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Noes Söhne Sem, Cham und Japhet - Noes Fluch und Segen und seine Erfüllung

in Schon gewusst ? 10.10.2019 12:44
von Blasius • 2.514 Beiträge



„Die Söhne Noes, welche aus der Arche gingen, hießen Sem, Cham und Japhet; Cham aber ist der Vater Kanaans. (1) Von diesen drei Söhnen Noes ist das ganze Menschengeschlecht entsprossen auf der ganzen Erde. Und Noe, ein Ackersmann, fing an, die Erde zu bebauen, und pflanzte einen Weinberg; und da er Wein trank, ward er trunken und lag entblößt in seiner Hütte. Als dies Cham, der Vater Kanaans, sah, sagte er es draußen seinen beiden Brüdern. Aber Sem und Japhet legten einen Mantel (2) auf ihre Schultern, gingen mit abgewandtem Angesicht hin und bedeckten die Blöße ihres Vaters.“ (3)

Aus dem ganzen übrigen Leben Noes, das noch 350 Jahre dauerte, wird nur dieser eine Vorgang erwähnt, der für den Verlauf der göttlichen Offenbarung unter den Menschen von Bedeutung ist, sofern er Anlass wurde zur Ausscheidung eines Teiles der Menschheit für eine besondere göttliche Führung, sowie zu einer zweiten messianischen Prophezeiung. Der Vorgang ereignete sich bald nach der Flut, aber immerhin ein oder mehrere Jahrzehnte später, da ein Sohn Chams erwähnt wird, der ihm erst nach der Sündflut geboren wurde. Daß Noe die Kraft des Weines nicht kannte, sagt die Erzählung nicht, wohl aber schließen es die heiligen Väter und suchen Noe von Schuld zu entlasten. (4)

„Als aber Noe erwachte und erfuhr, was ihm sein jüngerer Sohn getan, sprach er: Verflucht sei Kanaan, Knecht der Knechte (niedrigster Knecht) sei er seinen Brüdern! Und er sprach: Gepriesen sei der Herr (Jahve), der Gott Sems: Kanaan sei sein Knecht! Gott breite Japhet aus, und er wohne in den Hütten Sems, und Kanaan sei sein Knecht!“ (5)

In Kanaan wird Cham gestraft; wie dieser gegen seinen Vater gesündigt, so soll er in seinem Sohn gestraft werden, der nach jüdischer Überlieferung an der Sünde seines Vaters sich beteiligte und jedenfalls dessen Bosheit nachahmte. „Im Sohn“, sagt darum der hl. Ambrosius, „wird der Vater, und im Vater der Sohn gestraft, da sie Teilnehmer derselben Torheit, Nichtswürdigkeit und unkindlichen Gesinnung waren.“ Noes Fluch wie Segen war nach den heiligen Vätern die Kundgebung einer ihm von Gott gewordenen Offenbarung über die Geschicke der nachsündflutlichen Menschheit und namentlich über die Beziehung ihrer Hauptstämme zu Verheißung des Messias. Der prophetische Spruch betrachtet Gesinnung und Charakter der Stammväter als vorbildlich, maßgebend und bestimmend für die weitere Entwicklung ihres Geschlechtes und eröffnet demgemäß eine große Perspektive auf die Entwicklung der von Noes Söhnen abstammenden Menschheit.

Die Erfüllung liegt im allgemeinen klar und deutlich vor uns, wie schon der hl. Augustin (6) hervorhebt. Sem wurde der Träger der Verheißungen; von ihm stammte das auserwählte Volk Gottes und der göttliche Erlöser ab, „in dem alle Völker der Erde gesegnet wurden“. (7) Das Geschlecht Japhets breitete sich am weitesten aus, eroberte auch die Länder der Nachkommen Sems, besonders Kanaan, wurde dadurch aber wieder mit der wahren Religion bekannt und trat, als die Juden den Erlöser verwarfen, in deren Stelle ein, worauf der hl. Paulus hindeutet: „Ich will euch, Brüder, über dieses Geheimnis nicht in Unwissenheit lassen, daß die Blindheit eines Teiles von Israel dauert, bis die Fülle der Heiden eingegangen ist; und so wird (zuletzt) ganz Israel gerettet werden.“ (8) Schwieriger liegt die Sache mit den nachkommen Chams. Hier genügt es nicht, auf die Bewohner des größten Teils von Afrika zu verweisen, die, bis heute am tiefsten in heidnischem Aberglauben und Barbarei versunken, die Wahrheit des Evangeliums am schwersten zugänglich sind und, oft über weite Meere fortgeschleppt, in trauriger Sklaverei schmachten. Eine solche Knechtschaft traf nicht alle Nachkommen Chams, und sie lastete auch nicht immer auf den Bewohnern Afrikas. Vielmehr bildeten gerade die Chamiten „die erste Völkerwelle, die sich über das südliche und westliche Asien und besonders über Afrika ergoss; dieselben haben für Mechanik, Mathematik, große Bauten, insbesondere für Handel Sinn, dabei lieben sie derben (sinnlichen) Genuss. Phönizier, Karthager, Ägypter sind Chamiten. Sie nahmen von den Semiten zum Teil die Sprache, später die Religion an und wurden den Japhetiden, Griechen und Römern, dienstbar“ (9); jedoch erst nachdem sie ihren Anteil an der Weltherrschaft gehabt hatten. Man wird also sagen müssen, daß der Fluch über Cham zunächst nur relativ (im Vergleich zu seinen Brüdern) und mit besonderem Vorzug auf Kanaan ausgesprochen ist. Die Nachkommen des Kanaan (die Kanaaniter) versanken tiefer und immer tiefer in den gräulichsten Götzendienst, in welchem Menschenopfer und Unzucht eine Hauptrolle spielten. (siehe den Beitrag: Vernichtung von Völkern wegen Sodomie) Zur Strafe für ihre Verkommenheit (10) wurden sie von Gott dem Untergang geweiht und von den Israeliten fast ganz ausgerottet. Was von ihnen übrig blieb sowie ihr Land geriet in den Besitz Israels und später mit diesem unter die Herrschaft der Nachkommen Japhets, der Perser, Griechen und Römer. Außerdem muss bei allen derartigen prophetischen Sprüchen beachtet werden, daß nur die Idee ausgesprochen und veranschaulicht wird (hier: Abscheu über die Sünde des Cham und Strafe an seinem eigenen Sohn), nicht aber die Einzelheiten der Verwirklichung, die ja zu einem Teil von moralischen Vorbedingungen (freier Wille, Mitwirkung, Schuld oder Unschuld der Menschen) abhängig ist, und zwar gerade bei Segens-Verheißungen und Strafandrohungen.

Die Härte des väterlichen Fluches zeigt, wie abscheulich die Sünde des Cham in den Augen Gottes gewesen sein muss. Schamhaftigkeit sowie kindliche Ehrfurcht, die auch durch Fehler der Eltern sich nicht beirren läßt, sind die schönste Zierde der Jugend. Dagegen „ein Auge, das seinen Vater verspottet und seine Mutter verachtet, das sollen die Bachraben aushacken und die jungen Adler fressen“. (11)

„Noe lebte nach der Flut noch 350 Jahre, und alle seine tage waren 950 Jahre, und er starb.“ (12) Nach ihm nahm das menschlichen Leben, das bisher bis gegen tausend Jahre gedauert hatte, rasch ab; sein nächster Nachkomme, Sem, erreichte zwar noch ein Alter von 600 Jahren, aber bald sank das Leben bis zu seiner gegenwärtigen kurzen Dauer, so daß es in dem Moses zugeschriebenen Psalm 89 heißt: „Unsere Jahre sind zu achten wie ein Spinngewebe: ihre Zeit ist siebzig und aufs höchste achtzig Jahre; und was darüber, ist Mühsal und Schmerz.“ (13)

Noe war ein Vorbild des Erlösers, dessen wesentliche Züge folgende sind: Noe war unter allen seinen Zeitgenossen allein gerecht und fand Gnade vor Gott. Er arbeitete viele Jahre mit Mühe und Schweiß an dem Bau der Arche und predigte zugleich mit lauter Stimme Buße. – Auf Noes Arche beruhte die einzige Hoffnung und Rettung des Menschengeschlechtes aus den Wogen der Sündflut und den Abgründen der Tiefe, und er wurde dadurch wahrhaftig das, was sein Name besagt: Trost, Retter, wie ihn sein Vater Lamech schon 600 Jahre vor der Flut in prophetischem geist genannt hatte. Als Noe aus der Arche ging, brachte er ein Opfer von allen reinen Tieren, das Gott wohlgefällig aufnahm. Gott machte mit Noe und dessen Söhnen einen Bund und gab ihm durch den Regenbogen ein Unterpfand seiner Huld und seiner fortwährenden Sorge für die Erhaltung der Erde und der irdischen Geschöpfe. Noe wurde erwählt, die Erde mit Menschen und Tieren neu zu bevölkern, diese gleichsam auf ihr neu zu schaffen. Die Vergleichung und Ausdeutung dieser Züge auf Christus ergibt sich von selbst. (14)

Anmerkungen:

(1) Dies wird hier bemerkt, vielleicht um anzudeuten, daß Kanaan, der Sohn Chams, bei der Sünde seines Vaters beteiligt war, oder weil überhaupt das folgende Ereignis so entscheidend wirkte für die Geschichte der Hauptstämme der Menschheit, sofern der Segen des Patriarchen über Sem und Japhet sowie auch sein Fluch über Kanaan nach Gottes Willen sich erfüllen sollte. Auch wurde gerade Kanaan in seinen Nachkommen bedeutungsvoll für das auserwählte Volk.
(2) Hebr. Simlah, ein großes, viereckiges Stück Tuch zum Umhüllen des Körpers.
(3) 9, 18 – 23
(4) S. Chrysost., In Gen. Hom. 29, n. 2 et 4. S. Ambros., De Noe et arca c. 29, n. 111. S. Thom., S. th. 2, 2, q. 150, a. 1. Doch heben sie auch hervor, daß die Heilige Schrift die Fehler und Schwächen der Heiligen nicht verschweigt oder beschönigt. Der hl. Augustinus bemerkt, der Fall der Großen (Heiligen) solle den Kleinen (gewöhnlichen Menschen) nicht zur Belustigung, sondern zur Warnung dienen: non sit delectatio minorum lapsus maiorum, sed sit tremor minorum lapsus maiorum. „Der den Wassern der großen Flut stand gehalten, erliegt dem Weine“ (Franz Delitzsch). Ob erst Noe den Weinstock anbaute und so der Erfinder der Bereitung des Weines war, wie vielfach angenommen wird, ist aus unserer Stelle nicht mit Sicherheit zu entnehmen. Bei Mt. 24, 38 scheint der Heiland auf das Gegenteil hinzudeuten: „Wie sie in den Tagen vor der Flut aßen und tranken“ usw. Die Unerfahrenheit bezüglich der Wirkungen des Weines könnte bei Noe auch eine bloß persönliche gewesen sein.
(5) Gn. 9, 24-27. – Der Wortlaut bezeichnet klar als Anteil des Sem besonderen Segen Gottes, des Japhet „Ausbreitung“ (ausgedehnte, behagliche Wohnsitze, Macht, Glück), des Kanaan Knechtschaft. Der Anteil Sems tritt noch schärfer hervor, wenn als Subjekt des Satzes „er wohne in den Hütten Sems“ nicht Japhet, sondern Gott betrachtet wird (was dem ersten Satzglied entspricht); er sagt dann: Gott schenke dem Sem seine Offenbarung (sein besonderes Wohlwollen), und erklärt näher, wie Jahve der Gott Sems sein werde, d. h. eben dadurch, daß er in dessen Hütten wohnt.
(6) C. Faust. 12, 24.
(7) Vgl. Sir. 49, 19.
(8) Röm. 11, 25f.
(9) Weiß, Weltgeschichte I, LXXVIII.
(10) Vgl. schon Gn. 15, 16; 18, 20ff.; 19, 4ff; Lv. 18, 27f.
(11) Spr. 30, 17.
(12) Gn. 9, 28.
(13) Ps. 89, 9f.
(14) Noch andere Einzelheiten der Vorbildlichkeit Noes und seiner Söhne hebt der hl. Augustin hervor De civ. 1. 16, c. 2. –

aus: Schuster/Holzammer, Handbuch der Biblischen Geschichte, Bd. I, Altes Testament, 1910, S. 236 – S. 239
https://katholischglauben.info/noes-soeh...ham-und-japhet/


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