Heiliger Franz von Sales, Bischof von Genf, Ordensstifter, Kirchenlehrer, Übertragung der Gebeine: 29.1., + 28.12.1622 – Fest: 24. Januar
Aus dem so reichen und tätigen Leben dieses Gottesmannes, der im Jahr 1567 von vornehmen Eltern geboren, fromm erzogen, im Alter von vierundzwanzig Jahren zum Priester geweiht, im Jahr 1602 zum Bischof von Genf konsekriert wurde und am 28. Dezember 1622 aus der Zeitlichkeit schied, kann und soll hier nur dasjenige ausgehoben werden, was zunächst auf die Andacht und Verehrung Bezug hat, die dieser Heilige der seligsten Jungfrau widmete. Die Lebensgeschichte selbst aber möge in einer Legende nachgelesen werde.
Franz von Sales kann in der Tat allen Marienverehrern als herrliches Muster und Vorbild dienen, denn von der Jugend bis zu seinem Lebensende war und blieb er Marien mit innigster Andacht und Liebe zugetan, worin er durch manche Lebensumstände noch mehr gekräftigt wurde.
Er befand sich der Studien wegen zu Paris und führte mitten in den Gefahren der Hauptstadt ein sehr gottseliges Leben. Aber ungefähr im siebzehnten Jahr seines Lebens verfiel er in einen Gemütszustand, dem auch sein junger, kräftiger Leib unterliegen zu müssen schien. Dichte Finsternis verbreitete sich in seiner Seele. An die Stelle des süßen Friedens trat eine gänzliche Trostlosigkeit. Diesen Zustand benützte noch überdies der Feind unseres Heils, ihm den martervollen Gedanken einzugeben, alles, was er für Gott tue, sei unnütz und sein ewiger Untergang schon entschieden und unvermeidlich. In seiner Lebensgeschichte wird erzählt, dass er in diesem qualvollen Zustand oft ausgerufen habe: „So soll ich denn, allerseligste Jungfrau, Mutter meines Gottes, Schönste aus allen Töchtern Jerusalems, so soll ich dich denn niemals dort im Himmel sehen.“
Endlich gefiel es Gott, ohne menschliche Beihilfe seinen Diener durch die mächtigste Trösterin der Betrübten, durch Maria, die er schon von Kindheit an so innig geliebt und der zu Ehren er bereits lebenslängliche Jungfräulichkeit gelobt hatte, den jungen Grafen von dieser schrecklichen Versuchung zu befreien. Er gab ihm den Gedanken ein, die nämliche Kirche zu besuchen, in der er das Gelübde der Keuschheit gemacht hatte. Der erste Gegenstand, der hier auf ihn Eindruck machte, war das Bild der Gebenedeiten. Dieser Anblick erneuerte in ihm das Vertrauen, das er immer auf ihre mächtige Fürbitte in seinem Herzen getragen wird. Er warf sich auf die Knie nieder, betete das bekannte Gebet des heiligen Bernardus: „Gedenke, o gütigste Jungfrau etc.“ und fügte, indem er das Gelübde der Keuschheit erneuerte, noch hinzu: „O meine Königin, sei du meine Fürsprecherin bei deinem Sohn, an den ich mich nicht zu wende wage. O meine Mutter, wenn ich denn so unglückselig sein sollte, in jener Welt meinen Heiland nicht lieben zu können, da ich doch erkenne, wie liebenswürdig er ist, so erlange mir die Gnade, dass ich ihn doch auf dieser Welt nach allen meinen Kräften liebe. Um diese Gnade bitte ich dich, und ich hoffe von deiner Güte ihre Gewährung.“
Sein Gebet fand Erhörung. Sein Herz war voll des süßesten Trostes, und mit dem inneren Frieden kehrte auch bald die Gesundheit des Körpers zurück, und seine Andacht zu Maria wuchs so sehr, dass er nicht müde wurde, sein ganzes Leben lang ihre Liebe und Barmherzigkeit in Gesprächen, Predigten und Schriften zu verkündigen.
Wenn er den Ketzern gegenüber die Lehren der Kirche verfocht, empfahl er sich stets der heiligen Jungfrau mit gänzlichem Vertrauen und mit den Worten, die die Kirche an sie richtet: „Du allein hast alle Ketzereien in der ganzen Welt vernichtet.“ Bei jeder Gelegenheit suchte er ihren Beistand und predigte allen dieses heilsame Vertrauen. „Alle meine Hilfe finde ich in dem allerheiligsten Sakrament und bei der Gottesmutter. „Ach, wie sehr fühle ich,“ fügte er hinzu, „welches Glück es ist, ein, wenn auch unwürdiges Kind einer so glorreichen Mutter zu sein. Lasst uns große Dinge unter ihrer Anrufung unternehmen, und wenn wir in der Liebe zu ihr zärtlich sind, wird sie uns alles erwirken, um was wir bitten.“
Als er eines Tages einen steilen Hügel, auf dem eine Kirche der heiligsten Jungfrau stand, mit so harter Mühe bestieg, dass ihm die Füße bluteten, wollten ihn seine Leute zurückhalten und bewegen, einen so schmerzlichen Gang aufzugeben. „Es ist war,“ entgegnete er ihnen, „dass ich sehr ermüdet bin. Allein wenn es für mich eine Beschämung ist, dass ich für den Dienst Gottes nicht genug an Mühsale gewöhnt bin, so ist es dagegen eine Freude für mich, im Dienst der Gottesmutter mein Blut vergossen zu haben.“ Die Hingabe dieses heiligen Bischofs für Maria war so groß, dass er in allen seinen Besprechungen darauf zu reden kam, wo sich ihm Gelegenheit bot.
Er predigte an allen ihren Festtagen, und die Inbrunst, die Lebendigkeit und die Fülle seiner Reden zeugten für seine inneren Gefühle. „Sie wissen,“ schrieb er an die heilige Chantal, „dass unsere glorreiche Königin mir stets einen besonderen Beistand leiht, wenn ich von ihrer göttlichen Mutterschaft rede. Ich flehe sie an, ihre Hand in die kostbare Seite ihres Sohnes zu legen, um daraus seine teuersten Gnaden zu schöpfen und sie uns in Fülle zu geben.“
Seine zärtliche Verehrung für Maria flößte ihm den Gedanken ein, dieser himmlischen Mutter seine Abhandlung von der Liebe zu Gott zu widmen, und man kann diese Widmung nicht lesen, ohne die heilige Glut seines Herzens für sie zu bewundern. „Heiligste Gottesmutter,“ redete er sie an, „liebenswürdigstes, liebevollstes und geliebtestes aller Geschöpfe, zu deinen Füßen auf mein Angesicht hingestreckt, widme und weihe ich dieses kleine Werk der Liebe der unermesslichen Hoheit deiner himmlischen Liebe. O Jesus, wem könnte ich die Werke deiner Liebe besser widmen, als dem liebenswürdigsten Herzen der Geliebten deiner Seele?“
Der Tag der unbefleckten Empfängnis Mariä war ein werter Tag für seine zarte Frömmigkeit. Obschon er mit der Leitung eines großen Bistums belastet, mit vielen Predigten beschäftigt, in der Führung der Seelen stets in Anspruch genommen war, und nebst dem noch die Kirche mit vielen Schriften bereicherte, unterließ er doch nie, täglich den heiligen Rosenkranz zu beten. Eines Tages, da er durch die vielen Geschäfte bis in die späte Nacht daran verhindert worden war, und sein Hausgeistlicher meinte, er könne ja, da er der Ruhe so sehr bedürfe, den Rosenkranz für den nächsten Tag versparen, entgegnete der heilige Bischof: „Mein Grundsatz ist, nie auf den künftigen Tag zu verlegen, was heute noch geschehen kann.“ Und er vollendete seinen Rosenkranz mit der gewöhnlichen Andacht.
Gebet der Kirche
O Gott, du wolltest zum Heil der Seelen deinen heiligen Bekenner und Bischof Franziskus allen alles werden lassen: verleihe gnädig, dass wir von der Süßigkeit deiner Liebe erfüllt und durch seine Lehren, Fürbitte und Verdienste geleitet und unterstützt, die ewigen Freuden erlangen mögen. Amen.
1. Bete die wunderbaren Ratschlüsse Gottes in Demut und heiliger Freude an, denn göttlich und unergründlich sind sie, wie der Allerhöchste selbst. Mit hohem Erstaunen ruft der Seher aus: "Was ist der Mensch, dass du ihn groß achtest? Oder warum setzt du dein Herz an ihn?" (Ijob 7,17) Denn so hoch achtete Gott den Menschen, dass er, aus der Tiefe ihn zu erheben, in die er gefallen war, selbst in diese Tiefe stieg, "Knechtsgestalt annahm", schwach, leidend war, und dem Tod sich unterwarf. Und weil er nur dadurch uns erheben, bereichern und verherrlichen konnte, dass "er selbst sich erniedrigte, erschöpfte" und der tiefsten Schmach preisgab, scheute die allerhöchste Majestät selbst diesen tiefsten Abgrund der Erniedrigungen nicht. Psalm 40,6a: "Zahlreich sind die Wunder, die du getan hast, und deine Pläne mit uns; Herr, mein Gott, nichts kommt dir gleich."
2. Durch die Aufnahme der menschlichen Natur in die Einheit seiner Person wurde die Menschheit unendlich verherrlicht, und bis zu Gott selbst erhoben. 1. Korinther 2,7: "Vielmehr verkündigen wir", spricht der Apostel, "das Geheimnis der verborgenen Weisheit Gottes, die Gott vor allen Zeiten vorausbestimmt hat zu unserer Verherrlichung." Wurde aber auch diese allerhöchste Verherrlichung ganz eigentlich nur dem Wort mitgeteilt, das da Fleisch wurde, so erhielten dennoch wir alle Anteil daran, da, gleichwie wenn ein König sich herablässt, eine arme Tochter zur Gemahlin zu nehmen, alle ihre Verwandten dadurch erhöht, und Blutsverwandte des Königs werden. Deutlich sprach, nach seiner glorreichen Auferstehung, der Herr dies aus, als er seine Jünger seine Brüder nannte. (Johannes 20,17)
3. Beherzige diese wunderhohe Würde, zu der die unendliche Güte deines Gottes durch die Menschwerdung seines Eingeborenen dich erhoben hat. Diese Betrachtung erhebe deinen Sinn über alles Niedrige und Vergängliche. Sie rege dich mächtig an, vor allen Gedanken, Begierden und Werken zu erschaudern, die einer so wunderbaren Erhebung unwürdig sind. Und ziehe deine Gedanken immerdar zu der glorreichen Bestimmung an, die auf dich in den ewigen Höhen wartet. "Durch Christus wurden uns die kostbaren und überaus großen Verheißungen geschenkt, damit ihr der verderblichen Begierde, die in der Welt herrscht, entflieht und an der göttlichen Natur Anteil erhaltet." (2. Petrus 1,4)
Erbarmungsreiche Mittlerin Maria, führe du uns in allen unseren Wegen, rate du uns bei allen unseren Begegnungen und hilf du uns in allen Anliegen des Leibes und der Seele. Erwirb uns die Gnade, dass wir deinen Tugenden nachfolgen, alles Böse meiden, vor allen Feinden gesichert, stets die Pfade der göttlichen Gebote gehen, bis wir endlich zum Land der Lebendigen gelangen, wo wir in Gott, unserem Heiland mit dir und allen Auserwählten frohlocken in Ewigkeit. Amen.
Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Timotheus
O Gott, der Du den heiligen Timotheus für den Unterricht des Weltapostels so empfänglich gemacht hast, schenke uns auf seine Fürbitte hin, dass wir durch Aufmerksamkeit und Folgsamkeit gegenüber den Verkündigern Deiner Lehre Dir wohlgefällig werden, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Denkschrift auf dem Grab des heiligen Franz von Sales
"Wanderer! verweile bei diesem Grabe; bewundere, verehre und ahme nach das Beispiel dieses großen Mannes Franziskus von Sales, Fürsten und Bischof von Genf. Seinen allzu frühen Hingang aus diesem Tränentale in die allerherrlichste Welt Gottes beweinen hier seine geistlichen Söhne und Töchter. Verehre an dieser Ruhestätte die erblasste Hülle einer verklärten Seele, die der Kirche Leuchte, des Glaubens Säule, der Hirten Muster, ein Lehrer der wahren Gottseligkeit; die Liebe der Fürsten, der Trost seiner Herde, ein Vater der Armen; ein apostolischer Prediger, der Stifter einer Pflanzschule von Engeln in Menschengestalt; der Tugend liebenswürdiges Vorbild war. Erstaune über dieses größte Wunder der Gnade in unseren Tagen. Folge, wenn du aus der Zahl der Stillen im Lande bist, die das Heimweh nach des Vaters seligem Hause haben, dem Beispiel dieses verherrlichten Gerechten nach!"
Letztes Gebet des heiligen Franz von Sales während seines Todeskampfes
"Einziger, dreieiniger Gott! Alles, was ich durch Dein Erbarmen bin, opfere ich Dir. Mein Gedächtnis und meine Gedanken seien Dir geheiligt, ewiger Vater! Mein Verstand und meine Worte Dir, göttlicher Sohn! Mein Wille und meine Handlungen Dir, göttlicher Geist! Mein Herz, meinen Leib, meine Zunge und meine Sinne schenke ich Dir zum Opfer, heilige Menschheit meines Erlösers Jesus Christus, der aus Liebe meiner sich in den schmerzlichen Tod des Kreuzes hingegeben hat!"
Der heilige Timotheus,
Bischof und Martyrer, war der geliebte Schüler des heiligen Apostels Paulus. Ungeachtet seiner vielen Arbeiten, beschwerlichen Reisen und Schwächlichkeit trank Timotheus doch nur Wasser. Sein Lehrer aber ermahnte ihn in einem seiner ersten Briefe: "Trinke nicht mehr bloß Wasser, sondern genieße ein wenig Wein, wegen deiner häufigen Unpässlichkeit.
Alles ist sicher im Gehorsam, alles verdächtig außerhalb des Gehorsams. Daher ist es besser und verdienstlicher vor Gott, nach dem Rat und Willen des Beichtvaters essen und trinken, als eigenwillig fasten.
Prüfe dich, ob du nicht ohne Erlaubnis fastest, wachst, zu lange betest, oder sonstige Bußübungen verrichtest, es etwa machst wie ein Kranker, der ohne Wissen seines Arztes allerlei Mittel zur Heilung anwendet?
Bete um Gehorsam gegenüber dem Beichtvater.
Gehorsam ist das Beste,
Und was er tut, das Größte.
Der heilige Johannes,
der Almosengeber, wurde von einem Bettler beschimpft. Sein Diener wollte den Unverschämten strafen, Johannes aber sprach: "Sechzig Jahre habe ich Gott beleidigt durch meine Sünden, und sollte mich nun über diese geringe Störung ereifern?" - Der Bettler erhielt ein reichliches Almosen.
O wie ungerecht, wenn Sünder sich gegen Sünder erhebt, und wie schwach muss das Feuer der Liebe in unseren Herzen sein, wenn schon ein paar Tropfen, ein paar beleidigende Worte es auslöschen oder vermindern!
Prüfe dich, ob du nicht bei kleinen Beleidigungen deiner Verwandten, Freunde, Geschwister etc. kränkende, kurze oder gar keine Antworten gibst, jener Person oft Stunden, Tage lang unfreundlich begegnest, ausweichst, zu reden vermeidest?
Bete um christliches Ertragen der Beleidigungen.
Wirst du beleidigt, so vergib es gern -
Denn so gehorchest du dem Herrn.
Andenken an die seligste Jungfrau
An diesem Tag wurde zu Toledo in Spanien das Fest begangen, das der heilige Bischof Ildephonsus, der so eifrige Verteidiger der Jungfräulichkeit Mariä, im Jahr 657 eingesetzt hat, nämlich zum Gedächtnis der wundervollen Erscheinung der seligsten Jungfrau in der Domkirche zu Toledo, die ihm an Mariä Himmelfahrt zuteil geworden ist. Die zu Toledo wegen dieser Erscheinung an diesem Tag gebräuchlichen priesterlichen Tagzeiten sind von Papst Gregor XIII. gutgeheißen worden.
Man muss schon sagen, dass man dem heiligen Timotheus einen besseren Platz im Kalender kaum hätte geben können; denn morgen ist das Fest der Bekehrung des heiligen Paulus, und Paulus und Timotheus gehören fast so innig zueinander, wie Vater und Sohn miteinander verbunden sind.
Etwa um dieselbe Zeit, da der liebe Heiland im Heiligen Land lehrte, litt und starb, wurde Timotheus zu Lystra in Kleinasien geboren. Von seinem Vater ist bekannt, dass er ein Grieche und ein Heide war; die Mutter dagegen und die Großmutter lebten als gläubige Israeliten, die den kommenden Erlöser mit Sehnsucht erwarteten. In ihrem frommen sinn gab die Mutter dem Neugeborenen den Rufnamen Timotheus. Es ist ein schöner Name, denn auf Deutsch heißt Timotheus. „Hab Ehrfurcht vor Gott!“ Sooft also Timotheus mit seinem Namen gerufen wurde, lag in dem Ruf bereits die Aufforderung, dass der Gerufene Ehrfurcht vor Gott haben soll. Als Timotheus etwa fünfzehn Jahre zählte, kam der Völkerapostel Paulus auf seiner ersten Missionsreise nach Lystra, um dort das Evangelium zu verkünden. Es gab einen aufregenden Zwischenfall. Es war da nämlich ein Mann, dessen Beine von Geburt an schlaff und ohne Kraft waren, so dass er weder stehen noch gehen konnte. Der behinderte Mann wohnte der Predigt des Apostels bei, und als Paulus in seinen Augen las, dass er genügend Glauben an Christus hatte, um geheilt werden zu können, sprach er zu ihm mit lauter Stimme: „Stell dich aufrecht auf deine Füße!“ Da sprang der Mann auf und ging umher.
Die Wirkung dieses offensichtlichen Wunders war zwiespältig. Die Heiden in Lystra nämlich glaubten, dass ihr oberster Gott, Zeus genannt, in Paulus Menschengestalt angenommen habe, und gleich kamen sie mit Stieren und Kränzen, um ihm zu opfern. Der Apostel aber lachte darüber und legte ihnen noch einmal den christlichen Glauben klar auseinander.
Anders als die Heiden verhielten sich die Juden in Lystra und Umgebung, denn diese sahen in Paulus einen Abtrünnigen und steinigten ihn fast zu Tode. Daraufhin verließ der Völkerapostel die Stadt, nicht ohne dass er vorher eine kleine Christengemeinde gegründet hatte, und zu den Erstlingen im wahren Glauben zu Lystra gehörte mit Mutter und Großmutter auch Timotheus. Der heilige Paulus hat damals den Fünfzehnjährigen getauft, ohne ihn vorerst weiter zu beachten.
Etwa sechs oder sieben Jahre später kam der Apostel auf einer neuen Missionsreise zum zweiten Mal nach Lystra, und weil er bei dieser Gelegenheit von dem Vorstand der christlichen Gemeinde nur Gutes über Timotheus hörte, beschloss er, den jungen Mann als Reisebegleiter und Gehilfen bei der Predigt des Evangeliums mitzunehmen. Es war für Timotheus sicherlich eine hohe Auszeichnung, dass er von dem größten Mann seiner Zeit zum Lebensgefährten auserlesen wurde. Dass aber die folgenden Reisen alles andere als ein Vergnügen waren, zeigt die Legende am Festtag des heiligen Paulus.
Glänzend hat sich der junge Timotheus bei den Drangsalen bewährt, und Paulus steht nicht an, dem Mitarbeiter im Weinberg des Herrn ein gutes Zeugnis auszustellen. Dieses Zeugnis zeigt die heutige Lesung, wo es heißt, dass Timotheus vor vielen Zeugen ein herrliches Bekenntnis für die Wahrheit abgelegt hat, das jenem Zeugnis ähnlich ist, welches Jesus Christus vor Pilatus ablegte. Welch ein Lob aus dem Mund des großen Paulus!
Ein inniges Vertrauen verband die beiden Männer, und die Liebe zu Christus, ihrem Herrn und Meister, fesselte sie auch dann noch aneinander, als ihre Wege sich trennten. Paulus ernannte nämlich seinen Lieblingsschüler zum Bischof von Ephesus in Kleinasien, während er selbst nach Rom zog, und von Rom aus schrieb Paulus mehrfach an den unvergesslichen Freund in der Ferne. Zwei von diesen Paulusbriefen stehen heute noch in der Heiligen Schrift des Neuen Testamentes, wo man sie gelegentlich einmal nachlesen möge. Es erübrigt sich, zu bemerken, dass Timotheus den Martertod für Christus erlitt.
1. Die Kirche Gottes feiert die Vermählung Mariä durch ein eigenes Fest, weil in diesem großen Geheimnis die Weisheit Gottes auf wunderbare Weise sich zeigte. Die glorreiche Jungfrau, die nach Gottes ewigem Ratschluss erkoren war, den Sohn Gottes zu gebären, empfing schon im ersten Augenblick ihres Bewusstseins die Gnade, die sie zu dieser so hocherhabenen Würde vorbereitete. Und diese Gnade nahm, so wie das Licht des Heiligen Geistes, fortwährend in ihr zu, da sie ihr kein Hindernis durch die geringste Sünde setzte. In diesem göttlichen Licht erkannte sie die höchste Tugend des Evangeliums, die Tugend der Jungfräulichkeit, und weihte, die Erste und Einzige im Alten Bund, dem Allerhöchsten noch in ihren kindlichen Tagen sich als ewige Jungfrau.
2. Da sie jedoch aus dem Hause David abstammte, und der Messias um diese Zeit allgemein erwartet wurde, konnte ihr Verlangen ihr nicht gewährt werden, dem Herrn in seinem Tempel ewig als Jungfrau zu dienen. Sie musste dem Gesetz sich unterwerfen und mit einem Mann aus dem genannten Haus sich vermählen lassen. Gottes ewige Vorsehung aber hatte dazu den gerechtesten und heiligsten Mann aus Israel erwählt, der, nach dem allgemeinen Glauben der Kirche, gleich ihr dies Gelübde der Keuschheit abgelegt hatte. Durch diese Vermählung war die jungfräuliche Geburt Mariä beschützt, und das hochheilige Geheimnis der Menschwerdung Gottes unheiligen Augen verborgen.
3. Betrachte diese wunderbare Jungfrau, die die heilige Reinheit über alles liebte, und dennoch im festen Vertrauen, dass der Allerhöchste das heilige Gelübde, das er selbst ihr eingeflößt hatte, auch beschützen werde, denjenigen gehorchte, die über ihre Zukunft zu verfügen hatten. Wie wunderbar aber belohnte der Herr ihr Vertrauen und ihren Gehorsam. Sie war die Jungfrau, von der der Seher Gottes geweissagt hatte: "Siehe, eine Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären; und sie werden seinen Namen Emmanuel nennen, das ist: Gott mit uns." Dies aber geschah unter dem Schutz dieser heiligen Vermählung. Lerne von ihr, Gottes Fügungen demütig dich unterwerfen, und du wirst die Wunder seiner Vorsehung erfahren. Lukas 1,38: "Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast."
Gleichwie das Kind dem Schoß der Mutter zueilt, so fliehe ich zu dir in allen meinen Nöten, o Mutter der Liebe. Und wie jede Mutter eher alles vergessen konnte als ihr Kind, so verstößt auch du niemanden, der vertrauensvoll und kindlich ergeben an dich sich wendet. Du Trösterin der Bedrängten. Auch ich fliehe in deinen Schoß. Schütze mich vor den Nachstellungen des bösen Feindes. Erleichtere mir den Sieg bei den Versuchungen und hilf mir in allen Stücken zu gutem Ausgang. Amen.
Zu Gott
Wir bitten Dich, o Herr, erteile Deinen Dienern die Gnade vom Himmel, dass, gleichwie die Geburt der seligsten Jungfrau der Anfang zu unserem Heil gewesen ist, die andächtige Feier ihrer Vermählung den Frieden in uns vermehren möge, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Zum heiligen Patriarchen Johannes
Heiliger Johannes, flöße mir deine Liebe und dein Erbarmen zu den Dürftigen ins Herz ein, auf dass ich alle Zeit liebevoll und freigebig entweder mit leiblicher Hilfe oder mit Fürbitten, mit gutem Rat oder auf was immer für eine Weise allen denjenigen beistehe, denen ich nach dem Willen Gottes helfen kann und soll, damit, wenn ich sterbe, Gott auch mir ein "Vater des Erbarmens" ist, und ich unter allen Barmherzigen selig werden und ewige Barmherzigkeit erlangen möge.
Zu Gott auf die Fürbitte der heiligen Emerentiana
Wir bitten Dich, o Herr, vermehre auf die Fürbitte deiner heiligen Jungfrau und Martyrin Emerentiana unseren Glauben und gib uns eine Liebe, die stark ist, wie der Tod, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Der heilige Meinrad,
Einsiedler. Da er gerade die heilige Messe las, wurde ihm sein naher Tod geoffenbart. Die schwache Natur bebte anfangs zurück, der Geist aber erhob sich voll Inbrunst zu Gott, und betete um Kraft, und siehe, da er vom Gebet aufstand, war alle Zagheit gewichen.
So wie die Erde durch den Pflug fruchtbar gemacht wird, so erlangen wir Gnade von Gott mittels des Gebetes, nach dem Ausspruch Jesu: "Bittet und es wird euch gegeben werden."
Prüfe dich, ob du solches Vertrauen in das Gebet setzt und es auch an den Tag legst, wenn du innerlich versucht, bedrängt und in Angst bist, Unruhe und Sorge wegen kommender Dinge hast, oder äußerlich verfolgt, verlassen, bedroht bist? - Und wenn du auch gleich nicht recht beten kannst, halte aus, du wirst gewiss noch wie Meinrad die Kraft des Gebetes erfahren.
Bete um die Gabe des Gebetes.
Des Betens große Kraft und Segen
Begleite dich auf allen deinen Wegen.
Der heilige Raymund von Pennafort
gab sich besonders viel Mühe, die Sünder durch das heilige Bußsakrament mit Gott zu versöhnen, und schrieb deshalb ein eigenes Buch zum Unterricht für Beichtväter, worin er seine Erfahrungen zum Heil der Sünder hinterließ.
Reinige wenn möglich alle 8 Tage dein Herz durch das heilige Sakrament der Buße, so wie ja auch ein gewissenhafter Hausvater am Ende der Woche seine Rechnung abschließt, alles bezahlt und in Ordnung zu bringen versucht.
Prüfe dich, wie oft du mit Zustimmung deines Beichtvaters zur heiligen Beichte gehst, wobei du nicht allein Nachlass der Sünden, sondern auch immer neues Licht, dich selbst recht zu kennen, große Kraft und Gnade zur Besserung erhältst.
Bete um Gnade zum öfteren Empfang der heiligen Beicht.
Geh zur Beicht, bekenn die Sünden,
Bess're dich, dann wirst du Gnade finden.
Die heilige Emerentiana,
Martyrin, eine römische Jungfrau, kniete soeben in stiller Andacht am Grab der heiligen Agnes, als sich die Götzendiener näherten, und sie mit Steinen zu Tode warfen.
Wir werden sterben, aber wann, - wo, wie? - Werden wir noch Zeit und Gelegenheit haben zu beichten, unser Gewissen in Ordnung zu bringen? - Wird uns der Tod auch in solch geistiger Gemeinschaft mit den Heiligen, wie Emerentia am Grab der heiligen Agnes treffen?
Prüfe dich, wie es in dieser Stunde mit deinem Gewissen steht? - Wie nützlich ist der Gebrauch, sich monatlich einen Tag auszuwählen, wo man recht ernsthaft über sich selbst und die Mittel zur Besserung nachdenkt, und z.B. die heilige Beichte, Kommunion und alles so verrichtet, als wenn dies der letzte Tag des Lebens wäre.
Bete um diese nähere Vorbereitung zum Tod.
Sei stets bereit zum Tod!
Er ist die letzte Not,
Übst du dich im Sterben,
Dann wirst du das Leben erben.
Andenken an die seligste Jungfrau
Das Fest der Vermählung der seligsten Jungfrau mit dem heiligen Joseph wurde am heutigen Tag nach der römischen Kirchenordnung gehalten. In verschiedenen besonderen Kirchen wurde es an anderen Tagen begangen.
Nun folgt die anmutige Legende, die niemand lesen oder hören wird, ohne durch sie zur herzlichen Liebe gegenüber dem Nächsten entflammt zu werden.
Johannes, genannt der Almosengeber, ein Patriarch zu Alexandria, verharrte einst in der Nacht im Gebet. Da sah er eine wunderbare Jungfrau neben sich stehen, die eine Olivenkrone auf dem Haupt trug. Johannes verwunderte sich sehr über ihre Lieblichkeit und Anmut. Er wagte auch zu fragen, wer sie sei. Sie sprach: „Ich bin die Barmherzigkeit, die den Sohn Gottes vom Himmel heruntergezogen hat. Wähle mich zu deiner Braut! Es soll dich nicht gereuen.“ Von der Stunde an war der fromme Bischof so barmherzig, dass er daher den Namen des Almosengebers erhielt.
Johannes pflegte die Armen nicht anders zu nennen, als: „meine Herren“. „Geht“, sprach er zu seinen Dienern, „und schreibt mir meine Herren auf in der ganzen Stadt, und seht wohl zu, dass ihr niemanden überseht.“ Als diese ihn mit großen Augen ansahen, nicht wissend, wen er meine, sprach er: „Die ihr Dürftige und Bettler nennt, die nenne ich meine Herren und Helfer, denn sie sind die rechten Helfer, und vermögen uns das Himmelreich zu verschaffen.“
Wenn Johannes Freunde ihm Vorhaltungen machten über seine unbeschränkte Mildtätigkeit, pflegte er ihnen die Historie des Schatzmeisters Petrus zu erzählen.
Es war einmal ein kaiserlicher Schatzmeister, namens Petrus. Derselbe war über die Maßen reich und begütert, dabei aber so unbarmherzig, dass er die Armen, die vor seine Tür kamen, mit Schmähungen und Schlägen forttrieb. Als nun die Armen einst, an der Sonne sitzend, von den Häusern sprachen, aus denen sie Almosen zu empfangen pflegten, und niemand vorhanden war, der sich hätte rühmen können, vor des Schatzmeisters Petrus Tür jemals eine Gabe empfangen zu haben, sprach einer von ihnen: „Was gebt ihr mir, wenn ich noch heute ein Almosen aus des Petrus eigenen Hände empfange?“ Sie wurden einig um ein paar Pfennige, worauf der Arme alsbald in die Stadt ging, und vor die Tür des Petrus trat. Als der Schatzmeister nach Hause kam, und einen Bettler an der Tür stehen sah, wurde er wütend und sah sich auch sogleich nach einem Stein um, womit er ihn werfen könne. Es war jedoch kein Stein vorhanden. Dagegen kam eben einer seiner Sklaven gegangen mit einem Korb voll schwarzer Brote, die er soeben vom Bäcker geholt hatte. Außer sich vor Zorn, ergriff der Schatzmeister eins dieser Brote, um es dem Bettler an den Kopf zu werfen. Der Arme fing das Brot auf, und eilte freudig zu seinen Gefährten zurück, und sagte: „Seht die Gabe, die ich aus des Geizigen eigenen Händen empfangen habe!“ Zwei Tage danach wurde der Schatzmeister todkrank. Es kam ihm vor, er stehe vor Gottes Gericht, und seine guten und bösen Taten würden auf der Waagschale gegeneinander abgewogen. Auf der einen Seite standen einige grässliche Männer, die seine Sünden in die eine Schale häuften; auf der anderen standen Männer in weißen Kleidern, die sehr traurig waren, dass sie in die andere Schale nichts dagegen zu legen hätten. Endlich sprach der eine: „Wir haben wenigstens das Gerstenbrot, das er, obgleich im Zorn, dem Armen vorgestern gegeben hat.“ Als es in die Schale gelegt wurde, stand das Zünglein. Die Männer aber sprachen zu Petrus: „Lass dies nicht das einzige bleiben, du dürftest sonst den grässlichen Männern überantwortet werden!“ Als Petrus aus dem schweren Traum erwachte, war er ein anderer Mensch geworden. „Ei,“ rief er aus, „wenn ein einziges Gerstenbrot, hingeworfen noch dazu in böser Absicht, so viel vermag, welcher Lohn wird nicht dem zuteilwerden, der all das Seine den Armen gibt?“
Als nun der Schatzmeister wieder genesen war, ging er einst im Hafen spazieren, mit sehr herrlichen Kleidern angetan. Ein Schiffbrüchiger trat zu ihm, und bat um Kleidung. Augenblicklich zog der Schatzmeister sein sehr kostbares Kleid aus, und gab es dem Bettler, der sofort in die Stadt lief, und es dem Trödler verkaufte. Als nun der Schatzmeister auf dem Heimweg sein Kleid in dem Trödelgeschäft hängen sah, betrübte er sich sehr darüber, dass der Arme ihn nicht würdig geachtet hätte, sein Gewand zu tragen, vermochte auch vor Traurigkeit am Abend nicht zu essen. Des nachts aber, als er auf seinem Bett lag und schlief, erschien ihm Unser Herr, glänzender als die Sonne, ein Kreuz in Händen tragend und angetan mit demselben Gewand, das er dem Bettler gegeben hatte. „Petrus,“ sprach der Herr, „warum weinst du?“ „Herr,“ erwiderte er, „ich habe einem Armen mein Kleid gegeben; er aber hat die Gabe verschmäht.“ Der Herr sprach: „Siehe her, Petrus! Kennst du dieses Kleid?“ „Wie sollte ich nicht?“ antwortete Petrus. Da sprach der Herr: „Ich bin derjenige, den du mit diesem Gewand bekleidet hast. Ich danke dir für deinen guten Willen. Ich habe Frost gelitten, und du hast meine Blöße bedeckt.“ Als Petrus aus diesem Traum erwachte, pries er die Armen selig, und rief: „So wahr der Herr lebt, ich will nicht sterben, ich werde denn, wie ihrer einer!“ Am Morgen stand er auf, und verteilte alle seine Habe unter die Armen. Dann rief er seinen Schaffner, und sprach zu ihm: „Ich will dir ein Geheimnis anvertrauen. Wofern du es aber irgendjemanden erzählst, oder dich weigerst, mir zu folgen, so will ich dich an die Barbaren verkaufen. Hierauf gab er ihm zehn Pfund Gold. „Geh hin,“ sprach er, „in die heilige Stadt und kaufe dir Waren dafür, mich aber verkaufe einem Christen, und gib das Geld, was du für mich bekommen wirst, den Armen.“ Der Schaffner dachte, sein Herr habe den Verstand verloren, und weigerte sich, ihm zu gehorchen. Petrus aber sprach zu ihm: „Bedenke, was ich gelobt habe; entweder verkaufe mich, oder ich verkaufe dich den Ungläubigen.“ Also führte der Schaffner ihn zu einem Silberhändler, verkaufte ihm seinen Herrn, als wäre er einer seiner Sklaven, und gab die dreißig Silberlinge, die er für ihn empfing, den Armen. Petrus aber ertrug die Dienstbarkeit mit großer Geduld, verrichtete die niedrigsten Dienste im Haus, beklagte sich auch nicht im Geringsten, wenn das übrige Gesinde ihn neckte, schlug und als einen Blödsinnigen behandelte. Auch erschien ihm der Herr Jesus Christus des Öfteren, tröstete und stärkte ihn, indem er ihn auf die Silberlinge hinwies, um die er ihm zu Liebe sich hatte verkaufen lassen. Zu Konstantinopel war indes allgemeine Verwunderung über das plötzliche Verschwinden eines so angesehenen Mannes. Der Kaiser, der nie einen besseren Schatzmeister gehabt hatte, gab sich viel Mühe, ihn wieder aufzufinden, konnte aber nicht die geringste Kenntnis von ihm erlangen. Nach langer Zeit begab es sich, dass einige Herren der Hauptstadt in das Gelobte Land reisten, ihrer Andacht zu pflegen. Als diese zufälliger Weise von dem Herrn des Petrus zu Tisch geladen wurden, und Petrus gerade bei Tisch aufwartete, wurden die Fremden aufmerksam auf ihn, und einer sprach zum anderen: „Wie ähnlich sieht dieser Diener dem Schatzmeister Petrus!“ Sie beobachteten ihn genauer, und wurden überzeugt, dass er es selbst ist. „Ich will aufstehen,“ sprach der eine, „und ihn festhalten.“ Mittlerweile aber war Petrus fortgeschlichen, um zu entfliehen. Die Tür war verschlossen. „Macht eilig auf“, sprach Petrus zu dem Türhüter, der aber taub und stumm war, und sonst nur durch Winke verstanden werden konnte. „Recht gern“, sprach der, schloss auf, und ließ den Heiligen hinaus. Dann eilte er in den Saal, und während alle sich seiner Rede verwunderten, sprach er: „Der Knecht, der in der Küche diente, ist entflohen. Seht aber wohl zu, ob es nicht ein Knecht Gottes ist. Denn, indem er zu mir sprach: Mach eilig auf! Fuhr eine Flamme aus seinem Mund. Die Flamme berührte meine Zunge und meine Ohren, und auf der Stelle wurde mir Gehör und Sprache verliehen.“ Als das die Speisenden hörten, standen sie sämtlich auf, um dem Entflohenen nachzueilen; er aber war nicht mehr zu finden.
Auch des heiligen Bischofs Serapion gedachte Johannes, wenn er seinen Zuhörern die Almosen empfehlen wollte. „Serapion“, sprach er, „hatte einst auf einem Spaziergang einem Dürftigen sein Oberkleid gegeben. Als ihn bald darauf ein anderer Armer in den weg trat, der vor Frost zitterte, zog er auch seinen Leibrock aus, und gab ihm diesen. Er selbst aber blieb, das Evangelium in den Händen haltend, bloß am Weg sitzen. Es kam bald jemand, der ihn fragte: „Vater, wer hat euch denn so heftig ausgezogen?“ „Dieser hier“, sprach er, und zeigte ihm das Evangelienbuch. Als aber dieser Serapion ein andermal von einem Dürftigen angesprochen wurde, und bereits alles weggegeben hatte, was er um und an hatte, verkaufte er selbst das Evangelienbuch, und gab das Geld dem Armen. Als er nun zur Kirche gerufen wurde, und der Diakon ihn fragte, wo sein Evangelienbuch sei, sprach er: „Das Evangelium sagt: Verkaufe alles, was du hast, und gib es den Armen. Da ich nun weiter nichts hatte als das Evangelium, so verkaufte ich es, und tat mit dem Geld, wie es befiehlt.“
Mit diesen und ähnlichen schönen Beispielen pflegte der gütige Patriarch seine Zuhörer zur Mildtätigkeit zu ermuntern, jedoch noch kräftiger durch sein eigenes Beispiel.
Als einst ein Bettler vor seine Tür kam, und ihn um eine Gabe ansprach, befahl der dem Schaffner, ihm sechs Silberlinge zu geben; der Arme empfing sie und ging. Nicht lange danach kam derselbe Bettler in veränderter Kleidung wieder, und bat aufs Neue um eine Gabe. Johannes befahl dem Schaffner, ihm sechs Gulden zu geben. Der Bettler erhielt sie und ging. Der Schaffner aber sprach zu Johannes: „Lieber Herr, bei dem Gott, den ihr anbetet, dieser Bettler war derselbe, der vorhin sechs Silberlinge empfing. Nur hatte er andere Kleider angezogen, um uns zu betrügen.“ Der Bischof tat, als ob er dies nicht glaube. Gleich darauf kam derselbe Bettler, und abermals in veränderter Kleidung wieder, und bat zum dritten Mal um eine Gabe. Der Schaffner winkte dem Bischof, und zupfte ihn am Mantel, um ihm zu verstehen zu geben, es sei wieder der vorige. Johannes aber sprach zu ihm: „Gib ihm zwölf Silberlinge. Wer weiß, es möchte Unser Lieber Herr selber sein, der auf diese Weise versuchen will, wer von uns beiden es am längsten aushielte, er mit Fordern, oder ich mit Geben.“
Ein reicher Einwohner der Stadt sah den frommen Erzbischof einst auf der Straße in sehr schlechter Kleidung umhergehen, indem er die besseren alle den Dürftigen gegeben hatte. Es tat ihm leid, er kaufte einen sehr kostbaren Anzug, und schenkte den dem Bischof. Als Johannes sich des abends niederlegte, deckte er sich mit diesem Anzug sich zu, konnte aber dafür die ganze Nacht nicht schlafen. Unablässig dachte er daran, dass wohl dreihundert seiner Herren für den Wert dieses Stoffes hätten gekleidet werden können. Die ganze Nacht hindurch jammerte er und sprach: „Wie viele sind diesen Abend schlafen gegangen, hungrig, vom Regen durchnässt, von Frost schaudernd und zähneklappernd. Du aber, nachdem du eine Anzahl großer Fische verschlungen hast, streckst dich auf weichen Polstern, und erwärmst dich mit einem Kleid, das wohl vierzig Silberlinge wert ist? Ziemt das dem Johannes, der gern für so demütig gelten möchte?“ Sobald der Tag anbrach, ließ er den Stoff verkaufen, und das Geld den Armen geben. Als der Reiche das vernahm, kaufte er den Stoff wieder, und schickte ihn dem Erzbischof noch einmal, mit der Bitte, ihn doch für diesmal zu behalten. Allein Johannes hatte ihn kaum empfangen, als er ihn aufs Neue verkaufte. Der Reiche kaufte ihn zum dritten Mal, schickte ihn auch diesmal dem Bischof zurück, und ließ ihm sagen: „Wir wollen doch sehen, wer von uns beiden des Verschenkens zuerst überdrüssig wird, du oder ich!“
Als Johannes einst einen Bettler, der ihn um ein Almosen ansprach, fünf Pfennige reichen ließ, erzürnte sich der Bettler über die Geringfügigkeit der Gabe, schalt und schimpfte auf den Bischof. Der Diener wollte über den Unverschämten herfallen, und ihn tüchtig verprügeln. Der fromme Johannes aber verbot es ihm, sagend: „Sechzig Jahre lang habe ich meinen Herrn gelästert durch meine Sünden, und sollte mich ereifern über ein schmähendes Wort meines Mitknechtes?“ Hierauf ließ er den Beutel bringen, stellte ihn dem Bettler zu, und hieß ihn so viel herausnehmen, als er wollte.
Mehr als einmal hat man im Feuer des Gebetes den frommen Bischof ausrufen hören: „So recht, gütiger Jesus, so recht! Ermüde du nur nicht mir zu geben, ich meines Teils will für das Austeilen schon sorgen.“
Einst war der Kirche eine beträchtliche Summe Geldes eingegangen. Der Schatzmeister wollte sie auf Zins anlegen. Der Erzbischof aber behauptete, man könnte das Geld nicht vorteilhafter unterbringen, als wenn man es den Armen gäbe. Da nun jeder auf seiner Meinung bestand, gerieten sie hart aneinander, und schieden im Zorn. Als es aber um die elfte Stunde kam, schickte der Erzbischof seinen Archipresbyter zum Patrizier, und ließ ihm sagen: „Herr, die Sonne will untergehen.“ Der Patrizier brach in Tränen aus, eilte zu dem Erzbischof, und bat um Vergebung.
Ein Neffe des Bischofs war von einem Schenkwirt der Stadt gröblich beleidigt worden. Darüber beklagte sich der Jüngling bei dem Bischof, schmähte und jammerte, und war auf keinerlei Weise zufrieden zu stellen. Endlich sprach Johannes: „Wie hat doch ein Mensch wie dieser sich unterfangen können, gegen des Erzbischofs Schwester Sohn das Maul aufzutun! Glaube mir, lieber Neffe, ich will noch heute ein Ding an ihm tun, dass ganz Alexandrien sich darüber verwundern soll.“ Der Jüngling, der glaubte, er werde seinem Feind den Staubbesen geben lassen, beruhigte sich nunmehr. Als Johannes das merkte, fasste er ihn in seine Arme und sprach: „Lieber Sohn, willst du in der Tat und Wahrheit für den Neffen meiner Wenigkeit gelten, so halte dich bereit, Schmähungen und Schläge geduldig hinzunehmen. Eine echte Verwandtschaft wird nicht sowohl durch das Geblüt bewährt, als durch die Ähnlichkeit der Gesinnung.“ Hierauf ließ er den Schenkwirt kommen, und befreite ihn von allen Abgaben und Steuern, worüber sich dann freilich ganz Alexandrien nicht wenig wunderte.
Es hatte das Volk sich angewöhnt, nach verlesenem Evangelium aus der Kirche zu laufen, und draußen allerlei müßiges Geschwätz zu führen. Eines Tages ging der Erzbischof nach verlesenem Evangelium zugleich mit den anderen hinaus, und setzte sich mitten unter ihnen nieder. Als sie sich hierüber verwunderten, sprach er: „Meine Kindlein, wo die Schafe sind, da geziemt auch dem Hirten zu sein. Geht ihr hinein, so will ich mit euch gehen. Bleibt ihr aber hier, so will ich auch hierbleiben.“ Nachdem er dies ein oder zweimal getan hatte, gewöhnte sich das Volk daran in der Kirche zu bleiben.
Ein Jüngling hatte eine Nonne entführt. Darüber entrüsteten sich die Priester zum höchsten, und ermahnten den Erzbischof, den Räuber in den Bann zu tun, weil er zwei Seelen ins Verderben gestürzt habe, seine eigene und die Seele derjenigen, die von ihm verführt wäre. Johannes aber verwies ihnen ihre Vorschnelligkeit und sprach: „Nicht so, meine Söhne, nicht so! Ich getraue mich, euch zu überführen, dass auch ihr doppelt fehlt. Einmal, dass ihr das Gebot des Herrn übertretet: Richtet nicht, auf dass ihr nicht gerichtet werdet. Zum andern, indem ihr nicht wissen könnt, ob sie beide noch heute diesen Tag zu sündigen fortfahren, oder ob ihr Vergehen ihnen nicht schon leid sei.“
Dieselbe liebevolle Schonung bewies der fromme Erzbischof einem Mönch, Vitalis genannt, der eine ganz eigene Weise ersonnen hatte, die öffentlichen Buhlerinnen der Hauptstadt zu bekehren. Er zeichnete sie alle auf, besuchte dann eine nach der anderen, und sprach zu jeder: „Gewähre mir die und die Nacht, und versage dich an keinen anderen.“ Sobald er nun um die bestimmte Stunde in das Haus und in die Kammer trat, fiel er in einer Ecke des Zimmers auf die Knie, und betete für die Besitzerin des Hauses die ganze Nacht. Früh morgens verließ er sie und verbot ihr aufs schärfste zu sagen, was er bei ihr gemacht hätte. Dies trieb Vitalis eine geraume Zeit, und richtete dadurch seinen guten Namen völlig zu Grunde. Befand er sich bei einbrechender Nacht etwa in einer Gesellschaft, so pflegte er zu sprechen: „Was mache ich doch? Hätte ich doch bald vergessen, dass die und die Freundin mich erwartet. Ich muss hin, auf dass sie nicht über mich zürne.“ Wurde er von anderen wegen solchen anstößigen Wandels gestraft, so sprach er: „Was denkt ihr doch? Meint ihr, dass ich von Stahl und Eisen bin? Bildet ihr euch ein, dass Gott den Mönchen nicht auch ein bisschen Freude gönne? Die Mönche sind Menschen, so gut wie die anderen.“ Manche sagten zu ihm: „Vater, nehmt euch lieber eine eigene Frau, und legt den geistlichen Habit ab, damit die andern sich nicht an euch ärgern.“ Hierauf pflegte er zu antworten: „Wer sich ärgern will, der ärgere sich, und renne meinethalben mit dem Kopf gegen die Mauer. Seid aber ihr über mich zu Richtern bestellt? Bekümmert euch um euch selbst; für mich sollt ihr Gott keine Rechenschaft ablegen.“ Solches sagte er mit großem Lärmen und Geschrei. Als nun die Sache vor den Erzbischof gebracht wurde, weigerte er sich, dem sonst frommen Mönch etwas so Frevelhaftes zuzutrauen. Er ahnte, dass irgendeine löbliche Absicht unter einem so frechen Äußeren verborgen bleibe, und er vertraute, dass Gott solche zu seiner Zeit schon an das Licht bringen werde. Wirklich gelang es dem Mönch, manche dieser Frauen zu bekehren und in Klöstern unterzubringen. Als er eines morgens aus dem Haus einer solchen Frau heraustrat, begegnete ihm einer ihrer Buhler, gab ihm eine Maulschelle und sprach: „Willst du noch nicht ablassen, Bösewicht, von diesen ruchlosen Gängen?“ Vitalis antwortete: „Für diese Maulschelle wirst du eine andere empfangen, die über ganz Alexandrien erschallt.“ Gleich darauf erschien der Teufel dem Wüstling in Gestalt eines Mohren, versetzte ihm eine schreckliche Maulschelle, und sprach: „Die schickt dir der Abt Vitalis.“ Von Stunde an fuhr der Teufel in ihn und plagte ihn erbärmlich, bis Vitalis ihn durch sein Gebet befreite. Vitalis beharrte in dieser Bekehrungsweise, so lange er lebte. Als er gestorben war, fand man an den Wänden seiner Zelle diese Worte geschrieben: „Richtet nicht vor der Zeit!“ Die ehemaligen Buhlerinnen, die durch Vitalis Tod ihres ihm geleisteten Versprechens entbunden wurden, bekannten nun, in welcher Absicht er sie besucht, und was er bei ihnen gemacht habe. Als das Johannes vernahm, pries er Gott, der solches geoffenbart hatte. Auch sprach er: „O wie gern hätte ich die Maulschelle hingenommen, die Vitalis empfing!“
Damals herrschte die Sitte, dass, wenn ein Kaiser gekrönt wurde, einige Bauverständige zu ihm traten, und ihm allerlei Proben von Marmor vorlegten, sagend: „Von welcher dieser Marmorarten verlangst du, o Herr, dass wir dir dein Grabmal bauen?“ Dieser bedeutenden Sitte eingedenk, war auch Johannes nicht sobald zu seinem Patriarchat gelangt, als er befahl, dass ihm ein Grabmal errichtet, jedoch nicht ganz ausgebaut würde. So oft er nun an feierlichen Tagen im hohenpriesterlichen Schmuck und von der Klerisei umringt dem Hochaltar sich näherte, musste ein eigens dazu verordneter Diakon ihm zurufen: „Dein Grabmal ist noch nicht fertig. Befiehl, dass es vollendet werde, denn du weißt nicht, wann der Dieb kommt.“
Als Johannes auf dem Totenbett lag, lobte er Gott und sprach: „Ich danke dir, Her, dass du mein Gebet erhört, und mir gewährt hast, dass ich nicht mehr hinterlasse, als einen einzigen Heller. So sei denn auch dieser eine den Armen vermacht!“
Es wurde aber des frommen Bischofs würdige Leiche in einem Grabmal beigesetzt, in dem bereits zwei andere Bischöfe ruhten. Sofort rückten deren Leichen auseinander um die Seinige in die Mitte zu nehmen.
Wenige Tage vor Johannes Tod war eine Frau zu ihm gekommen, und hatte ihm bekannt, dass sie eine sehr schwere Sünde begangen habe, die sie sich aber irgendjemanden zu gestehen scheue. Der Bischof fragte, ob sie schreiben könne? Sie bejahte dies. „Wohlan,“ so sprach er, „so vertraue deine Sünden dem Paper an, versiegele es und bring es mir! Ich will Gott für dich bitten.“ Die Frau tat es. Als aber der Bischof gleich darauf erkrankte und starb, besorgte sie sich darüber, ihr Brief werde nun in andere Hände kommen, und geriet darüber in die höchste Unruhe. Sie ging zu des Bischofs Grab, weinte und wehklagte. „Weh mir,“ rief sie, „indem ich meine Schmach zu verbergen suchte, muss ich nun fürchten, dass sie aller Welt offenbar wird. Ich beschwöre dich, frommer Bischof, dass du mir entdeckst, wo mein Brief geblieben ist.“ Als sie nun nicht aufhörte zu heulen und schreien, siehe, da erhob sich der selige Johannes aus seinem Grab, zugleich mit ihm erhoben sich die beiden Bischöfe, die neben ihm ruhten. „Frau,“ sprach Johannes, „warum beunruhigst du uns, und lässt diese Heiligen und mich nicht in Frieden schlafen? Sind doch unsere Gewänder ganz nass geworden von deinen Tränen.“ Hierauf reichte er ihr den Brief, noch ebenso fleißig versiegelt, wie er gewesen war. „Nimm hin,“ sprach er, „deinen Brief. Öffne und lies ihn.“ Die Frau öffnete den Brief, und fand ihre Beicht hinweggelöscht, wogegen folgende Worte hingeschrieben waren: „Um Johannes meines Dieners willen soll deine Sünde getilgt sein!“ Die Frau fiel nieder und dankte Gott. Der heilige Johannes aber legte sich mit den beiden Heiligen wieder schlafen. Das geschah im siebenhundertfünften Jahr nach Christi Geburt, unter der Regierung des Kaisers Phocas.
Gottes eingeborener Sohn sollte nach Gottes weiser Vorsehung nicht als das Kind einer alleinstehenden Jungfrau-Mutter diese Erde betreten. Das wäre auch, so wie die Dinge damals lagen, nahezu unmöglich gewesen. Nicht nur, dass der Verdacht sündiger Unehelichkeit vom Messias kaum hinwegzuwischen gewesen wäre. Nicht nur, dass dazumal eine alleinstehende Frau sich kaum in einer anständigen Form hätte durchs Leben schlagen können. Vor allem hätte dem Messias seine Ahnenreihe gefehlt, und er wäre nicht als der verheißene Sohn Davids angesehen worden. Denn das ging nach jüdischem Recht nur durch den Vater, gleichgültig, ob es ein natürlicher oder ein gesetzlicher war.
Deshalb musste Jesus wenigstens vor dem Gesetz einen irdischen Vater haben. Darum musste Maria vor dem Gesetz wahrhaft Ehefrau sein, wenn sie es auch nicht dem Fleische nach zu sein brauchte. Das ist die bedeutsame Rolle, die Gott dem heiligen Josef in seinen Heilsplänen zugedacht hatte. Es hatte demnach einen tiefen Sinn, wenn die christlichen Künstler so gerne die Vermählung Mariens mit dem heiligen Josef dargestellt haben und mancherorts dieser Heilstatsache in einem eigenen Fest gedacht wird (wurde).
Es entspricht nicht der Auffassung unserer heiligen Kirche, wenn man ob der Jungfräulichkeit dieser Ehe in ihr nur ein Schutz- und Trutzbündnis sehen wollte. Die Heilige Schrift bezeichnet vielmehr Maria ganz klar als eine Angetraute und spricht von ihrer Heimführung. Es war eine wahre eheliche Verbindung, und die heilige Jungfrau war dem heiligen Josef in ehelicher Liebe und Treue zugetan. Aber etwas Besonderes hatte diese Ehe außer ihrer jungfräulichen Durchführung noch aufzuweisen. Sie war einzig und allein von Gott angeordnet um Christi willen und hatte nur in Christus ihre Sinnerfüllung. „Damit jene heilige Frucht in ihr empfangen und erzogen werde“, so deutet der große Lehrer der Kirche, der heilige Thomas, diese eheliche Verbundenheit.
Durch diese Ehe hat jede Ehe unter Getauften eine übernatürliche Wesensbeziehung auf Christus. Christen, die die Ehe ansäen als ein bloß weltlich Ding, wären nicht vom echten christlichen Ehewillen erfüllt. In dieser Gestalt hätte der Herr sie niemals zur Würde eines Sakramentes erhoben. Darum spricht der heilige Paulus mit Recht von dem großen Geheimnis der Ehe; aber, so fügt er hinzu: in Christus. Jede christliche Ehe ist in erster Linie dafür da, dass Christus in ihr werde und zum Mannesalter heranreife. Und das in doppelter Weise. Einmal, damit durch sie der mystische Herrenleib, unsere Kirche, in den getauften Kindern christlicher Eltern neue Glieder gewinne, die nach dem Bild des Eingeborenen vom Vater gestaltet sind. Sodann, damit durch das zweieinige Leben, durch das gegenseitige Sichhelfen und Belehren in den Seelen der Eheleute selbst das Bild Christi immer reifer und reicher sich forme. Christliche Eheleute müssen daher recht oft auf den heiligen Ehebund zwischen Josef und Maria schauen.
Kirchengebet
Gott, Du wolltest die jungfräuliche Geburt Deines eingeborenen Sohnes durch die Vermählung seiner Mutter Maria mit dem gerechten Josef ehrbar erweisen, lass uns, wir bitten Dich, das Geheimnis einer so außerordentlichen Ehe auf Erden würdig verehren und der himmlischen Hochzeit teilhaftig werden. Amen.
Zur Geschichte des Festes: Den historischen Untergrund für dieses Fest bildet der Bericht im Evangelium. Dieser besagt, dass schon vor der Verkündigung durch den Erzengel Gabriel zwischen Maria und Josef eine Verbindung bestand, die später ausdrücklich gutgeheißen wurde, als der Engel den heiligen Josef über seine Stellung zu Maria und dem Kind, das sie empfangen hatte, unterrichtete.
Das eigentliche Fest „Mariä Vermählung“ geht zurück auf die persönliche innige Verehrung des heiligen Josef durch einen Kanonikus von Chartres in Frankreich. Dieser ließ durch den Kanzler Gerson zu dem Festgeheimnis „Vermählung Mariä mit dem heiligen Josef“ eigene Tagzeiten verfassen, die bald die kirchliche Gutheißung erhielten.
Von einem Apostolischen Legaten erwirkte dieser Kanonikus die Erlaubnis, das Fest Mariä Vermählung zunächst in Chartres feiern zu dürfen (Anfang des 15. Jahrhunderts). 1537 wurde diese Festfeier durch Paul III. dem Franziskanerorden gestattet. Seit dem 17. Jahrhundert fand das Fest eine immer weitere Verbreitung, bis dann Benedikt XIII. im Jahre 1725 die Feier in der ganzen Kirche gestattete. Seit der Kalenderreform im Jahr 1913/14 ist dieses Fest nicht mehr ein Allgemeinfest der ganzen Christenheit, sondern nur noch ein Eigenfest verschiedener Kirchen.
(Prof. Dr. Carl Feckes, "So feiert dich die Kirche", Maria im Kranz ihrer Feste, 1957, Steyler Verlagsbuchhandlung)
* * *
Aus dem "Marianischen Festkalender", Regensburg, Verlag Georg Joseph Mauz, 1866:
Auch Maria sollte dem Gebot des Herrn nachkommen, das da lautet: "Lass die Töchter freien, doch so, dass sie unter dem Geschlecht des Stammes ihres Vaters freien, damit nicht die Erbteile der Kinder Israel fallen von einem Stamm zum andern. Alle Männer sollen Frauen nehmen ihres Stammes und ihrer Verwandtschaft und alle Töchter ebenso Männer aus ihrer Zunft, damit das Erbe bei den Familien bleibe." (Numeri 36,6) Maria war die Erbtochter Davids und sollte ihrem nächsten Verwandten, dem Joseph die Hand reichen. Man unterscheidet gewöhnlich: die Werbung, das Eheversprechen und die eigentliche Eingehung der Ehe. Hierüber diene Folgendes zur Belehrung und Erbauung.
Die heilige Jungfrau lebte mit mehreren anderen Jungfrauen am Tempel unter der Aufsicht von frommen Matronen. Als nun die heilige Jungfrau ihr vierzehntes Jahr erreicht hatte und nebst sieben anderen Mägdlein zur Ehe entlassen werden sollte, sah ich (erzählt die gottselige Nonne Katharina Emmerich), dass die Mutter Anna zu ihr an den Tempel auf Besuch gekommen war. Als man der Jungfrau verkündigte, dass sie den Tempel verlassen und sich verehelichten sollte, sah ich die heilige Jungfrau sehr in ihrem Herzen bewegt den Priestern erklären, sie verlange nie den Tempel zu verlassen, sie habe sich Gott allein verlobt und verlange sich nicht zu verehelichen. Es wurde ihr aber dann gesagt, dass sie sich vermählen müsse. Zu ihrem Trost vernahm sie bald eine himmlische Stimme, die ihr Trost und Stärke verlieh, in ihre Verehelichung einzuwilligen.
Als der Hohepriester auf dem Stuhl vor dem Allerheiligsten saß, und in einer Pergamentrolle las, wurde ihm die Hand auf die Stelle des Propheten Jesaja gelegt, darin es hieß: es wird ein Zweig aus der Wurzel Jesse aufgehen und eine Blüte wird aus seiner Wurzel aufsteigen.
Man sandte nun Boten im Land umher und berief alle unverheirateten Männer aus dem Stamm Davids zum Tempel. Als sich viele von ihnen in feierlichen Kleidern im Tempel versammelt hatten, wurde ihnen die heilige Jungfrau vorgestellt und ich sah einen sehr frommen jungen Mann aus der Gegend von Betlehem unter ihnen. Auch er hatte immer mit großer Innigkeit um die Erfüllung der Verheißung gebetet, und ich erkannte in seinem Herzen ein heißes Verlangen, der Gemahl Mariä zu werden. Diese aber zog sich wieder in ihre Zelle zurück, vergoss heilige Tränen und vermochte nicht zu denken, dass sie nicht eine Jungfrau bleiben sollte.
Der Hohepriester überreichte nun allen den anwesenden Männern nach der inneren Unterweisung, die er erhalten, einzelne Zweige, und befahl ihnen, jeder sollte seinen Zweig mit seinem Namen bezeichnen und während des Gebetes und Opfers in Händen halten. Als sie dies getan hatten, wurden die Zweige von ihnen gesammelt und auf einen Altar vor das Allerheiligste gelegt und ihnen verkündet, dass der aus ihnen, dessen Zweig erblühen würde, vom Herrn bestimmt sei, mit der Jungfrau Maria von Nazareth vermählt zu werden.
Während die Zweige vor dem Allerheiligsten lagen, wurde das Opfer und das Gebet fortgesetzt und ein Jüngling, Agabus mit Namen, schrie unter einer Halle des Tempels mit ausgebreiteten Armen heftig zu Gott und brach in helle Tränen aus, als ihnen allen die Zweige wieder zurückgegeben wurden mit der Ankündigung, dass keiner derselben erblüht und also keiner von ihnen der von Gott bestimmte Bräutigam dieser Jungfrau sei. Die Männer wurden nun nach ihrer Heimat entlassen, jener Jüngling aber begab sich auf den Berg Karmel zu den dort seit den Zeiten des Elias einsiedlerisch lebenden Prophetensöhnen, wo er von nun an im steten Gebet um die Erfüllung der Verheißung lebte.
Auf den Befehl des Hohenpriesters kam nun Joseph in seinen besten Kleidern nach Jerusalem zum Tempel. Auch er musste hier unter Gebet und Opfer einen Zweig in seiner Hand halten, und als er ihn vor das Allerheiligste auf den Altar hinlegen wollte, blühte oben eine weiße Blüte gleich einer Lilie aus ihm hervor und es kam eine Lichterscheinung wie vom Heiligen Geist über ihn. Nun wurde Joseph als der von Gott bestimmte Bräutigam der heiligen Jungfrau erkannt und ihr in Gegenwart ihrer Mutter von den Priestern vorgestellt. Maria, ergeben in den Willen Gottes, nahm ihn als ihren Bräutigam demütig an, denn sie wusste, dass bei Gott, der ihr Gelübde, ihm mit Leib und Seele allein zu gehören, angenommen hatte, alles möglich sei.
Die Hochzeit Mariä und Josephs, die sieben bis acht Tage dauerte, wurde zu Jerusalem am Berg Sion in einem Haus gehalten, das oft zu solchen Festen vermietet wurde. Es waren außer den Lehrerinnen und Mitschülerinnen Mariä von der Tempelschule viele Verwandte Annas und Joachims zugegen, unter andern eine Familie aus Gophea mit zwei Töchtern. Die Hochzeit war sehr feierlich und reichlich. Es wurden viele Lämmer geschlachtet und geopfert. Besonders aber war die hochzeitliche Kleidung der heiligen Jungfrau so ausgezeichnet schön und festlich, dass die anwesenden Frauen auch noch in ihrem Alter gern davon sprachen.
Joseph hatte einen langen, weiten, müllerblauen Rock an, von der Brust bis zum Saum wieder mit Schnüren und Knöpfen geschlossen.
Der Trauring Mariens ist weder von Silber noch Gold noch anderem Metall. Er ist von düsterer Farbe und schillert. Er ist kein schmaler dünner Reif, sondern ziemlich dick und wohl einen Finger breit. Ich sah ihn glatt und doch als sei er wie gepflastert mit kleinen regelmäßigen Dreiecken bezeichnet, worin Buchstaben standen.
An der einen Seite, die man nach innen der Hand schob, hat er eine platte Fläche. Es ist der Ring mit etwas bezeichnet. Ich sah ihn hinter vielen Schlössern verwahrt in einer Kirche, fromme Leute, die sich verheiraten wollen, lassen ihre Trauringe daran anrühren.
Der Trauring Mariens befindet sich in Perugia und wird dort am 3. August jeden Jahres dem Volk gezeigt.
Aus dem, was die selige Klosterfrau Maria von Agreda über die Vermählung mit Joseph berichtet, sei Folgendes angeführt.
Joseph war damals dreiunddreißig Jahre alt, war von einnehmender Persönlichkeit und gefallenden Gesichtszügen. Sein ganzes Wesen war sittlicher Ernst. Vom zwölften Jahr an hatte er das Gelübde der Keuschheit abgelegt . . . Nach der Vermählung sagten sich beide eine keusche Zuneigung zu und gelobten einander, wie Geschwister zusammen zu leben . . . Nun folgte die Verteilung der Verlassenschaft von Mariens Eltern. Ein Teil bekam der Tempel, der andere wurde den Armen zugewiesen, der dritte blieb in Josephs Verwaltung . . . Joseph war von Anfang an mit solcher Ehrerbietung gegenüber Maria erfüllt, dass keinerlei irdische Neigung in seinem Herzen zu ihr aufkam. Es strahlte ihm immerfort aus dem Antlitz seiner Gemahlin ein Glanz göttlichen Lichtes entgegen, das ihre Züge zu unaussprechlicher Majestät verklärte. Sie glich Mose, da er vom Berg herabkam, weil Mariens Verkehr mit Gott anhaltender und vertraulicher gewesen war.
Indes erwuchs in aller Zucht
Maria, die erwählte Frucht,
Der Ceder gleich, die Gift und Weh
Nicht dulden will in ihrer Näh.
Es war nach altem Brauch nun Zeit,
Dass die gottgeweihte Maid
Den Tempel verließe
Und eine Ehe schließe.
Sie aber sprach: "Mein ganzes Leben
Hab ich allein dem Herrn gegeben;
Ihm bleibe ich auch ferner treu."
Die Sache dünkte alle neu.
Da sich die Maid berief auf Gott,
So war ein Wunder Gottes not.
Er selbst soll unter Davids Söhnen
Den Würdigen und Rechten krönen.
Wes Stab ergrünend Blüten trug,
Der sollte Gatte sein nach Fug.
Und sieh, dies hohe Wunder geschah,
Als Josef kam dem Tempel nah,
Des Jakob Sohn, aus dem Geschlecht
Des Königs David, fromm und gerecht.
Und eine Taube setzte sich
Auf seinen Stab so wonniglich.
So wurde Gottes Wille kund,
Dass Josef zu so heiligem Bund
Die Jungfrau sollte mit sich führen,
Wie Gottes Braut es muss gebühren.
So sei gegrüßet, Josef, liebster Vater,
Mariens Bräutigam und ihr Berater,
Aus König Davids edlem Stamm geboren!
Die Engelsreinheit hast du nie verloren.
Gepriesen sei dein heiliger Name:
Heil dir, dem keuschen Bräutigame!
(Aus: "Goldene Legende der Heiligen"
von Joachim und Anna bis auf Constantin den Großen
Die heilige Brigitta erhielt von der allerseligsten Jungfrau Maria selbst über dieses Ereignis in ihrem Leben folgenden Aufschluss:
"Du sollst für gewiss wissen, wie Joseph, ehe er sich mit mir verlobte, im Heiligen Geist erkannte, dass ich meine Jungfräulichkeit Gott geweiht und unbefleckt in Gedanken, Worten und Werken war. Er verlobte sich in der Absicht mit mir, um mir zu dienen und mich zu seiner Gebieterin, nicht aber zur Ehegenossin zu haben. Auch erkannte er im Heiligen Geist aufs Gewisseste, dass meine Jungfräulichkeit beständig unverletzt bleiben würde, obschon ich nach Gottes geheimen Ratschluss einem Mann verlobt ward."
2.
Die ehrwürdige Margareta vom heiligen Sakrament genoss viele himmlischen Offenbarungen über die heilige Ehe der unvergleichlichen Brautleute und über die Einigung, die die allerheiligste Dreifaltigkeit in ihren Herzen bewirkte. Sie berichtet:
"An dem Augenblick, als der heilige Joseph der seligsten Jungfrau Maria vorgestellt wurde, erkannte sie seine Gerechtigkeit, und er etwas von der Größe der Jungfrau, obwohl er ihre gänzliche Vollkommenheit noch nicht durchschaute. Da sie beide, mittels einer besonderen Einsprechung, die ihnen zukam, ihre Jungfräulichkeit verlobt hatten, so war in ihren Herzen kein menschlicher Gedanke über ihre Ehe, sondern sie überließen sich mit Vertrauen der göttlichen Führung, die ihnen über diesen Gegenstand geoffenbart worden war. Dieser große Heilige wurde durch eine Fülle der Gnade zur Würde eines Nährvaters, Beschützers und Führers Jesu Christi vorbereitet."
3.
In seinem Werk: "Die Jungfrau Maria nach den Evangelien" ruft der berühmte französische Schriftsteller der Neuzeit, August Nicolaus, hinsichtlich dieser Vermählung aus:
"O glückselige Ehe, deren Band die Schamhaftigkeit, und deren Schleier die Gnade des Heiligen Geistes war, welche die beiden Ehegatten beschattete und beschirmte; deren Zweck die Obhut Christi und die Ehre Marias war, deren Schatz in den Tugenden und deren Hausrat in den geistlichen Gnaden bestand; deren Vereinigung die keuscheste Liebe bildete, wovon die Engel im Himmel erglühen und wovon die drei göttlichen Personen in der einen Gottheit entflammt sind! Der heilige Thomas bekennt deshalb in tiefsinniger Weise:
Mit dem Herzen und nicht mit dem Fleisch vereinigen sich diese heiligen Gatten Maria und Joseph; so vollzieht sich die Verbindung der Gestirne nicht dem Körper, sondern dem Licht nach; so vermählen die Palmbäume nicht ihre Wurzeln, sondern ihre Wipfel, nicht ihre Stämme, sondern ihre Zweige!"
(Aus: Leben der heiligen Jungfrau Maria von der gottseligen Anna Catharina Emmerich)
Es lebte die heilige Jungfrau Maria mit mehreren anderen Jungfrauen am Tempel zu Jerusalem unter der Aufsicht von frommen Matronen. Diese Jungfrauen beschäftigten sich mit Stickereien und allerlei anderen Zierwerken an Teppichen und Priesterkleidern, auch mit Reinigung solcher Kleider und der Tempelgeräte. Sie hatten kleine Zellen, aus denen sie in den Tempel sehen konnten, wo sie beteten und betrachteten. Wenn diese Jungfrauen herangewachsen waren, wurden sie vermählt. - Ihre Eltern hatten sie durch die Übergabe an den Tempel gänzlich Gott aufgeopfert und es herrschte dabei unter den frommen innigeren Israeliten seit langen Zeiten eine verschwiegene Ahnung: als würde eine solche Ehe einst zu der Ankunft des verheißenen Messias beitragen.
Als nun die heilige Jungfrau vierzehn Jahre alt war, und nebst sieben anderen Mägdlein zur Ehe entlassen werden sollte, sah ich, dass die Mutter Anna zu ihr in den Tempel zu Besuch gekommen war. (Joachim lebte nicht mehr.) Als man der Jungfrau aber verkündigte, dass sie nun den Tempel verlassen und sich verehelichen sollte, sah ich die heilige Jungfrau - sehr in ihrem Herzen bewegt - den Priestern erklären: "Sie verlange nie den Tempel zu verlassen, sie habe sich Gott allein verlobt und verlange sich nicht zu verehelichen." Es wurde ihr aber dann gesagt, dass sie sich doch vermählen müsse.
Hierauf sah ich Maria in ihrer Betzelle inbrünstig zu Gott flehen. Auch erinnere ich mich geschaut zu haben, dass Maria im Gebet ganz von Durst verschmachtet mit ihrem Krüglein hinab zu einem Brunnen oder Wasserbehälter ging, um Wasser zu schöpfen, und dass sie dort ohne sichtbare Erscheinung eine Stimme hörte, worauf sie eine Offenbarung hatte, die ihr Trost und Stärke verlieh, in ihre Verehelichung einzuwilligen.
Ich sah auch, dass ein sehr alter Priester, der nicht mehr gehen konnte - es war wohl der Hohepriester - von anderen auf einem Stuhl vor das Allerheiligste getragen wurde, und dass er, während man ein Rauchopfer anzündete, in einer Pergamentrolle betend las, die vor ihm auf einem Gestell lag. Ich sah aber, dass er, im Geist entzückt, eine Erscheinung hatte und dass ihm seine Hand mit dem Zeigefinger auf die Stelle des Propheten Jesaja gelegt wurde: "Und es wird ein Zweig aus der Wurzel Jesse aufgehen und eine Blume wird aus seiner Rute aufsteigen, und auf ihm wird ruhen der Geist des Herrn!" (Jesaja 11,1) - Als der alte Priester wieder zu sich kam, las er diese Stelle und erkannte etwas daraus.
Ich sah hierauf, dass man Boten im Land umher sendete und alle unverheirateten Männer aus dem Stamm Davids zum Tempel berief. - Als sich viele von ihnen in feierlichen Kleidern im Tempel versammelt hatten, wurde ihnen die heilige Jungfrau vorgestellt, und ich sah einen sehr frommen Jüngling aus der Gegend von Bethlehem unter ihnen; auch er hatte immer mit großer Innigkeit um die Erfüllung der Verheißung gebetet, und ich erkannte in seinem Herzen ein heißes Verlangen, der Gemahl Mariä zu werden. - Diese aber zog sich wieder in ihre Zelle zurück, vergoss heilige Tränen und vermochte nicht zu denken, dass sie nicht eine Jungfrau bleiben sollte.
Nun sah ich, dass der Hohepriester allen den anwesenden Männern nach der inneren Unterweisung, die er erhalten hatte, einzelne Zweige überreichte und ihnen befahl: Jeder solle seinen Zweig mit seinem Namen bezeichnen und während dem Gebet und dem Opfer in den Händen halten. - Als sie dies getan hatten, wurden die Zweige von ihnen gesammelt und auf einen Altar vor das Allerheiligste gelegt und ihnen verkündet: dass Jener aus ihnen, dessen Zweig erblühen würde, vom Herrn bestimmt sei, mit der Jungfrau Maria von Nazareth vermählt zu werden.
Während die Zweige vor dem Allerheiligsten lagen, wurde das Opfer und Gebet fortgesetzt, und ich sah, wie jener Jüngling *) unterdessen in einer Halle des Tempels mit aus gebreiteten Armen heftig zu Gott schrie, und dass er in heiße Tränen ausbrach, als ihnen allen nach der bestimmten Zeit ihre Zweige zurückgegeben wurden mit der Ankündigung: dass keiner von den Zweigen erblüht und und also Keiner von ihnen der von Gott bestimmte Bräutigam dieser Jungfrau sei. - Die Männer wurden nun in ihre Heimat entlassen, jener Jüngling aber begab sich auf den Berg Karmel zu den daselbst seit den Zeiten des Elias einsiedlerisch lebenden Prophetenkindern, wo er von nun an in stetem Gebet um die Erfüllung der Verheißung lebte.
Ich sah hierauf, dass die Priester am Tempel von neuem in den Geschlechtsregistern nachsuchten: ob nicht doch irgend ein Nachkomme Davids da sei, den man übersehen habe. Da sie nun sechs Brüder von Bethlehem angezeigt fanden, von denen einer unbekannt und verschollen sei, forschten sie dem Aufenthalt Josephs nach, und entdeckten ihn nicht sehr weit von Samaria in einem Ort, das an einem kleinen Flüsschen lag, wo er an dem Wasser allein wohnte und für einen anderen Meister arbeitete.
Auf den Befehl des Hohenpriesters kam nun Joseph in seinen besten Kleidern nach Jerusalem zum Tempel. Auch er musste hier unter Gebet und Opfer einen Zweig in seiner Hand halten, und als er diesen auf den Altar vor das Allerheiligste hinlegen wollte, blühte oben eine weiße Blüte gleich einer Lilie aus ihm hervor und ich sah eine Lichterscheinung wie den Heiligen Geist über ihn kommen. - Nun wurde Joseph als der von Gott bestimmte Bräutigam der heiligen Jungfrau Maria erkannt und ihr in Gegenwart ihrer Mutter von den Priestern vorgestellt. Maria, ergeben in den Willen Gottes, nahm ihn als ihren Bräutigam demütig an, denn sie wusste: dass Gott, der ihr Gelübde: "mit Leib und Seele Ihm allein zu gehören", angenommen hatte, alles möglich sei.
*) Der heilige Hieronymus hat uns eine alte Überlieferung hinterlassen, die in der Geschichte des Berges Karmel aufbewahrt ist. - Diese alte Überlieferung erzählt: "dass jeder Bewerber um die Hand der allerseligsten Jungfrau, nachdem er Gott den Herrn angerufen und abends im Tempel ein Stäbchen von einem Ölbaum niedergelegt hat, und dass am Morgen das dürre Stäbchen Josephs, des Sohnes Jakobs, des Sohnes Mathan, grün und blühend gefunden wurde, wie das, das einst den Söhnen Aarons das Priestertum zugesichert hatte. - Ein junger Mann aus vornehmen Geschlecht, verwandt mit Judäas angesehensten Familien und Besitzer eines großen Vermögens, habe beim Anblick des grünen Stabes in der Hand des heiligen Joseph sein Stäbchen zerbrochen und sich zu Elias Jüngern in die Höhlen des Karmel geflüchtet." - Die Tradition nennt diesen Jüngling Agabus, und in Raphaels Gemälde "Sponsalizio" genannt, ist er der Jüngling, der seinen Stab über dem Knie zerbricht.
1. Gott, du bist das Leben, denn du bist die Liebe, die Liebe aber ist des Lebens höchste Glückseligkeit. Unendlich ist dein Bewusstsein dieses glorreichen Lebens in deinem Wort, das ewiges Licht, ewiger Gedanke ist, unendlich die Entzückung deiner Liebe in deinem göttlichen Geist, der wesentlichen Liebe des Vaters und des Wortes. In diesem glorreichen Leben, mein Gott, besteht deine unendlich vollkommene Wesenheit, ohne Anbeginn, ohne Ende, ohne Beschränkung, in unendlicher Fülle. Und die Glorie deines Lebens ist, deine unendliche Schönheit, Weisheit, Allmacht und Heiligkeit zu schauen und zu lieben, die, so wie zahllose andere, keinem erschaffenen Geist erreichbare Vollkommenheiten, in dir nur eine und dieselbe, unzerteilte Vollkommenheit sind.
2. Nur einzelne Funken deiner glorreichen Vollkommenheiten, Herr, sehe ich gleich einem schwachen Wiederschein auf den Wesen leuchten, die deine allmächtige Hand erschaffen hat. Aus der unendlichen Fülle deines Lebens gingen alle diese mannigfaltigen Geschöpfe, wie aus ihrem Urquell, hervor. Alle jedoch sind, sowohl ihrer Anzahl als ihren Eigenschaften nach beschränkt, denn übertrifft auch ihre Anzahl alle unsere Vorstellungen, so sind sie dennoch gleich wenigen Sandkörnern, gegen die unendlichen Welten voll der wunderbarsten Wesen, die ewig in deiner göttlichen Idee bestehen, und nach uns unerreichbaren Gesetzen sich richteten, wenn deine Allmacht sie erschüfe, deren Fülle in alle Ewigkeit nicht kann erschöpft werden.
3. O lebendiger und wahrer Gott, der du allein die Unsterblichkeit besitzt (1. Timotheus 6), alles Leben deiner Geschöpfe ist nur ein Schatten deines göttlichen Seins. Ein geliehenes Leben, das nur besteht, weil du, o Gott, es willst, und so lange du es willst. Es hat nur Dasein, deiner Allmacht Zeugnis zu geben, und dein ewiges, glorreiches Leben zu verherrlichen. Wer aber dringt in das lebendige Leben deiner unendlichen Wesenheit ein? Beim Anblick dieser unerschaffenen Herrlichkeit versinke ich in mein Nichts. Nimmer wage ich es, diesem geheimnisvollen, flammenden Dornbusch mich zu nähern. Unendlicher Gott, ewiges Leben, einzig wesentliche Vollkommenheit, alles verschwindet vor dir. Denn du allein bist, alles andere aber ist, als ob es nicht wäre. Psalm 35,10a: "Mit Leib und Seele will ich sagen: Herr, wer ist wie du?"
Ich komme zu dir, Mutter meines Gottes, und bitte dich, du wollest mir die Verzeihung meiner Sünden erlangen und machen, dass ich von aller meiner Schuld befreit werde. Ich bitte dich, du wollest mir die Gnade gewähren, dass ich mich durch die Neigungen meines Herzens mit deinem Sohn und mit dir aufs Innigste vereinige. Mit deinem Sohn, weil er mein Gott ist, und mit dir, weil du die Mutter meines Gottes bist. Amen.
Zu Jesus Christus
Du hast es gesagt, göttlicher Erlöser, dass wir unser Kreuz auf uns nehmen und Dir nachfolgen müssen, wenn wir Deine Jünger sein wollen. Unterstütze unsere Schwachheit, damit Deine Gaben in uns gekrönt werden, der Du lebst und herrschst mit Gott dem Vater in der Einheit des Heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Der heilige Vinzentius,
Martyrer. Man ließ ihn, da er die heiligen Bücher nicht ausliefern wollte, auf einen glühenden Rost legen, mit feurigen Blechen brennen, und Salz in die Wunden reiben. - Der heilige Martyrer hatte während der Qual seine Augen unverrückt zum Himmel gekehrt, und beharrte im Bekenntnis seines Glaubens und inbrünstigem Gebet.
Wenn ein schweres Leiden kommt, sollen wir nur um so dringender beten, um so eifriger uns überwinden, um so fester Glaube, Hoffnung und Liebe erwecken, beten wie Jesus am Ölberg, am Vorabend seines Sterbetages; und wenn wir auch nicht gleich beten können, genügt oft ein Blick zum Himmel, wie dem heiligen Vinzentius, um uns zu stärken.
Prüfe dich, ob du nichts von deinen gewohnten Übungen, Gebet, häuslichen Pflichten unterlässt, oder diese nur halb, missmutig verrichtest? - Stelle dir doch Jesus, sein Kreuz tragend vor, und dass er mit den Worten dich anredet: "Wer mir nachfolgen will, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach."
Bete darum, die Leiden christlich zu ertragen.
Im Leiden blick zum Himmel auf,
Dann schließt mit Gott dein Lebenslauf.
Andenken an die seligste Jungfrau
Auf den heutigen Tag wird die Vermählung des heiligen Joachim mit der heiligen Anna, der Eltern der seligsten Jungfrau, gesetzt, denn den wahren Zeitpunkt dieser Vermählung wissen wir nicht, obschon von ihr die heiligen Epiphanius, Germanus von Konstantinopel Damaszenus und der Geschichtsschreiber Nicephorus Vieles melden.
Vinzenz Pallotti wurde am 22. Januar 1950 von Papst Pius XII. seliggesprochen und von Papst Johannes XXIII. am 20. Januar 1963 heiliggesprochen.
Dieser heilige Diener Gottes verdient schon wegen seiner ausgezeichneten Tugenden und seines feurigen Tatendranges für Christi heilige Sache allen Katholiken bekannt zu sein. Besonders uns Deutschen darf er nicht gleichgültig sein, weil zahlreiche Landsleute, besonders Süddeutsche, auch Österreicher und Deutschschweizer der von ihm gegründeten Missionsgesellschaft beitraten und in unserer ehemaligen Kolonie Kamerun der Glaubensverbreitung sich widmeten.
Vinzenz Pallotti, der Sohn eines reichen Kaufherrn in Rom, hatte das nie genug zu schätzende Glück, seine Jugendzeit von Braven, christlichen Eltern behütet zu sehen. Der Vater pflegte täglich zwei heilige Messen zu hören und alle acht Tage zu den Sakramenten zu gehen. Noch tiefer und inniger war die Religiosität der Mutter. Die äußerst sorgfältige Erziehung, die sie ihren zehn Kindern angedeihen ließen, belohnte Gott bei Vinzenz mit ganz besonderen Gnadenerweisen. Oder kann es etwas anderes sein, als der klare Gnadeneinfluss des Heiligen Geistes, wenn man von dem Kind, in dem erst die Vernunft zu reifen begonnen hatte, Dinge hört, und zwar aufs sicherste beglaubigt, über die man bei Erwachsenen billig staunen müsste? Die Frömmigkeit von Vinzenz war eine ganz außergewöhnliche, die Scheu vor der geringsten Sünde, besonders vor allem, was die Lilienreinheit der Schamhaftigkeit trüben könnte, war äußerst zart. Um die bösen Neigungen zu überwinden, übte er schon in früher Jugend große Strenge gegen seinen Körper, indem er auf dem Boden schlief und sich bis aufs Blut zu geißeln pflegte, was selbst die guten, opferfähigen Eltern erschrecken ließ. Die Nächstenliebe kannte keine Grenzen. Er verteilte nicht nur die Speisen, die er bei der Mahlzeit sparte, unter die Armen, er gab öfters seine Schuhe und Kleider, ja selbst sein Bett an die Bedürftigen hin. Wollte man dem reichen Kaufmannssohn eine so rühmenswerte Freigebigkeit und Nächstenliebe vielleicht nicht so hoch anrechnen, wer darf aber noch an der vollendeten Heiligkeit und seltensten Selbstverleugnung den geringsten Zweifel hegen, wenn er hört, dass ein Knabe, ein Student, das zu verheimlichen über sich bringt, was sonst den Altersgenossen die Brust mit Hochgefühl und stolzer Befriedigung schwellen lässt? Vinzenz schwieg nämlich über seine Anerkennung, die er im römischen Kolleg erhielt, selbst vor seinen Eltern und verkaufte die Preismedaillen, um den Erlös den Armen geben zu können.
Dass ein junger Mann, der so ernst nach der höchsten Vollkommenheit strebte, seine Blicke auf das Priestertum richtete, ist nicht zu verwundern. Lange trug er sich mit dem Gedanken, Kapuziner zu werden, wie er denn nachher als Weltpriester das strenge Leben eines armen Sohnes des heiligen Vaters Franziskus führte, die Regeln und Fasten beobachtete und im Kleid dieses Ordens die wenigen Stunden schlief, die er sich nachts auf hartem Boden gönnte. Die himmlische Seligkeit, die ihn durchströmte, als er am 16. Mai 1818 die Priesterweihe empfing, und das immer neue Glück, das er bei Darbringung des täglichen heiligen Messopfers empfand, kann mit menschlichen Worten nicht geschildert werden. Aus Ehrfurcht vor dem Heiligsten glaubte er jeden Morgen seine ohnehin reine Seele durch reumütige Beicht noch lauterer und fleckenloser schmücken zu müssen, die innere Glut der Andacht glänzte im Rot des Antlitzes wieder, oft rannen ihm die Tränen über die Wangen, nicht wenige Personen sahen ihn während der heiligen Messe vom Boden erhoben schweben. Kein Geringerer kann als Zeuge hierfür aufgeführt werden als der spätere hochselige Bischof von Regensburg, Ignatius von Senestry, der als Student des römischen Kollegs dem ehrwürdigen Pallotti bei der Messe diente.
Als Privatgeistlicher zunächst noch weiter seinen Studien lebend, promovierte Pallotti zum Doktor der Philosophie und Theologie und ließ sich dann als Professor der Dogmatik (Glaubenslehre) an der Gregorianischen Universität nieder. Hohe, ihm angebotene Würden schlug er bescheiden aus. Wo immer aber sich Gelegenheit für apostolische Arbeit bot, stellte er sich zur Verfügung. Ja um dem Drang des Seeleneifers zu genügen, gab er nach zehn Jahren das Lehramt ganz auf. Der Ruf eines gottbegnadeten Beichtvaters und Seelenführers hielt ihn nun Tage lang im Beichtstuhl fest, und kam er endlich nach Hause, so fand er wieder sein Zimmer umstellt von Personen aller Stände, die seinen Rat in Seelenangelegenheiten begehrten. Als Exerzitienmeister, Volksmissionar und eindrucksvoller Prediger an allen öffentlichen Plätzen der Stadt entfaltete er eine so emsige und ersprießliche Tätigkeit, dass kein Name in ganz Rom so populär war als der des Padre Pallotti. Hervorragende Männer wie Kardinal Karl Fürst von Odescalchi, der später alle Würden ablegte und als Jesuit heiligmäßig starb, Staatssekretär Kardinal Lambruschini, der selige Kaspar des Bufalo und vor allem der ehrwürdige Bernhard Maria Clausi aus dem Orden des heiligen Franz von Paula (+ 20. Dezember 1849, durch Wunder verherrlicht) waren seine vertrautesten Freunde.
Lange schon fühlte sich der ehrwürdige Diener Gottes lebhaft von Schmerz bewegt bei dem Gedanken, dass noch so viele Völker in Irrtum und Unglauben schmachteten. Oft bat er inständig den Herrn der Ernte, dass er neue Arbeiter in seinen Weinberg sende. Da ließ ihn Gott erkennen, dass er selber berufen sei, ein beständiges Apostolat zu errichten. Am 9. Januar 1835 wurde der Diener Gottes nach der heiligen Messe durch ein Gesicht erleuchtet, eine Genossenschaft zu gründen. Zufällig hatte er eine Vereinigung zur Verbreitung guter Schriften gebildet. Immer neue Mitglieder hatten sich gemeldet. Diese stellte er nun durch eine strammere Organisation in den Dienst des guten Werkes. Noch im selben Jahr erhielt er durch Vermittlung des Kardinalvikars Odescalchi für seine „Gesellschaft des katholischen Apostolates“, die er unter den besonderen Schutz Mariens, der unbefleckt Empfangenen und Königin der Apostel stellte, die kirchliche Approbation durch Gregor XVI. Die ihr erteilten Privilegien wurden durch Pius IX. 1847 bestätigt und vermehrt, wobei die Kongregation den Namen „Fromme Missionsgesellschaft“ annahm, die Statuten aber erst 1904 durch Pius X. approbiert. Ihr Zweck sollte sein, den Glauben und die Liebe unter den Katholiken zu wecken und unter Irr- und Ungläubigen zu verbreiten. Die Mitglieder legen nicht die Gelübde ab, sondern nur bestimmte Versprechen, vor allem das des Beharrens in der Kongregation. Die erste, die eigentlichen Pallottiner, besteht aus Priestern, die in Gemeinschaft leben und von Laienbrüdern unterstützt werden, die zweite, die Pallottiner-Schwestern, die nach der gleichen Regel leben, und dem Dritten Orden des heiligen Franziskus angehören, die dritte Klasse, die sogenannten Aggregierten (Angegliederten), bildet eine Bruderschaft, der jedermann beitreten kann, der durch Gebet und Almosen das Werk des katholischen Apostolates unterstützen will. Im Jahr 1892 wurden die Pallottiner durch Pater Max Kugelmann aus Bobingen bei Augsburg in Deutschland eingeführt, wo sie nun in Limburg a.L., in Ehrenbreitstein und Vallendar a.R. Missionshäuser besitzen.
Immer größer wurde der Einfluss des Dieners Gottes. In allen Anliegen ging man zu ihm. Von Mitleid für die materielle Not der ärmeren Bevölkerung bewogen, gründete er Innungen für die verschiedenen Berufsstände, Landwirtschaftsschulen und ländliche Sparkassen. Diesem eifrigen, für das Wohl des Volkes besorgten, uneigennützigen Priester trachteten die freimaurerischen Revolutionäre des Jahres 1848 nach dem Leben. Doch konnte er sich durch Verbergen retten. Alle Guten aber betrauerten ihn bei seinem Tod am 22. Januar 1850 als den größten Wohltäter der Stadt. Der Leib des Heimgegangenen hauchte einen entzückenden Wohlgeruch aus, der während eines ganzen Monats das Zimmer erfüllte. Den Wundern im Leben folgten noch mehr nach dem Tod.
Der Seelenführer soll das Beispiel Jakobs nachahmen, der seine Reise nach dem Schritt seiner kleinen Kinder, ja nach dem Schritt seiner Lämmer einrichtete (Franz von Sales).
Nachdem Chosroes, der König der Perser, im Jahr 614 Jerusalem erobert hatte, führte er das Kreuz, an dem Jesus Christus sein Leben für das Heil der Welt dahingegeben hat, mit sich fort in sein Reich. Dieses geheiligte Kreuz wurde nun das Werkzeug, dessen sich Gott bediente, um die Bekehrung mehrerer Perser zu bewirken, unter denen auch Anastasius war. Als der Sohn eines Magiers, war er in allen Kenntnissen seiner Sekte unterrichtet. Früh widmete er sich dem Kriegsdienst. Das Aufsehen, das durch die Wegnahme des wahren Kreuzes veranlasst wurde, erregte in ihm die Begierde, zu untersuchen, woher wohl die Verehrung der Christen für das Werkzeug einer für Ehrlos gehaltenen Todesart kommen möge. Allmählich kam er dazu, ihre Religion zu prüfen, und fühlte sich, nach genauem Forschen, vor Verwunderung über ihre reine Sittenlehre und erhabenen Dogmen innig ergriffen.
Als er nach dem Feldzug gegen die Römer, den er mitgemacht hatte, nach Persien zurückkam, entsagte er mit seinem Bruder dem Waffendienst, zog sich in die Stadt Hierapolis zurück, und wohnte bei einem persischen Münzer, der ein Christ war. Dieser nahm ihn öfters, um seine guten Entschlüsse zu bestärken, mit sich zu den Gebeten der Gläubigen. Die Gemälde, mit denen die Kirchen geschmückt waren, machten auf Anastasius den lebhaftesten Eindruck. Vor allem verweilte er gerne bei denen, die die Kämpfe der Martyrer darstellten, und deren Geschichte man ihm erklärte. Er konnte nicht müde werden, den hohen Mut dieser treuen Verehrer Jesu, die sogar ihr Leben für ihn hingaben, zu bewundern. Ihr Los schien ihm höchst wünschenswert und dadurch wurde seine Begierde, das christliche Gesetz vollkommen zu kennen, immer mehr angefacht. Einige Zeit später verließ er Hierapolis – die Stadt stand unter persischer Herrschaft – und begab sich nach Jerusalem, um da die heilige Taufe zu empfangen. Dieses Sakrament wurde ihm von Modestus erteilt, der als Stellvertreter des Patriarchen Zacharias, der damals in der Gefangenschaft war, das heilige Amt verwaltete. Seinen persischen Namen Magundat vertauschte er mit dem griechischen Anastasius, der seiner Bedeutung nach anzeigen sollte, dass er vom Tod zum Leben erstanden sei. Mit besonderem Eifer hatte er sich zur Gnade der Wiedergeburt vorbereitet. Die Tage, während der die Neugetauften das weiße Kleid zu tragen pflegten, brachte er in Übungen der Frömmigkeit zu, und wohnte unermüdlich den Unterweisungen bei, wodurch er immer mehr und mehr im Glauben gestärkt wurde. Nach Verlauf dieser Zeit zog er sich in ein, zwei Stunden von Jerusalem gelegenes, Kloster zurück, um da desto ungehinderter und vollkommener die Taufgelübde halten zu können. Der Abt Justin ließ ihn in der griechischen Sprache unterrichten und den Psalter auswendig lernen, dann wurde ihm das Haupt geschoren und das Ordenskleid im Jahr 621 angelegt.
Anastasius wurde bald das Vorbild der Brüder durch gewissenhafte Beobachtung der gemeinschaftlichen Übungen, allzeit erschien er dabei als erster. Dieser Eifer fiel besonders auf, wenn sich die Genossenschaft in die Kirche begeben musste, um der Feier der heiligen Geheimnisse beizuwohnen. Sein glühender Durst nach dem göttlichen Wort offenbarte sich jedes Mal durch die gespannteste Aufmerksamkeit, mit der er die Reden der Gottseligkeit anhörte. Mit dieser Begierde zu hören, war aber auch stets der feurigste Eifer verbunden, das Gehörte auszuüben. Nach der heiligen Schrift las er kein Buch lieber, als die Geschichte der Märtyrer. Bei ihren Kämpfen und Siegen konnte er sich der Tränen nicht erwehren. Und die heilige Begierde, auch für Jesus sein Blut vergießen zu können, wurde in ihm zur verzehrenden Flamme. Beunruhigende Gedanken über den verabscheuungswürdigen Aberglauben, in dem ihn sein Vater erzogen hatte, störten zwar einige Zeit die Heiterkeit seiner Seele, aber bald wurde er von diesen harten Leiden durch die Lehren und Gebete seines Gewissensrates, dem er sie aufdeckte, befreit.
Anastasius, der sich immer mehr von dem Verlangen nach dem Märtyrertod beseelt fühlte, und sogar durch göttliche Offenbarung belehrt worden war, dass er für seinen Glauben sterben würde, verließ schließlich das Kloster, in dem er sieben Jahre lang zur allgemeinen Erbauung gelebt hatte, und machte eine Wallfahrt nach Diospolis, Garizim, und zu Unserer Lieben Frau zu Cäsarea, in Palästina. Zwei Tage lang verweilte er in letzterer Stadt, die damals mit dem größten Teil Syriens den Persern unterworfen war. Sein Eifer entbrannte da beim Anblick der Zaubereien, die einige Soldaten der Besatzung in den Straßen anstellten, und er sprach mit Kraft gegen diese Gottlosigkeit. Die persische Obrigkeit, die von dem Vorfall erfuhr, und fürchtete, er möchte ein Späher sein, ließ ihn verhaften. Als er vor die Richter gebracht wurde, sagte er, dass auch er ehemals ein Magier gewesen war, diesem nichtigen Dienst aber entsagt hat, um ein Schüler Jesu Christi zu werden. Kaum hatte er aber dieses offene Bekenntnis seines Glaubens abgelegt, so warf man ihn ins Gefängnis. Drei Tage brachte er da zu ohne Speise und Trank, worauf man ihn vor Marzabanes, den Befehlshaber der Stadt, führte. Im Verhör, das er bestehen musste, bekannte er, dass er Christ sei. Umsonst machte man ihm die herrlichsten Versprechungen, um ihn zu gewinnen. Aber gegen diese sowohl, als gegen den ihm angedrohten Kreuzestod war er unempfindlich. Der Befehlshaber, über diese Standhaftigkeit erbittert, befahl, man soll ihm eine schwere Kette an einen Fuß und den Hals binden, und ihn an einen anderen Gefangenen anschließen. In diesem Zustand wurde er zum Steintragen verurteilt. Die Perser, und vor allem die der Provinz Rasech, wo er geboren war, fügten ihm tausend Unbilden zu, misshandelten ihn mit Stockschlägen, wie einen nichtswürdigen Menschen, und nannten ihn die Schande seines Landes, rissen ihm den Bart aus und bürdeten ihm die schwersten Lasten auf.
Einige Zeit danach ließ ihn Marzabanes vor sich führen und wollte ihn zwingen, die bei den abergläubischen Übungen der Magier gebräuchlichen Worte auszusprechen. „Wie,“ sagte der Heilige, „dürfte ich wohl Gottlosigkeiten aussprechen, an die es nicht einmal erlaubt ist zu denken?“ – „Weißt du,“ erwiderte der Richter, „dass ich hierüber an den König schreiben werde?“ – „Schreibe ihm, was dir beliebt,“ antwortete Anastasius, „ich bin ein Christ; ja ich wiederhole es, ich bin ein Christ.“ – „Man schlage ihn mit Knotenstöcken,“ sagte der Befehlshaber. Da die Henker Anstalten machten, ihn zu binden, redete sie der Heilige mit den Worten an: „Diese Vorkehrung ist unnötig; ich fühle Mut genug in mir, mich in der Stellung zu halten, die ihr verlangt: ich schätze mich glücklich, für Jesus Christus zu leiden. Nur mein Kleid will ich ablegen, damit es nicht entweiht wird.“ Nach diesen Worten zog er sein Kleid bescheiden aus, legte sich auf die Erde, und empfing, ohne sich zu bewegen oder die gebotene Haltung zu verlieren, die Schläge, womit er sollte gezüchtigt werden. Da der Befehlshaber ihm seine Drohung, an den König zu schreiben, wiederholte, sagte ihm der Heilige: „Wen sollen wir mehr fürchten, einen sterblichen Menschen oder Gott, der alles aus nichts gemacht hat?“ Als man in ihn drang, der Sonne und dem Mond zu opfern, antwortete er: „Nie werde ich Geschöpfe, die von Gott zu unserem Dienst erschaffen worden sind, als Gottheiten ansehen.“ Nachdem er dieses herrliche Bekenntnis seines Glaubens mit so unerschütterlicher Standhaftigkeit abgelegt hatte, wurde er wieder in das Gefängnis zurückgeführt.
Unterdessen erfuhr der Abt Justin alles, was sein Schüler für Jesus Christus litt. Er verrichtete mit der Genossenschaft gemeinschaftliche Gebete und schickte zwei der Brüder, ihn zu trösten und ihm beizustehen. Der heilige Bekenner musste hierauf wieder alle Tage Steine tragen. Nur während der Nacht wurde ihm Ruhe gegönnt und auch von dieser widmete er einen großen Teil dem Gebet. Diese heilige Lebensweise machte tiefen Eindruck auf seine Mitgefangenen. Einer aus ihnen sah ihn einst in der Nacht ganz von Licht umstrahlt und mitten unter einem Chor der Engel, die mit ihm beteten. Er zeigte ihn auch den anderen. Der Heilige pflegte mit gebeugtem Haupt zu beten und ohne nur im Geringsten den Fuß zu bewegen, aus Furcht, die Ruhe desjenigen zu stören, der an derselben Kette angeschlossen war.
Sobald Marzabanes von Chosroes, an den er wegen des Anastasius geschrieben hat, eine Antwort empfangen hatte, ließ er dem Heiligen sagen, der König will ihm Nachsicht angedeihen lassen, und es soll ihm freistehen, wenn er auch nur mit dem Mund dem Christentum abschwört, einen Stand nach Belieben zu wählen. „Du wirst auch,“ fügte der Abgeordnete noch im Namen des Befehlshabers bei, „eine Stelle unter den ersten Kriegsobersten haben können. Wenn du aber für diese Würde keine Neigung hast und du lieber als Christ leben willst oder als Mönch, so wird man dich in diesem Stück gar nicht beunruhigen; zudem verleugnest du deinen Christus ja nur in Gegenwart eines einzigen Menschen. Welche Bosheit wirst du ihm daher zufügen, wenn du ihm doch im Grund des Herzens stets anhängst?“ Der heilige Anastasius antwortete mit edler Freimütigkeit, dass ihn schon der Schein einer Verstellung in Schrecken setzt und dass er nie so feige sein wird, seinen Gott zu verleugnen. Da Marzabanes ihn fest und unerschütterlich auf seinem Entschluss beharren sah, erklärte er ihm, dass er Befehl hat, ihn mit Ketten beladen zum König zu schicken. „Es ist unnötig, mich mit Ketten zu binden,“ sagte der Heilige, „weil es sich darum handelt, für Jesus Christus zu leiden, werde ich freudig an den Ort meiner Bestimmung gehen.“ Da während der Vorbereitungen auf die Reise das Fest der Erhöhung des heiligen Kreuzes fiel, das man am 14. September feierte, erwirkte der Verwalter der königlichen Gefälle, der ein eifriger Christ war, für Anastasius die Erlaubnis, die Kirche zu besuchen und dem Gottesdienst beizuwohnen. (Die Perser verwehrten die Ausübung der christlichen Religion an den Orten nicht, wo sie bei der Eroberung schon eingeführt war. Nur ihre Landsleute verfolgten sie auf das Grausamste, wenn sie Christen wurden, weil sie ihre Bekehrung als einen ihren Göttern zugefügten Schimpf, als eine Schande ansahen, die auf die ganze Nation zurückfällt.) Seine Gegenwart und die kraftvollen Ermahnungen bestärkten die Christen in ihren guten Entschlüssen, belebten die lauen Seelen wieder mit heiliger Inbrunst und erregten in allen Gemütern eine solche Rührung, dass aller Augen viele Tränen entflossen. Nach beendetem Gottesdienst speiste der Heilige bei dem frommen Verwalter und kehrte dann freudig in sein Gefängnis zurück.
Sobald die fünf Tage der Zurüstung verflossen waren, reiste Anastasius unter starker Bewachung von Cäsarea in Palästina ab, mit zwei anderen christlichen Gefangenen. Einer der Ordensmänner, die der Abt Justin zu seiner Pflege geschickt hatte, begleitete den heiligen Bekenner. (Die Akten des Märtyrertodes des heiligen Anastasius wurden von diesem Ordensmann abgefasst.) An allen Orten, durch die er ging, beeiferten sich die Christen, ihm entgegen zu gehen, und ihn mit den feierlichsten Ehrfurchtsbezeigungen zu empfangen. Durch so viele Ehren wurde die Demut des Dieners eines gekreuzigten Gottmenschen tief geängstigt. Er fürchtete, das Gift des Stolzes möchte in sein Herz einschleichen und ihn der ersehnten Krone himmlischer Herrlichkeit verlustig machen. Überzeugt, dass der Beistand göttlicher Gnaden ihm jetzt mehr als jemals notwendig sei, schrieb er aus der Stadt Hierapolis und von den Ufern des Tigris an seinen Abt, und flehte ihn um den Beistand seiner und der ganzen Genossenschaft Gebete an.
Bei seiner Ankunft in Barsaloe, einer kleinen Stadt in Syrien, zwei und eine halbe Stunde von Discarthes oder Dastagerd, am Euphrat, wo sich damals der König von Persien befand, warf man ihn in ein Gefängnis, bis besondere Verhaltensbefehle ergehen würden. Chosroes schickte einen Hauptmann zu ihm, der ihn verhören sollte. Der bot alles auf, um ihn durch die verlockendsten Versprechen zu blenden. „Das ärmliche Kleid, das ich trage,“ sagte der Heilige auf die ihm gemachten Verheißungen, „beweist hinreichend die Verachtung, die ich gegen die Eitelkeit weltlicher Pracht hege. Die Ehrenstellen und Reichtümer eines Königs, der selbst bald sterben muss, sind nicht imstande, mich zu reizen.“
Des folgenden Tages kam der Hauptmann wieder in das Gefängnis, mit der Hoffnung Drohungen würden wirksamer sein als Versprechen. Allein auch hierin irrte er. „Alle diese Bemühungen, mein Herr,“ sagte ihm der Heilige mit unwandelbarer Ruhe, „sind vergeblich. Ich werde kraft der Gnade Jesu Christi nicht besiegt werden. Du magst nun vollziehen, was du über mich beschlossen hast.“ Aufgebracht durch diese fehlgeschlagenen Versuche, verdammte ihn der Hauptmann, drei Tage nacheinander ausgepeitscht zu werden, was auch vollzogen wurde. Dann befahl er, ihn auf den Rücken zu legen und ihm die Beine mit einem großen Stück Holz zu beschweren, auf dessen beiden Enden noch zwei Männer standen. Man kann sich leicht die schrecklichen Schmerzen eines so heftigen Drucks vorstellen. Die Geduld und heitere Ruhe des Anastasius setzten den Richter in Staunen, und nachdem er dem König hierüber Nachricht erteilt hatte, begehrte er von ihm neue Verfahrensbefehle.
Während seiner Abwesenheit gestattete der Kerkermeister, der ein Christ, aber zu schwach war, ein Amt, das sich damals mit der liebevollen Lehre Jesu keineswegs in Einklang bringen ließ, abzulegen, den Christen, ihren leidenden Mitbruder zu besuchen. Scharenweise liefen sie zum Gefängnis. Jeder bemühte sich, die Hände und Füße des Märtyrers zu küssen. Man nahm alles, was seinen Leib berührt hatte, selbst die Werkzeuge seiner Marter, als geheiligte und kostbare Dinge mit sich weg. Der Heilige, der nur geringe Gedanken von sich selbst hatte, war über ein solches Betragen sehr unzufrieden, und sprach sich sogar in starken Worten darüber aus, konnte es aber dadurch nicht verhindern.
Als der Hauptmann zurückgekommen war, ließ er Anastasius von neuem mit Schlägen züchtigen, aber stets vergebens. Wenn man die Standhaftigkeit des frommen Dulders sah, hätte man denken sollen, sein Körper sei ganz gefühllos. Danach hängte man ihn an einer Hand auf und band eine schwere Last an seine Füße. In diesem Zustand blieb er zwei Stunden lang, ohne sich durch die Versprechen oder Drohungen, die man immerhin noch anwandte, erschüttern zu lassen.
Der Richter, der schließlich verzweifelte, weil er durch Anastasius besiegt wurde, ging nun zum König, um seine letzte Willenserklärung einzuholen. Der erhaltene Befehl ging dahin, den Heiligen mit den gefangenen Christen zu töten. Bei seiner Rückkehr wurden die zwei Gefährten des unüberwindlichen Anastasius, mit 66 anderen Christen, am Ufer des Flusses erdrosselt. Man ließ Anastasius Zeuge dieser Hinrichtung sein, indem man sich immer noch mit der Hoffnung schmeichelte, der Anblick dieser schaudervollen Hinrichtung werde ihn erschüttern. Man wandte sogar noch andere Mittel an, um ihn zum persischen Aberglauben zurückzuführen. Alles aber blieb ohne Erfolg. „Ich erwartete,“ sagte er dann zu den Henkern, „dass eine grausamere Todesart über mich verhängt würde. Ich dachte, man würde meinen Leib in Stücke zerreißen lassen. Aber da Gott mich zu sich ruft durch einen leichteren Weg, so kostet mich das Opfer nichts, das ich ihm mit meinem Leben darbringe. Ich bitte ihn nur, es annehmen zu wollen.“ Kaum hatte er ausgeredet, so erdrosselte man ihn, wie die anderen, und schnitt ihm dann den Kopf ab. Sein Märtyrertod fällt auf den 22. Januar, im Jahr nach Christi Geburt 628, und im siebzehnten der Regierung des Kaisers Heraklius, an dem Tag auch sein Fest von den Griechen und Lateinern begangen wird. Der heilige Atanasius hatte den nahen Fall des Tyrannen Chosroes vorhergesagt, der auch wirklich zehn Tage nach seinem Märtyrertod erfolgte, als Heraklius in Persien einfiel.
Die Leiche des Heiligen, die man mit denen der anderen Christen den Hunden vorgeworfen hatte, wurde aber von diesen gefräßigen Tieren unangetastet gelassen. (Die Hunde waren und sind im Morgenland nicht die geselligen Freunde des Menschen. Sie sind grausam, blutdürstig, stets hungrig, nie gesättigt. Es wird ihnen nie etwas zu fressen zugeworfen. Sie suchen sich Nahrung, wo sie können. Kehricht, Aas, Unreinigkeiten, alles ist ihnen gut, wenn sie nur ihren Hunger stillen können. Vor allem gieren sie nach Menschenfleisch.) Die Gläubigen kauften und beerdigten sie dann in dem Kloster zum heiligen Sergius, das nicht weit entfernt war, und von dem die Stadt Barsaloe den Namen Sergiopolis erhalten hat. Der Ordensgenosse, der ihm gefolgt war, brachte seine Kleider nach Palästina zurück. In der Folge wurde auch sein Leib dahin gebracht. Einige Jahre später versetzte man ihn nach Konstantinopel und dann nach Rom.
Das 7. Allgemeine Konzil billigte den Gebrauch, das Haupt des heiligen Märtyrers Anastasius zu malen, wie auch das alte Bild desselben Hauptes, das durch mehrere Wunder berühmt ist, und zu Rom mit besonderer Verehrung aufbewahrt wird. Man sieht es jetzt noch in dem Kloster Unserer Lieben Frau ad aquas salvias, das den Namen von den heiligen Vincentius und Anastasius trägt. Die anderen Reliquien von diesem Heiligen sind in der Kapelle ad Scalas Sanctas, neben St. Johann im Lateran. Bei Bollandus findet man die Geschichte der Wunder, die bei den Reliquien geschahen.
1. Herr, mein Gott, du bist die Liebe. Also spricht der vielgeliebte Jünger, und der Funke der Liebe, den du in mein Herz legtest, macht diese Wahrheit mir fühlbar. Denn unauslöschlich ist mein Verlangen nach Liebe. Sie ist die Freude meines Daseins, sie ist ein Aufschwung nach dem Schönen und Lieblichen und wird durch nichts Erschaffenes gesättigt. Hieraus, unendliche Majestät, wird es mir klar, dass unendliche Liebe der Jubel deines glorreichen Daseins ist, dass sie nur durch unendlich Schönes, nur durch unendlich Großes und Gutes gesättigt wird, dass du, Ursprung aller Wesen, in dir allein, dem unermesslichen Ozean unendlicher Vollkommenheiten, findest.
2. Auch schließe ich, mein Gott, aus dem Gefühl meiner geringen Liebe, die, je inniger und lebendiger, auch um so tätiger und wirksamer ist, dass deine Liebe, die keinen Anfang kennt, in unendlicher Wirksamkeit besteht, da ihr Gegenstand die unendliche Schönheit, die unendliche Herrlichkeit und Vollkommenheit ist. Unermesslich ist das Feuer dieser glorreichen Liebe, unermesslich die Glorie, die dieses lebendige Feuer nährt. Denn alles, was dieser unendlichen Liebe genügt, besitzt du selbst, ja bist du selbst, unendliche Majestät. Daher, o ewig anzubetende Dreieinigkeit, deine unbegrenzte, ewig neue, ewig lebendige Glückseligkeit und Glorie in dem Genuss dieser unermesslichen Liebe.
3. Das Übermaß dieses göttlichen Feuers ergießt sich über alle Chöre deiner Engel, über alle Scharen deiner Heiligen. Von diesem Feuer durchströmt, jubeln sie in ewiger Glückseligkeit, und singen den Lobgesang deiner Liebe. Trunken sind sie von dem Strom dieser Wonne ihres Gottes, und versunken in ewige Entzückungen über deine unendliche Urschönheit. Ja selbst in diesem Tal der Tränen erhebt ein Funke dieses göttlichen Feuers, der in eine auserwählte Seele fällt, sie über sich selbst, und entflammt ihr Herz mit einer Sehnsucht, die ohne Unterlass seufzt, aufgelöst zu werden, um ewig bei dir zu sein. O mein Schöpfer, entflamme auch mein Herz mit diesem heiligen Feuer. Psalm 42,2-3: "Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so lechzt meine Seele, Gott, nach dir. Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann darf ich kommen und Gottes Antlitz schauen?"
Unbefleckte Jungfrau Maria, siehe, du musst machen, dass ich selig werde. Hilf, dass ich immer an dich denke und vergiss mich nicht. Die Zeit scheint mir so lang, als wären es noch tausend Jahre, bis ich deine Schönheit im Himmel erblicken werde, wo ich dich noch weit mehr loben und lieben werde, meine Mutter, meine Königin, meine geliebte, meine schönste, meine süßeste, meine reinste und unbefleckte Jungfrau Maria. Amen.
Zu Gott
Allmächtiger, heiliger Gott, gib allen Kindern Deiner Kirche die Gnade, treu ihre Reinheit zu bewahren, jene ebenso zarte als notwendige Tugend, damit sie die eheliche Verbindung heilige, und stets ungetrübt an den dir geweihten Jungfrauen zur Verherrlichung deiner heiligen Kirche und zum Lob deines heiligen Namens glänze, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Die heilige Agnes,
Jungfrau und Martyrin. Eine eiserne Wiege wurde glühend gemacht, um diese zum Martertod bestimmte Jungfrau hineinzulegen. Frohen Mutes stieg sie in diese Wiege und sprach lächelnd: "Nun werde ich wieder, was ich gewesen bin, ein Kind. Wie gut geht es mir, denn den Kindern gehört der Himmel!"
Siehe hier die Kraft des Glaubens, die in einem Kind Gottes wohnt, es ist ruhig und zufrieden wie ein Kind in Vaters Schoß, wenn es außen noch so stürmt, und genießt schon den Frieden und die Ruhe des Himmels auf Erden.
Prüfe dich, ob du auch innerlich so ruhig und heiter bleibst, wie die heilige Agnes, wenn du von der Welt falsch beurteilt, unschuldig angeklagt, deines Glaubens und Festhaltens an Jesus durch äußere Religionsübungen wegen verspottet, verachtet, etwa für einen Frömmelnden angesehen wirst?
Bete um freudiges Bekenntnis des Glaubens.
Bekenn den Glauben ohne Furcht und Scheu.
Im Leiden fürchte nichts, Gott steht dir bei!
Andenken an die seligste Jungfrau
Zu Maria Einsiedeln in der Schweiz war heute die berühmte Gedächtnisfeier des heiligen Einsiedlers Meinrad, der mit Beten, Betrachten und Fasten sein Leben zubrachte, die Andacht zur seligsten Jungfrau durch ein in die ihm angewiesene Kapelle übersetztes und nachher unter dem Namen Maria Einsiedeln so berühmt gewordenes Mutter Gottes-Bild weit ausgebreitet, viele zur Tugend und Gottseligkeit unterrichtet, und schließlich von 2 Mördern nach gelesener Heiliger Messe am 21. Januar 861 umgebracht worden ist.
Papst Paul II. hat im Jahr 1464 an diesem Tag allen denen, die das Fest der Aufopferung Mariä, das nun auf den 21. November fällt, mit Andacht begehen würden, Ablass erteilt.
Seit sechzehnhundertfünfzig Jahren verkündet die Kirche das Lob der heiligen Agnes. Die größten Kirchenlehrer feiern ihren Ruhm. Berühmte Päpste haben ihr Leben und Sterben begeistert geschildert. Ihr zu Ehren haben Dichter ohne Zahl ihre Lieder gesungen. Zahllos sind auch die Kirchen, die ihr geweiht sind, und Millionen Frauen und Mädchen trugen zu allen Zeiten und tragen heute noch ihren Namen. Die heilige Agnes gehört zu den ganz Großen im Himmel und auf Erden.
Was hat sie denn so groß gemacht?
Agnes wurde als Tochter eines vornehmen römischen Hauses im Jahre 291 geboren. Schon als Kind war sie schön wie eine Rosenknospe. Später staunten alle Menschen, die sie sahen, denn so viel Liebenswürdigkeit und Schönheit und Freundlichkeit wie bei ihr findet man selten bei einem einzelnen Menschen.
Schön war Agnes von Gestalt, und noch weit herrlicher entfaltete sich die Schönheit ihrer Seele. Rein wie die weiße Wolle eines Lammes war ihr Herz, wie Schnee, über den noch kein Fuß gegangen ist. Und bald auch blühte in ihrem Herzen die Liebe zum schönsten und herrlichsten Bräutigam, den es gibt, zu Christus, dem König der reinen Seelen. Mit diesem unvergleichlichen Bräutigam verband sich Agnes für immer und ewig durch ein Gelübde.
Angelockt durch die Art und die Erscheinung des Mädchens, bat eines Tages ein vornehmer heidnischer junger Mann um die Hand der Heiligen. Sie aber, die an irdische Liebe nie gedacht hatte, gab zur Antwort:
„Du kommst zu spät. Ein anderer ist dir zuvorgekommen. Ich bin bereits verlobt. Mein Bräutigam ist der, dessen Schönheit Sonne, Mond und Sterne bewundern und dessen Mutter eine Jungfrau ist. Mit einem Ring hat mich Jesus Christus, der Herr, sich verbunden, und wie eine Braut hat er mich mit einem Kranz geschmückt.“
So sprach Agnes. Hohe, heilige Worte waren es, mit denen sie sich offen als Christin bekannte.
Es war damals die Zeit der Christenverfolgung, und so ging der enttäuschte Bewerber hin und klagte die Christusbraut, die ihn abgewiesen hatte, bei dem heidnischen Richter an.
Der Richter ließ die Bekennerin aus dem Elternhaus holen und sich vorführen. Mit freundlichen Worten forderte er sie auf, zum Zeichen des Abfalls vom wahren Glauben vor einem Götzenbild Weihrauch zu verbrennen. Schmeichelnd versprach er ihr dafür alles Glück der Welt. Doch Agnes schüttelte ernst, aber bestimmt den Kopf. Irdisches Glück ließ sie kalt, und deshalb weigerte sie sich, Weihrauch zu streuen, um dem himmlischen Bräutigam nicht untreu zu werden.
Da stieß der Richter schreckliche Drohungen aus und zeigte ihr die grauenhaften Marterwerkzeuge, wie sie damals gegen die Christen angewandt wurden: klirrende Ketten, eiserne Krallen, blutbespritzte Foltern, die wilden Tiere und die lodernden Flammen des Scheiterhaufens. Doch auch dadurch ließ sich Agnes nicht einschüchtern. Sie stand in Treue fest zu Christus. An dieser Treue änderte sich auch dann nichts, als sie zum Tod durch Enthauptung verurteilt wurde.
Wie sie den Martertod erlitt, beschreibt der heilige Bischof Ambrosius von Mailand, der die Geschichte noch von Augenzeugen erfahren hat, so schön, dass es ihm schöner keiner nacherzählen kann.
„So schreitet keine Braut dem Bräutigam entgegen“, erzählt der heilige Ambrosius, „wie diese Jungfrau fröhlichen Schrittes zur Marterstätte eilt. Alle Leute weinen, einzig ihre Augen bleiben tränenleer. Ringsum staunt man, dass sie ihr Leben so leichten Herzens hingibt ... Ruhig steht sie da, betet und neigt den Nacken. Da konntest du den Henker zittern sehen ..., seine Hand bebt, bleich sind seine Lippen ..., bis Agnes ihm zuruft: Warum zögerst du, Henker?“
So berichtet der heilige Ambrosius von dem glorreichen Tod der Christusbraut Agnes, und voll Bewunderung fährt er fort:
„Mädchen ihres Alters weinen über einen Nadelstich, als hätten sie sich schwer verletzt, sie aber stand unerschrocken vor dem Henker. Sie hatte kaum eine Ahnung, was Sterben heißt, und schon ist sie bereit, ihr junges Leben unter dem Schwert auszuhauchen. So viele Menschen nun ihren Namen aussprechen, so viele Herolde verkünden den Ruhm dieser jungfräulichen Martyrin.“
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Es war am 21. Januar des Jahres 304 nach Christi Geburt, als die heilige Agnes den Märtyrertod erlitt. Noch so jung, erst im 13. Lebensjahr stehend, war sie schon im Guten vollendet. Ihr heiliger Engel, der im Leben ihr so treu zur Seite gestanden hatte, führte die reine, unschuldige Seele zum Himmel empor. Allem Erdenleid für immer entrückt, wird sie von den Engeln und Heiligen als Teilnehmerin an ihrer Seligkeit begrüßt. Sie schaut – o welche Freude! – nun zum ersten Mal ihren göttlichen Bräutigam, den sie so treu geliebt, nach dem sie so glühend verlangt hat. Nun besitzt sie Ihn und nichts mehr vermag sie von Ihm zu trennen. Liebend schließt Er sie in Seine Arme, krönt sie mit der Doppelkrone der Jungfräulichkeit und des Martyriums und lässt sie für alle Ewigkeit teilnehmen an seiner himmlischen Herrlichkeit.
Die Glorie und Freuden, in der sie nun lebt und ewig leben wird, beschreiben zu wollen, wäre eitles Beginnen. Kein Menschenauge ist fähig, den Glanz zu ertragen, keine Menschenbrust kann die Wonne verkosten, keine Engelszunge kann die Herrlichkeit verkünden, die Gott im himmlischen Paradies jenen bereitet hat, die Ihn lieben (1 Kor 2). Und Agnes gehört zu Seinen auserwählten Bräuten, zu jenen bevorzugten Heiligen, die das Kleid der Jungfräulichkeit unbefleckt vor den Thron des Lammes gebracht haben. Strahlend in leuchtendem Gewand, die Siegespalme in der Rechten, ihr Herz erfüllt von unbeschreiblicher Seligkeit, folgt sie, eine der ersten in der Schar der Jungfrauen, dem Lamm, wohin es immer geht, und singt mit ihnen ein Lied, das nur sie zu singen vermögen (Offb 14). Ewig prangt sie mit der Siegeskrone, die der besondere Lohn der Jungfrauen ist für die Siegreichen Kämpfe zur unbefleckten Bewahrung ihrer Keuschheit (Sir 4).
Aber auch auf Erden hat der Herr Seine Braut verherrlicht und durch alle christlichen Jahrhunderte ist ihr Andenken glorreich geblieben.
Kaum hatte das unschuldige Mädchen sein Leben ausgehaucht, da drängten die Christen sich hinzu, um in den Tüchern das Blut der jugendlichen Märtyrerin aufzufangen, das sie als teures Andenken und wertvolle Reliquie mit sich nach Hause nahmen. Den heiligen Leib ließen ihre Eltern auf einer ihrer Besitzungen in der Nähe der Stadt Rom ehrfurchtsvoll bestatten. Die Christen kamen in großer Zahl zum Grab der Heiligen, um dort zu beten, durch ihr Beispiel sich zu ermutigen und durch ihre Fürbitte Kraft zu erflehen für ihren Glauben. Manche erlitten dort, von den Heiden überfallen, den Märtyrertod. Unter diesen war auch Emerentiana, ein Mädchen, das mit Agnes vom gleichen Alter, jedoch noch nicht getauft war. Als Emerentiana den Heiden mutig entgegentrat und ihnen unerschrocken ihre Ruchlosigkeit vorhielt, wurde sie von der wütenden Menge zu Tode gesteinigt. So empfing sie die Bluttaufe. Im selben Augenblick erfolgte jedoch ein furchtbares Erdbeben, begleitet von Donner und Blitz, wodurch viele getötet wurden, so dass man es fortan nicht mehr wagte, hier die Christen zu belästigen.
Am teuersten war die Grabstätte der heiligen Agnes ihren Eltern. Täglich besuchten sie das Grab, um dort zu beten. Sie freuten sich wohl innig über das Glück ihres Kindes, aber es tat ihnen doch weh, es nicht mehr bei sich zu haben. Da erschien ihnen eines Abends, als sie zusammen mit vielen anderen an dem Grab ihrer Tochter beteten, Agnes, von blendendem Licht umstrahlt und begleitet von vielen Jungfrauen, ein glänzend weißes Lämmlein auf ihren Armen tragend. „Seid nicht traurig“, so tröstete sie freundlich ihre Eltern, „dass ihr mich verloren habt, sondern freut euch wegen meines Glücks. Denn seht, ich schaue nun, wonach ich verlangte und besitze, was ich gehofft habe. Ich bin nun vereint im Himmel mit Ihm, den ich auf Erden mit ganzer Inbrunst geliebt habe.“ Hierauf verschwand die Erscheinung; die Eltern aber waren durch diese Worte sehr erfreut.
Das Grab der heiligen Agnes blieb in großen Ehren und ihre Verehrung breitete sich immer weiter aus. In allen Kirchen und Sprachen des Erdkreises wurde ihr Andenken geehrt, ihr Lob verkündet und ihr Fest gefeiert. Christliche Jungfrauen wählten sich die jungfräuliche Märtyrerin als Patronin und ehrten sie als Vorbild und Schützerin ihrer Unschuld. Konstantia, die Tochter des Kaisers Konstantin, erbaute über ihrem Grab eine Kirche und daneben ein Haus für fromme Jungfrauen, die dort unter dem Schutz der heiligen Agnes ein gottgeweihtes Leben führten. Diese Kirche zählt jetzt zu den schönsten Kirchen Roms. Sie birgt als kostbaren Schatz unter dem Hochaltar den größten Teil der Reliquien der heiligen Agnes. Die große Anzahl Weihegeschenke, die man in diesem Gotteshaus erblickt, geben Kunde von der Liebe und Verehrung, die der jugendlichen Heiligen gezollt wird und von den vielen Gebetserhörungen, die auf ihre Anrufung stattfanden.
Der Tag, an dem die heilige Agnes durch ihren blutigen Tod das ewige Leben fand, in der Sprache der Kirche „Geburtstag“ genannt, wird am 21. Januar gefeiert und sieben Tage darauf das Gedächtnis ihrer Erscheinung. Die priesterlichen Tagzeiten ihres Festes gehören zu den schönsten des Breviers. Ihr Name ist in den Kanon der heiligen Messe aufgenommen und Tag für Tag steigt unzählige Male von den Altären das Gebet um ihre Fürbitte zum Himmel empor. In Rom werden alljährlich an ihrem Grab zwei weiße Lämmlein gesegnet; aus deren Wolle werden die Pallien bereitet, die der Papst den Erzbischöfen verleiht und womit er ihnen Vollmacht gibt zur Ausübung ihrer Rechte.
Von vielen Heiligen ist es bekannt, dass sie eifrige Verehrer der heiligen Agnes waren. Dazu zählen unter andern der heilige Martin, dem sie wiederholt erschien, der heilige Thomas von Aquin, die heilige Brigitta, der selige Thomas von Kempen. Christliche Dichter besangen ihr Leben und berühmte Kirchenväter verkündeten ihr Lob. Insbesondere der heilige Ambrosius hat sie mit beredten Worten gefeiert.
So ist die heilige Agnes geehrt im Himmel und auf Erden. Sie hat, was der heilige Hieronymus von ihr preist, durch ihre Festigkeit und Ausdauer die Schwäche ihres Alters und die Wut des Tyrannen überwunden: das ist und bleibt ewig ihr Ruhm.
Die heilige Agnes war, was der heilige Augustinus an ihr rühmt, wirklich, was ihr Name andeutet, die Keusche und Reine, ein Lamm an Einfalt und Unschuld und treuer Anhänglichkeit an Jesus, den guten Hirten, von dem sie durch nichts sich trennen ließ: das verdiente ihr die Kronen der Jungfräulichkeit und des Martyriums.
Heilige Agnes, lass nicht ab, für uns zu bitten, damit wir in den Gefahren nicht erliegen und den Versuchungen standhaft widerstehen und so vom ewigen Verderben bewahrt, einst mit dir ewig uns in der Glorie des Himmels erfreuen mögen!
1. Gott, der unendlich glückselig ist, erschuf auch unser Herz zur Freude. Und gar sehr irren diejenigen, die von seinem Dienst durch den falschen Wahn sich abhalten lassen, die Diener Gottes schmachteten in beständiger Traurigkeit. Freude ist die natürliche Speise unseres Herzens. Zwar verbietet Gottes heilige Gerechtigkeit denjenigen, die nach dem himmlischen Reich pilgern, unreine und sündhafte Lüste, aber seine liebevolle Güte entschädigt sie, selbst in diesem Leben, reichlich durch den Trost und die Freude des Heiligen Geistes. Und so liebevoll werden sie dadurch erquickt, dass sie ihrem gekreuzigten Herrn mit großer Liebe folgen.
2. Dieser Trost und diese heilige Freude sind die Erstlingsgaben der himmlischen Erbschaft, und ihre Lieblichkeit steht hoch über allen sterblichen Worten. Dieses Wort fassen die Kinder dieser Welt nicht, und es ist ihnen Torheit. Es zeigt sich aber die allmächtige Kraft dieses göttlichen Trostes darin, dass sie Seelen, die damit begnadet werden, also über sich selbst erhebt, erleuchtet und von himmlischer Liebe durchglüht, dass sie alle Lüste der Welt und des Fleisches gleich dem Gassenkot verabscheuen, weil alles, was in dieser Welt süß und lieblich genannt wird, gegen den Adel, die Reinheit und göttliche Lieblichkeit dieser heiligen Wonne wahre Bitterkeit ist.
3. Diese Gnade widerfährt ihnen besonders, wenn das Licht des Heiligen Geistes sie im innerlichen Gebet erleuchtet, dass die Geheimnisse des heiligen Glaubens ihnen gleichsam anschaulich werden, und sie die wunderbare Weisheit und Liebe Gottes klar erkennen, wodurch ihre Liebe oft so sehr entflammt wird, dass sie mit dem Apostel ausrufen: "Ich sehne mich danach, aufzubrechen und bei Christus zu sein - um wieviel besser wäre das." (Philipper 1,23) So lieblich und so stark ist dieser Trost, dass zuweilen große Sünder sich dadurch angeeifert fühlten, die Welt zu verlassen, und dass bekehrte Seelen die größten Aufopferungen, sogar ihres Lebens, mit Jubel vollbrachten. Gott aber erquickt alle, die mit aufrichtigem Herzen ihm dienen, je nach ihrem Bedürfnis und den Anordnungen seiner göttlichen Weisheit, mehr oder minder, mit dieser himmlischen Speise. Psalm 9,3: "Ich will jauchzen und an dir mich freuen, für dich, du Höchster, will ich singen und spielen."
Du barmherzigste Mutter. Sei meine Fürbitterin bei Gott und erwirb mir seine göttliche Gnade und Barmherzigkeit. Du bist ihm wegen deiner Heiligkeit ganz lieb und angenehm. Ich aber bin ihm wegen meiner Sünden ganz zuwider und verhasst. O dass mir recht bald die Verzeihung meiner Sünden verkündigt würde. Dass ich durch die Gegenwart meines Heilandes in meinem Herzen von himmlischem Trost erquickt würde. Erflehe mir diese große Gnade bei Jesus deinem göttlichen Sohn. Amen.
Zu Gott
Wir hoffen, gütiger Gott, von Deiner unendlichen Barmherzigkeit den Beistand zu erlangen, den wir brauchen, um in den Gefahren, denen wir so oft ausgesetzt sind, nicht zugrunde zu gehen. Erhöre auch unser Gebet für diejenigen, denen der Schutz unserer irdischen Güter und unseres zeitlichen Lebens anvertraut ist, damit sie in allem Deinen Willen vor Augen haben, und gegen alle Feinde des zeitlichen und ewigen Heils gesichert stehen mögen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Der heilige Sebastian,
Soldat und Martyrer, zog sich durch seinen Eifer blutige Verfolgung zu. Seine Mitchristen baten ihn dringend zu fliehen, er aber sprach: "Ich will tun, was Gott will." - darauf betete er inständig und kurze Zeit später wurde ihm der Marterkrone zuteil.
Nichts geschieht ohne Anordnung Gottes, kein Vögelein verliert ein Federlein, kein Fisch kommt ins Netz, keinem Menschen wird ein Härlein gekrümmt, ohne den Willen Gottes, deshalb sprach auch Jesus zum Petrus: "Soll ich den Kelch nicht trinken, den mir mein Vater bereitet hat?"
Prüfe dich, ob du auch alles, Freude und Schmerz, was dir den Tag über jeden Augenblick so zukommt, nach dem Beispiel Jesu, nicht den Menschen, nicht Judas und seinem Anhang zuschreibst, sondern wie von der Hand Gottes kommend annimmst mit Demut, in Hinblick auf deine Fehler mit Geduld, aus Liebe zu Jesus, mit Lob und Dank, weil es dir nützen kann, überträgst?
Bete um kindliche Ergebung in den Willen Gottes.
Tu immer, was und wie es Gott will,
Das führet sicher dich zum schönsten Ziel.
Andenken an die seligste Jungfrau
An diesem Tag wurde im Jahr 1582 vom Papst Gregor XIII. die Rosenkranz-Bruderschaft zur Ehre der heiligsten Mutter Gottes aufs neue bestätigt.
Sebastian wurde im dritten Jahrhundert als Sohn römischer Eltern, die Christen waren, in Südfrankreich geboren. Bald nach seiner Geburt verzog die Familie und siedelte nach der großen Stadt Mailand in Oberitalien. Dort ist Sebastian groß geworden.
Von der frühesten Kindheit an schwärmte der Junge für das Militär. Wo sich Soldaten zeigten, da war auch Sebastian zur Stelle. Soweit es seine kurzen Beine zuließen, marschierte er neben den Kolonnen her. Die Soldatenlieder kannte er schon alle, bevor er lesen und schreiben lernte. So wurde Sebastian ein wenig später selbst Soldat. Fähnrich zuerst, dann Leutnant und mit zweiundzwanzig Jahren bereits Hauptmann, der jüngste Hauptmann im Regiment.
Drei Jahre später wurde Hauptmann Sebastian zur kaiserlichen Garde nach Rom versetzt. Damit erfüllte sich für ihn der schönste Traum, den die Soldaten in der damaligen Zeit träumten, denn bei der Garde zu dienen galt als ehrenvolle Auszeichnung. Die Garde erhielt höheren Sold und trug eine prunkvolle goldene Rüstung. Auf dem Helm schwankte ein herrlicher Federbusch. Ein einziges Leuchten und Funkeln war es jedes Mal, wenn die Garde aufzog, ein Schauspiel, das regelmäßig bei den Zivilisten laute Bewunderung hervorrief.
Den glänzendsten Eindruck machte der Hauptmann Sebastian. Einen prachtvolleren Soldaten, als er war, konnte man sich kaum vorstellen. Sebastian war zwei Meter groß, hatte edle Gesichtszüge und besaß einen geschmeidigen und muskulösen Körperbau. Sebastian war, mit einem Wort gesagt, ein schöner Mann. Als Soldat tat er seine Pflicht, und als Offizier war er bei seinen Untergebenen beliebt. Sein Mut und seine Tapferkeit waren sprichwörtlich, und an seiner Treue gegen den Kaiser konnte keiner zweifeln.
Sebastian war aber nicht nur Soldat, sondern auch Christ, und zwar ein Christ von der Art, wie Christen sein sollen, ehrlich und treu.
Damals, zu Sebastians Zeit, genoss die junge christliche Kirche nach langen schweren Verfolgungen eine vierzigjährige Friedenszeit. Die Zahl der Gläubigen vermehrte sich ständig, nicht nur unter den armen Volksschichten, sondern auch unter den Gebildeten und bis in die höchsten Kreise. Doch da kam über Nacht eine neue Verfolgung über die Christen. Es war die zehnte und schrecklichste seit der ersten zweihundert Jahre vorher. Tausende haben auch in dieser Verfolgung mutig den Glauben an Christus mit dem eigenen Blut besiegelt.
Gerade zu der Zeit, als diese Verfolgung ausbrach, erhielt Sebastian die Beförderung zur Garde. Lange überlegte er, ob er sich in Rom gleich von Anfang an öffentlich als Christ bekennen solle. Am Ende hielt er es aber für besser, seinen Glauben wenigstens vorläufig geheim zu halten. Das tat er nicht aus Feigheit, weil er den Martertod fürchtete, denn Feigheit und Furcht kannte Sebastian nicht. Nein, als echter Christusjünger brannte er vielmehr darauf, das Leben für Christus möglich zu machen. Er sagte sich, wenn er schon sterben müsse, so sei es doch gut, dass er möglichst spät den Martertod erleide. Denn in der Zwischenzeit könne er in seiner hohen Stellung noch vielen verfolgten Christen eine Stütze sein.
So geschah es auch. Wo er nur konnte, nahm sich Sebastian der Mitchristen an. Ihm, dem hohen Offizier der kaiserlichen Garde, öffneten sich ohne Schwierigkeiten die Kerkertüren. Den todgeweihten Christen brachte Sebastian den letzten Trost und letzte Aufmunterung. Besonders wichtig war ihm, diejenigen, die im Angesicht des Todes schwankend wurden, im Glauben zu stärken. Er brachte es sogar fertig, mitten im Sturm der Verfolgung Menschen für Christus und den Glauben zu gewinnen.
So kam es, wie es kommen musste. Eines Tages wurde Sebastian verraten, und der Kaiser, äußerst wütend, ließ ihn am gleichen Abend noch mit Pfeilen erschießen. Wie ein tapferer Soldat hielt Sebastian, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken, am Marterpfahl aus. Schließlich brach er sterbend zusammen, und die Pfeilschützen entfernten sich in der Meinung, dass der Hingerichtete tot sei. Als jedoch bei Einbruch der Nacht eine christliche Witwe, Irene mit Namen, kam, um den Leichnam ehrenvoll zu bestatten, traf sie den Blutzeugen noch lebend an. Eiligst schaffte die Frau den Schwerverletzten von der Hinrichtungsstätte fort, versteckte ihn und pflegte ihn so gut, dass er wieder gesund wurde.
Wer aber meint, Sebastian sei nun geflohen, um sich in Sicherheit zu bringen, der irrt. Nein, denn als er kaum wieder stehen und gehen konnte, trat er erneut vor den Kaiser hin und hielt ihm mutig das Unrecht vor, das er den Christen antue. Da kannte des Kaisers Wut keine Grenzen mehr. Mit Keulen und Knütteln ließ er den Mann erschlagen.
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Das einzige, historisch nachweisbare Datum, das als Zeugnis für den heiligen Sebastian herangezogen werden kann, ist sein Gedenktag im römischen Heiligenkalender. Seit 354 feiert die Kirche das Fest dieses Märtyrers.
Der Legende nach soll er in Narbonne geboren, aber in Mailand aufgewachsen sein. Seine Stellung als kaiserlicher Offizier erlaubte es ihm, seine christlichen Glaubensgenossen in den Gefängnissen zu besuchen, zu trösten und zu ermutigen. Bei diesem Tun wurde er jedoch schließlich verhaftet und nun selbst zum Tod verurteilt. Wahrscheinlich starb er während der diokletianischen Verfolgung um 300.
„Die Absicht des heiligen Sebastian war aber nicht, Ruhm oder Reichtum zu sammeln, sondern bei Gelegenheit den Bekennern und Blutzeugen in ihren Drangsalen beizustehen. Bald auch bot sich seinem Eifer die erwünschte Gelegenheit dar. Marcus und Marcellianus, die beide des Glaubens wegen zum Tod verdammt worden waren, ließen sich durch die Tränen ihrer Verwandten und Freunde erweichen und schienen wankend in ihrem Entschluss. Sebastian, bestürzt über die drohende Gefahr, eilte ihnen zu Hilfe und belebte durch seinen feurigen Zuspruch, wodurch sogar alle Umstehenden lebhaft gerührt wurden, ihren schon halb gesunkenen Mut. Kaum hatte er abgelassen zu reden, als Zoe, Nikostrats Frau, die seit sechs Jahren den Sprachgebrauch verloren hatte, sich zu seinen Füßen niederwarf und durch Zeichen ihr Verlangen zu erkennen geben suchte. Der Diener Gottes machte das heilige Kreuzzeichen über ihren Mund, und sogleich fing sie an ganz verständlich zu sprechen. Zoe, voll des Dankes für diese große Wohltat, bekehrte sich mit ihrem Mann. Dieser war der erste Schreiber der Präfektur. Auf ihre Bekehrung folgte auch jene der Verwandten das Marcus und Marcellianus, des Kerkermeisters, namens Claudius, und sechzehn anderer Personen. Nikostrat, mit dessen Amt die Bewachung der Gefangenen verbunden war, führte sie in sein Haus, wo sie vom heiligen Priester Polykarp unterrichtet und getauft wurden.
Als der Kaiser während der großen Christenverfolgung im Jahr 286 erfuhr, dass Sebastian ebenfalls Christ sei, ließ er ihn vor sich kommen, und hielt ihm den vermeintlichen Undank vor, womit er alle seine Wohltaten vergolten habe. Dann übergab er ihn den Händen einiger mauretanischer Bogenschützen, die ihn, mit Pfeilen durchschossen, als tot auf dem Platz liegen ließen. Irene, die zurückgelassene Witwe des Märtyrers Castulus, kam ihn zu begraben, fand ihn aber noch am Leben. Sie ließ ihn daher heimlich in ihr Haus tragen, wo er nach kurzer Zeit wieder vollkommen gesund war. Sebastian war weit entfernt, sich jetzt, wie ihm die Christen rieten, zu verbergen. Vielmehr stellte er sich eines Tages auf die Treppe, welche der Kaiser, wenn er in den Tempel ging, besteigen musste. Als dieser ihm nahe kam, redete er ihn an, und hielt ihm mit Kraft das Unrecht seiner feindseligen Gesinnung gegen die Christen vor, welche sich doch eine Pflicht daraus machten, für die Wohlfahrt seiner Regierung zu beten, und eine unverbrüchliche Treue gegen ihn zu bewahren. Diese freie Sprache überraschte den Kaiser Diokletian; aber wie groß war sein Befremden, als er den Sebastian, den er schon längst tot geglaubt hatte, erkannte! Er ließ ihn von neuem greifen und in den Zirkus, oder die Rennbahn, die an seinen Palast stieß, führen, um ihn da durch Stockschläge töten, und dann in die große Kloake werfen zu lassen, die am Ende der Rennbahn war.
Eine christliche Matrone, Lucina genannt, ließ den Leib des heiligen Sebastian heimlich aus der Kloake, in die ihn die Götzendiener geworfen hatten, herausziehen und beerdigten ihn an dem Eingang einer unterirdischen Begräbnisstätte, zu Füßen von Petrus und Paulus.“
Die für den Heiligen typische Darstellung zeigt einen unbekleideten jungen Mann, von Pfeilen durchbohrt und an einen Baumstamm gebunden. Andere Bildwerke stellen ihn als Ritter, die Pfeile in der Hand, dar.
Folgende Länder und Städte verehren ihn als ihren Patron: Deutschland, die Gegend um den Chiemsee, Gent, Soissons, Oppenheim, Rom. Ebenso wird er von den Schützenbruderschaften, Soldaten, Büchsenmachern, Eisenhändlern, Gärtnern, Gerbern, Leichenträgern, Steinmetzen, Töpfern, Tuchmachern, Zinngießern und den Sterbenden als Schutzheiliger verehrt.
Vor allem in Pestzeiten wurde er als Nothelfer angerufen. Pfeile galten als Symbol plötzlicher Krankheit, und die Pest wurde, nach den damaligen Vorstellungen, von den Pfeilen der Pestengel hervorgerufen.
1. Die Liebe ist das Leben, der Trost, die Freudigkeit der Seele. Und je lebendiger diese Liebe ist, um so größer ist ihre Glückseligkeit. Daher auch wird die Verdammnis der ewige Tod genannt, weil die Verworfenen nicht lieben können, und daher ohne Trost und Freude sind. Denn sie hassen und verfluchen sich selbst, ihren Aufenthalt und ihre Gefährten, deren Abscheulichkeit sie in ihrer ganzen Größe schauen. Ebenso hassen sie auch die entsetzlichen Larven der bösen Geister, ja sie hassen Gott selbst als den Rächer ihrer Laster. Sieh also zu, wen und wie du liebst. Denn so wie der Gegenstand deiner Liebe wirst du selbst edel oder unedel, schön oder hässlich sein, dem Ausspruch des Propheten zufolge, der von den Götzendienern spricht: "Sie sind abscheulich geworden gleich den Dingen, die sie liebten." (Hosea 9,10)
2. Gedenke deines unsterblichen Adels, und liebe nichts, das du nicht ewig lieben kannst. Der fleischliche Mensch liebt nur was des Fleisches ist. Diese Liebe ist sein Ziel. Sie verschlingt alle seine Gedanken und Regungen. Dennoch wird sein Liebeshunger so wenig gestillt, als der des Ehrsüchtigen und Geizigen, weil alle irdischen Dinge beschränkt sind, unsere Seele aber ein unermessliches Begehrungsvermögen hat, das durch nichts Erschaffenes sich sättigen lässt. Hieraus wird auch verständlich, dass diese Liebe eine sündhafte Abirrung von Gott, dem unermesslichen Gut, ist. Gott aber verknüpfte mit dieser verkehrten Liebe einen unersättlichen Hunger, damit der Mensch ihn suchen lerne, der allein sein Verlangen sättigen kann.
3. Erhebe deine Liebe zu deinem Schöpfer durch die Betrachtung seiner wunderbaren Werke, seiner liebevollen Vorsehung und der zahllosen Wohltaten, mit denen er dein Leben begnadet. Gott, der die Schwäche des Menschen kennt, Unsichtbares zu lieben, ließ sich herab, sichtbar zu werden, damit unser Herz durch ihn zur Liebe unsichtbarer Dinge entzückt würde. Die heilige Menschheit Jesu Christi ist ein Spiegel, worin wir die unendliche Güte, Liebe und Barmherzigkeit des himmlischen Vaters gleichsam anschaulich sehen, und keine Seele kann sie innig betrachten, ohne zu seiner Liebe entzündet zu werden. "Gott ist der Fels meines Herzens und mein Anteil auf ewig." (Psalm 73,26b)
Gütige Jungfrau Maria, erlange mir die Gnade, dass ich mich doch nicht mehr undankbar dir und Gott gegenüber beweise, der mir aus Liebe zu dir schon so viele Gnaden erteilt hat. Was sagst du hierauf, meine liebe Mutter Maria? Werde ich ewig verloren gehen? Ach, gewiss werde ich verloren gehen, wenn ich dich verlasse. Aber dürfte ich es wohl wagen, dich je zu verlassen, könnte ich mich je wieder von dir trennen, nachdem du mir so viele Beweise deiner Liebe gegeben hast? Du bist nach Gott der einzige Grund meiner Liebe. Ich will es nicht wagen, fernerhin zu leben, ohne dich zu lieben. Siehe, ich wünsche dein Wohlergehen, ich liebe dich, ich hoffe, dass ich dich immer lieben werde, hier auf Erden und die ganze Ewigkeit hindurch im Himmel, dich, o Maria, die du das heiligste, das mildeste, das liebenswürdigste Geschöpf bist. Amen.
Zu Gott
Gott, unser höchster Herr und König, gib Deinem Volk allezeit würdige, mit Deinem Geist erfüllte Regierungen, damit sie in allem Deine Ehre und das Heil der Menschen befördern. Erwecke aber auch bei uns jenen konstruktiven Geist der Bereitwilligkeit, den guten Absichten ihrer Regierenden in allem treu zu entsprechen, damit Herrscher und Beherrschte Deiner Obhut würdig und glücklich werden, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Der heilige Felix von Nola,
Priester, war seiner elterlichen Güter beraubt worden; später hätte er sie wieder zurückfordern können, allein er zog es vor, sich von der Ernte eines kleinen gemieteten Ackers und Gärtchens, die er mit eigener Hand mühsam bearbeitete, zu ernähren.
Die Heiligen zogen die Zufriedenheit mit Wenigem, dem Reichtum und der Bequemlichkeit vor, und wirklich, wenn wir bedenken, dass Jesus 30 Jahre lang für den Sohn eines Zimmermanns gelten wollte, und seine jungfräuliche Mutter die häuslichen Arbeiten selbst besorgte, wie können wir unzufrieden sein, wenn auch wir durch mühsame, harte Arbeit unser Brot verdienen müssen!
Prüfe dich, ob du in deinem Stand zufrieden bist, auch dann, wenn du arm, verlassen, verachtet, durch schwere Arbeit ermüdet bist, dabei manches entbehren musst?
Bete um Zufriedenheit und Arbeitsamkeit in deinem Stand.
Verschmäh der Erde Güter,
Sie sind vergänglich und sind bitter.
Die heilige Abundantia,
Jungfrau. Bei ihrer Geburt und bei ihrem Tod fingen die Glocken zu läuten an, und verkündeten gleichsam ihr Lob und ihre Auserwählung von Gott; und da man sie in die Kirche zur Taufe trug, brannten die Lichter auf dem Altar von selbst an.
Wenn Gott seine Heiligen auf solch ausgezeichnete Weise ehrt, und wenn wir selber noch lebende fromme Seelen um ihr Gebet ansprechen, können und müssen wir nicht auch die Heiligen im Himmel verehren und sie um ihre Fürbitte anrufen?
Prüfe dich über deine Verehrung der Heiligen, ob du zu einigen besonderes Zutrauen hast, z.B. zu jenen, deren Namen du bei der heiligen Taufe und Firmung erhalten hast, oder den du jeden Monat besonders verehrst? - Ob du neben der Nachahmung ihrer Tugenden, z.B. an ihren Festen eine heilige Messe, Kommunion, Litanei oder täglich ein kurzes Gebet zu ihrer Ehre Gott aufopferst?
Bete um Vertrauen auf die Fürbitte der Heiligen.
Schau auf die Heiligen, verehre sie,
Es nützt dir viel, und reut dich nie.
Andenken an die seligste Jungfrau
Auf den heutigen Tag fällt das Andenken jenes Versprechens und Gelübdes ein, womit die seligste Mutter Gottes nach der Meinung der heiligen Väter vor der Vermählung mit dem heiligen Joseph die ewige Jungfräulichkeit gelobt hat.