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30. Januar Die heilige Martina kniet im römischen Zirkus und betet, während ein Löwe an ihr vorbei springt.

in Unsere Fürsprecher 30.01.2020 10:34
von Blasius • 2.873 Beiträge



Die heilige Martina kniet im römischen Zirkus und betet, während ein Löwe an ihr vorbei springt.


Diese berühmte Jungfrau, eine der Schutzheiligen Roms, die Papst Urban VIII. selbst in einer herrlichen Hymne besungen hat, stammte aus einer der edelsten Familien dieser Stadt. Ihr Vater hatte dreimal die Konsulwürde bekleidet und war sehr reich wie an schönen Tugenden so auch an zeitlichen Gütern.

Martina, mit der größten Sorgfalt im christlichen Glauben und Leben unterrichtet, verlor schon in zartem Alter beide Eltern. Aus Liebe zu Christus, die ihr Herz entflammte, verteilte sie mit wundersamer Freigebigkeit das Geld, welches sie in hohem Überfluss besaß, unter die Armen, gelobte beständige Jungfräulichkeit und wurde wegen ihrer hervorragenden Tugenden des Geistes und Herzens unter die Diakonissinnen aufgenommen, eine Ehre, zu welcher nur erprobte Frömmigkeit den Weg bahnte.

Kaiser Alexander Severus (vom Jahr 222 bis 235), entschlossen, die Sekte der Galiläer – so nannte man die Christen – auszurotten, bot Alles auf, um die wegen ihrer Schönheit, ihres Adels und ihrer Mildtätigkeit im höchsten Ansehen stehende Martina für sich zu gewinnen und versprach ihr, sie zur Mitregentin zu erheben, wenn sie dem Apollo opfere.

Martina erklärte: „Dem unbefleckten Gott will ich opfern, damit mein Opfer den Apollo zu Schanden mache, und er aufhöre, Seelen zu verderben.“ Der Kaiser deutete diese Rede fälschlicher Weise als eine Einwilligung, veranstaltete ein feierliches Opferfest und führte Martina in den Tempel des Apollo, wo die Götzenpriester mit vielem Volk versammelt waren. In lautloser Stille waren aller Augen auf sie gerichtet; sie bezeichnete sich andächtig mit dem heiligen Kreuz, erhob Hände und Augen flehentlich zum Himmel und betete mit lauter Stimme: „O mein Herr und Gott, erhöre meine Bitte und zertrümmere dieses blinde und stumme Götzenbild, damit der Kaiser und sein Volk erkenne, daß Du der allein wahre Gott bist, und daß man keine anderen Götter anbeten dürfe, als nur Dich!“ In demselben Augenblick erschütterte ein Erdbeben die ganze Stadt, das Götzenbild des Apollo fiel vom Altar herab in hundert Stücke, ein Teil des Tempels stürzte ein und begrub die Götzenpriester mit vielen Anwesenden unter seinem Schutt. Wütend über diesen Ausgang des Opfers befahl der Kaiser, daß Martina ins Angesicht geschlagen, mit Ruten gegeißelt, und ihr mit Zangen das wunde Fleisch vom Leib gerissen werde. Die Schergen strengten ihre Kräfte bis zur gänzlichen Ermüdung an; aber ein Engel stärkte und beschützte die heilige Martina so wunderbar, daß sie in der Glut der Schmerzen in frohlockender Begeisterung Jesum Christum lobpries und verkündete, und die Schergen zum Glauben an Ihn aufforderte. Die Gnade begleitete ihre Worte: acht Schergen sanken auf ihre Knie; baten die Dulderin um Verzeihung der ihr angetanen Mißhandlungen und bekannten laut ihren Glauben an Jesus Christus. Ergrimmt über diesen Vorfall ließ der Kaiser die Jungfrau ins Gefängnis führen, die acht Bekenner mit eisernen Krallen zerfleischen, und da er ihre Standhaftigkeit nicht zu besiegen vermochte, enthaupten.

Am anderen Tag ließ Severus die „Zauberin“ wieder vor sich kommen und höhnte: „Betrügerin, jetzt wollen wir sehen, wie weit du deine Künste noch treibst! Willst du den Göttern des Staates opfern, oder es noch länger mit Christus, dem Schwarzkünstler, halten?“ In edler Entrüstung sprach die Heilige: „Halt ein, lästere nicht meinen Gott; wenn du Peinen vorrätig hast, wende sie nur an, ich fürchte sie nicht, Gott wird mich stärken!“ Unmenschlich wurde Martina am ganzen Leib geschlagen, zerschnitten, ihre Glieder verrenkt; aber keine Folter schwächte die Freudigkeit ihres Mutes, in lauten Lobgesängen preis sie Gott, und ein süßer Wohlgeruch entströmte ihren klaffenden Wunden. Ratlos in seiner Ohnmacht ließ der Kaiser die halbtote wieder in den Kerker werfen; aber wie staunte er, als am folgenden Tag die Wächter ihm anzeigten, Martina`s Wunden seien vollständig geheilt, während der ganzen Nacht hätten sie ihr Gefängnis von einem wunderbaren Lichtglanz erleuchtet gesehen und ein mehrstimmiges Beten und Singen gehört.

In wildem Unmut befahl Severus, sie ins Amphitheater zu führen und den Löwen vorzuwerfen; er selbst wollte dabei zuschauen. Martina kniete in entzückendes Schönheit auf dem Sand und betete; der hungrige Löwe stürzte brüllend aus dem Zwinger und legte sich, von unsichtbarer Macht gezähmt, schmeichelnd zu ihren Füßen; dann erhob er sich, flog in rasendem Sprung über die hohen Schranken und tötete viele Zuschauer. Der erboste Kaiser schrieb dieses Wunder der Zauberei Martina`s zu und glaubte entdeckt zu haben, daß diese Zauberkraft in ihren Haaren liege. Sogleich befahl er, ihr Haupt kahl zu scheren und sie in den Tempel des Jupiter, in welchem noch zwölf andere Götter verehrt wurden, einzusperren. An den folgenden zwei Tagen ging Severus mit Priestern und dem Volk zum Tempel, aber er trat nicht hinein, weil man viele Männerstimmen darin hörte und meinte, Jupiter habe seine Götter versammelt, um Martina zu bekehren. Erst am dritten Tag wurde der Tempel geöffnet zum festlichen Opfer; aber – alle Götzenbilder lagen zertrümmert am Boden. Entrüstet fragte der Kaiser, wo Jupiter sei? Martina sprach lächelnd: „Er hat Christo, meinem Herrn, Rechenschaft geben müssen, daß er die zwölf Götzen hier nicht vom Untergang gerettet; und zur Strafe hat ihn mein Gott den Teufeln übergeben, welche ihn dann zerrissen.“ Über diesen Spott rasend befahl der Kaiser, sie mit heißem Fett zu übergießen und im Feuer zu verbrennen. Aber ein furchtbarer Regenschauer löschte plötzlich die Flammen. Auf dieses neue Wunder folgte endlich das Todesurteil durch das Schwert. Martina dankte für diese Gnade und beugte freudig ihr Haupt unter den Streich, der sie für immer mit Jesus vereinigte. Ihre heilige Leiche wurde von den Christen heimlich beigesetzt und befindet sich jetzt in der prachtvollen Kirche, welche zu ihrer Ehre beim Triumphbogen des Severus erbaut ist. –

aus: Otto Bitschnau OSB, Das Leben der Heiligen Gottes, 1881, S. 74 – S. 75

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Liebe Grüße, Blasius


zuletzt bearbeitet 30.01.2020 10:35 | nach oben springen


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