
Perikopen: Apg 10,34-38 Mt 3,13-17
Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!
Gott gibt sich uns Menschen zu erkennen. Er zeigt sich uns Menschen. Das haben wir in der Weihnachtszeit gefeiert, dass sich Gott in einem Kind gezeigt hat. Und das haben wir dann in den Festen, Sonntagen und Wochentagen verschiedenartig angeschaut. Heute, am Fest der Taufe des Herrn, sind dreißig Lebensjahre Jesu, die sogenannten verborgenen Jahre vergangen.
Heute beginnt seine Sendung, heute zeigt er sich als Erwachsener. Der Sohn Gottes beginnt seine Sendung als Heiland der Menschen. Er zeigt den Menschen, wie Gott ist. Wie ist dieser Gott, wie zeigt er sich? In der Taufszene lässt sich das schön sehen. Erstens:
Gott wird sichtbar. Wir sehen Jesus am Jordanufer. Umgeben von Menschen, deren Leben von Sehnsucht geprägt ist. Mit ihnen, mit uns allen also, taucht er in den Fluss des Jordan ein, jenen Fluss, der im „Toten Meer“ mündet. Jenen Fluss, an dem Johannes die Taufe zur Umkehr verkündete.
Er taucht ein in das Wasser, in dem Menschen ihre Sünden abzuwaschen suchen. Die Sünden und die Sackgassen ihres Lebens. All das Grauen des Alltags, all die Ängste und die Hoffnungslosigkeit. Damit sich in ihrem Leben etwas ändert. So wird Gott sichtbar, bei uns Sündern wird er sichtbar. Gottes Sohn wurde Mensch. Und nicht nur das. Er stieg auch in die Welt der Sünde hinab! Aus Solidarität mit der sündigen Welt ging er auf Augenhöhe mit ihr. Damit hat er dem falschen Moralismus ein Ende zu setzen wollen.
Einem Moralismus, der sich anmaßt den authentischen Weg zum richtigen Leben und zum Himmel zu kennen. Dem Moralismus, der mit Verachtung auf die Gescheiterten schaut. So wird er sichtbar, es beugt sich das Himmlische zu den Versagern und Sündern. Heute steigt Jesus in die “schlechte Gesellschaft” herab. So wird er sichtbar. Das ist seine Logik, die wir vielleicht ein wenig mehr verinnerlichen sollen. Zweitens: Gott wird hörbar. Die Stimme Gottes wird hörbar: „Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden haben. Die Rede vom geliebten Sohn, der geliebten Tochter, dem geliebten Kind wird hörbar. „Du bist der geliebte Mensch, du ganz konkret.“ Das wird heute hörbar, das sei heute einem jeden von uns ganz persönlich gesagt. „Du bist von Gott geliebt.“ Was ist schwieriger zu glauben? Das, was wir dann in wenigen Minuten im Glaubensbekenntnis aufsagen, oder, dass ich ganz persönlich von Gott geliebt bin? Ich glaube Zweiteres, denn das muss ich wirklich an mich, an mein Innerstes heranlassen, und Konsequenzen muss das Ganze dann natürlich auch haben. Denn wenn ich von Gott geliebt bin, dann sind es meine Mitmenschen auch, und dann muss sich das auch zeigen. „Du bist von Gott geliebt.“ Dass dies nicht nur von Seiten Gottes klar wird, sondern auch von Seiten der Menschen, gibt es noch viel zu tun, um der Stimme Gottes Gehör zu verschaffen. Drittens:
Gott wird erfahrbar, spürbar. Aber wie? Im Heiligen Geist. Der Heilige Geist kommt auf Jesus herab in Gestalt einer Taube. Und so ist Gott bis heute erfahrbar, im Heiligen Geist. Den Heiligen Geist kann man nicht sehen, riechen oder schmecken. Er ist nicht bezahlbar, verhandelbar oder messbar. Aber er ist erfahrbar. Man kann spüren, ob er am Werk ist oder auch nicht. Lebt in mir der Heilige Geist? Wovon ist mein Innerstes besetzt, vom guten, heiligen Geist, oder vom Weltgeist, Zeitgeist oder gar vom Ungeist. Der Heilige Geist begeistert. Wenn das doch ein bisschen mehr für unsere Kirche und unseren
Glauben stimmen würde. „Etwas mehr Begeisterung,“ hat bei uns in der Schule öfter ein Lehrer gesagt, wenn wir wieder recht gelangweilt und fad bei der Sache waren.
Liebe Brüder und Schwestern!
In der Taufe seines Sohnes zeigt sich Gott wie er ist. Er wird sichtbar, hörbar und erfahrbar. Er wird spürbar. Und da Gott nichts ohne uns Menschen tun will, liegt es ein Stück weit auch an uns, ob und wie er durch uns sichtbar, hörbar und erfahrbar wird. Amen,
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