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21. Oktober Heiliger Hilarion von Gaza, Einsiedler (Irdische Güter)

in Unsere Fürsprecher 21.10.2019 08:40
von Blasius • 2.514 Beiträge



Das Leben dieses berühmten Einsiedlers hat umständlich der hl. Hieronymus geschrieben;
ich nehme jedoch, weil die Beschreibung zu groß ist, nur einzelne Stücke daraus.

Hilarion hatte heidnische Eltern, somit war er gleichsam eine Rose, die aus den Dornen heraus gewachsen ist. Während er in Alexandria studierte, gelangte er zum christlichen Glauben, mied alle Lustbarkeiten, sein Vergnügungsort war die Kirche. Als er von dem hl. Antonius hörte, suchte er ihn auf, blieb einige Monate bei ihm in der Wüste, um seine ganze Lebensweise genau kennen zu lernen. Dann kehrte er nach Haus zurück, gab von seinem ererbten Vermögen eine Hälfte seinen Brüdern, die andere Hälfte den Armen. Und nun zog er sich entblößt von allem in eine Wüste zurück, obschon er erst 15 Jahre alt war und von ganz schwächlicher Gesundheit. Hier führte er nun ein fruchtbar strenges Leben; gegen die Hitze und den Regen gönnte er sich nichts als eine kleine Hütte, welche eng war wie ein Grab; er schlief auf nackter Erde, sein Kleid war ein Sack.

Sein Fasten wurde mit den Jahren immer strenger, so daß er als Greis von 80 Jahren erst nach Sonnen-Untergang sein Essen zu sich nahm, das in wilden Kräutern und etwas Gerste bestand. Einmal kamen Räuber zu ihm und sagten gleichsam zum Scherz:

„Was würdest du tun, wenn Räuber zu dir kämen?“ – Hilarion antwortete:

„Ein Nackter fürchtet keine Räuber.“ – Jene sagten: „Wohl aber könntest du umgebracht werden.“ – „Das kann ich“, sagte er; „und deswegen fürchte ich keine Räuber, weil ich zu sterben bereit bin.“ – Da bewunderten diese Verbrecher eine solche Seelenstärke, gestanden ihren bösen Wandel und versprachen Besserung des Lebens.

Nach mehreren Jahren geschahen auch große Wunder auf die Fürbitte des Heiligen, und darum nahmen eine Menge Leute ihre Zuflucht zu ihm und erhielten Hilfe in den verschiedensten Nöten und Angelegenheiten. In der Leibwache des Konstantius war ein Deutscher, welcher von Kindheit an von einem bösen Geist besessen war, der ihn jede Nacht zwang zu heulen und mit den Zähnen zu knirschen. Dieser hatte auch von dem hl. Hilarion gehört und faßte Vertrauen zu ihm; er suchte bei dem Kaiser um Urlaub an und eröffnete ihm sein Vorhaben zum hl. Hilarion zu reisen. Der Kaiser gab ihm ein Empfehlungs-Schreiben an den Statthalter von Palästina. Als nun der Deutsche nach Gaza kam und sein Schreiben vorzeigte, wurde er mit vieler Ehre aufgenommen und mit einem großen Gefolge zu Hilarion hingeleitet. Dieser war gerade im Gebet begriffen; er grüßte Alle und segnete sie, dann aber hieß er sie fort gehen und nur der Deutsche mit seiner Dienerschaft solle zurück bleiben. Denn er sah ihm an den Augen und im Gesicht an, weshalb er gekommen. Als Hilarion nun den Teufel beschwor, brüllte er mit ungeheurer Stimme aus dem Besessenen und redete in syrischer Sprache, da der Deutsche sonst nur deutsch und lateinisch reden konnte. Der böse Geist gab an, wie er Gewalt bekommen habe in diesen Menschen einzugehen. Allein Hilarion sagte: „Es kümmert mich nicht, wie du eingegangen bist, sondern daß du hinaus gehst befehle ich dir im Namen unseres Herrn Jesus Christus.“ Da der Deutsche fühlte, daß ihm nun geholfen sei, wollte er in seiner Einfalt dem Heiligen zehn Pfund Gold schenken; Hilarion reichte ih ein Gerstenbrot und sprach: „Die, welche von solcher Speise sich nähren, sehen das Gold für Unrat an.“

Ein vornehmer und sehr reicher Mann aus Aila, einer Stadt am Roten Meer, bekam gleichfalls durch den hl. Hilarion Hilfe von einer sehr schweren Plage. Bald darauf kam er mit Frau und Kindern und brachte sehr viele Geschenke, um dem Heiligen damit seinen Dank zu erweisen. Hilarion sagte: Hast du nicht gelesen, was dem Giezi und was dem Simon widerfahren ist, jenem, weil er für die Gnade des hl. Geistes Bezahlung annahm, diesem, weil er sie anbot?“ – Da sagte der Geheilte unter Tränen: „Nimm es an und gib es den Armen.“ – Hilarion antwortete: Du kannst besser das Deinige verteilen, da du in Städte kommst und die Armen kennst. Ich, der ich das Meinige verlassen habe, warum soll ich Fremdes begehren? Vielen wird der Name der Armen ein Vorwand zum Geiz. Niemand gibt besser, als wer nichts für sich behält.“

Es entstanden in Palästina viele Klöster, deren Mönche den hl. Hilarion als ihren obersten Meister und höchstes Muster betrachteten, und in welchen er zeitweise Visitation hielt. Ganz besonders verabscheute er es, wenn ein Mönch im Misstrauen gegen Gott für die Zukunft sparte und sich einen Vorrat von Lebensmitteln, Kleidung oder dergleichen hielt. Einen, von welchem Hilarion wußte, daß er gar zu sorgfältig sein Gärtchen hüte und etwas Geld aufbewahre, hatte er geheißen ihm aus den Augen zu gehen. Um den hl. Hilarion wieder zu versöhnen, brachte er dessen Lieblings-Jünger die ersten grünen Erbsen, daß dieser sie dem Meister vorsetze. Als sie nun Abends aufgestellt wurden, rief Hilarion, er könne den Gestank davon nicht aushalten, wer sie gebracht habe? Der Jünger sagte es ihm. Da sprach Hilarion: „Riechst du nicht den abscheulichen Geruch und daß aus den Erbsen der Geiz heraus stinkt? Gib sie den unvernünftigen Tieren und schau, ob sie dieselben fressen.“ Da der Jünger nun dem Befehl gemäß sie in die Krippe warf, wurden die Ochsen scheu, brüllten heftig, rissen die Seile entzwei und liefen davon. Der Greis hatte nämlich die Gnade, daß er aus dem Geruch des Körpers, der Kleider oder sonstiger Habseligkeiten eines Menschen merkte, welcher Geist oder welches Laster in ihm herrschend sei.

Ich habe nun mehrere Beispiele angeführt, wie sich der hl. Hilarion in Bezug auf das Eigentum verhalten und wie er es angesehen hat. Er hat den Rat, welchen der Heiland dem reichen Jüngling gegeben hat, der aber diesem zu hart vorkam, vollkommen befolgt und ist dadurch zur wahren fröhlichen Freiheit des Geistes gelangt. Auch rechte Ordensleute befolgen diesen Rat und haben und wollen nur das, was zum Leben notwendig ist, indem sie auf persönliches Eigentum verzichten. Wer dieses tut, der wird frei von zahllosen Unruhen und Versuchungen. Gerade das Eigentum ist es ja so oft, was die nächsten Freunde und Verwandte in Feindseligkeit trennt, was den Menschen von Gott trennt, was ihm, z. B. Wenn er einen Prozess hat, schlaflose Nächte macht, was seine Seele mit dem Rauch der Sorge verfinstert. Musst du deiner Verhältnisse wegen Eigentum besitzen, so suche wenigstens innerlich frei zu bleiben, damit es dir nicht auf der Seele wie ein großer Grabstein sitze. Prüfe dich einmal hierüber. Mancher meint, er sei innerlich frei und ist es doch nicht. Wie ein Vogel erst fühlt, daß er an einer Schnur gebunden ist, wenn er weiter fliegen will als sie reicht: so fühlt der Mensch auch erst, daß sein Herz von Anhänglichkeit ans Irdische umgarnt ist, wenn er sich davon trennen will. Bei Verlusten, bei schuldigen Vergütungen, bei größeren Abgaben oder sonstigen Ausgaben, bei Unterstützung fremder Not, da wird es dir vielleicht jämmerlich um das Herz – das ist aber ein Zeichen, daß dir das Eigentum mit dem Herzen verwachsen ist, daß es vom Geiz angefressen ist. Suche herzhaft die Liebe Gottes und gewöhne dich und die Deinigen an wenige Bedürfnisse – dann wirst du auch frei werden von der Sklaverei des Mammons.

Der Zulauf zu dem hl. Hilarion wurde immer größer, deshalb zog er mit zwei seiner Jünger in eine Einöde bei Aphroditus, um daselbst in vollkommener Entsagung und Stillschweigen Gott zu dienen. Damals aber regnete es in jener Gegend drei Jahre lang nicht; halb verhungert kamen die Leute scharenweise zu Hilarion, um von ihm Hilfe durch sein Gebet zu erlangen. Der Mann nun, welcher sich selbst freiwillig ganz arm gemacht hatte, wurde von dem gerechten Gott in Stand gesetzt, zahllosen Menschen in der Not zu helfen. Als Hilarion aus Erbarmen seine Augen und Hände zum Himmel hob und den herrn anrief, erfolgte sogleich der ersehnte Regen. Aber die allgemeine Verehrung der Leute trieb ihn auch von hier wieder fort. Es war aber dem Heiligen aus doppeltem Grund daran gelegen, einen Ort zu finden, wo ihn Niemand kannte, einmal um dem Zulauf seiner Verehrer zu entgehen, dann aber auch, weil ihn der abtrünnige Kaiser Julian ausschreiben und verfolgen ließ.

Hilarion bestieg deshlab mit einem Jünger ein Schiff, welches nach Sizilien fuhr. Als er da angelangt war, wollte er dem Schiffsherrn sein Evangelienbuch, das er in der Jugend selbst geschrieben hatte, als Fährlohn geben. Da aber dieser sah, daß Hilarion außer diesem Buch und seinem Kleid nichts besaß, nahm er es nicht an. Um in Sizilien nicht durch Reisende erkannt zu werden, zog er sich in eine Wildnis zurück. Dort machten sie täglich eine Fahrt Holz und trugen es zum Verkauf in die nächste Stadt; von dem Erlös kauften sie sich Nahrung, und Brot für die, welche etwa zu ihnen kämen. Auch hier kamen wieder wunderbare Heilungen vor; ein vornehmer Mann wurde auf der Stelle von der Wassersucht geheilt, als er zu Hilarion kam. Als aber dieser dem Heiligen unermesslich reiche Geschenke brachte, wurde ihm einfach der Spruch des Heilandes entgegen gehalten: „Umsonst habt ihr es empfangen, umsonst gebt es.“

Nach einiger Zeit war sein Ruf wieder so verbreitet, daß er dem großen Zulauf durch eine neue Ortsveränderung auszuweichen bedacht war. Er begehrte in einem Land zu wohnen, wo ihm selbst die Sprache fremd wäre, und reiste deshalb nach Dalmatien. Aber daselbst ging es ihm wieder wie in Sizilien, indem auch hier bald große Wunder durch ihn geschahen. So z. B. befreite er das Land von einer schweren Plage, von einer Riesenschlange, welche Menschen und Vieh verschlang. Er ließ nämlich einen Scheiterhaufen errichten, betete zu Christus, rief dann die Schlange, und befahl ihr auf den Scheiterhaufen zu gehen, und verbrannte dann vor dem Volk das Tier.

Weil Hilarion nun auch hier nicht fand, was er suchte, unbeobachtet von der Welt in Abgeschiedenheit zu leben, so machte er einen neuen Versuch und fuhr mit einem Schiff nach der Insel Zypern. Allein da wurde er verraten durch die bösen Geister, von denen sehr viele Menschen damals besessen waren. Endlich fand er auf der Insel zwischen abgelegenen und rauhen Bergen einen Ort, wo man kaum mit Händen und Füßen klettern konnte; in der Nähe war auch ein zerfallener Heidentempel. Da nun zugleich diese Gegend sehr verrufen war, als hielten sich dort Gespenster auf, so fand endlich Hilarion daselbst die gewünschte Ruhe. Er wurde selten hier von Jemanden besucht außer von seinem treuen Jünger Hesychius.

Nachdem er fünf Jahre hier zugebracht hatte, wurde er krank. Dem Hesychius vermachte er sein ganzes Vermögen, nämlich sein Evangelium und sein Kleid. Es waren noch einige fromme Männer gegenwärtig, als es mit ihm zum Sterben kam. Schon war er fast ganz kalt und wie tot, da sprach er: „Geh` hinaus, meine Seele, was fürchtest du dich? Geh` hinaus, was zögerst du? Fast siebenzig Jahre hast du Christus gedient, und fürchtest den Tod?“ Mit diesen Worten hauchte er seinen Geist aus.

Wie ganz anders muss sich erst die Seele desjenigen sträuben auszuscheiden, dem das Irrdische sein höchstes Gut ist? Und wie muss sich erst die Seele fürchten hinüber zu gehen, welche niemals in diesem Leben ernstlich Gott gedient hat? Sorge vor, bevor jene schwere Stunde kommt. –

aus: Alban Stolz, Legende oder der christliche Sternhimmel, Bd. 4 Oktober bis Dezember, 1872, S. 119 – S. 124

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Liebe Grüße, Blasius


zuletzt bearbeitet 21.10.2019 08:42 | nach oben springen


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