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#1

Das Kreuz ist eine mächtige Schutzwaffe - Was ist denn aber das Kreuz für den Christen im besonderen?

in Schon gewusst ? 17.10.2019 08:18
von Blasius • 2.514 Beiträge



Einer gibt darauf folgende Antwort:

Kreuze schaun von Bergeshöhn
Auf das Weltgetümmel,
Nennt man ja das Kreuz so schön
Leiter zu dem Himmel.

Kreuze rings am Wege stehn,
Um den Pfad zu weisen,
Pilger, die zum Kreuze gehen,
Werden sicher reisen.

Kreuze in den Häusern stehn,
Jeder muss sie tragen;
Ist der Herr am Kreuz zu sehn,
Darfst du auch nicht klagen.

Kreuze auf den Gräbern stehn,
Hoffnung zu erwecken,
Sind wir mit dem Kreuz versehn,
Kann der Tod nicht schrecken.

Das ist aber lange nicht alles, was das Kreuz dem Christen ist. Darum soll es hier der Reihe nach gesagt werden, was dem Christen das Kreuz ist und sein soll.

Das Kreuz ist vor allem dem katholischen Christen ein kostbares Hausgerät. Forstleute bringen oft an ihrem Haus innen und außen Rehhörner und Hirschgeweihe, Wirte an dem ihrigen Schilder und ähnliche Abzeichen an, damit man daran erkenne, wer in dem Hause wohne, welchen Beruf er habe, welches Geschäft er treibe. Das Abzeichen aber, woran man erkennt, daß ein katholischer Christ in dem Hause wohnt, der als solcher seinen Beruf gewissenhaft ausübt, ist das Kruzifix. Darum gehört das Kreuz in jedes christliches Haus, und sollte unter der Aussteuer, womit junge Brautleute von Eltern, Verwandten und Hochzeitsgästen ausgestattet werden, niemals fehlen, damit man es diesem Hausgerät sofort ansieht, wer in dem Hause wohnt.

Um so weniger sollte das Kreuz in einem christlichen Hause fehlen, als es fürs erste eine mächtige Schutzwaffe gegen alle Feinde des Heiles ist. Dieses Zeichen ehren die Engel und fürchten die Teufel. Es ist Meinung der Gottesgelehrten, daß es Geister gibt, denen Gott den Vollzug der Urteile seiner strafenden Gerechtigkeit, den Vollzug seiner Strafgerichte überträgt, wie es der König David bezeugt, wenn er sagt: „Feuer, Hagel, Schnee, Eis und Sturmwinde richten seine Befehle aus“. Klar wird dies uns gesagt im Buch Sirach, im 39. Kapitel: „Es gibt Geister, die zur Rache erschaffen sind, und durch ihren Grimm die Marter verstärken. Zur Zeit des Verderbens lassen sie ihre Macht aus, und besänftigen wieder den grimm dessen, der sie gemacht hat. Sie frohlocken über seine Befehle, stehen bereit an dem Ort, wo er ihrer bedarf, und übertreten, wenn ihre Zeit gekommen ist, sein Gebot nicht. Hiervon war ich von Anbeginn überzeugt; ich erwog und dachte nach, und hinterließ es schriftlich.“ Wo nun aber diese Geister der göttlichen Rache das Kreuz sehen, da gehen sie schonend vorüber. Denn dasselbe ist ihnen heute noch geradeso verehrungswürdig wie damals, wo auf Gottes Geheiß jener Engel, der „das Zeichen des lebendigen Gottes hatte“, ihnen zurief: „Beschädigt nicht die Erde, noch das Meer, noch die Bäume, bis ich gezeichnet habe die Diener unseres Gottes an ihrer Stirne“.

Das Kreuz ist also eine Schutzwaffe selbst gegen die Geister der göttlichen Rache, mehr aber noch – gegen die Geister der Bosheit. Der Teufel fürchtet das Kreuz, denn das Kreuz hat ihn mit seiner ganzen Macht bankrott gemacht. In der Geheimen Offenbarung steht geschrieben: „Ich sah einen Engel nieder fahren vom Himmel, der hatte den Schlüssel des Abgrundes und eine große Kette in seiner Hand. Und er faßte den Drachen, die alte Schlange, welche ist der Teufel und Satan, und fesselte ihn auf tausend Jahre, und er warf ihn in den Abgrund und verschloß und versiegelte ihn über ihm,, daß er nicht mehr verführe die Völker, bis tausend Jahre vollendet wären, und danach muss er losgelassen werden auf eine kurze Zeit.“ Was ist denn nun aber unter dem Schlüssel des Abgrundes und dem Siegel, womit der Abgrund über dem Teufel versiegelt, und der Kette, womit der Satan gebunden ist, zu verstehen? –

Gerhard von Pleisse erzählt, nach Siegeberg habe man einmal ein besessenes Weib gebracht, um sie aus der Gewalt des besitzenden Geistes zu befreien. In der Kapelle des hl. Michael habe man sie oder vielmehr den geist in ihr über allerlei ausgefragt, und sei dabei auch die Rede auf den in der Hölle gebundenen Luzifer gekommen. Da habe aber der böse Geist durch den Mund des Weibes erwidert: „Toren! Mit welchen Ketten glaubt ihr meinen Meister im Abgrund gebunden, mit welchem Schlüssel verschlossen, und mit welchem Siegel verwahrt? Drei Worte sind es, die im Messbuch stehen, durch diese ist er gebunden, verschlossen und versiegelt.“ Er weigerte sich aber, diese drei Worte auszusprechen und verlangte das Messbuch, um sie zu zeigen. Das Messbuch wurde gebracht und ihm dargereicht; er öffnete es, traf mit dem ersten Griff den Kanon und setzte den Finger auf die Stelle, wo es heißt: „Per ipsum, durch ihn, et cum ipso, und mit ihm, et in ipso, und in ihm.“ Da sind, sagt er, die drei Worte, durch die mein mEister in den Abgrund fest gebannt ist. Diese Worte werden aber vom Priester jedesmal mit drei Kreuzen begleitet und heißen gerade so viel wie jene, die bei der Beschwörung angewandt werden: „Per Deum vivum, durch den lebendigen Gott, per Deum verum, durch den wahren Gott, per Deum sanctum, durch den heiligen Gott“. Daher ist das Kreuz auch eine Schutzwaffe gegen die Geister der Finsternis; wo sie es an einem Hause oder einer Türe oder einem Posten stehen sehen, da gehen die Verderber vorüber, ohne Schaden anzurichten. –

aus: Philipp Hammer, Der Rosenkranz, eine Fundgrube für Prediger und Katecheten, ein Erbauungsbuch für katholische Christen, I. Band, 1896, S. 94 -S. 97

https://katholischglauben.info/das-kreuz...ge-schutzwaffe/


Liebe Grüße, Blasius

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#2

RE: Das Kreuz ist eine mächtige Schutzwaffe - Was ist denn aber das Kreuz für den Christen im besonderen?

in Schon gewusst ? 17.10.2019 23:51
von Aquila • 5.706 Beiträge

Gelobt sei Jesus Christus !


Lieber Blasius

Eine eindrückliche Predigt.

Ein jeder Mensch muss Stellung beziehen....für oder gegen das Kreuz.


"Wie stehst du zu Christi Kreuz?"


Pater Jakob Koch von den Steyeler Missionaren in einem "Weggeleit" über das unausweichliche "Ja" oder "Nein" zum Kreuz:
-

"Wir sind da von Augenblick zu Augenblick.
Gott ist von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Bevor irgendein Anfang war, war Gott.

Und wenn von Allem Ende sein wird, ist Gott.
Zwischen Anfang und Ende von allem Geschaffenen sind – auch wir,
- wie ein kleines Pünktchen – wie eine kleine Welle.



Mitten in der Zeit, mitten in der Welt steht Christus mit seinem Kreuz.

Die Menschen alle müssen an ihm vorübergehen und Stellung zu ihm nehmen.
In aller Freiheit können sie sich entscheiden,
ob sie von ihm erlöst werden oder unerlöst bleiben wollen.
Vor dem kommenden Richter aber müssen alle einmal stehen
und aus seinem Munde ihr Urteil entgegennehmen über ihr Glauben und Leben.

"Welt ist Schöpfung, Christentum ist Gnade."

Himmel ist Resultat aus der Übereinstimmung des freien Willens mit Gottes Gnade.
Alles, was einmal Welt war, löst sich zu Augenblicken auf.
Nur Gott bleibt. Nur der Himmel bleibt. Nur die Hölle bleibt.


Eine Frage: - Wie stehst du zu Christi Kreuz?

Das Wort vom Kreuze ist denen, die verloren gehen, eine Torheit,
uns aber, die gerettet werden, eine Gotteskraft.
"
(1 Kor. 1, 18)

-

Dazu auch passend der Thread:
Die Verehrer des Kreuzes
-


Freundliche Grüsse und Gottes Segen|addpics|qps-24-d3d5.jpg-invaddpicsinvv|/addpics|

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#3

RE: Das Kreuz ist eine mächtige Schutzwaffe - Was ist denn aber das Kreuz für den Christen im besonderen?

in Schon gewusst ? 18.10.2019 07:54
von Blasius • 2.514 Beiträge



Lieber Aquila, danke für Deinen Beitrag, eine Ergänzung:

Das Kreuz ist ein Füllhorn des Segens

Es soll sodann das Kreuz in einem christlichen Hause auch deshalb nicht fehlen, weil es fürs zweite ein Füllhorn des Segens ist. Im Volksglauben ist viel die Rede von einem Zauberstab, womit man alles in Gold verwandeln könne; wer einen solchen besäße, wäre bald reich; er würde ganze Felsenstücke in Gold verwandeln. Ein solcher Zauberstab ist aber das Kreuz; es spendet Segen für Leib und Seele, wie die Nachfolge Christi so schön sagt: „Im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Leben, im Kreuz ist Schutz, im Kreuz ist Erguss himmlischer Wonne, im Kreuz ist Starkmut der Seele, im Kreuz ist Freude des Geistes, im Kreuz der Gipfel der Tugend, im Kreuz die vollkommene Heiligkeit im Kreuz die ewige Seligkeit.“

Der also hat recht, der vom Kreuz singt:

O Kreuz des Herrn, so von Segen,
O Gnadenborn auf allen Wegen,
O selig, wer dich lieb gewonnen,
O selig, wer mit dir begonnen,
Mit dir beschlossen seine Pfade,
Mit dir dem Throne Gottes nahte!

Als Student kam der Verfasser einmal an einem Sonntag-Abend durch ein Dorf im bayerischen Hochgebirge an der Grenze von Tirol, und fand die ganze Gemeinde, jung und alt, klein und groß auf einem freien Platz um ein Kreuz herum knien und den Rosenkranz beten. Noch heute ist der Eindruck in seiner Seele nicht verwischt, den dieser Anblick auf ihn gemacht; das Bild des Gekreuzigten, von den Strahlen der untergehenden Sonne beleuchtet, ragte über die betende Schar noch empor. Aber noch nie hat ihn ein Kruzifixbild so ergriffen, wie jenes, um das die ganze Dorfgemeinde kniete; es kam ihm vor, als sei es nicht bloß das Bild, sondern der gekreuzigte Heiland selbst, der da über der Menge schwebe, um ihre Gebete zu hören und einem jeden aus seinen fünf Wundmalen gerade jene Gnade zufließen zu lassen, die er am meisten bedürfe; denn unwillkürlich muss einem sei solchem Anblick das Wort des Herrn in den Sinn kommen: „Wo zwei oder drei in meinem Namen beisammen sind, da bin ich mitten unter ihnen.“. Wo er aber ist, da ist Segen, Friede und Glück, und wo er nicht ist, da ist der Fluch. Eine solche Gemeinde geht also gewiß nur gesegnet nach Hause: zu unserm göttlichen Erlöser kommt man nicht, um – leer fort zu gehen. Wo nun aber das, was dort die ganze Gemeinde getan, Haus- und Familiensitte ist, wo Vater und Mutter mit ihren Kindern täglich um dasKruzifix zusammen knien, um Gott ihren Glauben, ihre Hoffnung und Liebe zu bekennen und ihre Anliegen vorzutragen, soll da der Heiland mit seiner Gnade und seinem Segen nicht in ihrer Mitte sein? O gewiß, das Kreuz im Haus ist ein Füllhorn des Segens. Welch ein Glück also für eine Familie, und welch ein Glück für jedes Kind, wenn in einem Haus die Sitte herrscht, daß kein Kind schlafen geht, ohne daß ihm Vater und Mutter ein Kreuz auf die Stirn gemacht und es gesegnet haben!

Das Kreuz ist für den Christen ein Zufluchtsort in der Versuchung und Anfechtung. Es ist ein bekanntes Bild, das ein Kreuz auf einem Felsen im wild aufgeregten Meer vorstellt, woran sich ein Kind anklammert, um von den anprallenden Wogen nicht mit fort gerissen zu werden. Es betet gut, wenn es betet:

Ich klamm`re mich an deines Kreuzes Nägel,
Der du für mich gestorben bist,
Und lehne mich ans Kreuz, daß du mir helfest,
Geliebter Heiland, Jesus Christ!

Das Menschenleben gleicht ja aber nur allzu oft, wie schon oben gesagt, dem aufgeregten Meer, und es dringen die Versuchungen und Anfechtungen gar häufig wie stürmische Wogen auf das schwankende und zagende Herz ein, um es mit fort zu reißen in Sünde, Schuld und Verderben. Wohl also ihm, wenn es sich beizeiten erinnert, daß es Zufluchtsstätten gibt, wo es sich vor solchen Stürmen schützen kann, und daß eine der sichersten – das Kreuz ist. –

aus: Philipp Hammer, Der Rosenkranz, eine Fundgrube für Prediger und Katecheten, ein Erbauungsbuch für katholische Christen, I. Band, 1896, S. 97 -S. 99

https://katholischglauben.info/das-kreuz...orn-des-segens/


Liebe Grüße, Blasius


zuletzt bearbeitet 18.10.2019 07:55 | nach oben springen

#4

RE: Das Kreuz ist eine mächtige Schutzwaffe - Was ist denn aber das Kreuz für den Christen im besonderen?

in Schon gewusst ? 19.10.2019 09:16
von Blasius • 2.514 Beiträge




Das Kreuz ist eine Schule der Geduld im Leiden

Das Kreuz ist für den Christen eine Schule der Geduld im Leiden. Als die Spanier Mexiko eroberten, wollten sie beutegierig nur Gold und immer nur Gold. Freiwillig gaben aber die Mexikaner ihre Schätze nicht heraus; darum griffen die Spanier zu allerlei Torturen, und legten sogar den Kaiser Guatimozin und seinen Diener auf glühende Kohlen, um sie zum Geständnis zu zwingen, wo die Schätze verborgen lägen. Das war aber eine unerträgliche Qual; kein Wunder also, daß der Diener bittend zu seinem Kaiser hinüber schaute, damit er doch selbst gestehe oder ihn gestehen lasse, wo sich ihre Kostbarkeiten befänden. Der Kaiser aber meinte, es heiße einem Diener nicht allzu viel zumuten, wenn er dasselbe leiden müsse, was sein Herr leide. Daher rief er ihm vorwurfsvoll zu: „Schau her, liege ich denn auf Rosen?“

Nun ist ja aber angesichts der zahllosen Leiden, die Tag für Tag auf das arme Menschenherz herein brechen, nichts so erklärlich, als daß es den Mut und die Geduld verliert. O, der fromme Verfasser der Nachfolge Christi hat recht, wenn er sagt: „Wende dich nach oben, wende dich nach unten, wende dich nach innen, wende dich nach außen, zur Rechten oder zur Linken: allüberall wirst du finden ein Kreuz, ein Leid!“ – Am Rhein, im sogenannten Siebengebirge, gibt es eine Stelle, welche ein siebenfaches Echo bildet; ruft man von dieser Stelle ein Wort, z. B. das Wort Freude hinaus, so tönt es in siebenfachem Wiederhall rings aus den bergen zurück: Freude. Es gibt aber ein Wort, das, mag man es ausrufen von welcher Stelle man will, nicht bloß einen siebenfachen, sondern millionenfachen Wiederhall bildet, und dieses Wort heißt Leiden. Probiere es nur, du armes, Leid gequältes Menschenherz, und rufe es hinaus in die Welt: ich leide, und allüberall her, aus den Hütten der Armen, aus den Fabriken der Reichen, aus den Palästen der Großen, aus den Studierstuben der Gelehrten wird dir ein millionenfaches Echo erwidern: ich leide! Wohl also allen, die da leiden und immer nur leiden und meinen, unser Herrgott halte sie zu hart und mute ihnen mehr zu, als sie tragen können, daß es für sie eine Hochschule, eine Universität gibt, wo sie alles erlernen können, was sie zum Leiden nötig haben, vorab Mut und Geduld und Ausdauer, und diese Hochschule ist der Kalvarienberg, und der Lehrstuhl ist das Kreuz. Wie also, mein Christ, wenn du gern klagen und murren möchtest, daß dir Gott eine zu schwere Last auflade, so blicke doch erst hinauf ans Kreuz und höre, was dein gekreuzigter Heiland dazu sagt: „Schauher, liege ich denn auf Rosen?“ Es ist wahr, dein Leid ist groß, groß am Leib, groß an der Seele! Krankheit, Armut, herbe Verluste, kränkende Angriffe auf deine Ehre, deinen guten Namen, all das verbittert dir das Leben, jawohl, ich weiß das, aber schaue einmal hin auf den dort am Kreuz! Wen hat man so verachtet, so verleumdet, so verspottet, so misshandelt, so gekränkt, wie ihn, den man durch falsche Zeugen zum Verbrecher, zum Missetäter erklären ließ, um ihn ans Kreuz schlagen zu können? „Schau her, liege ich denn auf Rosen?“ Darum gilt dir das Sprüchlein:

Blick` hinauf, o blick` hinauf!
Sieh, zum Himmel geht dein Lauf,
Musst nur nicht gar gleich verzagen,
Musst dein kreuz geduldig tragen,
Blicke nur zum Kreuz hinauf!

aus: Philipp Hammer, Der Rosenkranz, eine Fundgrube für Prediger und Katecheten, ein Erbauungsbuch für katholische Christen, I. Band, 1896, S. 99 -S. 101

https://katholischglauben.info/das-kreuz...ule-der-geduld/


Liebe Grüße, Blasius

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#5

RE: Das Kreuz ist eine mächtige Schutzwaffe - Was ist denn aber das Kreuz für den Christen im besonderen?

in Schon gewusst ? 20.10.2019 08:53
von Blasius • 2.514 Beiträge




Das Kreuz ist ein Wegweiser zum Himmel

Das Kreuz ist für den Christen ein Wegweiser zum Himmel. Das ist ja die Bedeutung des Wegweisers, den man an die Landstraße stellt, daß er dem Wanderer die rechte Richtung nach seinem Ziel anzeigt und ihn vor dem Irregehen bewahrt:

Denn Irregehen, o welch traurig Wort,
Wie angstvoll geht das Kind, das arme, dort,
Es sucht und sucht, und kennt sich nirgends aus,
Und weiß nicht heim zum lieben Vaterhaus!


Pilger sind wir ja aber alle auf Erden, Pilger, noch so weit von dem herrn, peregrinamur a Domino, und unser Reiseziel ist der Himmel. Darum gilt uns das Wort des Propheten: „Steh auf und geh, denn hier ist keine Ruh` für dich!“

Wohin, o müder Wand`rer du!
Kehr` heim ins Vaterhaus!
Du findest nirgends deine Ruh`,
Läufst du die Welt auch aus,
Kehr` heim!

Kehr` heim mit deinem Heimweh-Schmerz
In Gottes Friedensschoß,
und häng` nicht an die Welt dein Herz,
Sonst bleibst du heimatlos!
Kehr` heim!


Welches ist denn aber der Wegweiser, der uns die rechte Richtung zu unserm Ziele gibt? – es ist das Kreuz, dieses leibhaftige Sursum corda, stell` himmelwärts dein Herz! Daher ist es eine gar passende Inschrift, die man an diesen Wegweiser zu setzen pflegt: „Pilger, rette deine Seele!“ Sie ist geeignet, gar manchen verlorenen Sohn zur Einkehr und Umkehr und Heimkehr zu bewegen!

Das Kreuz gewährt dem Christen die Bürgschaft eines guten Todes. Bayard, der „Ritter ohne Furcht und Tadel“, wurde beim Rückzug von Mailand, in der Schlacht an der Sesia (1524), von einer Kugel tödlich getroffen. Er sank vom Pferd mit den Worten: „Herr Jesus, ich sterbe!“ Sein Knappe musste ihn an einen Baum anlehnen, aber so, daß er das Gesicht dem Feind zukehrte. Nun verlangte er einen Priester zum Beichten, aber es war keiner zu finden; er verlangte ein Kruzifix, aber es war keines zu haben. Wie also dem sterbenden Ritter seinen letzten Wunsch erfüllen? In diesem Augenblick erinnerte er sich, daß der Knauf seines Schwertes die Gestalt eines Kreuzes habe. Daher befahl er seinem Knappen, sein schert vor ihm in den Boden zu stechen, damit es wie ein Kreuz vor ihm stehe. Und nun stand er da, an den Baum angelehnt, das Gesicht dem Feind zugekehrt, die Augen auf das Kreuz gerichtet, die Hände zum Gebet gefaltet, drei Stunden lang, bis er seinen Geist aufgab. So starb also der „Ritter ohne Furcht und Tadel“. Das ist aber gerade die schönste und beste Stellung, in welcher der Christ sterben soll: die Augen gläubig auf das Kreuz gerichtet, das Gesicht mutig dem Tode zugekehrt, die Hände demütig zum Gebet gefaltet. – Der Kaiser Vespasianus ließ sich in der Todesstunde ankleiden und aufrecht stellen, denn, sagte er, ein Kaiser müsse stehend sterben. Das ist aber noch nicht einmal ausgemacht, ob es Pflicht für einen Kaiser sei, stehend zu sterben: wohl aber ist es sicher, daß ein Christ treu und standhaft im Glauben an Christus sterbe. Wohl also demjenigen, der in seiner Sterbestunde hiervon eine sichere Probe zu geben vermag! Diese bietet aber derjenige, der mit dem Kreuz in der Hand, mit dem kreuz vor den Augen stirbt. Möge darum jeder im Leben sich so zum Kreuz stellen, daß im Sterben ihm die Worte aus der Seele gesprochen sind:

Wenn in der Krankheit Fiebergluten
Auf meinem Bett ich stöhnend lieg`,
Und zähle leidend Stund` um Stunde,
So ungeduldig, krank und siech,
Da blick` ich auf zu jenem Dulder,
Der so viel mehr noch litt als ich,
Und spüre Trost in dem Gedanken:
„Dein Heiland sieht vom Kreuz auf dich!“


… und Wahrzeichen der künftigen Auferstehung
Das Kreuz ist dem Christen das Unterpfand, das Wahrzeichen der künftigen Auferstehung. Was wäre da vieles und schönes zu sagen vom Kreuz auf dem Kirchhof, vom Kreuz auf den Gräbern! Der Gärtner setzt auf jedes Gartenbeet einen Pfahl mit dem Namen der Samenkörner oder Blumenzwiebeln, die sich darin befinden. Das Kreuz auf dem Kirchhof und den Gräbern ist der Pfahl, der da jedem anzeigt, welche Saatkörner in diesem Beet sich befinden: katholische Christen, „gesät in Verweslichkeit, um einstens aufzugrünen in Unverweslichkeit und Herrlichkeit“. – In dem alten Kirchhof zu Augsburg steht auf dem Grab der Jesuiten als Denkmal ein einfaches Kreuz mit zwei Worten: „Vivit, er lebt; resurrecturis, denen, die auferstehen werden, gewidmet“. Das ist zwar eine kurze, aber inhaltsschwere Grabschrift, wie sie nicht schöner und trostreicher auf einem Kirchhof über den Gräbern der Toten stehen kann: Vivit, er lebt, und durch dieses sein Leben, durch seine Auferstehung hat er seine Lehre bestätigt, seine Sendung beglaubigt, seine Wunderwerke besiegelt. Vivit, er lebt, und durch dieses sein Leben hat er sich als wahren Gott bewährt, als den Erlöser der Welt bezeugt, als den Richter der Lebendigen und Toten, als den Seligmacher der Gerechten schon im voraus ausgewiesen. Vivit, er lebt, und zwar als Sieger durch seine Allmacht, als König durch seine Weisheit, als Herrscher durch seine Barmherzigkeit. Vivit, er lebt und belebt, er macht lebendig die geistig Toten und die leiblich Toten; die geistig Toten durch die belebende Kraft seines Blutes, seiner Gnade, seiner Sakramente, die leiblich Toten durch das Wort seiner Allmacht, welches das große Leichenfeld der Erde, diesen ungeheuren Kirchhof, wie Posaunenschall dereinst durchdröhnt, die dürren Gebeine anbläst, zusammen fügt, mit Haut überzieht und Geist und Leben in sie sendet:

Er lebt und will uns Leben sein
Zum innern auferstehungsfest,
Er lebt und wird uns Leben sein
Am großen Weltverjüngungsfest.


Was aber dieses eine inhaltsschwere Wort für Trost und Zuversicht dem gläubigen Christen gewährt, das ersehen wir aus dem herrlichen Ausspruch, womit der große Dulder Job in seinem schweren Leiden seine Hoffnung auf die eigene Auferstehung ausgesprochen: „Wer gibt mir, daß meine Worte aufgezeichnet werden in ein Buch mit eisernem Griffel, und auf ein Täflein von Blei, oder eingehauen werden in einen Fels mit dem Meißel: Ich weiß, daß mein Erlöser lebt: auch ich werde auferstehen. … Diese Hoffnung ruht in meinem Busen.“ Darum steht kein Denkmal mit solchem Recht und solcher Bedeutung auf dem Kirchhof, auf den Gräbern der Toten, als das Kreuz; denn das Kreuz allein mit seiner lebendig machenden Kraft gestattet uns, auf den Grabstein zu schreiben: Resurrecturis, denen gewidmet, die auferstehen werden; ohne das Kreuz müsste man sagen: Mortuis, denen, die im Tode bleiben: denn ohne das Kreuz keine Auferstehung, kein ewiges Leben. –

aus: Philipp Hammer, Der Rosenkranz, eine Fundgrube für Prediger und Katecheten, ein Erbauungsbuch für katholische Christen, I. Band, 1896, S. 101 -S. 105

https://katholischglauben.info/das-kreuz...ser-zum-himmel/


Liebe Grüße, Blasius


zuletzt bearbeitet 20.10.2019 08:54 | nach oben springen


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