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Ewiges Leben braucht Hören

in Predigten 18.04.2013 21:56
von blasius (gelöscht)
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Die Sonntagspredigt

21. April 2013
4. Ostersonntag

Ewiges Leben braucht Hören

von Sr. Franziska Mitterer, Schwestern vom Hl. Kreuz, Neuötting

In jener Zeit sprach Jesus: 27Meine Schafe hören auf meine Stimme; ich kenne sie und sie folgen mir. 28Ich gebe ihnen ewiges Leben. Sie werden niemals zugrunde gehen und niemand wird sie meiner Hand entreißen. 29Mein Vater, der sie mir gab, ist größer als alle und niemand kann sie der Hand meines Vaters entreißen. 30Ich und der Vater sind eins. Joh 10,27-30

Haben Sie schon einmal erlebt, dass Ihnen jemand aufmerksam zugehört hat? Erinnern Sie sich, wie Ihnen diese Erfahrung Raum gegeben hat? Wie Sie sich ernst genommen fühlten? Vielleicht auch lebendiger als im normalen Alltagsablauf? Und umgekehrt: haben Sie bemerkt, wie Menschen aufblühen, wenn Sie ihnen einfühlsam zuhören? Es ist egal, auf welcher Seite man gerade ist: ob man zuhört oder ob einem zugehört wird.

Bei Einkehrtagen habe ich es neulich erlebt: eine Teilnehmerin, die mir gegenüber saß, lauschte mit sichtlichem Interesse meinen Worten. Bisweilen nickte sie – ich spürte ihre innere Zustimmung. Und ihren Durst danach, mehr zu hören. Ihre Nachfragen ließen mich Aussagen formulieren, über die ich selber staunte. Das gute Zuhören ermächtigte mich zum Wort. Gut zuhören kann nur, wer nicht immer schon alles besser weiß. Und wer nicht mit der Auffassung lebt, dass er eigentlich nicht nötig hat, zuzuhören. Vor notorischen Besserwissern zu reden, ist eine unangenehme und auch anstrengende Aufgabe. Bei den oben erwähnten Einkehrtagen spürte ich, dass die innere Anteilnahme der Gruppe mich beflügelte. Das liebevoll-aufmerksame Zuhören eröffnete mir einen Raum. Gleichzeitig war auch mein eigenes Hinhören darauf, was die Gruppe brauchte, ein wichtiger Faktor. Nur, wer zuerst hören kann, ist fähig zu sprechen. Es hat der Veranstaltung eine andere Richtung gegeben, als ich ursprünglich geplant hatte. Die Teilnehmenden zeigten Dankbarkeit über das Gehörte, das sie auf ihrem Glaubensweg bestärkte. Der dabei entstandene Raum ließ Hoffnung und Lebendigkeit aufkommen. Ein Beschenktsein auf beiden Seiten. Diese Erfahrung hat mich etwas von der inneren Botschaft des Sonntagsevangeliums verstehen lassen. Jesus verheißt darin denen, die auf seine Stimme hören, „Ewiges Leben“. Ein großes Geschenk. Und nur zu erlangen durch „Hören“. Nicht durch das Verrichten bestimmter Gebete, nicht durch das Vollbringen guter Werke. Nein, wer auf Jesus hört, dem wird ewiges Leben zugesagt. Also, auch Jesus „braucht“ dieses aufmerksame Zuhören, damit er das Kostbarste seiner Sendung, das Ewige Leben, verschenken kann. Jesus macht sich mit seiner Einladung zum Ewigen Leben vom Zuhören des Menschen gleichsam abhängig.

Gleichzeitig ist Jesus selber im kurzen Evangelium des vierten Sonntags der Osterzeit als Hörender dargestellt: er ist auf den Vater hin orientiert. Jesus sagt über die auf ihn hörenden Menschen: „niemand wird sie meiner Hand entreißen“ (Joh 10, 28b). Und er bekräftigt diese Zusage mit dem Hinweis auf den Vater: „Mein Vater, der sie mir gab, ist größer als alle.“ (V 29) Bemerkenswert: Jesus weist auf dieses Hören im vorliegenden Evangelium innerhalb eines Streitgesprächs hin. Der Konflikt zwischen Jesus und seinen Diskussionspartnern findet in Jerusalem beim Tempelweihfest statt. Der äußere Rahmen des Gesprächs ist also keine beschauliche Idylle, in der ein Austausch über eine gelungene Kommunikation stattfindet. Tröstlich für uns: im ganz normalen Alltagsgeschäft, in dem es nicht immer ruhig und beschaulich zugeht, sind wir zum Hören eingeladen.

Hören hat mit „empfangen“ zu tun. Echtes Hören braucht Achtsamkeit, Wachsamkeit, Ehrfurcht und auch eine innere Beziehung zum Sprechenden. Wundert es uns, wenn Jesus diese innere Nähe zwischen ihm und seinen Freunden in einer Bildsprache zum Ausdruck bringt? „Meine Schafe hören auf meine Stimme; ich kenne sie und sie folgen mir.“ (Joh 10, 27). Da schwingt Vertrautheit mit. Eine Lebensbeziehung klingt an.

Das Bild vom guten Hirten in der damaligen Kultur hat mehrere Beziehungs-Seiten: der zärtliche Leiter einer Herde, der jedes einzelne Tier kennt und ins Herz geschlossen hat; gleichzeitig der energisch Zupackende, der mit Entschlossenheit und Mut bis zur Lebenshingabe gegen die wilden Tiere und Räuber kämpft, die seine Herde bedrohen.

Die Sehnsucht nach dem ewigen Leben, das vom Tod nicht mehr berührt werden kann, lebt in jedem von uns. Es berührt mich, dass Menschen, die an der Schwelle des Todes endgültig in das Ewige Leben eintreten, und bei denen die Sinnesorgane langsam absterben, bis zum letzten Atemzug hören können.

Selbst im Sterben zeigt es sich: Ewiges Leben, das in unserer Beziehung zu Jesus jeden Tag neu beginnt, braucht das Hören.

Aus: http://predigt.kapuziner.org/

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