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#1

Jenseits der Klischees - 36 Katholische Antworten - Hw Ulrich Filler

in Buchempfehlungen 17.02.2022 11:55
von Simeon • 459 Beiträge

Entnommen aus dem Buch
"Jenseits der Klischees 36 Katholische Antworten", von Hw Ulrich Filler

Gute Menschen - gute Christen

Klischee:
9. ,,Es ist besser, ein guter Mensch zu sein, als nur die Gebote der Kirche einzuhalten."

Antwort:

Eine solche Aussage stammt natürlich von jemand, der sich für einen "guten Menschen" hält und es mit den Geboten der Kirche nicht so genau nimmt. Doch was ist ein guter Mensch? Nach der spießbürgerlichen Definition ist ein guter Mensch jemand, der nichts Böses tut. Der niemanden umbringt, keine Banken ausraubt und keine alten, hilflosen Rentner um ihr Erspartes bringt. Oder positiv ausgedrückt: Jemand, der sich um seine Familie kümmert, dem Nachbarn den Rasenmäher ausleiht, im Kegelverein ehrenamtlich den Kassenwart macht und für das Pfarrfest einen Kuchen spendiert. Ein sympathischer, angenehmer, hilfsbereiter Zeitgenosse.

Für den Christen reicht das alles nicht aus. Der Christ kann sich nicht vorstellen, ,,gut" zu sein ohne Gott, der ja das Gute selbst ist. Oder konkreter: Ich kann nicht ein "guter Mensch" werden, ohne dass mein ,,Gutsein" auf Gott ausgerichtet ist und von ihm erst seinen Sinn bekommt. Deshalb kann ich nicht ,,gut" sein, ohne die Gebote der Kirche zu be folgen.

Die Gebote der Kirche haben nämlich - wie alle an deren Gebote auch nur den einen Sinn: uns eine Hilfe zu sein auf unserem Weg der Nachfolge Christi, eine Hilfe zu sein bei dem lebenslangen Versuch, ein "guter Mensch" zu werden. Und das heißt eben immer auch: ein heiliger Mensch zu werden. Wir sind nicht dazu berufen, uns im bürgerlichen Leben bequem einzurichten - wir sollen Heilige werden! Christus will nicht, dass wir nur "gute Menschen" im Sinne von ,,anständig" oder „sympathisch" sind, er will, dass wir Heilige werden. Gott will nicht, dass wir nur zufrieden sind - er will uns das vollkommene Glück schenken. Wir sollen nicht nur" hilfsbereite, freundliche, anständige, kuchenbackende Rasenmäherverleiher sein - das alles auch! - wir sind zu viel, viel mehr berufen: Heilige, Könige, Priester und Propheten in Christus, Herrscher im Gottesreich sollen wir sein! Kämpfer für Christus! Menschen, die brennen vom Feuer der Liebe! Geschöpfe, denen eine unantastbare Würde eigen ist, Geschöpfe, die zum vollkommenen Glück, zur totalen Erfüllung, zur ewigen Glückseligkeit berufen sind, zu dem, "was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, was keinem Menschen in den Sinn gekommen ist: das Große, das Gott denen be reitet hat, die ihn lieben" (1 Kor 2,9). Das ist unser Ziel - das und nicht weniger!


zuletzt bearbeitet 19.02.2022 11:06 | nach oben springen

#2

RE: Ulrich Filler, Jenseits der Klischees

in Buchempfehlungen 17.02.2022 20:54
von Aquila • 7.118 Beiträge

Gelobt sei Jesus Christus!


Lieber @Simeon

Vielen Dank für diesen Auszug, der einen sehr wichtigen Aspekt aufzeigt;
in den Augen der Welt "anständig zu sein" - d.h. bewusst fern des wahren Glaubens - genügt nicht!

Pater Simon Gräuter von der Petrus-Bruderschaft gibt die Antwort:
-

"Nur durch den Glauben wissen wir, was anständig sein heisst"

-

Es ist also die immerwährende Lehre der Kirche, die uns lehrt, was "anständig" sein in Wahrheit bedeutet.

Es genügt also nicht, ein gleichsam fern des wahren Glaubens "autonom anständiger Mensch" zu sein, denn diese Art "Anstand" nährt sich Menschengedachten und -gemachten und lässt die Seele letztendlich verhungern bzw. verdorren.

Wahrhaftige Anständigkeit freilich kann alleine aus einem Herzen / aus einer Seele entspringen, welches / welche aus der Wahrheit ist.
Aus der Wahrheit sein

Ein gleichsam "betäubtes" Gewissen geht einher mit einem "betäuben" Glauben.
So bildet sich ein gefährliches Konglomerat der kampflosen Kapitulation vor den anbordenden Sturmfluten der Versuchungen und Verführungen.
Ein "sich Arrangieren" mit der Sünde !

Wir kennen das Gleichnis unseres Herrn vom armen Bettler und vom reichen Prasser.
(Lk 16, 19-31).
Der Benediktinerpater Dom Guéranger (1805-1875)
zieht in der Auslegung das Augenmerk mittels des reichen Prassers mahnend auf die grosse Gefahr der gleichsam "kampflose Kapitulation" vor den aufkommenden schlechten Begierden und Leidenschaften;
ein gegen aussen "anständiges Leben" und doch eine bereits überwundene "tote" Seele.
Heute eine grassierende Seuche in den Spass- und Auslebegesellschaften!

Dom Guéranger:
-

In welche dichte Finsternis hat die Sünde die Seele des Menschen eingehüllt!
Kluge und vorsichtige Menschen, welche in der Besorgung ihrer irdischen Angelegenheiten niemals einen falschen Schritt tun würden, sind völlig verblendet.
Sie benehmen sich geradezu blödsinnig, wo es sich um die Ewigkeit handelt.
Welch’ schreckliches Erwachen im Jenseits, welch ein Übel ohne Heilung?

Um die in der Parabel enthaltene Lehre noch auffälliger zu machen,
spricht uns der Heiland nicht von einem entsetzlichen Bösewicht,
welcher die Welt mit Abscheu vor seinen Bluttaten erfüllt hätte, von einem jener Unseligen, die jedermann gewissermaßen als der Hölle verfallen betrachtet. Durchaus nicht.
Er bringt uns vielmehr einen Mann, der wie hundert andere ein ruhiges Leben führt, mit freundlichem Benehmen, der seiner Stellung etwas schuldig zu sein glaubt. Keine Gewalttat!
Der Heiland sagt uns nur, daß er kostbar gekleidet war und alle Tage in Freuden lebte.
Es gab wohl einen armen Bettler an seiner Türe, aber er tat demselben nichts zu Leide.
Er hätte ihn wegjagen können, aber er duldete ihn, ohne ihn in seinem Elende zu beleidigen.
Warum soll nun dieser Reiche ewig in den Flammen verzehrt werden, die Gott in seinem Zorn entfachte?
Weil der Mensch, der prächtig und in Freuden lebt, ohne bei dem Gedanken an die Ewigkeit zu zittern, ohne zu begreifen, dass er diese Welt gebrauchen muss, als ob er sie nicht gebrauche (1. Korinther 7,31),
und dem Kreuze Jesu Christi fern bleibt, bereits von seinen schlechten Begierden überwunden ist.
Hochmut, Habsucht, Prachtliebe machen sich sein Herz streitig und beherrschen sein Herz um so mehr, je weniger er daran denkt, diese schlechten Leidenschaften zu unterdrücken. Ein solcher Mensch hat überhaupt keinen Kampf.
Er ist überwunden und der Tod herrscht in seiner Seele."


-


Freundliche Grüsse und Gottes Segen
-


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