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Leo XIII. Epistula Enzyklika „Jucunda semper“ 1894 - Der Rosenkranz als betrachtendes Gebet

in Grundgebete 08.11.2017 14:42
von Blasius • 1.661 Beiträge

Leo XIII.
Epistula Enzyklika „Jucunda semper“
1894

Der Rosenkranz als betrachtendes Gebet

I. Vertrauen auf das Rosenkranzgebet und Mariens Gnadenvermittlung


Mit großem Vertrauen warten Wir in jedem Jahr auf den Monat Oktober. Seine Wiederkehr belebt Uns in Unserer Hoffnung. Auf Unsere Ermahnung und auf Unser Geheiß ist er der Allerseligsten Jungfrau geweiht, und seit vielen Jahren wetteifern die Katholiken in aller Welt miteinander, so daß die Andacht des Rosenkranzes wirklich in Blüte steht. Was Uns immer wieder veranlaßt, Unsere mahnende Stimme zu erheben, haben Wir mehr als einmal dargelegt. Wir durchleben Zeiten, die für Kirche und Staat verhängnisvoll sind und deshalb eindringlich die Nähe Gottes und seine Hilfe fordern. Diese Hilfe glaubten Wir aber am ehesten durch die Fürbitte seiner Mutter erlangen zu können, und zwar besonders durch jene Gebetsweise, deren Kraft und Segenswirkung die Christenheit zu jeder Zeit in ganz besonderem Maße erfuhr. Bereits bei der Einführung des marianischen Rosenkranzes zeigte sich diese Wirkung. Wir verdanken ihr den Schutz unseres heiligen Glaubens vor bösen Übergriffen der Irrlehrer, aber auch den tugendhaften Lebenswandel, der bei der Sittenverderbnis unserer Zeit wieder ins rechte Licht gerückt und gehoben werden mußte. Das christliche Volk erlebte diese Segenskraft sowohl im privaten wie im öffentlichen Leben in einer fortlaufenden Kette von Gnadenerweisen. Viele davon bestehen weiter in gewissen Einrichtungen und Monumenten und haben so ihre Weihe erhalten. Frohen Herzens stellen Wir fest, daß auch unsere Zeit, in der es um so vieles geht, bereits manche Hilfe und manchen Nutzen aus dem Rosenkranzgebet erlangt hat. Wenn Wir Uns umsehen, ehrwürdige Brüder, dann stellen Wir fest, daß alle Beweggründe, die Uns dieses Gebet nahelegen, auch heute noch in Geltung sind, ja daß sie noch schwerwiegender sind. Aus diesem Grunde solltet Ihr auch in diesem Jahre Euch durch Unsere Ermahnungen bewegen lassen, die Himmelskönigin mit Gebeten zu bestürmen und diese Glut des Betens auch in Euren Gläubigen zu entfachen. Wenn Wir auf das innerste Wesen des Rosenkranzes Unseren Blick richten, und wenn so immer stärker die Vorzüge und Segenswirkungen dieses Gebetes sich Uns offenbaren, dann gewinnt Unsere Hoffnung daraus wieder neue Nahrung. Unser sehnlichster Wunsch ist es, daß auf Grund Unserer dringenden Empfehlung dieses heilige Gebet und diese Andachtsübung in Gedanken immer tiefer erfaßt und immer weiter verbreitet werde und in jeder Hinsicht wachse.

Wir beachsichtigen nicht, auf alles zurückzukommen, was Wir in früheren Jahren unter verschiedenen Gesichtspunkten darüber gesagt haben. Heute wollen Wir vielmehr einige belehrende Gedanken zur Betrachtung vorlegen, wie wunderbar es nämlich die göttliche Weisheit angeordnet hat, daß dank des Rosenkranzgebetes die Macht des Vertrauens von den Herzen der Beter in beglückender Weise Besitz ergriffen hat, daß die Allerseligste Jungfrau in ihrem mütterlichen Erbarmen und in ihrer unsagbaren Güte uns Menschen zu helfen immer gewillt ist.

Der tiefste Grund, weshalb wir Mariens Schutz durch das Gebet gewinnen wollen, liegt ohne Zweifel in ihrem Amt als Vermittlerin der göttlichen Gnade. Immerdar verwaltet sie dieses Amt bei Gott, weil sie wegen ihrer Würde und ihrer Verdienste sein höchstes Wohlgefallen besitzt und an Macht alle Heiligen des Himmels weit übertrifft. In keiner Gebetsform tritt dieses ihr Amt so klar und ausdrücklich hervor wie im Rosenkranzgebet. Dieses Gebet zeigt immer wieder aufs neue den Anteil, den die Allerseligste Jungfrau am Erlösungswerk des Menschengeschlechtes hat, und zwar so, als würde sich das alles tatsächlich vor unseren Augen abspielen. Wenn wir in dieser Weise die heiligen Geheimnisse nacheinander betrachten und damit unsere frommen Gebete verknüpfen, dann kann das unserer ganzen religiösen Einstellung nur nützlich sein.

II. Die freudenreichen Geheimnisse


An der Spitze stehen die freudenreichen Geheimnisse. Als Gottes ewiger Sohn sich zu uns Menschen niederneigte, um selbst Mensch zu werden, gibt Maria ihre Einwilligung und empfängt vom Heiligen Geist. Als Johannes schon im Mutterschoß durch eine außerdordentliche Gnadengabe geheiligt und begnadet auserwählt wird, dem Herrn die Wege zu bereiten, geschieht dies auf den Gruß Mariens hin, die durch Gottes Antrieb ihre Verwandte heimsuchte. Als Christus, der die Erwartung der Völker ist, das Licht der Welt erblickte, geschah es aus Maria. Als die Hirten frommen Sinnes und die Weisen als Erstlinge des Glaubens zur Krippe kamen, fanden sie das Kind mit Maria, seiner Mutter. Als Christus in den Tempel getragen werden soll, um sich nach allgemeinem Brauch als Opfer Gott seinem Vater darzubringen, geschieht es durch die Mutter, durch die er dort dem Herrn dargestellt wird. Als ihr Kind unbegreiflicherweise verlorengegangen war, suchte sie ihr Kind voll Angst und Kummer, bis sie es mit unaussprechlicher Freude findet.

III. Die schmerzhaften Geheimnisse


Gleiches verkünden uns die schmerzhaften Geheimnisse. Als Jesus im Garten Gethsemane zitternd erbebt vor dem Tode, als er im Gerichtsgebäude gegeißelt, mit Dornen gekrönt und zum Tode verurteilt wird, ist die Mutter nicht dabei. Aber um all dies Geschehen wußte sie, und sie hat es im voraus geschaut. Schon damals, als sie sich als Magd des Herrn zum Beruf einer Mutter anbot oder als sie sich mit ihrem Sohn gemeinsam im Tempel zur Opfergabe weihte, wurde ihr wegen dieser zweifachen Handlung das gleiche Los wie ihm selbst zuteil, nämlich Sühne zu leisten für die Menschen in schmerzvollster Weise. Ohne Zweifel hat sie deshalb ihres Sohnes bittere Todesangst und seine qualvolle Marter aufs schmerzlichste miterlebt. Übrigens sollte in ihrer Gegenwart und vor ihren Blicken jenes göttliche Opfer dargebracht werden, zu dem sie in hochherziger und selbstloser Weise das Opferlamm selber an ihrer Brust genährt hatte. Der Höhepunkt dieses Geheimnisses liegt in den ergreifenden Worten: „Es stand aber neben dem Kreuze Jesu Maria, seine Mutter.“ Sie gab freiwillig ihren eigenen Sohn der göttlichen Gerechtigkeit hin und starb geistigerweise mit ihm, vom Schwert der Schmerzen durchbohrt, damit sie, vom Übermaß der Liebe zu uns ergriffen, von neuem Kinder empfinge.

IV. Die glorreichen Geheimnisse


In den folgenden glorreichen Geheimnissen erfährt dieses heilige Amt der Anteilnahme Mariens eine neue Bekräftigung, es erstrahlt in noch hellerem Licht. In verhaltener Freude kostet sie die Verherrlichung ihres Sohnes, der über den Tod triumphiert. Mit mütterlicher Liebe verfolgt sie seine Himmelfahrt. Des Himmels würdig, hält die Erde sie noch fest, damit sie für die werdende Kirche die treffliche Lehrerin und Trösterin werden kann — „ist sie doch tiefer in den Abgrund der göttlichen Weisheit eingedrungen, als man es für möglich halten könnte“. Erst mit der Herabkunft des von Christus verheißenen Heiligen Geistes vollendete sich das Geheimnis der menschlichen Erlösung. Deshalb sehen wir auf Maria in jenem denkwürdigen Abendmahlssaal. In unaussprechlichen Seufzern bittet sie mit den Aposteln vereint für die Kirche und beschleunigt auf diese Weise die Fülle des Trösters, der das höchste und letzte Geschenk Christi an seine Kirche ist, ein Schatz, der ihr nimmer fehlen wird. Nachdem sie aber in das unsterbliche Leben eingegangen ist, verdoppelt sie die Erweise ihrer Gunst und ist ständig bereit, für uns Fürsprache einzulegen. Wir sehen sie in die Heilige Stadt Jerusalem aus dem Tal der Tränen entrückt, von Engelchören umschwebt, wir verehren sie, die über der heiligen Herrlichkeit erhaben ist, die von ihrem göttlichen Sohn mit einem Sternendiadem geschmückt, bei ihm als Königin und Herrscherin des Weltalls thront.

In allem aber, ehrwürdige Brüder, zeigt sich „der Ratschluß Gottes, der Plan seiner Weisheit und Güte“. Aber auch alle überreichen Verdienste, die sich die jungfräuliche Mutter um uns erworben hat, enthüllen sich hier nicht minder. Mit tiefer Freude muß uns das alles erfüllen. Die sichere Hoffnung beseelt uns, daß auch wir mit der Hilfe Mariens der göttlichen Güte und Erbarmung teilhaftig werden.

V. Das mündliche Gebet

Das mündliche Gebet dient der gleichen Aufgabe. Es ist ganz auf die Geheimnisse eingestellt. Wir beginnen ordnungsgemäß mit dem Gebet des Herrn zum himmlischen Vater. Nachdem wir unsere besonderen Bitten vorgetragen haben, wendet sich unser Flehen vom Throne seiner Majestät zu Maria, wobei wir uns von jenem Gesetz der Vermittlung um Fürsprache führen lassen, von dem Wir zuvor gesprochen haben und das der heilige Bernardin von Siena wie folgt ausdrückt: „Alle Gnade, die dieser Welt mitgeteilt wird, wird in drei Stufen verliehen. Durchaus der Ordnung entsprechend, wird sie zuerst von Gott an Christus, von ihm an die Jungfrau und von der Jungfrau an uns übermittelt.“ Das sind die Grade oder Stufen, die unter sich selbstverständlich von verschiedener Beschaffenheit sind. Mit bewußter Vorliebe verharren wir im Rosenkranz länger auf dieser letzten Stufe, weil wir ja zehnmal den Gruß des Engels wiederholen. Wir wollen gleichsam mit größerem Vertrauen dadurch zu den übrigen Stufen, durch Christus zu Gott dem Vater emporsteigen. Wenn wir in dieser Weise Maria so oft mit den gleichen Worten begrüßen, dann geschieht es, damit unser schwaches und mangelndes Gebet von dem so notwendigen Vertrauen erfüllt wird. Wir bestürmen Maria, damit sie sozusagen in unserem Namen bei Gott für uns Fürsprache einlegt. Unser Beten gewinnt vor Gott an großer Kraft und Gnade, wenn die Jungfrau es Gott darbietet. Er selbst hat sie liebevoll eingeladen: „Es töne deine Stimme in meinen Ohren, denn süß ist deine Stimme.“ Darin liegt auch der Grund, warum wir Mariens Ehrenbezeichnungen so oft wiederholen, damit wir Erhörung erlangen. Darum grüßen wir sie als jene, „die Gnade gefunden hat bei Gott“, und bezeichnen sie ganz besonders als jene, die „voll der Gnade Gottes ist“. Da niemand so eng mit Gott verbunden ist wie sie, sollte diese Fülle der Gnade nicht auf alle überströmen? Ferner grüßen wir sie als „die Gebenedeite unter den Weibern“, die „als einzige den Fluch hinwegnahm und Segen brachte“, nämlich die gebenedeite Frucht ihres Leibes, in der „alle Völker der Erde gesegnet werden sollen“. Rufen wir sie schließlich als „Mutter Gottes“ an, was wird sie dann infolge dieser erhabenen Würde nicht alles „für uns Sünder“ sicher erflehen, was dürften wir nicht alles erhoffen in unserem ganzen Leben und im Todeskampf beim letzten Atemzug?

Wer sich die Mühe macht und sich mit gläubigem Herzen in diese Gebete und Gehiemnisse versenkt, der wird notwendig immer wieder von neuer Bewunderung erfüllt über Gottes Absichten, die er in der erhabenen Jungfrau zum allgemeinen Heil der Völker verwirklichte. Von frohem Vertrauen getragen, flüchten wir uns in ihren Schutz und Schoß und rufen zu ihr mit den gleichen Worten wie der heilige Bernhard: „Gedenke, o gütigste Jungfrau Maria, daß es noch nie erhört worden, daß jemand, der zu dir seine Zuflucht nahm, deine Hilfe anrief, um deine Fürsprache flehte, von dir sei verlassen worden!“

VI. Der Rosenkranz erwirbt uns Mariens Huld

Im Rosenkranz wohnt nicht nur jene Kraft, die geeignet erscheint, im Beter selbst das Vertrauen auf Erhörung zu stärken, sondern er rührt an Mariens Herz, um es uns gegenüber zur Barmherzigkeit zu bewegen. Die größte Freude bereitet es ihr sichtlich, wenn sie uns sieht und hört, wie wir zu ihrer Ehre und zu ihrem Preise unsere Bitten und Lobgebete gleichsam in Kränze winden. Nachdem wir Gott in dieser Gebetsart die schuldig Ehrerbietung erwiesen, bedacht auf seine Herrlichkeit, wenn wir einzig und allein bestrebt sind, seinen Willen und Wunsch zu erfüllen, wenn wir seine überreiche Güte preisen, indem wir ihn Vater nennen und ihn trotz all unserer Unwürdigkeit dennoch um seine Gnaden und Gaben anflehen, dann ist Maria darüber äußerst erfreut, und sie kann in Wahrheit unserer frommen Einstellung wegen beten: „Hochpreiset meine Seele den Herrn!“ Gerade das geschieht in würdiger Weise, wenn wir im Gebet des Herrn an Gott uns wenden. Alles, was wir hier erbitten, entspricht unseren Bedürfnissen und steht in vollem Einklang mit dem christlichen Glauben, der Hoffnung und der Liebe. Empfehlen wir Maria diese Bitten, so ist es ihr lieb, so erhalten sie besonderen Nachdruck. Mit unserer Stimme vereinigt sich augenscheinlich die Stimme ihres Sohnes Jesus, der als Urheber diese Gebetsform verfaßt und in bestimmte Worte gekleidet und mit den Worten vorgeschrieben hat: „So sollt ihr also beten!“ Beachten wir im Rosenkranzgebet diese Vorschrift, dann wird Maria sich ohne Zweifel noch huldvoller zu uns neigen und ihr Amt, das nur sorgende Liebe ist, uns gegenüber erfüllen. Mit wohlgefälligem Blick wird sie diese geheimnisvollen Gebetskränze entgegennehmen und sie mit reichen Gnadengeschenken belohnen.

VII. Der Rosenkranz lehrt uns gut beten

Ein Hauptgrund, der uns Mariens freigebige Güte um so sicherer erhoffen läßt, liegt in der besonderen Art und Weise des Rosenkranzgebetes. Es ist zum rechten Beten wie geschaffen. So vieles zieht den betenden Menschen, der der Schwachheit verhaftet bleibt, von Gott ab und bringt alle seine guten Vorsätze zu Fall. Aber gerade auch von dieser Seite her offenbart sich die Wirkung des Rosenkranzgebetes. Man überdenke einmal bei sich selbst, wie sehr dabei der Geist in Zucht genommen wird, um die Trägheit unseres Denkens zu überwinden, und wie dabei jener heilsame Schmerz über begangene Fehler entflammt wird, der unser Herz zum Himmel emporhebt. Wir brauchen nicht mehr eigens hervorzuheben, daß der Rosenkranz aus zwei Teilen besteht, die trotz aller Verschiedenheit miteinander verknüpft sind, nämlich aus der Betrachtung der Geheimnisse und aus der Verrichtung des mündlichen Gebetes. Eine Gebertsart dergestalt nimmt besonders wirksam die Aufmerksamkeit des Menschen in Besitz und lenkt den Geist nicht nur irgendwie zu Gott hin, sondern läßt ihn in der Erwägung und Betrachtung der Heilstatsachen ruhen, damit er daraus eine Belehrung und Besserung des Lebens und einen Ansporn zu tieferer Frömmigkeit schöpft. Diese Heilstatsachen stellen ja die Zusammenfassung unseres christlichen Glaubens dar; sie sind daher das größte und bewunderungswürdigste, was es gibt. Das Licht und die Kraft, die sie ausstrahlen, haben Wahrheit, Gerechtigkeit und Frieden hervorgebracht und auf Erden eine völlige Neugestaltung hervorgerufen, die von erfreulichen Erfolgen begleitet war. Noch eine andere Tatsache steht damit in Verbindung: Die so sehr wichtigen Heilstatsachen werden den Betern in einer Weise vor Augen geführt, die auch der geistigen Fassungskraft der Ungebildeten entspricht und angemessen erscheint. Der Rosenkranz ist ja so beschaffen, daß die Hauptwahrheiten unseres Glaubens nicht in Form einer Lehre uns zur Betrachtung dargeboten werden, sondern diese Tatsachen werden uns buchstäblich vor Augen gezeigt und lebendig dargestellt. In dieser Verbindung mit den bestimmten Orten, Personen und zeitlichen Geschehnissen fesseln diese Heilstaten unsere Gedanken in viel stärkerem Maße und führen uns zu einer viel nützlicheren Ausbeute. Weil wir schon von frühester Jugend an darin eingeführt wurden, ist es selbstverständlich, daß der fromme und eifrige Beter schon beim Aussprechen der einzelnen Heilswahrheiten sie geistig mit liebendem Herzen durchdringt. Er braucht nicht unnötig seine Phantasie anzustrengen und wird sich durch Mariens Güte vom Tau der himmlischen Gnade erfüllen lassen.

Noch einen anderen Vorzug weist der Rosenkranz auf, der Maria besonders gnädig stimmt und dem Gebet reiche Belohnung verspricht. Wenn wir andächtig und fromm die dreifache Reihenfolge der Geheimnisse wiederholen, bezeigen wir dadurch um so mehr unsere dankbare und liebende Gesinnung gegen Maria. Wir zeigen dadurch offen, daß wir uns niemals genug an jene Wohltaten erinnern können, wodurch sie selbst mit so unsagbarer Liebe für unser Heil Sorge trägt. Muß durch eine so häufige und liebende Weise in ihr nicht die Erinnerung an die Heilstatsachen ebenfalls wachgerufen werden? Muß ihre in Heiligkeit erstahlende Seele da nicht von unsagbarer neuer Wonne erfüllt werden, muß das Gefühl mütterlicher Sorge und Güte nicht aufs neue in ihr geweckt werden? Aber auch auf uns wird die ständige Wiederholung und die stets wiederkehrende Erinnerung eine Rückwirkung nicht verfehlen, weil dadurch unser Gebet um so stürmischer und entflammter wird und gleichsam eine beschwörende Kraft erhält. Jedes Geheimnis enthält schon an und für sich so viele eindringliche Beweisgründe, denen die Allerseligste Jungfrau sich niemals verschließen kann. Darum fliehen wir zu dir, heilige Gottesgebärerin; verschmähe uns arme Evaskinder nicht! Wir bitten dich, die Vermittlerin unseres Heiles, die ebenso mächtig wie gütig ist. Inständig rufen wir zu dir bei der Süßigkeit all deiner Freuden, die dir aus Jesus, deinem Sohn, zugeflossen sind, durch die Anteilnahme an seinen unsagbaren Schmerzen, durch die Herrlichkeit seiner Glorie, die dich überströmt. Wohlan, höre und erhöre gnädig uns Unwürdige!

VIII. Moderne Angriffe auf die Kirche

Ihr werdet leicht verstehen, ehrwürdige Brüder, warum Wir ohne Unterlaß das Rosenkranzgebet empfehlen und um seine Verbreitung besorgt sind. Wir haben ja seine doppelten Vorzüge rühmend hervorgehoben. Schon zu Beginn haben Wir darauf aufmerksam gemacht, wie sehr heute die Welt täglich mehr die Hilfe des Himmels notwendig hat. Bedenken wir, welchen zahlreichen Bedrängnissen die Kirche heute überall ausgesetzt ist und wie man versucht, ihre Rechte und Freiheiten zu beschneiden! Auch die christlichen Staaten erleben eine Erschütterung, die ihren Wohlstand und ihren inneren Frieden fragwürdig macht. Wir haben Unsere größte Hoffnung auf den Rosenkranz gesetzt, um Hilfe von oben zu erflehen, das bezeugen und bekunden Wir aufs neue. Käme doch diese heilige Andacht wieder so zu Ehren, wie es einmal nach ihrer Bestimmung war, daß sie in Städten und Dörfern, in Familien und Betrieben, bei hoch und niedrig liebend gepflegt würde! Sie ist und bleibt das besondere Erkennungsmerkmal des christlichen Glaubens und ist die beste, schützende Gewähr unserer Versöhnung mit Gott und der göttlichen Barmherzigkeit.

Wir alle müssen uns tagtäglich von solchen Gedanken leiten lassen, nachdem frevelhafte und verbrecherische Mächte am Werke sind, die durch üble Machenschaften Gottes Zorngericht herausfordern und durch gerechte Bestrafung von seiten Gottes auch das Vaterland in den Abgrund ziehen. Es ist überflüssig, auf all die Ursachen einzugehen, die alle Gutgesinnten mit uns beklagen. Aber auch inmitten katholischer Völker gibt es sehr viele, die sich über jede Art von Religionsverspottung freuen, und die es bei der unglaublich zügellosen Presse- und Druckfreiheit anscheinend darauf absehen, die heiligsten Güter und das so sehr bewährte und belohnte Vertrauen auf Mariens Schutz der Verachtung und dem Spott der Masse preiszugeben. In den letzten Monaten hat man nicht einmal vor der heiligsten Person unseres Erlösers Jesus Christus haltgemacht. Man hat sich nicht geschämt, ihn auf schlüpfrige Bühnenbretter zu zerren, die doch ohnedies bereits zum lasterhaften Tummelplatz gemacht wurden und ihn dort darzustellen ohne die ihm gebührende Majestät seiner göttlichen Natur. Vergreift man sich aber daran, dann kann selbstverständlich nichts mehr von der Erlösung der Menschheit übrigbleiben. Man hat es sogar unternommen, den Verräter Christi von seiner ewigen Schmach reinzuwaschen, jenen Unseligen, dessen verabscheuungswürdiges Verbrechen der Treulosigkeit dem Gedächtnis der Menschen nie mehr entschwinden wird. Eine allgemeine Empörung hat sich gezeigt über diese schändlichen Dinge, die in gewissen italienischen Städten sich zutrugen oder wenigstens beachsichtigt waren. Man hat bittere Klage darüber geführt, daß die heiligen Rechte der Religion mit Füßen getreten wurden, dazu noch in jenem Volke so verletzt und unterdrückt wurden, das sich mit Recht seines katholischen Namens an erster Stelle stets rühmte. Diese Geschehnisse riefen auch die Bischöfe in ihrer stets wachen und bekümmerten Hirtensorge auf den Plan. Sie legten gerechte Beschwerde ein bei denen, deren heilige Pflicht es sein muß, für die Würde der angestammten Religion Sorge zu tragen. Ferner machten sie ihre Gläubigen nicht nur auf die schwere Gefahr aufmerksam, sondern ermahnten sie auch, die unerhörte Schmach, die unserem liebevollen Erlöser angetan wurde, durch persönliche religiöse Übungen zu sühnen. Dies Bemühen wurde mit Freuden von vielen Gutgesinnten aufgenommen und fand Unsere volle Zustimmung. Nicht wenig trug es dazu bei, den Kummer Unseres Herzens zu lindern. Jetzt aber, da Wir die Gelegenheit haben, zu Euch zu sprechen, müssen Wir die Stimme Unseres obersten Hirtenamtes erheben, und Wir verbinden mit den Beschwerden der Bischöfe und Gläubigen die Unsrigen auf das nachdrücklichste. In derselben apostolischen Gesinnung, in der Wir den begangenen Religionsfrevel bedauern und aufs schärfste verurteilen, richten Wir Unsere Ermahnung an alle christlichen Völker, vor allem aber an die Italiener, daß sie die angestammte Religion als ihr wertvollstes Erbe unverbrüchlich hüten, daß sie mannhaft dafür eintreten und sie durch ein sittlich reines und frommes Leben ständig vertiefen.

Gott, ehrwürdige Brüder, der „uns in seiner allgütigen Erbarmung eine solche Mittlerin gegeben hat“, „der uns alles durch Maria verleihen wollte“, möge auf ihre Fürbitte und Gnade unsere gemeinsamen Wünsche und Hoffnungen reichlich erfüllen. Damit verbinde sich als Unterpfand der Apostolische Segen, den Wir Euch, Eurem ganzen Klerus und Volk von ganzem Herzen erteilen.

Gegeben zu Rom bei Sankt Peter, am 8. September 1894, im siebzehnten Jahre Unseres Pontifikates.

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Quelle

https://poschenker.wordpress.com/categor...ten/rosenkranz/


zuletzt bearbeitet 08.11.2017 14:43 | nach oben springen



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