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#1

Die Kir­che der Dog­men

in Die Dogmen 29.07.2014 15:12
von Kristina (gelöscht)
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http://www.glaubenswahrheit.org/predigte.../2012/20121125/

Die Wahrheit verkündigen,
den Glauben verteidigen
Predigten des H.H. Prof. Dr. Georg May


Die Kir­che der Dog­men

Im Namen des Vaters und des Soh­nes und des Hei­li­gen Geis­tes. Amen.

Geliebte im Herrn!

Alle Feinde unse­rer hei­li­gen Kir­che zie­hen zu Felde gegen den Glau­ben an Dog­men. Sie sagen: Dog­men sind Hemm­nisse der Frei­heit. Dog­men hin­dern das Den­ken. Darum weg mit den Dog­men. Was ver­steht man unter einem Dogma? Ein Dogma ist eine in der Offen­ba­rung ent­hal­tene Wahr­heit, die von der Kir­che zu glau­ben vor­ge­legt wird. Diese Defi­ni­tion des Dog­mas hat das I. Vati­ka­ni­sche Kon­zil gege­ben. „Mit gött­li­chem und katho­li­schem Glau­ben ist all das zu glau­ben, was im geschrie­be­nen oder über­lie­fer­ten Wort Got­tes ent­hal­ten ist und von der Kir­che ent­we­der in fei­er­li­chem Leh­rent­scheid oder durch die gewöhn­li­che all­ge­meine Lehr­ver­kün­di­gung als von Gott geof­fen­bart zu glau­ben vor­ge­legt wird.“ Das Dogma wird also durch zwei Wesen­sele­mente bestimmt. Ers­tens: Es ist von Gott geof­fen­bart. Es ist uns von Gott mit­ge­teilt in sei­ner Heils­ver­an­stal­tung, sei es im Alten Bund durch die Pro­phe­ten, sei es im Neuen Bund durch den letz­ten und größ­ten der Pro­phe­ten, Jesus Chris­tus. Diese Mit­tei­lung kann aus­drück­lich oder ein­schluß­weise erfol­gen. Aus­drück­lich ist etwas geof­fen­bart, wenn es deut­lich aus­ge­spro­chen ist, wenn es also so gesagt ist, dass sein Sinn offen zutage liegt. Ein­ge­schlos­sen ist es geof­fen­bart, wenn sein Sinn ent­fal­tet wer­den muss, wenn das Dogma in ein Gefüge von Äuße­run­gen ein­ge­hüllt ist, aus dem man es dann her­aus­le­sen kann und muss. Aber jedes Dogma ist ent­we­der in der Hei­li­gen Schrift oder in der Über­lie­fe­rung ent­hal­ten. Es ist zwei­tens eine Offen­ba­rungs­wahr­heit, die vom kirch­li­chen Lehr­amt ver­kün­det und zur Annahme vor­ge­legt wird. Es gibt zwei Wei­sen, wie man ein Dogma erken­nen kann. Ein­mal durch einen Kathe­dra­l­ent­scheid des Paps­tes. Wenn der Papst aus­drück­lich erklärt, dass er kraft sei­ner Stel­lung als Ober­haupt der Kir­che end­gül­tig und letzt­gül­tig eine Wahr­heit vor­legt, dann ist das ein Dogma. Das hat Pius XII. am 1. Novem­ber 1950 getan, als er das Dogma von der leib­li­chen Auf­nahme Mari­ens in den Him­mel ver­kün­dete. Ein Dogma kann aber auch durch ein all­ge­mei­nes Kon­zil vor­ge­legt wer­den.
Und das I. Vati­ka­ni­sche Kon­zil hat zwei sol­cher Dog­men defi­niert. Ers­tens: Dass der Hei­lige Vater der Uni­ver­sal­bi­schof der Kir­che ist. Er ist neben jedem Bischof auch noch Bischof, und so ist er uni­ver­sal all­ge­mei­ner Bischof der gesam­ten Kir­che. Zwei­tens: Der Hei­lige Vater ist, wenn er in sei­ner höchs­ten Lehr­funk­tion spricht, unfehl­bar. Diese Weise, Dog­men zu erken­nen, ist nicht schwer. Das letzte Kon­zil, das II. Vati­ka­ni­sche Kon­zil, hat kein ein­zi­ges Dogma ver­kün­det, kein ein­zi­ges Dogma.

Dog­men kön­nen aber auch durch die all­ge­meine Lehre der Kir­che ent­ste­hen und vor­ge­legt wer­den. Die täg­li­che Lehr­ver­kün­di­gung voll­zieht sich in den Anspra­chen und Enzy­kli­ken des Paps­tes. Sie voll­zieht sich in den Hir­ten­brie­fen und Pre­dig­ten der Bischöfe – hof­fent­lich! Sie voll­zieht sich in der Lehr­ver­kün­di­gung der Pries­ter durch Pre­digt und durch Reli­gi­ons­un­ter­richt. Der Cha­rak­ter eines Dog­mas ist also nicht abhän­gig von der fei­er­li­chen Ver­kün­di­gung. Auch die gewöhn­li­che Lehr­ver­kün­di­gung besitzt dog­men­bil­dende Kraft, wenn sie Wahr­hei­ten der Offen­ba­rung all­ge­mein und ver­bind­lich vor­trägt. Dog­men, meine lie­ben Freunde, sind so alt wie die Kir­che. Der Satz: „Jesus ist der Chris­tus“, also der Mes­sias, das ist ein Dogma. Der Satz: „Jesus ist der Got­tes­sohn“, das ist ein Dogma. Die Kir­che ist zustän­dig, Dog­men vor­zu­le­gen, denn sie ist ja die von Gott ermäch­tigte Trä­ge­rin und Bür­gin der gött­li­chen Wahr­heit. Und sie ist dafür ver­ant­wort­lich, dass diese Wahr­heit zu den Men­schen kommt. Sie voll­zieht diese Ver­ant­wor­tung, indem sie Dog­men vor­legt. Frei­lich nicht aus eige­ner Kraft, son­dern in der Macht des Hei­li­gen Geis­tes. Der Hei­lige Geist ist, nach­dem er die Hei­lige Schrift geschaf­fen hat, nicht in Urlaub gegan­gen. Der Hei­lige Geist trägt die gesamte Kir­chen­ge­schichte und erhält die Kir­che in der Wahr­heit. Der Hei­lige Geist hält an dem fest, was er in der Hei­li­gen Schrift geof­fen­bart hat. Er ist nicht mit sich selbst uneins, er steht zu dem, was in der Hei­li­gen Schrift geof­fen­bart ist, in den Dog­men. Die Dog­men sind gewis­ser­ma­ßen die Hei­lige Schrift in einer ver­än­der­ten For­mu­lie­rung. Alle Glie­der der Kir­che sind gehal­ten, die Wahr­heit der Offen­ba­rung zu bewah­ren. Alle sind ver­ant­wort­lich, aber einige sind in beson­de­rer Weise ver­ant­wort­lich. Wir nen­nen sie die Trä­ger des kirch­li­chen Lehr­am­tes: die Bischöfe, mit dem Papst an der Spitze. Sie haben die hei­lige Ver­pflich­tung, die Offen­ba­rung zu bewah­ren und zu ver­kün­di­gen und vor­zu­le­gen.

Aus dem Wesen des Dog­mas erge­ben sich die Eigen­schaf­ten. Ein Dogma hat immer sei­nen Ursprung in Gott. Das Dogma ist nicht, wie der Pro­tes­tan­tis­mus lehrt, die sprach­li­che Fas­sung von inne­ren Erleb­nis­sen des Men­schen. Nein, das Dogma ent­hält viel­mehr die durch unmit­tel­bare Ein­wir­kung Got­tes den Men­schen zuteil gewor­dene gött­li­che Selbst­mit­tei­lung. Das Dogma ist die Offen­ba­rung in einer zeit­ge­bun­de­nen Form. Die Offen­ba­rung, die im Alten Bunde und im Neuen Bunde gesche­hen ist, hat ja in sich eine Fülle von Wahr­hei­ten. Aber die Kir­che konnte sich nie beru­hi­gen, diese Wahr­hei­ten ein­fach, wie sie in der Bibel ste­hen, wei­ter­zu­tra­gen. Warum nicht? Weil Irr­leh­rer auf­tra­ten. Bis­her sind fast alle Dog­men dadurch ent­stan­den, dass die Kir­che Stel­lung neh­men musste gegen Irr­leh­rer. Sie musste die in der Hei­li­gen Schrift ent­hal­tene Wahr­heit begriff­lich fas­sen, und das ist in den Dog­men gesche­hen. Zu Dog­men wer­den die Wahr­hei­ten der Hei­li­gen Schrift, wenn die Kir­che sie in einer neuen Sprach­form vor­legt. Die­selbe Wahr­heit wird in einer ver­än­der­ten Spra­che den Chris­ten vor­ge­legt. Das ist gewis­ser­ma­ßen eine Wei­ter­füh­rung der Men­schwer­dung Got­tes. Auch Gott ist ja in einem mensch­li­chen Leibe erschie­nen. Letzt­lich wird der Sprach­leib der Dog­men vom Hei­li­gen Geist geschaf­fen. Er ver­hü­tet, dass die Kir­che Dog­men ver­kün­det, die nicht der Wahr­heit ent­spre­chen. Er wirkt mit, dass der Wahr­heit ein ihr gemä­ßer Aus­druck gege­ben wird. Die Dog­men sind die Weise, wie die Kir­che Zeug­nis ablegt vom Glau­ben. Sie sind ein Bekennt­nis der kirch­li­chen Gemein­schaft zum Glau­ben. In den Dog­men spricht sich nach der Stif­tung Christi der Glaube des Volkes Got­tes in ent­schei­den­der und ver­bind­li­cher Weise aus. Des­we­gen ist das Dogma ein Glau­bens­ge­setz. In ihm wird der Glaube gesetzt, weil er von der Kir­che kraft ihrer hoheit­li­chen Macht vor­ge­legt wird.

Die Dog­men sind unwan­del­bar. Sie sind nicht bloß Sym­bole oder Bil­der oder Hin­weise auf irgend­wel­che reli­giöse Gefühle, die durch andere ersetzt wer­den kön­nen. Nein, die Dog­men sind Aus­druck der geheim­nis­vol­len Wirk­lich­keit Got­tes. Natür­lich blei­ben alle mensch­li­chen Äuße­run­gen, auch die der Hei­li­gen Schrift, hin­ter der Wirk­lich­keit Got­tes zurück. Wir spre­chen in einer ähn­lich-unähn­li­chen Weise von Gott, also in einer ana­lo­gen Weise. Aber das hin­dert nicht, dass die Weise, wie wir von Gott spre­chen, rich­tig ist. Sie erschöpft Gott nicht, sie fasst ihn nicht, aber sie sagt Wah­res aus. Der Sinn des Dog­mas, wie es die Kir­che ver­kün­det, ist bestimmt und unab­än­der­lich. Was die Kir­che ein­mal als wahr erkannt hat, das bleibt immer wahr und kann nie­mals auf­ge­ge­ben wer­den. Die jewei­lige geschicht­li­che For­mu­lie­rung ist gül­ti­ger Aus­druck der über­zeit­li­chen Wahr­heit. An sich könn­ten die Dog­men auch in einer ande­ren Spra­che aus­ge­drückt wer­den. Aber das ist gefähr­lich. Und das ist schwer. In den meis­ten Fäl­len ist es unmög­lich. Es ist in den aller­meis­ten Fäl­len aus­ge­schlos­sen, dass die Kir­che die Worte, die sie bei Dog­ma­ti­sie­run­gen gebraucht, durch andere ersetzt. Man hat das ja ver­sucht. Die Kir­che bezeich­net in ihrem Dogma den Vor­gang in der Hei­li­gen Messe als Trans­sub­stan­tia­tion, Wesens­ver­wand­lung. Das heißt, das Brot wird von Chris­tus ange­nom­men und in sei­nen hei­li­gen, ver­klär­ten Leib über­ge­führt, und das­selbe geschieht mit dem Wein, er wird in sein hei­li­ges, ver­klär­tes Blut über­ge­führt. Jetzt sind hol­län­di­sche Theo­lo­gen dar­an­ge­gan­gen und haben den Begriff „Trans­sub­stan­tia­tion“ zu erset­zen ver­sucht. Sie spra­chen von einer Trans­fi­na­li­sa­tion oder einer Trans­si­gni­fi­ka­tion, das heißt, das Brot bleibt Brot, aber es bekommt eine andere Bedeu­tung. Sie machen das deut­lich an einem Stück Tuch. Ein rotes Tuch ist zunächst ein­mal eine Tex­ti­lie. Aber wenn man es an eine Fah­nen­stange anbringt, dann wird es zu einer Fahne. Aus die­sem Bei­spiel mögen Sie erken­nen, wel­che Ver­ir­rung, wel­che Ver­ir­rung diese Theo­lo­gen vor­ge­nom­men haben. Sie haben das Geheim­nis zer­stört, sie haben das Dogma ver­fälscht. Der Hei­lige Vater, Paul VI., hat eine eigene Enzy­klika gegen diese Ver­fäl­schung geschrie­ben.

Man kann die Dog­men ein­tei­len in Zen­t­ral­dog­men und Ein­zel­dog­men. Es ist klar, dass es wich­ti­gere und weni­ger wich­ti­ger Dog­men gibt. Was zum Geheim­nis Christi und Got­tes gehört, das ist eben ent­schei­dend. Dass Chris­tus das Süh­ne­op­fer geleis­tet hat, ist selbst­ver­ständ­lich wich­ti­ger als daß man durch Ablass Nach­lass zeit­li­cher Sün­den­stra­fen gewin­nen kann. Aber eines ist so wahr wie das andere. Die Hier­ar­chie der Wahr­hei­ten, von der man heute so gern spricht, diese Hier­ar­chie der Wahr­hei­ten ändert nichts daran, dass alle Dog­men geof­fen­bart und mit fes­tem Glau­ben anzu­neh­men sind.

Eine andere Unter­schei­dung ist die zwi­schen Glau­bens- und Sit­ten­lehre-Dog­men. Ein Glau­bens­dogma ist zum Bei­spiel, dass Gott in drei Per­so­nen exis­tiert. Aber die Kir­che ver­kün­det unfehl­bar nicht nur die Wahr­heit in Sachen des Glau­bens, son­dern auch in Sachen der Sit­ten­lehre, also der Gebote und der Ver­bote. Und so gibt es auch mora­li­sche Dog­men. Mora­li­sche Dog­men sind geof­fen­barte Wahr­hei­ten der Sit­ten­lehre, die von der Kir­che, vom Lehr­amt der Kir­che, end­gül­tig vor­ge­legt wer­den. Also bei­spiels­weise das Gebot der Nächs­ten­liebe ist ein Dogma, ein mora­li­sches Dogma. Oder das Ver­bot geschlecht­li­cher Betä­ti­gung außer­halb der Ehe ist ein Dogma.

Die Dog­men wol­len nicht nur unsere Erkennt­nis berei­chern, son­dern sie wol­len auch unse­ren Heils­voll­zug len­ken. Wir sol­len uns die Wahr­heit, die in den Dog­men ent­hal­ten ist, aneig­nen und nach ihr leben. Wir wer­den also in den Dog­men ange­ru­fen, uns an Gott anheim zu geben. Die Dog­men sind ja nichts ande­res als die Selbst­mit­tei­lung Got­tes in einer bestimm­ten Spra­che. Sie sind Aus­druck der Heils­ge­dan­ken und des Heils­han­delns Got­tes. Wer die Dog­men annimmt, wirkt auch damit sein Heil. Sie sind Begeg­nun­gen mit Gott. Wenn wir das Glau­bens­be­kennt­nis spre­chen mit den darin ent­hal­te­nen Dog­men, dann beken­nen wir uns zu dem sich offen­ba­ren­den Gott.

Nun aber, meine lie­ben Freunde, muss ich auf den Ansturm gegen die Dog­men zu spre­chen kom­men. Wir lie­ben unsere evan­ge­li­schen Brü­der. Sie sind ja getauft und haben aus ihrer Tren­nung von der katho­li­schen Kir­che gewisse Wahr­hei­ten mit­ge­nom­men. Darum sind sie uns wert und lieb. Aber um der Wahr­heit wil­len muss gesagt wer­den: Der Pro­tes­tan­tis­mus lehnt Begriff und Sache der Dog­men im katho­li­schen Sinne ab. Im Pro­tes­tan­tis­mus sind Dog­men kirch­lich fest­ge­legte Leh­ren oder Lehr­sätze, die durch obrig­keit­li­chen Befehl für die Geist­li­chen zur Lehr­ver­pflich­tung erho­ben wer­den. Also Dog­men sind Ergeb­nisse mensch­li­chen Nach­den­kens, besit­zen ledig­lich zeit­be­dingte Gel­tung, kön­nen geän­dert, auf­ge­ge­ben, ins Gegen­teil ver­kehrt wer­den. Der berühmte evan­ge­li­sche Theo­loge Baur erklärt: „Dog­men sind zeit­be­dingte Aus­drucks­for­men des christ­li­chen Bewusst­seins.“ Zeit­be­dingte Aus­drucks­for­men des christ­li­chen Bewußt­s­eins, also eines see­li­schen Vor­gan­ges, nicht einer von aus­sen kom­men­den Offen­ba­rung. Der Pro­tes­tan­tis­mus sieht weder die Tra­di­tion noch das Dogma als ver­pflich­tende Norm an. Christ­li­cher Glaube ist nach evan­ge­li­scher Auf­fas­sung nicht Glaube an Dog­men, son­dern Glaube an bib­li­sche Leh­ren. Aber das wird auch wie­der abge­schwächt, denn die Bibel, so sagt man, die Bibel ist keine Lehr­norm, sie ist keine gesetz­li­che Lehr­norm. Jeder Christi ist berech­tigt, aus der Bibel her­aus­zu­le­sen, was ihm ein­ge­ge­ben wird. Und er kann mor­gen etwas ande­res her­aus­le­sen als heute. Nie­mand kann zu einer bestimm­ten Aus­le­gung ver­pflich­tet wer­den. Jede Aus­le­gung ist über­hol­bar. Eine ver­bind­li­che Aus­le­gung kann es im Pro­tes­tan­tis­mus nicht geben, weil es kein Lehr­amt gibt. Die Ableh­nung der Dog­men geschieht bald in mil­de­rer, bald in schär­fe­rer Form. Ich zitiere hier nur den berühm­ten evan­ge­li­schen Theo­lo­gen Adolf von Har­nack Er fin­det in den Dog­men eine Ent­stel­lung des Evan­ge­li­ums. Er sieht es als Auf­gabe der Theo­lo­gie an, die Kir­che von den Dog­men zu befreien. Ich habe mich nicht ver­spro­chen. Dog­men sind nach die­sem Theo­lo­gen eine Ent­stel­lung des Evan­ge­li­ums, und Auf­gabe ist es, die Kir­che von den Dog­men zu befreien. Und das ist ja auch im Pro­tes­tan­tis­mus in erheb­li­chem Maße gesche­hen. Die alt­kirch­li­che Chris­to­lo­gie und Tri­ni­täts­lehre wird als sach­lich frag­wür­dig und begriff­lich unbib­lisch ein­ge­schätzt. Es fal­len also die Gott­heit Christi und der Drei­ei­nige Gott dahin. Es gab, das muss ich lei­der sagen, es gab und gibt wohl auch heute Pro­tes­tan­ten und pro­tes­tan­ti­sche Pfar­rer, die das Apos­to­li­sche Glau­bens­be­kennt­nis, also eine frühe Zusam­men­fas­sung von Dog­men, ableh­nen, und sich wei­gern, es bei der Spen­dung der Taufe zu ver­wen­den. Nun haben auch die pro­tes­tan­ti­schen Reli­gi­ons­ver­bände Lehr­for­meln und Glau­bens­be­kennt­nisse auf­ge­stellt: Augs­bur­ger Bekennt­nis, Kon­kor­di­en­for­mel, und wie sie alle hei­ßen. Ich kenne sie. Von die­sen Bekennt­nis­sen aber gilt zwei­er­lei. Ers­tens: Die Bekennt­nisse sind stets der Hei­li­gen Schrift unter­ge­ord­net, das heißt dem, was der Ein­zelne aus der Bibel her­aus­liest. Zwei­tens: Die pro­tes­tan­ti­schen Bekennt­nisse sind keine für alle Zei­ten ver­bind­li­che Lehr- und Glau­bens­nor­men. Es kann im Pro­tes­tan­tis­mus keine Lehr­ge­setz­lich­keit geben, denn die pro­tes­tan­ti­sche Lehre ist über­haupt nicht abge­schlos­sen. Sie läuft immer wei­ter, sie ist in stän­di­gem Wer­den. Ein füh­ren­der Pro­tes­tant erklärte, dass sei­ner Kir­che, der evan­ge­li­schen Kir­che, jetzt die Erkennt­nis auf­ge­gan­gen sei, dass homo­se­xu­elle Betä­ti­gung erlaubt sei. Das sind Tat­sa­chen, meine lie­ben Freunde.

Trotz der Ableh­nung der Dog­men gibt es auch im Pro­tes­tan­tis­mus Sätze, die nicht bezwei­felt wer­den. Zum Bei­spiel ist die Behaup­tung, es gebe keine Dog­men, auch ein e Aet Dogma. Das ist ein Pseu­do­dogma, das man auf­ge­stellt hat. Wer behaup­tet, es gibt kein Dog­men, der stellt damit auch ein Dogma auf, für sich selbst. Von Luther stam­men meh­rere sol­cher Pseu­do­dog­men, zum Bei­spiel das Dogma von der Unaus­weich­lich­keit geschlecht­li­cher Betä­ti­gung für einen jeden Men­schen. Das ist ein nega­ti­ves Dogma. Jeder Mensch muss sich geschlecht­lich betä­ti­gen. So wie er essen und trin­ken muss, so mußte er auch auf die­sem Felde tätig sein. Ein anders Pseu­do­dogma lau­tet: Jede Ehe kann getrennt wer­den. Es gibt keine Ehe im Pro­tes­tan­tis­mus, die nicht auf­ge­löst wer­den könnte. Von Luther stammt das wei­tere Pseu­do­dogma: Es gibt kein Pries­ter­tum. Es gibt nur von der Gemeinde auf­ge­stellte Die­ner des Wor­tes. Und diese Bestel­lung ist natür­lich kein Sakra­ment und kann jeder­zeit zurück­ge­nom­men wer­den, wie es ja bei dem Bun­des­prä­si­den­ten Gauck der Fall ist. Der Pro­tes­tan­tis­mus hat auch noch ein ande­res Dogma auf­ge­stellt, näm­lich: Ein evan­ge­li­scher Theo­loge besitzt eine große Frei­heit, eine große Lehr­frei­heit. Er kann in sei­ner Lehre grund­sätz­lich in jede Rich­tung gehen, nur in eine nicht, nach Rom. Aus die­sem Tat­be­stand ergibt sich nach mei­ner Über­zeu­gung, dass Lehr­ge­sprä­che zwi­schen Katho­li­ken und Pro­tes­tan­ten sinn­los sind. Der Pro­tes­tant kann nie­mals auf ein bestimm­tes Bekennt­nis fest­ge­legt wer­den. Er kann sich jeder­zeit einer Fest­le­gung ent­zie­hen. Wozu dann sol­che Gesprä­che?

Alle Abfall­be­we­gun­gen von der Kir­che haben gegen Dog­men pro­tes­tiert und auf Dog­men­frei­heit bestan­den, haben aber wie­derum auch ihre Pseu­do­dog­men geschaf­fen. So lau­tet zum Bei­spiel ein Dogma der abstän­di­gen Katho­li­ken: Die Kir­che darf uns nicht in unse­ren Ver­gnü­gun­gen stö­ren, vor allem nicht in den sexu­el­len. Das ist auch ein Dogma, aber ein fal­sches. Die Öku­me­ni­ker ver­kün­den heute das Dogma: „Mehr ist, was uns eint, als was uns trennt.“ Mehr ist, was uns eint, als was uns trennt. Die­ser Satz hat den Nach­teil, dass er falsch ist. Das Gegen­teil ist wahr. Es gibt fast kei­nen Gegen­stand, wo katho­li­sche Lehre und pro­tes­tan­ti­sche Mei­nung über­ein­stim­men. Der Phi­lo­soph Lud­wig Feu­er­bach, dem in Nürn­berg ein Denk­mal gewid­met ist, hat das Dogma auf­ge­stellt: „Der Mensch schuf Gott nach sei­nem Bild.“ Der Mensch schuf Gott nach sei­nem Bilde, das heißt, die Men­schen haben die Göt­ter her­vor­ge­bracht. Das mag zutref­fen für die Mytho­lo­gie der Römer und der Grie­chen. Aber es trifft nicht zu für die Offen­ba­rung Got­tes in Chris­tus Jesus. Sie ist total ver­schie­den von dem, was ein Mensch sich aus­den­ken kann. Die Gott­lo­sen der Sowjet­union begrüß­ten sich zeit­wei­lig mit dem Gruß: „Es gibt kei­nen Gott.“ Und die Ant­wort lau­tete: „Es hat noch nie einen gege­ben.“ Das war ein kom­mu­nis­ti­sches "Dogma". Bert­hold Brecht hat auch ein Pseu­do­dogma auf­ge­stellt, und das lau­tet: „Erst kommt das Fres­sen, dann kommt die Moral.“ Das ist das Dogma von Bert­hold Brecht. Erst kommt das Fres­sen, dann kommt die Moral. Die­ser fal­sche Satz über­sieht, dass auch die Nah­rungs­auf­nahme dem Sit­ten­ge­setz unter­steht. Im täg­li­chen Leben kann man erfah­ren, wel­che Maxi­men Men­schen bestim­men. Zum Bei­spiel: „Jeder ist sich selbst der Nächste.“ Das ist natür­lich die Ver­keh­rung des christ­li­chen Lie­bes­ge­bo­tes. Jeder ist sich selbst der Nächste. Oder: „Wie du mir, so ich dir.“ Das ist wie­derum ein Anschlag gegen das Gebot des Herrn: „Wer dich auf die linke Wange schlägt, dem halte auch die rechte hin.“ Nein nicht, wie du mir so ich dir, son­dern: wenn dein Bru­der hun­gert, wenn dein Feind hun­gert, dann gib ihm zu essen. Ein ande­res Pseudo-Dogma, das mir schon gele­gent­lich vor­ge­hal­ten wor­den ist, lau­tet: „Man muß mit der Zeit gehen.“ O meine Freunde! Mit der Zeit gehen. Wenn die Brau­nen an der Regie­rung sind, dann sich zu den Brau­nen schla­gen. Wenn die Roten die Macht haben, dann sich zu den Roten hal­ten. Wenn die Grü­nen den Staat bestim­men, dann die grüne Ideo­lo­gie über­neh­men. Nein – nicht mit der Zeit muss man gehen, son­dern mit dem Licht, das Chris­tus ange­zün­det hat. Die Sozia­lis­ten stell­ten das Pseu­do­dogma auf: „Reli­gion ist Pri­vat­sa­che.“ Meine lie­ben Freunde! Wenn Reli­gion Pri­vat­sa­che ist, dann ist die Kehr­seite die­ses Sat­zes: Die Aus­schal­tung der Reli­gion ist öffent­li­che Sache. Das heißt, die Gesell­schaft und der Staat beken­nen sich zur Reli­gi­ons­lo­sig­keit. Das ist die Kehr­seite die­ses Sat­zes: Reli­gion ist Pri­vat­sa­che.

Nein, meine lie­ben Freunde, hal­ten wir uns an die Dog­men unse­ren hei­li­gen Kir­che. Sie machen uns frei vom Irr­tum und frei von der Dik­ta­tur des Zeit­geis­tes. Sie bin­den uns an den ewi­gen Gott und sein irdi­sches Organ, unsere hei­lige Kir­che. Die Dog­men ber­gen Got­tes Wahr­heit. Die Dog­men schüt­zen Got­tes Wahr­heit. Die Dog­men ver­mit­teln Got­tes Wahr­heit. Ein undog­ma­ti­sches Chris­ten­tum hat es nie gege­ben. Das Chris­ten­tum steht und fällt mit den Dog­men. Als der Dich­ter Hein­rich Heine ein­mal vor dem Dom von Ant­wer­pen stand, da sagte er: „Die Men­schen, die die­sen Dom gebaut haben, hat­ten Dog­men. Wir haben nur Mei­nun­gen. Mit Mei­nun­gen baut man keine Dome.“

Amen.


Joh 14,6 Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.
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