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#1

Berufung zum Gebet

in Predigten 17.10.2018 10:49
von Hemma • 573 Beiträge

Predigt von Hw. Prof. Josef Spindelböck am Fest der Hl. Theresia von Avila,
bei der Hl. Messe im Karmel Mayerling


Liebe ehrwürdige Schwestern des Karmel Mayerling, liebe Gläubige!

Der hauptsächliche Inhalt Ihrer geistlichen Berufung im Orden der Unbeschuhten Karmelitinnen ist gemäß der Intention der hl. Theresa von Avila das Gebet!

Mit einfachen Worten hat sie diesen lebendigen Austausch der Seele mit ihrem geistlichen Bräutigam, also mit Gott dem Herrn, so beschrieben:

Das innere Gebet sei „nichts anderes als das Verweilen bei einem Freund, mit dem wir oft und gern allein zusammenkommen, einfach um bei ihm zu sein, weil wir sicher wissen, dass er uns liebt.“

Das sind einfache und doch tiefe, ja wunderbare Worte! Gott begegnet uns in seinem Sohn Jesus Christus nach menschlicher Art und Weise. Gott liebt uns und ist für uns erreichbar auf unserer menschlichen Ebene. Es handelt sich um einen Dialog der Liebe, den wir mit Jesus Christus, unserem Erlöser, führen dürfen. Das Herz spricht zum Herzen; es ist eine Beziehung der Liebe, die wir im Gebet pflegen.

Bestimmt sind Ihnen, liebe ehrw. Schwestern, die Einwände gegen das Gebet bekannt, wie sie manchmal vorgebracht werden. Wenn ein Ungläubiger zu uns sagt, er sehe keinen Sinn im Beten, dann können wir diesen Menschen gemäß seinen Voraussetzungen verstehen. Denn wenn es Gott nicht gibt, wie er meint, dann hat es natürlich auch keinen Sinn, mit ihm zu reden!

Aber auch glaubende Menschen haben mitunter Schwierigkeiten, den Sinn des Gebetes zu erfassen. Vielleicht sagen sie, Gott weiß ohnehin alles, und so bräuchten wir ihm nicht zu sagen, was wir empfinden, was wir denken und von ihm erbitten. Andere meinen vielleicht, im Christentum komme es vor allem auf die gelebte Mitmenschlichkeit an, also auf die Verwirklichung der Nächstenliebe. Denn Gott sehen wir nicht, während der Nächste für uns sichtbar ist. Alles Gute, das wir dem Mitmenschen erweisen, erweisen wir Christus.

In beiden Auffassungen liegt etwas Wahres: Denn Gott weiß tatsächlich, was uns im Innersten bewegt. Niemand kennt uns so gut wie Gott! Er kennt uns besser, als wir uns selber kennen. Und tatsächlich begegnen wir im Mitmenschen Christus, dem Herrn. Gemäß der Liebe, die wir den Notleidenden erweisen oder nicht erweisen, werden wir einmal gerichtet werden, sagt Jesus im Evangelium (Mt 25).

Haben dann jene Recht, welche meinen, das Gebet sei überflüssig? Hat vielleicht Kaiser Joseph II. recht getan, als er die kontemplativen Klöster aufgehoben hat, weil er gemeint hat, sie seien unproduktiv und würden für die Kirche und den Staat eher eine Belastung als einen Nutzen darstellen? Keineswegs!

Der Sinn des Betens liegt – wie die heilige Theresa sagt – vor allem in einem Austausch der Liebe. Wenn liebende Menschen die gegenseitige Nähe suchen, wenn sie füreinander da sind, wenn sie sich tief in die Augen blicken, miteinander reden und auch miteinander schweigen: wer wird hier fragen, wozu dies alles gut sei und was denn der volkswirtschaftliche Nutzen dieses Zusammenseins und dieser Unterredungen sei? Wer begriffen hat, was Liebe ist, kann nicht so fragen! So zu fragen, bedeutet in Wahrheit, ein Tor zu sein, der nicht begriffen hat, was Liebe bedeutet. Die Liebe genügt sich selbst, sie braucht keine weitere Rechtfertigung. In der Liebe ist ihr Sinn mit enthalten. Dies gilt in vorzüglicher Weise von der Liebe zu Gott.

Wenn nun aber Gott selbst Liebe ist (vgl. 1 Joh 4,8.16) und wenn er sich uns in Liebe mitteilt in seinem Sohn Jesus Christus – darf er dann nicht auf eine Antwort der Liebe warten, die wir ihm zu geben vermögen?
Gott ist unendlich vollkommen, doch in seiner Menschwerdung hat er sich auf unsere Ebene begeben. Unser Herr Jesus Christus hat als Mensch auch unsere Armut angenommen, in der wir aufeinander angewiesen sind. Welchen Dienst der Liebe hat unserem Heiland doch seine heiligste Mutter Maria erwiesen; wie sehr hat doch der heilige Josef in väterlicher Weise für das Kind Jesus gesorgt! Und wie dankbar war der Herr für alle menschlichen Wohltaten, die er von anderen empfangen hat. Nicht zuletzt waren es glaubende Frauen, die ihn begleitet haben und ihn und seine Jünger auf praktische Weise unterstützt haben. Und alle guten Worte im Zusammensein mit den Jüngern und vonseiten aller, die ihm nachfolgten und die ihm begegneten: sie müssen Jesus als Mensch auch wohlgetan haben, auch wenn er seiner Gottheit nach vollkommen ist und keiner geschöpflichen Wohltat bedarf.

Die Liebe Gottes, die uns im menschgewordenen Erlöser erschienen ist, lädt uns also ein zum Gebet!
Das Gebet ist notwendig für uns, damit unsere Seele atmen kann, damit wir nicht geistlich verdorren. Ohne Gebet ist es unmöglich, das Heil zu erlangen!
Im Gebet anerkennen wir, dass Gott der Herr ist, der uns seine Wohltaten spendet.
Wir loben ihn und preisen ihn; wir danken ihm für alles. Ja, wir bitten ihn auch um sein Erbarmen angesichts all unserer Sünden, die wir von Herzen bereuen. Wir dürfen Gott schließlich um alles bitten, was seine Ehre und die Verherrlichung seines Namens betrifft sowie auch die Ausbreitung des Reiches Gottes. Wir bitten ihn um das eigene Heil und das Heil unserer Mitmenschen; wir dürfen ihn auch um das tägliche Brot bitten, wie Jesus selbst es uns im Vaterunser gelehrt hat. Gott weiß, was wir brauchen, aber er lässt es sich auch von uns erneut sagen, und wenn wir dies tun, dann stehen wir in der rechten Ordnung zu ihm. Wenn wir ihn von Herzen bitten und dies voll Sehnsucht tun, dann weitet sich unser Herz, und wir werden in reichlichem Maße empfangen!

Der besondere Beitrag des Gebets, den Sie, liebe Schwestern des Karmel leisten, ist der Ausdruck einer besonderen Gnade der Berufung, die Sie von Gott empfangen haben. Sie antworten in Liebe auf diese Erwählung, und sie tun dies mit einem offenen Herzen, das die Nöte der Mitmenschen mit hereinnimmt in das Gebet und sie so zu den eigenen macht. Wie tröstlich ist es doch zu wissen, dass niemand vergessen ist! Gott selbst hat es so wunderbar eingerichtet, dass wir mitwirken dürfen bei der Austeilung der von Christus, dem Erlöser, verdienten Gnade. Wir können uns nicht selbst erlösen; wir brauchen einen Erlöser. Aber unter dieser Voraussetzung dürfen wir die Gaben und Gnaden, die wir selber empfangen haben, auch weitergeben an jene, die all dessen in besonderer Weise bedürfen.

Das im Verborgenen vollzogene Gebet der Schwestern des Karmel ist ein Segen für die ganze Welt! Stellvertretend für viele lobpreisen Sie den Herrn und sagen ihm Dank. Die Anliegen und Nöte der Kirche sowie der ganzen Welt sind die Ihren, weil sie diese in liebevoller Verbundenheit mit den Menschen vor Gott hin tragen. Gott erhört dieses Gebet, weil es aus einem demütigen und liebenden Herzen kommt!

Die Kirche braucht geistliche Zentren des Gebets; von dort her kommt auch allen übrigen Aufgaben und Diensten in Kirche und Welt Kraft und Segen zu. Die „kleine“ hl. Theresia von Lisieux hat aufs beste erfasst und begriffen, was die „große“ hl. Theresa von Avila gelehrt hat: dass es nämlich darauf ankommt, im Herzen der Kirche liebend vor Gott hinzutreten, um gerade so jene im Gebet zu unterstützen, die in Wort und Tat das Evangelium anderen Menschen verkünden.

So preisen wir Gott den Herrn und wollen auch weiterhin die Nähe Gottes im Gebet und in der Betrachtung des Wortes Gottes sowie in der Feier der heiligen Eucharistie suchen: denn hier begegnet uns der Herr so, wie ein guter Freund zu uns spricht!
Amen.

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#2

RE: Berufung zum Gebet

in Predigten 17.10.2018 18:01
von benedikt • 3.066 Beiträge

Gelobt sei Jesus Christus!

Danke, liebe Hemma für Deinen Beitrag!

Zitat: . Das Herz spricht zum Herzen; es ist eine Beziehung der Liebe, die wir im Gebet pflegen.Zitatende

So ist es liebe Hemma und nicht anders. Ohne die Sehnsucht zur Liebe Gottes ist BETEN (Gottesbezug) nicht möglich -
Die Gebete der Heiligen Theresia von Avila berühren mich immer wieder neu durch ihre große Sehnsucht nach der Liebe Gottes. Ich bin von ihren Gebeten ergriffen und inspiriert.

Es grüßt Dich herzlich und wünscht Dir Gottes Segen,
Dein Bruder im Glauben, benedikt


Gott ist die Liebe,
und wer in der Liebe bleibt,
bleibt in Gott,
und Gott bleibt in ihm.

1. Joh 4,7 - 16

zuletzt bearbeitet 17.10.2018 18:12 | nach oben springen

#3

RE: Berufung zum Gebet

in Predigten 17.10.2018 23:06
von Aquila • 5.748 Beiträge

Gelobt sei Jesus Christus !


Liebe Hemma

Vielen Dank für das Posten dieser segensreichen Predigt zum Gedenktag der hl. Theresa v. Avila.

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Die hl. Theresia von Avila (1515-1582) hat in sehr schön gleichsam in einem Satz das Wesen des Gebetes zusammengefasst.



Sowohl das mündliche Gebet als auch das Herzensgebet
- wobei Letzteres oft zu Ersterem gleichsam drängt und dieses somit inniger werden lässt -
sollen Dank- und Lobpreis für die Güte der allerheiligsten Dreifaltigkeit, Gottes sein.
So umschliessen sie auch das wahre Verständnis der Bittgebete als im Einklang stehende mit dem Willen Gottes,
Der alleine zum Seelenheil führt, denn zu diesem findet niemand, der seinen eigenen Willen tut:

-

Für mich ist das Gebet ein Schwung des Herzens,
ein einfacher Blick zum Himmel empor,
ein Schrei der Dankbarkeit und der Liebe,
aus der Mitte der Prüfung
wie aus der Mitte der Freude;

kurz, es ist etwas Grosses, Übernatürliches, das mir die Seele ausweitet
und mich mit Jesus vereint.
.

-

Wir alle wissen um die sich immer wieder ergebenden Erschwernisse rund um das Gebet.
Gerade das beharrliche Gebet aber ist mit ein Schlüssel im Wachsen des Glaubens- und Seelenlebens und somit im Streben nach Vollkommenheit.

Pater Dieter Biffart von der Petrus-Bruderschaft
hat im Februar 2016 in einer segensreichen Abhandlung die Notwendigkeit des beharrlichen Gebetes aufgezeigt und auch hilfreiche Ratschläge im Umgang mit den das Gebet begleitenden Bedrängnissen gegeben:

-

"Und am Ende noch ein Gebet

Das Gebet ist das Leben der Seele.
Ohne das Gebet stirbt die Seele.


Dennoch tun sich im Alltag verschiedene Schwierigkeiten auf.
Haben Sie heute schon gebetet? Ja? Oder nein?
So irgendwann nebenbei?
Oder haben Sie sich bewusst Zeit und Ruhe genommen für Ihn:
Gott, aus dessen Hand wir alles empfangen?
Letztgenanntes ist schön, aber nicht bei jedem von uns die Regel.
Vielleicht kennen Sie das:
Dies und jenes steht an, und plötzlich neigt sich der Tag und es fällt einem auf, dass man noch nicht gebetet, nicht sein Herz zu seinem Schöpfer erhoben, sondern Seiner vielmehr fast vergessen hatte. Wenn aber nach getaner Arbeit freie Zeit für das Gebet wäre, ist man zu müde, um zu beten.
Vielleicht ein letzter, schon halb verschnarchter Abendgruß in Richtung Himmel ...
und schon ist man weggetreten und eingeschlafen.
Auch wenn es zweifelsohne Lebenssituationen geben kann, in denen man nicht viel Zeit für das Gebet findet, darf man sich nicht von der Aufforderung des Herrn entschuldigen: „Betet allezeit!“ (vgl. Lk 18,1)
+
Ein „Vater unser“ unser“ innig gebetet ist mehr wert als viele Gebete rasch und eilfertig heruntergeleiert." (Hl. Franz)
+
Die Ermahnung zu beständigem Gebet zeigt uns die Notwendigkeit des Gebetes auf, sie führt uns vor Augen, dass es sich um eine Überlebensfrage für unsere Seele handelt.
Dem Leib wissen wir stets zu geben, was er zum Leben braucht.
Atmen, Trinken, Essen — wir kommen diesen Aufgaben mit großer Selbstverständlichkeit nach, sodass der Leib sich gar nicht zu bemühen braucht, eine Anfrage an das Notwendige zu stellen.
Bei den Bedürfnissen der Seele ist dies allzu oft nicht so;
denn sie braucht zum Überleben ihren Schöpfer,
mit dem sie sich durch das Gebet verbindet.

Das Gebet ist gleichsam das Atmen der Seele.
Oft vergessen wir die absolute Notwendigkeit des Gebetes für unser übernatürliches Leben,
mit der Folge, dass das Gebet nachlässig und oberflächlich wird, bis es ganz in Vergessenheit gerät.
In solchen Augenblicken soll sich der Christ wieder neu bewusst werden,
dass er aufgefordert ist, den Rettungsring des Gebetes zu ergreifen,
um nicht
im Strudel der Welt und dieser Zeit unterzugehen.

Der heilige Alfons bemerkt entschieden:
+
„Ein jeder, der betet, wird gewiss selig sein. Ein jeder, der nicht betet, geht sicher verloren. Alle Seligen sind nur durch das Gebet in den Himmel gekommen; alle Verworfenen sind nur darum in der Hölle, weil sie nicht gebetet haben; hätten sie das Gebet geübt, so wären sie nicht verloren gegangen. (Alfons von Liguori: „Die Macht des Gebetes“)
+

Gott will den Menschen zweifelsohne das ewige Leben schenken,
aber die Gnade dazu wird uns durch das Gebet geschenkt.
Wer sich in die Schule des Gebetes begibt, wird folgende Erfahrung machen:
Je mehr man betet, desto mehr Freude findet man am Gebet.
Je weniger man betet, desto schwerer und langatmiger wird das Gebet. Freilich genügt es nicht, einfach viel zu beten: „Wenn ihr aber betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden.“ (Mt 6,7)
Gebet ist kein Marathon, den man abarbeitet und hinter sich bringt,
sondern Begegnung mit dem Dreifaltigen Gott und mit den Bewohnern des Himmels.
Durch das Gebet erhalten wir gleichsam Zutritt zum Thron Gottes.
Das Bewusstsein der persönlichen Begegnung der Seele mit ihrem Herrn ist wichtig, um das Gebet nicht zu einem leeren, gedankenlosen und mechanischen Aufsagen von Formeln verkommen zu lassen, das man schnell hinter sich bringen möchte und auf das am Ende der Vorwurf zutrifft:
„Dieses Volk ehrt mich nur im Munde und ehrt mich mit den Lippen, sein Herz aber bleibt mir fern.“ (Is 29,13)

Es ist gut, sich vor Augen zu halten, dass wir beim Beten unser Herz zum
Herrn der Heerscharen“ (Is 6,3) erheben, dessen Herrlichkeit die Engel erbeben lässt.
Damit das Gebet fruchtbar wird, ist das Bemühen um Andacht mithin entscheidend:
„Ehe du betest, bereite deine Seele, und sei nicht wie ein Mensch, der Gott versucht.“ (Sir 18,23)
Das heißt nicht zuletzt: Nimm wahr, dass Gott gegenwärtig ist!
Sich dessen bewusst zu werden, bedeutet, eine entsprechende äußere Haltung einzunehmen, die die Bewegung des Herzens unterstützt.
Doch gerade weil das Gebet eine Begegnung ist, braucht es neben dem mündlichen, gesprochenen Beten zudem das stille, erwägende Hören und Aufmerken vor Gott.
Was würden wir über eine Person sagen, der wir begegnen, und die uns nie zu Wort kommen ließe? So gilt es beim Gebet auch, still zu werden und Gott sprechen zu lassen.
Das Bewusstsein der persönlichen Begegnung der Seele mit ihrem Herrn ist wichtig, um das Gebet nicht zu einer leeren Formalie verkommen zu lassen.
Zur Vorbereitung der Seele auf die Begegnung mit Gott ist auch die Wahl einer möglichst geeigneten Zeit und eines zur Andacht stimmenden Ortes nicht bedeutungslos.
Wer sich für Gott nur dann Zeit nimmt, wenn er gerade nichts „Wichtigeres“ zu tun hat, läuft Gefahr, Gott nicht an die erste Stelle im Leben zu setzen, wie es uns das erste Gebot vorstellt.

Die Liebe zu Gott drängt den Menschen dazu,
gerne bei Gott zu verweilen und ihm eine „kostbare“ Zeit zu schenken, die man auch für andere Dinge hätte nutzen können


Wer beispielsweise den Rosenkranz immer nur dann betet, wenn er beim Autofahren nichts anderes erledigen kann, wird nie zum tiefen Reichtum dieses Gebetes gelangen.

Keineswegs soll damit angezweifelt werden, dass es immer wieder Lebenslagen gibt,
in denen die Zeit durch die vielfältigen Standespflichten eng bemessen ist:
Man denke etwa an die fordernden Aufgaben von früh bis spät bei Vätern und Müttern.

In solch angespannten Zeiten soll der Christ dennoch nicht vergessen,
dass er allezeit gerufen ist, durch das Gebet seine Seele am Leben zu erhalten.
Hier hilft, immer wieder kurz an Gott zu denken und zu Ihm zu rufen:
„Herr, segne meine Arbeit“ oder ein „Ehre sei dem Vater“ oder das eine oder andere
Stoßgebet
zu verrichten.

Wer durch Stoßgebete ausdrückt, dass er eine Sehnsucht nach der Gegenwart des Herrn in sich trägt, wird erfahren, dass Gott sich an Großherzigkeit nicht übertreffen lässt:
Er schenkt
uns aufgrund unserer Sehnsucht das, was Er schenken würde, wenn wir Ihm mehr Zeit widmen könnten.

Die Liebe zu Gott macht erfinderisch:
Sie wird Gelegenheiten zum Innehalten vor dem Angesicht des Herrn finden, wo andere achtlos vorübergehen, von der Lebenshast in die seelische Dürre getrieben.
Neben der Zeitwahl ist die Suche nach einem geeigneten Ort ebenso von Bedeutung:
„Wenn du betest, geh in Deine Kammer und schließe sie ab.“ (Mt 6,6)
Mit diesem Wort will der Herr nicht allein vor Zurschaustellung im Gebet warnen, sondern auch zur Zurückgezogenheit an einen Ort einladen, an dem man nicht abgelenkt werden kann.

Wer sich jedoch für das Gebet den alltäglichen Umtrieben nicht entziehen kann, möge sich am Beispiel der Hl. Katharina von Siena orientieren.
Als man in ihrem Elternhaus erfuhr, dass sie sich Gott geweiht habe, nahm man ihr das eigene Zimmer und überhäufte sie mit Aufgaben, damit sie keine Gelegenheit mehr zum Gebet finden könne.
+
„Der alte Feind aber, durch dessen böses und hinterhältiges Treiben dies alles geschah, machte das Mädchen gerade da, wo er es zu brechen glaubte, mit Gottes Hilfe nur noch stärker.
Denn keine dieser Maßnahmen hatte eine Wirkung auf Katharina, und sie schuf sich, wie der Heilige Geist sie lehrte, in ihrem eigenen Herzen einen geheimen Ort; ihn wollte sie wegen keiner wie
auch immer gearteten äußeren Arbeit verlassen. Früher, als sie noch eine eigene Kammer besaß, hielt sie sich teils darin auf, teils ging sie heraus; jetzt aber, da sie sich eine Zelle im Inneren geschaffen hatte, die ihr nicht genommen werden konnte, kam es dazu, dass sie immer in ihr verweilte.“
(Raimund von Capua: „Das Leben der Hl. Katharina von Siena")
+

Wer sich in der Wahl von Zeit und Ort bemüht, und vor dem Gebet einen Augenblick innehält, um sich bewusst vor das Angesicht Gottes zu stellen, wird einen guten Boden für ein andächtiges Gebet schaffen.
Oft geht einem Fortschritt auf dem Weg zu Gott ein innerer Kampf im Gebet voraus:
Daher dem Gebet treu bleiben, auch wenn es schwerfällt.

Was aber, wenn ich trotzdem abgelenkt werde, die Gedanken nach allen Seiten fliegen, nur nicht zu Gott, oder ich sogar Überdruss am Gebet empfinde?“
Solche „Trockenheit“ im Gebet kann mehrere Ursachen haben:

Sicher hat der Teufel keine Freude am Gebet.
Manchmal macht er dem Christen das Gebet madig, indem er ihn in diesen heiligen Momenten quält, ganz nach dem Motto: „Vielleicht lässt er sich ja doch abbringen.“

Unsere Antwort darauf: Unverdrossen weiterbeten!
Dem bösen Feind wollenwir keinen Gefallen tun.
Deshalb gilt es,
sich in solchen Prüfungen zu demütigen und dem Gebet entschieden treu zu bleiben.
Nicht selten geht einem Fortschritt auf dem Weg zu Gott ein innerer Kampf im Gebet voraus:
[....]
Wir sollen beim Gebet nicht den Trost suchen, sondern den Gott des Trostes. Wer betet, weil es sich gut anfühlt, sucht am Ende sich selbst und nicht den Herrn.
„Die Liebe besteht nicht in wonnigen Gefühlen der Andacht, sondern in der Entschiedenheit des Willens, Gott in allem zu gefallen.“ (Hl. Thomas v. Aquin)

Die Gottesliebe wächst in Zeiten der Läuterung — wenn wir nichts fühlen und dennoch beharrlich beten, offenbart sich unsere Liebe zu Gott als echt.
Werden wir im Gebet unfreiwillig abgelenkt, ist das keine Sünde.

Fahren wir daher mit dem Gebet fort, wiederholen wir es nicht
— sondern übergeben wir unsere schwachen Gebete in die Hände der Muttergottes, die durch ihre Fürsprache vollenden kann, was unsere Schwachheit nicht erreicht.
Schwierigkeiten beim Gebet können eine Chance sein, sich zu demütigen, anstatt anzunehmen, man könne aus eigener Kraft vor Gott treten, wie es das Gleichnis
anschaulich ausführt:

"Der Pharisäer stellte sich hin und betete bei sich also: Gott, ich danke dir, dass ich nicht bin wie die übrigen Menschen, wie Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner Der Zöllner aber stand weit zurück und wollte nicht einmal die Augen zum Himmel erheben, sondern schlug an seine
Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig! Ich sage euch: Dieser ging als Gerechter nach Hause, anders als jener.“ (Lk 18,10 ff)

Die vor uns liegende Fastenzeit will uns vom Irdischen loslösen, dass wir mehr Zeit für das Himmlische haben.
Nutzen wir die österliche Bußzeit zu intensivem und bewusstem Beten, das bemüht ist, einen Rahmen für die Andacht zu schaffen,
aufdass das Gebet nicht als zusätzliche Last zum Alltag empfunden wird, sondern vielmehr die Antwort auf die Einladung des Herrn ist:
Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken.“ (Mt 11,28) "

-


Freundliche Grüsse und Gottes Segen


zuletzt bearbeitet 17.10.2018 23:21 | nach oben springen



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