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#1

Jean-Pierre de Caussade (1675 - 1751), Jesuit - Johannes 21,20-25.

in Neues Testament 06.06.2014 22:03
von blasius (gelöscht)
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Evangelium nach Johannes 21,20-25.

In jener Zeit sprach Jesus zu Simon Petrus: Folge mir! Petrus wandte sich um und sah, wie der Jünger, den Jesus liebte, diesem folgte. Es war der Jünger, der sich bei jenem Mahl an die Brust Jesu gelehnt und ihn gefragt hatte: Herr, wer ist es, der dich verraten wird?
Als Petrus diesen Jünger sah, fragte er Jesus: Herr, was wird denn mit ihm?
Jesus antwortete ihm: Wenn ich will, daß er bis zu meinem Kommen bleibt, was geht das dich an? Du aber folge mir nach!
Da verbreitete sich unter den Brüdern die Meinung: Jener Jünger stirbt nicht. Doch Jesus hatte zu Petrus nicht gesagt: Er stirbt nicht, sondern: Wenn ich will, daß er bis zu meinem Kommen bleibt, was geht das dich an?
Dieser Jünger ist es, der all das bezeugt und der es aufgeschrieben hat; und wir wissen, daß sein Zeugnis wahr ist.
Es gibt aber noch vieles andere, was Jesus getan hat. Wenn man alles aufschreiben wollte, so könnte, wie ich glaube, die ganze Welt die Bücher nicht fassen, die man schreiben müßte.

Samstag der 7. Osterwoche

Kommentar zum heutigen Evangelium

Jean-Pierre de Caussade (1675 - 1751), Jesuit

Die Hingabe an die göttliche Vorsehung, Kap. 11, § 191 f
„Die ganze Welt könnte die Bücher nicht fassen, die man schreiben müsste“
Von Anbeginn der Welt lebt Jesus Christus in uns; unser ganzes Leben lang wirkt er in uns…; er hat in sich selbst ein nie endendes Leben begonnen und setzt es in seinen Heiligen fort… Wenn „die ganze Welt all das nicht fassen kann“, was man über Jesus schreiben könnte, über das, was er getan oder gesagt hat, über sein inneres Leben; wenn das Evangelium uns davon nur mit einigen wenigen Strichen berichtet; wenn die erste Stunde so unbekannt und fruchtbringend ist: wie viele Evangelien müssten geschrieben werden, um die Geschichte des mystischen Lebens Jesu Christi in jedwedem Augenblick festzuhalten, wodurch die Wunder ins Unendliche und ewig vervielfacht werden? Denn alle Zeiten sind eigentlich nichts anderes als eine Geschichte seines göttlichen Tuns. Der Heilige Geist ließ einige Augenblicke dieser ausgedehnten Zeitdauer durch Männer von tadellosem und unbestrittenem Charakter festhalten. Er ließ in der Heiligen Schrift einige Tropfen dieses Meeres sammeln; er ließ uns erkennen, auf welch geheime und unbekannte Art und Weise er Jesus Christus der Welt offenbart hat…

Der Rest der Geschichte dieses göttlichen Handelns, der in dem ganzen mystischen Leben besteht, das Jesus bis zum Ende des Zeiten in den heiligen Seelen führt, ist allein Gegenstand unseres Glaubens… Der Heilige Geist schreibt Evangelien nur noch in den Herzen; alles Tun, jeder Augenblick des Lebens der Heiligen ist Frohbotschaft des Heiligen Geistes; die heiligen Seelen sind das Papier, ihre Leiden und Taten sind die Tinte. Mit der Feder seines Handelns schreibt der Heilige Geist ein lebendiges Evangelium. Man wird es erst am Tag der Herrlichkeit lesen können oder es veröffentlichen: wenn es dem Druck des irdischen Lebens nicht mehr unterliegt.

Welch schöne Geschichte, welch schönes Buch der Heilige Geist jetzt schreibt! Es vergeht kein Tag, an dem nicht seine Buchstaben zusammengefügt werden, Tinte fließt, Bögen von Papier damit gefüllt werden. Wir jedoch sind in der Nacht des Glaubens: das Papier ist schwärzer als die Tinte…; es ist die Sprache der anderen Welt, für uns unverständlich. Wir können dieses Evangelium erst im Himmel lesen.

http://evangeliumtagfuertag.org/


zuletzt bearbeitet 06.06.2014 22:04 | nach oben springen


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