1. Begib dich im Geist der Andacht in die stille Kammer der Jungfrau zu Nazareth, die im Gebet heiliger Beschauung den Herrn dringend um das Heil der Welt anfleht, das er in allen Jahrhunderten durch Mose, David, Jesaja und alle Propheten hatte weissagen lassen. Noch ist sie in diesem feurigen Gebet begriffen, als der Engel des Allerhöchsten vor ihr steht, ihr zu verkündigen, sie selbst sei die, von Ewigkeit in Gottes Ratschluss erkorene Jungfrau, die den Sohn Gottes in ihrem keuschesten Leib empfangen und gebären soll. Die demütige Gottesmagd erschrickt, denn gleich der schneeigen Lilie, die ihre eigene Schönheit nicht kennt, erstaunt sie über diese unerhörte Botschaft.
2. Vieles spricht der Bote des Allerhöchsten zu der fleckenlosen Taube von den hocherhabenen Vorzügen des himmlischen Königs, ihres künftigen Sohnes. Doch nur überaus wenig die weise, sittsame, an Geist und Körper heilige Jungfrau, die, die Erste und Einzige im Alten Bund, ohne Vorbild und ohne Rat, auf innerliche Eingebung dem Herrn als beständige Jungfrau sich geweiht hatte. Erst als der heilige Engel sie versichert, sie werde die Mutterkrone mit dem Jungfraukranz vereinigen, und, nach Art und Weise der Propheten, ihr ein Beispiel der göttlichen Allmacht anführt, spricht sie, ganz in Gehorsam, Demut und Liebe aufgelöst: Siehe, ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Wort."
3. O glorreiche Jungfrau, welche Seligkeit liegt in deinem Ausspruch. Jubelnd vernehmen deine Worte die heiligen Altväter und Mütter in der Tiefe, jubelnd die in Finsternisse versunkene Welt, ja freudig auch eilt der Himmelsbote zum Allerhöchsten mit deiner Antwort. Nimmermehr jedoch dringt ein Sterblicher, ja nimmermehr auch ein Engel in den besiegelten Abgrund der großen Dinge, die der Herr an dir, o Jungfrau der Jungfrauen, getan hat. Nur schweigen und anbeten können wir die Gnadenfülle, die Überschattung der Kraft des Allerhöchsten, die jungfräuliche Fruchtbarkeit, die Menschwerdung des ewigen Wortes in deinem Schoß. Von dieser Stunde an verehren die Engel dich als ihre Königin, und preisen dich selig alle Geschlechter. "Gesegnet bist du unter den Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes." (Lukas 1,42)
O seligste, und in Ewigkeit gebenedeite Jungfrau Maria. Am Verkündigungstag sende ich dir durch den Erzengel Gabriel einen freundlichen Gruß und wünsche dir im Namen aller Menschen unendliches Glück zu den unaussprechlich großen Gnaden, die dir heute von der heiligen Dreifaltigkeit erwiesen worden sind.
Durch deine freudenreiche Verkündigung bitte ich, sei meine Fürsprecherin bei Gott und erwirb mir seine göttliche Gnade und Barmherzigkeit. Um dir, wunderbare Jungfrau, durch die Erinnerung die Freuden jenes glücklichen Tages zu erneuern, spreche ich mit Andacht den Gruß des Engels: Gegrüßet seist du Maria . . . Amen.
Zu Gott
O Gott, Dein Wille war es, dass die seligste Jungfrau Maria, auf die Verkündigung Deines Engels, Deinen eingeborenen Sohn empfange. Wie wir sie nun als die Mutter Deines Sohnes verehren, so rufen wir auch kindlich zu Dir, lass uns ihr heiliges Leben nachahmen und zur ewigen Seligkeit gelangen, durch eben denselben Jesus Christus Deinen Sohn, unseren Herrn. Amen.
Zu Maria
Sei gegrüßt Maria, du Gnadenvolle, der Herr ist mit dir, Magd des Herrn, Mutter Gottes, in der heute das Wort Fleisch geworden ist: sei für mich, was dein Name heißt, ein wahrer Stern des Heils, und erlange mir, du Gnadenvolle, dass ich in der Gnade Gottes sterbe, und dass der Herr mit mir sei, und ich mit dem Herrn in Ewigkeit. O Gebenedeite unter den Frauen, bitte für mich, dass Jesus, die gebenedeite Frucht deines Leibes, mir im Leben und im Sterben wahrhaft zum Heiland werde. Also soll es geschehen, heilige Maria, Mutter Gottes, Mutter aller Lebenden, aller Sterbenden und Auserwählten. Amen.
Zum heiligen Erzengel Gabriel
Heiliger Erzengel Gabriel, grüße mit mir und für mich Maria, und lehre mich, sie allezeit so zu grüßen, dass sie für mich bittet, jetzt, so lange ich noch lebe, jetzt - da ich bete, jetzt, so oft ich in Gefahr der ewigen Verdammnis bin, und dann in der Stunde, in dem Augenblick, in dem Angstschweiß meines letzten Todeskampfes und Hinscheidens. Amen.
Das Gedächtnis des heiligen Dismas passt gut in die Zeit, in der wir besonders an das Leiden und Sterben unseres Herrn Jesus Christus denken. Dismas ist nämlich der gute Schächer, der mit dem Herrn auf Golgatha gekreuzigt wurde und der von ihm die Zusicherung erhielt, dass er gleich nach dem Tod in das Paradies eingehen werde.
Über den glücklichen Tod des heiligen Dismas, von dem gleich noch erzählt wird, sind wir durch die biblische Geschichte genügend informiert. Weiteres erzählt die Heilige Schrift zwar nicht von ihm, aber die Legende weiß mehr zu berichten.
Weil bekanntlich der Apfel nicht weit vom Stamm fällt, ist es nicht verwunderlich, dass nach der Legende der Vater des Dismas ein Wegelagerer war, der mit einer Räuberbande die Gegend an der ägyptischen Grenze jahrelang unsicher machte.
Eines Abends spät gelangte bei den Zelten der Banditen eine kleine Reisegesellschaft an, eine junge Frau, die auf einem Esel ritt und ein Kindlein auf ihrem Arm trug, während ein Mann in den besten Jahren das Reittier am Zaum führte. Es war die Heilige Familie auf der Flucht nach Ägypten.
Kaum waren die drei heiligen Personen im Blickfeld der Räuber aufgetaucht, wurden sie auch schon von den verwegenen Gesellen umzingelt und mit dem Ruf: „Geld her oder das Leben!“ begrüßt. Im gleichen Augenblick erschien aus dem nächstliegenden Zelt eine Frau, überblickte kurz die Lage und schrie die Männer an:
„Schämt euch, ihr Lumpen! Ihr wollt ehrliche Räuber sein! Nein, ein anständiger Räuber überfällt nie eine Mutter, die ein Kind auf dem Arm trägt. Weg mit euch, Halunken, in die Zelte, oder ihr könnt euch morgen das Brot selbst backen.“
So redete die Frau mit den wüsten Burschen. Und während sich auf diese Worte hin die Räuber verzogen, führte sie die Heilige Familie in ihr Zelt, bewirtete sie aufs Beste und richtete ihnen für die Nacht ein Lager zurecht. Am anderen Morgen stellte sie der Mutter Gottes warmes Waschwasser zur Verfügung, damit sie das Jesuskind baden könne. Das geschah dann auch, und als sich die Heilige Familie mit Dank verabschiedete, empfahl Maria der Räubersfrau, die ebenfalls einen kleinen Sohn hatte, diesen mit dem Wasser zu waschen, in dem sie das kleine Jesuskind gebadet hatte. Die Mutter Gottes hatte nämlich bemerkt, dass der Räuberjunge aussätzig war. Nach dem Weggang der Heiligen Familie befolgte die Frau sofort Mariens Rat, und wirklich, ihr Sohn wurde auf der Stelle vom Aussatz geheilt und war gesund. Der Geheilte aber hieß Dismas, und es ist der gleiche Dismas, der später mit Jesus gekreuzigt wurde.
Wie gut ist doch Jesus Christus! Da hat eine Frau ihm, seiner Mutter und dem Pflegevater einen Dienst erwiesen und sofort belohnt er den Dienst dadurch, dass er den aussätzigen Sohn der Frau heilt. Das wäre an sich des Dankes genug gewesen, aber Jesus geht noch weiter. Die Reinigung vom Aussatz des Körpers war für ihn nur wie eine Anzahlung. Den vollen Lohn für die Liebestat erstattete er auf Golgatha, als er die Seele des Räubers Dismas unter der Kreuzigung mit seinem dahinfließenden Blut vom Aussatz der Sünde reinigte.
Als nämlich später auf Golgatha der Herr mit den beiden Verbrechern gekreuzigt wurde, geschah es, dass auch einer von den beiden Jesus verspottete und sprach: „Bist du Christus, so hilf dir selbst und uns!“ Der andere aber hatte andere Gedanken und sagte: „Wir empfangen, was wir verdient haben, dieser aber hat nichts Böses getan.“ Daraufhin sprach er zu Jesus: „Herr, denke an mich, wenn du in dein Reich kommst.“ Jesus antwortete ihm: „Wahrlich, ich sage dir, heute noch wirst du bei mir im Paradies sein.“
So sprach Jesus, und im gleichen Augenblick wurde aus dem Räuber ein Heiliger. Vor dem, der gerade noch am Rand des Verderbens stand, taten sich weit die Pforten des Himmels auf. So lieb ist Jesus Christus. Wer ihm Gutes antut, empfängt von ihm hundertfachen Lohn dafür.
Quelle:
Saint Dismas Prison Ministry Foundation 1701 Indian Creek Parkway Jupiter, Florida 33458
Eine Frage, die die meisten Leute in Erstaunen setzt und verwirrt, wurde einmal im irischen Radio gestellt: „Wer war der einzige Heilige, der bereits zu Lebzeiten heiliggesprochen wurde?“ Niemand konnte hierauf eine richtige Antwort geben. Wir Zuhörer fragten uns, ob die Antwort nicht die sein würde, dass irgendeine große Seele schon in diesem Leben einen solchen Ruf von Heiligkeit besaß, dass sie vom Volk ein Heiliger genannt wurde. Aber dies konnte schließlich auf eine ganze Reihe von Heiligen zutreffen.
Als aber die Antwort erteilt wurde, stellte es sich heraus, dass hinter dieser Frage keine Geschichtsverdrehung und auch kein Trick steckte. Die Antwort ist einfach die: der gute Schächer.
Aus: „Glasgow Observer and Scottish Catholic Herald“
Als vor Herodes grimmen Drohen
Die Eltern nach Ägypten flohen
Mit ihrem gottgesandten Kind,
Durch Berg und Wüste, Nacht und Wind,
Da konnten Schlangen, Löwen, Drachen
Den Heiligen keinen Schaden machen,
Denn das Kind gab seinen Segen
Den wilden Tieren entgegen,
Dass sie entwichen
Und hinwegstrichen.
Und weiter ging es durchs Gefilde
Und durch der Wüste Wilde. Wer darüber wollte kommen,
Manchem ward allda benommen
Sein Gut und auch sein Leben.
In einem Wald daneben
Zwölf Gesellen saßen,
Die auf diesen Straßen
Viel des Mordes begingen.
Sie erschlugen und fingen,
Was ihnen entgegen kam.
Jeder nach der Reihe nahm
Die Beute Tag für Tag:
Das war die Sitte, deren man da pflag.
Die Räuber fielen Joseph an.
Da trat derselbe Räubersmann,
Dem am selben Tage heute
Zugehörte die ganze Beute,
Hinzu und sah das heilige Kind
So wunderselig hold und lind,
Das in der Mutter Schoße lag,
Und ward gewahr, wie es pflag
Ihn gar lieblich anzusehen.
Er hörte nicht auf, nach dem Kinde zu spähen,
Dess Antlitz umgab ein heller Schein.
Die falkenlichten Aeugelein
Spielten in dem Haupte gar
So lauter und so klar.
Und der wunderreiche Gott,
Der nach seinem Gebot
In der Wüste aus hartem Stein
Einst Wasser weckte heil und rein,
Erweichte nun durch seine Güte
Ein felsenhart Gemüte.
Er ließ die Wand`rer frei hinziehn.
Der Strahl der Gnade traf auch ihn,
Als nach Jahren der Verbrecher
Hing als armer Schächer
Neben Christi Kreuz. Der wies
Den Dismas in das Paradies.
(Aus: "Goldene Legende der Heiligen"
von Joachim und Anna bis auf Constantin den Großen
neu erzählt, geordnet und gedichtet von
Richard von Kralik, 1902)
Ihr habt von Dismas, dem Schächer, vernommen,
Auf den schon ein Strahl der Gnade gekommen
Dort in Ägypten. Aus Galiläa
War er entstammt, doch nach Judäa
Kehrte er später, ein Gastwirtshaus
Zu verwalten. Oft fuhr er aus;
Als Seeräuber plünderte er die Reichen,
Doch von den Armen ließ er sich erweichen
Und tat ihnen Gutes. Den ganzen Hass
Zeigte er ohne Unterlass
Gegen der Hohenpriester und
Der Schriftgelehrten verruchten Bund.
So brach er einst in den Tempel ein
Und tat Gewalt dem Töchterlein
Des Hohenpriesters Kaiphas an,
Sarra geheißen, und er gewann
Durch Raub das heilige Tempelgut,
Das sie als Priesterin in Hut
Zu halten hatte. So raubte er
Auch das Gesetzbuch heilig und hehr
Aus ihrer Verwahrung. Dies war die Tat,
Ob der Dismas vom hohen Rat
Ergriffen ward und angeklagt.
Sarra hatte zudem gesagt:
"Er will erfüllen, was Jesus gesprochen!
Er drohte, der Tempel werde zerbrochen.
So seht nur seines Jüngers Wut,
Der, was der Meister droht, gleich tut!"
Man glaubte der Maid, die dergestalt
Als Prophetin am Tempel galt
Wie Hanna vor Zeiten. Aus diesem Grunde
Glaubte man, ja keine Stunde
Mehr zögern zu dürfen; den Aufrührer
Jesus, ihn, den Volksverführer,
Musste man ohne Verzug in Ketten
Legen, um so den Tempel zu retten.
Auch auf Nikodemus fiel der Verdacht,
Dem die Tempelschlüssel bei Tag und Nacht
Anbefohlen waren.
Der Juden wütende Scharen
Wollten auch die Prophetin ins Feuer
Werfen, an der so ungeheuer
Gefrevelt worden. In dieser Not
Bestach Kaiphas den Iskariot,
Alle Schuld auf Jesus zu schieben:
Er hätte das Buch, von Moses geschrieben,
Geraubt, auf dass die Juden nicht
In Zukunft nach des Gesetzes Pflicht
Opfern könnten. Ihr seht, wie viel
Die Hölle wirkte zum schrecklichen Ziel.
(Aus: "Goldene Legende der Heiligen"
von Joachim und Anna bis auf Constantin den Großen
Sonderbar ist es, dass erfahrungsgemäß gerade um diese Zeit mächtige Stürme toben, die vor allem den Schiffen auf dem Meer gefährlich werden können. Auch für die Bewohner der weltverlorenen einsamen Inseln vor den Nordseeküsten sind es böse Tage. Wochenlang ist die Verbindung mit dem Festland abgeschnitten, wegen des hohen Seegangs kann kein Schiff landen, selbst Hungersnot stellte sich zuweilen ein, und wenn der Sturm, namentlich in den dunklen Nächten, rast und heult und tost, so ist es den Insulanern oft ganz jämmerlich zumute. Umso größer zeigt sich allerdings nachher die Freude, wenn sich das Meer beruhigt und wenn wieder ein Schiff mit Post und Lebensmitteln in den Hafen einläuft. Gleichnisweise ist dies alles gesagt.
Schau, die Erde ist wie eine einsame verlorene Insel im Weltall. Frieden und Segen und Herrlichkeit ruhten auf ihr, als Gott sie erschuf. Zerstörend und vernichtend erhob sich jedoch bals hernach der Sturm der Sünde und riss alle Verbindung mit dem Himmel ab. Jahrtausendelang schmachteten die Menschen vor Not dahin, und im harten Weh klagten und seufzten sie nach dem Schiff, das ihnen den verheißenen Erlöser aus Nacht und Grauen bringen sollte. Kennst du dieses Schiff? Maria ist es, die reine und demütige Gottesmagd, die den Menschen auf der einsamen verlorenen Insel im Weltall von den glückseligen Gestaden des Jenseits her als kostbarste Fracht den Heiland brachte und die dadurch die Verbindung zwischen Himmel und Erde wiederherstellte. Maria ist das Schifflein Gottes, in das der liebe Heiland am heutigen Tag einstieg, um am hochheiligen Weihnachtsfest im trostlosen Hafen des Diesseits zu landen und alle, die guten Willens sind, von neuem mit Frieden und Segen und Herrlichkeit zu erfüllen und zu beglücken. Mit dem heutigen Tag beginnt also bereits der neue Advent des nächsten Kirchenjahres zum frühen Zeichen dafür, dass Gottes Heil und Gnade niemals enden, sondern ohne Ende bis in Ewigkeit dauern werden.
Wie man aus dem Festevangelium ersieht, ging es am heutigen Tag in Nazareth hochfeierlich zu. Der Erzengel Gabriel wurde von Gott gesandt in eine Stadt in Galiläa zu einer Jungfrau, die verlobt war mit einem Mann namens Josef aus dem Hause Davids, und der Name der Jungfrau war Maria.
"Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft, und sie empfing vom Heiligen Geist." "Maria sprach: Siehe, ich bin eine Magd des Herrn! Mir geschehe nach deinem Wort!" "Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt." "Gegrüßet seist du, Maria, du bist voll der Gnade. Der Herr ist mit dir. Du bist gebenedeit unter den Frauen, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus."
Da war es geschehen. Das herrlichste Wunder aller Zeiten hatte sich vollzogen. Die zweite Person in der Gottheit war in das Schifflein, das Maria hieß, eingestiegen und war Mensch geworden. Die Jungfrau hatte empfangen, und sie wird in der Heiligen Nacht einen Sohn gebären, dessen Name Emanuel lautet, was auf deutsch "Gott mit uns" besagt. Er wird der Sohn des Allerhöchsten genannt werden, wird auf dem Thron seines Vaters David sitzen und wird ewig im Hause Jakobs herrschen, und seines Reiches wird kein Ende sein. Der Menschen langer lauter Flehruf nach dem Tau des Himmels ist erhört, die Erde öffnete sich und sprosste den Erlöser hervor. Dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist sei für immer und ewig Dank gesagt für diese gnadenvolle Stunde der Menschwerdung des Herrn aus Maria, der Jungfrau!
Seitdem uns aber Maria als das Schifflein Gottes den Heiland gebracht hat, der uns durch sein Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit der Auferstehung führt, wird die Verbindung zwischen Himmel und Erde nie mehr abreißen, denn täglich wird sie immer wieder hergestellt in ungezählten heiligen Messen, in denen Gottes und Mariens Sohn vom Himmel zur Erde niedersteigt, um allen, die guten Willens sind, Gnade und Heil, Frieden, Segen und Herrlichkeit zu bringen.
Wie hoch und her, lob- und preiswürdig ist also das heilige Messopfer, dem man so oft und so andächtig wie möglich beiwohnen soll, weil das Wort Fleisch geworden ist.
Vom "Angelus"
An diesem Festtag erkennen wir die unendliche Güte Gottes zu uns Menschen. Der ewige Sohn Gottes nimmt die menschliche Natur an, um die Menschen von der Sünde zu erlösen und selig zu machen - welch ein Wunder der Erniedrigung zu unserer Erlösung! Dies sollte unseren Stolz beschämen und uns ganz mit Dank erfüllen. Weiterhin erkennen wir an diesem Festtag die unbegreifliche Erhöhung einer Jungfrau zur Würde einer Mutter Gottes! Maria kann mit Recht ausrufen: "Von nun an werden mich selig preisen alle Geschlechter!" Dies sollte uns zur eifrigen Verehrung der allerseligsten Jungfrau und Mutter Gottes antreiben.
Indem die heilige Kirche wünscht, dass ihre Kinder die Mutter Gottes mehr als alle anderen Heiligen verehren und sie um ihren mächtigsten Schutz bitten sollen, schenkt sie uns jenes Gebet, welches aus den von dem Engel zu Maria gesprochenen Worten zusammengesetzt ist, und deswegen der "englische Gruß" heißt. Verrichten wir daher dieses Gebet mit der größten Aufmerksamkeit und Andacht.
Das Andenken an die Menschwerdung Jesu aus dem Leib der seligsten Jungfrau sollen wir also nicht nur heute, sondern täglich dreimal feiern, wenn die Kirche uns mit dem Glockenzeichen am Morgen, mittags zwölf Uhr und abends dazu ermuntert. Papst Benedikt XIII. hat denjenigen, die dieses Gebet beim Glockenzeichen kniend, am Samstagabend und an den Sonntagen und die ganze österliche Zeit stehend beten, jedes Mal einen Ablass verliehen. Der heilige Karl Borromäus stieg sogar aus der Kutsche, wenn man zu diesem Gebet das Zeichen gab und verrichtete es mitten auf der Gasse kniend. Können wir uns etwa dieses Gebetes schämen?
Matthias Hergert
Große Dinge entstehen in der Stille. Keine Propaganda kündet von ihnen. Gottes große Werke sind stets in einer noch größeren Stille entstanden. Mit Recht singen wir so von der stillen, aber heiligen Nacht, in der Gottes Sohn geboren wurde. Aber ganz still war sie doch nicht. Den Hirten auf dem Feld kündeten ja davon die Engelscharen. Aber unheimlich still War es, als dieser Sohn Gottes im Schoß Mariens erstmalig in dieser Welt Wirklichkeit wurde. Niemand wusste darum, als nur sie, die schüchterne Jungfrau, die es nicht einmal wagte, davon ihrem Angetrauten etwas zu berichten. Und doch ist Größeres nie auf dieser Erde von Gottes Allmacht geschaffen worden als damals zu Nazareth, als Gottes ewiger Sohn Mensch wurde.
Uns ist diese heilige Begegnung zwischen der Jungfrau und dem Engel seit den Tagen der Kindheit sehr gut bekannt, ja, die meisten wissen sie Wort für Wort auswendig. Und doch, jedes Mal, wenn wir sie im Evangelium vieler Marienfeste wiederum vernehmen, will es uns den Atem verschlagen. Wir fühlen: Es dreht sich da um uns, um unser ewiges Glück oder Unglück. Die Jungfrau wird doch wohl nicht dem Wunsch Gottes ausweichen? Wir hören gar schon mit Schrecken, wie eine Schwierigkeit von ihrer Seite vorgebracht wird!
Unwillkürlich ist dann der Blick der Gläubigen seit fast zwei Jahrtausenden hinübergewechselt zu einer anderen Jungfrau und Angetrauten, die auch mit einem Wesen aus einer anderen Welt sich im Gespräch befindet. Auch im Paradies ging es um das Werden des Menschen wie Gott. Gottes Selbstherrlichkeit wird der Eva angeboten; sie selbst soll gut und bös bestimmen können. Aber es gehe nicht, ohne Gott untreu zu werden, aus dessen Schöpferhand sie soeben hervorgegangen ist. Eva greift um diesen Preis zu und – wird die oft verfluchte Mutter des Unheils.
Auch zu Nazareth wird letzthin die geheimnisvolle Teilnahme an Gottes Natur angeboten, wie der heilige Petrus unsere Gotteskindschaft benannt hat. Gottes eigener Sohn, der sie in ewiger Zeugung vom Vater selbst erhalten hat, will sie auf diese Erde bringen, indem er als Mensch ins Menschengeschlecht eintritt. Dazu bedarf es aber von Seiten der Menschen, die Maria in diesem Augenblick so vertritt, wie einst Eva es tat, der demütigen Bereitschaft und der gehorsamen Hingabe. Ob Maria sie aufbringt, obwohl die Engelsbotschaft vielerlei des Ungenannten und Unbekannten enthielt? Himmel und Erde halten den Atem an. Entzückt lauschen sie auf die Antwort, die alles besagt: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn. Mir geschehe nach deinem Wort!“ Da ward Maria Ursache unseres Heils.
Das wurde aber auch der Beginn ihrer eigenen Größe, denn Erhabeneres als Gottesmutterschaft lässt sich für ein Geschöpf nicht ausdenken. Der unermessliche Lobgesang gläubiger Menschen, der immer wieder neue Melodien formt, um Maria ob ihrer Einwilligung zu preisen, bezeugt es von Jahrhundert zu Jahrhundert. Wie wahr wurde doch an ihr ihres Sohnes Wort: „Wer krampfhaft sein Leben zu gewinnen trachtet, der wird es verlieren. Wer es aber um Gottes willen hingibt, der wird alles gewinnen.“
Kirchengebet
Gott, Du wolltest, dass Dein Wort auf die Botschaft des Engels hin im Schoß der seligen Jungfrau Maria Fleisch annehme; so gewähre denn unsere Bitte und lass durch ihre Fürsprache bei Dir uns Hilfe finden, die wir sie gläubig als wahre Gottesmutter bekennen. Amen.
Zur Geschichte des Festes: Mariä Verkündigung ist eines der ältesten Marienfeste. Wurzelt es doch in dem bedeutsamsten Geschehen unserer Heilsgeschichte: der Menschwerdung des Sohnes Gottes, des göttlichen Wortes. Dreimal am Tag dankt die katholische Welt dem himmlischen Vater beim Aveläuten für dieses kostbare Geschenk, für die Menschwerdung seines vielgeliebten Sohnes. Durch die Festfeier am 25. März will die Liturgie sagen: noch neun Monate, und wir dürfen niederknien vor Gott in Menschengestalt.
Es ist darum begreiflich, dass dieses Fest bis in die ältesten Jahrhunderte zurückreicht. Die stadtrömische Liturgie feiert es am Mittwoch der Adventsquatember. Als eigener Festtag ist es historisch nachweisbar zunächst im Orient, und zwar schon im 5. Jahrhundert, im Abendland im 7. Jahrhundert. Leo XIII. erhob es zu einem Doppelfest erster Klasse.
(Prof. Dr. Carl Feckes, „So feiert dich die Kirche“, Maria im Kranz ihrer Feste, Steyler Verlagsbuchhandlung, 1957)
Zu enden der Menschheit Klage,
Will nun der Alte der Tage
Sich erneuen an dem Kinde,
Dass man erfüllet finde,
Was die Weissagen
Sprachen in alten Tagen
Von des Himmels Güte.
Den Samen von der Minne Blüte
Er auf das Erdreich warf,
Dess alles Volk zum Heil bedarf,
Dass es mit wachsender Minne
Hinwende alle Sinne
Auch an den edlen Himmelsstamm,
Von dem der Minnesame kam.
Das war ein wunderbares Ding:
Des weiten Himmels Ring -
Gott weiß allein sein Ende wohl -
Der war der Güte also voll,
Dass sie musste überfließen.
Gott wollte ausgießen
Mit Lust und Liebe um die Wette
Nicht allein, was er hätte,
Sondern auch, was er war
In seinem Wesen lauter und klar.
Da sandt` er einen Engel hin,
Auf dass er seines Willens Sinn
Zu der wandelsfreien,
Der Jungfrau Mareien,
Hinbrächte, damit sie empfinge
Den Schöpfer aller Dinge
Vom heiligen Geist und ihn gebäre,
Dass er Mensch unter Menschen wäre.
O Gabriel, du edler Geist,
Dess Name "Stärke Gottes" heißt,
Sankt Gabriel, du Gotteskraft,
O Kraft, die große Dinge schafft,
O brächtest du von Himmelshöhn
Uns immer Botschaft also schön!
(Aus: "Goldene Legende der Heiligen"
von Joachim und Anna bis auf Constantin den Großen
1. Keine Wahrheit ist unfehlbarer, als dass wir alle die Schuld der Natur durch den Tod bezahlen müssen, und die tägliche Erfahrung ist mehr als hinreichend, uns davon zu überzeugen. Nicht weniger gewiss ist es, dass die Folgen des Todes für den Menschen, die diese Prüfungszeit in Lastern verlebten, schrecklich sind, und dass wir daher nie zu große Sorgfalt anwenden können, zu dem Augenblick uns vorzubereiten, der über unsere glückselige oder unglückselige Ewigkeit entscheidet. Dennoch tun dies nur überaus wenige. Woher diese unbegreifliche Gleichgültigkeit? Daher, weil bei weitem die meisten den Tod gleichsam als eine jener spekulativen Wahrheiten dahin gestellt sein lassen, die nur andere, nicht aber sie selbst angeht.
2. Welcher unglückselige Zauber entrückt unseren Augen doch beständig diese ernste Wahrheit. Leidest aber nicht auch du an dieser Verblendung? Lebst nicht auch du blind in den Tag, als ginge dies Urteil dich nichts an? Tröstest auch du dich mit der unsicheren Hoffnung, dass du weder heute noch morgen, ja auch in diesem Jahr nicht sterben wirst? Wie viele wurden an dieser Angel gefangen. Es gibt Menschen eines gewissen Alters, die eine halbe Welt um sich her sterben sahen, und dennoch leben sie mit unbegreiflicher Sicherheit in ihren Lastern fort. Woher dies? Sie glauben nicht an den Tod. Glaubten sie wirklich an ihn: würden sie je leben, wie sie leben?
3. Niemand lebt sicher, außer wer jeden Tag sich wiederholt: Ich weiß, dass ich sterben muss, und zwar früher als ich es vermute. Vielleicht ist meine letzte Stunde schon im Anzug. Diese Beherzigung führt den Tod nicht um einen Tag näher herbei. Wohl aber regt sie den denkenden Christen gewaltig an, sein Leben also zu ordnen, dass der Tod, zu welcher Stunde immer er erscheine, ihn nicht unvorbereitet überrasche. Präge diese Wahrheit tief in dein Herz, nicht verbittern wird sie dein Leben, sondern reinigen wird sie es, so dass du immer bereit bist, vor deinem Herrn zu erscheinen. "O könnte ich den Tod der Gerechten sterben, und wäre mein Ende dem seinen gleich." (Numeri 23,10b)
Demütigste Jungfrau Maria, durch deine Demut hast du deinem Gott so große Liebe zu dir eingeflößt, dass du ihn sogar dadurch bewogen hast, dein Sohn und unser Heiland zu werden. Ich weiß es, dass dein Sohn dir nichts abschlägt, um was du ihn bittest. Sage ihm also, dass ich ihn allein lieben will. Bitte ihn, er möge mir alle Beleidigungen, die ich ihm zugefügt habe, vergeben. Bitte ihn, er möge mir die Gnade der Beharrlichkeit im Guten verleihen. Mit einem Wort, empfiehl ihm meine Seele, denn ein Sohn, der dich so innig liebt, kann dir nichts abschlagen. O Maria, du musst machen, dass ich selig werde, du bist meine Hoffnung. Amen.
Zu Jesus Christus
O Herr, gib doch allen christlichen Eheleuten die rechte Absicht ihres Standes zu erkennen, und stärke sie, sie treu zu erfüllen, damit ihnen dieser an sich heilige Stand nicht durch unheiligen Gebrauch zur Verdammnis gereiche, der Du lebst und herrschst mit Gott dem Vater in der Einheit des Heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Zu Gott
O Gott, der Du vor allen Engeln den Erzengel Gabriel Deine Menschwerdung zu verkündigen erwählt hast, schenke gnädig, dass wir, die wir sein Fest hier auf Erden begehen, im Himmel seinen Beistand erfahren, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
Die Vigil vor dem Fest der Verkündigung Mariä wurde vom Papst Gregor um das Jahr 715 eingesetzt, und zwar sehr einfach, auf dass nämlich der heutige Tag nach der Meinung verschiedener Kirchenväter ein Vorbereitungstag zu dem Gedächtnis des ersten Geheimnisses unserer Erlösung wäre.
Dreimal am Tag läutet die Aveglocke, um die Gläubigen zu erinnern, jenes Gebet zu verrichten, das wir nach seinen Anfangsworten den „Engel des Herrn“ nennen. Es ist aber dieser Engel des Herrn der heilige Erzengel Gabriel, welcher der allerseligsten Jungfrau neun Monate vor dem Weihnachtsfest die frohe Botschaft brachte, dass sie die Mutter des Christkinds werden solle. Gabriel ist überhaupt jener Engel, der immer dann von Gott ausgesandt wurde, wenn es sich um Botschaften handelte, die den Erlöser betrafen.
Zum ersten Mal geschah es bereits lange vor der Geburt des Heilandes. Es erschien Gabriel nämlich dem Propheten Daniel im Gebet und kündete ihm an, dass nach siebzigmal sieben Jahren der Messias kommen werde, damit „der Frevel getilgt, der Sünde ein Ende gemacht, die Bosheit gesühnt, das Gesicht und die Prophezeiung erfüllt und der Heilige der Heiligen gesalbt werde“.
Zum zweiten Mal wurde der Erzengel Gabriel ausgesandt, um im Tempel zu Jerusalem dem Priester Zacharias die Geburt des Vorläufers Jesu, des heiligen Johannes des Täufers, anzumelden. Er tat es mit den Worten: „Fürchte dich nicht, Zacharias! Dein Gebet ist erhört. Elisabeth, deine Frau, wird dir einen Sohn schenken, und du sollst ihn Johannes nennen.“ Als Zacharias bei diesen Worten zweifelte, hat der Engel ihn gemahnt und gesagt: „Ich bin Gabriel, der vor Gott steht, und bin gesandt, mit dir zu reden und dir diese frohe Botschaft zu bringen. Siehe, du sollst stumm sein und nicht reden können bis zu dem Tag, da dieses eintritt.“ So sprach der Engel zu Zacharias, und Zacharias blieb stumm bis zu dem Tag, an dem Johannes geboren wurde.
Sechs Monate nach diesem Vorfall schlug dann die große Gnadenstunde, als nämlich der Erzengel Gabriel von Gott ausgesandt wurde in eine Stadt in Galiläa zu einer Jungfrau, die verlobt war mit einem Mann namens Josef aus dem Hause Davids, und der Name der Jungfrau war Maria. Ihr, der Hochgebenedeiten, überbrachte der Engel jene frohe Botschaft, nach der sich die Menschen seit vielen tausenden von Jahren sehnten und über die sich Himmel und Erde seitdem und bis in alle Ewigkeit freuen werden, jene Botschaft, dass Maria als jungfräuliche Mutter dem Christkind das Leben schenken soll. Nie hat es eine frohere Botschaft gegeben.
Weitere Nachrichten über den Erzengel Gabriel enthält die Heilige Schrift nicht, aber die Legende weiß noch etwas mehr von ihm, denn nach der Legende war es wieder Gabriel, der in der Heiligen Nacht, von der Herrlichkeit des Herrn umleuchtet, den Hirten auf freiem Feld die frohe Botschaft von der Geburt des Christkinds überbrachte, und als er es getan hatte, erschien bei ihm eine große Schar des himmlischen Heeres, alle in strahlendes Licht getaucht, und dann begann Gabriel mit herrlichem Klang in der Stimme das Gloria, und alle Engel stimmten jubelnd ein: „Ehre, Ehre, Ehre sei Gott in der Höhe!“, und wenn die einen weiter sangen: „und Friede den Menschen auf Erden!“, begannen die anderen wieder mit: „Ehre, Ehre, Ehre sei Gott in der Höhe!“ und so fort, bis nach einer langen Weile die Engel wieder in den Himmel zurückkehrten und der Gesang ferner und leiser klang und schließlich verstummte.
Gabriel war es nach der Legende auch, der den heiligen Josef in der Nacht weckte und ihm ausrichtete, dass er mit dem Kind und seiner Mutter nach Ägypten fliehen solle, und wieder war er es, der die Heilige Familie aus der Fremde in die Heimat nach Nazaret zurück rief. Später hat Gabriel den lieben Heiland im Garten Getsemani gestärkt, als sein Schweiß wie Blutstropfen zur Erde rann, und schließlich hat Gabriel am Ostermorgen den Stein vom Grab Jesu weggewälzt. Da war sein Aussehen wie ein Blitz, und seine Kleider waren weiß wie Schnee, und als die frommen Frauen kamen, um den Leichnam des Herrn zu salben, hat Gabriel zum letzten Mal eine Botschaft verkündet, die wirklich frohe Botschaft, dass Jesus Christus wahrhaft auferstanden ist.
Der heilige Erzengel Gabriel ist also tatsächlich der Engel des Herrn, der stets dann von Gott ausgesandt wurde, wenn es sich um Botschaften handelte, die den Erlöser betrafen. Daran denke man, sooft man den „Engel des Herrn“ betet.
1. Kein Wesen in der ganzen Schöpfung ist schöner und edler als eine, nach Gottes Bild erschaffene Seele, die mit dem Licht des Glaubens, mit der Gnade des Heiligen Geistes, mit Tugenden und heiliger Liebe geschmückt ist. Ihr Anblick entzückt die himmlischen Geister, ja Gott selbst liebt sie und hält sie der ewigen Glorie würdig. Fällt aber eine solche Seele in eine schwere Sünde, dann erlischt dieser himmlische Glanz. Sie ist gleich einer Königstochter, die, mit den kostbarsten Gewändern und den edelsten Steinen geschmückt, in eine kotige Pfütze fällt, und deren Anblick dann Grausen erregt. "Sie waren reiner als Schnee, weißer als Milch, ihr Leib rosiger als Korallen, saphirblau ihre Adern. Schwärzer als Ruß sehen sie aus, man erkennt sie nicht auf den Straßen." (Klagelieder 4,7-8a)
2. Wem muss diese treffende Schilderung nicht Entsetzen vor der Sünde einflößen. Welches schwere Übel könnte je unserer Seele widerfahren, als dass sie Abscheu vor den Augen Gottes und des ganzen himmlischen Hofes errege? Darum auch wird in der Schrift die Sünde ein Gräuel genannt (Deuteronomium 13,15), und dem Aussatz verglichen, der den ganzen Menschen zerstört, und so hässlich entstellt, dass alle vor einem Aussätzigen die Flucht ergreifen. Notwendig auch hasst Gott diesen Gräuel, weil er die Seele entwürdigt, das Licht seiner Liebe und das übernatürliche Leben dieses edlen Geschöpfes auslöscht.
3. Eine Verfinsterung der Vernunft und ein Umsturz des ewigen Gesetzes ist die Sünde, weil sie der göttlichen Majestät niedrige Lüste und vergängliche Dinge vorzieht, und ihre Gnade dafür mit Füßen tritt. Dadurch aber wird sie ein finsteres Chaos, dessen Anblick die bösen Geister erfreut, die darüber jubeln, dass Gott verhöhnt, und sein Eingeborener gleichsam um eine kostbare Perle ärmer wird, die er mit seinem Blut erkaufte. Ein wahrer Abscheu ist eine solche Seele vor Gott. Und verließe sie in diesem Zustand ihren Körper, so fiele sie der ewigen Verdammnis ohne Rettung anheim. Hüten wir uns vor diesem Ungeheuer. Wären wir aber unglückseliger Weise gefallen, so eilen wir zu dem Bad, das unseres Gottes unendliche Barmherzigkeit zur Reinigung von diesem Aussatz uns bereitet hat. "Gott, sei mir Sünder gnädig!" (Lukas 18,13b)
O Mutter der Barmherzigkeit, reiche mir deine Hand, und hilf einem armen Gefallenen auf, der dich um Mitleid anfleht. O Maria, entweder musst du mir helfen, oder mir wenigstens jemanden nennen, der mir besser als du helfen könnte. Aber wo könnte ich wohl eine mitleidigere und mächtigere Fürsprecherin finden als dich, da du die Mutter Gottes selbst bist. Indem du die Mutter des Heilands wurdest, bist du in die Welt gekommen, um die Sünder zu retten, bist du mir zu meinem Heil geschenkt worden. O Maria, hilf dem, der zu dir seine Zuflucht nimmt. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
Als im Jahr 717 eine erstaunlich zahlreiche Türkische Flotte vor Konstantinopel lag, haben die verängstigten Einwohner mit großer Andacht das Holz des Heiligen Kreuzes und ein ehrwürdiges Bildnis der Mutter Gottes um die Stadt getragen. Dies hatte die Wirkung, dass die feindliche Flotte durch Hunger, Winde, Hagel und Ungewitter am heutigen Tag völlig zerstört und zugrunde gerichtet wurde, einzig drei Schiffe von den vielen ausgenommen.
An diesem Tag hat Papst Nikolaus V. im Jahr 1452 Ablässe auf verschiedene Festtage jenen zugestanden, die die berühmte Kapelle zu Maria Einsiedeln in der Schweiz besuchen würden. Diese Ablässe hat Papst Pius II. im Jahr 1463 bestätigt und vermehrt, und für allezeit erteilt.
Der heilige Turibius, der zweite Sohn eines Edelmannes von Mogrovejo, wurde geboren am 16. November 1538. Er zeigte von Kindheit an entschiedenen Geschmack für die Tugend und außerordentlichen Abscheu vor der Sünde. Als er eines Tages einer Frau begegnete, die über einen erlittenen Verlust von Zorn ganz außer sich war, redete er ihr auf die rührendste Weise über den Fehler, den sie beging, und gab ihr, um sie zu besänftigen, den Wert des verlorenen Gegenstandes. Er hatte eine zärtliche Liebe zur seligsten Jungfrau. Jeden Tag betete er ihre Tagzeiten neben dem Rosenkranz, und fastete jeden Samstag zu ihrer Ehre. Während er die öffentlichen Schulen besuchte, entzog er sich einen Teil seines wiewohl sehr spärlichen Essens, um damit die Notleidenden zu unterstützen. Er trieb die Strenge der Abtötung so weit, dass man seinen Eifer mäßigen musste. Seine höheren Studien begann er zu Valladolid, und beendigte sie zu Salamanka.
Der König Philipp II., der ihn früh schon kannte, schätzte ihn besonders, und belohnte sein Verdienst mit mehreren wichtigen Stellen, und ernannte ihn sogar zum Präsidenten von Granada. Der Heilige bekleidete dieses Amt fünf Jahre lang mit einer Unbescholtenheit, Klugheit und Tugendstärke, die ihm allgemeine Hochachtung erwarben. So bahnte ihm Gott den Weg zu seiner künftigen Erhöhung in der Kirche.
Der unglückliche Zustand, indem sich die Religion in Peru befand, erforderte einen Hirten, der wahrhaft vom Geist der Apostel beseelt sein musste. Und diesen Hirten hat die Gnade in der Person des Turibius sich gebildet. Als das Erzbistum Lima erledigt wurde, ernannte ihn der König Philipp zu diesem wichtigen Amt. Nie sah man vielleicht eine Wahl, die mit so allgemeinem Beifall aufgenommen wurde, denn man erkannte Turibius als den einzig tüchtigen Mann zur Abhilfe der Ärgernisse, die der Bekehrung der Heiden im Weg standen. Die Nachricht dieser Ernennung war für den Heiligen wie ein Donnerschlag: er warf sich vor dem Bild des Gekreuzigten nieder, und bat da, in Tränen zerfließend, Gott, er möchte nicht zugeben, dass man ihm eine so schwere Bürde auflade, unter der er unfehlbar erliegen müsse. Sogleich schrieb er an den königlichen Rat und stellte ihm mit den lebhaftesten Farben seine Untauglichkeit vor. Dann zog er die Kirchensatzungen an, die ausdrücklich verboten, einen Laien zur Bischofswürde zu erheben: allein man nahm keine Rücksicht auf sein Schreiben, und er musste seine Einwilligung geben. Indes blieb seine Demut nicht ohne Belohnung. Sie wurde für ihn die Quelle jener überschwänglichen Gnaden, deren Wirkungen sich später in seiner Amtsführung so segensreich bewährten.
Turibius wollte die vier niederen Weihen an vier verschiedenen Sonntagen empfangen, um die Verrichtungen derselben auch gehörig ausüben zu können. Hierauf empfing er die übrigen Weihen, und endlich wurde er zum Bischof konsekriert. Ohne Verzug schiffte er dann nach Peru ein und landete im Jahr 1581 unweit von Lima. Er war damals 43 Jahre alt. Die Diözese Lima erstreckt sich über 130 Stunden längs der Küsten, und umfasst, neben mehreren Städten, eine unzählige Menge Dörfer und Weiler, die auf der doppelten Gebirgskette der Anden, die die höchsten Berge des Erdbodens sein sollen, zerstreut sind. Einige Anführer der Europäer, die zuerst dieses Land erobert haben, hatten, von einer unbegrenzten Ehrsucht und einem unersättlichen Geiz hingerissen, alle Gefühle der Menschlichkeit abgelegt, und die Eingeborenen brutal und mitleidlos wie Tyrannen behandelt. Dieses erste Unheil löste sich bald in bürgerliche Kriege und innere Spaltungen auf, die wie Feuerflammen das ganze Land verheerten. Überall erblickte man nur Grausamkeiten und Treulosigkeiten, Verrätereien und Ausschweifungen. Umsonst wollte der spanische Hof diesem Übel Einhalt tun. Es hatte schon so tiefe Wurzeln geschlagen, dass es unheilbar schien.
Der heilige Erzbischof wurde bis auf die Tränen gerührt, als er so viele Unordnungen sah, und entschloss sich, alles zu wagen, um ihren Fortgang zu hemmen. Seine vollendete Klugheit, gepaart mit einem tätigen und kraftvollen Eifer, beseitigte alle Schwierigkeiten. Nach und nach gelang es ihm, die öffentlichen Ärgernisse auszurotten, und das Reich der Frömmigkeit auf die Trümmer des Lasters zu begründen. Unmittelbar nach seiner Ankunft unternahm er eine Reise durch seine weitschichtige Diözese, wobei er unbeschreibliche Strapazen und Gefahren bestehen musste. Man sah ihn steile Berge erklimmen, die mit Eis und Schnee bedeckt waren, um in die dürftigen Hütten der Indianer Worte des Trostes und des Lebens zu bringen. Oft reiste er zu Fuß, und weil die apostolischen Arbeiten nur insofern fruchten, als Gott ihnen das Gedeihen gibt, betete und fastete er ohne Unterlass, um die göttlichen Erbarmungen auf die seiner Sorge anvertrauten Seelen herabzuflehen. Überall setzte er gelehrte und eifrige Hirten hin, und verschaffte jenen sogar die Hilfe des Unterrichtes und der Sakramente, die die unzugänglichsten Felsen bewohnten. Überzeugt, dass die Handhabung der Kirchendisziplin auf die Sittlichkeit großen Einfluss hat, sah er sie als einen Hauptgegenstand seiner Vatersorge an. Er verordnete, dass künftig alle zwei Jahre Diözesanversammlungen und alle sieben Jahre Provinzialsynoden sollten gehalten werden. Gegen die von der Geistlichkeit ausgehenden Ärgernisse, besonders gegen jene des Geizes, war er unerbittlich. Sobald die Rechte Gottes und der Menschheit verletzt wurden, übernahm er ihre Verteidigung, ohne Rücksicht auf Personen. Er zeigte sich zugleich als die Geißel der öffentlichen Sünder und den Beschützer der Unterdrückten. Die Standhaftigkeit seines Eifers verursachte ihm einige Verfolgungen von Seiten der peruanischen Statthalter, die vor der Ankunft des tugendhaften Vizekönigs Franz von Toledo sich nicht scheuten, ihren Leidenschaften und persönlichen Vorteilen alles aufzuopfern. Er setzte ihnen nichts entgegen als Sanftmut und Geduld, ohne jedoch der Heiligkeit der christlichen Gebote im Geringsten etwas zu vergeben, und da einige schlechte Christen dem Gesetz Gottes eine dem verkehrten Hang der Natur schmeichelnde Deutung gaben, stellte er ihnen nach Tertullian vor, dass Jesus Christus sich die Wahrheit und nicht die Gewohnheit nennt, und dass vor seinem Richterstuhl unsere Handlungen nicht in der falschen Waagschale der Welt, sondern in jener des Heiligtums abgewogen werden. Durch ein solches Verfahren musste es dem heiligen Erzbischof gelingen, die am tiefsten eingewurzelten Missbräuche auszurotten: auch sah man sie beinahe alle verschwinden. Die Grundsätze des Evangeliums gewannen die Oberhand, und bald übte man sie mit einem der ersten Jahrhunderte des Christentums würdigen Eifer aus.
(Die Indianer waren durch die sogenannten Eroberer in verschiedene Ausschweifungen versunken. Sie ergaben sich besonders mit Leidenschaft den spanischen Weinen. Für ein kleines Maß gaben sie all ihr Gold den Verbrechern her und ihre Trunkenheit nahm dann erst ein Ende, wenn sie nichts mehr zu trinken hatten: allein so schlimm auch die Unordnungen dieser Völker waren, so machten sich doch die Europäer an ihnen strafbar, dass sie die Ureinwohner mit der äußersten Härte und Grausamkeit behandelten. Sie gingen in ihrer Habsucht soweit, dass sie, um sie zu befriedigen, alle Gefühle der Religion und Menschlichkeit ablegten. Umsonst widersetzten sich die Glaubensboten diesem Ärgernis, das ihre Landsleute gaben, sie fanden kein Gehör. Die Dominikanerväter wandten sich mehr als einmal an den spanischen Hof, um die Abstellung eines Übels zu erwirken, das dem Fortgang des Evangeliums so sehr im Wege stand, und die geheiligsten Rechte der Menschheit angriff. Endlich erklärte Ferdinand, der König von Kastilien, die Indianer als freie Leute, und verbot den Spaniern, sie ferner als Lastträger zu gebrauchen, und sich zu ihrer Züchtigung der Stöcke und Peitschen zu bedienen. Kaiser Karl V. gab strenge Befehle, um alle Misshandlungen zu verhindern, und machte zu ihren Gunsten manche weisen Verfügungen: allein man befolgte sie nicht. Die Befehlshaber, die sich als Eroberer von Mexiko und Peru ansahen, wollten keinen Widerspruch dulden.
Bartholomäus de las Casas, Dominikaner und Bischof von Chiapa, in Neuspanien, unternahm vier Reisen an den Hof von Kastilien, wo er die Rechte der Indianer verfocht. Er erhielt vom König ausführliche Befehlsschreiben, und wurde zum allgemeinen Beschützer der Indianer in Amerika erklärt: allein es wurde mehr erfordert, als das, um bewaffnete Menschen zur Unterwürfigkeit zu bringen. De las Casas, der an einer Änderung der Dinge zuletzt verzweifelte, legte sein Bistum in die Hände des Papstes 1551 nieder, und kehrte zurück nach Valladolit in sein Kloster. In seiner Abgeschiedenheit verfasste er zwei Bücher, das eine über die Vertilgung der Indianer durch die Spanier, das andere über die Tyrannei der Spanier in Indien, die er dem König Philipp II. zueignete. Auch die Befehlshaber von Peru fanden ihre Verteidiger, aber zum Unglück für sie geschah es nur durch Umwerfung aller Grundsätze des Natur- und Völkerrechtes. Der Erzbischof von Sevilla und die Universitäten von Salamanka und Alcala verboten den Druck des Werkes dieser Apologeten.
Die zwei Bücher von las Casas wurden ins Französische übersetzt, und die Niederländer, die gerade gegen die Spanier die Waffen ergriffen hatten, lasen sie mit Heißhunger. Sie deuteten im Allgemeinen auf die Spanier, was doch nur von den Befehlshabern in Peru gesagt war, und nahmen daher Anlass, in ihrem Aufruhr hartnäckig zu verharren: dies war aber ein sehr unrichtiger Schluss. Eine Nation ist für die Verbrechen einiger Einzelnen nicht verantwortlich. Das Land, aus dem einige Ungeheuer hervorgegangen sind, hatte eine große Anzahl heiliger Missionare gezeugt, die von wahrhaft apostolischem Eifer beseelt, und unermüdliche Verteidiger der Indianer gewesen sind. Der große Beweis des las Casas fußte auf dem Grundsatz, dass ein erobertes Volk ohne Ungerechtigkeit nicht als Sklaven behandelt werden dürfe. Der königliche Rat und die Gottesgelehrten nahmen diesen Grundsatz an, in Betreff der Indianer, die nicht bewaffneter Hand besiegt wurden.)
Turibius stiftete, zur Erweiterung und Fortsetzung des begonnenen Werkes, Seminarien, Kirchen und Spitäler, ohne dass er jedoch die Einrückung seines Namens in die Stiftsurkunde gestattete. Während er in Lima war, besuchte er täglich die armen Kranken in den Spitälern, tröstete sie mit väterlicher Liebe und spendete selbst ihnen die heiligen Sakramente. Als die Pest in einen Teil seiner Diözese einriss, beraubte er sich der notwendigsten Bedürfnisse, um der Not der Unglücklichen zu steuern. Er empfahl die Buße als das einzige Mittel, den Zorn des Himmels zu besänftigen. Er wohnte bitterlich weinend den Bittgängen bei, und die Augen auf den gekreuzigten Heiland gerichtet, brachte er sich Gott als Opfer dar für die Erhaltung seiner Herde. Mit diesen Religionsübungen verband er das Gebet, die Nachtwachen und außergewöhnliches Fasten, wovon er so lange nicht abließ, als die Pest ihre Verheerungen fortsetzte.
Er trotzte den größten Gefahren, wenn es darauf ankam, einer Seele den geringsten geistlichen Vorteil zu verschaffen. Selbst sein Leben hätte er für die ihm anvertraute Herde hingegeben, und immer war er bereit, alles zu erdulden aus Liebe zu demjenigen, der durch Vergießung seines Blutes die Menschen erlöst hat. Als er erfuhr, dass sie armen Indianer auf den Gebirgen und in den Einöden umherirrten, regten sich in ihm alle Gefühle des guten Hirten, und er machte sich eilends auf, diese verlorenen Schafe aufzusuchen. Die Hoffnung, sie in den Schafstall zurückzuführen, hielt ihn stets aufrecht in Mitten der Mühseligkeiten und Gefahren, die er ausstehen musste. Man sah ihn die grauenvollsten Wüsteneien, die von Löwen und Tigern bewohnt waren, furchtlos durchwandern. Drei Mal bereiste er seine Diözese. Die erste Reise dauerte 7 Jahre, die zweite 5 und die dritte etwas weniger. Die Bekehrung einer unzähligen Menge Heiden war die Frucht davon. Unterwegs betete er oder unterhielt sich von geistlichen Dingen. Wenn er an einem Ort ankam, war seine erste Sorge, die Kirche zu besuchen, um da an den Fuß der Altäre sein Herz auszuschütten. Der Unterricht der Armen hielt ihn oft zwei bis drei Tage an einem Ort zurück, obgleich ihm dort öfters aller nötige Lebensbedarf abging. Die abgelegensten Gegenden wurden durch seine Gegenwart erfreut. Umsonst stellte man ihm die Gefahren vor, denen er sein Leben aussetzte. Er antwortete jedes Mal, dass, da Jesus Christus für das Heil der Menschen vom Himmel herabgestiegen, ein Hirte bereit sein solle, für dessen Ehre alles zu leiden. Er hielt mit unermüdlichen Eifer Predigten und katechetische Unterrichte. Und um diesem wichtigen Amt mit reichlicherem Gewinn obzuliegen, hatte er noch in einem schon ziemlich hohen Alter die verschiedenen Sprachen der Peruaner gelernt. Er las jeden Tag die Heilige Messe mit größter Andacht, indem er vor und nach dieser hehren Handlung eine geistliche Betrachtung anstellte. Er beichtete gewöhnlich alle Morgen, um sich desto vollkommener von den geringsten Flecken zu reinigen. Die Ehre Gottes war das letzte Ziel und Ende aller seiner Worte und Werke, weshalb sein Leben als ein beständiges Gebet kann betrachtet werden. Dessen ungeachtet hatte er noch bestimmte Stunden zum Gebet, wo er sich zurückzog, und sich einsam mit Gott über seine und seiner Herde Bedürfnisse besprach. In diesen Augenblicken strahlte ein gewisser Schimmer aus seinem Antlitz. Bei diesem erhabenen Wirken stand seine Demut seinen anderen Tugenden nicht im mindesten nach: daher jene äußerste Sorgfalt, seine Abtötungen, und übrigen guten Werken vor den Augen der Menschen zu verbergen. Seine Liebe zu den Armen war ohne Grenzen, und seine Freigebigkeit umfasste sie alle ohne Unterschied. Doch nahm er sich ganz besonders um die sogenannten verschämten oder Hausarmen an.
Unserem Heiligen gebührt der Ruhm, der Kirche von Peru eine ganz neue Gestalt gegeben zu haben. Und wenn er nicht ihr erster Apostel gewesen ist, so war er doch zum wenigsten der Wiederhersteller der Gottseligkeit, die beinahe gänzlich darin erloschen war. Die von den Provinzialsynoden abgefassten Beschlüsse werden ein ewiges Denkmal seines Eifers, seiner Frömmigkeit, seiner Gelehrsamkeit und seiner Klugheit sein. Man betrachtete sie als göttliche Aussprüche nicht nur in der neuen Welt, sondern auch in Europa, ja selbst in Rom.
Nach so viel Arbeiten erkrankte Turibius schließlich zu Santa, einer Stadt, die 110 Stunden von Lima entfernt ist, wo er damals auf einer Visitationsreise begriffen war. Er sagte seinen Tod voraus, und versprach jenem eine Belohnung, der ihm zuerst ankündigen würde, dass die Ärzte an seinem Aufkommen verzweifeln. Was zu seinem Gebrauch diente, gab er seiner Dienerschaft, das Übrige wurde den Armen vermacht. Er ließ sich zum Empfang der letzten Wegzehrung in die Kirche tragen. Die letzte Ölung aber musste er auf seinem Sterbelager empfangen. Beständig wiederholte er diese Worte des heiligen Paulus: „Ich wünsche aufgelöst und mit Christus zu sein.“ In seinen letzten Augenblicken ließ er von den Umstehenden diese anderen Worte absingen: Ich habe mich darüber erfreut, als mir gesagt wurde, wir werden eingehen in des Herrn Haus. Er starb am 23. März 1606, indem er mit dem Propheten ausrief: Herr, in deine Hände empfehle ich meinen Geist. Im nachfolgenden Jahr brachte man seinen Leib nach Lima, und er wurde noch ohne alle Verwesung befunden. Der Verfasser seines Lebens und die Akten seiner Heiligsprechung melden, dass er während seines Lebens einen Toten auferweckt und mehrere Kranke geheilt habe. Nach seinem Tod geschahen mehrere Wunder durch die Kraft seiner Fürsprache. Turibius wurde 1679 durch Papst Innozenz XI. seliggesprochen, und heilig im Jahr 1726 durch Papst Benedikt XIII.
Die geistlichen Amtsverrichtungen haben nur dann Wert und sind Gott gefällig, wenn sie belebt sind vom Geist der Frömmigkeit, der Zerknirschung, der Demut, des Eifers und der Liebe. Woraus erhellt, dass wer zur Leitung der Seelen berufen ist, sich vor allem durch die Übungen des inneren Lebens dazu vorbereiten müsse. Und steht er einmal auf dem Leuchter der Kirche, dann wird er den Willen Gottes erfüllen durch gänzliche Hingabe aller seiner Kräfte für das Heil des Nächsten. Allein er muss noch immer einige Augenblicke ersparen, um über sich selbst nachzudenken, und die unvermerkliche Erschöpfung der Seele wieder zu ersetzen. Vernachlässigt er diese Übung, so wird er das Reich Jesu Christi wenig oder gar nicht befördern, und stürzt sich in augenscheinliche Gefahr, das ewige Leben zu verlieren. Darum ermahnte der heilige Bernhard so nachdrücklich Papst Eugen III., der sein Jünger war, sich dem Nächsten nicht so ganz hinzugeben, dass er nicht auch für sich leben und den Geist der Andacht in seiner eigenen Seele aufflammen könne, während er ihn anderen einzuflößen sich bestrebe. Vergiss nie dich selbst, sagte er ihm. Werde jenen Wasserbehältern gleich, die von ihrer Fülle geben, und nicht jenen Kanälen, die da nichts zurückbehalten.
1. Betrachte dies glorreiche Geheimnis, worin der Sohn Gottes, seine geliebten Jünger vor dem Ärgernis seines Kreuzes zu bewahren, ihnen eine Probe der himmlischen Glorie zeigt. Auf einen hohen Berg führt er sie, denn erheben muss sich über die niedrigen Dinge dieser Welt, wer die göttlichen Geheimnisse schauen will. Dort also glänzt er vor ihren Augen im sonnigen Licht seiner Gottheit. Dort erscheinen in großer Herrlichkeit Mose und Elia, das Gesetz und die Propheten. Dort auch zeigt der ewige Vater ihn als den vielgeliebten Sohn seines göttlichen Wohlgefallens, und spricht zu ihnen und zu uns allen: "Auf ihn sollt ihr hören!"
2. O selige Entzückung heiliger Seelen, wenn das Licht Gottes ihnen leuchtet, und den Vorgeschmack der himmlischen Seligkeit ihnen erteilt. "Gut ist es hier zu sein!" ruft Petrus aus, von dieser so großen Glorie wonnetrunken. Wie auch wäre es nicht gut, nicht selig, ewig in dieser Glorie zu sein, aus der ihnen hier nur ein Labetrunk gereicht wird. Doch, ach, hier ist kein Ort, Hütten zu bauen, denn keine bleibende Stätte haben wir hier, und nicht dauernd sind diese lieblichen Heimsuchungen der Gnade. Denn sieh plötzlich überschattet sie eine Wolke, und von heiligem Schrecken durchdrungen, fallen sie wie ohnmächtig nieder. O menschliche Schwäche! Kaum weicht der göttliche Trost, kaum naht die dunkle Wolke der Prüfung, dann beginnen wir zu zagen, und allen Mut zu verlieren.
3. Niemals jedoch verlässt Jesus seine Getreuen. Liebevoll tritt er hinzu und spricht: "Steht auf! Fürchtet euch nicht!" Seine Gnade erhebt und kräftigt sie aufs neue, damit sie in ihren Trübsalen nicht verzagen. So erholten auch die Apostel sich von ihrem Schrecken, und "da sie die Augen erhoben, sahen sie niemand, außer Jesus allein". Dies ist die wunderbare Wirkung außerordentlicher Gnaden in heiligen Seelen. Nichts anderes sehen sie mehr als Gott allein. Alles übrige verleidet ihnen, die Welt und ihre vergänglichen Güter und Lüste ekeln sie an. Sie rufen mit dem Propheten: "Was habe ich im Himmel außer dir? Neben dir erfreut mich nichts auf der Erde." (Psalm 73,25)
Mächtige Mutter Gottes, ich erkenne, dass ich es durch meinen jahrelangen Undank gegen Gott und gegen dich verdiente, dass du aufhörtest, Sorge für mich zu tragen. Ja, ich Undankbarer verdiene keine Wohltaten mehr. Allein, meine Königin, ich habe einen zu hohen Begriff von deiner Güte, denn ich glaube, dass sie weit größer ist als meine Undankbarkeit. Fahre also fort, o Zuflucht der Sünder, und unterlasse nicht, einem elenden Sünder beizustehen, der auf dich sein Vertrauen setzt. Amen.
Zu Jesus Christus
Herr Jesus, Du bist mein Leben, Du bist meine Stärke. An Dich glaube ich, auf Dich setze ich mein ganzes Vertrauen. Lass mich vor den Feinden Deines heiligen Namens nicht zu Schanden werden, der Du lebst und herrschst mit Gott dem Vater in der Einheit des Heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
Am heutigen Tag hat sich im Jahr 1609 in dem jungfräulichen Kloster der heiligen Maria zu Soissons ein augenscheinliches vom Bischof daselbst nach gerichtlicher Untersuchung gutgeheißenes Wunder zugetragen mit der geistlichen Jungfrau Maria de Hericourt, die wegen Krankheit und unglücklicher Kur den Gebrauch des rechten ganz eingezogenen und ausgedorrten Fußes verloren, nach einiger Zeit aber plötzlich auf ein eifriges Gebet und Versprechen zu Gott, ihr durch die Fürbitte der seligsten Jungfrau, zu deren Verkündigungsfest die Kirche des Klosters bereitet wurde, die vorherige Gesundheit zu erteilen, sie wieder erhalten hat.
Basilius war Priester an der Kirche von Ankyra, dem Metropolitansitz von Galatien, zu der Zeit, als er mit dem heiligen Marcellus besetzt war, den der Kaiser Konstantius im Jahr 336, wegen seiner Anhänglichkeit an den Nizäischen Glauben, in die Verbannung schickte. Er führte einen heiligen und tadellosen Wandel, und bewährte sich als treuer Jünger der großen Männer, die ihn zur Übung der christlichen Tugenden herangebildet haben. Sein beharrlicher Eifer, das Wort Gottes vorzutragen, brachte unter den Gläubigen von Ankyra die herrlichsten Früchte hervor. Als ein Arianer, der ebenfalls Basilius hieß, einst in dieser Stadt auftreten wollte, erhob der Heilige seine Stimme mit der Kraft und Unerschrockenheit eines Propheten: er rief dem Volk unaufhörlich zu, die ihm gelegten Fallstricke zu vermeiden, und der katholischen Lehre unverbrüchlich getreu zu bleiben. Die Arianer, die ihn als den gefährlichsten Feind ihrer Sekte ansahen, verboten ihm im Jahr 360, Versammlungen zu halten. Allein er nahm keine Rücksicht auf dieses ungerechte Verbot, und fuhr immer fort, sogar in Gegenwart des Kaisers Konstantius, den Irrtum zu bekämpfen.
Während Julian, der Abtrünnige, den Götzendienst auf den Trümmern des Christentums wieder aufzurichten bemüht war, lieb Basilius durch die ganze Stadt, um die Gläubigen zur Verteidigung der Sache Gottes aufzufordern und sie zu ermuntern, sich durch die gräulichen Gebräuche der Heiden nicht zu beflecken. Aufgebracht über seine heilige Kühnheit stürzten die Götzendiener über ihn her, führten ihn vor den Prokonsul Saturninus, und beschuldigten ihn, er habe ihre Altäre umgestürzt, das Volk vom Götterdienst abgehalten, und gegen den Kaiser und seine Religion ehrenrührige und unanständige Reden geführt. Saturnin befragte ihn, ob er die von dem Fürsten eingeführte Religion nicht als wahr erkenne, worauf ihm der Heilige antwortete: „Erkennst du sie selbst als solche? Denn wie kann wohl ein vernünftiger Mensch sich überreden, dass stumme Klötze Götter seien?“ Der Prokonsul, durch diese Antwort ergrimmt, ließ ihn auf die Folterbank legen, und sagte ihm unter den Peinen: „Erkennst du aus der Strafe, die der Kaiser über die Widerspenstigen verhängt, wie weit seine Gewalt geht? Die Erfahrung wird es dich lehren. Gehorche dem Fürsten, opfere den Göttern.“ Als der Märtyrer auf seiner Beteuerung bestand, dass er nimmerhin opfern würde, schickte ihn der Prokonsul in das Gefängnis, und berichtete den ganzen Hergang dem Kaiser.
Julian billigte das Verfahren des Prokonsuls, und ließ sogleich Elpidius und Pegasus abgehen, um an dem Ort selbst von der Sache Kunde einzuholen. Diese beiden Abgeordneten waren Apostaten. Als sie durch Nikomedien kamen, nahmen sie Asklepius, der ein Priester Aeskulaps und ohnehin ein sehr verworfener Mensch war, mit sich und langten zu dritt in Ankyra ein.
Indes lobte Basilius in seinem Kerker ohne Unterlass den Herrn. Pegasus begab sich dahin, in der Hoffnung, ihn durch Versprechungen zu gewinnen. Allein er kam bald wieder zum Prokonsul zurück, ganz beschämt, dass er Vorwürfe über seinen Abfall hatte hören müssen. Als die Abgeordneten verlangten, man solle den Heiligen ihnen vorführen, ließ ihn Saturnin abholen. Sobald er angekommen war, legte man ihn neuerdings auf die Folter, peinigte ihn noch weit grausamer, als das erste Mal, ließ ihn dann mit Ketten beladen in das Gefängnis zurückführen.
Während jener Zeit verließ Julian Konstantinopel, um sich nach Antiochien zu begeben, in der Absicht, für den Krieg gegen die Perser Vorkehrungen zu treffen. Von Chalcedon richtete er seine Reise nach Pessinonta, auch Pessinuntus genannt, einer Stadt in Galatien, um der Göttin Cybele, die daselbst einen berühmten Tempel hatte, zu opfern, wo er auch einen Christen enthaupten ließ, der seiner Religion abzuschwören sich geweigert hatte. Als er in Ankyra ankam, führte man ihm Basilius vor. Er hatte ihn nicht sobald erblickt, als er ihm mit geheucheltem Mitleid sagte: „Basilius, ich kenne ein wenig eure Geheimnisse: nun aber kann ich dich versichern, dass derjenige, auf den ihr euer Vertrauen setzt unter dem Landpfleger Pilatus gestorben ist und nicht mehr unter die Lebendigen gehört.“ – „Nicht ich bin im Irrwahn,“ entgegnete Basilius, „wohl aber du, mein Gebieter, der du Jesus Christus meineidig geworden bist, selbst zur Zeit, als er dir das Reich gab. Allein ich erkläre dir, dass er dir bald dasselbe mitsamt deinem Leben wieder nehmen wird. Er wird deinen Thron umstürzen, wie du seine Altäre zertrümmert hast. Und weil du jenes heilige Gesetz, das du dem Volk so oft verkündigtest (Julian hatte in der Kirche das Amt eines Lektors ausgeübt), verletzt und mit Füßen getreten hast, so wird auch dein Leib mit Füßen getreten werden und unbeerdigt bleiben.“ – „Ich wollte dich retten,“ erwiderte Julian, „weil du aber meinen Rat verschmähst, und sogar mich zu verunglimpfen dich erfrechst, so werde ich mit dir verfahren, wie es dir gebührt: daher befehle ich, dass man jeden Tag sieben Stücklein von deiner Haut abschneide, bis nichts mehr übrig bleibt.“ Die Vollstreckung dieses Befehls übertrug er zugleich dem Comes Frumentin, dem Obersten seiner Leibwache.
Nachdem Basilius die ersten Einschnitte mit bewunderungswürdiger Geduld ausgestanden hatte, verlangte er mit dem Kaiser zu sprechen. Frumentin meinend, er würde sich nun ergeben und opfern, ging selbst zum Kaiser und machte ihm des Heiligen Begehren kund. Julian befahl ihn in den Tempel des Aesculap, wo er in ihn drang, er möchte mit den Übrigen opfern: Basilius aber erwiderte, er werde nie stumme und blinde Götzen anbeten, und nahm zugleich ein Stück von der Haut, das man ihm an demselben Tag ausgeschnitten hat, und warf es dem Kaiser ins Angesicht. (Diese Handlung ist zwar befremdend: allein Gott, der durch seine Märtyrer redet, handelt auch durch sie. Es steht uns nicht zu, ihn über diese Tat vor unseren Richterstuhl zu ziehen. Dieses ist die Auflösung der Schwierigkeiten, die man je zuweilen bei den Taten der Blutzeugen finden mag.) Julian geriet in schreckliche Wut. Und Frumentin, befürchtend, man möchte ihn wegen der Unbild, die seinem Herrn zugefügt worden war, verantwortlich machen, nahm sich vor, an dem Heiligen furchtbare Rache zu nehmen, bestieg daher seinen Richterstuhl und befahl, die Peinigungen zu verdoppeln. Diesem zufolge schnitt man so tief in seinen Leib, dass man die Eingeweide sehen konnte. Die Zuschauer, von Mitleid gerührt, konnten sich der Tränen nicht erwehren. Basilius hingegen betete die ganze Zeit hindurch, und es entschlüpfte ihm nicht ein einziger Seufzer. Als der Abend angebrochen war, schleppte man ihn wieder in den Kerker zurück.
Des anderen Tages reiste Julian nach Antiochien ab, ohne dass er Frumentin sehen wollte. Der Comes, der die Ungnade befürchtete, entschloss sich, die äußersten Mittel anzuwenden, um den Märtyrer zu gewinnen, oder wenigstens um seine Wut zu sättigen. Es war ihm aber unmöglich, die Standhaftigkeit des Heiligen zu erschüttern. „Du weißt,“ sagte ihm Basilius, „wie viele Stücke Fleisch von meinem Leib abgeschnitten wurden: betrachte meine Schultern und meine Seiten, und sage mir, ob du auch nur eine Spur daran vermerkst. Wisse, dass Jesus mich in dieser Nacht geheilt hat. Du kannst es Julian, deinem Herrn, melden, auf dass er lerne, wie groß der Gott ist, den er verlassen hat. Er hat die Altäre zertrümmert, unter denen er sein Leben gerettet hat, als Konstantius ihm nachstrebte. Allein Gott hat mir geoffenbart, die Tyrannei werde bald mit dem Tyrannen selbst ein Ende nehmen.“ Frumentin, vor Raserei seiner nicht mehr mächtig, ließ ihn auf den Bauch legen, und mit glühendem Eisen seinen Rücken durchstechen. Unter diesen grausamen Qualen verschied der Heilige am 29. Juni 362. Die Griechen und Lateiner verehren ihn am 22. März.
Die Liebe, die im Herzen der Märtyrer obsiegte, bewirkte, dass sie alles, was sie für den Namen Jesu litten, für nichts ansahen. Sie dachten oft an die Worte des Hohenliedes: „Wenn der Mensch alles, was er hat, wird hergegeben haben, so wird er solches doch für nichts achten.“ Kap. VIII. Vers 7. Wenn Gott von dem ihn liebenden Menschen das Opfer seiner Güter, seiner Freunde, seiner Verwandten, sogar seines Lebens forderte, so würde er es mit Freuden darbringen, und mit dem königlichen Propheten ausrufen: Was sollte ich verlangen im Himmel und auf Erden, als dich, o mein Gott! Du mein Erbteil in Ewigkeit. Ist er ohne Trost, schmachtet seine Seele in Betrübnis und Dürre, so freut er sich seines Kreuzes, wenn sie nur innigst mit Gott vereinigt ist. O mein Gott und mein Alles, sagt er alsdann, ich besitze alles, wenn ich dich besitze! Wenn du mir deine Liebe schenkst, so muss ich reich und unendlich glücklich sein. Dies ist seine Sprache in allen seinen Prüfungen. Ja, er geht noch weiter: er liebt seine Prüfungen, weil sie ihm Gelegenheit verschaffen, sich fester an Gott anzuschließen, und ihm unzweideutige Beweise seiner Treue und Unterwürfigkeit zu geben. Wenn die göttliche Liebe solche Wirkungen hervorbringt in den Herzen, wo sie herrscht, was soll man von so vielen Christen halten, die nichts leiden wollen, die schon bloß vor dem Namen des Kreuzes erschrecken, die jeden Zwang vermeiden, und über die geringste Unterwerfung, die sie der Vorschrift leisten sollen, zürnen? Noch einmal, können solche Christen vorgeben, dass sie Gott lieben? Wie würde es ihnen dann erst zu Mute sein, wenn sie, gleich den Märtyrern, den Glauben, den sie bekennen, mit ihrem Blut besiegeln sollten?
Durch ihn vollbringt der Mensch die höchsten Werke,
Auf dass die Welt den Finger Gottes merke.
1. Zu allen Zeiten, wenn die Missetaten überhand nahmen und der Glaube zu wanken drohte, erweckt Gott heilige Menschen, die durch das Feuer ihres Eifers dem Strom des Verderbens einen Damm setzten. Gewöhnlich beruft er diese Herolde, gleich dem heiligen Täufer Johannes, früher in die Einöde, dort zu ihrem Herzen zu sprechen, und es gleich einer heiligen Lampe mit dem Öl seiner Liebe und aller Tugenden zu erfüllen. Ein solches Licht im Herrn war Benedikt, der dem herrschenden Sittenverderbnis entfloh, und Gott unter Fasten und Gebet in einer schauderhaften Wildnis diente. Auch wir können nur in der Entfernung von der Welt, und durch Abtötung und Gebet zu den Gnaden Gottes uns vorbereiten.
2. Gott, der den jungen Benedikt zum Feldherrn eines großen Heeres heiliger Streiter bestimmt hatte, ließ es zu, dass er durch viele und heftige Versuchungen geprüft würde. Zumal wurde er so furchtbar gegen die Keuschheit angefochten, dass er sich nackt auf Dornen wälzte, das Feuer der Begierlichkeit durch das Blut seines verwundeten Körpers zu löschen. Bald zog der Ruf seiner Heiligkeit viele an, unter seine Leitung sich zu begeben. Sogar viele Klöster verlangten ihn zum Vorgesetzten. Da jedoch die Ordenszucht verfallen war, und sie keiner Regel sich fügen wollten, stellten sie ihm nach dem Leben. Auch erweckte der Feind des Heils ihm viele andere schwere Verfolgungen, die Früchte des Guten, die er vorhersah, im Keim zu ersticken. Also führt Gott alle seine wahren Diener durch schwere Trübsale zum Ziel.
3. Nachdem aber das Samenkorn auf diese Weise erstorben war, brachte es viele Frucht. Es ging daraus einer der größten und heiligsten kirchlichen Orden hervor, durch die Heiligkeit und Wissenschaften wundersam gefördert wurden. Der Orden gebar zahllose Heilige, und zählte viele Päpste und Kardinäle, Kaiser und Könige und andere Personen aus königlichen und fürstlichen Häusern als Mitglieder. Willst du vieles für Gottes Ehre tun, so leide vieles für ihn, und kämpfe tapfer gegen die Versuchungen. Jakobus 1,12: "Glücklich der Mann, der in der Versuchung standhält. Denn wenn er sich bewährt, wird er den Kranz des Lebens erhalten, der denen verheißen ist, die Gott lieben."
Seligste Jungfrau und Mutter Gottes Maria. Ich werfe mich nieder vor dir und bekenne mich in Wahrheit als höchst elenden Sünder. Erlange mir doch von deinem Sohn die Gnade, dass ich das große Unheil, das ich durch meine Sünden angerichtet habe, wahrhaft erkenne, dass ein mächtiger Schmerz in meinem Herzen rege werde, damit ich meine Sünden aufrichtig bereue und mehr als alles Übel auf der Welt verabscheue. Amen.
Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Benedikt
O Gott, der Du den heiligen Benedikt für sein stilles, aber beispielreiches Leben mit der ewigen Herrlichkeit im Himmel belohnt hast, verleihe uns auf seine Fürbitte, dass wir das Irdische verachten, in der Stille unserem Beruf nachgehen, und einst den ewigen Lohn dafür im Himmel erlangen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
In Italien wurde am heutigen Tag im Jahr 1319 der Orden der Olivetaner von Bernhard von Siena gestiftet. Da er beinahe erblindet war, gelobte er der seligsten Jungfrau, die Welt zu verlassen, wenn sie ihm von Jesus Christus das Augenlicht erhalten würde. Als er diese Gnade wirklich erhalten hatte, begab er sich auf den Berg Olivet, und hat dort mit zwei ihm folgenden Genossen ein frommes und strenges Leben angefangen. Es gesellte sich bald eine große Menge Jünger zu ihnen, so dass sie im Jahr 1319 am 21. März einen weißen Habit auf Befehl des Papstes Johannes XI. anlegten, und die Regel des heiligen Benedikt annahmen. Ihre Versammlung, die von der heiligen Maria des Berges Olivet benannt worden ist, wurde von Papst Gregor XI. bestätigt. Sie hatten bis vor ungefähr 100 Jahren noch über 70 Abteien in Italien, folgten einer milderen Regel, und wurden von einem Obern unter dem Namen eines Abts regiert. Ihr General wohnte auf dem Berg Olivet.
Der heilige Benedikt wurde im Jahr 480 in Nursia geboren, in einem kleinen Städtchen in der Nähe von Rom. Weil die Eltern es sich leisten konnten, schickten sie den Sohn nach Rom, wo er an den hohen Schulen studieren sollte, damit er ein berühmter Mann werde. Berühmt ist er dann auch geworden, sogar einer der berühmtesten Männer, die es gegeben hat, aber seine Berühmtheit war von anderer Art, als die Eltern es sich träumten.
Gleich von Anfang an gefiel es Benedikt nicht in Rom. Er konnte sich im weichen und gedankenlosen Wohlleben der leichtsinnigen Großstadt nicht zurechtfinden. Albern und läppisch kamen ihm die Mitschüler vor, er jedenfalls war aus härterem Holz geschnitzt. Schnell auch durchschaute der kluge Bauernsohn aus den Bergen das Leben und Treiben in der verlotterten Römerstadt. Alles schien ihm hohl und leer zu sein. Da erfasste ihn der Ekel, er brach das Studium ab, verzichtete darauf, ein berühmter Mann im Sinn der Welt zu werden und zog von den Büchern weg in die Einöde, um in strenger Einsamkeit und weltferner Abgeschiedenheit betend sein Leben einzig Gott zu weihen.
Die nächsten drei Jahre lebte Benedikt verborgen in einer unzugänglichen Felsenhöhle. Niemand kannte seinen Aufenthaltsort außer einem Einsiedler, der ihm die Reste der eigenen kärglichen Mahlzeit an einem Seil hinabließ. Für die Welt war Benedikt spurlos untergegangen, in ihm selbst aber wurde in jenen begnadeten Jahren der Heilige geboren. Nicht ohne Kampf geschah es, denn kein Mensch bleibt von Versuchungen verschont, auch der heiligste nicht. Heilig wird man nur dadurch, dass man die Versuchungen überwindet. Und weil Sankt Benedikt die Welt und sich selbst überwand, ist er ein Heiliger und ein berühmter Lehrer der Heiligkeit geworden.
Eines Tages wurde durch Gottes Zulassung der Schleier des Geheimnisses gelüftet, der über Benedikt lag. Wie ein Rosenduft verbreitete sich da der Ruf von seinem heiligen Leben, und wie ein Magnet mit Gewalt Eisenspäne anzieht, so sammelten sich um Sankt Benedikt gleichgesinnte Männer, die unter seiner Leitung nach einem sehr hohen Ziel strebten, nämlich nach der Heiligkeit in der strengen Zucht des katholischen Klosterlebens.
Im Jahr 529 gründete der heilige Benedikt das weltberühmte Kloster auf dem Monte Cassino in Mittelitalien, von dem aus im Lauf der Zeit an die hunderttausend Tochterklöster entstanden, und groß ist die Zahl der Menschen, die im Orden des heiligen Benedikt und unter seiner weisen Regel heilig geworden sind.
Weltweit ist dazu der Segen, der von den Benediktinerklöstern ausging; denn die schwarzen Mönche haben sich bis auf den heutigen Tag nicht damit begnügt, nur sich selbst zu heiligen, sondern sie haben auch andere Menschen zum Himmel geführt. Überall und immer sind sie eingesprungen, wo Not groß und Dienst und Hilfe gebraucht wurden. Sie haben Wege und Straßen gebaut und Wälder und Ödland gerodet, Balken gezimmert und Häuser errichtet, Ackerbau und Viehzucht vorbildlich gepflegt und haben vor allem Schulen gegründet und dadurch der Welt und den Menschen gedient wie sonst wohl niemand. Dieses große Verdienst darf niemand den Klöstern vom schwarzen Orden nehmen. Die Quelle aber, von der aus sich der gewaltige Segen über die Welt ergoss, war Sankt Benedikt, der Vater aller abendländischen Mönche.
Was doch aus einem Menschen nicht alles werden kann, wenn er das Herz auf dem rechten Fleck hat und danach strebt, ein wirklicher Mensch, ein Heiliger zu werden!
1. Niemand liebt uns inniger als Jesus, unser liebevoller Erlöser, der sogar sein blühendes Leben opferte, eine unendliche Freude uns zu erkaufen. Er kennt das lebendige Verlangen unseres Herzens nach Freude. Weil er aber uns unaussprechlich liebt, warnt er uns, diesen Hunger nicht mit giftigen Speisen zu sättigen, die uns den ewigen Tod bringen würden, und erhebt unser Verlangen zu wahren und ständigen Freuden. "Ihr werdet weinen," spricht er, "und die Welt wird sich erfreuen, . . . aber eure Traurigkeit wird sich in Freude verwandeln." Und in welche Freude! "Wahrlich, keines Vergleiches sind alle Trübsale der Erde gegen die unendliche Freude der Ewigkeit wert."
2. Umgekehrt geht die Freude der Welt, die bei der Fröhlichkeit beginnt, und mit diesem Leben endigt, in ein ewiges Elend über. Darum spricht die ewige Wahrheit warnend: "Wehe euch, die ihr jetzt lacht, denn ihr werdet weinen!" Denn was anders sind die Freuden dieser ungläubigen Welt, als eine Verkettung von sündhaften Torheiten und Lastern. Sie spottet jetzt der Kinder Gottes und nennt ihr Leben Torheit. Sind wir aber getreu, dann wird sie über ein Kleines bei unserem Anblick ausrufen: "Dies sind jene, die einst die Zielscheibe unseres Spottes waren. Wir Unbesonnenen hielten ihr Leben für Unsinn. Sieh, wie sie nun den Kindern Gottes beigezählt sind, und ihr Los unter den Heiligen haben." (Weisheit 5,4-5)
3. "Ihr seid tot," spricht der Apostel, "und euer Leben ist mit Christus in Gott verborgen." (Kolosser 3,3) Ein Beispiel dieses Todes, der voll des Lebens im Innern ist, sehen wir an den Bäumen, die zur Winterzeit erstarrt scheinen, so wie der Frühling erscheint, in voller Kraft Laub und Früchte treiben. Lässt aber unser Gott seine Auserwählten hienieden ohne Freude? Ist ja doch das Reich Gottes Friede und Freude im Heiligen Geist. (Römer 14) Und so groß ist diese Freude, dass fromme Menschen selbst ihre bittersten Trübsale nicht für die rauschendsten Freuden der Welt hingeben möchten. So warten wir denn in heiliger Geduld, "denn Besseres hat Gott für uns aufbewahrt!" (Hebräer 11,40) "Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch!" (Philipper 4,4)
Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Johannes von Nepomuk
O Gott, der Du wegen der unbesiegten Verschwiegenheit des heiligen Johannes bei der Ausspendung der sakramentalen Beichte Deine Kirche mit einer neuen Marterkrone geziert hast, verleihe, dass wir nach seinem Beispiel und auf seine Fürbitte unseren Mund sorgfältig bewahren, damit wir den Seligen, die sich mit der Zunge nicht versündigt haben, beigezählt werden, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
Am heutigen Tag fällt das Fest des heiligen Joachim ein, des Vaters der seligsten Jungfrau, das aber nun am Sonntag nach Mariä Himmelfahrt begangen wird. Die Griechen feiern es am 9. September, andere am 9. Dezember, andere am 16. September: Papst Julius II. hat dieses Fest eingesetzt. Wir wissen aber aus dem Evangelium keine Einzelheiten über diesen großen Heiligen, wiewohl die heilige Epiphanius und Johannes Damascenus dem heiligen Joachim viel Lob aussprechen. Auch Canisius bringt von ihm viel Schönes hervor. Etwas Gewisses aber kann man nicht angeben, weil es Gott gefallen hat, es verborgen zu halten. Beeifern wir uns vielmehr, ein unbekanntes und verborgenes Leben zu schätzen, denn dieses ist der sicherste Weg, die Demut zu erhalten, es ist die Grundfeste aller Tugenden, wie die Liebe deren Seele und Leben ist.
Welflin hieß der Heilige von Haus aus. Um das Jahr 1340 wurde er in dem südböhmischen Dorf Nepomuk als Bauernsohn geboren. Als er sehr früh ein Waisenkind wurde, nahmen sich die Mönche des heimatlichen Zisterzienserklosters des Jungen an. Johannes durfte zur Schule gehen und anschließend studieren. Er wurde Weltpriester in Prag und wuchs schnell in Ämter und Würden hinein, wurde Pfarrer, Domherr, Stellvertreter des Erzbischofs und Beichtvater der Königin. Der arme verwaiste Bauernsohn hatte sich prächtig emporgearbeitet. Auch die innere Entwicklung hatte mit der äußeren Schritt gehalten, denn Johannes war ein würdiger Priester, fromm, demütig, gewissenhaft, eifrig, mildtätig und pflichtbewusst. Nur so auch konnte er die harte Prüfung bestehen, die über den Dreiundfünfzigjährigen im Jahre 1393 hereinbrach.
In Prag regierte damals als König von Böhmen Wenzel I. Ein Taugenichts war dieser König, ein Trinker und ein roher Kerl, äußerlich ein Christ, innerlich aber ohne jeden Glauben, in allem das genaue Gegenteil seiner herzensguten Frau. Da hatte der Unmensch eines Tages Lust darauf, die Sünden seiner Frau kennenzulernen. Weil er selbst schlecht war, glaubte er, alle Leute seien wie er, auch die eigene Frau. Deshalb wollte er ihre vermeintlichen Schlechtigkeiten auskundschaften, um die eigenen damit zu entschuldigen. Es leuchtet also ein, dass dieser Mann ein wirklich übler Kerl war.
König Wenzel bestellte den Beichtvater der Königin zu sich und eröffnete ihm seinen Wunsch, wobei er bemerkte, dass er als Ehemann das Recht habe, auch die letzten Geheimnisse seiner Frau zu erfahren. Übrigens versprach er dabei mit seinem königlichen Ehrenwort, dass er wie ein Grab schweigen werde, und wenn er, der Beichtvater, dem Ansinnen entspräche, so werde er ihn zum Bischof erheben.
So sprach der König, doch bei Johannes von Nepomuk kam er mit seinem Begehren vor den richtigen Mann. Höflich, aber fest und bestimmt lehnte er es ab, dem Wunsch zu entsprechen, indem er sagte, lieber wolle er in den Tod gehen als das Beichtsiegel verletzen. Da ließ der König den aufrechten Mann auf die Folter spannen, die dem Gemarterten Arme und Beine aus den Gelenken riss. Und als Johannes von Nepomuk auch dann noch schwieg, versengte der königliche Unmensch selbst mit brennenden Pechfackeln den Leib des Martyrers, der sich vor Schmerzen krümmte, dabei aber nicht ein Wort preisgab von dem, worüber er das Geheimnis wahren musste. Schließlich ließ der rasende König den Heiligen, der trotz der grauenhaften Marter noch lebte, in der Nacht vom 20. auf den 21. März 1393 von der Brücke, die im Herzen Prags über die Moldau führt, ins Wasser werfen, in dem dann der heldenhafte Priester als ein Opfer des Beichtgeheimnisses einen glorreichen Tod fand.
Kaum war die Tat des Königs vollbracht, da umspielte ein glänzendes Wunder die Gestalt des Heiligen. Der Leichnam ging nicht unter, sondern schwamm, von Licht umflossen, an der Oberfläche des Wassers in der Mitte des Flusses. Die ganze Stadt lief trotz der nächtlichen Stunde zusammen, und während König Wenzel später in Schmach und Schande durch einen plötzlichen Tod dahingerafft wurde, blieb das Opfer des Heiligen unvergessen.
Viele Menschen tragen voll Stolz den Namen des Martyrers als Taufnamen. Auf ungezählten Brücken steht das Bild dessen, der um des Beichtsiegels willen von einer Brücke aus den Heldentod starb. Und als man dreihundert Jahre später sein Grab öffnete, fand man zwar den Leib in Staub zerfallen, aber die Zunge war und ist bis auf den heutigen Tag unverwest erhalten. So ehrt Gott den Martyrer des Beichtgeheimnisses.
Wie Johannes von Nepomuk werden in gleicher Lage alle Priester handeln, dass sie nämlich eher in den Tod gehen, als dass sie auch nur einen einzigen Buchstaben von dem preisgeben, was man ihnen in der Beichte gesagt hat.
Der heilige Märtyrer Johannes von Nepomuk
(Aus dem „Marianischen Festkalender“, Regensburg 1866)
Dieser Heilige wurde um das Jahr 1330 zu Nepomuk, einem böhmischen Städtchen zehn Meilen von Prag, geboren. Seine Eltern waren Bürgersleute und lebten lange Zeit ohne Leibeserben. Da wendeten sie sich an die liebreiche Gottesmutter und baten sie um ihre Fürsprache bei Gott, dass er ihre Ehe mit einem Kind segne. Ihr Gebet wurde erhört. Sie bekamen ein Kindlein, das sie Johannes nannten.
Aber der kleine Johannes war sehr schwächlich und wollte schon bald nach der Geburt wieder sterben. Die bekümmerten Eltern nahmen abermals ihre Zuflucht zu Maria, der gütigen Mutter. Sie trugen das Kund zu einem ihrer Gnadenbilder und flehten um seine Genesung. Auch diesmal wurde sie erhört. Das Kind erlangte durch Mariens Fürbitte die vollkommene Gesundheit. Johannes wuchs auf in Unschuld und Frömmigkeit, denn er war ein Pflegekind Mariens, die er schon im zarten Alter mit größter Andacht verehrte.
Da er große Geistesfähigkeiten besaß, studierte er und wurde Priester. Ausgezeichnet durch Wissenschaft und Frömmigkeit, wurde er zuerst Prediger in der Pfarrkirche zu Prag, dann Domherr und Prediger daselbst. Seine Beredsamkeit drang tief in die Herzen der Zuhörer und brachte bewunderungswürdige Früchte. Hohe und Niedere, Gelehrte und Ungelehrte, Sünder wie Fromme durchdrang sein Wort mit wunderbarer Gewalt, und augenscheinlich besserten sich die Sitten der Hauptstadt. Selbst König Wenzeslaus, dieser dickhäutige Sünder, wurde erschüttert und tat eine Zeit lang Buße. Johannes gewann so sehr seine Gunst, dass er ihm ein Bistum und eine Probstei anbot, was beides aber der Heilige, dem es weder um Ehren noch Reichtum zu tun war, ausschlug. Dagegen unterzog er sich mit Freuden dem Amt eines Almosenpflegers des königlichen Hauses, indem ihm dieses Amt Mittel bot, ein Vater der Armen und Kranken zu werden.
Wenzels Bekehrung war leider von keiner Dauer. Er fiel bald wieder in seine alten Laster zurück und frönte der Wollust und Trunkenheit mehr als je. Dabei entwickelte sich in seinem Charakter ein schaudererregender Hang zur Grausamkeit, er wurde der Schrecken seiner Umgebung. Niemand wagte, ihm zu widersprechen oder ihm die Wahrheit zu sagen, so sehr fürchteten alle seine Wildheit. Gerade das Gegenteil von ihr war die fromme und gottesfürchtige Königin Johanna, die den heiligen Johannes zum Beichtvater hatte. Sie kommunizierte alle acht Tage, betete stundenlang kniend in der Kirche, besuchte die Kranken und war so zarten Gewissens, dass sie wegen des geringsten Fehlers, den sie aus Versehen beging, sogleich im Beichtstuhl sich darüber anklagte. Alle Untertanen bewunderten ihre Andacht, ihre Geduld und ihre Wohltätigkeit. Nicht so der rohe Wenzel. Er konnte nicht begreifen, warum seine Gemahlin so oft beichtete. Es kam ihm der Gedanke, die Königin muss insgeheim eine große Sünderin sein und gleich ihm auf verbotenen Wegen gehen. Sein Argwohn brachte ihn so weit, dass er ihren Beichtvater Johannes aufforderte, ihm die Beicht seiner Gemahlin zu offenbaren. Da der Heilige eine solche, alles Recht verletzende Forderung mehrmals standhaft abwies, ergrimmte der König, und ließ ihn auf die Folter spannen und seinen Leib mit Fackeln brennen.
Johannes bestand diese Qual festen Sinnes. Maria, die heilige Jungfrau, ihren und ihres Sohnes Namen er anrief, stärkte ihn. Der Heilige, der auch längere Zeit im Kerker lag, aber dann wieder in Freiheit gesetzt wurde, ahnte wohl, dass er sein Leben bald durch den Martertod beschließen werde. Um sich für den letzten Kampf zu stärken, nahm er wieder seine Zuflucht zu Maria, der Königin der Märtyrer. Er machte eine Wallfahrt nach Bunzlau, wo ein berühmtes Marienbild war, und flehte voll Vertrauen zur göttlichen Mutter, dass sie ihm in dem bevorstehenden Tod beistehen möge. Sein Gebet wurde erhört. Als ihn abends bei seiner Rückkehr der König vom Fenster aus auf der Straße erblickte, rief er ihn vor sich und schrie ihm entgegen. „Höre, Pfaffe, du musst sterben, wofern du mir nicht sagst, was dir die Königin gebeichtet hat. Ich schwöre dir bei Gott, du musst Wasser saufen!“ Der Heilige würdigte ihn keines Wortes mehr, sondern schüttelte nur schweigend sein Haupt. Darüber wurde Wenzel noch rasender, und ließ ihn in ein Nebengemach schleppen, wo man ihn bis zur Nacht verwahrte.
Als es dunkel geworden war, führten ihn die Henker auf die Moldaubrücke, und warfen ihn, gebunden an Händen und Füßen, in den Strom. Dies geschah am 29. April 1383. Da Gott den Heiligen mit großen Wundern verherrlichte, setzte ihn Benedikt XIII. in die Zahl der Heiligen.
1. Die Schrift fasst alle erhabenen Vorzüge des glorreichen heiligen Patriarchen Joseph in die kurzen Worte zusammen: "Joseph, der gerecht war." Vorzugsweise war er der Gerechte, in dem alle Tugenden wie in ihrem Brennpunkt sich vereinigten. So himmlisch leuchtete der Glanz seiner Heiligkeit, dass der ewige Vater selbst seinen eingeborenen Sohn ihm zur Führung seiner Kindheit in der menschlichen Natur übergab. So lilienrein auch war seine Keuschheit, dass der Allerhöchste zum Beschützer der jungfräulichen Mutter seines Eingeborenen ihn erkor, die heiligsten Personen des Himmels und der Erde ihm unterordnete, und ihre Leitung in seine Hände legte, eine Würde, deren er den höchsten Seraph nicht würdig achtete.
2. So groß und erhaben aber dieser heilige Patriarch in den Augen Gottes war, so demütig war er in seinen eigenen. Von Gottes Licht im Innern erleuchtet, und verabgründet in die hochheiligen Geheimnisse der ewigen Weisheit, betrachtete er in Ehrfurcht die heiligste Familie, liebte sie in übernatürlicher Liebe, wachte über sie mit väterlicher Fürsorge, und diente ihr als getreuester Knecht. Im Schweiß seines Angesichtes arbeitete er, sie zu nähren und zu pflegen. Waren auch seine Arbeiten nur gewöhnliche Werke, so tat er sie dennoch mit so reiner Absicht und mit so großer Liebe, dass die geringste unter ihnen alle glänzenden Taten aller weltberühmten Weisen und Helden unendlich überwog.
3. Aber hoch über allen sterblichen Begriffen steht die zarte Liebe, die himmlische Innigkeit dieser drei heiligsten Personen. In wunderschöner Vertraulichkeit kamen sie dem heiligen Patriarchen zuvor. Zärtlich liebkoste das Kind Jesus seinen geliebtesten Pflegevater. Und wer wird es je erfassen, zu wie unermesslicher Liebe und Heiligkeit dieser große Heilige in dem so langjährigen Umgang mit Jesus und Maria gelangte. Wie vieles erbietet sich hier zur andächtigen Betrachtung. Zumal aber zeigte sich die zarteste Liebe und Dankbarkeit seiner jungfräulichen Braut und seines göttlichen Pflegesohnes beim Tod dieses geliebtesten Patriarchen, der in ihren Armen verschied. O unaussprechlicher Trost, o Seligkeit eines solchen Todes! Numeri 23,10b: "Oh, könnte ich den Tod der Gerechten sterben, und wäre mein Ende dem seinen gleich."