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10. Oktober - Der heilige Franz von Borgia Ordensgeneral

in Unsere Fürsprecher 10.10.2019 08:01
von Blasius • 2.514 Beiträge



Unsere Andacht gilt heute einem Heiligen, welcher ein leuchtendes Vorbild für alle Stände, für Jünglinge, für Ehegatten, für Witwen, für Priester und adelige, für Hofherren und Fürsten, für Arme und Mönche ist. Franz von Borgia ist sein name und Valencia in Spanien sein Geburtsort. Er war der erstgeborene Sohn des Herzogs von Gandia, erhielt eine vortreffliche Erziehung in der Religion und in den Wissenschaften, und liebte schon als Knabe das Gebet in der stillen Hauskapelle.

Im Alter von zehn Jahren (1520) verlor Franz seine innigst geliebte Mutter durch den Tod, erfuhr die Trübsale einer Revolution gegen seinen Vater und kam unter die Aufsicht seines mütterlichen Oheims, des Erzbischofs von Saragossa, welcher bestens für seine Ausbildung sorgte. Gerne hätte er, zum Jüngling aufgewachsen, den Palast mit einer armen Klosterzelle vertauscht; allein der Vater schickte ihn als Pagen an den Hof des Königs (Kaiser Karl`s V.) nach Valladolid. Hier überhäufte ihn das Glück mit seiner Huld. Der glänzende Adel des Hofes zollte seinem mild frommen Wesen, seiner ritterlichen Würde und Freundlichkeit allgemeine achtung, der Kaiser ehrte ihn durch Verleihung hoher Amtsstellen und großer Einkünfte. Die Kaiserin Isabella vermählte ihn mit ihrer Jugendfreundin Eleonora de Castro, einem durch Schönheit und Anmut, wie durch Seelenadel gleich ausgezeichneten Fräulein ; die süßesten Familienfreuden beseligten ihn. Allein er war stets besorgt, durch ein scharfes Bußkleid, durch tägliches Anhören der heiligen Messe, durch häufige heilige Kommunion und durch pünktliche Beobachtung einer Tagesordnung, sich gegen die Tücke des Glückes zu waffnen. In den wenigen Stunden, die er der Erholung widmete, erfreute er sich an Musik und Gesang – seltener an der Jagd, gar nie am Spiel mit Karten oder Würfeln; „denn, sagte er, man läuft dabei immer Gefahr, drei kostbare Dinge: die zeit, das Geld und das Gewissen zu verlieren.“

Im Jahre 1539 hielt der Kaiser einen Reichstag zu Toledo, prachtvolle Feste, glänzende Fecht- und Ritterspiele folgten einander: da störte ganz unerwartet der Tod diesen Freudenrausch: die junge Kaiserin Isabella starb. Sie war die schönste Fürstin ihrer zeit, erst sechsunddreißig Jahre alt, von allen aufrichtig geliebt wegen ihrer mütterlichen Güte und herablassenden Freundlichkeit.

Franz begleitete von Amtswegen die hohe Verstorbene zur Gruft nach Granada. Vor der Beisetzung der Leiche öffnete er den Sarg, um sich von der Echtheit derselben zu überzeugen. Die viel bewunderte Schönheit und Anmut der Kaiserin war dahin, und die Leiche verbreitete den widerwärtigsten Geruch. Überwältigt von Schauder und schmerz rief Franz aus: „Bist du es wirklich, Donna Isabella? Ist dieses Haupt das meiner Maiserin, meiner Gebieterin? O mein Gott, gib mir Gnade, ich will keinem Herrn mehr dienen, den mir der Tod entreißen kann!“ Er gelobte in einen geistlichen Orden zu treten, wenn er seine Gemahlin überleben sollte. Später äußerte er öfters: „Der Tod der Kaiserin hat mich zum Leben erweckt.“

Franz eilte nach Toledo und bat um seine Entlassung aus dem Hofdienst. Allein der Kaiser wollte den besten seiner Diener nicht entlassen und ernannte ihn zum Vizekönig von Katalonien. Franz gehorchte, regierte sein Volk mit Klugheit, Sorgfalt und Ernst und war für Alle das schönste Vorbild. Täglich betete er den Rosenkranz, täglich beichtete er, an allen Sonn- und Festtagen kommunizierte er, täglich geißelte er sich und schlief nur vier, höchstens fünf Stunden.

Nach dem Tode seines Vaters, 1543, verließ Franz unter lautem Weinen des Volkes Katalonien und übernahm die Regierung seines Herzogtums Gandia. Unermüdlich strengte er alle Kräfte und Mittel an, den zeitlichen Wohlstand, wie auch die religiöse und wissenschaftliche Bildung seiner Untertanen zu heben. Sein Eifer und sein Beispiel brachte es zu Stande, daß Niemand in Gandia es unterließ, alle vier Wochen zu kommunizieren.

Mitten in diesem wohltätigen Wirken entriß ihm 1548 der Tod die geliebte, erst fünfunddreißig Jahre alte Gattin. Sogleich erfüllte er den Wunsch seines Herzens und trat insgeheim in den Orden der Jesuiten, denen er in Gandia bereits ein Collegium mit einer Hochschule gestiftet hatte; allein bis zur Versorgung seiner Kinder mußte er die Regierung noch fortführen. Im Herbst 1550 reiste er dann nach Rom zum hl. Ignatius, der ihn nun öffentlich in den Orden aufnahm. Weil Papst Julius III. ihn mit der Würde eines Kardinals beehren wollte, flüchtete er sich eilig aus Rom, übergab das Herzogtum seinem ältesten Sohn, ließ sich zum Priester weihen und feierte im Schloß Loyola seine Primiz, an der sich eine ungeheure Menschenmenge beteiligte.

In der kleinen Zelle des Collegiums zu Ognate verlebte nun Franz durch Betrachtung, Gebet und Bußwerke geheiligte Tage und verrichtete die geringsten Dienste des Hauses. Hierauf wirkte er als Missionar in der Umgegend, und Scharen von Menschen strömten überall zusammen, um aus dem Munde des hl. Herzogs geistlichen Rat und Trost zu empfangen. Auf Befehl des hl. Ignatius mußte er dann zwei Jahre am Hofe von Portugal das Amt eines Predigers und Beichtvaters versehen, wo ihm die Vornehmen und Großen das aufrichtigste Zutrauen schenkten. Dann mußte er nach Spanien zurück kehren, um die eben so wichtige als mühevolle Stelle eines General-Kommissars über die Ordensprovinzen der pyrenäischen Halbinsel und Indiens zu verwalten. Der Papst bot ihm fünfmal die Kardinalswürde an, fünfmal erwiderte er: „Ich habe den fürstlichen Hermelin nicht abgelegt, um den hohepriesterlichen Purpur anzuziehen.“ Alle Ehrenbezeugungen, die man ihm erwies, betrübten ihn schmerzlich, dagegen Trauriges und Beleidigendes ertrug er mit Heldenmut.

Im Jahre 1565 wurde Franz zum Ordensgeneral gewählt. Er fügte sich mit den wehmütigen Worten: „Oft zwar habe ich Gott um ein Kreuz gebeten, aber an ein solches, wie dieses ist, habe ich nie gedacht.“ Mit der angestrengtesten Tätigkeit und mit der umsichtigsten Sorgfalt leitete er den Orden, der schon 130 Häuser mit 3500 Religiosen zählte, und ihn daher zu sehr weiten und beschwerlichen Reisen verpflichtete. Er vergrößerte in Rom das „deutsche Collegium“, welches für das nördliche Europa jetzt noch ausgezeichnete Priester und Lehrer erzieht; er errichtete in Amerika und in Deutschland große Missionen, denen die katholische Kirche eine reiche Ernte verdankt. Er selbst predigte in Rom, unterrichtete die Kinder, besuchte die Spitäler und leistete außerordentliche Dienste zur Zeit der Pest 1566.

Im Auftrage des Papstes Pius V. begleitete der schon kränkelnde Franz den Kardinal Alessandrini an die Höfe von Spanien und Frankreich, um sie zu einem Kreuzzug wider die Türken zu bewegen. In Spanien wurde er überall, wo es ihm unmöglich war, seine Anwesenheit zu verbergen, mit Jubel und Ehren begrüßt, alles Volk wollte sein Kleid küssen und seinenSegen empfangen. Auf dem Rückweg von Frankreich verschlimmerte sich seine Krankheit, und er kam fast sterbend in Rom an. Nach zwei Tagen entschlief er zur ewigen Ruhe am 1. Oktober 1572 in seinem 62. Jahre.
Die heilige Leiche holte sein Enkel, Kardinal und erster Minister des Königs Philipp III., 1618 nach Madrid und setzte sie in der Jesuitenkirche bei.

Im Jahre 1624 wurde Franz de Borgia von Papst Urban VIII. „selig“ gesprochen und 1671 sein Name von Papst Klemens X. in das Verzeichnis der Heiligen aufgenommen.

aus: Otto Bitschnau OSB, Das Leben der Heiligen Gottes, 1881, S. 752-753
https://katholischglauben.info/der-heili...-ordensgeneral/

Liebe Grüße, Blasius


zuletzt bearbeitet 10.10.2019 12:36 | nach oben springen


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