1. Der Sohn Gottes besäte den Acker seiner Kirche mit dem Samen des himmlischen Evangeliums. Der Feind alles Heils aber übersäte ihn mit Samen bösen Unkrautes. Die Wahrheit ist früher denn die Lüge, das Gute früher denn das Böse. Die Wahrheit und das Gute kommen von Gott. Die Lüge und das Böse vom Feind Gottes, dem bösen Geist und von seinen Knechten und Mägden, die, von ihm verführt, mit teuflischer Gier auch andere zu verführen suchen. Wann aber greift diese Verführung am meisten um sich? Wenn die Menschen den Todesschlaf der Sünde schlafen, ihren blinden Leidenschaften sich überlassen, und des göttlichen Gesetzes vergessen. Seien wir wachsam, dass nicht die arglistige Schlange auch uns verführt.
2. Fromme Menschen sind auf dem Acker der Kirche die gute Frucht, die Bösen dagegen das Unkraut; beide bestehen untereinander. Gottes Weisheit aber lässt die Bösen bestehen, damit durch sie die Guten in der Geduld geübt werden, und Gelegenheit erhalten, großmütige Tugenden zu üben und ihre Verdienste zu vermehren. Wären keine Tyrannen gewesen, so zählte die Kirche nicht so viele glorreiche Märtyrer. Auch lässt sie die Bösen bestehen, damit das Beispiel der Guten ihnen leuchte und auf ihre Herzen einwirke. Denn wandelt auch das Unkraut sich nie in Frucht, so wird doch mancher Böse in einen Gerechten umgewandelt. Ist dein eigenes Beispiel ein solches Licht?
3. Auch dein Herz ist ein Acker, worauf Gott den guten Samen vieler Gnaden und himmlischer Einflößungen ausgesät hat. Wie viele gute Belehrungen auch hast du gehört und gelesen, wie viele gute Beispiele gesehen? Wo sind die Früchte dieses guten Samens? Woher das Unkraut so vieler sündhafter Gedanken und Begierden? Säte nicht der Feind sie aus, als du geschlafen hast, als du nicht über dich selbst wachtest, als du deine Sinne umherschweifen ließest, und auf geringe Sünden nicht geachtet hast? So erwache denn, und tue Buße, damit du nicht am Ende mit den Bösen gesammelt und ins Feuer geworfen wirst. Epheser 5,14b: "Wach auf, du Schläfer, und steh auf von den Toten, und Christus wird dein Licht sein."
Barmherziger Gott, Du hast den guten Pater Philipp Jeningen zum Glaubensboten in unserer Kirche und Heimat berufen. In schwerer Zeit verkündete er mit aller Kraft und Hingabe die Frohe Botschaft Christi. Steh uns Tag für Tag mit den Gaben Deines Geistes bei. Lass uns im Glauben wachsen und aus dem Wort des Evangeliums leben. Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Zu Gott
Gott, Du widerstehst den Stolzen und gewährst den Demütigen Deine Gnade. Verleihe uns die Tugend wahrer Demut, als deren Vorbild Dein eingeborener Sohn sich selbst den Gläubigen vor Augen gestellt hat, und lass uns niemals durch Hochmut Deinen Unwillen herausfordern, vielmehr durch Unterwürfigkeit Geschenke Deiner Gnade erlangen. Durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
Am heutigen Tag war die feierliche Übertragung eines Bildnisses der seligsten Mutter Gottes in die neue Kirche der Karmeliten zu Rom im Jahr 1587 unter Papst Sixtus V.
Der heilige Stephan war der Sohn einer ansehnlichen und wohlhabenden Familie zu Thiers bei Clermont und seine frommen Eltern, Stephan und Candida, erzogen ihn durch Lehren und Beispiel in der Furcht Gottes und übergaben ihn als einen talentvollen und heilsbegierigen Jüngling der Leitung des heiligen Milo, Erzbischof in Benevent, der bei ihm den Grund zu seiner künftigen Heiligkeit legte. Zwölf Jahre lang genoss Stephan den Unterricht dieses gottbegeisterten Oberhirten und erwarb sich einen solchen Schatz von Kenntnissen in den Heilswissenschaften und eine solche Frömmigkeit, dass ihn der heilige Milo zu seinem Diakon weihte und zum Mitarbeiter im heiligen Amt erwählte. Nach dem Tod seines Lehrers begab er sich nach Rom und arbeitete vier Jahre lang unter ununterbrochenem Fasten und Gebet an dem Plan zur Errichtung eines neuen, strengen Ordens und nachdem er die Bestätigung vom Papst erhalten hatte, baute er auf dem Berg Murel, der in der Nähe von Limoges liegt, ein Kloster und nahm Jünger an, die er zur strengen Abtötung und Armut anhielt. Fünfzig Jahre lang lebte der Heilige mit seinen Ordensmännern in der größten Abgeschiedenheit von der Welt auf diesem Berg und nur erst dann verließ er das Kloster, als der Ruf seines heiligen Lebens eine Menge Menschen herbei zog, die bei ihm Rat und Hilfe in ihren Angelegenheiten und Bedrängnissen suchten. Er begab sich daher mit den Seinigen in die einsame Gegend von Grammont, und da er aus Demut seinem Orden keinen Namen gab, erhielt er die Benennung des Ordens von Grammont; denn er selbst pflegte zu sagen, er sei kein Mönch und kein Einsiedler, sondern ein unwürdiger Diener Gottes. Die Regel seines Ordens war einfach und forderte eine gänzliche Lostrennung von allem Irdischen. Seine Jünger lebten nur vom Almosen, das die Gläubigen freiwillig in das Kloster brachten, wo es nur die Laienbrüder in Verwahrung nehmen durften.
Der heilige Abt Stephan führte seine Schüler mehr durch sein Beispiel, als durch Befehle und Ermahnungen zu einem gottseligen Leben; denn er beobachtete stets das strengste Stillschweigen, war der Demütigste unter allen und diente den Niedrigsten wie seinen Herrn. Er trug zu jeder Jahreszeit ein altes, abgetragenes Kleid, hatte auf dem bloßen Leib einen eisernen Panzer und schlief auf der Erde. Seine Nahrung bestand nur in Brot und Wasser und von allen übrigen Speisen enthielt er sich sorgfältig und gab seinen Anteil den Armen und Kranken, die er seine Kinder nannte. Während des Gebetes warf er sich oft auf das Angesicht, dass die Haut seiner Knie und Hände so rau wurde, wie die der Kamele. Gott verherrlichte ihn schon während seiner Lebenszeit durch die Gabe der Wunder, die er aber äußerst selten und nur dann wirkte, wenn Armen und Unglücklichen durch Menschen nicht mehr geholfen werden konnte. Er starb im Jahr 1124 und wurde von Papst Clemens III. am 30. August des Jahres 1189 unter die Zahl der Heiligen gesetzt.
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Der heilige Stefan von Thiers (von Muret; von Grandmont – französischer Name: Étienne) * 1050 in Thires im Départemt Puy-de-Dôme in Frankreich - † 8. Februar 1124 in Muret in Frankreich - Fest: 8. Februar - Stefan wurde am 21. März 1189 durch Papst Clemens III. heiliggesprochen.
Lebensbeschreibung des heiligen Stefan von:
Dr. Räß, Professor der Theologie und Direktor im bischöflichen Seminar in Mainz,
und Dr. Weis, Geistlicher Rat und Canonicus am hohen Dom in Speier,
Mainz 1823, Band 2, S. 499 (aus dem Französischen)
Der heilige Stefan
Stifter des Ordens von Grandmont
(Stefan von Liciac, vierter Prior von Grandmont, schrieb die Lebensgeschichte dieses Heiligen im Jahr 1141; allein dieses Werk scheint verloren gegangen zu sein. Gerhard Ithier, siebenter Prior desselben Klosters, hat einen Auszug davon geliefert, den wir noch haben, und wovon Dom Martene eine gute Ausgabe veranstaltet hat, Vet. Script. Ampliss. Collect., tom. VI, p. 1043. Die Anmerkungen des gelehrten Benediktiners verbessern die Verstöße gegen die Zeitrechnung, und andere Fehler, in welche der Abkürzer gefallen ist. Martene hat auch, ibid., mehrere andre Aktenstücke in Betreff der Lebensgeschichte des heiligen Stefan von Grandmont bekannt gemacht. Sieh auch Rivet, Hist. littèr. De la France, tom. X, p.410, und die Gallia Christ. nova, tom. II, p. 646)
Jahr 1124
Der heilige Stefan war ein Sohn des frommen Grafen von Thiers, des ersten Edelmannes von Auvergne. Von seiner Kindheit an zeigte er schon viel Neigung zur Tugend, und ließ den Keim diese hohen Heiligkeit schon blicken, zu der er in der Folge heranreifte. Einem tugendhaften Priester, Milo genannt, der damals Dechant der Kirche von Paris war, übertrugen die Eltern die Sorge seiner Erziehung. Nachdem dieser zum Bischof von Benevent im Jahr 1074 erwählt worden, behielt er den jungen Stefan bei sich, und fuhr fort, ihn in der Kenntnis der heiligen Schrift und in den Wegen der Vollkommenheit zu unterrichten. Gerührt von dem seltenen Verdienst seines Schülers, entschloss er sich, ihn dem Altar zu weihen, und erteilte ihm das Diakonat. Nach Milos Tod 1076, ging der Heilige nach Rom, um da seine Studien zu beenden, wo er vier Jahre verweilte. Während dieser ganzen Zeit schien es ihm, als höre er eine innere Stimme, die ihm sagte, er solle die Welt verlassen. Die Betrachtungen, die er über die Gefahren, die die Seele umgeben, über die Notwendigkeit, ein bußfertiges Leben zu führen, und über die Vorteile der Einsamkeit anstellte, bestimmten ihn vollends, diesem innern Ruf zu folgen. Er wandte sich daher an den Papst Gregor VII. und begehrte von ihm die Erlaubnis, Einsiedler zu werden, und die Regel einer sehr strengen Genossenschaft, die er in Kalabrien kennen gelernt hatte, zu befolgen.
Als ihm der Papst sein Verlangen bewilligt hatte, kehrte er in das Schloss von Thiers zurück, um seine häuslichen Angelegenheiten zuerst zu ordnen. Er hatte von Seiten seiner Freunde, die sich mit aller Kraft seinen Absichten entgegensetzten, harte Kämpfe zu bestehen. Seine Eltern, die ihn allzeit als ein Kind des Segens angesehen hatten, das Gott ihrem Gebet gegeben hat, und die, weit entfernt seinen Wünschen Hindernisse zu legen, viel mehr zu ihrer Ausführung mitgeholfen hätten, lebten nicht mehr. Alles Widerstreiten war aber vergeblich. Er entfloh heimlich, und nachdem er in verschiedenen Wüsteneien umhergeirrt war, zog er sich an den Berg Muret zurück, in der Nähe von Limoges. Es herrschte da eine überaus große Kälte, und nur wilde Tiere hatten da ihre Wohnung. An diesem Ort entschloss sich der Heilige zu verbleiben, und sich dem Dienst des Herrn durch ein besonderes Gelübde zu widmen. Er drückte sich bei seiner Weihe also aus: „Ich Stefan entsage dem Teufel, und seiner Pracht; ich opfere und weihe mich unbedingt dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist, dem einzigen Gott in drei Personen.“ Er schrieb mit eigener Hand diese seine Verpflichtung, und bewahrte sie stets samt dem Ring, dessen er sich zur Versiegelung seiner Weihe bedient hatte. Er erbaute sich eine Art Hütte von geflochtenen Baumzweigen, um sich vor dem Ungemach der Witterung zu schützen, und brachte da sechsundvierzig Jahre zu in der Übung des Gebetes und der Buße. Die Abtötungen, die er ausübte, waren ganz außerordentlich, und meistens überstiegen sie die sich selbst überlassene menschliche Schwachheit. Anfangs nährte er sich von nichts als Kräutern; allein, da ihn Schäfer im zweiten Jahr seiner Zurückgezogenheit entdeckt hatten, brachten sie ihm aus Nächstenliebe von Zeit zu Zeit Brot. Nachher übernahmen Landleute der Nachbarschaft dieses Werk, und fuhren fort, dem Heiligen, so lange er lebte, diesen Dienst zu erweisen. Nicht zufrieden, seinen Leib durch eine sehr strenge Buße zu züchtigen, trug er auf bloßem Leib ein härenes Kleid mit kleinen eisernen Ringen, über welches ein sehr schlechtes Obergewand hing, das er weder im Sommer noch Winter änderte. Wenn er sich einige Ruhe gestatten musste, schlief er auf Brettern, die er in Gestalt eines Sarges gelegt hatte. Die Zeit, welche er nicht mit Handarbeit zubrachte, widmete er auf der Erde liegend der Anbetung der göttlichen Majestät. Die Wonneempfindungen, die ihm in der Beschauung zu Teil wurden, bemächtigten sich so aller seiner Seelenkräfte, dass er öfters zwei bis drei Tage zubrachte, ohne nur an das Essen zu denken. Erst im Alter von sechzig Jahren ließ er sich bewegen, einige Tropfen Weines unter sein Trinkwasser, wegen der Schwäche seines Magens, zu nehmen.
Da der Ruf seiner Heiligkeit mehrere Personen in die Wüste gezogen hatte, war er bald genötigt, Schüler anzunehmen. Er liebte sie, wie seine Kinder; leitete sie mit bewunderungswürdiger Weisheit, die stets die Abtötungen nach den Kräften des Leibes und der Seele abmaß. So streng er gegen sich selbst war, so liebevoll und sanft behandelte er andere. Dessen ungeachtet bestand er immerhin fest auf der Erfüllung der wesentlichen Pflichten des Einsiedlerlebens, als da sind: das Stillschweigen, die Armut, und die Selbstverleugnung. Die Ermahnungen, die er an seine Schüler hielt, behandelten hauptsächlich die Notwendigkeit, sein Herz von allen Neigungen zu den Geschöpfen loszureißen. Jenen, die zu ihm kamen, um unter seiner Leitung zu leben, pflegte er zu sagen: „Hier ist ein Gefängnis, das weder Tür noch Öffnung hat; und aus demselben könnt ihr nicht anders kommen, wenn ihr in die Welt zurückkehren wollt, als dass ihr die Mauer durchbrecht. Wenn euch dieses Unheil widerführe, wäre ich nicht im Stande, jemanden euch nachzuschicken, da alle hier Wohnenden in der Welt eben so fremd sind, wie ich.“ Stefan sah sich als den Geringsten seiner Genossenschaft an, und nahm allzeit den letzten Platz ein. Er war ein Feind von allen Ehrenbezeigungen, die mit dem Amt eines Obern verbunden sind. Während seine Mitbrüder am Tisch aßen, saß er mitten unter ihnen auf der Erde, und las ihnen die Leben der Heiligen vor. Gott belohnte diese Demut mit der Gabe der Wunder und Weissagungen. Unter allen Wundern aber, die er wirkte, ist keines so staunenswürdig, als die Bekehrung so vieler verstockter Sünder. Man hätte beinahe sagen mögen, es sei unmöglich, dass jemand der Gnade, die alle seine Worte begleitete, widerstehe.
Unterdessen wurde durch den öffentlichen Ruf immer mehr und mehr die erhabene Heiligkeit des Dieners Gottes bekannt. Zwei Kardinäle, (einer dieser Kardinäle wurde in der Folge Papst unter dem Namen Innocenz II.) die als Legaten nach Frankreich geschickt wurden, begaben sich in seine Einöde, um ihn zu besuchen. In der Unterredung, die sie mit ihm hielten, fragten sie ihn nach seiner Lebensweise. Bist du Chorherr, fragten sie ihn, Mönch, oder Einsiedler? Ich bin nichts von allem diesen, entgegnete der Heilige; und da man in ihn drang, sich deutlich zu erklären, sprach er sich folgendermaßen aus: „Wir sind arme Sünder, die die Barmherzigkeit Gottes in diese Wüste geführt hat, um da Buße zu tun. Der Statthalter Christi selbst hat uns nach unsrer Bitte, zur Sühnung unsrer Sünden, die verschiedenen Übungen auferlegt, denen wir uns unterziehen. Wir sind zu unvollkommen und zu gebrechlich, als dass wir den Mut hätten, die glühende Inbrunst jener heiligen Einsiedler nachzuahmen, die durch die Beschauung so innig und unaufhörlich mit Gott vereinigt wurden, dass sie selbst ihrer leiblichen Bedürfnisse vergaßen. Ihr seht auch, dass wir weder das Kleid der Mönche, noch jenes der Chorherren tragen. Noch weiter sind wir davon entfernt, ihre Namen anzunehmen, weil wir weder den Charakter der einen, noch die Heiligkeit der anderen haben. Noch einmal, wir sind nur arme Sünder, die, durch die Strenge der göttlichen Gerechtigkeit geschreckt, mit Furcht und Zittern dahin arbeiten, dass uns Jesus Christus am großen Tag seiner Vergeltung gnädig sein möge.“ Die Legaten verließen den Heiligen, von tiefer Ehrfurcht ihm gegenüber durchdrungen, und durch alles, was sie gesehen und gehört hatten, sehr erbaut.
Acht Tage nach ihrer Abreise gab der Himmel dem Heiligen zu erkennen, dass sein Lebensende herannahe. Dies war für ihn ein neuer Beweggrund, seinen Eifer bei allen seinen Übungen zu verdoppeln. Als er einige Zeit nachher in eine Krankheit verfiel, der er erliegen musste, wandte er die wenigen ihm noch übrigen Augenblicke dazu an, seine Schüler in ihrem Beruf zu bestärken, und ihnen ein zärtliches Vertrauen auf Gott einzuflößen. Er redete mit ihnen in so lebhaften und rührenden Worten, dass er sie von der Unruhe befreite, in die sie bei dem Gedanken, was nach ihres Führers Tod aus ihnen werden sollte, verfielen. Hierauf ließ er sich in die Kirche tragen, wo er die heilige Messe hörte, und das Sakrament der letzten Ölung und des Altars empfing. Er starb den 8. Februar 1124, indem er die Worte aussprach: „Herr in deine Hände gebe ich meine Seele zurück.“ Er war beinahe achtzig Jahre alt (Er starb im sechsundvierzigsten Jahr seines einsamen Lebens nach der Erzählung Wilhelms Dandina, eines zuverlässigen Schriftstellers, welcher eine Lebensbeschreibung Hugo`s von Lacerta, der unter den ersten Schülern des Heiligen sehr berühmt war.); seine Schüler begruben ihn in der Stille, um dem zu großen Zusammenlauf des Volkes vorzubeugen; allein die Nachricht von seinem Tod hatte sich nicht sobald verbreitet, als man scharenweise zu seinem Grab herbeiströmte, wo Gott auch viele Wunder wirkte. Vier Monate nach seinem Tod, machten die Mönche von Ambazac, einer Priorei, die von der Abtei St. Augustin von Limoges, des Benediktinerordens abhing, auf Muret Anspruch, und forderten es zurück. Die Schüler des heiligen Stefan, welche den Geist und die Grundsätze ihres gottseligen Meisters ererbt hatten, wollten lieber ihren Wohnort abtreten, als sich dessen Besitz auf dem Wege des Rechts zu versichern. Sie zogen sich daher in die Wüste von Grandmont zurück, die eine Stunde von Muret entfernt liegt, und nahmen die kostbaren Überbleibsel (Reliquien) ihres heiligen Stifters mit sich. Von da haben sie den Namen Grandmontiner erhalten. Der heilige Stefan wurde von Clemens III. 1198, auf Begehren Heinrichs II., Königs von England, unter die Zahl der Heiligen gesetzt.
Der glühende Eifer der ersten Schüler des heiligen Stefan von Grandmont erwarb ihnen die Bewunderung aller, die sie kannten. Petrus von Celles nannte sie Engel, und sagte, dass er ein vollkommenes Vertrauen auf ihre Gebete setzte. Johann von Salisbury, ein gleichzeitiger Schriftsteller, stellt sie als außerordentliche Menschen vor, die, da sie sich über alles Sinnliche erhoben, ihre Leidenschaften und die Natur selbst bezähmt hätten. Stefan, Bischof von Tournay, erteilt ihnen auch das glänzendste Lob. Diesen Zeugnissen könnten wir leicht, wenn es notwendig wäre, noch mehrere andere beisetzen, die man ihrer Tugend erteilte.
1. Halte für gewiss, dass du im Leben des Geistes noch nicht zugenommen hast, wenn du deine Ungeduld noch nicht besiegen gelernt hast. Denn woher kommt deine Ungeduld, außer von deiner ungeregelten Eigenliebe, die noch immer lebendig in dir herrscht, und keinen Zügel dulden will? "Der Ungeduldige", spricht die Schrift, "wirkt Narrheit; und er wird Schaden leiden!" Woher auch so viele voreiligen Schritte, so viele unbesonnene Reden, so viele blinde Urteile, so viele ungerechte Beleidigungen und wunderliche Entscheidungen? Daher, weil deine Ungeduld das Licht und den Frieden aus deinem Herzen vertrieb, und dich in Finsternis und Erbitterung zurückließ.
2. Kein Fehler ist, - nicht nur der Frömmigkeit, - sondern auch der Vernunft so sehr entgegen als die Ungeduld, weil der Ungeduldige über zahllose Dinge erbittert wird, die sich weder vorhersehen, noch verhindern lassen, und die aus der Bedrängnis der Zeiten, aus Todesfällen geliebter Personen, aus feindlicher Bosheit und aus verborgenen Ursachen kommen, die die Weltkinder Zufall nennen. Wann aber wirst du ein Übel durch Erbitterung heilen? Murren, Klagen, Lärm, Schimpfworte sind nicht nur ohnmächtige Waffen gegen den Feind, sondern sie bringen auch uns selbst Unheil, weil sie sich gegen uns zurückwenden. "Der Herr hat`s gegeben, der Herr hat`s genommen!" So spricht wer weise ist, wer Gott sich ergeben hat. Von diesem Schild prallen alle Pfeile der Widerwärtigkeiten zurück.
3. Niemals wirst du zu wahren Tugenden gelangen, wenn du dir nicht Gewalt antust, und mit großer Geduld dich bewaffnest. Fasse also jeden Tag ernsthafte Vorsätze hierüber, und lerne im Buch des Kreuzes Jesu Christi Geduld in Liebe üben. Dringend ermahnt hierzu der große, von Gott erleuchtete Apostel, der die Ungeduld "eine Wurzel der Bitterkeit" nennt; weil aus ihr Eigensinn und Launen hervorgehen, die einer christlichen Seele unwürdig sind, und das Leben wahrhaft verbittern. Auch gibt er uns zu Führern die Liebe Gottes und die Geduld Jesu Christi (2. Thessalonicher 3,5). An einer anderen Stelle aber spricht er: "Er gebe euch in der Macht seiner Herrlichkeit viel Kraft, damit ihr in allem Geduld und Ausdauer habt." (Kolosser 1,11) Denn nur die Geduld erringt die himmlische Krone. Lukas 21,19: "Wenn ihr geduldig bleibt, werdet ihr das Leben gewinnen."
Allerheiligste Jungfrau, holdseligste Mutter und Fürsprecherin, die du alle Geschöpfe an Reinheit übertroffen hast, wunderbare Mutter ohne Sünde und ohne Makel, bitte für mich schwachen, zu allem Bösen geneigten Sünder, damit ich meinen Entschluss, deinen göttlichen Sohn durch keine lässliche Sünde freiwillig zu beleidigen, getreulich ausführe. Amen.
Kirchengebet am 7. Februar
O Gott, der Du Deine seligen Diener Jakob und Wilhelm zu unbesiegten Märtyrern der Eucharistie gemacht hast, gewähre durch ihre Fürsprache, dass wir würdig werden, Dir mit festem Glauben und heiligen Sitten zu dienen, indem wir die heiligen Geheimnisse Deines Leibes und Blutes häufig empfangen; der Du lebst und regierst mit Gott dem Vater und dem Heiligen Geist in Ewigkeit. Amen.
Zu Gott für den Heiligen Vater
Gott, Du Hirt und Lenker aller Gläubigen, schaue gnädig herab auf Deinen Diener, unseren Papst, den Du zum Hirten Deiner Kirche bestellt hast: lass ihn, wir bitten Dich, durch Wort und Beispiel alle Glieder der Kirche fördern, dass er mit der ihm anvertrauten Herde zum ewigen Leben gelange, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
An diesem Tag wurde im Jahr 1098 durch Beistand der seligsten Jungfrau das Heer der Sarazenen von den Christen bei Antiochien in Syrien geschlagen.
Der Heilige Vater Papst Pius IX. hat auf eine gar innige Weise die heilige Jungfrau Maria verehrt und ist von ihr dafür mehrfach beschützt worden. Der heilige Papst Johannes Paul II. hat ihn, diesen hervorragenden Nachfolger des heiligen Apostels Petrus, im Jahr 2000 seliggesprochen. Dieser Heilige Vater Pius IX., der so ruhmvoll auf dem Stuhl Petri saß, war also einer der ergebensten Diener der Mutter Gottes, und erhielt sehr früh schon von der heiligen Jungfrau die hervorragendsten Gnadenbezeigungen. Er fühlte sich zum geistlichen Stand berufen, und er hatte selbst das Gelübde vor einer Madonna abgelegt, sich diesem Stand zum Ruhm und zur Ehre Gottes widmen zu wollen. Er hatte in Rom seine geistlichen Studien begonnen. Aber der bejammernswerte Zustand seiner Gesundheit ließ ihn befürchten, nicht mehr geziemend die Funktionen des heiligen Amtes verrichten zu können. Bevor er das Subdiakonat erhielt und eine unwiderrufliche Stelle annahm, besuchte er Papst Pius VII., seinen Verwandten, dem er besonders empfohlen war. Er setzte ihm schmerzlich bewegt seine Besorgnisse auseinander. Der Heilige Vater antwortete ihm: „Mein Sohn, habe Vertrauen; bete zur heiligen Jungfrau und du wirst immer vorwärts kommen.“
Auf die Worte des Papstes hin empfing er also das Subdiakonat und das Diakonat und doch war seine Gesundheit immer dieselbe. Acht Tage bevor er zum Priester geweiht wurde, und im Begriff sich zurückziehen zu wollen, besuchte er den Papst und teilte ihm seine Befürchtungen mit. Pius VII. antwortete ihm zum zweiten Mal: „Mein Sohn, habe noch Vertrauen, empfehle dich täglich der heiligen Jungfrau. Beginne heute ein neuntägiges Gebet zu ihrer Ehre, wir werden es auch tun. In dieser Zeit verbleibe in ruhiger Zurückgezogenheit, empfange in Ruhe und Vertrauen die Ordination, lies deine erste Messe mit Freude und zu wirst sehen, dass alles gut gehen wird.“
Der junge Mann zog sich ganz getröstet zurück. Er trat einen Augenblick in die Peterskirche, und betete am Grabmal des Fürsten der Apostel. Dann verrichtete er in seiner Zurückgezogenheit das neuntägige Gebet zur heiligen Jungfrau, empfing die Priesterweihe, hielt seine erste Messe unter Tränen der Frömmigkeit und Dankbarkeit, und seine Gesundheit war seitdem gut und günstig. Dies bewog einen seiner Lebensbeschreiber zu sagen, dass die heilige Jungfrau ihn zum Priester und Papst gemacht habe. Seine Liebe und sein Eifer zeigten sich glanzvoll, als er Bischof geworden war. Da war es seine Glückseligkeit, seine Herde mit der Milch der Frömmigkeit zu Maria zu nähren. Er ehrte und liebte alle Vorrechte seiner teuren Mutter, aber besonders entflammte sein Eifer, wenn es sich um die Unbefleckte Empfängnis handelte. Dieses allen christlichen Herzen so teure Vorrecht war für ihn der Gegenstand besonderer und ganz herzlicher Liebe, und er predigte ihn unablässig und empfahl ihn der Verehrung aller Gläubigen.
Als er Papst geworden war, erhielt sein Eifer für den Ruhm Mariens neuen Zuwachs. Die so sehnlichst gewünschte Erklärung von der Unbefleckten Empfängnis wurde seine wichtigste Angelegenheit. Er wendete nach dieser Richtung alle seine Sorgen und die ernstesten Gedanken. Er hatte lange mit Demut und Andachtsglut um Erleuchtung über die Bestimmung, die er treffen sollte, gebetet. Ein unnennbarer Trost kam in seine Seele, als er sah, wie wunderbar in der ganzen katholischen Welt der Wunsch erwachte, diese fromme Meinung zum Glaubenssatz erhoben zu sehen.
Während dieser Taten vertrieb ihn die Revolution von Rom aus seinen Staaten und veranlasste ihn, einen Zufluchtsort im Königreich Neapel zu suchen. Er vernachlässigte deswegen nicht seine große Angelegenheit, er dachte im Gegenteil, dass er sie lebhafter betreiben müsse. „Denn“, sagt er, „die heilige Jungfrau hat den Kopf der Schlange unter ihren Füßen zertreten. Erhaben über alle Chöre der Engel, ihren Platz einnehmend zwischen Jesus Christus und der Kirche, voll Gnade und Anmut, hat sie immer die Christen vor feindlichen Angriffen gerettet. Wir haben die süße Zuversicht, dass sie mit uns Mitleid haben wird gemäß jener unveränderlichen Zärtlichkeit, die ihr mütterliches Herz erfüllt, und dass sie von uns abwenden wird die grausame Not, die Plagen des göttlichen Zornes und den schrecklichen Sturm, der über die Kirche hereinbricht, und dass sie unsere Trauer in Freude verwandeln wird.“
Und er wiederholte die Worte des heiligen Bernhard: „Unser Vertrauen ist ganz auf die heilige Jungfrau gegründet, denn in ihr hat Gott die Fülle alles Guten niedergelegt.“ Er ermunterte zugleich alle Bischöfe, feierliche Gebete zu veranstalten, und er bat sie dringend, ihm zu schreiben oder vielmehr ihm zu sagen, wie beschaffen die Verehrung für die Unbefleckte Empfängnis in ihren Diözesen sei, welcher ihr Wille und Wunsch sei in Betreff dieser Erklärung.
Die Hoffnung, die der Heilige Vater auf Maria gebaut hatte, wurde nicht enttäuscht. Sie zerstreute den Sturm, der ihn von seinen Staaten fernhielt. Der Aufstand wurde durch die französischen Truppen unterdrückt, und um zu zeigen, dass dies das Wort Mariens war, ereignete sich dies am Tag der Heimsuchung Mariens, am 2. Juli. Zum Gedächtnis dieses Ereignisses erhob Pius IX. die Feierlichkeit dieses Festes zu einem Festtag zweiter Reihe nach dem Kirchengebrauch.
Endlich hat unser geliebter Papst beschlossen, dem sehnlichen Wunsch seines Herzens nachzukommen und so vielen frommen Aufforderungen Genüge zu leisten. 1854 wurden die Bischöfe der katholischen Welt eingeladen, sich nach Rom zu begeben zur Zeit des jährlichen Festes der Empfängnis Mariens, um die Huldigung, die er Maria darbringen wollte, feierlicher zu machen und die Bischöfe dem Triumph Mariens beiwohnen zu lassen. Und, um in reichlicherem Maße Erleuchtung und Beistand von Oben zu erhalten, ordnete er neue Gebete an, und gab einen Ablass ganz in Form eines Jubiläums. Es gab außerdem in diesem Jahr eine Menge Unglück. Hunger, Pest und Krieg verheerten die christliche Welt. Er hielt es für das größte Heilmittel dieser Übel, wenn er den Kult und den Ruhm der heiligsten und unbefleckten Jungfrau Maria vermehre.
Der schönste Tag seines Lebens war der 8. Dezember 1854. Jeder Teil der katholischen Welt hatte ihm einen seiner Bischöfe gesendet. Pius IX. brachte mitten unter ihnen das heilige Messopfer dar in der ungeheuren Peterskirche. Nach dem Evangelium bestieg der Papst seinen päpstlichen Thron. Die vierhundert Bischöfe und niederen Prälaten richteten ihre Augen auf ihn. Achtzigtausend Gläubige lauschten seinen Worten. Aber seine Stimme versagte ihm, Tränen benetzten sein Antlitz, seine Rührung hat den höchsten Grad erreicht. Er musste das Lesen einige Minuten aussetzen. Aber dann ist er überglücklich, endlich auf unwiderrufliche Weise das schönste Vorrecht Mariens verkünden zu können.
Petrus Damianus, ebenfalls ein Heiliger, hat uns das Leben des heiligen Romuald fünfzehn Jahre nach dessen Tod beschrieben.
Sergius, aus herzoglichem Geblüt, ein ehrgeiziger und rachgieriger Mann, der in Ravenna lebte, forderte einen nahen Verwandten, von dem er sich beleidigt hielt, zum Zweikampf heraus. Die Herausforderung wurde angenommen. Und der junge Romuald, der als Sekundant seines Vaters Sergius bei dem Zweikampf dabei war, sah es, wie sein Vater den Vetter ums Leben brachte. Angst und Entsetzen überfielen ihn, und nur der Entschluss, für den Vater zu büßen, linderte in ihm die Gewissensqual. Da machte er es mit sich selbst aus, dass er für den Vater vierzig Tage in irgendeinem Kloster Bußübungen verrichten wollte, um des Vaters Blutschuld zu sühnen. So begab er sich unmittelbar nach dem Ende des Kampfes in das etwa eine Stunde von Ravenna entfernte Benediktinerkloster des heiligen Apollinars.
Romuald wurde geboren im Jahr 956. Außer dass er in allen ritterlichen Übungen bestens unterrichtet worden ist, sorgte man wenig für seine Erziehung. Im Gegenteil, er wurde durch Beispiel und Umgebung zu allem möglichen Müßiggang und zum sorglosen Genuss aller Freuden der Welt verleitet. Er wusste nichts davon, was es heißt, Verzicht und Bescheidenheit zu üben. Als er im Kloster des heiligen Apollinars dem Ende der vierzigtägigen Bußzeit mit großer Sehnsucht entgegensah, lachte er über die Idee eines Laienbruders, der ihn dazu bewegen wollte, im Kloster zu bleiben, und ihm die Gefahr für seine Seligkeit vor Augen führte, wenn er wieder in die Welt zurückkehren würde. Der Laienbruder sagte dann weiter in seiner frommen Einfalt zu Romuald: „Was würdest du mir geben, wenn ich dir unseren heiligen Apollinaris leibhaftig und lebendig zeigen würde?“ – „Wenn du mir den Heiligen so zu zeigen vermagst“, entgegnete Romuald, „so verspreche ich dir, im Kloster zu bleiben.“ Die darauf folgende Nacht bringen beide nach Verabredung in der Kirche zu. Als die Mitternachtsstunde schlägt, erhellt ein außerordentlicher Glanz die Kirche, und der heilige Bischof Apollinaris erscheint in seinem bischöflichen Ornat von himmlischem Schimmer umgeben, ein Rauchfass in den Händen, womit er alle Altäre beräuchert und danach wieder verschwindet. Romualdus, von diesem Gesicht ganz durchdrungen und erschüttert, wirft sich vor dem Altar der Mutter Gottes auf die Knie und gelobt da, von Stunde an im Kloster zu bleiben und ein Benediktiner zu werden.
Romuald war zwanzig Jahre alt, als er den Ordenshabit annahm. Lange weigerte sich der Abt und das Convent ihn aufzunehmen, aus Furcht vor dem Zorn seines mächtigen und grausamen Vaters. Endlich aber gaben sie seinem standhaften Verlangen nach. Aber nicht lange, so ärgerten sich seine Mitbrüder über seine große Zurückgezogenheit und Strenge. Man hatte von diesem vornehmen, ganz weltlich erzogenen und verweichlichten Jüngling einen so großen Bußeifer, so ungemeine Härte gegen sich selber und eine so besondere Abtötung nicht erwartet. Da Romuald merkte, dass seinetwegen Überdruss und Uneinigkeit in das Kloster kam, verließ er dasselbe und begab sich mit Erlaubnis seiner Oberen in eine Wildnis im venezianischen Gebiet, wo er den heiligen Einsiedler Marius, einen gutmütigen, aber rohen Mann, als seinen geistlichen Vorgesetzten anerkannte. Dieser trug ihm die schwersten und widersinnigsten Arbeiten auf. Täglich musste Romuald mit Marius den ganzen Psalter beten; und wenn er sich dabei im Geringsten etwas vertat, gab Marius seinem Schüler eine derbe Ohrfeige. Dieser hielt es willig aus und ohne die geringste Äußerung von Empfindlichkeit. Nur bat er endlich seinen Meister, er möchte ihm in Zukunft auf das rechte Ohr schlagen, damit er an dem linken das Gehör nicht gänzlich verliere. Jetzt erkannte Marius seine unnötige Strenge und behandelte von nun an seinen Schüler viel nachsichtiger. Zu dieser Zeit kam Urseolus, das Haupt der venezianischen Republik, zu Romuald in die Einöde. Diesen bewegte Romuald, weil er zum Tod seines Vorgängers Candianus viel beigetragen hatte, dass er die Stelle eines Oberhauptes der Republik aus freien Stücken niederlegte. Urseolus verließ mit Gradanus, seinem vertrauten Freund, Venedig. Beide schifften sich mit Romuald und Marius ein und begaben sich nach Katalonien. Im Kloster St. Michael zu Cason angekommen, blieb Urselous mit seinem Gefährten im Kloster unter der Leitung des Abts Quärinus. Romuald und Marius begaben sich in eine nahe Einöde, wohin ihnen viele andere nachfolgten, um dort mit ihnen gemeinschaftlich Gott zu dienen. Romuald gewann den Abt Junianus ebenfalls für seinen Oberen, und wurde von ihm angehalten, die Unterweisung seiner Gefährten auf sich zu nehmen. Er nahm sich vor, nach der Weise und Strenge der alten Einsiedler, deren Leben er fleißig las, in aller Einfalt zu leben. Er fastete immer fort, wachte fast die ganze Nacht hindurch, brachte seine Zeit mit Ermahnen, Unterweisen, mit Handarbeit, Lesen und dem Gebet zu, und hatte sehr viel von den Anfechtungen der höllischen Geister zu leiden.
Als Romuald gehört hatte, dass sein Vater aus Antrieb der göttlichen Gnade sich in ein Kloster begeben hatte, um dort für sein vorheriges Sündenleben zu büßen, wie ihm aber dieses Klosterleben verleidet sei, und er im Sinn habe, in die Welt zurückzukehren, da begibt er sich eilig zurück nach Italien, besucht seinen Vater in dem Kloster, und redete ihm so dringlich ans Herz, dass er doch in seinem Entschluss, Gott im Kloster sein noch übriges Leben zu dienen, weiter bleiben möchte, so dass der Vater einwilligte und auch bald darauf in Gegenwart des Sohnes bußfertig starb.
Sobald nun bekannt war, Romuald sei wieder in sein Vaterland zurückgekehrt, da strömten von allen Seiten Leute hinzu, die verlangten, unter seiner geistlichen Leitung zu stehen, so dass man wegen der großen Anzahl der Novizen einige andere Klöster errichten musste. Romuald stand dem Kloster Bagni vor, nicht weit von Sassia, aber nicht lange. Seine strenge und ernste Aufsicht erbitterte die Mönche so sehr, dass sie ihn sogar aus dem Kloster verstießen. Durchdrungen vom bitteren Schmerz, glaubte sich der Heilige für die geistliche Leitung anderer ganz untauglich, und nahm sich vor, von nun an sich nur seinem eigenen Seelenheil zu widmen. Er begab sich deshalb ganz allein nach Commaglio, von da in die Appeninen und endlich auf die kleine Insel Verra. Kaiser Otto der Dritte und der Erzbischof von Ravenna ließen ihn aufsuchen, und nachdem man ihn endlich gefunden hatte, musste er auf Verlangen der Religiosen neuerdings als Abt das Kloster zu Klassis regieren. Aber auch diesen war seine Regierung zu streng, und sie zwangen den Heiligen, sein Amt wieder niederzulegen. Indessen bekehrten sich auf sein Zureden viele vornehme Herren. Unter diesen der Graf von Alibam, der sich in das Kloster auf dem Berg Cassino begab. Mehrere Adlige folgten seinem Beispiel.
Der Fürsprache des heiligen Romuald hatte Tivoli es zu verdanken, dass diese Stadt der zürnende Kaiser nicht zerstörte. Denn in solchem Ansehen stand der Heilige bei dem Kaiser, dass dieser auf das Geheiß des heiligen Romuald von Rom aus barfuß auf den Berg Gangeno zu St. Michael wallfahrtete, um dadurch öffentlich kund zu tun, wie sehr er bereue, dass er den Senator Creszentius wider das gegebene Versprechen habe hinrichten lassen.
Romuald begab sich nach Pavenzo in Istrien in ein von ihm gestifteten Kloster, und blieb da drei ganze Jahre von allem Umgang mit der Welt entfernt; er hatte sich selber eingesperrt.
Hier nahm er durch Gebet und Betrachtung göttlicher Dinge in der Vollkommenheit des innerlichen geistlichen Lebens zu. Gott schloss ihm den Verstand der heiligen Schrift in schwierigen Stellen auf, und erteilte ihm die Gabe der Weissagung, so wie auch die Gabe einer so reumütigen Zerknirschung bei dem Andenken an die Sünden seiner Jugendjahre, dass er sich nicht mehr traute, öffentlich Messe zu lesen, weil ihm so leicht dabei ein lautes Schluchzen und Weinen ankam. Man hörte ihn wohl hundertmal den Tag hindurch laut seufzen und aufschreien im Übermaß der göttlichen Liebe, von der er durchdrungen war: „O mein süßer Jesus! O Gott meines Herzens! O mein liebster Heiland! Freund der Auserwählten! Du Trost der reinen Seelen! Süßester Jesus! Du einziges Ziel all meines Wünschens und Verlangens!“ – Nach den drei Jahren wurde er neuerdings genötigt, zu Arvinto ein Kloster zu stiften. Dort hörte er von dem Martertod seines Jüngers, des Heidenapostels Bonifatius; und nun machte er sich, versehen mit päpstlicher Vollmacht, voll hitzigen Verlangens sogleich auf nach dem Ungerland, um dort ebenso wie Bonifatius für seinen lieben Gott und Heiland sein Blut zu vergießen. Auf dem Weg wurde Romuald so sehr krank, dass er seine Reise beenden musste. Er musste zurückkehren, gedrängt von dem überall herbeiströmenden Volk, das ihn sehen und Gottes Wort von ihm hören wollte. Von allerhand Leiden gedrängt begab er sich in ein Kloster auf dem Berg Sykia, lebte da vier Monate in strenger Buße und schrieb eine Auslegung über die Psalmen. Die Handschrift des Heiligen wird jetzt noch in Kamaldoli aufbewahrt.
Damals geschah ihm Folgendes: In einem wilden unbesuchten Bergtal in den Appeninen im Florentinischen Gebiet schläft der heilige Romuald, als er den Berg Sykia verlassen, ermüdet von der beschwerlichen Reise. Außer dem Rauschen eines Waldbaches, an dessen Saum er eingeschlafen war, schweigt alles weit in der großen Wildnis um ihn her. Da werden dem Schwerbekümmerten die Augen des Geistes aufgetan, und er sieht, wie einst der Patriarch Jakob, der mit schwerem Herzen das Haus seiner Eltern verlassen hatte, eine Leiter, die von der Erde bis zum Himmel reichte. Die Leiter hinauf stiegen seine Jünger in weißen Kleidern. Romuald erwacht, eröffnet seinen Jüngern das Gesicht, gibt ihnen eine weiße Kleidung und stiftet nach dem Namen des Ortes Kamaldoli, wo er die Erscheinung hatte, den Kamalduenser-Orden.
Von Arbeiten und hohem Alter gebeugt begab sich Romuald in das Kloster zu Val de Castro. Da baute er sich eine eigene Zelle samt einer Kapelle, und bereitete sich auf seinen Tod vor, dessen Stunde er, von Gott erleuchtet, voraus sah. Obschon seine Schwäche zunahm, ließ er doch von seinen bisherigen strengen Bußübungen nicht ab, schlief auf bloßer Erde, und schickte, so viel er konnte, die Krankenwärter und alle, die ihm Erleichterung verschaffen wollten, von sich weg. Da dachte er bisweilen an sein voriges Leben zurück und wie wunderbar ihn der barmherzige Gott zu sich gezogen und geleitet habe; und wie er zur Zeit, da er noch ganz der Begierde dieser Welt diente und von Christentum und Religion wenig oder nichts kannte, wenn er während der Jagd sich in großen Wüsten und Wäldern verlor, eine unbeschreibliche, unerklärbare Sehnsucht in sich verspürte, in diesen wüsten Wäldern, entfernt von allen Menschen, sein Leben zuzubringen.
Am letzten Tag seines Lebens schickte Romuald die zwei Ordensbrüder, die gerade für ihn sorgten, von sich, und verlangte von ihnen, dass sie am morgigen Tag zurückkehren sollten. Diese aber wollten den heiligen Vater nicht beleidigen und doch den Kranken nicht in seiner Not verlassen. Sie blieben darum außerhalb der Zelle lauschend stehen und hörten, wie er durch Gebet und Liebesseufzer sich mit Gott eifrig unterhielt. Auf einmal wurde alles still, die Mönche eilten hinein und fanden den Heiligen soeben verschieden.
Der heilige Petrus Damian, der wie Romualdus aus Ravenna gebürtig war und ihn kannte und fünfzehn Jahre nach dessen Tod sein Leben beschrieb, sagt, dass der heilige Romuald hundertundzwanzig Jahre alt geworden sei. Er verschied am neunzehnten Heumonat 1032. Da aber auf den Tag das Fest der heiligen Martyrer Gervasius und Protasius trifft, wurde das festliche Andenken des heiligen Romuald vom Papst Clemens VIII. auf den siebten Februar versetzt, an dem Tag sein heiliger Leichnam im Jahr 1466 noch ganz unversehrt gefunden und zur Verehrung auf den Altar erhoben wurde.
1. Warum brichst du in bitteren Unmut aus, wenn nicht alles nach deinem Wunsch ergeht? Weißt du etwa nicht, dass du hier im Land der Prüfungen bist, und dass ohne Kreuz keine Tugend, ohne Geduld kein Verdienst möglich ist? So trage denn das Kreuz, das Gott dir auferlegte, mit Geduld, denn keins ist dir heilsamer, keins deinen Kräften so angemessen. Nichts auch gewinnst du, wenn du es abwirfst, denn unfehlbar würdest du ein noch lästigeres finden. Wer ist je in dieser Welt ohne Kreuz? Du findest es in den Burgen der Könige, wie in den Hütten der Armen, denn da alle nur durch das Kreuz selig werden, stellte die göttliche Vorsehung es überall auf.
2. Gott züchtigt diejenigen, die er liebt. Liebte er dich nicht, so züchtigte er dich nicht, und nicht mehr gehörst du zur Anzahl seiner Kinder. Nie zürnt Gott einen Sünder schwerer, als wenn er ihn nicht mehr straft, denn er bestraft nur darum in der Zeit, damit er in der Ewigkeit schone. Immer auch sucht er mit seiner Gnade diejenigen heim, die er durch Strafen heimsucht, darum küsst eine geduldige Seele immer dankbar seine Vaterhand. Erschauderst du vor dem Kreuz, so entsagst du der Religion, deren Siegel das Kreuz ist, und entsagst dem Himmel, wohin nur die Fahne des Kreuzes führt.
3. Was also klagst du? Was verlangst du? Willst du auf einem anderen Weg in den Himmel eingehen, als auf dem, worauf Jesus mit seinen Heiligen eingingen? So ergib dich denn den Händen Gottes mit Vertrauen. Niemand meint es besser mit dir. Er sieht dein Leiden in seinem ganzen Umfang. Aber er sieht auch die Liebe oder den Unmut mit dem du es erträgst. Er ist mächtig und weise, er kann und wird dich auch befreien, wenn seine Weisheit es dir als heilsam erkennt. Erkennt sie aber das Gegenteil: wer bist du denn, ihm zu widerstehen? Ist er nicht dein allerhöchster Herr, dein Vater, dein Richter? Apostelgeschichte 14,22b: "Durch viele Drangsale müssen wir in das Reich Gottes gelangen."
Wir bitten Dich, o Herr: schütze uns vor allen Gefahren des Leibes und der Seele, und auf die Fürbitte der seligen und glorreichen, allzeit jungfräulichen Gottesmutter Maria, sowie des heiligen Joseph, Deiner heiligen Apostel Petrus und Paulus, des heiligen Vedastus und aller Heiligen, schenke uns gnädig Heil und Frieden, auf dass Deine Kirche nach Überwindung aller Hindernisse und Irrtümer in ungestörter Freiheit Dir diene. Durch ihn, unseren Herrn Jesus Christus, Deinen Sohn, der mit Dir lebt und herrscht in der Einheit des Heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Kirchengebet am 6. Februar
O Gott, der Du die Erstlinge des Glaubens bei den Völkern Japans durch das Blut Deiner heiligen Märtyrer Paulus, Johannes und Jakobus gefestigt hast, verleihe gnädig, dass wir zum Bekenntnis Deines Namens durch die Fürbitte derjenigen unterstützt werden, durch deren Beispiele wir ermuntert werden, durch Christus, unseren Herrn. Amen.
Zur heiligen Dorothea
Heilige Dorothea, du hast uns in dem Beispiel eines reinen und heiligen Lebens Äpfel und Rosen hinterlassen. Bitte Gott für uns, dass wir, durch seine Gnade und durch dein Beispiel bewegt, uns bekehren, wie Theophilus, und in heiliger Freude und reinem Eifer unser Leben opfern im Glauben an Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Zu Gott auf die Fürbitte der heiligen Dorothea
Allmächtiger, ewiger Gott, für dessen Namen die glorwürdige Jungfrau und Martyrin Dorothea alle Martern besiegt hat, wir bitten Dich demütig, gib, dass wir durch ihre Fürbitte allen Gefahren entgehen, und ihre Hilfe in unseren Nöten erhalten, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Am 6. Februar des Jahres 304 nach Christi Geburt erlitt die heilige Dorothea den Martertod. Vorher hatte man sie bereits wegen ihres mutigen Bekenntnisses des christlichen Glaubens auf alle mögliche Weise erfolglos gequält und drangsaliert. Zuletzt übergab man sie ihren beiden leiblichen Schwestern Christa und Kallista. Diese beiden hatten sich durch die Androhung von Folter und Pein bewegen lassen, vom Glauben abzufallen. Die beiden sollten nun auch ihre Schwester Dorothea dazu bringen, den gleichen Schritt zu tun. Das Gegenteil jedoch trat ein, denn Dorothea führte die beiden zu Christus zurück. Darauf geriet der heidnische Richter dermaßen in Wut, dass er Christa und Kallista kurzerhand hinrichten ließ.
Es herrschte strenger Winter, als dieses geschah. Heute noch heißt eine Bauernregel: „Sankt Dorothe gibt den meisten Schnee.“ So war es damals auch. Fußhoch lag der Schnee. Frostig und schneidend blies der Wind. Der Himmel war mit grauen Wolken verhangen. Öde, trostlos und leer war der Tag, an dem Dorothea das Blutzeugnis für Christus ablegte.
Um die zehnte Stunde am Morgen holten die Henker das mutige Mädchen aus dem Gefängnis und führten es auf den öffentlichen Richtplatz. Viele Leute säumten den Weg und schlossen sich dem Zug an, so dass zuletzt wohl an tausend Menschen dabei waren. Dorothea aber befand sich in fröhlicher Stimmung wie eine Braut, die am Hochzeitstag dem Bräutigam freudig entgegengeht. Im scherzenden Ton sagte sie zu den Anwesenden:
„Kalt ist die Welt und freudenleer. Deshalb bin ich von Herzen froh, dass ich in jenes Land gehen darf, wo es keinen Winter und keinen Schnee gibt, wo die Sonne nie untergeht, wo allezeit die Felder grünen, wo im Garten meines Bräutigams Lilien und Rosen immer blühen und die schönsten Früchte das ganze Jahr hindurch reifen. Wie freue ich mich doch auf das Paradies!“
So sprach Dorothea an der Richtstätte. Es war da aber ein junger und reicher Mann anwesend, der Theophilus hieß, was auf Deutsch Gottlieb bedeutet. Auch er hörte die Rede der Blutzeugin. Und beim Hören lachte er laut auf, und mit spöttischen Lippen rief er über den Platz:
„He, du schönes Mädchen, sei doch so gut und schicke mir einige Rosen und Äpfel aus dem Garten deines Bräutigams! Es sollte mich freuen, wenn du es tätest, und gern würde auch ich dir dann in dein Paradies folgen.“
Als Dorothea die Worte hörte, schaute sie den Sprecher bedeutsam an und sagte, das wolle sie wohl tun, nur müsse er dann auch zu seinem Wort stehen.
Daraufhin entfernte sich Gottlieb eiligst, um seinen Freunden zu erzählen, welch einen lustigen Scherz er eben erlebt habe. Dorothea indessen nahm die Sache sehr ernst, und bevor sie ihr Haupt auf den Richtblock legte, betete sie ein Weilchen, und da stand auch schon ein überirdisch schöner Junge neben ihr, der ihr in einem Körbchen drei prächtige Rosen und drei eben gereifte rotwangige Äpfel brachte, mitten im Winter, in Eis und Schnee. Dorothea lächelte glücklich und schickte den Himmelsboten zu Gottlieb, während sie selbst tapfer den Todeshieb empfing.
Kaum war das geschehen, da stürmte Gottlieb heran, die Rosen und die Äpfel hatten ihm die Augen geöffnet. Mutig stand er zu seinem gegebenem Wort und bekannte laut vor dem Richter und vor allem Volk, dass auch er sich zu Christus bekenne und um den Martertod bitte. Sogleich wurde ihm die Bitte erfüllt, und wenige Augenblicke später folgte Gottlieb, durch die Bluttaufe von aller Schuld gereinigt, Dorothea ins Paradies.
Die Rosen und die Äpfel in der Legende sind ein Sinnbild der Gnaden, die Gott auf die Fürbitte der Heiligen hin den Menschen schenkt.
Interview mit dem Generaloberen der Priesterbruderschaft St. Pius X. 5 Februar 2026 Quelle: FSSPX Aktuell
„Suprema lex, salus animarum“
„‚Das oberste Gesetz ist das Heil der Seelen.‘ Von diesem übergeordneten Grundsatz hängt letztlich die gesamte Rechtmäßigkeit unseres Apostolates ab.“
FSSPX.Aktuell: Hochwürdigster Herr Generaloberer, Sie haben soeben öffentlich Ihre Absicht angekündigt, am kommenden 1. Juli Bischofsweihen für die Priesterbruderschaft St. Pius X. vornehmen zu lassen. Warum haben Sie diese Ankündigung heute, am 2. Februar, gemacht? Don Davide Pagliarani: Das Fest der Reinigung der allerseligsten Jungfrau Maria besitzt in der Bruderschaft eine große Bedeutung. Es ist der Tag, an dem die Kandidaten für das Priestertum die Soutane empfangen. Die Darstellung unseres Herrn im Tempel, die wir heute feiern, erinnert sie daran, dass der Schlüssel ihrer Ausbildung und ihrer Vorbereitung auf die Weihen in ihrer Selbsthingabe liegt, die durch die Hände Mariens geht. Es ist ein außerordentlich wichtiges Marienfest, denn indem Simeon der Gottesmutter ein Schwert des Schmerzes ankündigt, zeigt er deutlich ihre Rolle als Miterlöserin an der Seite ihres göttlichen Sohnes. Man sieht sie mit unserem Herrn vereint, vom Beginn seines irdischen Lebens an bis zur Vollendung seines Opfers auf Golgotha. Ebenso begleitet die Gottesmutter den zukünftigen Priester in seiner Ausbildung und während seines ganzen Lebens: Sie ist es, die weiterhin unseren Herrn in seiner Seele formt.
Diese Ankündigung war in den vergangenen Monaten ein hartnäckiges Gerücht, insbesondere seit dem Tod von Bischof Tissier de Mallerais im Oktober 2024. Warum haben Sie bis jetzt gewartet? Wie Erzbischof Lefebvre seinerzeit ist auch die Bruderschaft stets darum bemüht, der Vorsehung nicht zuvorzukommen, sondern ihr zu folgen, indem sie sich von ihren Hinweisen leiten lässt. Eine so bedeutende Entscheidung kann nicht leichtfertig oder überstürzt getroffen werden. Es handelt sich um ein äußerstes Mittel, das einer Notwendigkeit entsprechen muss, die ihrerseits real und ebenfalls von äußerster Natur ist. Die bloße Existenz einer Notwendigkeit zum Wohl der Seelen bedeutet noch nicht, dass jede beliebige Initiative zu ihrer Behebung von vornherein gerechtfertigt wäre.
Insbesondere, da es sich um eine Angelegenheit handelt, die offensichtlich die höchste Autorität der Kirche betrifft, war es notwendig, zunächst einen Schritt an den Heiligen Stuhl zu unternehmen – was wir getan haben – und eine angemessene Frist abzuwarten, um ihm eine Antwort zu ermöglichen. Es handelt sich um eine Entscheidung, die wir nicht hätten treffen können, ohne konkret unsere Anerkennung der Autorität des Heiligen Vaters zum Ausdruck zu bringen.
In Ihrer Predigt sagten Sie, Sie hätten tatsächlich an den Papst geschrieben. Können Sie uns dazu Näheres sagen? Im vergangenen Sommer habe ich dem Heiligen Vater geschrieben, um eine Audienz zu erbitten. Da ich keine Antwort erhielt, schrieb ich ihm einige Monate später einen weiteren Brief – in einfacher und kindlicher Weise, ohne ihm irgendetwas von unseren Bedürfnissen zu verbergen. Ich schilderte unsere lehrmäßigen Divergenzen, aber auch unseren aufrichtigen Wunsch, der katholischen Kirche unermüdlich zu dienen, denn wir sind Diener der Kirche trotz unseres nicht anerkannten kirchenrechtlichen Status.
Auf dieses zweite Schreiben erhielten wir vor einigen Tagen eine Antwort aus Rom, von Kardinal Fernández. Leider berücksichtigt diese in keiner Weise den von uns unterbreiteten Vorschlag und bietet keine Lösung an, die unseren Anliegen entspricht.
Dieser Vorschlag besteht angesichts der ganz besonderen Umstände, in denen sich die Bruderschaft befindet, konkret in der Bitte an den Heiligen Stuhl, uns vorübergehend den Verbleib in unserer Ausnahmesituation zu gestatten – zum Wohl der Seelen, die sich an uns wenden. Wir haben dem Papst versprochen, all unsere Kräfte für die Bewahrung der Tradition einzusetzen und unsere Gläubigen zu wahren Söhnen der Kirche zu machen. Mir scheint, dass ein solcher Vorschlag sowohl realistisch als auch vernünftig ist und an sich die Zustimmung des Heiligen Vaters finden könnte.
Wenn Sie diese Zustimmung also noch nicht erhalten haben, warum halten Sie es dennoch für notwendig, zu Bischofsweihen zu schreiten? Es handelt sich um ein äußerstes Mittel, das einer realen und ebenso äußersten Notwendigkeit entspricht. Gewiss bedeutet das bloße Bestehen einer Notwendigkeit zum Wohl der Seelen nicht, dass jede Initiative zu ihrer Behebung von vornherein gerechtfertigt wäre. Doch in unserem Fall glauben wir nach einer langen Zeit des Wartens, der Beobachtung und des Gebetes heute sagen zu können, dass der objektive Zustand schwerer Not, in dem sich die Seelen, die Bruderschaft und die Kirche befinden, eine solche Entscheidung erfordert.
Mit dem Erbe, das uns Papst Franziskus hinterlassen hat, bestehen die grundsätzlichen Erwägungen, die bereits die Weihen von 1988 gerechtfertigt haben, weiterhin in vollem Umfang fort und treten in vielerlei Hinsicht sogar mit erneuerter Dringlichkeit hervor. Das Zweite Vatikanische Konzil bleibt mehr denn je der Kompass, gemäß dem sich die Kirchenmänner orientieren, und es ist kaum zu erwarten, dass sie in absehbarer Zeit eine andere Richtung einschlagen. Die großen Leitlinien, die sich bereits für das neue Pontifikat abzeichnen, insbesondere durch das letzte Konsistorium, bestätigen dies nur: Man erkennt darin den ausdrücklichen Willen, die Linie von Papst Franziskus als einen unumkehrbaren Weg für die ganze Kirche beizubehalten.
„Wir haben dem Papst versprochen, all unsere Kräfte für die Bewahrung der Tradition einzusetzen und unsere Gläubigen zu wahren Söhnen der Kirche zu machen.“
Es ist traurig, dies feststellen zu müssen, aber es ist eine Tatsache: In einer gewöhnlichen Pfarrei finden die Gläubigen nicht mehr die notwendigen Mittel, um ihr ewiges Heil zu sichern. Dies betrifft insbesondere die vollständige Verkündigung der katholischen Wahrheit und Moral sowie die Spendung der Sakramente, wie die Kirche sie immer vollzogen hat. Darin besteht der Notstand. In diesem kritischen Kontext werden unsere Bischöfe älter und angesichts des stetigen Wachstums des Apostolates reichen sie nicht mehr aus, um den Bedürfnissen der Gläubigen in der ganzen Welt gerecht zu werden.
Inwiefern, meinen Sie, bestätigt das Konsistorium des vergangenen Monats die von Papst Franziskus eingeschlagene Richtung? Kardinal Fernández hat im Namen von Papst Leo die Kirche dazu eingeladen, zur grundlegenden Intuition von Franziskus zurückzukehren, wie sie in Evangelii gaudium, seiner Schlüssel-Enzyklika, zum Ausdruck kommt: Ein wenig vereinfacht geht es darum, die Verkündigung des Evangeliums auf ihren ursprünglichen, wesentlichen Kern zu reduzieren – in sehr knappen und prägnanten Formeln, dem „Kerygma“. Dies geschieht im Hinblick auf eine „Erfahrung“, eine unmittelbare Begegnung mit Christus, wobei alles Übrige, so kostbar es auch sein mag, beiseitegelassen wird – konkret die Gesamtheit der Elemente der Tradition, die als nebensächlich und sekundär eingestuft werden.
Gerade diese Methode der Neuevangelisierung hat die für das Pontifikat von Franziskus charakteristische lehrmäßige Leere hervorgebracht, die ein ganzer Teil der Kirche stark empfunden hat. Gewiss muss man sich in dieser Perspektive stets bemühen, neue und angemessene Antworten auf aufkommende Fragen zu geben; diese Aufgabe soll jedoch durch die synodale Reform verwirklicht werden und nicht durch die Wiederentdeckung der klassischen und immer gültigen Antworten der Tradition der Kirche. Auf diese Weise, im angeblichen „Wehen des Geistes“ dieser synodalen Reform, konnte Franziskus der ganzen Kirche katastrophale Entscheidungen auferlegen, wie etwa die Zulassung der Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene oder die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare.
Zusammengefasst: Durch das „Kerygma“ wird die Verkündigung des Evangeliums vom gesamten Korpus der traditionellen Lehre und Moral abgekapselt. Durch die Synodalität werden die traditionellen Antworten durch willkürliche Entscheidungen ersetzt, die leicht absurd und lehrmäßig nicht zu rechtfertigen sind. Kardinal Zen selbst hält diese Methode für manipulativ und die Zuschreibung an den Heiligen Geist für blasphemisch. Ich fürchte leider, dass er recht hat.
Sie sprechen vom Dienst an der Kirche, doch in der Praxis kann die Bruderschaft den Eindruck erwecken, die Kirche herauszufordern, insbesondere wenn Bischofsweihen in Betracht gezogen werden. Wie erklären Sie dies dem Papst? Wir dienen der Kirche zunächst dadurch, dass wir den Seelen dienen. Dies ist eine objektive Tatsache, unabhängig von jeder anderen Erwägung. Die Kirche existiert ihrem Wesen nach für die Seelen: Ihr Ziel ist ihre Heiligung und ihre Rettung. Alle schönen Reden, die verschiedenartigen Debatten, die großen Themen, über die man diskutiert oder diskutieren könnte, haben keinen Sinn, wenn sie nicht auf das Heil der Seelen ausgerichtet sind. Es ist wichtig, daran zu erinnern, denn heute besteht die Gefahr, dass sich die Kirche mit allem Möglichen beschäftigt und dabei das Wesentliche aus dem Blick verliert. Die Sorge um die Ökologie etwa oder das Eintreten für die Rechte von Minderheiten, von Frauen oder von Migranten laufen Gefahr, die wesentliche Sendung der Kirche aus dem Auge zu verlieren. Wenn die Priesterbruderschaft St. Pius X. für die Bewahrung der Tradition kämpft, mit allem, was dies einschließt, dann einzig und allein deshalb, weil diese Schätze für das Heil der Seelen absolut unerlässlich sind, und weil sie nichts anderes anstrebt als dies: das Wohl der Seelen und das des Priestertums, das auf ihre Heiligung hingeordnet ist.
„In einer gewöhnlichen Pfarrei finden die Gläubigen nicht mehr die notwendigen Mittel, um ihr ewiges Heil zu sichern. Darin besteht der Notstand.“
Indem wir so handeln, stellen wir das, was wir bewahren, in den Dienst der Kirche selbst. Wir bieten der Kirche nicht ein Museum alter und verstaubter Dinge dar, sondern die Tradition in ihrer Fülle und Fruchtbarkeit, die Tradition, welche die Seelen heiligt und verwandelt, Berufungen und wahrhaft katholische Familien hervorbringt. Anders gesagt: Gerade für den Papst als solchen bewahren wir diesen Schatz bis zu dem Tag, an dem man seinen Wert wieder verstehen wird und an dem ein Papst sich seiner zum Wohl der ganzen Kirche bedienen will. Denn die Tradition gehört der Kirche.
Sie sprechen vom Wohl der Seelen, doch die Bruderschaft hat keine Sendung für die Seelen. Im Gegenteil, sie wurde vor über fünfzig Jahren kanonisch aufgehoben. Auf welcher Grundlage lässt sich eine Mission der Bruderschaft gegenüber den Seelen rechtfertigen? Es handelt sich schlicht und einfach um eine Frage der Nächstenliebe. Wir wollen uns keine Sendung anmaßen, die wir nicht haben. Zugleich können wir uns aber nicht weigern, auf die geistliche Not der Seelen zu antworten, die sich zunehmend verwirrt, orientierungslos und verloren fühlen. Sie rufen um Hilfe. Und nachdem sie lange gesucht haben, finden sie ganz natürlich in den Reichtümern der vollständig gelebten Tradition der Kirche mit tiefer Freude Licht und Trost. Gegenüber diesen Seelen tragen wir eine wirkliche Verantwortung, auch wenn wir keine offizielle Sendung haben: Wenn jemand auf der Straße eine Person in Gefahr sieht, ist er verpflichtet, ihr nach Möglichkeit zu Hilfe zu kommen, auch wenn er weder Feuerwehrmann noch Polizist ist.
Die Zahl der Seelen, die sich auf diese Weise an uns gewandt haben, ist im Laufe der Jahre stetig gewachsen und hat in den letzten zehn Jahren sogar erheblich zugenommen. Ihre Bedürfnisse zu ignorieren und sie im Stich zu lassen, würde bedeuten, sie zu verraten und damit auch die Kirche selbst zu verraten; denn noch einmal: Die Kirche existiert für die Seelen und nicht, um eitle und fruchtlose Diskussionen zu nähren.
Diese Nächstenliebe ist eine Pflicht, die alle anderen überragt. Das Recht der Kirche selbst sieht dies so vor. Im Geist des Kirchenrechts, das der juristische Ausdruck dieser Nächstenliebe ist, steht das Wohl der Seelen über allem. Es stellt wahrhaft das Gesetz der Gesetze dar, dem alle anderen untergeordnet sind und dem keine kirchliche Gesetzgebung entgegenstehen kann. Das Axiom suprema lex, salus animarum – das oberste Gesetz ist das Heil der Seelen – ist eine klassische Maxime der kanonischen Tradition, die ausdrücklich im letzten Kanon des Kodex von 1983 aufgegriffen wird. Im gegenwärtigen Notstand hängt von diesem übergeordneten Grundsatz letztlich die gesamte Rechtmäßigkeit unseres Apostolates und unserer Sendung gegenüber den Seelen ab, die sich an uns wenden. Für uns handelt es sich um eine stellvertretende Rolle im Namen eben dieser Nächstenliebe.
Sind Sie sich bewusst, dass die Erwägung von Bischofsweihen die Gläubigen, die sich an die Bruderschaft wenden, vor ein Dilemma stellen könnte: entweder die Wahl der integralen Tradition mit allem, was sie bedeutet, oder die „volle“ Gemeinschaft mit der Hierarchie der Kirche? Dieses Dilemma ist in Wirklichkeit nur scheinbar. Es ist offensichtlich, dass ein Katholik zugleich die integrale Tradition und die Gemeinschaft mit der Hierarchie bewahren muss. Er kann nicht zwischen diesen beiden Gütern wählen, die beide notwendig sind.
Allzu oft wird jedoch vergessen, dass die Gemeinschaft wesentlich auf dem katholischen Glauben gründet, mit allem, was dies einschließt: angefangen bei einem wirklichen sakramentalen Leben und der Ausübung einer Leitungsgewalt, die denselben Glauben verkündet und zu seiner Verwirklichung anhält, indem sie ihre Autorität nicht willkürlich, sondern wirklich im Hinblick auf das geistliche Wohl der ihr anvertrauten Seelen ausübt.
Gerade um diese Grundlagen, diese für das Bestehen der Gemeinschaft in der Kirche notwendigen Bedingungen zu gewährleisten, kann die Bruderschaft nicht akzeptieren, was dieser Gemeinschaft entgegensteht und sie verfälscht, selbst wenn dies – paradoxerweise – von jenen ausgeht, die in der Kirche die Autorität ausüben.
Können Sie ein konkretes Beispiel dessen nennen, was die Bruderschaft nicht akzeptieren kann? Das erste Beispiel, das mir in den Sinn kommt, stammt aus dem Jahr 2019, als Papst Franziskus anlässlich seines Besuches auf der Arabischen Halbinsel gemeinsam mit einem Imam die bekannte Erklärung von Abu Dhabi unterzeichnete. Darin erklärte er zusammen mit dem muslimischen Würdenträger, die Vielfalt der Religionen sei als solche von der göttlichen Weisheit gewollt.
Es ist offensichtlich, dass eine Gemeinschaft, die sich auf die Annahme einer solchen Aussage gründen oder sie einschließen würde, schlichtweg nicht katholisch wäre, denn sie würde eine Sünde gegen das erste Gebot und die Leugnung des ersten Artikels des Glaubensbekenntnisses beinhalten. Ich halte eine solche Aussage für mehr als einen bloßen Irrtum. Sie ist schlicht unvorstellbar. Sie kann nicht das Fundament einer katholischen Gemeinschaft sein, sondern vielmehr die Ursache für deren Auflösung. Ich denke, ein Katholik sollte eher das Martyrium vorziehen, als eine solche Aussage zu akzeptieren.
Weltweit nimmt das Bewusstsein für die von der Bruderschaft seit Langem angeprangerten Irrtümer zu, insbesondere im Internet. Wäre es nicht angebracht, dieses Wirken im Vertrauen auf die Vorsehung sich entfalten zu lassen, anstatt durch einen starken öffentlichen Akt wie Bischofsweihen einzugreifen? Dieses Wirken ist sicherlich positiv, und man kann sich darüber nur freuen. Es veranschaulicht zweifellos die Berechtigung dessen, was die Bruderschaft verteidigt, und es ist angezeigt, diese Verbreitung der Wahrheit mit allen verfügbaren Mitteln zu fördern. Gleichwohl ist es ein Wirken mit Grenzen, denn der Glaubenskampf kann sich nicht auf Diskussionen und Stellungnahmen beschränken oder in ihnen erschöpfen, deren Schauplatz das Internet oder die sozialen Netzwerke sind.
Die Heiligung einer Seele hängt gewiss vom Bekenntnis des authentischen Glaubens ab, dieses muss jedoch in ein wirklich christliches Leben münden. Am Sonntag brauchen die Seelen keine Internetplattform. Sie brauchen einen Priester, der ihnen die Beichte abnimmt und sie unterweist, der für sie die heilige Messe feiert, der sie wahrhaft heiligt und zu Gott führt. Die Seelen brauchen Priester. Und um Priester zu haben, braucht es Bischöfe. Keine „Influencer“. Anders gesagt: Man muss zur Wirklichkeit zurückkehren, das heißt zur Wirklichkeit der Seelen und ihrer konkreten objektiven Not. Die Bischofsweihen haben keinen anderen Zweck: für die an der Tradition festhaltenden Gläubigen die Spendung des Sakramentes der Firmung, der Weihe und alles dessen, was daraus folgt, zu gewährleisten.
Besteht nicht die Gefahr, dass die Bruderschaft trotz guter Absichten in gewisser Weise dazu kommt, sich selbst mit der Kirche gleichzusetzen oder sich eine unersetzliche Rolle zuzuschreiben? In keiner Weise beansprucht die Bruderschaft, sich an die Stelle der Kirche zu setzen oder ihre Sendung zu übernehmen; vielmehr bewahrt sie das tiefe Bewusstsein, nur zu bestehen, um der Kirche zu dienen. Dabei stützt sie sich ausschließlich auf das, was die Kirche selbst immer und überall gelehrt, geglaubt und getan hat.
Die Bruderschaft ist sich ebenso zutiefst bewusst, dass nicht sie es ist, die die Kirche rettet, denn allein unser Herr bewahrt und rettet seine Braut – Er, der niemals aufhört, über sie zu wachen.
Die Bruderschaft ist schlicht und einfach – unter Umständen, die sie nicht selbst gewählt hat – ein bevorzugtes Mittel, der Kirche treu zu bleiben. Aufmerksam gegenüber der Sendung ihrer Mutter, die während zwanzig Jahrhunderten ihre Kinder durch die Lehre und die Sakramente genährt hat, widmet sich die Bruderschaft kindlich der Bewahrung und Verteidigung der integralen Tradition, indem sie die Mittel ergreift für eine unvergleichliche Freiheit, um diesem Erbe treu zu bleiben. Nach dem Wort von Erzbischof Lefebvre ist die Bruderschaft lediglich ein Werk „der katholischen Kirche, die weiterhin die Lehre überliefert“; ihre Rolle ist die eines „Briefträgers, der einen Brief überbringt“. Und sie wünscht nichts mehr, als alle katholischen Hirten vereint in der Erfüllung dieser Pflicht zu sehen.
Kommen wir auf den Papst zurück. Halten Sie es für realistisch, dass der Heilige Vater akzeptieren oder zumindest dulden könnte, dass die Bruderschaft Bischöfe ohne päpstliches Mandat weiht? Ein Papst ist vor allem ein Vater. Als solcher ist er fähig, eine aufrechte Absicht, einen ehrlichen Willen, der Kirche zu dienen, und vor allem einen echten Gewissenskonflikt in einer außergewöhnlichen Situation zu erkennen. Diese Elemente sind objektiv, und alle, die die Bruderschaft kennen, können dies anerkennen, selbst ohne notwendigerweise ihre Positionen zu teilen.
Das ist in der Theorie verständlich. Glauben Sie aber, dass Rom konkret eine solche Entscheidung der Bruderschaft dulden könnte? Die Zukunft liegt in den Händen des Heiligen Vaters und selbstverständlich der Vorsehung. Dennoch ist anzuerkennen, dass der Heilige Stuhl mitunter zu einem gewissen Pragmatismus, ja sogar zu einer überraschenden Flexibilität fähig ist, wenn er überzeugt ist, zum Wohl der Seelen zu handeln.
Man nehme den sehr aktuellen Fall der Beziehungen zur chinesischen Regierung. Trotz eines wirklichen Schismas der chinesischen patriotischen Kirche; trotz einer ununterbrochenen Verfolgung der sogenannten Untergrundkirche, die Rom treu geblieben ist; trotz regelmäßig erneuerter und vom chinesischen Staat gebrochener Abkommen – im Jahr 2023 hat Papst Franziskus nachträglich die Ernennung des Bischofs von Shanghai durch die chinesischen Behörden gebilligt. In jüngerer Zeit hat auch Papst Leo XIV. nachträglich die Ernennung des Bischofs von Xinxiang akzeptiert, der während der Vakanz des Apostolischen Stuhles in gleicher Weise ernannt worden war, obwohl der Rom treu gebliebene Bischof, der mehrfach inhaftiert worden war, noch im Amt war. In beiden Fällen handelt es sich offenkundig um regierungsfreundliche Prälaten, die von Peking einseitig eingesetzt wurden, um die katholische Kirche in China zu kontrollieren. Man beachte, dass es sich hierbei nicht um bloße Weihbischöfe handelt, sondern um Ortsbischöfe, das heißt um ordentliche Hirten ihrer jeweiligen Diözese (oder Präfektur) mit Jurisdiktion über die örtlichen Priester und Gläubigen. In Rom weiß man sehr genau, zu welchem Zweck diese Hirten ausgewählt und einseitig eingesetzt worden sind.
„Die Priesterbruderschaft St. Pius X. erstrebt nichts anderes als dies: das Wohl der Seelen und das des Priestertums, das auf ihre Heiligung hingeordnet ist.“
Der Fall der Bruderschaft ist grundverschieden: Es geht für uns keineswegs darum, eine kommunistische oder antichristliche Macht zu begünstigen, sondern einzig darum, in einer Zeit allgemeiner Krise und Verwirrung die Rechte des Christkönigs und die Tradition der Kirche zu bewahren, die schwer beeinträchtigt sind. Die Absichten und Zielsetzungen sind offensichtlich nicht dieselben. Der Papst weiß das. Zudem weiß der Heilige Vater sehr wohl, dass die Bruderschaft in keiner Weise beabsichtigt, ihren Bischöfen irgendeine Jurisdiktion zu verleihen, was der Errichtung einer Parallelkirche gleichkäme.
Ehrlich gesagt sehe ich nicht, wie der Papst von Seiten der Bruderschaft eine größere Gefahr für die Seelen befürchten könnte als von Seiten der Regierung von Peking.
Halten Sie es für möglich, dass hinsichtlich der traditionellen Messe die Notwendigkeit für die Seelen heute ebenso schwerwiegend ist wie 1988? Nach dem bekannten Auf und Ab des Ritus des heiligen Papstes Pius V. – seiner Freigabe durch Benedikt XVI. im Jahr 2007 und den von Franziskus im Jahr 2021 verhängten Einschränkungen – in welche Richtung geht es mit dem neuen Papst? Soweit mir bekannt ist, hat Papst Leo XIV. in dieser Frage eine gewisse Zurückhaltung bewahrt, die in der konservativen Welt große Erwartungen geweckt hat. Vor Kurzem jedoch wurde ein Text von Kardinal Roche zur Liturgie veröffentlicht, der ursprünglich für die Kardinäle bestimmt war, die am Konsistorium des vergangenen Monats teilgenommen haben. Es gibt keinen Grund, daran zu zweifeln, dass dieser Text in seinen Grundlinien der vom Papst gewünschten Ausrichtung entspricht. Es handelt sich um einen sehr klaren und vor allem logischen und kohärenten Text. Leider stützt er sich auf eine falsche Prämisse.
Konkret verurteilt dieser Text in vollkommener Kontinuität mit Traditionis custodes das liturgische Projekt von Papst Benedikt XVI. Nach dessen Auffassung sollten der alte und der neue Ritus zwei ungefähr gleichwertige Formen sein, die jedenfalls denselben Glauben und dieselbe Ekklesiologie zum Ausdruck bringen und sich folglich gegenseitig bereichern könnten. Um die Einheit der Kirche besorgt, lag es Benedikt XVI. daher am Herzen, das Nebeneinanderbestehen beider Riten zu fördern, und er veröffentlichte 2007 Summorum Pontificum. Für viele erwies sich dies providentiell als eine Wiederentdeckung der Messe aller Zeiten; auf längere Sicht jedoch rief es auch eine Bewegung hervor, die den neuen Ritus in Frage stellte – eine Bewegung, die als problematisch erachtet wurde und die Traditionis custodes im Jahr 2021 einzudämmen suchte.
Papst Franziskus treu verbunden, tritt Kardinal Roche seinerseits für die Einheit der Kirche ein, jedoch nach einer Vorstellung und mit Mitteln, die denen Benedikts XVI. diametral entgegengesetzt sind: Während er an der Behauptung einer Kontinuität von einem Ritus zum anderen durch die Reform festhält, lehnt er deren Koexistenz entschieden ab. Er sieht darin eine Quelle der Spaltung, eine Bedrohung für die Einheit, die durch eine Rückkehr zu einer authentischen liturgischen Gemeinschaft überwunden werden müsse: „Das vorrangige Gut der Einheit der Kirche wird nicht durch das Einfrieren von Spaltungen erreicht, sondern indem wir uns im Teilen dessen wiederfinden, was nur geteilt werden kann.“ In der Kirche, so fügt er hinzu, „soll es nur einen einzigen Ritus geben“, in voller Übereinstimmung mit dem wahren Sinn der Tradition.
Dies ist ein gerechter und kohärenter Grundsatz, denn da die Kirche nur einen Glauben und nur eine Ekklesiologie besitzt, kann sie auch nur eine Liturgie haben, die diese angemessen zum Ausdruck bringt… Doch es ist ein falsch angewandter Grundsatz. Denn in Übereinstimmung mit der neuen nachkonziliaren Ekklesiologie begreift Kardinal Roche die Tradition als etwas Evolutives und den neuen Ritus als ihre einzige lebendige Ausdrucksform für unsere Zeit. Der Wert des tridentinischen Ritus kann daher nur als überholt angesehen werden, und seine Verwendung ist höchstens ein „Zugeständnis“, „keineswegs eine Förderung“.
Dass es also eine „Spaltung“ und eine gegenwärtige Unvereinbarkeit zwischen den beiden Riten gibt, das wird damit immer deutlicher. Doch man täusche sich nicht: Die einzige Liturgie, welche die traditionelle Auffassung von Kirche, christlichem Leben und katholischem Priestertum in angemessener, unveränderlicher und nicht evolutiver Weise zum Ausdruck bringt, ist die Liturgie aller Zeiten. In diesem Punkt erscheint der Widerstand des Heiligen Stuhles mehr denn je endgültig.
Kardinal Roche räumt immerhin ein, dass es bei der Umsetzung der Liturgiereform noch gewisse Probleme gibt. Glauben Sie, dass dies zu einem Bewusstsein für die Grenzen dieser Reform führen könnte? Es ist bemerkenswert, dass man nach sechzig Jahren noch immer eine wirkliche Schwierigkeit bei der Umsetzung der Liturgiereform eingesteht, deren Reichtum es erst noch zu entdecken gelte. Dies ist ein Refrain, den man seit jeher hört, sobald dieses Thema zur Sprache kommt, und den auch der Text von Kardinal Roche nicht ausspart. Doch anstatt sich ehrlich über die inneren Mängel der neuen Messe und damit über das generelle Scheitern dieser Reform Gedanken zu machen; anstatt der Tatsache ins Auge zu sehen, dass sich die Kirchen leeren und die Berufungen zurückgehen; anstatt sich zu fragen, warum der tridentinische Ritus weiterhin so viele Seelen anzieht, sieht Kardinal Roche als einzige Lösung lediglich eine dringende vorherige Ausbildung der Gläubigen und der Seminaristen.
Ohne es zu bemerken, gerät er damit in einen Teufelskreis: Denn die Liturgie selbst ist dazu bestimmt, die Seelen zu formen. Fast zwei Jahrtausende lang sind die Seelen, oft Analphabeten, durch die Liturgie selbst erbaut und geheiligt worden, ohne dass es irgendeiner vorherigen Ausbildung bedurft hätte. Die intrinsische Unfähigkeit des Novus Ordo, die Seelen zu erbauen, nicht anzuerkennen und stattdessen eine noch bessere Ausbildung zu fordern, erscheint mir als Zeichen einer unheilbaren Blindheit. So gelangt man zu erschütternden Paradoxien: Die Reform wurde gewollt, um die Teilnahme der Gläubigen zu fördern, nun aber haben diese die Kirche in Scharen verlassen, weil diese fade Liturgie sie nicht zu nähren vermochte. Und das soll nichts mit der Reform selbst zu tun haben!
Heute profitieren in vielen Ländern Gruppen außerhalb der Bruderschaft weiterhin vom Gebrauch des Messbuches von 1962. Solche Möglichkeiten bestanden 1988 kaum. Wäre dies nicht vorerst eine ausreichende Alternative, die neue Bischofsweihen verfrüht erscheinen ließe? Die Frage, die wir uns stellen müssen, lautet: Entsprechen diese Möglichkeiten dem, was die Kirche und die Seelen brauchen? Sind sie eine ausreichende Antwort auf die Not der Seelen?
Es ist unbestreitbar, dass überall dort, wo die traditionelle Messe gefeiert wird, der wahre Ritus der Kirche ausstrahlt – mit jenem tiefen Sinn für das Sakrale, der im neuen Ritus nicht zu finden ist. Doch man kann von dem Rahmen, in dem diese Messfeiern stattfinden, nicht abstrahieren. Unabhängig vom guten Willen der einen oder der anderen scheint der Rahmen klar zu sein, insbesondere seit Traditionis custodes, bestätigt durch Kardinal Roche: Es handelt sich um den Rahmen einer Kirche, in der der einzige offizielle „normale“ Ritus derjenige Pauls VI. ist. Die Feier des Ritus aller Zeiten unterliegt folglich einer Ausnahmeregelung: Den Anhängern dieses Ritus werden aus reinem Wohlwollen Ausnahmegenehmigungen gewährt, die ihnen seine Feier erlauben. Diese fügen sich jedoch in eine Logik ein, die der neuen Ekklesiologie entspricht. Sie setzen daher voraus, dass die neue Liturgie weiterhin das Kriterium der Frömmigkeit der Gläubigen und der authentische Ausdruck des kirchlichen Lebens bleibt.
Warum sagen Sie, dass man von diesem Ausnahmerahmen nicht abstrahieren kann? Wird nicht dennoch Gutes gewirkt? Welche konkreten Folgen wären zu beklagen? Aus dieser Situation ergeben sich mindestens drei unheilvolle Konsequenzen. Die unmittelbarste ist eine tiefe strukturelle Instabilität. Priester und Gläubige, denen durch gewisse Privilegien der Gebrauch der tridentinischen Liturgie erlaubt ist, leben in der Angst vor dem folgenden Tag: Ein Privileg ist kein Recht. Solange die Autorität sie duldet, können sie ihre religiöse Praxis ohne Behelligung ausüben. Sobald jedoch die Autorität bestimmte Anforderungen stellt, Bedingungen auferlegt oder aus dem einen oder anderen Grund plötzlich die erteilten Erlaubnisse widerruft, finden sich Priester und Gläubige in einer Konfliktsituation wieder, ohne irgendein Mittel, sich zu verteidigen, um wirksam die traditionellen Heilsmittel sicherzustellen, auf die die Seelen ein Recht haben. Wie lassen sich solche Gewissenskonflikte auf Dauer vermeiden, wenn von zwei unvereinbaren Auffassungen vom kirchlichen Leben, verkörpert in zwei unvereinbaren Liturgien, die eine volle Anerkennung genießt, während die andere lediglich geduldet wird?
Zweitens – und das ist zweifellos schwerwiegender – wird der eigentliche Grund für die Verbundenheit dieser Gruppen mit der tridentinischen Liturgie nicht mehr verstanden, was die öffentlichen Rechte der Tradition der Kirche und damit das Wohl der Seelen ernsthaft gefährdet. Wenn nämlich die Messe aller Zeiten akzeptieren kann, dass die moderne Messe in der ganzen Kirche gefeiert wird, und wenn sie für sich selbst lediglich ein besonderes Privileg beansprucht, das an eine Vorliebe oder an ein eigenes Charisma gebunden ist – wie soll man dann noch verstehen, dass die Messe aller Zeiten der neuen Messe unversöhnlich gegenübersteht, dass sie die einzige wahre Liturgie der ganzen Kirche bleibt und dass niemand daran gehindert werden darf, sie zu feiern? Wie kann man erkennen, dass die Messe Pauls VI. nicht angenommen werden kann, weil sie eine erhebliche Abweichung von der katholischen Theologie der heiligen Messe darstellt, und dass niemand gezwungen werden kann, sie zu feiern? Und wie sollen die Seelen wirksam von dieser vergifteten Liturgie weggeführt werden, um aus den reinen Quellen der katholischen Liturgie zu schöpfen?
„Die Bruderschaft ist schlicht und einfach – unter Umständen, die sie nicht gewählt hat – ein bevorzugtes Mittel, der Kirche treu zu bleiben.“
Schließlich ergibt sich als weitergehende Folge aus den beiden vorhergehenden die Notwendigkeit, eine fragile Stabilität nicht durch als störend empfundenes Verhalten zu gefährden, was viele Hirten zu einem erzwungenen Schweigen verurteilt, wenn sie eigentlich gegen diese oder jene skandalöse Lehre aufstehen müssten, die Glauben oder Moral verdirbt. Die notwendige Anprangerung der die Kirche zerstörenden Irrtümer – sie ist zum Wohl der von dieser vergifteten Nahrung bedrohten Seelen geboten – wird so gelähmt. Man klärt den einen oder anderen im Privaten auf, sofern man die Schädlichkeit dieses oder jenes Irrtums überhaupt noch zu erkennen vermag, doch es bleibt ein zaghaftes Flüstern, in dem die Wahrheit kaum noch mit der erforderlichen Freiheit zum Ausdruck kommt – vor allem, wenn es den Kampf gegen Prinzipien geht, die man stillschweigend akzeptiert hat. Auch hier sind es wieder die Seelen, die nicht mehr erleuchtet werden und denen das Brot der Lehre entzogen wird, nach dem sie doch hungern. Mit der Zeit verändert dies allmählich die Mentalität und führt nach und nach zur allgemeinen und unbewussten Annahme der verschiedenen Reformen, die das kirchliche Leben betreffen. Auch gegenüber diesen Seelen empfindet die Bruderschaft die Verantwortung, sie zu erleuchten und nicht im Stich zu lassen.
Es geht nicht darum, jemandem Vorwürfe zu machen oder über irgendwen zu urteilen, sondern darum, die Augen zu öffnen und die Tatsachen festzustellen. Nun aber müssen wir anerkennen, dass die Gruppen, die in den Genuss der traditionellen Liturgie kommen, keine angemessene Antwort auf die tiefgreifenden Nöte der Kirche und der Seelen darstellen können, solange deren Gebrauch an die zumindest implizite Akzeptanz der Konzilsreformen gebunden bleibt. Umgekehrt muss man – um einen bereits geäußerten Gedanken aufzugreifen – den Katholiken unserer Zeit eine Wahrheit ohne Abstriche anbieten können, dargeboten ohne Vorbehalte und mit den Mitteln, sie vollständig zu leben, zum Heil der Seelen und zum Dienst an der ganzen Kirche.
Glauben Sie dennoch, dass Rom sich in Zukunft gegenüber der traditionellen Messe großzügiger zeigen könnte? Es ist nicht ausgeschlossen, dass Rom in Zukunft eine offenere Haltung einnehmen könnte, wie dies bereits 1988 unter ähnlichen Umständen geschah, als das alte Messbuch bestimmten Gruppen gewährt wurde, um die Gläubigen von der Bruderschaft abzuziehen. Sollte dies erneut geschehen, wäre es sehr politisch und sehr wenig der Lehre entsprechend: Das tridentinische Messbuch ist ausschließlich dazu bestimmt, die göttliche Majestät anzubeten und den Glauben zu nähren; es darf nicht als Instrument pastoraler Feinjustierung oder als Ventil zur Beschwichtigung instrumentalisiert werden.
Doch ein größeres oder geringeres Entgegenkommen würde nichts an der Schädlichkeit des oben beschriebenen Rahmens ändern und somit die Situation nicht wesentlich verändern.
Darüber hinaus ist das Szenario in Wirklichkeit komplexer: In Rom haben Papst Franziskus und Kardinal Roche sehr wohl erkannt, dass eine Ausweitung des Gebrauchs des Messbuches des heiligen Pius V. zwangsläufig eine Infragestellung der Liturgiereform und des Konzils auslöst, und zwar in einem unerquicklichen und vor allem unkontrollierbaren Ausmaß. Es ist daher schwer vorherzusehen, was geschehen wird, doch die Gefahr einer Verstrickung in Logiken, die eher politisch als lehrmäßig sind, ist real.
Was möchten Sie den Gläubigen und den Mitgliedern der Bruderschaft besonders sagen? Ich möchte ihnen sagen, dass die gegenwärtige Stunde vor allem eine Zeit des Gebetes ist, der Vorbereitung der Herzen, der Seelen und auch der Geister, um uns der Gnade zu öffnen, die diese Weihen für die ganze Kirche darstellen. Dies alles in Sammlung, in Frieden und im Vertrauen auf die Vorsehung, die die Bruderschaft niemals verlassen hat und sie auch jetzt nicht verlassen wird.
Hoffen Sie weiterhin, dem Papst begegnen zu können? Ja, gewiss. Es erscheint mir äußerst wichtig, mich mit dem Heiligen Vater unterhalten zu können, und es gibt vieles, was ich ihm gern mitteilen würde, ihm aber nicht schreiben konnte. Leider sieht die von Kardinal Fernández erhaltene Antwort keine Audienz beim Papst vor. Stattdessen stellt sie die Androhung neuer Sanktionen in den Raum.
Was wird die Bruderschaft tun, wenn der Heilige Stuhl beschließt, sie zu verurteilen? Zunächst sei daran erinnert, dass etwaige kanonische Strafen unter solchen Umständen keinerlei reale Wirkung hätten.
Sollten sie dennoch verhängt werden, ist es gewiss, dass die Bruderschaft dieses neue Leiden ohne Bitterkeit annehmen würde, wie sie die vergangenen Leiden angenommen hat, und es aufrichtig für das Wohl der Kirche aufopfern würde. Die Bruderschaft arbeitet für die Kirche. Und sie zweifelt nicht daran, dass eine solche Situation, sollte sie eintreten, nur vorübergehend sein kann; denn die Kirche ist göttlich und unser Herr verlässt sie nicht.
Die Bruderschaft wird daher weiterhin nach Kräften in Treue zur katholischen Tradition wirken und der Kirche demütig dienen, indem sie auf die Not der Seelen antwortet. Und sie wird weiterhin kindlich für den Papst beten, wie sie es immer getan hat – in der Erwartung, eines Tages von diesen möglichen ungerechten Sanktionen befreit zu werden, wie dies 2009 der Fall war. Wir sind überzeugt, dass die römischen Autoritäten eines Tages dankbar anerkennen werden, dass diese Bischofsweihen providentiell dazu beigetragen haben werden, den Glauben zu bewahren, zur größeren Ehre Gottes und zum Heil der Seelen. Interview, gegeben in Flavigny-sur-Ozerain am 2. Februar 2026 dem Fest Mariä Lichtmess
Vatikan will mit Piusbrüdern reden Kommende Woche soll ein Gespräch zwischen Kardinal Víctor Manuel Fernández und dem Generaloberen der Piusbrüder, Davide Pagliarani, stattfinden. Das teilte der Pressesprecher des Vatikans an diesem Mittwoch mit. Zuvor hatte die Bruderschaft angekündigt, eigenmächtig Bischofsweihen vornehmen zu wollen.
1. Verwundere dich nicht, wenn du im Dienst Gottes zuweilen Trockenheit erfährst, und lass darum deinen Mut nicht sinken, denn wie im Äußerlichen, also gibt es auch im Innern eine Zeit des Sommers und eine Zeit des Winters, eine Zeit des Friedens und eine Zeit des Krieges, eine Zeit des Lichtes und eine Zeit der Finsternis, und notwendig ist die Abwechslung dieser Zeiten. Gerne wärst du immer im Trost, aber wenig Verdienste erwirbt eine Seele, die nicht durch Versuchungen geprüft wird. Leuchten muss in der innerlichen Nacht ihr Glaube, zeigen muss sich in der Verlassenheit ihr Vertrauen, und in der größten Trostlosigkeit ihre Liebe.
2. Eine Seele, die im Licht des Trostes lebt, irrt nicht selten. Sie glaubt, sie liebt den Gott des Trostes, und liebt doch nur den Trost Gottes. Aber wenn alles anfängt ihr zu verleiden, wenn sie fühllos für menschlichen Trost, und der Himmel ihr verschlossen ist, wenn sie den Wermutkelch trinken muss, der zur Prüfung ihr vorgesetzt wird, wenn sie das Kreuz umfangen soll, bei dessen Anblick Schauder sie durchrieselt, wenn innerliche Angst und schwere dämonische Versuchungen sie bedrängen, wenn die Natur zu murren, und der Glaube zu wanken beginnt, dann zeigt sich die uneigennützige Liebe in ihrem reinsten Licht.
3. Ein überaus strenges Fegefeuer ist dies für heilige Seelen, aber ein Feuer, worin ihre Liebe wie das Gold geläutert wird. Alle ihre Tugenden, ja auch sich selbst hält eine solche Seele für verloren. Doch niemals ist ihr Glaube fester als in diesem Streit gegen die Anfechtungen, nie ihre Geduld standhafter als im Erdulden dieser innerlichen Pein. Sie hält sich für verlassen, aber nie ist Gott ihr näher. Er zählt alle ihre Seufzer, segnet alle ihre Kämpfe. Er hält die Kraftlose in seinen Armen, und bereitet ihrer Treue eine Krone himmlischer Vergeltung. Gleichwie der Falter aus seinem Gefängnis, also tritt auch sie neu umgewandelt ins Leben und ruft dann freudig mit dem Propheten: "Herr, nach der Fülle meiner Angst, die ich in meinem Herzen empfand, haben deine Tröstungen meine Seele erfreut." (Psalm 94)
O Gott, Du hast durch Deine Gnade der heiligen Agatha den Sieg über die grausamsten Martern verliehen. Gib uns auf ihre Fürbitte den Sieg über alle Hindernisse des Heils, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
Von den zehn evangelischen Tugenden der seligsten Jungfrau, von denen gestern berichtet wurde, wurde heute bei den Annonciaden in Frankreich die Oktav durch ein besonderes Offizium gehalten.
Andacht am 5. Februar:
Das Thema im Februar:
Von der Demut
"Wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden." (Lukas 14,11)
"Die mächtigste Waffe, den Teufel zu besiegen, ist die Demut." (Der heilige Franz von Paula)
Die heilige Theresia von Avila konnte kaum begreifen, warum die Prediger so oft von der Notwendigkeit redeten, sich zu demütigen. "Ist es denn nicht klar," so sprach sie, "dass man sich keines Dinges rühmen kann; da niemand irgend etwas Gutes hat, das nicht von Gott käme? Wie können auch je armselige Menschen stolz sein, die so vielem Elend unterworfen sind und so viele Sünden begangen haben? Wollte ich auch irgend einer Sache wegen eitel sein, ich wüsste nicht, wie mir das möglich wäre!"
Der ehrwürdige Pater Alvarez verglich die Handlungen seines Lebens einer Weintraube, an der alle Beeren verdorben sind. "Kaum finden sich," sprach er, "unter einer so großen Anzahl Werke vier oder fünf, die nicht mangelhaft wären; und wehe mir," fügte er bei, "wenn der Herr sie streng untersucht!"
Wenn der heilige Dominikus in irgend einer Stadt predigen sollte, pflegte er sich vor den Pforten dieser Stadt niederzuknien und den Herrn zu bitten, dass Er nicht seiner Sünden wegen die Einwohner mit schweren Strafen heimsuchen möchte.
Der heilige Philipp Neri riet denjenigen, deren Seelen er leitete, falls sie in irgendeinen schweren Fehler verfallen waren, zu sagen: "Wäre ich demütig gewesen, so wäre ich nicht gefallen!"
Herr, nichts denn ein Sünder bin ich; und wehe mir, wenn Du mich richtest, wie ich es verdiene! Von einer Sünde in die andere falle ich, wenn Deine Gnade mir nicht beständig zu Hilfe kommt. O erbarme Dich meiner nach Deiner großen Barmherzigkeit! Amen.
Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 5. Februar
"Die Seele soll sich niemals über irgend einen Kampf betrüben und niemals irgendein Gebet,
irgend eine Andachtsübung unterlassen,
wenn sie auch nichts anderes vermag,
als vor dem Kreuz zu knien und zu rufen: Jesus! Jesus!"
Wenige Martyrer sind berühmter als die heilige Agatha. Die Kirche begeht ihr Andenken sogar täglich im 1. Hochgebet der heiligen Messe.
Agatha war die Tochter sehr vornehmer Eltern. Sie besaßen große Reichtümer. Die ältesten Geschichten über sie erzählen, dass sie eine wunderschöne und sehr kluge Frau gewesen ist. Früh schon lernte sie den kostbaren Schatz des Christentums kennen und lieben, sie stand sogar in dem Ruf der christlichen Vollkommenheit. Zu dieser Zeit regierte Kaiser Dezius das Römische Reich und verfolgte durch noch strengere Gesetze die Christen. Da die kaiserlichen Statthalter diese Gesetze mit unmenschlicher Strenge ausführten, wurde viel kostbares Blut der Heiligen vergossen. Über Sizilien, wo Agatha lebte, war Quintianus zum Statthalter gesetzt worden. Sobald der Befehl zur Christenverfolgung erschien, begab er sich nach Katana, um da seine Untersuchungen zu beginnen. Bald bekam er heraus, wer Agatha war, dass sie eine Christin war und zugleich reich, vornehm und außerordentlich schön. Diese Vorzüge reizten den Statthalter Quintianus so sehr, dass er Agatha für sich gewinnen wollte. Er gab sich alle Mühe, die heilige Agatha in seine Gewalt zu bringen. Durch Verrat wurde ihr Aufenthalt entdeckt und sie musste vor ihm erscheinen. Der Anblick der jungen Frau betörte ihn vollends, so dass er sich nicht lange zurückhielt und ihr entsprechende Anträge machte. Die Heilige antworte ernst und entschlossen: „Ich werde weder dir noch dem Kaiser gehören!“ Quintianus wollte noch keine Gewalt anwenden, sondern verordnete, dass sie in das Haus der Aphrosia abgeführt würde. Diese war die berüchtigste Kupplerin des Ortes und verdiente sich dadurch ihren Unterhalt. Quintianus versprach ihr reiche Belohnung, wenn sie Agatha durch Geschenke und Versprechungen, und wenn das nicht fruchtet, durch Drohungen vom Christentum abbringen und ihn als Liebhaber empfehlen würde.
Dreißig Tage lang hatte die heilige Agatha den Kampf gegen diese wahrhaft teuflische Verführung zu bestehen. Aber vergebens: Weder Bitten noch Drohungen vermochten etwas auszurichten. „Mein Leben“, sprach sie zu der Verführerin, „ist auf einem Felsen gegründet, und dieser Fels ist Christus. Eure Worte sind Wind, eure Liebkosungen Regenschauer, eure Drohungen wilde Wasser; sie bestürmen das Fundament meines Glaubens, aber sie vermögen nicht das selbige zu erschüttern.“ Tag und Nacht betete sie und bat Gott mit Tränen, dass er sie für würdig halten möge, die Palme des Martyriums zu erringen.
Als die Kupplerin alle Versuche, den Felsensinn der jungen Frau zu erschüttern, scheitern sah, sprach sie zu Quintianus: „Entlasse mich aus diesem Auftrag, mit dem du mich belastet hast; leichter ist es den Marmor flüssig zu machen und das Eisen wie Blei zu biegen, als dieser Christin den Kopf zu brechen.“
Die Liebe des Statthalters verwandelte sich nun in bitteren Zorn. Er ließ Agatha vorführen, setzte sich auf den Richterstuhl, und hielt das öffentliche Verhör. „Wessen Standes bist du?“ fragte er sie. Die Heilige antwortete: „Ich bin eine Freie, eine Reiche, eine Edle.“ Der Richter sprach: „Wenn du frei, reich und edel bist, warum beträgst und kleidest du dich wie eine niedrige Sklavin?“ Agatha erwiderte: „Weil ich eine Magd Christi bin.“ „Wenn du frei geboren und vornehm bist, wie kannst du dich eine Magd nennen?“ fragte der Statthalter; und Agatha antwortete: „Christi Dienstbarkeit ist eben die wahre Freiheit, und übertrifft weit den Reichtum, den Hochmut und den Übermut der Könige.“ Quintianus sprach: „Wie, sind wir also nicht frei, die wir den Dienst Christi verachten und die Götter ehren?“ Agatha sagte: „Eure Freiheit führt euch zu einer solchen Knechtschaft, dass ihr nicht bloß Sklaven der Sünde, sondern dem Holz und den Steinen unterwürfig werdet.“ Sehr zornig sprach der Statthalter: „Wähle von Zweien Eines: entweder opfere den Göttern, oder sei der härtesten Marter gewärtig!“ Darauf antwortete sie: „Mögest du sein wie dein Gott Jupiter, und deine Frau wie deine Göttin Venus!“ „Wie“, rief der Statthalter, „darfst du den Richter des Volkes schmähen?“ und befahl den Dienern, sie ins Gesicht zu schlagen. Als das geschehen war, sprach Agatha: „Also mein Wunsch schien dir eine Schmähung? Was müssen das für Götter sein, mit welchen verglichen zu werden du dich schämst!“ Quintianus versetzte: „Spare die unnützen Worte; entweder opfere oder leide!“ Unerschrocken antwortete Agatha: „Lass nur deine Bestien auf mich los, durch Christi Namen will ich sie bändigen. Wirf mich in das Feuer, der Tau des Himmels wird die Flamme löschen. Spanne mich auf die Folterbank, der Geist, der mich beseelt, ist ein Geist der Kraft, der Zucht und der Liebe. Schlage mich mit Geißeln, mein Gott kann mich wohl deinen Händen entreißen.“ Quintianus, der vor dem Volk die Beschämung fürchtete, ließ sie ins Gefängnis führen, um sich da eines Besseren zu besinnen. Dahin aber ging sie freudig, wie sonst ein Mädchen zum Tanz geht.
Am folgenden Tag ließ der Statthalter sie wieder vor sich rufen, und sprach zu ihr: „Was hast du zu deinem Heil beschlossen?“ „Mein Heil ist Christus!“ antwortete sie. Darauf sagte Quintianus: „Wie lange willst du, Unglückliche, auf deinen törichten Sinn beharren? Verleugne Christus, ehre die Götter, bedenke deine Jugend, damit du nicht durch einen grausamen Tod zu Grunde gehst!“ Agatha erwiderte: „Verleugne vielmehr du deine Götter, die weiter nichts als Holz und Stein sind, und bete an den wahren Gott, deinen Schöpfer, dem du dein Dasein verdankst. Wenn du diesen verachtest, so werden die schwersten Strafen und ewiges Feuer dein Los sein.“ Quintianus war über diese Rede sehr erbittert. In der Hitze seines Zorns ließ er die standhafte Bekennerin auf die Folterbank legen und sie da auf die grausamste Weise quälen durch gewaltsames Auseinanderzerren der Glieder, durch Rutenstreiche, durch eiserne Hacken, mit denen ihre Seiten zerfleischt, und durch brennende Fackeln, mit denen sie gebrannt wurden. Während dessen redete er ihr beständig zu, dass sie Christus verleugnen und so ihr Leben erhalten sollte. Allein auch in diesen schrecklichen Martern verlor die heilige Agatha ihren freudigen Mut nicht. Sie rief jauchzend: „Heil mir! So ist dem zu Mute, der eine frohe Botschaft vernimmt; wie einer, der auf einmal den sieht, welchen er schon lange mit heißer Sehnsucht erwartet hat, oder wie der, der unvermutet einen großen Schatz findet, freue ich mich, dass ich dieser vergänglichen Leiden gewürdigt werde. Mag doch der Weizen nicht in die Scheune gesammelt werden, bis die Ähre auf der Tenne zertreten, und das Korn von jeder Spreu gereinigt wurde. Ebenso kann auch meine Seele mit der herrlichen Marterkrone nicht eingehen in das himmlische Paradies, wenn du nicht meinen Körper durch viele Plagen peinigen lässt.“ Den Richter verdross diese Freudigkeit. Nicht um der Marter ein Ende zu machen, sondern um sie noch grausamer fortzusetzen, ließ der Unmensch sie von der Folterbank wegnehmen, und einen Befehl geben, den man nicht ohne Grauen erzählen und hören kann. Er befahl nämlich in seiner unsinnigen Wut, sie an eine Säule anzubinden und ihr die Brüste wegzureißen. Mit bewunderungswürdigem Mut erlitt Agatha diese grausame Tat. „Gottloser, unmenschlicher Tyrann! So ist dir nicht einmal jener Ort mehr heilig, an welchem deine Mutter dich genährt hat? Doch ich habe in meiner Seele noch andere Nahrungsquellen, die du nicht verletzen kannst, durch die alle meine Sinne, die ich von Jugend auf Jesus Christus gewidmet habe, genährt und gekräftigt werden.“ Sie deutete auf den Glauben, die Zuversicht und die Gnade. Jetzt wurde sie ins Gefängnis zurück gebracht und das Verbot gegeben, dass ihr keine Nahrung und kein Wasser, noch viel weniger eine Linderung ihrer Schmerzen durch Arzneimittel zugelassen werden sollen.
Um Mitternacht öffneten sich die Türen des Kerkers mit hellem Glanz. Es trat ein Greis herein. Vor ihm ging ein Junge und trug eine brennende Kerze. Er selbst trug einen köstlichen Balsam in einer goldenen Büchse. Nachdem der Greis Agatha mit großer Freundlichkeit begrüßt hatte, sprach er zu ihr: „Liebe Tochter! zwar hat der Statthalter dich mit schlimmer Pein gequält und geängstigt! Du aber hast ihm noch heftigere Qualen und Angst gemacht durch deine Reden. Seine Wunden werden ewig bluten, die deinen aber komme ich zu heilen.“ Agatha sprach: „Bis jetzt habe ich der leiblichen Arznei nie bedurft; ich brauche sie auch heute nicht. Habe dank für deinen guten Willen!“ Der Greis sprach: „Warum willst du mir nicht erlauben, dich zu heilen?“ Sie antwortete: „Will mein Herr Christus, dass ich gesund werde, so kostet es ihn nur ein Wort.“ Lächelnd sprach nun der ehrwürdige Greis: „Ich bin sein Apostel, und im Namen unseres Herrn gebiete ich dir, dass du gesund wirst.“ Und augenblicklich verschwand er. Und siehe, Agatha war vollkommen geheilt. Mächtig gestärkt an Geist und Seele und mit ganz unverletztem Körper stand sie da, freute sich dankend, und pries Gott für diese Gnade, die er an ihr getan hatte. Die Wache des Gefängnisses war durch die Erscheinung des himmlischen Lichtes in solches Staunen und in so großen Schrecken versetzt, dass die Gefangene ungehindert aus dem Gefängnis hätte entweichen können. Allein sie wollte die nahe Marterkrone nicht verlieren.
Quintianus erfuhr, was mit Agatha im Kerker vorgegangen war. Er war aber zu sehr verblendet, als dass er daran die Macht des einzig wahren Gottes erkannt hätte. Vielmehr schrieb er die Erhaltung und die so wundervolle Heilung Agathas den Zauberkünsten zu, deren die Christen immer beschuldigt wurden. Nach vier Tagen ließ er sie wieder vor sein Gericht stellen und forderte sie auch diesmal auf, von ihrer Torheit abzulassen und den Göttern zu opfern, wenn sie nicht noch schrecklichere Marter erdulden wolle. Agatha antwortete ihm: „All dein Zureden ist eitel und fruchtlos, es ist gottlos und beleidigend. Unglücklicher! Wie kannst du doch so unverständig sein? Wie sollte ich wohl Stein zu meiner Hilfe anrufen und nicht vielmehr den höchsten und einzig wahren Gott, der mich von allen Wunden, die du mir schlagen ließest, so wundervoll befreit hat?“ „Wer hat dich geheilt?“ fragte der Statthalter. Agatha sprach: „Christus, der Sohn Gottes.“ Der Statthalter sagte: „Höre auf Christus zu bekennen, dessen Namen zu hören mir unerträglich ist.“ Agatha erwiderte: „Diesen Namen will ich mit Herz und Mund bekennen und preisen so lange ich lebe.“ Darauf sprach der zornige Richter: „Ich will doch sehen, ob dieser dein Herr Christus dir wird helfen können,“ und ließ jetzt in seiner rasenden Erbitterung allerlei spitze Scherben auf dem Boden ausbreiten, glühende Kohlen darunter mischen und Agatha entkleidet darauf herumwälzen. Gott stärkte sie auch in dieser sehr schmerzhaften Qual. Während diese unmenschlichen Martern an Agatha vollzogen wurden, erfolgte ein plötzliches Erdbeben. Die ganze Stadt wurde erschüttert und eine baufällige Mauer, die an den Richtplatz grenzte, stürzte ein und begrub zwei böse Ratgeber des Quintianus unter ihrem Schutt. Das Volk stürmte herbei und schrie: „Lass ab von dieser, du ungerechter Richter; die Götter rächen die Unschuld!“ So befahl er, sie in das Gefängnis zurückzuführen, und verbarg sich selbst, um der Wut des zornigen Volkes zu entkommen.
Kaum war die Heilige wieder im Gefängnis, als sie ihre Hände zum Himmel erhob und betete: „Herr, mein Schöpfer! mein Schutz und meine Stärke von Jugend an, der du alle böse Neigung aus meinem Herzen vertilgt und meinen Leib unversehrt bewahrt hast, der du mir in den Martern die Gnade großer Geduld und den Sieg über die Wut grausamer Henkersknechte, über die Schrecken des Kerkers und des Feuers verliehen hast, zu dir flehe ich, dass du meinen Geist aufnehmest, denn der Augenblick ist jetzt da, dass ich die Erde verlasse und zu dir, Barmherziger, kommen werde.“ Also gab sie betend ihren Geist auf im Jahr nach Christi Geburt: zweihundertdreiundfünfzig.
Sobald es bekannt wurde, dass die heilige Jungfrau gestorben sei, kamen die Christen, trugen die heilige Leiche heraus, und ordneten alles zu einem anständigen Begräbnis. Fromme Frauen salbten den Leichnam mit köstlichen Spezereien. Als sie ihn mit großer Ehrerbietung in das Grab legten, sah man einen jungen Mann, umgeben von einer Schar lieblicher Kinder, auf das Grab zugehen. Herrlich und majestätisch war er gekleidet. Die Kinder waren alle mit glänzendweißen Gewändern angetan und trugen Kränze auf dem Haupt. Der junge Mann trat zu dem Sarg und nachdem er zu dessen Haupt eine Tafel aus Marmor befestigt hatte, verschwand er mit seinem ganzen Gefolge. Auf der Tafel aber standen die Worte: „Mentem sanctam, + spontanam, honorem Deo + et Patriä liberationem.“
Es ist fromme Gewohnheit, diese lateinischen Worte auf ein Papier zu schreiben, dieses segnen zu lassen und aufzubewahren. Diese Worte, welche eine sehr passende Grabinschrift für die heilige Agatha sind, heißen: „Ein heiliges, leitsames Gemüt zur Ehre Gottes und Befreiung des Vaterlandes.“ Halten wir also lieber Glauben und Treue unserem Gott, lassen uns leiten durch das göttliche Gesetz, sind eifrig im Dienst Gottes und wagen Leib und Leben zur Erhaltung des wahren Glaubens, suchen nicht eigennützig bloß unseren Vorteil, sondern auch den Nutzen unserer Mitchristen, dann verdienen wir über unserem Grab die Aufschrift: Hier ruht die irdische Hülle eines Christen, der ein heiliges und lenksames Gemüt hatte, Gott zur Verherrlichung und seinem Land zum Heil.
Gott verherrlichte seine Dienerin Agatha durch viele Wunder, die er bei ihrem Grab geschehen ließ.
Quintianus gierte nun nach den Gütern der getöteten Agatha. Seiner ungerechten Habsucht sollte seine Grausamkeit zu Hilfe kommen. Er ließ nichts unversucht, die nächsten Verwandten der heiligen Agatha aufzusuchen und aus dem Weg zu räumen. Allein Gottes strafende Gerechtigkeit machte seinen Grausamen Umtrieben bald ein Ende. Als er nämlich in dieser Angelegenheit ausgeritten war und über einen Fluss übersetzen wollte, stürzte er ins Wasser, in dem er seinen durch unzählige Ausschweifungen gezeichneten Geist aushauchte.
Ein Jahr nach dem Martertod der heiligen Agatha hat der Berg Ätna mit solcher Gewalt Feuer ausgespien und so viel Lava ausgeworfen, dass die Stadt Katana in die größte Gefahr kam zu Grunde zu gehen. In dieser schrecklichen Not haben einige ein bei dem Grab der heiligen Jungfrau befindliches Tuch genommen und es dem Lavastrom entgegen gehalten. Dadurch sei dem Strom sogleich Einhalt geschehen und die Stadt vor dem drohenden Untergang gerettet worden. Auf diese Begebenheit hin gründete sich der Brauch, die heilige Agatha in Feuersgefahr um ihre besondere Fürbitte anzusprechen, wobei der Christ jedoch nie vergessen soll, dass die Hilfe selbst nur vom Herrn kommt.
Die am jährlichen Gedächtnistag der heiligen Agatha in der katholischen Kirche übliche Brotweihe soll uns daran erinnern, dass wir das liebe Brot und alle anderen Speisen und Getränke mit herzlichem Dank an Gott und mit christlicher Mäßigkeit genießen und gern auch unseren dürftigen Brüdern und Schwestern etwas davon mitteilen sollen, so dass durch den Genuss der irdischen Gaben unsere geistliche Vervollkommnung befördert und vermehrt werde.
Nach Aussage der Feinde unserer heiligen Kirche herrschte im Mittelalter dunkle Nacht über Deutschlands Ländern. Wir sehen aber in dieser angeblichen Finsternis so viele glänzende Sterne am Himmel der katholischen Kirche, dass wir mit Bewunderung und inniger Freude zu ihnen aufschauen. Insbesondere begegnen uns aus den höheren und höchsten Ständen wissenschaftlich und religiös gebildete Frauen und Männer, die der Welt Lebewohl sagten und hinter stillen Klostermauern nach höherer Vollkommenheit strebten.
Auch Adelheid, die Tochter des Grafen Megengoz von Geldern, schätzte schon in früher Jugend die Reichtümer und Eitelkeiten der Welt gering, und strebte nach nichts so sehr, als das Gewand der Unschuld rein zu bewahren, mit dem die Verklärten im Himmel dem Lamm folgen, wohin es geht. Zur Jungfrau herangereift, nahm sie den Schleier im Kloster zu St. Ursula in Köln. Wegen ihrer ausgezeichneten Tugenden erwählte man sie bald zur Äbtissin. Als ihre Schwester, die Äbtissin des Klosters zu St. Maria im Kapitol zu Köln, starb, musste sie auf Befehl des Erzbischofs auch die Verwaltung dieses Stiftes übernehmen. Ihr einziger Bruder wurde ebenfalls von Tod hingerafft. Die tiefbetrübten Eltern erbauten nun zu Villich bei Bonn eine ansehnliche Kirche nebst Kloster und beriefen ihre Tochter dorthin.
Hatte Adelheid bisher nach der Klosterregel des heiligen Hieronymus gelebt, so führte sie in dem neuen Kloster die Regel des heiligen Benedikt ein, weil ihr diese schärfer und vollkommener erschien. Viele fromme Jungfrauen schlossen sich ihr an, erbauten sich an dem musterhaften Leben ihrer Vorsteherin und wetteiferten mit ihr in Fasten, Gebet und gottseligen Werken.
In ihrer Stellung als Vorsteherin des Klosters leuchtete Adelheid allen Ordensschwestern durch ihre Vollkommenheit vor und hegte zu ihnen eine so fürsorgliche Liebe für ihr geistiges und leibliches Wohlergehen, dass alle freudig ihren Anordnungen und Ratschlägen folgten. Ihre Lebensbeschreiberin, die Nonne Bertha, zeichnet das hochherzige und gottgefällige Leben der heiligen Adelheid in kurzen Zügen so: „Da die hl. Jungfrau nach dem Tod ihres Vaters mit ihrem Eigentum frei schalten und walten konnte, so sorgte sie besonders dafür, dass keine Nonne durch irgend eine Not abgehalten würde, den Weg der Tugend zu gehen und die Satzungen des hl. Vaters Benedikt zu erfüllen. Sie tat alles, was eine Mutter tun konnte; sie verschaffte ihnen alles Notwendige, Kleidung und Nahrung, damit ihre Untergebenen in nichts Schaden litten. Zur Winterszeit, nach vollendetem Frühchorgebet, ging sie wieder in das Schlafzimmer zurück, besah fleißig die Betten der Mädchen und sorgte selbst zugleich, dass sie gehörig erwärmt wurden. Den kranken Schwestern erzeigte sie besondere Liebe und Sorgfalt. Diese vertraute sie nach den Ordenssatzungen nicht nur erfahrenen und zuverlässigen Schwestern an, sondern sah auch, wenn sie nicht gerade verhindert war, selbst nach, kniete vor ihre Betten hin, ordnete die Kissen und reichte ihnen freundlich Arzneien und Speisen. Dabei wurde sie von solchem Mitleid erregt, dass ihr die Tränen über die Wangen herabflossen, als ob sie die Mutter der Kranken gewesen wäre. Ihre größte Sorge war, die Kranken durch geistliche Gespräche zur Geduld und Ergebung in Gottes Willen aufzumuntern.“
Ihre barmherzige Liebe und mütterliche Sorgfalt beschränkte sich aber nicht auf die Nonnen ihres Klosters, vielmehr dehnte sie auch auf die Kranken und Armen der Nachbarschaft ihre wohlwollende und werktätige Liebe aus. Täglich ließ sie fünfzehn Armen außerhalb des Klosters Nahrung reichen, sorgte aber zudem noch für alle, deren Hilfsbedürftigkeit ihr bekannt wurde. Man verehrte sie deshalb allgemein als die gute Mutter der Armen. Damit sie auch nach ihrem Tod ihre Nächstenliebe fortsetzen könne, bestimmte sie zum Unterhalt von mindestens fünfzehn Notleidenden ein Landgut, das ihr durch Erbschaft zugefallen war.
Viele Jahre hatte die heilige Adelheid ihrem Kloster vorgestanden und einen reichen Schatz von Verdiensten für die Ewigkeit gewonnen, als ihr Gott in einer schmerzlichen Halskrankheit ihre baldige Befreiung von den Banden des Fleisches ankündigte. Mit großer Andacht empfing sie die heiligen Sterbesakramente, erweckte fromme Tugendübungen und verschied im Kloster St. Maria zu Köln im Jahr 1015, am 5. Februar. Die Klosterfrauen zu Villich baten den Erzbischof dringend, ihnen den Leib ihrer heiligen Äbtissin verabfolgen zu lassen, was er bereitwillig gestattete. Ihr Fest wird dort mit Oktav gefeiert.
1. Wenn dein ewiges Heil dir am Herzen liegt, so sei wachsam, allen näheren Umgang mit verkehrten und lasterhaften Menschen zu meiden. Denn nicht nur schadest du dadurch deinem guten Ruf bei allen Guten, sondern du selbst auch wirst bald werden wie diejenigen, mit denen du umgehst. Das Böse ist seiner Natur nach ansteckend, und wird leichter als das Gute angenommen. Denn unser eigenes Herz ist heimlich dazu geneigt, und es gelüstet ihm gern nach Verbotenem. Kein Kranker wird gesund, weil er mit Gesunden umgeht, aber gar leicht wird krank, wer viel mit Kranken umgeht.
2. Kein Verworfener ist in der ewigen Verdammnis, der nicht klagte, das böse Beispiel habe ihn dahin gebracht. Wer auch kann je lange unter unkeuschen Menschen sich rein erhalten? Wer lange mit Aussätzigen zusammen leben, ohne selbst aussätzig zu werden? Gern ahmt man solchen nach, die man achtet, und verlernt unter ihnen allmählich den Abscheu vor den Bösen, bis man zuletzt schlimmer wird als sie. Wie viele, die nichts weniger dachten, haben auf diese Weise Glauben und Sitten verloren. Wären also solche Menschen dir auch lieb wie deine Augen, notwendig wie deine Hände, nützlich wie deine Füße, so ermahnt dich dennoch der Herr, sie abzusondern und zu entfernen, wenn du nicht willst in das ewige Feuer geworfen werden.
3. Fürchte dich nicht, solchen zu missfallen, die Gott missfallen. Meide diejenigen, die von Gott sich entfernen, und von denen Gott sich entfernt. Beleidige die Gnade Gottes nicht dadurch, dass du in die Gefahr dich begibst, sie zu verlieren, denn die Gelegenheit ist eine mächtige Feindin, und viele fanden darin den Tod ihrer Seele. Wir selbst geben dem Feind Waffen gegen uns in die Hände, denn er ist nur stark durch unsere Schwäche, oder vielmehr durch unsere Vermessenheit. Wenig vermag er über uns, wenn wir nicht selbst in die Schlinge gingen, die er durch die Gelegenheit uns gibt. Jesus Sirach 13,1+13: "Wer Pech anrührt, dem klebt es an der Hand; wer mit einem Zuchtlosen umgeht, nimmt seine Art an. Gib acht, und sei vorsichtig, geh nicht mit gewalttätigen Menschen!"
Gebet des Pater Cyrillus von der Mutter Gottes zum Prager Jesulein:
O Jesulein, zu dir fliehe ich,
durch deine Mutter bitt’ ich dich,
aus dieser Not woll’st retten mich;
denn wahrhaft glaube ich an dich,
dass du, o Gott, kannst schützen mich.
Vertrauend hoffe ich auf dich,
dass deine Gnad’ werd’ finden ich.
Aus ganzem Herzen lieb’ ich dich,
drum meine Sünden reuen mich,
von denen, flehend bitt’ ich dich,
Jesus, woll’st befreien mich.
Mein Vorsatz ist, zu bessern mich,
und nicht mehr zu betrüben dich,
darum dir ganz ergeb’ ich mich,
zu leiden mit Geduld für dich
und dir zu dienen ewiglich.
Den Nächsten aber gleich wie mich
will wegen deiner lieben ich.
Jesulein, ich bitte dich,
aus dieser Not woll’st retten mich;
dass einstens kann genießen ich
mit Joseph und Maria dich
und allen Engeln ewiglich.
Wir bitten Dich, allmächtiger Gott, gib, dass die Fürsprache der heiligen Gottesmutter Maria, aller heiligen Apostel, Märtyrer, Bekenner und Jungfrauen, und aller Deiner Auserwählten uns überall erfreue, damit wir, ihre Verdienste feiernd, die Macht ihres Beistandes erfahren. Durch ihn, unseren Herrn Jesus Christus, Deinen Sohn, der mit Dir lebt und herrscht in der Einheit des Heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Kirchengebet am 4. Februar
O Gott, der Du den heiligen Blutzeugen Johannes zur Verbreitung des katholischen Glaubens unter der Indern mit unbesiegbarem Starkmut erfüllt hast; verleihe gnädig durch seine Verdienste und Fürsprache, dass wir, die wir das Gedächtnis seines Sieges feiern, auch dem Beispiel seines Glaubens nachfolgen, durch Christus, unseren Herrn. Amen
Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Andreas Corsini
O Gott, der Du Deiner Kirche immer neue Beispiele der Tugend leuchten lässt, verleihe uns durch die Fürbitte des heiligen Andreas die Gnade, in seine Fußstapfen zu treten, dass wir auch zur ewigen Belohnung gelangen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Gebet der Kirche
O Gott, Du hast durch die selige Johanna eine neue Genossenschaft Dir geweihter Jungfrauen zur Nachahmung der Tugenden der seligsten Jungfrau und Mutter Deines Sohnes gründen wollen; gewähre durch deren Verdienste und Fürbitte, dass auch wir denselben Tugendbeispielen nachfolgen mögen. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
Nach der Meinung vieler Schriftsteller geschah am heutigen Tag die Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten. Heute wurde auch in den jungfräulichen Klöstern der Annonciaden in Frankreich das Fest der zehn Haupttugenden Mariä begangen, die da sind: ihre Keuschheit, Klugheit, Demut, Glauben, Andacht, Gehorsam, Armut, Geduld, Liebe, Mitleiden.
Johannes war zu Lissabon am 1. März 1647 von vornehmer Familie geboren. Wegen seiner vorzüglichen Eigenschaften kam er als Mitschüler der jungen Prinzen an den Hof. Seine Mutter hatte ihn so gut erzogen, dass in dieser gefährlichen Stellung seine Tugend nicht nur keinen Schaden litt, sondern zu immer größerer Vollkommenheit sich entwickelte. Allgemein hieß er der Heilige und der Märtyrer. Als ihn im zwölften Jahr eine lebensgefährliche Krankheit überfiel, weihte die Mutter ihn dem heiligen Franz Xaver und gelobte diesem, wenn ihr Sohn genese, er ein Jahr lang das Jesuitenkleid tragen solle. Der junge Page erlangte die Gesundheit und erschien am Hof im Ordenskleid. Von da an war sein heißester Wunsch, in die Fußstapfen des heiligen Franz Xaver zu treten.
In seinem sechzehnten Lebensjahr verließ Johann von Britto den Glanz des Hofes und trat am 17. Dezember 1662 in das Noviziat der Gesellschaft Jesu. Nach der Priesterweihe wurde er auf seine inständige Bitte als Missionar für Indien bestimmt. Am 25. März 1673 fuhr er von Lissabon ab. Auf dem Schiff erhielt er wegen seiner großmütigen Aufopferung für die Kranken den Namen eines neuen Xaver. Im September lief das Schiff in den Hafen von Goa ein. Schon bald bewarb sich Britto um die schwierige Mission von Madura. Mit unermüdlichem Eifer begann er seine apostolische Tätigkeit. Es ist kaum zu glauben, wie viele und wie große Entbehrungen und Widerwärtigkeiten aller Art er mit Freuden erduldete. Seine Nahrung bestand in einigen Früchten. Wein, Fleisch und Fisch genoss er nie. Die mühevollsten Reisen machte er unter den glühenden Strahlen der indischen Sonne und gewöhnlich mit nackten Füßen. Beständig war er den Feindseligkeiten der Brahminen, den Nachstellungen der Räuber und anderer Lebensgefahren ausgesetzt. Vierzehn Jahre hatte er so für das Heil der Seelen mit außerordentlichem Erfolg gearbeitet, da gelang es den Brahminen, ihn ins Gefängnis zu werfen. In einem Brief vom 30. Juli 1686 schreibt er unter anderem: „Wir wurden mit Fußtritten, Faustschlägen, Stockprügeln und aller schlechten Behandlung überhäuft; endlich in Eisen gelegt und verurteilt, in Stücke gehauen zu werden.“ Aber vor den König geführt, verteidigte der Heilige so überzeugend die christliche Religion, dass er freigelassen wurde. Bald darauf reiste er in Missionsangelegenheiten nach Europa. In Lissabon wollte der König seinen ehemaligen Gespielen und Edelknaben als Erzieher seines Sohnes zurückhalten. Nun galt es! Auf der einen Seite die Gunst des Königs und der Großen des Reiches, Ehren und Würden, ein angenehmes Leben am königlichen Hof; auf der anderen Seite ein schlichter, einfacher Missionar, ein Leben voller Entbehrungen und Entsagungen, verfolgt und geächtet, die Aussicht auf einen schrecklichen Martertod. Was wird Johannes wählen? Sein Apostelherz kennt nur eine Antwort: „Was würde der heilige Ignatius und der heilige Franz Xaver, was würde mein Herr und Meister, der Heiland, sagen, wenn ich den Kelch an die Lippen gesetzt hätte, aber nicht den Mut zeigte, ihn vollends auszutrinken?“ Zum zweiten Mal geht die beschwerliche Reise nach Indien. Die Würde eines Missionsbischofs schlug Johannes bescheiden aus; er will wieder unter seinen Parias, der verachtetsten Volkskaste, sein.
In Marava hatte Johannes die Freude, in kurzer Zeit über zehntausend Heiden taufen zu können. Auch ein Prinz, der wunderbar geheilt wurde, wünschte Christ zu werden. Er entließ alle seine Frauen bis auf eine, die er zuerst geheiratet hatte. Aber eine der Entlassenen, eine Verwandte des Königs, stachelte ihn und die Brahminen gegen den Verhassten Missionar auf. Britto erkannte die drohende Gefahr. Aber mit apostolischem Freimut verteidigte er wie Johannes der Täufer das göttliche Gesetz der Ehe. Am Tag, den er vorausgesagt hatte, wurde er verhaftet und in den Kerker geworfen. Das Urteil lautete: Tod durch das Schwert.
Nur mehr etwa fünfzehn Monate war Johannes in Indien tätig gewesen. „Mein Haupt,“ hatte er öfter gesagt, „bewahre ich für den König von Marava auf. Um es ihm zu überliefern, bin ich nach Indien zurückgekehrt.“ Am 4. Februar 1693 führte man ihn auf den Richtplatz. Sein Antlitz strahlte von himmlischer Freude. Er kniete nieder und betete wie in Verzückung. Bei diesem Anblick zaudert der Scharfrichter, das Schwert zu schwingen. Da erhebt der Heilige sich, umarmt ihn und ermuntert ihn seine Pflicht zu tun. Dann kniet er wieder nieder und neigt den Kopf zum Todesstreich. Der erste Hieb schlägt eine tiefe Wunde in die Schulter, der zweite trifft den Nacken, erst beim dritten Schwertstreich rollt das Haupt in den Staub. Der Henker hieb noch Hände und Füße ab und hing sie mit dem Kopf an den dazu errichteten Pfahl. Fast lautlos entfernte sich die Menge, die Heiden erstaunt über den Heldenmut des Martyrers, die Christen glücklich, einen Glauben zu bekennen, der mit dem Blut ihres Apostels besiegelt ist. Johannes de Britto wurde am 21. August 1853 von Papst Pius IX. selig- und am 22. Juni 1947 von Papst Pius XII. heiliggesprochen.
Auf die Ehre der Welt hat Johannes de Britto verzichtet, dafür ist ihm die Ehre des Himmels zuerkannt worden. Viele Menschen machen es umgekehrt. Wer nun handelt weise?
Kirchengebet am 4. Februar
O Gott, der Du den heiligen Blutzeugen Johannes zur Verbreitung des katholischen Glaubens unter der Indern mit unbesiegbarem Starkmut erfüllt hast; verleihe gnädig durch seine Verdienste und Fürsprache, dass wir, die wir das Gedächtnis seines Sieges feiern, auch dem Beispiel seines Glaubens nachfolgen, durch Christus, unseren Herrn. Amen
Die Kirche feiert das Andenken dieser Heiligen am 4. Februar. Uns allen tritt diese edle Frauengestalt so oft lebendig vor Augen, so oft wir die 6. Station des heiligen Kreuzweges beten oder betrachten.
Wir können das Andenken der heiligen Veronika nicht besser feiern, als wenn wir recht innig die große feierliche Begebenheit betrachten, wie sie dem göttlichen Heiland das Schweißtuch darreicht.
1.
Achtzig Schritte von der Stelle, wo Simon von Cyrene zum Kreuztragen gezwungen wurde, stand ehemals das Haus der Veronika. Uralte Handschriften nennen diese Frau Berenice. Hier soll sie aber den Namen „Veronika“ behalten, denn Veronika heißt auf Deutsch „wahres Bild“ und weil Christus in ihr Tuch das wahre Bild seines Antlitzes eindrückte, so ging dieser Name „Veronika“ auch auf die Besitzerin des Tuches über. Man nimmt gewöhnlich an, dass sie bereits eine Jüngerin Jesu war und von seiner Unschuld, sowie von der Göttlichkeit seiner Sendung vollkommen überzeugt war, weshalb ihr sein Leiden um so tiefer zu Herzen ging.
Veronika tritt, als sich der Zug nähert, aus der Tür ihres Hauses auf die Straße. Sie trug um das Haupt ein Tuch, das über die Schulter herabhing. Solche Tücher, etwa dreimal so lang als breit, trugen nach damaliger Art die Frauen um Haupt und Nacken, auch ein zweites um die Schulter gewunden, beide von feiner Wolle. Es war auch Sitte, Trauernden und Weinenden oder Ermüdeten damit entgegenzutreten, um ihnen die Tränen oder Schweißtropfen vom Gesicht abzutrocknen. Veronika sieht Jesus mühselig einherschwanken. Seine Kräfte sind gebrochen, die Hitze der morgenländischen Mittagssonne brennt scharf auf sein dornenumflochtenes Haupt nieder, Blut und Schweiß mischen sich untereinander und fallen in schweren Tropfen von Stirn und Angesicht herab.
Von Liebe und Mitleid fast außer sich, dringt Veronika durch den Haufen der Soldaten, löst eilends ihr Tuch vom Haupt und hält es dem Heiland kniend als Schweißtuch entgegen. Der Herr nimmt es mit Wohlgefallen an, drückt es gegen sein schweiß- und blutbenetztes Angesicht und gibt es mit einem Blick des innigsten Dankes der Veronika wieder zurück.
Diese nicht achtend des Gespöttes wie der Flüche der grausamen Peiniger, drückt das Tuch wie ein hochgeweihtes Andenken an ihr Herz, eilt damit zurück in ihr Haus, legt es ausgebreitet auf den Tisch hin und sinkt mit einem Schrei der seligsten Überraschung auf ihre Knie nieder, denn auf dem Tuch erblickt sie das blutige Angesicht ihres armen Jesus in seiner Jammergestalt wunderbar abgedrückt. O welch ein kostbares und teures Geschenk seiner Liebe!
Nach den Angaben der Tradition kam das heilige Schweißtuch in den Besitz des heiligen Clemens, der nach Petrus der dritte Papst war. Es wurde durch die Jahrhunderte hindurch in großen Ehren gehalten. Papst Paul V. setzte es nach prachtvoller Prozession in der Peterskirche bei, wo es bis heute aufbewahrt wird. Am Karfreitag wird es alljährlich zur Verehrung ausgestellt.
2.
Der Heiland gibt sein Bild einer Frau, weil sie ihm auf dem Leidensweg in so liebevoller Weise beigestanden ist.
Welch ein preiswürdiges Vorbild ist die edle Veronika für alle christlichen Frauen und Jungfrauen!
Eilt auch ihr zu Jesus, weiht ihm eine Träne des Mitleids, bietet ihm das Schweißtuch dar, das heißt, tröstet ihn in den Kranken, helft ihm in den Armen, trocknet sein Blut und seine Tränen in den Unglücklichen, ihr könnt und sollt ihm diesen Dienst erweisen. „Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan, das habt ihr mir getan.“ Fürchtet nicht den Spott und die Missachtung einer ungläubigen Mitwelt. Seid stark im Glauben und in der Liebe zu Jesus. Der lebendige Glaube ist eure schönste Krone. Eine Frau ohne Glauben gleicht einem Stängel ohne Blume. Aus diesem Glauben kommt die wahre und reine Liebe. Das ist euer Schmuck. Eine Frau ohne die christliche Liebe ist gleich einer Blume ohne Farbe und Duft. Die Schöpferhand Gottes hat den Glauben und die Liebe als zarte Pflanzen in euer Herz gelegt, veredelt sie im Sonnenglanz der göttlichen Liebe Jesu und zieht sie groß.
Gott hat deshalb diese edlen Anlagen und Gefühle in eure Seelen gelegt, dass ihr sie pflegt und heiligt und sie ihm zum Opfer hingebt. Bringt ihm dieses Opfer und er wird euch belohnen wie Veronika, er wird die Züge seines heiligsten Bildes auch in eure Seelen drücken. Für den kleinen Dienst erhaltet ihr große Belohnung.
3.
Christliche Frau! Das Leiden ist ganz besonders dein Los und Anteil, du hast es in noch größerem Maß zu kosten als der Mann. Aber deine Stärke, dein natürlicher Adel ist das Mitleid mit den Leidenden. So trage dein Leiden Jesus zu Liebe und es wird versüßt: zeige das Mitleid wo und wie du kannst, dann wirst du eine wahre Veronika, das heißt, das „wahre Abbild“ Jesu Christi, dann wird das göttliche Passionsbild Zug für Zug in deine Seele gezeichnet, und dieses Bild wird sich verklären nach dem Bild der Herrlichkeit des göttlichen Sohnes. So steigst du empor zu deiner ursprünglichen Würde und Hoheit.
Euch, ihr christlichen Frauen und Jungfrauen, hat der Heiland mit seinem Bild beschenkt, weil er euch die Liebe und das Mitleid tief ins Herz gepflanzt hat. Darum gebt Acht auf diese zarten Regungen der Natur, helft, tröstet, leidet, das ist euer Ruhm, das eure Größe, das eure Zierde für Zeit und Ewigkeit.
Doch Ehre sei Gott und Preis seiner göttlichen Führung!
Die christliche Frau hat dieses Geheimnis erfasst, sie ist in der Tat die mitleidige Veronika. Sie opfert sich dem Dienst der kranken und leidenden Menschheit in den verschiedenen Orden der Wohltätigkeitspflege und hält so dem Herrn das Schweißtuch dar. Sie eilt in stiller Stunde in das arme Stüblein eines Verlassenen und bringt ihm Labung und Trost, Labung für den Leib, Trost für das Herz.
Sie sitzt Tage und Nächte lang am Krankenbett ihres Mannes, ihrer Eltern, ihrer Kinder, und ermüdet nicht in diesem opferreichen Beruf. Sie ist bemüht, die Schmerzen zu lindern, das Elend zu mildern, sie ist ein tröstender Engel der leidenden Menschheit. Und das ist ihre Stärke, ihr schönster Schmuck, ihr höchster Adel. Christliche Frauen, verleugnet niemals das angeborene Mitleid, seid entschlossen, wo es gilt, Gutes zu tun. Nehmt euch ein Beispiel an Veronika und euer Lohn wird groß sein im Himmel, und ihr werdet einst als Engel der Liebe und Erbarmung glänzen vor dem Thron des göttlichen Lammes.
4.
Veronikas Begegnung mit dem Heiland und die Darreichung ihres Schleiertuches ist eigentlich der einzige Lichtpunkt auf seinem Leidensweg, keine einzige Wohltat wurde dem armen Jesus erwiesen. Simon wurde zum Kreuztragen gezwungen und kam erst nach und nach zur Einsicht der ihm aufgenötigten Gnade, sogar die Begegnung mit seiner heiligsten Mutter war für ihn mit großem Leid verbunden, die mitleidigen Frauen von Jerusalem konnten ihn nicht trösten, sondern nur traurig stimmen, weil sie selbst keinen Trost zu bieten hatten – und so folgte im ganzen langen Lauf des Kreuzweges Schmerz auf Schmerz, Schmach und Entehrung, Todesangst und Schrecken bis zur letzten schlimmsten Verlassenheit auf dem Kreuzesstamm und dem „Consumatum est“ (Es ist vollbracht) des göttlichen Dulders.
Einzig schön und freundlich leuchtet Veronikas Liebestat aus all diesem Wehe hervor. Eine Tat so einfach, so voll des besten Willens, wie nur die liebende Seele sie erfindet und vollbringt. Und der Heiland hat sie angenommen, hat sie in seiner unendlichen Güte und Erbarmung verklärt und verewigt als eine ihm in höchster Bedrängnis erwiesene Wohltat.
Wo immer seither der Kreuzweg gebetet wird, wird auch der edlen Frau gedacht, ihre Tat bleibt in ständiger Erinnerung aller gläubigen Herzen, sie wird nie mehr vergessen werden für alle Zeiten!
* * *
Aus dem Lexikon für Theologie und Kirche:
Veronika von Jerusalem, Name einer legendären Frau, die in einer reichen und verworrenen Legendenentwicklung vom 4. bis 16. Jahrhundert immer neue, konkretere Züge erhält und im Spätmittelalter in Verbindung mit einem vielverehrten Christusbild zur volkstümlichen Heiligen wird. Anfang des 4. Jahrhunderts sehen die palästinensischen Christen in einer Bronzegruppe eines stehenden Mannes und einer knieenden Frau zu Paneas das Standbild, welches die blutflüssige Frau (Mt 9,20 u. Parall.) zum Dank für ihre Heilung dem Herrn habe errichten lassen und das man auf dem Lateransarkophag nachgebildet sehen möchte. Im Abendland wird die blutflüssige Frau mit Martha von Bethanien identifiziert; im Osten führt sie schon im 4. Jahrhundert den Namen Berenike oder Beronike und tritt als Zeugin gegen Pilatus auf. In der Weiterentwicklung der Pilatuslegende, vor allem in der norditalienischen Cura sanitatis Tiberii (zwischen 6. u. 8. Jahrh.) und der südgallischen Vindicta Salvatoris, wird in vielerlei Varianten berichtet, dass der schwerkranke Kaiser Tiberius, um Heilung durch Jesus zu finden, einen Boten nach Palästina schickte, der aber dort vom Kreuzestod des Herrn hörte, darauf Pilatus gefangen setzen ließ und die geheilte Blutflüssige mit einem Bild, das sie noch zu Lebzeiten Christi habe malen lassen, nach Rom brachte, wo der Kaiser beim Anblick alsbald geheilt wurde und sich taufen ließ. Das Bild habe der Kaiser in kostbare Steine fassen lassen. In dieser älteren Berichtsform, die vor allem die Bestrafung des Pilatus und der Juden betonen will, sind Veronika und ihr Bild nur von nachgeordneter Bedeutung. Eine jüngere Legende dagegen weiß, dass Veronika in Rom blieb, Umgang mit Petrus und Paulus hatte und das Christusbild beim Tod dem heiligen Klemens vermachte. Nach der Cura sanitatis Tiberii hat sie das Bild, auch Tuch der Veronika genannt, aus Verehrung für Christus malen lassen; nach jüngerer Version sei ihr, als sie mit dem Tuch zum Bemalen unterwegs war, Christus begegnet, habe es an sein Gesicht gedrückt und seine Züge ihm eingeprägt, nach anderer Fassung, erst nachdem Lukas 3mal vergeblich versucht, die Gesichtszüge festzuhalten. Wieder nach anderen habe Christus, als er ermüdet bei Veronika anlangte, ein Tuch zum Abtrocknen erbeten und darauf sein Bild hinterlassen. In dieser gesamten älteren Veronikaüberlieferung ist nie die Rede davon, wo dieses Bild verblieben ist. In Rom aber steht ein Christusbild in der Peterskirche, dessen Herkunft unsicher, dessen Identität mit einem dort schon im 8. Jahrhundert erwähnten nicht beweisbar ist, seit dem 12. Jahrhundert in hoher Verehrung. Es wurde im Oratorium S. Maria ad praesepe aufbewahrt und von Cölestin III. 1197 unter ein prächtiges Ziborium gebracht. Durch Tiberius sei es nach Rom gekommen, heißt Sudarium, womit der Herr seinen Blutschweiß im Ölgarten getrocknet, auch vultus effigies und im Volksmund Veronyca, Veronica; eine Beziehung zur älteren Veronikalegende wird abgelehnt, die Bezeichnung rühre vielmehr von einer Bildbeischrift vera icon her. Daraus auch die ganze Veronikalegende abzuleiten, geht nicht an, da sie viel älter ist. Nach J. Wilpert besteht das heutige Sudarium in St. Peter aus Linnen mit rostbraunen Flecken, auf das Ende des 12. Jahrhunderts ein eigentliches Bild Christi aufgelegt worden sei. Das römische Sudarium wurde oft nachgebildet; manche Repliken kamen wieder zu höchstem Ansehen, wie die von Jaen, Montreuilles-Dames, in S. Silvestro in Capite und S. Maria Maggiore in Rom, S. Bartolomeo degli Armeni in Genua, Cadouin.
Im weiteren Mittelalter besaß fast jede Kirche ein derartiges Bild, in Tafel- oder Wandmalerei oder in Stickerei. Lange nur einfache Darstellungen des lebenden, verklärten Heilandes, ohne Andeutung des Leidens, zeigen sie später die Spuren und Beigaben der Passion (Bluttropfen, Dornenkrone). Die Entstehung des Urbildes wird nun unter der für das Leiden Christi interessierten Zeitströmungen mit dem Kreuzweg in Verbindung gebracht; während desselben habe Veronika, erst in späterer Vorstellung eine der weinenden Frauen, dem Herrn ihr Tuch gereicht, um das vom Blutschweiß entstellte Gesicht abzutrocknen. Die Passionsspiele und die Itinerarien, die auf der Via dolorosa genau das Haus der Veronika und die Stelle der Tuchreichung verzeichnen, gestalten diesen Zug für die Volksvorstellung wie für die Kunst besonders fruchtbar. Das Bild Christi erscheint jetzt auf einem Tuch, gehalten von den Apostelfürsten, Engeln, meist von Veronika selber. Ihr legendäres Bild ist jetzt voll ausgereift; sie ist Heilige, deren Fest seit Ende des 15. Jahrhunderts am 4. Februar gefeiert wird, verehrt gegen Blutfluss. Nach anderer Legende ist sie Gespielin Mariens, kommt später mit ihrem Mann Amator nach Gallien und fördert dort das Missionswerk des heiligen Martial; ihr Leib wird in Soulac verehrt. Die kritische Forschung wie kirchliche Stellen haben früh den geschichtlichen Charakter der Veronikalegende abgelehnt. Unter Veronikas Schutz haben sich gestellt: Das Veronikawerk für katholische Pfarrhausangestellte in Baden und die Katholischen weltlichen Schwesternschaften Veronika in München.
1. Niemals wirst du zu dem wahren Frieden der Kinder Gottes gelangen, so lange du dein Herz nicht von dieser Welt entfesselst, weil du niemals zur Freiheit gelangen kannst, sondern, je nach ihrem beständigen Wechsel, bald fröhlich, bald betrübt und verwirrt sein wirst. Nicht umsonst verglichen alle heiligen Lehrer die Welt dem Meer, wo beständige Stürme herrschen, wo alle Fluten bitter sind, wo die kleineren Fische beständig von den größeren verschlungen werden, und wo die Schiffer in fortwährender Gefahr schweben, durch Schiffbruch umzukommen. Denn also verhält es sich genau mit der Welt. Wie aber kann je eine christliche Seele diese Welt lieben, und ihr Herz an sie setzen.
2. Indessen können wir dennoch manches von den Schiffern lernen, um unsere eigene Schifffahrt auf diesem sturmbewegten Meer zu ordnen. Fahren nämlich auch die Schiffer auf dem Meer, so trinken sie doch niemals von seinen salzigen Gewässern. Auch halten sie sich nicht auf, ob sie auch an noch so schönen Städten oder Inseln vorüber segeln, sondern sie benützen den günstigen Wind, um in ihrer Fahrt weiter zu kommen, und ihr Ziel zu erreichen, denn nicht das Meer ist ihr ständiger Aufenthalt. Sie segeln nur hindurch und blicken oft zum Himmel und zu den Sternen, den Lauf ihres Schiffes recht zu richten, damit sie den ersehnten Hafen nicht verfehlen.
3. Schließlich sind auch alle Schiffer unablässig beschäftigt. Einige sind bestimmt, das Schiff zu leiten, andere, die Segel aufzuspannen oder einzuziehen. Andere stehen am Ruder, und jeder hat daselbst seine eigene, vom obersten Befehlshaber ihm angewiesene Arbeit, die so lange dauert, als die Schifffahrt selbst, damit sie die Schätze, die sie mit sich führen, glücklich in die Heimat bringen. Also sollen auch wir während unserer Schifffahrt getreu in dem Beruf arbeiten, den Gottes Vorsehung uns angewiesen hat, und diese Welt nur im Vorübergehen gebrauchen. "Denn wir haben hier keine bleibende Stätte, sondern wir suchen die künftige", spricht der Apostel. Psalm 39,13: "Höre mein Gebet, Herr, vernimm mein Schreien, schweige nicht zu meinen Tränen. Denn ich bin nur ein Gast bei dir, ein Fremdling wie all meine Väter."