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  • Foren-Beitrag von Blasius im Thema




    Der Heilsplan Gottes für den Menschen
    Gott offenbart seinen „gnädigen Ratschluß“

    Liebe Leserinnen und Leser,


    Der Weg zur Liebe!

    Zuerst der Glaube, der lebendige, bewusste Glaube. Die Liebe ist eine Hinneigung des Willens. Der Wille aber neigt sich nur zu dem, was der Geist vorher erkannt. Unbekanntes kann man nicht lieben. Wenn man Jesus mit den Augen des Glaubens gesehen und gehört hat, dann fängt man Feuer. Man muss ihn lieben. Seine unendliche Güte und Heiligkeit ziehen an. Wenn man Gott mit den Augen des Glaubens geschaut in der Sternenwelt, im Sonnenaufgang, in der Unendlichkeit des Meeres, in der Blume, im Herbstsegen, dann muss man ihn lieben.

    Daher die Bedeutung der Betrachtung, der Vertiefung in die göttlichen Wahrheiten und Werke, des Wandels in der Gegenwart Gottes. Je mehr man an Gott denkt, je tiefer man sich in ihn versenkt, desto höher steigt die Temperatur der Liebe. Wer nicht oft an Gott denkt, liebt Gott nicht.

    Er bleibt kalt. Wenn deswegen Gott im Alten Bunde das Hauptgebot der Liebe verkündet, vergisst er nicht, in großer erzieherische Weisheit beizufügen: Es sollen diese Worte, die ich heute gebiete, in deinen Herzen sein. Du sollst sie deinen Kindern erzählen und sie betrachten, wenn du in deinem Hause sitzest und wenn du auf Reise bist, und wenn du dich niederlegst und wenn du aufstehst, und du sollst sie an die Pfosten und Türen deines Hauses schreiben. Gott ist die Liebe.

    „Christus fragt nicht nach Wissenschaft und Staatsexamen,
    sondern nach der Liebe“
    (Kardinal Faulhaber)

    Quelle: Sonne Dich – P. Max Dudle SJ. – Aktion „Deutschland braucht Mariens Hilfe“ – DVCK e.V.

    21.10.2019 Benno Hofschulte

    https://www.mariens-hilfe.org/der-weg-zur-liebe/


    Liebe Grüße, Blasius

  • Thema von Blasius im Forum Unsere Fürsprecher



    Das Leben dieses berühmten Einsiedlers hat umständlich der hl. Hieronymus geschrieben;
    ich nehme jedoch, weil die Beschreibung zu groß ist, nur einzelne Stücke daraus.

    Hilarion hatte heidnische Eltern, somit war er gleichsam eine Rose, die aus den Dornen heraus gewachsen ist. Während er in Alexandria studierte, gelangte er zum christlichen Glauben, mied alle Lustbarkeiten, sein Vergnügungsort war die Kirche. Als er von dem hl. Antonius hörte, suchte er ihn auf, blieb einige Monate bei ihm in der Wüste, um seine ganze Lebensweise genau kennen zu lernen. Dann kehrte er nach Haus zurück, gab von seinem ererbten Vermögen eine Hälfte seinen Brüdern, die andere Hälfte den Armen. Und nun zog er sich entblößt von allem in eine Wüste zurück, obschon er erst 15 Jahre alt war und von ganz schwächlicher Gesundheit. Hier führte er nun ein fruchtbar strenges Leben; gegen die Hitze und den Regen gönnte er sich nichts als eine kleine Hütte, welche eng war wie ein Grab; er schlief auf nackter Erde, sein Kleid war ein Sack.

    Sein Fasten wurde mit den Jahren immer strenger, so daß er als Greis von 80 Jahren erst nach Sonnen-Untergang sein Essen zu sich nahm, das in wilden Kräutern und etwas Gerste bestand. Einmal kamen Räuber zu ihm und sagten gleichsam zum Scherz:

    „Was würdest du tun, wenn Räuber zu dir kämen?“ – Hilarion antwortete:

    „Ein Nackter fürchtet keine Räuber.“ – Jene sagten: „Wohl aber könntest du umgebracht werden.“ – „Das kann ich“, sagte er; „und deswegen fürchte ich keine Räuber, weil ich zu sterben bereit bin.“ – Da bewunderten diese Verbrecher eine solche Seelenstärke, gestanden ihren bösen Wandel und versprachen Besserung des Lebens.

    Nach mehreren Jahren geschahen auch große Wunder auf die Fürbitte des Heiligen, und darum nahmen eine Menge Leute ihre Zuflucht zu ihm und erhielten Hilfe in den verschiedensten Nöten und Angelegenheiten. In der Leibwache des Konstantius war ein Deutscher, welcher von Kindheit an von einem bösen Geist besessen war, der ihn jede Nacht zwang zu heulen und mit den Zähnen zu knirschen. Dieser hatte auch von dem hl. Hilarion gehört und faßte Vertrauen zu ihm; er suchte bei dem Kaiser um Urlaub an und eröffnete ihm sein Vorhaben zum hl. Hilarion zu reisen. Der Kaiser gab ihm ein Empfehlungs-Schreiben an den Statthalter von Palästina. Als nun der Deutsche nach Gaza kam und sein Schreiben vorzeigte, wurde er mit vieler Ehre aufgenommen und mit einem großen Gefolge zu Hilarion hingeleitet. Dieser war gerade im Gebet begriffen; er grüßte Alle und segnete sie, dann aber hieß er sie fort gehen und nur der Deutsche mit seiner Dienerschaft solle zurück bleiben. Denn er sah ihm an den Augen und im Gesicht an, weshalb er gekommen. Als Hilarion nun den Teufel beschwor, brüllte er mit ungeheurer Stimme aus dem Besessenen und redete in syrischer Sprache, da der Deutsche sonst nur deutsch und lateinisch reden konnte. Der böse Geist gab an, wie er Gewalt bekommen habe in diesen Menschen einzugehen. Allein Hilarion sagte: „Es kümmert mich nicht, wie du eingegangen bist, sondern daß du hinaus gehst befehle ich dir im Namen unseres Herrn Jesus Christus.“ Da der Deutsche fühlte, daß ihm nun geholfen sei, wollte er in seiner Einfalt dem Heiligen zehn Pfund Gold schenken; Hilarion reichte ih ein Gerstenbrot und sprach: „Die, welche von solcher Speise sich nähren, sehen das Gold für Unrat an.“

    Ein vornehmer und sehr reicher Mann aus Aila, einer Stadt am Roten Meer, bekam gleichfalls durch den hl. Hilarion Hilfe von einer sehr schweren Plage. Bald darauf kam er mit Frau und Kindern und brachte sehr viele Geschenke, um dem Heiligen damit seinen Dank zu erweisen. Hilarion sagte: Hast du nicht gelesen, was dem Giezi und was dem Simon widerfahren ist, jenem, weil er für die Gnade des hl. Geistes Bezahlung annahm, diesem, weil er sie anbot?“ – Da sagte der Geheilte unter Tränen: „Nimm es an und gib es den Armen.“ – Hilarion antwortete: Du kannst besser das Deinige verteilen, da du in Städte kommst und die Armen kennst. Ich, der ich das Meinige verlassen habe, warum soll ich Fremdes begehren? Vielen wird der Name der Armen ein Vorwand zum Geiz. Niemand gibt besser, als wer nichts für sich behält.“

    Es entstanden in Palästina viele Klöster, deren Mönche den hl. Hilarion als ihren obersten Meister und höchstes Muster betrachteten, und in welchen er zeitweise Visitation hielt. Ganz besonders verabscheute er es, wenn ein Mönch im Misstrauen gegen Gott für die Zukunft sparte und sich einen Vorrat von Lebensmitteln, Kleidung oder dergleichen hielt. Einen, von welchem Hilarion wußte, daß er gar zu sorgfältig sein Gärtchen hüte und etwas Geld aufbewahre, hatte er geheißen ihm aus den Augen zu gehen. Um den hl. Hilarion wieder zu versöhnen, brachte er dessen Lieblings-Jünger die ersten grünen Erbsen, daß dieser sie dem Meister vorsetze. Als sie nun Abends aufgestellt wurden, rief Hilarion, er könne den Gestank davon nicht aushalten, wer sie gebracht habe? Der Jünger sagte es ihm. Da sprach Hilarion: „Riechst du nicht den abscheulichen Geruch und daß aus den Erbsen der Geiz heraus stinkt? Gib sie den unvernünftigen Tieren und schau, ob sie dieselben fressen.“ Da der Jünger nun dem Befehl gemäß sie in die Krippe warf, wurden die Ochsen scheu, brüllten heftig, rissen die Seile entzwei und liefen davon. Der Greis hatte nämlich die Gnade, daß er aus dem Geruch des Körpers, der Kleider oder sonstiger Habseligkeiten eines Menschen merkte, welcher Geist oder welches Laster in ihm herrschend sei.

    Ich habe nun mehrere Beispiele angeführt, wie sich der hl. Hilarion in Bezug auf das Eigentum verhalten und wie er es angesehen hat. Er hat den Rat, welchen der Heiland dem reichen Jüngling gegeben hat, der aber diesem zu hart vorkam, vollkommen befolgt und ist dadurch zur wahren fröhlichen Freiheit des Geistes gelangt. Auch rechte Ordensleute befolgen diesen Rat und haben und wollen nur das, was zum Leben notwendig ist, indem sie auf persönliches Eigentum verzichten. Wer dieses tut, der wird frei von zahllosen Unruhen und Versuchungen. Gerade das Eigentum ist es ja so oft, was die nächsten Freunde und Verwandte in Feindseligkeit trennt, was den Menschen von Gott trennt, was ihm, z. B. Wenn er einen Prozess hat, schlaflose Nächte macht, was seine Seele mit dem Rauch der Sorge verfinstert. Musst du deiner Verhältnisse wegen Eigentum besitzen, so suche wenigstens innerlich frei zu bleiben, damit es dir nicht auf der Seele wie ein großer Grabstein sitze. Prüfe dich einmal hierüber. Mancher meint, er sei innerlich frei und ist es doch nicht. Wie ein Vogel erst fühlt, daß er an einer Schnur gebunden ist, wenn er weiter fliegen will als sie reicht: so fühlt der Mensch auch erst, daß sein Herz von Anhänglichkeit ans Irdische umgarnt ist, wenn er sich davon trennen will. Bei Verlusten, bei schuldigen Vergütungen, bei größeren Abgaben oder sonstigen Ausgaben, bei Unterstützung fremder Not, da wird es dir vielleicht jämmerlich um das Herz – das ist aber ein Zeichen, daß dir das Eigentum mit dem Herzen verwachsen ist, daß es vom Geiz angefressen ist. Suche herzhaft die Liebe Gottes und gewöhne dich und die Deinigen an wenige Bedürfnisse – dann wirst du auch frei werden von der Sklaverei des Mammons.

    Der Zulauf zu dem hl. Hilarion wurde immer größer, deshalb zog er mit zwei seiner Jünger in eine Einöde bei Aphroditus, um daselbst in vollkommener Entsagung und Stillschweigen Gott zu dienen. Damals aber regnete es in jener Gegend drei Jahre lang nicht; halb verhungert kamen die Leute scharenweise zu Hilarion, um von ihm Hilfe durch sein Gebet zu erlangen. Der Mann nun, welcher sich selbst freiwillig ganz arm gemacht hatte, wurde von dem gerechten Gott in Stand gesetzt, zahllosen Menschen in der Not zu helfen. Als Hilarion aus Erbarmen seine Augen und Hände zum Himmel hob und den herrn anrief, erfolgte sogleich der ersehnte Regen. Aber die allgemeine Verehrung der Leute trieb ihn auch von hier wieder fort. Es war aber dem Heiligen aus doppeltem Grund daran gelegen, einen Ort zu finden, wo ihn Niemand kannte, einmal um dem Zulauf seiner Verehrer zu entgehen, dann aber auch, weil ihn der abtrünnige Kaiser Julian ausschreiben und verfolgen ließ.

    Hilarion bestieg deshlab mit einem Jünger ein Schiff, welches nach Sizilien fuhr. Als er da angelangt war, wollte er dem Schiffsherrn sein Evangelienbuch, das er in der Jugend selbst geschrieben hatte, als Fährlohn geben. Da aber dieser sah, daß Hilarion außer diesem Buch und seinem Kleid nichts besaß, nahm er es nicht an. Um in Sizilien nicht durch Reisende erkannt zu werden, zog er sich in eine Wildnis zurück. Dort machten sie täglich eine Fahrt Holz und trugen es zum Verkauf in die nächste Stadt; von dem Erlös kauften sie sich Nahrung, und Brot für die, welche etwa zu ihnen kämen. Auch hier kamen wieder wunderbare Heilungen vor; ein vornehmer Mann wurde auf der Stelle von der Wassersucht geheilt, als er zu Hilarion kam. Als aber dieser dem Heiligen unermesslich reiche Geschenke brachte, wurde ihm einfach der Spruch des Heilandes entgegen gehalten: „Umsonst habt ihr es empfangen, umsonst gebt es.“

    Nach einiger Zeit war sein Ruf wieder so verbreitet, daß er dem großen Zulauf durch eine neue Ortsveränderung auszuweichen bedacht war. Er begehrte in einem Land zu wohnen, wo ihm selbst die Sprache fremd wäre, und reiste deshalb nach Dalmatien. Aber daselbst ging es ihm wieder wie in Sizilien, indem auch hier bald große Wunder durch ihn geschahen. So z. B. befreite er das Land von einer schweren Plage, von einer Riesenschlange, welche Menschen und Vieh verschlang. Er ließ nämlich einen Scheiterhaufen errichten, betete zu Christus, rief dann die Schlange, und befahl ihr auf den Scheiterhaufen zu gehen, und verbrannte dann vor dem Volk das Tier.

    Weil Hilarion nun auch hier nicht fand, was er suchte, unbeobachtet von der Welt in Abgeschiedenheit zu leben, so machte er einen neuen Versuch und fuhr mit einem Schiff nach der Insel Zypern. Allein da wurde er verraten durch die bösen Geister, von denen sehr viele Menschen damals besessen waren. Endlich fand er auf der Insel zwischen abgelegenen und rauhen Bergen einen Ort, wo man kaum mit Händen und Füßen klettern konnte; in der Nähe war auch ein zerfallener Heidentempel. Da nun zugleich diese Gegend sehr verrufen war, als hielten sich dort Gespenster auf, so fand endlich Hilarion daselbst die gewünschte Ruhe. Er wurde selten hier von Jemanden besucht außer von seinem treuen Jünger Hesychius.

    Nachdem er fünf Jahre hier zugebracht hatte, wurde er krank. Dem Hesychius vermachte er sein ganzes Vermögen, nämlich sein Evangelium und sein Kleid. Es waren noch einige fromme Männer gegenwärtig, als es mit ihm zum Sterben kam. Schon war er fast ganz kalt und wie tot, da sprach er: „Geh` hinaus, meine Seele, was fürchtest du dich? Geh` hinaus, was zögerst du? Fast siebenzig Jahre hast du Christus gedient, und fürchtest den Tod?“ Mit diesen Worten hauchte er seinen Geist aus.

    Wie ganz anders muss sich erst die Seele desjenigen sträuben auszuscheiden, dem das Irrdische sein höchstes Gut ist? Und wie muss sich erst die Seele fürchten hinüber zu gehen, welche niemals in diesem Leben ernstlich Gott gedient hat? Sorge vor, bevor jene schwere Stunde kommt. –

    aus: Alban Stolz, Legende oder der christliche Sternhimmel, Bd. 4 Oktober bis Dezember, 1872, S. 119 – S. 124

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    Liebe Grüße, Blasius

  • Foren-Beitrag von Blasius im Thema




    Das Kreuz ist der Baum des Lebens

    Das Kreuz ist darum auch dem Christen der Baum des Lebens. Der Feigenbaum hat die Eigenart, daß er, wo er sich seines richtigen Klimas und Wetters erfreut, ununterbrochen Früchte anhängen hat. Noch sind die ersten Feigen nicht reif, so treibt er schon wieder eine junge Ernte nach, und macht so fort, ohne über dem Feigenbringen müde zu werden. Es gibt aber einen Baum, – freilich haben ihm die Naturforscher noch nicht beschrieben, wohl aber der hl. Johannes, der Lieblingsjünger – der es mit dem Früchtebringen noch schöner hält als der Feigenbaum: er steht mitten in der wundervollen Stadt Gottes, dem neuen Jerusalem, das vom Himmel auf die Erde herab gestiegen ist, und hat allezeit zeitige Früchte an, indem er zwölfmal im Jahr Früchte trägt, alle Monat seine Frucht; sogar seine Blätter sind Arznei. Dieser Baum heißt Baum des Lebens. Wie beneidenswert sind also jene, die von diesem Baum die Früchte holen können: sie sind Leben spendend! Diese Beneidenswerten sind aber alle katholischen Christen; denn dieser Baum des Lebens heißt mit seinem wahren Namen – das Kreuz, und die Stadt Gottes, worin er steht, ist unsere heilige, katholische Kirche. Wie glücklich also sind wir katholische Christen, daß wir den Baum des Lebens, daß wir das Kreuz besitzen, denn non est salus animae, nirgends findet sich das Heil der Seele, nec spes vitae aeternae, noch Hoffnung aufs ewige Leben, nisi in cruce, außer im Kreuz.

    … und der Ruheplatz auf der Pilgerreise zum Himmel

    Das Kreuz ist dem Christen ein Ruheplatz auf der Pilgerreise zum Himmel. Es gibt für das abgehärmte, Leid gequälte Menschen Herz drei geistige Ruheplätze, wo es ein wenig „Atem schöpfen“ und rasten kann: das göttliche Herz Jesu, das Mutterherz Mariä und der Fuß des Kreuzes. Wie ist denn aber der Fuß des Kreuzes ein Ruheplatz? In der städtischen Bildergalerie zu Düsseldorf hängt ein Bild, das niemand ohne Rührung betrachten kann. Es stellt mitten im Winter ein Kreuz am Wege vor, an das ein armes Kind, das gewiß schon weit durch Schnee und Kälte gewandert ist, den Kopf anlehnt und vor Müdigkeit einschläft, sein Reisebündel neben sich. Aus der Stadt her kommen, in gute Kleider gehüllt, Kinder aus der Schule und schauen der kleinen Pilgerin zu, wie sie beim lieben Herrgott am Kreuz trotz Winters so süß und ruhig schläft. Vom vielen Wandern ist aber vielleicht schon mancher müde, recht müde, denn sein Weg führte ihn immer nur an Mühen, Sorgen und Leiden, selten an erheiternden Freuden vorüber; dabei ist ihm aber gar manchmal zu Mute, wie jenem wandernden Handwerks-Burschen, der an die Wand einer am Waldessaum stehenden Kapelle auf der Rauhen Alp die Verse schrieb:

    Alle Morgen neue Sorgen,
    Alle Nacht ein andres Bett!
    Ach, wenn nur dies lange Wandernden
    Auch einmal ein Ende hätt`


    Daher mag ihm ein Ruheplätzchen sehr willkommen sein, wo er auf seiner Pilgerreise ein wenig Rast halten, ein wenig ausruhen kann. Zum Ausruhen von all den Mühen und Sorgen und Leiden aber, die sich dem Christen Tag für Tag auf seinem Lebensweg entgegen stellen, gibt es kein besseres Plätzchen, als am Fuß des Kreuzes. Machen wir es also, wie jenes Kind auf dem Düsseldorfer Bild, stellen wir, wenn wir müde sind, unser ganzes großes Reisebündel von lästigen Sorgen und Kümmernissen beiseite, lehnen wir unsern ruhelosen Kopf an das Kreuz, und schlummern wir – trotz Winter oder Sommer in der Seele, trotz Regen oder Sonnenschein im Gemüt, – unter den Augen des gekreuzigten Erlösers ruhig ein. Und hast du ausgeruht am Fuße des Kreuzes, du mühseliges und beladenes herz, und hast du dich satt gesehen am Leiden deines Heilandes, an seinem Dornen gekrönten Haupt, seinem Blut überronnenen Antlitz, seinem durchstochenen Herzen, seinen durchnagelten Händen und Füßen, dann mache dich wieder auf und wandre in Gottes Namen – geduldig, beharrlich und ergeben deinen Kreuzweg weiter über den Kalvarienberg des Lebens – dem Himmel zu, indem du dir selber von Zeit zu Zeit zurufest:

    Sei still, mein Herz, und fasse Mut:
    O sieh am Kreuz den Herrn!
    Er kennt dein Weh und meint es gut,
    Trag` du dein Kreuz auch gern!


    aus: Philipp Hammer, Der Rosenkranz, eine Fundgrube für Prediger und Katecheten, ein Erbauungsbuch für katholische Christen, I. Band, 1896, S. 105 -S. 107

    https://katholischglauben.info/das-kreuz...aum-des-lebens/


    Liebe Grüße, Blasius

  • Foren-Beitrag von Blasius im Thema





    Der Heilsplan Gottes für den Menschen
    Gott offenbart seinen „gnädigen Ratschluß“

    Liebe Leserinnen und Leser,


    Maria, Wunderbare Mutter



    Wenn wir nicht mehr wissen, wie wir es ausdrücken sollen, wenn etwas uns aufs Höchste erstaunen macht, dann sagen wir: „Wunderbar!“ Darum gehört dieses Wort auch zu der alle Verstehen übersteigenden Mutterschaft Mariens. „Du wunderbare Mutter!“ lautet daher ein Anruf der Lauretanischen Litanei. Frommer Sinn hat diese Aussage noch zu übersteigern unternommen, denn es gibt seit Jahrhunderten schon ein Gnadenbild der „dreimal wunderbaren Mutter“. Viele grüßen heute die Jungfrau-Mutter mit diesem Gruß. Damit will man ein Ähnliches aussagen, wie wenn man Gott den Dreimalheiligen nennt, wenn dreimal das Kyrie erschallt, wenn dreimal das Agnus Die gebetet wird. Es soll eine unvorstellbare Steigerung ausdrücken. So wunderbar ist demnach Mariens Gottesmutterschaft, dass man es nicht richtig auszudrücken vermag, wie wunderbar sie ist.



    Nicht verwunderlich daher, wenn die Lobredner Mariens nicht mehr wussten, woher sie die Bilder und Vergleiche nehmen sollten, um die Erhabenheit einer Gottesmutterschaft zu besingen. Da lässt man alle Heiligen, ja alle reinen Geister des Himmels wie ein Nichts vor ihr verschwinden. „Nichts ist in der Welt von solcher Art wie die Gottesgebärerin Maria. Durcheilen wir in Gedanken alle Geschöpfe, und dann sagt mir, ob es etwas gibt, das der Jungfrau und Gottesgebärerin gleicht oder sie gar übertrifft. Durchstreife die Erde, schau auf das Meer, durchforsche die Luft, dring bis in die Himmel, beachte alle unsichtbaren Kräfte und schau, ob in aller Welt ähnlich Wunderbares zu finden ist“ (Proklus von Konstantinopel). „Du bist der Schmuck des Menschengeschlechtes. Du hast die Ordnungen der Engel überschritten. Du hast den Glanz der Erzengel verdunkelt. Du hast die erhabenen Sitze der Throne unter dich gebracht. Du hast die Höhe der Herrschaften heruntergeschraubt. Du bist der Herrschaft der Fürsten vorangeeilt. Du hast die Kräfte der Gewalten geschwächt. Du bist gewaltiger als alle Kräfte. Du hast den scharfen Blick der Cherubim mit deinen irdischen Augen besiegt. Du hast den Flug der Seraphim, die doch sechs Flügel haben, durch die Flügel deines Geistes überflügelt. Kurz: du hast alle Geschöpfe übertroffen“ (Sophronius von Jerusalem).



    Noch weiter als die Wirklichkeit reicht das, was der Verstand sich an Herrlichem ausdenken könnte. Aber auch das verblasst vor der Erhabenheit einer Gottesmutterschaft. „Gleichwie Gott zu begreifen und auszusprechen unmöglich ist, so übersteigt das große Geheimnis der Gottesgebärerin jeden Verstand und jede Zunge“ (Basilius von Seleucia). „Deine Erhabenheit geht über Engelverstand“ (Germanus von Konstantinopel). „Nichts Erhabeneres könnte gedacht werden als eine Gottesmutter“, erklärt der heilige Bonaventura.



    Ja, wenn es so ist, dann kann man freilich nur noch die unendliche Majestät Gottes selbst herbeirufen, um auszudrücken, wie erhaben die dreimal wunderbare Mutter ist, die „den zweiten Platz nach der Gottheit innehat“ (Ephräm). „Nichts ist Maria gleich, nichts außer Gott, der größer ist als sie“ (Anselm). Pius XI. hat es lehramtlich bestätigt: „Aus dem Geheimnis der göttlichen Mutterschaft fließt Mariens einzigartige Gnade und ihre nächst Gott höchste Würdigkeit.“



    „Wahrlich, Großes hat an mir getan der Allmächtige.“



    Kirchengebet



    Gott, in den Anordnungen deiner Vorsehung kannst du dich nicht irren. Wir bitten dich flehentlich, wende auf die Fürbitte Mariä, der seligen Jungfrau und Mutter deines Sohnes, von uns alles Schädliche ab und gewähre uns alles Heilsame.



    Zur Geschichte des Festes: Von einer Ordensfrau im Dreifaltigkeitskloster vom Heiligsten Herzen in Rom wurde 1844 ein Marienbild gemalt, über dem ein himmlischer Glanz zu liegen schien. Gar bald hörte Pius IX. von mehreren Wundern, besonders von Krankenheilungen, die vor diesem Bild geschehen seien. Er selber besuchte daraufhin das Kloster und kniete betend vor diesem Bild. Dies geschah am 20. Oktober 1846. Er erlaubte dann dem Dreifaltigkeitskloster die Feier eines eigenen Festes unter dem Titel: Mater admirabilis. – 1893 wurde dem ganzen Orden der Schwestern vom Heiligsten Herzen dieses Fest gestattet und ein eigenes Messformular geschenkt. Es blieb aber dieses Marienfest nicht auf den Orden beschränkt. Auch andere Ordensgemeinschaften und Diözesen erbaten und erhielten in Rom die Erlaubnis zu dieser Festfeier.



    („So feiert dich die Kirche“, Prof. Dr. Carl Feckes, Maria im Kranz ihrer Feste, Steyler Verlagsbuchhandlung, 1957)

    Liebe Grüße, Blasius

  • Thema von Blasius im Forum Unsere Fürsprecher



    Vor vierhundert Jahren studierte auf der Universität zu Krakau ein Student, welcher durch Talent, Fleiß, Frömmigkeit und Tugend leuchtete wie ein Stern, und doch so bescheiden war wie ein Veilchen. Er wurde Priester und Professor in derselben Stadt; hierbei war in seinem ganzen Verhalten der Ausspruch des heiligen Ambrosius seine Richtschnur: „Wichtiger als die Gelehrsamkeit ist das Leben; denn ein gutes Leben ist auch ohne Gelehrsamkeit angenehm vor Gott; hingegen Gelehrsamkeit ohne entsprechendes Leben ist unvollständig.“ Darum suchte Johann von Kanti, so hieß dieser Lehrer, mit größtem Eifer das selbst zu üben, was er lehrte und seinen Schülern ans Herz legte. Weil aber seiner Demut der Rang und das ansehen, worin er stand, lästig war, so machte er manchmal Reisen und kleidete sich dabei wie ein ganz gemeiner Mensch, um auch Verachtung und Beschimpfung, was er zu Haus nicht fand, auswärts aufzusuchen.

    Einmal wollte er nach Rom reisen, und machte sich nach seiner Gewohnheit zu Fuß und allein auf den Weg. Plötzlich springen Räuber auf ihn los, schlagen ihn und nehmen ihm sein Reisegeld; dabei drohen sie ihm mit demTod, wenn er nicht von selbst Alles heraus gebe. In der Bestürzung hatte aber Johann nicht daran gedacht, daß er aus Vorsicht einige Goldstücke in die Kleider eingenäht habe, und sagte deshalb, er habe nichts zurück behalten. Als er nachher vom ersten Schrecken sich erholt hatte, fiel ihm erst sein verborgenes Gold ein, und es erfüllte ihn mit bitterem Schmerz, daß er den Räubern eine Unwahrheit gesagt habe. Mit eiligen Schritten lief er ihnen nach, rief ihnen aus der Entfernung, sie möchten warten, und als er sie erreicht hatte, bekannte er kniefällig, er habe gelogen und Gottes Zorn verdient. Er reichte ihnen alles Gold hin, das er aus Vergesslichkeit zurück behalten hatte. Die Räuber erstaunten über eine solche Einfalt und Unschuld, ihre harten Seelen wurden gerührt, wie ein Schneefeld aufgetaut, wenn lauer Westwind geht und die Frühlings-Sonne aus den Wolken tritt. Sie werfen sich selber dem heiligen Mann zu Füßen, geben ihm Alles zurück und bitten ihn um Verzeihung.

    Was hier in dieser Geschichte geschah, daß die Taubeneinfalt des heiligen Mannes gerade sein wahrer Vorteil wurde, das geschieht auch im Allgemeinen und in ganzen Lebensschicksalen auf der Welt. Zu einem Beamten, der mir als wahrer Christ bekannt ist, sagte einmal sein Schwager, ein durchtriebener schlauer Mann, wenn man in der Welt durchkommen wolle, müsse man recht gescheit und pfiffig sein. Er verstand aber unter dieser Gescheitheit besonders auch Lügen und Verstellung. Der Beamte antwortete ihm: Nein, im Gegenteil, man kommt am besten durch, wenn man einfältig ist. Hernach hat das Schicksal beider Männer gezeigt, wer Recht hat. Der erstere ist auf seinen schlauen krummen Wegen in Armut und Verachtung gekommen; und dem Andern und seiner Familie ist es mit seiner Aufrichtigkeit und Geradheit in allen Beziehungen sehr gut ergangen. Wer sein Reden und sein Benehmen immer nach dem Wind richtet, d. h. wie er meint, daß es ihm Gunst der Leute und Vorteil bringen werde: der verwickelt sich gewöhnlich in sein eigenes Strickwerk und stürzt. Hingegen wer einfach sein Tun und Lassen nach dem sucht, was vor Gott recht ist, ohne viel darnach zu fragen, wie es die Leute aufnehmen: der wird oft von der Welt einfältig und dumm gescholten, zuletzt aber gewinnt er die Achtung und das vertrauen der Welt selbst und das Wohlwollen und den Segen Gottes.

    Der heilige Johann von Kanti war gewöhnt täglich die heilige Messe zu lesen. Nun aber bekam er manchmal Besorgnis, er dürfe nicht zum Altar treten, weil er als Professor zu heftig eine Wahrheit verteidigt oder zu stark einen Fehler gerügt habe. Da hatte er nun keine Ruhe, bis er die Betreffenden aufgesucht und demütig um Verzeihung gebittet hatte. Er machte sich auch selbst folgenden Vers und schrieb denselben in seinem Zimmer mit einer Kohle an die Wand, als fortwährende Mahnung:

    Conturbare ccave, non est placare suave;
    Diffamare cave: nam revocare grave.

    Hüte dich zu kränken, denn beschwichtigen it nicht angenehm;
    Hüte dich an der Ehre anzugreifen, denn widerrufen ist schwer.


    Nach einiger Zeit wurde Johann als Pfarrer nach Ilkusch gesetzt. Hier nun erfüllte er alle Pflichten eines guten Hirten auf das vollkommenste. Durch die Heiligkeit seines Wandels und das verkündigte Wort Gottes weckte er bei seinen Pfarrkindern Eifer für Religion und Tugend. Sehr viele entsagten dem Laster, tilgten die Flecken ihrer Sünden, legten die schlechten Gewohnheiten ab, legten sich schwere Bußübungen auf und ahmten das herrliche Tugendbeispiel ihres Seelsorgers nach. Allein sein zartes Gewissen hielt die Seelsorge für ein allzu gefährliches Amt; er wollte deshalb lieber wider zu seinem früheren Lehrberuf zurück treten.

    Aber auch als Professor war er sehr streng gegen sich; er machte eine Wallfahrt nach Jerusalem und einige Male nach Rom, und dies zwar zu Fuß, wie er selbst sagte, um die Strafen, welche ihm im Fegefeuer gebührten, dadurch abzubüßen. Dreißig Jahre lang vor seinem Tod enthielt er sich von allem Fleisch; einmal wurde er aber von heftiger Begierde nach Fleisch versucht. Da nahm er ein brennend heißes Stück Fleisch vom Bratspieß, drückte dasselbe in das Gesicht und schlug damit, indem er sagte: „Du Fleisch hast Fleisch begehrt, sättige dich jetzt am Fleisch.“ Von nun an war er für immer frei von Gelüsten nach Fleisch.

    Seine Besoldung, welche er als Professor hatte, teilte er so mit den Armen, daß er nur den kleinsten Teil für sich zum Lebensunterhalt behielt. Ja oft beraubte er sich selbst des Notwendigsten, um den Armen Kleider, Schuhe oder sonstigeBedürfnisse anzuschaffen. Namentlich hatte er die Gewohnheit, daß er die eigenen Schuhe auszog und herschenkte, wenn er Armen begegnete, die deren entblößt waren. Er selbst ließ dann seinen Mantel bis zum Boden herab, damit man es nicht bemerkte, wenn er barfuß nach Hause ging.

    Einst saß der heilige Mann mit einigen Studenten, die seiner Aufsicht übergeben waren, zu Tisch; es war zur Zeit, wo er noch Fleisch aß. Er teilte nun jedem Fleisch zu, und behielt für sich das letzte noch übrige Stück. Da hörte er einen Bettler an der Türe; alsbald ließ er ihm seine eigene Portion geben. Da wurden die andern Tischgenossen besorgt, daß er nun nichts zu essen habe. Auf einmal sehen Alle mit Erstaunen, daß das nämliche Stück Fleisch, welches er hergegeben hatte, wieder vor ihm auf dem Teller lag. Der heilige Mann nahm es mit Freuden an als ein Geschenk der göttlichen Vorsehung und verspeiste es mit Dank gegen den Herrn. Dieses wunderbare Ereignis wurde die Veranlassung zu einem schönen Gebrauch, welchen die Professoren des Kollegiums in Krakau zum Andenken daran einführten. Sie haben nämlich die Regel festgesetzt, täglich einen Armen, oder Christus in Gestalt des Armen, an ihrem Tisch als Gast zu haben. Und wenn ein Armer an der Türe ihres Speisesaales erscheint, so muss immer einer der Knaben, welche am Tisch aufwarten, es dem Vorsitzenden melden mit den Worten: „Ein Armer kommt.“ Und jener nimmt die Meldung mit Ehrerbietung auf, indem er sagt: „Christus kommt.“ Sodann wird dem Armen liebevoll eine Gabe dargereicht. Auch haben die Professoren dort in Nachahmung des heiligen Johann von Kanti einen Fonds angelegt, mit der Bestimmung, daß jährlich Armen daraus Kleider angeschafft werden.

    Da nach dem Tod des gottseligen Mannes sehr viele wunderbare Heilungen auf seine Anrufung geschahen, so wurde eine genaue Untersuchung über sein Leben und vorgefallene Wunder angestellt, wonach er feierlich heilig gesprochen wurde. In dem Erlass über diese Heiligsprechung sagt Papst Klemens XIII.: „Gott wollte nicht, daß seine Kirche ohne Verteidigung blieb; tausend Schilde, die Waffenrüstung der Tapferen, sind aufgehängt an ihren Mauern, wie in einer festen Burg. Diese Schilde sind die Kirchenlehrer, welche den Glauben und die Sittengesetze mit Eifer und Umsicht von dem Stuhl der Weisheit vortragen, oder die in besonderen Lehrstunden den Samen der ewigen Seligkeit in die Gemüter der Schüler ausstreuen, und sie durch die Reinheit ihres Wandels zur Erkenntnis der Wahrheit führen. Um der Kirche als eine feste Schildburg zu dienen, wider welche die Pforten der Hölle nichts vermögen, ist die Wissenschaft nicht zureichend, wenn sie nicht im Bunde steht mit der Heiligkeit; die Vereinigung von Beiden erhöht ihre Kraft und Würde.“ –


    aus: Alban Stolz, Legende oder der christliche Sternhimmel, Bd. 4 Oktober bis Dezember, 1872, S. 115 – S. 119

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    Liebe Grüße, Blasius

  • Foren-Beitrag von Blasius im Thema

    Danke lieber Aquila für die Lehrreiche Ergänzung, danke liebe Hemma für den Hinweis zu

    folgendem Text von CORDULA PEREGRINA:



    "Ich bin es!" (Lukas 24, V. 36)

    Ich bin's, der schon vor allen Ewigkeiten
    Im Herzen trug der Welterschaffung Plan.
    Ich bin's, der Euch die Erde wollt' bereiten,
    Der Sonne, Mond und Sternen wies die Bahn,
    Ich bin's, der - nach dem Fall - in künft'gen Zeiten
    Euch Sündern die Erlösung kund gethan,
    Der Euch schon dort auf jenes Weib hieß blicken,
    Durch das der Welt Ich Hilf' und Heil wollt' schicken!

    Ich bin's, der - als der Zeiten Füll' gekommen, -
    Vom Himmel stieg in dieses Weibes Schooß,
    Ich bin's, - das Wort, das Fleisch hat angenommen,
    Um - Mensch wie Ihr, - zu lindern Euer Loos!
    Ich bin's, für den in heißer Lieb' erglommen
    Der Hirten Schaar, die Weisen reich und groß,
    Da arm und bloß im Kripplein Ich gelegen,
    Der Engel Lust, der Erde Weinachtssegen!

    Ich bin's, der Alle an Mein Herz wollt' heben,
    Der Blinde, Lahme, Taube mild geheilt,
    Der Kranken Kraft, den Todten neues Leben,
    Betrübten Trost, Verzagten Muth ertheilt,
    Der gnadenvoll der Sünder Schuld vergeben,
    Zu dem so froh der Kinder Schaar geeilt;
    Ich bin's, der einst durchzog Judäas Auen,
    Um wohlzuthun, des Vaters Reich zu bauen!

    Ich bin's, den man zum Lohn für solche Liebe
    Verklagt, verdammt, mit Haß und Hohn bedeckt,
    Den man zerfleischt durch scharfe Geißelhiebe,
    Gekrönt, entblößt, auf's Holz der Schmach gestreckt,
    Mit Nägeln dort - daß Nichts erspart Mir bliebe! -
    Das Fleisch durchbohrt, die Glieder ausgereckt, -
    Ich bin's, der für der Sünder Heil und Leben
    Den letzten Tropfen Blut's dahin gegeben!

    Ich bin's, der nicht verblieb in Grabes Banden,
    Der nur dort schlief, Euch Tod und Grab zu weih'n,
    Der glorreich dann vom Tode auferstanden
    Am dritten Tag im Ostermorgenschein!
    Ich bin's, - der Leu aus Judas Stamm und Landen,
    Der da gesiegt, dem Ruhm und Preis allein!
    Ich bin's, der Auferstehung, Licht und Leben
    Am Schluß der Zeit will all' den Meinen geben!

    Ich bin's, der dann zum Vater heim gegangen,
    Bei dem auch Euch Ich Wohnung hab' bestellt,
    Ich bin's, durch den die Jünger all' empfangen
    Den Tröster werth, den Geist vom Himmelszelt,
    Ich bin's - damit die Völker Heil erlangen, -
    Der sie gesandt hinaus in alle Welt,
    Um Groß und Klein das Wort vom Kreuz zu künden,
    Und überall Mein göttlich' Reich zu gründen!

    Ich bin's, der, - ob im Himmel jetzt auch thronend -
    Doch immer noch auf dieser Welt Ich weil',
    Im Sakrament mit Gott- und Menschheit wohnend,
    Wo Lieb' und Leid mit Meinem Volk Ich theil',
    Der Frommen Herz mit reichster Huld belohnend,
    Der Kirche Schatz, der Erde Hort und Heil,
    Ich bin's, den schon Prophetenwort bekannte,
    Und staunend den "verborg'nen Gott" Mich nannte!

    Ich bin's, der im Altare sich verschlossen
    Mit Fleisch und Blut, mit Leib und Geist zugleich,
    Ich bin's, der - wenn auch Tausend Mich genossen, -
    Doch unzertheilt für alle Welt noch reich'!
    Ich bin's, der - ganz von Licht und Lieb' umflossen -
    Für Alle trägt ein Herz so warm und weich,
    Daß Ich der Wunder größtes mußt' erdenken,
    Als Himmelsbrot der Erde Mich zu schenken!

    Ich bin's, der nicht verwais't Euch wollte lassen,
    Der bei Euch bleibt bis zu der Zeiten Schluß,
    Ich bin's, der sehnlich wünscht, Euch zu umfassen
    Im Abendmahl mit heißem Liebeskuß!
    Ich bin's, der - trotz Verräthers Hohn und Hassen, -
    Sich Jedem schenkt zu täglichem Genuß!
    Ich bin's, so wahr, so wesenhaft zugegen,
    Daß Alles zehrt von Meines Daseins Segen!

    Ich bin's. Ich selbst! - kein Schein, kein bloß' Bedeuten,
    Kein frommer Wahn, kein Spiel der Phantasie,
    Kein Schatten nur, kein Bild vergang'ner Zeiten,
    Kein leerer Traum, der sich verwirklicht nie!
    Ich bin's, Ich selbst! - der Gott der Ewigkeiten,
    Der Jungfrau Sohn, - o sinkt auf Euer Knie
    Und betet an mit allen Engelheeren,
    Die staunend Mich im Sakrament verehren!

    "Ich bin's, Ich selbst!" - Auf dies Mein Wort, das hehre,
    Sollt leben Ihr mit heil'gem Glaubensmuth!
    Dafür - und wenn's in tausend Qualen wäre!! -
    Dürft sterben Ihr in heißer Liebesgluth!
    Dies Wort allein gibt in des Lebens Schwere
    Euch stete Kraft, zu kämpfen bis auf's Blut!
    Mit diesem Wort im Herzen und im Munde
    Bleibt Sieger Ihr, - ging' auch die Welt zu Grunde!

    "Ich bin's, Ich selbst!" - O laßt es nie Euch rauben
    Dies hehre Wort, das ew'ge Wahrheit ist,
    Und lebt und sterbt im einzig wahren Glauben
    Als Kind des Heil's, als hochbeglückter Christ!
    Dann sprech' Ich einst: "Fliegt auf, Ihr Meine Tauben,
    Der Lenz ist da! vorbei des Winters Frist!
    Ich bin's Ich selbst!" den nun auf Flühlingsauen
    Ihr unverhüllt im ew'gen Licht dürft schauen!"

    Cordula Peregrina (1872)

    "Was das Ewige Licht erzählt" - Gedichte über das Allerheiligste Altarssakrament von Cordula Peregrina (C. Wöhler) - Achte verbesserte und vermehrte Auflage.

    Mit Fürstbischöflicher Approbation. Innsbruck. Druck und Verlag von Fel. Rauch, 1893.

    Transkription: © by P.O. Schenker, Immaculata-Verlag, CH-9050 Appenzell

    http://cordula-peregrina.blogspot.com/

    Liebe Grüße, Blasius

  • Foren-Beitrag von Blasius im Thema




    Das Kreuz ist ein Wegweiser zum Himmel

    Das Kreuz ist für den Christen ein Wegweiser zum Himmel. Das ist ja die Bedeutung des Wegweisers, den man an die Landstraße stellt, daß er dem Wanderer die rechte Richtung nach seinem Ziel anzeigt und ihn vor dem Irregehen bewahrt:

    Denn Irregehen, o welch traurig Wort,
    Wie angstvoll geht das Kind, das arme, dort,
    Es sucht und sucht, und kennt sich nirgends aus,
    Und weiß nicht heim zum lieben Vaterhaus!


    Pilger sind wir ja aber alle auf Erden, Pilger, noch so weit von dem herrn, peregrinamur a Domino, und unser Reiseziel ist der Himmel. Darum gilt uns das Wort des Propheten: „Steh auf und geh, denn hier ist keine Ruh` für dich!“

    Wohin, o müder Wand`rer du!
    Kehr` heim ins Vaterhaus!
    Du findest nirgends deine Ruh`,
    Läufst du die Welt auch aus,
    Kehr` heim!

    Kehr` heim mit deinem Heimweh-Schmerz
    In Gottes Friedensschoß,
    und häng` nicht an die Welt dein Herz,
    Sonst bleibst du heimatlos!
    Kehr` heim!


    Welches ist denn aber der Wegweiser, der uns die rechte Richtung zu unserm Ziele gibt? – es ist das Kreuz, dieses leibhaftige Sursum corda, stell` himmelwärts dein Herz! Daher ist es eine gar passende Inschrift, die man an diesen Wegweiser zu setzen pflegt: „Pilger, rette deine Seele!“ Sie ist geeignet, gar manchen verlorenen Sohn zur Einkehr und Umkehr und Heimkehr zu bewegen!

    Das Kreuz gewährt dem Christen die Bürgschaft eines guten Todes. Bayard, der „Ritter ohne Furcht und Tadel“, wurde beim Rückzug von Mailand, in der Schlacht an der Sesia (1524), von einer Kugel tödlich getroffen. Er sank vom Pferd mit den Worten: „Herr Jesus, ich sterbe!“ Sein Knappe musste ihn an einen Baum anlehnen, aber so, daß er das Gesicht dem Feind zukehrte. Nun verlangte er einen Priester zum Beichten, aber es war keiner zu finden; er verlangte ein Kruzifix, aber es war keines zu haben. Wie also dem sterbenden Ritter seinen letzten Wunsch erfüllen? In diesem Augenblick erinnerte er sich, daß der Knauf seines Schwertes die Gestalt eines Kreuzes habe. Daher befahl er seinem Knappen, sein schert vor ihm in den Boden zu stechen, damit es wie ein Kreuz vor ihm stehe. Und nun stand er da, an den Baum angelehnt, das Gesicht dem Feind zugekehrt, die Augen auf das Kreuz gerichtet, die Hände zum Gebet gefaltet, drei Stunden lang, bis er seinen Geist aufgab. So starb also der „Ritter ohne Furcht und Tadel“. Das ist aber gerade die schönste und beste Stellung, in welcher der Christ sterben soll: die Augen gläubig auf das Kreuz gerichtet, das Gesicht mutig dem Tode zugekehrt, die Hände demütig zum Gebet gefaltet. – Der Kaiser Vespasianus ließ sich in der Todesstunde ankleiden und aufrecht stellen, denn, sagte er, ein Kaiser müsse stehend sterben. Das ist aber noch nicht einmal ausgemacht, ob es Pflicht für einen Kaiser sei, stehend zu sterben: wohl aber ist es sicher, daß ein Christ treu und standhaft im Glauben an Christus sterbe. Wohl also demjenigen, der in seiner Sterbestunde hiervon eine sichere Probe zu geben vermag! Diese bietet aber derjenige, der mit dem Kreuz in der Hand, mit dem kreuz vor den Augen stirbt. Möge darum jeder im Leben sich so zum Kreuz stellen, daß im Sterben ihm die Worte aus der Seele gesprochen sind:

    Wenn in der Krankheit Fiebergluten
    Auf meinem Bett ich stöhnend lieg`,
    Und zähle leidend Stund` um Stunde,
    So ungeduldig, krank und siech,
    Da blick` ich auf zu jenem Dulder,
    Der so viel mehr noch litt als ich,
    Und spüre Trost in dem Gedanken:
    „Dein Heiland sieht vom Kreuz auf dich!“


    … und Wahrzeichen der künftigen Auferstehung
    Das Kreuz ist dem Christen das Unterpfand, das Wahrzeichen der künftigen Auferstehung. Was wäre da vieles und schönes zu sagen vom Kreuz auf dem Kirchhof, vom Kreuz auf den Gräbern! Der Gärtner setzt auf jedes Gartenbeet einen Pfahl mit dem Namen der Samenkörner oder Blumenzwiebeln, die sich darin befinden. Das Kreuz auf dem Kirchhof und den Gräbern ist der Pfahl, der da jedem anzeigt, welche Saatkörner in diesem Beet sich befinden: katholische Christen, „gesät in Verweslichkeit, um einstens aufzugrünen in Unverweslichkeit und Herrlichkeit“. – In dem alten Kirchhof zu Augsburg steht auf dem Grab der Jesuiten als Denkmal ein einfaches Kreuz mit zwei Worten: „Vivit, er lebt; resurrecturis, denen, die auferstehen werden, gewidmet“. Das ist zwar eine kurze, aber inhaltsschwere Grabschrift, wie sie nicht schöner und trostreicher auf einem Kirchhof über den Gräbern der Toten stehen kann: Vivit, er lebt, und durch dieses sein Leben, durch seine Auferstehung hat er seine Lehre bestätigt, seine Sendung beglaubigt, seine Wunderwerke besiegelt. Vivit, er lebt, und durch dieses sein Leben hat er sich als wahren Gott bewährt, als den Erlöser der Welt bezeugt, als den Richter der Lebendigen und Toten, als den Seligmacher der Gerechten schon im voraus ausgewiesen. Vivit, er lebt, und zwar als Sieger durch seine Allmacht, als König durch seine Weisheit, als Herrscher durch seine Barmherzigkeit. Vivit, er lebt und belebt, er macht lebendig die geistig Toten und die leiblich Toten; die geistig Toten durch die belebende Kraft seines Blutes, seiner Gnade, seiner Sakramente, die leiblich Toten durch das Wort seiner Allmacht, welches das große Leichenfeld der Erde, diesen ungeheuren Kirchhof, wie Posaunenschall dereinst durchdröhnt, die dürren Gebeine anbläst, zusammen fügt, mit Haut überzieht und Geist und Leben in sie sendet:

    Er lebt und will uns Leben sein
    Zum innern auferstehungsfest,
    Er lebt und wird uns Leben sein
    Am großen Weltverjüngungsfest.


    Was aber dieses eine inhaltsschwere Wort für Trost und Zuversicht dem gläubigen Christen gewährt, das ersehen wir aus dem herrlichen Ausspruch, womit der große Dulder Job in seinem schweren Leiden seine Hoffnung auf die eigene Auferstehung ausgesprochen: „Wer gibt mir, daß meine Worte aufgezeichnet werden in ein Buch mit eisernem Griffel, und auf ein Täflein von Blei, oder eingehauen werden in einen Fels mit dem Meißel: Ich weiß, daß mein Erlöser lebt: auch ich werde auferstehen. … Diese Hoffnung ruht in meinem Busen.“ Darum steht kein Denkmal mit solchem Recht und solcher Bedeutung auf dem Kirchhof, auf den Gräbern der Toten, als das Kreuz; denn das Kreuz allein mit seiner lebendig machenden Kraft gestattet uns, auf den Grabstein zu schreiben: Resurrecturis, denen gewidmet, die auferstehen werden; ohne das Kreuz müsste man sagen: Mortuis, denen, die im Tode bleiben: denn ohne das Kreuz keine Auferstehung, kein ewiges Leben. –

    aus: Philipp Hammer, Der Rosenkranz, eine Fundgrube für Prediger und Katecheten, ein Erbauungsbuch für katholische Christen, I. Band, 1896, S. 101 -S. 105

    https://katholischglauben.info/das-kreuz...ser-zum-himmel/


    Liebe Grüße, Blasius



  • Ist es erlaubt den Tod sich zu wünschen

    Im Anfang des Märtyrertums hat die hl. Fortunata Gott gebittet, daß die Säge und der Zahn der Raubtiere sie nicht verletzte; und zuletzt hat sie im Gegenteil gebittet, Gott möge es nicht verhindern, daß der Scharfrichter sie enthaupte. Ist es erlaubt, den Tod sich zu wünschen, oder noch darum zu bitten? Der hl. Aloysius fragte in seiner letzten Krankheit seinen Beichtvater, ob es keine Sünde sei, daß er so sehnlich den Tod wünsche.
    Darauf gibt es eine einfache gewisse Antwort, nämlich es ist mit dem Wunsch und Gebet bald zu sterben gerade so, wie mit dem Wunsch und Gebet länger zu leben. Wünschst du zu sterben aus Sehnsucht bei Gott zu sein, wie die hl. Fortunata oder der hl. Paulus, der gesagt hat: ich wünsche aufgelöst zu werden und bei Christus zu sein, dann ist dein Wunsch gut und gottgefällig. Wünscht sich aber der kranke oder sonst geplagte Mensch bald zu sterben, bloß um seines Kreuzes los zu werden und Ruhe zu bekommen, so ist ein solcher Wunsch nichts Gutes, ja ist oft ein Ziechen von Mangel an Geduld, an Bußfertigkeit, an lebendigem Glauben.

    So verhält es sich auch mit dem Wunsch länger zu leben. Die hl. Fortunata betete im Anfang der Marter deshalb um Erhaltung, damit Gottes Macht verherrlicht und viele Seelen zum Glauben gebracht würden. So magst du auch immerhin beten, daß dir Gott das Leben länger lasse, wenn du hoffst noch manches Gute wirken zu können, oder manches angerichtete Böse gut zu machen hast, oder dein Leben für Andere, z. B. für unerzogene Kinder, von Wichtigkeit ist.

    Aber nicht sterben wollen, nur um das Leben länger zu genießen oder weil man sich von seinen Gütern und Ämtern nicht trennen mag, ist ein Zeichen von einer verkehrten Seele, die freilich nach dem Tod nichts Gutes zu erwarten hat, wenn sie sich nicht vorher noch bekehrt. –

    aus: Alban Stolz, Legende oder der christliche Sternhimmel,
    Bd. 4 Oktober bis Dezember, 1872, S. 73 – S. 79

    https://katholischglauben.info/heilige-f...ea-maertyrerin/


    14. Oktober Heilige Fortunata von Cäsarea, Jungfrau und Märtyrerin (Todeswunsch)

    Fragen und Antworten sind herzlich willkommen,

    liebe Grüße, Blasius

  • Thema von Blasius im Forum Unsere Fürsprecher



    Wenn der Kaufmann Danei im norditalienischen Ovada seine Kinder, sechszehn an der Zahl, beidseitig der Größe nach abgestuft, nebeneinander stellte, so sah es aus wie eine lebendige Orgel. Da gab es dann auch täglich ein Orgelkonzert, und manchmal herrschte ein Krach im Haus, dass man das eigene Wort nicht verstand. Die kinderliebenden Eltern hatten an dieser Musik die größte Freude. Obwohl sie hart arbeiten mussten, um all die Mädchen und Jungen großzuziehen, mochten sie trotzdem nicht auf eine einzige Stimme an ihrer sechszehnpfeifigen lebendigen Hausorgel verzichten. Wenn es manchmal allzu laut herging, rief der Vater oft dazwischen: „Kinder, wie oft habe ich euch schon gesagt, dass nie mehr als sieben zur gleichen Zeit reden sollen!“ dann lachten alle umso lauter und lärmten und sangen und pfiffen weiter.



    Nur beim gemeinschaftlichen Gebet am Morgen, vor und nach dem Essen und zur Nacht herrschte Ruhe, die abends noch eine Weile anhielt, denn nach dem Rosenkranz, der täglich gebetet wurde, griff Vater Danei zur Heiligenlegende und las laut und schön die Geschichte des Heiligen vom nächsten Tag vor. Es dauerte etwa zehn Minuten, und nachher fragten die Kinder noch die Eltern aus nach diesem und jenem, was sie in der Legende nicht verstanden hatten. Gern erklärten Vater und Mutter alles, bis es allmählich Zeit wurde, in die Federn zu kriechen.



    Vor allem war es Paul, der Älteste, ein stiller, nachdenklicher, lieber Junge, der, weil er gern alles genau wissen wollte, am meisten fragte. Ihm war es nämlich klar, dass auch er ein Heiliger werden musste. Tatsächlich steht heute das hohe Wort „heilig“ vor seinem Namen. Pauls spätere Heiligkeit hat also ihre Wurzel in der täglichen Lesung der Heiligenlegende.



    Besonders zog die Geschichte vom bitteren Leiden und Sterben des Heilandes den warmherzigen Jungen an. Schon in der frühesten Jugend war es so bei ihm. Paul trug nämlich der damaligen Mode entsprechend langes Haar, und wenn ihn die Mutter morgens nach dem Waschen kämmte, schrie er regelmäßig so sehr, dass man es auf der Straße hören konnte. Wenn ihm aber die Mutter ein Kruzifix in die Hand drückte und zu ihm sagte: „Schau, wie viel der liebe Heiland gelitten hat!“, so verstummte sofort jeder Laut, und jede Träne versiegte. Tapfer biss der Kleine die Zähne zusammen und ruckte und muckte sich nicht mehr.



    Paul war also schon in der Kindheit ein Paul vom Kreuz. Als junger Mann ging er dann dem Vater im Geschäft zur Hand. Später meldete er sich freiwillig zu einem Kriegszug gegen die Türken. Unterwegs erhielt er jedoch in einer übernatürlichen Erleuchtung von Gott den Auftrag, selbst ein Heer von geistigen Gottesstreitern aufzustellen, nämlich einen neuen Orden zu gründen, dessen Mitglieder vor allem durch feurige Predigten über den gekreuzigten Heiland die Menschen zu Christus zurückführen sollten.



    So geschah es auch. Paul, der sich von nun an Paul vom Kreuz nannte, stiftete den Orden der Passionisten. Das bedeutet, den Orden vom bitteren Leiden und Sterben unseres Herrn Jesus Christus, der heute noch blüht und weltweit viele tausend Mitglieder hat, die gerade durch die Predigt über den Gekreuzigten zahllose Menschen in die Freiheit der Kinder Gottes führen. Im Jahr 1775 starb Paul vom Kreuz, und 1867 wurde er heiliggesprochen.

    Liebe Grüße, Blasius

  • Foren-Beitrag von Blasius im Thema




    Der Heilsplan Gottes für den Menschen
    Gott offenbart seinen „gnädigen Ratschluß“

    Liebe Leserinnen und Leser,

    Das Gewissen spricht das Urteil

    Das Gewissen tritt als Zeuge und Richter auf


    Wenn die neuere Philosophie das Gewissen erst nach der Tat erwachen lassen will, so leugnet sie also gerade den hauptsächlichsten und erhabensten Teil seiner Wirksamkeit, dem zufolge es uns schon vor jeder Handlung im Namen, und mit der Kraft Gottes bekleidet gesetzgeberisch nahe tritt. Sie verkennt aber auch die zweite oder die begleitende Tätigkeit. Nachdem uns dieses nämlich vor der Tat den Willen Gottes vorgehalten hat, stellt es sich neben uns, um als Zeuge zu beobachten, wie wir der Pflicht gerecht werden, den erkannten Willen Gottes zu vollziehen. Auch diese Tätigkeit übt das gewissen nicht in eigenem Belieben, sondern ebenfalls im Namen und im Auftrag Gottes selber. Es läßt sich nicht zum Mitschuldigen machen. Es gibt sich nicht einmal zum stummen Zuschauer her. Es tritt als Zeuge auf und gibt mit unparteiischer Wahrheitsliebe Zeugnis, selbst wenn es von niemand dazu angerufen wird, ja auch wenn wir uns Mühe geben, seine Stimme zum Schweigen zu bringen.

    Beweis genug, daß es auch diese Tätigkeit nicht von uns hat, sondern von einer höheren, unbestechlichen, der Lüge unzugänglichen Autorität, von Gott selber. Daher steht es auch durchaus nicht in unserer Macht, uns dieses Zeugen zu entschlagen. Wir können sein Zeugnis für uns günstig machen. Dazu haben wir die Fähigkeit, ja die Pflicht. Und es wird hoffentlich niemand sein, der nicht aus Erfahrung wüßte, welchen Trost und welche Zuversicht das Zeugnis des guten Gewissens leiht. Aber vermeiden oder ertöten läßt sich dieser Zeuge nie. Man kann vielleicht seine Stimme für einige Zeit einschläfern oder übertäuben. Dann erhebt sie sich oft plötzlich später um so lauter, und dann hilft keine Entschuldigung und kein Gegengrund.

    Vor dem menschlichen Richter kann man einen Beweis erbringen, daß man die Tat nicht begangen habe, daß man unterdes anderswo gewesen sei. Vor der eigenen Einbildung kann man sich, wenigstens mit dem Mund, schön machen und sagen: Ich habe es nicht gewußt; so habe ich es nicht gemeint. Aber ein Gebiet bleibt jeder Lüge und jeder Ausrede unzugänglich, das Innerste unserer Seele, das Gewissen. Dieses nimmt keine Entschuldigung an, dieses läßt keinen Gegenbeweis gelten. Mit unbestechlicher Wahrheitsliebe tritt es unsern Worten gegenüber und sagt unserem Geist: Ich war selber dabei. So hast du getan. Das hast du beabsichtigt. Du wußtest recht wohl, was di gesollt und was du gewollt. Darum laß das Leugnen und das Beschönigen und bekenne dich ehrlich zu deiner Absicht und Tat. Und so wird es auch vor dem Gericht Gottes Zeugnis über uns geben, uns anklagend oder uns verteidigend mit unbestechlicher Wahrheitsliebe. (Röm. 2, 15) Mag uns alle Welt loben, es wird uns anklagen und nicht entschuldigen, wenn wir es nicht verdienen. Sollte uns alles verdammen und verwünschen, es wird uns selbst vor Gott verteidigen und retten, wenn wir uns dessen würdig gemacht haben durch Treue gegen sein Gesetz. Der Urteilsspruch aber wird, das ist unser größter Trost und die ernsteste Mahnung für uns, einzig nach der Aussage des Zeugen ausfallen, den wir in unserem Gewissen mit uns herum tragen.

    Noch mehr. Auch das Urteil, sei es das der Anerkennung, sei es das der Verwerfung, muss das gewissen über sich selber sprechen. Das ist die dritte, die nachfolgende Tätigkeit des Gewissens, die des Richters. Gott richtet niemand. (Joh. 3, 17; 5, 22; 8, 15; 12, 47) Aber er bestätigt und verbessert, wenn nötig, das Urteil, welches das Gewissen über uns selber fällt. Aus deinem eigenen Mund richte ich dich (Lk. 119, 22), lautet das einzige Wort des ewigen Richters.

    Darum ist das Gericht so kurz. Zeugenverhör ist unnötig, denn der Mensch bringt an seinem Gewissen den besten Zeugen, den Augenzeugen, mit. Untersuchung und Urteil ist erspart, denn das Urteil spricht ebenfalls das Gewissen. Und Berufung ist wiederum unmöglich, denn von seinem eigenen Urteil kann keiner mehr appellieren.

    Man darf deshalb sagen, daß wir unser Gewissen mehr zu fürchten haben als Gott. Wem sein Gewissen ein gnädiges Urteil spricht, der braucht Gott nicht zu fürchten. Allerdings sagt selbst der Apostel von sich: Ich bin mir zwar nichts bewußt, aber darum noch nicht berechtigt, denn der, welcher dem Gericht vorsteht, ist der Herr. (1. Kor. 4, 4) Der Mensch ist eben in der Verblendung seiner Eigenliebe leicht geneigt, sich zu entschuldigen, so daß er in diesemLeben nie mit voller Sicherheit weiß, ob er der Liebe oder des Hasses würdig ist. (Prd. 9, 1) Aber diese Selbsttäuschung fällt, wenn er einmal vor Gott erscheint. Dort wird er über sich urteilen, wie Gott ihn beurteilt. (1. Kor. 13, 12) Und wenn er sich jetzt mit Ernst vor Gottes Gericht versetzt und in seinem Gewissen das Zeugnis findet, daß er sich nicht zu verwerfen braucht, dann hat er auch von Gott kein Verwerfungsurteil zu befürchten. Darum lesen wir das tröstliche Wort geschrieben: Wenn unser Gewissen uns nicht verdammt, so dürfen wir Zuversicht gegen Gott haben. (1. Joh. 3, 21) Verurteilt uns jedoch schon unser eigenes Gewissen, so mögen wir wohl bedenken, wieviel Grund wir haben, uns vor Gott zu fürchten, dessen Macht und Wissen unser Gewissen so unendlich übersteigt. (1. Joh. 3, 10)

    Das Gewissen bietet uns Grund zur Furcht

    Aber liegt in dieser Tätigkeit des Gewissens nicht eine drückende Last, ja etwas Entwürdigendes? Muss da den Menschen nicht beständig Furcht erfüllen? Und ist Furcht nicht etwas Sklavisches und Erniedrigendes?

    Sicher bietet uns das Gewissen vielen Grund zur Furcht. Aber gerade darum ist es ein so gründlicher und so förderlicher Erzieher. Es ist nämlich ein großer Irrtum, zu glauben, daß jede Furcht erniedrige. Erniedrigend ist bloß eine Furcht, die der Sklaven, die nicht das Böse fürchten, sondern nur, daß sie entdeckt und nach Verdienst gezüchtigt werden könnten. Diese Art von Furcht ist eins mit der Liebe zur Sünde, und diese verbrecherische Liebe wird durch die feige Angst vor der Gerechtigkeit ihre eigene fruchtlose Strafe. Eine solche Furcht kann freilich weder adeln noch bessern.

    Aber es gibt auch eine andere Furcht, jene Furcht, die der Anfang der Weisheit ist (ps. 110, 10; Spr. 1, 7; 9, 10), dir Furcht der Edlen und der Freien. Diese keusche, heilige Furcht ist nichts als ein heldenmütiger Grad der Liebe zur Gerechtigkeit. Sie bezieht sich nicht auf die Strafe, sondern nur auf die Sünde. Gerade weil sie die Sünde flieht, umarmt sie die Strafe. Die, welche sie besitzen, sind es, die selber am meisten die Reinigung ihres Gewissens durch die gerechte Strafe wünschen, wenn sie es in Übereilung befleckt haben. Ja sie warten nicht einmal die Züchtigung ab, sondern sie kommen der verletzten Gerechtigkeit durch Buße zu Hilfe. Und das ist die Furcht, die das Christentum predigt, gewiß eine starkmütige, eine großherzige Liebe zum Guten. Eine solche Furcht entmutigt aber nicht, sondern macht bescheiden und wachsam und ernster im Streben nach der Tugend.

    Darum ist es eine Schmach für den Weltgeist, daß er die Furcht Gottes so sehr verabscheut und gering schätzt, ein Zeichen, daß er keine andere Furcht kennt als die der Sklaven. Auch hierin beschämen ihn die Heiden, die gerade von der zarten Gewissenhaftigkeit alles Gute erwarten, … –

    aus: Albert M. Weiß, Apologetik, Bd. 1, 1905, S. 128 – S. 132


    https://katholischglauben.info/das-gewis...cht-das-urteil/


    Liebe Grüße, Blasius

  • Foren-Beitrag von Blasius im Thema




    Das Kreuz ist eine Schule der Geduld im Leiden

    Das Kreuz ist für den Christen eine Schule der Geduld im Leiden. Als die Spanier Mexiko eroberten, wollten sie beutegierig nur Gold und immer nur Gold. Freiwillig gaben aber die Mexikaner ihre Schätze nicht heraus; darum griffen die Spanier zu allerlei Torturen, und legten sogar den Kaiser Guatimozin und seinen Diener auf glühende Kohlen, um sie zum Geständnis zu zwingen, wo die Schätze verborgen lägen. Das war aber eine unerträgliche Qual; kein Wunder also, daß der Diener bittend zu seinem Kaiser hinüber schaute, damit er doch selbst gestehe oder ihn gestehen lasse, wo sich ihre Kostbarkeiten befänden. Der Kaiser aber meinte, es heiße einem Diener nicht allzu viel zumuten, wenn er dasselbe leiden müsse, was sein Herr leide. Daher rief er ihm vorwurfsvoll zu: „Schau her, liege ich denn auf Rosen?“

    Nun ist ja aber angesichts der zahllosen Leiden, die Tag für Tag auf das arme Menschenherz herein brechen, nichts so erklärlich, als daß es den Mut und die Geduld verliert. O, der fromme Verfasser der Nachfolge Christi hat recht, wenn er sagt: „Wende dich nach oben, wende dich nach unten, wende dich nach innen, wende dich nach außen, zur Rechten oder zur Linken: allüberall wirst du finden ein Kreuz, ein Leid!“ – Am Rhein, im sogenannten Siebengebirge, gibt es eine Stelle, welche ein siebenfaches Echo bildet; ruft man von dieser Stelle ein Wort, z. B. das Wort Freude hinaus, so tönt es in siebenfachem Wiederhall rings aus den bergen zurück: Freude. Es gibt aber ein Wort, das, mag man es ausrufen von welcher Stelle man will, nicht bloß einen siebenfachen, sondern millionenfachen Wiederhall bildet, und dieses Wort heißt Leiden. Probiere es nur, du armes, Leid gequältes Menschenherz, und rufe es hinaus in die Welt: ich leide, und allüberall her, aus den Hütten der Armen, aus den Fabriken der Reichen, aus den Palästen der Großen, aus den Studierstuben der Gelehrten wird dir ein millionenfaches Echo erwidern: ich leide! Wohl also allen, die da leiden und immer nur leiden und meinen, unser Herrgott halte sie zu hart und mute ihnen mehr zu, als sie tragen können, daß es für sie eine Hochschule, eine Universität gibt, wo sie alles erlernen können, was sie zum Leiden nötig haben, vorab Mut und Geduld und Ausdauer, und diese Hochschule ist der Kalvarienberg, und der Lehrstuhl ist das Kreuz. Wie also, mein Christ, wenn du gern klagen und murren möchtest, daß dir Gott eine zu schwere Last auflade, so blicke doch erst hinauf ans Kreuz und höre, was dein gekreuzigter Heiland dazu sagt: „Schauher, liege ich denn auf Rosen?“ Es ist wahr, dein Leid ist groß, groß am Leib, groß an der Seele! Krankheit, Armut, herbe Verluste, kränkende Angriffe auf deine Ehre, deinen guten Namen, all das verbittert dir das Leben, jawohl, ich weiß das, aber schaue einmal hin auf den dort am Kreuz! Wen hat man so verachtet, so verleumdet, so verspottet, so misshandelt, so gekränkt, wie ihn, den man durch falsche Zeugen zum Verbrecher, zum Missetäter erklären ließ, um ihn ans Kreuz schlagen zu können? „Schau her, liege ich denn auf Rosen?“ Darum gilt dir das Sprüchlein:

    Blick` hinauf, o blick` hinauf!
    Sieh, zum Himmel geht dein Lauf,
    Musst nur nicht gar gleich verzagen,
    Musst dein kreuz geduldig tragen,
    Blicke nur zum Kreuz hinauf!

    aus: Philipp Hammer, Der Rosenkranz, eine Fundgrube für Prediger und Katecheten, ein Erbauungsbuch für katholische Christen, I. Band, 1896, S. 99 -S. 101

    https://katholischglauben.info/das-kreuz...ule-der-geduld/


    Liebe Grüße, Blasius

  • Thema von Blasius im Forum Neues Testament

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    Zweiter Brief des Apostels Paulus an Timotheus 4,10-17ab.

    Mein Sohn! Démas hat mich aus Liebe zu dieser Welt verlassen
    und ist nach Thessalonich gegangen; Kreszenz ging nach Galatien, Titus nach Dalmatien.

    Nur Lukas ist noch bei mir. Bring Markus mit, denn er wird mir ein guter Helfer sein.
    Tychikus habe ich nach Ephesus geschickt.

    Wenn du kommst, bring den Mantel mit, den ich in Troas bei Karpus gelassen habe,
    auch die Bücher, vor allem die Pergamente.
    Alexander, der Schmied, hat mir viel Böses getan;
    der Herr wird ihm vergelten, wie es seine Taten verdienen.

    Nimm auch du dich vor ihm in Acht, denn er hat unsere Lehre heftig bekämpft.
    Bei meiner ersten Verteidigung ist niemand für mich eingetreten; alle haben mich im Stich gelassen. Möge es ihnen nicht angerechnet werden.

    Der Herr stand mir zur Seite und gab mir Kraft,
    damit durch mich die Verkündigung vollendet wird und alle Heiden sie hören.


    Psalm 145(144),10-11.12-13ab.17-18.

    Danken sollen dir, Herr, all deine Werke
    und deine Frommen dich preisen.
    Sie sollen von der Herrlichkeit deines Königtums reden,
    sollen sprechen von deiner Macht.

    Sie sollen den Menschen deine machtvollen Taten verkünden
    und den herrlichen Glanz deines Königtums.
    Dein Königtum ist ein Königtum für ewige Zeiten,
    deine Herrschaft währt von Geschlecht zu Geschlecht.

    Gerecht ist der Herr in allem, was er tut,
    voll Huld in all seinen Werken.
    Der Herr ist allen, die ihn anrufen, nahe,
    allen, die zu ihm aufrichtig rufen.

    Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas - Lk 10,1-9.

    In jener Zeit suchte der Herr zweiundsiebzig andere Jünger aus und sandte sie zu zweit voraus in alle Städte und Ortschaften, in die er selbst gehen wollte.
    Er sagte zu ihnen: Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden.
    Geht! Ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe.
    Nehmt keinen Geldbeutel mit, keine Vorratstasche und keine Schuhe! Grüßt niemand unterwegs!
    Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als erstes: Friede diesem Haus!
    Und wenn dort ein Mann des Friedens wohnt, wird der Friede, den ihr ihm wünscht, auf ihm ruhen; andernfalls wird er zu euch zurückkehren.
    Bleibt in diesem Haus, esst und trinkt, was man euch anbietet; denn wer arbeitet, hat ein Recht auf seinen Lohn. Zieht nicht von einem Haus in ein anderes!
    Wenn ihr in eine Stadt kommt und man euch aufnimmt, so esst, was man euch vorsetzt.
    Heilt die Kranken, die dort sind, und sagt den Leuten: Das Reich Gottes ist euch nahe.

    Aus dem Lektionar der Katholischen Kirche © www.staeko.net
    II. Vatikanisches Konzil

    Dogmatische Konstitution „Dei Verbum“ über die göttliche Offenbarung (18. November 1965), 18–19 (© Libreria Editrice Vaticana)

    Das Zeugnis des hl. Lukas:

    „Nun habe auch ich mich entschlossen, allem von Grund auf sorgfältig nachzugehen, um es […] der Reihe nach aufzuschreiben“ (Lk 1,3)
    Niemandem kann es entgehen, dass unter allen Schriften, auch unter denen des Neuen Bundes, den Evangelien mit Recht ein Vorrang zukommt. Denn sie sind das Hauptzeugnis für Leben und Lehre des fleischgewordenen Wortes, unseres Erlösers. Am apostolischen Ursprung der vier Evangelien hat die Kirche immer und überall festgehalten und hält daran fest; denn was die Apostel nach Christi Gebot gepredigt haben, das haben später unter dem Anhauch des Heiligen Geistes sie selbst und Apostolische Männer uns als Fundament des Glaubens schriftlich überliefert: das viergestaltige Evangelium nach Matthäus, Markus, Lukas und Johannes.

    Unsere heilige Mutter, die Kirche, hat entschieden und unentwegt daran festgehalten und hält daran fest, dass die vier genannten Evangelien, deren Geschichtlichkeit sie ohne Bedenken bejaht, zuverlässig überliefern, was Jesus, der Sohn Gottes, in seinem Leben unter den Menschen zu deren ewigem Heil wirklich getan und gelehrt hat bis zu dem Tag, da er aufgenommen wurde (vgl. Apg 1,1–2). Die Apostel haben nach der Auffahrt des Herrn das, was er selbst gesagt und getan hatte, ihren Hörern mit jenem volleren Verständnis überliefert, das ihnen aus der Erfahrung der Verherrlichung Christi und aus dem Licht des Geistes der Wahrheit zufloss.

    Die biblischen Verfasser aber haben die vier Evangelien redigiert, indem sie einiges aus dem vielen auswählten, das mündlich oder auch schon schriftlich überliefert war, indem sie anderes zu Überblicken zusammenzogen oder im Hinblick auf die Lage in den Kirchen verdeutlichten, indem sie schließlich die Form der Verkündigung beibehielten, doch immer so, dass ihre Mitteilungen über Jesus wahr und ehrlich waren. Denn ob sie nun aus eigenem Gedächtnis und Erinnern schrieben oder auf Grund des Zeugnisses jener, „die von Anfang an Augenzeugen und Diener des Wortes waren“, es ging ihnen immer darum, dass wir die Wahrheit der Worte erkennen sollten, von denen wir Kunde erhalten haben (vgl. Lk 1,2–4).

    Aus:
    https://evangeliumtagfuertag.org/DE/gospel/2019-10-18


    Fest 18. Oktober HL. LUKAS Evangelist


    Lukas, der als Verfasser des dritten Evangeliums und der Apostelgeschichte gilt, war nach der Überlieferung in Antiochien in Syrien als Heide geboren; nach Kol 4,14 war er Arzt und hat als solcher gewiss auch den Apostel Paulus behandelt. Für sein Evangelium hat er als Quellen das Markusevangelium und andere Überlieferungen benützt, dem Ganzen aber sein persönliches Gepräge gegeben. Er betont vor allem die Barmherzigkeit Gottes und die Liebe Jesu zu den Armen und den Sündern; über das Gebet und über den Heiligen Geist sagt Lukas mehr als Matthäus und Markus. In der Apostelgeschichte berichtet er mit historischem Blick und literarischer Kunst über die Anfänge des Christentums. Auch hier hat er verschiedene Quellen benützt; zum guten Teil konnte er als Augenzeuge berichten, da er Paulus auf der zweiten und der dritten Missionsreise begleitete und auch während der römischen Gefangenschaft in seiner Nähe war (vgl. Kol 4,10-14; Phlm 24; 2 Tim 4,11). Die liturgische Verehrung des hl. Lukas ist seit dem 8. Jahrhundert bezeugt.

    https://www.erzabtei-beuron.de/schott/schott_anz/


    Liebe Grüße, Blasius

  • Thema von Blasius im Forum Unsere Fürsprecher




    Heiliger Justus von Autisiodor Märtyrer

    Das Leben und Sterben des hl. Justus wird in einer Schrift erzählt, die schon über tausend Jahre alt ist. Die Geschichte in unsere Sprache übersetzt lautet also: „Es fängt an das Leiden des hl. Märtyrers Justus. Zur Zeit, da der allmächtige Gott die Zahl der Heiligen anwachsen ließ, und Justus neun Jahre alt war, sprach dieser zu seinem Vater Justinus: „Mein Vater, ich habe einen Traum gehabt, daß ein reicher Mann, Namens Lupus, meinen Oheim Justinian in der Stadt der Ambienser im Sklavendienst gefangen hält.“ – Der Vater sprach zum Sohn: „Was wollen wir also machen?“ – Da nun Justin in der Stadt Autisiodor einen Menschen um Geld zu dingen suchte, welcher ihn begleiten sollte, den Bruder aufzusuchen, sprach Justus zu ihm: „Ich bin bereit mit dir zu gehen.“ – Darauf sagte seine Mutter Felicia: „Sohn Justus, wie könntest du einen so weiten Weg antreten? Es könnte dir etwas widerfahren.“ – Er antwortete: „Wenn Gott will, werde ich gehen, und wenn es ihm gefällt, werde ich zurück kommen.“ – Und Justin sagte: „Nimm Brot und Geld und wir wollen unter Christi Leitung die Reise machen, welche wir beschlossen haben.“

    Ungefähr um die dritte Stunde gingen sie fort aus der Stadt Autisiodor und sie kamen gegen Abend, als der Tag sich neigte, zu dem Kastell Melodun. Hier saß am Tor des Kastells ein Blinder und Lahmer und rief: „O seliger Justus, erquicke meine Seele, denn ich leide die Plage des Hungers.“ Der Knabe sagte zu seinem Vater: „Nimm das Brot und erquicke ihn“ und zog sich dann ein Kleidungsstück ab und legte es dem Armen an; der Vater aber fing an ihn darüber zu schelten. Justus antwortete: „Es steht geschrieben: Selig, wer sich erbarmt über den Dürftigen und Armen, in schlimmer Zeit wird ihn befreien der Herr.“ – Und in der Frühe gingen sie hinaus und setzten die Reise fort. Und als sie nach der Stadt Paris kamen, trafen sie einen sehr guten Mann, Hippolyt mit Namen. Er fragte sie, aus welcher Provinz sie wären; jene aber sagten, „aus der Stadt Autisiodor, wir suchen einen Gefangenen“; und es sagte Hippolyt zu ihnen: „Kommt in mein Haus, ich will euch erquicken mit Wein und Honigwasser.“

    Als sie gesättigt waren und die Reise fortsetzten, kamen sie an den Fluss Isara, fanden aber kein Schiff; da sprach Justus zu seinem Vater Justin: „Sieh`, durch Anordnung der Barmherzigkeit Gottes kommt ein Mensch den Fluss herab, wir wollen ihn bitten, daß er uns überfahre.“ Und indem sie so redeten, kam er und sie sagten zu ihm: „Freund, tue den Gefallen, daß du uns über den Fluss fährst; du bekommst Fährgeld dafür und Gewinn für deine Seele.“ Aber er fragte, wer und woher sie seien; und da sie ihm die Mitteilung machten, daß sie ausgehen, einen Gefangenen zu suchen, schiffte er sie umsonst über den Fluss. Und indem sie die angefangene Reise beschleunigten, kamen sie zu der vorgemeldeten Stadt Ambianis und fragten nach dem Handelsmann Lupus oder wo sein Haus wäre. Und da sie ihn gefunden hatten, sagten sie zu ihm: „Unser Anverwandter ist in dieses Gebiet als Gefangener zugeführt worden, und wir haben gehört, er sei bei dir. Aber er fragte, woher oder wer es sei oder was für einen Namen er habe, welchen sie suchten. Darauf antwortete Justinus: „Wir sind Christen aus der Stadt Autisiodor, und mein Bruder, den wir suchen, heißt Justinianus.“ – Und Lupus sprach zu ihnen: „Kommt in mein Haus und ich will euch Herberge geben und euch meine Sklaven zeigen, und wenn ihr den erkennt, den ihr sucht und das Lösegeld zahlt, könnt ihr euren Bruder heim führen.“

    Und da sie zur Abendstunde in das Haus des Lupus gegangen waren, führte er ihnen sein zwölf Sklaven vor. Allein der Gesuchte ward unter ihnen nicht gefunden, erst im Umschauen erblickte Justus den Justinian, welchen er suchte, wie er die Lampe hielt, und sagte: Siehe der Sklave, welcher das Licht anzündet, ist unser.“ Aber dieser sprach: „Woher kennst du mich? Ich habe dich noch nie in dieser Gegend gesehen.“ Und indem er dieses redete, war ein junger Soldat des Verfolgers Riciovarus zugegen; der stand alsbald auf und brachte die Geschichte zu dem Tyrannen und sprach: „Es sind gewisse Menschen in der Stadt Ambianis, die sich auf Zauberkünste verstehen und bekennen, daß sie Christen seien; was ist mit ihnen zu machen?“ – Aber er sprach: Geht und führt sie schnell zu mir, und wenn sie sich weigern zu kommen, sollen sie in den Kerker geworfen werden, bis sie mir vor Augen gebracht werden.“ – Da die Diener fort gingen in die oben erwähnte Stadt und das Haus des Lupus aufsuchten, fanden sie jene nicht mehr daselbst, weil Lupus vorher in der Nachtzeit zu ihnen gesagt hatte: „Steht auf und nehmt den Menschen, der eich angehört, und euer Geld, damit nicht die Vorgesetzten euch ergreifen.“ Und da die Diener dem Riciovarus so meldeten, daß jene schon aus der vorgemeldeten Stadt entwichen wären, sagte der Tyrann zu ihnen: „Es sollen vier Knechte sich aufmachen und sie schnell zu Pferd verfolgen, damit sie umkehren müssen und, wenn sie widerstreben, getötet werden.“

    Als die Knechte sie verfolgten, fanden sie dieselben bei der Quelle Sirica. Und es sprach zuerst Justinianus zu seinem Bruder Justinus: „Wir wollen ein wenig ausruhen, da wir Wasser hier haben, und wollen Speise nehmen, damit wir besser die Reise fortsetzen können.“ – Und Justus sagte zu ihnen: „Esset geschwinder, weil der Gebieter Riciovarus vier Reiter schickt, die uns zurück führen oder töten sollen. Während ihr Speise nehmt, will ich acht haben, und wenn sie kommen, mit ihnen reden; ihr aber geht in die Höhle und verberget euch.“ – Und wie er dieses sagte,sah er sie von weitem kommen, und sein Vater und dessen Bruder zogen sich in die Tiefe der Höhle zurück. Und die Diener des Herrschers kamen herbei und fragten den Justus, wo die Alten seien oder was für Göttern sie opferten. Aber er antwortete, er sei ein Christ; und da er seine Angehörigen nicht verraten wollte, sagte einer zum andern: „Zieh das Schwert und haue ihm den Kopf ab, und wir wollen ihn dem Herrscher bringen.“ Justus aber betete: „Gott Himmels und der Erde, nimm meinen Geist auf, weil ich unschuldig und eines reinen Herzens bin.“ Und da der Kopf abgeschnitten war, wurden die Diener von großem Schrecken ergriffen. Sie flohen davon und erzählten dem Tyrannen Rciovarus, wie der Hergang gewesen sei.“

    Da die Verfolger sich entfernt hatten, gingen die Angehörigen des seligen Justus aus der Höhle und fanden den Leichnam. Und es sagte Justinus zu seinem Bruder Justinianus: „Was machen wir mit diesem Leib?“ Sie fanden ein altes Gemäuer mit Efeu überzogen, hier beerdigten sie sorgfältig den Körper; das Haupt aber trugen sie mit sich fort. Und sie reisten eilig und langten am dritten Tag in der Stadt Autisiodor an. Und es sprach Felicia, seine Mutter. „Wo ist mein Sohn Justus?“ – Und Justinianus sein Oheim antwortete: „Es hat sich ereignet, daß er gestorben ist.“ – Sie sprach: „Ich sage dir Dank, Gott Himmels und der Erde, der du die unschuldige reine Seele aufgenommen hast“; und sie setzte hinzu: „O seliger Sohn Justus, bitte für mich, der du verdient hast, das Märtyrertum zu erlangen!“ Aber indem sie dieses betete und weinte, hing der Kopf des Märtyrers in Leinwand eingetan im Haus. Da nun die Zeit der Nacht da war, da leuchtete durch göttliche Einwirkung das ganze Haus.

    In jenen Tagen aber war Bischof jener Stadt ein Priester Gottes, Namens Amator. Er ist ganz früh aufgestanden zu den Metten und sagte zu seinen Brüdern: „Ich habe große Lichter gesehen über dem Haus des Justinus, wovon die ganze Stadt hell geworden; geht geschwind und erforscht, was dies gewesen. Da gingen drei Priester hin und fragten den Justinus, was das für eine Bedeutung mit dem Licht habe, das in der Nacht über seinem Haus erschienen sei. Und es sagt Justinus zu ihnen: „Mein Sohn Justus ist umgekommen in ferner Gegend; die Diener des Gebieters Riciovarus haben uns gemeinsam verfolgt, und indem wir uns geflüchtet haben, ergriffen sie meinen Sohn, hauten seinen Kopf ab und kehrten zurück. Und wir haben seinen Leib am nämlichen Ort begraben, neben der Quelle Sirica im Gebiet Bellovac, und wir haben sein Haupt genommen, damit seine Mutter ihn küssen könne. Und da es in unser Haus gebracht war, ist um die dritte Stunde der Nacht ein Licht vom Himmel gekommen, davon das Haus und die ganze Stadt durch Fügung Gottes erleuchtet ward.“

    Erstaunt meldeten dies die Priester, welche vom Bischof gesandt waren, den Brüdern und dem hl. Amator selbst, und jubelnd über ein so schönes Wunder sagten sie Dank dem allmächtigen Gott. Und der Bischof befahl, daß sie eine Tragbahre und Leuchter nehmen und das Haupt zur Kirche tragen und beerdigen in der Gruft des Hauses Gottes, wo der Bischof selbst einst zu ruhen vorhatte.Und um das Zeugnis des guten Werkes zu vollenden, so war in jener Stadt ein Mädchen von 16 Jahren, von Geburt an blind, und es rief und sprach: „Heiliger Justus, bitte zu deinem Gott, an den ich auch glaube und den ich bekenne, daß er das Licht meinen Augen gebe.“ Und alsbald wurden durch göttliche Kraft ihre Augen geöffnet, und es sahen die Priester die Herrlichkeit Gottes und alle lobten und priesen Gott, weil ihnen ein großes Wunder gezeigt worden. An ihn glauben die Völker, ihm sei Ehre und Herrlichkeit in alle Ewigkeit. Amen.“

    Du siehst in dieser Legende, wie ein Kind von übernatürlicher wunderbarer Seelenstärke durch gewaltsamen Tod seinen Eltern entrissen wird. Gewöhnlich sieht man einen unmäßigen Jammer bei den Eltern, wenn ihnen ein Kind stirbt, gar wenn es das einzige ist; dieser unmäßige Jammer ist aber gerade ein Zeichen, wie wenig der christliche Glaube wahrhaftig und lebendig in solchen Eltern wohnt.Sieh` an der Mutter des hl. Justus, wie eine Christin den Tod des Kindes aufnimmt; sie weinte wohl, aber vor Allem dankte sie Gott, daß er das Kind, da es noch unschuldig war, zu sich genommen und für die Ewigkeit gesichert habe, und sie sah von nun an das Kind an als ihren Fürsprecher im Himmel. Mich dauert kein Kind, wenn es stirbt, sei es mir auch noch so lieb gewesen; es ist ja gerade durch seinen frühen Tod vor dem vielen Leid und Kummer bewahrt, was das spätere Leben bringt, und ist bewahrt vor dem größten Unglück, vor der Sünde und ewiger Verdammung. Es mag wohl sein, daß Gott deshalb fast die Hälfte der Menschen schon in der Kindheit sterben läßt, um sie auf diese Weise für den Himmel zu retten. Ach, fast jedem Menschen kommt zuweilen der schmerzliche Wunsch: wäre ich doch als Kind gestorben! – Missgönne doch deinem eigenen Kind nicht, wenn ihm Gott das Glück eines frühen Todes beschert hat!

    Die Reliquien vom hl. Justus sind aber in viele Hauptkirchen verteilt worden und stehen in großer Verehrung. In manchen Kirchen hat am heutigen Tag auch das Brevier eine eigene Lesung über den hl. Justus, und in der Messe wird gebetet: „Gott, der du den seligen Justus, dem alter nach ein Kind, dem Glauben nach aber groß, durch den Sieg des Leidens zur ewigen Herrlichkeit geführt hast: verleihe, bitten wir, daß seine verehrungswürdige Fürsprache uns helfe und wir Genossen der ewigen Herrlichkeit werden, durch Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen.“ –

    aus: Alban Stolz, Legende oder der christliche Sternhimmel, Bd. 4 Oktober bis Dezember, 1872, S. 101 – S. 106

    https://katholischglauben.info/heiliger-...odor-maertyrer/


    Liebe Grüße, Blasius

  • Foren-Beitrag von Blasius im Thema



    Lieber Aquila, danke für Deinen Beitrag, eine Ergänzung:

    Das Kreuz ist ein Füllhorn des Segens

    Es soll sodann das Kreuz in einem christlichen Hause auch deshalb nicht fehlen, weil es fürs zweite ein Füllhorn des Segens ist. Im Volksglauben ist viel die Rede von einem Zauberstab, womit man alles in Gold verwandeln könne; wer einen solchen besäße, wäre bald reich; er würde ganze Felsenstücke in Gold verwandeln. Ein solcher Zauberstab ist aber das Kreuz; es spendet Segen für Leib und Seele, wie die Nachfolge Christi so schön sagt: „Im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Leben, im Kreuz ist Schutz, im Kreuz ist Erguss himmlischer Wonne, im Kreuz ist Starkmut der Seele, im Kreuz ist Freude des Geistes, im Kreuz der Gipfel der Tugend, im Kreuz die vollkommene Heiligkeit im Kreuz die ewige Seligkeit.“

    Der also hat recht, der vom Kreuz singt:

    O Kreuz des Herrn, so von Segen,
    O Gnadenborn auf allen Wegen,
    O selig, wer dich lieb gewonnen,
    O selig, wer mit dir begonnen,
    Mit dir beschlossen seine Pfade,
    Mit dir dem Throne Gottes nahte!

    Als Student kam der Verfasser einmal an einem Sonntag-Abend durch ein Dorf im bayerischen Hochgebirge an der Grenze von Tirol, und fand die ganze Gemeinde, jung und alt, klein und groß auf einem freien Platz um ein Kreuz herum knien und den Rosenkranz beten. Noch heute ist der Eindruck in seiner Seele nicht verwischt, den dieser Anblick auf ihn gemacht; das Bild des Gekreuzigten, von den Strahlen der untergehenden Sonne beleuchtet, ragte über die betende Schar noch empor. Aber noch nie hat ihn ein Kruzifixbild so ergriffen, wie jenes, um das die ganze Dorfgemeinde kniete; es kam ihm vor, als sei es nicht bloß das Bild, sondern der gekreuzigte Heiland selbst, der da über der Menge schwebe, um ihre Gebete zu hören und einem jeden aus seinen fünf Wundmalen gerade jene Gnade zufließen zu lassen, die er am meisten bedürfe; denn unwillkürlich muss einem sei solchem Anblick das Wort des Herrn in den Sinn kommen: „Wo zwei oder drei in meinem Namen beisammen sind, da bin ich mitten unter ihnen.“. Wo er aber ist, da ist Segen, Friede und Glück, und wo er nicht ist, da ist der Fluch. Eine solche Gemeinde geht also gewiß nur gesegnet nach Hause: zu unserm göttlichen Erlöser kommt man nicht, um – leer fort zu gehen. Wo nun aber das, was dort die ganze Gemeinde getan, Haus- und Familiensitte ist, wo Vater und Mutter mit ihren Kindern täglich um dasKruzifix zusammen knien, um Gott ihren Glauben, ihre Hoffnung und Liebe zu bekennen und ihre Anliegen vorzutragen, soll da der Heiland mit seiner Gnade und seinem Segen nicht in ihrer Mitte sein? O gewiß, das Kreuz im Haus ist ein Füllhorn des Segens. Welch ein Glück also für eine Familie, und welch ein Glück für jedes Kind, wenn in einem Haus die Sitte herrscht, daß kein Kind schlafen geht, ohne daß ihm Vater und Mutter ein Kreuz auf die Stirn gemacht und es gesegnet haben!

    Das Kreuz ist für den Christen ein Zufluchtsort in der Versuchung und Anfechtung. Es ist ein bekanntes Bild, das ein Kreuz auf einem Felsen im wild aufgeregten Meer vorstellt, woran sich ein Kind anklammert, um von den anprallenden Wogen nicht mit fort gerissen zu werden. Es betet gut, wenn es betet:

    Ich klamm`re mich an deines Kreuzes Nägel,
    Der du für mich gestorben bist,
    Und lehne mich ans Kreuz, daß du mir helfest,
    Geliebter Heiland, Jesus Christ!

    Das Menschenleben gleicht ja aber nur allzu oft, wie schon oben gesagt, dem aufgeregten Meer, und es dringen die Versuchungen und Anfechtungen gar häufig wie stürmische Wogen auf das schwankende und zagende Herz ein, um es mit fort zu reißen in Sünde, Schuld und Verderben. Wohl also ihm, wenn es sich beizeiten erinnert, daß es Zufluchtsstätten gibt, wo es sich vor solchen Stürmen schützen kann, und daß eine der sichersten – das Kreuz ist. –

    aus: Philipp Hammer, Der Rosenkranz, eine Fundgrube für Prediger und Katecheten, ein Erbauungsbuch für katholische Christen, I. Band, 1896, S. 97 -S. 99

    https://katholischglauben.info/das-kreuz...orn-des-segens/


    Liebe Grüße, Blasius

  • Thema von Blasius im Forum Unsere Fürsprecher



    Ignatius mit dem Beinamen Theophoros, „Gottesträger“, war nach dem Apostel Petrus und dem hl. Evodius der dritte Bischof von Antiochien in Syrien. Nach der Legende war er das Kind, das Jesus den Jüngern vorstellte, als sie darüber stritten, wer der Größte sei. Der Apostel Johannes soll sein Lehrer gewesen sein. Um 110 wurde er unter Kaiser Trajan wegen seines Glaubens verhaftet und nach Rom gebracht. Auf der mühsamen Reise schrieb er seine berühmten sieben Briefe, Ausdruck seiner glühenden Christusliebe und seiner Sorge um die Einheit der Gemeinden unter ihrem Bischof. An die Gemeinde von Rom schickte er einen Brief voraus, in dem er flehentlich darum bat, man möge nichts für seine Freilassung unternehmen. In Rom wurde Ignatius zum Tod verurteilt und im Kolosseum von den wilden Tieren zerrissen.



    Die Einheit

    „Seid darauf bedacht, nur eine Eucharistie zu feiern; denn es gibt nur einen Leib unseres Herrn Jesus Christus und nur einen Kelch zur Vereinigung mit seinem Blut; es gibt nur einen Altar, wie auch nur einen Bischof mit der Priesterschaft und den Diakonen.“ (Ignatius, Brief an die Gemeinde von Philadelphia)



    „Lasst es geschehen, dass ich den wilden Tieren zum Fraß diene; durch sie wird es mir vergönnt sein, zu Gott zu gelangen. Ich bin ein Weizenkorn Gottes; ich muss von den Zähnen der wilden Tiere zermahlen werden, um reines Brot Christi zu werden ... Feuer, Kreuz, ein Haufen wilder Tiere mögen über mich kommen, nur damit ich zum Herrn Jesus Christus gelange ... Gönnt es mir, die Leiden meines Gottes nachzuahmen!“ (Ignatius, Brief an die Gemeinde von Rom)



    Schriftlesungen für Märtyrer

    oder für Hirten der Kirche

    AUS:

    https://www.erzabtei-beuron.de/schott/sc...2FOktober17.htm


    Liebe Grüße, Blasius

  • Foren-Beitrag von Blasius im Thema




    Von dem Wert der Versuchungen

    Wesen und Nutzen der Versuchungen


    „Mein Sohn, willst du den Dienst Gottes antreten, so halte auf Gerechtigkeit und Gottesfurcht und mache dich auf Versuchungen gefaßt. Trage, was dir Gott auferlegt. Alles, was dir widerfährt, nimm an: harre aus im Schmerz und sei geduldig in deiner Demut; denn Silber und Gold wird durch Feuer geprüft, die Lieblinge Gottes aber im Ofen des Demütigung.“ (Ekkli. 2) Wie der hl. Johannes im Kloster und dann in einem Winkel nahe beim väterlichen Hause diese Lehre des heiligen Geistes befolgte, hast du jetzt gelesen und bewundert; aber sie ist auch für dich gegeben. Damit du sie mutiger befolgst, so denke ernstlich nach:

    1. Über das Wesen der Versuchungen: sie sind für dich das kostbare Material, aus dem du dir die Krone deiner ewigen Glorie bereiten sollst und kannst. Für dich sind die Versuchungen, mit denen dich das eigene Fleisch, oder die Reize der Welt, oder die List des Teufels belästigen, ein peinliches Gemütsleiden härter als eine Krankheit oder eine Widerwärtigkeit: sie machen dich matt und krank im Gefühl der eigenen Verderbtheit und Schwäche, sie beunruhigen deine Seele in ihrem innersten Leben ob der der unendlich wichtigen Folgen, die von deinem Sieg oder von deiner Niederlage abhängen.
    Von Seiten Gottes sind die Versuchungen, die Er dir schickt, Beweise seiner Weisheit und besonderen Liebe. Es kommt keine Versuchung über dich, die nicht von seiner Weisheit zugelassen ist, und jede seiner Zulassungen ist unfehlbar ein Ausfluss seiner Liebe. Seine göttliche Fürsorge wägt und bemißt genau die Versuchung, mit der Er dich auf die Probe stellen will, nach dem Grade deiner schwäche; Er läßt nicht zu, daß an dich, sein Kind, der Teufel heran trete, ohne daß Er ihm die Bedingungen genau vorgeschrieben, dich aber durch seine Einsprechungen zum voraus gewarnt und mit angemessenem Gnadenbeistand bewaffnet hat. O daß du es erkänntest, mit welch` zärtlicher Sorge dich seine Liebe umgibt, während du versucht wirst! „Wo warst Du, o mein Jesu, während meines schrecklichen Kampfes?“ klagte der hl. Antonius in der Wüste. „Nahe bei dir, mein Sohn, während der ganzen Zeit“, tröstete ihn der Herr. So oft du also unter dem Druck der Versuchungen seufzest, deren dich die Weisheit und Liebe Gottes würdigt, erwecke einen lebendigen Akt des Glaubens an seine Nähe und an die stets bereite Fülle seiner Gnade.

    2. Bedenke den Nutzen der Versuchungen. Der hl. Apostel Jakobus nimmt keinen Anstand zu sagen: „Haltet es für lauter Freude, meine Brüder, wenn ihr in mancherlei Versuchungen fallet, und wisset, daß die Prüfung eures Glaubens Geduld wirkt, die Geduld aber das Werk vollendet, so daß ihr vollkommen und ganz seid und an nichts Mangel habt.“ (Jak. 1, 2. 3.) Die Versuchungen bringen dir namentlich drei Vorteile:

    a) Die Erkenntnis deiner selbst. Was dir die Eigenliebe verbirgt, decken die Versuchungen schonungslos auf. Du meinst, es stehe bei dir ziemlich gut; drückt aber eine Versuchung auf deine Gefühle, so gewahrst du mit Schrecken, daß dein Stolz, deine Sinnlichkeit, deine Habsucht, dein Ehrgeiz weit größer und mächtiger ist, als du für möglich hieltest. Daher sagt ein berühmter Kenner des geistlichen Lebens: „Die Versuchungen machen dich nicht schlecht, sondern sie zeigen dir nur, wie schlecht und schwach du noch bist.“

    b) Fortschritt in der Tugend. Die Versuchungen verwunden in dir tödlich die Eigenliebe und befreien dich so von seinem schlimmsten Feind: sie machen dich wachsamer und verhindern dadurch, statt dich zu neuen Sünden zu verleiten, eine Menge derselben: sie befestigen dich in der Gottesfurcht und tragen viel dazu bei, daß du die so kostbare Gnade der endlichen Beharrlichkeit erlangst. „Die Versuchung“, sagt der hl. Augustin, „ist ein Feuer, welches das Gold glänzender macht und das Stroh verzehrt: der Gerechte wird reiner und vollkommener, der Böse aber geht zu Grunde.“

    c) Die Schönheit der Siegeskrone. Die Versuchungen bieten dir die häufigste und günstigste Gelegenheit, mehr Verdienste und eine größere Glorie im Himmel zu erwerben; denn sie vermehren die Liebe Gottes zu dir und deine Liebe zu Gott, sie flößen dir eine größere Hochschätzung der Gnade ein, die in demselben Grade in dir zunimmt, je höher du sie ehrst und schätzest: dadurch werden deine Siege vollständiger, größer dein Lohn, glorreicher deine Krone.

    Prüfe diesen Nutzen der Versuchungen am hl. Johannes und ahme ihn nach. –


    aus: Otto Bitschnau OSB, Das Leben der Heiligen Gottes, 1881, S. 756 – S. 757

    https://katholischglauben.info/von-dem-w...r-versuchungen/



    Liebe Grüße, Blasius

  • Thema von Blasius im Forum Schon gewusst ?



    Einer gibt darauf folgende Antwort:

    Kreuze schaun von Bergeshöhn
    Auf das Weltgetümmel,
    Nennt man ja das Kreuz so schön
    Leiter zu dem Himmel.

    Kreuze rings am Wege stehn,
    Um den Pfad zu weisen,
    Pilger, die zum Kreuze gehen,
    Werden sicher reisen.

    Kreuze in den Häusern stehn,
    Jeder muss sie tragen;
    Ist der Herr am Kreuz zu sehn,
    Darfst du auch nicht klagen.

    Kreuze auf den Gräbern stehn,
    Hoffnung zu erwecken,
    Sind wir mit dem Kreuz versehn,
    Kann der Tod nicht schrecken.

    Das ist aber lange nicht alles, was das Kreuz dem Christen ist. Darum soll es hier der Reihe nach gesagt werden, was dem Christen das Kreuz ist und sein soll.

    Das Kreuz ist vor allem dem katholischen Christen ein kostbares Hausgerät. Forstleute bringen oft an ihrem Haus innen und außen Rehhörner und Hirschgeweihe, Wirte an dem ihrigen Schilder und ähnliche Abzeichen an, damit man daran erkenne, wer in dem Hause wohne, welchen Beruf er habe, welches Geschäft er treibe. Das Abzeichen aber, woran man erkennt, daß ein katholischer Christ in dem Hause wohnt, der als solcher seinen Beruf gewissenhaft ausübt, ist das Kruzifix. Darum gehört das Kreuz in jedes christliches Haus, und sollte unter der Aussteuer, womit junge Brautleute von Eltern, Verwandten und Hochzeitsgästen ausgestattet werden, niemals fehlen, damit man es diesem Hausgerät sofort ansieht, wer in dem Hause wohnt.

    Um so weniger sollte das Kreuz in einem christlichen Hause fehlen, als es fürs erste eine mächtige Schutzwaffe gegen alle Feinde des Heiles ist. Dieses Zeichen ehren die Engel und fürchten die Teufel. Es ist Meinung der Gottesgelehrten, daß es Geister gibt, denen Gott den Vollzug der Urteile seiner strafenden Gerechtigkeit, den Vollzug seiner Strafgerichte überträgt, wie es der König David bezeugt, wenn er sagt: „Feuer, Hagel, Schnee, Eis und Sturmwinde richten seine Befehle aus“. Klar wird dies uns gesagt im Buch Sirach, im 39. Kapitel: „Es gibt Geister, die zur Rache erschaffen sind, und durch ihren Grimm die Marter verstärken. Zur Zeit des Verderbens lassen sie ihre Macht aus, und besänftigen wieder den grimm dessen, der sie gemacht hat. Sie frohlocken über seine Befehle, stehen bereit an dem Ort, wo er ihrer bedarf, und übertreten, wenn ihre Zeit gekommen ist, sein Gebot nicht. Hiervon war ich von Anbeginn überzeugt; ich erwog und dachte nach, und hinterließ es schriftlich.“ Wo nun aber diese Geister der göttlichen Rache das Kreuz sehen, da gehen sie schonend vorüber. Denn dasselbe ist ihnen heute noch geradeso verehrungswürdig wie damals, wo auf Gottes Geheiß jener Engel, der „das Zeichen des lebendigen Gottes hatte“, ihnen zurief: „Beschädigt nicht die Erde, noch das Meer, noch die Bäume, bis ich gezeichnet habe die Diener unseres Gottes an ihrer Stirne“.

    Das Kreuz ist also eine Schutzwaffe selbst gegen die Geister der göttlichen Rache, mehr aber noch – gegen die Geister der Bosheit. Der Teufel fürchtet das Kreuz, denn das Kreuz hat ihn mit seiner ganzen Macht bankrott gemacht. In der Geheimen Offenbarung steht geschrieben: „Ich sah einen Engel nieder fahren vom Himmel, der hatte den Schlüssel des Abgrundes und eine große Kette in seiner Hand. Und er faßte den Drachen, die alte Schlange, welche ist der Teufel und Satan, und fesselte ihn auf tausend Jahre, und er warf ihn in den Abgrund und verschloß und versiegelte ihn über ihm,, daß er nicht mehr verführe die Völker, bis tausend Jahre vollendet wären, und danach muss er losgelassen werden auf eine kurze Zeit.“ Was ist denn nun aber unter dem Schlüssel des Abgrundes und dem Siegel, womit der Abgrund über dem Teufel versiegelt, und der Kette, womit der Satan gebunden ist, zu verstehen? –

    Gerhard von Pleisse erzählt, nach Siegeberg habe man einmal ein besessenes Weib gebracht, um sie aus der Gewalt des besitzenden Geistes zu befreien. In der Kapelle des hl. Michael habe man sie oder vielmehr den geist in ihr über allerlei ausgefragt, und sei dabei auch die Rede auf den in der Hölle gebundenen Luzifer gekommen. Da habe aber der böse Geist durch den Mund des Weibes erwidert: „Toren! Mit welchen Ketten glaubt ihr meinen Meister im Abgrund gebunden, mit welchem Schlüssel verschlossen, und mit welchem Siegel verwahrt? Drei Worte sind es, die im Messbuch stehen, durch diese ist er gebunden, verschlossen und versiegelt.“ Er weigerte sich aber, diese drei Worte auszusprechen und verlangte das Messbuch, um sie zu zeigen. Das Messbuch wurde gebracht und ihm dargereicht; er öffnete es, traf mit dem ersten Griff den Kanon und setzte den Finger auf die Stelle, wo es heißt: „Per ipsum, durch ihn, et cum ipso, und mit ihm, et in ipso, und in ihm.“ Da sind, sagt er, die drei Worte, durch die mein mEister in den Abgrund fest gebannt ist. Diese Worte werden aber vom Priester jedesmal mit drei Kreuzen begleitet und heißen gerade so viel wie jene, die bei der Beschwörung angewandt werden: „Per Deum vivum, durch den lebendigen Gott, per Deum verum, durch den wahren Gott, per Deum sanctum, durch den heiligen Gott“. Daher ist das Kreuz auch eine Schutzwaffe gegen die Geister der Finsternis; wo sie es an einem Hause oder einer Türe oder einem Posten stehen sehen, da gehen die Verderber vorüber, ohne Schaden anzurichten. –

    aus: Philipp Hammer, Der Rosenkranz, eine Fundgrube für Prediger und Katecheten, ein Erbauungsbuch für katholische Christen, I. Band, 1896, S. 94 -S. 97

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    Liebe Grüße, Blasius

  • Foren-Beitrag von Blasius im Thema



    Das Gewissen als Gesetzgeber

    Der Gesetzgeber des Gewissens ist Gott selber



    Die erste Tätigkeit des Gewissens ist wirklich die des Gesetzgebers. Nur übt es diese Gewalt nicht in eigener Vollmacht, sondern wenn es als Gesetzgeber auftritt, so tut es dies wie jeder gute Gesetzgeber, d. h. im Namen des höchsten Gesetzgebers, im Namen Gottes selber. Obwohl es also wahrhaft Gesetze aufstellt, Gesetze, die wirklich verpflichten, so tritt es doch nicht willkürlich als unabhängiger Gesetzgeber auf, sondern nur als Verkünder des göttlichen Gesetzes. Darum muss unser Gewissen stets das für gut und das für bös erklären und uns stets zu dem verpflichten, was Gott festgesetzt hat. Darum kann es auch nicht nach eigenem Ermessen Gesetze abschaffen, sondern es muss sich dabei wieder an den Willen Gottes halten.

    Diese Wahrheit ist begreiflicher Weise nicht nach dem Sinn des zum Bösen geneigten menschlichen Herzens. Schon Archelaus, der Schüler des Anaxagoras, leugnete, daß es für gerecht und schändlich einen objektiv fest stehenden Maßstab gebe. Was man so nenne, behauptete er, sei nicht an und für sich seiner Natur nach recht oder unrecht, sondern nur der menschliche Geist habe diese Unterschiede eingeführt, und Herkommen und Gesetz habe diese willkürliche Annahme dann zu billigen für gut befunden. Noch kühner lehrte Karneades unter großem Zulauf der goldenen Jugend Roms: ein unbedingt gültiges sittliches Gesetz ein für immer unveränderlich gleich bleibendes natürliches Recht gebe es überhaupt nicht. Gesetze seien nur Erfindungen der Klugheit, zumeist auch des Eigennutzes, und wandelbar wie die Verhältnisse. Und der frechste der alten Freigeister, der gott- und vaterlandslose Theodor, dem die Alten aus Abscheu den schimpflichen Namen, den sie kannten, den Beinamen des Atheisten gaben, scheute sich nicht, davon die praktische Nutzanwendung zu machen, indem er sagte, er sehe nicht ein, warum der Weise nicht Diebstahl und Gottesraub begehen und offen jeder bösen Lust nachgehen solle. Derlei Handlungen seien ja nicht von Natur aus böse. Man habe nur manches zur Sünde gestempelt, um das dumme Volk durch eine gewisse Furcht vor dem Willen und vor der Strafe Gottes zu schrecken. Der Gebildete sei über diese Ammenmärchen hinaus. Er wisse, daß nur eigenmächtige menschliche Erfindung manche Dinge als böse erklärte. Er brauche bloß die Meinung abzulegen, als sei daran etwas Böses, dann verlören sie auch ihre böse Eigenschaft, die sie nur durch die Menschenmeinung hätten, und dann dürfe man sie ungescheut begehen.

    Demnach hat Spinoza durchaus nicht Neues vorgebracht, sondern nur dem alten Atheisten nachgesprochen, als er sagte, gut und bös seien nichts Positives, sondern bloß unsere Art und Weise, die Dinge anzusehen und miteinander zu vergleichen. Ebenso wenig ist es neu, wenn Locke die Behauptung aufstellt: wie es überhaupt nichts objektiv Feststehendes gebe, so könne man insbesondere kein apriorisches Sittengesetz annehmen. Man habe es da mit leeren Verstandesdingen zu tun und könne sich nur wundern, daß man sich so viel mit Dingen abgebe, die in der Welt der Wirklichkeit kein Dasein hätten. Vielmehr sei ein jedes Gesetz mit der Zeit eingeführt, das rechtliche durch Gesetzgeber, das moralische durch die öffentliche Meinung und das Herkommen.

    An ihm knüpft dann der moderne Unglaube an… Danach gäbe es nicht einmal für den Einzelnen, geschweige für die Gesamtheit eine fest stehende und gleich bleibende Sittlichkeit, sondern was dem einen gut anstünde, wäre für den andern unpassend, und was uns heute zusagte, könnte morgen schon wieder veraltet sein. Von einem verpflichtenden Willen Gottes aber wäre keine Rede; unsere Handlungsweise, unsere Gewissens-Überzeugungen wären künstlich anerzogene Vorurteile und Täuschungen, Früchte der Erziehung, der Suggestion und der öffentlichen Meinung. Alle diese Lehren werden heute als die kostbarsten Errungenschaften des Zeitgeistes gepriesen, in allen Schulen gelehrt und vom Liberalismus und vom Sozialismus um die Wette verwirklicht. In Wahrheit sind sie Irrtümer, die schon lange leben, nur daß ehemals, selbst in den Zeiten des sinkenden Heidentums und der allgemeinen Auflösung, wenige verwegene Geister sie vorzutragen wagten, weil der Abscheu aller Besseren die Weiterverbreitung so gemein gefährlicher Lehren unterdrückte.

    Denn das ließen sich auch die Heiden nicht ausreden, daß die Gesetze, insbesondere die Gesetze der Vernunft und des Gewissens, nicht willkürliche Erfindung der Menschen, sondern der Ausfluss des heiligen, unabänderlichen, alle ohne Ausnahme verpflichtenden Willens Gottes sind. Selbst Zeno, der Vater der Stoiker, erklärte: wenn er lehre, man müsse nach der Natur leben, so sei das im Grunde dasselbe, als wenn andere sagten, man müsse sich an das göttliche Gesetz halten; denn die richtige Vernunft oder die allgemeine Ordnung der Welt und der Natur sei eben die Ordnung Gottes selber. Noch besser sagt Cicero: Soweit ich sehe, ist das die Überzeugung aller wahrhaft Weisen, daß das Gesetz nicht menschliche Erfindung, sondern etwas Ewiges ist, was die ganze Welt beherrscht und leitet. Das oberste Gesetz ist nichts anderes als der göttliche Geist selber, der durch die menschlichen Gesetze gebietet oder verbietet. Daher ist das Gesetz überall und immer das gleiche und läßt sich durch keinen Volksbeschluss aufheben oder umändern. Denn der ewige und unveränderliche Urheber dessen, was die gesunde Vernunft und die Natur gebieten, ist kein anderer als Gott, der gemeinsame Lehrer und Beherrscher von allem. Will also einer ihm entfliehen, so müsste er erst sich selbst entfliehen und seine eigene Natur ausziehen.

    Eine wahrhaft großartige Anschauung, der wir nur mit aller Begeisterung beitreten können! Daraus folgt aber, daß der Mensch, will er seiner wahren Natur Rechnung tragen und seiner Vernunft folgen, keinen andern Weg hat als den, dem Gesetz Gottes zu folgen. Umgekehrt, will er Gottes Gebot entkommen, so gibt es für ihn keine andere Möglichkeit als die, daß er seine eigene Vernunft verleugne und seine bessere Natur mit Füßen trete. Sucht er aber aufrichtig Wahrheit und Recht, so hat er einen sehr einfachen Weg, den nämlich, daß er seinem Gewissen treu bleibe und ihm als dem Mittel gehorche, durch das ihm Gott seinen Willen zu erkennen gibt.

    Daraus ergibt sich, warum es so strenge Pflicht ist, nur nach dem Gewissen zu handeln und zu leben, und warum es nie erlaubt sein kann, gegen das Gewissen zu handeln. Was nicht der Gewissens-Überzeugung entspricht, ist Sünde (Röm. 14, 23); um so mehr das, was der Überzeugung des Gewissens widerspricht. Sobald also der Wille der Vernunft widerspricht, handelt er gegen das Gewissen und wird böse. Das kommt davon, daß uns da Gewissen nicht in eigener Kraft, sondern im Namen des göttlichen Gesetzes bindet. Hätten wir uns selber nach unserer beliebigen Annahme eine Richtschnur für das Handeln gemacht, so könnten wir diese auch wieder ändern.

    Daß wir das aber ebenso wenig können, als es in unserer Macht steht, uns eine solche Verpflichtung willkürlich aufzuerlegen oder nicht, das erleben wir alle Tage in unserer innersten Erfahrung. Wir haben uns zum Beispiel unvermutet für oder gegen etwas zu entscheiden. Nie haben wir bisher darüber nachgedacht, nie darüber gelesen, nie hat uns jemand ein Wort gesagt. Und doch steht im selben Augenblick die Pflicht, jetzt so und nicht anders zu handeln, so klar vor unserer Seele, daß wir sie uns nicht verhehlen können. Wir haben uns diese Überzeugung nicht selber gemacht. Das Widerstreben unserer niederen sinnlichen Natur spricht deutlich dafür. Die Überwindung, die sie uns auferlegt, das mühevolle Suchen, ob es nicht möglich sei, sie zu verleugnen, zeigt, daß wir gewiß eine andere, bequemere Vorschrift für unser Handeln erwählen würden, hinge das von uns ab. Sie ist uns auch nicht anerzogen worden. Nicht genug, daß uns bisher kein Mensch davon gesprochen hat, steht vielmehr das, wozu wir uns in unserem Gewissen getrieben finden, im geraden Widerspruch mit unsern anerzogenen Vorurteilen und Gewohnheiten. Dennoch vermögen wir vor uns selber nicht in Abrede zu stellen, daß wir uns nicht befugt fühlen, das, wozu unser Gewissen uns antreibt, zu unterlassen oder mit dem Gegenteil zu vertauschen, sondern daß wir uns verpflichtet wissen, gerade so und nicht anders zu handeln. Das Zittern, die Unruhe unseres innern ist uns der beste Beweis dafür.

    Ist uns nun aber diese Pflicht weder von uns selbst noch von einem andern auferlegt worden, so kann sie nur von einer höheren Macht in uns gelegt worden sein. Sie kündigt sich also durch unsere Vernunft als Ausfluss des göttlichen Willens an. Es ist also das Gewissen zwar in uns, aber nicht von uns, sondern, obschon wahrhaft menschlich und natürlich, dennoch mit einer uns überlegenen gesetzgeberischen und gebietenden Macht ausgerüstet. Es ist, mit einem Wort, die Stimme Gottes in uns. Daher die Verpflichtung, die es uns auferlegt als Stellvertreter der gesetzgeberischen Macht Gottes.

    Soweit die erste oder vorangehende Tätigkeit des Gewissens –


    aus: Albert M. Weiß, Apologetik, Bd. 1, 1905, S. 122 – S. 128


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    Liebe Grüße, Blasius

  • Thema von Blasius im Forum Neues Testament



    Deuteronomium 10,17-19:

    "Denn der Herr, euer Gott, ist der Gott über den Göttern und der Herr über den Herren. Er ist der große Gott, der Held und der Furchterregende. Er lässt kein Ansehen gelten und nimmt keine Bestechung an. Er verschafft Waisen und Witwen ihr Recht. Er liebt die Fremden und gibt ihnen Nahrung und Kleidung - auch ihr sollt die Fremden lieben, denn ihr seid Fremde in Ägypten gewesen."



    Lukas 19,45-46:


    "Dann ging er in den Tempel und begann die Händler hinauszutreiben. Er sagte zu ihnen: In der Schrift steht: Mein Haus soll ein Haus des Gebetes sein. Ihr aber habt daraus eine Räuberhöhle gemacht."



    Zitat des Tages 16. Oktober:



    "Die Missachtung des Priestertums läuft überall auch auf eine Missachtung der Heiligen Kirche hinaus; und die Missachtung der Kirche kommt einer Missachtung Gottes selbst überall gleich."



    Donoso Cortés

  • Mariä Reinheit - 16. OktoberDatum16.10.2019 08:36
    Thema von Blasius im Forum



    Wenn es wahr ist, dass zu der Menschheit Erinnerungsstücken aus dem Paradies des Kindes reines Auge gehört, dann begreifen wir, warum die Menschen stets eine so hohe Ehrfurcht vor der Reinheit und Unverletztheit gehabt haben, warum als Teufelswerk gilt, die Unschuld zu verführen. Gottes Neuschöpfung in Christus muss sich daher durch das Moment der Reinheit auszeichnen als eines Zeichens ihres Ursprungs von oben. Wieder rein zu machen, war des Erlösers große Aufgabe. Rein zu werden, die Lebensaufgabe der Erlösten. So rein müssen die Geschöpfe werden, dass sie im Himmel in die Reinheit Gottes, in die Urreinheit eingehen können.



    Dieses Ideal der Reinheit hat der Wiederhersteller Christus ganz groß aufleuchten lassen im Vorbild der neuen Ordnung, in der Jungfrau Maria. So rein sollte sie, eine Adamstochter, durch die Gnade Gottes sein, dass auch kein Stäubchen der Unreinheit an ihr zu entdecken sei.



    Rein war Maria dem Leibe nach. Unberührt und jungfräulich blieb ihr heiliger Leib. Unser Glaube weist uns hin auf Mariens Jungfrauschaft vor der Geburt des Herrn, in der Geburt trotz ihres wahren Gebärens und auf ihre immerwährende nach der Geburt des Heilandes. Mariens Leib blieb nicht nur unberührt von Verletzungen durch andere, sondern blieb noch viel reiner von jeder Selbstentheiligung durch eine sündhafte Begierde. Niemals hat auch nur die geringste unreine Begierlichkeit diese Gottesschöpfung verletzt.



    Ihre leibliche Reinheit ist aber nur Ausdruck und Ausfluss ihrer seelischen Unverletztheit. Ungetrübt blieb der Spiegel ihrer Seele. Bewahrt vor der Erbsünde, frei von jeder persönlichen Sünde, auch der kleinsten. Sündenlos wie eine Unsündliche ist Maria durch dieses Erdenleben gewallt.



    Darum bewahrte der Herr die reinste Jungfrau, die unversehrte Mutter auch vor der letzten Verletzung, die sie hätte treffen können: vor der Verwesung im Grab. Jungfräulich bewahrt, ursprünglich rein weilt Maria mit Leib und Seele in dem unverletzlichen Licht Gottes.



    Mariens Reinheit das Ideal der neuen Ordnung in Christus! Mariens Reinheit ein Aufruf an uns! Mariens Reinheit die Sehnsucht unserer Seelen! Mariens Reinheit die Zuflucht der von Sündenunreinheit befleckten Menschheit!



    Kirchengebet




    Allmächtiger Gott, wir bitten dich, gib uns, die wir die makellose Jungfräulichkeit der reinsten Jungfrau Maria festlich verehren, die Gnade, durch ihre Fürbitte die Reinheit der Seele und des Leibes zu erlangen.



    Zur Geschichte des Festes: Zwar hatte König Viktor Josef Emanuel von Portugal in seinem Vertrauen auf die Gottesmutter bereits durch ein besonderes Dekret von Rom die Erlaubnis erhalten, in ganz Portugal das Fest der Mutterschaft Mariens zu feiern. Das genügt ihm aber noch nicht. Er wollte auch die besondere Eigenart dieser Mutterschaft – dass sie nämlich eine reine, eine jungfräuliche sei – in einer eigenen Festfeier betont wissen. Darum wurde er wiederum in Rom vorstellig mit seiner zweiten Bitte, auch das „Fest der Reinheit Mariens“ feiern zu dürfen. Auch diese Bitte wurde ihm 1751 gewährt. Wohl ist dieses Fest im Laufe der Zeit auch von anderen Ländern übernommen worden, aber für die ganze Kirche ist es noch nicht bestimmt.



    („So feiert dich die Kirche“, Prof. Dr. Carl Feckes, Maria im Kranz ihrer Feste, Steyler Verlagsbuchhandlung, 1957)


    Liebe Grüße, Blasius

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