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Maria Maienkönigin - Wann mag wohl die erste Maiandacht gehalten worden sein?

in Die allerseligste Jungfrau und Gottesmutter Maria 30.04.2016 22:02
von Blasius • 1.922 Beiträge

Maria Maienkönigin





Maienkönigin


Komm, holde Herrin, in dein Reich!
Es blüht auf allen Wegen!
Ihr Herzen alle schmücket euch,
Eilt freudig ihr entgegen.
Weiht euch aufs neue mit frommem Sinn
Der hehren Maienkönigin!

Es knospt und prangt die Gotteswelt,
Wohin die Blicke schweifen,
Sie, die dem Höchsten wohlgefällt,
Nie Sündenhauch durft` streifen!
Zu ihr die keuschen Seelen zieh`n,
Zur makellosen Königin!

Tautröpflein schimmern hell und klar
Auf den smaragd´nen Fluren;
Sind`s wohl von ird`schen Tränen gar
Die letzten heißen Spuren?
Der Erde Leid schmilzt bald dahin,
Bei ihr der milden Trösterin!

Manch Blümlein, schwer vom Reif versengt,
Das Köpflein tief gebeuget,
Zur Herrin sehnsuchtsvoll sich drängt,
Die huldreich ihm sich neiget;
Der Sünder Zuflucht jederzeit,
Die Mutter der Barmherzigkeit!

Es tobt der Kampf in wildem Streit,
Wie brennen seine Wunden!
Doch wer Maria sich geweiht,
Hat Rettung stets gefunden,
Und siegesfroh die Herrin grüßt,
Sie, die der Christen Hilfe ist!

O ziehe, süße Herrin, ein,
Es steht dein Reich dir offen!
Dein eigen will`s für ewig sein,
In Glauben, Lieben, Hoffen!
O herrsche immerdar darin,
Du himmlische Gebieterin!

Mit deinem Kindlein segne mild
Uns, Mutter voll der Gnaden!
Bis du ins selige Gefild
Zu ew`gem Mai wirst laden,
Die dir gedient in treuem Sinn,
Maria, Maienkönigin!

Monat Mai

Eigentlich ist im Maimonat jeder Tag ein Festtag, denn der Mai ist vom ersten bis zum letzten Tag der lieben Mutter Gottes als der Maienkönigin geweiht. Im Maimonat sind alle Tage Muttergottesfeste.
Wie schön ist es doch, dass wir im Mai ein Muttergottesfest feiern, das einunddreißig Tage dauert! Überall auf der weiten Welt sind in den Kirchen und in den Häusern die Maialtäre geschmückt. Millionen Blumen blühen vor den Bildern und Statuen der Mutter Gottes. Lieder ohne Zahl preisen die Mutter Maria, und Gebete loben und verherrlichen sie als die Maienkönigin.

Wann mag wohl die erste Maiandacht gehalten worden sein?

Die allererste Maiandacht hat bereits vor zweitausend Jahren im Haus der Heiligen Familie zu Nazaret stattgefunden. Es ist zwar in keinem der heiligen Bücher aufgeschrieben, aber sicher ist es mehr als einmal geschehen, dass der Jesusknabe, wenn der Frühling kam, am Wegrand die ersten frischen Blumen gepflückt und sie zum Strauß oder Kranz gebunden hat. Dann ist er heimgegangen und hat der Mutter Maria, um sie zu ehren und ihr seine Liebe zu bezeigen, die Blumen dargereicht.
Das war die allererste Maiandacht, und schöner ist später nie mehr eine Maiandacht gefeiert worden.
Wenn nun aber der göttliche Heiland selbst auf diese Weise die Maiandacht gehalten hat, dann dürfen und müssen auch wir sie halten mit Blumen und frischem Grün, mit Gesängen und Gebeten, im Gotteshaus und daheim. Im Maimonat muss in jeder katholischen Familie auch ein Maialtar sein, und die Kinder im Haus sollen an erster Stelle dafür Sorge tragen, dass die Blumen am Maialtar immer frisch sind.

Doch das genügt noch nicht. An einer schönen Legende soll erklärt werden, wie man die Maiandacht auf die beste Weise hält.

Die Legende erzählt:

Vor vielen Jahren gab es irgendwo, weltfern und abgeschieden in großer Einsamkeit, ein Kloster, das der Mutter Gottes geweiht war. Auf dem Hauptaltar der Klosterkirche befand sich ein Gnadenbild der Mutter Maria. Aufrecht stand sie da mit gesenkten Augen und gefalteten Händen, als betete sie immerwährend. Von weither pilgerten leidgeprüfte Menschen zu dem Gnadenbild, und Wunder ohne Zahl ereigneten sich dort an heiliger Stätte. Jahrhunderte war das so.
Einmal kam dann ein Krieg über das Land. Das Kloster wurde zerstört, die Wallfahrtskirche verwüstet, und einer der Soldaten war so roh, dass er mit dem Schwert der Muttergottes beide Hände abschlug. Seit jener Zeit steht das Gnadenbild verstümmelt auf dem Altar, und Wunder ereignen sich dort keine mehr. Es scheint, dass die Muttergottes deswegen keine Wunder mehr vom Himmel erflehen kann, weil sie keine Hände mehr hat, um zu beten.

Nun wird die Legende noch schöner, denn sie berichtet weiter:


Wenn einmal vor dem verstümmelten Gnadenbild ein Mensch knien wird, dessen Hände so sündenrein sind, dass er sie der Muttergottes als Ersatz für die ihrigen anbieten kann, dann werden wieder Wunder geschehen an der heiligen Stätte.

Schön und sinnreich ist diese Legende fürwahr.

Worin besteht demnach die schönste und beste Maiandacht?


Darin besteht die schönste und beste Maiandacht, dass man mit sündenreinen Händen betet. Wo ein Mensch, vor allem ein Kind, mit sündenreinen Händen betet, da geschehen auch heute noch Wunder. Wer mit sündenreinen Händen betet, wird erhört.

Das ist übrigens auch leicht zu verstehen, denn kann Maria auf die Hände achten, die ihren liebsten Sohn, den göttlichen Heiland, durch die läßliche Sünde stoßen und schlagen oder die ihn gar durch die schwere Sünde ans Kreuz heften? Zwar verlässt die gute Himmelsmutter auch die schlimmsten Sünder nicht, wenn sie sich voll Vertrauen an sie wenden, aber nach Gottes Anordnung kann sie ihnen nur die Gnade der Bekehrung verschaffen, sonst nichts. Wer dagegen von ihr, der gütigen Mutter der Barmherzigkeit, mehr erhalten will, der muss die Sünde meiden, und je sündenreiner er dann ist, desto mehr ist ihm die Himmelsmutter gut.


Vom Titel Marias

Wenn man jemand anspricht, sollte man ihm zuerst den Titel geben, der ihm gebührt. Wenn also zum Beispiel jemand zum Arzt gehen muss, sollte er nicht zu ihm sagen: "Sie, untersuchen Sie mich, ich bin krank." Würde er so sprechen, so wäre das ein Zeichen von mangelhafter Bildung und von Unhöflichkeit. Er sollte vielmehr dem Arzt bei der Begrüßung den Titel geben; er sollte sagen: "Herr Doktor, untersuchen Sie mich bitte, ich bin krank." Ähnlich verhält es sich auch Gott gegenüber; auch Gott dem Herrn sollten wir, wenn wir ihn beim Gebet ansprechen, zuerst den Titel geben. Daher hat uns Christus gelehrt, das Gebet anzufangen mit den Worten: "Vater unser im Himmel." Wir sprechen Gott an mit dem liebevollen Wort "Vater". Auch Maria, der Mutter Jesu, sollten wir, wenn wir sie um ihre Fürbitte bei Gott bitten, zuerst den Titel geben, der ihr gebührt. Und der eigentliche Titel, der Maria gebührt, ist der Titel "Mutter Gottes" oder "Gottesgebärerin". Daher beten wir im Ave Maria: "Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder..." Am Wallfahrtsort zu Loreto in Italien pflegte man seit jeher der Mutter Gottes, wenn man sie inständig um ihre Fürbitte anrief, noch viele andere schöne Titel beizulegen, die jetzt auch in der Lauretanischen Litanei und in unseren Maiandachten vorkommen.


Matthias Hergert

http://www.marianisches.de/marienfeste/m...enkönigin/


zuletzt bearbeitet 30.04.2016 22:05 | nach oben springen

#2

RE: Maria Maienkönigin - Wann mag wohl die erste Maiandacht gehalten worden sein?

in Die allerseligste Jungfrau und Gottesmutter Maria 01.05.2016 20:56
von Kristina (gelöscht)
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Brauchtum/ Maialtar

Brauchtum/ Maialtar


2.Tim 3,16: die gesamte Bibel kommt von Gott!
2.Petr 1,20-21: Gott gebrauchte menschliche Schreiber!
1.Kor 2,13: Gott wachte über jedem einzelnen Wort der Bibel!
2.Petr 1,21 Der Empfang und die Weitergabe, bzw. Niederschrift des Wortes Gottes geschah unter der Führung des Heiligen Geistes!
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#3

RE: Maria Maienkönigin - Wann mag wohl die erste Maiandacht gehalten worden sein?

in Die allerseligste Jungfrau und Gottesmutter Maria 01.05.2016 22:08
von Blasius • 1.922 Beiträge

Maria Maienkönigin




1. Maiandacht - Maria, mein Licht

Als noch dunkel war die Erde, ein Abgrund von werdenden Dingen, als noch Finsternis über diesem Abgrund lag und Nacht die ganze Welt bedeckte und verhüllte, da schwebte der Geist Gottes über den Wassern und Gott sprach: Es werde Licht! – Und es ward Licht. So lag im geistigen Sinn die Welt in Dunkelheit und Nacht begraben, ehe derjenige geboren war, von welchem Johannes sagt, dass er das wahre Licht gewesen, das da jeden Menschen erleuchtet, der in diese Welt kommt, Jesus Christus.
Wer aber, liebe Andächtige, hat den Heiland uns geboren, wer hat dies Licht uns gebracht! – Maria, die allerseligste Jungfrau, die deshalb mit vollem Recht den Namen Lichtbringerin erhielt. Aus diesem Grund sagt der heilige Athanasius von ihr, dass sie in uns und um uns alles hell macht; aus diesem Grund können wir, liebe Christen, Maria am ersten Tag des Monat Mai begrüßen mit den Worten: Maria, mein Licht!
Erinnert euch an die Zeit der Kindheit, als man euch zur Kirche trug und rein wusch durch das Bad der Wiedergeburt von der Makel der Erbsünde, als ihr die größte aller Gnaden von Gott empfinget in der heiligen Taufe, den Glauben, symbolisiert durch die brennende Kerze, weil der Glaube gleich einem Licht das Innere des Menschen erhellt und erleuchtet. Dort konntet ihr die Größe dieses Glücks, den hohen Wert dieser Gnade noch nicht erfassen, wie ihr ihn jetzt in den reiferen Jahren zu schätzen wisst und ihn als die Perle erkennt, für die der Mensch alles hingeben soll. – Ihr seid überzeugt, dass ihr ohne den Glauben nicht selig werdet und dass in der Übung und Bewahrung des Glaubens euer zeitliches und ewiges Heil besteht. Darum drängt es euch naturnotwendig zu jener hin, die der heilige Methodius das Licht der Gläubigen nennt, zu Maria!

Durch sie wird der Glaube stark und lebendig.
Wunderbar stärkt das Beispiel. Frauen, Kinder, Alte, Junge traten unerschrocken vor den Richterstuhl und litten, Freudenlieder singend, die furchtbarsten Qualen und Peinen, weil sie der Scharen von Märtyrern gedachten, die Blut und Leben für ihren Glauben gegeben hatten, weil sie in der Arena standen, die noch gefärbt war vom Märtyrerblut!
Über allen Märtyrern aber steht ihre Königin, und wie ihre Leiden die aller Blutzeugen übertreffen, so ist auch ihr Beispiel unter allen das glänzendste und erhabenste, ein himmlischer Magnet, der alle Herzen unwiderstehlich an sich zieht. Maria ist daher auch im Glauben unser Beispiel. Die Kirche wendet auf sie die Worte aus dem Buch Sirach an: Ich bin die Mutter der Erkenntnis (24,24) des geoffenbarten Glaubens, wie Richard v. St. Viktor sagt; weshalb der heilige Bernhard von ihr spricht, dass sie die erste unter den reinen Kreaturen war, die die klare Erkenntnis von allen besonderen Umständen unserer Heilsordnung hatte und dass sie das Gefäß aller Geheimnisse Gottes war. Dieser Glaube aber war in ihr so stark, dass sie nicht zweifelte an des Engels Wort, Mutter des Allerhöchsten zu werden und Jungfrau zu bleiben; dass sie nicht zweifelte, das hilflose Kindlein im Stall von Bethlehem sei der Herr Himmels und der Erde und der ans Kreuz geheftete Mann sei Gottes Sohn. Dieser Glaube in ihr war so stark, dass sie unter dem Kreuz ihres Sohnes aufrecht stehen blieb. Daher kommt es auch, sagt der heilige Alphons, dass, wenn in der Kirche in der Karwoche die Metten gesungen werden, eine Kerze angezündet bleibt, während die übrigen alle ausgelöscht werden, um zu bezeichnen, dass Maria allein niemals im Glauben wankte. – Als am Samstag der Leichnam Jesu im Grab lag, da hatte sich der Glaube der katholischen Kirche in das Herz der allerseligsten Jungfrau geflüchtet; als selbst die Jünger Jesu zweifelten, da wankte und zweifelte sie allein nicht. Hell und klar brannte das Licht des Glaubens in ihrem Mutterherzen, was auch die Ursache sein mag, dass man an Samstagen ein Lampenlicht vor den Bildnissen der lieben Frau brennt.
Für diese unerschütterliche Glaubenstreue aber hat sie Gott wunderbar belohnt. Er hat ihr die Gnade verliehen, den Glauben in der allgemeinen Kirche, sowie in dem Herzen eines jeden einzelnen Christen zu stärken und mit dem heiligen Bonaventura haben es Tausend und Tausende erfahren, dass ein Gebet zu Maria, dass die Erinnerung an ihr erhabenes Beispiel den Glauben wunderbar kräftige und lebendig mache.
Wenn der heilige Paulinus den Glauben den Unterhalt und die Nahrung aller guten Handlungen nennt, so weist er dadurch schon hin auf das apostolische Wort, dass der Glaube allein nicht selig mache, sondern nur der in Liebe tätige, in guten Werken sich offenbarende, lebendige Glaube. Er ist zugleich eine Gabe Gottes, insofern er ein Licht ist, das Gott uns in der heiligen Taufe eingegossen hat, in dessen Strahlen wir klar die Wahrheit erkennen. Er ist aber auch eine Tugend, insofern die Seele sich darin übt, denselben in sich zu erwecken und lebendig zu machen. – Wer aber gibt ihr dazu die Gnade des Willens, des Mutes, der Begeisterung?
Die Nacht bricht heran, es wird immer dunkler im Zimmer, man kann nicht mehr lesen, schreiben, studieren; es wird immer dunkler in der Werkstatt, man sieht nicht mehr die Arbeit; alle Hände ruhen, ringsum wird es still und einsam, alles schweigt – auf einmal wird ein Licht gebracht und alles regt und bewegt sich wieder, alles rührt wieder die Hände, alles wird laut und lebendig! – Seht ihr die Macht des Lichtes!
Niedersinkt die Dämmerung auf die Flur, der Sonne letzte Strahlen färben purpurn die Gipfel der Berge, der Abendstern erscheint am Himmel, der sich allmählich in Dunkelheit kleidet. Es ist Nacht. Die Menschen schlummern, die Tiere schlafen, die Vögel ruhen, die Blumen sind geschlossen, die ganze Natur ist wie ohne Leben! - - - auf einmal zeigt sich ein Licht, das immer heller und heller wird, das mit rosigem Schimmer den ganzen Horizont erleuchtet, das den Tag heraufbringt und mit ihm neues Leben. Die Blumen öffnen ihre Kelche, die Vögel singen ihre Lieder, die Menschen gehen an die Arbeit! - - Seht ihr die Macht des Lichtes!
O Maria! Du himmlische Lichtbringerin, wenn du dich zeigst, brennt hell das Glaubenslicht im Kämmerlein des Herzens, wenn du erscheinst, da flammt empor das Glaubenslicht im großen Raum der heiligen Kirche! Das helle, glänzende Licht deines erhabenen Beispiels macht unsern Glauben stark und lebendig.
Es treibt uns an, die Geheimnisse des heiligen Glaubens gerne zu betrachten, um in ihrer Erkenntnis zuzunehmen; es ermuntert uns, bei der heiligen Messe und Kommunion oft Akte des Glaubens zu erwecken; es nötigt uns, jeden Zweifel an den christlichen Wahrheiten zu unterdrücken und gefährliche Grübeleien zu vermeiden; es begeistert uns, Gott oft für die Gnade zu danken, ein Kind der heiligen, katholischen Kirche zu sein; es gibt uns den Mut, insofern es in unserer Macht steht und wir Gelegenheit dazu haben, den Glauben gegen die Angriffe der Irr- und Ungläubigen zu verteidigen; es flößt uns ein, oft den Herrn durch die Fürbitte seiner heiligen Mutter anzuflehen, uns den Glauben zu vermehren, ihn zu stärken in uns und denen, die noch im Irrtum oder im Schatten der Finsternis und des Todes sitzen, das Licht des wahren Glaubens leuchten zu lassen.

Und dies, liebe Christen, ist die Lebendigkeit des Glaubens, eine Gabe, die uns zu wahren Jüngern Jesu macht, eine Gabe, die uns die ewige Seligkeit erlangt, eine Gabe, die uns Maria, die wir heute begeistert als Maria, mein Licht, begrüßen, erwirbt, wie wir es in folgendem Beispiel sehe werden.
Unter den heidnischen Völkern von Tonkin glänzte als einer der hervorragendsten Verbreiter des Glaubens der gottselige Missionar Caspar Ferreira. Er hatte seine schwere Arbeit ganz unter den kräftigen Schutz derjenigen gestellt, die der heilige Cyrillus das Licht des Glaubens nennt, - unter Maria. Er pflegte an allen Orten, wo er das Evangelium predigte, ein schönes Bild der Muttergottes auf einen Altar zu stellen und daneben zwei brennende Lichter, um die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer mehr auf seine Predigt hinzulenken. Das Bild stellte Maria vor, das Jesuskind auf dem Schoß und den kleinen Knaben Johannes neben sich. Einst hatte er in einer Stadt wieder sein liebes Bildnis aufgestellt, als plötzlich eine heidnische Frau voll Erstaunen ausrief, indem sie unverwandt ihren Blick auf das Bild richtete: Ja, dies sind die drei, die zu mir gekommen sind, ich habe sie schon gesehen! – Der Missionar ließ die Frau zu sich kommen und fragte sie nach der Ursache ihres Ausrufes. – Sie erzählte, dass sie dem Götzendienst bis in ihr hohes Alter von achtzig Jahren immer sehr zugetan gewesen war, dabei aber stets ein brennendes Verlangen nach dem Besitz der Seligkeit in sich gefühlt habe. Aus diesem Grund habe sie alle Armen mit der größten Freigebigkeit unterstützt, in der Hoffnung, durch Almosen sicher den Himmel zu erlangen.- Da erschien ihr in einer Nacht ein wunderbar helles Licht, aus dessen feurigem Glanz eine Frau von holdseliger Gestalt und Anmut hervortrat. Sie war von zwei nicht minder schönen Knaben begleitet und sprach zu ihr diese Worte: Folge mir nach, und du wirst die Seligkeit des ewigen Lebens gewinnen. Als sie erwachte, war das himmlische Bild ihren Sinnen lebendig eingedrückt, das glänzende Licht begleitete sie überallhin; wer jedoch diese Personen gewesen waren, wie und wohin sie ihnen folgen sollte, blieb ihr verborgen bis zum heutigen Tag, an dem sie zu ihrem größten Erstaunen auf diesem Bild genau diese Frau mit den zwei Knaben erblickt habe. Freudig bewegt über diese Gnade, die Maria dieser Frau erwiesen hatte, fing der eifrige Missionar sogleich an, sie im Glauben zu unterrichten. Er musste über die Gelehrigkeit dieser hochbetagten Frau staunen und konnte ihr bald die heilige Taufe erteilen. Nicht lange danach verschied sie selig im Herrn.

O Maria, die du auch mir den Glauben gebracht hast, fahre fort, ihn mir zu stärken und lebendig zu erhalten, dass ich im Licht des Glaubens wandelnd einst, wenn mich die Schatten des Todes bedecken, hell den Blick mir bewahre und auch dann noch dich freudig begrüße: Maria, mein Licht!

Amen.

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#4

RE: Maria Maienkönigin - 2. Maiandacht - Maria, mein Stern

in Die allerseligste Jungfrau und Gottesmutter Maria 02.05.2016 12:54
von Blasius • 1.922 Beiträge

Maria Maienkönigin



2. Maiandacht - Maria, mein Stern


Robert, König von Frankreich, stiftete, wie die Geschichte erzählt, im Jahr 1022 zu Ehren der allerseligsten Jungfrau Maria, die er über alle Maßen liebte, einen Ritterorden. Die Ritter, die diesem Orden beitraten, und alle aus den ersten und vornehmsten Adelsgeschlechtern waren, trugen auf ihrem Mantel einen Stern und um den Hals eine goldene Kette, an deren Ende vorn an der Brust ebenfalls ein Stern glänzte.

Wählen wir uns, liebe Christen, auch diesen Stern als Zeichen unserer Liebe zu Maria, und heften wir ihn fest an unser Herz. Der Name Maria heißt im Hebräischen Stern des Meeres und sicherlich, sagt der heilige Bernhard, konnte die Mutter Gottes keinen passenderen Namen erhalten, noch einen solchen, der ihre Würde bezeichnender ausdrückte. Maria ist in der Tat jener glänzende und schöne Stern, der auf dem weiten und stürmischen Meer des Lebens glänzt.

Die Sterne zeigen sich nur im Dunkel der Nacht; je dunkler die Nacht, desto heller leuchten die Sterne; wenn ein anderes Licht kommt, verschwinden sie, obwohl sie selbst den schönsten Glanz haben. So mahnt uns unwillkürlich die Natur der Sterne an die Tugend der Hoffnung, die auch die Nacht des Unglücks braucht, um recht hell zu glänzen und die leider nur zu bald verschwindet und vergessen wird, wenn die Sonne des Glücks scheint und der helle Tag der Freude anbricht.
Da wir aber in einem Tränental wohnen und Gottes weise Vorsehung durch Heimsuchungen aller Art uns oft daran erinnert, damit wir seiner und des Himmels nicht vergessen, so ist die Tugend der Hoffnung unumgänglich notwendig für uns. Auf wen sollen wir aber hoffen, als auf die, die nach Jesus Christus unsere einzige Hoffnung ist, wie der heilige Bernhard sagt, als auf Maria, die Zuflucht aller Sünder? – Ja, Maria ist im Dunkel des Lebens, in der Nacht des Unglücks, in der Finsternis des Todes unser Morgenstern und Abendstern, der uns den Tag verkündet, der uns die Nacht versüßt.
Der Morgenstern hat mit der Sonne die innigste Verbindung, er ruft wie eine andere Sonne den Tag herbei und entfernt sich unterhalb der Sonne wandelnd niemals von ihr. Du bist mein Morgenstern, auf den ich hoffe, ruft der heilige Thomas von Villanova begeistert aus, warum? – Weil wenn du dich zeigst und im Herzen erscheinst, der Tag nicht mehr fern ist, der Tag der Freude, der Liebe, der Gnade Gottes. Du bist mein Morgenstern, auf den ich hoffe, warum? – Weil gleichwie der Morgenstern immer nahe bei der Sonne ist, so ist auch Maria mit der Sonne der Gerechtigkeit, mit Jesus Christus, aufs Innigste vereint, niemals von ihm getrennt. Welch ein starker, unerschütterlicher Grund der Hoffnung, des Vertrauens und der Zuversicht auf Maria!

Nicht weit von Jerusalem ist ein Hügel, auf dem jene Frau dem göttlichen Heiland zurief: Selig ist der Leib, der dich getragen! – Dieser Hügel, sagt man, grüne im Winter, wie im Sommer, seine Oberfläche werde nie beschmutzt, weil aller Staub, den der Wind hin weht, also gleich sich wieder entferne. – Ein schönes Bild der Hoffnung auf Maria. Gleich dem Hügel, auf dem sie seliggepriesen wurde, blickt sie zu jeder Zeit im Winter der Leiden, wie im Sommer der Freuden, vertrauenerweckend auf uns herab; kein Staub des Undankes, des Zweifels und des Misstrauens bleibt auf ihrem Mutterherzen ruhen, das mit immer gleicher Liebe bereit ist, uns zu helfen und stets auf alle mögliche Weise sich bemüht, die zuversichtliche Hoffnung auf sie in uns zu stärken und zu bewahren.

Der Morgenstern ist für die Erde von außerordentlich wohltätigem Einfluss und überdies ist er noch ein Gestirn, das milde Witterung bringt, während andere große Kälte, andere große Hitze hervorrufen. – Was die Erde Wohltaten, Gnaden und Segen empfängt, wird ihr durch den Morgenstern Maria gespendet. Durch welche Hilfe können die Schiffe unter so vielen Gefahren sicher zum ersehnten Hafen gelangen, fragt der heilige Bonaventura und antwortet: Gewiss durch zwei, nämlich durch ein Holz und durch einen Stern, durch die Kraft des Kreuzes und durch die Macht des Lichtes, das uns Maria der Morgenstern gebar. – Darum, liebe Christen, ruft mit dem heiligen Alphons: Meine Königin, zu deinen Füßen will ich wohnen, weil ich auf dich meine ganze Hoffnung gesetzt habe. Also hinauf den Blick zu jenem lieblichen Morgenstern, der den Trost des Tages der betrübten Seele verkündet. In Leiden und Heimsuchungen, in Trübsal und Versuchungen schaue hinauf zum Stern und rufe zu Maria. Sie sagt uns dasselbe, was sie der heiligen Brigitta geoffenbart hat: Keiner ist so verworfen, dass ihm, so lange er lebt, meine Barmherzigkeit mangle; keiner ist so weit von Gott entfernt, dass er nicht heimkehrt zum Vater, wenn er zu mir ruft.

Servilius, einer der römischen Auguren, sah über dem Haupt des Kaisers Aurelius einen glänzenden Stern und wahrsagte ihm und seinem Heer deshalb einen günstigen Ausgang der Schlacht. So wird mit voller Gewissheit einem jeden Christen, über dessen Haupt Maria, der Morgenstern, glänzt, in dessen Brust die Hoffnung auf ihre mächtige Hilfe wohnt, Glück und Segen, Frieden und Freude, Schutz und Beistand zuteilwerden. Maria wird ihn nicht verlassen bis zu seinem Lebensende, wo sie gleich dem Abendstern Trost und Ruhe in die scheidende Seele bringt.

Wie es in der Natur Abend wird und Nacht, so neigt auch im menschlichen Leben sich die Sonne und wirft ihre Schatten über das Sterbebett; und wie der Anblick des Abendsterns bei der hereinbrechenden Dunkelheit einen wunderbaren Frieden in die Seele zaubert, so beruhigt Maria die Seele im Todeskampf, besänftigt das aufgeregte Gemüt, zerstreut die Wolken der Bangigkeit und Furcht, erfrischt mit dem Tau der Gnade, macht hell die Erbarmungen Gottes und gießt jene Zuversicht ins brechende Herz, die dem Tod seine Schrecken nimmt und dem Grab jeden Schauder.
Wenn daher unser ganzes Leben eine Vorbereitung auf den Tod sein soll, so dürfen wir dabei nie vergessen, oft und oft und immer wieder Maria zu bitten und anzurufen, dass sie wie ein milder Abendstern den Abend unseres Lebens erhelle und die Strahlen ihrer Barmherzigkeit auf unser Sterbebett werfe; dass sie uns wie dem heiligen Josef im Tod beistehe und uns gleich ihm in ihren Mutterarmen sterben lasse; denn, wie kann der zu Grunde gehen, ruft der heilige Athanasius, der in den Armen Mariens stirbt? - -

Carl VI., dieser so unglückliche und eines besseren Loses so würdige König von Frankreich, stiftete während der ersten Jahre seiner Regierung in Folge eines in Languedoc abgelegten Gelübdes einen Ritterorden zu Ehren der heiligen Jungfrau. Zur Zeit seines Aufenthaltes in Toulouse nämlich jagte er oft mit Olivier von Clisson, Peter von Navarra und einer Menge anderer Hofherren in dem alten Wald von Bouconne. Als er sich eines Tages in Verfolgung eines Wilds von seinem Gefolge getrennt hatte, überraschte ihn die Nacht, rings umgeben von weglosen Wildnissen und großen Wäldern voll Bären und Eber; die Gefahr seiner Lage wuchs, als die Nacht immer dunkler herabsank und ein nebeliger Himmel alle Sterne verbarg. Bestürzt über seine Einsamkeit, nicht wissend, welche Richtung er nehmen sollte, verlobt sich der Fürst feierlich zu Unserer Lieben Frau von der Hoffnung und stellt sich demütig unter ihren Schutz. Alsbald zerstreut ein leichter Wind die Wolken und ein glänzender Stern wirft seine Silberstrahlen auf einen Fußweg, der den jungen Monarchen aus dem Wald führt. Am anderen Tag kommt Carl an der Spitze seiner Barone, die mit Ausnahme des Hauptes in voller Rüstung waren, sein Gelübde in Mariens Kapelle zu lösen. Zum Andenken an das gefährliche Abenteuer, das er bestanden hatte, gründete er bald danach den Orden von Unserer Lieben Frau von der Hoffnung und verordnete, dass ein Stern dessen Sinnbild sein sollte. Diese Stiftung beweist noch ein altes Bild, das man auf der Klostermauer der Karmeliten von Toulouse sieht neben der Kapelle
Von Unserer Lieben Frau von der Hoffnung. Es stellt den König von Frankreich dar, umgeben von seinen Rittern, den Herzogen von Touraine und Bourbon, von Peter von Navarra, Heinrich von Bar und Olivier von Clisson, deren Namen unten stehen. Oben schwebt ein Engel mit Streifen, auf denen dreimal das Wort Hoffnung steht.

Liebe Christen, treten auch wir geistiger Weise diesem Ritterorden bei, umschlingen wir unser Herz mit dem Band, auf das wir nicht bloß dreimal, sondern oft und oft betend schreiben wollen: Maria, unsere Hoffnung! – Tragen wir den Stern auf unserer Brust zum Dank, dass Maria uns schon so oft aus der Nacht der Sünde, aus dem wilden Gehege der Laster, aus dem Rachen reißender Leidenschaften gerettet hat und wenn wir sie im Leben freudig als unseren Morgenstern begrüßen, so beten wir im Tod, wenn sie gleich dem Abendstern über unserem Sterbelager glänzt, vertrauensvoll: Maria, mein Stern! Amen.


http://www.marianisches.de/marienfeste/m...enkönigin/

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zuletzt bearbeitet 02.05.2016 12:55 | nach oben springen

#5

RE: Maria Maienkönigin - 3. Maiandacht - Maria, meine Sonne

in Die allerseligste Jungfrau und Gottesmutter Maria 03.05.2016 17:59
von Blasius • 1.922 Beiträge

Maria Maienkönigin



3. Maiandacht - Maria, meine Sonne


Nicht umsonst wird die Sonne das Herz des Himmels genannt, denn wie vom Herzen aus alle Lebenspulse strömen und sich im ganzen Körper verteilen, so geht auch von der Sonne alles Leben für die Natur aus und die ganze Erde empfängt von ihr Wachstum und Gedeihen. Ebenso tief gedacht, als wahr empfunden ist es daher, wenn die heilige Kirche Maria mit der Sonne vergleicht und die Worte des Hohen Liedes: „Du bist auserwählt wie die Sonne“, auf die Himmelskönigin bezieht.

Gleichwie die erste Himmelssphäre durch ihre Bewegung macht, dass alle anderen Himmelssphären sich bewegen, so bewirkt auch Maria, wenn sie für jemanden bittet, dass der ganze Himmel mit ihr Gott bittet. Ist sie daher nicht recht eigentlich das Herz des Himmels? - -

Siehe, es steigt die Sonne herauf, ganz allein und ohne jede Begleitung; und nun erhellt sich der Luftraum, die Erde öffnet ihren Mutterschoß, die Edelsteine erhalten ihren Glanz, die ganze Schöpfung ersteht wie neugeboren. Ihr erfasst ohne Zweifel, liebe Christen, was ich mit diesem Bild sagen will! Mögen gleichwohl die Heiligen gleich Sternen geleuchtet haben, Maria allein ist „auserkoren wie die Sonne“, bei ihrem Aufgang erbleichen und verschwinden die flimmernden Sterne. Sie ist daher die erste im Himmel, wie die Sonne das erste Gestirn am Himmel ist.

Wer aber hat sie dazu gemacht? – Der Herr. In der geheimen Offenbarung sah der heilige Johannes eine Frau, mit der Sonne bekleidet. Das ist Maria, die Gott mit der Sonne bekleidete, mit all der Schönheit und dem Glanz der Sonne, mit all den Eigenschaften und Wirkungen der Sonne. Ein schönes Bild dieser Wahrheit gibt uns Judith. Sie war überaus schön von Angesicht, sagt die Heilige Schrift, und sie erhöhte ihre Reize noch durch festliche Kleider, Schmuck und Kleinodien. Die allerseligste Jungfrau war von Natur aus das schönste Wesen, das je aus der schaffenden Hand der göttlichen Allmacht hervorgegangen ist. Diese natürliche Schönheit erhöhte sie aber noch durch den Schmuck der Heiligkeit und jeglicher Tugend. Wie aber die Heilige Schrift von Judith noch weiter sagt: Zu ihrer Schönheit verlieh ihr der Herr einen Glanz und vermehrte ihre Schönheit so, dass sie allen Augen in unvergleichlicher Zierde erschien, so gab auch Gott der heiligen Jungfrau noch einen Sonnenglanz, eine wunderbare Macht, eine überirdische Hoheit, die im Strahlenlicht der Welt sich zeigt und sich in erbarmender Liebe gegen die Menschen durch die drei Eigenschaften der Sonne offenbart, sie erhellt, erwärmt und zeitigt die christliche Seele, wie jene die Natur.
Auf den ersten Blick erkennen wir in diesen drei Wirkungen den innerlichen Gang der Rückkehr zu Gott, und weil Maria vorzüglich berufen ist, die armen Sünder heimzuführen ins Vaterhaus, so ist nichts natürlicher und gerechter, als sie mit der Sonne zu vergleichen.

Wenn die Sonne sich erhebt am Himmel, wenn sie heraussteigt aus dem Meer, wie ein glühender Feuerball, wenn ihre ersten Strahlen die Gipfel der Berge röten wie mit blühenden Rosen und dann vergolden, da weicht die Nacht, da flieht die Dämmerung, da zerreißen die Nebel und alles wird hell ringsum, licht und klar. – Der erste Schritt zur Besserung, sagt der heilige Thomas, ist die Selbsterkenntnis. Wenn der Sünder anfängt, sein Elend einzusehen, wenn er erkennt, wie tief er gefallen, wie weit er gekommen, wie unglücklich er geworden ist, wenn sein Verstand zu erfassen beginnt den Verlust der Gnade und die schrecklichen Folgen der Sünde, - - dann wird es in seinem Innern immer heller und heller, immer lichter und lichter und wer vertreibt diese Nacht? – Du, o himmlische Sonne, du, Maria, mit den Strahlen deiner Huld und Liebe, deiner Barmherzigkeit; denn dein Gebet macht hell die Nacht, ruft der heilige Bernhard, und deine Macht vertreibt die Finsternis! – Der Verstand des Sünders wird licht, die dunklen Leidenschaften, die unheimlichen Wünsche, die finsteren Gewohnheiten verschwinden, die Nebel der Verblendung fallen, die Dämmerung des Misstrauens auf Gottes Barmherzigkeit entflieht und der Sünder ist durch das Sonnenlicht der Fürbitte Mariens an dem Punkt angelangt, an dem er mit dem verlorenen Sohn im Evangelium spricht: Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater heimkehren.

Die Nacht hat mit seltenen Ausnahmen immer etwas Kaltes, besonders in den Morgenstunden. Diese Kälte vertreibt die Sonne, denn wenn sie erscheint, wird es warm und diese Wärme steigert sich bis zur Glut. – Je tiefer der Mensch gesunken ist und je länger er im Sündenzustand dahinlebt, desto kälter wird sein Herz. Dasselbe umzieht dann gleichsam eine Rinde von Eis, es erstarrt bis zu einer solchen Unempfindlichkeit, dass weder die Drohungen des Vaters noch die Tränen der Mutter, weder die Trauer der Geschwister noch die Bitte eines Freundes, noch die Ermahnungen eines Seelsorgers, dass kein Unglück, keine Schande, kein Elend mehr einen Eindruck auf das Herz des Sünders machen. – Nur eine vermag diese Eisrinde zu schmelzen, jene, von der es in der Heiligen Schrift heißt, dass niemand sich verbergen kann vor ihrer Hitze; Maria, die Sonne der Barmherzigkeit, ist allein im Stande, das kalte Herz zu erwärmen. Sie ruft in dem Sünder wieder wach das Heimweh nach einem besseren Leben, sie facht den letzten Funken von Gottesliebe, der noch unter der Asche glimmt, zur Flamme an, sie erwirbt ihm von Gott den Schmerz einer gedemütigten und zerknirschten Seele, und gleichwie beim Aufgang der Sonne die Tauperlen an den Gräsern zittern und funkeln, so schmilzt die Sonnenglut ihrer Mutterliebe das kalte Herz des Sünders und löst es auf in Tränen der aufrichtigsten und bittersten Reue. Es wiederholt sich, was die Heilige Schrift von Petrus sagt: Und er ging hinaus und weinte bitterlich.

Die dritte Eigenschaft der Sonne ist, dass sie Wachstum verleiht, Gedeihen bringt und alle Früchte zeitigt. In geistiger Hinsicht versinnbildet diese Wirkung die Stärkung des Willens, so dass sich der Sünder aufmacht, sein Gewissen zu reinigen, sich entschließt, allen angerichteten Schaden, jedes Ärgernis wieder gut zu machen, sich fest vornimmt die Gewohnheiten abzulegen, alle Mittel, um im Guten beharrlich zu bleiben, gewissenhaft anzuwenden, mit einem Wort, würdige Früchte der Buße zu bringen. – Und auch das ist das Werk derjenigen, durch deren Hand uns alle Gnaden zukommen, also auch die Gnade der Bekehrung; auch das ist die Gnadenwirkung der himmlischen Sonne Maria. An sie wandte sich Augustinus, als sein Verstand den Irrtum erkannte und sein Herz die Sünde bereute, im heißen Gebet um die Kraft, die Fesseln der Leidenschaften für immer zu brechen. Und Maria stärkte seinen Willen so, dass er nie mehr abwich von der Tugend und nun die Krone der Heiligkeit sein Haupt umglänzt.

Zu Venedig, der Königin des Meeres, wurde im Jahr 1481 aus einer altadeligen Familie Hieronymus Aemiliani geboren. Von einer frommen Mutter nur für Gott und den Himmel erzogen, verließ er doch schon als junger Mann von fünfzehn Jahren die Tugendbahn. Er fürchtete Gott nicht mehr, nur vor den Augen der Welt wollte er noch untadelig erscheinen. Er trat in den Kriegsdienst und ergab sich, nachdem auch sein Vater gestorben war, allen Ausschweifungen einer ungezügelten Leidenschaft. Im Krieg war er tapfer, überhaupt ein guter, tüchtiger Soldat, tat sich in vielen Schlachten rühmlich hervor; aber in den Augen Gottes war er ein armer, unglücklicher Sünder. So durchlebte er seine Jugend in allen möglichen Ausschweifungen bis in sein dreißigstes Jahr. – Als im Jahr 1511 die Festung Kastelnuova im Sturm eingenommen wurde, befand er sich gerade darin. Mit Heldenmut kämpfte er an der Spitze seiner Soldaten, doch die Feinde überwältigten ihn. An Händen und Füßen gefesselt, wurde er ins Gefängnis geworfen und hatte jeden Augenblick den Tod zu erwarten. In diesem Elend wachte er auf. Er erinnerte sich mit Wehmut an die Tage seiner Jugend, wo er so oft vor dem Gnadenbild Mariens von Treviso betete. Mit heißem Gebet verlobte er sich dorthin und sein Verstand wurde hell – er erkannte seine Sünden, und sein Herz wurde warm – er weinte bitterlich – wodurch, liebe Christen? – Ein ungewöhnlicher Glanz erleuchtete des Kerkers Dunkel, Maria erschien ihm vom Lichtglanz einer Sonne umflossen, so dass er von den Strahlen geblendet nicht in ihr Antlitz zu schauen vermochte, sie berührte ihn und die Fesseln fielen und sie führte ihn aus dem Gefängnis wunderbar und sicher mitten durch die Feinde bis hin nach Treviso. Dort dankte Hieronymus auf seinen Knien und in Reuetränen zerfließend seiner himmlischen Mutter für die Rettung des Lebens. Nun aber war er wie umgewandelt; bei einer Hungersnot im Jahr 1528 verkaufte er all seine Habe, um die Armen zu speisen; die Kirchen und die Spitäler der Kranken waren von nun an die Orte, wo er die schönsten Werke der Gottseligkeit übte. Sein heiliges Leben beschloss ein ebenso kostbarer Tod. Er verschied am 8. Februar 1537 mit den Worten: Maria, meine Sonne! Amen.



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zuletzt bearbeitet 03.05.2016 18:00 | nach oben springen


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