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Der münstersche Kirchengeschichtler A. Schröer stellt die Vita des heiligen Liudger vor. 26.März 2019

in Unsere Fürsprecher 26.03.2019 08:49
von Blasius • 2.514 Beiträge

VITA DES HEILIGEN LIUDGER



Bild des predigenden Liudger aus der Privatsammlung eines Lehrers in Leeuwarden.

Der münstersche Kirchengeschichtler Alois Schröer stellt die Vita des heiligen Liudger vor. kirchensite.de dokumentiert den Text in voller Länge:

Der erste Bischof von Münster entstammte einer vornehmen friesischen Familie. Liudgers Vater hieß Thiadgrim, seine Mutter Liafburg. Die Eltern gehörten christlichen Familien an. Der Großvater väterlicherseits, Wursing, wird uns als markanter, aufrechter Friese gezeichnet. Als der Friesenherzog Radbod († 719) in seinem Eifer für die völkische Unabhängigkeit des Landes die Christen hart verfolgte, war Wursing noch Heide. In dieser Notlage seiner Landsleute erwies er sich jedoch als ein "Helfer der Armen, Verteidiger der Unterdrückten und gerechter Richter." Mit Freimut erhob er vor dem Herzog Einspruch gegen die Vergewaltigung der Gewissen, sah sich indes kurz darauf gezwungen, mit seiner Familie vor den Nachstellungen Radbods in das Frankenreich zu fliehen, wo er bei Grimoald II. († 714), dem Sohne Pippins II., gütige Aufnahme fand. Unterdessen wurden seine väterlichen Güter von Radbod eingezogen. Am Hofe Grimoalds trat Wursing mit seinen Angehörigen zum christlichen Glauben über. Erst nach Radbods Tod (719) kehrte er in seine friesische Heimat zurück, wo ihm Karl Martell zu Suabsna (Zwesen bei Utrecht?) ein Lehen zuwies.

Liafburg, Liudgers Mutter, war die Tochter Nothrads und Adelburgs. Ihre Familie stand dem heiligen Willibrord nahe und nahm an der Missionierung Frieslands tätigen Anteil. Die beiden Brüder ihrer Mutter, Willibraht und Thiadbraht, waren die ersten geistlichen Gefährten Willibrords aus dem Friesenland. Nothrad war der Sohn einer fanatischen Heidin, die der kleinen Liafburg schon in der Wiege nach dem Leben trachtete. Nothrad selbst scheint Christ gewesen zu sein.

Liudger wurde 742 oder kurz vorher geboren. Nach Altfrid machten sich bei ihm schon in früher Jugend Anzeichen seines künftigen Berufes bemerkbar. Die alten Biographen rühmten den Ernst des Kindes sowie seine Vorliebe für geistige Beschäftigung. Er sammelte angeblich Pergamentblättchen und Baumrinde, die man als Kienspäne verwendete, fügte sie nach Art von Büchern zusammen und beschrieb sie mit Holzstäbchen. Die Neigung zum Studium nahm mit den Jahren bestimmtere Formen an. Als der Knabe eines Tages seine Eltern bat, ihn einem "Gottesmanne" zur Ausbildung zu übergeben, war das gleichbedeutend mit der Bitte, Priester werden zu dürfen.

Begegnung mit Bonifatius


Außer der christlichen Luft im elterlichen Hause hatte ohne Zweifel eine Begegnung des empfänglichen Knaben mit dem heiligen Bonifatius, dem Apostel der Deutschen und gefeierten päpstlichen Legaten, auf diese Berufswahl einen nachhaltigen Einfluss ausgeübt. "Es war mir vergönnt", so schreibt Liudger nach langen Jahren, "ihn mit eigenen Augen zu sehen, einen Greis in schneeweißem Haar , hinfällig vor Alter, aber mit Tugenden und Verdiensten geschmückt." Dieser tiefe Eindruck wird sich nur verstärkt haben, als im Juni 754 die Nachricht von dem blutigen und heldenhaften Tod des großen Apostels eintraf, und Liudger, wie wir annehmen dürfen, zu Utrecht an der Bahre des heiligen Blutzeugen stand.

"Die Eltern aber freuten sich und lobten Gott ", sagt Altfrid, "als sie den Wunsch ihres Sohnes vernahmen, und übergaben ihn dem ehrwürdigen Abt Gregor von Utrecht, dem Schüler und Nachfolger des heiligen Märtyrers Bonifatius, damit er ihn für Gott erziehe." Die Utrechter Stiftsschule, deren Schüler Liudger nun wurde, genoss damals wegen der hervorragenden Lehrtätigkeit ihres Leiters einen ausgezeichneten Ruf. Liudger widmete in späteren Jahren (790/91) seinem Lehrer und Erzieher ein Lebensbild, das zwar als Geschichtsquelle unbedeutend ist, aber durch die Wärme der Darstellung den Leser fesselt. Das pastoral geprägte Erinnerungsbändchen ist, wie Karl Hauck mit Recht feststellt, trotz seiner Grenzen als eine Kostbarkeit aus der Frühgeschichte Münsters zu würdigen. "Nicht einem Volksstamme allein", schreibt Liudger, "gehörten die Schüler an, die bei ihm zusammenströmten; nein, die Blüte aller benachbarten Nationen hatte sich hierher vereint. In allen aber herrschte ein solch freundlicher, familienhafter und freudiger Geist, dass man sie als Söhne eines geistlichen Vaters und einer Mutter, der heiligen Liebe, erkannte... Unter allen Zöglingen", fügte er hinzu, "war ich der mindeste, der ärmste und schwächste."

Der Unterrichtsgang, dem sich Liudger in Utrecht unterzog, diente dem Ziel, nach dem althergebrachten Lehrplan der sieben "freien Künste" – Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Arithmetik, Musik, Geometrie, Astronomie - die Grundlagen der humanistischen Bildung zu vermitteln. Daneben pflegte man den Choral und betrieb das Studium der Heiligen Schrift und der Väter.

Von Utrecht nach York

Nach etwa zwölfjährigem Aufenthalt in Utrecht begab sich Liudger 767 zur alten Bischofsstadt York in England, empfing die Diakonsweihe und setzte seine Studien an der dortigen Domschule fort. Hier saß er zu Füßen Alkuins, des berühmten Gelehrten, mit dem ihn später enge Freundschaft verband. So teuer Liudger die Utrechter Stiftsschule gewesen sein mochte, hier in York wurde er gar bald des Unterschiedes inne, der zwischen beiden Schule bestand. Während Gregor seine Kleriker schulte, pflegte man in England wirkliche Bildung. Der Gesichtskreis war weiter, das Eindringen tiefer. In der reichhaltigen Bibliothek fand Liudger nach einem Wort von Alkuins "die Denkmäler aus der Zeit der Väter, alles, was Römerweisheit auf dem Boden Italien geschrieben, was Griechenland und Lateinern hatte bieten können, und was dem Hebräervolk durch des Himmels Gunst war eingegeben worden." Hier fand Liudger eine Welt, die ihn fesselte. Er reiste daher 769 zum zweiten Male nach England, nachdem ihm sein väterlicher Freund in Utrecht, der ihn zunächst mit liebevollen Worten von seinem Vorhaben abzubringen suchte, die Erlaubnis erteilt hatte. Er blieb nun dreieinhalb Jahre in York und vertiefte sich unter Alkuins Leitung in die Geheimnisse der Heiligen Schrift. Gründlich ausgebildet in geistlicher und weltlicher Wissenschaft und, wie Altfrid nicht unterlässt zu bemerken, wohl versehen mit einem guten Vorrat an Büchern, kehrte er in seine friesische Heimat zurück.



An diesem Stein vor einer friesischen Kirche bei Dokkum soll der heilige Liudger Gericht gehalten haben.

Nicht lange nach Liudgers Rückkehr starb Gregor von Utrecht. Sein Nachfolger in der Leitung der Friesenmission und der Stiftsschule wurde Alberich († 784). Für Liudger war nun die Zeit gekommen, in der die von Gregor und Alkuin ausgestreute Saat ihre Früchte bringen sollte. Noch Diakon, erfüllte er im Jahre 776 einen ersten Missionsauftrag in Deventer und im fränkischen Friesland. Nicht viel später begaben sich Alberich und Liudger nach Köln, wo der Missionsabt die Bischofsweihe, der Diakon die Priesterweihe empfing. Der Zeitpunkt der Weihe lässt sich nur annähernd bestimmen; sicher ist, dass Liudger sie nach dem 7. Juli 777 empfing. Es ist uns ein poetischer Glückwunsch aus der Feder eines jungen Schotten erhalten, der mit Liudger die Schule Alkuins besuchte. Die Verse bedeuten mehr als einen Ausdruck der Höflichkeit. Sie spiegeln die liebenswürdigen Anlagen, Tugend und Wissen des Heiligen wider:

Bruder, der du mit Recht aus Liebe Gottes mir teurer
bist als selbst die mit mir aus einem Blute Entspross´nen
,teurer Liudger, den die Gnade Christi beschütze,
lebe, ein leuchtender Stern du deines friesischen Volkes;
du ein Priester des Herrn an des Meeres westlicher Küste,
hochgelehrt im Wort, von großer Tiefe des Geistes:
Zierst du ja doch dein Amt durch Tugend und treffliche Sitten,
leitest den Älteren Dienst voll großer Demut des Herzens
und verkehrst wie ein Bruder mit jenem, die gleich dir im Alter,
während väterlich du der Jugend Worte des Lebens
spendest. Gedenke meiner, du, der im Guten stets zunimmt,
gütig im deinem Gebet...

AUSZUG AUS:
https://www.paulusdom.de/gotteshaus/heil...iligen-liudger/

Liebe Grüße, Blasius


zuletzt bearbeitet 26.03.2019 08:57 | nach oben springen


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