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#6

RE: Das Kreuz ist eine mächtige Schutzwaffe - Was ist denn aber das Kreuz für den Christen im besonderen?

in Schon gewusst ? 21.10.2019 08:35
von Blasius • 2.514 Beiträge




Das Kreuz ist der Baum des Lebens

Das Kreuz ist darum auch dem Christen der Baum des Lebens. Der Feigenbaum hat die Eigenart, daß er, wo er sich seines richtigen Klimas und Wetters erfreut, ununterbrochen Früchte anhängen hat. Noch sind die ersten Feigen nicht reif, so treibt er schon wieder eine junge Ernte nach, und macht so fort, ohne über dem Feigenbringen müde zu werden. Es gibt aber einen Baum, – freilich haben ihm die Naturforscher noch nicht beschrieben, wohl aber der hl. Johannes, der Lieblingsjünger – der es mit dem Früchtebringen noch schöner hält als der Feigenbaum: er steht mitten in der wundervollen Stadt Gottes, dem neuen Jerusalem, das vom Himmel auf die Erde herab gestiegen ist, und hat allezeit zeitige Früchte an, indem er zwölfmal im Jahr Früchte trägt, alle Monat seine Frucht; sogar seine Blätter sind Arznei. Dieser Baum heißt Baum des Lebens. Wie beneidenswert sind also jene, die von diesem Baum die Früchte holen können: sie sind Leben spendend! Diese Beneidenswerten sind aber alle katholischen Christen; denn dieser Baum des Lebens heißt mit seinem wahren Namen – das Kreuz, und die Stadt Gottes, worin er steht, ist unsere heilige, katholische Kirche. Wie glücklich also sind wir katholische Christen, daß wir den Baum des Lebens, daß wir das Kreuz besitzen, denn non est salus animae, nirgends findet sich das Heil der Seele, nec spes vitae aeternae, noch Hoffnung aufs ewige Leben, nisi in cruce, außer im Kreuz.

… und der Ruheplatz auf der Pilgerreise zum Himmel

Das Kreuz ist dem Christen ein Ruheplatz auf der Pilgerreise zum Himmel. Es gibt für das abgehärmte, Leid gequälte Menschen Herz drei geistige Ruheplätze, wo es ein wenig „Atem schöpfen“ und rasten kann: das göttliche Herz Jesu, das Mutterherz Mariä und der Fuß des Kreuzes. Wie ist denn aber der Fuß des Kreuzes ein Ruheplatz? In der städtischen Bildergalerie zu Düsseldorf hängt ein Bild, das niemand ohne Rührung betrachten kann. Es stellt mitten im Winter ein Kreuz am Wege vor, an das ein armes Kind, das gewiß schon weit durch Schnee und Kälte gewandert ist, den Kopf anlehnt und vor Müdigkeit einschläft, sein Reisebündel neben sich. Aus der Stadt her kommen, in gute Kleider gehüllt, Kinder aus der Schule und schauen der kleinen Pilgerin zu, wie sie beim lieben Herrgott am Kreuz trotz Winters so süß und ruhig schläft. Vom vielen Wandern ist aber vielleicht schon mancher müde, recht müde, denn sein Weg führte ihn immer nur an Mühen, Sorgen und Leiden, selten an erheiternden Freuden vorüber; dabei ist ihm aber gar manchmal zu Mute, wie jenem wandernden Handwerks-Burschen, der an die Wand einer am Waldessaum stehenden Kapelle auf der Rauhen Alp die Verse schrieb:

Alle Morgen neue Sorgen,
Alle Nacht ein andres Bett!
Ach, wenn nur dies lange Wandernden
Auch einmal ein Ende hätt`


Daher mag ihm ein Ruheplätzchen sehr willkommen sein, wo er auf seiner Pilgerreise ein wenig Rast halten, ein wenig ausruhen kann. Zum Ausruhen von all den Mühen und Sorgen und Leiden aber, die sich dem Christen Tag für Tag auf seinem Lebensweg entgegen stellen, gibt es kein besseres Plätzchen, als am Fuß des Kreuzes. Machen wir es also, wie jenes Kind auf dem Düsseldorfer Bild, stellen wir, wenn wir müde sind, unser ganzes großes Reisebündel von lästigen Sorgen und Kümmernissen beiseite, lehnen wir unsern ruhelosen Kopf an das Kreuz, und schlummern wir – trotz Winter oder Sommer in der Seele, trotz Regen oder Sonnenschein im Gemüt, – unter den Augen des gekreuzigten Erlösers ruhig ein. Und hast du ausgeruht am Fuße des Kreuzes, du mühseliges und beladenes herz, und hast du dich satt gesehen am Leiden deines Heilandes, an seinem Dornen gekrönten Haupt, seinem Blut überronnenen Antlitz, seinem durchstochenen Herzen, seinen durchnagelten Händen und Füßen, dann mache dich wieder auf und wandre in Gottes Namen – geduldig, beharrlich und ergeben deinen Kreuzweg weiter über den Kalvarienberg des Lebens – dem Himmel zu, indem du dir selber von Zeit zu Zeit zurufest:

Sei still, mein Herz, und fasse Mut:
O sieh am Kreuz den Herrn!
Er kennt dein Weh und meint es gut,
Trag` du dein Kreuz auch gern!


aus: Philipp Hammer, Der Rosenkranz, eine Fundgrube für Prediger und Katecheten, ein Erbauungsbuch für katholische Christen, I. Band, 1896, S. 105 -S. 107

https://katholischglauben.info/das-kreuz...aum-des-lebens/


Liebe Grüße, Blasius


zuletzt bearbeitet 21.10.2019 08:36 | nach oben springen

#7

RE: Das Kreuz ist eine mächtige Schutzwaffe - Was ist denn aber das Kreuz für den Christen im besonderen?

in Schon gewusst ? 22.10.2019 08:46
von Blasius • 2.514 Beiträge





Das Kreuz eine Himmelsbrücke in die ewige Seligkeit



Das Kreuz ist endlich, um alles in eins zusammen zu fassen, die Himmelsbrücke, auf der wir aus der Zeit hinüber in die Ewigkeit, aus der Trübsal dieses Lebens hinüber in die Seligkeit des Himmels gelangen. Bei den alten Deutschen ging die Sage von einer wundervollen Himmelsbrücke, die aus Steinen von lauter Kristall und den reinsten Regenbogen-Farben gebaut war, und ehedem Himmel und Erde, Zeit und Ewigkeit miteinander verband, so daß man auf dieser Brücke aus der Ewigkeit herüber in die Zeit, und aus der Zeit hinüber in die Ewigkeit wandern konnte. Diese wunderbare Himmelsbrücke aber, welche die Gestalt des siebenfarbigen Regenbogens hatte, wurde durch die Schuld der Menschen abgebrochen, ohne daß hernach ein Baumeister imstande gewesen wäre, sie wieder aufzubauen. Daher habe denn auch seit dem Zusammenbruch der Himmelsbrücke kein verkehr mehr zwischen Himmel und Erde statt gefunden, keiner habe mehr von der Erde hinüber gekonnt in den Himmel, wie auch von drüben kein Friede, kein Segen, kein Heil und Himmelsglück mehr herüber gelangt auf die Erde. Das war nun freilich sehr verhängnisvoll für die armen Menschenkinder: sie konnten nicht mehr mit Gott verhandeln, nicht mehr in den Himmel kommen, die Brücke war abgebrochen. Daher war es gewiß ein Werk der unendlichen Barmherzigkeit Gottes, als endlich ein Baumeister sich angekündigt, der imstande sei, die eingesunkene Himmelsbrücke wieder aufzubauen. Dieser Baumeister aber ist unser Heiland Jesus Christus, qui fecit utraque unum, der im Kreuz aus beiden eins gemacht und den Himmel mit der Erde wieder verbunden hat. Der also hat recht, der da den göttlichen Baumeister dieser neuen Himmelsbrücke also besingt:

Es kam der Heiland voll Erbarmen,
Der Gottessohn in diese Welt,
Und hat mit mächt`gen Gottesarmen
Die Himmelsbrücke hergestellt;
Nun steht der Himmel wieder offen
Als unser altes Vaterland,
Wir können glauben, können hoffen
Und fühlen uns mit Gott verwandt.


Das ist doch aber ein unaussprechliches Glück für uns arme Erdenpilger, daß wir nach dem harten Tagewerk unsers Lebens auf dieser Brücke eingehen können „in die Freude, in die Ruhe des Herrn“. Der heilige Benediktiner-Mönch Notker, der im 1o. Jahrhundert zu St. Gallen in der Schweiz lebte, sah einmal zu, – meines Wissens war er auch Baumeister – wie über einen schwindelnden Abgrund eine Brücke geschlagen wurde, und dabei die Werkleute auf dem Gerüst stets zwischen Leben und Tod schwebten und schwankten. Diese Gefahr der Werkleute aber, jeden Augenblick in den Abgrund hinunter zu stürzen, erfüllte den heiligen Mönch mit großem Schaudern. Daher verfaßte er das bekannte Lied, oder vielmehr Gebet (*), das späterhin alle Brückenbauer, ehe sie an ihre Arbeit gingen, und alle, die gefahrvolle Unternehmungen zu besorgen hatten, miteinander sangen:

Media vita in morte sumus,
Mitten im Leben schweben wir im Tode,
Wen suchen wir als Helfer, außer dir, o Herr?
Sancte Deus, Kyrie eleison, heiliger Gott, erbarme dich unser!

Mitten in dem bittern Tod dein Gericht uns schrecket:
Wen suchen wir als Retter, außer dir, o Herr!
Auf dich haben unsere Väter gehofft, haben gehofft und du hast sie erlöst:
Sancte, fortis Deus, Kyrie eleison, heiliger, starker Gott, erbarme dich unser!

Mitten in der Todesnot laß uns nicht versinken;
Denn zu dir haben unsere Väter gerufen, o Herr!
Sie haben gerufen, und du hast sie nicht zu Schanden gemacht:
Sancte, fortis et immortalis Deus, Kyrie eleison, heiliger starker und unsterblicher Gott, erbarme dich unser!

Mitten in der Todesnot, laß uns nicht verzagen:
Wenn unsere Kraft gebrochen, verlaß uns nicht, o Herr,
Übergib uns nicht einem bösen Tod, wenn wir von diesem Leben scheiden:
Heiliger, starker und unsterblicher Gott, barmherziger Erlöser, erbarme dich unser!


Wo nun aber der Christ das Kreuz als Steg, als Brücke benützt, um über die schwindelnden Abgründe dieses Lebens hinüber zu gelangen, braucht er vor all den Nöten, von welchen in dem angeführten Lied die Rede ist, nicht zu bangen; denn er, der göttliche Baumeister dieser Brücke selbst, steht jenseits derselben, um alle, die sie betreten, um alle, die das Kreuz verehren, lieben und umfassen, an sich zu ziehen; er aber ist mächtig und läßt keinen fallen, der nach ihm die Arme ausstreckt. Das Kreuz also, diese Himmelsbrücke, ist für alle zaghaften Herzen die leibhaftige Mahnung: Was seid ihr so furchtsam, ihr Kleingläubigen?

Ein Strom ist diese Welt, das Kreuz, daß du es weißt,
Die Brück`, worauf die Seel` nach Hause sicher reist.


Das sind nun so einige Gedanken, die sich der Rosenkranz-Beter schon gleich beim Kreuzzeichen, womit er den Rosenkranz beginnt, machen kann, um seine Seele, wie oben schon gesagt wurde, in eine andächtige Stimmung zu versetzen. Daher steht denn auch das Kreuz vorn am Eingang zum Rosenkranz wie eine Himmelsleiter da, auf der die Seele im Gebet zu Gott aufsteigen kann; es ladet uns ein, vor allen Dingen alles dessen zu gedenken, was uns durch das Kreuz zu teil geworden ist; das ist aber so viel, daß kein Mensch es jemals im Gebet auszudenken vermag. Zudem wird ja auch „dieses Zeichen am Himmel erscheinen, wenn der Herr zum Gericht kommt: dann werden alle, die das Kreuz verehrt und geliebt, hinzutreten – ad Christum iudicem, zu Christus, dem Richter, cum magna fiducia, mit großem Vertrauen“. Darum soll uns jedesmal, wenn wir den Rosenkranz beginnen und das Kreuzzeichen machen, dabei zu Mute werden, wie jenem, der da sang:

Sei gegrüßt, du Siegeszeichen,
Hell erstrahlend, sondergleichen,
Hohes, heil`ges Kreuz des Herrn!
Kreuz, an dem mein Gott gehangen,
Laß mich büßend dich umfangen,
Süßer, milder Gnadenstern!

Sei gegrüßt mit treuem Herzen,
Sei gegrüßt in Not und Schmerzen,
Hohes, heil`ges Kreuz des Herrn!
In dem letzten Hauch des Lebens
Leuchtest du mir nicht vergebens,
Schöner, holder Rettungsstern!


aus: Philipp Hammer, Der Rosenkranz, eine Fundgrube für Prediger und Katecheten, ein Erbauungsbuch für katholische Christen, I. Band, 1896, S. 107 -S. 111

(*) siehe auch den Beitrag: Der heilige Notker berühmt für seinen geistlichen Gesang

new.php?thread=3467&forum=125&reply=1&replyid=22209

Liebe Grüße, Blasius


zuletzt bearbeitet 22.10.2019 08:47 | nach oben springen


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