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#1

Gott und die Welt leidenschaftlich lieben Hildegard von Bingen: Prophetin durch die Zeiten

in Zitate von Heiligen 18.04.2014 21:05
von blasius (gelöscht)
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Gott und die Welt leidenschaftlich lieben Hildegard von Bingen:

Prophetin durch die Zeiten

Von Sr.Philippa Rath OSB

Himmel und Erde als Spiegel der göttlichen Liebe
Hildegards Werk - und auch das entspricht ganz ihrem Selbstverständnis - trägt stark visionäre und prophetische Züge. Göttlicher Ursprung dessen, was sie im überhellen Licht geschaut und gehört hat, und Sendungsbewußtsein der Prophetin gehören für sie untrennbar zusammen. Ihr prophetischer Geist wollte die Menschen ihrer Zeit aufrütteln, sie zur Umkehr bewegen und der wachsenden Gott-Vergessenheit entgegentreten. Hildegard verstand sich als Anwalt, Sprachrohr und Werkzeug Gottes.

Sie lenkte den Blick in ungeschminkter Rede immer wieder neu auf das Geheimnis des Allerhöchsten und erschloß ihren Lesern und Zuhörern die göttliche Liebe als Urgrund und Vollendung allen Seins.

Dabei predigte sie keineswegs eine Seelenmystik oder weltlose Innerlichkeit. Ihr ging es um eine religiöse Deutung des gesamten Universums und um ein konsequent gelebtes christliches Leben in der Welt. Alles, Himmel und Erde, Glaube und Naturkunde, das menschliche Leben in all seinen Facetten und Möglichkeiten, ist für sie ein Spiegel der göttlichen Liebe und damit transparent auf den Schöpfer hin.

Die Welt als Kunstwerk Gottes

In ihrem dritten Hauptwerk, dem "Liber divinorum operum" (Welt und Mensch), das sie nach elfjähriger Arbeit 1174 abschließt, gelingt Hildegard noch einmal ein großer Entwurf. Die gewaltige Kosmosschrift läßt die Welt vor den Augen des Lesers als Kunstwerk Gottes erstrahlen.

Aus der Urkraft der Liebe Gottes fließen die Schöpfung, die Inkarnation in Gestalt des Sohnes und die endgültige Erlösung des verlorenen Menschen am Ende der Zeiten in einer all-umfassenden Einheit zusammen. Der Mensch erscheint als Mikrokosmos, der in allen seinen körperlichen und geistigen Gegebenheiten die Gesetzmäßigkeiten des gesamten (Makro)-Kosmos widerspiegelt. Im Menschen hat Gott die anderen Geschöpfe gezeichnet und die Menschengestalt dem Bau des Firmaments und des Schöpfungsalls entsprechend geordnet: "So wie ein Künstler seine Formen hat, nach denen er seine Gefäße macht", schreibt Hildegard, "so bildet Gott die Gestalt des Menschen nach dem Bauwerk des Weltgefüges, nach dem ganzen Kosmos". Urformen des Seins sind für Hildegard dabei Kreis und Kreuz - Symbole der göttlichen Liebe, der Einheit und der Erlösung wie auch Chiffren für Zeit und Ewigkeit.

Ihren ganz besonderen Ausdruck haben die Kosmosvisionen in den farbenprächtigen Miniaturen gefunden, die die Visionen Hildegards exakt im Bild sichtbar werden lassen. Insgesamt sind 42 Miniaturen (davon 35 zum "Scivias" und sieben zum "Liber divinorum operum") überliefert. Sie alle sind wohl nicht mehr unter dem direkten Einfluß Hildegards, sondern erst kurz nach ihrem Tod entstanden. Unvergleichlich sind hier vor allem die Darstellungen des Menschen im Kosmosrad, der göttlichen Liebe in Gestalt einer Frau und die Darstellung der Trinitätsvision. Besonders auffallend ist die weit ausholende, der mittelalterlichen Ikonographie entnommene Farbsymbolik, deren sich Hildegard und in ihrem Gefolge die Miniaturen-Maler bedienen.

Sie lenkt das Verständnis und die Interpretation immer neu auf das eine, große Grundanliegen des hildegardischen Werkes, das sie am Ende ihres dritten Hauptwerkes noch einmal zusammenfaßt: "Und wiederum sah ich das lebendige Licht und hörte ich eine Stimme vom Himmel, die mich diese Worte lehrte: Nun sei Gott Lob in Seinem Werke, dem Menschen! Um seiner Erlösung willen hat Er die gewaltigsten Kämpfe auf Erden gefochten"...

Ende der Auszüge, weiterlesen in:


http://www.lebensstufen.de/Index-Rest/Hi...d/Hildegard.htm


zuletzt bearbeitet 18.04.2014 21:31 | nach oben springen

#2

RE: Gott und die Welt leidenschaftlich lieben Hildegard von Bingen: Prophetin durch die Zeiten

in Zitate von Heiligen 13.07.2018 09:00
von Blasius • 1.944 Beiträge

Gott und die Welt leidenschaftlich lieben Hildegard von Bingen:

Prophetin durch die Zeiten

Von Sr.Philippa Rath OSB

Der ewige Kampf zwischen Gut und Böse

Letzteres fand seinen Niederschlag in dem von ihr komponierten und getexteten Singspiel "Ordo Virtutum" (Spiel der Kräfte), in dem Hildegard den ewigen Kampf zwischen Gut und Böse, der sich im Menschen wie auch in der Welt immer neu ereignet, anhand von 35 dramatischen Dialogen zwischen Tugenden und Lastern zur Darstellung bringt.

1152 erlebte das allegorische Musikdrama - das erste mit Musikbegleitung überlieferte überhaupt - seine Uraufführung im Kloster Rupertsberg, in das Hildegard 1150 zusammen mit zwanzig Nonnen nach langen und harten Auseinandersetzungen vom Disibodenberg aus übergesiedelt war. 800 Jahre später, im Jahr 1982, fand dann eine zweite Welturaufführung statt: im monumentalen romanischen Ambiente von Groß St.Martin in Köln.

Seinen theologischen Niederschlag fand das Grundthema des Ordo Virtutum in Hildegards zweitem großen Hauptwerk, dem "Liber Vitae Meritorum" (Buch der Lebensverdienste).

Auch hier geht es um die immer wieder zu treffende Entscheidung des Menschen zwischen Gut und Böse, zwischen Glaube und Unglaube, zwischen Hinwendung zu und Abkehr von Gott. Tugenden und Laster begegnen einander - rhetorisch meisterhaft inszeniert - in argumentativen Streitgesprächen.

Diese werden immer wieder unterbrochen durch die Worte des "vir" (= Gott), dessen Gestalt vom Himmel bis in die Tiefen des Abgrunds hinabreicht.

Der Mensch, so Hildegards Grundanliegen, ist frei geschaffen und sein Leben lang in die Entscheidung gestellt, seiner in der Schöpfung grundgelegten Gottesebenbildlichkeit zu entsprechen.

"Werde, was du bist", "Mensch, werde Mensch!" (Jakob Böhme: Das ewige Bildnis)- beide Kurzformeln könnten nahtlos dem Denken Hildegards entnommen sein.

Auszug aus:

http://www.lebensstufen.de/Index-Rest/Hi...d/Hildegard.htm

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