1. Betrachte das Elend einer Seele, die Gottes liebreichen Führungen sich entzieht, den Täuschungen ihrer Sinnlichkeit zu folgen. Was bewegt wohl den edlen Sohn des liebevollsten Vaters, das Vaterhaus zu verlassen, wo alle seine billigen Wünsche mit Liebe erfüllt werden? Er sagt es nicht, denn er müsste darüber erröten. Der Vater indessen lässt ihn ziehen, denn keiner Seele tut der himmlische Vater Gewalt an. Er zieht also, alle ehrbaren Freunde scheuend, fort in ein fernes Land. Dort nun genießt er seine volle Freiheit, das heißt, er lässt seinen Leidenschaften freien Zügel und stürzt sich in die Pfütze aller Laster. Erkennst du hier nicht dein eigenes Bild? Und gewährten diese Lüste dir Ersatz für den Frieden der göttlichen Liebe?
2. Doch wann hat je die Sünde eine Seele beglückt, zumal wenn sie früher gekostet hat, wie lieblich der Herr ist? Mitten in ihren Lüsten fühlt sie oft ihr Elend, ihre Verlassenheit, die seufzt sogar darüber, und dennoch ist sie als Sklavin gleichsam genötigt, mit dem verlorenen Sohn unreine Schweine zu hüten. Ja Gott selbst ängstigt sie zum Erschrecken des Gewissens, und vergällt ihre Lust ihr so bitter, dass ihre Angst, ihre Schande und ihr Elend ihr wahrhaft unerträglich werden. Fürwahr, bittere Hungersnot herrscht in diesem Land.
3. Horch, welche Stimme aus der Ferne! "Vater, ich habe gesündigt vor dem Himmel und vor dir!" Die Stimme der Gnade ist es, die ihn drängt, zurück zu kehren. Lange schon drängt sie ihn, denn sie folgte ihm bis in sein äußerstes Elend nach, und sie verlässt ihn nicht, bis er ihrem Ruf, wenn auch spät, dennoch endlich gehorcht. Folgst du nun dem verlorenen Sohn in seinen Verirrungen nach, so folge ihm denn auch in seiner Bekehrung, und du wirst, wie er, liebevollste Aufnahme beim himmlischen Vater finden. Denn er ist der Vater des Erbarmens, und kommt barmherzig allen entgegen, die ihn suchen. Jeremia 3,22: "Kehrt um, ihr abtrünnigen Söhne, ich will eure Abtrünnigkeit heilen. Da sind wir, wir kommen zu dir; denn du bist der Herr, unser Gott."
Himmlischer Vater, Du hast in dem reinen Herzen Deiner heiligen Jungfrau Gertrud eine wohlgefällige Wohnung Dir bereitet. Reinige auch unser Herz und tilge aus ihm alle Makel der Sünde, dass es zu einem Dir angenehmen Aufenthalt umgebildet werden möge, bis wir vereint zu den himmlischen Freuden mit allen lieben Heiligen gelangen mögen durch Jesus Christus, unseren Herrn, der mit Dir und dem Heiligen Geist gleicher Gott lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Patrick
O Gott, der Du, um Deine Herrlichkeit den Heiden zu verkündigen, den heiligen Patrick geschickt hast, verleihe uns durch seine Verdienste und Fürbitte, dass wir Deine Gebote beobachten, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Zur heiligen Gertraud
Bitte für mich, heilige Jungfrau Gertraud, die heiligste Gottesmutter Maria, damit sie mir bei ihrem göttlichen Sohn jetzt, so oft ich in Gefahr und Nöten bin, und einst, wenn ich im letzten Todeskampf liege, Gnade und Hilfe erlange, auf dass ich, von allen Sünden gereinigt, verdienen möge, hier von ihnen nicht verlassen, und dort in der heiligen Ewigkeit mit ihnen vereinigt zu werden. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
An diesem Tag ist im Jahr 1583 die Stiftskirche zu Loretto vom Papst Sixtus V. zu einer bischöflichen Kirche erhoben worden. In dieser Kirche steht das heilige Haus, in dem das ewige Wort im Schoß der seligsten Jungfrau Maria Fleisch geworden ist.
Patrick, der noch vor dem Jahr 400 in Schottland geboren wurde, war in seiner Jugend ein Strolch. Viel bildete er sich darauf ein, dass er schon sechszehn Jahre alt war. Und immer weiter strolchte er von daheim fort durch Wald und Feld, bis er eines Tages an das Meer kam. Dort ging es dann, wie es oft geht, wenn sich Kinder allzu mutig und kühn der Gefahr aussetzen. Patrick wurde von Seeräubern aufgegriffen, nach Irland gebracht und als Sklave verkauft.
Trostlos war die Zeit, die dann folgte. Patrick musste im Sommer das Vieh hüten und zur Winterszeit mit den Tieren im Stall schlafen. Kleider hatte er keine am Leib, nur Lumpen, und meistens hatte er großen Hunger. Da hat Patrick es bitter bereut, ein Strolch gewesen zu sein, aber die Reue kam zu spät. Scheinbar kam sie zu spät, denn eigentlich kommt die Reue nie zu spät. Und weil der liebe Gott in seiner Allmacht und Weisheit aus allem Schlechten etwas Gutes machen kann, sollten auch aus Patricks Strolcherei und Sklaverei Heil und Segen für ein ganzes Land und Volk hervorgehen.
Nach sechs harten Jahren glückte Patrick die Flucht aus der Gefangenschaft. Nach einer langen abenteuerlichen Fahrt kam er heilfroh bei den Eltern wieder an. Derjenige, der da ankam, war aber nicht mehr der frühere Strolch, sondern ein ernster junger Mann, der bald nach seiner Heimkehr ins Kloster ging und später Priester wurde. Warum er Priester wurde, hat er keinem gesagt, erst am Primiztag gestand er, dass er nur deswegen Priester geworden sei, um als Missionar dorthin zurückzukehren, wo er die sechs schweren Jahre verlebt hatte. Auf christliche Art wolle er an den heidnischen Iren Rache nehmen. Dafür, dass sie ihn gequält hätten, wolle er ihnen das Glück des wahren Glaubens bringen.
So hat es Patrick auch gemacht. Fünfzig Lebensjahre waren ihm noch beschieden, und in dieser Zeit ist er mit unermüdlichem Eifer in Irland landauf und landab gereist, hat alle Tage gepredigt und getauft, hat Kirchen und Klöster gebaut. Und als er im Alter von fast hundert Jahren starb, waren alle Bewohner Irlands Christen geworden. Nicht Christen sind sie geworden, bei denen nicht viel dahinter steckt, sondern heilige Christen in solcher Zahl, dass Irland für immer den Ehrennamen „Insel der Heiligen“ erhielt.
Was Patrick tat, war christliche Rache, die darin besteht, dass man Böses mit Gutem vergilt. Wer dagegen Böses mit Bösem vergelten will, übt nicht christliche, sondern Rache des Bösen.
Zum Schluss gibt uns der heilige Patrick noch einen schönen Gedanken mit auf den Weg.
Die Legende berichtet nämlich, dass auf das Gebet des Heiligen hin alle schädlichen Tiere verschwanden, so dass es bis zum heutigen Tag auf Irland, der Insel der Heiligen, weder Schlangen noch Maulwürfe noch Feldmäuse gibt.
Es ist eine schöne Legende, und es liegt ein tiefer Sinn darin. Denn jedes christliche Herz soll doch aus Liebe zum leidenden Herrn Jesus Christus eine heilige Insel werden, von der man das schädliche Böse und Fehler sorgfältiger noch als sonst fernhält.
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Irlands Nationalheiliger – Der Vater des christlichen Mitteleuropa
Von Jack White
Zusammenfassung aus „St. Francis Home Journal“
Capuchin College, Harewood Road,
Brookland, Washington, D.C.
Im Schiff einer unter Cromwell zerstörten Kirche in Downpatrick in Nordirland liegt der Leib des heiligen Patrick, des Apostels und Nationalheiligen Irlands. Noch kann man die Fundamente der Kirche erkennen, und eine glaubwürdige Überlieferung berichtet, dass in einem Haus neben der Kirche der Heilige am 17. März 465 starb.
Die tiefgelegene, gewellte Ebene rundum ist der Bezirk von Antrin, in dem der Heilige einst als Sklavenjunge die Schweine für seinen grausamen heidnischen Herrn, den Gutsherrn Mulchio von Deledidra, weidete.
Während der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts und dem Zusammenbruch des römischen Reiches waren die irischen Häuptlinge und Fürsten eine plündernde Bande grausamer Heiden. Unter der Führung roher Kapitäne machten sie Raubzüge an den Küsten Englands und Schottlands. Auf der Suche nach Beute kamen sie auch nach Frankreich, Spanien und Portugal, fingen dort viele Bewohner und verkauften sie als gewöhnliche Knechte an irische Landbesitzer.
Auf einem dieser Züge raubte König Nial, Herrscher von Erin, wie Irland damals hieß, in Gallien einen Jungen, nahm ihn mit nach England und verkaufte ihn an Mulchio, einen Gutsbesitzer in Deledidra. Dieser Knabe war der heilige Patrick, dessen sich die Vorsehung als Werkzeug bediente, um das heidnische Irland zu bekehren.
Im ersten Teil seiner „Beichte“ erzählt der heilige Patrick, dass er „beim Spielen im Hof seines Vaters vom irischen König Nial gefangen wurde“. Er gibt auch an, dass er 16 Jahre alt war und dass sein Vater Calpronius Richter in der Stadt Tarrabannae war, „in deren Nähe ich gefangen wurde“. (Die heutige französische Stadt Boulogne ist auf den Ruinen von Tarrabannae erbaut).
Er erzählt uns weiter, dass er „als Knabe nachlässig in Erfüllung der religiösen Pflichten war“. Die Grausamkeit seines heidnischen Herrn jedoch und die Einsamkeit der sumpfigen Wiesen, auf denen er die Schweine hütete, führten ihn näher zu Gott, und er betete tagsüber hundert Gebete und ebenso viele während der Nacht in der Hütte, durch die der Wind blies.
Während er die Schweine hütete, ging es ihm zu Herzen, zu sehen, wie die Leute in Unkenntnis des christlichen Glaubens lebten und starben. Sechs Jahre lang plagte er sich als Sklave. In dieser Zeit lernte er die gälische Sprache. Gegen Ende des sechsten Jahres seiner Gefangenschaft hörte er nachts im Schlaf eine Stimme, die ihn rief und zu ihm sagte: „Patrick, du bist treu in meinen Fußstapfen gegangen. Steh auf, zieh dich an und geh hinunter ans Meer! Dort erwartet dich ein Schiff, das dich in deine Heimat bringen wird.“ Ohne Zögern sprang er aus dem Bett, wandte sich ostwärts und eilte durch die Felder, bis er an die Küste kam.
Dort machte er einen Augenblick halt und schaute sich um. Da sah er ein Schiff. Matrosen eilten über das Deck, und er erkannte, dass keine Zeit mehr zu verlieren war. So lief er auf den Hafendamm hinaus und bat den Kapitän, ihn nach Gallien mitzunehmen.
„Ich weiß nicht, wer du bist“, fuhr dieser ihn an. „Scher dich fort, bevor ich dir ein Brett an den Kopf werfe.“
St. Patrick machte kehrt und eilte die Küste entlang fort. Da hörte er eine Stimme, die ihn zurückrief: „Ich habe mir es überlegt. Komm, ich nehme dich mit!“
„Das Herz voller Dankbarkeit gegen Gott“, schreibt er in seiner „Beichte“, „ging ich an Bord des Schiffes, das mit meiner Heimat Handel trieb, und nach drei Tagen erreichten wir das Festland nicht weit von der Stelle, wo ich einst gefangengenommen wurde.“
Als er nach ein paar Tagen nach Hause kam, waren seine Eltern überglücklich, ihn wiederzusehen. Freunde und Bekannte kamen, es war ein ununterbrochener Strom von Leuten, die zum Haus gingen, um ihn zu bewillkommnen. Der Junge aber, den die Leute als keinen besonders frommen Knaben gekannt hatten, hatte im Sumpfland von Antrin Gott gefunden und den Entschluss gefasst, Priester zu werden. Er erzählt: „Während ich wieder daheim in meines Vaters Haus war, hörte ich in meinen Ohren die Schreie der irischen Heiden ertönen, die mich zurückriefen, um sie aus der Finsternis des Heidentums und der drückenden Gewalt der Druiden, der keltischen Priester, zu befreien.
Mit einem Empfehlungsschreiben seines Heimatbischofs versehen, kam er zum heiligen German von Auxerre, unter dessen Betreuung und Leitung er die Heilige Schrift studierte. Im Alter von 39 Jahren wurde er zum Priester geweiht und lehrte im Kloster von Leirns, einer berühmten Stätte christlicher Erziehung. Dort hörte der heilige German von Patricks Sklaverei und der heidnischen Finsternis, die über Irland lag, die als Insel der Gottlosen bekannt war.
Er ließ die Schule von Leirns unter der Obhut des heiligen Patrick zurück und besuchte mit noch zwei Bischöfen Britannien, um die Schäden, die der Irrlehrer Pelagias dort angerichtet hatte, wieder zu beseitigen. In Britannien hörte er weitere Einzelheiten über die Lage des irischen Volkes. Auf seiner Rückreise nach Rom bat er den Papst dringend, nicht länger mit der Entsendung von Missionaren nach Irland zu warten, und empfahl, den heiligen Patrick dorthin zu senden. Aus einem nicht bekannten Grund aber schickte Papst Cölestin einen neugeweihten englischen Bischof namens Palladias nach Irland, um den Heiden das Evangelium zu bringen.
Palladias landete im Frühjahr 431 in Wicklow. In einem knappen dreiviertel Jahr gelang es ihm, 2000 Iren zu bekehren, vier Kirchen zu errichten und sechs Priester zu weihen. Als Folge der unaufhörlichen Hetze der Druiden aber wurde er bei der Bevölkerung der Gegend, deren Lebensweise und Sprache ihm fremd waren, sehr unbeliebt und verhasst. Er fürchtete, ermordet zu werden, und fuhr im Dezember 431 von Dublin nach England zurück; sechs Wochen später starb er in Schottland.
Als durch einen Brief des Bischofs von Warwick in England die Nachricht vom Fehlschlag des Palladias den Papst erreichte, forderte der heilige German Patrick auf, nach Rom zu kommen, wo er vom Papst huldvoll empfangen wurde. Er empfing die Bischofsweihe und den Bischofsstab, der in Liedern und in der Geschichte Irlands eine so große Rolle spielt. Hierauf nahm ihn der Papst bei der Hand, setzte ihn auf den Stuhl Petri und sprach: „Ich bekleide dich mit den Gewalten eines Missionars. Ziehe in das heidnische Irland und bringe dieses Land der Finsternis zum christlichen Leben!“
Drei Tage später brach der heilige Patrick, begleitet von den neu geweihten Priestern Benedikt und Iserninius, z u seiner Reise nach England auf und erreichte die Küste von Wicklow am 10. April 432.
Dreimal versuchten er und die beiden jungen Priester, an der zerklüfteten Küste zu landen; jedesmal wurden sie durch feindliche Eingeborene, die von einem halben Dutzend schreiender Druiden angefeuert wurden, vertrieben. Die drei Missionare landeten am folgenden Morgen um 11 Uhr in Balbriggan im nördlichen Teil der Grafschaft Dublin.
In seiner „Beichte“ und seinem „Brief an Coroticus“ lesen wir: „Als ein Fischer mir von einem großen alljährlichen Feste erzählte, das an jenem Tag bei Sonnenuntergang gefeiert werden sollte, war mir sofort klar, dass dieses Fest ein heidnischer Gottesdienst war. Ich sprach mit meinen beiden Helfern, und wir beschlossen, unverzüglich nach Tara zu gehen.“
In dieser heidnischen Zeit Irlands gehörte es zu dem Götzenfest, ein riesiges Freudenfeuer auf der Mauer des Palastes abzubrennen, wenn der letzte Sonnenstrahl verschwunden war. Es gab auch ein Gesetz, das bei Todesstrafe verbot, dass ein Einwohner des Landes, sei er Fürst oder Bettler, zu Hause, auf dem Feld oder auf den Bergen am Tag vor dem Jahresfest zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang ein Feuer anzünde, bevor dem „Angebetenen“ vom König und vom Oberdruiden gehuldigt worden war.
Der heilige Patrick kannte dieses alte Gesetz genau; denn während der sechs Jahre seiner Gefangenschaft war er an den feuerlosen Tagen gezwungen gewesen, kalt zu essen. Er erinnerte sich an diesen heidnischen Ritus, als er und die beiden jungen Priester auf einen Hügel stiegen, der eine Meile vom Palast entfernt war, und dort, gerade als der letzte Sonnenstrahl verschwand, ein flackerndes Feuer aus Ginster, Holz und Heidekraut anzündeten, dessen Flammen man von Tara aus sehen konnte.
Als man König Laori von dem Feuer auf dem Hügel von Slane berichtete, raste er so vor Wut, dass die Fürsten und Ersten des Landes, die in den Hallen des Palastes versammelt waren, meinten, die wilden Briten seien in Irland eingefallen. Der König fragte den alten Druiden Furlou, der von jedermann in Irland gefürchtet wurde, ob das Feuer die Tat eines Geisteskranken, eines Rebellen oder eines Thronbewerbers sei. Furlou schaute hinüber zu den Flammen auf dem Hügel, strich seinen grauen Bart und wandte sich dann an seine Umgebung.
„König von Erin,“ nickte er, „drüben auf dem Hügel von Slane erblicke ich ein helles Feuer. Wenn es nicht heute Nacht noch gelöscht wird, wird es nie mehr in Erin erlöschen.“ Besorgt schickte der König nach dem Hauptmann der Palastwache und befahl, sofort auf den Slanehügel hinaufzuziehen.
„Ihr werdet vielleicht zu kämpfen haben,“ schrie er, „aber kämpft als des Königs Soldaten. Tötet oder verhaftet den Mann oder die Männer, die es wagten, meine Gesetze zu übertreten.“
Noch keine Stunde verging, und die Soldaten kamen mit drei Gefangenen zurück. Voran der heilige Patrick in Bischofsgewändern, in seiner Rechten den Bischofsstab, den Papst Cölestin ihm gegeben hatte. Er betete die Lauretanische Litanei, als er leise mit seinen Sandalen eintrat.
Der König, der Druide, die Königin und die Fürsten fragten nun den Heiligen genau aus, was er in Irland vorhabe. Da begann Patrick von seinem Ziel zu sprechen, erzählte von Gott und dem gekreuzigten Christus: „Ich bin gekommen, um vom wirklichen und wahren Gott zu predigen, der alles weiß und alles sieht. Ich bin gekommen, um vom Himmel jenseits des Grabes zu sprechen und der ewigen Strafe, die euch erwartet, wenn ihr eure Ohren verschließt vor dem Wort des allmächtigen Gottes.“
Seine Kenntnis der gälischen Sprache kam ihm nun gut zustatten. Wir vernehmen aus zuverlässiger Quelle, dass er zwei Stunden lang zur Menge sprach, die staunend und schweigend die Rede von den großen Taten Gottes und von der Geschichte der Menschheit von Adams Fall bis zur Geburt und Kreuzigung Christi anhörte, von Christus, der „auf die Erde kam, um den Weg zu zeigen, der zum Reich seines Vaters führt.
Die Geschichte, dass er in jener Nacht ein dreiblättriges Kleeblatt auf dem Hügel von Tara pflückte, als der König und die Königin das Geheimnis der heiligen Dreifaltigkeit bezweifelten, wird so allgemein geglaubt und überall erzählt, dass man annehmen kann, dass sich diese Geschichte damals wirklich ereignete. Der heilige Patrick selbst jedoch erwähnt in seiner „Beichte“ diese dreiblättrige Pflanze, die zum Symbol Irlands geworden ist, nicht.
Es ist uns nicht überliefert, dass der König Christ wurde, die Königin aber wurde in jener Nacht im Hof des Palastes getauft, wobei ihre beiden Töchter, die Prinzessinnen Eihera und Fethlimia zuschauten und warteten, bis sie an die Reihe kamen.
In seinem „Brief an Coroticus“ schreibt der heilige Patrick: „Ich nahm Abschied von Tara, wo ich unter der königlichen Familie und den Fürsten 200 zum Christentum bekehrt hatte, reiste südlich durch Kildare und predigte dabei in Städten und Dörfern die Lehre Christi und taufte Tausende von Einwohnern, die an den Abenden in mein Zelt strömten.“
Obwohl der heilige Patrick beabsichtigt hatte, sobald als möglich Wiklow zu erreichen, wo sein Vorgänger vier Kirchen erbaut und sechs Priester geweiht hatte, dauerte es drei Jahre, bis er in den Bezirk Rosa kam. Dort hatte ein junger Priester, der Sohn eines Ortshäuptlings, den Druiden und ihren Anhängern Trotz geboten und verhindert, dass sie die kleine hölzerne Kapelle zerstörten, wo er den wenigen Christen predigte, die es noch wagten, die heilige Messe zu besuchen.
Vier Jahre lang predigte der heilige Patrick in den sechs Grafschaften von Thomond und Munster und trieb die Druiden von Bezirk zu Bezirk vor sich her. In diesen vier Jahren erbaute er 300 Kirchen und weihte 400 Priester. Bevor er den Shannon-Fluss gegen Clare überschritt, weihte er einen der beiden jungen Priester, die ihn von Rom aus begleitet hatten, Benedikt, zum Bischof von Watterford, , wo er bis zu seinem Tod blieb.
In Clare, Galwey, Mayo und Leitrium wurde der Zug des heiligen Patrick zu einem wahren Triumph. Die Leute eilten ihm zu Hunderten entgegen und begrüßten ihn jubelnd, wenn er näher kam. Sieben Jahre blieb er in der Grafschaft Connaught, wo er 500 Kirchen erbaute und mehr als 1000 Priester weihte. Iserninius, seinem Helfer, gab er den bischöflichen Stuhl von Tuam in Galway, bevor er über die Hügel von Leitrim nach Tonegal zog, wo er drei Jahre arbeitete und predigte.
Er merkte aber wohl selbst, dass diese Tage schwerer Arbeit seine Gesundheit und sein Herz aufbrauchten. So verließ er Donegal und durchreiste Nordirland auf der Suche nach einer Stelle für die Errichtung seiner Kathedrale. In der Grafschaft Armagh, kaum 75 Kilometer südöstlich jenes Sumpflandes, auf dem er einst die Schweine gehütet hatte, erblickte er einen grünen Hügel, der sich aus der wellenförmigen Ebene erhob.
„Auf diesem Hügel werde ich den Dom für ganz Erin erbauen,“ sprach er, „hier auf diesem Hügel soll unser Gotteshaus für immer stehen.“
In Armagh lebte dann der heilige Patrick bis zu seinem Tod. Auf einer Reise in die Grafschaft Down starb er, der nie ein sehr kräftiger Mann gewesen war, in der Ortschaft, die heute als Downpatrick bekannt ist, einem Städtchen östlich von Belfast. Dort ruht sein Leib, während seine Seele vom Himmel herabblickt auf das irische Volk, das trotz Hungersnot, Verfolgung und Tod am Glauben, den er ihm brachte, festgehalten hat.
1. Was soll dies Wort: "Gern möchte ich, allein ich kann nicht?" Meinst du etwa, dieser Ausspruch gereicht dir zur Entschuldigung? O wie wenig kennst du dein eigenes Herz! Du sagst: Gern möchte ich mich bessern, gern diese sündhafte Gewohnheit ablegen, gern mich überwinden, allein ich kann nicht. Das heißt, gern möchte ich dies alles tun, wenn es keinen Kampf kosten würde, wenn ich mir nicht Gewalt antun, mich nicht überwinden müsste. Ich kann nicht, heißt also mit anderen Worten gesagt: "Ich will nicht!" Führst du etwa diese Sprache auch bei deinen zeitlichen Angelegenheiten? Also nur wo es deinem ewigen Heil gilt, da möchtest du, und kannst nicht.
2. Bedenkst du auch, was du sprichst, wenn du sagst: Ich kann nicht! Eine Gotteslästerung sprichst du aus, denn dadurch nennst du Gott einen tyrannischen Herrn, der unmögliche Dinge von dir fordert, und beschuldigst ihn als den Urheber deiner Sünden und Fehler. Willst du der Wahrheit die Ehre geben: musst du dann nicht sagen, dass er selbst dich drängt, dass seine Gnade dich zur Besserung ermahnt, und dass sie selbst den Ausruf dir abnötigt: "Gern möchte ich!" Du hingegen willst dich nicht entschließen, deinem Vergnügen zu entsagen, willst dich nicht überwinden, und darum sprichst du: "Ich kann nicht!" Ja würdest du dich nicht vor deinem eigenen Gewissen fürchten, du würdest ganz deutlich sprechen: "Ich will nicht!"
3. Ach, mein Gott, du prüfst Herzen und Nieren. Vergib meine Trägheit, meine Bosheit, die mich bis jetzt davon abhielt, deinen innerlichen Einsprechungen zu folgen. Ernsthaft will ich dir angehören und die himmlische Seligkeit erlangen. Ich kann es, weil du, der du es mir befiehlst, mir auch die Gnade dazu verleihst. Mit dieser Gnade will ich im Vertrauen auf deine große Barmherzigkeit heute noch beginnen. Ach, allzu lange schon zögerte ich und missbrauchte deine göttliche Langmut. Durch deine Kraft will ich mich männlich überwinden, und die Siegeskrone verdienen, die du allen reichst, die rechtmäßig gestritten haben. Psalm 77,11: "Da sagte ich mir: Das ist mein Schmerz, dass die Rechte des Höchsten so anders handelt."
O Maria, Maria, Maria, wir grüßen, ehren und lieben dich und wünschen dir Glück zu allen Gnaden, die du im irdischen Leben empfangen hast. Ich möchte besonders heute mit meinem Gebet zu deinem mütterlichen Herzen dringen und es erweichen. O Maria, du bist ganz unbefleckt an Leib und Seele. Ich aber bin nichts als eine einzige Befleckung an Leib und Seele. Du bist voll Tugenden und himmlischer Gnaden. Ich aber bin voll Sünden und schlechter Neigungen. Du bist voll guter Werke und reich an Verdiensten. Ich aber bin voll von bösen Werken und gedrückt von schwerer Schuld. So bedecke denn durch deine Fleckenlosigkeit meine Befleckung. Vertilge durch deine Tugend meine Untugend. Lösche aus durch deine guten Werke meine bösen und durch deine reichen Verdienste bezahle meine schwere Schuld und Strafe. Amen.
Zu Jesus Christus
Herr, lass mich lieber sterben, als etwas begehen, was der hohen Bestimmung eines Christen unwürdig ist. Ich stehe in Deinem Dienst, und keinem Menschen soll es gelingen, mir diese Ehre zu rauben. Nie will ich Deinen Dienst verlassen, um Menschendiener zu werden. Der Du lebst und herrschst mit Gott dem Vater in der Einheit des Heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Gebet des heiligen Einsiedlers Abraham
Herr, würdige Dich, erbarmungsvoll auf meine Schwachheit herabzusehen. Stehe mir bei mit Deiner Gnade, damit Dein heiliger Name verherrlicht werde. Verlasse, o Gott, uns Menschen nicht, deren Schöpfer Du bist.
Gebet der heiligen Büßerin Maria
Wende Dich zu mir, o mein Gott, ich habe gesündigt. Keine Wunde ist so groß, dass Du sie nicht heilen könntest. Ich bin unwürdig Deiner Barmherzigkeit, allein Dein heiligster Sohn hat sie mir verdient. Durch ihn werde ich erlangen, was ich nicht verdiene. Vater der Liebe, schone mich. Wasche mich rein von meinen Sünden durch das Blut Jesu Christi, dann wird an mir nichts Unreines mehr gefunden werden, das Dir noch missfallen könnte. Entreiße mich dem tiefen Abgrund meines Elends, damit ich immer Dein Lob singe.
Andenken an die seligste Jungfrau
Zu Gent in den Niederlanden wurde am heutigen Tag im Jahr 1625 durch den Bischof die Bruderschaft der Sieben Schmerzen Mariä errichtet, die von der Zeit an sehr zugenommen hat.
Am Heiligen Abend des Jahres 999 begab es sich, dass den Kölnern der Mund auf einmal stillstand und dass ihre angeborene Spottlust sang- und klanglos verstummte. Die Ursache des bemerkenswerten Vorgangs war der neue Erzbischof Heribert, der an diesem Tag seinen Einzug in Köln hielt, um im feierlichen Mitternachtsgottesdienst die bischöfliche Weihe zu empfangen.
Als die Geistlichkeit und das Volk von Köln ein halbes Jahr vorher die Bischofswahl vollzogen hatten, kannten sie Heribert noch nicht. Sie wussten von ihm nur, dass er ein tüchtiger Mann sein sollte, und das war er auch. Zu Worms aus ritterlichem Geschlecht geboren, hatte er daheim und in einem Kloster bei Metz eine gediegene Ausbildung erhalten. Nach dem Empfang der heiligen Priesterweihe war er, damals keine Seltenheit, in den Staatsdienst übergetreten. Er war der Vertraute des Kaisers und Erzkanzler des Reiches geworden. Alles in allem war er also ein fähiger Mann. Den Umstand, dass er bei seiner Wahl zum Erzbischof von Köln erst dreißig Jahre zählte, empfand man als zeitgemäß, denn kurz zuvor hatte der sechsundzwanzigjährige Papst Gregor V. dem sechzehnjährigen Otto III. zu Rom die deutsche Kaiserkrone aufs Haupt gesetzt. Das war damals wohl eine jugendbewegte Zeit.
So standen also am Heiligen Abend des Jahres 999 die Kölner in hellen Scharen am Rhein, um der Landung und dem feierlichen Empfang des neuen Oberhirten beizuwohnen. Unter dem Geläute aller Glocken der Stadt nahte vom hohen Dom her mit fliegenden Fahnen die Prozession, die den Neugewählten abholen sollte. Gleich hinter dem Kreuz schritten die reichen Kaufherren und vornehmen Bürger. Ihnen schlossen sich, hoch zu Ross, die städtischen Rittergeschlechter an. Es folgte ein langer Zug von Ordensleuten. Messdiener, ohne die bekanntlich überhaupt kein kirchliches Fest möglich ist, waren in rauen Mengen vertreten. Die Reihe der Priester im weißen Chorrock schien kein Ende zu nehmen, und den Schluss des Zuges bildeten Bischöfe mit Stab und Mitra. Mit einem Wort gesagt, Köln erlebte wieder einmal einen seiner großen Tage, und die herrschende bittere Kälte konnte der Festtagsfreude kaum Abbruch tun.
Doch da naht auf dem Rhein auch schon das Schiff mit dem neuen Oberhirten an Bord. Mit geschickter Hand werfen die Schiffer die Seile aus und befestigen das Fahrzeug an den Rammklötzen des Ufers. Schnell stellt ein hölzerner Landungssteg die Verbindung zwischen Schiff und Hafen her, und dann betritt inmitten der Erzbischöfe von Mainz und Trier der neue Oberhirte von Köln erstmals den Boden seiner Bischofsstadt, ohne allen Prunk, barfuß trotz der bitteren Kälte und in einem solch armseligen Gewand, dass man ihn eher für einen Bettler als für einen Kirchenfürsten halten konnte. Da stand den Kölnern tatsächlich der Mund vor Staunen still, und ihre Spottlust verstummte.
Auf diese Weise eroberte sich Erzbischof Heribert gleich im ersten Augenblick das Herz der Kölner. Als es sich dann auch noch zeigte, dass des Erzbischofs Wohltätigkeit keine Grenzen kannte, wären die Kölner für ihn im Notfall durchs Feuer gegangen. Kein Bettler blieb an der Tür des Bischofshauses unbeschenkt. Heribert suchte, als einfacher Priester gekleidet, die Armen und Kranken auf und gab mit vollen Händen. Bei den reichen Leuten der Stadt ordnete er eine Entrümpelung der Speicher und Keller an und schickte den gefundenen Überfluss an Möbeln, Kleidern, Schuhen und Bettzeug in die Häuser der Bedürftigen. Zur Zeit einer Hungersnot richtete der Erzbischof Armenküchen ein. Neben den Kirchen, die Heribert erbaute, errichtete er auch Kranken-, Alters- und Waisenhäuser. Der Ruf von dem wohltätigen Sinn des kölnischen Oberhirten erfüllte bald die ganze Öffentlichkeit, und aus den verschiedensten Teilen der Christenheit strömten die Armen herbei nach Köln zu Bischof Heribert, als der wahre Vater der Notleidenden allen zu helfen suchte. Damals genoss Köln den hohen Ruf und Ruhm, dass in seinen Mauern die christliche Wohltätigkeit am besten geübt und gepflegt werde.
Tief betrauert, starb Heribert fünfzigjährig am 16. März 1021. Seine Überreste ruhen bis auf den heutigen Tag in einem kostbaren Schrein, der auf der Außenseite sein Bildnis trägt inmitten zweier Frauengestalten, von denen die eine die Demut und die andere die Wohltätigkeit versinnbildet.
Der heilige Abraham wurde zu Chidane, in Mesopotamien, bei Edessa geboren. Seine Eltern, ebenso ausgezeichnet durch ihre Tugend, als durch ihre edle Abkunft, gaben ihm eine vortreffliche Erziehung, und trugen vor allem Sorge, ihm frühzeitig die Liebe zur Tugend zu vermitteln. Sie machten ihm, da er das Alter erreicht hatte, wo er in die Welt eintreten sollte, den Antrag, sich durch die Bande der Ehe mit einer Jungfrau von den seltensten Eigenschaften zu verbinden. Der junge Abraham hätte gerne in beständiger Enthaltsamkeit sein Leben zugebracht, wozu er auch sogar die Erlaubnis seiner Eltern schon begehrt hatte. Allein da er sie nicht erlangen konnte, trat er aus Gehorsam in einen Stand, zu dem er wenig Neigung hatte. Er erhielt aber bald seine Freiheit wieder.
Nach der hochzeitlichen Feier und den bei solchen Gelegenheiten üblichen Gastmahlen erklärte er seiner Braut den gefassten Entschluss, in immerwährender Enthaltsamkeit zu leben. Dann ging er heimlich davon und verschloss sich in eine einsame Zelle, die ungefähr eine Stunde von der Stadt Edessa entfernt lag. Es ist nicht zu bezweifeln, dass er hierin auf besondere Eingebung des Himmels gehandelt habe, wenn er nicht wirklich die Beistimmung seiner Gattin erlangt hatte. Seine Eltern und Freunde waren über diese unvermutete Flucht ganz trostlos. Man stellte von allen Seiten die genauesten Nachforschungen an, und doch konnte man erst nach 17 Tagen seinen Aufenthaltsort entdecken. Man bot alles auf, um ihn seiner Braut wieder zuzuführen, allein er blieb unbeugsam, und beteuerte, dass er nie mehr in Gemeinschaft mit der Welt leben wolle. Kaum hatten sich jene entfernt, die ihn entdeckt hatten, als er die Tür seiner Zelle zumauern ließ, bis auf ein kleines Fenster, durch das er die nötigsten Lebensbedürfnisse erhielt.
Abraham, nun einzig mit der Betrachtung der ewigen Wahrheiten beschäftigt, wandte alle Augenblicke an Gott zu loben, ihn anzubeten, und seine Barmherzigkeit herabzuflehen. Er hatte die Gabe der Tränen im vorzüglichsten Grad, und war vollkommen von allen Geschöpfen losgetrennt. Er besaß nichts als einen Mantel, ein härenes Bußkleid, und ein kleines Gefäß, dessen er sich zum Essen und Trinken bediente. Die strengste Bußübung war für ihn der süßeste Wonnegenuss, während der 50 Jahre, die er in der Einsamkeit zubrachte, ging er nie in etwas von derselben ab.
12 Jahre hatte er diese Lebensweise geführt, als seine Eltern starben. Sie hinterließen ihm bedeutende Güter. Allein weil er allem Umgang mit der Welt gänzlich gesagt hatte, bat er einen tugendhaften Freund, sein Vermögen in Empfang zu nehmen, und es unter die Armen und Waisen auszuteilen. Indessen breitete sich der Ruf von seiner Heiligkeit immer mehr aus, und man strömte von allen Seiten herbei ihn zu sehen, und seine Reden anzuhören, die voll der Salbung, Weisheit und Gnade waren.
Bei der Stadt Edessa lag ein kleiner, sehr volkreicher Marktflecken, dessen Einwohner noch dem Götzendienst ergeben waren. Noch keinem der Missionare, die man dahin geschickt hatte, war es gelungen, das Licht des Evangeliums in den dichten Finsternissen anzuzünden, und die einzige Frucht ihrer Arbeiten war, dass sie sich tausend Misshandlungen zuzogen. Der Bischof von Edessa, dem die Bekehrung dieses Marktfleckens immer sehr am Herzen lag, entschloss sich, einen neuen Versuch zu machen. Er warf daher seine Augen auf Abraham, der im hohen Ruf der Heiligkeit stand, weihte ihn, seiner Widersetzung ungeachtet, zum Priester, und erteilte ihm den Auftrag, dieser verirrten Herde den Glauben zu predigen. Während der Reise empfahl der Heilige sein Unternehmen dem Schutz des Himmels. „Herr,“ rief er oft aus, „würdige dich, erbarmungsvolle Blicke auf meine Schwäche zu werfen. Stehe mir bei mit deiner Gnade, damit dein heiliger Name verherrlicht werde! Verlasse, o mein Gott, die Völker nicht, deren Schöpfer du bist!“
Als der Marktflecken vor seinen Blicken lag, sah er Rauch von den Götzenopfern aufsteigen. Da vergoss er viele Tränen über des Volkes Blindheit, und verdoppelte seine glühenden Gebete. Kaum war er angelangt, so fing er an, die Lehre Jesu zu predigen, aber niemand wollte ihn hören. Er ließ sich hierdurch noch nicht abschrecken. Die Heiden mochten ihn noch so sehr misshandeln, und aus ihrer Mitte wegtreiben, er kam jedes Mal mit demselben Eifer zurück. Drei Jahre vergingen auf diese Weise. Die Geduld und Sanftmut Abrahams rührten endlich diese Götzendiener. Sie wurden über ein Betragen nachdenkend, das ihnen unbegreiflich schien, und zweifelten nicht, dass der Heilige auf göttlichen Antrieb handle. Sie entsagten nach und nach alle ihrem Aberglauben, und begehrten die Gnade der Taufe. Der Heilige verwandte noch ein ganzes Jahr, um sie im Glauben zu bekräftigen, versah sie dann mit eifrigen Religionsdienern, und kehrte wieder in seine Zelle zurück.
Er hatte einen Bruder in der Welt, der kurze Zeit nach seiner Rückkehr starb. Er hinterließ eine noch sehr junge Tochter namens Maria. Der Heilige, der sie zum gottseligen Leben heranbilden wollte, nahm sie in eine Zelle neben der seinigen, um ihr leichter den Unterricht erteilen zu können. Maria machte bald große Fortschritte auf dem Weg der Vollkommenheit, und wurde ein vollendetes Muster der Tugend und Buße. Allein der höllische Feind, der seit längerer Zeit schon auf ihren Untergang sann, fand Mittel, ihr ihre Unschuld zu rauben. Das Werkzeug, dessen er sich bediente, war ein verdorbener Einsiedler, der oft an ihre Zelle kam, unter dem Vorwand sich bei Abraham Rat zu holen. Dieser schändliche Verführer, der in unlauterem Feuer brannte, legte ihrer Keuschheit Fallstricke, und erlangte ihre Einwilligung zur Befriedigung seiner bösen Lust.
Kaum aber hatte Maria das Laster begangen, als sie ganz von dem Schrecken desselben ergriffen wurde. Allein statt zu Gott um Verzeihung zu bitten, überließ sie sich den übermäßigsten Schmerzen, und fiel zuletzt in Verzweiflung. Sie zog sich dann in eine von dem Aufenthalt ihres Oheims entlegene Stadt zurück, und ergab sich den schändlichsten Ausschweifungen. Abraham, der nicht wusste, was aus seiner Nichte geworden war, beweinte ihr Unglück mit bitteren Tränen und flehte zu Gott in beständigem Gebet um ihre Bekehrung. Erst zwei Jahre nach ihrer Entfernung erfuhr er ihren Aufenthaltsort. Die Hoffnung, dieses verirrte Schaf wiederzufinden, flößte ihm den Entschluss ein, ihr nachzueilen. Er verließ seine Zelle, legte ein anderes Kleid an, und begab sich in das Haus, in dem seine Nichte wohnen sollte. Er begehrte mit ihr allein zu speisen, und, als sie sich allein befanden, zog er plötzlich die Kopfbedeckung ab, die sein Gesicht unkenntlich gemacht hatte, und redete sie mit einer von Seufzern unterbrochenen Stimme also an: „Maria, meine Tochter, Maria, kennst du mich? Was ist das englische Gewand deiner Jungfrauschaft geworden? Was sind jene Tränen geworden, die du in Gottes Gegenwart vergossen hast? Was sind jene Nachtwachen, jene strengen Bußübungen geworden, welche ehehin deine Wonne waren? Wie bist du, meine geliebte Tochter, in den Abgrund des Lasters gesunken? Warum hast du mir nicht deinen Fall gestanden? Ich hätte dir geholfen, wieder zur Gnade Gottes zurückzukehren.“
Da der Heilige seine Nichte mit Scham bedeckt, und von Schrecken ergriffen sah, ermahnte er sie zärtlich, ihr Vertrauen auf Gott zu setzen. „Verzweifle nicht,“ sagte er zu ihr, „ich nehme deine Sünden auf mich: glaube mir nur, und kehre in deine Einsamkeit zurück. Mein geliebter Ephrem ist wegen deiner trostlos, und betet unaufhörlich für dich. Es ist nichts Befremdendes, dass man im Kampf zur Erde geworfen wird, es ist aber schandvoll, sich nicht mehr zu erheben. Verscheuche das Misstrauen, alle Menschen können fallen, dies ist eine Folge ihrer natürlichen Schwäche. Denke einzig daran, den Beistand der Gnade Gottes zu erbitten. Gott will den Tod des Sünders nicht, sondern dass er sich bekehre und lebe.“ Maria, gerührt durch diese Worte, fasste wieder Mut, und versprach in allem ihrem Oheim gehorsam zu sein. Der Heilige führte sie mit sich in seine Einöde zurück, und verschloss sie in die Zelle, die sie vorher bewohnt hatte. Da brachte sie die 15 letzten Jahre ihres Lebens in der Übung aller Tugenden zu. Tag und Nacht beweinte sie den Verlust ihrer Unschuld, und züchtigte ihren Leib durch strenge Abtötungen. Gott nahm ihre Buße mit Wohlgefallen auf, und verlieh ihr sogar, drei Jahre nach ihrer Bekehrung, die Gabe der Wunder. Endlich starb sie des Todes der Gerechten. Der heilige Ephrem, der sie vor ihrer Beerdigung noch sah, sagt, ihr Angesicht habe in Herrlichkeit zu strahlen geschienen, und eine Schar der himmlischen Geister habe ohne Zweifel ihre Seele in die glücklich seligen Wohnungen hinübergetragen.
Der heilige Abraham überlebte seine Nichte noch 5 Jahre. Da sich die Nachricht von seiner letzten Krankheit verbreitet hatte, strömte man von allen Seiten herbei, um seinen Segen zu empfangen. Nach seinem Tod suchten die Christen die Überbleibsel von seinen Kleidern, bei deren Berührung mehrere ihre Gesundheit erhielten, sich zu verschaffen. Dies sind die Ausdrücke des heiligen Ephrem, der Augenzeuge dessen war, was er erzählte. Der Name der heiligen Maria steht in den griechischen Kalendern, jener des heiligen Abraham aber steht nicht nur in den griechischen, sondern auch in den lateinischen und koptischen Kalendern.
Der heilige Abraham wusste seine Einöde zu einem Paradies umzuschaffen, weil er Gott in ihr fand, dessen Gegenwart die ganze Glückseligkeit des Himmels ist. Im Genuss der Gegenwart Gottes und der Engel, konnte er sehr wohl des Umgangs der Menschen entbehren. Und wie hätte es ihm an Beschäftigung fehlen sollen? Die Tage und Nächte genügten ihm kaum zur Betrachtung himmlischer Dinge. Während sein Körper mühevolle Arbeiteten verrichtete, war Geist und Herz gänzlich in Gott versenkt. Der Schlaf selbst trennte ihn nicht von seinem Einziggeliebten, weil seine Seele beständig mit ihm vereinigt war. Ein schönes Beispiel für die Christen, die genötigt sind in den Zerstreuungen der Welt zu leben. Sie werden dem heiligen Abraham nachahmen, wenn sie die heilige Gewohnheit sich eigen machen, innerlich stets vor Gott zu wandeln, und dessen Wille zum einzigen Gegenstand ihrer Handlungen, Gedanken und Wünsche zu machen. Durch diese heilige Stimmung werden sie einigermaßen den Engeln ähnlich werden, die vor dem Thron Gottes stehen, für die leben und lieben ein und dasselbe ist. „Die Engel“, sagt der heilige Gregor der Große, „tragen ihr Paradies stets in sich, wohin sie Gott auch senden mag, weil sie nie aufhören mit ihm vereinigt zu sein, und durch ihr stetes Verbleiben im Schoß seiner Unendlichkeit, ihr Amt im Heiligtum seiner Gottheit ausüben.“ Dies ist die Glückseligkeit des Christen, wenn er es versteht, sich mitten in seinem eigenen Herzen eine eigene Einsamkeit zu bilden, die ihn beständig in heiliger Unterhaltung mit Gott leben lässt.
1. Du lebst hier nur kurze Zeit, und welchen Gewinn bringt es dir, wenn du den größten Teil dieser kostbaren Zeit auf irdische Dinge verwendest, ja wenn du sogar für andere lebst, wofern du nicht auch dir selbst lebst? Was findest du in der Welt anderes, als Zerstreuungen, die dich nicht zu dir selbst kommen lassen? Notwendig also ist es dir, dass du wenigstens zuweilen von der Welt dich absonderst, dein Gemüt ordnest und der künftigen Dinge gedenkst. Denn dies ist die Weisheit der Kinder des Lichtes: fortzuziehen aus den Finsternissen Ägyptens.
2. Darum auch spricht der Herr von der getreuen Seele. Hosea 2,16: "Ich will sie in die Wüste hinausführen und zu ihrem Herzen sprechen." Denn nicht möglich ist es, dass im Gewirr der Welt und unter dem Getöse der Leidenschaften eine Seele die zarte Stimme der Gnade vernimmt. Die Ansprache Gottes aber ist das Licht des Heiligen Geistes, das ihr Innerstes erleuchtet, und ihr zeigt, wie gering und vergänglich alles ist, was die Welt geben und nehmen kann, wenn es gegen die künftigen Güter verglichen wird, die in der Hand des Herrn liegen. Dort erhebt er das Herz über sich selbst, löst es von der Begierlichkeit, zieht es zur Liebe himmlischer Dinge an, sättigt es durch lieblichen Trost, und erteilt ihm sogar das Licht der Klugheit, fruchtbringend nach außen zu wirken.
3. Ist es dir nicht möglich, in die wirkliche Einsamkeit dich zu entfernen, so errichte eine Einöde in deinem Herzen, wohin niemand eindringen kann, als Gott und du. Die Ruhe einer solchen Seele ist unerschütterlich gleich dem Gipfel eines hohen Berges, wo beständige Heiterkeit herrscht. Wie sehr es auch in den niedrigen Regionen donnert und stürmt. Aber selig, wem es vergönnt ist, die heilige Einsamkeit selbst zu bewohnen, denn sie ist die Mutter himmlischer Gedanken, die Hüterin des reinen Gewissens, die Quelle der Zerknirschung und heiliger Tränen, die Leiter zum Himmel. "Ich will hören, was Gott redet: Frieden verkündet der Herr seinem Volk und seinen Frommen, den Menschen mit redlichem Herzen." (Psalm 85,9)
Heiliger Longinus, bitte für mich, auf dass ich eben jenen Weg des Heils, den du dir durch die Lanze zum Herzen Jesu geöffnet hast, durch Tränen und Seufzen immerwährend betrete, so lange ich lebe, damit ich dann auch sterbend meinen Geist in das göttliche Herz aushauchen möge. Amen.
Zu Gott
Himmlischer Vater, lass doch, wir bitten demütig, denjenigen, die Dich noch nicht durch den Glauben erkennen, das Reich der Gnade und Wahrheit zukommen, in dem wir das unverdiente Glück haben, zu sein, damit wir einst miteinander, vereinigt im Reich der Glorie, Dich mit dem Sohn und dem Heiligen Geist immer und ewig lieben und loben mögen. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
Zu Chartres in Frankreich wurde heute ein feierlicher Bittgang zur Danksagung der im Jahr 1568 von der Belagerung der Ketzer befreiten Stadt gehalten. Diese Befreiung schrieben die Einwohner mehr dem Schutz der seligsten Jungfrau als der Tapferkeit ihrer Vorfahren zu. Über allen Stadttoren steht ein Muttergottesbild, und man sieht noch an dem Tor der Druiden, vor dem die Ketzer das Lager hatten, das ganz unbeschädigte Muttergottesbild, obschon die Kanonen und Musketen-Kugeln häufig darauf abgeschossen worden sind, und rings herum einige Finger breit davon die Malzeichen hinterlassen haben.
Als ein etwas verspätetes Weihnachtsgeschenk wurde am Stephansfest des Jahres 1751 dem Ackersmann Hofbauer und seiner Gattin Maria zu Taßnitz in Mähren als neuntes von zwölf Kindern ein Junge in die Wiege gelegt, das am gleichen Tag in der heiligen Taufe den Namen Hans erhielt. Mit sechs Jahren verlor Hans den Vater durch den Tod, und die herzensgute Mutter hatte ihre liebe Not, um für die zwölf Kinder den Lebensunterhalt zu verdienen. Hans wäre gerne Priester geworden, aber die Not im Elternhaus verhinderte es, dass sich der schöne Jungentraum bald erfüllte.
Hans kam zu einem Bäcker in die Lehre. Immer noch wünschte er sich von ganzem Herzen, dass er einmal Priester werde, und innig betete er jeden Tag um diese Gnade. Wo aber ein Junge mit solch einem Sinn, wie es damals der Hans Hofbauer tat, beharrlich und treu um das Priestertum bittet, da hilft der liebe Gott gern nach und macht das scheinbar Unmögliche möglich. Aus dem Bäckerlehrling ist auch schließlich noch ein Priester geworden, ein heiliger Priester, dessen Wirken von Segen überfloss.
Weit war allerdings Hans Hofbauers Weg bis zu den Stufen des Altars. Aus dem Bäckerlehrling wurde zunächst ein Klosterdiener, aus dem Klosterdiener ein Einsiedler mit dem neuen Namen Klemens, aus dem Einsiedler wieder ein Bäckergeselle in Wien, der nebenbei des Nachts Latein lernte, bis er schließlich mit einem Freund zu Fuß nach Rom wanderte. Dort trat er in einen gerade gegründeten Redemptoristenorden ein, vollendete die Studien und erhielt mit vierunddreißig Jahren als Lohn seiner unentwegten Treue die heilige Priesterweihe. Endlich durfte er Jesus Christus unter dem Schleier der Gestalten von Brot und Wein in Händen tragen.
Vierunddreißig Jahre war also Pater Hofbauer alt, als er die Priesterweihe empfing, und vierunddreißig Jahre Priestertum waren ihm bis zu seinem Tod noch beschieden. Mehr als die Hälfte der Zeit wirkte der Heilige in Warschau, der Hauptstadt von Polen. Es war ein harter Beginn in Armut und bitterer Not. Obwohl der Heilige selbst Not litt, gründete er ein Waisenhaus und bettelte für sich und für die Waisenkinder. Als ihn einmal auf einem Bittgang einer, den er um eine milde Gabe bat, ins Gesicht spuckte, wischte sich Pater Hofbauer ruhig das Gesicht ab und sagte: „Das war für mich, und nun geben Sie mir bitte auch eine Kleinigkeit für meine Waisenkinder!“
Da war der Spötter besiegt, gab alles Geld her, das er bei sich trug, und kam obendrein am andern Tag, um eine Lebensbeichte abzulegen. So handeln die Heiligen, und deswegen ist auch ihr Wirken reich gesegnet.
Vor allem war es Pater Hofbauer ein Anliegen, den Gottesdienst würdig zu feiern, und wenn er predigte, gingen seine Worte den Zuhörern tief zu Herzen. Bald predigte er alle Tage. Immer größer wurde der Zulauf der Gläubigen. Im Beichtstuhl, den er wegen des Andranges kaum noch verlassen konnte, erntete der seeleneifrige Priester hundertfältige Frucht. Das verlotterte Warschau erhielt durch Pater Hofbauer wieder ein christliches Gesicht.
Auf die gleiche Art und mit dem gleichen Erfolg wirkte der Heilige später als Caritasapostel, Prediger und Beichtvater in Wien, der Hauptstadt von Österreich. Er hatte eine eigene Art, die Seelen an sich zu ziehen und für Christus zu gewinnen. Rastlos wirkte er, denn er meinte, solange man lebe, müsse man auch arbeiten und Gutes tun.
Als Pater Hofbauer acht Tage vor dem Tod zum letzten Mal im Beichtstuhl saß, sah ein Mann, der in der Nähe war, wie sich auf einmal die Kirchentür öffnete. Weißgekleidete Gestalten mit Blumenketten in den Händen traten im langen Zug herein und zogen winkend am Beichtstuhl des Heiligen vorüber, der sich mit einem seligen Lächeln auf dem Gesicht hinausbeugte und sagte: „Ja, ich komme, ich komme.“
Weil der heilige Klemens Maria Hofbauer lebenslang trotz aller Hindernisse mit unverbrüchlicher Treue den Weg ging, den der liebe Gott ihm vorgezeichnet hatte, deshalb ist aus dem armen Bäckerlehrling ein berühmter Heiliger geworden.
1. Versuchungen sind in der Hand der Vorsehung eines der besten Mittel, die Auserwählten zu prüfen, zu reinigen und zu großen Verdiensten zu erheben. Darum ließ unser göttlicher Erlöser selbst es zu, dass Satan ihn versuchte, um durch glorreichen Sieg über seine Arglist und Bosheit seinen himmlischen Vater zu verherrlichen, und uns selbst ein Beispiel zu geben, wie wir seine giftigen Einflüsterungen überwinden sollen. Denn zertrat er auch dieser alten Schlange das Haupt dadurch, das er die furchtbare Macht Satans brach, so ließ er es dennoch zu, dass er unseren Fersen nachstellte und uns zur Sünde versuchte, um seinen treuen Streitern dadurch Gelegenheit zum Sieg über ihn zu geben.
2. Niemals würden wir ohne die Versuchung zur wahren Kenntnis unser selbst gelangen. Denn nicht wenige halten sich für stark und wahrhaft fromm, aber die Versuchung zeigt ihnen, was sie sind, und führt sie dadurch zur Demut, ohne die niemand Gott gefallen kann. Diese Demut in uns zu erhalten, lässt seine Weisheit oft die schändlichsten Versuchungen sogar bei seinen heiligsten Dienern zu, wie wir offenbar an dem großen Apostel, dem heiligen Paulus, sehen, den Satans Engel zu fleischlichen Sünden versuchte und demütigte, damit er über die Größe seiner Offenbarungen nicht eitel würde. Manche auch, die in Gefahr schweben, in Lauigkeit zu versinken, werden durch Stürme schwerer Versuchungen aufgeschreckt, rufen den göttlichen Beistand an, und verdienen durch männlichen Sieg reichlichere Gnaden.
3. Gar sehr wird Gott dadurch geehrt, wenn wir bei heftigen und drängenden Versuchungen zu sündhafter Lust, und zu den gegenwärtigen, sichtbaren Gütern, dem unsichtbaren Gott zu Liebe großmütig widerstehen, und nirgend können wir unseren Glauben an seine Allwissenheit und unsere Ehrfurcht gegen seine heiligen Gebote ihm deutlicher zeigen. Dieser Gedanke ermutige dich, tapfer im Kampf zu stehen. Kräftige also dein Herz, wenn Versuchungen über dich kommen, bezeige Gott deine Liebe und rufe ihn um seinen Beistand an, und der Versucher wird beschämt von dir fliehen. Jakobus 1,12: "Glücklich der Mann, der in der Versuchung standhält. Denn wenn er sich bewährt, wird er den Kranz des Lebens erhalten, der denen verheißen ist, die Gott lieben."
O Gott, der Du das Leben deiner Dienerin Mathilde mit Trost und Trübsal ausgestattet, sie aber zuletzt mit der Krone der Seligkeit geschmückt hast, verleihe uns auf ihre Fürbitte die Gnade, dass wir Dir freudig danken für alle guten und frohen Tage, in den Tagen der Trübsal aber nicht verzagen, sondern Dir treu bleiben in Geduld und Liebe und lernen, freudig und dankbar uns unter Deiner Hand zu beugen, auch wenn Du uns - sei es zur Strafe oder zur Prüfung - züchtigst. Amen.
Zu Gott
Halte uns aufrecht, o Gott, in den Leiden, die Deine Vorsicht über uns kommen lässt, und gib uns die Gnade, dass wir, in unseren Trübsalen auf unseren Erlöser und seine treuen Diener unentwegt hinblickend, mit ihnen dulden, um auch dereinst ewig mit ihnen uns zu freuen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Zu Gott auf die Fürbitte der heiligen Mathilde
Schenke, o Gott, auf die Fürbitte der heiligen Mathilde allen Eltern jene Weisheit in Erziehung der ihnen anvertrauten Kinder, durch die sie stets weder zu nachsichtig noch zu streng mit der himmlischen Liebe ihre Kleinen heranbilden, mit der Du als Vater für uns alle sorgst. Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
Zu Rom wurden heute drei feierliche Bittgänge mit den Bildnissen des Heilands und der Mutter Gottes gehalten. Sie wurden von Papst Leo X. im Jahr 1518 angeordnet, um die christlichen Fürsten gegen die fürchterliche Macht der Türken zu vereinigen. Selim der Sultan hatte gedroht, das Christentum auszurotten. Er wurde aber überwunden und von einer Krebskrankheit aufgezehrt.
Das Leben der großen heiligen Frau und Königin Mathilde lässt sich passend in die drei Worte Palmsonntag, Karfreitag und Ostern zusammenfassen.
Es war da also einmal vor vielen hundert Jahren ein Edelfräulein aus dem Geschlecht des Sachsenherzogs Widukind mit Namen Mathilde. Zu Herford in Westfalen wurde das Mädchen von Klosterfrauen in den Wissenschaften und zu allen fraulichen Tugenden erzogen, und als sich mit den Jahren bei Mathilde zu der Schönheit der Seele auch eine hohe körperliche Anmut gesellte, geschah es, dass sich der Ruf von ihr weitum im Land verbreitete. Da erschien der junge Herzog Heinrich von Sachsen und begehrte Mathilde zur Frau, und bald feierten die beiden Hochzeit.
Einige Jahre später wurde Herzog Heinrich von Sachsen von den Fürsten des Landes zum deutschen König gewählt, und damals wurde dann auch aus seiner Gattin, der Herzogin, die Königin Mathilde.
Es war eine herrliche Königin. Wenn sich Mathilde, die ohnehin von hoher Frauenschönheit war, bei den großen Feierlichkeiten des Reiches, in Prunkgewänder gekleidet und mit einer goldenen Krone auf dem Haupt, dem Volk zeigte, so brach ein Beifall aus, der lebhaft an den Sturm der Begeisterung für den Heiland am Palmsonntag erinnerte. Dabei war Mathilde auch als Hausfrau ein Spiegel für alle Frauen, tüchtig und arbeitsam. Als Landesmutter nahm sie sich sorglich und mit vieler Liebe der Armen und Bedrängten an. Die eigenen Kinder, drei Jungen und zwei Mädchen, erzog sie zu christlichen Menschen, und ihrem königlichen Gemahl diente sie so hingebend, dass das Glück ihrer Ehe nie getrübt wurde. Diese Tatsache hat König Heinrich selbst noch auf dem Sterbebett anerkannt, als er von seiner guten Lebensgefährtin Abschied nahm und sagte: „Ich danke Gott, dass er dich, meine liebe Frau, noch länger zum Wohl unserer Kinder am Leben lässt, und das haben deine Treue und Tugend gar sehr verdient.“
Dreiundzwanzig Jahre lang hatte Mathildes Eheglück wie ein strahlender Palmsonntag gedauert. Dann brach nach dem Tod des Gatten der Karfreitag über sie herein, der die edle Frau umso schmerzlicher traf, weil ihr das Leid, das sie heimsuchte, von den eigenen Kindern zugefügt wurde. Die beiden Töchter, gut verheiratet, haben der Mutter nie Sorge bereitet, und Bruno, der jüngste Sohn, war zeitlebens Mathildes Freude und Sonnenschein, und gerade er wird ihr ewiger Ruhm bleiben; denn die Kirche verehrt auch ihn, den einstigen Erzbischof von Köln, als Heiligen. Die zwei anderen Söhne aber, Otto und Heinrich, haben der Mutter aufs Herz getreten.
Zunächst kämpften die beiden Brüder jahrelang in erbitterten Bürgerkriegen, die viel unnötiges Leid über das Volk brachten, um die Thronfolge. Machtlos stand Mathilde den Kampfhähnen gegenüber. Sie konnte nur beten und mahnen, und als sich die beiden schließlich versöhnten, geschah es in einer gemeinsamen Empörung gegen die Mutter, die sie wegen ihrer Wohltätigkeit gegen die Armen und Notleidenden der Verschwendung bezichtigten. Es kam so weit, dass die ungeratenen Söhne der Mutter alles Eigentum wegnahmen und sie in ein Kloster verbannten. Klaglos hat Mathilde das Leid jahrelang getragen, hat geweint und gebetet, bis die Kinder endlich zur Einsicht kamen und reumütig die verstoßene Mutter zurückriefen. Da kam über die alternde Königin ein letztes Glück wie strahlender Sonnenuntergang nach einem regenschweren Tag. Als Mathilde schließlich am 14. März 968 starb, starb mit ihr, durch Leid geläutert, eine Frau, die eine Heilige war und deren Todestag ihr die Auferstehung zum ewigen Leben brachte.
1. Niemand soll, wie tief er auch in Sünden und Laster versank, so lange er noch in diesem Leben ist, an seinem Heil und an der Barmherzigkeit Gottes verzweifeln. Denn der Sohn Gottes kam, wie er selbst spricht, "zu suchen und zu retten, was verloren war". Ebenso nennt er sich auch den Arzt, der nicht kam, die Gesunden, sondern die Kranken zu heilen. Die Arznei aber, die dieser barmherzige Arzt seinen Kranken vorsetzt, ist die Buße. Nämlich die schmerzliche Zerknirschung über die Laster des verflossenen Lebens und seine Änderung, die den Menschen in die frühere Gnade und Freundschaft Gottes zurückführt.
2. Gott zürnt dem Menschen nicht, weil er schwach ist und sich verirrt. Wohl aber zürnt er ihm, wenn er vorsätzlich im Laster bleibt, sich selbst verblendend, und von seiner Bekehrung nichts hören will. Es ist allerdings schwer, geliebte Fesseln zu brechen. Denn jeder Sünder erfährt die Wahrheit des göttlichen Ausspruchs: "Wer die Sünde tut, ist Sklave der Sünde. Wenn euch aber der Sohn befreit, dann seid ihr wirklich frei." (Johannes 8,34+36) Kann jedoch der Gefesselte sich selbst nicht befreien, so kann er doch seufzen und bitten und zu seinem Retter beten. Und tut anders er dies aus ganzem Herzen, so wird Gottes Gnade ihm unfehlbar zu Hilfe kommen, seine Verhältnisse allmählich lösen, und ihm die Kraft verleihen, seine Bande zu brechen.
3. Wie viele, die nun in der Anzahl der Heiligen glänzen, hat die Macht der Gnade auf solche Weise aus Sündern in Gerechte umgewandelt. So verzage denn nicht, sondern rufe Gott um seinen Beistand an, und reinige dich im heilsamen Quell der Buße. Denn die Buße ist die Arznei der Wunden, das Heilmittel gegen die Krankheiten der Seele, die Pforte des Lebens, der Schlüssel des Paradieses, die Verzeihung der Sünden, das rettende Brett nach dem Schiffbruch, das uns in den Hafen des himmlischen Reiches führt. Jesus Sirach 5,7-8: "Zögere nicht, dich zu ihm zu bekehren, verschiebe es nicht Tag um Tag. Denn sein Zorn bricht plötzlich aus, zur Zeit der Vergeltung wirst du dahingerafft. Vertrau nicht auf trügerische Schätze; sie nützen nichts am Tag des Zorns."
Siegreiche Jungfrau, du bist die Frau, von der geschrieben steht: Sie wird der Schlange den Kopf zertreten. Ja, du hast dem Satan die Macht genommen durch die Geburt des Gottessohnes. Zertritt durch deine Fürbitte auch der Schlange den Kopf, die mir nachstellt und mich so oft dem Fall in die Sünde nahe bringt. Beschütze mich, sei du mein Schild, meine Wehr jetzt und besonders in der Stunde des Todes, wo diese Schlange mir noch ärger nachstellen und mich verfolgen wird mit ihrem grimmigen Hass. Sei stets bei mir mit deiner Hilfe und verlass dein armes Kind nie und nimmermehr. Amen.
Zu Gott auf die Fürbitte der heiligen Euphrasia
O Herr, der Du die heilige Euphrasia von ihrer Kindheit an auf die Wege der Tugend geleitet hast, verleihe uns auf ihre Fürbitte die Gnade, dass wir mit Freuden auf dem Weg Deiner Gebote gehen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
Zu Ovetta in Spanien wurde am heutigen Tag in der Kirche unseres Heilands wegen der da selbst aufbewahrten Reliquien ein Fest gehalten. Unter diesen befinden sich auch die Windeln, mit denen die jungfräuliche Mutter das göttliche Kind einwickelte, und der Mantel, den die seligste Jungfrau dem heiligen Ildephons, dem Erzbischof zu Toledo, gegeben hat.
Als Kaiser Diokletian zur Verfolgung und Unterdrückung der Christen in grausamsten Verordnungen im ganzen Römischen Reich bekannt machte, erregten auch die Götzendiener in Ägypten eine wütende Verfolgung gegen die Bekenner Jesu. Wer von den Christen sein Leben retten wollte, musste auf Vermögen und Güter verzichten und sich in Wüsten und Einöden verbergen. In dieser unglücklichen Zeit lebte zu Hermopolis, einer Stadt in Ägypten, ein angesehener Mann Sabinus, der aus fürstlichem Geblüt entsprossen, mehr durch seine Frömmigkeit und christlichen Tugenden, als durch seine hohe Geburt berühmt war. Weil er befürchtete, seine Freunde und Angehörigen möchten durch die unmenschlichen Peinen, zu denen die Christen verurteilt wurden, zur Verleugnung ihres Glaubens gebracht werden, entfloh er mit ihnen aus der Stadt und hielt sich an einem einsamen Ort in einem engen Haus auf, wo sie ununterbrochen durch Gebet und strenges Fasten zu Gott um den Frieden der Kirche flehten. Ihr Aufenthalt wurde schließlich durch einen Bettler verraten, der vom heiligen Sabinus unzählige Wohltaten genossen hatte. Eben waren alle zum Gebet versammelt, als die Soldaten in das Haus eindrangen, die unschuldigen Christen gefangen nahmen und besonders den Sabinus mit schweren Ketten fesselten und ihn wie einen Verbrecher vor das Gericht des Statthalters schleppten. Damals beherrschte mehrere ägyptische Provinzen Arianus, ein eifriger Götzendiener, nach Willkür, weil ihm der Kaiser wegen seiner grausamen Gemütsart uneingeschränkte Gewalt gegeben hatte. Er wohnte in Hermopolis. Und als er den Sabinus erblickte, den er schon seit längerer Zeit als einen tugendhaften Mann hasste, schrie er ihm entgegen: „Opfere den unsterblichen Göttern und gehorche dem Kaiser, oder der qualvollste Tod wartet deiner.“ Ihm erwiderte der heldenmütige Bekenner: „Es ist dir und jedem bewusst, dass ich allezeit die Gesetze des Kaisers achtete und ein getreuer Untertan war. Aber Götzen anzubeten, die in ihrem Leben die schändlichsten und lasterhaftesten Menschen waren, verbietet mir meine Religion und Vernunft.“ Glühend vor Zorn über diese Frevelworte, befahl Arianus, ihn an eine Säule im Zeughaus zu hängen und seinen Körper so grausam zu zerfleischen, dass die abgeschlagenen Glieder auf dem Boden herum lagen. Bei diesem schrecklichen Anblick rief der Heide: „Wirst du dich noch nicht entschließen, den Göttern zu huldigen, um noch schwereren Qualen zu entgehen?“ Aber der Martyrer antwortete ihm mit freudiger Miene: „O du Unglücklicher und Verblendeter! Wie kannst du glauben, dass mich ein vergängliches und kurzes Leiden zu einem anderen Entschluss bewegen könne, wenn ich daran denke, welche fürchterlichen und immerwährenden Strafen Jesus, der Richter der Lebendigen und Toten, für die Lasterhaften bestimmt hat?“
Beschämt durch die Standhaftigkeit des Sabinus, ließ ihn der Statthalter von der Säule herabnehmen und auf ein Schiff bringen, das nach Antinopolis fuhr, und er selbst schiffte sich nach dieser Stadt ein. Weil er noch immer glaubte, er würde diesen ansehnlichen, von Heiden und Christen geehrten Mann noch zum Abfall bewegen. Das Schiff, auf dem sich Sabinus befand, kam bald in Antinopolis an, und er wurde blutend aus allen Wunden auf den Richtplatz hingelegt. Da hörte er vom herumstehenden Volk, dass ein Seesturm entstanden sei und dass Arianus in großer Lebensgefahr schwebe. Nun erhob der heilige Martyrer seine Augen zum Himmel und flehte: „Barmherziger und starker Gott! Vielleicht wird der Ungläubige durch deine Gnade noch zu deiner Erkenntnis geführt. Errette also sein Leben. Aber lasse ihn nicht eher in den Hafen gelangen, bis er, auch wider seinen Willen, den heiligen Namen deines göttlichen Sohnes Jesus bekennt und verherrlicht.“ Kaum hatte er sein Gebet vollendet, als sich der Sturm von allen Seiten erhob, und die Schiffleute erklärten, dass sie sich der Willkür der Wellen überlassen müssen. Da gebot Arianus in seiner Todesangst, dass, wer zuerst nach Antinopolis kommen sollte, zu Sabinus gehe und ihn bitte, er möchte seinen Gott um Hilfe aus dieser Gefahr anrufen. Und wirklich gelang es einem Seemann, den Hafen zu erreichen, und sogleich kam er zu dem heiligen Martyrer und trug ihm seine Bitte vor. Aber er antwortete: „Begib dich zurück zu deinem Herrn – es wird dir kein Unglück geschehen – und sage ihm, dass er nicht eher der Gefahr entkomme, als bis er schriftlich bekennt, Jesus sei der wahre und ewige Gott.“ Seinen gewissen Tod vor Augen schrieb Arianus zitternd und zähneknirschend folgende Worte: „Es ist nur ein einziger wahrer Gott, den Sabinus verehrt, nämlich Jesus Christus.“ Und sogleich wurde der Sturm gestillt und die Wellen beruhigt. Dieses auffallende Wunder erzählt, neben anderen Geschichtsschreibern, auch der ehrwürdige Kardinal Baronius, der Gelehrsamkeit und Scharfsinn genug hatte, das er keine abergläubischen Märchen niederschrieb.
Das Gebet des Martyrers hatte den boshaften Arianus wohl vom Tode befreit, aber nicht zur Erkenntnis des wahren Gottes gebracht. Er schämte sich im Gegenteil des Bekenntnisses, das er in der Angst abgelegt hatte. Als er in der Stadt angekommen war, hielt er öffentliches Gericht, beschuldigte den Sabinus der Zauberei und ließ ihn an einen Pfahl binden und seinen ohnehin zerfleischten Körper mit Fackeln brennen. Der Heilige litt mit übermenschlicher Geduld diese Qualen und eröffnete seinen Mund nicht zur geringsten Klage. Da aber selbst die herumstehenden Heiden laut über diese viehische Grausamkeit murrten, befahl der Statthalter, den Martyrer mit einem Stein am Hals in die Fluten zu stürzen. Sabinus vernahm mit Frohlocken sein Todesurteil, ermahnte die Christen zur Standhaftigkeit in Leiden und Verfolgungen, und bat sie zuletzt, seinen Leichnam nach drei Tagen vom Ufer abzuholen und ihn christlich zu beerdigen. Er vollendete die Marter am 13. März im Jahr 287. Seiner Vorhersage gemäß fanden am dritten Tag die Gläubigen seine sterblichen Überreste und beerdigten sie mit Ehrfurcht in der Nähe der Stadt Hermopolis.
1. Viele machen sich den Weg zum Himmel ungemein bequem. Anders jedoch lehrt uns die ewige Wahrheit, deren Ausspruch hier allein entscheidet. Lukas 13,24: "Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen; denn viele, sage ich euch, werden versuchen hineinzukommen, aber es wird ihnen nicht gelingen." Ringen muss der Geist mit dem Fleisch, das sich weigert, durch die enge Pforte der Abtötung, der Demut, des Gehorsams und der Buße einzugehen. Dies aber erfordert große Gewalt. Mut fassen also muss dieser geistige Streiter, denn es gilt den Eingang in den Himmel zu erlangen. Ewig glücklich ist er, wenn er in den Himmel eingeht, ewig unglücklich ist er, wenn er nicht eingeht.
2. Bedenke, wie unendlich wichtig es für uns ist, dass wir durch diese enge Pforte in den Himmel eingehen, da sogar viele, die versuchen einzugehen, dennoch nicht hineingehen können. Wir sprechen hier nicht von denjenigen, die nicht in der einen Arche der heiligen Kirche sind, sondern von vielen, die zur Zeit gerecht sind, ja auch tapfer im Kampf stehen, aber vor der Zeit ermüden, und nicht bis ans Ende aushalten. Ist dies aber so: was wird dann mit denen geschehen, die gleich beim ersten Anfall der Versuchung die Waffen von sich werfen und der Sinnlichkeit sich gefangen geben? Hüten wir uns, zur Zahl dieser Unglückseligen zu gehören.
3. "Ich sage euch, viele werden versuchen hineinzukommen, aber es wird ihnen nicht gelingen." Wer muss nicht zittern bei diesen Worten? Warum aber werden sie es nicht können? Weil der Himmel ein Kampfpreis ist, sie aber nicht kämpfen können. Denn wie viele, die während ihres Lebens von der Sinnlichkeit sich beherrschen ließen, werden, wenn sie bei ihrem Tod ihre Leidenschaft für eine Person, die sie sündhafter Weise lieben, oder für andere Dinge dieser Erde überwinden sollen, die Kraft nicht dazu haben, sondern sterben, wie sie gelebt haben. Wollen wir in diesem letzten Kampf siegreich sein, so ringen wir beständig, und lernen wir ernsthaft siegen, denn dieser letzte Sieg ist die Frucht vieler vorhergegangener Siege. "Wer aber bis zum Ende standhaft bleibt, der wird gerettet." (Matthäus 10,22b)
Gebenedeite Jungfrau, wenn meine Seele diese Welt verlässt, so komme du um deines glorreichen Namens willen mir entgegen, und schließe mich in deine Arme. Tröste mich alsdann, o Maria, durch deine liebliche Gegenwart, sei mir die Stiege und der Weg zum Himmel. Erlange mir Vergebung bei Gott und ewige Ruhe. O meine mächtige Fürsprecherin Maria, du musst deine Verehrer verteidigen, und dich ihrer vor dem Richterstuhl Christi annehmen. Amen.
Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Gregor
O Gott, der Du der Seele Deines Dieners Gregor die Belohnung der ewigen Glückseligkeit gegeben hast, verleihe gnädig, die wir unter der Last der Sünden seufzen, durch seine Fürbitte bei Dir davon befreit werden, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Sankt Gregors Lebenslauf ist von nicht gerade alltäglicher Art, denn dass einer zunächst Oberbürgermeister von Rom und später Papst wird, ist nur ein einziges Mal in der Weltgeschichte vorgekommen, und das war bei Gregor der Fall.
Vornehm und reich waren Gregors Eltern. Weit mehr jedoch als Vornehmheit und Reichtum war für die innere Entwicklung ihres Sohnes von Gewicht, dass die Eltern ein christgläubiges Leben führten. Anfänglich verfolgte Gregor die Beamtenlaufbahn und brachte es bei seiner Tüchtigkeit mit dreißig Jahren zum Oberbürgermeister der Weltstadt Rom. Weil er von rechter Römerart war, klug und umsichtig, versah er das Amt zum Segen für das Volk. Als er aber nach dem Tod des Vaters zum Erben eines Riesenvermögens wurde, verschenkte er zunächst einige Millionen an die Armen, mit dem Rest gründete er sechs Klöster auf der Insel Sizilien. Dann trat er zum allgemeinen Bedauern von seinem Posten zurück und bat um Aufnahme in das siebte von ihm gestiftete Kloster zu Rom. Derjenige, der bisher in Samt und Seide gekleidet einherging, fühlte sich glücklich, ein schlichtes Mönchsgewand zu tragen.
Kurze Zeit nur durfte Gregor in der Stille des Klosters leben, denn bald danach schickte ihn der Papst als seinen Gesandten an den Kaiserhof nach Konstantinopel. Nachdem er dort einige Jahre erfolgreich zum Segen der Kirche gewirkt hatte und heimgerufen wurde, erwählten ihn die Mitbrüder zum Abt.
Als in jener Zeit Abt Gregor einst über den Marktplatz in Rom ging, stieß er auf eine Gruppe von Männern, die als Sklaven zum Verkauf angeboten wurden. Damals war es nämlich der Kirche noch nicht geglückt, die Sklaverei abzuschaffen. Die Männer aber, die, als Gregor über den Platz ging, gerade angeboten wurden, waren stattliche Gestalten. Gleich erkundigte sich der Abt nach ihrer Herkunft, und als er hörte, dass es Angelsachsen aus dem heutigen England seien, und außerdem erfuhr, dass dieses Inselvolk noch im Heidentum lebte, sprach er das vielsagende Wort, dann wolle er aus den Angeln Engel machen. Schon am nächsten Tag war Gregor als ein Mann der frischen, frohen Tat auf dem Weg nach England, um dort als Missionar zu wirken. Nur drei Tage weit reiste er, dann rief ihn der Papst durch Eilboten in die Ewige Stadt zurück, denn auf einen solchen Mann wollte der Stellvertreter Christi nicht verzichten.
Kurze Zeit später war Gregor selbst Papst, und eine der ersten Amtshandlungen, die er vornahm, bestand darin, dass er Missionare nach England schickte, die das Volk zum Christentum bekehren sollten. Und wenn später englische Missionare die deutschen Volksstämme für Christus eroberten, so verdanken wir das Glück, Christen zu sein, dem heiligen Gregor.
Überhaupt hat Sankt Gregor als Papst so großartig gewirkt, dass er mit Papst Leo I. allein in der langen Reihe der Päpste den Beinamen „der Große“ erhielt. Streng war er und gütig und heilig in seiner Lebensführung. Gregor war es auch, der den nach ihm benannten Gregorianischen Gesang in der Kirche einführte, wie wir ihn beim feierlichen Hochamt singen. Vor 1400 Jahren, im Jahr 604, starb Papst Gregor der Große.
Im Blick auf die Universalkirche vertrat Gregor den Grundsatz liturgischer Vielfalt. Der Gedanke, die römische Liturgie als Einheitsliturgie für die ganze katholische Kirche zu propagieren, lag ihm fern. Gregor der Große war vielmehr ein Anwalt regionaler Vielfalt. Als "Mönchspapst" nannte sich Gregor "Knecht der Knechte Gottes", was bis heute Bestandteil der päpstlichen Titel blieb.
Die Armenfürsorge wurde ein wichtiges Element seines Pontifikats. Die Getreideversorgung der damals wohl noch immer etwa einige Zehntausend Einwohner zählenden Stadt Rom, die eigentlich dem Kaiser oblag, war mangelhaft, weshalb er die riesigen Ländereien der Kirche in Süditalien und Sizilien neu organisierte und bewirtschaften ließ. Zu Anfang jeden Monats fand eine allgemeine Verteilung von Lebensmitteln statt. Ebenso mahnte Gregor die anderen Bischöfe, dass der Hungernde nur dann für die Predigt empfänglich sei, wenn ihm zuvor eine "helfende Hand" gereicht wurde. Almosen betrachtete er als Gott dargebrachtes Opfer, das letztlich Gnade im Gottesgericht erwirkt.
Gregor schrieb den Begriff "Papst" als ausschließliche Amtsbezeichnung für den Bischof von Rom fest. Mit ihm trat das Papsttum von der Spätantike ins Mittelalter über.
Die Heiligsprechung erfolgte 1295 durch Papst Bonifatius VIII. Seine Attribute sind die Tiara, Buch, Taube, Arme bedienend. Er ist Patron des kirchlichen Schulwesens, der Bergwerke; des Chor- und Choralgesanges; der Gelehrten, Lehrer, Schüler, Studenten, Sänger, Musiker, Maurer, Knopfmacher; gegen Gicht und Pest.
1. Die Absicht des kirchlichen Fastens ist, durch Buße das Fleisch zu züchtigen, und durch heilige Enthaltsamkeit seine Begierlichkeit zu schwächen. Denn gewiss ist es, dass, wer das Fleisch nicht bändigt, und in die Knechtschaft zwingt, es dem Geist nimmermehr unterwerfen wird. Darum folgen wir der Ermahnung des heiligen Apostels, der uns bei der Barmherzigkeit Gottes beschwört, unsere Leiber zu einem lebendigen, heiligen und Gott wohlgefälligen Opfer zu ergeben (Römer 12,1). Zumal in dieser heiligen Zeit, die der Buße besonders vorbehalten ist, weil darin die Geheimnisse des bittersten Leidens und Todes unseres göttlichen Heilandes gefeiert werden. Wie auch könnten je liebende Kinder der Freude zur Zeit sich überlassen, wo die Leichenfeier ihres Vaters begangen wird.
2. Das Fasten ist alt wie die Welt. Schon Mose fand es vor. Der Sohn Gottes heiligte es. Seine Kirche schreibt es vor nach seiner Anordnung. Und alle ihre wahren Kinder beobachteten es in allen Jahrhunderten. Das Fasten ist eine heilsame Arznei für Leib und Seele. Gott verleiht die Kraft, es zu vollbringen, und nimmt die Kraft denjenigen hinweg, die es nicht beobachten. Wer also sein Leben und seine Gesundheit durch die Übertretung des heiligen Gesetzes erhalten will, der wird sie verlieren. Sind wir streng gegen uns, dann wird Gott sanft uns gegenüber sein. Bestrafen wir uns, dann wird er uns nicht bestrafen. Verzeihen wir uns nichts, dann wird er uns alles verzeihen.
3. Fasten, Buße und Abtötung der Sinne sind eine Fortsetzung des Opfers Jesu Christi, und sie erfüllen an uns, was uns noch mangelt an seinem Leiden. (Kolosser 1,24) Denn dadurch nehmen wir wirksamen Anteil an seinen Schmerzen, und es werden unsere Leiber Glieder seines Körpers, von seinem Geist beseelt und zur künftigen Glorie vorbereitet. Darum greifen wir nun zu den Waffen der Buße, und reihen wir uns an unseren göttlichen Feldherrn, mit ihm über die Sünde zu siegen. Nichts ist dem Glauben, nichts der Liebe unmöglich. "Wenn wir mit Christus leiden, werden wir auch mit ihm verherrlicht werden." (Römer 8,17)