1. Kein Wesen in der ganzen Schöpfung ist schöner und edler als eine, nach Gottes Bild erschaffene Seele, die mit dem Licht des Glaubens, mit der Gnade des Heiligen Geistes, mit Tugenden und heiliger Liebe geschmückt ist. Ihr Anblick entzückt die himmlischen Geister, ja Gott selbst liebt sie und hält sie der ewigen Glorie würdig. Fällt aber eine solche Seele in eine schwere Sünde, dann erlischt dieser himmlische Glanz. Sie ist gleich einer Königstochter, die, mit den kostbarsten Gewändern und den edelsten Steinen geschmückt, in eine kotige Pfütze fällt, und deren Anblick dann Grausen erregt. "Sie waren reiner als Schnee, weißer als Milch, ihr Leib rosiger als Korallen, saphirblau ihre Adern. Schwärzer als Ruß sehen sie aus, man erkennt sie nicht auf den Straßen." (Klagelieder 4,7-8a)
2. Wem muss diese treffende Schilderung nicht Entsetzen vor der Sünde einflößen. Welches schwere Übel könnte je unserer Seele widerfahren, als dass sie Abscheu vor den Augen Gottes und des ganzen himmlischen Hofes errege? Darum auch wird in der Schrift die Sünde ein Gräuel genannt (Deuteronomium 13,15), und dem Aussatz verglichen, der den ganzen Menschen zerstört, und so hässlich entstellt, dass alle vor einem Aussätzigen die Flucht ergreifen. Notwendig auch hasst Gott diesen Gräuel, weil er die Seele entwürdigt, das Licht seiner Liebe und das übernatürliche Leben dieses edlen Geschöpfes auslöscht.
3. Eine Verfinsterung der Vernunft und ein Umsturz des ewigen Gesetzes ist die Sünde, weil sie der göttlichen Majestät niedrige Lüste und vergängliche Dinge vorzieht, und ihre Gnade dafür mit Füßen tritt. Dadurch aber wird sie ein finsteres Chaos, dessen Anblick die bösen Geister erfreut, die darüber jubeln, dass Gott verhöhnt, und sein Eingeborener gleichsam um eine kostbare Perle ärmer wird, die er mit seinem Blut erkaufte. Ein wahrer Abscheu ist eine solche Seele vor Gott. Und verließe sie in diesem Zustand ihren Körper, so fiele sie der ewigen Verdammnis ohne Rettung anheim. Hüten wir uns vor diesem Ungeheuer. Wären wir aber unglückseliger Weise gefallen, so eilen wir zu dem Bad, das unseres Gottes unendliche Barmherzigkeit zur Reinigung von diesem Aussatz uns bereitet hat. "Gott, sei mir Sünder gnädig!" (Lukas 18,13b)
O Mutter der Barmherzigkeit, reiche mir deine Hand, und hilf einem armen Gefallenen auf, der dich um Mitleid anfleht. O Maria, entweder musst du mir helfen, oder mir wenigstens jemanden nennen, der mir besser als du helfen könnte. Aber wo könnte ich wohl eine mitleidigere und mächtigere Fürsprecherin finden als dich, da du die Mutter Gottes selbst bist. Indem du die Mutter des Heilands wurdest, bist du in die Welt gekommen, um die Sünder zu retten, bist du mir zu meinem Heil geschenkt worden. O Maria, hilf dem, der zu dir seine Zuflucht nimmt. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
Als im Jahr 717 eine erstaunlich zahlreiche Türkische Flotte vor Konstantinopel lag, haben die verängstigten Einwohner mit großer Andacht das Holz des Heiligen Kreuzes und ein ehrwürdiges Bildnis der Mutter Gottes um die Stadt getragen. Dies hatte die Wirkung, dass die feindliche Flotte durch Hunger, Winde, Hagel und Ungewitter am heutigen Tag völlig zerstört und zugrunde gerichtet wurde, einzig drei Schiffe von den vielen ausgenommen.
An diesem Tag hat Papst Nikolaus V. im Jahr 1452 Ablässe auf verschiedene Festtage jenen zugestanden, die die berühmte Kapelle zu Maria Einsiedeln in der Schweiz besuchen würden. Diese Ablässe hat Papst Pius II. im Jahr 1463 bestätigt und vermehrt, und für allezeit erteilt.
Der heilige Turibius, der zweite Sohn eines Edelmannes von Mogrovejo, wurde geboren am 16. November 1538. Er zeigte von Kindheit an entschiedenen Geschmack für die Tugend und außerordentlichen Abscheu vor der Sünde. Als er eines Tages einer Frau begegnete, die über einen erlittenen Verlust von Zorn ganz außer sich war, redete er ihr auf die rührendste Weise über den Fehler, den sie beging, und gab ihr, um sie zu besänftigen, den Wert des verlorenen Gegenstandes. Er hatte eine zärtliche Liebe zur seligsten Jungfrau. Jeden Tag betete er ihre Tagzeiten neben dem Rosenkranz, und fastete jeden Samstag zu ihrer Ehre. Während er die öffentlichen Schulen besuchte, entzog er sich einen Teil seines wiewohl sehr spärlichen Essens, um damit die Notleidenden zu unterstützen. Er trieb die Strenge der Abtötung so weit, dass man seinen Eifer mäßigen musste. Seine höheren Studien begann er zu Valladolid, und beendigte sie zu Salamanka.
Der König Philipp II., der ihn früh schon kannte, schätzte ihn besonders, und belohnte sein Verdienst mit mehreren wichtigen Stellen, und ernannte ihn sogar zum Präsidenten von Granada. Der Heilige bekleidete dieses Amt fünf Jahre lang mit einer Unbescholtenheit, Klugheit und Tugendstärke, die ihm allgemeine Hochachtung erwarben. So bahnte ihm Gott den Weg zu seiner künftigen Erhöhung in der Kirche.
Der unglückliche Zustand, indem sich die Religion in Peru befand, erforderte einen Hirten, der wahrhaft vom Geist der Apostel beseelt sein musste. Und diesen Hirten hat die Gnade in der Person des Turibius sich gebildet. Als das Erzbistum Lima erledigt wurde, ernannte ihn der König Philipp zu diesem wichtigen Amt. Nie sah man vielleicht eine Wahl, die mit so allgemeinem Beifall aufgenommen wurde, denn man erkannte Turibius als den einzig tüchtigen Mann zur Abhilfe der Ärgernisse, die der Bekehrung der Heiden im Weg standen. Die Nachricht dieser Ernennung war für den Heiligen wie ein Donnerschlag: er warf sich vor dem Bild des Gekreuzigten nieder, und bat da, in Tränen zerfließend, Gott, er möchte nicht zugeben, dass man ihm eine so schwere Bürde auflade, unter der er unfehlbar erliegen müsse. Sogleich schrieb er an den königlichen Rat und stellte ihm mit den lebhaftesten Farben seine Untauglichkeit vor. Dann zog er die Kirchensatzungen an, die ausdrücklich verboten, einen Laien zur Bischofswürde zu erheben: allein man nahm keine Rücksicht auf sein Schreiben, und er musste seine Einwilligung geben. Indes blieb seine Demut nicht ohne Belohnung. Sie wurde für ihn die Quelle jener überschwänglichen Gnaden, deren Wirkungen sich später in seiner Amtsführung so segensreich bewährten.
Turibius wollte die vier niederen Weihen an vier verschiedenen Sonntagen empfangen, um die Verrichtungen derselben auch gehörig ausüben zu können. Hierauf empfing er die übrigen Weihen, und endlich wurde er zum Bischof konsekriert. Ohne Verzug schiffte er dann nach Peru ein und landete im Jahr 1581 unweit von Lima. Er war damals 43 Jahre alt. Die Diözese Lima erstreckt sich über 130 Stunden längs der Küsten, und umfasst, neben mehreren Städten, eine unzählige Menge Dörfer und Weiler, die auf der doppelten Gebirgskette der Anden, die die höchsten Berge des Erdbodens sein sollen, zerstreut sind. Einige Anführer der Europäer, die zuerst dieses Land erobert haben, hatten, von einer unbegrenzten Ehrsucht und einem unersättlichen Geiz hingerissen, alle Gefühle der Menschlichkeit abgelegt, und die Eingeborenen brutal und mitleidlos wie Tyrannen behandelt. Dieses erste Unheil löste sich bald in bürgerliche Kriege und innere Spaltungen auf, die wie Feuerflammen das ganze Land verheerten. Überall erblickte man nur Grausamkeiten und Treulosigkeiten, Verrätereien und Ausschweifungen. Umsonst wollte der spanische Hof diesem Übel Einhalt tun. Es hatte schon so tiefe Wurzeln geschlagen, dass es unheilbar schien.
Der heilige Erzbischof wurde bis auf die Tränen gerührt, als er so viele Unordnungen sah, und entschloss sich, alles zu wagen, um ihren Fortgang zu hemmen. Seine vollendete Klugheit, gepaart mit einem tätigen und kraftvollen Eifer, beseitigte alle Schwierigkeiten. Nach und nach gelang es ihm, die öffentlichen Ärgernisse auszurotten, und das Reich der Frömmigkeit auf die Trümmer des Lasters zu begründen. Unmittelbar nach seiner Ankunft unternahm er eine Reise durch seine weitschichtige Diözese, wobei er unbeschreibliche Strapazen und Gefahren bestehen musste. Man sah ihn steile Berge erklimmen, die mit Eis und Schnee bedeckt waren, um in die dürftigen Hütten der Indianer Worte des Trostes und des Lebens zu bringen. Oft reiste er zu Fuß, und weil die apostolischen Arbeiten nur insofern fruchten, als Gott ihnen das Gedeihen gibt, betete und fastete er ohne Unterlass, um die göttlichen Erbarmungen auf die seiner Sorge anvertrauten Seelen herabzuflehen. Überall setzte er gelehrte und eifrige Hirten hin, und verschaffte jenen sogar die Hilfe des Unterrichtes und der Sakramente, die die unzugänglichsten Felsen bewohnten. Überzeugt, dass die Handhabung der Kirchendisziplin auf die Sittlichkeit großen Einfluss hat, sah er sie als einen Hauptgegenstand seiner Vatersorge an. Er verordnete, dass künftig alle zwei Jahre Diözesanversammlungen und alle sieben Jahre Provinzialsynoden sollten gehalten werden. Gegen die von der Geistlichkeit ausgehenden Ärgernisse, besonders gegen jene des Geizes, war er unerbittlich. Sobald die Rechte Gottes und der Menschheit verletzt wurden, übernahm er ihre Verteidigung, ohne Rücksicht auf Personen. Er zeigte sich zugleich als die Geißel der öffentlichen Sünder und den Beschützer der Unterdrückten. Die Standhaftigkeit seines Eifers verursachte ihm einige Verfolgungen von Seiten der peruanischen Statthalter, die vor der Ankunft des tugendhaften Vizekönigs Franz von Toledo sich nicht scheuten, ihren Leidenschaften und persönlichen Vorteilen alles aufzuopfern. Er setzte ihnen nichts entgegen als Sanftmut und Geduld, ohne jedoch der Heiligkeit der christlichen Gebote im Geringsten etwas zu vergeben, und da einige schlechte Christen dem Gesetz Gottes eine dem verkehrten Hang der Natur schmeichelnde Deutung gaben, stellte er ihnen nach Tertullian vor, dass Jesus Christus sich die Wahrheit und nicht die Gewohnheit nennt, und dass vor seinem Richterstuhl unsere Handlungen nicht in der falschen Waagschale der Welt, sondern in jener des Heiligtums abgewogen werden. Durch ein solches Verfahren musste es dem heiligen Erzbischof gelingen, die am tiefsten eingewurzelten Missbräuche auszurotten: auch sah man sie beinahe alle verschwinden. Die Grundsätze des Evangeliums gewannen die Oberhand, und bald übte man sie mit einem der ersten Jahrhunderte des Christentums würdigen Eifer aus.
(Die Indianer waren durch die sogenannten Eroberer in verschiedene Ausschweifungen versunken. Sie ergaben sich besonders mit Leidenschaft den spanischen Weinen. Für ein kleines Maß gaben sie all ihr Gold den Verbrechern her und ihre Trunkenheit nahm dann erst ein Ende, wenn sie nichts mehr zu trinken hatten: allein so schlimm auch die Unordnungen dieser Völker waren, so machten sich doch die Europäer an ihnen strafbar, dass sie die Ureinwohner mit der äußersten Härte und Grausamkeit behandelten. Sie gingen in ihrer Habsucht soweit, dass sie, um sie zu befriedigen, alle Gefühle der Religion und Menschlichkeit ablegten. Umsonst widersetzten sich die Glaubensboten diesem Ärgernis, das ihre Landsleute gaben, sie fanden kein Gehör. Die Dominikanerväter wandten sich mehr als einmal an den spanischen Hof, um die Abstellung eines Übels zu erwirken, das dem Fortgang des Evangeliums so sehr im Wege stand, und die geheiligsten Rechte der Menschheit angriff. Endlich erklärte Ferdinand, der König von Kastilien, die Indianer als freie Leute, und verbot den Spaniern, sie ferner als Lastträger zu gebrauchen, und sich zu ihrer Züchtigung der Stöcke und Peitschen zu bedienen. Kaiser Karl V. gab strenge Befehle, um alle Misshandlungen zu verhindern, und machte zu ihren Gunsten manche weisen Verfügungen: allein man befolgte sie nicht. Die Befehlshaber, die sich als Eroberer von Mexiko und Peru ansahen, wollten keinen Widerspruch dulden.
Bartholomäus de las Casas, Dominikaner und Bischof von Chiapa, in Neuspanien, unternahm vier Reisen an den Hof von Kastilien, wo er die Rechte der Indianer verfocht. Er erhielt vom König ausführliche Befehlsschreiben, und wurde zum allgemeinen Beschützer der Indianer in Amerika erklärt: allein es wurde mehr erfordert, als das, um bewaffnete Menschen zur Unterwürfigkeit zu bringen. De las Casas, der an einer Änderung der Dinge zuletzt verzweifelte, legte sein Bistum in die Hände des Papstes 1551 nieder, und kehrte zurück nach Valladolit in sein Kloster. In seiner Abgeschiedenheit verfasste er zwei Bücher, das eine über die Vertilgung der Indianer durch die Spanier, das andere über die Tyrannei der Spanier in Indien, die er dem König Philipp II. zueignete. Auch die Befehlshaber von Peru fanden ihre Verteidiger, aber zum Unglück für sie geschah es nur durch Umwerfung aller Grundsätze des Natur- und Völkerrechtes. Der Erzbischof von Sevilla und die Universitäten von Salamanka und Alcala verboten den Druck des Werkes dieser Apologeten.
Die zwei Bücher von las Casas wurden ins Französische übersetzt, und die Niederländer, die gerade gegen die Spanier die Waffen ergriffen hatten, lasen sie mit Heißhunger. Sie deuteten im Allgemeinen auf die Spanier, was doch nur von den Befehlshabern in Peru gesagt war, und nahmen daher Anlass, in ihrem Aufruhr hartnäckig zu verharren: dies war aber ein sehr unrichtiger Schluss. Eine Nation ist für die Verbrechen einiger Einzelnen nicht verantwortlich. Das Land, aus dem einige Ungeheuer hervorgegangen sind, hatte eine große Anzahl heiliger Missionare gezeugt, die von wahrhaft apostolischem Eifer beseelt, und unermüdliche Verteidiger der Indianer gewesen sind. Der große Beweis des las Casas fußte auf dem Grundsatz, dass ein erobertes Volk ohne Ungerechtigkeit nicht als Sklaven behandelt werden dürfe. Der königliche Rat und die Gottesgelehrten nahmen diesen Grundsatz an, in Betreff der Indianer, die nicht bewaffneter Hand besiegt wurden.)
Turibius stiftete, zur Erweiterung und Fortsetzung des begonnenen Werkes, Seminarien, Kirchen und Spitäler, ohne dass er jedoch die Einrückung seines Namens in die Stiftsurkunde gestattete. Während er in Lima war, besuchte er täglich die armen Kranken in den Spitälern, tröstete sie mit väterlicher Liebe und spendete selbst ihnen die heiligen Sakramente. Als die Pest in einen Teil seiner Diözese einriss, beraubte er sich der notwendigsten Bedürfnisse, um der Not der Unglücklichen zu steuern. Er empfahl die Buße als das einzige Mittel, den Zorn des Himmels zu besänftigen. Er wohnte bitterlich weinend den Bittgängen bei, und die Augen auf den gekreuzigten Heiland gerichtet, brachte er sich Gott als Opfer dar für die Erhaltung seiner Herde. Mit diesen Religionsübungen verband er das Gebet, die Nachtwachen und außergewöhnliches Fasten, wovon er so lange nicht abließ, als die Pest ihre Verheerungen fortsetzte.
Er trotzte den größten Gefahren, wenn es darauf ankam, einer Seele den geringsten geistlichen Vorteil zu verschaffen. Selbst sein Leben hätte er für die ihm anvertraute Herde hingegeben, und immer war er bereit, alles zu erdulden aus Liebe zu demjenigen, der durch Vergießung seines Blutes die Menschen erlöst hat. Als er erfuhr, dass sie armen Indianer auf den Gebirgen und in den Einöden umherirrten, regten sich in ihm alle Gefühle des guten Hirten, und er machte sich eilends auf, diese verlorenen Schafe aufzusuchen. Die Hoffnung, sie in den Schafstall zurückzuführen, hielt ihn stets aufrecht in Mitten der Mühseligkeiten und Gefahren, die er ausstehen musste. Man sah ihn die grauenvollsten Wüsteneien, die von Löwen und Tigern bewohnt waren, furchtlos durchwandern. Drei Mal bereiste er seine Diözese. Die erste Reise dauerte 7 Jahre, die zweite 5 und die dritte etwas weniger. Die Bekehrung einer unzähligen Menge Heiden war die Frucht davon. Unterwegs betete er oder unterhielt sich von geistlichen Dingen. Wenn er an einem Ort ankam, war seine erste Sorge, die Kirche zu besuchen, um da an den Fuß der Altäre sein Herz auszuschütten. Der Unterricht der Armen hielt ihn oft zwei bis drei Tage an einem Ort zurück, obgleich ihm dort öfters aller nötige Lebensbedarf abging. Die abgelegensten Gegenden wurden durch seine Gegenwart erfreut. Umsonst stellte man ihm die Gefahren vor, denen er sein Leben aussetzte. Er antwortete jedes Mal, dass, da Jesus Christus für das Heil der Menschen vom Himmel herabgestiegen, ein Hirte bereit sein solle, für dessen Ehre alles zu leiden. Er hielt mit unermüdlichen Eifer Predigten und katechetische Unterrichte. Und um diesem wichtigen Amt mit reichlicherem Gewinn obzuliegen, hatte er noch in einem schon ziemlich hohen Alter die verschiedenen Sprachen der Peruaner gelernt. Er las jeden Tag die Heilige Messe mit größter Andacht, indem er vor und nach dieser hehren Handlung eine geistliche Betrachtung anstellte. Er beichtete gewöhnlich alle Morgen, um sich desto vollkommener von den geringsten Flecken zu reinigen. Die Ehre Gottes war das letzte Ziel und Ende aller seiner Worte und Werke, weshalb sein Leben als ein beständiges Gebet kann betrachtet werden. Dessen ungeachtet hatte er noch bestimmte Stunden zum Gebet, wo er sich zurückzog, und sich einsam mit Gott über seine und seiner Herde Bedürfnisse besprach. In diesen Augenblicken strahlte ein gewisser Schimmer aus seinem Antlitz. Bei diesem erhabenen Wirken stand seine Demut seinen anderen Tugenden nicht im mindesten nach: daher jene äußerste Sorgfalt, seine Abtötungen, und übrigen guten Werken vor den Augen der Menschen zu verbergen. Seine Liebe zu den Armen war ohne Grenzen, und seine Freigebigkeit umfasste sie alle ohne Unterschied. Doch nahm er sich ganz besonders um die sogenannten verschämten oder Hausarmen an.
Unserem Heiligen gebührt der Ruhm, der Kirche von Peru eine ganz neue Gestalt gegeben zu haben. Und wenn er nicht ihr erster Apostel gewesen ist, so war er doch zum wenigsten der Wiederhersteller der Gottseligkeit, die beinahe gänzlich darin erloschen war. Die von den Provinzialsynoden abgefassten Beschlüsse werden ein ewiges Denkmal seines Eifers, seiner Frömmigkeit, seiner Gelehrsamkeit und seiner Klugheit sein. Man betrachtete sie als göttliche Aussprüche nicht nur in der neuen Welt, sondern auch in Europa, ja selbst in Rom.
Nach so viel Arbeiten erkrankte Turibius schließlich zu Santa, einer Stadt, die 110 Stunden von Lima entfernt ist, wo er damals auf einer Visitationsreise begriffen war. Er sagte seinen Tod voraus, und versprach jenem eine Belohnung, der ihm zuerst ankündigen würde, dass die Ärzte an seinem Aufkommen verzweifeln. Was zu seinem Gebrauch diente, gab er seiner Dienerschaft, das Übrige wurde den Armen vermacht. Er ließ sich zum Empfang der letzten Wegzehrung in die Kirche tragen. Die letzte Ölung aber musste er auf seinem Sterbelager empfangen. Beständig wiederholte er diese Worte des heiligen Paulus: „Ich wünsche aufgelöst und mit Christus zu sein.“ In seinen letzten Augenblicken ließ er von den Umstehenden diese anderen Worte absingen: Ich habe mich darüber erfreut, als mir gesagt wurde, wir werden eingehen in des Herrn Haus. Er starb am 23. März 1606, indem er mit dem Propheten ausrief: Herr, in deine Hände empfehle ich meinen Geist. Im nachfolgenden Jahr brachte man seinen Leib nach Lima, und er wurde noch ohne alle Verwesung befunden. Der Verfasser seines Lebens und die Akten seiner Heiligsprechung melden, dass er während seines Lebens einen Toten auferweckt und mehrere Kranke geheilt habe. Nach seinem Tod geschahen mehrere Wunder durch die Kraft seiner Fürsprache. Turibius wurde 1679 durch Papst Innozenz XI. seliggesprochen, und heilig im Jahr 1726 durch Papst Benedikt XIII.
Die geistlichen Amtsverrichtungen haben nur dann Wert und sind Gott gefällig, wenn sie belebt sind vom Geist der Frömmigkeit, der Zerknirschung, der Demut, des Eifers und der Liebe. Woraus erhellt, dass wer zur Leitung der Seelen berufen ist, sich vor allem durch die Übungen des inneren Lebens dazu vorbereiten müsse. Und steht er einmal auf dem Leuchter der Kirche, dann wird er den Willen Gottes erfüllen durch gänzliche Hingabe aller seiner Kräfte für das Heil des Nächsten. Allein er muss noch immer einige Augenblicke ersparen, um über sich selbst nachzudenken, und die unvermerkliche Erschöpfung der Seele wieder zu ersetzen. Vernachlässigt er diese Übung, so wird er das Reich Jesu Christi wenig oder gar nicht befördern, und stürzt sich in augenscheinliche Gefahr, das ewige Leben zu verlieren. Darum ermahnte der heilige Bernhard so nachdrücklich Papst Eugen III., der sein Jünger war, sich dem Nächsten nicht so ganz hinzugeben, dass er nicht auch für sich leben und den Geist der Andacht in seiner eigenen Seele aufflammen könne, während er ihn anderen einzuflößen sich bestrebe. Vergiss nie dich selbst, sagte er ihm. Werde jenen Wasserbehältern gleich, die von ihrer Fülle geben, und nicht jenen Kanälen, die da nichts zurückbehalten.
1. Betrachte dies glorreiche Geheimnis, worin der Sohn Gottes, seine geliebten Jünger vor dem Ärgernis seines Kreuzes zu bewahren, ihnen eine Probe der himmlischen Glorie zeigt. Auf einen hohen Berg führt er sie, denn erheben muss sich über die niedrigen Dinge dieser Welt, wer die göttlichen Geheimnisse schauen will. Dort also glänzt er vor ihren Augen im sonnigen Licht seiner Gottheit. Dort erscheinen in großer Herrlichkeit Mose und Elia, das Gesetz und die Propheten. Dort auch zeigt der ewige Vater ihn als den vielgeliebten Sohn seines göttlichen Wohlgefallens, und spricht zu ihnen und zu uns allen: "Auf ihn sollt ihr hören!"
2. O selige Entzückung heiliger Seelen, wenn das Licht Gottes ihnen leuchtet, und den Vorgeschmack der himmlischen Seligkeit ihnen erteilt. "Gut ist es hier zu sein!" ruft Petrus aus, von dieser so großen Glorie wonnetrunken. Wie auch wäre es nicht gut, nicht selig, ewig in dieser Glorie zu sein, aus der ihnen hier nur ein Labetrunk gereicht wird. Doch, ach, hier ist kein Ort, Hütten zu bauen, denn keine bleibende Stätte haben wir hier, und nicht dauernd sind diese lieblichen Heimsuchungen der Gnade. Denn sieh plötzlich überschattet sie eine Wolke, und von heiligem Schrecken durchdrungen, fallen sie wie ohnmächtig nieder. O menschliche Schwäche! Kaum weicht der göttliche Trost, kaum naht die dunkle Wolke der Prüfung, dann beginnen wir zu zagen, und allen Mut zu verlieren.
3. Niemals jedoch verlässt Jesus seine Getreuen. Liebevoll tritt er hinzu und spricht: "Steht auf! Fürchtet euch nicht!" Seine Gnade erhebt und kräftigt sie aufs neue, damit sie in ihren Trübsalen nicht verzagen. So erholten auch die Apostel sich von ihrem Schrecken, und "da sie die Augen erhoben, sahen sie niemand, außer Jesus allein". Dies ist die wunderbare Wirkung außerordentlicher Gnaden in heiligen Seelen. Nichts anderes sehen sie mehr als Gott allein. Alles übrige verleidet ihnen, die Welt und ihre vergänglichen Güter und Lüste ekeln sie an. Sie rufen mit dem Propheten: "Was habe ich im Himmel außer dir? Neben dir erfreut mich nichts auf der Erde." (Psalm 73,25)
Mächtige Mutter Gottes, ich erkenne, dass ich es durch meinen jahrelangen Undank gegen Gott und gegen dich verdiente, dass du aufhörtest, Sorge für mich zu tragen. Ja, ich Undankbarer verdiene keine Wohltaten mehr. Allein, meine Königin, ich habe einen zu hohen Begriff von deiner Güte, denn ich glaube, dass sie weit größer ist als meine Undankbarkeit. Fahre also fort, o Zuflucht der Sünder, und unterlasse nicht, einem elenden Sünder beizustehen, der auf dich sein Vertrauen setzt. Amen.
Zu Jesus Christus
Herr Jesus, Du bist mein Leben, Du bist meine Stärke. An Dich glaube ich, auf Dich setze ich mein ganzes Vertrauen. Lass mich vor den Feinden Deines heiligen Namens nicht zu Schanden werden, der Du lebst und herrschst mit Gott dem Vater in der Einheit des Heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
Am heutigen Tag hat sich im Jahr 1609 in dem jungfräulichen Kloster der heiligen Maria zu Soissons ein augenscheinliches vom Bischof daselbst nach gerichtlicher Untersuchung gutgeheißenes Wunder zugetragen mit der geistlichen Jungfrau Maria de Hericourt, die wegen Krankheit und unglücklicher Kur den Gebrauch des rechten ganz eingezogenen und ausgedorrten Fußes verloren, nach einiger Zeit aber plötzlich auf ein eifriges Gebet und Versprechen zu Gott, ihr durch die Fürbitte der seligsten Jungfrau, zu deren Verkündigungsfest die Kirche des Klosters bereitet wurde, die vorherige Gesundheit zu erteilen, sie wieder erhalten hat.
Basilius war Priester an der Kirche von Ankyra, dem Metropolitansitz von Galatien, zu der Zeit, als er mit dem heiligen Marcellus besetzt war, den der Kaiser Konstantius im Jahr 336, wegen seiner Anhänglichkeit an den Nizäischen Glauben, in die Verbannung schickte. Er führte einen heiligen und tadellosen Wandel, und bewährte sich als treuer Jünger der großen Männer, die ihn zur Übung der christlichen Tugenden herangebildet haben. Sein beharrlicher Eifer, das Wort Gottes vorzutragen, brachte unter den Gläubigen von Ankyra die herrlichsten Früchte hervor. Als ein Arianer, der ebenfalls Basilius hieß, einst in dieser Stadt auftreten wollte, erhob der Heilige seine Stimme mit der Kraft und Unerschrockenheit eines Propheten: er rief dem Volk unaufhörlich zu, die ihm gelegten Fallstricke zu vermeiden, und der katholischen Lehre unverbrüchlich getreu zu bleiben. Die Arianer, die ihn als den gefährlichsten Feind ihrer Sekte ansahen, verboten ihm im Jahr 360, Versammlungen zu halten. Allein er nahm keine Rücksicht auf dieses ungerechte Verbot, und fuhr immer fort, sogar in Gegenwart des Kaisers Konstantius, den Irrtum zu bekämpfen.
Während Julian, der Abtrünnige, den Götzendienst auf den Trümmern des Christentums wieder aufzurichten bemüht war, lieb Basilius durch die ganze Stadt, um die Gläubigen zur Verteidigung der Sache Gottes aufzufordern und sie zu ermuntern, sich durch die gräulichen Gebräuche der Heiden nicht zu beflecken. Aufgebracht über seine heilige Kühnheit stürzten die Götzendiener über ihn her, führten ihn vor den Prokonsul Saturninus, und beschuldigten ihn, er habe ihre Altäre umgestürzt, das Volk vom Götterdienst abgehalten, und gegen den Kaiser und seine Religion ehrenrührige und unanständige Reden geführt. Saturnin befragte ihn, ob er die von dem Fürsten eingeführte Religion nicht als wahr erkenne, worauf ihm der Heilige antwortete: „Erkennst du sie selbst als solche? Denn wie kann wohl ein vernünftiger Mensch sich überreden, dass stumme Klötze Götter seien?“ Der Prokonsul, durch diese Antwort ergrimmt, ließ ihn auf die Folterbank legen, und sagte ihm unter den Peinen: „Erkennst du aus der Strafe, die der Kaiser über die Widerspenstigen verhängt, wie weit seine Gewalt geht? Die Erfahrung wird es dich lehren. Gehorche dem Fürsten, opfere den Göttern.“ Als der Märtyrer auf seiner Beteuerung bestand, dass er nimmerhin opfern würde, schickte ihn der Prokonsul in das Gefängnis, und berichtete den ganzen Hergang dem Kaiser.
Julian billigte das Verfahren des Prokonsuls, und ließ sogleich Elpidius und Pegasus abgehen, um an dem Ort selbst von der Sache Kunde einzuholen. Diese beiden Abgeordneten waren Apostaten. Als sie durch Nikomedien kamen, nahmen sie Asklepius, der ein Priester Aeskulaps und ohnehin ein sehr verworfener Mensch war, mit sich und langten zu dritt in Ankyra ein.
Indes lobte Basilius in seinem Kerker ohne Unterlass den Herrn. Pegasus begab sich dahin, in der Hoffnung, ihn durch Versprechungen zu gewinnen. Allein er kam bald wieder zum Prokonsul zurück, ganz beschämt, dass er Vorwürfe über seinen Abfall hatte hören müssen. Als die Abgeordneten verlangten, man solle den Heiligen ihnen vorführen, ließ ihn Saturnin abholen. Sobald er angekommen war, legte man ihn neuerdings auf die Folter, peinigte ihn noch weit grausamer, als das erste Mal, ließ ihn dann mit Ketten beladen in das Gefängnis zurückführen.
Während jener Zeit verließ Julian Konstantinopel, um sich nach Antiochien zu begeben, in der Absicht, für den Krieg gegen die Perser Vorkehrungen zu treffen. Von Chalcedon richtete er seine Reise nach Pessinonta, auch Pessinuntus genannt, einer Stadt in Galatien, um der Göttin Cybele, die daselbst einen berühmten Tempel hatte, zu opfern, wo er auch einen Christen enthaupten ließ, der seiner Religion abzuschwören sich geweigert hatte. Als er in Ankyra ankam, führte man ihm Basilius vor. Er hatte ihn nicht sobald erblickt, als er ihm mit geheucheltem Mitleid sagte: „Basilius, ich kenne ein wenig eure Geheimnisse: nun aber kann ich dich versichern, dass derjenige, auf den ihr euer Vertrauen setzt unter dem Landpfleger Pilatus gestorben ist und nicht mehr unter die Lebendigen gehört.“ – „Nicht ich bin im Irrwahn,“ entgegnete Basilius, „wohl aber du, mein Gebieter, der du Jesus Christus meineidig geworden bist, selbst zur Zeit, als er dir das Reich gab. Allein ich erkläre dir, dass er dir bald dasselbe mitsamt deinem Leben wieder nehmen wird. Er wird deinen Thron umstürzen, wie du seine Altäre zertrümmert hast. Und weil du jenes heilige Gesetz, das du dem Volk so oft verkündigtest (Julian hatte in der Kirche das Amt eines Lektors ausgeübt), verletzt und mit Füßen getreten hast, so wird auch dein Leib mit Füßen getreten werden und unbeerdigt bleiben.“ – „Ich wollte dich retten,“ erwiderte Julian, „weil du aber meinen Rat verschmähst, und sogar mich zu verunglimpfen dich erfrechst, so werde ich mit dir verfahren, wie es dir gebührt: daher befehle ich, dass man jeden Tag sieben Stücklein von deiner Haut abschneide, bis nichts mehr übrig bleibt.“ Die Vollstreckung dieses Befehls übertrug er zugleich dem Comes Frumentin, dem Obersten seiner Leibwache.
Nachdem Basilius die ersten Einschnitte mit bewunderungswürdiger Geduld ausgestanden hatte, verlangte er mit dem Kaiser zu sprechen. Frumentin meinend, er würde sich nun ergeben und opfern, ging selbst zum Kaiser und machte ihm des Heiligen Begehren kund. Julian befahl ihn in den Tempel des Aesculap, wo er in ihn drang, er möchte mit den Übrigen opfern: Basilius aber erwiderte, er werde nie stumme und blinde Götzen anbeten, und nahm zugleich ein Stück von der Haut, das man ihm an demselben Tag ausgeschnitten hat, und warf es dem Kaiser ins Angesicht. (Diese Handlung ist zwar befremdend: allein Gott, der durch seine Märtyrer redet, handelt auch durch sie. Es steht uns nicht zu, ihn über diese Tat vor unseren Richterstuhl zu ziehen. Dieses ist die Auflösung der Schwierigkeiten, die man je zuweilen bei den Taten der Blutzeugen finden mag.) Julian geriet in schreckliche Wut. Und Frumentin, befürchtend, man möchte ihn wegen der Unbild, die seinem Herrn zugefügt worden war, verantwortlich machen, nahm sich vor, an dem Heiligen furchtbare Rache zu nehmen, bestieg daher seinen Richterstuhl und befahl, die Peinigungen zu verdoppeln. Diesem zufolge schnitt man so tief in seinen Leib, dass man die Eingeweide sehen konnte. Die Zuschauer, von Mitleid gerührt, konnten sich der Tränen nicht erwehren. Basilius hingegen betete die ganze Zeit hindurch, und es entschlüpfte ihm nicht ein einziger Seufzer. Als der Abend angebrochen war, schleppte man ihn wieder in den Kerker zurück.
Des anderen Tages reiste Julian nach Antiochien ab, ohne dass er Frumentin sehen wollte. Der Comes, der die Ungnade befürchtete, entschloss sich, die äußersten Mittel anzuwenden, um den Märtyrer zu gewinnen, oder wenigstens um seine Wut zu sättigen. Es war ihm aber unmöglich, die Standhaftigkeit des Heiligen zu erschüttern. „Du weißt,“ sagte ihm Basilius, „wie viele Stücke Fleisch von meinem Leib abgeschnitten wurden: betrachte meine Schultern und meine Seiten, und sage mir, ob du auch nur eine Spur daran vermerkst. Wisse, dass Jesus mich in dieser Nacht geheilt hat. Du kannst es Julian, deinem Herrn, melden, auf dass er lerne, wie groß der Gott ist, den er verlassen hat. Er hat die Altäre zertrümmert, unter denen er sein Leben gerettet hat, als Konstantius ihm nachstrebte. Allein Gott hat mir geoffenbart, die Tyrannei werde bald mit dem Tyrannen selbst ein Ende nehmen.“ Frumentin, vor Raserei seiner nicht mehr mächtig, ließ ihn auf den Bauch legen, und mit glühendem Eisen seinen Rücken durchstechen. Unter diesen grausamen Qualen verschied der Heilige am 29. Juni 362. Die Griechen und Lateiner verehren ihn am 22. März.
Die Liebe, die im Herzen der Märtyrer obsiegte, bewirkte, dass sie alles, was sie für den Namen Jesu litten, für nichts ansahen. Sie dachten oft an die Worte des Hohenliedes: „Wenn der Mensch alles, was er hat, wird hergegeben haben, so wird er solches doch für nichts achten.“ Kap. VIII. Vers 7. Wenn Gott von dem ihn liebenden Menschen das Opfer seiner Güter, seiner Freunde, seiner Verwandten, sogar seines Lebens forderte, so würde er es mit Freuden darbringen, und mit dem königlichen Propheten ausrufen: Was sollte ich verlangen im Himmel und auf Erden, als dich, o mein Gott! Du mein Erbteil in Ewigkeit. Ist er ohne Trost, schmachtet seine Seele in Betrübnis und Dürre, so freut er sich seines Kreuzes, wenn sie nur innigst mit Gott vereinigt ist. O mein Gott und mein Alles, sagt er alsdann, ich besitze alles, wenn ich dich besitze! Wenn du mir deine Liebe schenkst, so muss ich reich und unendlich glücklich sein. Dies ist seine Sprache in allen seinen Prüfungen. Ja, er geht noch weiter: er liebt seine Prüfungen, weil sie ihm Gelegenheit verschaffen, sich fester an Gott anzuschließen, und ihm unzweideutige Beweise seiner Treue und Unterwürfigkeit zu geben. Wenn die göttliche Liebe solche Wirkungen hervorbringt in den Herzen, wo sie herrscht, was soll man von so vielen Christen halten, die nichts leiden wollen, die schon bloß vor dem Namen des Kreuzes erschrecken, die jeden Zwang vermeiden, und über die geringste Unterwerfung, die sie der Vorschrift leisten sollen, zürnen? Noch einmal, können solche Christen vorgeben, dass sie Gott lieben? Wie würde es ihnen dann erst zu Mute sein, wenn sie, gleich den Märtyrern, den Glauben, den sie bekennen, mit ihrem Blut besiegeln sollten?
Durch ihn vollbringt der Mensch die höchsten Werke,
Auf dass die Welt den Finger Gottes merke.
1. Zu allen Zeiten, wenn die Missetaten überhand nahmen und der Glaube zu wanken drohte, erweckt Gott heilige Menschen, die durch das Feuer ihres Eifers dem Strom des Verderbens einen Damm setzten. Gewöhnlich beruft er diese Herolde, gleich dem heiligen Täufer Johannes, früher in die Einöde, dort zu ihrem Herzen zu sprechen, und es gleich einer heiligen Lampe mit dem Öl seiner Liebe und aller Tugenden zu erfüllen. Ein solches Licht im Herrn war Benedikt, der dem herrschenden Sittenverderbnis entfloh, und Gott unter Fasten und Gebet in einer schauderhaften Wildnis diente. Auch wir können nur in der Entfernung von der Welt, und durch Abtötung und Gebet zu den Gnaden Gottes uns vorbereiten.
2. Gott, der den jungen Benedikt zum Feldherrn eines großen Heeres heiliger Streiter bestimmt hatte, ließ es zu, dass er durch viele und heftige Versuchungen geprüft würde. Zumal wurde er so furchtbar gegen die Keuschheit angefochten, dass er sich nackt auf Dornen wälzte, das Feuer der Begierlichkeit durch das Blut seines verwundeten Körpers zu löschen. Bald zog der Ruf seiner Heiligkeit viele an, unter seine Leitung sich zu begeben. Sogar viele Klöster verlangten ihn zum Vorgesetzten. Da jedoch die Ordenszucht verfallen war, und sie keiner Regel sich fügen wollten, stellten sie ihm nach dem Leben. Auch erweckte der Feind des Heils ihm viele andere schwere Verfolgungen, die Früchte des Guten, die er vorhersah, im Keim zu ersticken. Also führt Gott alle seine wahren Diener durch schwere Trübsale zum Ziel.
3. Nachdem aber das Samenkorn auf diese Weise erstorben war, brachte es viele Frucht. Es ging daraus einer der größten und heiligsten kirchlichen Orden hervor, durch die Heiligkeit und Wissenschaften wundersam gefördert wurden. Der Orden gebar zahllose Heilige, und zählte viele Päpste und Kardinäle, Kaiser und Könige und andere Personen aus königlichen und fürstlichen Häusern als Mitglieder. Willst du vieles für Gottes Ehre tun, so leide vieles für ihn, und kämpfe tapfer gegen die Versuchungen. Jakobus 1,12: "Glücklich der Mann, der in der Versuchung standhält. Denn wenn er sich bewährt, wird er den Kranz des Lebens erhalten, der denen verheißen ist, die Gott lieben."
Seligste Jungfrau und Mutter Gottes Maria. Ich werfe mich nieder vor dir und bekenne mich in Wahrheit als höchst elenden Sünder. Erlange mir doch von deinem Sohn die Gnade, dass ich das große Unheil, das ich durch meine Sünden angerichtet habe, wahrhaft erkenne, dass ein mächtiger Schmerz in meinem Herzen rege werde, damit ich meine Sünden aufrichtig bereue und mehr als alles Übel auf der Welt verabscheue. Amen.
Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Benedikt
O Gott, der Du den heiligen Benedikt für sein stilles, aber beispielreiches Leben mit der ewigen Herrlichkeit im Himmel belohnt hast, verleihe uns auf seine Fürbitte, dass wir das Irdische verachten, in der Stille unserem Beruf nachgehen, und einst den ewigen Lohn dafür im Himmel erlangen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
In Italien wurde am heutigen Tag im Jahr 1319 der Orden der Olivetaner von Bernhard von Siena gestiftet. Da er beinahe erblindet war, gelobte er der seligsten Jungfrau, die Welt zu verlassen, wenn sie ihm von Jesus Christus das Augenlicht erhalten würde. Als er diese Gnade wirklich erhalten hatte, begab er sich auf den Berg Olivet, und hat dort mit zwei ihm folgenden Genossen ein frommes und strenges Leben angefangen. Es gesellte sich bald eine große Menge Jünger zu ihnen, so dass sie im Jahr 1319 am 21. März einen weißen Habit auf Befehl des Papstes Johannes XI. anlegten, und die Regel des heiligen Benedikt annahmen. Ihre Versammlung, die von der heiligen Maria des Berges Olivet benannt worden ist, wurde von Papst Gregor XI. bestätigt. Sie hatten bis vor ungefähr 100 Jahren noch über 70 Abteien in Italien, folgten einer milderen Regel, und wurden von einem Obern unter dem Namen eines Abts regiert. Ihr General wohnte auf dem Berg Olivet.
Der heilige Benedikt wurde im Jahr 480 in Nursia geboren, in einem kleinen Städtchen in der Nähe von Rom. Weil die Eltern es sich leisten konnten, schickten sie den Sohn nach Rom, wo er an den hohen Schulen studieren sollte, damit er ein berühmter Mann werde. Berühmt ist er dann auch geworden, sogar einer der berühmtesten Männer, die es gegeben hat, aber seine Berühmtheit war von anderer Art, als die Eltern es sich träumten.
Gleich von Anfang an gefiel es Benedikt nicht in Rom. Er konnte sich im weichen und gedankenlosen Wohlleben der leichtsinnigen Großstadt nicht zurechtfinden. Albern und läppisch kamen ihm die Mitschüler vor, er jedenfalls war aus härterem Holz geschnitzt. Schnell auch durchschaute der kluge Bauernsohn aus den Bergen das Leben und Treiben in der verlotterten Römerstadt. Alles schien ihm hohl und leer zu sein. Da erfasste ihn der Ekel, er brach das Studium ab, verzichtete darauf, ein berühmter Mann im Sinn der Welt zu werden und zog von den Büchern weg in die Einöde, um in strenger Einsamkeit und weltferner Abgeschiedenheit betend sein Leben einzig Gott zu weihen.
Die nächsten drei Jahre lebte Benedikt verborgen in einer unzugänglichen Felsenhöhle. Niemand kannte seinen Aufenthaltsort außer einem Einsiedler, der ihm die Reste der eigenen kärglichen Mahlzeit an einem Seil hinabließ. Für die Welt war Benedikt spurlos untergegangen, in ihm selbst aber wurde in jenen begnadeten Jahren der Heilige geboren. Nicht ohne Kampf geschah es, denn kein Mensch bleibt von Versuchungen verschont, auch der heiligste nicht. Heilig wird man nur dadurch, dass man die Versuchungen überwindet. Und weil Sankt Benedikt die Welt und sich selbst überwand, ist er ein Heiliger und ein berühmter Lehrer der Heiligkeit geworden.
Eines Tages wurde durch Gottes Zulassung der Schleier des Geheimnisses gelüftet, der über Benedikt lag. Wie ein Rosenduft verbreitete sich da der Ruf von seinem heiligen Leben, und wie ein Magnet mit Gewalt Eisenspäne anzieht, so sammelten sich um Sankt Benedikt gleichgesinnte Männer, die unter seiner Leitung nach einem sehr hohen Ziel strebten, nämlich nach der Heiligkeit in der strengen Zucht des katholischen Klosterlebens.
Im Jahr 529 gründete der heilige Benedikt das weltberühmte Kloster auf dem Monte Cassino in Mittelitalien, von dem aus im Lauf der Zeit an die hunderttausend Tochterklöster entstanden, und groß ist die Zahl der Menschen, die im Orden des heiligen Benedikt und unter seiner weisen Regel heilig geworden sind.
Weltweit ist dazu der Segen, der von den Benediktinerklöstern ausging; denn die schwarzen Mönche haben sich bis auf den heutigen Tag nicht damit begnügt, nur sich selbst zu heiligen, sondern sie haben auch andere Menschen zum Himmel geführt. Überall und immer sind sie eingesprungen, wo Not groß und Dienst und Hilfe gebraucht wurden. Sie haben Wege und Straßen gebaut und Wälder und Ödland gerodet, Balken gezimmert und Häuser errichtet, Ackerbau und Viehzucht vorbildlich gepflegt und haben vor allem Schulen gegründet und dadurch der Welt und den Menschen gedient wie sonst wohl niemand. Dieses große Verdienst darf niemand den Klöstern vom schwarzen Orden nehmen. Die Quelle aber, von der aus sich der gewaltige Segen über die Welt ergoss, war Sankt Benedikt, der Vater aller abendländischen Mönche.
Was doch aus einem Menschen nicht alles werden kann, wenn er das Herz auf dem rechten Fleck hat und danach strebt, ein wirklicher Mensch, ein Heiliger zu werden!
1. Niemand liebt uns inniger als Jesus, unser liebevoller Erlöser, der sogar sein blühendes Leben opferte, eine unendliche Freude uns zu erkaufen. Er kennt das lebendige Verlangen unseres Herzens nach Freude. Weil er aber uns unaussprechlich liebt, warnt er uns, diesen Hunger nicht mit giftigen Speisen zu sättigen, die uns den ewigen Tod bringen würden, und erhebt unser Verlangen zu wahren und ständigen Freuden. "Ihr werdet weinen," spricht er, "und die Welt wird sich erfreuen, . . . aber eure Traurigkeit wird sich in Freude verwandeln." Und in welche Freude! "Wahrlich, keines Vergleiches sind alle Trübsale der Erde gegen die unendliche Freude der Ewigkeit wert."
2. Umgekehrt geht die Freude der Welt, die bei der Fröhlichkeit beginnt, und mit diesem Leben endigt, in ein ewiges Elend über. Darum spricht die ewige Wahrheit warnend: "Wehe euch, die ihr jetzt lacht, denn ihr werdet weinen!" Denn was anders sind die Freuden dieser ungläubigen Welt, als eine Verkettung von sündhaften Torheiten und Lastern. Sie spottet jetzt der Kinder Gottes und nennt ihr Leben Torheit. Sind wir aber getreu, dann wird sie über ein Kleines bei unserem Anblick ausrufen: "Dies sind jene, die einst die Zielscheibe unseres Spottes waren. Wir Unbesonnenen hielten ihr Leben für Unsinn. Sieh, wie sie nun den Kindern Gottes beigezählt sind, und ihr Los unter den Heiligen haben." (Weisheit 5,4-5)
3. "Ihr seid tot," spricht der Apostel, "und euer Leben ist mit Christus in Gott verborgen." (Kolosser 3,3) Ein Beispiel dieses Todes, der voll des Lebens im Innern ist, sehen wir an den Bäumen, die zur Winterzeit erstarrt scheinen, so wie der Frühling erscheint, in voller Kraft Laub und Früchte treiben. Lässt aber unser Gott seine Auserwählten hienieden ohne Freude? Ist ja doch das Reich Gottes Friede und Freude im Heiligen Geist. (Römer 14) Und so groß ist diese Freude, dass fromme Menschen selbst ihre bittersten Trübsale nicht für die rauschendsten Freuden der Welt hingeben möchten. So warten wir denn in heiliger Geduld, "denn Besseres hat Gott für uns aufbewahrt!" (Hebräer 11,40) "Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch!" (Philipper 4,4)
Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Johannes von Nepomuk
O Gott, der Du wegen der unbesiegten Verschwiegenheit des heiligen Johannes bei der Ausspendung der sakramentalen Beichte Deine Kirche mit einer neuen Marterkrone geziert hast, verleihe, dass wir nach seinem Beispiel und auf seine Fürbitte unseren Mund sorgfältig bewahren, damit wir den Seligen, die sich mit der Zunge nicht versündigt haben, beigezählt werden, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
Am heutigen Tag fällt das Fest des heiligen Joachim ein, des Vaters der seligsten Jungfrau, das aber nun am Sonntag nach Mariä Himmelfahrt begangen wird. Die Griechen feiern es am 9. September, andere am 9. Dezember, andere am 16. September: Papst Julius II. hat dieses Fest eingesetzt. Wir wissen aber aus dem Evangelium keine Einzelheiten über diesen großen Heiligen, wiewohl die heilige Epiphanius und Johannes Damascenus dem heiligen Joachim viel Lob aussprechen. Auch Canisius bringt von ihm viel Schönes hervor. Etwas Gewisses aber kann man nicht angeben, weil es Gott gefallen hat, es verborgen zu halten. Beeifern wir uns vielmehr, ein unbekanntes und verborgenes Leben zu schätzen, denn dieses ist der sicherste Weg, die Demut zu erhalten, es ist die Grundfeste aller Tugenden, wie die Liebe deren Seele und Leben ist.
Welflin hieß der Heilige von Haus aus. Um das Jahr 1340 wurde er in dem südböhmischen Dorf Nepomuk als Bauernsohn geboren. Als er sehr früh ein Waisenkind wurde, nahmen sich die Mönche des heimatlichen Zisterzienserklosters des Jungen an. Johannes durfte zur Schule gehen und anschließend studieren. Er wurde Weltpriester in Prag und wuchs schnell in Ämter und Würden hinein, wurde Pfarrer, Domherr, Stellvertreter des Erzbischofs und Beichtvater der Königin. Der arme verwaiste Bauernsohn hatte sich prächtig emporgearbeitet. Auch die innere Entwicklung hatte mit der äußeren Schritt gehalten, denn Johannes war ein würdiger Priester, fromm, demütig, gewissenhaft, eifrig, mildtätig und pflichtbewusst. Nur so auch konnte er die harte Prüfung bestehen, die über den Dreiundfünfzigjährigen im Jahre 1393 hereinbrach.
In Prag regierte damals als König von Böhmen Wenzel I. Ein Taugenichts war dieser König, ein Trinker und ein roher Kerl, äußerlich ein Christ, innerlich aber ohne jeden Glauben, in allem das genaue Gegenteil seiner herzensguten Frau. Da hatte der Unmensch eines Tages Lust darauf, die Sünden seiner Frau kennenzulernen. Weil er selbst schlecht war, glaubte er, alle Leute seien wie er, auch die eigene Frau. Deshalb wollte er ihre vermeintlichen Schlechtigkeiten auskundschaften, um die eigenen damit zu entschuldigen. Es leuchtet also ein, dass dieser Mann ein wirklich übler Kerl war.
König Wenzel bestellte den Beichtvater der Königin zu sich und eröffnete ihm seinen Wunsch, wobei er bemerkte, dass er als Ehemann das Recht habe, auch die letzten Geheimnisse seiner Frau zu erfahren. Übrigens versprach er dabei mit seinem königlichen Ehrenwort, dass er wie ein Grab schweigen werde, und wenn er, der Beichtvater, dem Ansinnen entspräche, so werde er ihn zum Bischof erheben.
So sprach der König, doch bei Johannes von Nepomuk kam er mit seinem Begehren vor den richtigen Mann. Höflich, aber fest und bestimmt lehnte er es ab, dem Wunsch zu entsprechen, indem er sagte, lieber wolle er in den Tod gehen als das Beichtsiegel verletzen. Da ließ der König den aufrechten Mann auf die Folter spannen, die dem Gemarterten Arme und Beine aus den Gelenken riss. Und als Johannes von Nepomuk auch dann noch schwieg, versengte der königliche Unmensch selbst mit brennenden Pechfackeln den Leib des Martyrers, der sich vor Schmerzen krümmte, dabei aber nicht ein Wort preisgab von dem, worüber er das Geheimnis wahren musste. Schließlich ließ der rasende König den Heiligen, der trotz der grauenhaften Marter noch lebte, in der Nacht vom 20. auf den 21. März 1393 von der Brücke, die im Herzen Prags über die Moldau führt, ins Wasser werfen, in dem dann der heldenhafte Priester als ein Opfer des Beichtgeheimnisses einen glorreichen Tod fand.
Kaum war die Tat des Königs vollbracht, da umspielte ein glänzendes Wunder die Gestalt des Heiligen. Der Leichnam ging nicht unter, sondern schwamm, von Licht umflossen, an der Oberfläche des Wassers in der Mitte des Flusses. Die ganze Stadt lief trotz der nächtlichen Stunde zusammen, und während König Wenzel später in Schmach und Schande durch einen plötzlichen Tod dahingerafft wurde, blieb das Opfer des Heiligen unvergessen.
Viele Menschen tragen voll Stolz den Namen des Martyrers als Taufnamen. Auf ungezählten Brücken steht das Bild dessen, der um des Beichtsiegels willen von einer Brücke aus den Heldentod starb. Und als man dreihundert Jahre später sein Grab öffnete, fand man zwar den Leib in Staub zerfallen, aber die Zunge war und ist bis auf den heutigen Tag unverwest erhalten. So ehrt Gott den Martyrer des Beichtgeheimnisses.
Wie Johannes von Nepomuk werden in gleicher Lage alle Priester handeln, dass sie nämlich eher in den Tod gehen, als dass sie auch nur einen einzigen Buchstaben von dem preisgeben, was man ihnen in der Beichte gesagt hat.
Der heilige Märtyrer Johannes von Nepomuk
(Aus dem „Marianischen Festkalender“, Regensburg 1866)
Dieser Heilige wurde um das Jahr 1330 zu Nepomuk, einem böhmischen Städtchen zehn Meilen von Prag, geboren. Seine Eltern waren Bürgersleute und lebten lange Zeit ohne Leibeserben. Da wendeten sie sich an die liebreiche Gottesmutter und baten sie um ihre Fürsprache bei Gott, dass er ihre Ehe mit einem Kind segne. Ihr Gebet wurde erhört. Sie bekamen ein Kindlein, das sie Johannes nannten.
Aber der kleine Johannes war sehr schwächlich und wollte schon bald nach der Geburt wieder sterben. Die bekümmerten Eltern nahmen abermals ihre Zuflucht zu Maria, der gütigen Mutter. Sie trugen das Kund zu einem ihrer Gnadenbilder und flehten um seine Genesung. Auch diesmal wurde sie erhört. Das Kind erlangte durch Mariens Fürbitte die vollkommene Gesundheit. Johannes wuchs auf in Unschuld und Frömmigkeit, denn er war ein Pflegekind Mariens, die er schon im zarten Alter mit größter Andacht verehrte.
Da er große Geistesfähigkeiten besaß, studierte er und wurde Priester. Ausgezeichnet durch Wissenschaft und Frömmigkeit, wurde er zuerst Prediger in der Pfarrkirche zu Prag, dann Domherr und Prediger daselbst. Seine Beredsamkeit drang tief in die Herzen der Zuhörer und brachte bewunderungswürdige Früchte. Hohe und Niedere, Gelehrte und Ungelehrte, Sünder wie Fromme durchdrang sein Wort mit wunderbarer Gewalt, und augenscheinlich besserten sich die Sitten der Hauptstadt. Selbst König Wenzeslaus, dieser dickhäutige Sünder, wurde erschüttert und tat eine Zeit lang Buße. Johannes gewann so sehr seine Gunst, dass er ihm ein Bistum und eine Probstei anbot, was beides aber der Heilige, dem es weder um Ehren noch Reichtum zu tun war, ausschlug. Dagegen unterzog er sich mit Freuden dem Amt eines Almosenpflegers des königlichen Hauses, indem ihm dieses Amt Mittel bot, ein Vater der Armen und Kranken zu werden.
Wenzels Bekehrung war leider von keiner Dauer. Er fiel bald wieder in seine alten Laster zurück und frönte der Wollust und Trunkenheit mehr als je. Dabei entwickelte sich in seinem Charakter ein schaudererregender Hang zur Grausamkeit, er wurde der Schrecken seiner Umgebung. Niemand wagte, ihm zu widersprechen oder ihm die Wahrheit zu sagen, so sehr fürchteten alle seine Wildheit. Gerade das Gegenteil von ihr war die fromme und gottesfürchtige Königin Johanna, die den heiligen Johannes zum Beichtvater hatte. Sie kommunizierte alle acht Tage, betete stundenlang kniend in der Kirche, besuchte die Kranken und war so zarten Gewissens, dass sie wegen des geringsten Fehlers, den sie aus Versehen beging, sogleich im Beichtstuhl sich darüber anklagte. Alle Untertanen bewunderten ihre Andacht, ihre Geduld und ihre Wohltätigkeit. Nicht so der rohe Wenzel. Er konnte nicht begreifen, warum seine Gemahlin so oft beichtete. Es kam ihm der Gedanke, die Königin muss insgeheim eine große Sünderin sein und gleich ihm auf verbotenen Wegen gehen. Sein Argwohn brachte ihn so weit, dass er ihren Beichtvater Johannes aufforderte, ihm die Beicht seiner Gemahlin zu offenbaren. Da der Heilige eine solche, alles Recht verletzende Forderung mehrmals standhaft abwies, ergrimmte der König, und ließ ihn auf die Folter spannen und seinen Leib mit Fackeln brennen.
Johannes bestand diese Qual festen Sinnes. Maria, die heilige Jungfrau, ihren und ihres Sohnes Namen er anrief, stärkte ihn. Der Heilige, der auch längere Zeit im Kerker lag, aber dann wieder in Freiheit gesetzt wurde, ahnte wohl, dass er sein Leben bald durch den Martertod beschließen werde. Um sich für den letzten Kampf zu stärken, nahm er wieder seine Zuflucht zu Maria, der Königin der Märtyrer. Er machte eine Wallfahrt nach Bunzlau, wo ein berühmtes Marienbild war, und flehte voll Vertrauen zur göttlichen Mutter, dass sie ihm in dem bevorstehenden Tod beistehen möge. Sein Gebet wurde erhört. Als ihn abends bei seiner Rückkehr der König vom Fenster aus auf der Straße erblickte, rief er ihn vor sich und schrie ihm entgegen. „Höre, Pfaffe, du musst sterben, wofern du mir nicht sagst, was dir die Königin gebeichtet hat. Ich schwöre dir bei Gott, du musst Wasser saufen!“ Der Heilige würdigte ihn keines Wortes mehr, sondern schüttelte nur schweigend sein Haupt. Darüber wurde Wenzel noch rasender, und ließ ihn in ein Nebengemach schleppen, wo man ihn bis zur Nacht verwahrte.
Als es dunkel geworden war, führten ihn die Henker auf die Moldaubrücke, und warfen ihn, gebunden an Händen und Füßen, in den Strom. Dies geschah am 29. April 1383. Da Gott den Heiligen mit großen Wundern verherrlichte, setzte ihn Benedikt XIII. in die Zahl der Heiligen.
1. Die Schrift fasst alle erhabenen Vorzüge des glorreichen heiligen Patriarchen Joseph in die kurzen Worte zusammen: "Joseph, der gerecht war." Vorzugsweise war er der Gerechte, in dem alle Tugenden wie in ihrem Brennpunkt sich vereinigten. So himmlisch leuchtete der Glanz seiner Heiligkeit, dass der ewige Vater selbst seinen eingeborenen Sohn ihm zur Führung seiner Kindheit in der menschlichen Natur übergab. So lilienrein auch war seine Keuschheit, dass der Allerhöchste zum Beschützer der jungfräulichen Mutter seines Eingeborenen ihn erkor, die heiligsten Personen des Himmels und der Erde ihm unterordnete, und ihre Leitung in seine Hände legte, eine Würde, deren er den höchsten Seraph nicht würdig achtete.
2. So groß und erhaben aber dieser heilige Patriarch in den Augen Gottes war, so demütig war er in seinen eigenen. Von Gottes Licht im Innern erleuchtet, und verabgründet in die hochheiligen Geheimnisse der ewigen Weisheit, betrachtete er in Ehrfurcht die heiligste Familie, liebte sie in übernatürlicher Liebe, wachte über sie mit väterlicher Fürsorge, und diente ihr als getreuester Knecht. Im Schweiß seines Angesichtes arbeitete er, sie zu nähren und zu pflegen. Waren auch seine Arbeiten nur gewöhnliche Werke, so tat er sie dennoch mit so reiner Absicht und mit so großer Liebe, dass die geringste unter ihnen alle glänzenden Taten aller weltberühmten Weisen und Helden unendlich überwog.
3. Aber hoch über allen sterblichen Begriffen steht die zarte Liebe, die himmlische Innigkeit dieser drei heiligsten Personen. In wunderschöner Vertraulichkeit kamen sie dem heiligen Patriarchen zuvor. Zärtlich liebkoste das Kind Jesus seinen geliebtesten Pflegevater. Und wer wird es je erfassen, zu wie unermesslicher Liebe und Heiligkeit dieser große Heilige in dem so langjährigen Umgang mit Jesus und Maria gelangte. Wie vieles erbietet sich hier zur andächtigen Betrachtung. Zumal aber zeigte sich die zarteste Liebe und Dankbarkeit seiner jungfräulichen Braut und seines göttlichen Pflegesohnes beim Tod dieses geliebtesten Patriarchen, der in ihren Armen verschied. O unaussprechlicher Trost, o Seligkeit eines solchen Todes! Numeri 23,10b: "Oh, könnte ich den Tod der Gerechten sterben, und wäre mein Ende dem seinen gleich."
Heiliger Joseph, du treuer Verehrer Mariens, mit der Lilie als dem Zeichen der Unschuld in der Hand, erbitte uns von dem, der dich Vater nannte, von Jesus unserem Herrn, die Gnade, mir durch ein reines und heiliges Leben Maria wahrhaft verehren und Jesus wahrhaft dienen. Amen.
Zum heiligen Josef
Heiliger Vater Josef, ich bitte dich, stehe mir bei, wenn ich sterbe, und erlange mir die Gnade, dass Jesus und Maria mir in meinem letzten Hinscheiden zu Hilfe eilen, und meine Seele zu sich in die ewige Wohnung aufnehmen wollen. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
Das Fest des glorwürdigen Bräutigams Mariä bringt an sich selbst das gottselige Andenken an die seligste Jungfrau. So steigt auch die Ehre des heiligen Josef bis auf die erhabenste Stufe daraus, dass er der unvergleichlich großen Mutter Gottes von dem Allerhöchsten zum Bräutigam auserkoren worden ist. Lasst uns denn den heiligen Josef eifrig bitten, uns von Gott zu erlangen, dass wir allen unseren Pflichten Jesus Christus gegenüber, seinem lieben Sohn, auf Erden, und gegenüber Maria, seine selige Mutter, getreu nachkommen.
Wer einmal die Josefslitanei aufschlägt, der sieht, dass die Kirche, die sonst sehr sparsam mit ihrer Anerkennung ist, den heiligen Josef mit den höchsten Lobeserhebungen geradezu überhäuft. Da wird von ihm als dem erlauchten Spross Davids gesprochen, Bräutigam der Gottesmutter wird er genannt, Nährvater des Sohnes Gottes, Haupt der Heiligen Familie, Vorbild der Arbeiter, Zierde des häuslichen Lebens, Patron der Sterbenden, Schutzherr der heiligen Kirche und so weiter. Was sind das doch hohe Titel, Ehren und Ämter! Sankt Josef gehört also zu den ganz Großen im Himmelreich, und dabei war sein Leben einfach und schlicht und voll Sorge und Arbeit!
Hat denn der heilige Josef auch die Sorge gekannt? Das mag man wohl glauben, dass er die Sorge gekannt hat, denn sonst wäre er sicher kein Heiliger, weil Not und Sorge noch stets das Zeichen der göttlichen Liebe waren.
Aus dem stillen Leben zu Nazareth muss Josef mit Maria mitten im Winter den weiten Weg nach Betlehem machen. Bei Nacht kommen die beiden an. Josef klopft an eine Tür. Niemand öffnet ihm. Beim zweiten Haus tut sich nur das Fenster auf. Abweisende Worte bekommt der Bittsteller zu hören. Wieder ein Haus weiter öffnet man ihm zwar die Tür, schließt aber auch gleich wieder, denn armen Leuten schlägt man gern die Tür vor der Nase zu. So kommt für den heiligen Josef das große Leid, dass der Erlöser in einem Stall geboren werden musste.
Bald darauf musste Josef um des Kindes willen mitten in der Nacht außer Landes flüchten. Der Weg ist weit. Des Königs Häscher sind ihm auf den Fersen. Werkstatt und Kundschaft, Arbeit und Brot, alles muss er im Stich lassen und muss in einem fremden Land unter fremden Menschen mit fremder Sprache und fremdem Glauben neu beginnen und sich mühevoll durchschlagen, und kaum hatte Josef in Ägypten festen Fuß gefasst, da rief ihn Gottes Befehl zurück, und wieder musste er Werkstatt und Kundschaft, Arbeit und Brot im Stich lassen, um in Nazareth noch einmal von vorn zu beginnen.
Zu der Last der Sorge gesellte sich im Leben des heiligen Josef wie ein Zwillingskind zum anderen die Last lebenslänglicher harter Arbeit. Komm mit in die Zimmermannswerkstatt zu Nazareth! Holz und Späne, Hobel und Hobelbank, Hammer und Säge, Winkelmaß und Leimtopf und mitten darin Sankt Josef. Zwar stammt er aus Davids königlichem Geschlecht, gehört dem höchsten Adel des Landes an, ist ein großer Heiliger, ist der Bräutigam der Gottesmutter und der Nährvater des lieben Heilandes, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass er alle Tage vom ersten Morgenrot bis zum letzten Sonnenstrahl arbeiten muss, um das tägliche Brot für die Familie zu verdienen. Dreckig ist der Arbeitskittel, schwielig die Faust, und der Rücken beugt sich mit den Jahren immer mehr nach der Stellung, die er beim Hobeln einnimmt. So füllt Josef den Posten aus, auf den ihn Gott gestellt hat, bis zu seinem letzten Tag und seligen Tod in den Armen von Jesus und Maria. Da hat Gott den guten Knecht, der immer treu war, über Großes gesetzt.
Selig also derjenige, dem, wie dem heiligen Josef, Sorge und Arbeit zum Anteil geworden sind; denn Sorge und Arbeit sind wie zwei schnelle Pferde, die den Lebenswagen auf sicherer Straße in den Himmel fahren.
1. Betrachte die wunderbare Güte Gottes, der fürwahr den Tod des Sünders nicht will, sondern dass er sich bekehre und lebe. Er, der die Schwäche des Menschen kennt, verwirft ihn nicht, auch nach vielen Sünden. Er setzt ihm einen Quell der Reinigung im Blut seines Eingeborenen ein, und erlässt ihm seine Vergehen und der leichten Bedingung, sie aus innerstem Herzen zu bereuen, und ihrer mit Zerknirschung sich anzuklagen. Wahrhaftig, so vieles tat Gott für unser Heil, dass wir selbst schuld sind, wenn wir ewig verloren gehen.
2. Empfange daher oftmals dieses Sakrament der Gnade, das, mit gehöriger Vorbereitung empfangen, die Seele nicht nur von ihren Sünden reinigt, sondern ihr auch eine wundersame Kraft verleiht, vor neuen Vergehen sich zu hüten. Bedenke, bevor du zu diesem Sakrament hinzu trittst, in Bitterkeit deines Herzens, dass du die ewige Liebe durch schweren Undank beleidigt hast, und fasse den ersten Vorsatz, deine bösen Gewohnheiten abzulegen und wirksame Mittel gegen deine Rückfälle nicht nur in schwere Sünden, sondern auch in geringere Fehler anzuwenden. Dann aber nähere dich dem Richterstuhl der Buße in festem Glauben, in Demut und mit aufrichtigem Herzen. Mäßige deine Furcht durch Vertrauen. Halte aber dein Vertrauen durch heilsame Furcht in gerechten Grenzen. Viele täuschen sich und verlassen dieses Bad der Reinigung weit unreiner und strafbarer, als sie es betreten hatten.
3. Vergiss nie, dass du viele und schwere Sünden begangen hast, ob du auch entsprechend oft die Beichten abgelegt hast, und beschränke dich nicht auf die geringe Buße, die der Diener Jesu Christi dir auferlegt. Denn die göttliche Gerechtigkeit fordert eine Genugtuung, die ein Verhältnis zu unseren Vergehen hat. Und geben wir sie nicht in diesem, so geben wir sie unfehlbar im künftigen Leben. Sei wachsam und liebe das Gebet. Eine wachsame und dem Gebet ergebene Seele wird höchst selten in eine schwere Sünde fallen, oder sie nicht alsbald schmerzlich bereuen und diese tödliche Wunde nicht durch eine schnelle und zerknirschte Beicht heilen. Psalm 51,5: "Denn ich erkenne meine bösen Taten, meine Sünde steht mir immer vor Augen."
O Königin, die du die Herzen raubst, rufe ich dir zu mit dem heiligen Bernhard, meine Königin, die du durch deine Liebe und durch die Wohltaten, die du deinen Dienern erweist, ihre Herzen eroberst, erobere auch mein elendes Herz, das nichts mehr wünscht, als dich zu lieben. Sollte ich, nachdem du, meine Mutter, so sehr die Liebe deines Gottes gewonnen hast, dass er vom Himmel in deinen Schoß herabgestiegen ist, sollte ich noch leben können ohne dich zu lieben? Nein, ich will dir mit deinem geliebten Sohn Joannis Berchmanns zurufen: Ich will nicht eher ruhen, bis ich sicher bin, die Liebe zu dir erlangt zu haben, aber eine beharrliche und zärtliche Liebe zu dir, meiner Mutter, die du mich so innig geliebt hast, selbst damals, als ich undankbar dir gegenüber war. Amen.
Der heilige Joseph hat geholfen!
Gedächtnis einer wunderbaren Hilfe des heiligen Joseph am 18. März. Im Jahr 1448 wurde Navarra von einem zahlreichen, savoyischen Heer belagert. Die Stadt schien rettungslos verloren. Nun bestürmten die Karmeliten den heiligen Joseph mit Bitten und leiteten die Gläubigen an, das Gleiche zu tun. Nicht umsonst. In der Nacht vom 18. auf den 19. März verbreitete sich plötzlich vom Turm der Karmelitenkirche aus ein helles Licht. In ihm erschien der heilige Joseph, mit den Abzeichen seines Standes. In der Linken hatte er den Stab, mit der Rechten, die er gegen die Feinde ausgestreckt hatte, schien er zugleich die Stadt zu segnen und die Feinde zu bedrohen. Die wunderbare Erscheinung dauerte so lange, dass Freund und Feind sich davon überzeugen konnten. Erschreckt hoben die Feinde die Belagerung augenblicklich auf und flohen in wildem Durcheinander. So wurde das Vertrauen der Bewohner Navarras zum heiligen Joseph belohnt. Aus Dankbarkeit ließen sie das Ereignis in einem Gemälde darstellen und veranstalteten zur Erinnerung daran alljährlich eine Prozession.
Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Cyrillus
O Gott, der Du den Unglauben durch den Glanz Deiner Wunder und durch die Kraft Deiner Lehre besiegt hast, verleihe uns auf die Fürbitte des heiligen Cyrillus, dass wir durch das Licht des Glaubens erleuchtet, Dein Gesetz erkennen und beobachten, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Zum heiligen Eduard
Heiliger König Eduard, bitte für mich, auf dass ich allzeit heilig sterbe - ich mag entweder durch einen plötzlichen Tod, wie du, oder auf eine andere Art sterben - und dann mit dir Gott dem "König der Könige" im Reich der heiligen Ewigkeit ewig huldigen kann. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
Das Fest der Sieben Schmerzen Mariä wurde auf einem Konzil der kölnischen Provinz im Jahr 1423, die Ketzerei der Hussiten zu vertilgen, eingesetzt. Es wird von einigen Orden und Kirchen an verschiedenen Tagen, nach der römischen Ordnung aber am Freitag vor dem Palmsonntag gehalten.
Der heilige Cyrillus wurde um das Jahr 315 zu Jerusalem geboren, vielleicht auch in der Umgegend dieser Stadt. Er verlegte sich frühzeitig auf das Studium der heiligen Schriften, und wurde mit ihnen so vertraut, dass seine meisten Reden, sogar die, die er ohne Vorbereitung vortrug, ein Zusammenfluss von Stellen oder Anspielungen auf verschiedene Texte aus den göttlichen Büchern sind. Eine gründliche Kenntnis der Lehre der Kirche schöpfte er aus den Kirchenvätern, die ihm vorangegangen waren, er las auch die Schriften der heidnischen Philosophen, überzeugt, da Mittel zu finden, womit er den Götzendienst mit Erfolg bekämpfen könnte.
Maximus, der Bischof von Jerusalem, weihte ihn zum Priester im Jahr 345, und beauftragte ihn bald, dem Volk das Wort Gottes vorzutragen. Der Heilige selbst berichtet uns, dass er jeden Sonntag in der Versammlung der Gläubigen predigte. Auch musste er die Katechumenen, oder jene, die man zum Empfang der heiligen Taufe vorbereitete, unterweisen, denen, wie bekannt, dieses Sakrament erst nach Verlauf von zwei Prüfungsjahren erteilt wurde.
Cyrillus bekleidete mehrere Jahre das wichtige Amt eines Katecheten, und zwar mit viel Eifer und Ruhm. Ungefähr um das Jahr 350 folgte er dem oben erwähnten Maximus auf dem bischöflichen Stuhl von Jerusalem nach.
Der Anfang seines Oberhirtenamtes ist in der Geschichte durch ein Wunder berühmt, das Gott zur Verherrlichung des Zeichens unserer Erlösung wirkte. Da diese Tatsache so merkwürdig ist, und auf unbezweifelbare Beweise sich gründet, so können wir nicht umhin sie hier anzuführen. Der heilige Cyrillus, der davon ein Augenzeuge gewesen war, schrieb sogleich an den Kaiser Constantius, um ihn davon in Kenntnis zu setzen. Hier sind seine eigenen Worte: „Am 7. Mai gegen 9 Uhr am Morgen erschien am Himmel ein großes Licht in der Gestalt eines Kreuzes, das vom Kalvarienberg bis zum Ölgarten reichte. Es wurde aber nicht bloß von ein oder zwei Personen gesehen, sondern von der ganzen Stadt. Es war nicht eine jener vorübergehenden Erscheinungen, die schnell wieder verschwinden, dieses Licht strahlte unseren Augen mehrere Stunden lang entgegen, und zwar mit solchem Glanz, dass es selbst die Sonne zu verdunkeln mochte. Die Zuschauer, zugleich von Furcht und Freude ergriffen, strömten massenweise in die Kirche, Greise und Jünglinge, Gläubige und Heiden, Bürger und Fremdlinge. Alle stimmten ein in das Lob unseres Herrn Jesus Christus, des neugeborenen Sohnes Gottes, der durch seine Kraft dieses Wunder tat, und sie bekannten einhellig die Göttlichkeit einer Religion, der die Himmel selbst Zeugnis geben.“ (In der Chronik von Alexandrien liest man, dass diese wundervolle Erscheinung von einer Iris oder einem Lichtkreis umgeben war.)
Der heilige Cyrillus schließt seinen Brief mit dem Wunsch, der Kaiser möchte für ein und allemal die heilige und gleichwesige Dreieinigkeit preisen. Die griechische Kirche feiert am 7. Mai das Andenken der wunderbaren Erscheinung des Kreuzes, wovon wir soeben geredet haben.
Einige Zeit nach dieser Begebenheit, erhob sich ein hitziger Streit zwischen dem heiligen Cyrillus und Acacius, dem Erzbischof zu Cäsarea. Man weiß, dass der letztere, der anfänglich den Irrtümern der Halbarianer zugetan war, nachher einer der grimmigsten Parteigänger des Arianismus geworden ist. Es handelte sich zuerst bloß um einige Punkte der Gerichtsbarkeit, indem der Erzbischof von Jerusalem sich weigerte, mehrere Rechte, die jener von Cäsarea als Metropolitan ungerechter Weise sich anmaßte, anzuerkennen. Diese erste Streitsache veranlasste noch andere, die unterhalten wurden, durch die Verschiedenheit der Lehre über die Consubstantialität (von gleichem Wesen) des Wortes, die unser Heiliger allzeit mit dem größten Eifer verfochten hatte. Diese Anhänglichkeit an den Glauben von Nicäa steigerte den Hass des Acacius gegen Cyrillus auf das Höchste, daher entschloss er sich, alle Mittel anzuwenden, um den Heiligen in den Untergang zu stürzen. Er forderte ihn daher vor eine Versammlung Arianischer Bischöfe, in der er den Vorsitz nahm, unter dem Vorgeben, er wolle ihn zwingen, sich über mehrere Anklagepunkte, die gegen ihn erhoben wurden, zu reinigen. Nachdem zwei Jahre verflossen waren, ohne dass Cyrillus vor diesen Richterstuhl, dessen Befugnis er nicht anerkannte, sich stellte, sprach man das Absetzungsurteil wider ihn aus. Eines der vorgeblichen Verbrechen, deren man ihn beschuldigte, bestand darin, er habe die Kirchengüter verschwendet, und die heiligen Gefäße zu einem profanen Gebrauch verwendet. Diese Anklage entstand daher, weil der Heilige, während einer großen Hungersnot, die die ganze Gegend von Jerusalem verheerte, einen Teil der Kirchenhabe und mehrere Ornate verkauft hat, um den Bedürfnissen einer Menge Armen, die vor Elend zugrunde gingen, Abhilfe zu tun. Gewiss aber verdiente ein solches Verfahren, weit entfernt, als strafbar angesehen werden zu können, im Gegenteil die schönsten Belobungen.
Der heilige Cyrillus berief sich gegen diesen Urteilsspruch auf ein höheres Gericht. Da aber diese Maßregel ohne Wirkung blieb, musste er der Gewalt nachgeben. Er zog sich zuerst nach Antiochien, dann nach Tarsis in Sizilien zurück. Sylvanus, der Bischof dieser letzten Stadt, empfing ihn mit großer Ehrbezeugung, und erlaubte ihm sogar, alle seine Amtsverrichtungen zu vollbringen, indem er das von Acacius und dessen Anhang gefällte Urteil, als nichtig ansah. Im Konzil von Seleucia 359 wurde er wieder in seine Rechte eingesetzt. Allein die Arianer brachten es durch ihre Verleumdungen dahin, dass er im folgenden Jahr in einem Konzil zu Konstantinopel abermals entsetzt wurde.
Die Verhältnisse, in denen er mit Sylvan, Eustathius von Sebaste, Basilius von Ancyra und mehreren anderen Bischöfen stand, und die sich nachher an die Spitze der Halbarianer stellten, haben bei einigen Bedenken über seinen Glauben veranlasst: es ist aber gewiss, dass er niemals die Meinungen der Feinde der Consubstantialität des Wortes teilte. Er hatte im Jahr 349, mit seinem Vorgänger Maximus, die Beschlüsse des Kirchenrates zu Sardica, also die Lehre der Väter zu Nicäa angenommen. Aus seinem Brief an Kaiser Constantius hat man gesehen, dass er ausdrücklich die consubstantielle Dreieinigkeit bekannte. Dazu kommt noch, dass er in dem zu Konstantinopel 381 gehaltenen Konzil, mit den übrigen Bischöfen die Irrtümer der Halbarianer und Macedonianer verdammte. Die rechtgläubigen Bischöfe, die sich im folgenden Jahr in derselben Stadt versammelt hatten, gaben seinem Glauben die glänzendsten Zeugnisse: in ihrem Brief an Papst Damasus und an die Morgenländer erklärten sie: „Dass der sehr ehrwürdige Cyrillus, der Bischof von Jerusalem, durch die Bischöfe der Provinz canonisch erwählt worden war, und dass er, des Glaubens wegen, mehrere Verfolgungen ausgestanden habe.
Als Julian, genannt der Abtrünnige, nach des Constantius Tod das Staatsruder ergriff, rief er alle Bischöfe aus der Verbannung zurück, und erlaubte ihnen in ihre Diözesen zurückzukehren. Seine Absicht war es, die Unduldsamkeit seines Vorgängers als gehässig hinzustellen, um unter den Rechtgläubigen und Ketzern einigermaßen das Gleichgewicht herzustellen, und zwischen beiden Teilen die Trennung zu unterhalten, in der Hoffnung, das Christentum selbst dadurch herabzusetzen. So bediente sich Gott der Politik des Kaisers, um den Heiligen seiner Kirche zurückzugeben. Wenige Tage nach seiner Rückkehr war Cyrillus Augenzeuge eines der berühmtesten Wunder, die je zugunsten der Religion Jesu Christi gewirkt wurde. Wir wollen die Tatsache, wie es sich geziemt, etwas weitläufig hier auseinandersetzen. Gewiss die Frömmigkeit der wahren Gläubigen wird sich darüber erfreuen: da sie sich zudem noch auf die unverwerflichsten Zeugnisse gründet.
Seit der Entstehung des Christentums hatte sich der Götzendienst mit seiner ganzen Macht gewaffnet, um dessen Einführung zu verhindern. Man verdammte daher die Anhänger zu Martern, bei deren Erinnerung man schon von Schauder ergriffen wird: allein ihr Blut war ein fruchtbarer Same, wodurch von Tag zu Tag die Anzahl der Jünger des Gekreuzigten vermehrt wurde. Julian, durch die Erfahrung belehrt, wie unnütz die Verfolgungen sind, bediente sich neuer Waffen zur Vernichtung des christlichen Namens. Er heuchelte äußerlich eine große Duldung und Mäßigung, gab auch in Reden gleißend zu verstehen, als missbillige er die Grausamkeit der Verfolger.
Durch diese Verstellung und Heuchelei gedachte er seinen Endzweck leichter zu erreichen. Er versuchte das Christentum in seinen Grundfesten zu untergraben, und Jesus Christus der Lüge zu bezichtigen, der vorhergesagt hatte, der Tempel zu Jerusalem wurde zerstört und nie wiederaufgebaut werden. Wäre dieser Versuch gelungen, so hätte es keinen Zweifel mehr gegeben, dass der Stifter unserer Religion weder Gott, noch auch der Gegenstand der heiligen Bücher des Alten Bundes gewesen war, wo man ebenfalls Weissagungen fand, die die Zerstörung des Tempels zu Jerusalem verkündigten. Es wäre also um die mosaische und christliche Offenbarung geschehen gewesen, und das Heidentum hätte auf die glänzendste Weise obsiegen müssen. (Der heilige Gregor von Nazianz, Sokrates, Theodoret, und die übrigen Kirchengeschichtsschreiber stimmen alle dahin überein, Julians Absicht bei Erbauung des Tempels zu Jerusalem sei keine andere gewesen, als die Propheten, die den Untergang dieses berühmten Tempels geweissagt haben, der Lüge zu bezichtigen, mithin der christlichen Religion die Beweise, die sie von der Erfüllung dieser Prophezeiungen hernimmt, zu entwinden. Nach Amminianus Marcellinus wollte Julian weiter nichts als sich einen unsterblichen Namen erwerben. Dieser Beweggrund mag wohl auf Julians Absicht einigen Einfluss gehabt haben, allein er war nicht die Hauptursache die in zu diesem Werk antrieb. Man weiß nicht nur durch Sozomenus, dass Julian und die Götzendiener nur die christliche Religion im Auge hatten, und dass die Hoffnung, sie zu vernichten, ihrem tödlichen Hass gegen die Juden auf einige Zeit Einhalt tat.)
Julian erließ an die ganze jüdische Nation einen sehr schmeichelhaften Brief, worin er sie allen Steuern entlastet, und den Beistand ihrer Gebete zur Wohlfahrt seines Reiches begehrt. „Bringt eure Wünsche dar,“ sagte er ihnen, „damit ich siegreich aus dem persischen Krieg zurückkehre: ich werde Jerusalem, - diese heilige Stadt, nach deren Wiederherstellung ihr schon so lange Jahre geseufzt habt, wieder aufbauen, um sie mit euch zu bewohnen, und mit euch darin den Allerhöchsten zu preisen.“ Dies war aber nur die Sprache der Heuchelei, denn Julian redete bei jeder Gelegenheit mit größter Verachtung von der jüdischen Religion.
Hierauf versammelte er die Vornehmsten der Juden, und befragte sie, warum sie kein Opfer mehr nach den Vorschriften ihres Gesetzes darbrächten. Als sie ihm erwidert haben, sie könnten außer dem Tempel zu Jerusalem, der nur Gräuel der Verwüstung darbiete, nicht opfern, befahl er ihnen, in ihr Vaterland zurückzukehren, um den Tempel aufzubauen, und das Gesetz wieder einzuführen. Zugleich versprach er ihnen, nach Kräften Beistand zu leisten, um die Ausführung ihres Unternehmens zu erleichtern. Bei dieser Nachricht strömten die Juden von allen Seiten nach Jerusalem hin. Stolz auf den Schutz des Kaisers, verunglimpften sie die Christen, und drohten ihnen die härtesten Strafen an. Bald hatten sie bedeutende Geldsummen zusammengebracht. Die Frauen der Juden gaben ihren Schmuck und ihre Edelgesteine zur Unterstützung des großen Unternehmens. Julian, in der Absicht noch mehr zu ermutigen, erklärte ihnen, er habe bei Durchlesung ihrer heiligen Bücher gefunden, dass das Ende ihrer Gefangenschaft herbeigekommen sei, und sie dem Zeitpunkt nahe wären, wo es ihnen wieder erlaubt würde, im Tempel zu opfern. Er befahl seinen Schatzmeistern ihnen das Geld vorzuschießen, das zur Erbauung des Tempels, der ungeheure Summen erforderte, gebraucht würde. Aus verschiedenen Provinzen des Reiches sandte er ihnen geschickte Baumeister, vertraute die Leitung des Werkes den angesehnsten Personen an, und setzte über das Ganze seinen innigsten Freund Alypius, den er selbst dahin schickte, das Werk zu betreiben.
Nachdem alles gehörig angeordnet war, brachte man eine ungeheure Menge Baumaterialien zusammen. Man arbeitete Tag und Nacht mit größter Tätigkeit an der Räumung des Platzes, wo der alte Tempel gestanden hatte, und schleifte die noch übrigen Fundamente. Einige Juden hatten zu diesem Zweck silberne Kärste, Schaufeln und Butten machen lassen. Die zartesten Frauen legten Hand ans Werk, und trugen in ihren kostbarsten Schürzen den Schutt hinweg.
Der heilige Cyrillus, der alle diese Vorbereitungen sah, äußerte nicht die geringste Besorgnis, sondern behauptete allzeit, die göttlichen Weissagungen würden zur gänzlichen Erfüllung kommen. Er versicherte sogar, die Bemühungen der Juden würden nur dazu dienen die Weissagungen des Erlösers, der in Betreff des Tempels von Jerusalem gesagt hatte, es würde kein Stein auf dem anderen bleiben, in ein desto helleres Licht zu stellen.
Indes war beinahe schon alles niedergerissen, und man begann neue Fundamente zu legen: allein eben da erwartete Gott seine Feinde, um sie zu beschämen. Lasst uns einen Schriftsteller vernehmen, dessen Zeugnis unverdächtig ist, Ammianus Marcellinus, der ein Heide war, und Julian zum Helden seiner Geschichte gemacht hat: „Als nun Alypius das Werk kräftig betrieb, und der Landpfleger ihm behilflich war, da brachen nahe bei der Grundlage furchtbare Feuerklumpen öfters hervor, und machten, nachdem verschiedene Male die Arbeiter verbrannt wurden, den Ort unzugänglich, (Der heilige Chrysostomus, Sozomenus und Theodoret sagen, die Flammen seien mitten aus den Fundamenten hervorgebrochen.) und als auf solche Weise das Feuer sie beharrlich zurücktrieb, hörte die Unternehmung auf.“ Auf diese Weise drückt sich ein Geschichtsschreiber aus, der die Götzen des Heidentums anbetete, und Julians Bewunderer gewesen ist. Nur die Kraft der Wahrheit konnte ihm ein solches Geständnis abzwingen.
Die Kirchengeschichtsschreiber lassen sich in nähere Entwicklung dieser Begebenheit ein. Wir lernen von ihnen, dass, nebst den Feuersausbrüchen, noch Erdbeben und Vulkane wüteten, dass der Donner einschlug, dass man Kreuze auf den Leibern und Kleidern der Anwesenden eingeprägt sah, und dass am Himmel ein Licht, in der Gestalt eines Kreuzes, rings mit leuchtenden Strahlen umgeben, erschien. (Man sehe den heiligen Gregor von Nazianz. Nach Theodoret waren die Kreuze, die auf den Kleidern der Juden erschienen, dunkel und näherten sich dem Schwarzen. Allein dieses widerspricht keineswegs der Erzählung des heiligen Gregorius. Die besagten Kreuze glichen Phosphoren, die des Tages schwarz und nachts glänzend sind.) Mehrere, von den Flammen verfolgt, wollten sich in eine nahegelegene Kirche flüchten, vermochten aber nicht hineinzugehen, entweder weil eine unsichtbare Hand sie zurückstieß, oder weil die Vorsehung zuließ, dass sie selbst sich einander verwirrten. „Dem sei nun wie ihm wolle,“ sagt der heilige Gregor von Nazianz, „ein allgemein angenommener Umstand, und den niemand in Abrede stellt, ist, dass sie auf ihrer Flucht, um sich von der drohenden Gefahr zu retten, ein Feuer aus den Grundlagen des Tempels hervorbrach, sie bald erreichte, die einen verzehrte, die anderen verstümmelte, so dass alle insgesamt Merkmale des göttlichen Zorns davontrugen.“ Die Ausbrüche fingen jedes Mal wieder an, wenn man die Arbeiten erneuern wollte, und hörten dann erst auf, als man das Werk gänzlich unterließ.
Diese wunderbare Begebenheit wird mit allen ihren Umständen von sehr vielen Schriftstellern, die im Jahrhundert Julians lebten, erzählt. Der heilige Gregor von Nazianz redete davon ein Jahr darauf, nachdem sie sich zugetragen hatte. Der heilige Johannes Chrysostomus erwähnt ihrer in mehreren seiner Werke als eines Ereignisses, das ungefähr 20 Jahre vorher in Gegenwart mehrerer, die seine Zuhörer waren, stattfand. Man findet die Erzählung davon beim heiligen Ambrosius, bei Rufin, der lange Zeit an demselben Ort lebte, bei Theodoret, der den größten Teil seines Lebens in der Nachbarschaft von Palästina zubrachte, in den Geschichten von Sozomenus, Sokrates, Philostorgius etc. (Philostorgius erzählt noch, bei Grundlegung des neuen Baues habe der erste Stein sich von seiner Stätte bewegt und dadurch die Höhlung eines Felsen sichtbar gemacht. Man habe einen Arbeiter an einem Seil hinabgelassen, der Wasser gefunden habe, das ihm bis an die Schenkel gegangen sei. Durch Betasten habe er die ausgehauene Höhlung viereckig beschrieben, und in der Mitte habe sich eine Säule wenig über dem Wasser erhoben, auf der ein in seinen Tüchern gewickeltes Buch lag, das er heraufgebracht hat. Da sich alle dieses Fundes gewundert hätten, desto mehr, da das Buch ganz neu erschien, wäre den Heiden und Juden das Staunen zur Bestürzung geworden, als sie beim Aufrollen des Buches auf die, in großer Schrift geschriebenen, Worte gestoßen sind: „Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.“ Joh 1,1. Das Büchlein war das Evangelium nach Johannes.) Alle diese Schriftsteller kommen in der Hauptsache miteinander überein, und weichen nur in Betreff etlicher Nebenumstände voneinander ab. Allein diese Verschiedenheit gibt ihrem Zeugnis ein neues Gewicht, weil daraus deutlich wird, dass keiner von anderen abgeschrieben habe. Wir haben gesehen, dass Ammianus Marcellinus dasselbe Wunder bezeugt. Libanius, ebenfalls ein Heide, und dem Kaiser Julian ganz zugetan, redet auch von Erdbeben, die in Palästina stattfanden. Zwar ist er sehr zurückhaltend, aber eben dadurch spricht er zur Steuer des Christentums. Hätte er sich anders ausgedrückt, so würde er die Schande seines Helden aufgedeckt, und an seiner Religion ein Verräter geworden sein. Jedermann, sogar Julian, musste der Wahrheit Zeugnis geben. Da dieser Mann so in die Enge gebracht war, so darf es gar nicht auffallend erscheinen, dass er sich verfänglicher und klüglich ersonnener Ausdrücke bediente. Auch sogar die Juden, die man gewiss nicht in Verdacht ziehen wird, als hätten sie die christlichen Schriftsteller abgeschrieben, erzählen die fragliche Tatsache, nach der Überlieferung ihrer Synagogen, und mit beinahe derselben Einstimmigkeit, wie die Christen.
Das Wunder, von dem wir soeben geredet haben, ist also unbezweifelbar. Man kann es nicht in Abrede stellen, ohne in den albernsten Phyrrhonismus zu verfallen: daher lesen wir bei Sokrates, die Juden hätten gleich ausgerufen, dass Jesus Christus Gott sei. Mehrere Heiden bekehrten sich bei dieser Gelegenheit, nach dem Bericht des heiligen Gregor von Nazianz, des Sozomenus und Sokrates. Was die Juden betrifft, so ist es nicht auffallend, dass sie in ihrer Blindheit verharrt sind. Dadurch bewahrheiten sie die Prophezeiungen, wo ihre Verstocktheit und Verwerfung des göttlichen Lichtes so deutlich vorverkündet wird.
Beim Anblick eines für das Christentum so glorreichen Triumphes, betete der heilige Cyrillus die Allmacht Gottes an, und fuhr fort, mit Eifer am Heil seiner Herde zu arbeiten. Seine unerschütterliche Anhänglichkeit an den Glauben Jesu Christi, machte ihn dem Julian sehr verhasst, und er hat sogar, nach Drosius, beschlossen, ihn nach der Rückkehr aus dem persischen Krieg seiner Rache zu opfern. Allein der Tod kam ihm zuvor, und hinderte ihn, sein verabscheuungswürdiges Vorhaben auszuführen.
Der heilige Cyrillus wurde 367 noch einmal verbannt, auf Befehl des mit dem Arianismus angesteckten Kaisers Valers. Und erst im Jahr 378 kam er wieder in seine Diözese zurück, als Gratian zur Kaiserkrone gelangt war und befohlen hatte, die Kirchen an jene wieder zurückzugeben, die mit dem Papst Damasus in Gemeinschaft standen. Da er seine Herde durch Spaltungen und Irrlehre verwüstet fand, bemühte er sich aus allen Kräften, Frieden und Einheit der Lehre wiederherzustellen. Im Jahr 381 wohnte er dem allgemeinen Kirchenrat zu Konstantinopel bei, und unterschrieb die Verdammung der Halbarianer und Macedonianer, deren Irrtümer er allzeit verabscheut hatte. Endlich ging er aus diesem Erdenleben in die glückselige Ewigkeit über im Jahr 386. Die Griechen und Lateiner verehren ihn am 18. März, der sein Sterbetag war.
Der heilige Eduard stammte ab von königlichem Geblüt in England, das in seinem Geschlecht mehrere Heilige zählt. Er wurde geboren um das Jahr 962. Sein Vater war Edgarus, ein gottesfürchtiger Regent, der sich sowohl im Krieg als im Frieden um England sehr verdient gemacht hat. Seine Mutter war Egelfelda, Tochter des Herzogs von Ordmer. Beide übten sich in den Werken der Gottseligkeit, bauten und besuchten Klöster, versuchten vorausgegangenen Kriegsschaden zu beheben und überall Gottesfurcht und Segen zu verbreiten. Weil Egelfelda nach sechs Jahren seit der Geburt Eduards starb, so heiratete sein Vater die Alfrida, eine Gräfin des Landes; wodurch Eduard eine Stiefmutter und einen Stiefbruder bekam, der Ethelredus hieß. Beide Brüder waren in Liebe miteinander verbunden.
Eduard als der ältere Sohn mit einem wahrhaft königlichen Herzen wurde vom Vater dem heiligen Dunstan, Erzbischof zu Canterbury, der ihn auch getauft hatte, zur Erziehung übergeben, und, weil diese so glücklich ausfiel, auch zum Thronfolger bestimmt. Der Vater starb um das Jahr 975. Eduard trat im 13. Lebensjahr die Regierung an. Der heilige Dunstan krönte ihn und bei dieser Handlung war auch der heilige Oswald, Erzbischof von York, zugegen. Einige Fürsten waren zwar damit nicht zufrieden, weil sie Strenge von ihm befürchteten, aber als sie seine Frömmigkeit, Milde und Gerechtigkeit erfuhren, wurde die Freude über einen so guten König allgemein.
Der junge König hatte sich zum Grundsatz gemacht, bei seiner Regierung in allem die Ehre Gottes und das Heil der Menschen im Auge zu haben. Denn ein christliches Reich in dieser Welt müsste ein Abbild des ewigen Reiches im Himmel sein, und die Vorbereitung darauf.
So war er zwar der Herrscher über England, aber vor Gott ein gehorsamer, treuer Diener. Er war auf dem Thron überaus demütig, gottergeben, voll Selbstverleugnung, keusch und mäßig, ein Liebhaber des Gebetes, zu jedem Menschen freundlich und liebevoll, gerecht und gütig. Seine vorzüglichen Werke der Gottseligkeit zeigte er, in dem er die christkatholische Kirche schützte, die Priesterschaft ehrte, den Bau und die Stiftung vieler Klöster, die sein Vater angefangen hatte, vollendete, die Folgen und den Schaden des Krieges mit Dänemark zu beheben und zu mildern versuchte, die Armen unterstützte, und besonders im Jahr 976, wo großer Hunger das Land drückte, der allgemeine Brotvater war. Seiner Demut, seinem Gebet, seiner Barmherzigkeit und seinem religiösen Eifer schrieb England seine Erhaltung zur Zeit der Not, die Fruchtbarkeit der darauf folgenden Jahre, den Sieg über Dänemark, und darauf die allgemeine Ruhe und Frieden im Land zu. So freute sich, wer immer gut war, des frommen, ja heiligen Königs.
Aber wie es in dieser Welt keine wahre Tugend ohne Kampf und Feindschaft, keine Heiligkeit ohne daneben stehende Bosheit, keine wahre Ehre ohne Neid und Verachtung gibt, so geschah es auch hier. Der heilige König musste das erfahren und dadurch das Opfer werden.
Es war seiner Stiefmutter der Alfrida gar nicht recht, dass ihr Sohn Ethelredus nicht König geworden war. Alle Tugenden und gute Eigenschaften des heiligen Eduard waren ihr ein Dorn im Auge, alles wusste sie böse auszulegen. Sie suchte sich Verbündete zu verschaffen, um ihren Sohn auf den Thron zu bringen. Und wirklich gelang es ihr, einige Fürsten und Räte, aber gewiss nicht die besten, vom König weg und auf ihre Seite zu bringen. Sie fassten den Entschluss, den unschuldigen König zu töten. Sie überlegten Mittel und Wege, wie sie es tun könnten. Aber es zeigte sich dazu keine Gelegenheit.
Nun ritt einst der König mit Dienern und Jägern auf die Jagd und kam während des Jagens nahe an das Schloss Wabra, wo sonst die Grafen von Dorsel und jetzt seine Stiefmutter und ihr Sohn Ethelredus wohnten. Da dachte er die Gelegenheit zu benutzen und ihnen einen Besuch abzustatten, weil er sie lange nicht gesehen und gesprochen hatte. Er, der von lauter Unschuld war und von keiner Tücke wusste, ahnte nicht, welchen bösen Ausgang sein Besuch nehmen würde. Er ritt also auf das Schloss zu, während seine Leute zurückblieben und sich weiter der Jagd widmeten. Als Alfrida seine Ankunft ohne Begleitung bemerkte, entschloss sie sich jetzt ihr Vorhaben auszuführen. Sie befahl einem frechen Diener, ihn zu erstechen. Sie stellte sich voll Freude über seinen Besuch, eilte ihm entgegen, grüßte ihn freundlich, bat ihn abzusteigen und einzukehren. Der König bedankte sich mit guten Worten und sagte, dass er nicht absteigen wolle, sondern verlangte nur seinen lieben Bruder zu sehen und zu sprechen. Da befahl die Königin einen Trunk zu bringen und während der König trank, gab sie einen Wink und der Meuchelmörder gab ihm rückwärts einen Stich. Der Verwundete lenkte sein Pferd um, ritt fort, fiel aber bald vom Pferd tot zur Erde. So starb der heilige König nach drei Jahren und acht Monaten seiner Regierung durch Anstiften seiner herrschsüchtigen Stiefmutter. Gott aber, der die Herzen prüft und das Verborgene in ihnen ans Tageslicht fördert, verherrlichte seinen treuen Diener nach kurzer Zeit. Die böse neidische Frau ließ den Leichnam des Königs in aller Stille und Eile in die nächste Hütte tragen und verbergen. Da wohnte eine arme blinde Frau, die von den Almosen der Königin lebte. Die wachte und betete bei der Leiche, und siehe, um Mitternacht erschien eine große Klarheit um sie und die Frau konnte wieder sehen. Am Morgen ging sie zur Königin und erzählte ihr, was geschehen war. Schnell ließ sie den Leichnam in einem abgelegenen Sumpf begraben, befahl ihren Leuten unter großer Strafe das strengste Stillschweigen, ja von keiner Trauer etwas merken zu lassen. Ihren eigenen Sohn, den Ethelredus, beschimpfte sie als einen Feigling, weil er über den Verlust seines Bruders bitterlich weinte und untröstlich war. Darauf entfernte sie sich von diesem Ort wohl zehn Meilen weit in eine andere Gegend, um allen Verdacht von sich abzulenken. Indessen suchte die Dienerschaft ihren lieben Herrn, konnte ihn aber nicht finden. Man suchte ihn aller Orten, aber vergeblich. Nun war im ganzen Land nur eine Rede: unser König ist umgebracht worden, und nur eine Klage: wir haben unseren guten Vater verloren. So trauerte das ganze Reich um den heiligen Eduard.
Ungefähr nach einem Jahr gefiel es Gott, seinen treuen Diener der Welt bekanntzumachen und zu verherrlichen. Es erschien zur Nacht öfters eine feurige Säule über dem Ort, wo der Leichnam lag, und viele Leute dieser Gegend sahen sie. Alle vermuteten, es müsse da etwas Heiliges sein. Sie suchten danach und fanden den Leichnam ihres heiligen Königs. Dabei wurde eine Quelle mit Heilwasser entdeckt, wo ein Lahmer augenblicklich gesund wurde. Mit Ehrfurcht wurde der Leichnam erhoben und in der dortigen Mutter-Gottes-Kirche beerdigt.
Es dauerte nicht lange und die ganze Sache wurde im Königreich bekannt. Viele trauerten über den Verlust ihres guten Königs, viele klagten: wer war doch so aus Gottes Gnade gefallen, dass er seine Hand an den König legen konnte? Viele weinten aus Trauer, viele aus Freude, dass der liebe Gott die Heiligkeit seines Dieners und seinen Mord an den Tag gebracht hatte und sie nun an ihrem König einen Heiligen im Himmel und einen Fürbitter am Thron Gottes hätten.
Nun beschloss Graf Alfred, der Bruder von Eduards Mutter, den Leichnam des Heiligen nach Schaftesburi in das berühmteste Kloster Skephtonia, welches Alfred der Große, auch König in England und ein großer Heiliger, der zugleich Eduards Ahnherr war, hatte bauen lassen, zu übertragen. Er lud die Bischöfe, Prälaten und Herren des Reiches dazu ein. Auch die heilige Wilfrida, Äbtissin des Stiftes Wincester, und Editha, Schwester des heiligen Eduard, die im Ruf hoher Gottseligkeit war, erschienen bei der Überführung, neben vielem Volk, das von allen Richtungen herbeiströmte. Der Leichnam war ganz unversehrt und erkennbar aufgefunden worden. Viele der Anwesenden weinten vor Freude und lobten Gott und den Heiligen. Bei der Übertragung wurden zwei Lahme durch Anrührung augenblicklich geheilt. So wurde die Freude der Gläubigen, die Verherrlichung Gottes und die Verehrung des Heiligen immer größer. Der Leichnam wurde auf der Nordseite des Chor-Altars der besagten Klosterkirche eingesenkt und Gott krönte dort die Andacht und das Vertrauen der Gläubigen mit Erhörung ihrer Gebete, mit Zeichen und Wundern. Solche Verherrlichung des Heiligen hat auch seine Stiefmutter auf bessere Gesinnungen und zur Reue und Buße über ihre Sünden gebracht.
Endlich im Jahr 1001, einundzwanzig Jahre nach der Überführung, wurde der Leichnam erneut erhoben. Er gab einen lieblichen Geruch von sich und wurde mit noch anderen heiligen Reliquien in der neuen Kirche beigesetzt, die Ethelredus, der Bruder und Thronfolger des Heiligen, mit Zutun der Bischöfe samt einem Frauenkloster hat errichten lassen. Auch wurde sein Fest jährlich am 18. März, am Tag seines Todes, zu begehen angeordnet. Neben dieser Kirche sind noch andere ihm zu Ehren bei der Hütte und dem Sumpf, wo er zuerst gelegen, erbaut worden. So ist der Diener Gottes, der für Gott lebte und wirkte, im gesegneten Andenken bei Gott und den Menschen.
1. Betrachte das Elend einer Seele, die Gottes liebreichen Führungen sich entzieht, den Täuschungen ihrer Sinnlichkeit zu folgen. Was bewegt wohl den edlen Sohn des liebevollsten Vaters, das Vaterhaus zu verlassen, wo alle seine billigen Wünsche mit Liebe erfüllt werden? Er sagt es nicht, denn er müsste darüber erröten. Der Vater indessen lässt ihn ziehen, denn keiner Seele tut der himmlische Vater Gewalt an. Er zieht also, alle ehrbaren Freunde scheuend, fort in ein fernes Land. Dort nun genießt er seine volle Freiheit, das heißt, er lässt seinen Leidenschaften freien Zügel und stürzt sich in die Pfütze aller Laster. Erkennst du hier nicht dein eigenes Bild? Und gewährten diese Lüste dir Ersatz für den Frieden der göttlichen Liebe?
2. Doch wann hat je die Sünde eine Seele beglückt, zumal wenn sie früher gekostet hat, wie lieblich der Herr ist? Mitten in ihren Lüsten fühlt sie oft ihr Elend, ihre Verlassenheit, die seufzt sogar darüber, und dennoch ist sie als Sklavin gleichsam genötigt, mit dem verlorenen Sohn unreine Schweine zu hüten. Ja Gott selbst ängstigt sie zum Erschrecken des Gewissens, und vergällt ihre Lust ihr so bitter, dass ihre Angst, ihre Schande und ihr Elend ihr wahrhaft unerträglich werden. Fürwahr, bittere Hungersnot herrscht in diesem Land.
3. Horch, welche Stimme aus der Ferne! "Vater, ich habe gesündigt vor dem Himmel und vor dir!" Die Stimme der Gnade ist es, die ihn drängt, zurück zu kehren. Lange schon drängt sie ihn, denn sie folgte ihm bis in sein äußerstes Elend nach, und sie verlässt ihn nicht, bis er ihrem Ruf, wenn auch spät, dennoch endlich gehorcht. Folgst du nun dem verlorenen Sohn in seinen Verirrungen nach, so folge ihm denn auch in seiner Bekehrung, und du wirst, wie er, liebevollste Aufnahme beim himmlischen Vater finden. Denn er ist der Vater des Erbarmens, und kommt barmherzig allen entgegen, die ihn suchen. Jeremia 3,22: "Kehrt um, ihr abtrünnigen Söhne, ich will eure Abtrünnigkeit heilen. Da sind wir, wir kommen zu dir; denn du bist der Herr, unser Gott."