1. Betrachte deinen lieben liebevollen Heiland, wie er von der Hitze des Tages und der langen Reise ermüdet, dürstend beim Brunnen Jakobs sitzt. O guter Hirt, unter wie großen Mühsalen suchst du deine Schäflein. Unter Hunger und Durst, Hitze und Kälte durchziehst du weite Landschaften, deine verirrten und verlorenen Schafe auf Bergen, in Tälern und Wüsten zu suchen. Ja selbst deine Ruhe ist Arbeit, denn dürstend nach dem Heil einer Seele, wartest du sitzend an diesem Brunnen, und erbittest einen Trunk Wasser, um dafür mit dem Quell des ewigen Lebens zu vergelten.
2. O komm, du glückselige Frau. Bist du auch eine Sünderin, so zögere deshalb nicht. Folge der Gnade, die dich anzieht und dich sucht, ohne dass du sie suchtest. Und sie hört die Worte des Lebens, staunt und fühlt ihr Herz wundersam durchglüht. O sieh wie das Wasser des Lebens in ihr zu wirken beginnt. Sie fragt nicht mehr nach irdischen Dingen, sie erkundigt sich nach der Weise, Gott vollkommen zu dienen, und kaum hat sie erkannt, dass der Messias zu ihr spricht, so fühlt sie sich umgewandelt in eine Apostelin, und eilt, ihrer Stadt das Evangelium, die frohe Botschaft von der Ankunft des Welterlösers, zu verkündigen.
3. Wunderbare Macht der göttlichen Erleuchtung. Eine verachtete Samaritin glaubt, ohne ein Wunder zu sehen, und die Pharisäer erblinden im Licht der größten Wunder selbst. Doch sieh, was nun geschieht. Noch verweilt Jesus bei dem Brunnen, da erscheinen seine Jünger, mit Speise ihn zu stärken. Aber so wunderbar hat die Bekehrung ihrer Seele ihn bereits genährt, dass er zu den geliebten Jüngern sagt: "Ich habe eine Speise zu essen, die ihr nicht kennt." Denn das Heil der Seelen ist seine Speise, seine Ernährung, sein Gastmahl. So erfreuen denn auch wir unseren Erlöser durch unsere wahre Bekehrung, nach der ihn noch am Kreuz dürstete, und die er als den einzigen Lohn seiner vielen Arbeiten und Leiden verlangt. Jeremia 3,14: "Kehrt um, ihr abtrünnigen Söhne, denn ich bin euer Gebieter. Ich hole euch und bringe euch nach Zion."
Wende, o glorreiche Jungfrau, vom Thron deiner Herrlichkeit deine milden Augen zu mir, der ich unter so vielen Gefahren auf dem ungestümen Meer dieser Welt umher getrieben werde. Ermutige mich durch das Vorbild deiner Tugenden, dass ich, alle Freuden, Reichtümer dieser Welt verachtend, nur nach dir mich sehne, und deine Gegenwart einst im Himmel zu genießen gewürdigt werde, um mit dir meinen Gott und Erlöser, mit dem Vater und dem Heiligen Geist ewig anzubeten, zu loben und zu preisen. Amen.
Zu Gott
Vater im Himmel, oft beten wir zu Dir: Führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen! Unsere Schwachheit und Deine liebevolle Huld sind der Grund dieser zuversichtlichen Bitte. Rette uns doch aus allen Gefahren des Heils, und wenn Du nicht jede Versuchung von uns entfernen willst, so lasse doch wenigstens nicht zu, dass wir überwältigt und zur Sünde hingerissen werden. Führe uns mit Vaterhuld durch dieses Leben in Dein ewiges Reich. Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Zu Jesus Christus
Herr Jesus, beschämt lese ich, welche Gewalt sich Deine Heiligen angetan haben, um das Himmelreich an sich zu reißen. Habe Erbarmen mit meiner Schwachheit und stärke meinen Mut, diesen Helden des Christentums wenigstens von fern zu folgen, der Du lebst und herrschst mit Gott dem Vater in der Einheit des Heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
Auf den heutigen Tag wird die Abreise der seligsten Jungfrau von Nazareth zu ihrer Base Elisabeth gesetzt, bei der sie einen langen und beschwerlichen Weg mit größter Eilfertigkeit, Liebe und Demut zurückgelegt hat.
Die ersten Grundsätze der Erziehung haben einen starken Einfluss auf das folgende Leben, und bei jenen, die von Kindheit an zur Tugend gebildet wurden, ist gewöhnlich, dass sie immer die Vorschriften des Evangeliums als Richtschnur ihrer Handlungen nehmen. Nebst diesem haben aber die ersten Eindrücke noch eine ganz besondere Kraft, wenn sie durch das Beispiel, und die Sorgfalt frommer Eltern unterstützt und erhalten werden. Hugo hatte sich dieser beiden Vorteile zu erfreuen.
Er erblickte das Licht der Welt 1053 zu Chateauneuf im Dauphienè, Bistum Valence. Sein Vater, namens Odilo, war ein tapferer Kriegsmann, der die Pflichten des Christentums mit den seines Standes vollkommen vereinigte. Das Ansehen, das ihm seine Stelle gab, nützte er zur Handhabung der Zucht unter den Soldaten, wobei er sich vor allem angelegen sein ließ, dass er ihnen die Gesinnungen der Liebe und Treue gegen den Fürsten einflößte, sie vor den Lastern verwahrte, in die sie leider nur zu oft geraten, und ihnen die Beobachtung der Gesetze Jesu Christi einschärfte. Nachher verließ er die Welt, um seine Tage in der großen Karthause, unter der Anleitung des heiligen Bruno und seiner Nachfolger, zu beschließen. Er gelangte daselbst zu einem Alter von hundert Jahren, nachdem er da die achtzehn Letzten seiner irdischen Laufbahn in den Übungen der Heiligkeit zugebracht hatte. Hugo, der viel zu seiner Abgeschiedenheit beigetragen hatte, versah ihn mit den letzten heiligen Sakramenten. Auch stand er seiner Mutter, die in der Welt geblieben war, und worin sie das Beispiel aller christlichen Tugenden gegeben hat, in ihrer letzten Stunde bei.
Hugo, von so tugendhaften Eltern geboren, bewährte sich bald als ein Kind des Segens. Er machte große Fortschritte in den Wissenschaften, vernachlässigte aber auch niemals die Übungen der Frömmigkeit. Nachdem ihn das Verlangen, sich ganz dem Dienst des Herrn zu widmen, in den geistlichen Stand geleitet hatte, wurde er zu einer Domherrnstelle zu Valence ernannt. Durch seine Fähigkeiten und seinen heiligen Wandel wurde er eine Zierde des Kapitels. Seine Sanftmut und Leutseligkeit gewannen ihm die Herzen aller seiner Mitbrüder. Er hatte einen großen und schönen Wuchs, war aber dabei außerordentlich schüchtern. Weit entfernt, die Überlegenheit seines Verdienstes geltend zu machen, verbarg er sie vielmehr aus Demut, was ihm einen neuen Glanz beilegte, besonders wenn man ihrer ohne seinen Willen gewahr wurde.
Als Hugo, Bischof von Die im Dauphinè, der nachher Erzbischof von Lyon und Kardinallegat des Heiligen Stuhles war, nach Valence kam, hatte er Gelegenheit den jungen Domherrn zu sehen. Er wurde so durch seine Tugend und Verstand entzückt, dass er ihn zu sich nahm, und ihn mit großem Erfolg auf seiner Gesandtschaft zur Abstellung mehrerer, unter einigen Geistlichen eingeschlichenen Missbräuche anwandte. Im Jahr 1080 hielt der Legat eine Kirchenversammlung zu Avignon. Es kam darin die Wahl eines neuen Bischofs der Kirche von Grenoble zur Sprache, die durch die ärgerlichen Beispiele des letzten Oberhirten in den erbärmlichsten Zustand gekommen war. Der Legat und die Väter der Synode warfen ihre Augen auf den jungen Hugo, überzeugt, dass niemand geeigneter sei, als er, den Unordnungen, die schleunige Abhilfe forderten, kräftigen Einhalt zu tun. Zudem entsprach diese Wahl den Wünschen der Geistlichkeit und aller Einwohner von Grenoble. Nur der Heilige sträubte sich dagegen, so lebhaft war die Furcht, die ihm die Größe der mit dem Bischofsamt verbundenen Pflichten einflößte. Und niemals hätte er eingewilligt, wenn nicht der Legat und die Väter des Konzils ihn desfalls zum Gehorsam aufgefordert haben würden.
Der neue Bischof folgte dem Legaten nach Rom, und wurde da von Gregor VII. geweiht. Die Gräfin Mathilde bestritt die sämtlichen Kosten dieser Zeremonie, sie schenkte ihm den Hirtenstab, die Inful und andere bischöfliche Ornate, mit einer kleinen Sammlung guter Bücher: als Beweis der Dankbarkeit begehrte sie nur seinen Rat und seine Gebete. Auf dieser Reise nach Rom befragte der neu geweihte Bischof den Heiligen Vater über Gewissensunruhen, die aus einigen Gedanken der Gotteslästerung gegen die Vorsehung entstanden, die ihn eine Zeitlang sehr grausam quälten. Gregor beruhigte ihn, indem er ihm zeigte, dass diese Prüfung ein Merkmal der göttlichen Erbarmung gegen ihn wäre. Hugo ergab sich also geduldig darein, unterwarf sich dem Willen des Himmels, und wusste durch häufige Betrachtungen über die Schmerzen Jesu Christi die Anfälle des bösen Feindes in Verdienste umzuwandeln. Er fand sogar in diesen Mühen eine Quelle süßer Tröstung und unaussprechlicher Freude.
Da seine Gegenwart in Rom nicht mehr vonnöten war, reiste er nach Grenoble ab. Bei seiner Ankunft fand er die traurigen Folgen der schlechten Verwaltung seines Vorgängers. Er konnte sich der Tränen nicht enthalten beim Anblick der Unordnungen, die unter seinen Augen vorgingen. Das Volk, dessen Unterricht gänzlich vernachlässigt worden war, ergab sich ohne Scham den gröbsten Lastern. Es herrschten unter den Menschen Ausschweifungen, die durch die Gewohnheit so tief eingewurzelt waren, dass sie beinahe ihre natürliche Abscheulichkeit verloren hatten. Wenn man noch die hl. Sakramente besuchte, so geschah es aus Gewohnheit, und ohne die gehörige Vorbereitung. Nicht besser erfüllte man die übrigen Pflichten des Christentums. Man hatte tausend Vorwände ausfindig gemacht, um den Wucher und die Simonie zu bemänteln. Die Laien hatten die Kirchengüter an sich gezogen. Die Einkünfte des Bistums waren so verschleudert, dass der Heilige, bei seiner Ankunft, gar keine Mittel zur Unterstützung der Armen und zur Bestreitung der notwendigsten Dinge antraf: er wollte aber lieber auf alles Verzicht leisten, als unrechtmäßige Verträge eingehen, wie dieses beinahe allgemein unter seinen Diözesanen zu geschehen pflegte.
Damit aber nicht zufrieden, dass er über die Missbräuche bloß weinte, nahm er sich auch vor, alle mögliche Mittel zu ihrer Abhilfe in Anwendung zu bringen. Er zog die Gunst des Himmels über seine Herde herab durch anhaltendes Nachtwachen, durch strenges Fasten, und flammende Gebete: auch wurden seine Arbeiten mit dem glücklichsten Erfolg gekrönt. In sehr kurzer Zeit änderte er die Diöcese gänzlich um. Kaum aber hatte er zwei Jahre auf dem bischöflichen Sitz zugebracht, als er seine Würde aus Demut niederlegen wollte, wie schon mehrere Heilige es vor ihm getan hatten. In der Hoffnung, der Papst werde seiner Absicht nicht entgegen sein: verließ er seine Kirche, und nahm das Ordenskleid des heiligen Benedictus an in der Abtei Chaise-Dieu, der Diöcese Clermont, in der Provinz Auvergne, wo man die strenge Regel von Clúny befolgte. Man sah ihn während des Jahres, das er da zubrachte, alle Tugenden eines vollkommenen Ordensmannes ausüben.
Als Gregor VII. erfuhr, dass Hugo seine Diöcese verlassen habe, befahl er ihm, wieder in dieselbe zurückzukehren. Der Heilige war gehorsam. Beim Austritt aus seiner Einsamkeit erschien er wie ein anderer Moses, der mit Gott auf dem Berg Umgang gepflogen hatte. Er trat seine Amtsverrichtungen mit neuem Eifer an, und erntete mehr Früchte ein als jemals. Er verkündete fast unausgesetzt das Wort Gottes. Auch bemerkt sein Geschichtsschreiber, dass er seltene Fähigkeiten für das Predigtamt besaß.
Als der heilige Bruno und seine sechs Gefährten die Welt verlassen wollten, wandten sie sich an den Bischof von Grenoble, um sich mit ihm über die desfalls einzuschlagende Verhaltensweise zu beraten. Er wies ihnen eine Einöde seines Bistums an, in die er sie im Jahr 1084 auch wirklich einführte. Diese Einöde, Karthause (Chartreuse) benannt, gab nachher ihren Namen dem ganzen Orden, der von da seinen Ursprung herleitet. Hugo war sehr erbaut durch das ganz englische Leben, das diese frommen Einsiedler führten. Er besuchte sie öfters und nahm an allen ihren Bußübungen Anteil. Ja er ging in seiner Demut so weit, dass er den anderen Mönchen als ein Vorrecht abstritt, die niedrigsten Geschäfte des Hauses zu besorgen. Die Reize der Beschaulichkeit hielten ihn oft so lange in der Einsamkeit zurück, dass der heilige Bruno ihn ermahnen musste, zu seiner Herde wieder zurückzukehren.
Der heilige Bischof, dessen Almosen sehr reichlich flossen, entschloss sich eines Tages, seine Pferde zu verkaufen, um den Armen mehr Hilfe leisten zu können, indem er sich für stark genug hielt, seine Diöcese zu Fuß zu bereisen. Der heilige Bruno hielt ihn jedoch von der Ausführung dieses Entschlusses ab, indem er ihm vorstellte, dass er zu viel auf seine Kräfte vertraue, und seine Gesundheit, die augenscheinlich abnahm, schonen müsse. Er war in der Tat während der vierzig Jahre seines Lebens sehr hinfällig. Beinahe unaufhörliche Kopf- und Magenbeschwerden verursachten ihm große Schmerzen, und würden ihn oft bei minderem Eifer gehindert haben, seinen bischöflichen Amtsverrichtungen obzuliegen. Gott ließ zudem noch zu, dass er sehr hart von innerlichen Versuchungen gepeinigt wurde, er war aber auch selbst wieder dessen Tröster und erteilte ihm jene Gnaden, die die Anfälle des Versuchers in Vorteile umwandeln.
Hugo konnte sich des Weinens nicht enthalten jedes Mal, wenn er an die Armseligkeiten des Menschen dachte und an jene unendliche Liebe, wovon uns Gott schon so viele Beweise gegeben hat. Oft musste er öffentlich Tränen vergießen, besonders wenn er die Heilige Schrift vorlesen hörte. Als ein anderer Ambrosius weinte er im Beichtstuhl mit den Sündern, und erweckte in ihnen dadurch die Gefühle einer lebhaften Zerknirschung. Er predigte mit einer Salbung, die die unempfindlichsten Seelen rührte, und kaum hatte er die Kanzel verlassen, als er sich schon wieder der Ausspendung des heiligen Bußsakramentes ergab. Er bat manchmal fußfällig diejenigen, die in Feindschaft lebten, um sie zur Vergessenheit der empfangenen Unbilden und zur gehörigen Genugtuung gegen den Nächsten zu bewegen. In der geistlichen Führung des Frauengeschlechtes war er höchst behutsam. Der Welt und allen ihren Gütern abgestorben, war er den zeitlichen Geschäften ganz abhold. Ungerne hörte er von den Tagesneuigkeiten reden, aus Furcht, er möchte durch Ehrabschneidung die Nächstenliebe verletzen oder gar sich zerstreuen. Seine Liebe für die Armen, wovon wir schon geredet haben, bewährte sich besonders zur Zeit der Hungersnot. Er veräußerte, um sie unterstützen zu können, einen goldenen Kelch und einen Teil seines bischöflichen Schmuckes. Sein Beispiel war eine Aufmunterung für die Reichen, und den Armen seines Sprengels mangelte es nie an Unterstützung.
Bei diesem allen wünschte er nichts so sehnlich, als sein Leben in der Einöde beschließen zu können. Er bat Papst Innocenz II., ihm einen Nachfolger zu geben, und führte, um ihn dahin zu vermögen, die dringendsten Beweggründe an: allein der Oberhirt der Kirche achtete nicht seiner Bitten, und Hugo musste sich entschließen, als Bischof zu sterben.
Ehe ihn Gott zu sich berief, läuterte er ihn vollends durch die Schmerzen einer langwierigen Krankheit, die ihm Gelegenheit gab, die heldenmütigsten Tugenden zu üben. Einige Zeit vor seinem Tod verlor er das Gedächtnis. Er vergaß alles, ausgenommen die Gebete, die er beinahe unausgesetzt verrichtete. Umsonst stellte man ihm vor, dass sein anhaltendes Beten sein Übel vermehre, man konnte ihn nicht davon abbringen. Er sagte sogar, dass das Gebet, weit entfernt ihn zu ermüden, ihm vielmehr neue Kräfte verleihe. Niemals hörte man ihn ein einziges Wort aussprechen, das im geringsten eine Ungeduld verraten hätte. Ja er beobachtete sich so streng, dass er sogar von seinen Leiden zu reden vermied. Er dankte mit Demut jenen, die ihm einen Dienst leisteten. Und wenn er irgendjemanden die geringste Mühe verursachte, klagte er sich des als eines Fehlers an, und bat Gott mit betränten Augen um Verzeihung. Als einer derjenigen, die ihn gewöhnlich besuchten, ihm bemerkte, er möge doch nicht so bitterlich weinen, weil er ja nie in einer wichtigen Sache freiwillig gesündigt habe, erwiderte er: „Die Eitelkeit und die ungeregelten Neigungen des Herzens können allein schon eine Seele in die Verdammnis stürzen. Nur durch Gottes Erbarmung können wir auf unsere Seligkeit hoffen; wir dürfen also nie aufhören ihn zu bitten.“ „Das Leben“, sagte er jenen, die in seiner Gegenwart Neuigkeiten auskramten, „das Leben ist uns nicht gegeben worden, dass wir unnütze Gespräche führen, sondern dass wir unsere Sünden beweinen und darüber Buße tun.“
Der gottselige Tod des heiligen Hugo erfolgte endlich am 1. April 1132. Er war beiläufig 80 Jahre alt, und hatte 52 als Bischof zugebracht. Er wurde von Innocenz II. im Jahr 1134 heiliggesprochen. Sein Name findet sich an diesem Tag im römischen Martyrologium (Der heilige Hugo wird unter die kirchlichen Schriftsteller gezählt, besonders wegen seines Cartularium oder Sammlung von Charten, mit sehr merkwürdigen historischen Anmerkungen; sie wird im Manuskript zu Grenoble aufbewahrt.).
Die außerordentliche Liebe des heiligen Hugo zur Einsamkeit darf uns gar nicht befremden, denn man lernt wirklich in der Abgeschiedenheit Gott und sich selbst kennen, reißt sein Herz von jeder unordentlichen Begierde los, flößt ihm Geschmack für die ewigen Güter ein, unterwirft das Fleisch gänzlich dem Geist, läutert seine Seele von allen, der menschlichen Schwäche unzertrennlich anklebenden Makeln, und zieht endlich Jesus Christus an, um ein neues Geschöpf zu werden. Die Beschäftigungen der Einsiedler machen sie einigermaßen den Engeln gleich, weil sie, wie diese, Gott beständig den Tribut des Lobes, der Anbetung, der Liebe, der Danksagung darbringen. Sie müssen aber, um Gott zu gefallen und der mit ihrem Stand verbundenen Vorteile zu genießen, unausgesetzt auf ihre Sinne wachen, damit sie ohne Unterlass den Tod vor Augen haben, und keine der Übungen vernachlässigen, die geeignet sind, sie im Geist der Zerknirschung und der Buße zu erhalten. Es sind zwar nicht alle Menschen zu einer gänzlichen Abgeschiedenheit von der Welt berufen. Alle aber sind berufen, sich von Zeit zu Zeit dem Gewühl der Geschäfte zu entziehen, um in sich selbst zurückzukehren, um sich in ihrem Herzen eine heilige Einsamkeit zu schaffen. Dies ist auch das einzige Mittel, um sich vor jenem allmählichem Kaltsinn zu verwahren, in den die Frömmigkeit in Berührung mit der Welt nur gar zu leicht verfällt. Ohne diese Vorsicht werden sie über kurz oder lang erschlaffen, und bald jenes Leben des Glaubens verlieren, welches die einzige reine und nie versiegende Urquelle aller christlichen Handlungen ist.
1. Unsere Seele ist ein geistiges Wesen, das einfach, und daher seiner Natur nach unsterblich ist. Nimmermehr also kann sie so gänzlich sterben, dass sie aufhörte zu wirken. Sie kann zwar das übernatürliche Leben durch die Sünde und die ewige Strafe verlieren, doch verliert sie ihr natürliches Leben ewig nicht, da sie nicht kann aufgelöst werden. Das wahre Leben der Seele ist Gott, mit dem sie durch die Gnade vereint ist. In dieser Vereinigung sind alle ihre Werke Gott wohlgefällig und verdienstvoll. Vertreibt sie aber Gott durch die Sünde, dann ist sie tot, weil sie nichts Verdienstvolles für das ewige Leben mehr wirken kann.
2. Es besteht also der Tod der Seele in der Sünde; und darum auch wird die schwere Sünde die Todsünde genannt, weil sie die Seele tötet. Gleichwie also der Leib, sobald die Seele ihn verlässt, tot ist, und nichts mehr wirken kann, also ist auch die Seele tot, wenn Gott, ihr Leben, von ihr weicht, und kann nichts übernatürlich Gutes mehr wirken. Darum auch sprach jener milde Vater des verlorenen Sohnes zu seinem ältesten Sohn: "Dieser dein Bruder war tot und ist wieder lebendig geworden!" Denn wirklich war seine Seele tot in seinen Lastern, wie sehr immer er zu leben schien.
3. Könnte ein Mensch seine Seele in diesem Stand ihres Todes sehen, er würde vor Entsetzen sterben. Denn die Fäulnis, der Gestank, die Verwesung eines toten Körpers ist nur ein schwaches Bild des Todes einer Seele, die, vom Licht Gottes verlassen, in die Finsternisse des ewigen Todes versinkt, eine Gefährtin der bösen Dämonen wird, und, wenn Gottes unendliche Barmherzigkeit ihrer nicht schonte, augenblicklich in die ewige Verdammnis versinken würde. Ja es gehört auch Gottes ganze Allmacht dazu, eine solche Seele zu ertragen und ihrer sich zu erbarmen. (Weisheit 11,24) Wie sorgfältig also sollen wir uns vor der Sünde hüten. Entsetzen wir uns über einen Selbstmörder, der sich selbst entleibt: wie weit mehr sollen wir erschaudern über uns, wenn wir unsere eigene Seele töten. "Nur wer sündigt, soll sterben!" (Ezechiel 18,20)
Lass uns leuchten, o Gott, das himmlische Licht des Evangeliums, dass es als eine Leuchte unseren Schritten vorangehe, und führe uns auf den Wegen der Tugend. Gib uns den Glauben, der Deinen Bekennern und Blutzeugen den Mut und die Seele gab, mit dem sie die Welt besiegten, die Hoffnung, die an Dich uns bindet, und die uns kräftigt, durch Dich uns heiligt und glücklich macht. Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
Im Jahr 1152 wurden zu Brüssel in der Kirche des heiligen Nikolaus durch die Fürbitte der seligsten Jungfrau von der Osterwoche an bis auf das Fest des heiligen Johannes des Täufers viele Wunder gewirkt: die Blinden sahen, die Tauben hörten, die Lahmen gingen, und viele andere Krankheiten wurden geheilt.
In den Akten, die uns über die Bekenner und Blutzeugen der ersten christlichen Jahrhunderte überliefert sind, finden sich oft die ganzen Gerichtsverhöre aufgezeichnet. Der Inhalt dieser Verhöre lässt uns nicht nur den Gang und die Art des gerichtlichen Verfahrens erkennen, er gibt uns vor allem recht dankenswerte Aufschlüsse über die Anschauungen, den Glauben, das Hoffen und Lieben der ersten Christen.
Acacius, Achatius, war Bischof von Melitene oder von Antiochien (nicht der bekannten Hauptstadt Syriens) in der Landschaft Melitene in Kleinarmenien. Er erwies sich als „ein Schirm und eine Zuflucht der ganzen Gegend von Antiochien“ und, wie sein Beiname „Agathangelus“, guter Engel, beweist, als ein treuer Führer und Schützer seines Volkes. Als darum Kaiser Decius, nach längerer Zeit der Ruhe für die Christen, sein bekanntes Edikt erließ, das alle Christen aufforderte, den römischen Götzendienst mitzumachen, und sie im Fall der Weigerung mit den härtesten Martern bedrohte, wurde sofort auch Bischof Achatius vor Gericht geschleppt, weil man die christliche Herde am leichtesten dadurch rat- und schutzlos machen zu können glaubte, dass man ihre Hirten durch den Martertod entfernte oder gar zum Abfall brächte. Alle Qualen der Kerker und Erfindungen der Grausamkeit wurden damals angewendet. Da viele Christen infolge der langen Ruhe und Sicherheit den alten Heldengeist der Martyrer früherer Zeit eingebüßt hatten, litt das Boot des heiligen Petrus manch traurigen Schiffbruch, in Rom wie in Karthago, in Alexandrien und in Smyrna. Umso ruhmvoller glänzen diejenigen, die mit unüberwindlichem Starkmut an ihrem Glauben hingen und mit Christus „die Welt überwanden“. Achatius wurde ein solch ruhmbedeckter, mutvoller Bekenner, ist aber schließlich ein seltenes Beispiel geworden, wie der Edelmut und die Glaubenstreue eines standhaften Mannes selbst Verfolgern wie Decius ein Gefühl der Hochachtung und schonender Milde abzuringen vermochten.
Der kaiserliche Statthalter, Konsular Martianus, eröffnete das Verhör folgendermaßen: „Du musst unsere Fürsten lieben, da du unter dem Schutz der römischen Gesetze lebst.“ Achatius antwortet: „Wem liegt das wohl mehr am Herzen und von wem wird wohl der Kaiser so geliebt, als von den Christen? Denn wir beten eifrig und beständig für ihn, dass er lange lebe und in Gerechtigkeit über die Völker herrsche, und besonders dass seine Regierung friedlich bleibe. Dann beten wir auch für das Heil der Soldaten und für alle Stände im Reich.“ Martian: „Dies ist sehr löblich; aber damit der Kaiser noch größere Beweise deiner Unterwürfigkeit habe, komm und bring ihm mit uns ein Opfer dar.“ Achatius: „Ich bete zu meinem Herrn, dem wahren und großen Gott, für die Wohlfahrt des Kaisers; ein Opfer aber kann dieser von uns nicht verlangen, noch dürfen wir es ihm leisten. Wer wird denn einem Menschen göttliche Ehre erweisen?“ Martian: „Sage, zu welchem Gott betest du denn, damit auch wir ihm göttliche Opfer darbringen.“ Achatius: „O wie sehr wünschte ich, dass du meinen Gott erkenntest! Wie sehr wäre dir diese Erkenntnis zum Heil!“ Martian: „So sage mir doch seinen Namen!“ Achatius: „Es ist der Gott Abrahams, der Gott Isaaks, der Gott Jakobs.“ Martian: „Sind das lauter Namen von Göttern?“ Achatius: „Nein, nicht diese sind Götter, sondern der zu ihnen geredet hat, ist der wahre Gott. Diesen müssen wir verehren.“ Martian: „Wer ist denn dieser?“ Achatius: „Der allerhöchste Herr, der über den Cherubim und Seraphim thront.“ Martian: „Seraphim? Was ist das?“ Achatius: „Ein Diener des höchsten Gottes, der vor seinem erhabenen Thron steht.“
Dem Martian war diese Belehrung zu hoch. Er wollte den christlichen Lehrer wieder auf das Opfer zurückbringen, das er seinen, den heidnischen Göttern, wie dem Apollo und anderen, schulde. Da aber ging der Bischof in längerer Rede auf die Ungereimtheiten der alten Göttergeschichten ein und gab sie unbarmherzig der gebührenden Lächerlichkeit preis. „Dem Apollo soll ich opfern, der nach unserer Meinung getötet worden ist? Der unglückselig von Liebe zu einem Mädchen entbrannt (der Daphne nämlich, die dem Apollo entfliehend, in einen Lorbeerbaum verwandelt worden ist), erschreckt davon lief, ohne zu wissen, dass er die so sehr gewünschte Beute verlieren würde. Er war also offenbar nicht allwissend, weil er das nicht wusste, er war auch kein Gott, weil er sich von einem Mädchen betrügen ließ. Der einen gewissen Hyazinthus, den er liebte und zu sehen wünschte, unwissend und jämmerlich mit dem Diskus (einer Wurfscheibe) tötete? Der zur Strafe, weil er die Cyklopen, die Knechte Vulkans, tötete, neun Jahre lang fremde Schafe (die des Königs Admetus von Thessalien) hüten musste? Dem soll ich opfern? Oder vielleicht dem Äsculap, den Jupiters Donnerkeil erschlug? Oder der ehebrecherischen Venus oder den übrigen Ungeheuern, sollte ich denen etwa Opfer bringen? Um dieses Leben zu erhalten, sollte ich die anbeten, die nachzuahmen ich mich schämen müsste? Die ich verachte, die ich anklage, die ich verabscheue? Ja, die Taten begangen haben, die keinen, der sie nachahmen wollte, von der Strenge eurer Gesetze schützen würden? Ihr ehret noch das an ihnen, was ihr an anderen verdammt?“
Als der Statthalter dem mutigen Bekenner mit der kurzen Drohung: „Entweder du opferst oder du musst sterben“, die Rede abschneiden wollte, da antwortete er treffend: „Das können auch die Dalmater (eine bekannte Räubergesellschaft), die in der Räuberkunst so erfahren sind, die im Hinterhalt lauern, und sobald ein Wanderer irgendwo den Fuß hinsetzt, ihn zwingen, entweder sein Geld oder das Leben zu lassen. Da fragt auch keiner, was Recht ist, sondern nur, was er mit Gewalt erzwingen kann. So ist auch dein Urteil, da du eine Ungerechtigkeit von mir forderst, und wenn ich sie nicht begehe, mit dem Tode drohst. Aber ich erschrecke nicht, ich fürchte nichts ... Wenn ich eines jener Verbrechen schuldig wäre, wie sie das öffentliche Recht bestraft, so würde ich mich selbst verurteilen, noch ehe du das Urteil aussprichst. Wenn ich aber nur deswegen, weil ich den wahren Gott verehre, bestraft werden soll, so werde ich nicht nach dem Gesetz, sondern nach der Willkür des Richters verurteilt. Es steht geschrieben: „Jeder wird, wie er richtet, auch gerichtet werden“ (Mt 7,2). Wie du also tust, so wird auch dir geschehen.“
Martian erwiderte: „Ich bin nicht beauftragt zu richten, sondern zu zwingen. Wenn du dich also weigerst, so kannst du der Strafe gewiss sein.“
Darauf gab Achatius die mannhafte Antwort: „Auch ich habe ein Gebot, nämlich dass ich meinen Gott nicht verleugne. Wenn du dich verbunden hältst, einem sterblichen Menschen zu gehorchen, von dem du weißt, dass er bald aus dieser Welt scheiden und eine Speise der Würmer sein wird, wieviel mehr muss ich dem allmächtigen Gott gehorchen, dessen Kraft in Ewigkeit währt und der den Ausspruch getan hat: „Wer mich vor den Menschen verleugnet, den werde ich auch vor meinem Vater verleugnen, der im Himmel ist“ (Mt 10,33).
Das Wort vom „Vater im Himmel“ gab dem Heiden Anlass, näher nach dem „Sohn Gottes“ zu forschen. Achatius erklärte: „Der Sohn Gottes sei das Wort der Wahrheit und der Gnade. Er wird Jesus Christus genannt. Gott hat aber seinen Sohn nicht nach der Weise der Menschen gezeugt. Wie er den ersten Menschen aus Lehm geformt und ihm dann erst Odem und Geist gegeben hat, so ist auch der Sohn Gottes, das Wort der Wahrheit, aus dem Herzen Gottes hervorgegangen. Darum steht geschrieben (Psalm 44,1): „Mein Herz hat ein gutes Wort ausgegossen.“ Gott allein erkennt das. Wir aber erkennen sein unsichtbares Wesen nicht, sondern wir verehren nur seine Macht und Gewalt.“
Auf die Aufforderung hin, die Namen der Seinen zu nennen, gab der heilige Bischof die schöne Antwort: „Ihre Namen sind im Buch des Lebens mit göttlicher Schrift aufgezeichnet. Wie können sterbliche Augen das sehen, was die unvergängliche und unsichtbare Kraft Gottes aufgezeichnet hat? Ihr beschuldigt uns einer zauberischen Kunst und der Einführung einer neuen Art Religion. Wir zerstören aber nur Götter, die ihr selbst vorher macht und dann doch fürchtet, obwohl ihr sie selbst gemacht habt. Eure Götter werden euch bald ausgehen, wenn eure Bildhauer keine Steine oder die Steine keine Bildhauer fänden. Wir aber fürchten den, den nicht wir gebildet haben, sondern der uns gebildet hat, der uns als unser Herr erschaffen, als Vater geliebt und als höchster Wohltäter dem ewigen Tod entrissen hat.“
Das waren doch wahrhaft köstliche Antworten! Selbst Kaiser Decius muss sie so befunden haben. Denn als ihm, während der treue Bekenner im Kerker schmachten musste, der ganze Prozess vorgelegt wurde, da „fing er an zu lachen, wie die Akten sagen, und gab bald darauf dem Martian die Präfektur von Pamphilien, den Achatius aber bewunderte er in hohem Grad und ließ ihm das Bewusstsein seines Wertes und seiner Religion.“ Das geschah im Jahr 250. Achatius scheint, nach weiterer segensreicher Wirksamkeit für die christliche Kirche, eines sanften Todes gestorben zu sein. Wenn er auch mit dem Titel Martyrer geschmückt wird, so hat er ihn verdient durch sein mutiges Bekenntnis und seine Kerkerhaft, die kaum ohne Entbehrungen und Leiden abgelaufen sein wird.
Der wahre Christ und Katholik verteidigt einer ungläubigen Regierung gegenüber seine religiöse Überzeugung unter den größten Opfern. Dieselbe Überzeugung und Gewissenhaftigkeit aber hält ihn an, für die ungerechte Obrigkeit zu beten. „Jedermann sei den höchsten Obrigkeiten untertan, denn die Obrigkeit ist von Gott“ (Römer 13,1).
1. Das Herz des Menschen, der außerhalb des Reiches Gottes lebt, ist ein unerschöpflicher Quell folternder Begierden, die einander gleich den Wellen eines Stromes drängen. Wohin aber zielen diese heftigen, launenhaften, törichten, niedrigen Begierden? Das Herz zu beunruhigen, zu peinigen, worauf sie verschwinden, um abermals anderen Raum zu geben. Werden sie aber zuweilen erfüllt, so entflammen sie den Durst des Herzens noch heftiger. Denn wann genügten je dem Ehrsüchtigen die Ehren, die er erlangte? Wann den Geizigen die Schätze, die er sammelte? Wann hört je ein begierliches Herz auf zu wünschen, solange noch etwas zu erstreben ist? Durch Überfluss wird ein solches Herz noch ärmer. Es ist ein unersättlicher Abgrund, der alles verschlingt.
2. Betrachte aber die Unruhe eines Herzens, das seinen Begierden den Zügel schießen lässt. Alles bietet es auf, sein Verlangen zu erreichen. Es scheut keine Arbeit, keine Mühe. Es sucht, fleht, kriecht bis zur Niederträchtigkeit. Durch nichts lässt es sich abschrecken. Hindernisse reizen es noch mehr. Es wütet gleich einem Bergstrom, der seinen Damm niederreißt. Und erreicht es trotz aller seiner Mühen sein Verlangen nicht, dann wütet es gleich einem Rasenden, und wird der Verzweiflung zum Raub. O Blindheit und Torheit des menschlichen Herzens, das nach vergänglichen Dingen giert. Mehr peinigt er sich selbst und tut sich schweres Leid an, als seine erbittertsten Feinde ihm antun könnten.
3. Darum vergleicht der Heilige Geist das Herz des Gottlosen "einem brausenden Meer, das nicht ruhen kann, und dessen Wellen Kot und Unflat auswerfen". (Jesaja 57,20) Und fürwahr ist das begierliche Herz ein stürmisches Meer, wo Blitze und Donner erschrecken, Wogen wie Berge sich türmen, wüten und einander unter furchtbarem Getöse drängen. Also wird das Herz gefoltert, dem Gott nicht genügt, oder das seine Glückseligkeit anderswo sucht. Herr, gebiete den Winden und dem Meer, befiehl diesen irdischen Begierden, zu schweigen, und dann wird Friede in das Herz einkehren, und große Ruhe herrschen. "Das Ende der Feinde des Kreuzes Christi ist das Verderben, ihr Gott ist der Bauch; ihr Ruhm besteht in ihrer Schande; Irdisches haben sie im Sinn." (Philipper 3,19)
Königin des Himmels und der Erde, Mutter des Herrn der ganzen Welt, die du das größte, das erhabenste, das liebenswürdigste Geschöpf bist, es ist wahr, es gibt viele Menschen auf Erden, die dich nicht lieben, und die dich nicht kennen. Aber wie viele Millionen Engel und Selige gibt es dagegen im Himmel, die dich fortwährend lieben und loben. Aber schon hier auf Erden gibt es viele Seelen, die von Liebe zu dir entzündet sind, und die deine Güte preisen. Ach, wenn doch auch ich dich liebte, meine liebenswürdigste Königin, wenn doch auch ich immer darauf bedacht wäre, dir zu dienen, dich zu lieben und zu ehren, und dazu mitzuwirken, dass alle dich lieben. Du hast das Herz deines Gottes gewonnen, der aus Liebe zu dir selbst den Schoß des ewigen Vaters verlassen, und auf die Erde gekommen ist, um Mensch, um dein Sohn zu werden. Und ich Elender, warum sollte ich dich nicht lieben wollen? Nein, nein, meine liebste Mutter, auch ich will dich lieben, ich will dich innigst lieben, und mein Möglichstes tun, damit auch andere dich lieben. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
Gegen Ende des Monats März begingen die Einwohner der Stadt Bilbilis in Spanien ein großes Fest und verehrten mit sonderbarer Andacht ein altes von einem Bürger ehemals gefundenes Mutter-Gottes-Bild, weil sie dadurch viel Hoffnung geschöpft haben, die Befreiung vom Sarazenischen Joch zu erhalten, das auch in demselben Jahr 1367 geschehen ist.
Der heilige Johannes Klimakus (Der Beiname Climacus wurde dem Heiligen gegeben wegen seines Werkes, das den Titel: Climax oder Leiter führt.), der aus Palästina herstammen soll, wurde geboren gegen das Jahr 525. Er wurde mit großer Sorgfalt erzogen und seine Fortschritte in den Wissenschaften waren so schnell, dass man ihm von seiner frühen Jugend an, den Namen Scholasticus beilegte. (Den Namen Scholasticus, etwa Schulmann, der damals sehr ehrenvoll war, bekamen nur die, die sich durch Talente und Kenntnisse auszeichneten.) Kaum hatte er das 16. Lebensjahr erreicht, als er allen Vorteilen, die er in der Welt hätte genießen können, entsagte, und auf den Berg Sinai zog, wo mehrere Einsiedler, seitdem die Jünger des heiligen Antonius und des heiligen Hilarion jene Wüsteneien bevölkert hatten, ein englisches Leben führten. Er wollte nicht in dem großen Kloster, das auf der Spitze des Berges stand, verbleiben, aus Furcht, er möchte da häufig zu Zerstreuungen veranlasst werden, sondern bezog eine abgelegene Einsiedelei, wo er sich der Führung eines ehrwürdigen Greises, mit Namen Martyrius, anvertraute. Strenges Stillschweigen war das Mittel, das er gebrauchte, um sich von dem Fehler, dem große Köpfe gewöhnlich unterworfen sind, zu verwahren. Ich meine jenen Drang, von allem zu reden, und der von einer geheimen Eitelkeit herrührt. Demütig von Geist und Herzen, brachte er Gott das Opfer seines Wissens, ohne je zu widersprechen oder sich in gelehrtes Gezänke einzulassen. Durch Gehorsam versicherte er sich des Verdienstes seiner Handlungen und brachte es so weit in dieser Tugend, dass es schien, als hätte er keinen eigenen Willen mehr. Durch diese Unterwürfigkeit gegen seinen Führer wich er den Klippen aus, an denen er unfehlbar hätte scheitern müssen, wenn er sein eigener Steuermann geblieben wäre. Von jenem sichtbaren Berg, den er bewohnte, schwang er sich in heiligem Flug zum unsichtbaren Gott empor, dessen Willenserkennung sein einziges Geschäft ausmachte. Daher bemerkte er aufmerksam alle Regungen der Gnade, um derselben getreulich zu entsprechen.
Der glühende Novize verwandte 4 Jahre, um sich zu prüfen und unterweisen zu lassen, ehe er die Klostergelübde ablegte. Er dachte, und er hat es auch in seinen Schriften tief eingeprägt, dass ein solcher Schritt ein reifes Alter und ernste Prüfungen voraussetze. Als er den Tag seiner Opferung herankommen sah, bereitete er sich durch Beten und Fasten dazu vor, um sie zur höchst möglichen Vollkommenheit zu steigern. Seine feierliche Weihe, womit er sich Gott gänzlich hingab, brachte die kostbarsten Früchte der Gnade hervor. Martyrius sah mit Staunen, wie sein Jünger auf der Bahn des Heils mit jeglichem Tag so unaufhaltsam schnell voranschritt.
Nach Martyrius Tod, der in das Jahr 650 fiel, entschloss sich der Heilige, zufolge des von seinem Gewissensleiter ihm erteilten Rates, das Einsiedlerleben anzutreten. Er begrub sich daher in die Einsiedelei von Thola, die auf der Ebene am Fuß des Berges Sinai lag. Seine Zelle war etwa zwei Stunden von der Kirche entfernt (Es scheint, dass es die Kirche zu Unserer Lieben Frauen war, die der Kaiser Justinian für die Mönche auf dem Gipfel des Sinai bauen ließ.), wo er sich jeden Samstag und Sonntag hinbegab, um dem Gottesdienst beizuwohnen und mit den Mönchen und Einsiedlern der Wüste das heilige Abendmahl zu empfangen. Er vermied jegliche Sonderbarkeit, indem er dies als ein Kind der eitlen Ehrsucht ansah: darum aß er von allem, was den ägyptischen Mönchen nicht verboten war, und begnügte sich damit, die Grenzen der strengsten Mäßigkeit niemals zu überschreiten. Das Gebet war seine liebste und beste Beschäftigung. Immer entflammt von heiligem Eifer vergaß er nie die Gegenwart Gottes. Seine Gedanken, Worte und Werke bezogen sich unbedingt auf die Erfüllung des göttlichen Willens. So übte er in der Tat, was er allen Christen so teuer anbefohlen hatte. Durch unausgesetzte Übung der Beschauung erwarb er sich vollkommene Herzensreinheit und eine außerordentliche Fertigkeit, in allem den Finger Gottes zu erkennen. Er widmete eine geraume Zeit dem Lesen der göttlichen Schriften und der Werke der heiligen Väter, wodurch er selbst einer der größten Kirchenlehrer geworden ist. Allein er verbarg seine seltenen Fähigkeiten und die besonderen Gnaden, womit seine Seele bereichert war, in der Furcht den kostbaren Schatz der Demut zu verlieren. Er wusste, dass sich das Gift der eitlen Ehre so leicht einschleicht, und dass es, ohne außerordentliche Wachsamkeit von unserer Seite, unseren besten Handlungen anklebt und uns alles Verdienst raubt.
Obgleich Johannes in seiner Abgeschiedenheit als wahrer Einsiedler lebte, so glaubte er doch, er wäre nicht genug entfernt von der Gemeinschaft der Menschen. Er höhlte sich daher eine Grotte in einer benachbarten Felsenkluft, um sich wenigstens von Zeit zu Zeit da einzuschließen. Wenn er sich darin befand, ergab er sich mit mehr als menschlichem Feuereifer allen Übungen der Beschauung. Er war von so glühender Liebe und so lebhafter Zerknirschung durchdrungen, dass beinahe immerwährend eine Tränenflut seinen Augen entströmte. Der Anblick der von diesem Leben unzertrennlichen Armseligkeiten erpressten ihm Seufzer und Wehklagen, die so heftig die Lüfte durchschollen, als nur immer die Schmerzensschreie derjenigen, die als eine Beute des Schwertes oder der Flammen erliegen müssen. Sein innigstes Verlangen wäre gewesen, immer allein und den Menschen ganz unbekannt zu leben. Allein die Strahlen seiner Tugend verbreiteten sich gegen seinen Willen umher. Man kam sich bei ihm Rat zu holen als bei einem Mann, dem die Hinterlage des Heils anvertraut war, und er konnte einem Einsiedler namens Moyses nicht versagen, ihn unter seine Leitung zu nehmen.
Der Diener Gottes hatte eine ungewöhnliche Fertigkeit, die Seelenkrankheiten zu heilen. Ein Mönch mit Namen Isaac, den die heftigsten Versuchungen wider die Reinheit fast in Verzweiflung gebracht hatten, erfuhr dies zu seinem höchsten Glück: er ging zum Heiligen, entdeckte ihm noch mehr mit Tränen, als mit Worten den schweren Kampf, den er zu bestehen hatte. Johannes Klimakus sagte ihm: „Mein Sohn, lass uns zu Gott im Gebet unsere Zuflucht nehmen.“ Und sogleich warfen sie sich beide auf die Knie nieder, den Himmel um Beistand anzuflehen, und von jener Zeit war Isaac keinen Augenblick mehr von dem unlauteren Geist beunruhigt. Auch viele andere Personen nahmen in geistlichen Nöten ihre Zuflucht zum heiligen Johannes, und jedes Mal ernteten sie die reichlichsten Früchte ein.
Wer sollte nun nach diesem glauben, dass der Heilige noch Feinde haben konnte? Und dennoch hatte er einige – selbst unter den Einsiedlern. Sie beschuldigten ihn der Zeitverschwendung in eitlen Gesprächen, als hätte er die Absicht, der Menschen Achtung zu gewinnen. Die Anschuldigung war gewiss eine Verleumdung. Allein der Heilige sah sie als eine freundliche und liebreiche Mahnung an: er legte sich deshalb ein strenges Stillschweigen auf, und brachte beinahe ein ganzes Jahr zu, ohne mit jemanden zu reden. Seine Feinde, entwaffnet durch seine Demut und Bescheidenheit, erkannten die Falschheit ihrer Aussage. Sie gesellten sich zu den übrigen Mönchen, auf dass sie ihn beschwuren, das ihm von Gott verliehene Talent nicht zu vergraben, und diejenigen, die sich bei ihn Rat einholten, der Hilfe seiner Einsichten nicht zu berauben. Johannes unterbrach sein Stillschweigen mit eben der Demut, die ihn zu deren Beobachtung bewogen hatte, und fuhr fort, die, die sich an ihn wandten, zu unterrichten. Man redete überall von seiner großen Weisheit und gesetzten Erfahrung: man betrachtete ihn als einen anderen Moyses, dem Gott einen Teil seines Geistes mitgeteilt hatte.
Kurz darauf, das heißt, im Jahr 600, wurde unser Heiliger einhellig zum Abt des Berges Sinai und zum allgemeinen Vorsteher aller Mönche und Einsiedler des Landes erwählt. Er war damals 75 Jahre alt und hatte demnächst 60 Jahre in der Einöde zugebracht. Kaum war er zu dieser Würde erhoben worden, als eine große Dürre entstand, der eine verderbliche Hungersnot folgte. Die Einwohner Palästinas und Arabiens wandten sich an ihn, wie an einen anderen Elias, um seine Fürbitte bei Gott zu erlangen. Johannes, gerührt durch das Unglück dieser armen Völker, nahm seine Zuflucht zum Gebet und erflehte vom Himmel einen gedeihlichen Regen, der den dürren Feldern ihre Fruchtbarkeit wiedergab. Um dieselbe Zeit erhielt er einen Brief von Gregor dem Großen, der damals auf dem Stuhl des heiligen Petrus saß. Dieser heilige Papst schrieb ihm, um sich in sein Gebet zu empfehlen und mitzuteilen, dass er ihm Geld und sonstige Dinge sende, um das Pfleghaus, das in einiger Entfernung vom Berg Sinai zum Behuf der Pilger erbaut war, auszustatten.
Der gottselige Johannes, der Abt von Raithus, einem am Roten Meer gelegenen Kloster, wollte die Früchte der Belehrungen des Heiligen auch den künftigen Jahrhunderten überliefern. Er bat ihn daher, eine Sammlung von Vorschriften, wodurch eifrige Seelen zur christlichen Vollkommenheit geleitet werden könnten, zu veranstalten. Der Heilige stellte ihm vor, das Unternehmen gehe über die Kräfte eines Sünders wie er: doch ergab er sich endlich den wiederholten Bitten, ohne sich jedoch des glücklichen Erfolges zu schmeicheln: „Ich habe getan,“ sagte er, „was von mir abhing, aus Furcht, das Joch des Gehorsams abzuwerfen, den ich immerdar als die Mutter aller Tugenden ansehe. Ich darf nicht glauben, etwas Nützliches zutage gefördert zu haben. Gleich einem Schüler der Mahlerkunst habe ich nur einen rohen Abriss hingeworfen. Nur ein vollkommener Meister wie du, vermag an dieses Werk letzte Hand anzulegen.“ Dieses ist der Ursprung des vortrefflichen Buches, betitelt: Climax oder Leiter, weil darin die Seele von Stufe zu Stufe hinangeleitet wird bis zur höchsten Vollkommenheit.
Dieses Buch besteht aus Aphorismen oder Sprüchen, die in wenig Worten einen hohen Sinn enthalten. Seine Schreibart ist einfach, aber edel; gedrängt, aber deutlich. Man findet darin eine wunderbare Salbung und eine gewisse Sprache der Demut, die dem Leser das Vertrauen abgewinnt. Was aber das Hauptverdienst dieses Werkes ausmacht, ist der Adel und die Erhabenheit der Gefühle im Bund mit einer vollkommenen Darstellung aller Tugenden. Der Verfasser beschränkt sich nicht auf die Zergliederung der Vorschriften. Er stellt sie lebendig durch Beispiele dar, und unter diesen wählt er vorzugsweise jene, wo die Liebe des Gehorsams und der Buße hervorstrahlt. Einige davon seien hier angeführt.
In Ägypten war ein Kloster mit 330 Mönchen, die der Heilige besucht hatte. Ein Bürger von Alexandrien namens Isidor meldete sich an der Pforte, um darin aufgenommen zu werden. „Mein Vater,“ sagte er zum Abt, „ich bin in deinen Händen, was das Eisen in den Händen des Schmiedes ist.“ „Ich befehle dir,“ antwortete der Abt, „an der Pforte zu harren und dich vor allen, die du siehst, auf die Knie zu werfen, mit den Worten: Habet die Güte für mich zu beten, dieweil meine Seele mit einem gefährlichen Aussatz behaftet ist.“ Auf diese Art gingen 7 Jahre vorbei. Als der heilige Johannes Klimakus Isidor sah, fragte er ihn, was er in dieser langen Prüfung bei sich gedacht habe. „Im ersten Jahr,“ sagte er ihm, „betrachtete ich mich als einen wegen seiner Sünden verdammten Sklaven und habe recht harte Kämpfe bestanden, im zweiten war ich ruhig und voll des Vertrauens auf des Herrn Beistand.“ Er fügte noch bei, dass er im dritten Jahr die Verdemütigungen mit Freude ertragen habe. Dieser heilige Büßer erschwang einen solchen hohen Tugendgrad, dass sich der Abt des Klosters nicht nur entschloss ihn aufzunehmen, sondern ihn noch zum Priester weihen ließ. Isidor, der in seinem Stand bleiben wollte, bat um einigen Verschub und starb 7 Tage darauf.
Der heilige Johannes Klimakus wurde nicht wenig gerührt durch die Tugend eines Kochs desselben Klosters. Da er ihn allzeit versammelt und von Tränen übergossen sah mitten in seinen Beschäftigungen, die nichts als Irdisches darboten, befragte er ihn um die Art, wie er seine Seele in dieser Geistessammlung und Zerknirschung erhalte. „Wenn ich die Mönche bediene,“ sagte der gute Ordensmann, „gedenke ich nicht Menschen, sondern Gott selbst in Person seiner Angelobten zu dienen. Und der Anblick dieses Feuers, das ich allzeit vor meinen Augen habe, erinnert mich an die Flammen, in denen die Sünder ewig brennen werden.“ Nachdem der Heilige eine sehr rührende Beschreibung des Büßerklosters machte, der Kerker genannt, das eine Meile von dem soeben erwähnten entlegen war, erzählt er folgenden Zug von Johannes dem Sabaiten. „Als ein Einsiedler“ (es ist Johannes der Sabaite selbst, der in der dritten Person von sich redet), „als ein Einsiedler sich in seinem Kloster mit einer gewissen Ehrerbietung behandelt sah, meinte er in Gefahr zu schwebe, seine Sünden daselbst nicht gehörig abbüßen zu können. Er verließ es also mit Bewilligung seines Obern und bezog ein Kloster in Pontus. Drei Jahre darauf sah er im Traum einen Zettel, wo alle seine Schulden aufgeschrieben waren: sie beliefen sich auf einhundert Pfund Goldes, und er hatte erst zehn davon abgetragen. Armer Antiochus, sagte er oft zu sich selbst, du hast große Schulden zu bezahlen, nachdem er zehn Jahre in der Übung der Demut und Buße zugebracht hatte, wurde ihm ein zweites Gesicht zuteil, dass ihm alle seine Schulden als abgetan vorstellte.“
Ein anderer Einsiedler, der in einer großen Vernachlässigung seiner Pflichten gelebt hatte, wurde mit einer schweren Krankheit heimgesucht: er verlor das Bewusstsein und man hielt ihn eine Stunde lang für tot. Als er aber wieder zu sich gekommen war, vermauerte er die Tür seiner Zelle und brachte noch 12 Jahre darin zu. Er weinte ohne Unterlass und war nur mit der Betrachtung des Todes beschäftigt. Da er dem Tod nahe war, ging man in die Zelle, ihm die nötige Hilfe zu leisten. Allein man konnte nur noch diese Worte aus ihm bringen: „Wer immerdar den Tod vor Augen hat, wird niemals sündigen.“
Nebst der heiligen Leiter haben wir noch von Johannes Klimakus einen Brief an den gottseligen Abt von Raithus. Es werden darin die Pflichten eines wahren Hirten entwickelt, wovon die vorzüglichsten sind, dass er keusch sei an Leib und Seele, unablässig an der Heiligung der Seelen arbeite, jene zurückführe, die vom rechten Weg sich entfernen, und sie aneifere, ihre Standespflichten getreu zu erfüllen, dass er unerschütterlich sei und voll der Kraft, doch so, dass die Strenge durch die Sanftmut gemildert werde, dass er Anteil nehme an der menschlichen Schwachheit, indem er sich nach jeder Gemütsart richte, um dadurch alle für Jesus Christus zu gewinnen. „Unter allen Opfergaben,“ sagt der Heilige, „die man Gott darbringen kann, sind unbezweifelt keine kostbarer in seinen Augen als jene, der durch die Buße und Liebe geheiligten Seelen.“
Der heilige Johannes Klimakus hatte 4 Jahre seinen Mönchen des Berges Sinai vorgestanden: sein sehnlichster Wunsch war aber, ein Amt niederzulegen, das er nur mit Zittern angenommen hatte und dass er als eine furchtbare Bürde ansah. Er gedachte daher sich ihm zu entledigen und erwartete nur noch eine schickliche Gelegenheit zur Ausführung dieses Vorhabens. Diese Gelegenheit stellte sich schließlich auch kurz vor seinem Tod ein. Da er wieder sich selbst zurückgegeben war, widmete er sich mit neuem Eifer dem Gebet und der Betrachtung. Er starb in seiner Einsiedelei zu Thola den 30. März 605, in seinem 80. Lebensjahr. Der Abt Georg, sein Nachfolger, der von Gott die Gnade erbeten hatte, nicht von seinem geistlichen Vater getrennt zu werden, folgte ihm einige Tage darauf ins Reich der Seligen.
Der heilige Johannes Klimakus ist außerordentlich feurig, wenn er von der Erhabenheit und den Wirkungen der Liebe redet: „Eine Mutter,“ sagt er, „verspürt kein so großes Vergnügen, wenn sie ein geliebtes Kind an ihrer Brust nährt, als dem wahren Kind der Liebe zu Teil wird, in seiner Vereinigung mit Gott und in den Armen seines himmlischen Vaters . . . Die Liebe bringt einige beinahe ganz außer sich, andere bestrahlt sie mit ihrem Licht und erfüllt sie mit solcher Wonne, dass sie sich nicht erwehren können auszurufen: Auf den Herrn habe ich vertraut, er hat mir geholfen. Mein Körper blüht wiederum auf, daher will ich ihn von ganzem Herzen loben (Psalm 27). Diese Freude, die sie in ihrem Herzen fühlen, strahlt aus ihrem Antlitz hervor. Und wenn sie Gott mit seiner Liebe vereinigt, oder sie gleichsam in sie einverleibt hat, lässt er in ihrem Äußeren, wie in einem Spiegelglas, den Glanz und die Ruhe ihrer Seele hervorschimmern. So wurde Moyses, als er gewürdigt wurde den Herrn zu schauen, von himmlischem Glanz umflossen.“ Der heilige Johannes Klimakus pflegte in folgendem Gebet die Liebe zu erflehen: „Mein Gott, ich hoffe nichts auf Erden, als mit dir im Gebet so innig vereinigt zu sein, dass ich nie von dir getrennt werden kann. Andere mögen Reichtümer und Ehre verlangen, ich begehre nichts, als mit dir unzertrennlich vereint zu sein, und auf dich allein alle Hoffnung meiner Wohlfahrt und Ruhe zu setzen.“
1. Hüte dich vor dem falschen Vertrauen der blinden Kinder dieser Welt. Sie preisen Gottes Barmherzigkeit und erheben sie über alle Himmel, da sie sie als eine Stütze betrachten, um so frecher zu sündigen, weil diese Barmherzigkeit unendlich sei, und dem schwachen Menschen alle Laster verzeiht, wären sie auch noch so abscheulich und in noch so großer Anzahl. Und dennoch vertrauen sie andererseits so wenig auf diese von ihnen genannte Barmherzigkeit, dass sie es für vergeblich halten, sich an sie zu wenden, die notwendigen Bedürfnisse des Lebens, oder Hilfe in der Not von ihr zu erlangen, und lieber durch Trug, List und Ungerechtigkeit sich zu helfen suchen, als Gott um diese Dinge bitten.
2. Eine schwere Beleidigung Gottes ist dies, und zugleich ein Widerspruch, dessen nur die größte Blindheit fähig ist. Wie bildest du, blinder Frevler, Gott so barmherzig, dass er alle deine Laster dir verzeihen wird, und zugleich so taub und so unbarmherzig, dass er deiner Not dich weder entreißen kann noch will, wofern du nicht sein heiliges Gesetz mit Füßen trittst? Offenbar ist es doch weit größere Barmherzigkeit, die Sünden zu verzeihen, als dem sterblichen Leben das Notwendige zu spenden. Denn durch jenes schenkt er dir das ewige, durch dieses aber erhält er dir nur das zeitliche Leben. In jenem spendet er dir den Wert seines Blutes, in diesem aber gibt er dir nur Speise, die er auch den Ameisen und Würmern nicht versagt.
3. Was für eine menschliche Verkehrtheit! Wie kann je einem Menschen zur Wohlfahrt gereichen, was er nur durch Missetaten erlangt, und - um was zu erlangen - er denjenigen sich zum Feind macht, ohne dessen Hilfe keinem etwas zur Wohlfahrt gereichen kann. Denn wer wurde jemals glücklich dadurch, dass er Gott beleidigte? Gott, der für seine Ehre eifert, pflegt, damit kein Laster auf Erden glücklich ist, die Ratschläge der Gottlosen umzukehren, so dass gerade die von ihnen genannten Mittel, durch die sie dem Anschein nach ihr Glück sich bereiten, ihren zeitlichen und ewigen Untergang nach sich ziehen. Psalm 127,1: "Wenn nicht der Herr das Haus baut, müht sich jeder umsonst, der daran baut."
Du siehst, o meine Hoffnung, allerseligste Jungfrau Maria, du siehst einen elenden Sünder zu deinen Füßen, der leider so oft durch seine eigene Schuld ein Sklave der Hölle geworden ist. Ach ich weiß es, dass die Teufel nur deshalb mich überwunden haben, weil ich mich nicht an dich, meine Zuflucht, gewandt habe. Wäre ich immer sogleich zu dir geeilt, hätte ich dich immer sogleich angerufen, so wäre ich gewiss nie in eine Sünde gefallen. Doch ich hoffe, o meine liebenswürdige Königin, dass ich nun durch deine Vermittlung schon aus den Händen des Teufels befreit bin, dass Gott mir schon verziehen hat. Aber ich fürchte, später von neuem in seine Gewalt zu fallen. O meine Königin, meine Zuflucht, stehe mir bei, ich fliehe unter deinen heiligen Schutzmantel. Gestatte nicht, dass ich von neuem ein Sklave des Teufels werde. Amen.
Zu Gott
Nie wollen wir uns beschweren oder klagen über die Leiden, die Du, bester Vater, uns zuschickst. Stärke uns nur mit Deiner Gnade, damit wir alles zu Deiner Ehre und unserem Heil erduldend, nie anders, als mit gänzlicher Ergebung in Deinen heiligen Willen, um Befreiung bitten. Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
Am heutigen Tag wurde in Sizilien das Fest der Wunderwerke Mariä zur dankbaren Erinnerung so vieler und großer Wunder-Guttaten, so die Einwohner dieser Insel durch die Fürbitte der seligsten Jungfrau erhalten haben, mit großer Andacht und Feierlichkeit gefeiert.
Im 18. Jahr der Regierung des Königs Sapor erhob sich eine grausame Verfolgung gegen die Christen in Persien. Allenthalben erblickte man Blutströme, allenthalben Verwüstung der Kirchen und Klöster. Als Jonas und Barachisius, zwei Brüder aus der Stadt Beth-Asa, erfuhren, dass mehrere Gläubige zu Hubaham sollten hingerichtet werden, eilten sie sogleich dahin, in der Absicht, ihnen beizustehen und Mut zuzusprechen. Neun von ihnen erlangten auch die Märtyrerkrone.
Unmittelbar nach der Hinrichtung dieser neun Christen wurden Jonas und Barachisius, die den Mut hatten eher zu sterben, als den Glauben zu verleugnen, gefangen genommen und vor den Richter geführt. Der bedrängte sie, dem König der Könige, das heißt, dem König von Persien zu gehorchen und die Sonne, den Mond, das Feuer und das Wasser anzubeten. „Es ist besser“, antworteten die Heiligen, „dass man dem unsterblichen König des Himmels und der Erde gehorche, als einem Fürsten, der vom Tod unterworfen ist“. Die Magier erzürnt darüber, dass man ihren König sterblich nannte, waren der Meinung, man solle die beiden Bekenner voneinander trennen. Ihnen gehorchend warfen sie Barachisius in ein enges und düsteres Kerkerloch. Jonas aber behielten sie bei sich zurück, in der Hoffnung, ihn zum Opfern überreden zu können. Aber all ihre Bemühungen waren vergeblich. Hierauf befahl der Oberste der Magier, man solle den Märtyrer auf den Bauch legen, ihn einen Pfahl in den Nabel schlagen, und ihn mit Ruten und knotigen Stöcken züchtigen, was auf der Stelle ausgeführt wurde. Jonas hörte nicht auf zu beten während seiner ganzen Marter. „Gott unseres Vaters Abraham“, rief er aus, „ich sage dir unendlichen Dank. Verleihe, ich beschwöre dich, dass ich dir ein angenehmes Brandopfer darbringen kann. Nur eins habe ich vom Herrn begehrt und dies werde ich immerdar suchen. Ich entsage dem Dienst der Sonne, des Mondes, des Feuers und des Wassers. Ich glaube an den Vater, den Sohn, den Heiligen Geist, und erkenne keine andere Gottheit.“ Danach band man ihm ein Seil an die Füße und warf ihn in einen gefrorenen Teich.
Als Barachisius am Abend vor die Magier geführt wurde, sagte man ihm, sein Bruder hätte geopfert. „Das ist falsch“, erwiderte er, „ich kenne ihn zu gut, als dass ich ihn für fähig halten sollte, niederen Geschöpfen göttliche Ehre zu erweisen.“ Dann redete er noch über die unendliche Macht des wahren Gottes, und schilderte sie mit solcher Kraft und Beredtheit, dass selbst die Magier erstaunten. „Wir dürfen nicht zulassen“, sagten sie zueinander, „dass er öffentlich davon spricht. Es ist zu befürchten, dass er durch seine Reden die Anhänger unserer Religion gewinnt.“ Es wurde also unter ihnen beschlossen, dass Barachisius nunmehr zur Nachtzeit verhört würde. Zugleich befahlen sie, dass man ihm an jedem Arm glühende Eisen anlegte. „Beim Glück des Königs“, sagten sie ihm, „wenn du eines dieser Eisen fallen lässt, so entsagst du dem Christentum.“ – „Ich fürchte euer Feuer nicht“, entgegnete ruhig der Heilige. „Ich werde die Werkzeuge meiner Qual nicht abschütteln. Nur bitte ich euch, ihr möget mir ohne Verzug alle Martern antun, die ihr mir bereitet habt man ist voller Mut, wenn man für Gott streitet.“ Diese Standhaftigkeit reizte die Magier immer mehr, und sie befahlen den Henkersknechten, geschmolzenes Blei in die Nasenlöcher und Augen des Heiligen zu gießen, worauf sie ihn dann wieder ins Gefängnis zurückführen ließen, wo er an einem Fuß aufgehängt wurde.
Am anderen Tag zog man Jonas aus dem Teich. Als er vor den Magiern stand, sagten sie ihm: „Wie befindest du dich? Ohne Zweifel wird die vergangene Nacht sehr schmerzhaft für dich gewesen sein.“ – „Nicht im mindesten“, erwiderte Jonas, „seitdem ich auf der Welt bin, habe ich nie solche Süßigkeiten gekostet, wie in dieser Nacht. Die Erinnerung an die Leiden Jesu Christi war für mich eine Quelle unaussprechlichen Trostes.“
Die Magier: „Dein Gefährte hat abgeschworen.“
Jonas: „Jawohl, ich weiß, dass er seit langer Zeit abgeschworen hat dem Satan und seinen Gesandten.“
Die Magier: „Hüte dich vor dem Verderben.“
Jonas: „Wenn ihr weise seid, wie ihr euch schmeichelt, so sagt mir, ob es nicht besser sei, das Getreide auszusäen, als es aufzuhäufen auf einen Speicher, unter dem Vorwand, es gegen Regen und Sturm zu schützen? Nun aber ist dieses Leben wie ein Same, den man in die Erde wirft. Er wird hervortreiben im künftigen Leben, wo Jesus Christus in unsterblicher Herrlichkeit dasselbe erneuern wird.“
Die Magier: „Eure Bücher haben viele Leute betrogen.“
Jonas: „Wahr ist, dass sie viele Menschen von den irdischen Vergnügungen abgebracht haben. Wenn ein Christ, mitten in den Peinen, von dem Feuer jener Liebe brennt, die ihm das Andenken an das Leiden seines Erlösers einflößt, so vergisst er Reichtümer, Ehren und alle Güter dieses vergänglichen Lebens. Er sehnt sich nur nach der Anschauung des wahren Königs, dessen Reich ewig ist, und dessen Gewalt alle Jahrhunderte umfasst.“
Als der Märtyrer zu reden aufhörte, schnitt man ihm die Finger, die Zehen und die Zunge ab. Auch zog man ihm die Haut vom Kopf herunter und warf ihn in einen mit kochendem Pech angefüllten Kessel. Aber das Pech entfloss plötzlich dem Behälter, ohne den Diener Gottes im Geringsten zu beschädigen. Hierauf legte man ihn unter eine hölzerne Presse, wo man ihn mit unmenschlicher Grausamkeit zerquetschte. Schließlich wurde sein Leib in Stücke zersägt und in einen ausgetrockneten Wasserbehälter geworfen, den man bewachen ließ, aus Furcht, die Christen möchten seine Übrigbleibsel wegnehmen.
Die Richter ließen Barachisius abermals vor sich führen und ermahnten ihn, Mitleid mit seinem Körper zu haben. Seine Antwort war, dass Gott, der seinen Leib gebildet habe, ihn wieder auferwecken würde, und dass die Magier mit ihrem König dereinst vor dem Richterstuhl eben dieses Gottes erscheinen müssten, worauf einer der Richter sagte: „Lasst uns dem Ding ein Ende machen; unsere Zögerung ist eine Unbild für den König. Man richtet nichts mit dieser Gattung Menschen, weder durch Reden, noch durch Qualen aus.“ Es wurde also unter ihnen entschieden, dass Barachisius mit Stechgnister gestrichen und hierauf sein Körper mit Schilfsplittern, die man, vermittelst eng an einander gereihten Seile, in die Haut drückte, bedeckt, und wenn er so überall durchstochen wäre und einem Stacheligel ähnlich sehe, auf der Erde hin und her gewälzt werden sollte. Bei dieser grauenvollen Peinigung ließen es jedoch die Magier nicht bewenden, sondern gossen dem Heiligen noch siedendes Pech und Schwefel in den Mund. Diese letztere Marter vereinigte Barachisius mit seinem Bruder Jonas. Abtusciatas, ein alter Freund des Märtyrerpaares, kaufte ihre Leichname von den Persern.
Der Verfasser der Akten unserer Heiligen beschließt sie folgendermaßen: „Dieses Buch, geschrieben nach dem Bericht von Augenzeugen, enthält die Akten der Heiligen Jonas, Barachisius, Märtyrer Jesu Christi, der sie, nachdem er sie im Kampf gestärkt hatte, mit der Siegeskrone geschmückt aus demselben hervortreten ließ. Möchte Isaias, Adabs Sohn, aus Arzun (in Armenien), Anteil haben an ihrem Gebet.“ Dieser Isaias, der in der Reiterei des Königs Sapor diente, wohnte den Verhören und Qualen der Diener Gottes bei und schrieb die Geschichte ihrer Triumphe.
Unsere heiligen Märtyrer litten am 29. des Dezembermondes, d.h. am 24. Desselben Monats, im Jahre 327 unseres Herrn Jesus Christus, und im 18. Des Königs Sapor. Im römischen Märtyrerverzeichnis stehen sie unter dem 29. März.
Wenn wir die Erzählung der Triumphe der Blutzeugen lesen, müssen wir die erhabenen Beweggründe, die sie in ihren Kämpfen stärkten, auch uns aneignen. Durch eine solche Vorsicht werden die Zeiten der Prüfungen für uns eine reichhaltige Quelle hoher Verdienste werden. Was begehrt aber Gott von uns in den Prüfungen? Dass wir sie von seiner Hand annehmen, wo nicht mit Freuden, doch wenigstens mit Geduld und Ergebung. Bei wie vielen aber findet man diese heilige Stimmung? Wie viele verlieren nicht, z.B., die Früchte, die sie aus ihren Krankheiten ziehen könnten? Die seufzen nach der Herstellung ihrer Gesundheit nur unter dem Vorwand, die Pflichten ihres Standes erfüllen und für die Ehre Gottes arbeiten zu können. O die Blinden, sie sehen nicht, dass dieses heftige Verlangen nach Gesundheit nur von der Ungeduld der Eigenliebe herrührt. Nein, sie würden nicht wünschen von ihrer Krankheit befreit zu werden, wofern sie den ganzen Wert und Nutzen der christlichen Geduld erkennen würden. Oder wenn sie sich nach Gesundheit sehnten, würde dies ohne Ängstlichkeit geschehen, mit der ausdrücklichen Bitte, Gott möge sie nur in so weit erhören, als es seiner Ehre und ihrem geistigen Wohl zuträglich wäre.
(Gezogen aus echten Urkunden, in chaldäischer Sprache geschrieben und im Original bekannt gemacht von Stephan Assemani. Diese Akten sind das Werk eines Augenzeugen, namens Isaias, der von einer ansehnlichen Familie in Armenien abstammte, und als Hauptmann im Heer des Königs Sapor diente. Metaphrast hat ebenfalls die Akten dieser heiligen Blutzeugen herausgegeben. Es finden sich aber darin viele Verfälschungen.)
1. Bewaffnen wir uns mit dem Zeichen des Heils gegen die Mächte der Finsternisse, denn "der Teufel geht gleich einem brüllenden Löwen umher, suchend, wen er verschlinge". Viele Unwissende und Ungläubige spotten nun über diesen bösen Geist wie über eine Fabel, und wollte Gott, sie würden nicht einst ein Raub seiner furchtbaren Gewalt. Denn niemals erfreut der Vogelsteller sich mehr, als wenn die Vögel ihn nicht sehen, weil sie dann um so sicherer ihm ins Netz gehen. Jahrtausende seufzte das menschliche Geschlecht unter der Tyrannei dieses Geistes der Hoffart, der gleich einem Blitz aus dem Himmel geschleudert wurde, und nun auf Erden die Völker verführte, und von ihnen sich anbeten ließ.
2. Nicht die Schriften der Juden allein, noch auch die Schriften der Apostel und Evangelisten, sondern das ganze Altertum, Plato, Porphyr, Plutarch und eine große Anzahl anderer heidnischer Schriftsteller bezeugen, wie die unglückseligen Völker der Heiden die so schreckliche Macht der Dämonen nur allzu sehr kannten, und vor ihnen erbebten. Ganze Jahrhunderte hindurch hatten die Apostel und die ersten Väter gegen das Götzentum zu kämpfen, und die gelehrtesten Stifter der neueren philosophischen Schulen, Leibnitz, Neuton und andere, so wie alle gelehrten Forscher der Geschichte, beschämen durch ihre unwiderleglichen Beweise alle unwissenden und irreligiösen Schwätzer und Leugner des Teufels, dessen Dasein die heiligen Schriften als einen wesentlichen Punkt des Glaubens aufstellen.
3. Noch dauerte diese lange, finstere Nacht der Dämonie, die den ganzen Erdkreis bedeckte, wäre nicht das Licht der Welt erschienen, diese "dauernde Angst der Erde", wie der berühmte römische Dichter sie nennt, zu verscheuchen, und hätte diesen starken Bewaffneten gefesselt und sein Reich zerstört. Indessen lässt seine göttliche Weisheit, die das Böse nur duldet, Gutes daraus zu erzielen, in allen Jahrhunderten der Kirche Ereignisse zu, welche das Dasein dieses bösen Geistes anschaulich zeigen, und gestattet ihm auch seine Auserwählten in gewissem Maße zu versuchen, damit sie zu seiner Ehre ihn beschämen und besiegen. Fürchte dich also nicht! Offenbarung 5,5: "Weine nicht! Gesiegt hat der Löwe aus dem Stamm Juda, der Spross aus der Wurzel Davids."
O Maria, du Heiligste unter den Heiligen, du bist so rein, ich bin durch Sünden befleckt. Du bist so demütig, ich bin so hochmütig. Du bist so heilig, ich bin so gottlos. Du musst es bewirken, o Maria, dass ich dir ähnlich werde. Weil du mich liebst, so mache, dass ich dir auch gleiche. Du hast alle Macht, die Herzen umzuwandeln. Nimm mein Herz, ändere es um, zeige der Welt, wie viel du über die vermagst, die du liebst. Mache, dass ich heilig, dass ich dein würdiges Kind werde. Amen.
Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Papstes Sixtus
Verleihe uns, o Gott, durch die Fürbitte Deines heiligen Papstes Sixtus Deinen Schutz und Frieden, damit Deine Kirche alle Schwierigkeiten und Übel überstehe, und Dir mit sicherer Freiheit diene, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Zu Jesus Christus
Beschirme jederzeit, o göttlicher Heiland, Deine heilige Kirche, wie in ihrem Oberhaupt, so in jedem ihrer Glieder. Lass die Hölle, die sich stürmend gegen Deine heilige Gemeinde erhebt, nie siegreich werden, sondern richte Deine heilige Kirche auf, wo sie niedergedrückt ist, und bewahre sie, wo sie der Blüte und Frucht sich erfreut, von jeglichem Verderben, damit die Welt erkenne, dass Du unser Hort und Schirmer bist, gegen den keine feindliche Macht bestehen kann, der Du lebst und herrschst mit Gott dem Vater in der Einheit des Heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
Seine Andacht zur heiligsten Mutter Gottes zu bezeugen, hat der heilige Papst Sixtus die vom Papst Liberius errichtete Kirche, Maria Major genannt, von neuem herrlich erbauen lassen, und dorthin einen Altar von geschlagenem Silber, eine große Menge Kelche, Leuchter, Rauchfässer und andere zum göttlichen Dienst gebräuchlichen Gefäße von Gold und Silber gegeben. So hat er auch der Kirche, St. Mariä vom Taufstein genannt, alle notwendigen Taufgeschirre von reinem Silber geschenkt.
1.Johannes 5,4: „Und das ist der Sieg, der die Welt besiegt hat: unser Glaube.“ Die Wahrheit dieser Worte des Apostels bestätigt der glorreiche Martertod der heiligen Jungfrau Augusta. Ihr Vater Matruzius war ein deutscher Fürst, der beim Sturz des Römerreiches mit seinen Kriegsscharen in die Berge von Friaul einbrach und sich das Land unterwarf. Er war ein grausamer Mann und ganz blind dem Götzendienst ergeben, weshalb er auch die Christen hasste und mit schrecklicher Härte verfolgte. Allein die Christen, die er martern und töten ließ, blieben ihrem heiligen Glauben treu. Diese Standhaftigkeit und Treue machte auf die Tochter des Matruzius, Augusta, einen tiefen Eindruck. Auch sie war noch eine Heidin, hatte aber ein sanftes Gemüt und ein weiches Herz. Daher suchte sie denn auch die Leiden der Christen zu mildern; sie reichte ihnen in der Stille Almosen, unterstützte die christlichen Waisen und Kranken und suchte auch manchmal aus den Händen ihres grausamen Vaters die Christen zu retten. Eines Tages begegnete sie einer großen Gruppe von Christen, die gerade zum Tode geführt wurden und mit heiterem Antlitz einhergingen, als würden sie zu einem Gastmahl gehen. Staunend darüber fragte sie: „Was gibt euch denn die Kraft, so standhaft, ja so freudig alle Marter zu ertragen?“ „Es ist“, sagten sie, „die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, an den wir glauben, es ist sein Beispiel und sein Lohn, die uns die Marter verachten und den Tod als eine Wohltat erkennen lassen.“ Diese Worte drangen tief in das Herz der Fürstentochter und sie ruhte von dieser Stunde an nicht mehr, bis sie den Gott der Christen kennen gelernt hatte. Ihr heißes Verlangen wurde erfüllt; sie fand einen Priester, der sie im christlichen Glauben unterrichtete und dann taufte. Von jetzt an war sie wie verändert; sie mied den heidnischen Götzendienst, betete Tag und Nacht, und suchte in allem das Beispiel Jesu nachzuahmen.
Ihr Vater bemerkte bald diese Veränderung und ließ sie beobachten. Einer seiner Diener schlich ihr eines Tages nach, als sie in die geheimen Versammlungen der Christen ging, traf sie dort und hinterbrachte es dem Vater. Außer sich vor Wut, ließ er Augusta vor sich hintreten und verlangte zu wissen, warum sie die Christen aufsuche, und was sie bei ihnen zu tun hätte. Ohne Furcht gab die Jungfrau zur Antwort: „Vater, ich bin eine Christin und bin hingegangen, um den wahren Gott anzubeten.“ „Also eine Christin bist du,“ schrie ihr Matruzius zornentbrannt entgegen; du kannst unsere alten Götter verlassen und einem fremden falschen Gott anhangen?“ „Nicht einem falschen Gott,“ antwortete Augusta, „hänge ich an, sondern ich bekenne den allein wahren Gott. Die Götter, die ich bisher verehrt hatte, sind falsch. O wüsstest du nur, wie herrlich, wie gut mein Gott ist, o Vater, du würdest ihn augenblicklich eben so wie ich von ganzem Herzen lieben und ihm allein dienen.“
Matruzius schwieg und gedachte seine Tochter durch Güte zu gewinnen. Er versprach, ihr alles zu geben, was einer jungen Fürstentochter Freude machen könne, wenn sie seinen Willen tun würde. Allein Augusta blieb standhaft und erwiderte dem Vater auf alle seine Anerbietungen: „Was du mir versprichst, Vater, das ist wie Asche und Rauch, den der Wind verweht, aber was Jesus den Christen verheißt, das allein hat Bestand, das allein ist ein Glück, das ewig währt und ewig selig macht.“ Bei diesen Worten stieß Matruzius die fürchterlichsten Drohungen aus; allein Augusta erklärte entschlossen, lieber den Tod leiden als Christus verleugnen zu wollen.
Jetzt ließ sie der Vater in ihr Zimmer einsperren und verbot, ihr Speise zu reichen. Augusta verharrte die ganze Nacht im Gebet und um nichts anderes bat sie, als um Ausdauer im Kampf und die Bekehrung ihres Vaters. Der Vater aber ließ sie nach drei Tagen zu sich kommen, zugleich versammelte er um sich die nächsten Blutsverwandten und die Edelsten seines Hofes, damit sie ihm helfen möchten, seine Tochter auf andere Gesinnungen zu bringen. In ihrer Gegenwart nun fragte er Augusta, ob sie sich entschlossen habe, den Aberglauben der Christen zu verlassen. Mutig antwortete sie: „Ich will meinem Jesus treu bleiben und weder durch Peinen noch Tod von ihm mich scheiden lassen, denn er ist mein Leben, meine Freude und meine Hoffnung.“ Da geriet der verblendete Vater in schreckliche Wut und befahl, dass man seiner Tochter die Zähne ausbreche. Sogleich machte sich ein Knecht ans Werk, und geduldig wie ein Lamm reichte Augusta ihren Mund dar, aus dem der Grausame mit Gewalt einen Zahn herausriss. Augusta blickte seufzend zum Himmel und ließ sich ohne Widerstand auch den zweiten Zahn herausbrechen. Da ergriff die Anwesenden großes Mitleid und sie baten den Fürsten, der Grausamkeit Einhalt zu tun. Doch umsonst; Matruzius befahl, in der Marter fortzufahren, und fragte dazwischen seine Tochter, ob sie nicht den Götzen opfern wolle? Allein Augusta gab mit blutendem Mund immer dieselbe Antwort: „Von meinem Gott weiche ich nicht: ausreißen magst du mir alle Zähne, ja auch die Eingeweide des Leibes; aber mein Herz kannst du nicht von Jesus trennen.“
Da Matruzius sah, dass er den Willen seiner Tochter nicht beugen könne, so ließ er sie in einen finsteren Kerker werfen, ihr Wasser und Brot vorsetzen mit der Mahnung, dass sie ihren Sinn ändern oder eine noch größere Marter ausstehen müsse. Augusta warf sich im Kerker auf die Knie nieder und flehte zu Gott um Kraft. Des Morgens fand sie sich wunderbar gestärkt und mit heiterem Angesicht trat sie vor den Vater, der sie wieder zum Abfall aufforderte. Allein Augusta stimmte einen Lobgesang zu Ehren der heiligsten Dreifaltigkeit an und bezeichnete sich mit dem heiligen Kreuz, als wollte sie sich zum Tod einsegnen. Nun befahl der unmenschliche Vater, man soll seine Tochter an zwei Bäume anhängen und unter ihr ein Feuer anzünden, damit sie im Rauch ersticke; allein ein heftiger Wind löschte das Feuer aus. Nun ließ Matruzius ein großes Rad, mit scharfen Messern und spitzen Stacheln bedeckt, herbeibringen. Entkleidet ließ er nun seine Tochter unter dieses schreckliche Rad legen, damit sie von ihm am ganzen Leib zerschnitten werde. Augusta schauderte zusammen, allein auf ihr Gebet stieg ein Engel nieder, der das Rad zertrümmerte und Augusta befreite. Da sprach die mutige Jungfrau zu den Anwesenden: „Seht ihr denn nicht die Kraft meines Gottes, der seinen Engel gesendet und mich aus der Pein errettet hat. So erkennt denn endlich die Falschheit eurer Götter und die Wahrheit meines Glaubens, damit ihr dem Verderben entrinnt.“ Aber Matruzius, vom Satan ganz besessen, hörte nicht auf die Worte seiner Tochter und ließ sie enthaupten, ihren Leib aber an einem verborgenen Ort begraben, wo ihn später die Christen fanden, auf einen Berg trugen und dort über ihm eine herrliche Kirche bauten. Gott verherrlichte seine heilige Dienerin mit großen Wundern.
Die heilige Augusta wird abgebildet in fürstlicher Kleidung, ein Rad neben sich, ein Schwert und die Palme in der Hand.
Die Kraft des heiligen Glaubens
Die heilige Augusta war nur kurze Zeit in den Lehren des Christentums unterrichtet worden und dennoch erlitt sie standhaft alle Martern und selbst den Tod für Jesus, von dem sie vorher gar nichts gehört hatte. Wer hat wohl dieses schwache Mädchen so standhaft gemacht, wer hat sie dahin gebracht, ihr junges Leben, dem alle Freuden der Welt geboten wurden, für Jesus, den Gekreuzigten hinzuopfern? Ich sage: Der Glaube! Bei der heiligen Taufe wurde ihr die kostbare Gabe des Glaubens eingegossen, da senkte der Glaube seine Wurzeln tief in ihr Herz. Im Licht dieses Glaubens erkannte sie hell und klar die Wahrheit, dass Jesus der wahre Sohn Gottes ist, dass in Jesus alle Schätze der Weisheit verborgen, alle Wonne und Freude zu finden sind, dass er allen, die an ihn glauben und ihn lieben, eine unaussprechliche Seligkeit ohne Ende verheißen hat. Das erkannte sie, das fühlte sie in ihrem Herzen und das verlieh ihr solche Kraft und solchen Mut, dass sie selbst aus der Hand ihres grausamen Vaters Marter und Tod hinnahm. Welch unbegreifliche Kraft muss also der Glaube verleihen, der den Menschen, der davon erfüllt ist, lehrt und ermutigt, alles, selbst das Leben hinzugeben, um eine Seligkeit zu gewinnen, die noch kein Auge gesehen, die nur versprochen ist.
Es muss hierin ein Geheimnis verborgen sein und so ist es auch. Der Glaube ist ein helles Licht, das von Gott selbst in den Sinn und in den Geist des Menschen, der ein aufrichtiges, gutes Herz hat, sich ergießt und ihm alle Lehren und Verheißungen Jesu so klar macht und ihn davon so fest überzeugt, dass er für ihre Wahrheit alles hinopfert. Und zugleich verleiht dem Menschen dieses Licht eine solche Kraft und Standhaftigkeit, dass ihn von der erkannten Wahrheit keine Gewalt, selbst der Tod nicht abbringt. Deshalb haben selbst Kinder und junge Frauen, die doch so furchtsam sind, in der Kraft dieses Glaubenslichtes freudig das Leben in grässlichen Martern hingegeben!
Frage dich nun, christliche Seele:
Habe ich auch einen solchen Glauben?
Fühle ich auch eine solche Kraft in mir?
Bin ich auch so fest von der Wahrheit meiner heiligen Religion überzeugt, dass ich dafür selbst sterben könnte?
Empfangen hast du dieses Glaubenslicht in der heiligen Taufe und bewahren musst du es durch ein frommes Leben, durch ein Leben im Glauben, durch Gebet und oftmaligen Empfang der heiligen Sakramente. Denn durch ein leichtsinniges, gottvergessenes, sündiges Leben löscht dieses Licht tatsächlich aus, und dann? Ein altes Wort dazu ist: Wehe dir dann! Wehe dir, wenn das Licht erloschen ist. Dann hast du nämlich den Schild verloren, von dem der heilige Apostel sagt, dass man damit alle feurigen Pfeile des Bösen auslöschen kann. Epheser 6, Vers 16: „Vor allem greift zum Schild des Glaubens! Mit ihm könnt ihr alle feurigen Geschosse des Bösen auslöschen.“
Bewahre also den heiligen Glauben wie einen sehr kostbaren Schatz! Denn hast du den Glauben tatsächlich verloren, dann musst du Ärmster wie ein Blinder in Nacht und Tod versinken!
Bete daher öfters mit den Jüngern des Herrn, so wie es in Lukas 17, Vers 5 nachzulesen ist: „Die Apostel baten den Herrn: Stärke unseren Glauben!“
1. Lass von dem Gerede ruchloser Gleisner und ausschweifender Lüstlinge dich nicht betören, die durch das süße Schlummerlied von einer unendlichen Barmherzigkeit, die keine Sünde ewig bestraft, sich selbst und andere in den furchtbarsten Todesschlaf lullen, denn schrecklich wird einst ihr Erwachen sein. Begib dich vielmehr oftmals im Geist an diesen Ort der Strafe. Betrachte die Stelle, die du daselbst verdienen und wo du nun wirklich in ewiger Verzweiflung wüten würdest, wenn Gott deiner sich nicht erbarmt hätte. Dieser Anblick lehre dich dankbar sein, vor der Sünde erschaudern und alle Trübsale des Lebens mit Geduld ertragen, die gegen das ewige Feuer gleich Schatten verschwinden.
2. Erwäge, zu wie unendlichen Danksagungen du gegenüber deinem Gott verpflichtet bist, dass er vor diesen ewigen Schrecknissen dich bewahrte. Befreite er einen jener Verworfenen aus diesen feurigen Kerkern seiner Gerechtigkeit: in welche Danksagungen würde sein Herz sich ergießen, in wie lebendige Lobgesänge würde er ausbrechen, wie innig würde er seinen Gott preisen, ja wie sehr auch würde er die Sünde verabscheuen, und wie strenge Buße würde er wirken. Weit inniger aber müssen deine Danksagungen sein, denn es ist fürwahr eine ohne Vergleich größere Wohltat, vor dieser schrecklichen Verdammnis zu bewahren, als von ihr zu befreien.
3. Unterlass an keinem Tag, der unendlichen Barmherzigkeit Gottes für diese so unaussprechliche Wohltat zu danken, und sei eifrig in seiner Liebe und in seinem Dienst. Hältst du seine heiligen Gebote getreu, dann darfst du allerdings auf seine unendliche Güte vertrauen, denn nimmer wird sie dann dich verlassen. Das wahre Vertrauen aber fasst beständige Wachsamkeit und heilige Furcht in sich, weil wir, so lange wir in diesem Leib der Sünde leben, keine vollkommene Sicherheit haben. Und dies auch war es, warum selbst die größten Heiligen zitterten. Flehe täglich aus inbrünstigem Herzen zum Herrn, vor der Sünde dich zu bewahren, die ein größeres Übel als selbst die Hölle ist, und die dahin führt, wo keine Erlösung ist in Ewigkeit. Offenbarung 2,10b: "Sei treu bis in den Tod; dann werde ich dir den Kranz des Lebens geben."
Lass mich dich loben, gleichwie dein Gott dich selbst lobte: Du bist ganz schön, Maria, und es ist keine Makel an dir. O reinste Taube, die du ganz heilig, ganz schön, die du immer eine Freundin deines Gottes gewesen bist: Blicke mit deinen barmherzigen Augen auf die schrecklichen Wunden meiner armen Seele. Blicke mich an, habe Mitleid mit mir und heile mich, Maria. O himmlischer Magnet der Herzen, ziehe auch mein elendes Herz zu dir. Maria, die du vom ersten Augenblick deines Lebens an ganz rein und schön vor den Augen deines Gottes erschienen bist, erbarme dich meiner, der ich nicht nur in der Sünde geboren, sondern sogar nach meiner Taufe meine Seele durch Sünden befleckt habe. Amen.
Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Rupert
Verleihe uns, o Gott, dass wir auf die Fürbitte des heiligen Bischofs Rupert unsere Herzen nie gegen Deine Stimme zu unserem Unglück verhärten, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
An diesem Tag wurde im Jahr 591 am ersten Ostertag auf Anordnung des heiligen Papstes Gregor, um die Pest von Rom abzuwenden, das Bildnis der seligsten Mutter Gottes, das der heilige Lukas gemalt hat, in einer feierlichen Prozession herumgetragen.
In Johannes Damaszenus mit dem Ehrennamen Chrysorrhoas (der „Goldströmende“, „Goldredende“) erstand der alten Kirche des Morgenlandes nochmals ein gewaltiger Geistesmann und Wortführer, während rings ein immer tieferer Verfall der geistigen und wissenschaftlichen Regsamkeit um sich griff. Er kam aus einer christlichen Familie in Damaskus, die inmitten der religiösen Verheerungen des siegreich vordringenden Islams treu den Glauben der Väter bewahrt hat. Der Vater Sergius stand im sarazenischen Staatsdienst und bekleidete ein hohes Steueramt, das sich später auf den Sohn vererbte. Er wünschte dem kleinen Johannes, der frühzeitig so ungewöhnlich reiche Geistesanlagen an den Tag legte, außer einer tiefen religiösen Herzensbildung auch eine höhere wissenschaftliche Ausbildung zu geben. Doch die äußeren Verhältnisse schienen diesem Wunsch große Schwierigkeiten entgegenzusetzen. Da führte ihm die Vorsehung wunderbarerweise einen geeigneten Mann zu. Unter den von Seeräubern gefangenen Christensklaven auf dem Markt von Damaskus befand sich nämlich auch ein Mönch aus Kalabrien, namens Kosmas, der in den weltlichen wie heiligen Wissenschaften gleich trefflich unterrichtet war. Sergius, der bereits so vielen Gefangenen die Freiheit verschaffte, kaufte auch ihn los. Da er auf seine reichen Kenntnisse aufmerksam wurde, nahm er ihn in sein Haus auf und vertraute ihm die Erziehung und den Unterricht seines Sohnes an. Welche Tugend- und Wissensfortschritte Johannes an der Hand seines Lehrers machte, davon sollte der ganze christliche Erdkreis Zeuge werden.
Nach des Vaters Heimgang und des Lehrers Weggang, der sich ins Kloster des heiligen Sabas bei Jerusalem zurückzog, riefen zunächst die verschiedenen Irrlehren den mutigen Streiter der christlichen Wahrheit und kirchlichen Rechtgläubigkeit auf den Plan. In Wort und Schrift schwingt jetzt der Damaszener die scharfe Geistesklinge gegen sie. Insbesondere aber taucht seine überragende Gestalt im sogenannten Bilderstreit auf. Der griechische Kaiser Leo der Isaurier hatte nämlich durch zwei Verordnungen „die Entfernung aller Bilder der Heiligen, Martyrer und Engel“ sowie die Vernichtung aller Bilder Christi und der Gottesmutter befohlen. Ein allgemeiner Bildersturm setzte infolgedessen durch die ganze griechische Kirche ein. Er rief überall große Aufregung in den Gemütern, in manchen Gegenden sogar förmlicher Aufruhr hervor. In Konstantinopel selbst war es der heilige Patriarch Germanus, der lieber abdanken als dem Befehl sich beugen wollte; im Abendland die Päpste Gregor II. und III., die trotz schwerster Bedrohungen und Anfeindungen den Bannfluch über die Bilderstürmer verhängten. Unter allen Gottesgelehrten aber wurde der heilige Johannes von Damaskus der unerschrockenste und unermüdlichste Vorkämpfer der kirchlichen Lehre von der Verehrung der Bilder Christi und der Heiligen. Mit Wort und Feder führte er gleich nachdrücklich und erfolgreich den Kampf gegen die ebenso verkehrte wie gewalttätige Irrlehre. Seine drei Verteidigungsschriften über die Bilderverehrung gehören zum Besten, was je darüber geschrieben wurde. Er unterscheidet hier scharf zwischen der Gott allein gebührenden „Anbetung“ und der auch dem heiligen Geschöpf zukommenden „Verehrung“. Alle und jede dem Bild erwiesene Ehre beziehe sich auf den durch das Bild Dargestellten. Auch den erzieherischen Wert der Bilder hob er hervor: sie vergegenwärtigen die Tatsachen der Erlösung und die Tugendbeispiele der Heiligen, sind Bücher für den des Lesens Unkundigen und Predigten für den frommen Beschauer.
Eine spätere, freilich unzuverlässige Legende weiß zu erzählen, der Kalif habe auf ein verleumderisches Schreiben Kaisers Leo hin dem Glaubensstreiter als Hochverräter die rechte Hand abhauen lassen, sie sei ihm aber auf sein Flehen vor dem Gnadenbild der heiligen Jungfrau bei Nacht wiederum wunderbar hergestellt worden.
Immer mehr hatte es den Heiligen aus dem Lärm der Großstadt und dem Getriebe der Welt in die Ruhe und den Frieden der klösterlichen Einsamkeit gezogen. Nach dem Jahr 730 setzte er das Vorhaben in die Tat um. Er verteilte sein ansehnliches Vermögen unter die Armen und Kirchen, wanderte in ärmlicher Kleidung mit seinem Halbbruder Kosmas nach Jerusalem und zog sich von da, seinem Lehrer folgend, ins nahe Kloster des heiligen Sabas zurück. Der Abt stellte ihn unter die Leitung eines älteren, seelenerfahrenen Mönches. Dieser schärfte dem Novizen als Grundbedingung des geistlichen Lebens vor allem die Abtötung der äußeren Sinne, insbesondere das Stillschweigen, ferner den Verzicht auf den Eigenwillen und die Übung der Armut im Geist ein. Um die beiden Grundpfeiler, auf welchen letztere beruhen, d.i. seinen Gehorsam und seine Demut zu prüfen, schickte ihn der Seelenleiter einmal nach Damaskus, um geflochtene Körbe zu verkaufen, und setzte noch dazu deren Preis so ungewöhnlich hoch an, dass er ihm den Unwillen und Schimpf der Einkäufer eintragen musste. Der demütige Mönch brachte willig das Opfer dieser Selbstverleugnung. Schweiß- und staubbedeckt schritt er mit den Körben auf dem Rücken unter dem Spott der Leute durch die Stadt, die so lang den Glanz seiner vornehmen Geburt, seiner hohen Stellung und seines wissenschaftlichen Rufes bewundert hatte. In seiner großen Demut und Selbstverachtung hielt er sich auch des Priesteramtes nicht würdig. Erst nach langem Widerstreben vermochte ihn der Patriarch von Jerusalem zu bewegen, sich die Priesterweihe geben zu lassen.
Nachdem seine Tugend, seine mönchische Entsagung so glänzende, ja heroische Proben bestanden hatten, durfte er mit Erlaubnis seiner Obern wiederum das fruchtbare Feld wissenschaftlicher und schriftstellerischer Tätigkeit bebauen, auf dem er sich so heimisch wusste. Die reifste Frucht und die berühmteste Schöpfung seines Geistes wurde nun unter seinen zahlreichen Werken die dreiteilige Schrift „Quelle der Erkenntnis“, worin er die geistigen Errungenschaften der christlichen Vorzeit, die Lehren der Konzilien und der bewährtesten griechischen Väter in einem gedrängten Gesamtbild zusammenschloss. Dieses Werk blieb durch mehr als ein Jahrtausend hindurch bis zum heutigen Tag das klassische Lehrbuch der Gottesgelehrsamkeit in der ganzen morgenländischen Kirche. Unsterblichen Ruhm erwarb er sich insbesondere auch als Dichter. Vor seinen religiösen Liedern mussten selbst die Gesänge des berühmten Liederdichters Romanus aus den gottesdienstlichen Büchern der griechischen Kirche weichen.
Der Heilige starb um das Jahr 749 und wurde nahe dem heiligen Sabas zu Grabe gebettet. Seine Verdienste bleiben nicht ohne Anerkennung von Seiten der dankbaren Nachwelt. Schon das 7. Allgemeine Konzil von Nikäa 787 ehrte sein Andenken und feierte ihn namentlich als den Hauptvorkämpfer der religiösen Bilderverehrung. Noch in jüngster Zeit aber würdigte Papst Leo XIII. seine wissenschaftlichen Verdienste um die ganze Kirche, indem er ihn im Jahr 1890 feierlich in die Zahl der Kirchenlehrer aufnahm.
Wissenschaft ohne Tugend bläht auf (1 Kor 8,1). Nur über dem Grund und im Bund tiefer, echter Tugend baut sie auf und wird zu einem überfließenden Strom des Segens zum Nutzen und zur Glaubensstärkung des einzelnen wie der Kirche.
1. Es ist eine der Grundwahrheiten des Christentums, dass es eine Hölle, nämlich einen Kerker der ewigen Gerechtigkeit, für Sünder gibt, die dies Leben verlassen, ohne sich von ihren Sünden abzukehren. Auf dieser Wahrheit ruht das ganze Werk der Erlösung wie auf seiner Grundfeste. Jesus starb am Kreuz, von diesem ewigen Tod alle zu erlösen, die an seiner göttlichen Erlösung Anteil nehmen wollen. Denn dass die Sünde, als eine Beleidigung der unendlichen Majestät, eine unendliche Strafe verdiente, die nur durch unendlichen Ersatz konnte aufgehoben werden, dies zeigt uns Kalvaria, wo wir die Gerechtigkeit Gottes und seine Barmherzigkeit im vollkommensten Einklang sehen.
2. Wie schrecklich dieser Ort der ewigen Strafe ist, lässt sich aus den Ausdrücken der Schrift ermessen, die ihn einen Feuerofen ohne Luft und Öffnung nennt, wo das Feuer ewig brennt; und die Unglückseligen, die der ewige Fluch traf, gleich feurigen Bränden glühen; den Flammen- und Schwefelteich des Zornes Gottes; die Kelter des göttlichen Grimmes; den Brunnen des Todes; den Ort der Qual und Finsternis, wohin in Ewigkeit kein Strahl des Lichtes dringt; ein Gefängnis, worin die Verdammten, in ewigen Ketten gefesselt, Tag und Nacht in rasender Verzweiflung heulen; ein Haus des bösen Geistes, worin er herrscht, und die Verworfenen als Schergen der göttlichen Gerechtigkeit peinigt! Ach, welch ein Haus, welch ein schrecklicher Aufenthalt.
3. Über alle Vorstellung sind diese Strafen der unendlichen Gerechtigkeit. Dennoch würden sie den größten Teil ihrer Bitterkeit verlieren, wenn den Verworfenen auch nur ein Funke Hoffnung leuchtete, dass sie einst ein Ende nähmen. Aber darin eben besteht die Verzweiflung, die sie ewig foltert, dass sie kein Ende nehmen. Ewig rasen sie gegen sich selbst: Ich, ich bin schuld an meiner Verdammnis. Ich könnte nun im Himmel sein, und bin in der Hölle. Nun erkennen sie Gott als den unendlichen Quell aller Glückseligkeit, hungern ewig vergeblich nach ihm, und hassen und verfluchen sich selbst und seine ewige Gerechtigkeit. "Besser ist es für dich, dass du . . .zum Leben eingehst, als dass du . . . in die Hölle geworfen wirst, wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt." (Markus 9,42-48)
Ewiges Wort, das Du vom Himmel auf die Erde herabgekommen, Mensch geworden und gestorben bist um der Menschen willen, und damit sie Dich lieben, wie ist es möglich, dass es unter den Menschen so wenige gibt, die Dich lieben? Unendliche Schönheit, liebenswürdiger, unendlicher Gott, der Du eine unendliche Liebe verdienst, siehe, auch ich bin einer von diesen Undankbaren, die Du so sehr geliebt hast, und die Deine Liebe nicht einmal gekannt haben. Ach, statt Dich zu lieben, habe ich Dich so oft beleidigt. Aber Du, mein Gott, Du bist Mensch geworden, Du bist gestorben, um den Sündern, die ihre Sünden verabscheuen und Dich lieben wollen, zu verzeihen. Siehe, mein Gott, es ist freilich war, dass ich ein Sünder bin, aber ich bereue die Beleidigungen, die ich Dir zugefügt habe. Ich will Dich lieben, erbarme Dich meiner. Amen.
Zu Gott
Um den kräftigen Sinn der Tugend bitten wir zu Dir, ewiger Vater, der in uns alles Irdische verzehrend, den stäten Aufschwung zu Dir uns erleichtert, damit wir immer weiter auf der Tugendbahn auch mitten in der Welt voranschreiten, und einst Deiner Anschauung würdig werden, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
Im Jahr 1128 wurden am heutigen Tag zu Soissons in der Abtei-Kirche der heiligen Maria, wovon am 22. März berichtet wurde, über hundert Personen von dem zu jenen Zeiten so gefährlichen Antonius-Feuer durch die Fürbitte der seligsten Jungfrau befreit. Dergleichen Wunderkuren sind in dieser Kirche ganz gewöhnlich.