Gläubigen sich entschlossen hat, feierlich den Glauben der katholischen Welt zu Rate zu ziehen, und die Unbefleckte Empfängnis zum Glaubenssatz erhoben hat.




    Der 8. Dezember 1854



    Der Glaubenssatz von der Unbefleckten Empfängnis Mariä



    Mit welcher Feierlichkeit die Lehre von der unbefleckten Jungfrau Maria zum Glaubenssatz erhoben worden ist, wird im Folgenden erzählt.



    Das Fest zu Rom ist das Fest der ganzen Welt. An dessen Spitze steht das erhabene Oberhaupt der Kirche. Zweihundert Bischöfe, die von allen Enden der Welt, bis von den fernen Landstrichen Chinas, von den Wüsteneien von Amerika, von den entlegensten Inseln des Weltmeeres zusammen gekommen sind, bilden den Hof des Statthalters Jesu Christi, und umgeben ihn gleich einer strahlenreichen Krone. Zwei- oder dreihundert Prälaten, von jedem Rang, jedem Titel, jeder Tracht sind sein Ehrengeleit. Wie herrlich, diesen großartigen, unvergleichlichen Zug die große Treppe Konstantins herabsteigen zu sehen. Welche Mannigfaltigkeit, welcher Reichtum in den heiligen Gewändern. Sechs Kardinalbischöfe, siebenunddreißig Kardinalpriester, elf Kardinaldiakone, ein Patriarch vom Morgenland, zweiundvierzig Erzbischöfe, hundert Bischöfe von jedem Ritus, von jedem Land der Welt, schreiten in zwei majestätischen Reihen einher, im Chorrock und mit der Inful auf dem Haupt. Der Statthalter Jesu Christi folgt ihnen in allem Glanz seiner Pontifikal-Gewänder. Der Gesang der Litanei der Heiligen, der in der Sixtinischen Kapelle begonnen wird, wird durch den Königssaal, die Treppe Konstantins, das Peristyl und das große Schiff der Basilika fortgesetzt. Eine unzählige Menschenmenge drängt sich heran, um den Zug der Kirchenhirten zu schauen und den Segen ihres obersten Hirten zu erhalten, der voll Sammlung, betend und Freude auf den Lippen und in den Augen einherschreitet. Vor der Kapelle des allerheiligsten Sakramentes hält der Zug, und nachdem man der im Tabernakel verborgenen Gottheit seine Anbetung gezollt, schließt der Papst den Gesang der Litanei mit dem treffenden Gebet. Dann bewegt sich der Zug weiter gegen den Beichtaltar, der von kostbaren Papstkronen und Bischofsmützen, vom Kreuz und den Leuchtern, Reliquienkästchen, Blumen und Lichtern erglänzt. Er geht vor dem alten Standbild des ersten Papstes vorbei, desjenigen, der von Christus selbst die Oberleitung der Kirche empfangen, des Felsenmannes Petrus, des Fischers von Galiläa, der oberster Kirchenhirte, der Statthalter Jesu Christi, das Oberhaupt der allgemeinen Kirche geworden ist.



    Wenn der Papst auf seinem Thron sitzt, die Bischöfe und Prälaten nach der Reihe, um ihm ihre Unterwürfigkeit zu bezeigen, und seinen geheiligten Fuß oder seine Hand zu küssen, an der der Hirtenring glänzt.



    Der Gesang der dritten Stunde ist zu Ende, die Huldigung erstattet. Das heilige Opfer beginnt, und der Hohepriester des allgemeinen Gesetzes tritt an den Altar, um das anbetungswürdige Opfer darzubringen.



    Das Evangelium ist in den beiden Sprachen gesungen worden. Es ist der mit solcher Ungeduld erwartete Augenblick, alle Augen sind auf den Thron des Papstes gerichtet. Eine feierliche Stille entsteht in der Versammlung. Alle Herzen erheben sich gen Himmel. Die gesamte Kirche entsendet fünf ihrer Hirten zum Thron des Statthalters Jesu Christi, um ihn zu bitten, endlich dem frommen Sinn des christlichen Volkes zu willfahren und zu bestimmen, dass das Fürwahrhalten der Unbefleckten Empfängnis Mariä ein Artikel der katholischen Glaubenslehre sei. Se. Excellenz, der Kardinaldekan des heiligen Kollegiums, von dem Patriarchen von Alexandria, dem griechischen Erzbischof, einem lateinischen Erzbischof und Bischof begleitet, hat den Auftrag, den Ausdruck des Verlangens der Kirche vor den päpstlichen Thron zu bringen und um ihre inständige Bitte vorzutragen. Der Statthalter Jesu Christi hört auf eine Bitte, die seinem Herzen ebenso angenehm als dem Verlangen seines eigenen frommen Sinnes entsprechend ist, und er erklärt, dass er noch einmal um die Erleuchtung des Heiligen Geistes bitten und den göttlichen Willen befragen will. Ohne seinen Thron zu verlassen, wirft er sich auf die Knie. Die gesamte Kirche wirft sich mit ihm nieder, und er stimmt das Veni Creator an, das von der Geistlichkeit und der ungeheuren Menge der Gläubigen weiter gesungen wird. In der weiträumigen Basilika steigt ein einstimmiges, glühendes Gebet von allen Lippen und ein allvermögendes Flehen zum Thron Gottes auf. Nach Beendigung des Hymnus erhebt sich der Statthalter Jesu Christi und singt das Gebet. Sodann beginnt er vor der gesamten katholischen Kirche, die durch vierundfünfzig Kardinäle, durch einen Patriarchen, durch zweiundvierzig Erzbischöfe, durch hundert Bischöfe, durch zweihundert oder dreihundert Prälaten niederen Ranges, durch mehrere Tausende von Priestern und Ordensherrn von jedem Ritus, aus allen Orden, jeder Tracht und wenigstens fünfzigtausend Gläubigen aller Stände, aus allen Ländern, vertreten ist, die Inful auf dem Haupt und in der Haltung des höchsten Kirchenlehrers, der gehalten ist, die religiösen Aussprüche und die Überlieferungen zu erklären und die Lehrsätze des Glaubens zu verkünden, die Verlesung des Beschlusses mit jener männlichen, wohllautenden, weichen und majestätischen Stimme, die seiner Rede einen unbeschreiblichen Reiz verleiht. Wie er nach der Anrufung der allerheiligsten Dreieinigkeit, der Apostel Petrus und Paulus zu der die Unbefleckte Empfängnis betreffende Stelle kommt, erweicht sich seine Stimme noch mehr, Tränen treten in seine Augen, und wie er die sakramentalen Worte: Wir bestimmen, beschließen und setzen fest, spricht, erstickt ihm das Wort unter seiner Gemütsbewegung, seinen Tränen und er sieht sich genötigt, inne zu halten und den Tränenstrom, der sich aus seinen Augen ergießt, zu trocknen. Gleichwohl sieht man, dass er eine letzte Anstrengung macht, um seine Bewegung zu unterdrücken, und er setzt die Verlesung mit jener festen und würdevollen Stimme fort, die dem Richter in Glaubenssachen geziemt. Das Herz tritt ihm auf die Lippen und man weiß nicht, ob er predigt oder liest, so lebendig, so gefühlvoll ist seine Stimme, und man fühlt, dass der Vater der Christenheit, der hingebungsvolle Sohn Mariens, der oberste Hirte der Kirche und der unfehlbare Richter auf dem Gebiet des Glaubens aus einem Mund sprechen, oder vielmehr, dass der göttliche Geist es ist, der durch seinen Mund spricht und mit dem Ausspruch des Lehrers der Wahrheit die Gefühle eines Maria zärtlich ergebenen Herzens verbindet. Seine Gemütsbewegung erhebt sich wieder, da er nach der Erklärung, dass der Glaube an die Unbefleckte Empfängnis zu allen Zeiten der Glaube der katholischen Kirche gewesen, dass er folglich von allen ihren Kindern angenommen werden müsse, und nachdem er die Strafen festgesetzt, denen sich diejenigen aussetzen würden, die vermessen genug wären, diesen Glauben anzufechten, auf die Darstellung der Gnaden zurückkommt, die er selbst der heiligsten Gottesmutter zu verdanken bekennt, der Hoffnungen, die er im Betreff der Entfernung der Schäden der Gesellschaft und der Kirche auf ihre Fürsprache baut, und des Glückes, das er fühlt, die Ehre derjenigen erhöhen zu können, die er stets so sehr geliebt und von der alle Güter und Gaben des Himmels ausströmen.



    Der Papst hatte kaum das Te Deum angestimmt, als es durch die ganze Basilika tönte, und es war ein unendlicher Hymnus gerührter Dankbarkeit, ein einziger, unbegrenzter, allgemeiner Hymnus an das glorreiche Vorrecht Mariens, ein glühendes, einstimmiges Gebet, das die Artillerie-Salven und das Geläut aller Glocken der Stadt zum Himmel trugen und vor dem Thron der unbefleckten Jungfrau niederlegten.



    Es gibt aber in der katholischen Kirche kein schönes Fest, wenn nicht das Volk seine Hauptzierde ist. Wir haben von den Fürsten der Kirche, von allen Rangstufen der Geistlichkeit gesprochen. Wir haben die ganze heilige Hierarchie in Bereitwilligkeit und Liebe wetteifern gesehen. Allein welchen Anteil nahmen die Gläubigen, das Volk daran? Ihnen kommt es zu, ihm seinen wahren Charakter aufzudrücken. Sind die Herzen bewegt worden? Ist es wirklich eine volkstümliche, allgemeine Glaubensmeinung, die man zum Glaubenssatz erhebt, und sehnen sich die Kinder der Kirche so sehr wie man sagt danach, Maria den Titel unbefleckt in ihrer Empfängnis verleihen zu sehen? Ach! Die Antwort auf diese Frage ist gegeben, sie ist hier ganz lebendig. Seht jene Menge, die schon um sieben Uhr früh sich gegen die alte Basilika des Apostelfürsten bewegt, dessen weiten Schiffräume und sogar die sonst so menschenleeren Kapellen füllt, die sich drängt und jeden Augenblick größer wird. Da ist eine fortwährende Ebbe und Flut. Die weiten Eingänge der Basilika genügen diesen Tausenden von Gläubigen nicht mehr, die sich darauf stürzen und sie belagern. Dreißigtausend Personen sind nach der Aussage der Kundigsten in der Kirche beisammen, und die Menge, die von sieben Uhr früh bis ein Uhr nachmittags fortwährend ein- und ausströmt, beträgt wenigstens sechzigtausend Personen, die dem Fest beigewohnt haben. Und welche Sammlung in dieser Menschenmenge! Welcher Ausdruck der Zufriedenheit! Mit welchem Herzen sie betet! Wie die Kirchengebete sie anregen, rühren, und mit welcher Liebe, mit welchem Glauben sie diese Gebete der Anrufung und des Lobes singt! Und wie der übrige Teil der Bevölkerung die Kirchen der heiligen Stadt füllt, wie sehr sie bemüht ist, die Beleuchtung vorzubereiten, die die Nacht dieses schönen Tages in einen mit Sternen besäten Himmel verwandeln soll! Wie sie beim Schall der Glocken, die die Vollendung des großen Aktes verkünden, sich niederwirft und die Jungfrau ohne Makel grüßt! Wie viele heilige Gesänge sind in den Klöstern, in den Familien, in den Heiligtümern der Herzen an sie gerichtet worden!



    Es kommt der Abend, und da bricht der Glaube, die Freude des Volkes glänzend hervor, und die ganze Stadt wird ein zu Ehren der Gottesmutter errichteter Tempel. Schon am Abend des vorangegangenen Tages begrüßten, ungeachtet des Regens und des stürmischen Himmels, Millionen Lichter die Morgenröte des kommenden Tages, am Abend des Festes aber ist die Stadt buchstäblich eine feurige Stadt. Kein Balkon, kein Fenster, keine Dachluke, die nicht ihre Lämpchen hätte. Die großen Verbindungsadern der Stadt, der Corso, die Papststraße, Ripetto sind Feuerströme, die öffentlichen Plätze, die Monumente und die Kirchen tragen feurige Gebäude. Das Kapitol funkelt und die Musikkorps begrüßen im Freien, im Namen des römischen Volkes, den Triumph der Himmelskönigin, die auch die Königin der Kirche und von Rom ist. Überall Transparente, Marienbilder, Inschriften zu ihren Ehren, überall die Worte: "Maria ohne Erbsünde empfangen." Eine zahllose Menschenmenge durchzieht die Stadt, die ganze Bevölkerung ist in den Straßen, auf den Plätzen, besonders bei St. Peter, dessen Kuppel ein strahlendes Diadem in die Lüfte hebt. Man möchte sagen, es habe eine besondere Vorsehung gewacht, um dieser Beleuchtung, deren Großartigkeit und Schönheit bekannt ist, einen ungewohnten Glanz zu geben. Eine schwarze Wolke, die einzige am Himmel, die gleichsam erschien, um an Regen, den Sturm des vorhergehenden Tages und der ganzen verflossenen Nacht zu erinnern, bildete hinter der Kuppel einen düsteren und schwarzen Hintergrund, auf dem sich jene Flammenkrone, die die ewige Stadt der Königin des Weltalls zur Huldigung brachte, wundersam hervorhob. O Nacht, schöner als der Tag! O Flammengezelte, entzündet, um das Fest unserer Mutter zu erhellen! O Königin des Himmels! Vermag die Erde dir eine schönere Krone zu bieten?



    Dieser Art war das Fest vom 8. Dezember zu Rom, oder vielmehr war dieser Art ein Teil, vielleicht der schwächste Teil dieses unvergänglichen Festes. Übrigens ist dies nur der erste Tag, der Anfang der Feste. Schon am 10. zog eine andere Festlichkeit die ganze heilige Stadt nach St. Paul vor den Mauern. Daselbst sollte der Papst, von den zweihundert Bischöfen und der gesamten Geistlichkeit begleitet, die Basilika des Apostels der Heiden weihen, deren Einweihung somit in Verbindung stehen wird mit dem Triumph der Himmelskönigin. Und dieses zu Rom begonnene Fest wird sich durch den ganzen Erdkreis fortsetzen. Die Glocke von St. Peter wird die Glocken der ganzen Erde in Bewegung setzen, und bis in den öden Landstrichen der neuen Welt und in den entlegensten Gegenden der alten, wird das Wort des obersten Kirchenhirten wiederholt und mit Beifall aufgenommen werden. Überall wird die Unbefleckte Empfängnis verherrlicht werden.







    Und Joachim der Gute

    Sing mit fröhlichem Mute

    Nach des Engels Worte

    Zu der Goldenen Pforte.



    Der Engel hatte unterdessen

    Auch Annas Trauer nicht vergessen;

    Dieselbe Botschaft ward ihr so.

    Zur Goldenen Pforte kam sie froh,

    Wo sie ihr trauter Mann empfing.

    Von Gottes Huld es so erging,

    Dass ein Kindelein rein und zart,

    Maria, empfangen ward,

    Gar ohne Makel, ohne Schuld

    Und unbefleckt, durch Gottes Huld.



    Maria, o du Klare,

    Du lichter Morgenstern,

    Du Reine, segenbare,

    O leucht uns hin zum Herrn!

    Von Sünde frei empfangen,

    Vom Engelschor verehrt

    Und von der Höllenschlangen,

    Der falschen, unversehrt,

    O Jungfrau keusch und rein,

    Kein Lob auf dieser Erde

    Kann deiner würdig sein!



    (Aus: "Goldene Legende der Heiligen"

    von Joachim und Anna bis auf Constantin den Großen

    neu erzählt, geordnet und gedichtet von

    Richard von Kralik, 1902)


    https://www.marianisches.de/marienfeste/...mpfängnis/

  • Vom Reich GottesDatum07.12.2025 13:29
    Foren-Beitrag von Blasius im Thema Vom Reich Gottes




    Verschiebe deine Buße

    nicht bis zum Ende des Lebens



    Bekehre, Sünder, dich behende,

    Die Zeit eilt ohne Wiederkehr.

    Verlief sie aber bis zum Ende,

    Ist für dich keine Rettung mehr.



    1. Höchst albern ist, wer eine geringe Last nicht tragen, sondern lieber warten will, bis sie schwerer, er selbst aber schwächer geworden ist. Dieser Tor bist du, der du in jüngeren Jahren dich weigerst, die Bürde der Buße zu tragen, so lange sie leicht und gering ist, sondern damit bis in dein Greisenalter zögerst, wo diese Bürde zu einer ungeheuren Last erwachsen ist, deine Kräfte aber abgenommen haben, und du es nicht mehr vermagst, sie zu tragen. Denn je länger du zögerst, umso mehr nimmt die Last deiner Sünden zu, da eine Sünde, die nicht durch die Buße getilgt wurde, durch ihr eigenes Gewicht andere nach sich zieht.



    2. Wer seine ganze Lebenszeit dazu nutzt, und weder Fleiß noch Unkosten scheut, ein Haus zu erbauen, in dem er nicht wohnen möchte, und dagegen das Haus zu zerstören, wo er seinen beständigen Wohnsitz aufschlagen will, der wird mit Recht ein wahnsinniger Narr genannt. So einer aber bist du, der du mit deiner Bekehrung gezögert hast und bis zu deinem Tod eine Wohnung in der Hölle dir erbaust, wo du doch nicht wohnen willst, und dagegen durch deine Laster die Wohnung zerstörst, die du durch deine Bekehrung im Himmel erlangt hättest. Höre und beherzige die Worte des Propheten: "Wer unter euch hält es aus neben dem verzehrenden Feuer, wer von uns hält es aus neben der ewigen Glut?" (Jesaja 33,14b)



    3. Je länger ein Schuldner säumt, der eine bedeutende Summe auf Zinsen erhielt, diese Zinsen abzutragen, umso größer werden diese Zinsen samt der Summe. Fällt es ihm nun schon am Anfang schwer, seine Verpflichtungen zu erfüllen, so wird er am Ende außer Stande sein, zu erstatten. Dieser Schuldner bist du, säumiger Sünder. Je länger du in der Sünde verweilst, umso größer werden die Zinsen deiner Schuld, und umso schwerer wird deine Verdammnis. Deine Hoffnung in deiner Unbußfertigkeit ist Vermessenheit. Zittere, dass du, indes du Barmherzigkeit erwartest, dem Gericht anheimfällst. Jesus Sirach 5,7: "Zögere nicht, dich zu ihm zu bekehren, verschiebe es nicht Tag um Tag. Denn sein Zorn bricht plötzlich aus, zur Zeit der Vergeltung wirst du dahingerafft."

    https://www.marianisches.de/heilige-des-tages/

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