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Konzil von Trient über den hl. Messkanon und die hl. Wesensverwandlung

in Das allerheiligste Altarsakrament 03.05.2013 22:10
von Aquila • 4.000 Beiträge

Das Konzil von Trient ( 1545 - 1563 )
hat das Wesen des heiligen Messkanons
sowie
das Mysterium der heiligen Wesensverwandlung eindrücklich umschrieben:



Über den heiligen Messkanon:


"Das Heilige muss heilig verwaltet werden.
Da es nun nichts Heiligeres gibt als dieses Opfer, so hat die katholische Kirche, um würdig und ehrfurchtsvoll zu opfern und zu empfangen, seit vielen Jahrhunderten den heiligen Kanon eingeführt.
Er ist frei von jedem Irrtum und enthält nichts, was nicht ganz und gar Heiligkeit und Frömmigkeit atmet und die Herzen der Opfernden zu Gott emporrichtet.
"




Über die heilige Wesensverwandlung:

"Zu Beginn lehrt die heilige Kirchenversammlung, und sie bekennt offen und ohne Rückhalt,
dass in dem erhabenen Sakrament der heiligen Eucharistie nach der Konsekration von Brot und Wein
unser Herr Jesus Christus als wahrer Gott und Mensch wahrhaft, wirklich und wesentlich unter der Gestalt jener sichtbaren Dinge gegenwärtig ist."



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zuletzt bearbeitet 26.05.2016 00:13 | nach oben springen
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RE: Konzil von Trient über den hl. Messkanon und die hl. Wesensverwandlung

in Das allerheiligste Altarsakrament 03.05.2013 22:47
von blasius (gelöscht)
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Lieber Aquila,

einiges hat sich bis heute erhalten:

10. Kapitel: DER MESSKANON
Der römische Messkanon ist nicht einfach nur ein altehrwürdiger Text, sondern vielmehr lebendiger Bestandteil jenes heiligen Tuns, in dem Christus selbst durch den Dienst der Kirche sein Opfer in die Zeit hinein verlängert und es zum Aufbau seines mystischen Leibes in unblutiger Weise auf dem Altar gegenwärtig setzt.

Über den römischen Kanon sagt das Konzil von Trient: „Das Heilige muss heilig verwaltet werden. Da es nun nichts Heiligeres gibt als dieses Opfer, so hat die katholische Kirche, um würdig und ehrfurchtsvoll zu opfern und zu empfangen, seit vielen Jahrhunderten den heiligen Kanon eingeführt. Er ist frei von jedem Irrtum und enthält nichts, was nicht ganz und gar Heiligkeit und Frömmigkeit atmet und die Herzen der Opfernden zu Gott emporrichtet.“ (22. Sitzung [1562], 4. Kapitel)

Aufbau des Kanon
Ähnlich wie bei der Opferung, werfen wir auch beim Kanon zuerst einen Blick auf das Ganze, denn die Struktur des Kanon entspricht in wunderbarer Ordnung den Gesetzen der Ästhetik.

Jeweils vor und nach der Wandlung gibt es acht ‚Strophen‘, die gleich den Säulen einer antiken Basilika in klarer Symmetrie einander gegenüber stehen, und wie in der Basilika der Altar, so stehen im Kanon die beiden ‚Strophen‘ der Wandlung genau im Zentrum.

9 Qui pridie
Konsekration des Leibes 10 Simili modo
Konsekration des Bluts
8 Quam oblationem
Epiklese [Wandlungsbitte]
7 Hanc igitur
Bitte um Annahme des Opfers
6 Communicantes
triumphierende Kirche
5 Memento
Gedächtnis der streitenden Kirche
4 In primis
Bitte für die hierarchische Weltkirche
3 Te igitur
Mittlerschaft Christi
2 Sanctus
Gotteslob
1 Präfation
zum Vater

Präludium: Secret 11 Unde et memores
Anamnese [Heilsgedächtnis]
12 Supra quæ
Bitte um Annahme des Opfers
13 Supplices
himmlische Kirche
14 Memento
Gedächtnis der leidenden Kirche
15 Nobis quoque
Bitte für den zelebrierenden Klerus
16 Per quem
Mittlerschaft Christi
17 Per ipsum
Gotteslob
18 Pater noster
zum Vater

Postludium: Embolismus

Sursum corda
Nach der Secret, durch die zugleich die Opferung abgeschlossen und zum Kanon übergeleitet wird, steht ein feierlicher Wechselgruß zwischen Priester und Volk. Er beginnt mit dem Sursum corda: „Empor die Herzen!“ Dazu erhebt der Priester die Hände, „um durch diese Gebärde den inneren Aufschwung des Gemütes und das Verlangen nach völliger Hingabe an den Herrn kund zu machen und zu verstärken. In dieser Bewegung der Hände spricht sich nämlich die Sehnsucht nach dem aus, was erhaben ist über uns, d. h. nach dem Himmlischen und Ewigen.“ (Gihr S. 519)

Nach der klassischen Definition des hl. Johannes von Damaskus ist jedes Gebet Erhebung der Seele zu Gott [ascensio mentis in Deum]. Solch ein innerer Aufstieg ist zu Beginn des Kanon besonders nötig, denn nur betend kann man sich dem Heiligen nahen.

Wir denken auch an das Wort des hl. Apostels Paulus, das uns aus der Epistel der Osternacht vertraut ist: „Wurdet ihr also auferweckt mit Christus, so sucht, was droben ist [quæ sursum sunt quærite], wo Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes! Was droben ist, habt im Sinn [quæ sursum sunt sapite], nicht das auf Erden!“ (Kol 3, 1 f.)

Das Volk antwortet: „Habemus ad Dominum. - Wir haben sie beim Herrn.“ Dies soll keine bloße Floskel sein, sondern Wirklichkeit: „Keiner sei derart anwesend, dass er zwar mit dem Munde sage: ‚Wir haben das Herz zum Herrn erhoben‘, in seinen Gedanken aber den Geist bei den Sorgen dieses Lebens habe. An Gott muss man zwar allzeit denken; wenn aber dies wegen der menschlichen Schwachheit unmöglich ist, so muss man es sich doch ganz besonders bei der Opferfeier eifrig angelegen sein lassen.“ (hl. Cyrill von Jerusalem)

Gratias agamus
Es folgt die Aufforderung: „Gratias agamus Domino, Deo nostro. - Lasset uns danken dem Herrn unserem Gott.“ Dazu vereint der Priester beide Hände, erhebt kurz die Augen und macht eine tiefe Verneigung.

Die Antwort des Volkes lautet: „Dignum et justum est. - Das ist würdig und recht.“ Daran knüpfen sich die ersten Worte der Präfation: „Vere dignum et justum est - In Wahrheit ist es würdig und recht, geziemend und heilsam, dass wir Dir immer und überall danken, Herr, heiliger Vater, allmächtiger, ewiger Gott, durch Christus, unsern Herrn.“

Die Danksagung ist dem Messopfer so wesentlich, dass das griechische Wort eucharistia [= Danksagung] zur gebräuchlichen Bezeichnung für die Messe selbst wurde.

„Die Heilige Schrift berichtet, dass Jesus Christus seinem himmlischen Vater gedankt habe, bevor er Brot und Wein konsekrierte ... Wer sollte nicht auf den ersten Blick erkennen, dass die Kirche auch hierin dem Beispiel ihres göttlichen Herrn und Meisters folgt, indem sie dem Wandlungsakt in der Präfation einen unvergleichlich erhabenen Dank- und Preisgesang vorangehen lässt?“ (Gihr S. 516)

Die Präfation
PräfationDas Wort ‚danken‘ ist verwandt mit ‚denken‘ und ‚gedenken‘. Eben dazu dient die Präfation, nämlich zum dankbaren Gedenken der Großtaten Gottes.

Gegen Ende der Präfation vereint die Kirche ihren Lobgesang ganz ausdrücklich mit dem der Engel: „Darum singen wir mit den Engeln und Erzengeln, mit den Thronen und Herrschaften und mit all den Scharen des himmlischen Heeres den Lobgesang Deiner Herrlichkeit und rufen ohne Ende: Heilig, heilig, heilig ...“

Das Sanctus
Zum äußeren Ausdruck des Wortes ‚supplici confessione‘ [= mit demütig verneigtem Lobgesang] betet der Priester das Sanctus in verbeugter Haltung.

Es besteht aus zwei Teilen, die genau den beiden grundlegendsten Geheimnissen des christlichen Glaubens entsprechen: „Die erste Hälfte enthält die Verherrlichung der heiligsten Dreifaltigkeit durch die Engel des Himmels; die zweite Hälfte besteht aus der Begrüßung des Heilandes durch den Mund der Gläubigen auf Erden.“ (Gihr S. 528)

• Der erste Teil des Sanctus stammt aus der Berufungsvision des Propheten Isaias: „Im Todesjahr des Königs Ussia sah ich den Herrn. Er saß auf einem hohen und erhabenen Throne, seines Gewandes Schleppen füllten den Tempel. Über ihm schwebten Seraphim; sechs Flügel hatte ein jeder; mit zweien verhüllte er sein Angesicht, mit zweien bedeckte er seine Füße, und mit zweien flog er. Einer rief dem andern zu und sprach: ‚Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Heerscharen, die Fülle der ganzen Erde ist seine Herrlichkeit.‘ Vor der Stimme des Rufenden erbebten die Pfosten der Türschwellen, und der Tempelraum füllte sich mit Rauch.“ (Jes 6, 1-4) Das dreimal wiederholte Heilig deuten die Väter als Hinweis auf die drei göttlichen Personen und somit als indirekte alttestamentliche Offenbarung der allerheiligsten Dreifaltigkeit.

• Der zweite Teil erinnert an den feierlichen Einzug Jesu in Jerusalem zum Palmsonntag: „Die Scharen, die vorausgingen und nachfolgten, riefen: ‚Hosanna dem Sohne Davids! Gepriesen sei, der da kommt im Namen des Herrn! Hosanna in der Höhe!‘“ (Mt 21, 9)

Einmal klagt Jesus: „Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, ihr Herz aber ist fern von mir.“ (Mt 15, 8) So war es auch am Palmsonntag, denn kaum fünf Tage später schrien viele, die eben noch „Hosanna!“ gerufen hatten: „Hinweg! Hinweg! Kreuzige ihn!“ (Joh 19, 15) Dies sei uns zur Mahnung. Damit unser „Hosanna!“ stets echt sei, bitten wir mit den Worten der Oration zur Weihe der Zweige am Palmsonntag: „Gib, dass Dein Volk, was es heute im Äußeren zu Deiner Verehrung tut, auch geistig mit ganzer Hingebung vollbringe.“

Das lateinische Wort ‚venit‘ ist offen für eine zweifache Deutung. Es heißt sowohl: „Gepriesen sei, der gekommen ist ...“ [nämlich damals bei der Menschwerdung], als auch: „Gepriesen sei, der kommt ...“ [nämlich jetzt auf den Altar].

Die Kanonstille
Nach dem Sanctus beginnt der Hauptteil des Kanon in heiliger Stille.
• Die Kanonstille hat die Funktion eines verhüllenden Schleiers zum Schutz des Heiligen. Sie drückt Ehrfurcht und Demut aus, denn vor dem, was hier geschieht, muss jedes menschliche Wort verstummen. Mehrfach spricht die Schrift von einem ‚Schweigen vor Gott‘, wie etwa beim Propheten Habakuk: „Der Herr thront in seinem heiligen Tempel; es schweige vor ihm, alle Welt!“ (Hab 2, 20) Oder bei Sophonias: „Silete a facie Domini Dei. - Still vor dem Angesicht Gottes des Herrn! Denn nahe ist der Tag des Herrn.“ (Soph 1, 7; vgl. auch Zach 2, 17) Oder im Psalm: „Quiesce in Domino et exspecta eum. - Sei still vor dem Herrn und warte auf ihn!“ (Ps 37, 7)

• Ein Blick in die Heilsgeschichte zeigt, dass Gott häufig große Dinge ganz im Verborgenen tut. In einer der erhabensten Gotteserscheinungen des Alten Bundes offenbart er sich dem Elias im leisen, zarten Säuseln: „Der Herr befahl: ‚Tritt hinaus und stelle dich auf dem Berg vor den Herrn hin!‘ Siehe, da zog der Herr vorüber: Ein starker mächtiger Sturm, der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach, ging vor dem Herrn einher, doch im Sturm war der Herr nicht. Nach dem Sturm kam ein Erdbeben, doch der Herr war nicht im Erdbeben. Nach dem Erdbeben kam ein Feuer, doch auch im Feuer war der Herr nicht. Nach dem Feuer kam ein leises, zartes Säuseln. Elias vernahm es, hüllte sein Gesicht in seinen Mantel, trat hinaus und stellte sich an den Eingang der Höhle.“ (1 Kön 19, 11-13) Im Neuen Bund vollzogen sich gerade die Heilsmysterien der Menschwerdung, der Geburt und der Auferstehung Jesu in tiefem Schweigen: „Als lautlose Stille alles umfing und die Nacht in ihrem schnellen Lauf die Mitte erreichte, da sprang dein allgewaltiges Wort vom Himmel her, vom Königsthron.“ (Weish 18, 14 f.) Deshalb erscheint es höchst angemessen, auch die kultische Vergegenwärtigung eben dieser Mysterien in heiliges Schweigen zu hüllen. „Die heilige Stille ist ... geeignet, die Verborgenheit und Tiefe, die Unbegreiflichkeit und Unaussprechlichkeit der wundervollen Geheimnisse, welche auf dem Altar sich vollziehen, anzudeuten und in Erinnerung zu bringen.“ (Gihr S. 548)

• Durch den stillen Vollzug des Kanons wird der eigentliche eucharistische Konsekrations- und Opferakt als ausschließlich priesterliche Handlung gekennzeichnet, denn die sakramentale Gegenwärtigsetzung des Kreuzesopfers vollzieht Christus selbst durch den geweihten Priester. Darin ist ein deutlicher Bezug zum Alten Bund: „Der Priester betritt nun allein das Heiligtum des Kanons ... Es herrscht heiliges Schweigen; Schweigen ist eine würdige Bereitung für die Nähe Gottes. Gleich dem Hohenpriester des Alten Bundes, der einmal im Jahr mit dem Blut der Opfertiere allein das Allerheiligste betreten durfte [Hebr 9, 7], löst sich der Zelebrant nun vom Volk und tritt vor den heiligen Gott hin, um ihm das Opfer darzubringen.“ (Jungmann, Missarum solemnia Bd. II S. 169)

• Die Gläubigen lädt die Kanonstille zu Einkehr und innerem Mitvollzug, denn kraft ihres in der Taufe erworbenen allgemeinen Priestertums sind sie befähigt, sich auf ihre Weise als Mitopfernde innigst mit dem Priester am Altar zu vereinen.

Die Kreuzzeichen im Kanon
Obwohl der römische Kanon weitgehend in Stille vollzogen wird, wirkt er doch durch zahlreiche begleitende Gesten sehr lebendig. Besonders bedeutsam sind dabei die vielen Kreuzzeichen. Allein schon aufgrund ihres hohen Alters verdienen sie Ehrfurcht, denn in der Form, wie der Kanon im klassischen römischen Ritus bis heute bewahrt wird, ist er seit weit mehr als 1000 Jahren bezeugt. Schon in einem Brief vom 4. November 751 an den hl. Bonifatius listet Papst Zacharias auf dessen Bitte hin alle Stellen auf, an denen ein Kreuzzeichen zu machen sei.

Der Ursprung dieser Kreuzzeichen lässt sich erklären aus einem stilistischen Grundsatz der antiken Rhetorik: Damit nämlich die gepflegte Rede lebendig wirkt, müssen Wort und Geste übereinstimmen. Deshalb wird der ‚Redner‘ immer dann, wenn er auf einen anwesenden Gegenstand zu sprechen kommt, zugleich durch einen Gestus auf ihn hinweisen. Je näher dieser Gegenstand ist, desto zwingender ist der Hinweis.

Auf dem Altar sind die Opfergaben wirklich gegenwärtig. Deshalb weist der Priester, sooft er sie nennt, darauf hin. Stilisiert wird dieser Hinweisgestus in Kreuzesform. Als Beispiel diene die erste Kanonstrophe nach der Wandlung: „Indem wir nun eingedenk sind, Herr, wir, Deine Diener, aber auch Dein heiliges Volk, des so seligen Leidens, der Auferstehung von den Toten und der glorreichen Himmelfahrt Deines Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus, bringen wir Deiner erhabenen Majestät von Deinen Geschenken und Gaben ein reines † Opfer, ein heiliges † Opfer, ein makelloses † Opfer dar, das heilige † Brot des ewigen Lebens und den † Kelch des immerwährenden Heiles.“

Selbstverständlich ist in dieser Deutung der Kreuzzeichen ihr Sinn nicht erschöpft. Auch der Charakter eines Segens ist keineswegs ausgeschlossen.

Te igitur
Te_igiturSchon der erste Buchstabe des Te igitur ist bedeutungsvoll, denn seit altchristlicher Zeit hat man im T [griechisch Tau, hebräisch Taw] aufgrund seiner Form ein Symbol des Kreuzes gesehen. Deshalb hatte auch der hl. Franziskus eine besondere Vorliebe für das T. Da es im Mittelalter üblich war, die ersten Buchstaben [= Initialen] wichtiger Texte sehr kunstvoll zu gestalten, lag es den Buchmalern nahe, aus diesem T wirklich ein Kreuz zu machen. Im Laufe der Zeit hat dieses sich verselbständigt, weshalb man gewöhnlich im Messbuch vor dem Te igitur eine ganze Seite mit einer prachtvollen Kreuzesdarstellung findet.

Während sonst bei Orationen die Berufung auf die Mittlerschaft Jesu stets am Ende steht [z. B. in der Schlussformel „Per Dominum nostrum Jesum Christum filium tuum...“], steht sie im Te igitur ganz betont am Anfang: „Dich also, mildreichster Vater, bitten wir demütig und flehen zu Dir durch Jesus Christus, Deinen Sohn, unsern Herrn.“

Die Worte „supplices rogamus ac petimus - bitten wir demütig und flehen“ werden dargestellt, indem der Priester die Hände erhebt, sie zusammen fügt, wieder senkt und tief verbeugt auf den Altar legt. Ganz wunderbar ist darin zugleich tiefe Demut und kindliches Vertrauen auf den himmlischen Vater ausgedrückt, der angeredet wird als ‚Pater clementissimus‘ [von clemens = sanftmütig, mildreich].

Nun küsst er den Altar, zeichnet drei Kreuzzeichen über die Opfergaben und bittet Gott, dass er sie annehmen und segnen wolle.

In primis
Die nächste Strophe beginnt mit den Worten: „Vor allem [= in primis] bringen wir sie Dir dar für Deine heilige katholische Kirche.“ Für sie erbitten wir eine vierfache Gnade:

Gott möge ihr den Frieden schenken [pacificare].
Er möge sie schützen und beschirmen [custodire].
Er möge ihr Einheit geben [adunare].
Er möge sie regieren und leiten [regere].

Dieses Opfer wird aber nicht nur für die Kirche, sondern immer auch in ihrem Namen dargebracht. Deshalb muss der Priester in Einheit stehen [una cum] mit dem Papst als sichtbarem Oberhaupt der Kirche, dem Ortsbischof und mit „allen rechtgläubigen Förderern des katholischen und apostolischen Glaubens“, denn: „Ubi Petrus, ibi Ecclesia. - Wo Petrus ist, da ist die Kirche. Wo die Kirche ist, da ist kein Tod, sondern ewiges Leben.“ (hl. Ambrosius, Enarr in Ps. 40)

Memento
MementoZu Beginn des Memento steht die Einfügung „N. et N.“ Diese geht zurück auf die sogenannten Diptychen. Ein Diptychon war ein kleines Gedenktäfelchen, auf dem die Namen derer, für die das heilige Opfer dargebracht werden sollte, zur ausdrücklichen Erwähnung verzeichnet waren. Noch heute verweilt der Pries94 ter an dieser Stelle einige Augenblicke in Stille, um für alle zu beten, die ihm anvertraut sind und die sich seinem Gebet empfohlen haben. Insbesondere gedenkt er der Intention dessen, der diese Messe in besonderen Anliegen bestellt hat, sowie aller Anwesenden, „deren Glauben und Hingabe Du kennst“, denn von der Größe ihrer Glaubens und ihrer Opfergesinnung hängt es ab, wie reiche Früchte sie aus der Teilnahme am hl. Messopfer gewinnen.

Die anwesenden Gläubigen [circumstantes] werden bezeichnet als solche, für die geopfert wird [pro quibus tibi offerimus] und die auch selbst mitopfern [qui tibi offerunt] dieses Opfer des Lobes „für sich selbst und für all die Ihrigen, für die Rettung ihrer Seelen, für die Hoffnung auf Heil und Wohlfahrt“.

Vom Opfer des Lobes lesen wir im Alten Testament: „Wir können nur noch preisen, aber nicht ergründen, und größer ist er noch als alle seine Werke. Ehrwürdig ist der Herr gar sehr, gar sehr, und wunderbar sind seine Machterweise. Die ihr den Herrn lobpreist, erhebt die Stimme, so laut ihr könnt, denn es wird nie genügen! Wenn ihr erhebt die Stimme, schöpfet neue Kraft, ermüdet nicht, denn ihr kommt nie ans Ende! Wer sah ihn je und kann davon erzählen, und wer kann ihn so preisen, wie er ist?“ (Sir 43, 28-31) Hier auf dem Altar wird Gott wirklich ein seiner Größe entsprechendes würdiges Lobopfer dargebracht, denn es ist das Opfer des eingeborenen Gottessohnes, mit dem die Kirche ihr Lob vereint.

Die Bitte um Heil und Wohlfahrt erinnert an die alttestamentliche Heilsnot und Sehnsucht nach dem Erlöser. So sagt der Psalmist: „Es kann kein Mensch sich selber erlösen, noch Lösegeld für sich zahlen an Gott! Zu hoch ist der Preis für sein Leben.“ (Ps 49, 8 f.) Was kein Mensch vermag, das kann doch Gott, denn Christus selbst wurde zum Kaufpreis unseres Heiles: „Du wurdest geschlachtet und hast uns erkauft mit Deinem Blut für Gott, aus jedem Stamm und jeder Sprache, aus jedem Volk und jeder Nation.“ (Offb 5, 9)

Weil das Heil aber den ganzen Menschen betrifft mit Seele und Leib, werden beide Aspekte auch ausdrücklich erwähnt: Salus meint das Heil der Seele, incolumitas [von incolumis = unversehrt, wohlbehalten] das Heil des Leibes.

Das Memento klingt aus mit den Worten: „Dir, dem ewigen, lebendigen und wahren Gott, erfüllen sie ihre Gelübde [reddunt ... vota sua]“. Sie erinnern deutlich an den Psalmvers: „Bringe Gott als Opfer Lob dar und löse dem Allerhöchsten deine Gelübde [redde Altissimo vota tua]!“ (Ps 50, 14) Das Wort ‚votum‘ bezeichnet ein Gelübde, eine gelobte Gabe oder auch einfach einen inneren Akt der Gottesverehrung. ‚Reddere‘ bedeutet wörtlich ‚zurück-geben‘. Es erinnert daran, dass wir Leib und Leben und alles Gott verdanken: „Was hast du, und hättest es nicht empfangen?“ (1 Kor 4, 7) Was immer wir ihm geben, ist doch stets ein Zurückgeben, denn alles gehört ihm.

Communicantes
Das Communicantes beruft sich auf die Gemeinschaft mit der triumphierende Kirche im Himmel.

In der Apokalypse sieht der hl. Apostel Johannes den himmlischen Thron umgeben von 24 Ältesten: „Im Umkreis des Thrones waren vierundzwanzig Throne, und auf den Thronen saßen vierundzwanzig Älteste, angetan mit weißen Kleidern, und auf ihren Häuptern goldene Kränze.“ (Offb 4, 4) Dieselbe Zahl von Heiligen begegnet uns auch hier, denn wie in einer feierlichen Prozession stehen sich - angeführt von der „glorreichen immerwährenden Jungfrau Maria, der Gebärerin unseres Gottes und Herrn Jesus Christus“ und ihrem Bräutigam, dem hl. Joseph, - genau 24 Heilige, je 12 Apostel und 12 frühchristliche Martyrer, gegenüber.

Maria & Joseph
Petrus
Paulus
Andreas
Jakobus [der Ältere]
Johannes
Thomas
Jakobus [der Jüngere]
Philippus
Bartholomäus
Matthäus
Simon
[Judas] Thaddäus Linus
Kletus
Klemens
Xystus
Kornelius
Cyprianus
Laurentius
Chrysogonus
Johannes
Paulus
Kosmas
Damian

Im Blick auf die nahende Wandlung denken wir an die adventliche Antiphon: „Ecce Dominus veniet - Siehe, der Herr wird kommen und all seine Heiligen mit ihm ...“ (erster Adventssonntag)

Nach katholischer Auffassung wird Christus durch die Heiligen keineswegs verdeckt. Vielmehr offenbaren gerade sie in ihren heroischen Tugenden die Kraft seiner Gnade. Und wenn wir auch von einigen dieser Heiligen historisch nur sehr wenig wissen, so gehören sie doch alle zum apostolischen Urgestein, auf dem die Kirche errichtet ist.

Nach dem Bekenntnis des Petrus bei Cäsarea Philippi sprach Jesus zu ihm: „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.“ (Mt 16, 18) Sehr schön sagt dazu der hl. Papst Leo der Große: „Wie immerdar bleibt, was Petrus von Christus geglaubt, so bleibt auch immerdar, was Christus in Petrus eingesetzt hat.“ (2. Rede am Jahrestag der Konsekration)

Im Credo bekennen wir den Glauben an die apostolische Kirche: Sie ist erbaut „auf dem Fundament der Apostel“ (Eph 2, 20), in ihr lebt das apostolische Amt und sie bewahrt unverfälscht und rein den apostolischen Glauben.

An dieses Fundament erinnert indirekt auch die abschließende Bitte: „Auf ihre Verdienste und Fürsprache hin gewähre, dass wir in allem durch die Hilfe Deines Schutzes gesichert seien [muniamur].“ Das Wort ‚muniamur‘ ist abgeleitet von ‚moenia‘ [= Mauer]. Von der heiligen Stadt, dem himmlischen Jerusalem, heißt es aber: „Sie hat eine mächtige, hohe Mauer mit zwölf Toren, und auf den Toren zwölf Engel und Namen darauf geschrieben ... Die Mauer der Stadt hat zwölf Grundsteine, und auf ihnen die zwölf Namen der zwölf Apostel des Lammes.“ (Offb 21, 12-14)

Hanc igitur
Hanc_igiturDas Hanc igitur wird angekündigt durch ein Glockenzeichen der Ministranten. Es ist die letzte Bitte um Annahme des Opfers unmittelbar vor dem eigentlichen Höhepunkt: „Dieses Opfer unseres Dienstes und Deiner ganzen Familie nimm denn, so bitten wir, o Herr, gnädig an.“ Dargebracht wird sie zu unserem zeitlichen und ewigen Heil: „Ordne unsere Tage in Deinem Frieden. Gewähre, dass wir der ewigen Verdammnis entrissen und der Schar Deiner Auserwählten zugezählt werden.“

Dazu breitet der Priester seine Hände über die Opfergaben aus, wie einst auch Aaron und seine Söhne es taten bei den vorbildlichen Opfern des Alten Bundes, denn so sprach Gott zu Moses: „Hole dann den einen Widder; Aaron und seine Söhne sollen ihre Hände auf den Kopf des Widders legen. Schlachte darauf den Widder, nimm sein Blut und sprenge es ringsum an den Altar!“ (Ex 29, 15 f.)

Quam oblationem
Die letzte Kanonstrophe vor der Wandlung ist eine Art Epiklese [= Wandlungsbitte]. Die zur Beschreibung der Opfergabe verwendeten Begriffe sind teilweise der Rechtssprache entnommen. Sie möge in jeder Hinsicht von Gott gesegnet sein [benedicta], angenommen ohne Rechtsunsicherheit [adscripta], rechtskräftig gleich einem Vertrag [rata]. Vom Geist Gottes erfasst, soll sie ein ‚lebendiges‘ und ‚geistiges‘ Opfer werden [rationabilis], im höchsten Grad Gott wohlgefällig und angenehm [acceptabilis]: „Damit sie uns werde Leib und Blut Deines vielgeliebten Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus.“ Die je fünf Kreuzzeichen können als Hinweis auf die heiligen fünf Wunden gedeutet werden.

Konsekration
Alles Bisherige diente zur Vorbereitung auf das Große, das nun geschieht, denn „der Konsekrationsmoment ist der wichtigste und feierlichste, der erhabenste und ergreifendste, der weihevollste und gnadenreichste Augenblick der Messfeier“ (Gihr S. 595).

Niemals ist der Priester so sehr Priester wie jetzt, da er ganz und gar in persona Christi handelt, indem er Christus als Werkzeug dient und ihm gleichsam seinen Mund und seine Hände leiht, damit er durch sie dem Vater das sakramentale Opfer der Erlösung darbringen kann [vgl. Direktorium für Dienst und Leben der Priester Nr. 48]. Als eigentlich Handelnden erkennen wir mit den Augen des Glaubens Jesus, den ewigen Hohenpriester.

MinistrantenSehr schön wird dies veranschaulicht, wenn nun der Ministrant direkt hinter dem Priester niederkniet und den Saum des Messgewandes ergreift. Ganz ähnlich tat es die kranke Frau in Kapharnaum: „Und siehe, eine Frau, die seit zwölf Jahren an Blutfluss litt, trat von rückwärts hinzu und berührte den Saum seines Kleides; denn sie sagte sich: Wenn ich nur sein Kleid berühre, werde ich gesund. Jesus wandte sich um, sah sie und sprach: ‚Sei getrost, Tochter, dein Glaube hat dir geholfen!‘ Und die Frau war geheilt von jener Stunde an.“ (Mt 9, 20-22) Im Geiste sollen auch wir den Saum seines Gewandes berühren, im festen Glauben, dass Jesus selbst im zelebrierenden Priester gegenwärtig ist und dass wir heil werden durch ihn. „Wo er Dörfer oder Städte oder Gehöfte betrat, legten sie die Kranken auf die offenen Plätze und baten ihn, dass sie wenigstens den Saum seines Kleides berühren dürften; und alle, die ihn berührten, wurden geheilt.“ (Mk 6, 56)

Der Form nach handelt es sich bei den Wandlungsworten nicht um einen ‚Bericht‘, sondern vielmehr um ein an Gott den Vater gerichtetes Gebet: „Er nahm am Abend, bevor er litt, Brot in seine heiligen und ehrwürdigen Hände, und indem er mit zum Himmel, zu Dir, Gott, seinem allmächtigen Vater, erhobenen Augen, Dir Dank sagte, segnete er es, brach es und gab es seinen Jüngern mit den Worten: Nehmet hin und esset alle davon ...“

Durch die begleitenden Riten wird im Tun des Priesters dem Vater die actio Christi dargestellt, denn er tut genau das, was auch Jesus tat: Er nimmt Brot und Kelch, erhebt die Augen, verneigt das Haupt und segnet die Gaben. Das Brechen und die Austeilung finden allerdings erst später statt, während das Danken bereits vorher in der Präfation entfaltet wurde.

WandlungDie Einleitung „am Abend bevor er litt“ erinnert an den Zusammenhang zwischen Messopfer und Passion. Auch beim Letzten Abendmahl hat Jesus ganz ausdrücklich von seinem Leiden gesprochen: „Sehnlichst habe ich danach verlangt, dieses Pascha mit euch zu essen, bevor ich leide [antequam patiar].“ (Lk 22, 15) Dieses heilbringende Leiden wird in jeder Messe mit all seinen Früchten auf geheimnisvolle Weise gegenwärtig.

Zum ersten Teil der Wandlung beugt sich der Priester über das Brot und spricht die Worte: „Das ist mein Leib.“ Danach hält er nicht mehr Brot in den Händen, sondern den geopferten Leib Jesu.

Von der eucharistischen Wesensverwandlung sagt das Konzil von Trient: „Zu Beginn lehrt die heilige Kirchenversammlung, und sie bekennt offen und ohne Rückhalt, dass in dem erhabenen Sakrament der heiligen Eucharistie nach der Konsekration von Brot und Wein unser Herr Jesus Christus als wahrer Gott und Mensch wahrhaft, wirklich und wesentlich unter der Gestalt jener sichtbaren Dinge gegenwärtig ist.“ (13. Sitzung [1551], DS 1636)

KniebeugeDer hl. Thomas von Aquin besingt dieses Geheimnis mit den Worten: „Gesicht, Gefühl, Geschmack, sie täuschen sich in Dir, doch das Gehör verleiht den sichern Glauben mir. Was Gottes Sohn gesagt, das glaub ich hier allein. Es ist der Wahrheit Wort, und was kann wahrer sein?“ (Hymnus ‚Adoro te devote‘)

Der Glaube an die wirkliche Gegenwart des Herrn [= Realpräsenz] findet im überlieferten römischen Ritus einen passenden Ausdruck, indem nun der Priester ihn sofort - noch vor der Elevation - mit gebeugtem Knie anbetet [genuflexus adorat]. Dabei ahmt er die drei Weisen nach, die sogleich als sie das Kind sahen, vor ihm niederfielen und ihm huldigten [vgl. Mt 2, 11].

„Die kleine Hostie schließt jetzt unendlich mehr Schätze, Reichtümer und Herrlichkeiten in sich, als auf dem Weltall sich finden ... Der Priester trägt seinen Schöpfer, Erlöser, Richter in Händen: was liegt da näher, als dass er vor demselben in heiliger Furcht und seliger Freude anbetend auf die Knie niedersinkt?“ (Gihr S. 600 f.)

Nach der anbetenden Kniebeuge erhebt er die Hostie gleich der im Osten aufgehenden Sonne hoch über sein Haupt [= Elevation].

Elevation• Der Priester zeigt die hl. Hostie dem gläubigen Volk [‚ostendit populo‘ - Missale Romanum], damit es anschaue und anbete: „Jesus, den verborgen, jetzt mein Auge sieht, stille mein Verlangen, das mich heiß durchglüht: Lass die Schleier fallen, einst in Deinem Licht, dass ich selig schaue, Herr, Dein Angesicht.“ (hl. Thomas von Aquin, Hymnus ‚Adoro te devote‘)

Die Glückseligkeit der Heiligen im Himmel besteht wesentlich in der beseligenden Anschauung Gottes [= visio beatifica].

• Zugleich aber zeigt der Priester den geopferten Leib Jesu auch dem himmlischen Vater: „Was stellt der Priester hier Gott dem Herrn vor Augen? Es ist die vergöttlichte Menschheit seines eingeborenen Sohnes, das vortrefflichste Ebenbild der allerheiligsten Dreifaltigkeit, das allerkostbarste Kleinod, wie keines zu finden ist in allen Schätzen der Welt.“ (Martin von Cochem, Erklärung des heiligen Messopfers, S. 336)

In der erhobenen Hostie trifft sich der anbetende Blick der Gläubigen mit dem Blick des himmlischen Vaters, der wie damals bei der Taufe im Jordan oder bei der Verklärung auf dem Tabor uns sagen möchte: „Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“ (Mt 3, 17 und 17, 5)

WandlungNach dem Vorbild Jesu wird die Wandlung in zwei Teilen vollzogen. Zur Konsekration des Weines beugt sich der Priester über den Kelch und spricht die Worte: „Das ist der Kelch meines Blutes, des neuen und ewigen Bundes, Geheimnis des Glaubens, das für euch und für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden.“

Der heilige Leib und das kostbare Blut Jesu werden getrennt gegenwärtig, um zur mystischen Darstellung des gewaltsamen Opfertodes am Kreuz die Blutvergießung und die Trennung von Leib und Seele anzudeuten. Beide Teile der Wandlung entsprechen einander in genauer Symmetrie.

Nach der heiligen Wandlung fällt die besondere Fingerhaltung des Priesters auf. Auch sie kündet eindrucksvoll vom Glauben an die wirkliche Gegenwart des Herrn. Bei der Priesterweihe wurden Daumen und Zeigefinger des Neupriesters eigens gesalbt. Von der ersten Berührung im Moment der Wandlung an hält er sie beisammen, und aus Ehrfurcht berührt er mit ihnen nichts anderes mehr, als nur die hl. Hostie.

Unde et memores
FingerhaltungNach der Wandlung des kostbaren Blutes steht die Aufforderung Jesu: „Sooft ihr dies tut, tut es zu meinem Gedächtnis.“

Eben dieses Gedächtnis wird nun aufgegriffen, denn aus dem Gedenken an das Große, das Gott für uns getan hat, wächst der Dank, und dieser drängt danach, sich auszudrücken im Opfer: „Indem wir nun eingedenk sind [memores], Herr, wir, Deine Diener, aber auch Dein heiliges Volk, des so seligen Leidens, der Auferstehung von den Toten und der glorreichen Himmelfahrt Deines Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus, darum bringen wir [offerimus] Deiner erhabenen Majestät“ das Gotteslamm dar, dessen geopferter Leib nun vor uns auf dem Altar liegt. Jesus selbst ist die ‚hostia pura‘, die reine, heilige und makellose Opfergabe. Er selbst ist das ‚heilige Brot des ewigen Lebens‘ [vgl. Joh 6, 51].

Unde_et_memoresDie fünf Kreuzzeichen über die Opfergaben erinnern wieder an die heiligen fünf Wunden und an Jesu Leiden und Tod.

„Werden die eucharistischen Opfergaben genannt, dann tritt passend das Symbol des Kreuzes hinzu, um auch für das Auge anschaulich zu machen, dass auf dem Altar der nämliche Leib und das nämliche Blut geopfert werde wie einst am Kreuz.“ (Gihr S. 616)

Neben den geweihten Priestern [„nos servi tui“] werden auch die Gläubigen als Mitopfernde genannt [„sed et plebs tua sancta“]. Darin ist sehr schön der übernatürliche Adel des Gottesvolkes im allgemeinen Priestertum ausgesprochen, von dem der hl. Apostel Petrus sagt: „Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein geheiligtes Volk.“ (1 Petr 2, 9)

Supra quæ
Im Supra quæ bittet die Kirche den himmlischen Vater, ihr mit dem Opfer Jesu vereintes Opfer wohlgefällig anzunehmen. Dazu erinnert sie an die heilsgeschichtlichen Zusammenhänge vom ersten Opfer des Abel an über die Opfer Abrahams und Melchisedechs bis hin zu ihrer Erfüllung im Kreuzesopfer Jesu. So heißt es in der Secret vom 7. Sonntag nach Pfingsten: „O Gott, Du hast all den verschiedenen Opfern des alten Gesetzes durch das eine vollkommene Opfer ihre Erfüllung gegeben ...“

Der vorbildhafte Charakter wird in den drei erwähnten Opfern ganz besonders deutlich:

Abel, der Gerechte, opfert ein Lamm.
Abraham, der Vater, opfert den Sohn
Melchisedech, der Priester, opfert Brot und Wein.

• Vom „gerechten Diener Abel“ heißt es ausdrücklich: „Der Herr blickte auf Abel und seine Opfergabe.“ (Gen 4, 4) Jesus selbst nennt den „gerechten Abel“ (Mt 23, 35), der sein Opfer in seinem eigenen schuldlos vergossenen Blut vollendet hat und dadurch zum Vorbild für den wurde, dessen Blut „wirksamer redet als das Blut Abels“ (Hebr 12, 24) und von dem Pilatus sagt: „Ich bin unschuldig am Blute dieses Gerechten.“ (Mt 27, 24)

• Eine ganz vorzügliche vorbildhafte Beziehung besteht zwischen dem Kreuzesopfer Jesu und dem Opfer Abrahams, denn wie Isaak ist auch Jesus der einzig geliebte Sohn, der selbst das Holz für sein Opfer zum Berg Moria empor getragen hat. In ihm finden die Worte Abrahams ihre letzte Erfüllung: „Gott selbst wird sich ein Opferlamm ersehen.“ (Gen 22, 8)

• Auch der Priesterkönig Melchisedech ist Vorbild des Messias, von dem prophezeit ist, er werde Priester sein auf ewig „nach der Ordnung des Melchisedech“ (Hebr 5, 10 und Ps 110, 4). Stellvertretend für sein ganzes Geschlecht entrichtete ihm Abraham den Zehnten, als Melchisedech zur Ehre des allerhöchsten Gottes Brot und Wein zum Opfer brachte [vgl. Gen 14, 18].

Supplices
Ähnlich wie die Seraphim in der Vision des Isaias vor dem hohen und erhabenen göttlichen Thron ihr Angesicht verhüllen [vgl. Is 6, 2], senkt nun der Priester den Blick und spricht tief verbeugt: „Demütig flehend bitten wir Dich, allmächtiger Gott: Lass dies durch die Hände Deines heiligen Engels zu Deinem himmlischen Altar gelangen, vor das Angesicht Deiner göttlichen Majestät.“

Der ‚Engel‘ und der ‚himmlischen Altar‘ erinnern an die Schau der himmlischen Liturgie in der Offenbarung des Johannes: „Und als es das siebte Siegel öffnete, wurde es still im Himmel, wohl eine halbe Stunde lang. Und ich sah die sieben Engel, die vor Gott stehen, und es wurden ihnen sieben Posaunen gegeben. Ein anderer Engel kam und trat vor den Altar, eine goldene Rauchschale tragend, und viel Räucherwerk wurde ihm gegeben, dass er es darbringe unter dem Gebet aller Heiligen auf dem goldenen Altar vor dem Throne Gottes. Und der Rauch des Räucherwerkes stieg unter den Gebeten der Heiligen aus der Hand des Engels empor zu Gott.“ (Offb 8, 1-4)

Der hl. Thomas von Aquin [S. th. III,83,4 ad 9] deutet den Opferengel auf Christus selbst, der als Mittler des Neuen Bundes das Opfer der Kirche zum himmlischen Altar trägt.

Während der erste Teil ganz zu Gott empor gerichtet ist, tritt nach den Worten „ut quotquot“ eine deutliche Wende ein. Nun küsst der Priester den Altar und erbittet den göttlichen Segen, „damit wir alle, die wir durch diese Teilnahme am Altar den hochheiligen † Leib und das † Blut Deines Sohnes empfangen, mit allem himmlischen Segen und mit Gnade erfüllt werden, durch ihn, Christus, unsern Herrn.“

Memento etiam
MementoNachdem er den Segen für die Lebenden erbeten hat, gedenkt der Priester nun der leidenden Kirche, der Seelen im Fegfeuer, die in ihrem gegenwärtigen Zustand nicht mehr selbst opfern können, sondern passiv geläutert werden: „Gedenke auch, o Herr, Deiner Diener und Dienerinnen, die uns mit dem Zeichen des Glaubens vorangegangen sind und die nun ruhen im Frieden.“

In den Worten „die uns vorangegangen sind“ liegt eine Mahnung für die streitende Kirche auf Erden, denn auch sie wird einmal diesen Weg gehen. Es ist heilsam, an den Tod zu denken, um im Blick auf den Tag der Rechenschaft stets bereit zu sein, „denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, da ihr es nicht vermutet“ (Mt 24, 44).

Das ‚Zeichen des Glaubens‘ [signum fidei] ist das unauslöschliche Merkmal, das in der Taufe der Seele eingeprägt wird zum Zeichen unbedingter Zugehörigkeit und unverbrüchlicher Treue zu Christus und seiner Kirche.

Der Zustand der Seelen im Fegfeuer wird sehr positiv beschrieben als ‚Schlaf des Friedens‘, denn obgleich sie der Vollendung ihrer Erlösung noch entgegenharren, ist ihnen der Friede doch gesichert. Zwar sind sie noch nicht am Ziel, aber sie sind auf dem Weg, auf dem sie das Ziel nicht mehr verlieren können. „Selig sind von jetzt an die Toten, die im Herrn sterben! Wahrlich, spricht der Geist, sie werden ausruhen von ihren Mühen; denn ihre Werke folgen ihnen nach.“ (Offb 14, 13)

Die himmlische Seligkeit wird dreifach umschrieben als Ort erfrischender Kühle [locus refrigerii], des Lichtes [lucis] und des Friedens [pacis].

• Die erfrischende Kühle deutet darauf hin, dass die läuternden Strafen des Fegfeuers beendet sein werden: „Transivimus per ignem et aquam: et eduxisti nos in refrigerium. - Durch Feuer und Wasser sind wir geschritten: und Du hast uns hinausgeführt zum Ort der Erfrischung.“ (Ps 66, 12) Auch denken wir an die Bitte des reichen Prassers im Gleichnis vom armen Lazarus: „Als er in der Unterwelt in der Qual seiner Schmerzen seine Augen erhob, sah er Abraham von ferne und Lazarus in seinem Schoß. Da rief er: Vater Abraham, erbarme dich meiner und sende den Lazarus, dass er die Spitze seines Fingers ins Wasser tauche und meine Zunge erfrische; denn ich leide große Pein in dieser Glut.“ (Lk 16, 23 f.)

• Als ‚Ort des Lichtes‘ schildert Johannes das himmlische Jerusalem: „Die Stadt bedarf weder der Sonne noch des Mondes, dass sie scheinen in ihr; denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtete sie, und ihre Leuchte ist das Lamm.“ (Offb 21, 23) Und im Psalm 36 stehen die herrlichen Verse: „Am Reichtum Deines Hauses laben sie sich, mit dem Strom Deiner Wonnen tränkst Du sie. Ja, bei Dir ist die Quelle des Lebens, in Deinem Lichte schauen wir das Licht.“ (Ps 36, 9 f.)

Bei den abschließenden Worten „Per eundem Christum Dominum nostrum“ neigt der Priester das Haupt. Dies ist ungewöhnlich, weil der Name Jesus hier nicht genannt wird. Nach einer schönen allegorischen Deutung soll diese Verneigung den Tod Jesu darstellen, der ebenfalls mit geneigtem Haupt [vgl. Joh 19, 30] gestorben ist: „Sterbend hat Christus am Kreuze sein Haupt geneigt und ist dann in die Tiefe des Totenreiches hinabgestiegen, um die Frommen der Vorzeit dort zu trösten und aus ihrer Gefangenschaft zu befreien. Daran will der Priester nun erinnern durch Neigung seines Hauptes, da er ja hier für alle in Christus Ruhenden betet und fleht.“ (Gihr S. 635)

Nobis quoque
Da sonst der ganze Kanon in Stille vollzogen wird, fällt es auf, dass nun der Priester die Stimme ein wenig hebt und drei Worte ganz deutlich ausspricht, wobei er sich mit der rechten Hand an die Brust schlägt: „Nobis quoque peccatoribus. - Auch uns Sündern, Deinen Dienern, die wir auf die Fülle Deiner Barmherzigkeit hoffen, schenke gnädig Anteil und Gemeinschaft mit Deinen Heiligen ...“ Der Grund liegt darin, dass er hier für sich selbst und für den anwesenden Klerus betet. Durch die Erhebung der Stimme soll die Aufmerksamkeit der übrigen Geistlichen geweckt werden, damit auch sie sich an die Brust schlagen und sich mit dem Gebet des Zelebranten vereinen.

Das Schlagen an die Brust geschieht hier nicht nur zum Ausdruck von Reue und Zerknirschung, sondern kann in direkter Anknüpfung an die Allegorese der vorherigen Strophe gedeutet werden. Nachdem nämlich Jesus sterbend sein Haupt geneigt hatte, schlugen sich alle an die Brust: „Als der Hauptmann sah, was geschah, pries er Gott und sprach: ‚Wirklich, dieser Mensch war ein Gerechter!‘ Und all die Volksscharen, die sich zu diesem Schauspiel eingefunden hatten und sahen, was vorging, schlugen an die Brust und gingen von dannen.“ (Lk 23, 47 f.)

In den Worten „die wir auf die Fülle Deiner Barmherzigkeit hoffen“ ist ein starker Anklang an den Psalm Miserere, den König David angestimmt hat, nachdem er schwer gesündigt hatte: „Gemäß Deiner überreichen Barmherzigkeit, tilge mein Vergehen!“ (Ps 51, 3)

In der Bitte um Anteil und Gemeinschaft mit den Heiligen findet sich die Wendung „partem aliquam“: Wir bitten in Demut wenigstens um einen „kleinen Teil“, denn so sagt der Psalmist: „Wahrlich, ein Tag in Deinen Vorhöfen ist besser als tausend andere. Lieber auf der Schwelle liegen im Haus meines Gottes, als in den Zelten der Frevler wohnen!“ (Ps 84, 11)

Angeführt von Johannes dem Täufer werden 14 Märtyrer aufgelistet: 7 Männer und 7 Frauen.

Johannes
Stephanus
Matthias
Barnabas
Ignatius
Alexander
Marcellinus
Petrus Felicitas
Perpetua
Agatha
Lucia
Agnes
Cäcilia
Anastasia

Aus der Zahl dieser Heiligen sei hier nur einer besonders herausgegriffen, nämlich der hl. Ignatius, Bischof von Antiochien, der um das Jahr 107 in Rom den Martertod starb. Von seiner letzten Reise besitzen wir sieben Briefe, von denen besonders jener an die römische Christengemeinde in ergreifender und eindrucksvoller Weise von seiner Opfergesinnung zeugt. Aus Sorge, die römischen Christen könnten versuchen, sein Martyrium zu verhindern, schrieb er: „Ihr könnt mir nicht besser eure zärtliche Liebe beweisen, als wenn ihr es geschehen lasst, dass ich mich zum Opfer weihe - jetzt, wo der Altar errichtet ist: begnügt euch, im heiligen Chore der Liebe Dank zu singen dem Vater in Christo Jesu. Wohl mir, wenn ich der Welt untergehe, um für Gott aufzugehen! Lasset mich den Tieren zur Speise werden, damit ich durch sie zu Gott gelange. Ich bin der Weizen Gottes und muss durch die Zähne der Tiere gemahlen werden, um reines Brot Christi zu sein. Feuer und Kreuz, Scharen wilder Tiere, Zerreißung des Leibes, Zerstückelung meiner Glieder, Zermalmung meiner Gebeine, - kurz, was immer der Teufel an Qualen ersinnen kann, alles möge über mich kommen, wenn ich nur Jesum Christum gewinne. Alle Vergnügungen der Erde achte ich für nichts, für nichts alle Königreiche der Welt: besser ist es für mich, zu sterben für Jesus Christus, als zu herrschen über alle Grenzen der Erde. Lasset mich nachahmen das Leiden meines Gottes. Meine Liebe ist ja gekreuzigt. Kein Feuer glüht in mir, das nach dem Irdischen zielt, sondern ein Quell lebendigen Wassers sprudelt in meinem Herzen und ruft mir zu: Komm zum Vater! Nur das Brot Gottes verlange ich, das Himmelsbrot des Lebens, welches ist das Fleisch Jesu Christi, des Sohnes Gottes: nur den Trank verlange ich, sein Blut, welches ist die unvergängliche Liebe und das ewige Leben!“ (Ignatius von Antiochien, Brief an die Römer, zitiert nach Gihr S. 640 f.)

Die abschließende Bitte um Aufnahme ins ‚Consortium Sanctorum‘ [= Lebens- und Gütergemeinschaft mit den Heiligen] erinnert an das Wort des hl. Apostels Paulus: „Möget ihr in Freude Dank sagen dem Vater, der uns befähigt hat, Anteil zu erhalten am Erbe seiner Heiligen im Lichte.“ (Kol 1, 12)

Per quem hæc omnia
In der folgenden Kanonstrophe beziehen sich die Worte „hæc omnia“ [= dies alles] zunächst auf die eucharistischen Elemente. Tatsächlich hat Gott die Gaben von Brot und Wein durch die Wesensverwandlung auf höchstmögliche und unüberbietbare Weise geheiligt, belebt und gesegnet. Aus den materiellen Gaben wurde ein ‚lebendiges‘ Brot: „Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wenn einer von diesem Brote isst, wird er leben in Ewigkeit, und das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt.“ (Joh 6, 51)

Zugleich aber repräsentieren die Gaben von Brot und Wein die sichtbare Schöpfung. In ihnen wird stellvertretend auch die übrige Welt gesegnet. Deshalb bezieht sich das „hæc omnia“ auch auf die Gaben der Natur.

Tatsächlich fand früher zu bestimmten Zeiten und an gewissen Festen genau an dieser Stelle eine Segnung von Naturalien statt. In einer von Papst Gelasius [492 - 496] verfassten Sammlung liturgischer Riten steht die Anweisung, kurz vor Ende des Messkanons Früchte zu segnen. Darauf folgt eine Segensformel mit den abschließenden Worten: „... in nomine D. N. I. Ch. per quem hæc omnia ...“ (vgl. Gihr S. 651, Fußnote 3). Das heutige Per quem hæc omnia war also ursprünglich eine feststehende Schlussformel für verschiedene Segensgebete. Ein Überbleibsel davon befindet sich noch heute im Pontificale Romanum, denn in der Chrisammesse des Gründonnerstag findet die Segnung des Krankenöles genau an dieser Stelle statt.

Per ipsum
Per_ipsumDas Per ipsum ist ein abschließender Lobpreis, der den ganzen Kanon noch einmal zusammenfasst und gleichsam auf den Punkt bringt.

Der Priester deckt den Kelch ab, beugt das Knie, ergreift ehrfurchtsvoll mit Daumen und Zeigefinger der rechten Hand die hl. Hostie und macht mit ihr langsam drei Kreuzzeichen von Rand zu Rand des Kelches. Wie zuvor die zweigeteilte Wandlung auf den gewaltsamen Opfertod Jesu hinweist, so kann dies als symbolische Zusammenfügung zur Darstellung der Auferstehung verstanden werden.

Die Kreuze deuten in die vier Himmelsrichtungen, von denen her die Kirche versammelt ist, um in Vereinigung mit dem unendlich wertvollen Opfer Christi „durch ihn und mit ihm und in ihm“ Gott dem allmächtigen Vater in der Einheit des Hl. Geistes „omnis honor et gloria“, d. h. die ihm gebührende höchste und vollkommenste Ehre und Verherrlichung zu erweisen.

Bei den Worten „omnis honor et gloria“ erhebt der Priester Kelch und Hostie zur ‚kleinen Elevation‘, um sie so auch äußerlich sichtbar dem himmlischen Vater aufzuopfern, wozu der Ministrant ein Glockenzeichen gibt.

Nach dem wieder laut gesprochenen „Per omnia sæcula sæculorum“ antwortet das Volk: „Amen“, was soviel heißt wie: „So sei es!“ Dieses unscheinbare Wort hat an dieser Stelle ein sehr hohes Gewicht, denn auf diese Weise erklären die Gläubigen zur ganzen Opferhandlung ihre feierliche Zustimmung.

Pater noster
Seit Papst Gregor dem Großen [590 - 604] folgt nun das Pater noster. In einem Brief an den Bischof von Syrakus [ep 7, 63] sagt er, wenn schon von Menschen verfasste Gebete über die Opfergaben gesprochen würden, dann zieme sich dies umso mehr für das vom Herrn selbst verfasste Gebet. Er selbst verstand die Einführung des Pater noster als wichtige Ergänzung und Vollendung des Kanon. Weil es aber ausdrücklich in den Kreis der Kanonstrophen einbezogen war, sollte es vom Priester allein gebetet werden.

Sehr feierlich klingt die Einleitung: „Durch heilbringende Anordnung gemahnt und durch göttliche Belehrung angeleitet, wagen wir zu sprechen: ...“

Die vierte Bitte um das tägliche Brot meint nicht nur die Nahrung für den Leib, sondern umfasst sämtliche Bedürfnisse des Menschen in seiner leib-seelischen Ganzheit, denn „nicht vom Brot allein lebt der Mensch“ (Mt 4, 4 / Dt 8, 3).

Ganz deutlich ist darin bereits auch eine Überleitung und Vorbereitung auf die heilige Kommunion.

Embolismus
EmbolismusDie letzte Bitte des Pater noster wird fortgeführt und ausgedeutet im sogenannten Embolismus, in dem der Kanon seinen endgültigen Abschluss findet: „Erlöse uns, wir bitten Dich, o Herr, von allen Übeln, den vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen, und auf die Fürsprache der seligen und glorreichen, immerwährenden Jungfrau und Gottesgebärerin Maria, der hll. Apostel Petrus und Paulus sowie Andreas und aller Heiligen, gib gnädig Frieden in unseren Tagen ...“ Bei diesen Worten bekreuzigt sich der Priester mit der Patene, denn er bittet um jenen wahren Frieden, den Christus gebracht hat durch sein Kreuz, „... damit wir mit Hilfe Deiner Gnade allzeit von Sünden frei und vor jeder Verwirrung gesichert seien.“

Nun küsst der Priester die Patene und schiebt sie unter die Hostie. Diese Aufnahme der Hostie deutet der sel. Hrabanus Maurus [776 - 856] als symbolische Grablegung und den Kuss als „Zeichen der Liebe und Ehrfurcht ... gegen dieses ‚neue Grabmal‘ des anbetungswürdigen Fronleichnams Christi“ (Gihr S. 662).

Fractio
Schon bei der Wandlung wurde erwähnt, wie Jesus beim Letzten Abendmahl das Brot gebrochen hat: „Er nahm Brot, sprach das Dankgebet, brach es und gab es ihnen mit den Worten: ‚Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Tut dies zu meinem Gedächtnis!‘“ (Lk 22, 19) Diese Brechung wird nun vollzogen.

FractioDer Priester deckt den Kelch ab, macht eine Kniebeuge, ergreift die Hostie, bricht sie ehrfurchtsvoll in der Mitte [fractio], löst ein kleines Stück von der linken Hälfte ab, zeichnet damit zur Pax drei Kreuze über den Kelch [consignatio] und senkt diesen Partikel in das kostbare Blut [mixtio].



Die frühen Christen haben das Brotbrechen als starkes Symbol empfunden und den Begriff [ähnlich wie den der Eucharistia = ‚Danksagung‘] sogar als Bezeichnung für das ganze eucharistische Opfer gebraucht: „Sie verharrten in der Lehre der Apostel, in der Gemeinschaft, im Brotbrechen und im Gebet.“ (Apg 2, 42)

Die Brechung der Hostie wird direkt über dem Kelch mit dem kostbaren Blut vollzogen. Sie erinnert wiederum an den gewaltsamen Opfertod Jesu und ganz besonders an die Öffnung seiner Seite, aus der eben dieses kostbare Blut zum Heil der Welt geflossen ist: „Einer der Soldaten stieß mit der Lanze in seine Seite, und sogleich kam Blut und Wasser heraus“ (Joh 19, 34).

Consignatio und Pax
Mit dem kleinen, von der linken Seite der gebrochenen Hostie abgelösten Partikel, macht der Priester ein dreifaches Kreuz über den Kelch [= consignatio] und spricht: „Der Friede † des Herrn † sei allezeit † mit euch.“ Wir denken an das Wort des hl. Apostels Paulus: „Es war Gottes Ratschluss, ... durch ihn alles mit sich zu versöhnen, da er den Frieden wirkte durch sein Blut am Kreuz.“ (Kol 1, 19)

Mixtio
Schließlich wird der Partikel in das kostbare Blut versenkt, während der Priester spricht: „Diese Mischung und Weihung des Leibes und Blutes unseres Herrn Jesus Christus gereiche uns Empfangenden zum ewigen Leben.“ Durch die Zusammenführung der getrennten Gestalten von Leib und Blut Christi wird wieder, wie beim Per ipsum, symbolisch die Auferstehung dargestellt.

Aus:
http://www.alte-messe.de/10_kanon.html

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#3

RE: Konzil von Trient über den hl. Messkanon und die hl. Wesensverwandlung

in Das allerheiligste Altarsakrament 03.05.2013 23:23
von Aquila • 4.000 Beiträge

Lieber blasius


In zusammenfassender Darlegung können wir fwsthalten....

Die ehrfürchtige Schönheit der heiligen Messe im tridentinischen Ritus ( der "Alte Ritus" ) ist denn auch in ihrer Struktur sehr schön darstellbar.

Es ist ein stufenweises, ehrfürchtiges Nähern an das MYSTERIUM der VERGEGENWÄRTIGUNG des KREUZESOPFERS unseres HERRN und GOTTES JESUS CHRISTUS.

Die heilige Messe im tridentinischen Ritus ist denn auch ein fortlaufendes

Anbeten der allerheiligsten Dreifaltigkeit, GOTT
Lobpreisen der allerheiligsten Dreifaltigkeit, GOTT
Danksagen an die der allerheiligste Dreifaltigkeit, GOTT
Sühn-Opfer für die allerheiligste Dreifaltigkeit, GOTT


Hier ein kurzer übersichtlicher Abriss über ihren Ablauf



VORMESSE:

Stufengebet
Introitus ( Eingangsvers )
Kyrie
Gloria
Oratio ( Tagesgebet )
Lesung
Graduale ( Zwischengesang )
Evangelium
Predigt ( sonntags und an Festen )
Credo ( Glaubensbekenntnis, sonntags und an Festen )


OPFERMESSE:

Heilige Opferung

Dominus vobiscum
Opferung der Hostie ( Opferungsvers )
Opferung des Kelches ( Opderungsvers )
Lavabo ( Händewaschung )
Orate fratres / Suscipiat
Secret ( Stillgebet )

Heilige Wandlung ( Kanon )

Präfation
Sanctus
Gebete vor der Wandlung 

HEILIGE WANDLUNG

Gebete nach der Wandlung
Per ipsum
Pater noster


Kommunion

Brechung der Hostie und Pax
Agnus Dei
stille Kommuniongebete
Kommunion des Priesters
Kommunion des Volkes
Purifikation ( Reinigung der Gefäße ) 


NACHMESSE:

Communio ( Kommunionvers )
Postcommunio ( Schlussgebet )
Segen
Schlussevangelium


----


Freundliche Grüsse und Gottes Segen

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#4

RE: Konzil von Trient über den hl. Messkanon und die hl. Wesensverwandlung

in Das allerheiligste Altarsakrament 20.01.2017 11:58
von Blasius • 1.284 Beiträge

Auch nur eine kurze Antwort:

@Aquila #222 RE: Die "neue Kirche"
Wir sind hier ein traditionsverbundenes Forum

Lieber Aquila,

die "Tridentinische Messe", der alter Ritus -Kirche der Tradition (alte Kirche)
ist KEIN Dogma und konnte verändert werden, (neue Kirche).

Heute ein Anlass für Unstimmigkeiten in Rom
und auch hier im traditionsverbundenen Forum.

Mehr wollte ich nicht sagen.

Liebe Grüße, Blasius

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#5

RE: Konzil von Trient über den hl. Messkanon und die hl. Wesensverwandlung

in Das allerheiligste Altarsakrament 20.01.2017 15:08
von Aquila • 4.000 Beiträge

Lieber Blasius

Meinst Du....dass es kein Dogma ist ?

Dann lege Dein Augenmerk bitte
auf folgende dogmatische Erklärung über die Sakramente ( Kanon 13)
erlassen vom Konzil von Trient:

-

Wenn jemand behauptet,
die von der katholischen Kirche überlieferten und genehmigten, in der feierlichen Verwaltung der Sakramente zu beobachten üblichen Gebräuche,
können entweder missachtet, oder, ohne Sünde, von den Verwaltern nach Belieben weggelassen,
oder von jeglichem Kirchenhirten mit anderen neuen Riten ausgetauscht werden, der sei im Bann.


-


Freundliche Grüsse und Gottes Segen


zuletzt bearbeitet 20.01.2017 15:10 | nach oben springen
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