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8. Dezember: Hochfest der Unbefleckten Empfängnis der allerseligsten Jungfrau Maria. Ohne Erbsünde empfangene allerseligste Jungfrau Maria.

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  • Thema von Blasius im Forum Die allerseligste J...



    Mutter der Göttlichen Vorsehung!

    Wie traut und beruhigend das klingt!

    Was mag es uns zu sagen haben?




    In allererster Linie möchte es uns wohl darauf aufmerksam machen, wie Mariens irdisches Leben von Gottes ausgesuchtester Vorsehung geleitet war. Man kann sie sich doch am wenigsten fortdenken von einem Menschenkind, das eigens zur Ausführung der Pläne Gottes erdacht und zur Vollendung seiner feinsten Werke erschaffen worden war. Denken wir etwa bloß an Mariens Sündenlosigkeit. Durch eine Welt zu pilgern, die so sehr im Argen liegt, das St. Paulus meint, man müsse aus ihr herausgehen, wenn man mit dem Bösen keine Berührung mehr haben wollte, durch eine solche Welt viele Jahrzehnte hindurchzupilgern, wie Maria es tat, ohne mit dem geringsten Sündenstäublein sein Herz zu belasten, kann gar nicht gedacht werden, es sei denn, Gott sende eigens seine Engel, damit der Auserwählten Fuß an keinen Stein sich stoße, unbeschadet über Schlangen und Skorpionen gehe und inmitten von Drachen und Löwen unverletzt verweilen könne.



    Niemand anders hat Maria im heiligen Josef jenen Ehegemahl zugeführt, mit dem sie in jungfräulicher Liebe verbunden sein konnte, als die Vorsehung des Allerhöchsten. Darum hat die christliche Phantasie diese Wahl mit entzückenden Geschichten ausgeschmückt, und zahlreiche Künstler haben es auf ihren Bildern so gezeichnet. Wie sehr bedurfte doch die Jungfrau von Nazareth, die die Eltern nach ihrem maßgebenden Willen und des Landes Sitte verehelichen wollten, der göttlichen Vorsehung, da sie still im Herzen ihrem Gott sich gelobt hatte. Wie vertrauend empfahl die junge Mutter die Zeichen ihrer heiligen Schwangerschaft dem göttlichen Wegführer, als sie im Gesicht ihres heiligen Bräutigams die Merkmale seines Bedenkens nicht mehr übersehen konnte. Unsere Maler haben gerne die Engel gezeichnet, die die Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten vor dem Mordstrahl des Herodes beschützen sollten. Wie mag die besorgte Mutter sich und ihr Kind der göttlichen Vorsehung empfohlen haben, als sie es auf der traurigen Rückkehr zum Tempel in Sehnsucht suchte. So wird es noch mehrfach in ihrem Erdenleben gewesen sein, da es von Leid und Schmerz gekennzeichnet ist. Wer könnte sich daher liebend in Mariens Leben vertiefen, ohne sich ganz vertrauend der göttlichen Vorsehung anheimzugeben, wie sie es tat?



    Mutter der Göttlichen Vorsehung hat vielleicht einen noch tieferen Klang. Ist denn je aus Gottes Vorsehungsplänen etwas Vorzüglicheres und Feineres hervorgegangen als Mariens Kind, der Menschheit Erlöser? Wird es doch deswegen der Bote des großen Ratschlusses genannt, jener göttlichen Beratung über der Menschen Fall und Wohl, dem das menschgewordene Erbarmen Gottes in Mariens Mutterschoß zu verdanken ist. Es ist so, als ob Maria in ihrem Schoß Gottes gesamte Vorsehung umschlossen und mütterlich gehegt hätte. Mutter der Göttlichen Vorsehung! Wie traut und fein!



    Ist sie es nicht auch heute noch, da ihr der Herr das Amt der Gnadenausteilung anvertraute? Bahnt sie nicht gleichsam im Himmel droben der göttlichen Vorsehung um unserer Seelen Heil die Wege? Durchdringt sie deren Pläne nicht mit ihrem fürbittenden Gebet? Vertraut darum nicht das Christenherz Mariens Schutz seine Wege an, die es bei der Mutter der Göttlichen Vorsehung am besten empfohlen weiß?



    Kirchengebet



    Gott, deine Vorsehung täuscht sich in ihren Anordnungen nicht. Wir bitten dich flehentlich, halte auf die Fürbitte Mariä, der seligen Jungfrau und Mutter deines Sohnes, alles Schädliche von uns fern und gewähre uns all das, was uns heilsam ist.



    Zur Geschichte des Festes: Ein Fest zu Ehren der „Mutter der Göttlichen Vorsehung“ ist schon vor 1660 bekannt. Die Theatiner in Lissabon feierten es. 1831 wurde die Erlaubnis der Festfeier auf alle Kirchen der Theatiner ausgedehnt. – Aber auch in Genua war das Fest nicht unbekannt.



    Seit dem Jahr 1732 eiferten vor allem die Barnabiten für die Verehrung Unserer Lieben Frau von der Vorsehung. 1744 wurde eine Erzbruderschaft unter diesem Titel gegründet, die in der Kirche S. Carlo ai Catinari in Rom ihre Zentrale hat, wo sich ein Gnadenbild Unserer Lieben Frau von der Vorsehung befindet. Aber nicht überall wird das gleiche Bild verehrt. Sogar die einzelnen Altäre dieser Erzbruderschaft zeigen in verschiedenen Kirchen auch verschiedene Bilder. – In Messina in Sizilien wurde bereits 1610/11 eine Kirche gebaut, die der Gottesmutter unter diesem Titel geweiht ist. Sie ist das Votivgeschenk der Stadt für die Errettung aus großer Hungersnot, die durch eine langanhaltende Dürre verursacht war. Von Rom aus wurde auch die Erlaubnis zu einem entsprechenden Marienfest gegeben, das aber auf Messina beschränkt blieb. – Verschiedene religiöse Genossenschaften, die der Vorsehung geweiht sind, feiern auch das Fest der „Mutter der Göttlichen Vorsehung“.


    (Prof. Dr. Carl Feckes, So feiert dich die Kirche, Steyler Verlagsbuchhandlung, 1957)


    Liebe Grüße, Blasius

  • Thema von Blasius im Forum Wort- und Begrifferklä...




    Beispielsammlung aus der Heidenmission für den christlichen Unterricht

    Es ist heilige Pflicht, dem heidnischen Götzendienst ein Ende zu machen
    Missionsgedanken

    Erstes Gebot Gottes – Die Verehrung und Anbetung Gottes ist die höchste Pflicht

    Die Pflicht der Gottesverehrung ist allen Völkern unaustilgbar im Bewusstsein eingegraben. Darum finden wir auch tatsächlich kein Volk, das nicht irgendwelche Form von Religion und religiösen Gebräuchen hätte. Im vielfältigen heidnischen Götzendienst kommt der Natur entsprechende Drang des Menschenherzens nach Gottesverehrung zum Ausdruck. Aber der Götzendienst ist ein Abfall von der Verehrung des einen wahren Gottes. Gott der Schöpfer aller Wesen, Ursprung und Endziel aller Dinge, wird durch den Götzendienst gleichsam vom Thron gestürzt, und Gebilde seiner Allmacht, armselige Geschöpfe werden auf den Thron des Allerhöchsten gesetzt und statt seiner verehrt. Mit Entsetzen denken wir daran, daß in der großen Französischen Revolution in der Kathedrale Notre Dame in Paris das Kruzifix vom Altar herunter geholt und an seine Stelle ein schamloses Weib als „Göttin der reinen Vernunft“ auf den Altar erhoben wurde. Welch ein furchtbarer Frevel gegen Gott! – Der Sache nach in gleicher Weise, wenn auch nicht mit derselben bewußten Bosheit, wird Gott vom Heidentum abgesetzt und ein Geschöpf an seine stelle gesetzt. Das Heidentum ist der Abfall ganzer Völker von ihrem Schöpfer und Herrn, die Verleugnung ihrer ersten, höchsten und heiligsten Pflicht:

    Gott die gebührende Ehre zu geben. Unglaube, Irrglaube und Aberglaube verbietet Gott im ersten der zehn Gebote: Ich bin der Herr, dein Gott, du sollst keine fremden Götter neben mir haben, du sollst dir kein geschnitztes Bild machen, um es anzubeten.“ – Die Pflicht der Gottesverehrung gebietet uns aber nicht nur, selbst den Götzendienst und Aberglauben zu fliehen, sondern auch alle Beleidigungen und Verunehrungen Gottes nach besten Kräften zu verhindern. Es ist heilige Pflicht der wahren Gottesverehrer, dem heidnischen Götzendienst ein Ende zu machen. Diese Aufgabe suchen wir zu erfüllen durch das katholische Missionswerk. Unser Missionseifer ist die Betätigung unseres Eifers, das erste Gebot Gottes gewissenhaft zu erfüllen. (S. 70 – S. 71)

    Ein kleiner Junge verbrennt den Fetisch

    Felix war der Sohn abergläubischer, heidnischer Eltern, die ihn schon in frühester Kindheit dem Teufel verschrieben hatten. Zum Schutz seines Lebens musste er viele Fetische bei sich tragen, außerdem war sein Leben an den größten und höchsten Waldbaum der Gegend geknüpft, der deshalb auch mit einem Fetisch versehen wurde. Felix kam zur Mission. Seine Kameraden wurden getauft, einige empfingen schon die erste Kommunion, Felix war eifersüchtig auf ihr Glück. – „Vater, auch ich möchte gern Christ werden“, sprach er eines Tages zum Missionar.

    – „Aber Kind“, entgegnete dieser, „was denkst du von deinen Fetischen?“ „Meine Fetische sind nichts, ich habe sie ins Wasser geworfen, nur der auf dem Baum, den darf ich nicht weg nehmen, sonst bin ich gleich tot.“ – „Höre, lieber Felix, solange du so etwas glaubst und auf den Teufel dein Vertrauen setztest, kannst du die heilige Taufe nicht empfangen.“ –

    Einige Tage nachher besuchte Felix mit dem Missionar sein Dorf. „Ich will Christ werden“, sprach er zu seinen Eltern, „und darum werde ich alle Fetische verbrennen.“ Bitten und Drohungen von Seiten des Vaters konnten nicht die Gesinnung des wackeren Knaben ändern. „Ich fürchte nicht den Tod“, sprach er mutig, „ich fürchte nur die Hölle, in die ich gewiß komme, wenn ich sterbe, bevor ich die Fetische verbrannt habe.“ Entschlossen eilte der Knabe mit dem Missionar durch Schlingpflanzen und hohe Grasbüschel dem bezeichneten Baume zu. Zwei Stunden war man schon rastlos marschiert, da endlich hatte man ihn erreicht. Ohne Zögern begann das Aufsuchen des Fetischs. Die Rinde wurde abgeschält, und es kam ein Päcklein, der erwähnte Fetisch, zutage. Beherzt nahm ihn der Kleine und warf ihn mutig ins Feuer. Nach einem solchen Sieg wurde dem redlichen Knaben die heilige Taufe nicht länger vorenthalten. (S. 88 – S. 89)

    Ein interessanter Götzenmord

    Pater Hesser SVD, Missionar in China, erzählt in einem vom 19. September 1900 datierten Brief von einer Massenbekehrung. Das Dorf zählt 104 Familien und ist, den Bonzen selbst nich ausgenommen, ganz katholisch geworden. Ich verweilte daselbst gegen drei Wochen, las die erste heilige Messe dort und brachte den Katechumenen die Anfangsgründe unserer heiligen Religion bei. Die Pagode, an der noch die sechs nächsten Dörfer Anteil haben, wurde mit schriftlicher Genehmigung eben dieser Dörfer am 14. März in eine christliche Kapelle verwandelt, und die an 2-300 Pfund schweren Lehmgötzen (gegen zwanzig an der Zahl) wurden ins Wasser versenkt. Erst wurde auf die Glocke der Pagode geschlagen, daß alle aus dem ganzen Dorf zusammen kommen sollten. Ein jeder legte Hand an; ich hatte meine helle Freude daran. „Priester“, sagten mehrere zu mir, nachdem die Pagode ausgeräumt und die Götzen versenkt waren, „die alten Großväter da haben schon ein paar hundert Jahre kein Wasser mehr getrunken, jetzt können sie sich mal satt trinken.“ – Möge diese Gemeinde, in der es auch manche Gelehrte gibt, treu bleiben und dauernd dem Heiland anhangen. (S. 78) –

    aus: Hermann Fischer SVD, Beispielsammlung aus der Heidenmission für den christlichen Unterricht, 1922, Bd. 2

    https://katholischglauben.info/heilige-p...nst-zu-beenden/


    Liebe Grüße, Blasius

  • Foren-Beitrag von Blasius im Thema




    Der Heilsplan Gottes für den Menschen
    Gott offenbart seinen „gnädigen Ratschluß“

    Liebe Leserinnen und Leser,

    Paulus fordert von den Juden und den Heiden den Glauben an Christus

    Der Apostel lehrt ferner, wie der Glaube in dem Menschen wirksam sein, dessen ganzes Wesen, dessen ganzes inneres und äußeres Leben umfassen und durchdringen müsse; damit der Gläubige zur Rechtfertigung und Heiligung gelangen, in derselben verharren, fortschreiten und die Vollkommenheit erringen könne. Zuerst fordert er den Glauben in dem Herzen, den inneren Glauben, durch welchen der Verstand Allem beistimmt, und Alles für wahr hielt, was Gott geoffenbart hat:

    „Mit dem Herzen glaubt man zur Gerechtigkeit“ (Röm. 10, 10); das ist, dieser innere Glaube des Herzens ist das erste Notwendige, um zur Gerechtigkeit zu gelangen. Dann fordert er das äußere Bekenntnis dieses inneren Glaubens mit dem Mund:

    „Mit dem Mund geschieht das Bekenntnis zum Heil“ (Röm. 10, 10); das ist, dieses äußere Glaubensbekenntnis ist außer dem innern Glauben allemal notwendig, so oft der innere Glaube ohne dasselbe verleugnet würde, wie z. B. bei den Märtyrern; und wenn es auch nur für Einen Menschen und auch nur einmal notwendig ist, muss es als wesentliches Erfordernis zum Heil mitgezählt werden. Weiter fordert er, daß man alles Dasjenige, was nach dem innern Glauben und nach dem äußeren Bekenntnis des Glaubens zu tun erforderlich ist, auch wirklich tue; daß man die nach dem Glauben erforderlichen Werke verrichte:

    „In Christo Jesu gilt weder Beschneidung noch Vorhaut etwas, sondern der Glaube, welcher durch die Liebe wirkt“ (Gal. 5, 6);das ist, der Glaube, welcher die von den zwei Geboten der Liebe Gottes und des Nächsten, an welchen „das ganze Gesetz und die Propheten hangen“ (Matth. 12, 40); befohlenen Werke vollbringt, nach dem Wort des Herrn:

    „Willst du zum Leben eingehen, halte die Gebote.“ (ebd., 19, 17) Wer so glaubt, der wird gerechtfertigt und geheiligt und erlangt Anspruch auf die ewige Seligkeit; denn er tut Alles, was das Evangelium fordert, damit der Mensch gerechtfertigt und geheiligt werde, und Anspruch auf die ewige Seligkeit habe.

    Diesen Glauben erklärt der Apostel für unumgänglich notwendig zur ewigen Seligkeit:

    „Ohne den Glauben ist es unmöglich, Gott zu gefallen; denn wer zu Gott kommen will, muss glauben, daß er ist, und daß er diejenigen, welche ihn suchen, belohne.“ (Hebr. 11, 6) Wie er immer und überall von dem übernatürlichen Glauben, der eine Gnade Gottes ist, redet; so spricht er auch hier von Gott und von der ewigen Belohnung als von übernatürlichen Gegenständen, in welchen alle übrigen enthalten und zu verstehen sind, ohne daß er sie ausdrücklich nennt, da Gott der Grund und der Zweck von Allem ist. Diesen Glauben fordert er von den Juden und von den Heiden, von allen Menschen; den Juden sagt er:

    „Durch die Werke des Gesetzes wird kein Mensch vor ihm (das ist, vor Gott) gerechtfertigt; denn durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde“ (Röm. 3, 20) (*); und er sagt den Juden und den Heiden:

    „Jetzt aber ist ohne Gesetz die Gerechtigkeit Gottes geoffenbart worden, von welcher das Gesetz und die Propheten Zeugnis geben.“ (ebd., V. 21)Die Juden konnten durch die Beobachtung des Gesetzes eine gesetzmäßige, das ist, eine natürliche Gerechtigkeit erlangen, aber nicht „die Gerechtigkeit Gottes“, das ist, die übernatürliche Gerechtigkeit, welche aus Gott, und eine Gnade ist, welche den Menschen vor Gott rechtfertigt, selbst gerecht und heilig macht, und ohne das Zeremonien-Gesetz, und auch von den Heiden gewonnen werden kann, wie der heilige Augustinus über diese Stelle schreibt:

    „Der Apostel sagt nicht: Gerechtigkeit des Menschen; oder Gerechtigkeit des eigenen Willens; sondern: Gerechtigkeit Gottes, nicht durch welche Gott gerecht ist, sondern mit welcher er den Menschen bekleidet, wenn er den Sünder rechtfertigt.“ (De spirit. Et lit. c. 9 et 11)

    Alle müssen sich durch den Glauben an Christus wenden

    Um diese Gerechtigkeit zu erlangen, mussten die Juden im alten Bund, so wie im neuen Bund die Juden und Heiden, zu jeder Zeit alle Menschen durch den Glauben sich an Christus wenden; von welchem allein diese Gnade kommt: „Die Gnade Gottes durch Jesum Christum, unsern Herrn“ (Röm. 7, 25); weshalb er den Juden und den Heiden zuruft: „Gerechtigkeit Gottes nämlich vermittelst des Glaubens an Jesum Christum für Alle, und über Alle, welche an ihn glauben, denn es ist kein Unterschied. Denn Alle haben gesündigt und ermangeln der Herrlichkeit Gottes, und werden gerechtfertigt ohne Verdienst durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Jesu Christo ist, welchen Gott dargestellt hat, als Sühnopfer durch den Glauben in seinem Blut, um seine Gerechtigkeit in der jetzigen Zeit zu erweisen; damit er selbst gerecht sei, und denjenigen rechtfertige, der den Glauben an Jesum Christum hat.“ (Röm. 3, 22-27) Darüber schreibt Origenes:

    „Wir Alle gehörten vermöge der Schöpfung Gott an, aber wir haben uns um den Preis der Sünden dem Teufel verkauft und übergeben; deshalb wird gesagt, daß wir um den Preis des Blutes Christi aus der Gewalt des Teufels (nicht erkauft, sondern wieder erkauft, sondern zurück erkauft), erlöst worden sein.“ (Homil. 6 in Exod.) Von der Wohltat dieser Erlösung sagt der heilige Anselmus:

    „Was kann man Barmherzigeres denken, als wenn zum Sünder, welcher zu den ewigen Peinen verurteilt ist, und nichts hat, womit er sich von denselben erlösen kann, Gott der Vater spricht: Nimm meinen Eingebornen und gib ihn für dich als Lösegeld hin; und der Sohn selbst sagt: Nimm mich, und zahle mit mir für dich?“ (Libr. Cur Deus homo., c. 9) Über die Wirkung, Frucht und Gnade dieser Erlösung endlich schreibt der heilige Augustinus:

    „Der das Gesetz gegeben, hat auch die Gnade gegeben; aber das Gesetz hat er durch seinen Diener gesendet, mit der Gnade ist er selbst herab gestiegen; damit, weil das Gesetz die Sünden wohl zeigt, aber nicht weg nimmt, diejenigen, welche mit ihren Kräften das Gesetz erfüllen wollen, aber es nicht vermögen, genötigt werden, zur Gnade ihre Zuflucht zu nehmen, welche die Krankheit des Unvermögens und die Schuld des Ungehorsams weg nimmt.“ (Sent. 320)

    (*) Indem das Gesetz gebietet und verbietet, erkennt man aus ihm, was Sünde ist; aber es kann die Sünde nicht tilgen und nicht rechtfertigen. –

    aus: Georg Patiss SJ, Paulus in seinen apostolischen Tugenden, 1881, S. 158 – S. 161

    Zur Rechtfertigungslehre siehe den Beitrag: Konzil von Trient: Über die Rechtfertigung

    Zur Gnadenlehre siehe den Beitrag: Die Lehre von der Gnade: Begriff und Einteilung

    https://katholischglauben.info/paulus-fo...en-an-christus/

    Liebe Grüße, Blasius

  • Foren-Beitrag von Blasius im Thema

    Lieber Aquila,

    Zitat:

    In der Tat kann der von Dir zitierte Satz missverstanden werden,
    sofern die Folgeerklärung ausser Acht gelassen wird.

    Hiet noch einmal mit farblicher Untermalung:



    Allgemein ist jeder Text einfarbig und sollte so verstanden werden!


    Zitat:

    Ja, lieber Blasius....gerade weil es immer mehr Sterbe- Stunden ohne priesterlichen Beistand gibt,
    ist dieses von Papst Pius X. erlassene Dekret so unermesslich kostbar.



    Dieses Dekret ist so gut wie keinem Katholiken bekannt und daher eher wertlos.


    Bevor das Dekret vorhanden war beteten die Gläubigen folgenden Ablass:


    Vorbereitung auf den Tod Der Sterbeablass

    Gemeinden ohne Seelsorger: Der Tod ohne Priester


    II. Vom Sterbeablass

    Unter Sterbeablass versteht man einen in der Todesstunde zu gewinnenden vollkommenen Ablass,
    d. i. Nachlass der nach Vergebung der Sündenschuld noch bleibenden zeitlichen Sündenstrafen.

    Ein solcher Ablass ist mit der General-Absolution verbunden, welche der Priester dem Sterbenden zu erteilen pflegt. Man kann denselben jedoch bei Erfüllung gewisser Bedingungen auch ohne General-Absolution und ohne Priester sich zueignen, und zwar:

    1) wenn man ein treues Mitglied einer Bruderschaft gewesen, für welche die Kirche den vollkommenen Ablass in der Todesstunde verliehen hat, z. B. der Bruderschaft von der christlichen Lehre, von der Todesangst, vom heiligsten Herzen Jesu, vom Rosenkranz, Skalier usw.;
    2) desgleichen wenn man im Leben häufig Glaube, Hoffnung und Liebe andächtig mit Herz und Mund erweckt hat, oder wenn man die heiligsten Namen Jesus und Maria oftmals im Leben herzlich und reumütig angerufen hat und sie auch in der Todesstunde noch anruft usw.;
    3) wenn man einen mit Sterbe-Ablass benedizierten Gegenstand (Kreuz, Medaille) besitzt.

    Wer mehrere der vorgenannten Bedingungen erfüllt, kann ebenso oft diesen Ablass gewinnen, was um so besser ist, da wir nicht wissen, in welchen Maße die von der Kirche als vollkommene verliehenen Ablässe von uns tatsächlich gewonnen werden.

    In der Todesstunde selbst muss man zur Gewinnung des Sterbe-Ablasses
    folgende drei Bedingungen erfüllen:

    1. Man muss beichten und kommunizieren oder, wenn dieses nicht möglich ist, wahre vollkommene Reue erwecken, weil der Stand der Gnade zur Gewinnung der Ablässe unumgänglich notwendig ist.

    2. Man muss mit dem Mund oder, wenn man das nicht mehr kann, mit dem Herzen den heiligsten Namen Jesus reumütig anrufen.

    3. Vor Allem endlich muss man die Leiden des Todeskampfes und den Tod selbst wie aus Gottes Hand und mit Ergebung als Buße für seine Sünden willig annehmen.

    Der Sterbende kann sich auf diese Weise selbst, ohne Vermittlung eines Priesters, den Ablass zuwenden und zwar so oft, als er ihn auf verschiedene Gründe hin gewinnen kann.
    Vernachlässige ja nicht eine so große Gnade!

    Es ist nicht notwendig, daß der Sterbende in der wirklichen Todesstunde, im Augenblick des Hinscheidens, die vorgeschriebenen Tugendübungen (Ergebung, Reue etc.) erwecke und den heiligsten Namen Jesus anrufe, sondern man gewinnt diesen Ablass, wenn man in einer wirklichen Todesgefahr die Bedingungen erfüllt, wenn auch der Tod selbst mehrere Tage nachher erfolgt. Will man den Ablass mehrmals gewinnen, dann muss man ebenso oft den Namen Jesus reumütig anrufen. –

    Den mit einem Kreuz, einem Rosenkranz, einer Medaille etc. verbundenen Ablass kann nur diejenige Person gewinnen für welche der Gegenstand benediziert ist; ein solcher Gegenstand kann nicht mehr verkauft oder verliehen und, nachdem man ihn für sich bestimmt und gebraucht hat, auch nicht mehr an Andere verschenkt werden, sonst geht der Ablass verloren.

    Ein mit Sterbe-Ablass versehenes Kreuz, Medaille etc. braucht der Sterbende nicht gerade am Hals zu tragen oder in der Hand zu halten, sondern er kann den Gegenstand vor sich liegen oder neben dem Bett aufgehängt haben. –

    aus: Gemeinden ohne Seelsorger, Der Tod ohne Priester. Die vollkommene Reue. Ein Lehr-
    und Trostbüchlein für römisch-katholische Christen, Mit kirchlicher Approbation,
    2. Auflage, 1874, S. 24 – S. 25


    Liebe Grüße, Blasius

  • Foren-Beitrag von Blasius im Thema

    Lieber Katholik28, danke für Deine Antwort und erkennen vom Inhalt des Beitrags.

    Lieber Aquila,

    danke für Die Ergänzung, welche ich nicht ganz verstehe.
    Soll der hl. Papst Pius X. durch ein Dekret aus dem Jahre 1904
    den Gläubigen es abgenommen haben den Ablass für die Sterbestunde zu beten?


    Zitat:
    so ist es heute vielfach nicht mehr weitläufig genug bekannt, dass
    der hl. Papst Pius X. durch ein Dekret aus dem Jahre 1904
    allen Gläubigen einen vollkommenen Ablass für die Sterbestunde.
    Ein Ablass ist Erlass einer zeitlichen Strafe vor Gott für Sünden,
    die hinsichtlich der Schuld schon getilgt sind für die Sterbestunde gewährt .



    Zitat, Auszug:
    http://www.vatican.va/roman_curia/tribun...ulgence_ge.html
    APOSTOLISCHE PÖNITENTIARIE
    DAS GESCHENK DES ABLASSES
    ANMERKUNGEN ALLGEMEINER NATUR
    ÜBER DIE ABLÄSSE

    Hier handelt es sich um allgemeines über die Ablässe und nicht um den der für die Sterbe-Stunde.

    Weil es immer mehr "STERBESUNDEN" ohne Priester, ohne Seelsorger gibt,

    ist es um so wertvoller einen VERSTÄNDLICHEN Ablass für die Sterbe-Stunde zu haben.

    Ist es erlaubt den Tod sich zu wünschen (2)





    ERÄNZUNG:
    Katechismus der Katholischen Kirche III Die abschließende Läuterung - das Purgatorium

    Liebe Grüße, Blasius

  • Foren-Beitrag von Blasius im Thema

    Lieber Katholik28, danke für Deine Antwort.




    Vorbereitung auf den Tod Der Sterbeablass


    Gemeinden ohne Seelsorger: Der Tod ohne Priester

    II. Vom Sterbeablass

    Unter Sterbeablass versteht man einen in der Todesstunde zu gewinnenden vollkommenen Ablass, d. i. Nachlass der nach Vergebung der Sündenschuld noch bleibenden zeitlichen Sündenstrafen. Ein solcher Ablass ist mit der General-Absolution verbunden, welche der Priester dem Sterbenden zu erteilen pflegt. Man kann denselben jedoch bei Erfüllung gewisser Bedingungen auch ohne General-Absolution und ohne Priester sich zueignen, und zwar:

    1) wenn man ein treues Mitglied einer Bruderschaft gewesen, für welche die Kirche den vollkommenen Ablass in der Todesstunde verliehen hat, z. B. der Bruderschaft von der christlichen Lehre, von der Todesangst, vom heiligsten Herzen Jesu, vom Rosenkranz, Skalier usw.;
    2) desgleichen wenn man im Leben häufig Glaube, Hoffnung und Liebe andächtig mit Herz und Mund erweckt hat, oder wenn man die heiligsten Namen Jesus und Maria oftmals im Leben herzlich und reumütig angerufen hat und sie auch in der Todesstunde noch anruft usw.;
    3) wenn man einen mit Sterbe-Ablass benedizierten Gegenstand (Kreuz, Medaille) besitzt.

    Wer mehrere der vorgenannten Bedingungen erfüllt, kann ebenso oft diesen Ablass gewinnen, was um so besser ist, da wir nicht wissen, in welchen Maße die von der Kirche als vollkommene verliehenen Ablässe von uns tatsächlich gewonnen werden.

    In der Todesstunde selbst muss man zur Gewinnung des Sterbe-Ablasses folgende drei Bedingungen erfüllen:

    1. Man muss beichten und kommunizieren oder, wenn dieses nicht möglich ist, wahre vollkommene Reue erwecken, weil der Stand der Gnade zur Gewinnung der Ablässe unumgänglich notwendig ist.
    2. Man muss mit dem Mund oder, wenn man das nicht mehr kann, mit dem Herzen den heiligsten Namen Jesus reumütig anrufen.
    3. Vor Allem endlich muss man die Leiden des Todeskampfes und den Tod selbst wie aus Gottes Hand und mit Ergebung als Buße für seine Sünden willig annehmen.

    Der Sterbende kann sich auf diese Weise selbst, ohne Vermittlung eines Priesters, den Ablass zuwenden und zwar so oft, als er ihn auf verschiedene Gründe hin gewinnen kann. Vernachlässige ja nicht eine so große Gnade!

    Es ist nicht notwendig, daß der Sterbende in der wirklichen Todesstunde, im Augenblick des Hinscheidens, die vorgeschriebenen Tugendübungen (Ergebung, Reue etc.) erwecke und den heiligsten Namen Jesus anrufe, sondern man gewinnt diesen Ablass, wenn man in einer wirklichen Todesgefahr die Bedingungen erfüllt, wenn auch der Tod selbst mehrere Tage nachher erfolgt. Will man den Ablass mehrmals gewinnen, dann muss man ebenso oft den Namen Jesus reumütig anrufen. –

    Den mit einem Kreuz, einem Rosenkranz, einer Medaille etc. verbundenen Ablass kann nur diejenige Person gewinnen für welche der Gegenstand benediziert ist; ein solcher Gegenstand kann nicht mehr verkauft oder verliehen und, nachdem man ihn für sich bestimmt und gebraucht hat, auch nicht mehr an Andere verschenkt werden, sonst geht der Ablass verloren. Ein mit Sterbe-Ablass versehenes Kreuz, Medaille etc. braucht der Sterbende nicht gerade am Hals zu tragen oder in der Hand zu halten, sondern er kann den Gegenstand vor sich liegen oder neben dem Bett aufgehängt haben. –

    aus: Gemeinden ohne Seelsorger, Der Tod ohne Priester. Die vollkommene Reue. Ein Lehr- und Trostbüchlein für römisch-katholische Christen, Mit kirchlicher Approbation, 2. Auflage, 1874, S. 24 – S. 25

    https://katholischglauben.info/vorbereit...r-sterbeablass/


    Liebe Grüße, Blasius

  • Foren-Beitrag von Blasius im Thema



    Der Heilsplan Gottes für den Menschen
    Gott offenbart seinen „gnädigen Ratschluß“

    Liebe Leserinnen und Leser,


    Notwendigkeit der Pflege des Gewissens

    Keine Tugend ohne Gehorsam gegen die Stimme des Gewissens


    Warum wir so selten vorwärts kommen, das liegt sehr häufig daran, daß wir zu viele und zu verschiedene Grundsätze verfolgen. Heute lesen wir den, und weil er uns gefällt, so machen wir ihn uns zu eigen, unbekümmert darum, ob er auch für uns und unsere Verhältnisse passe. Morgen hören wir einen andern, und sofort beschließen wir, nach diesem zu leben. Ehe wir ihn aber ausgeführt haben, hat uns schon ein dritter bestochen. So wird keiner ausgeführt, und wir kommen nur über das Versuchen hinaus, oft nicht einmal über das Bewundern schöner Lebensregeln…

    Einer kann nicht alle Tugenden üben und nicht alles durchführen, was er an andern Schönes und Edles sieht. Übt er sich aber auf dem Feld der Pflicht und Tugend, das seinem Stand und Charakter entspricht, mit ausdauernder Treue, so wird er bald, wenn nicht vollkommen, so doch in dem, was ihm obliegt, gut und in allen übrigen Stücken wenigstens besser werden.

    Das Feld aber, das zu bebauen allen zusteht, ist das Gewissen. Darum gibt es einen Grundsatz, der für alle ohne Ausnahme unter allen Verhältnissen paßt, nach dem alle leben können und leben müssen, sie mögen sonst noch so weit auseinander gehende, besondere Wege wählen. Die erste aller Sittenregeln, nach der die Philosophen so lange vergeblich gesucht haben, lautet: Nichts gegen das Gewissen, immer treu dem Gewissen! Keine Tugend ohne Gehorsam gegen die Stimme des Gewissens!

    Das Gewissen entscheidet. Dies ist die Wahrheit, auf die alles ankommt. Leuchtende Taten mögen Ruhm vor den Menschen erwerben, die nicht ins Herz sehen. Aber wenn sie mit Versäumnis anderer, wichtigerer Gewissens-Pflichten verrichtet sind, wird der ewige Richter sie nicht als probehaltig anerkennen. O wie manche große Dinge, von denen die Weltgeschichte berichtet, werden einmal sehr klein, ja nichtig erscheinen, wie viele unbeachtete Pflicht-Erfüllungen und Opfer werden als ruhmvolle Heldentaten glänzen, wenn sie vor aller Welt nach dem Richtmaß gemessen werden, das in der Ewigkeit allein Geltung hat, nach dem Gewissen! Darum, wer alle glänzenden Taten getan und alle Tugenden geübt hätte, er hätte aber sein Gewissen vernachlässigt, er würde wenig Nutzen haben. Erscheint dagegen einer vor dem Gericht mit fast leeren Händen, kann er aber in Wahrheit sagen: Mein Gott, ich bringe wenig mit, wenn du das nicht gelten läßt, daß es stets mein Grundsatz war, zu tun, was mein Gewissen eben von mit verlangte, auch wenn es wenig Schein verbreitete und wenig greifbaren Nutzen stiftete, – fürwahr, er wird für reich und groß erklärt werden und unvergänglichen Lohnes würdig sein.

    Und das nach allen Anforderungen der strengsten Gerechtigkeit. Er wollte nichts als gewissenhaft sein und wurde eben dadurch pflichttreu bis zum Kleinsten. Es fiel ihm nicht von fern ein, pharisäischem Hochmut, stoischer Menschen-Verachtung und muckerischer Heuchelei mit den lügnerischen Worten von der Tugend um ihrer selbst willen und von der freien, unabhängigen Moral ein gleißendes Mäntelchen umzuhängen. Und siehe da, gerade er, und er allein, hat reine Moral ohne den ranzigen Beigeschmack der Eigenliebe, er allein freie und unabhängige Sittlichkeit, er allein die Tugend um ihrer selbst willen geübt. Denn indem er einzig nach seinem Gewissen handelte, hat er sein ganzes Tun und Lassen unabhängig gemacht von aller Rücksicht auf Anerkennung oder Verkennung, auf Nutzen und Erfolg, und das errungen, was außer ihm keiner erringt: die Freiheit des Geistes, die Freiheit von den drückendsten aller Fesseln, den Fesseln des Eigennutzes, der Ehrsucht und der so hinderlichen menschlichen Rücksichten. Er lebte nach dem Gewissen und diente der Wahrheit. Er gehorchte nur der inneren Stimme Gottes und wurde darüber, ohne durch künstliche und doch vergebliche Mittel danach zu haschen, das, was die Welt mit Recht so hoch schätzt und selber so wenig hervor bringt: ein durchgebildeter, fester, zuverlässiger Charakter. Er dachte scheinbar nur an sich und rettete gleichwohl in seiner Gewissenhaftigkeit die Ehre der Menschheit.

    Im Grunde sind in dieser Treue gegen das Gewissen alle Tugenden eingeschlossen. Der herrliche Sieg Josephs über die Versuchung, die schweren Kämpfe der jungfräulichen Seelen wider die Lockungen des Fleisches und die Verführungen der Welt, also die höchsten Triumphe der Enthaltsamkeit, sie sind nichts als Treue gegen das Gewissen. Die siegreiche Tapferkeit der Makkabäer, der Heldenmut der Märtyrer inmitten von Scheiterhaufen und Folterqualen, was sind sie anders als die Frucht ihrer Treue gegen das Gewissen? Wenn die Apostel freudig von der Geißelung weg in den Kerker gingen, wenn Tausende von Bekennern gleich ihnen getrost für Pflicht und Recht Verfolgung, Schmach, Beraubung, Bande, Verbannung auf sich nahmen mit jenem Wort, das den Ausdruck der höchsten Gerechtigkeit in sich schließt: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen (Apg. 5, 29), so war es wieder nur die Gewissenstreue, die sie zu diesem bitteren, oft selbst das Martyrium durch seine Länge und innere Qual übersteigenden Opferleben stärkte. Und was Paulus und so viele Verteidiger des Glaubens und der Wahrheit aufrecht hielt in den schmerzlichsten aller Kämpfe, den Kämpfen gegen Fleisch und Blut, gegen falsche Brüder, gegen die Stammes-Genossen, gegen Freunde und Vertraute, es war einzig die Treue gegen das Gewissen, die ihnen einen undurchdringlichen Schild aus dem Wort machte: Wir können nichts gegen die Wahrheit, aber alles für die Wahrheit. 2. Kor. 13, 8)

    Diese Betrachtung gibt uns den Mut, der Welt einen gut gemeinten Vorschlag zu machen. Seit anderthalb Jahrhunderten müht sich die Pädagogik, Menschen zu erziehen, die man brauchen, Menschen, auf die man sich verlassen, Menschen, die man mit Ehren sehen lassen kann. Das Ergebnis war bisher sehr gering und deckte bei weitem nicht die Kosten. Eines zumal wollte ganz und gar nicht gelingen: Charaktere nach den Systemen einer neuen Weltweisheit zu bilden. Im Gegenteil, der Niedergang der Charaktere machte sich seit dieser Zeit erst recht fühlbar. Wie wäre es denn, wenn wir wieder einmal versuchen würden, die Jugend und uns selber mit dem zu bilden, womit man in alten, starken Zeiten so schöne Erfolge errang, das heißt mit dem Gewissen? Es wäre nur um den Versuch zu tun. Naseweise Kinder und ein Geschlecht von zerstreuten, vergeßlichen, unbrauchbaren Vielwissern würde man dabei freilich nicht erzielen. Indes, die Menschheit kann auch ohne solche auskommen. Aber zuverlässige, pflichttreue Menschen, Leute, die nicht wie der Flaum vor jedem Wind tanzen, freie, feste, unabhängige Charaktere, die auch in der Stunde der Gefahr standhaft bleiben und vor einem Opfer für Überzeugung und Pflicht nicht zurück schrecken, sie sind es, woran wir Mangel leiden. Diese werden wir aber erst wieder haben, dessen sind wir gewiß, wenn wir uns entschließen, zur Grundlage aller Bildung und Erziehung statt oberflächlicher Verwirrung des Kopfes die Pflege des Gewissens zu machen. Es wäre eines ernsten Versuches wert. Es würde sich wirklich lohnen. –


    aus: Albert M. Weiß, Apologetik, Bd. 1, 1905, S. 132 – S. 137

    https://katholischglauben.info/notwendig...e-des-gewissen/



    Liebe Grüße, Blasius

  • Foren-Beitrag von Blasius im Thema

    Danke für die Antwort, lieber benedikt



    Der Heilsplan Gottes für den Menschen
    Gott offenbart seinen „gnädigen Ratschluß“

    Liebe Leserinnen und Leser,


    Gegrüßet seist du Königin, Mutter der Barmherzigkeit!

    Auslegung des Salve Regina


    Wie groß unser Vertrauen auf Maria sein muss,
    weil sie die Königin der Barmherzigkeit ist.


    Da die erhabene Jungfrau Maria zur Mutter des Königs der Könige erhöht wurde, so ehrt sie mit Recht die heilige Kirche und will, daß sie von allen mit dem glorreichen Titel einer Königin geehrt werde.

    „Wenn der Sohn König ist“, sagt der heilige Athanasius, „so muß gerechterweise auch die Mutter eine Königin genannt und als solche geachtet werden.“ „Von dem Augenblick an,“ erklärt auch der heilige Bernhardin von Siena, „da Maria ihre Einwilligung gab, die Mutter des ewigen Wortes zu werden, hat sie verdient, zur Königin der Welt und aller Kreaturen erhoben zu werden. „Wenn der Leib Mariens,“ schließt de heilige Abt Arnold von Chartres, „nicht verschieden war von dem Jesu Christi, wie könnte die Mutter von der Teilnahme an der Herrschaft des Sohnes ausgeschlossen sein? Daraus darf man annehmen, daß die Oberherrlichkeit zwischen Mutter und Sohn nicht gemeinschaftlich, vielmehr in beiden dieselbe ist.“ „Wenn Jesus König des Weltalls ist, so ist auch des Weltalls Königin Maria,“ so der Abt Rupertus. Und der heilige Bernhardin von Siena sagt: „So viele Diener hat die glorreiche Jungfrau, als es Geschöpfe gibt, die der heiligsten Dreieinigkeit dienen; denn alle Kreaturen, seien Engel oder Menschen, alles, was im Himmel und au Erden ist, alles ist dieser glorreichen Jungfrau untertan, weil alles der göttlichen Herrschaft unterworfen ist.“

    Darum wendet sich der Abt Guerricus an die göttliche Mutter mit den Worten: „Fahre fort, o Maria, mit Sicherheit zu walten über die Güter deines Sohnes; handle zuversichtlich wie eine Königin, wie des Königs Mutter und Braut! Dir gebührt das Reich und die Herrschaft,“ als wollte er sagen: Fahre fort, o Maria, in voller Sicherheit zu herrschen, verfüge ganz nach deinem Belieben über die Gnadenschätze deines Sohnes; denn da du Mutter bist und Braut des Königs der Welt, so gebührt dir als der Königin das Reich und die Herrschaft über alle Geschöpfe.

    Königin also ist Maria; aber jeder soll zu seinem Trost wissen, daß sie eine ganz gütige und milde Königin ist, und geneigt, uns Elenden Gutes zu tun. Deswegen will die heilige Kirche, daß wir in dem Salve Regina sie als „Königin der Barmherzigkeit“ begrüßen. Schon der Name Königin bedeutet nach der Erwägung des seligen Albertus Magnus Güte und Sorgfalt für die Armen, zum Unterschied von dem Namen Herrscherin, welcher Strenge und Härte ausdrückt. „Die Größe des Königs und der Königin,“ sagt Seneca, „besteht darin, daß sie den Elenden zu Hilfe kommen.“ Während also die Herrscher bei ihrer Gewalt nur das eigene Wohl zum Ziel haben, sollen die Könige das Wohl der Untergebenen bezwecken. Das ist auch die Ursache, warum bei der Krönung der Könige ihr Haupt mit Öl, dem Sinnbild der Barmherzigkeit, gesalbt wird, um anzudeuten, daß sie beim regieren vor allem die Gesinnungen der Güte und des Wohlwollens gegen ihre Untertanen in sich nähren sollen.

    Es sollen also die Könige sich vorzugsweise mit der Übung der Barmherzigkeit befassen; doch nicht so, daß sie die Handhabung der Gerechtigkeit gegen die Schuldigen, wo diese notwendig ist, außer acht lassen. Nicht so Maria, die, wenngleich Königin, doch nicht Königin der Gerechtigkeit und somit auf die Züchtigung der Übeltäter, sondern als Königin der Barmherzigkeit auf Milde und Vergebung für die Sünder bedacht ist. Darum will die heilige Kirche, daß wir sie ausdrücklich Königin der Barmherzigkeit nennen. Der große Kanzler von Paris, Johannes Gerson, macht über die Worte Davids: „Diese zwei Dinge habe ich gehört: Daß Gottes ist die Macht, und Dir, o Herr, das Erbarmen“, die Bemerkung, daß die in Gerechtigkeit und Barmherzigkeit bestehende Herrschaft Gottes der Herr geteilt hat. Das Reich der Gerechtigkeit behielt Er sich vor; das Reich der Barmherzigkeit aber hat er Maria überlassen und angeordnet, daß alle Erbarmungen, die den Menschen zuteil werden, durch die Hand Mariens gehen und nach ihrem Wohlgefallen verteilt werden. Das sind die Worte Gersons: „Das Reich Gottes besteht in der Macht und in der Barmherzigkeit. Während die Macht dem Herrn verblieb, ging der Teil der Barmherzigkeit in gewissen Sinn an die Königin-Mutter über.“ Das gleiche bestätigt der heilige Thomas in seiner Vorrede zu den Kanonischen Briefen mit den Worten: „Als sie in ihrem Schoß den Sohn Gottes empfing und danach gebar, erlangte sie die Hälfte der göttlichen Herrschaft in der Weise, daß sie Königin der Barmherzigkeit, wie der Sohn König der Gerechtigkeit ist“

    Der ewige Vater setzt Jesus Christus zum König der Gerechtigkeit ein und darum machte Er Ihm zum Richter über die Ganze Welt, weshalb de Prophet singt: „Gott, dein Gericht gib dem König, und deine Gerechtigkeit dem Sohn des Königs!“ Dazu bemerkt ein gelehrter Ausleger: „Herr, Du hast deinem Sohn die Gerechtigkeit übergeben, weil Du deine Barmherzigkeit der Mutter des Königs übertragen. Darum gibt der heilige Bonaventura dem angeführten Vers Davids folgende schöne Wendung: „O Gott, gib dein Gericht dem König und deine Barmherzigkeit seiner Mutter!“

    Gleicherweise sagt Ernest, Erzbischof von Prag, daß der ewige Vater dem Sohn das Amt zu richten und zu strafen übergeben habe; der Mutter aber das Amt, Mitleid zu haben mit den Elenden und ihnen zu helfen. Eben deshalb hat schon derselbe Prophet David vorhergesagt, daß Gott selbst Maria zur Königin der Barmherzigkeit gekrönt und mit Öl der Freude gesalbt habe. „Darum hat dich Gott, dein Gott, mit dem Freudenöl gesalbt“, auf daß wir elende Kinder Adams uns erfreuen bei dem Gedanken, im Himmel diese große Königin zu haben, die ganz erfüllt ist von der Salbung der Barmherzigkeit und der Liebe zu uns, wie der heilige Bonaventura sagt: „Maria, du bist voll Salbung der Barmherzigkeit, voll von dem Öl der Liebe.“ Und wie schön wendet der selige Albertus Magnus die Geschichte der Königin Esther, welche ja das Vorbild unserer Königin Maria war, auf diese Wahrheit an. Wir lesen im vierten Kapitel des Buches Esther, daß König Assuerus in seine Länder einen Befehl ausgehen ließ, in dem er die Ermordung aller Juden anordnete. Da empfahl Mardochäus, der unter den Verurteilten war, die Rettung derselben der Esther, daß sie sich beim König verwende, um den Widerruf dieses Urteils auszuwirken. Anfangs weigerte sich Esther, diesem Auftrag sich zu unterziehen aus Furcht, den Zorn des Assuerus noch mehr zu reizen. Aber Mardochäus tadelte sie und stellte ihr vor, daß sie nicht bloß darauf bedacht sein dürfte, sich selber zu retten, da der Herr sie nur zu dem Ende auf den Thron erhoben habe, damit sie allen Juden die Rettung erwirke.

    „Glaube nicht, daß du nur dein Leben retten solltest, weil du im Hause des Königs bist vor allen Uuden.“ So sprach Mardochäus zur Königin Esther, und so dürfen auch wir arme Sünder zu unserer Königin Maria sprechen, wenn sie je sich weigern könnte, uns von Gott die Befreiung von der nach Recht verdiente Strafe zu erwirken. Glaube nicht, daß dir nur dein eigenes Leben retten darfst, weil du im Haus des Königs bist vor allen anderen Menschen.“ Denke nicht o Herrin, daß Gott zur Königin der Welt nur zur Sorge für dein eigenes Wohl dich erhöht hat, sondern darum auch hat Er dich so mächtig gemacht, damit du größeres Mitleid mit uns Elenden haben und uns wirksamere Hilfe leisten könnest.

    Quelle: Hl. Alphons von Liguori, „Die Herrlichkeiten Mariens“

    25.09.2019 Benno Hofschulte

    https://www.mariens-hilfe.org/gegruset-s...barmherzigkeit/


    Liebe Grüße, Blasius

  • Thema von Blasius im Forum Unsere Fürsprecher



    Ich bringe am heutigen Tag diesen Heiligen, von dessen Leben und Tod man weiter nichts Genaues weiß, als daß er in ähnlicher Art wie Hilarion als Altvater in der Wüste Scethe gelebt hat. Wohl aber hat man eine ganze Sammlung von Aussprüchen, welche seine Jünger aufgeschrieben und der Welt hinterlassen haben. Die christliche Weisheit, welche darin enthalten ist, dient allen Zeiten zur Belehrung, folglich auch uns:

    Man erzählt von dem Vater Agatho, daß er drei Jahre lang einen Stein im Mund behielt, bis er vollkommen das Stillschweigen gelernt hatte.

    Ein Bruder sagte zu dem Greis: „Ich habe einen Auftrag von meinem Obern bekommen, aber der Ort, wo ich den Auftrag zu vollführen habe, gereicht mir zur Versuchung. Ich möchte nun gehen wegen des Gehorsams, aber ich fürchte auch die Gefahr; was soll ich tun?“ Agatho antwortete: „Ich würde den Auftrag vollführen und die Versuchung überwinden.“

    Ein gewisser Bruder kam zu Agatho und sprach: „Ich will bei den Brüdern wohnen; sag` du mir nun, wie ich mich bei ihnen verhalten soll.“ Der Greis antwortete: „Wie am ersten Tag, da du bei ihnen eintrittst, so behalte alle Tage deines Lebens die Demut bei und nimm kein freies Wesen an: denn die Ungebundenheit ist die Mutter aller Leidenschaften. Der Mönch soll darum nicht ungebunden sein, selbst wenn er allein in der Zelle ist.“

    Ein Bruder suchte ihn auf und sprach: „Vater, die Leidenschaften wollen nicht von mir weichen.“ – Agatho antwortete: „Der Stoff dazu ist in dir selbst; lebe ihnen zu leid und tue in Allem, was ihnen entgegen gesetzt ist, und sie werden von dir fliehen.“

    Agatho sagte: „Ich habe mich nie schlafen gelegt und noch etwas gegen Jemanden gehabt; und habe auch nie Jemanden schlafen gehen lassen, der etwas gegen mich gehabt hätte, ohne mich vorher mit ihm zu versöhnen, soweit es meinerseits möglich war.“
    Es war ein Ausspruch des Altvaters: „Wenn du mit einem Andern zusammen wohnst, so sei wie eine steinerne Säule, welche nicht zürnt, wenn man sie beschimpft, nicht hochmütig wird, wenn man sie rühmt.“
    Er pflegte zu sagen: „Wenn ein Zornmütiger selbst einen Toten auferwecken würde, so gefiele er Gott doch nicht wegen seines Zornes.“

    Einmal kamen Brüder zu ihm und wollten die Probe mit ihm machen, ob er wirklich so große Demut und Geduld habe als die Sage ging. Sie sagten zu ihm: „Viele nehmen Ärgernis an dir, Vater, weil du so sehr vom Laster des Stolzes eingenommen seist und deshalb Andere verachtest und für nichts ansehest, ja auch nicht aufhörest die Brüder zu verkleinern. Sehr Viele behaupten auch, du tuest solches deshalb, weil du dem Laster der Unzucht ergeben seist, und setzest darum Andere fortwährend herab, damit du nicht allein als Sünder erscheinest.“ – Darauf antwortete der Greis: „Alle diese Laster, welche ihr genannt habt, finde ich an mir, und ich kann meine so großen Schlechtigkeiten nicht leugnen.“ Sodann fiel er ehrerbietig vor den Brüdern nieder: „Ich bitte euch, Brüder, daß ihr nicht aufhört, für mich Elenden und so vielen Lastern Unterworfenen zum herrn Christus zu beten, daß er meinen vielen und bösen Übeltaten Verzeihung erteile.“ – Darauf sagten die Brüder: „Und auch das möge dir nicht verborgen bleiben, daß auch sehr Viele behaupten wollen, du seist ein Ketzer.“ – Da aber der Greis dieses gehört hatte, sagte er zu ihnen: „Obschon ich mit vielen Sünden behaftet bin, so bin ich doch kein Ketzer, das sei fern von meiner Seele.“ – Darauf warfen sich alle Brüder, die gekommen waren, ihm zu Füßen und sprachen: „Wir bitten dich, Vater, daß du uns sagst, warum du ganz ruhig geblieben bist, da wir so große Laster und Sünden über dich sagten, über das Wort Ketzer aber dich so sehr entsetzet hast und es nicht hören konntest.“ – Der Greis antwortete: „Jene ersten Anschuldigungen und Sünden habe ich der Demut zu lieb ertragen, damit ihr mich für einen Sünder ansehen möchtet; denn wir wissen, daß die Tugend der Demut bewahren der Seele zum großen Heil gereicht. Unser Herr und Heiland Jesus Christus hat Alles geduldig ertragen, als die Juden viele Beschuldigungen und Schimpf gegen ihn vorbrachten, um uns das Beispiel der Demut zu geben. Den Vorwurf wegen Ketzerei konnte ich aber nicht ertragen und habe ihn zurück gewiesen, weil die Ketzerei Trennung von Gott ist. Der Ketzer reißt sich nämlich los von dem lebendigen und wahren Gott und verbindet sich mit dem Teufel und seinem Anhang. Abgefallen von Christus hat er keinen Gott mehr, den er für seine Sünden anflehen könnte; er geht ganz und gar zu Grund.“

    Oft ermahnte der Altvater Agatho seinen Jünger: „Erwirb dir nie etwas, das du nicht gern dem Bruder, der dich darum bittet, gäbest; denn sonst würdest du das Gebot des Herrn übertreten; Gib dem, der dich bittet, und wende dich nicht ab von dem, welcher bei dir leihen will.“
    Einst machte Agatho eine Reise mit seinen Schülern; da fand einer von ihnen einen kleinen Bündel grüner Erbsen am Weg und sprach zu Agatho: „Vater, wenn du befiehlst, so nehme ich es mit.“ Der Greis schaute ihn verwundert an und sprach: „Hast du jenes hergelegt?“ Der Jünger sagte: nein. Darauf erwiderte der Greis: „Wie willst du weg nehmen, was du nicht her getan hast?“

    Es fragten die Brüder den Altvater: „Vater, welche Übung kostest im gottseligen Leben am meisten Mühe?“ Er antwortete: „Ich glaube, daß nichts solche Anstrengung erfordert, als recht beten; denn wenn der Mensch Gott anflehen will, so eilen allemal die feindlichen Geister sein Gebet zu stören, weil sie wissen, daß sie durch keine Sache mehr verhindert werden, als durch rechtes Gebet zu Gott. Bei jeder andern Übung eines guten Werkes mag der Mensch Ruhe bekommen, wenn er standhaft fortfährt; im Gebet aber hat er von Anfang bis ans End die Mühe des innerlichen Kampfes.“

    Agatho wurde einst gefragt: „Was ist mehr, die Arbeit des Körpers oder die Überwachung des innern Menschen?“ – Agatho antwortete: „Der Mensch ist gleich einem Baum; die leibliche Arbeit bringt das Laub, die Überwachung des innern Menschen aber bringt die Frucht. Da aber, wie geschrieben steht, jeder Baum, der keine gute Frucht bringt, umgehauen und ins Feuer geworfen wird, so müssen wir sehr besorgt sein für unsere Frucht, das ist für die Überwachung des Geistes. Doch haben wir auch Bedeckung und den Schmuck der Blätter notwendig, welches die Arbeit des Körpers ist.“

    Es wird von Agatho erzählt, daß er mit seinen Jüngern längere Zeit und Mühe aufwendete, um eine Zelle zu bauen. Als dieselbe fertig war und sie dieselbe bezogen hatten, so fand Agatho etwas in der ersten Woche, was ihm für die Seele verderblich schien. Er sagte daher zu den Jüngern: „Machet euch auf, wir wollen von hier weg gehen.“ Jene waren ganz bestürzt und sagten: „Wenn du im Sinn gehabt hast nicht hier zu bleiben, warum haben wir so viele Arbeit aufgewendet die Zelle zu bauen? Zudem werden auch die Leute Ärgernis wegen uns nehmen und sagen: Seht, hetzt wechseln sie schon wieder den Wohnplatz, diese unsteten Landstreicher.“ Da er sie nun so von Zaghaftigkeit nieder gedrückt sah, redete er also zu ihnen: „Wenn wir Einigen zum Ärgernis gereichen, so werden wir Andern auch zur Erbauung gereichen; diese werden sprechen: Selig jene Menschen, die wegen Gott Alles verlassen haben und fort gewandert sind. Jedoch wer kommen will, komme; ich gehe nun fort.“ Da warfen sich die Jünger vor ihm nieder, und baten ihn um die Erlaubnis ihn begleiten zu dürfen.

    Wenn Agatho etwas Schlimmes an Andern sah und sich versucht fühlte zu richten, sprach er zu sich: „Agatho, tue dieses nicht“; und dann kehrte er in sich selbst ein und legte alle Gedanken gegen den Bruder ab.
    Ein Bruder fragte den Altvater, wie man sich zu verhalten habe bei Anfechtungen gegen die Reinigkeit. Dieser gab zur Antwort: „Gehe und bekenne deine Schwachheit vor Gott und bitte um seinen Beistand, dann wirst du Ruhe haben.“
    Agatho sagte einmal: „Wenn mir Jemand über die Maßen lieb wäre und ich würde erkennen, daß er mich zur Sünde bringen könnte, so würde ich ihn von mir abschneiden.“
    Agatho hatte in Allem große Behutsamkeit und pflegte zu sagen: „Ohne die größte Behutsamkeit schreitet der Mensch auch nicht in einer einzigen Tugend fort.“

    Als Agatho einmal in eine Stadt ging, um seine geflochtenen Körbchen zu verkaufen, fand er einen aussätzigen am Weg, der ihn fragte, wohin er gehe. Der Altvater Agatho antwortete: In die Stadt, Körbe zu verkaufen.“ Da sagte der Aussätzige: „Erweise mir die Liebe und trage mich dorthin.“ Und er hob ihn auf und trug ihn in die Stadt. Da sagte jener: „Setze mich da nieder, wo du die Körbe zu verkaufen pflegst.“ Agatho tat so. Da er nun ein Körbchen verkauft hatte, fragte der Aussätzige, um wie viel er es verkauft habe. Um so und so viel, sagte Agatho. Da sagte der Aussätzige: „Kaufe mir einen Kuchen.“ Er kaufte. Er setzte wieder ein anderes Körbchen ab. Der Aussätzige sagte: „Um wie viel aber hast du dies verkauft?“ Um so viel, sagte Agatho. Da begehrte der Aussätzige etwas Anderes, was er ihm darum kaufen solle. Agatho kaufte es. Nachdem er alle Körbe verkauft hatte und fort gehen wollte, sagte der Aussätzige zu ihm: „Gehst du jetzt fort? Tue noch ein Werk der Barmherzigkeit und trage mich wieder an den Ort zurück, wo du mich gefunden hast.“ Agatho nahm ihn und trug ihn dorthin zurück. Da sagte er zu ihm: „Gesegnet seit du Agatho von dem Herrn im Himmel und auf Erden.“ Und da der Altvater die Augen erhob, sah er Niemand mehr; denn es war ein Engel des Herrn gewesen, der gekommen war, daß er ihn prüfe.
    Agatho sagte einmal: „Wenn ich einen Aussätzigen finde und es wäre möglich daß ich ihm meinen Leib gäbe und ich dafür seinen eintausche, so würde ich es gern tun; denn dies ist die vollkommene Liebe.“

    Man erzählt vom Altvater Agatho, daß er jeden Auftrag auszuführen suchte. Wenn er in einem Schiff überfuhr, ergriff er zuerst das Ruder. Wenn Brüder angekommen waren, so legte er sogleich nach dem Gebet Hand an, den Tisch zu rüsten. Denn er war voll Liebe Gottes. Als aber die Zeit seines Todes heran nahte, verharrte er drei Tage mit offenen und unbeweglichen Augen. Die Brüder stießen ihn aber zuletzt an und sprachen: „Vater Agatho, wo bist du?“ Er antwortete ihnen: „Ich stehe vor dem Gericht Gottes.“ Sie sprachen: „Fürchtest auch du dich ?“ Er sagte: Ich habe bisher getan was ich konnte, um die Gebote zu halten; aber ich bin ein Mensch; woher soll ich wissen, ob meine Werke Gott gefallen haben?“ Die Brüder sagten: „“Vertrauest du nicht auf deine Werke, daß sie Gott gemäß seien?“ Der Greis antwortete: „Ich habe kein vertrauen, wenn ich mich vor Gott stelle. Anders ist nämlich das Urteil Gottes, anders das der Menschen.“ – Da sie ihn nun noch über Anderes fragen wollten, sprach er zu ihnen: „Tuet das Liebeswerk und redet nicht weiter mit mir, denn ich bin beschäftigt.“ Und er schied vom Leben mit Freude; sie sahen ihn nämlich nach dem Abscheiden, wie wenn Einer seine Freunde und Geliebte grüßt. –

    aus: Alban Stolz, Legende oder der christliche Sternhimmel, Bd. 4 Oktober bis Dezember, 1872, S. 124 – S. 129
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    Liebe Grüße, Blasius

  • Foren-Beitrag von Blasius im Thema





    Das Kreuz eine Himmelsbrücke in die ewige Seligkeit



    Das Kreuz ist endlich, um alles in eins zusammen zu fassen, die Himmelsbrücke, auf der wir aus der Zeit hinüber in die Ewigkeit, aus der Trübsal dieses Lebens hinüber in die Seligkeit des Himmels gelangen. Bei den alten Deutschen ging die Sage von einer wundervollen Himmelsbrücke, die aus Steinen von lauter Kristall und den reinsten Regenbogen-Farben gebaut war, und ehedem Himmel und Erde, Zeit und Ewigkeit miteinander verband, so daß man auf dieser Brücke aus der Ewigkeit herüber in die Zeit, und aus der Zeit hinüber in die Ewigkeit wandern konnte. Diese wunderbare Himmelsbrücke aber, welche die Gestalt des siebenfarbigen Regenbogens hatte, wurde durch die Schuld der Menschen abgebrochen, ohne daß hernach ein Baumeister imstande gewesen wäre, sie wieder aufzubauen. Daher habe denn auch seit dem Zusammenbruch der Himmelsbrücke kein verkehr mehr zwischen Himmel und Erde statt gefunden, keiner habe mehr von der Erde hinüber gekonnt in den Himmel, wie auch von drüben kein Friede, kein Segen, kein Heil und Himmelsglück mehr herüber gelangt auf die Erde. Das war nun freilich sehr verhängnisvoll für die armen Menschenkinder: sie konnten nicht mehr mit Gott verhandeln, nicht mehr in den Himmel kommen, die Brücke war abgebrochen. Daher war es gewiß ein Werk der unendlichen Barmherzigkeit Gottes, als endlich ein Baumeister sich angekündigt, der imstande sei, die eingesunkene Himmelsbrücke wieder aufzubauen. Dieser Baumeister aber ist unser Heiland Jesus Christus, qui fecit utraque unum, der im Kreuz aus beiden eins gemacht und den Himmel mit der Erde wieder verbunden hat. Der also hat recht, der da den göttlichen Baumeister dieser neuen Himmelsbrücke also besingt:

    Es kam der Heiland voll Erbarmen,
    Der Gottessohn in diese Welt,
    Und hat mit mächt`gen Gottesarmen
    Die Himmelsbrücke hergestellt;
    Nun steht der Himmel wieder offen
    Als unser altes Vaterland,
    Wir können glauben, können hoffen
    Und fühlen uns mit Gott verwandt.


    Das ist doch aber ein unaussprechliches Glück für uns arme Erdenpilger, daß wir nach dem harten Tagewerk unsers Lebens auf dieser Brücke eingehen können „in die Freude, in die Ruhe des Herrn“. Der heilige Benediktiner-Mönch Notker, der im 1o. Jahrhundert zu St. Gallen in der Schweiz lebte, sah einmal zu, – meines Wissens war er auch Baumeister – wie über einen schwindelnden Abgrund eine Brücke geschlagen wurde, und dabei die Werkleute auf dem Gerüst stets zwischen Leben und Tod schwebten und schwankten. Diese Gefahr der Werkleute aber, jeden Augenblick in den Abgrund hinunter zu stürzen, erfüllte den heiligen Mönch mit großem Schaudern. Daher verfaßte er das bekannte Lied, oder vielmehr Gebet (*), das späterhin alle Brückenbauer, ehe sie an ihre Arbeit gingen, und alle, die gefahrvolle Unternehmungen zu besorgen hatten, miteinander sangen:

    Media vita in morte sumus,
    Mitten im Leben schweben wir im Tode,
    Wen suchen wir als Helfer, außer dir, o Herr?
    Sancte Deus, Kyrie eleison, heiliger Gott, erbarme dich unser!

    Mitten in dem bittern Tod dein Gericht uns schrecket:
    Wen suchen wir als Retter, außer dir, o Herr!
    Auf dich haben unsere Väter gehofft, haben gehofft und du hast sie erlöst:
    Sancte, fortis Deus, Kyrie eleison, heiliger, starker Gott, erbarme dich unser!

    Mitten in der Todesnot laß uns nicht versinken;
    Denn zu dir haben unsere Väter gerufen, o Herr!
    Sie haben gerufen, und du hast sie nicht zu Schanden gemacht:
    Sancte, fortis et immortalis Deus, Kyrie eleison, heiliger starker und unsterblicher Gott, erbarme dich unser!

    Mitten in der Todesnot, laß uns nicht verzagen:
    Wenn unsere Kraft gebrochen, verlaß uns nicht, o Herr,
    Übergib uns nicht einem bösen Tod, wenn wir von diesem Leben scheiden:
    Heiliger, starker und unsterblicher Gott, barmherziger Erlöser, erbarme dich unser!


    Wo nun aber der Christ das Kreuz als Steg, als Brücke benützt, um über die schwindelnden Abgründe dieses Lebens hinüber zu gelangen, braucht er vor all den Nöten, von welchen in dem angeführten Lied die Rede ist, nicht zu bangen; denn er, der göttliche Baumeister dieser Brücke selbst, steht jenseits derselben, um alle, die sie betreten, um alle, die das Kreuz verehren, lieben und umfassen, an sich zu ziehen; er aber ist mächtig und läßt keinen fallen, der nach ihm die Arme ausstreckt. Das Kreuz also, diese Himmelsbrücke, ist für alle zaghaften Herzen die leibhaftige Mahnung: Was seid ihr so furchtsam, ihr Kleingläubigen?

    Ein Strom ist diese Welt, das Kreuz, daß du es weißt,
    Die Brück`, worauf die Seel` nach Hause sicher reist.


    Das sind nun so einige Gedanken, die sich der Rosenkranz-Beter schon gleich beim Kreuzzeichen, womit er den Rosenkranz beginnt, machen kann, um seine Seele, wie oben schon gesagt wurde, in eine andächtige Stimmung zu versetzen. Daher steht denn auch das Kreuz vorn am Eingang zum Rosenkranz wie eine Himmelsleiter da, auf der die Seele im Gebet zu Gott aufsteigen kann; es ladet uns ein, vor allen Dingen alles dessen zu gedenken, was uns durch das Kreuz zu teil geworden ist; das ist aber so viel, daß kein Mensch es jemals im Gebet auszudenken vermag. Zudem wird ja auch „dieses Zeichen am Himmel erscheinen, wenn der Herr zum Gericht kommt: dann werden alle, die das Kreuz verehrt und geliebt, hinzutreten – ad Christum iudicem, zu Christus, dem Richter, cum magna fiducia, mit großem Vertrauen“. Darum soll uns jedesmal, wenn wir den Rosenkranz beginnen und das Kreuzzeichen machen, dabei zu Mute werden, wie jenem, der da sang:

    Sei gegrüßt, du Siegeszeichen,
    Hell erstrahlend, sondergleichen,
    Hohes, heil`ges Kreuz des Herrn!
    Kreuz, an dem mein Gott gehangen,
    Laß mich büßend dich umfangen,
    Süßer, milder Gnadenstern!

    Sei gegrüßt mit treuem Herzen,
    Sei gegrüßt in Not und Schmerzen,
    Hohes, heil`ges Kreuz des Herrn!
    In dem letzten Hauch des Lebens
    Leuchtest du mir nicht vergebens,
    Schöner, holder Rettungsstern!


    aus: Philipp Hammer, Der Rosenkranz, eine Fundgrube für Prediger und Katecheten, ein Erbauungsbuch für katholische Christen, I. Band, 1896, S. 107 -S. 111

    (*) siehe auch den Beitrag: Der heilige Notker berühmt für seinen geistlichen Gesang

    new.php?thread=3467&forum=125&reply=1&replyid=22209

    Liebe Grüße, Blasius

  • Foren-Beitrag von Blasius im Thema




    Der Heilsplan Gottes für den Menschen
    Gott offenbart seinen „gnädigen Ratschluß“

    Liebe Leserinnen und Leser,


    Der Weg zur Liebe!

    Zuerst der Glaube, der lebendige, bewusste Glaube. Die Liebe ist eine Hinneigung des Willens. Der Wille aber neigt sich nur zu dem, was der Geist vorher erkannt. Unbekanntes kann man nicht lieben. Wenn man Jesus mit den Augen des Glaubens gesehen und gehört hat, dann fängt man Feuer. Man muss ihn lieben. Seine unendliche Güte und Heiligkeit ziehen an. Wenn man Gott mit den Augen des Glaubens geschaut in der Sternenwelt, im Sonnenaufgang, in der Unendlichkeit des Meeres, in der Blume, im Herbstsegen, dann muss man ihn lieben.

    Daher die Bedeutung der Betrachtung, der Vertiefung in die göttlichen Wahrheiten und Werke, des Wandels in der Gegenwart Gottes. Je mehr man an Gott denkt, je tiefer man sich in ihn versenkt, desto höher steigt die Temperatur der Liebe. Wer nicht oft an Gott denkt, liebt Gott nicht.

    Er bleibt kalt. Wenn deswegen Gott im Alten Bunde das Hauptgebot der Liebe verkündet, vergisst er nicht, in großer erzieherische Weisheit beizufügen: Es sollen diese Worte, die ich heute gebiete, in deinen Herzen sein. Du sollst sie deinen Kindern erzählen und sie betrachten, wenn du in deinem Hause sitzest und wenn du auf Reise bist, und wenn du dich niederlegst und wenn du aufstehst, und du sollst sie an die Pfosten und Türen deines Hauses schreiben. Gott ist die Liebe.

    „Christus fragt nicht nach Wissenschaft und Staatsexamen,
    sondern nach der Liebe“
    (Kardinal Faulhaber)

    Quelle: Sonne Dich – P. Max Dudle SJ. – Aktion „Deutschland braucht Mariens Hilfe“ – DVCK e.V.

    21.10.2019 Benno Hofschulte

    https://www.mariens-hilfe.org/der-weg-zur-liebe/


    Liebe Grüße, Blasius

  • Thema von Blasius im Forum Unsere Fürsprecher



    Das Leben dieses berühmten Einsiedlers hat umständlich der hl. Hieronymus geschrieben;
    ich nehme jedoch, weil die Beschreibung zu groß ist, nur einzelne Stücke daraus.

    Hilarion hatte heidnische Eltern, somit war er gleichsam eine Rose, die aus den Dornen heraus gewachsen ist. Während er in Alexandria studierte, gelangte er zum christlichen Glauben, mied alle Lustbarkeiten, sein Vergnügungsort war die Kirche. Als er von dem hl. Antonius hörte, suchte er ihn auf, blieb einige Monate bei ihm in der Wüste, um seine ganze Lebensweise genau kennen zu lernen. Dann kehrte er nach Haus zurück, gab von seinem ererbten Vermögen eine Hälfte seinen Brüdern, die andere Hälfte den Armen. Und nun zog er sich entblößt von allem in eine Wüste zurück, obschon er erst 15 Jahre alt war und von ganz schwächlicher Gesundheit. Hier führte er nun ein fruchtbar strenges Leben; gegen die Hitze und den Regen gönnte er sich nichts als eine kleine Hütte, welche eng war wie ein Grab; er schlief auf nackter Erde, sein Kleid war ein Sack.

    Sein Fasten wurde mit den Jahren immer strenger, so daß er als Greis von 80 Jahren erst nach Sonnen-Untergang sein Essen zu sich nahm, das in wilden Kräutern und etwas Gerste bestand. Einmal kamen Räuber zu ihm und sagten gleichsam zum Scherz:

    „Was würdest du tun, wenn Räuber zu dir kämen?“ – Hilarion antwortete:

    „Ein Nackter fürchtet keine Räuber.“ – Jene sagten: „Wohl aber könntest du umgebracht werden.“ – „Das kann ich“, sagte er; „und deswegen fürchte ich keine Räuber, weil ich zu sterben bereit bin.“ – Da bewunderten diese Verbrecher eine solche Seelenstärke, gestanden ihren bösen Wandel und versprachen Besserung des Lebens.

    Nach mehreren Jahren geschahen auch große Wunder auf die Fürbitte des Heiligen, und darum nahmen eine Menge Leute ihre Zuflucht zu ihm und erhielten Hilfe in den verschiedensten Nöten und Angelegenheiten. In der Leibwache des Konstantius war ein Deutscher, welcher von Kindheit an von einem bösen Geist besessen war, der ihn jede Nacht zwang zu heulen und mit den Zähnen zu knirschen. Dieser hatte auch von dem hl. Hilarion gehört und faßte Vertrauen zu ihm; er suchte bei dem Kaiser um Urlaub an und eröffnete ihm sein Vorhaben zum hl. Hilarion zu reisen. Der Kaiser gab ihm ein Empfehlungs-Schreiben an den Statthalter von Palästina. Als nun der Deutsche nach Gaza kam und sein Schreiben vorzeigte, wurde er mit vieler Ehre aufgenommen und mit einem großen Gefolge zu Hilarion hingeleitet. Dieser war gerade im Gebet begriffen; er grüßte Alle und segnete sie, dann aber hieß er sie fort gehen und nur der Deutsche mit seiner Dienerschaft solle zurück bleiben. Denn er sah ihm an den Augen und im Gesicht an, weshalb er gekommen. Als Hilarion nun den Teufel beschwor, brüllte er mit ungeheurer Stimme aus dem Besessenen und redete in syrischer Sprache, da der Deutsche sonst nur deutsch und lateinisch reden konnte. Der böse Geist gab an, wie er Gewalt bekommen habe in diesen Menschen einzugehen. Allein Hilarion sagte: „Es kümmert mich nicht, wie du eingegangen bist, sondern daß du hinaus gehst befehle ich dir im Namen unseres Herrn Jesus Christus.“ Da der Deutsche fühlte, daß ihm nun geholfen sei, wollte er in seiner Einfalt dem Heiligen zehn Pfund Gold schenken; Hilarion reichte ih ein Gerstenbrot und sprach: „Die, welche von solcher Speise sich nähren, sehen das Gold für Unrat an.“

    Ein vornehmer und sehr reicher Mann aus Aila, einer Stadt am Roten Meer, bekam gleichfalls durch den hl. Hilarion Hilfe von einer sehr schweren Plage. Bald darauf kam er mit Frau und Kindern und brachte sehr viele Geschenke, um dem Heiligen damit seinen Dank zu erweisen. Hilarion sagte: Hast du nicht gelesen, was dem Giezi und was dem Simon widerfahren ist, jenem, weil er für die Gnade des hl. Geistes Bezahlung annahm, diesem, weil er sie anbot?“ – Da sagte der Geheilte unter Tränen: „Nimm es an und gib es den Armen.“ – Hilarion antwortete: Du kannst besser das Deinige verteilen, da du in Städte kommst und die Armen kennst. Ich, der ich das Meinige verlassen habe, warum soll ich Fremdes begehren? Vielen wird der Name der Armen ein Vorwand zum Geiz. Niemand gibt besser, als wer nichts für sich behält.“

    Es entstanden in Palästina viele Klöster, deren Mönche den hl. Hilarion als ihren obersten Meister und höchstes Muster betrachteten, und in welchen er zeitweise Visitation hielt. Ganz besonders verabscheute er es, wenn ein Mönch im Misstrauen gegen Gott für die Zukunft sparte und sich einen Vorrat von Lebensmitteln, Kleidung oder dergleichen hielt. Einen, von welchem Hilarion wußte, daß er gar zu sorgfältig sein Gärtchen hüte und etwas Geld aufbewahre, hatte er geheißen ihm aus den Augen zu gehen. Um den hl. Hilarion wieder zu versöhnen, brachte er dessen Lieblings-Jünger die ersten grünen Erbsen, daß dieser sie dem Meister vorsetze. Als sie nun Abends aufgestellt wurden, rief Hilarion, er könne den Gestank davon nicht aushalten, wer sie gebracht habe? Der Jünger sagte es ihm. Da sprach Hilarion: „Riechst du nicht den abscheulichen Geruch und daß aus den Erbsen der Geiz heraus stinkt? Gib sie den unvernünftigen Tieren und schau, ob sie dieselben fressen.“ Da der Jünger nun dem Befehl gemäß sie in die Krippe warf, wurden die Ochsen scheu, brüllten heftig, rissen die Seile entzwei und liefen davon. Der Greis hatte nämlich die Gnade, daß er aus dem Geruch des Körpers, der Kleider oder sonstiger Habseligkeiten eines Menschen merkte, welcher Geist oder welches Laster in ihm herrschend sei.

    Ich habe nun mehrere Beispiele angeführt, wie sich der hl. Hilarion in Bezug auf das Eigentum verhalten und wie er es angesehen hat. Er hat den Rat, welchen der Heiland dem reichen Jüngling gegeben hat, der aber diesem zu hart vorkam, vollkommen befolgt und ist dadurch zur wahren fröhlichen Freiheit des Geistes gelangt. Auch rechte Ordensleute befolgen diesen Rat und haben und wollen nur das, was zum Leben notwendig ist, indem sie auf persönliches Eigentum verzichten. Wer dieses tut, der wird frei von zahllosen Unruhen und Versuchungen. Gerade das Eigentum ist es ja so oft, was die nächsten Freunde und Verwandte in Feindseligkeit trennt, was den Menschen von Gott trennt, was ihm, z. B. Wenn er einen Prozess hat, schlaflose Nächte macht, was seine Seele mit dem Rauch der Sorge verfinstert. Musst du deiner Verhältnisse wegen Eigentum besitzen, so suche wenigstens innerlich frei zu bleiben, damit es dir nicht auf der Seele wie ein großer Grabstein sitze. Prüfe dich einmal hierüber. Mancher meint, er sei innerlich frei und ist es doch nicht. Wie ein Vogel erst fühlt, daß er an einer Schnur gebunden ist, wenn er weiter fliegen will als sie reicht: so fühlt der Mensch auch erst, daß sein Herz von Anhänglichkeit ans Irdische umgarnt ist, wenn er sich davon trennen will. Bei Verlusten, bei schuldigen Vergütungen, bei größeren Abgaben oder sonstigen Ausgaben, bei Unterstützung fremder Not, da wird es dir vielleicht jämmerlich um das Herz – das ist aber ein Zeichen, daß dir das Eigentum mit dem Herzen verwachsen ist, daß es vom Geiz angefressen ist. Suche herzhaft die Liebe Gottes und gewöhne dich und die Deinigen an wenige Bedürfnisse – dann wirst du auch frei werden von der Sklaverei des Mammons.

    Der Zulauf zu dem hl. Hilarion wurde immer größer, deshalb zog er mit zwei seiner Jünger in eine Einöde bei Aphroditus, um daselbst in vollkommener Entsagung und Stillschweigen Gott zu dienen. Damals aber regnete es in jener Gegend drei Jahre lang nicht; halb verhungert kamen die Leute scharenweise zu Hilarion, um von ihm Hilfe durch sein Gebet zu erlangen. Der Mann nun, welcher sich selbst freiwillig ganz arm gemacht hatte, wurde von dem gerechten Gott in Stand gesetzt, zahllosen Menschen in der Not zu helfen. Als Hilarion aus Erbarmen seine Augen und Hände zum Himmel hob und den herrn anrief, erfolgte sogleich der ersehnte Regen. Aber die allgemeine Verehrung der Leute trieb ihn auch von hier wieder fort. Es war aber dem Heiligen aus doppeltem Grund daran gelegen, einen Ort zu finden, wo ihn Niemand kannte, einmal um dem Zulauf seiner Verehrer zu entgehen, dann aber auch, weil ihn der abtrünnige Kaiser Julian ausschreiben und verfolgen ließ.

    Hilarion bestieg deshlab mit einem Jünger ein Schiff, welches nach Sizilien fuhr. Als er da angelangt war, wollte er dem Schiffsherrn sein Evangelienbuch, das er in der Jugend selbst geschrieben hatte, als Fährlohn geben. Da aber dieser sah, daß Hilarion außer diesem Buch und seinem Kleid nichts besaß, nahm er es nicht an. Um in Sizilien nicht durch Reisende erkannt zu werden, zog er sich in eine Wildnis zurück. Dort machten sie täglich eine Fahrt Holz und trugen es zum Verkauf in die nächste Stadt; von dem Erlös kauften sie sich Nahrung, und Brot für die, welche etwa zu ihnen kämen. Auch hier kamen wieder wunderbare Heilungen vor; ein vornehmer Mann wurde auf der Stelle von der Wassersucht geheilt, als er zu Hilarion kam. Als aber dieser dem Heiligen unermesslich reiche Geschenke brachte, wurde ihm einfach der Spruch des Heilandes entgegen gehalten: „Umsonst habt ihr es empfangen, umsonst gebt es.“

    Nach einiger Zeit war sein Ruf wieder so verbreitet, daß er dem großen Zulauf durch eine neue Ortsveränderung auszuweichen bedacht war. Er begehrte in einem Land zu wohnen, wo ihm selbst die Sprache fremd wäre, und reiste deshalb nach Dalmatien. Aber daselbst ging es ihm wieder wie in Sizilien, indem auch hier bald große Wunder durch ihn geschahen. So z. B. befreite er das Land von einer schweren Plage, von einer Riesenschlange, welche Menschen und Vieh verschlang. Er ließ nämlich einen Scheiterhaufen errichten, betete zu Christus, rief dann die Schlange, und befahl ihr auf den Scheiterhaufen zu gehen, und verbrannte dann vor dem Volk das Tier.

    Weil Hilarion nun auch hier nicht fand, was er suchte, unbeobachtet von der Welt in Abgeschiedenheit zu leben, so machte er einen neuen Versuch und fuhr mit einem Schiff nach der Insel Zypern. Allein da wurde er verraten durch die bösen Geister, von denen sehr viele Menschen damals besessen waren. Endlich fand er auf der Insel zwischen abgelegenen und rauhen Bergen einen Ort, wo man kaum mit Händen und Füßen klettern konnte; in der Nähe war auch ein zerfallener Heidentempel. Da nun zugleich diese Gegend sehr verrufen war, als hielten sich dort Gespenster auf, so fand endlich Hilarion daselbst die gewünschte Ruhe. Er wurde selten hier von Jemanden besucht außer von seinem treuen Jünger Hesychius.

    Nachdem er fünf Jahre hier zugebracht hatte, wurde er krank. Dem Hesychius vermachte er sein ganzes Vermögen, nämlich sein Evangelium und sein Kleid. Es waren noch einige fromme Männer gegenwärtig, als es mit ihm zum Sterben kam. Schon war er fast ganz kalt und wie tot, da sprach er: „Geh` hinaus, meine Seele, was fürchtest du dich? Geh` hinaus, was zögerst du? Fast siebenzig Jahre hast du Christus gedient, und fürchtest den Tod?“ Mit diesen Worten hauchte er seinen Geist aus.

    Wie ganz anders muss sich erst die Seele desjenigen sträuben auszuscheiden, dem das Irrdische sein höchstes Gut ist? Und wie muss sich erst die Seele fürchten hinüber zu gehen, welche niemals in diesem Leben ernstlich Gott gedient hat? Sorge vor, bevor jene schwere Stunde kommt. –

    aus: Alban Stolz, Legende oder der christliche Sternhimmel, Bd. 4 Oktober bis Dezember, 1872, S. 119 – S. 124

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    Liebe Grüße, Blasius

  • Foren-Beitrag von Blasius im Thema




    Das Kreuz ist der Baum des Lebens

    Das Kreuz ist darum auch dem Christen der Baum des Lebens. Der Feigenbaum hat die Eigenart, daß er, wo er sich seines richtigen Klimas und Wetters erfreut, ununterbrochen Früchte anhängen hat. Noch sind die ersten Feigen nicht reif, so treibt er schon wieder eine junge Ernte nach, und macht so fort, ohne über dem Feigenbringen müde zu werden. Es gibt aber einen Baum, – freilich haben ihm die Naturforscher noch nicht beschrieben, wohl aber der hl. Johannes, der Lieblingsjünger – der es mit dem Früchtebringen noch schöner hält als der Feigenbaum: er steht mitten in der wundervollen Stadt Gottes, dem neuen Jerusalem, das vom Himmel auf die Erde herab gestiegen ist, und hat allezeit zeitige Früchte an, indem er zwölfmal im Jahr Früchte trägt, alle Monat seine Frucht; sogar seine Blätter sind Arznei. Dieser Baum heißt Baum des Lebens. Wie beneidenswert sind also jene, die von diesem Baum die Früchte holen können: sie sind Leben spendend! Diese Beneidenswerten sind aber alle katholischen Christen; denn dieser Baum des Lebens heißt mit seinem wahren Namen – das Kreuz, und die Stadt Gottes, worin er steht, ist unsere heilige, katholische Kirche. Wie glücklich also sind wir katholische Christen, daß wir den Baum des Lebens, daß wir das Kreuz besitzen, denn non est salus animae, nirgends findet sich das Heil der Seele, nec spes vitae aeternae, noch Hoffnung aufs ewige Leben, nisi in cruce, außer im Kreuz.

    … und der Ruheplatz auf der Pilgerreise zum Himmel

    Das Kreuz ist dem Christen ein Ruheplatz auf der Pilgerreise zum Himmel. Es gibt für das abgehärmte, Leid gequälte Menschen Herz drei geistige Ruheplätze, wo es ein wenig „Atem schöpfen“ und rasten kann: das göttliche Herz Jesu, das Mutterherz Mariä und der Fuß des Kreuzes. Wie ist denn aber der Fuß des Kreuzes ein Ruheplatz? In der städtischen Bildergalerie zu Düsseldorf hängt ein Bild, das niemand ohne Rührung betrachten kann. Es stellt mitten im Winter ein Kreuz am Wege vor, an das ein armes Kind, das gewiß schon weit durch Schnee und Kälte gewandert ist, den Kopf anlehnt und vor Müdigkeit einschläft, sein Reisebündel neben sich. Aus der Stadt her kommen, in gute Kleider gehüllt, Kinder aus der Schule und schauen der kleinen Pilgerin zu, wie sie beim lieben Herrgott am Kreuz trotz Winters so süß und ruhig schläft. Vom vielen Wandern ist aber vielleicht schon mancher müde, recht müde, denn sein Weg führte ihn immer nur an Mühen, Sorgen und Leiden, selten an erheiternden Freuden vorüber; dabei ist ihm aber gar manchmal zu Mute, wie jenem wandernden Handwerks-Burschen, der an die Wand einer am Waldessaum stehenden Kapelle auf der Rauhen Alp die Verse schrieb:

    Alle Morgen neue Sorgen,
    Alle Nacht ein andres Bett!
    Ach, wenn nur dies lange Wandernden
    Auch einmal ein Ende hätt`


    Daher mag ihm ein Ruheplätzchen sehr willkommen sein, wo er auf seiner Pilgerreise ein wenig Rast halten, ein wenig ausruhen kann. Zum Ausruhen von all den Mühen und Sorgen und Leiden aber, die sich dem Christen Tag für Tag auf seinem Lebensweg entgegen stellen, gibt es kein besseres Plätzchen, als am Fuß des Kreuzes. Machen wir es also, wie jenes Kind auf dem Düsseldorfer Bild, stellen wir, wenn wir müde sind, unser ganzes großes Reisebündel von lästigen Sorgen und Kümmernissen beiseite, lehnen wir unsern ruhelosen Kopf an das Kreuz, und schlummern wir – trotz Winter oder Sommer in der Seele, trotz Regen oder Sonnenschein im Gemüt, – unter den Augen des gekreuzigten Erlösers ruhig ein. Und hast du ausgeruht am Fuße des Kreuzes, du mühseliges und beladenes herz, und hast du dich satt gesehen am Leiden deines Heilandes, an seinem Dornen gekrönten Haupt, seinem Blut überronnenen Antlitz, seinem durchstochenen Herzen, seinen durchnagelten Händen und Füßen, dann mache dich wieder auf und wandre in Gottes Namen – geduldig, beharrlich und ergeben deinen Kreuzweg weiter über den Kalvarienberg des Lebens – dem Himmel zu, indem du dir selber von Zeit zu Zeit zurufest:

    Sei still, mein Herz, und fasse Mut:
    O sieh am Kreuz den Herrn!
    Er kennt dein Weh und meint es gut,
    Trag` du dein Kreuz auch gern!


    aus: Philipp Hammer, Der Rosenkranz, eine Fundgrube für Prediger und Katecheten, ein Erbauungsbuch für katholische Christen, I. Band, 1896, S. 105 -S. 107

    https://katholischglauben.info/das-kreuz...aum-des-lebens/


    Liebe Grüße, Blasius

  • Foren-Beitrag von Blasius im Thema





    Der Heilsplan Gottes für den Menschen
    Gott offenbart seinen „gnädigen Ratschluß“

    Liebe Leserinnen und Leser,


    Maria, Wunderbare Mutter



    Wenn wir nicht mehr wissen, wie wir es ausdrücken sollen, wenn etwas uns aufs Höchste erstaunen macht, dann sagen wir: „Wunderbar!“ Darum gehört dieses Wort auch zu der alle Verstehen übersteigenden Mutterschaft Mariens. „Du wunderbare Mutter!“ lautet daher ein Anruf der Lauretanischen Litanei. Frommer Sinn hat diese Aussage noch zu übersteigern unternommen, denn es gibt seit Jahrhunderten schon ein Gnadenbild der „dreimal wunderbaren Mutter“. Viele grüßen heute die Jungfrau-Mutter mit diesem Gruß. Damit will man ein Ähnliches aussagen, wie wenn man Gott den Dreimalheiligen nennt, wenn dreimal das Kyrie erschallt, wenn dreimal das Agnus Die gebetet wird. Es soll eine unvorstellbare Steigerung ausdrücken. So wunderbar ist demnach Mariens Gottesmutterschaft, dass man es nicht richtig auszudrücken vermag, wie wunderbar sie ist.



    Nicht verwunderlich daher, wenn die Lobredner Mariens nicht mehr wussten, woher sie die Bilder und Vergleiche nehmen sollten, um die Erhabenheit einer Gottesmutterschaft zu besingen. Da lässt man alle Heiligen, ja alle reinen Geister des Himmels wie ein Nichts vor ihr verschwinden. „Nichts ist in der Welt von solcher Art wie die Gottesgebärerin Maria. Durcheilen wir in Gedanken alle Geschöpfe, und dann sagt mir, ob es etwas gibt, das der Jungfrau und Gottesgebärerin gleicht oder sie gar übertrifft. Durchstreife die Erde, schau auf das Meer, durchforsche die Luft, dring bis in die Himmel, beachte alle unsichtbaren Kräfte und schau, ob in aller Welt ähnlich Wunderbares zu finden ist“ (Proklus von Konstantinopel). „Du bist der Schmuck des Menschengeschlechtes. Du hast die Ordnungen der Engel überschritten. Du hast den Glanz der Erzengel verdunkelt. Du hast die erhabenen Sitze der Throne unter dich gebracht. Du hast die Höhe der Herrschaften heruntergeschraubt. Du bist der Herrschaft der Fürsten vorangeeilt. Du hast die Kräfte der Gewalten geschwächt. Du bist gewaltiger als alle Kräfte. Du hast den scharfen Blick der Cherubim mit deinen irdischen Augen besiegt. Du hast den Flug der Seraphim, die doch sechs Flügel haben, durch die Flügel deines Geistes überflügelt. Kurz: du hast alle Geschöpfe übertroffen“ (Sophronius von Jerusalem).



    Noch weiter als die Wirklichkeit reicht das, was der Verstand sich an Herrlichem ausdenken könnte. Aber auch das verblasst vor der Erhabenheit einer Gottesmutterschaft. „Gleichwie Gott zu begreifen und auszusprechen unmöglich ist, so übersteigt das große Geheimnis der Gottesgebärerin jeden Verstand und jede Zunge“ (Basilius von Seleucia). „Deine Erhabenheit geht über Engelverstand“ (Germanus von Konstantinopel). „Nichts Erhabeneres könnte gedacht werden als eine Gottesmutter“, erklärt der heilige Bonaventura.



    Ja, wenn es so ist, dann kann man freilich nur noch die unendliche Majestät Gottes selbst herbeirufen, um auszudrücken, wie erhaben die dreimal wunderbare Mutter ist, die „den zweiten Platz nach der Gottheit innehat“ (Ephräm). „Nichts ist Maria gleich, nichts außer Gott, der größer ist als sie“ (Anselm). Pius XI. hat es lehramtlich bestätigt: „Aus dem Geheimnis der göttlichen Mutterschaft fließt Mariens einzigartige Gnade und ihre nächst Gott höchste Würdigkeit.“



    „Wahrlich, Großes hat an mir getan der Allmächtige.“



    Kirchengebet



    Gott, in den Anordnungen deiner Vorsehung kannst du dich nicht irren. Wir bitten dich flehentlich, wende auf die Fürbitte Mariä, der seligen Jungfrau und Mutter deines Sohnes, von uns alles Schädliche ab und gewähre uns alles Heilsame.



    Zur Geschichte des Festes: Von einer Ordensfrau im Dreifaltigkeitskloster vom Heiligsten Herzen in Rom wurde 1844 ein Marienbild gemalt, über dem ein himmlischer Glanz zu liegen schien. Gar bald hörte Pius IX. von mehreren Wundern, besonders von Krankenheilungen, die vor diesem Bild geschehen seien. Er selber besuchte daraufhin das Kloster und kniete betend vor diesem Bild. Dies geschah am 20. Oktober 1846. Er erlaubte dann dem Dreifaltigkeitskloster die Feier eines eigenen Festes unter dem Titel: Mater admirabilis. – 1893 wurde dem ganzen Orden der Schwestern vom Heiligsten Herzen dieses Fest gestattet und ein eigenes Messformular geschenkt. Es blieb aber dieses Marienfest nicht auf den Orden beschränkt. Auch andere Ordensgemeinschaften und Diözesen erbaten und erhielten in Rom die Erlaubnis zu dieser Festfeier.



    („So feiert dich die Kirche“, Prof. Dr. Carl Feckes, Maria im Kranz ihrer Feste, Steyler Verlagsbuchhandlung, 1957)

    Liebe Grüße, Blasius

  • Thema von Blasius im Forum Unsere Fürsprecher



    Vor vierhundert Jahren studierte auf der Universität zu Krakau ein Student, welcher durch Talent, Fleiß, Frömmigkeit und Tugend leuchtete wie ein Stern, und doch so bescheiden war wie ein Veilchen. Er wurde Priester und Professor in derselben Stadt; hierbei war in seinem ganzen Verhalten der Ausspruch des heiligen Ambrosius seine Richtschnur: „Wichtiger als die Gelehrsamkeit ist das Leben; denn ein gutes Leben ist auch ohne Gelehrsamkeit angenehm vor Gott; hingegen Gelehrsamkeit ohne entsprechendes Leben ist unvollständig.“ Darum suchte Johann von Kanti, so hieß dieser Lehrer, mit größtem Eifer das selbst zu üben, was er lehrte und seinen Schülern ans Herz legte. Weil aber seiner Demut der Rang und das ansehen, worin er stand, lästig war, so machte er manchmal Reisen und kleidete sich dabei wie ein ganz gemeiner Mensch, um auch Verachtung und Beschimpfung, was er zu Haus nicht fand, auswärts aufzusuchen.

    Einmal wollte er nach Rom reisen, und machte sich nach seiner Gewohnheit zu Fuß und allein auf den Weg. Plötzlich springen Räuber auf ihn los, schlagen ihn und nehmen ihm sein Reisegeld; dabei drohen sie ihm mit demTod, wenn er nicht von selbst Alles heraus gebe. In der Bestürzung hatte aber Johann nicht daran gedacht, daß er aus Vorsicht einige Goldstücke in die Kleider eingenäht habe, und sagte deshalb, er habe nichts zurück behalten. Als er nachher vom ersten Schrecken sich erholt hatte, fiel ihm erst sein verborgenes Gold ein, und es erfüllte ihn mit bitterem Schmerz, daß er den Räubern eine Unwahrheit gesagt habe. Mit eiligen Schritten lief er ihnen nach, rief ihnen aus der Entfernung, sie möchten warten, und als er sie erreicht hatte, bekannte er kniefällig, er habe gelogen und Gottes Zorn verdient. Er reichte ihnen alles Gold hin, das er aus Vergesslichkeit zurück behalten hatte. Die Räuber erstaunten über eine solche Einfalt und Unschuld, ihre harten Seelen wurden gerührt, wie ein Schneefeld aufgetaut, wenn lauer Westwind geht und die Frühlings-Sonne aus den Wolken tritt. Sie werfen sich selber dem heiligen Mann zu Füßen, geben ihm Alles zurück und bitten ihn um Verzeihung.

    Was hier in dieser Geschichte geschah, daß die Taubeneinfalt des heiligen Mannes gerade sein wahrer Vorteil wurde, das geschieht auch im Allgemeinen und in ganzen Lebensschicksalen auf der Welt. Zu einem Beamten, der mir als wahrer Christ bekannt ist, sagte einmal sein Schwager, ein durchtriebener schlauer Mann, wenn man in der Welt durchkommen wolle, müsse man recht gescheit und pfiffig sein. Er verstand aber unter dieser Gescheitheit besonders auch Lügen und Verstellung. Der Beamte antwortete ihm: Nein, im Gegenteil, man kommt am besten durch, wenn man einfältig ist. Hernach hat das Schicksal beider Männer gezeigt, wer Recht hat. Der erstere ist auf seinen schlauen krummen Wegen in Armut und Verachtung gekommen; und dem Andern und seiner Familie ist es mit seiner Aufrichtigkeit und Geradheit in allen Beziehungen sehr gut ergangen. Wer sein Reden und sein Benehmen immer nach dem Wind richtet, d. h. wie er meint, daß es ihm Gunst der Leute und Vorteil bringen werde: der verwickelt sich gewöhnlich in sein eigenes Strickwerk und stürzt. Hingegen wer einfach sein Tun und Lassen nach dem sucht, was vor Gott recht ist, ohne viel darnach zu fragen, wie es die Leute aufnehmen: der wird oft von der Welt einfältig und dumm gescholten, zuletzt aber gewinnt er die Achtung und das vertrauen der Welt selbst und das Wohlwollen und den Segen Gottes.

    Der heilige Johann von Kanti war gewöhnt täglich die heilige Messe zu lesen. Nun aber bekam er manchmal Besorgnis, er dürfe nicht zum Altar treten, weil er als Professor zu heftig eine Wahrheit verteidigt oder zu stark einen Fehler gerügt habe. Da hatte er nun keine Ruhe, bis er die Betreffenden aufgesucht und demütig um Verzeihung gebittet hatte. Er machte sich auch selbst folgenden Vers und schrieb denselben in seinem Zimmer mit einer Kohle an die Wand, als fortwährende Mahnung:

    Conturbare ccave, non est placare suave;
    Diffamare cave: nam revocare grave.

    Hüte dich zu kränken, denn beschwichtigen it nicht angenehm;
    Hüte dich an der Ehre anzugreifen, denn widerrufen ist schwer.


    Nach einiger Zeit wurde Johann als Pfarrer nach Ilkusch gesetzt. Hier nun erfüllte er alle Pflichten eines guten Hirten auf das vollkommenste. Durch die Heiligkeit seines Wandels und das verkündigte Wort Gottes weckte er bei seinen Pfarrkindern Eifer für Religion und Tugend. Sehr viele entsagten dem Laster, tilgten die Flecken ihrer Sünden, legten die schlechten Gewohnheiten ab, legten sich schwere Bußübungen auf und ahmten das herrliche Tugendbeispiel ihres Seelsorgers nach. Allein sein zartes Gewissen hielt die Seelsorge für ein allzu gefährliches Amt; er wollte deshalb lieber wider zu seinem früheren Lehrberuf zurück treten.

    Aber auch als Professor war er sehr streng gegen sich; er machte eine Wallfahrt nach Jerusalem und einige Male nach Rom, und dies zwar zu Fuß, wie er selbst sagte, um die Strafen, welche ihm im Fegefeuer gebührten, dadurch abzubüßen. Dreißig Jahre lang vor seinem Tod enthielt er sich von allem Fleisch; einmal wurde er aber von heftiger Begierde nach Fleisch versucht. Da nahm er ein brennend heißes Stück Fleisch vom Bratspieß, drückte dasselbe in das Gesicht und schlug damit, indem er sagte: „Du Fleisch hast Fleisch begehrt, sättige dich jetzt am Fleisch.“ Von nun an war er für immer frei von Gelüsten nach Fleisch.

    Seine Besoldung, welche er als Professor hatte, teilte er so mit den Armen, daß er nur den kleinsten Teil für sich zum Lebensunterhalt behielt. Ja oft beraubte er sich selbst des Notwendigsten, um den Armen Kleider, Schuhe oder sonstigeBedürfnisse anzuschaffen. Namentlich hatte er die Gewohnheit, daß er die eigenen Schuhe auszog und herschenkte, wenn er Armen begegnete, die deren entblößt waren. Er selbst ließ dann seinen Mantel bis zum Boden herab, damit man es nicht bemerkte, wenn er barfuß nach Hause ging.

    Einst saß der heilige Mann mit einigen Studenten, die seiner Aufsicht übergeben waren, zu Tisch; es war zur Zeit, wo er noch Fleisch aß. Er teilte nun jedem Fleisch zu, und behielt für sich das letzte noch übrige Stück. Da hörte er einen Bettler an der Türe; alsbald ließ er ihm seine eigene Portion geben. Da wurden die andern Tischgenossen besorgt, daß er nun nichts zu essen habe. Auf einmal sehen Alle mit Erstaunen, daß das nämliche Stück Fleisch, welches er hergegeben hatte, wieder vor ihm auf dem Teller lag. Der heilige Mann nahm es mit Freuden an als ein Geschenk der göttlichen Vorsehung und verspeiste es mit Dank gegen den Herrn. Dieses wunderbare Ereignis wurde die Veranlassung zu einem schönen Gebrauch, welchen die Professoren des Kollegiums in Krakau zum Andenken daran einführten. Sie haben nämlich die Regel festgesetzt, täglich einen Armen, oder Christus in Gestalt des Armen, an ihrem Tisch als Gast zu haben. Und wenn ein Armer an der Türe ihres Speisesaales erscheint, so muss immer einer der Knaben, welche am Tisch aufwarten, es dem Vorsitzenden melden mit den Worten: „Ein Armer kommt.“ Und jener nimmt die Meldung mit Ehrerbietung auf, indem er sagt: „Christus kommt.“ Sodann wird dem Armen liebevoll eine Gabe dargereicht. Auch haben die Professoren dort in Nachahmung des heiligen Johann von Kanti einen Fonds angelegt, mit der Bestimmung, daß jährlich Armen daraus Kleider angeschafft werden.

    Da nach dem Tod des gottseligen Mannes sehr viele wunderbare Heilungen auf seine Anrufung geschahen, so wurde eine genaue Untersuchung über sein Leben und vorgefallene Wunder angestellt, wonach er feierlich heilig gesprochen wurde. In dem Erlass über diese Heiligsprechung sagt Papst Klemens XIII.: „Gott wollte nicht, daß seine Kirche ohne Verteidigung blieb; tausend Schilde, die Waffenrüstung der Tapferen, sind aufgehängt an ihren Mauern, wie in einer festen Burg. Diese Schilde sind die Kirchenlehrer, welche den Glauben und die Sittengesetze mit Eifer und Umsicht von dem Stuhl der Weisheit vortragen, oder die in besonderen Lehrstunden den Samen der ewigen Seligkeit in die Gemüter der Schüler ausstreuen, und sie durch die Reinheit ihres Wandels zur Erkenntnis der Wahrheit führen. Um der Kirche als eine feste Schildburg zu dienen, wider welche die Pforten der Hölle nichts vermögen, ist die Wissenschaft nicht zureichend, wenn sie nicht im Bunde steht mit der Heiligkeit; die Vereinigung von Beiden erhöht ihre Kraft und Würde.“ –


    aus: Alban Stolz, Legende oder der christliche Sternhimmel, Bd. 4 Oktober bis Dezember, 1872, S. 115 – S. 119

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    Liebe Grüße, Blasius

  • Foren-Beitrag von Blasius im Thema

    Danke lieber Aquila für die Lehrreiche Ergänzung, danke liebe Hemma für den Hinweis zu

    folgendem Text von CORDULA PEREGRINA:



    "Ich bin es!" (Lukas 24, V. 36)

    Ich bin's, der schon vor allen Ewigkeiten
    Im Herzen trug der Welterschaffung Plan.
    Ich bin's, der Euch die Erde wollt' bereiten,
    Der Sonne, Mond und Sternen wies die Bahn,
    Ich bin's, der - nach dem Fall - in künft'gen Zeiten
    Euch Sündern die Erlösung kund gethan,
    Der Euch schon dort auf jenes Weib hieß blicken,
    Durch das der Welt Ich Hilf' und Heil wollt' schicken!

    Ich bin's, der - als der Zeiten Füll' gekommen, -
    Vom Himmel stieg in dieses Weibes Schooß,
    Ich bin's, - das Wort, das Fleisch hat angenommen,
    Um - Mensch wie Ihr, - zu lindern Euer Loos!
    Ich bin's, für den in heißer Lieb' erglommen
    Der Hirten Schaar, die Weisen reich und groß,
    Da arm und bloß im Kripplein Ich gelegen,
    Der Engel Lust, der Erde Weinachtssegen!

    Ich bin's, der Alle an Mein Herz wollt' heben,
    Der Blinde, Lahme, Taube mild geheilt,
    Der Kranken Kraft, den Todten neues Leben,
    Betrübten Trost, Verzagten Muth ertheilt,
    Der gnadenvoll der Sünder Schuld vergeben,
    Zu dem so froh der Kinder Schaar geeilt;
    Ich bin's, der einst durchzog Judäas Auen,
    Um wohlzuthun, des Vaters Reich zu bauen!

    Ich bin's, den man zum Lohn für solche Liebe
    Verklagt, verdammt, mit Haß und Hohn bedeckt,
    Den man zerfleischt durch scharfe Geißelhiebe,
    Gekrönt, entblößt, auf's Holz der Schmach gestreckt,
    Mit Nägeln dort - daß Nichts erspart Mir bliebe! -
    Das Fleisch durchbohrt, die Glieder ausgereckt, -
    Ich bin's, der für der Sünder Heil und Leben
    Den letzten Tropfen Blut's dahin gegeben!

    Ich bin's, der nicht verblieb in Grabes Banden,
    Der nur dort schlief, Euch Tod und Grab zu weih'n,
    Der glorreich dann vom Tode auferstanden
    Am dritten Tag im Ostermorgenschein!
    Ich bin's, - der Leu aus Judas Stamm und Landen,
    Der da gesiegt, dem Ruhm und Preis allein!
    Ich bin's, der Auferstehung, Licht und Leben
    Am Schluß der Zeit will all' den Meinen geben!

    Ich bin's, der dann zum Vater heim gegangen,
    Bei dem auch Euch Ich Wohnung hab' bestellt,
    Ich bin's, durch den die Jünger all' empfangen
    Den Tröster werth, den Geist vom Himmelszelt,
    Ich bin's - damit die Völker Heil erlangen, -
    Der sie gesandt hinaus in alle Welt,
    Um Groß und Klein das Wort vom Kreuz zu künden,
    Und überall Mein göttlich' Reich zu gründen!

    Ich bin's, der, - ob im Himmel jetzt auch thronend -
    Doch immer noch auf dieser Welt Ich weil',
    Im Sakrament mit Gott- und Menschheit wohnend,
    Wo Lieb' und Leid mit Meinem Volk Ich theil',
    Der Frommen Herz mit reichster Huld belohnend,
    Der Kirche Schatz, der Erde Hort und Heil,
    Ich bin's, den schon Prophetenwort bekannte,
    Und staunend den "verborg'nen Gott" Mich nannte!

    Ich bin's, der im Altare sich verschlossen
    Mit Fleisch und Blut, mit Leib und Geist zugleich,
    Ich bin's, der - wenn auch Tausend Mich genossen, -
    Doch unzertheilt für alle Welt noch reich'!
    Ich bin's, der - ganz von Licht und Lieb' umflossen -
    Für Alle trägt ein Herz so warm und weich,
    Daß Ich der Wunder größtes mußt' erdenken,
    Als Himmelsbrot der Erde Mich zu schenken!

    Ich bin's, der nicht verwais't Euch wollte lassen,
    Der bei Euch bleibt bis zu der Zeiten Schluß,
    Ich bin's, der sehnlich wünscht, Euch zu umfassen
    Im Abendmahl mit heißem Liebeskuß!
    Ich bin's, der - trotz Verräthers Hohn und Hassen, -
    Sich Jedem schenkt zu täglichem Genuß!
    Ich bin's, so wahr, so wesenhaft zugegen,
    Daß Alles zehrt von Meines Daseins Segen!

    Ich bin's. Ich selbst! - kein Schein, kein bloß' Bedeuten,
    Kein frommer Wahn, kein Spiel der Phantasie,
    Kein Schatten nur, kein Bild vergang'ner Zeiten,
    Kein leerer Traum, der sich verwirklicht nie!
    Ich bin's, Ich selbst! - der Gott der Ewigkeiten,
    Der Jungfrau Sohn, - o sinkt auf Euer Knie
    Und betet an mit allen Engelheeren,
    Die staunend Mich im Sakrament verehren!

    "Ich bin's, Ich selbst!" - Auf dies Mein Wort, das hehre,
    Sollt leben Ihr mit heil'gem Glaubensmuth!
    Dafür - und wenn's in tausend Qualen wäre!! -
    Dürft sterben Ihr in heißer Liebesgluth!
    Dies Wort allein gibt in des Lebens Schwere
    Euch stete Kraft, zu kämpfen bis auf's Blut!
    Mit diesem Wort im Herzen und im Munde
    Bleibt Sieger Ihr, - ging' auch die Welt zu Grunde!

    "Ich bin's, Ich selbst!" - O laßt es nie Euch rauben
    Dies hehre Wort, das ew'ge Wahrheit ist,
    Und lebt und sterbt im einzig wahren Glauben
    Als Kind des Heil's, als hochbeglückter Christ!
    Dann sprech' Ich einst: "Fliegt auf, Ihr Meine Tauben,
    Der Lenz ist da! vorbei des Winters Frist!
    Ich bin's Ich selbst!" den nun auf Flühlingsauen
    Ihr unverhüllt im ew'gen Licht dürft schauen!"

    Cordula Peregrina (1872)

    "Was das Ewige Licht erzählt" - Gedichte über das Allerheiligste Altarssakrament von Cordula Peregrina (C. Wöhler) - Achte verbesserte und vermehrte Auflage.

    Mit Fürstbischöflicher Approbation. Innsbruck. Druck und Verlag von Fel. Rauch, 1893.

    Transkription: © by P.O. Schenker, Immaculata-Verlag, CH-9050 Appenzell

    http://cordula-peregrina.blogspot.com/

    Liebe Grüße, Blasius

  • Foren-Beitrag von Blasius im Thema




    Das Kreuz ist ein Wegweiser zum Himmel

    Das Kreuz ist für den Christen ein Wegweiser zum Himmel. Das ist ja die Bedeutung des Wegweisers, den man an die Landstraße stellt, daß er dem Wanderer die rechte Richtung nach seinem Ziel anzeigt und ihn vor dem Irregehen bewahrt:

    Denn Irregehen, o welch traurig Wort,
    Wie angstvoll geht das Kind, das arme, dort,
    Es sucht und sucht, und kennt sich nirgends aus,
    Und weiß nicht heim zum lieben Vaterhaus!


    Pilger sind wir ja aber alle auf Erden, Pilger, noch so weit von dem herrn, peregrinamur a Domino, und unser Reiseziel ist der Himmel. Darum gilt uns das Wort des Propheten: „Steh auf und geh, denn hier ist keine Ruh` für dich!“

    Wohin, o müder Wand`rer du!
    Kehr` heim ins Vaterhaus!
    Du findest nirgends deine Ruh`,
    Läufst du die Welt auch aus,
    Kehr` heim!

    Kehr` heim mit deinem Heimweh-Schmerz
    In Gottes Friedensschoß,
    und häng` nicht an die Welt dein Herz,
    Sonst bleibst du heimatlos!
    Kehr` heim!


    Welches ist denn aber der Wegweiser, der uns die rechte Richtung zu unserm Ziele gibt? – es ist das Kreuz, dieses leibhaftige Sursum corda, stell` himmelwärts dein Herz! Daher ist es eine gar passende Inschrift, die man an diesen Wegweiser zu setzen pflegt: „Pilger, rette deine Seele!“ Sie ist geeignet, gar manchen verlorenen Sohn zur Einkehr und Umkehr und Heimkehr zu bewegen!

    Das Kreuz gewährt dem Christen die Bürgschaft eines guten Todes. Bayard, der „Ritter ohne Furcht und Tadel“, wurde beim Rückzug von Mailand, in der Schlacht an der Sesia (1524), von einer Kugel tödlich getroffen. Er sank vom Pferd mit den Worten: „Herr Jesus, ich sterbe!“ Sein Knappe musste ihn an einen Baum anlehnen, aber so, daß er das Gesicht dem Feind zukehrte. Nun verlangte er einen Priester zum Beichten, aber es war keiner zu finden; er verlangte ein Kruzifix, aber es war keines zu haben. Wie also dem sterbenden Ritter seinen letzten Wunsch erfüllen? In diesem Augenblick erinnerte er sich, daß der Knauf seines Schwertes die Gestalt eines Kreuzes habe. Daher befahl er seinem Knappen, sein schert vor ihm in den Boden zu stechen, damit es wie ein Kreuz vor ihm stehe. Und nun stand er da, an den Baum angelehnt, das Gesicht dem Feind zugekehrt, die Augen auf das Kreuz gerichtet, die Hände zum Gebet gefaltet, drei Stunden lang, bis er seinen Geist aufgab. So starb also der „Ritter ohne Furcht und Tadel“. Das ist aber gerade die schönste und beste Stellung, in welcher der Christ sterben soll: die Augen gläubig auf das Kreuz gerichtet, das Gesicht mutig dem Tode zugekehrt, die Hände demütig zum Gebet gefaltet. – Der Kaiser Vespasianus ließ sich in der Todesstunde ankleiden und aufrecht stellen, denn, sagte er, ein Kaiser müsse stehend sterben. Das ist aber noch nicht einmal ausgemacht, ob es Pflicht für einen Kaiser sei, stehend zu sterben: wohl aber ist es sicher, daß ein Christ treu und standhaft im Glauben an Christus sterbe. Wohl also demjenigen, der in seiner Sterbestunde hiervon eine sichere Probe zu geben vermag! Diese bietet aber derjenige, der mit dem Kreuz in der Hand, mit dem kreuz vor den Augen stirbt. Möge darum jeder im Leben sich so zum Kreuz stellen, daß im Sterben ihm die Worte aus der Seele gesprochen sind:

    Wenn in der Krankheit Fiebergluten
    Auf meinem Bett ich stöhnend lieg`,
    Und zähle leidend Stund` um Stunde,
    So ungeduldig, krank und siech,
    Da blick` ich auf zu jenem Dulder,
    Der so viel mehr noch litt als ich,
    Und spüre Trost in dem Gedanken:
    „Dein Heiland sieht vom Kreuz auf dich!“


    … und Wahrzeichen der künftigen Auferstehung
    Das Kreuz ist dem Christen das Unterpfand, das Wahrzeichen der künftigen Auferstehung. Was wäre da vieles und schönes zu sagen vom Kreuz auf dem Kirchhof, vom Kreuz auf den Gräbern! Der Gärtner setzt auf jedes Gartenbeet einen Pfahl mit dem Namen der Samenkörner oder Blumenzwiebeln, die sich darin befinden. Das Kreuz auf dem Kirchhof und den Gräbern ist der Pfahl, der da jedem anzeigt, welche Saatkörner in diesem Beet sich befinden: katholische Christen, „gesät in Verweslichkeit, um einstens aufzugrünen in Unverweslichkeit und Herrlichkeit“. – In dem alten Kirchhof zu Augsburg steht auf dem Grab der Jesuiten als Denkmal ein einfaches Kreuz mit zwei Worten: „Vivit, er lebt; resurrecturis, denen, die auferstehen werden, gewidmet“. Das ist zwar eine kurze, aber inhaltsschwere Grabschrift, wie sie nicht schöner und trostreicher auf einem Kirchhof über den Gräbern der Toten stehen kann: Vivit, er lebt, und durch dieses sein Leben, durch seine Auferstehung hat er seine Lehre bestätigt, seine Sendung beglaubigt, seine Wunderwerke besiegelt. Vivit, er lebt, und durch dieses sein Leben hat er sich als wahren Gott bewährt, als den Erlöser der Welt bezeugt, als den Richter der Lebendigen und Toten, als den Seligmacher der Gerechten schon im voraus ausgewiesen. Vivit, er lebt, und zwar als Sieger durch seine Allmacht, als König durch seine Weisheit, als Herrscher durch seine Barmherzigkeit. Vivit, er lebt und belebt, er macht lebendig die geistig Toten und die leiblich Toten; die geistig Toten durch die belebende Kraft seines Blutes, seiner Gnade, seiner Sakramente, die leiblich Toten durch das Wort seiner Allmacht, welches das große Leichenfeld der Erde, diesen ungeheuren Kirchhof, wie Posaunenschall dereinst durchdröhnt, die dürren Gebeine anbläst, zusammen fügt, mit Haut überzieht und Geist und Leben in sie sendet:

    Er lebt und will uns Leben sein
    Zum innern auferstehungsfest,
    Er lebt und wird uns Leben sein
    Am großen Weltverjüngungsfest.


    Was aber dieses eine inhaltsschwere Wort für Trost und Zuversicht dem gläubigen Christen gewährt, das ersehen wir aus dem herrlichen Ausspruch, womit der große Dulder Job in seinem schweren Leiden seine Hoffnung auf die eigene Auferstehung ausgesprochen: „Wer gibt mir, daß meine Worte aufgezeichnet werden in ein Buch mit eisernem Griffel, und auf ein Täflein von Blei, oder eingehauen werden in einen Fels mit dem Meißel: Ich weiß, daß mein Erlöser lebt: auch ich werde auferstehen. … Diese Hoffnung ruht in meinem Busen.“ Darum steht kein Denkmal mit solchem Recht und solcher Bedeutung auf dem Kirchhof, auf den Gräbern der Toten, als das Kreuz; denn das Kreuz allein mit seiner lebendig machenden Kraft gestattet uns, auf den Grabstein zu schreiben: Resurrecturis, denen gewidmet, die auferstehen werden; ohne das Kreuz müsste man sagen: Mortuis, denen, die im Tode bleiben: denn ohne das Kreuz keine Auferstehung, kein ewiges Leben. –

    aus: Philipp Hammer, Der Rosenkranz, eine Fundgrube für Prediger und Katecheten, ein Erbauungsbuch für katholische Christen, I. Band, 1896, S. 101 -S. 105

    https://katholischglauben.info/das-kreuz...ser-zum-himmel/


    Liebe Grüße, Blasius

  • Thema von Blasius im Forum Wenn etwas der Klärung...



    Ist es erlaubt den Tod sich zu wünschen

    Im Anfang des Märtyrertums hat die hl. Fortunata Gott gebittet, daß die Säge und der Zahn der Raubtiere sie nicht verletzte; und zuletzt hat sie im Gegenteil gebittet, Gott möge es nicht verhindern, daß der Scharfrichter sie enthaupte. Ist es erlaubt, den Tod sich zu wünschen, oder noch darum zu bitten? Der hl. Aloysius fragte in seiner letzten Krankheit seinen Beichtvater, ob es keine Sünde sei, daß er so sehnlich den Tod wünsche.
    Darauf gibt es eine einfache gewisse Antwort, nämlich es ist mit dem Wunsch und Gebet bald zu sterben gerade so, wie mit dem Wunsch und Gebet länger zu leben. Wünschst du zu sterben aus Sehnsucht bei Gott zu sein, wie die hl. Fortunata oder der hl. Paulus, der gesagt hat: ich wünsche aufgelöst zu werden und bei Christus zu sein, dann ist dein Wunsch gut und gottgefällig. Wünscht sich aber der kranke oder sonst geplagte Mensch bald zu sterben, bloß um seines Kreuzes los zu werden und Ruhe zu bekommen, so ist ein solcher Wunsch nichts Gutes, ja ist oft ein Ziechen von Mangel an Geduld, an Bußfertigkeit, an lebendigem Glauben.

    So verhält es sich auch mit dem Wunsch länger zu leben. Die hl. Fortunata betete im Anfang der Marter deshalb um Erhaltung, damit Gottes Macht verherrlicht und viele Seelen zum Glauben gebracht würden. So magst du auch immerhin beten, daß dir Gott das Leben länger lasse, wenn du hoffst noch manches Gute wirken zu können, oder manches angerichtete Böse gut zu machen hast, oder dein Leben für Andere, z. B. für unerzogene Kinder, von Wichtigkeit ist.

    Aber nicht sterben wollen, nur um das Leben länger zu genießen oder weil man sich von seinen Gütern und Ämtern nicht trennen mag, ist ein Zeichen von einer verkehrten Seele, die freilich nach dem Tod nichts Gutes zu erwarten hat, wenn sie sich nicht vorher noch bekehrt. –

    aus: Alban Stolz, Legende oder der christliche Sternhimmel,
    Bd. 4 Oktober bis Dezember, 1872, S. 73 – S. 79

    https://katholischglauben.info/heilige-f...ea-maertyrerin/


    14. Oktober Heilige Fortunata von Cäsarea, Jungfrau und Märtyrerin (Todeswunsch)

    Fragen und Antworten sind herzlich willkommen,

    liebe Grüße, Blasius

  • Thema von Blasius im Forum Unsere Fürsprecher



    Wenn der Kaufmann Danei im norditalienischen Ovada seine Kinder, sechszehn an der Zahl, beidseitig der Größe nach abgestuft, nebeneinander stellte, so sah es aus wie eine lebendige Orgel. Da gab es dann auch täglich ein Orgelkonzert, und manchmal herrschte ein Krach im Haus, dass man das eigene Wort nicht verstand. Die kinderliebenden Eltern hatten an dieser Musik die größte Freude. Obwohl sie hart arbeiten mussten, um all die Mädchen und Jungen großzuziehen, mochten sie trotzdem nicht auf eine einzige Stimme an ihrer sechszehnpfeifigen lebendigen Hausorgel verzichten. Wenn es manchmal allzu laut herging, rief der Vater oft dazwischen: „Kinder, wie oft habe ich euch schon gesagt, dass nie mehr als sieben zur gleichen Zeit reden sollen!“ dann lachten alle umso lauter und lärmten und sangen und pfiffen weiter.



    Nur beim gemeinschaftlichen Gebet am Morgen, vor und nach dem Essen und zur Nacht herrschte Ruhe, die abends noch eine Weile anhielt, denn nach dem Rosenkranz, der täglich gebetet wurde, griff Vater Danei zur Heiligenlegende und las laut und schön die Geschichte des Heiligen vom nächsten Tag vor. Es dauerte etwa zehn Minuten, und nachher fragten die Kinder noch die Eltern aus nach diesem und jenem, was sie in der Legende nicht verstanden hatten. Gern erklärten Vater und Mutter alles, bis es allmählich Zeit wurde, in die Federn zu kriechen.



    Vor allem war es Paul, der Älteste, ein stiller, nachdenklicher, lieber Junge, der, weil er gern alles genau wissen wollte, am meisten fragte. Ihm war es nämlich klar, dass auch er ein Heiliger werden musste. Tatsächlich steht heute das hohe Wort „heilig“ vor seinem Namen. Pauls spätere Heiligkeit hat also ihre Wurzel in der täglichen Lesung der Heiligenlegende.



    Besonders zog die Geschichte vom bitteren Leiden und Sterben des Heilandes den warmherzigen Jungen an. Schon in der frühesten Jugend war es so bei ihm. Paul trug nämlich der damaligen Mode entsprechend langes Haar, und wenn ihn die Mutter morgens nach dem Waschen kämmte, schrie er regelmäßig so sehr, dass man es auf der Straße hören konnte. Wenn ihm aber die Mutter ein Kruzifix in die Hand drückte und zu ihm sagte: „Schau, wie viel der liebe Heiland gelitten hat!“, so verstummte sofort jeder Laut, und jede Träne versiegte. Tapfer biss der Kleine die Zähne zusammen und ruckte und muckte sich nicht mehr.



    Paul war also schon in der Kindheit ein Paul vom Kreuz. Als junger Mann ging er dann dem Vater im Geschäft zur Hand. Später meldete er sich freiwillig zu einem Kriegszug gegen die Türken. Unterwegs erhielt er jedoch in einer übernatürlichen Erleuchtung von Gott den Auftrag, selbst ein Heer von geistigen Gottesstreitern aufzustellen, nämlich einen neuen Orden zu gründen, dessen Mitglieder vor allem durch feurige Predigten über den gekreuzigten Heiland die Menschen zu Christus zurückführen sollten.



    So geschah es auch. Paul, der sich von nun an Paul vom Kreuz nannte, stiftete den Orden der Passionisten. Das bedeutet, den Orden vom bitteren Leiden und Sterben unseres Herrn Jesus Christus, der heute noch blüht und weltweit viele tausend Mitglieder hat, die gerade durch die Predigt über den Gekreuzigten zahllose Menschen in die Freiheit der Kinder Gottes führen. Im Jahr 1775 starb Paul vom Kreuz, und 1867 wurde er heiliggesprochen.

    Liebe Grüße, Blasius

  • Foren-Beitrag von Blasius im Thema




    Der Heilsplan Gottes für den Menschen
    Gott offenbart seinen „gnädigen Ratschluß“

    Liebe Leserinnen und Leser,

    Das Gewissen spricht das Urteil

    Das Gewissen tritt als Zeuge und Richter auf


    Wenn die neuere Philosophie das Gewissen erst nach der Tat erwachen lassen will, so leugnet sie also gerade den hauptsächlichsten und erhabensten Teil seiner Wirksamkeit, dem zufolge es uns schon vor jeder Handlung im Namen, und mit der Kraft Gottes bekleidet gesetzgeberisch nahe tritt. Sie verkennt aber auch die zweite oder die begleitende Tätigkeit. Nachdem uns dieses nämlich vor der Tat den Willen Gottes vorgehalten hat, stellt es sich neben uns, um als Zeuge zu beobachten, wie wir der Pflicht gerecht werden, den erkannten Willen Gottes zu vollziehen. Auch diese Tätigkeit übt das gewissen nicht in eigenem Belieben, sondern ebenfalls im Namen und im Auftrag Gottes selber. Es läßt sich nicht zum Mitschuldigen machen. Es gibt sich nicht einmal zum stummen Zuschauer her. Es tritt als Zeuge auf und gibt mit unparteiischer Wahrheitsliebe Zeugnis, selbst wenn es von niemand dazu angerufen wird, ja auch wenn wir uns Mühe geben, seine Stimme zum Schweigen zu bringen.

    Beweis genug, daß es auch diese Tätigkeit nicht von uns hat, sondern von einer höheren, unbestechlichen, der Lüge unzugänglichen Autorität, von Gott selber. Daher steht es auch durchaus nicht in unserer Macht, uns dieses Zeugen zu entschlagen. Wir können sein Zeugnis für uns günstig machen. Dazu haben wir die Fähigkeit, ja die Pflicht. Und es wird hoffentlich niemand sein, der nicht aus Erfahrung wüßte, welchen Trost und welche Zuversicht das Zeugnis des guten Gewissens leiht. Aber vermeiden oder ertöten läßt sich dieser Zeuge nie. Man kann vielleicht seine Stimme für einige Zeit einschläfern oder übertäuben. Dann erhebt sie sich oft plötzlich später um so lauter, und dann hilft keine Entschuldigung und kein Gegengrund.

    Vor dem menschlichen Richter kann man einen Beweis erbringen, daß man die Tat nicht begangen habe, daß man unterdes anderswo gewesen sei. Vor der eigenen Einbildung kann man sich, wenigstens mit dem Mund, schön machen und sagen: Ich habe es nicht gewußt; so habe ich es nicht gemeint. Aber ein Gebiet bleibt jeder Lüge und jeder Ausrede unzugänglich, das Innerste unserer Seele, das Gewissen. Dieses nimmt keine Entschuldigung an, dieses läßt keinen Gegenbeweis gelten. Mit unbestechlicher Wahrheitsliebe tritt es unsern Worten gegenüber und sagt unserem Geist: Ich war selber dabei. So hast du getan. Das hast du beabsichtigt. Du wußtest recht wohl, was di gesollt und was du gewollt. Darum laß das Leugnen und das Beschönigen und bekenne dich ehrlich zu deiner Absicht und Tat. Und so wird es auch vor dem Gericht Gottes Zeugnis über uns geben, uns anklagend oder uns verteidigend mit unbestechlicher Wahrheitsliebe. (Röm. 2, 15) Mag uns alle Welt loben, es wird uns anklagen und nicht entschuldigen, wenn wir es nicht verdienen. Sollte uns alles verdammen und verwünschen, es wird uns selbst vor Gott verteidigen und retten, wenn wir uns dessen würdig gemacht haben durch Treue gegen sein Gesetz. Der Urteilsspruch aber wird, das ist unser größter Trost und die ernsteste Mahnung für uns, einzig nach der Aussage des Zeugen ausfallen, den wir in unserem Gewissen mit uns herum tragen.

    Noch mehr. Auch das Urteil, sei es das der Anerkennung, sei es das der Verwerfung, muss das gewissen über sich selber sprechen. Das ist die dritte, die nachfolgende Tätigkeit des Gewissens, die des Richters. Gott richtet niemand. (Joh. 3, 17; 5, 22; 8, 15; 12, 47) Aber er bestätigt und verbessert, wenn nötig, das Urteil, welches das Gewissen über uns selber fällt. Aus deinem eigenen Mund richte ich dich (Lk. 119, 22), lautet das einzige Wort des ewigen Richters.

    Darum ist das Gericht so kurz. Zeugenverhör ist unnötig, denn der Mensch bringt an seinem Gewissen den besten Zeugen, den Augenzeugen, mit. Untersuchung und Urteil ist erspart, denn das Urteil spricht ebenfalls das Gewissen. Und Berufung ist wiederum unmöglich, denn von seinem eigenen Urteil kann keiner mehr appellieren.

    Man darf deshalb sagen, daß wir unser Gewissen mehr zu fürchten haben als Gott. Wem sein Gewissen ein gnädiges Urteil spricht, der braucht Gott nicht zu fürchten. Allerdings sagt selbst der Apostel von sich: Ich bin mir zwar nichts bewußt, aber darum noch nicht berechtigt, denn der, welcher dem Gericht vorsteht, ist der Herr. (1. Kor. 4, 4) Der Mensch ist eben in der Verblendung seiner Eigenliebe leicht geneigt, sich zu entschuldigen, so daß er in diesemLeben nie mit voller Sicherheit weiß, ob er der Liebe oder des Hasses würdig ist. (Prd. 9, 1) Aber diese Selbsttäuschung fällt, wenn er einmal vor Gott erscheint. Dort wird er über sich urteilen, wie Gott ihn beurteilt. (1. Kor. 13, 12) Und wenn er sich jetzt mit Ernst vor Gottes Gericht versetzt und in seinem Gewissen das Zeugnis findet, daß er sich nicht zu verwerfen braucht, dann hat er auch von Gott kein Verwerfungsurteil zu befürchten. Darum lesen wir das tröstliche Wort geschrieben: Wenn unser Gewissen uns nicht verdammt, so dürfen wir Zuversicht gegen Gott haben. (1. Joh. 3, 21) Verurteilt uns jedoch schon unser eigenes Gewissen, so mögen wir wohl bedenken, wieviel Grund wir haben, uns vor Gott zu fürchten, dessen Macht und Wissen unser Gewissen so unendlich übersteigt. (1. Joh. 3, 10)

    Das Gewissen bietet uns Grund zur Furcht

    Aber liegt in dieser Tätigkeit des Gewissens nicht eine drückende Last, ja etwas Entwürdigendes? Muss da den Menschen nicht beständig Furcht erfüllen? Und ist Furcht nicht etwas Sklavisches und Erniedrigendes?

    Sicher bietet uns das Gewissen vielen Grund zur Furcht. Aber gerade darum ist es ein so gründlicher und so förderlicher Erzieher. Es ist nämlich ein großer Irrtum, zu glauben, daß jede Furcht erniedrige. Erniedrigend ist bloß eine Furcht, die der Sklaven, die nicht das Böse fürchten, sondern nur, daß sie entdeckt und nach Verdienst gezüchtigt werden könnten. Diese Art von Furcht ist eins mit der Liebe zur Sünde, und diese verbrecherische Liebe wird durch die feige Angst vor der Gerechtigkeit ihre eigene fruchtlose Strafe. Eine solche Furcht kann freilich weder adeln noch bessern.

    Aber es gibt auch eine andere Furcht, jene Furcht, die der Anfang der Weisheit ist (ps. 110, 10; Spr. 1, 7; 9, 10), dir Furcht der Edlen und der Freien. Diese keusche, heilige Furcht ist nichts als ein heldenmütiger Grad der Liebe zur Gerechtigkeit. Sie bezieht sich nicht auf die Strafe, sondern nur auf die Sünde. Gerade weil sie die Sünde flieht, umarmt sie die Strafe. Die, welche sie besitzen, sind es, die selber am meisten die Reinigung ihres Gewissens durch die gerechte Strafe wünschen, wenn sie es in Übereilung befleckt haben. Ja sie warten nicht einmal die Züchtigung ab, sondern sie kommen der verletzten Gerechtigkeit durch Buße zu Hilfe. Und das ist die Furcht, die das Christentum predigt, gewiß eine starkmütige, eine großherzige Liebe zum Guten. Eine solche Furcht entmutigt aber nicht, sondern macht bescheiden und wachsam und ernster im Streben nach der Tugend.

    Darum ist es eine Schmach für den Weltgeist, daß er die Furcht Gottes so sehr verabscheut und gering schätzt, ein Zeichen, daß er keine andere Furcht kennt als die der Sklaven. Auch hierin beschämen ihn die Heiden, die gerade von der zarten Gewissenhaftigkeit alles Gute erwarten, … –

    aus: Albert M. Weiß, Apologetik, Bd. 1, 1905, S. 128 – S. 132


    https://katholischglauben.info/das-gewis...cht-das-urteil/


    Liebe Grüße, Blasius

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