
Über die Begierden des Herzens
Herz, Herz, du hegest der Begierden viele.
Und wirst zerrissen in so bösem Spiele.
Dein Wunsch ersättigt nicht, trifft er auch ein;
Wenn aber nicht, ist herber deine Pein.
1. Das Herz des Menschen, der außerhalb des Reiches Gottes lebt, ist ein unerschöpflicher Quell folternder Begierden, die einander gleich den Wellen eines Stromes drängen. Wohin aber zielen diese heftigen, launenhaften, törichten, niedrigen Begierden? Das Herz zu beunruhigen, zu peinigen, worauf sie verschwinden, um abermals anderen Raum zu geben. Werden sie aber zuweilen erfüllt, so entflammen sie den Durst des Herzens noch heftiger. Denn wann genügten je dem Ehrsüchtigen die Ehren, die er erlangte? Wann den Geizigen die Schätze, die er sammelte? Wann hört je ein begierliches Herz auf zu wünschen, solange noch etwas zu erstreben ist? Durch Überfluss wird ein solches Herz noch ärmer. Es ist ein unersättlicher Abgrund, der alles verschlingt.
2. Betrachte aber die Unruhe eines Herzens, das seinen Begierden den Zügel schießen lässt. Alles bietet es auf, sein Verlangen zu erreichen. Es scheut keine Arbeit, keine Mühe. Es sucht, fleht, kriecht bis zur Niederträchtigkeit. Durch nichts lässt es sich abschrecken. Hindernisse reizen es noch mehr. Es wütet gleich einem Bergstrom, der seinen Damm niederreißt. Und erreicht es trotz aller seiner Mühen sein Verlangen nicht, dann wütet es gleich einem Rasenden, und wird der Verzweiflung zum Raub. O Blindheit und Torheit des menschlichen Herzens, das nach vergänglichen Dingen giert. Mehr peinigt er sich selbst und tut sich schweres Leid an, als seine erbittertsten Feinde ihm antun könnten.
3. Darum vergleicht der Heilige Geist das Herz des Gottlosen "einem brausenden Meer, das nicht ruhen kann, und dessen Wellen Kot und Unflat auswerfen". (Jesaja 57,20) Und fürwahr ist das begierliche Herz ein stürmisches Meer, wo Blitze und Donner erschrecken, Wogen wie Berge sich türmen, wüten und einander unter furchtbarem Getöse drängen. Also wird das Herz gefoltert, dem Gott nicht genügt, oder das seine Glückseligkeit anderswo sucht. Herr, gebiete den Winden und dem Meer, befiehl diesen irdischen Begierden, zu schweigen, und dann wird Friede in das Herz einkehren, und große Ruhe herrschen. "Das Ende der Feinde des Kreuzes Christi ist das Verderben, ihr Gott ist der Bauch; ihr Ruhm besteht in ihrer Schande; Irdisches haben sie im Sinn." (Philipper 3,19)
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