1. O abgrundtiefe Weisheit Gottes, wie unendlich hoch stehen deine Ratschlüsse über allen menschlichen Begriffen. Dringe ein in die stille Hütte von Nazareth, und sieh dort den Sohn des himmlischen Vaters, der mit den demütigen Arbeiten eines Zimmermanns sich beschäftigt, dich zu lehren, dass die geringsten Werke, die nach den Absichten Gottes vollbracht werden, alle glänzenden Taten unendlich übertreffen, die die menschliche Eitelkeit vollbringt, und deren Ruf den Erdkreis erfüllt. Fürwahr, o Jesus, "du bist ein verborgener Gott und Heiland!" (Jesaja 45,15) Hier, menschlicher Stolz, lerne deine Wogen brechen, lerne demütige Verborgenheit lieben und dein Leben durch Arbeiten heiligen.
2. Göttlicher Heiland, in andächtiger Zerknirschung bete ich dein heiliges, verborgenes Leben an. Aber, Herr, mein Gott, gestatte deinem Knecht eine Frage. Würdest du nicht die Absichten deiner heiligsten Menschwerdung besser erfüllen, wenn du, statt diesen niedrigen Arbeiten dich hinzugeben, die Welt durch den Glanz deiner Weisheit erleuchtetest, die Sünder bekehrtest, den Völkern dich offenbartest, und deinen himmlischen Vater durch Wunder verherrlichtest? O Seele, spricht er, die ich zu erlösen kam, "lerne von mir, denn ich bin sanftmütig und demütig von Herzen!" Nimmst du Ärgernis an meinen Arbeiten: wie weit mehr wirst du einst Ärgernis an meinem Kreuz nehmen. Nicht Stolz und Weichlichkeit, Demut und Abtötung kam ich dich zu lehren.
3. Dies also ist die Lehre, die dein Heiland durch sein verborgenes Leben dir gibt. Dringe ein in den Geist dieser heiligen Verborgenheit. Betrachte, wie Jesus seinem himmlischen Vater sich unterwirft, wie er in heiliger Geduld den Augenblick seiner Vorsehung abwartet, wie er zum Opfer für unsere Sünden sich ihm erbietet, und wie er durch sein Beispiel die Welt uns meiden lehrt, die voll der Täuschungen und Schlingen ist, wo zahllose Albernheiten uns beschäftigen und zerstreuen, und uns nie zu uns selbst kommen lassen. So folgen wir ihm denn, so oft nur möglich, in die heilige Verborgenheit, denn nur da können wir der Gnade getreu entsprechen, und die Vollkommenheit erreichen, zu der er uns beruft. Daniel 3,41: "Wir folgen dir jetzt von ganzem Herzen, fürchten dich und suchen dein Angesicht."
Ich bitte dich, geliebte Königin, tröste mich, wenn ich im Sterben liege, durch deine Gegenwart, denn du hast ja so vielen deiner Diener diese Gnade erwiesen, und deshalb erbitte und erhoffe auch ich sie. Es ist wahr, ich bin ein Sünder, ich verdiene nicht eine so große Gnade, aber ich bin auch dein Diener, der dich liebt und ein so großes Vertrauen auf dich setzt. O Maria, meine Augen werden dich in meiner Todesstunde suchen, lasse mich alsdann nicht trostlos und umsonst nach dir blicken. Wenn ich indes eine so große Gnade nicht verdiene, so stehe mir wenigstens vom Himmel herab bei, damit ich, von Liebe zu Gott und zu dir entflammt, dies Leben verlasse, um dich die ganze Ewigkeit hindurch im Himmel lieben zu können. Amen.
Zu Jesus Christus
Entzünde uns, o Heiland, mit dem Feuer Deiner Liebe, die Du auf die Erde gebracht hast, damit sie uns heilige und beglücke, denn Dich in dieser und in der anderen Welt lieben, ist die höchste Seligkeit, der Du lebst und herrschst mit Gott dem Vater in der Einheit des Heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Zu Jesus Christus
Verleihe uns, o Herr, die Gnade, allezeit in Deiner Gegenwart zu leben, damit alle unsere Handlungen, in der Absicht, Dir zu gefallen und Deinen heiligen Willen zu erfüllen, verrichtet, für das ewige Leben nicht verloren, sondern uns verdienstlich werden, der Du lebst und herrschst mit Gott dem Vater in der Einheit des Heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Der heilige Arkadius,
Martyrer, hatte sich durch Gebet und Fasten zur Marter vorbereitet. Jedes einzelne Glied wurde ihm unter Pausen, damit er die Qual desto länger empfinde, vom Leib abgeschnitten. Er aber rief: "Jesus! Stärke mich, damit ich mit jedem einzelnen Glied meines Leibes dir ein angenehmes Opfer darbringen kann!"
Sieh hier die Kraft und wunderbare Wirkung dieses hochheiligen Namens, wenn man ihn zur rechten Zeit mit Andacht und Vertrauen gebraucht. Durch diesen Namen haben die Apostel und alle Jünger des Herrn Wunder gewirkt, Kranke geheilt, Teufel ausgetrieben, Tote erweckt, durch ihn können auch wir jetzt noch alles von Gott erlangen.
Prüfe dich, ob du so eine Andacht und Vertrauen zu diesem hochheiligen Namen in deinem Herzen fühlst, und wie dieser Heilige auch erwecken würdest, wenn du z.B. schwer krank, in Gefahr Gott zu beleidigen, ihm untreu zu werden, von Versuchung beängstigt wärst, oder wie immer dir nicht zu helfen wüsstest?
Bete um inbrünstige Andacht zum hochheiligen Namen Jesu.
Was vermag im Leiden Jesu Nam?
Er macht geduldig mich als wie ein Lamm.
Der heilige Ernest
war ein geborener Graf und erster Abt des Stiftes Neresheim. Er verließ die stille Klosterzelle und folgte seinem Beruf, der ihn nach Palästina rief um den Kreuzfahrern beizuspringen. Daselbst wurde er von Sarazenen gefangen und ermordet.
Scheue auch du keine Gefahr, Beschwerde, kein Opfer oder Leiden, was die treue Erfüllung deiner Berufspflichten mit sich führt. Du kannst Gott kein wohlgefälligeres Opfer der Liebe und Buße bringen, keinen sichereren Weg zur Heiligkeit und Vollkommenheit einschlagen, kein erhabeneres Werk ausführen, als in treuer Erfüllung deines Berufes den heiligen Willen Gottes vollbringen.
Prüfe dich über Erfüllung deiner Pflichten in deinem Beruf zu Hause, im Dienst, gegenüber deiner Familie, deinen Mitmenschen, und beschwichtige dich nicht damit, das Versäumnis sei nur klein und unbedeutend. Je kleiner es ist, desto größer der Leichtsinn, auch so Kleines und Leichtes für Gott nicht tun zu wollen.
Seine hohe Geburt gab Benedict eine ansehnliche Stelle unter den Beamten Oswis, des Köngs von Northumberland. Dieser Fürst liebte ihn, überhäufte ihn mit Gütern und Ehrenstellen. Es kostet gewiss keine geringe Überwindung, wenn ein Mann, der in der Blüte seines Lebens nur Freude und lockende Reize in der Welt rings um sich erblickt, sein Herz nicht an sie heften soll. Allein Benedict kannte zu gut das Leere und Vergängliche aller sinnlichen Güter, als dass er sie seiner Liebe hätte würdig halten sollen: sein Herz hegte vielmehr tiefe Verachtung gegen sie. Das Verlangen, Gott allein zu leben, wurde so stark in ihm, dass er schon in einem Alter von fünfundzwanzig Jahren den Hof verließ, und sich dem Umgang der Menschen entzog. Zuerst bewog ihn seine Andacht zu einer Pilgerreise nach Rom. Nach seiner Rückkehr in sein Vaterland beschäftigte er sich ganz mit eifrigem Lesen und Betrachten der Heiligen Schrift und den anderen Übungen der christlichen Frömmigkeit. Einige Zeit später wünschte Alcfrid, der Sohn des Königs Oswi, die Gräber der Apostel Petrus und Paulus zu besuchen und bat den Heiligen, ihn zu begleiten. Da ihm aber sein Vater diese Wallfahrt untersagte, reiste Benedict allein nach Rom, in der Absicht, sich da immer mehr in der Wissenschaft des Heils zu vervollkommnen.
Auf seiner Rückreise aus Italien, besuchte er das berühmte Kloster von Lérins (Zwei Inseln im Mittelmeer, an den Küsten der Provence. Auf der kleineren stand ein vom heiligen Honoratus, dem späteren Erzbischof von Arles, gestiftetes Kloster. Es war eine reiche Pflanzschule von gelehrten und frommen Geistlichen.), wo er das Ordenskleid annahm, und zwei Jahre in der strengsten Zucht lebte. Dann kehrte er wieder nach Rom zurück, von wo ihn Papst Vitalian mit dem heiligen Theodor, dem erwählten Erzbischof von Canterbury, nach England sandte. Da wurde ihm die Leitung des Klosters zu den heiligen Petrus und Paulus, das nicht weit von dieser Stadt entfernt lag, übergeben. Er gab aber bald die Leitung dieses Klosters wegen seiner Verehrung des heiligen Adrian, der ebenfalls den heiligen Theodor begleitet hatte, wieder ab. Sein Aufenthalt im Königreich Kent dauerte ungefähr zwei Jahre. Die heiligen Theodor und Adrian verehrte er mit tiefer Demut und ergab sich ihrer Leitung beim Forschen in der Heiligen Schrift und bei den verschiedenen Pflichten des klösterlichen Lebens.
Benedict glaubte noch eine vierte Reise nach Rom machen zu müssen, um sich tiefere Kenntnis der Kirchenzucht und der verschiedenen Klostereinrichtungen zu erwerben. Dieser Ursache wegen hielt er sich auch geraume Zeit an verschiedenen Orten Italiens auf. Ehe er wieder in sein Vaterland zurückreiste, suchte er sich mehrere gut gewählte Bücher, Reliquien und Gemälde unseres Heilandes und der allerseligsten Jungfrau, und verschiedener anderen Heiligen zu sammeln. Als er darauf wieder in Northumberland zurückgekehrt war, stiftete er das Kloster von Weremouth (So genannt, weil es am Ufer der Were erbaut war. Es wurde im Jahr 674 unter der Anrufung des heiligen Petrus gegründet.), wozu ihm die Freigebigkeit des frommen Königs Egfrid, Oswis Sohn und Nachfolger, eine hilfreiche Hand reichte. (Egfrid schenkte dem Heiligen siebzig Hyden Land. Ein Hyde fasste so viel Feld in sich, als ein Pflug das Jahr hindurch bebauen konnte.) Nachdem das zum Gebrauch der Mönche bestimmte Gebäude vollendet war, reiste der Heilige nach Frankreich, um von dort Bauleute zu holen, die eine steinerne Kirche, im Stil derjenigen, die er zu Rom gesehen hatte, aufzuführen imstande wären. (Die steinernen Gebäude waren bis dahin noch sehr selten in England; selbst die Kirche von Lindisfarn war aus Holz gebaut und mit Stroh gedeckt; in diesem Zustand blieb sie bis unter dem Bischof Eadbert, der das Dach und die Mauern mit Bleiplatten bekleidete.) Er brachte auch Glaser mit sich, weil der Gebrauch des Glases in England noch unbekannt war. Eine fünfte Reise, die er nach Rom unternahm, gab ihm Gelegenheit, eine neue Sammlung nützlicher Bücher, und besonders der Schriften heiliger Kirchenväter zu machen. Er brachte auch neue Reliquien und mehrere fromme Gemälde mit sich.
Die Mönche von St. Peter zu Weremouth erbauten das ganze Königreich durch den Glanz ihrer Tugenden, und verbreiteten überall den guten Geruch Jesu Christi. Egfrid, der keinen anderen Wunsch hatte, als die Zahl der wahren Diener Gottes zu vervielfältigen, gab dem Heiligen noch einen anderen Strich Landes, auf dem er das Kloster von Jarrow unter Anrufung des heiligen Paulus erbaute. (Sechs Meilen von Weremouth. Es wurde erbaut im Jahr 677. Einst führte es den Namen Girwy.) Diese zwei Klöster bildeten sozusagen nur eins, und der heilige Benedict stand ihrer Leitung vor. Jedoch hatte jede Klostergemeinde ihren besonderen Abt, der über die Beobachtung der Regeln wachte. Die Einführung dieser untergeordneten Vorsteher war darum notwendig, weil die Reisen und verschiedenen Geschäfte des Heiligen, ihm nicht gestatteten, alles durch sich selbst zu tun. (Die Abteien Weremouth und Jarrow sind von den Dänen zerstört worden. Man stellte sie aber zum Teil wieder her, und sie bestanden noch bis zum siebenunddreißigsten Jahr der Regierung Heinrichs VIII. unter dem Namen Priorate. Beide waren der Abtei Durham seit dem Jahr 1083 untergeben.)
Benedict hatte einen besonderen Eifer für den Schmuck des Hauses Gottes. Er zierte die Kirchen beider Klöster mit schönen Gemälden aus. Diejenigen, die er zu Weremouth aufhängen ließ, stellten die allerseligsten Jungfrau, die zwölf Apostel, die Geschichte des Evangeliums, und die geheimnisvollen Gesichte der geheimen Offenbarung, dar. In denen von Jarrow sah man mehrere Vorstellungen aus der Heiligen Schrift, die so geordnet waren, dass sie die Beziehungen beider Testamente und die Vorbilder in Wirklichkeit darstellten. So erblickte man zum Beispiel Jesus Christus, der mit dem Kreuz, auf dem er sein Opfer vollenden sollte, belastet war, gegenüber Isaak, der das Holz trug, auf dem er als Opfer sollte verbrannt werden. Wir haben gesagt, unser Heiliger hat diese Gemälde von Rom mitgebracht. Allein, zu was hätte der schönste Schmuck der Tempel gedient, wenn er die Zierde und die Erhabenheit des äußeren Gottesdienstes nicht gleichfalls befördert hätte? Er bat daher Papst Agatho ihm zu erlauben, dass er Johann, den Abt von St. Martin, und Erzsänger (Praecentor) der Kirche zum heiligen Petrus, mit sich nehmen kann. Diesem übertrug er in der Abtei Weremouth den Unterricht im gregorianischen Gesang und in den Zeremonien der römischen Kirche bei der Feier des Gottesdienstes.
Der Heilige zählte unter seiner Ordensgenossenschaft einen seiner Verwandten, namens Easterwin, der gleich ihm ehemals am Hof von Northumberland gelebt hatte. Diesen ernannte er, bevor er seine letzte Reise nach Rom antrat, zum Abt. Seine Wahl hätte nicht besser ausfallen können. Easterwin war ein Mann, der alle Eigenschaften eines Vorstehers besaß. Unter anderem die zärtlichste Frömmigkeit, die tiefste Demut, und eine unwandelbare Sanftmut. Da er während der Abwesenheit des Heiligen starb (Am 6. März, in einem Alter von sechsunddreißig Jahren. Er war vier Jahre Abt.), wählten die Mönche an seine Stelle den heiligen Diakon Sigfrid, der seine Wahl aber nicht lange überlebte, denn nach einiger Zeit entriss ihn eine Entkräftungskrankheit, nachdem er die heftigsten Schmerzen erduldet hatte. Auf seinen Rat erwählte der heilige Benedict, zwei Monate vor seinem Tod, den heiligen Ceolfrild, zum Abt der beiden Klöster.
Die drei letzten Lebensjahre unseres Heiligen waren eine Reihe von Krankheiten und Leiden. Eine schmerzvolle Gicht hatte ihn des Gebrauchs seiner Glieder beraubt und an das Bett gekettet. Da er dem Chor nicht beiwohnen konnte, sangen täglich einige Mönche wechselweise die Tagzeiten zur geeigneten Stunde an seiner Seite. Da vereinigte er sich mit ihnen, soviel es ihm seine Schwachheit erlaubte, und stimmte mit kraftloser Stimme noch ein in den Lobgesang des Allerhöchsten. Sein Geist beschäftigte sich allein mit Gott und der Vervollkommnung seiner Schüler, die er öfters ermahnte, ihre Regel mit der größten Pünktlichkeit zu beobachten. „Meine Kinder“, sagte er ihnen, „wollet die Einrichtungen, die ich für euch getroffen habe, nicht als die Erfindung meines Geistes ansehen. Nachdem ich siebzehn Klöster, in denen gute Zucht herrscht, besucht, und mich bemüht habe, mir von den Satzungen und Gebräuchen derselben eine vollkommene Kunde zu verschaffen, habe ich eine Sammlung aller Regeln, die mir die besten schienen, veranstaltet und diese Sammlung habe ich euch gegeben.“ Benedict, der die Abnahme seiner Kräfte immer mehr spürte, begehrte die heilige Wegzehrung, und starb kurze Zeit nach deren Empfang am 12. Januar 690. Seine Reliquien brachte man 970 in die Abtei Thorney. Die Mönche von Glastenbury behaupteten, sie wären im Besitz eines Teils von ihnen. Das römische Martyrologium erwähnt den heiligen Benedict Biscop an diesem Tag. Die englischen Benediktiner verehren ihn als einen ihrer Patrone.
Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!
Gott gibt sich uns Menschen zu erkennen. Er zeigt sich uns Menschen. Das haben wir in der Weihnachtszeit gefeiert, dass sich Gott in einem Kind gezeigt hat. Und das haben wir dann in den Festen, Sonntagen und Wochentagen verschiedenartig angeschaut. Heute, am Fest der Taufe des Herrn, sind dreißig Lebensjahre Jesu, die sogenannten verborgenen Jahre vergangen.
Heute beginnt seine Sendung, heute zeigt er sich als Erwachsener. Der Sohn Gottes beginnt seine Sendung als Heiland der Menschen. Er zeigt den Menschen, wie Gott ist. Wie ist dieser Gott, wie zeigt er sich? In der Taufszene lässt sich das schön sehen. Erstens:
Gott wird sichtbar. Wir sehen Jesus am Jordanufer. Umgeben von Menschen, deren Leben von Sehnsucht geprägt ist. Mit ihnen, mit uns allen also, taucht er in den Fluss des Jordan ein, jenen Fluss, der im „Toten Meer“ mündet. Jenen Fluss, an dem Johannes die Taufe zur Umkehr verkündete.
Er taucht ein in das Wasser, in dem Menschen ihre Sünden abzuwaschen suchen. Die Sünden und die Sackgassen ihres Lebens. All das Grauen des Alltags, all die Ängste und die Hoffnungslosigkeit. Damit sich in ihrem Leben etwas ändert. So wird Gott sichtbar, bei uns Sündern wird er sichtbar. Gottes Sohn wurde Mensch. Und nicht nur das. Er stieg auch in die Welt der Sünde hinab! Aus Solidarität mit der sündigen Welt ging er auf Augenhöhe mit ihr. Damit hat er dem falschen Moralismus ein Ende zu setzen wollen.
Einem Moralismus, der sich anmaßt den authentischen Weg zum richtigen Leben und zum Himmel zu kennen. Dem Moralismus, der mit Verachtung auf die Gescheiterten schaut. So wird er sichtbar, es beugt sich das Himmlische zu den Versagern und Sündern. Heute steigt Jesus in die “schlechte Gesellschaft” herab. So wird er sichtbar. Das ist seine Logik, die wir vielleicht ein wenig mehr verinnerlichen sollen. Zweitens: Gott wird hörbar. Die Stimme Gottes wird hörbar: „Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden haben. Die Rede vom geliebten Sohn, der geliebten Tochter, dem geliebten Kind wird hörbar. „Du bist der geliebte Mensch, du ganz konkret.“ Das wird heute hörbar, das sei heute einem jeden von uns ganz persönlich gesagt. „Du bist von Gott geliebt.“ Was ist schwieriger zu glauben? Das, was wir dann in wenigen Minuten im Glaubensbekenntnis aufsagen, oder, dass ich ganz persönlich von Gott geliebt bin? Ich glaube Zweiteres, denn das muss ich wirklich an mich, an mein Innerstes heranlassen, und Konsequenzen muss das Ganze dann natürlich auch haben. Denn wenn ich von Gott geliebt bin, dann sind es meine Mitmenschen auch, und dann muss sich das auch zeigen. „Du bist von Gott geliebt.“ Dass dies nicht nur von Seiten Gottes klar wird, sondern auch von Seiten der Menschen, gibt es noch viel zu tun, um der Stimme Gottes Gehör zu verschaffen. Drittens:
Gott wird erfahrbar, spürbar. Aber wie? Im Heiligen Geist. Der Heilige Geist kommt auf Jesus herab in Gestalt einer Taube. Und so ist Gott bis heute erfahrbar, im Heiligen Geist. Den Heiligen Geist kann man nicht sehen, riechen oder schmecken. Er ist nicht bezahlbar, verhandelbar oder messbar. Aber er ist erfahrbar. Man kann spüren, ob er am Werk ist oder auch nicht. Lebt in mir der Heilige Geist? Wovon ist mein Innerstes besetzt, vom guten, heiligen Geist, oder vom Weltgeist, Zeitgeist oder gar vom Ungeist. Der Heilige Geist begeistert. Wenn das doch ein bisschen mehr für unsere Kirche und unseren Glauben stimmen würde. „Etwas mehr Begeisterung,“ hat bei uns in der Schule öfter ein Lehrer gesagt, wenn wir wieder recht gelangweilt und fad bei der Sache waren.
Liebe Brüder und Schwestern!
In der Taufe seines Sohnes zeigt sich Gott wie er ist. Er wird sichtbar, hörbar und erfahrbar. Er wird spürbar. Und da Gott nichts ohne uns Menschen tun will, liegt es ein Stück weit auch an uns, ob und wie er durch uns sichtbar, hörbar und erfahrbar wird. Amen,
1. Verloren wird Gott durch die Sünde. Wiedergefunden wird er durch die Buße. Die Todsünde bricht das Band der Liebe, die uns mit Gott vereint, und vertreibt ihn aus der Seele, in der sie herrscht. Zerknirschung aber, Seufzer und Tränen helfen uns ihn abermals zu finden. Suchen müssen wir ihn wie die jungfräuliche Mutter ihren göttlichen Sohn: schmerzlich, eifrig, demütig und andächtig. Auch müssen wir nicht ablassen, ihn zu suchen, bis wir ihn endlich gefunden haben. Vergeblich jedoch suchen wir ihn in der großen Welt, in Gesellschaften, unter Freunden und Verwandten. Er wird nur im Tempel, nur bei gottesfürchtigen Menschen gefunden. Wann, wo und wie suchst du ihn?
2. Die lässliche Sünde bricht zwar das Band der Liebe nicht, doch schwächt sie die Vereinigung. Gott weicht nicht gänzlich von der Seele, die durch solche Sünden ihn beleidigt. Aber er leitet und tröstet sie nicht mehr wie früher, und entzieht ihr seinen besonderen Schutz. Dadurch aber versinkt sie in Kaltsinn, verliert seine heilige Gegenwart aus den Augen, und neigt sich allmählich zu schwereren Sünden. Verloren wird seine heilige Gegenwart durch Zerstreuung der Sinne und des Geistes, durch den Lärm der Leidenschaften, durch den Umgang mit der Welt, durch eitle Begierden und Vorwitz. Wiedergefunden aber wird sie durch Entfesselung von den Geschöpfen, durch Einsamkeit und innerliche Sammlung.
3. O liebevoller Jesus, wo ist die Zeit, da du in meinem Herzen wie in deiner Wohnstätte, wie in einem freundlichen Wonnegarten wohntest. Ach, wie selig war damals meine Seele. Wie überaus wohl war mir in deiner liebevollen Gegenwart. Wie glühte mein Herz nach deinen lieblichen Worten. Wo bist du, Geliebter meiner Seele? Verlassen hast du mich, oder vielmehr verloren habe ich dich. Wie in einer öden Wildnis irre ich nun, die kein Tau des Himmels benetzt. Du Quell des lebendigen Wassers, wann wirst du meine lechzende Seele wieder mit deinem Trost erquicken? Suchen will ich dich, und nicht nachlassen, bis ich dich wiedergefunden habe. "Ich fand ihn, den meine Seele liebt. Ich packte ihn, ließ ihn nicht mehr los." (Hohelied 3,4)
Ich grüße dich von Herzen, du Mutter und Gebärerin Gottes. Alle Geschlechter preisen dich selig, die Könige loben dich, die Fürsten huldigen dir, die Vornehmsten des Volkes tragen dir ihre Bitten vor, und die heiligen Jungfrauen rechnen es sich zur Ehre, dir zu folgen. O Maria, wenn ich auf dich vertraue, werde ich selig sein. Wenn ich unter deinem Schutz lebe, habe ich nichts zu fürchten, denn der Herr hat in deine Hände gelegt die Waffen des Heils, die er denen übergibt, die er selig machen will. Amen.
Zu Gott
In allem bete ich, o mein Gott, Deinen heiligen Willen an und wünsche, dass alle meine Gedanken, Worte und Werke mit Ihm übereinstimmen mögen. Gib mir die Gnade, eher alles hinzugeben, als Dir ungehorsam zu werden. Mein Tod sei die Vollendung des Opfers, das ich Deiner göttlichen Gerechtigkeit darbringe, damit ich durch die Verdienste meines Heilandes des Glückes teilhaftig werde, Dich ewig zu besitzen. Amen.
Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Hyginus
Allmächtiger Gott, sieh auf unsere Schwachheit herab, und weil uns die Last unserer eigenen Handlungen zu Boden drückt, stärke uns durch die Fürbitte des heiligen Martyrers und Bischofs Hyginus, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Der heilige Theodosius,
Abt. Im Kloster war einmal kein Bissen Brot mehr. "Bekümmert euch nicht", antwortete er den sorgenden Brüdern, "Jesus speiste viele Tausende mit wenig Brot und Fischlein, seine Macht ist noch dieselbe, er vergisst uns nicht." - Nach einigen Stunden kam wunderbare Hilfe.
Wenn z.B. ein Hilfsbedürftiger dich bitten, und dann auf deine Hilfe vertrauend, deiner Sorgfalt sich überlassen würde, könntest du dem inneren Drang widerstehen, ihm nach allen Kräften beizuspringen, um sein Vertrauen nicht zu täuschen? - Was dürfen wir dann alles vom Vaterherzen Gottes erwarten!
Prüfe dich, ob du aber auch ein solch kindliches Vertrauen hast, selbst wenn du gar keine Hilfe möglich glaubst, Gott lange damit zögert, oder wenn du dich schon öfters in deinen Erwartungen getäuscht sahst? Denke, sage wie dieser heilige Abt: "Gott ist allmächtig und voll Güte. Er vergisst mich nicht, und hilft gewiss zur rechten Zeit."
Bete um dieses kindliche Vertrauen.
Vertrau auf Gottes Vaterherz,
Er hilft in Not und hilft in jedem Schmerz.
Andenken an die seligste Jungfrau
Das oben beim heiligen Theodosius erwähnte Wunder des vermehrten Brotes zeigte sich besonders an den hohen Festtagen der seligsten Jungfrau, wo eine unzählige Menge Volkes in seiner Kirche zusammenkam, indem der heilige Theodosius bei fortdauernder Hungersnot einen jeden zu Genügen speiste, und noch so viel mitgab, dass er unterwegs und zu Hause zehren konnte.
Das Altertum hinterließ uns wenige Nachrichten vom Leben des heiligen Hyginus und in diesem Wenigen widersprechen sich die Schriftsteller, die ihn erwähnen. Er war, vom heiligen Petrus an gerechnet, der 10. Papst, aus Griechenland gebürtig und wahrscheinlich der Sohn eines heidnischen Weltweisen von Athen. Wer ihn bekehrt, im Christentum unterrichtet und getauft hat, ist unbekannt; aber aus all seinen Handlungen geht hervor, dass er ein wahrhaft apostolischer Mann und ein eifriger Kirchenhirt gewesen ist. Stets bemüht, alle Missbräuche in der Kirche Jesu abzustellen und die Reinheit der Lehre Jesu zu bewahren, führte er unter seiner Geistlichkeit die strengste Ordnung ein, predigte nach dem Beispiel der Apostel zu jeder Zeit und überall den Gläubigen das Evangelium und kämpfte heldenmütig gegen die Angriffe der Ketzer, die in jenen Zeiten wie brüllende Löwen das Heiligtum anfielen und die Christen zum Irrtum zu verführen trachteten. Es ist Tatsache, dass der heilige Hyginus es war, der den Ketzer Valentin gründlich widerlegte und ihn, weil er boshaft und halsstarrig in seinem Irrtum beharrte, aus der Kirchengemeinde ausschloss; ob ihm aber die Briefe und kirchlichen Gesetze, die wir noch besitzen, mit Recht zugerechnet werden, ist nicht erwiesen. Er regierte die Kirche Christi mit vollem Ruhm zwölf Jahre, drei Monate und sechs Tage und starb während der Christenverfolgung des Kaisers Antonin als Martyrer. Einige behaupten, dass er den Martertod nicht wirklich gelitten habe und nur deswegen unter die Blutzeugen gezählt werde, weil er unter den größten Gefahren die Religion Jesu verteidigt und deswegen große Verfolgungen erduldet habe.
Bevor Paulinus Bischof wurde, war er Lehrer der Grammatik. Er gewann die Freundschaft Alkuins, der ihn auch an den Hof Karls des Großen holte.
Als Bischof nahm er an wichtigen Synoden teil und bekämpfte unerbittlich die Häretiker. Darüber hinaus wirkte er auch als Missionar in Kärnten. Er starb 804.
Aus: Leben der Väter und Märtyrer, Alban Butler, 2. Band, Mainz 1823:
Paulin wurde um das Jahr 726 in Frioul aus einer in den Augen der Welt wenig berühmten Familie geboren, die auf dem Land von Anbau eines Meierhofs lebte. Er selbst brachte seine ersten Jahre mit dem Feldbau zu. Allein da er von Gott mit ausgezeichneten Geistesgaben ausgeschmückt war, verlegte er sich auf die Wissenschaften und machte so große Fortschritte, dass er selbst als öffentlicher Lehrer auftreten konnte. Karl der Große erließ gegen das Jahr 776 ein Schreiben an ihn, worin er ihm die Titel eines Lehrers der Grammatik und sehr verehrungswürdig beilegte. Dieses letztere Wort lässt vermuten, dass der Heilige damals Priester war. Derselbe Kaiser, ein Freund der Gelehrten, schenkte ihm auch ein Landgut in der Lombardei, als Belohnung seines Verdienstes. Es scheint, dass Paulin zugleich in diesem Jahr 776 auf den Patriarchenstuhl von Aquileja erhoben wurde.
Bald wurde Paulin durch seine Frömmigkeit, seinen Eifer und seine Gelehrsamkeit so berühmt, dass Karl der Große verlangte, er möge allen bedeutenden Konzilien, die in seinem Reich gehalten werden, beiwohnen. U.a. dem Konzil von Aachen, 789, von Regensburg, 792, von Frankfurt, 794. Der Heilige berief selbst das Konzil von Frioul, im Jahr 791 oder 796, wegen verschiedener Irrtümer, die sich über die Menschwerdung und das Ausgehen des Heiligen Geistes zu verbreiten anfingen. Er zeigte da, dass der Heilige Geist vom Sohn, wie vom Vater ausgeht, und bewies gegen Felix und Urgel und Elipand, dass Jesus Christus der Sohn Gottes durch Natur und nicht ein angenommener Sohn ist. Später wurde ihm, wie auch Alcuin, der Auftrag vom Kaiser erteilt, die Irrtümer dieser zwei Ketzer schriftlich zu widerlegen.
Unser Heiliger bewies nicht weniger Eifer für die Bekehrung der Ungläubigen, als für die Bewahrung des geheiligten Glaubensschatzes. Er hätte gewünscht, selbst mit Vergießung seines letzten Blutstropfens, andere zur Kenntnis der Wahrheit zu führen. Dies bewog ihn auch zu dem Entschluss, den Völkern von Kärnten und Steiermark, wo noch viele Heiden lebten, und der heilige Abt Severin und der heilige Virgilius, der Erzbischof von Salzburg, schon sehr viele Kirchen gestiftet hatten, das Evangelium zu predigen. Die Avaren oder Hunnen wurden durch seine Predigten, wie durch die der Missionare des Erzbischofs von Salzburg, so sehr gerührt, dass sie ihren alten Aberglauben verließen, um die heilige Taufe zu empfangen.
Der heilige Paulin hatte eine wahrhafte Hirtensorge für die ihm anvertrauten Seelen. Nicht damit zufrieden, dass er ihnen den Unterricht erteilte, flehte er auch noch durch glühende und anhaltende Gebete das göttliche Erbarmen über sie herab. Im Jahr 802 hielt er ein Konzil in der der Stadt Altino am adriatischen Meer ab.
Schließlich beschloss er sein verdienstvolles Leben durch einen glückseligen Tod am 11. Januar 804. Auf diesen Tag fällt auch sein Fest in dem alten Messbuch von Aquileja wie auch in mehreren Martyrologien von Deutschland.
1. "Vermehre, Herr, den Glauben in mir!" Denn siehe, die Kinder dieser Welt führen durch gottlose Reden viele Schwachen irre, und verrufen deine göttliche Religion als eitel Menschenwerk und Schwärmerei. Bringen sie aber auch den Glauben deiner Getreuen nicht zum Wanken, so wirken sie doch immerhin dahin, sein Licht zu verdunkeln. Aber wer die Augen deinem heiligen Licht nicht vorsätzlich verschließt, der sieht klar, wie deine liebevolle Vorsehung das menschliche Geschlecht zu allen Zeiten an unsichtbarer Hand seiner ewigen, glorreichen Bestimmung entgegen führte.
2. Nicht wie eine fabelhafte Sage verliert sich deine göttliche Offenbarung in einem zeugenlosen Altertum, dein heiliger Dienst begann mit der Welt. Durch ein untilgbares Nationalwunder besteht, als einzige Ausnahme des menschlichen Geschlechtes, jenes Volk, das deine göttlichen Verheißungen in den frühesten Zeiten durch Mose empfing, selbst nach seiner Verwerfung fort, damit es der Welt zu allen Zeiten aus seinen eigenen Büchern seine Verwerfung zeige, weil es den verheißenen Messias tötete, dessen Geburt, Leben, Tod und Erlösung seine Propheten auf das Umständlichste durch deinen Geist geweissagt hatten. Öffentlich erschien dieser Erlöser. Alle Weissagungen gingen bis auf den letzten Punkt an ihm in Erfüllung. Und vor dem Anblick zahlloser Menschen aus allen Ländern vollbrachte er das Heil und die Erlösung der Welt durch seinen Opfertod.
3. Ja noch bis zur Stunde besteht zu Jerusalem sein glorreiches Grab, und wird von Pilgern aus allen Nationen verehrt. Noch sichtbar bis zur Stunde sind die Katakomben in der Hauptstadt der christlichen Welt, wo die Gebeine zahlloser Märtyrer ruhen, die den Glauben durch ihr Blut uns erhielten. Noch bis zur Stunde sehen wir Standbilder der alten Götzen, vor denen die Welt einst anbetend niederfiel. Noch bis zur Stunde ertönen auf dem ganzen Erdkreis die Schriften der Apostel, die die Welt bekehrten. Ja noch bis zur Stunde weidet der unsterbliche Petrus durch 20 volle Jahrhunderte die Herde des Herrn. Sprechende Tatsachen sind dies, die die lasterhaften Prediger des Unglaubens nimmermehr zu tilgen vermögen. Psalm 19,8: "Dein Gesetz, Herr, ist vollkommen und bekehrt die Seelen. Das Gesetz des Herrn ist verlässlich, den Unwissenden macht es weise."
O Maria, siehe du bist so mächtig bei Gott, es genügt, dass du ihm sagst, du bist seine liebe Mutter, du bist voll seiner Gnade. Was könnte dir der Herr alsdann wohl abschlagen? O allerschönste Königin, wir wagen es nicht zu hoffen, dich hier auf Erden noch einmal zu sehen. Aber wir wollen dich im Himmel sehen. Diese Gnade musst du uns erlangen. Wir hoffen ganz sicher, dass du es tun wirst. Amen.
Zu Gott
Verleihe uns, o Gott, eine vollkommene Lostrennung von den Erdengütern. Du forderst zwar von uns nicht, dass wir aus der Welt hinausgehen, sondern willst nur, dass wir unsere Berufspflichten treu erfüllen, und Dich über alles lieben. Dies zu tun, sei jetzt unser fester Entschluss, zu dessen Vollführung wir Dich unablässig um den Beistand Deiner Gnade bitten. Himmlischer Vater, im Vertrauen auf Deine weise Vorsehung bitten wir, Deine Kinder, um das tägliche Brot für heute. Leben wir morgen noch, dann bist Du auch morgen noch Vater, und wir bitten wieder, wie heute, zu Dir. Amen.
Zum heiligen Marzian
Bitte für mich, heiliger Marzian, auf dass ich mich auch durch leibliche und geistliche Werke der Barmherzigkeit auf meinen Tod vorbereite, damit, wenn meine Seele diese irdische Körperhülle wie ein Gewand ablegen wird, sie alsdann mit dem glänzenden Hochzeitskleid der Ewigkeit geziert wird.
Der heilige Paulus,
Einsiedler, wurde von seinem Freund Antonius, tot, aber kniend, mit erhobenem Haupt und gen Himmel ausgestreckten Händen angetroffen. - Leise, voll Ehrfurcht näherte er sich ihm, glaubend er bete. - Als er ihn aber wirklich tot fand, rief er aus: "O fromme Seele, die auch sterbend nicht abließ von dem, was sie lebend übte!"
Wie leicht wird es einem frommen Sterbenden, die Übungen des Glaubens, der Hoffnung, der Liebe, der Reue, der Sehnsucht nach Gott, der Ergebung, die er so sein ganzes Leben geübt, fortzusetzen; hingegen wie schwer, sie gleichsam erst zu erlernen, wenn Leib und Seele von den Schmerzen der Krankheit, von den Ängsten des Todes gequält wird.
Prüfe dich, ob du öfters am Tag bei deiner Arbeit und täglichen Verrichtungen solche Anmutungen zu einem guten Tod in deinem Herzen erweckst, es mit Gott vereinigt hältst, und so zur ewigen Vereinigung mit Gott auf leichte und nützliche Weise vorbereitest?
Bete um diese Vorbereitung zum Tod.
Bleib stets mit Gott im kindlichem Verein,
Dann wirst du auch im Tod getröstet sein.
Der heilige Marzianus,
Bekenner, hatte nur noch ein einziges Kleidungsstück. Da kam ein Armer und flehte ihn um Almosen an, und siehe! Marzianus gab auch das letzte, was er hatte, willig und freudig hin. Er empfing dafür in einer Erscheinung vom Himmel ein goldenes Gewand.
Fühlst du einen Schmerz im Fuß, alsobald ist der Mund bereit zu klagen, die Hände zu helfen, und alle Glieder des Leibes vereinigen sich, dem Übel bald abzuhelfen. Sollte ein solch bereitwillige Liebe nicht unter allen Christen unseres Vereines bestehen?
Prüfe dich hierüber - ob du nicht gleichgültig, ohne Eifer und Liebe bist, wenn du hörst, siehst, dass diese oder jene krank, arm, verlassen, ohne Dienst, im Inneren bedrängt, traurig, leidend ist; ob du hilfst, wo und wie du kannst, auch oft nur mit Rat, durch inbrünstiges Gebet, liebevolle Verwendung bei anderen etc.
Bete um diese brüderliche Liebe.
Freudig hilft der wahre Christ,
Wo nur immer Hilfe nötig ist.
Andenken an die seligste Jungfrau
Der Orden des goldenen Fließes wurde im Jahr 1430 zum Lob Gottes, zur Ehre der seligsten Jungfrau und des heiligen Andreas von Philippus, vom Herzog von Burgund und Brabant, am heutigen Tag eingesetzt. (Philipp III. der Gute)
Der heilige Agatho wurde in Sizilien geboren und gewann besonders alle Herzen durch eine tiefe Demut, eine bewunderungswürdige Sanftmut und eine besondere Neigung, anderen Gutes zu tun. Die kluge und gewissenhafte Verwaltung des Schatzmeisteramtes an der römischen Kirche, das er mehrere Jahre bekleidete, machte ihn würdig, dem Papst Domnus im Jahr 679 nachzufolgen. Im folgenden Jahr stand er durch seine Legaten der sechsten allgemeinen Kirchenversammlung vor, die zu Konstantinopel gegen die Menotheliten, auf Betreiben des Kaisers Konstantin Pogonatus, zusammenberufen worden. An diesen Fürsten schrieb er auch einen schönen Brief, in dem er die Gottlosigkeit der monothelitischen Irrlehre durch die Überlieferung der römischen Kirche an den Tag legte. „Die ganze katholische Welt,“ sagte er unter anderem, „erkennt diese Kirche für die Mutter und Lehrmeisterin aller anderen. Ihr Vorrang kommt von dem heiligen Petrus, dem Apostelfürsten, dem Jesus Christus die Leitung seiner ganzen Herde übertrug, mit dem Versprechen, dass sein Glaube niemals falsch sein würde.“ Da dieser Brief den Vätern des Konzils übergeben wurde, empfingen sie ihn ehrfurchtsvoll und erklärten einstimmig, Petrus habe durch Agathos Mund gesprochen. Dieser heilige Papst setzte auch den heiligen Wilfrid auf den oberhirtlichen Stuhl von Yorck, und überhäufte die Geistlichkeit und Kirchen Roms mit Wohltaten. Er starb im Jahr 682, nachdem er zwei Jahre und ein halbes der Kirche Gottes vorgestanden hatte. Durch die vielen Wunder, die er wirkte, gab man ihm, nach Anastasius, den Beinamen Wundertäter. Er wird von den Griechen, wie von den Lateinern verehrt.
(Wir finden in den Briefen des heiligen Agatho eine weniger reine Schreibart als in den seiner Vorfahren und Nachfolger. Dies leitet sich von den beständigen Einfällen der Barbaren her, die das Studieren beinahe unmöglich machten, und ein so schauderhaftes Elend verbreiteten, dass man kaum jeden Tag mit Handarbeit das nötigste Überleben erschwingen konnte. Unser Heiliger führte auch diese Ursachen an, um seine Legaten wegen ihrer geringen Beredsamkeit zu entschuldigen. „Allein,“ setzt er hinzu, „wenn wir auch in den Annehmlichkeiten der Sprache unkundig sind, bewahren wir doch, mit Einfalt des Herzens, den Glauben, den uns die Väter überliefert haben.“ Die Legaten führten dieselbe Sprache, und bekräftigten, was Agatho von der Unmöglichkeit, im Abendland sich den Wissenschaften zu widmen, gesagt hatte. „Unser Land,“ sagten sie, „ist der Wut der rohesten Nationen preisgegeben. Wir leben mitten in Schlachten und Plünderungen. Wir schweben unaufhörlich in Unruhe und Bestürzung. Die Handarbeit ist die einzige Quelle unseres Überlebens.“)
1. Niemals vielleicht war der Unglaube höher gestiegen als in den letzten Zeiten. Den Ruhm eines gebildeten, aufgeklärten Menschen zu erlangen, genügte es, alle Geheimnisse der Religion zu verwerfen, die Priester zu schmähen und zu verleumden, und das Sittengesetz einer allgemeinen Emanzipation des Fleisches auszusprechen. Überströmt wird die Welt mit irreligiösen Schriften, falschen Legenden, Geschichten, Romanen, die alle auf mehr oder minder schlaue Weise dahin zielten, die Religion in einem lächerlichen oder verhassten Licht darzustellen. Und gierig griff die Jugend zu diesen Büchern, sog ihr Gift ein, und spottete dann ungläubig der Religionslehren. Welche Früchte dieser Unglaube brachte, dies zeigen uns die politischen Stürme und das Sittenverderbnis.
2. Manche Gelehrte auch, die nur darauf ausgingen, durch Erfindungen und neue Systeme berühmt zu werden, nahmen in ihren Schriften Wahres und Zweifelhaftes, richtige Beobachtungen und gewagte Vermutungen auf, und trugen mit allem Scharfsinn Systeme vor, die mit der mosaischen Schöpfungsgeschichte geradezu im Widerspruch standen. Junge Männer aber, die bereits einige Vorkenntnisse in den Wissenschaften besaßen, wurden über diesen falschen Schimmer entzückt und nahmen mit Vergnügen eine Theorie an, die von dem Joch eines geheiligten Ansehens sie befreite. Keiner aber bedachte, dass jene eitlen und falschen Geschichten, so wie diese philosophischen Behauptungen oft und mit größter Klarheit widerlegt wurden, und dass die Tatsachen, auf die das Christentum sich gründet, deutlicher erwiesen sind, als alle Tatsachen der römischen und griechischen Geschichte.
3. Endlich brachte die unglückselige Neuerungssucht und die eitle Wut, immer weiter fortzuschreiten und sogar die Religion zu vervollkommnen, eine Unzahl Schriften hervor, die viele Gemüter verwirrten, und gänzlichem Unglauben entgegenführten. Gleich als leuchtete nicht eine Sonne allen Generationen, als wäre die Wahrheit wandelbar wie die Lüge, und als ginge die Ewigkeit in der Zeit vorüber. Aber "die Wahrheit des Herrn bleibt in Ewigkeit". Würden alle Schriften, die dahin zielen, den Glauben zu vernichten, durch einen wohltätigen Brand vernichtet: wie viele Schriften echter Gelehrtheit würden wohl von der Hälfte des verflossenen Jahrhunderts erübrigen. Apostelgeschichte 19,19: "Und nicht wenige, die Zauberei getrieben hatten, brachten ihre Zauberbücher herbei und verbrannten sie vor aller Augen."
Große Mutter Gottes, rede, meine Königin, denn dein Kind hört dich an, und du erlangst alles, um was du bittest. Verwende dich auch für uns Elende, o Maria, unsere Fürsprecherin. Bedenke, dass du um unsertwillen eine so große Macht, eine so hohe Würde erhalten hast. Deshalb hat Gott dein Schuldner werden wollen, indem er nämlich von dir seine menschliche Natur annahm, damit du nach Belieben den Elenden die Schätze der göttlichen Barmherzigkeit austeilen möchtest. Wenn du allen Gutes tust, selbst denen, die dich nicht kennen und ehren, ja die dich sogar beleidigen und hassen: um wieviel mehr dürfen wir alsdann von deiner Barmherzigkeit hoffen, da du den Elenden aufsuchst, um ihm zu helfen. Um wieviel mehr dürfen wir alsdann von dir hoffen, die wir dich ehren, dich lieben, auf dich vertrauen. Amen.
Zu den Heiligen Gottes
Bittet für mich, ihr Heilige Gottes, dass ich alle List des Teufels besiege, und mich so zur ewigen Glorie vorbereite, damit ich in das "Buch des Lebens" eingeschrieben werde, und mich selbst niemals durch irgendeine Sünde aus ihm vertilge.
Zu Jesus Christus
Erwecke, o Herr, in allen Deinen Kindern den Eifer für Deine Ehre und das gemeinsame Heil, dann wird das Ansehen der Eltern allzeit heilbringend und heilig wirken, und die Folgsamkeit der Kinder allzeit gerecht und verdienstlich sein. Die ganze Gesellschaft wird in allen Ständen die wahren Jünger deines Evangeliums sich vermehren sehen. Amen.
Die heiligen Julianus und Basilissa,
Märtyrer, gelobten am Tag ihrer Hochzeit, der göttlichen Einsprechungen folgend, ewige eheliche Enthaltsamkeit. - Da erfüllte himmlische Klarheit und Wohlgeruch ihre Kammer, und sie erhielten von Gott die Versicherung in die Zahl der Heiligen aufgenommen zu werden, wenn sie bis an ihr Ende in wahrer Reinheit Gott treu dienen würden.
Wie oft spricht Gott auch zu uns so zum Herzen. "Siehe," sagt er im Innersten, "da ist Gelegenheit, die Demut zu üben . . . überwinde dich . . . bitte um Verzeihung . . . schweig . . . gib nach . . . fürchte dich nicht in dieser Versuchung, Ich stehe dir bei . . . achte nicht auf diese menschliche Rücksicht, fürchte nur Mich allein!"
Prüfe dich, ob du auf die göttlichen Einsprechungen aufmerksam bist, oder es etwa machst, wie ein Bettler, der an einem Beutel mit Gold vorüber geht, und ihn nicht aufhebt, weil er ihn nicht achtet?
Bete um Aufmerksamkeit auf göttliche Einsprechungen.
Der Einsprach Gottes folg geschwind,
Dann wirst du sicher Gottes Kind!
Der heilige Petrus,
Bischof, wurde als Kind seiner Schwester Makrina zur Erziehung übergeben. Manch frommer Wunsch und heiliges Verlangen lag in seinem Herzen, wurde aber noch durch böse Neigungen, besonders zum Zorn, Eigensinn, Ungehorsam und Leichtsinn unterdrückt. Jedoch durch Gebet, aber auch unermüdliche Sorgfalt alles zu entfernen, wodurch diese hätten angeregt oder genährt werden können, wurde endlich seine Seele ganz für Gott gewonnen.
Das Eisen wird sich nicht formen, wenn man es bloß glühend macht, aber nicht klopft; so werden wir Gott vergebens um die Gnade eines frommen Lebens anflehen, wenn wir nicht selbst mitwirken und Gewalt brauchen, die Gelegenheiten meiden oder recht benützen, wodurch diese oder jene böse Neigung in uns abgetötet werden könnte.
Prüfe dich, wie du die Gelegenheiten, die dir Gott hierzu täglich darbietet, benützt, z.B. im Umgang mit ungeduldigen, unangenehmen, hochmütigen Menschen, indem du dich bemühst, ihnen mit Geduld, Liebe, Demut zu begegnen, oder indem du die Gesellschaft noch weltlich oder fleischlich gesinnter Menschen vermeidest, wodurch so eine Lust oder Begierde im Herzen erwachen könnte?
Bete um Bekämpfung der bösen Neigungen.
Die Neigungen bekämpfe treu,
So wirst von ihrem Joch du frei.
Andenken an die seligste Jungfrau
Im heutigen Leben der heiligen Basilissa wird berichtet, dass sie nach dem Entschluss, jungfräulich zu leben, die Himmelskönigin in einem Chor der Jungfrauen gesehen hat, die ihr Glück wünschten, und sie der ewigen Glorie fähig erklärt hat, wobei sie aus ein ihr in dem Gesicht vorgehaltenes, mit goldenen Buchstaben geschriebenes Buch gelesen habe: "Basilissa, die eines reinen Herzens ist, soll ihre Ehrenstelle unter den Jungfrauen haben, deren Haupt und Königin die Mutter Jesu ist!"
Die heilige Marciana wurde zu Cäsarea in Mauretanien aus einer adeligen Familie geboren und hatte sich schon in ihrer Kindheit der Tugend und dem Dienst Gottes geweiht. Da sie zur Jungfrau herangewachsen war und ihre Schönheit sie heftigen Versuchungen aussetzte, verließ sie die Stadt und lebte in der Einsamkeit nach Art der Einsiedler, indem sie von allem Irdischen entfernt, sich bloß mit dem Gebet und himmlischen Betrachtungen beschäftigte. Damals, es war im Jahr 302, verfolgte Diokletian die christliche Religion mit Feuer und Schwert und überall wurden die Bildnisse der Götter öffentlich ausgestellt mit dem Befehl, dass alles Volk bei Verlust des Lebens ihnen seine Verehrung bezeugen und ihnen Opfer bringen sollte. Während dieser für die Kirche Jesu so unglücklichen Zeit, wo so viele ihrer Bekenner aus Furcht eines gewaltsamen Todes abfielen, verließ Marciana ihre Einöde und kam nach Cäsarea, wo sie mit Schrecken und Abscheu die Bildsäule der Göttin Diana und um sie herum eine große Menge Volkes erblickte, das soeben Opfer brachte. Von heiligem Eifer begeistert, riss die christliche Jungfrau die Säule zu Boden und zertrat das Bild der Göttin mit Füssen. Über dieses heldenmütige Unternehmen gerieten die Heiden in Wut. Sie misshandelten die Bekennerin und halbtot schleppten sie sie vor den Richter, der ihr das schändliche Urteil sprach, dass sie den Soldaten zur Befriedigung der unreinen Lust solle ausgeliefert werden.
Drei volle Tage und Nächte lang war Marciana den Angriffen ausgearteter Kriegsknechte preisgegeben, und Gott der Allmächtige stärkte sie während dieses schrecklichen Kampfes mit einem solchen Mut, dass ihre Keuschheit unversehrt blieb. Als dem Richter dieses Wunder hinterbracht wurde, schwur er bei den Göttern, dass er den Schimpf, den diese Christin gegen sie verübt hatte, fürchterlich rächen wolle, und er verdammte sie zu den wilden Tieren. Sogleich wurde sie einem der wildesten Löwen vorgeworfen, der aber beim Anblick der Heiligen alle Wildheit ablegte, zu ihren Füßen sich legte und zur Verwunderung aller Zuschauer ihre Hände leckte. Gerührt durch dieses Wunder, verlangte das Volk die Freilassung der heiligen Jungfrau. Aber Burdarius, der Vorsteher der Juden-Synagoge, gab aus Hass gegen die Christin dem beschämten Richter den Rat, auf sie einen wilden Stier loszulassen, der nicht so schonend gegen die Martyrin sein würde. Sein Rat wurde befolgt und der Stier, begleitet von einem Leoparden, einem der blutdurstigsten Tiere, zerrissen in einem Augenblick die Heilige. Zur gleichen Zeit fiel ein Blitz vom Himmel auf das Haus des Juden Burdarius; es stürzte zusammen und erschlug seine Frau und Kinder. Er selbst starb bald darauf in voller Verzweiflung.
1. Woher der Schwindel so vieler, die mit einem Unglauben prahlen, der alle Vernunft beleidigt? Haben sie etwa mit ernsthaftem Nachdenken geforscht, und die Religion falsch befunden? Haben sie die unerschütterlichen Grundfesten untersucht, auf denen das Christentum ruht, das das Götzentum stürzte, die scharfsinnigsten Geister überzeugte, die Welt sich unterwarf, und während der Dauer von zwei Jahrtausenden so viele Erderschütterungen, Throne, Regierungen, Diktaturen und Revolutionen überlebte? Nein! Warum denn sind sie ungläubig? Darum, weil es bequemer ist, nicht zu glauben, als die Sitten nach dem Glauben zu ordnen.
2. Wer war je ungläubig, um besser zu werden? Wen führte je das Verlangen nach Wahrheit und Gottesfurcht zum Unglauben? Fragen wir die meisten Ungläubigen, wann das große Licht der Aufklärung anfing ihnen aufzugehen, so erfahren wir, dass dies zur Zeit geschah, als die Liebe zur sinnlichen Lust in ihnen erwachte, als sie ihren Leidenschaften freien Zügel ließen. Peinlich war ihnen damals das Joch des Glaubens, man musste es also abwerfen und Mittel suchen, das schreiende Gewissen zu beschwichtigen, dazu aber bot der Unglaube das trefflichste Mittel. Man suchte Bücher und Freunde, in diesem Unglauben sich zu stärken, und fand beide, und so wurde die blinde Leidenschaft die Führerin, der man blindlings folgt.
3. Viele indessen tragen eigentlich mehr die Larve des Unglaubens. Gern zwar fänden sie alles unwahr, was in ihrer Leidenschaft sie stört. Auch ist aller seichte und lügenhafte Spott irreligiöser Schriftsteller ihnen willkommen. Dessen ungeachtet aber ist der Glaube in ihrem Herzen, wie das Feuer unter der Asche verborgen. Manche Gelegenheit versetzt sie in Angst und Schrecken und zeigt ihnen, dass sie mehr Glauben haben, als sie meinen. Möchten sie doch bedenken, wohin dieser Unglaube sie führen wird. Wer befolgte je die Lehren des Glaubens getreu, und hätte dies auf seinem Totenbett bereut? Oder wer hätte diesem Glauben damals abgeschworen, um Gott zu gefallen? Sollte dies aber nicht allein genügen, alle Ungläubigen zum Glauben zurückzuführen! "Bekehrt euch zu mir, so wird euch Heil widerfahren." (Jesaja 45,22)
Unbefleckte, heilige Jungfrau Maria, demütigstes unter allen Geschöpfen, die du erhabener als alle andere vor den Augen deines Gottes bist. Du erschienst dir selbst so gering, aber dennoch warst du so groß vor Gott, dass er dich sogar zur hohen Würde seiner Mutter erwählen wollte und dich deshalb zur Königin Himmels und der Erde machte. Ich armer überheblicher Mensch, der ich zugleich mit so vielen Sünden beladen bin, schäme mich vor dir zu erscheinen, die du ungeachtet aller deiner Vorzüge so demütig bist. Aber trotz meines Elends will ich dich doch mit den Worten begrüßen: Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade! Amen.
Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Laurentius
O Herr, der Du dem heiligen Laurentius eine so große Liebe zu den Armen gegeben hast, wir bitten Dich, schenke auf seine Fürbitte auch uns diese Liebe, damit wir dadurch Deinen Willen vollziehen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Severin
O Gott, der Du durch die Demut und die Bußfertigkeit Deines Dieners die Sünder zur Reue und zur Besserung ihres Lebens, und zur Anerkennung Deiner Herrlichkeit geführt hast, verleihe auf die Fürbitte des heiligen Severin uns Deine Gnade, damit wir unsere Armseligkeit einsehen, in demütigem und reuevollem Herzen vor Dir leben, und Deines Wohlgefallens würdig werden, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Zum heiligen Laurentius
Heiliger Laurentius Justinianus, bitte für mich, der ich in der Tat leer an allen Verdiensten bin, damit am Tag des Todes und des Gerichtes Jesus Christus der Gekreuzigte, mein Richter, meine Leerheit mit seinen unendlichen Verdiensten ausfüllen wolle. Amen.
Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Erhard
Allmächtiger Gott, wir bitten Dich um die Gnade, dass das feierliche Fest, das wir zur Ehre Deines heiligen Bischofs Erhard begehen, auf seine Fürbitte hin die Andacht in uns vermehre und unser Seelenheil befördere, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
8. Januar - Der heilige Severin,
Abt, war mit viel Arbeit überhäuft, und es blieb ihm nur wenig Zeit, wo er in seiner Zelle etwas lesen oder beten konnte; dennoch sah man ihn stets ruhig, heiter und freundlich, was offenbar zeigte, dass er dabei in seinem Herzen zufrieden und seine Gemeinschaft mit Gott nicht gestört war.
So wie der Vogel, wohin er fliegt, Luft begegnet, so ist uns Gott überall gegenwärtig, wir mögen nun auf der Straße oder zu Hause, bei der Arbeit, in der Küche, oder wo immer beschäftigt sein, und dieser Gedanke war es, der dem heiligen Severin bei seinen äußeren zerstreuenden Geschäften soviel Ruhe und Trost verlieh.
Prüfe dich, ob du öfters dich daran erinnerst, dass dir Gott nahe ist, und so aus Ehrfurcht und Liebe deine Arbeit, besonders wenn dir etwas schwerfällt, freudig verrichtest, ohne dabei deinen Verstand mit vielen Vorstellungen seiner Gegenwart zu quälen.
Bete um beständige Erinnerung an Gottes Gegenwart.
Wo ich bin, und was ich tu,
Sieht mir Gott mein Vater zu.
Der heilige Erhard
Bischof, verband von Jugend auf die Frömmigkeit mit den Wissenschaften, spendete, als Bischof von Regensburg, reichlich Almosen, und wurde von Papst Leo IX. den Heiligen beigezählt.
Lass dich doch nicht irremachen durch Einreden, dass du dein Geld selbst benötigst oder dass du zu viel oder einem unwürdigen Armen Speise, Trank, Kleidungsstücke oder Geld gegeben hast. Wenn Gott nur den Würdigen, oder die einen guten Gebrauch davon machen, Gnaden spenden würde, ach, was würde aus uns werden!
Prüfe dich, ob du durch solche Einwände dich in Werken der Liebe nicht irre machen lässt? - Antworte wie der selige Tordanus, der einem solchen Armen einen Rock gegeben hatte: "Ich will lieber den Rock als die Liebe verloren haben."
Bete um Eifer in Werken der Liebe.
Dem Armen gib ja oft und gern,
Du gibst nicht ihm, du gibst dem Herrn.
Andenken an die seligste Jungfrau
Zu Neapel wurde feierlich begangen das "Fest der heiligen Maria vom Anfang", nämlich der von den heidnischen Verfolgungen befreiten christlichen Religion, unter dieser Benennung der heilige Papst Sylvester eine von der Kaiserin Helena daselbst erbaute Kapelle zur Ehre der seligsten Jungfrau heute eingeweiht hat.
Zur Zeit, als Sigibert, ein Sohn des Königs Dagobert, auf dem fränkischen Thron saß, lebte zu Brüssel in den Niederlanden ein Graf, Witgerus mit Namen, der samt seiner Gemahlin Amelberga sowohl wegen hoher Geburt und großen Reichtümern, noch mehr aber wegen Frömmigkeit und seltener Tugenden allgemein berühmt war. Gott segnete ihre Ehe mit drei Kindern; nämlich mit einem Sohn, Eniebert, der als Bischof ein heiliges Leben führte, und mit zwei Töchtern, von denen die erstere, Reineldis, als Martyrin starb, und die andere, Gudila, wegen ihres engelreinen Lebens die Zierde der Heiligkeit genannt wurde. Nicht ohne Einwirkung der heiligen Vorsehung geschah es, dass dieses Kind, das später in der Kirche Gottes als ein helles Licht durch seine ausgezeichneten Tugenden leuchtete, bei der Taufe von der heiligen Gertrud, die damals schon im größten Ruf der Heiligkeit stand, auf den Händen gehalten und von ihr zur Gottseligkeit des christlichen Lebens geführt wurde.
Nach dem Tod der heiligen Gertrud begab sich Gudila, um getrennt von der Welt, Gott und ihrem Seelenheil desto ungehinderter dienen zu können, auf das zwei Meilen entfernte und ihren Eltern gehörige Landgut Morsellen, wo sich eine Kirche befand, in der sie Tag und Nacht ihren heiligen Betrachtungen und dem Gebet oblag und dabei in einer solchen Armut und Selbstverleugnung lebte, dass sie beinahe ihr ganzes Vermögen zur Unterstützung der Armen und Bedrängten verwendete. Mehrere Geschichtsschreiber des 7. Jahrhunderts erzählen von dieser heiligen Jungfrau unzählige Wunder, die sie in Heilung der Kranken wirkte, und erwähnen der heftigen Versuchungen, die sie vom bösen Geist auszustehen hatte, so zwar, dass sie ununterbrochen zu Gott flehte, sie aus diesem armseligen Leben zu befreien. Ihre Sehnsucht nach dem Himmel wurde erfüllt und sie starb am 8. Januar 712 als ein Muster der Heiligkeit. Ihr Leichnam wurde in der Kirche zu Ham feierlich beerdigt unter dem Wehklagen der Armen und Waisen, die an ihr eine so zärtliche Mutter verloren.
Bei ihrem Grab ereigneten sich so viele Wunder, dass die Kirche die vielen Wallfahrer nicht mehr fassen konnte, und man übertrug ihre Reliquien in die Kirche zu St. Salvator in Morselle, wo Kaiser Karl der Große an ihrem Grab selbst seine Andacht verrichtete und durch die auffallenden Wunder, die da geschahen, bewogen, ein Kloster zu stiften, damit zur Verherrlichung der christlichen Religion und zum Seelenheil der Gläubigen Gottes Lob Tag und Nacht verkündigt würde. Durch verheerende Kriege wurde dieses Kloster nebst der Kirche zerstört und der Leib der heiligen Gudila nach Brüssel gebracht, wo er noch heutzutage in einer herrlichen Kirche aufbewahrt wird.
1. Die innerliche Einsprechung ist ein Stern, der unseren Geist erleuchtet und ihn zu Jesus führt. Sie ist die Stimme Gottes in unserem Gewissen, die uns belehrt, ermahnt und bedroht. Sie ist ein Anhauch des Heiligen Geistes, ein Strahl seines Lichtes, eine Wirkung seiner Liebe, ein Samenkorn des Paradieses zu Früchten des ewigen Lebens, ein Keim der Ewigkeit. Sie ist eine Gnade, die Jesus durch sein Blut uns erworben hat. Sind wir aber zu dieser innerlichen Mahnung taub, so widerstreben wir dem Heiligen Geist, sündigen mit vorsätzlicher Bosheit, vergraben gleich jenem bösen Knecht das Talent unseres Herrn, und gefährden unser ewiges Heil.
2. Wären die heiligen Weisen dem Stern nicht gefolgt, so wären sie in den heidnischen Finsternissen und den Schatten des Todes verblieben. Folgst aber du der Einsprechung nicht, die deinen Geist erleuchtet und dein Herz zur Bekehrung drängt, so wirst du in deinen Sünden sterben. Denn verschmähst du die Stimme Gottes, so schweigt er. Hat er gerufen und du kommst nicht, so entfernt er sich. Hat er lange an deinem Herzen angepocht und du tust ihm nicht auf, so weicht er von dir. Und gerecht ist es allerdings, dass er die Seele verschmäht, die ihn verschmähte, und sie endlich bestraft, nachdem er ihren Trotz lange mit großer Geduld ertragen hat.
3. Wie lange schon pocht Gott an deinem Herzen! Wie lange schon ruft er dir zu, sucht, bittet und ermahnt dich, von jener Sünde abzustehen, dein Leben zu bessern, und der Stimme seiner Gnade Gehör zu geben? Zittere, dass sein gerechter Zorn plötzlich erwacht, dass das Reich der Gnade und Liebe, wohin du nicht eingehen willst, von dir hinweggenommen, dass sein Geist nicht mehr zu deinem Herzen sprechen, dass die Stimme deines Gewissens schweigen, und dass Gott dich verlassen wird. Nein, mein Gott, nicht länger werde ich deinem innerlichen Ruf widerstehen. Gehorchen will ich dir und deinen heiligen Willen tun. Preis dir, dass du, ungeachtet meines Undanks, mich noch nicht verlassen hast, und mich noch barmherzig ermahnst und bedrohst. 1. Samuel 3,9: "Rede, Herr, denn dein Diener hört."
Allerreinste Jungfrau Maria, allerliebste Jungfrau Maria, mach, das dein Name von heute an für mich der Lebensatem sei. O meine Gebieterin, stehe mir immer bei, wenn ich dich anrufe, denn in allen Versuchungen, die über mich kommen, in allen meinen Nöten will ich nie müde werden, dich anzurufen, und immer die Worte zu wiederholen: Maria! Maria! Amen.
Zu Jesus Christus
Herr, Du hast uns in Deiner Barmherzigkeit einen Tisch bereitet, an dem wir uns gegen die Macht unserer Feinde stärken können. Gib und erhalte in uns den geistlichen Hunger nach diesem Himmelsbrot, das Du selber bist, der Du lebst und herrschst mit Gott dem Vater in der Einheit des Heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Valentin
Wir bitten Dich, o Herr, schone Deine Diener durch die glorreichen Verdienste Deines heiligen Bischofs und Beichtigers Valentin, damit wir durch seine Fürbitte von allen Übeln befreit werden, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Raymund
O Gott, der Du den heiligen Raymund zu einem treuen Diener des Sakramentes der Buße erwählt und durch die Meeresfluten wunderbar geführt hast, gib, dass wir durch seine Fürbitte würdige Früchte der Buße tun und das ewige Heil erlangen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
7. Januar - Der heilige Valentin,
Bischof, ermahnte und predigte mit unermüdlichem Eifer und ausharrender Geduld den Einwohnern von Passau; - jedoch vergebens, sie wollten ihn nicht hören, misshandelten ihn zuletzt, und nötigten ihn, ihre Stadt ganz zu verlassen.
Wie gefährlich ist es, taub für die Aufforderungen der göttlichen Gnade zu sein, wie schrecklich, wenn auch wir durch Missbrauch oder gar gänzliche Vernachlässigung der Gnadenmittel, die uns so häufig, besonders in der Kirche dargeboten werden, Gott zwingen würden, uns sie wieder zu entziehen! Welche Verantwortung!
Prüfe dich hierüber, - und erinnere dich, dass Gott ein liebevoller Vater ist, wie Er etwa in der Parabel vom verlorenen Sohn dargestellt wird, der das verirrte, aber reumütig zurückkehrende Kind mit Freuden aufnehmen, und wieder unter den besonderen Schutz der Mutter Gottes stellen wird!
Bete um treuen Empfang der verliehenen Gnadenmittel.
Gott will den Tod des Sünders nicht,
Denn im Himmel soll er schau`n sein Angesicht.
Andenken an die seligste Jungfrau
Die Rückkehr Jesu Christi aus Ägypten, da er von seiner heiligsten Mutter und dem heiligen Joseph nach Nazareth überbracht worden ist, wurde auf den heutigen Tag gesetzt.
An den Namen des heiligen Reinhold knüpfen sich viele alte Sagen, die von seinem seltenen Heldenmut und seinen berühmten Taten ein ruhmreiches Zeugnis geben. Hier soll nur erzählt werden, was die Bollandisten, auf zuverlässige Zeugnisse gestützt, als echten Kern aus der Schale der Poesie gelöst haben.
Reinhold stammte aus der höchst angesehenen und reich begüterten Familie der Karolinger. Wer hätte nicht von seinem ritterlichen Vater Haimon gehört? Der hatte vier Söhne, deren Heldentaten in Liedern besungen wurden. Wie aber ein Stern an Klarheit die anderen überstrahlt, so übertraf Reinhold an Edelmut und Reinheit der Sitten nicht nur seine Brüder, sondern auch alle seine Zeitgenossen. Von seinen frühesten Jahren wuchs er mehr und mehr in der Erkenntnis und Liebe Gottes.
Von der Weisheit Gottes erleuchtet, verließ er sein irdisches Besitztum, um die dauernden Güter des Himmels zu gewinnen. Deshalb ging er nach Köln, nahm das Ordensgewand und widmete sich ganz der Liebe desjenigen, dessen Dienst Herrschaft ist. Dort leuchtete er bald durch so viele herrliche Tugenden, dass er von allen geliebt und von Gott mit der Wundergabe begnadigt wurde. In seiner Klause heilte er die Kranken, gab den Lahmen gesunde Glieder, den Tauben das Gehör und den Blinden das Augenlicht wieder. Augenzeugen berichteten, dass er durch sein Gebet einen Toten erweckte und ihn in Gegenwart vieler seiner trauernden Mutter zurückführte. Einen Jungen, der viele Jahre am Fieber gelitten hatte, heilte er so vollständig, dass er noch am selben Tag Gott lobend und mit Freuden nach Hause zurückkehrte.
Zu jener Zeit wütete unter dem Volk der Provinz die Pest. In ihrer höchsten Not wandten sich die Heimgesuchten an den heiligen Reinhold, warfen sich ihm zu Füßen und baten mit Tränen, er möge das Volk von jener schrecklichen Krankheit befreien. Der Heilige flehte sofort demütigst zum Herrn, dass er jenen Barmherzigkeit angedeihen lasse, denen das Bild des Todes schon aufgeprägt war. Gott erhörte seinen demütigen Diener und gab dem kranken Volk die erwünschte Gesundheit zurück. Alle dankten Gott, der sie auf die Fürbitte des Heiligen gerettet und die schreckliche Krankheit verscheucht hatte. Überall verbreiteten sie die Tugenden und Verdienste des heiligen Reinhold und sangen später alljährlich sein Lob.
Der Gottesmann Reinhold wurde später auf Befehl seines Abtes zum Steinmetzmeister gemacht. Da er aus Eifer für die Ehre Gottes mehr, als die übrigen Gesellen arbeitete und sie streng und öfters an ihre Pflicht erinnerte, hassten und beneideten sie ihn und verschworen sich heimlich gegen sein Leben. Der Diener Gottes hatte die Gewohnheit, häufig die Klöster und Kirchen in der Nähe und Ferne zu besuchen und unterwegs den Armen Almosen zu spenden. Diesen Umstand benutzten die lasterhaften Menschen, um ihn in ihre Gewalt zu bringen und nach Räuberart ihm aufzulauern und ihn heimlich zu ermorden. Der Heilige durchschaute ihren Mordplan und bereitete sich zum Tod, wie zu einem königlichen Festmahl. Den Räubern ging er wie seinen Freunden entgegen, um als Märtyrer zum Himmel emporzusteigen. Die gottlosen Männer überfielen ihn, schlugen ihm mit Hämmern den Schädel ein, beraubten ihn seiner Kleider und warfen den Leichnam in ein tiefes Wasser in der Nähe des Rheins. So fand der ausgezeichnete Märtyrer die Palme des Martertums. Himmlische Heerscharen trugen seine Seele unter Jubelgesängen zur ewigen Freude. Der Abt und seine Mönche suchten den Vermissten lange vergebens.
Der Herr wollte den Leib seines treuen Dieners nicht länger verborgen sein lassen. Eine Frau lag schon mehrere Jahre auf dem Krankenbett und alle ärztliche Hilfe erwies sich als fruchtlos. In einer Nacht nahmen die Schmerzen derart überhand, dass sie den Tod erwartete und zu Gott flehte, er möge ihrem Leben ein Ende bereiten. Nach Mitternacht fiel sie in einen Schlaf und im Traum sah sie einen hell glänzenden Mann, der zu ihr sagte: „Gehe zum Wasser, in dem der von den Steinmetzen gemordete heilige Reinhold liegt, dort wird es besser mit dir werden.“ Und er zeigte ihr die Stelle. Als die Frau erwachte, erzählte sie ihren Traum. Man trug die Kranke zu dem bezeichneten Ort. Sogleich erschien der heilige Leichnam an der Oberfläche des Wassers und gab der Frau die Gesundheit zurück. Sie erhob sich sofort von ihrem Krankenbett, half mit, den Leichnam herauszuziehen, und trug in demselben Bett, in dem sie hergebracht war, mit den übrigen Trägern den heiligen Leichnam zum Kloster.
Nach langer Zeit wandte sich die Stadt Dortmund an den Erzbischof von Köln, um die Reliquien eines Heiligen zu erhalten, damit das Land beruhigter und sicherer vor den Feinden würde. Um dem Begehren zu willfahren, berief der Bischof die Geistlichkeit der Stadt zu sich und befragte sie, welchen Heiligen er Dortmund schicken solle. Nach langem Zweifeln setzte der Herr vor der Kirche den heiligen Märtyrer Reinhold im Sarg aus. Da der verblendete Geist der Menschen noch zweifelte und den heiligen Leib in die Kirche zurücktrug, wiederholte sich die Erscheinung des Heiligen vor der Kirche öfters, so dass das Volk klar erkannte, dass nach Gottes Willen diese Reliquien für Dortmund bestimmt seien. Deshalb kam die Geistlichkeit mit dem Volk überein, legte den heiligen Märtyrer Reinhold in einen schön geschmückten Schrein, und eine ungeheure Volksmenge begleitete die heiligen Reliquien von Köln noch drei Meilen weit. In Dortmund kamen die heiligen Überreste am 7. Januar um das Jahr 1060 an und fanden ihre Ruhestätte in der prächtigen Kirche, die nach dem Namen des Heiligen St. Reinholdikirche genannt wurde. Das gläubige Volk verehrte ihn als Patron ihrer Kirche und ihrer Stadt, und der Herr wirkte durch die Fürbitte seines treuen Dieners viele Wunder: Blinde wurden sehend, Aussätzige gereinigt, gichtbrüchige Glieder geheilt zum Lobe Gottes und zur Ehre des heiligen Märtyrers Reinhold.