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#1

Christenverfolgung/Weltverfolgungsindex

in Diskussionsplattform 11.01.2014 18:51
von Kristina (gelöscht)
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http://www.opendoors.de/verfolgung/weltv...gungsindex2014/

Platzierung 2014

1. Nordkorea
2. Somalia
3. Syrien
4. Irak
5. Afghanistan
6. Saudi-Arabien
7. Malediven
8. Pakistan
9. Iran
10. Jemen
11. Sudan
12. Eritrea
13. Libyen
14. Nigeria
15. Usbekistan
16. Zentralafrikanische Republik
17. Äthiopien
18. Vietnam
19. Katar
20. Turkmenistan
21. Laos
22. Ägypten
23. Myanmar
24. Brunei
25. Kolumbien

26. Jordanien
27. Oman
28. Indien
29. Sri Lanka
30. Tunesien
31. Bhutan
32. Algerien
33. Mali
34. Palästinensergebiete
35. Vereinigte Arabische Emirate
36. Mauretanien
37. China
38. Kuwait
39. Kasachstan
40. Malaysia
41. Bahrain
42. Komoren
43. Kenia
44. Marokko
45. Tadschikistan
46. Dschibuti
47. Indonesien
48. Bangladesch
49. Tansania
50. Niger


zuletzt bearbeitet 01.02.2015 20:02 | nach oben springen

#2

RE: Christenverfolgung/Weltverfolgungsindex

in Diskussionsplattform 11.01.2014 18:57
von Kristina (gelöscht)
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http://www.opendoors.de/verfolgung/laenderprofile/somalia/

Länderprofil Platz 2
Somalia

Mit einer Punktzahl von 80 rangiert Somalia auf dem aktuellen Weltverfolgungsindex an zweiter Stelle und gehört zur Kategorie „Extreme Verfolgung“. Die Stellung der Christen in Somalia hat sich gegenüber 2013 verschlechtert, als das Land mit 74 Punkten auf Position 5 geführt wurde. Die meisten Christen in Somalia sind Konvertiten aus dem Islam, außerdem es gibt eine verschwindend kleine Gruppe ausländischer Entwicklungshelfer.

Triebkräfte von Verfolgung
In Somalia ist die Haupttriebkraft der Verfolgung "Islamischer Extremismus", eine untergeordnete Rolle spielen "Exklusives Stammesdenken" sowie "Systematische Korruption".
Islamischer Extremismus: Die Mehrzahl der Menschen in Somalia sind Muslime; es gilt generell als undenkbar, dass ein Somalier Christ ist. Zudem behaupten islamische religiöse Führer öffentlich, dass in Somalia kein Platz für das Christentum, Christen oder Kirchen sei. Diese Sichtweise bestimmt das Denken und Handeln der Regierungsbeamten aller Ebenen in den verschiedenen Verwaltungen (die somalische Zentralregierung mit Sitz in Mogadischu eingeschlossen) sowie von Parteien und der allgemeinen Bevölkerung.

Hinzu kommt als nicht-staatlicher Akteur die militant-islamistische Terroristengruppe Al Shabaab, die einen wahhabitischen Islam propagiert. Ihr Kampf gilt der Einführung der Scharia als Richtschnur aller Aspekte des Lebens in Somalia inklusive der Rechtsprechung und Politik sowie in allen sozialen und wirtschaftlichen Belangen. Al Shabaab nutzt ihre Präsenz in verschiedenen Teilen des Landes zur Radikalisierung ganzer Dorfgemeinschaften zu Lasten des Christentums im Allgemeinen und einzelner Gläubiger im Besonderen. Die Umsetzung ihrer wahhabitischen Weltsicht ist so extrem, dass einem Open Doors-Feldforscher zufolge sogar Sufi-Muslime in den Untergrund gegangen sind, um der Verfolgung durch die Al Shabaab zu entgehen.

Exklusives Stammesdenken: Die somalische Gesellschaft wird vom Stammesdenken beherrscht. Diese Prägung bestimmt auch die Art, in der das Land regiert wird: Jeder Clan hat seine eigene Miliz. Das Stammessystem ist gleichzeitig der Nährboden, auf dem der Islamische Extremismus wie etwa in Form der Al Shabaab gedeiht. Trotz einiger militärischer Rückschläge sind sie in wichtigen Teilen des ländlichen Somalias und in Nachbarländern aktiv und nutzen diese Gebiete als Rückzugsgebiete, um Anschläge auf Ziele in Somalia und Kenia zu organisieren (z. B. den Anschlag auf das Westgate Einkaufszentrum in Nairobi, Kenia). Bei diesen Vorgängen ist Al Shabaab nicht nur eine Bedrohung für die kleine Zahl der Christen, sondern auch für die muslimische Bevölkerung im Allgemeinen.

Systematische Korruption:
2012 führte Somalia den Korruptionsindex von Transparency International an als weltweit schlimmstes Land in diesem Bereich. ( Zugriff am 12.11.2013) Die grassierende Korruption verstärkt das herrschende Maß an Gewalt und ungeahndeten Straftaten weiter und schlägt sich auch auf das ohnehin hohe Verfolgungsniveau nieder. Nach Aussage eines Open Doors-Feldforschers sind Islamischer Extremismus und Systematische Korruption eng miteinander verflochten und schwer auseinanderzuhalten. Dieser Bereich muss noch mehr erforscht werden, um Licht auf diese Dynamik zu werfen und ihre Auswirkungen auf das tägliche Leben der Christen in Somalia zu ermessen.

Aktuelle Einflüsse
Die in Somalia wirkenden Triebkräfte für Verfolgung lassen sich durch mindestens zwei Faktoren erklären. Der erste Faktor ist historisch bedingt. In Somalia war der Islam bereits vor der Ankunft des Christentums fest etabliert. Die kolonialen Eingriffe Italiens und Großbritanniens haben schweren Widerstand gegen das westliche Christentum ausgelöst.

Ein zweiter Faktor, der eng mit dem ersten verbunden ist, betrifft die Art und Weise in der das Land gegenwärtig regiert wird. Somalias Stammessystem – seine informelle Regierung – ist sehr resistent gegenüber der offiziellen staatlichen Regierung und zudem dauerhafter als diese. Bei ihren Anstrengungen, die allgemeine Sicherheit und Staatsführung in größtmöglicher Harmonie mit den Clans zu gestalten, hat die offizielle Regierung das Thema bürgerliche Freiheiten zurückgestellt. Dabei werden innerhalb des Stammessystems auch christenfeindliche Gefühle toleriert.

Betroffene Kategorien von Christen
Für Christen und die Kirche ist die Lage in Somalia außerordentlich hart gewesen. In jüngster Zeit sind Christen muslimischer Herkunft bei ihrer Entdeckung oft auf der Stelle getötet worden – mitunter genügte auch der bloße Verdacht, sich vom Islam abgewendet zu haben. Im Laufe des Berichtszeitraums scheint sich die Lage verschlechtert zu haben. Die Regierung hat Ermittlungen gegen Personen intensiviert, die Christen sind und sich in leitender Stellung befinden. Daraus folgten Versuche, Christen zu verhaften. Auch die Überwachung von (mutmaßlichen) "Zeltmachern" (Bezeichnung für Menschen, die ähnlich wie Paulus in der Bibel einem Beruf nachgehen und gleichzeitig das Ziel verfolgen, andere für den christlichen Glauben zu gewinnen.) hat zugenommen. Einem Open Doors-Feldforscher zufolge waren Normalbürger – in Zusammenarbeit mit Al Shabaab – an der Tötung von Christen beteiligt: "Christen sind durch ihre Nachbarn an die Al Shabaab verraten worden", so der Mitarbeiter. Derartige Vorfälle haben zu einem hohen Maß an Furcht und Misstrauen unter Gläubigen geführt. Man will um jeden Preis vermeiden, dass die eigene Gemeinschaft entdeckt wird. Die Konsequenz ist, dass Christen ihren Glauben in ihrem lokalen Umfeld streng geheim halten müssen. Sie treffen sich in sehr kleinen Gruppen und sind oft isoliert.

Betroffene Lebensbereiche
Christen aus Somalia erleben den stärksten Druck in ihrem privaten Umfeld. Sie müssen ihre Bekehrung zum Christentum vor ihrer Verwandtschaft und den Mitgliedern ihres Clans verbergen. Letztere haben nicht nur keine Sympathien für das Christentum, sondern befürchten auch, selbst als Konvertiten verdächtigt zu werden. In diesem Fall stünden auch sie in der Gefahr, von religiösen Gruppen und Clan-Milizen wie der Al Shabaab exekutiert zu werden.
Es ist schwierig für Christen, ihren Glauben an Christus bekannt zu machen in einem Umfeld, wo der bloße Verdacht, mit dem christlichen Glauben zu sympathisieren, ein Todesurteil bedeuten kann. Zwar ist die Teilnahme am islamischen Unterricht in den Koranschulen (Madrassas) für somalische Kinder obligatorisch, doch christliche Eltern versuchen, ihre Kinder im Geheimen in ihrem eigenen Glauben zu unterrichten.
Hinsichtlich der Bereiche "Gesellschaftliches Leben" und "Leben im Staat" zeigen Berichte von Open-Doors-Mitarbeitern, dass somalische Christen ihren Glauben verbergen müssen, um Zugang zur Grundversorgung, Bildung oder Justiz zu bekommen. Das kirchliche Leben ist eingeschränkt und muss im Untergrund stattfinden. Open Doors-Feldforschern zufolge organisieren sich Gläubige in kleinen Gemeindegruppen und treffen sich im ganzen Land heimlich. Es wird gemeldet, dass die Regierung Ermittlungen nicht nur hinsichtlich der Versammlungsorte von Christen anstellt, sondern auch hinsichtlich Personen, die andere Christen im Glauben begleiten, und solcher, die mit Muslimen über den christlichen Glauben sprechen. Neben ihrem generell feindseligen Umfeld fürchten somalische Christen vor allem solche Personen, die einmal einer christlichen Gemeinschaft angehörten und sich wieder zum Islam bekehrt haben; diese Personen könnten schnell zu Verrätern werden.
Die kleine Anzahl von Ausländern mit christlichem Hintergrund muss ihre christliche Identität im privaten und staatlichen Bereich ebenfalls verbergen. Außerdem sind sie aufgrund des hohen Maßes an Gewalt und der schwachen Sicherheitsstruktur mit enormen Sicherheitsrisiken konfrontiert, und zwar nicht in erster Linie wegen ihrer ausländischen Herkunft, sondern wegen des Verdachts Christen zu sein.

Auftreten von Gewalt
Neben den normalen Herausforderungen des Lebens in Somalia sehen sich somalische Christen, insbesondere Gläubige mit muslimischem Hintergrund, im Fall ihrer Entdeckung gezielter Gewalt seitens ihrer Familie, des Clans, der Behörden oder Milizen ausgesetzt. Ein Open Doors-Feldforscher berichtete von zahlreichen Fällen gezielter Gewalt gegen Christen aufgrund ihres Glaubens. Beispielsweise wurde ein Gläubiger in einer nordsomalischen Stadt der Schulung von Christen muslimischer Herkunft beschuldigt und neun Monate lang ohne Gerichtsverhandlung von der örtlichen Polizei festgehalten. Zudem durchwühlten Al-Shabaab-Mitglieder auf der Suche nach christlichen Materialien die Häuser von Christen und hinterließen Chaos und Zerstörung. Eine andere Meldung betraf eine Christin, die von Al-Shabaab-Mitgliedern belästigt, vergewaltigt und später getötet wurde. Darüber hinaus deuten Berichte aus Somalia darauf hin, dass Al Shabaab für die Tötung von zehn Christen verantwortlich war. Aufgrund dieser massiven Gewalt sehen einige Somalier für sich keine andere Möglichkeit als zu fliehen. Ein Beispiel hierfür sind vier Männer, die nach Meldung eines Open Doors-Feldforschers aufgrund von Drohungen der Al Shabaab geflohen sind. Die Islamisten hatte die Männer beschuldigt, Christen zu sein. Ebenfalls berichtet wurde, dass somalische Christen in den Flüchtlingslagern nahe der kenianischen Stadt Dabaab leben.

Ausblick
Wie 2012 ist die Lage in Somalia 2013 weiterhin sehr schwierig für Christen gewesen. In allen Lebensbereichen gibt es starke Bestrebungen, das Christentum vollständig aus Somalia auszulöschen. Christen gelten im Land weithin als unerwünscht. Ein Bericht, der sich mit expliziter Gewalt gegen Christen befasst, belegt einen scharfen zahlenmäßigen Anstieg der Übergriffe im Berichtszeitraum. Außerdem haben sich die meisten westlichen NGOs als Reaktion auf diese antichristlichen Tendenzen aus Somalia zurückgezogen. Ausschlaggebend war nicht so sehr eine tatsächlich vorliegende christliche Motivation, sondern die Gefährdung aufgrund ihrer (vermuteten) Verbindung mit dem Christentum. Diese macht sie zu einem Angriffsziel für Gewalt. Die Zukunft hält vielleicht etwas Erleichterung bereit.
Im November 2013 genehmigte der UN-Sicherheitsrat die Entsendung von 4.400 zusätzlichen Soldaten als Verstärkung für die Streitkräfte der Afrikanischen Union. Die bereits präsenten 18.000 Militärangehörigen haben die Aufgabe, militante Gruppen in Somalia zurückzudrängen und zu besiegen. Die Anwesenheit dieser UN-Streitmacht hat zu einer Schwächung der Position von Al Shabaab in verschiedenen Teilen Somalias beigetragen, vor allem in den größeren Städten und in den südlichen Teilen des Landeszentrums. Weniger ideologisch motivierte Mitglieder haben sich möglicherweise von der Bewegung abgesetzt. Außerdem hat die internationale Gemeinschaft die wirtschaftliche Erholung des Landes durch die Erhöhung ihrer Wirtschaftshilfe unterstützt. Dies geschieht zu einer Zeit, in der viele Somalier aus Orten wie Nordamerika und Europa in ihre Heimat zurückkehren. Sie bringen neue Ideen aus den Gesellschaften mit sich, in denen sie gelebt haben (und vielleicht auch einen differenzierteren Blick auf das Christentum und Christen).

Besonders Großstädte wie Mogadischu, Baidoa und Kismayo erleben infolge dieser Entwicklung eine Zunahme öffentlicher und privater Initiativen in der Baubranche, der Produktion und dem Handel. Der Ausbau der Infrastruktur in den Bereichen Radio, Fernsehen, Telekommunikation und Internet hat darüber hinaus den Zugang zu christlichen Sendungen und Materialien vereinfacht und trägt zum Wachstum der einheimischen Kirche bei. Dieses Wachstum ist jedoch, wie ein Open Doors-Feldforscher treffend feststellt, nicht leicht in Zahlen auszudrücken. Die somalische Verfassung definiert den Islam weiterhin als einzige Religion des Landes und den Koran sowie die Sunna als maßgebliche Rechtsgrundlagen. Die Folgen des Islamischen Extremismus, exklusives Stammesdenken und systematische Korruption dürften auch weiterhin die bestimmenden Faktoren für die Art und Weise sein, in der Christen in Somalia verfolgt werden. Wie sich die somalische Kirche in Zukunft entwickelt, bleibt angesichts dieser massiven Herausforderungen abzuwarten.


zuletzt bearbeitet 01.02.2015 20:02 | nach oben springen

#3

RE: Christenverfolgung/Weltverfolgungsindex

in Diskussionsplattform 11.01.2014 19:07
von Kristina (gelöscht)
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http://www.opendoors.de/verfolgung/laenderprofile/indien/

Länderprofil Platz 28
Indien

Position auf dem Weltverfolgungsindex
Mit einer Wertung von 55 Punkten belegt Indien Platz 28 auf dem Weltverfolgungsindex 2014. Im Jahr 2013 belegte Indien mit 50 Punkten Rang 31. Die Lage der Christen in Indien ist in den vergangenen Jahren immer komplizierter geworden, da sich der Druck von zahlreichen Seiten verstärkt hat. Dabei ist wichtig zu erwähnen, dass man Indien nicht als einzelnen Block ansehen kann: Während Christen in manchen Teilen Indiens massivem Druck ausgesetzt sind, genießen sie in anderen Teilen große Freiheit.

Triebkräfte von Verfolgung
Indien ist kulturell, gesellschaftlich und religiös eines der vielschichtigsten Länder der Welt. Daher ist es äußerst schwierig, die hier wirkenden Triebkräfte von Verfolgung ohne Verallgemeinerungen zu beschreiben. Einzelne Strömungen, die Druck auf die wachsende christliche Kirche ausüben, werden hier nur zusammengefasst erwähnt. Dabei sind sie aber nicht unbedingt nach dem Grad ihrer Wirksamkeit geordnet, da je nach Region ein anderes Bild vorgefunden wird.

Die Haupttriebkraft der Christenverfolgung in Indien ist "Sonstige religiös motivierte Aggression", außerdem treten in geringerem Ausmaß "Exklusives Stammesdenken", "Islamischer Extremismus" und "Kommunistische Unterdrückung" in Erscheinung.

Sonstige religiös motivierte Aggression: Zu den heftigsten Verfolgern der christlichen Minderheit gehören militante religiöse Gruppierungen, besonders Hindu Nationalisten, die fordern, dass jeder Inder ein Hindu sein muss. Ihre Ideologie, die "Hindutva", wird von zahlreichen politischen Parteien und den angeschlossenen Jugendbewegungen verbreitet und findet in der Gesellschaft starken Widerhall. Diese Ideologie ist außerdem in vielen behördlichen Strukturen wie der Polizei tief verwurzelt und wird mitunter stark unterstützt. Daher kann die christliche Minderheit niemals auf eine gerechte Behandlung zählen und wird häufig davon abgehalten, ihre Rechte einzufordern. Ein herausragendes Beispiel dafür ist die mangelhafte Rechtsprechung bei den Gerichtsverhandlungen nach den Ausschreitungen von Kandhamal/Orissa im Jahr 2008. Selbst Mörder gingen straffrei aus, ein klarer Indikator für das Ausmaß, mit dem die Gesellschaft von der "Hindutva" infiltriert worden ist. Auch die Medien verbreiten die "Hindutva"-Ideologie.

Exklusives Stammesdenken: Die indische Kirche ist eine wachsende Kirche. Fast 80 % der Kirchenmitglieder sind Dalits (‚Unberührbare‘) oder Stammeszugehörige. Für diese stärkste Randgruppe der Gesellschaft war die Botschaft, dass es einen liebenden Gott gibt, der sogar sein Leben für sie hingegeben hat, im wahrsten Sinne des Wortes eine "Gute Nachricht". Diese starke Bewegung ist massivster Gegenwehr von Stammesführern und ihren Anhängern ausgesetzt, die vor allem in ländlichen und abgelegenen Gebieten leben und ihre traditionellen Werte und Überzeugungen um jeden Preis bewahren wollen. Allerdings sind alle Christen hinduistischer Herkunft in Indien Verfolgungen ausgesetzt, besonders wenn sie einer niedrigen Kaste angehören wie die Dalits oder andere unterentwickelte Kasten.

Islamischer Extremismus:
Eine strenge Auslegung des Islams spielt in Indien eine vergleichsweise geringe Rolle bei dem Thema Christenverfolgung. Der Islamismus ist allerdings in bestimmten Regionen wie Assam, dem Kaschmirtal und Kerala auf dem Vormarsch. Hier löst er sehr massiven Druck auf die christliche Minderheit aus. Christliche Konvertiten aus dem Islam werden von ihren Familien, Freunden und Nachbarn verstoßen.

Kommunistische Unterdrückung: Die für Indien vielleicht überraschendste Triebkraft von Verfolgung ist Kommunistische Unterdrückung. In mindestens zwölf indischen Bundesstaaten, vor allem in einigen zentral gelegenen, ist die sogenannte naxalitische Bewegung aktiv. Dabei handelt es sich um eine maoistisch-kommunistische Gruppe, die die Regierung bekämpft. In Chhattisgarh und Orissa wurden hunderte christliche Familien mit vorgehaltenen Waffen gezwungen, ihre Häuser und Dörfer zu verlassen. 2012 wurde ein Pastor von Naxaliten getötet. Je mehr Boden die Bewegung gewinnt, umso gefährlicher wird die Lage in den von ihr beherrschten Gebieten für die christliche Minderheit. Sie sehen Christen als Feinde und Verbündete westlicher Regierungen an. In manchen Staaten wie Andhra Pradesh unterstützt eine geringe Anzahl von Christen die Maoisten, während andere zu Opfern werden, weil man sie für Polizeispione oder Informanten hält.

Aktuelle Einflüsse

Es ist unmöglich, all die in Indien ablaufenden Entwicklungen in nur einem Satz oder Absatz zu beschreiben. Man darf nicht vergessen, dass alles, was man über dieses Land hört oder liest, nicht mehr als eine Momentaufnahme ist. Es kann allerdings gesagt werden, dass zwei der größten Herausforderungen dieses vielfältigen Landes wirtschaftliche und soziale Probleme sind.

Die indische Wirtschaft ist enorm gewachsen, wovon nicht alle Inder profitiert haben, etwa in Form besserer Lebensbedingungen. Heute ist Indien gemessen an der Kaufkraftparität die viertgrößte Wirtschaft der Welt. Schätzungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) prognostizierten für das Jahr 2013 ein Wachstum der indischen Wirtschaft um 5,7%. Allerdings gibt das Unvermögen der Regierung, Korruption und Inflation einzudämmen, Anlass zur Sorge. Dies könnte sie bei den nächsten Wahlen die Macht kosten. Die wachsende Mittelschicht erwartet eine verantwortungsbewusste Regierungsführung, und die nach wie vor zahlreichen armen und ausgeschlossenen Bürger wollen beteiligt werden und verlangen verbesserte Lebensbedingungen.

Bezüglich der sozialen Frage muss man einmal mehr die gewaltige Vielschichtigkeit bedenken. Die indische Gesellschaft ist höchst uneinheitlich und unterscheidet sich von Ort zu Ort und von Volk zu Volk. Wenn es jedoch eine Sache gibt, die für die soziale Ordnung in Indien charakteristisch ist, dann ist es die Kastenordnung. Das jahrhundertealte System hat sich so tief in die Gesinnung der Inder eingegraben, dass es nahezu unmöglich ist, es abzuschaffen. Selbst Glaubenssysteme, die die Kastenordnung ablehnen und stattdessen die Gleichheit aller Menschen lehren, sind durch dieselbe Ordnung beeinträchtigt, die sie bekämpfen. Islam, Sikhismus und Christentum sind Beispiele dafür.

Obwohl die Regierung sie verboten hat, wird die indische Nation weiterhin von der Kastenordnung verfolgt, was Gräueltaten gegen die niederen Kasten und die Unberührbaren (Dalits und Stammeszugehörige) einschließt. Zahlreiche Beobachter sprechen sogar von einem "rassistischen" System.

Betroffene Kategorien von Christen

Generell gibt es in Indien zwei Hauptkategorien von Christen: Angehörige traditioneller Kirchen und von anderen Religionen konvertierte Gläubige. Dazu kommen große Gruppen von nicht-traditionellen Protestanten und christliche Arbeitsmigranten aus ganz Asien.

Da in der Öffentlichkeit eine Zunahme an nationalistischer und radikal-hinduistischer Rhetorik zu verzeichnen ist, die von entsprechenden Taten begleitet wird, sind alle Arten von Christen einem gewissen Maß an Druck ausgesetzt. Allerdings tragen die Konvertiten, sowie gläubige Dalits und Stammeszugehörige die Hauptlast der Verfolgung. Je stärker sich Kirchen bei der Verbreitung der christlichen Botschaft engagieren, umso mehr werden sie unter Druck gesetzt. Man kann generell davon ausgehen, dass Christen in den Städten mehr Freiheiten genießen. Aber auch sie sind mit Problemen und Einschränkungen konfrontiert.

Betroffene Lebensbereiche
Die Christen Indiens werden in allen Lebensbereichen nahezu gleich starkem Druck ausgesetzt. Einerseits wird hier deutlich, wie schwierig es ist, in einem Land mit so großen Unterschieden das Thema Christenverfolgung in Zahlen auszudrücken und dabei ihre alltäglichen Schwierigkeiten angemessen wiederzugeben.

Andererseits wird eine zunehmende religiöse Intoleranz sichtbar, obwohl Religion eine immer wichtigere Rolle in Indien spielt. Der Hinduismus erlebt einen Aufschwung, der sehr stark durch besondere Veranstaltungen sowie durch elektronische und Printmedien vorangetrieben wird. Dies ist vor allem ein Werk der Hindutva Aktivisten, deren großes Ziel in einer Rückkehr der Nation in die angeblich glorreiche Hindu-Vergangenheit liegt. Von den politischen Parteien, die dieser Ideologie anhängen, ist die BJP ("Bharatiya Janata" Partei, übersetzt "Indische Volkspartei") die erfolgreichste.

Sie ist in sieben der insgesamt 28 indischen Staaten in der Regierung bzw. daran beteiligt. In fünf dieser Staaten wurden Anti-Bekehrungsgesetze verabschiedet (meistens, aber nicht zwangsläufig durch die BJP angestoßen), die regelmäßig als Vorwand dienen, um kirchliche Gottesdienste zu stören und auch um Christen und christliche Leiter zu belästigen, zu verprügeln oder anzuklagen. Unzählige Berichte aus ganz Indien liefern Beispiele von derartigen Vorfällen, nun auch immer häufiger aus dem Süden des Landes.

Alle Kirchen werden überwacht; radikale Hindus haben angefangen, christliche Aktivitäten bis ins Detail zu kontrollieren. Viele haben Spione in Kirchen eingeschleust, die sich bei bestimmten Anlässen gegen die Christen erhoben haben. Gelegentlich haben sich daraus juristische Schritte gegen die Kirche ergeben. In manchen Staaten ist es praktisch unmöglich, eine Genehmigung zum Bau oder zur Renovierung eines Kirchengebäudes zu erhalten. Das gilt besonders dort, wo Hindu Nationalisten regieren. Für den Bau eines Hindutempels ist hingegen nicht einmal eine Genehmigung erforderlich. Auch in Staaten mit gemäßigten Regierungen haben radikale Hindugruppen und ihre Netzwerke bereits zahlreiche örtliche Verwaltungen infiltriert.

In einigen Staaten herrscht mittlerweile ein Klima der Angst. Hier ist es für Christen eine besonders große Herausforderung, ihren Glauben zu bezeugen, christliche Literatur zu verteilen oder sich sozial zu engagieren. Zwar sind diese Dinge gewöhnlich nicht gesetzlich verboten, da aber jegliche kirchliche Aktivität als "Verletzung religiöser Gefühle" oder als "Störung von Frieden und Ordnung" bewertet werden kann, müssen Christen sehr vorsichtig sein. Einige wurden verprügelt, anderen wurde der Prozess gemacht, Hauskirchen wurden durchsucht und Bibeln und Gesangbücher beschlagnahmt, weil sie als "Bekehrungsmaterial" eingestuft wurden. Es gibt unzählige Fälle, bei denen die hinduistischen Angreifer straffrei ausgingen und stattdessen ihre christlichen Opfer angezeigt wurden. Die Anti-Bekehrungsgesetze werden bewusst gegen Christen missbraucht und führen dazu, dass die Übeltäter regelmäßig ungestraft bleiben.

Auftreten von Gewalt
Die Gewalt gegen Christen nimmt in Indien überhand und ist besonders häufig in den Zentralstaaten zu verzeichnen, in denen die BJP regiert. Es gibt häufig Berichte von tätlichen Angriffen auf Pastoren und Kirchenmitglieder, denen man "Bekehrungen" vorwirft; immer wieder werden Christen sogar getötet. Während des Berichtszeitraums wurden Kirchengebäude und Häuser von Christen zerstört; viele neu Bekehrte mussten aus ihrem Wohnort fliehen, darunter auch christliche Dalits.

Das hohe Maß an Gewalt in Indien hat nur bedingt Einfluss auf die Platzierung des Landes auf dem Weltverfolgungsindex. Denn es gibt auch zahlreiche Christen, die überhaupt keine Gewalt erleiden. Dennoch gibt aber wöchentlich – fast sogar täglich – Meldungen über christliche Versammlungen, die unterbrochen werden sowie von Pastoren und anderen Christen, die angeklagt und körperlich misshandelt werden.

Ausblick
Es ist schwierig, einen Ausblick für die zu erwartende Entwicklung Indiens zu geben. Die Situation der Christen im Land hat sich in den letzten 12 Monaten beständig verschärft, was die Häufigkeit der Übergriffe sowie die Ausbreitung nach Südindien belegen. Angesichts der bevorstehenden Wahlen – Parlamentswahlen und Kommunalwahlen in Staaten, in denen die BJP gute Erfolgsaussichten hat – gilt es als sicher, dass die Christen noch intensiver unter Druck geraten werden. Zeiten des Wahlkampfes sind immer auch Zeiten der Christenverfolgung.

Ein Open Doors-Feldmitarbeiter bringt es auf eine einfach Formel: "Schlage die Christen, so sicherst du dir Wählerstimmen" – eine Strategie, die die BJP regelmäßig mit Erfolg für sich anzuwenden weiß. Hinzu kommt, dass die Regierung weiterhin das Problem der Verfolgung ignoriert und lediglich von "kriminellen Handlungen" spricht, ohne den religiösen Aspekt zu benennen. Besonders deutlich wurde dies bei der nachsichtigen Vorgehensweise der Schnellgerichte, die Mordfälle von Hindus an Christen bei dem Gewaltausbruch in Kandhamal 2008 zu behandeln hatten.

Solange sich diese Einstellung nicht ändert, wird für die christliche Minderheit alles beim Alten bleiben. Sie werden in gesellschaftlichen Fragen auch weiterhin benachteiligt werden. Es ist fraglos ermutigend, dass immer mehr Dalits sich dem christlichen Glauben zuwenden. Doch sollte man nicht übersehen, dass die Kirche dadurch auch vor zusätzlichen Herausforderungen steht, denn die Dalits bringen auch ihre zahlreichen Nöte mit.


zuletzt bearbeitet 01.02.2015 20:03 | nach oben springen

#4

RE: Christenverfolgung/Weltverfolgungsindex 2014

in Diskussionsplattform 28.04.2014 23:23
von MariaMagdalena (gelöscht)
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Liebe Kristina,
was ich persönlich bei dem Christenverfolgung/ Weltverfolgungindex 2014 von opendoors vermisse, ist der bedauerliche Umstand, dass Europa eigentlich nicht mehr weiß sein kann.
Es ist zwar nicht mit dem zuvergleichen, was Christen in anderen Ländern alles wegen ihres Glauben erleiden müssen, bis zum Mord. Doch werden nicht auch überwiegend katholische , gläubige Christen in Europa mehr und mehr an den Rand gedrängt ? Ob in der Politik auf EU Basis( Gesetzgebung) oder in der "modernen Gender Gesellschaft" ?

Denn ist es nicht schon so, wie es einmal ein Pastor geschrieben hat ?

„Als die Nazis die Kommunisten holten,
habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist.
Als sie die Sozialdemokraten einsperrten,
habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat.
Als sie die Gewerkschafter holten,
habe ich nicht protestiert; ich war ja kein Gewerkschafter.
Als sie die Juden holten,
habe ich nicht protestiert;
ich war ja kein Jude.
Als sie mich holten,
gab es keinen mehr, der protestierte.“


Pax et bonum
Maria Magdalena

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#5

RE: Christenverfolgung/Weltverfolgungsindex 2014

in Diskussionsplattform 29.04.2014 08:05
von Kristina (gelöscht)
avatar

Liebe MariaMagdalena,
du hast recht, auch in Europa wird es zunehmend eng für die Christen, bzw. für die christlichen Werte.
Und gerade auch das muss veröffentlicht werden, damit man sieht wohin der Zeitgeist führt.

Deshalb hatte ich diesen Thread extra für verfolgten Christen in Europa eröffnet. Eigentlich wollte ich hier sämtliche Vorkommnisse in Europa veröffentlichen, ist aber doch irgendwie in Vergessenheit geraten.


Christenverfolgung - Europa!

LG
Kristina


Mt 16,18 Ich aber sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.

zuletzt bearbeitet 29.04.2014 09:43 | nach oben springen


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