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#1

Wie verträgt sich das Unglück der Frommen und das Glück der Sünder mit der göttlichen Vorsehung?

in Vorträge 27.07.2015 17:27
von Hemma • 524 Beiträge

v. Franz Spirago

Das Unglück der Frommen und das Glück der Sünder darf uns nicht irre machen im Glauben an die göttliche Vorsehung; denn dies ist nur scheinbar.
„Die Glückseligkeit derer, die in Purpur gekleidet sind, ist oft nicht größer als die Glückseligkeit jener, die in der Komödie mit einem Zepter oder mit einem Feldherrnhute bekleidet sind“ (Seneca).
Beim Sündigen kommt es endlich soweit, das man keinen Genuss mehr davon hat (hl. Bernhard).

1. Keinem Sünder geht es wirklich gut, und keinem wahrhaft Frommen geht es wirklich schlecht. Denn zum Glücke gehört die innere Zufriedenheit; diese besitzt nur der wahrhaft Fromme, keineswegs der Sünder.
Die Welt, nämlich Reichtum, Essen, Trinken, Vergnügen, Ehren usw. kann uns keinen wahren Frieden geben; diesen erlangen wir nur durch Befolgung der Lehren Christi. Der innere Frieden und die Glückseligkeit sind eine Frucht des Heiligen Geistes, die nur aus der Tugend entspringt (Ludw.Gran.). Wer aber die Seelenruhe hat, der ist wahrhaft reich; denn er ist nicht arm an den höchsten Schätzen (hl. Ambr.) – Die Gottlosen haben keinen Frieden; sie sind wie ein tobendes Meer, das nicht still sein kann (Jes 57, 20). Der Gerechte lebt in beständiger Wonne, wäre er auch in Lumpen gehüllt und müsste er Hunger leiden. Er ist weit glücklicher, als wer mit Diadem und Purpur geschmückt ist und in Lüsten schwelgt. Frohsinn und Freude kommt eben nicht von größerer Macht, von vielen Schätzen, von körperlicher Stärke, von köstlichen Tafeln und prächtigen Kleidern, noch von irgendeinem anderen derartigen Dinge; sondern einzig von der Tugend und einem guten Gewissen (hl. Chrys.) Es ist nicht alles Gold, was glänzt.

2. Übrigens ist das Glück der Sünder meistens nur vorübergehend.
Das Volks sagt: „Gott lässt die Bäume nicht in den Himmel wachsen.“
Wie schnell ging das Glück eines Kaisers Napoleon, der seines Ehrgeizes wegen Millionen Menschen ums Leben brachte, vorüber. Der Gottlose gleicht einer hochgewachsenen Zeder des Libanon, die nach einigen Tagen schon gefällt und daher nicht mehr zu sehen ist (Ps 36, 36). Das Gebäude seines Glücks ruht auf Sand; es kommen Wassergüsse und das Gebäude stürzt ein (Mt 7, 27). Das Glück des Sünders gleicht einem Pilze, der in einer Nacht emporwächst und ebenso schnell zugrunde geht.

3. Die eigentliche Vergeltung tritt erst nach dem Tode ein. Deshalb sagt Christus:
„Viele aber, welche die Ersten sind, werden die Letzten, und welche die Letzten sind, werden die Ersten sein.“ (Mt 19, 30). Mancher Reiche oder Vornehme wird im Jenseits tief unter jenem stehen, der jetzt als Bettler zu seiner Tür kommt. Man denke an den reichen Prasser und armen Lazarus. „Gott bereitet den Seinigen ein anderes Leben, das viel besser und wonnevoller ist, als das gegenwärtige. Wenn es nicht so wäre, so hätte er nicht zugegeben, dass so viele Ruchlose in lauter Freuden, dagegen so viele Gerechte in lauter Mühseligkeiten dahinleben müssen. Er hätte dafür gesorgt, dass die Ruchlosen noch hier die ihnen gebührende Strafe, die Gerechten aber den ihnen gebührenden Lohn empfangen hätten“ (hl. Chrys.) Jetzt erfreuen sich die Gottlosen, wir aber sind traurig; hernach aber wird es umgekehrt sein: wir werden uns freuen, die Gottlosen aber werden traurig sein (Tertullian).

4. Der Sünder wird schon auf Erden belohnt für das wenige Gute, das er getan hat. Ebenso wird der Gerechte meistens schon auf Erden bestraft für das Böse, das er getan hat. Daher sagt Christus: „Aber wehe euch, ihr Reichen, denn ihr habt euern Trost“, d.h. ihr habt euern Lohn schon auf Erden (Lk 6,24).

Wie verträgt sich die Sünde mit der göttlichen Vorsehung?


Auch die Sünde und ihre Folgen können uns nicht irre machen im Glauben an die göttliche Vorsehung.

1. Nicht Gott ist an der Sünde und ihren Folgen schuld (Kz. Tr.6,6), sondern der Missbrauch unseres freien Willens. Gott hat den Menschen als freies Wesen erschaffen; deshalb hindert er nicht dessen freie Handlungen, selbst wenn sie böse sind. Auch hat Gott Grund dazu, das Böse nicht zu hindern. Gäbe es nämlich nichts Böses in der Welt, so hätte der Mensch nie die Wahl zwischen Gutem und Bösem, sondern müsste wie eine Maschine handeln, dann könnte er für das vollbrachte Gut dereinst nicht belohnt werden. Man denke auch an das Unkraut unter dem Weizen (Mt 13,24). Gott würde das Böse, das auch der missbrauchten Freiheit des Menschen entsteht, nie zulassen, wenn er nicht Macht genug hätte, aus dem Bösen Gutes zu ziehen (hl. Augustinus).

2. Gott wendet in seiner Weisheit auch die Sünde zum Guten.
Mit Recht sagte der äpyptische Josef zu seinen Brüdern: „Ihr sannet Böses gegen mich, Gott aber wándte es zum Guten“ (1.Mos. 50,20). Auch den Verrat eines Judas wandte Gott zum Guten; er trug bei zur Erlösung des Menschengeschlechtes. „Gott fand es für besser, aus Bösem Gutes zu machen, als gar nichts Böses zuzulassen“ (hl. Augustinus). Die Biene bereitet auch aus giftigen Pflanzen Honig; der Töpfer macht aus schlechter Erde herrliche Gefäße. Etwas Ähnliches gilt von Gott.

3. Übrigens geziemt es uns nicht, die verborgenen Absichten Gottes ergründen zu wollen; wir armseligen Geschöpfe müssen sie anbeten und uns mit Ehrfurcht ihnen unterwerfen. Was von der Sünde gilt, gilt auch von den Folgen der Sünden, von den irdischen Leiden.

Aus Tau – Dienst am Glauben
Heft 3 2015
Franz Spirago, Kath. Volkskatechismus 1914


zuletzt bearbeitet 27.07.2015 17:31 | nach oben springen

#2

RE: Wie verträgt sich das Unglück der Frommen und das Glück der Sünder mit der göttlichen Vorsehung?

in Vorträge 27.07.2015 21:12
von Aquila • 4.720 Beiträge

Liebe Hemma

Vielen Dank für diesen Beitrag.
Er zeigt auf, wie trügerisch das Diesseitsdenken und -leben ist.

Dazu gehört auch das Leiden.
Für die Weltmenschen wird das Leiden zur unerträglichen und "sinnlosen" Realität.
Der hl. Augustinus dazu:
-

"So darf man nicht sagen, dass, wenn Gute und Böse dasselbe Schicksal trifft,
darum zwischen ihnen kein Unterschied sei,
weil in ihrem Ergehen vielleicht kein Unterchied zu finden ist.
Bei aller Gleichheit der Leiden
bleiben die Leidenden dennoch ungleich,

und mag auch die Plage diesselbe sein,
sind doch Standhaftigkeit und Haltlosigkeit nicht dasselbe....
Darum schmähen und lästern die bösen Gott in derselben Trübsal, in der
die Guten Ihn anrufen und preisen.
Nicht was, ;sondern WIE jeder leidet, darauf kommt es vor allem an.
Denn vom gleichen Lufthauch berührt,
lässt der Kot abscheulichen Geruch,
das Salböl lieblichen Duft aufsteigen.


-

Freundliche Grüsse und Gottes Segrn


zuletzt bearbeitet 27.07.2015 21:12 | nach oben springen



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