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#1

"Wir sind Kirche", mal etwas anders

in Diskussionsplattform Kirche 29.06.2014 07:34
von MariaMagdalena (gelöscht)
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Die Familie - eine Hauskirche

Vom Versuch, dem Schlagwort "Wir sind Kirche"
einen vernünftige Sinn abzugewinnen ...


von P. Franz Karl Banauch FSSP


„Wir sind Kirche“ – Dieses sprachlich gewiß nicht sonderlich gelungene Schlagwort ist uns für gewöhnlich bloß aus einer Richtung geläufig, in der es Ausdruck eines reichlich ungeistigen, oft heftigen Protests gegenüber der hierarchisch verfaßten kirchlichen Gemeinschaft ist. Dabei könnte man unter diesem Schlagwort durchaus auch etwas Richtiges verstehen, nämlich die Wahrheit, daß jedes einzelne Glied der Kirche wirklich zu ihr gehört. Tatsächlich wäre es ja eine verkürzte Sichtweise, wollte man meinen, die Kirche bestünde einzig aus ihren amtlichen Vertretern. Zwar gehört die Gliederung der Kinder Gottes durch das Weihesakrament zum Wesen der Kirche, wie Christus sie gewollt und gestiftet hat, die geweihten Amtsträger alleine wären aber wie ein bloßes Gerippe ohne Fleisch und Blut. Jedes einzelne Glied, jeder Getaufte gehört zur Kirche und trägt dazu bei, ihr wahres Antlitz erstrahlen zu lassen.
Christus hat die Apostel auserwählt und ihnen im hl. Petrus ein sichtbares Haupt verliehen. Daher ist die Kirche gegliedert in sogenannte Teilkirchen – die unter der Leitung eines Apostelnachfolgers stehenden Bistümer – und dennoch weltumspannend eine einzige, weil das Papsttum diese Teilkirchen miteinander verbindet. Diese Einheit der einzelnen Bischöfe mit dem Nachfolger des hl. Petrus sorgt dafür, daß ein und dieselbe Kirche Jesu Christi auf der ganzen Welt lebendig ist. Die Priester wiederum erlangen von den Bischöfen Anteil an der Hirtensorge. So reicht die hierarchische Sendung der Kirche zurück bis zum Auftrag Jesu: „Weide meine Lämmer“ (Joh 21, 15), bis in den Abendmahlsaal („Tut dies zu meinem Gedächtnis!“ Luk 22,19), ja bis zur Auserwählung der Zwölf während des öffentlichen Wirkens Jesu.

Das Fleisch dieser Kirche aber, aus dem sie gebildet ist, können wir sogar noch weiter zurückverfolgen: Die vom Herrn Herausgerufene (wie man das ursprüngliche Wort für Kirche wiedergeben könnte) war ja bereits vorgebildet in der Heiligen Familie, in der Joseph Haupt, Maria aber mütterliches Herz und jungfräuliches Urbild dieser Kirche verkörperte. Maria und Joseph hätten gewiß mit mehr Recht als die neuzeitlichen Protestierer von sich sagen dürfen „Wir sind Kirche!“, hätte ihnen ihr feines Taktgefühl eine solch plumpe Redeweise nicht untersagt. In der Heiligen Familie können wir die Kirche im kleinen bereits lebendig vor Augen haben, nicht als amtlich verfaßte weltumspannende Wirklichkeit, aber als vitale keimende Zelle, die zu diesem universalen Organismus heranwachsen sollte. Wie die Heilige Familie im Ursprung Keimzelle der Kirche war, so gilt dies für ihren Fortbestand von jeder christlichen Familie, die man zu Recht als „Hauskirche“ bezeichnen darf. Wenn schon die bürgerliche Gesellschaft als Gemeinwesen in der Familie ihre Keimzelle findet, dann um so mehr die von Christus eingesetzte Kirche. Auch hier gilt der Grundsatz, daß die Gnade auf der Natur aufbaut. Da die Familie nach Gottes Willen die Weitergabe des natürlichen Lebens zum wesentlichen Ziel hat, ist sie auch in übernatürlicher Hinsicht zu Fruchtbarkeit ausersehen und befähigt. Sie drängt innerlich danach, den Himmel zu bevölkern.

Worin kommt nun dieser besondere Adel der Familie, Hauskirche zu sein, konkret zum Ausdruck? In der Apostelgeschichte heißt es mehrfach, ganze Familien hätten sich zum Glauben an Jesus Christus bekehrt (Apg 11,14; 16,31- 33; 18,8). Daraus schließt man, daß bereits damals auch kleine Kinder das Taufsakrament empfingen, noch ehe sie selbst darum bitten konnten. Bis heute gehört es zu den wichtigen Aufgaben christlicher Eltern, ihre Kinder zur Taufe anzumelden und gewissermaßen in deren Namen um dieses Sakrament zu bitten. Wie es Verantwortung der Eltern ist, die ersten Erziehungsentscheidungen für ihr dazu noch unfähiges Kind zu treffen, so ist es auch in der Frage dieses so bedeutsamen Schrittes, durch den der noch Unmündige zum Gotteskind wird. Wer seinem Kind auf der natürlichen Ebene das Beste angedeihen lassen will, der wird dies um so mehr in allem tun, was dem übernatürlichen, ewigen Leben dient. Die Kirche aber nimmt diese stellvertretende Bitte der Eltern zutiefst ernst und tauft schon allerkleinste Kinder, wohingegen es (mit der Ausnahme von Todesgefahr) niemandem erlaubt ist, Unmündige gegen den Willen der Eltern zu taufen. Daraus können wir sehen, wie hoch die Kirche stets die Rolle der Eltern innerhalb dieser Hauskirche geschätzt hat.
An diese ernste Verantwortung der Eltern, ihre Kinder bald nach der Geburt zur Taufe zu bringen, schließt sich organisch die wichtige Aufgabe an, ihnen den christlichen Glauben nahezubringen. Mit einfachen Worten über den lieben Gott im Himmel zu sprechen, der alles Gute gemacht hat, von Jesus, dem Sohn Gottes, zu erzählen, wie Er geboren wurde, lehrte, Wunder wirkte, um schließlich für uns zu leiden, zu sterben und siegreich von den Toten aufzuerstehen – das gehört zu den häuslichen Katecheten-Aufgaben, die wohl niemand so einfühlsam und vertraut erfüllen kann wie die eigenen Eltern.
Die Erstverkündigung des Glaubens in der Kindheit macht jedoch bald einer neuen Herausforderung Platz, wenn es darum geht, daß der noch recht unreflektierte Kinderglauben um die Zeit der Pubertät zu einem bewußten Glaubensleben heranreifen soll. In der Regel geht diese Phase einher mit dem Zeitpunkt, zu dem die elterliche Autorität für die Heranwachsenden nicht mehr selbstverständlich ist, und sie sich bewußt werden, daß die Eltern auch nicht unfehlbar sind. So schwierig diese Zeit für Eltern und Kinder auch oft ist, genau hier geschieht so eminent Wichtiges für diese Kirche im kleinen: Unser Glaube soll ja nicht ein bloßes Nachsagen von Gehörtem sein, sondern bewußt und eigenständig bejahte Antwort auf die Offenbarung. Zu dieser Zeit kommt es nun darauf an, daß die Eltern zu glaubwürdigen Zeugen ihres Glaubens vor den Kindern werden. Hier erst erhält die elterliche Glaubensverkündigung ihre volle Tiefe.
Dabei ist jedes christliche Ehepaar damit konfrontiert, daß die Kinder deren eigene Glaubenspraxis und die Verwirklichung von sittlichen Ansprüchen sehr kritisch unter die Lupe nehmen. Auf Entgegnungen wie „Aber
Papa tut doch auch…“ oder „Du hast doch selbst…“ kann man dann nicht mehr bloß mit dem Gewicht der elterlichen Autorität reagieren. Authentisches Vorbild ist nun gefragt. Wohl jenen christlichen Eheleuten, deren Kinder dann wissen, daß die Eltern regelmäßig das Bußsakrament empfangen und an den offenkundigen eigenen Schwächen und Fehlern ebenso zielstrebig arbeiten, wie sie dies den eigenen Kindern ans Herz legen! Ihre elterliche Autorität wird durch Fehltritte nicht zerbrechen, sondern in den Augen der Kinder bloß ein neues – an Konturen reicheres – Antlitz erhalten. Glücklich vor allem die Kinder, die so ihre Eltern dann in gewissem Sinne auch als ältere Brüder und Schwestern im Glauben dazugewinnen!

Neben solch umfassender Glaubensverkündigung in Wort und Werk drängt die Hauskirche aber auch nach gemeinsamer Betätigung des Glaubenslebens. Und wie die Kirche im großen ihre liturgischen Riten kennt, so lebt die Hauskirche maßgeblich von ihren eigenen Ritualen, durch die das liturgische Leben der Gesamtkirche in die häusliche Atmosphäre getragen wird. Wie jedes sinnentleerte Brauchtum zu schaler und oft auch peinlicher Folklore entartet, so sehr kann umgekehrt echtes christliches Brauchtum der ganzen Familie innige Freude und echten Tiefgang bereiten. Sei es das Begehen der allgemeinen Fasten – wie auch der Festzeiten, sei es der gemeinsame Kirchgang, der festtäglich gedeckte Tisch, die gelegentliche gemeinsame Andacht, es kann und
soll organisch aus dem jeweils persönlichen Streben nach Frömmigkeit und aus einer echten Liebe zur familiären Gemeinschaft erwachsen. Persönliche Feste des einzelnen, wie Namenstag, Tauftag, Erstkommunion werden dann erst so richtig zu Höhepunkten der gesamten Familie.
Wohl erst in der Ewigkeit werden wir ganz ermessen können, welche Stütze der einzelne aus dem gemeinschaftlichen Gebet seiner Familie erfahren kann, wenn dieses nicht bloß pflichtgemäße Erfüllung eines vorgegebenen Programmpunktes ist. Es bedarf vielen Fingerspitzengefühls, damit diese Neigung zum bloß Pflichtgemäßen, die jeglicher religiösen Übung ein wenig anhaftet, nicht Oberhand gewinnt. Ein aufmerksamer und wohlwollender Blick dafür, welche guten Initiativen der einzelnen – auch der Kinder! – in solche Familienrituale einfließen können, werden dafür sorgen, daß jeder sich in diesen Bräuchen heimisch fühlt, ja mit der Zeit auch ein wenig gesunden Familienstolz daraus zieht. In solchen Familien wird sich die wunderbare Verheißung Christi erfüllen: „Wenn zwei von euch übereinstimmen auf Erden in irgendeiner Sache, um die sie bitten: Es wird ihnen zuteil werden von meinem Vater im Himmel. Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.“ (Matth 18,19)
Selbst wenn eine solche Hauskirche sich noch nicht unmittelbar nach außen missionarisch betätigt, so wird sie es durch die innere Strahlkraft doch schon irgendwie sein, vergleichbar jenen kontemplativen Hauskirchen der Ordensgemeinschaften, aus denen eine hl. Theresia vom Kinde Jesu als Patronin der Missionare hervorgehen konnte, die niemals ihre Klausur verlassen hat. Dennoch ist jeder christlichen Hauskirche im Rahmen ihrer Möglichkeit die Sorge um das Heil der „Außenstehenden“ anzuempfehlen. Sei es durch Gastfreundschaft gegenüber Einsamen und Bedürftigen, sei es durch den Einsatz einzelner für jegliches Anliegen, das aus unserem Glauben erwächst: Wie die Kirche im Großen nie bloß um sich selber kreisen kann, ohne geistig zu verkümmern, so wird auch jede Hauskirche sich anstecken lassen vom Durst Jesu nach dem Heil aller Menschen. Zusammenschlüsse von Familien, die einander gegenseitig stärken und ihnen dazu verhelfen, in die Gesellschaft hineinzustrahlen, erfüllen somit ein zentrales Anliegen der Kirche.

Es ist leicht, die Schönheiten einer solchen Hauskirche mit Worten zu beschreiben und gewissermaßen ein Idealbild zu zeichnen. Ein Priester setzt sich dadurch aber unwillkürlich dem Vorwurf aus, er übersehe dabei die konkreten Schwierigkeiten, die Nöte und Probleme. Einerseits gibt es kaum eine Ehe, die niemals durch die Stürme von Not, Sorgen und Konflikten gehen müßte, andererseits gibt es zweifellos gerade heute oft Ehen und Familien, in denen der Glaube erst nach und nach wieder in jener Deutlichkeit zu strahlen beginnt, in der er vielleicht in der frühen Kindheit einmal geleuchtet hat. Dies alles sorgt dafür, daß jede Hauskirche ebenso mit Verwundungen leben muß, wie dies auch für die Gesamtkirche gilt. Solche Wunden dürfen hingegen weder dazu führen, Familien ihren Ruf, Hauskirche zu sein, abzusprechen, noch die Familien selbst zur Meinung verleiten, man dürfe sich aus der Verantwortung stehlen. Jede christliche Familie soll sich in der je konkreten Situation darum bemühen, Keimzelle kirchlichen Lebens zu werden. Nichts hier auf Erden ist schon vollkommen.

Das Hauskirche-Sein wird sich daher vielfach in großherzigem Verzeihen, in Nachsicht und Rücksicht für diejenigen erweisen, die dessen bedürfen. Nicht mit dem Kopf durch die Wand zu wollen und dennoch das Ziel eines wirklich vom Glauben durchformten Familienlebens im Auge zu behalen, gehört dann zur notwendigen Spannung, die Katholiken aushalten müssen. Letztlich offenbaren solche Nöte nur, daß die Kirche als geheimnisvoller Leib Christi äußerlich an Seinen Wunden teilhat. Wie Christi Leib von Geißelung, Dornenkrönung und Kreuzigung zerschunden war, so ist es auch die Kirche auf ihrem Pilgerweg durch die Zeit. Dies in Geduld zu ertragen, ja, Mitleid zu haben mit den Schwächen der anderen Glieder, ist gerade Aufgabe der Kirche im kleinen, der Hauskirche, eben buchstäblich Auftrag der Nächstenliebe. Durch solches Kreuz willig und geduldig hindurchzugehen, bleibt für alle Generationen der Weg schlechthin, der zur Auferstehung führt! Wahres Bewußtsein davon, Glied und Keimzelle der Kirche Jesu zu sein, bedeutet eben auch Verbundenheit mit dem Herrn in Seiner Erniedrigung und in Seinen Wunden. Gerade darin mögen die familiären Hauskirchen den Protestbewegungen wie „Wir sind Kirche“ zum Vorbild werden!


( Quelle http://petrusbruderschaft.de/pages/archi...-hauskirche.php


Oves meae vocem meam audiunt, et ego cognosco eas, et sequuntur me: et ego vitam aeternam do eis, et non peribunt in æternum, et non rapiet eas quisquam de manu mea
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