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Johannes von Damaskus ist der letzte große Kirchenvater des Morgenlandes, der klassische Dogmatiker

in Kirchenväter / Kirchenlehrer 27.03.2019 10:44
von Blasius • 2.514 Beiträge




Stellung und Bedeutung des hl. Johannes


Johannes von Damaskus ist der letzte große Kirchenvater des Morgenlandes,
der klassische Dogmatiker [S. 9] der griechischen Kirche.
Er ist kein produktiver Geist, kein origineller Forscher, sondern ein eifriger Sammler,
ein fleißiger Verwerter überkommener Geistesfrüchte, ein Meister, der mit dem Material baut,
das die großen Denker der Vorzeit geliefert. Grundsatz seines literarischen Schaffens ist,
die Wahrheit nach den Propheten, Aposteln und Vätern vorzutragen,
ohne etwas Eigenes zu ersinnen, auch aus den Schriften der heidnischen Weisen,
die der Wahrheit dienen wie die Mägde der Königin, das Wahre und Brauchbare zu sammeln.

Die Grunddogmen des Christentums, die der Trinität und der Christologie, waren zur Zeit des Johannes bereits festgelegt. Mit dem sechsten allgemeinen Konzil zu Konstantinopel 680 ward die dogmatische Lehrentwicklung im Morgenland im wesentlichen zum Abschluß gebracht. Darum konnte Johannes in dieser Hinsicht nichts Neues bieten, er wollte und durfte es auch nicht. Infolgedessen ist seine schriftstellerische Tätigkeit fast durchwegs reproduzierender Art. Insbesondere hat er in seinem dogmatischen Hauptwerk: „Quelle der Erkenntnis“ die Überlieferung der griechischen Kirche systematisch und übersichtlich dargestellt. Hier legt er die orientalische Kirchenlehre der sieben ersten christlichen Jahrhunderte gleichsam in Verkörperung vor. Er redet darin nicht bloß in den Gedanken, sondern häufig auch in den Worten der bewährten christlichen Altmeister. Darum vermochte dieses in seiner Art großartige Werk geradezu eine Bibliothek der Kirchenväter zu ersetzen, es wurde das klassische Handbuch der Dogmatik für den Orient und blieb es bis auf den heutigen Tag. Mit einem gewissen Recht schreibt im fünfzehnten Jahrhundert der Metropolit Makarius von Ankyra: „Wenn ich den Damaszener nenne, habe ich alle Lehrer und Theologen zusammen genannt. Denn dieser ist Mund und Dolmetsch aller Theologen3.“

[S. 10] Dazu kam noch ein anderer wichtiger Umstand. In der morgenländischen Kirche konnte sich infolge ihres zähen Festhaltens am strengen, starren Traditionsprinzip das theologische Denken nicht so frei und ungehemmt bewegen wie in der abendländischen. Das erklärt zum guten Teil die auffallende Tatsache, daß der Orient keinen Dogmatiker hervorgebracht, der dem Damaszener die Palme streitig gemacht oder ihn gar in Schatten gestellt hätte.

Unsterbliche Lorbeeren erntete Johannes im letzten namhaften Lehrstreit der morgenländischen Kirche, im Bilderstreit. In diesem erbitterten Kampfe war er der einflußreichste Verteidiger der Kirchenlehre. Die Schriften, in denen er mit flammendem Mut die katholische Bilderverehrung verteidigte, zeigen im Vergleich zu seinen anderen Werken größere Selbständigkeit. In seiner Polemik konnte er eben nicht bloß die fertigen Gedanken anderer wiederholen, wenngleich er sorgfältig die Zeugnisse der älteren Literatur über die Bilderverehrung zusammengetragen, sondern er mußte notwendig auch aus seinem eigenen dialektischen Können schöpfen. Dieses sein machtvolles, erfolgreiches Auftreten im letzten nennenswerten Lehrkampf der griechischen Kirche war in hervorragender Weise geeignet, ihn als den maßgebenden Dogmatiker erscheinen zu lassen.

Johannes gilt mit Recht als der gefeiertste Theologe des Byzantinismus, er ist aber auch neben seinem Adoptivbruder Kosmas der angesehenste Kirchendichter. Seine Lieder haben selbst die Gesänge des Romanus, des größten Hymnendichters der byzantinischen Zeit († um 560), aus den liturgischen Büchern der griechischen Kirche verdrängt.

Auch auf das Abendland hat Johannes einen nicht zu unterschätzenden Einfluß ausgeübt. Besonders hat er die abendländische Scholastik befruchtet. Für diese ist er „Vermittler der griechischen Tradition und Vorbild in der Methode und dem systematischen Aufbau der Theologie4“. Petrus Lombardus, der [S. 11]
„Bahnbrecher und Schuldogmatiker der alten Scholastik“, hat seine Sammelmethode und Stoffanordnung nachgeahmt, Thomas von Aquin, der „Fürst der Schule“, hat ihn verehrt und verwendet. Man hat Johannes den ersten Scholastiker genannt. Lenstroem5 bezeichnet ihn als den „Vater der Scholastiker“. Wohl haben sich schon seine Vorgänger, besonders Leontius von Byzanz, aber auch Basilius und Gregor von Nazianz der aristotelischen Philosophie zur Darstellung und Verteidigung des Dogmas bedient, keiner jedoch hat dies in so grundsätzlicher Weise getan wie Johannes6.

Nach all dem kann es nicht wundernehmen, wenn dem großen Damaszener im Laufe der Zeit auch hohe äußere Ehren zuteil wurden. Den Ehrennamen Chrysorroas ( χρυσορρόας [chrysorroas], goldströmend, goldredend) bezeugt bereits 813 Theophanes7. Die griechische wie die römische Kirche verehrt Johannes als Heiligen. Erstere hält sein Gedächtnisfest am 4. Dezember8 (auch am 29. November), letztere am 27. März9. Papst Leo XIII., der warmherzige Gönner und Förderer der orientalischen Kirche, ehrte ihn mit dem Titel eines „Doctor Ecclesiae“.

AUS: https://www.unifr.ch/bkv/kapitel5484-1.htm

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