Kreuzweg St. Andrä im Lavanttal 22. Kapitel: Dritte Rede des Elifas - Eine haltlose Beschuldigung Da antwortete Elifas von Teman:
DES MENSCHEN TUGEND IST SEIN EIGENER NUTZEN
„Hat denn Gott einen Nutzen vom Menschen? - Nein, der Fromme nützt nur sich selbst! Ist es für den Allmächtigen ein Vorteil, wenn du gerecht bist? Hat er Gewinn, wenn unsträflich dein Wandel? Straft er dich denn deiner Gottesfurcht wegen, geht er wohl deshalb mit dir ins Gericht?
IJOBS ANGEBLICHE FREVELTATEN
Ist nicht vielmehr sehr groß deine Bosheit, maßlos deine Schuld? Weil deine Brüder du grundlos gepfändet, den Nackten die Kleider du nahmst, dem Erschöpften kein Wasser du reichtest, dem Hungrigen versagtest das Brot? Dem Mann der Gewalttat gehört das Land - es wohnt darin, wer Ansehen hat, Witwen ließest du hilflos ziehen, zerbrochen wurden die Arme der Waisen. Deshalb sind Schlingen rings um dich her, packt dich plötzlich die Angst mit Grausen. Dunkel umgibt dich, daß du nicht sehen kannst, es bedeckt dich das wogende Wasser!
IJOBS GLEICHSTELLUNG MIT DEN FREVLERN DER VORZEIT
Gott ist hoch oben im Himmel. - Sieh doch, wie hoch der Scheitel der Sterne! Da hast du gedacht: Was sollte Gott merken? Kann durch die Wolken hindurch er wohl richten? Ihn hüllen doch Wolken: Er kann nichts sehen! Er wandelt einher am Gewölbe des Himmels! Willst du den Pfad der Vorzeit ziehen, den einst gingen die Männer des Frevels, die hinweggerafft wurden schon vor der Zeit, denen zum Gießbach der Boden zerfloß? Die zu Gott sprachen: Geh weg von uns! - Was könnte der Allmächtige uns antun! Zwar hat er mit Gütern ihre Häuser gefüllt, doch fern bleibt ihm der Gottlosen Denkart! Die Gerechten werden es voll Freude sehen, und der Schuldlose wird sie verspotten: Fürwahr, vernichtet sind unsere Gegner, das Feuer hat ihren Nachlaß verzehrt!
GOTTES ERBARMEN IM FALL DER BEKEHRUNG
Schließ mit ihm Freundschaft und halte Frieden! So nur wird Glück dir zuteil. Aus seinem Mund nimm an Belehrung und laß seinen Rat dir zu Herzen gehen! Du wirst auferbaut, wenn du dich wieder zum Allmächtigen wendest! Entferne aus deinem Zelt den Frevel! Erachte das Golderz für eitel Staub, für Bachesgeröll das Ofirgold. Dann wird der Allmächtige dein Golderz sein, dein Silberschatz seine Weisung! Dann wirst du am Allmächtigen Freude finden, zu Gott dein Antlitz erheben! Du betest zu ihm, und er wird dich erhören! Du löst ein, was du gelobt hast! Was du dir vornimmst, wird dir gelingen! Auf deinen Wegen leuchtet das Licht! Führen sie abwärts, rufst du: ,Hinauf!‘ - Dem Demutsvollen leistet er Hilfe. Er rettet auch den, der nicht frei ist von Schuld. Du wirst gerettet, wenn rein deine Hände.“
Seligste Jungfrau und Mutter Gottes Maria. Ich werfe mich nieder vor dir und bekenne mich in Wahrheit als höchst elenden Sünder. Erlange mir doch von deinem Sohn die Gnade, dass ich das große Unheil, das ich durch meine Sünden angerichtet habe, wahrhaft erkenne, dass ein mächtiger Schmerz in meinem Herzen rege werde, damit ich meine Sünden aufrichtig bereue und mehr als alles Übel auf der Welt verabscheue. Amen.
Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Benedikt
O Gott, der Du den heiligen Benedikt für sein stilles, aber beispielreiches Leben mit der ewigen Herrlichkeit im Himmel belohnt hast, verleihe uns auf seine Fürbitte, dass wir das Irdische verachten, in der Stille unserem Beruf nachgehen, und einst den ewigen Lohn dafür im Himmel erlangen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
In Italien wurde am heutigen Tag im Jahr 1319 der Orden der Olivetaner von Bernhard von Siena gestiftet. Da er beinahe erblindet war, gelobte er der seligsten Jungfrau, die Welt zu verlassen, wenn sie ihm von Jesus Christus das Augenlicht erhalten würde. Als er diese Gnade wirklich erhalten hatte, begab er sich auf den Berg Olivet, und hat dort mit zwei ihm folgenden Genossen ein frommes und strenges Leben angefangen. Es gesellte sich bald eine große Menge Jünger zu ihnen, so dass sie im Jahr 1319 am 21. März einen weißen Habit auf Befehl des Papstes Johannes XI. anlegten, und die Regel des heiligen Benedikt annahmen. Ihre Versammlung, die von der heiligen Maria des Berges Olivet benannt worden ist, wurde von Papst Gregor XI. bestätigt. Sie hatten bis vor ungefähr 100 Jahren noch über 70 Abteien in Italien, folgten einer milderen Regel, und wurden von einem Obern unter dem Namen eines Abts regiert. Ihr General wohnte auf dem Berg Olivet.
Es lebte ein verehrungswürdiger Mann. Er hieß Benedictus. Der Gnade und dem Namen nach war er ein Gesegneter. ... Gott allein wollte er gefallen, deshalb begehrte er das Gewand Gott geweihten Lebens. So beginnt Gregor der Große seinen Bericht über das Leben des heiligen Benedikt im zweiten Buch der Dialoge. Dieses Buch ist die einzige Quelle zum Leben dieses bedeutenden Heiligen. Gregor selbst gibt an, dass er seine Informationen aus "erster Hand" erhalten hat. Nach der Zerstörung des Klosters Montecassino waren dessen Mönche nach Rom geflohen, und hatten bei Papst Gregor, der selbst das monastische Leben hoch schätzte, Aufnahme gefunden. Sie haben ihm von den großen Taten ihres Ordensgründers berichtet.
Durch die Auslegung der heiligen Schrift erfahren wir, wie die Tugend erworben und bewahrt wird, aus der Erzählung der Wunder aber erkennen wir, wie solche Tugend sich auswirkt. In vielen wird die Liebe zum himmlischen Vaterland eher durch Beispiele als durch Belehrung bewirkt. So schreibt Papst Gregor der Große in seinem Vorwort zur Vita des Heiligen Benedikt. Wenn etwas nur als trockene Theorie dargeboten wird, bleibt oft nicht viel hängen. Besser lernt man durch Beispiele. So ist es auch, wenn ich lernen möchte, wie ich Gottes Wort in meinem Leben umsetzen kann. Die beste Auslegung des Wortes Gottes ist das Leben von Menschen, die sich ganz von diesem Wort haben formen lassen. Wir brauchen Vorbilder, an denen wir uns orientieren können und Benedikt ist eines dieser großen Vorbilder. Papst Gregor selbst lebte im 6. Jahrhundert, in einer Zeit größter Orientierungslosigkeit. In einer Zeit, in der alles im Verfall begriffen schien, wollte Gregor zeigen, dass die großen Wunder, die im Alten und Neuen Testament berichtet werden, nicht der Vergangenheit angehören. Vor kurzem noch geschahen sie ganz in der Nähe - und können auch heute noch geschehen.
Die Anfänge Benedikt stammte aus vornehmem Haus. Näheres über seine Familie wissen wir nicht. Um das Jahr 480 wurde er in der Gegend von Nursia geboren. Die Eltern schickten ihn zum Studium nach Rom, doch das lasterhafte Leben der Großstadt widerte ihn an. Benedikt wollte kein Leben in den Freuden dieser Welt führen, sondern allein Gott gefallen. So verließ er Rom und zog sich zunächst noch in Begleitung seiner Amme in das Dorf Enfide zurück, wo es bei einer Kirche eine religiöse Gemeinschaft gab. Dort geschah das erste Wunder des Heiligen. Die Amme hatte sich von den Nachbarn ein Sieb ausgeliehen und dieses war zerbrochen. Benedikt nahm es in die Hand und gab es unversehrt der Amme zurück. Doch das Leben in Enfide konnte die Sehnsucht Benedikts nicht erfüllen. Er verlässt die Gemeinschaft, lässt auch seine Amme zurück, und geht in die Einsamkeit. In Subiaco findet er eine Höhle, bei der eine Quelle entspringt. Dieser Ort ist heute das Herz des Benediktinerklosters "Sacro Speco". Doch kein Mensch kann den Weg mit Gott ganz allein gehen. Wir alle brauchen Begleiter auf diesem Weg. So begegnete Benedikt auf dem Weg nach Subiaco dem Mönch eines nahen Klosters. Dieser bekleidete Benedikt mit dem Mönchsgewand und brachte ihm regelmäßig etwas Brot. Er ließ das Brot an einem Seil zu Benedikt hinab und an dem Seil war eine Glocke, die Benedikt auf das Brot aufmerksam machte. Doch es heißt, dass der Teufel diese Glocke zerschlug, so dass Benedikt einige Tage ohne Nahrung leben musste. Drei Jahre soll Benedikt in der Einsamkeit der Höhle verbracht haben. Dann sandte Gott einen Priester, der ihn aus der Einsamkeit herausführen sollte. Es war Ostern, doch Benedikt hatte jegliches Zeitgefühl verloren und wusste nicht einmal um dieses größte aller Feste. Doch der Priester hatte ein reiches Mahl mitgebracht und zum ersten Mal nach drei Jahren isst Benedikt wieder in Gemeinschaft.
Heute ist Ostern, der Tag der Auferstehung des Herrn! Da darfst du nicht fasten, denn dazu bin ich gesandt, dass wir gemeinsam die Gaben des allmächtigen Herrn genießen. Noch ist Benedikt nicht reif für Gottes Auftrag. Er muss eine weitere Versuchung bestehen, eine Versuchung, die wir sicher alle nur allzu gut kennen. Plötzlich sah er in seinem Kopf das Bild einer schönen Frau. Diese Schönheit zog ihn an und er hatte großes Verlangen nach einer Frau. Doch Benedikt erkannte, dass Gott ihn zu anderem berufen hat und auch die Gemeinschaft mit einer Frau seine tiefste Sehnsucht nicht erfüllen kann. Nackt warf er sich in die Dornen, bis sein äußerer Leib ganz verwundet, sein Inneres aber von der Versuchung geheilt war. Nie mehr überkam ihn später das Verlangen nach sinnlicher Lust.
Erste Klöster Nun schließen sich ihm erste Gefährten an, die Mönche eines nahen Klosters wählen ihn zu ihrem Abt. Doch die Führung Benedikts ist ihnen zu streng, sie wollen ihn wieder los werden und planen, ihn mit vergiftetem Wein zu töten. Doch als Benedikt über dem Wein das Zeichen des Segens macht, zerbricht das Glas und Benedikt erkennt, dass der Trank vergiftet war. Auf dieses Ereignis nimmt die verbreitete Darstellung Benedikts mit einem zerbrochenen Kelch, aus dem eine Schlange hervorkriecht, Bezug. Benedikt verlässt dieses Kloster und geht wieder in die Einsamkeit.
In der Einsamkeit wuchs der heilige Mann in der Tugend und tat immer größere Zeichen. Es sammelten sich bei ihm viele Menschen, um dem allmächtigen Gott zu dienen. Nun gründet Benedikt zwölf Klöster und setzt für jedes einen Abt ein. Er selbst bleibt mit einem kleinen Kreis von Schülern zurück, die beiden Bedeutendsten unter ihnen sind Maurus und Placidus. In seinem Tun erweist sich Benedikt als neuer Mose. Da die Klöster auf einem Berg liegen, müssen die Mönche einen gefährlichen Weg hinabsteigen, um Wasser zu holen. Sie bitten daher Benedikt, die Klöster zu verlegen. Benedikt aber betet und dann schickt er die Mönche zu einem Felsen und plötzlich entspringt auf dem Gipfel des Berges eine Quelle, die den Mönchen Wasser gibt. Doch auch hier bleibt das Leben Benedikts und seiner Mönche nicht ungestört. Einem Priester aus der Gegend ist der Heilige ein Dorn im Auge. Er will Benedikt mit einem vergifteten Brot aus dem Weg schaffen, doch ein Rabe lässt Benedikt die List erkennen und trägt das Brot fort. Nun schickt der Priester sieben nackte Frauen, die Benedikts Mönchen den Kopf verdrehen sollen. Daraufhin verlässt Benedikt diese Gegend. Auch als man ihm bald darauf meldet, dass der Priester durch einen Sturz vom Balkon seines Hauses ums Leben gekommen ist, kehrt er nicht zurück. Benedikt hat einen anderen Ort gefunden, an dem er sich nun für den Rest seines Lebens niederlässt und der zur Keimzelle seines Ordens wird: das Kloster Montecassino.
Montecassino Die Anhöhe des Monte Cassino, dre die umliegende Ebene beherrscht und weithin sichtbar ist, barg schon zu heidnischen Zeiten ein Heiligtum. So muss Benedikt auch zunächst die Geister der heidnischen Götter vertreiben, die allerlei Unheil anstiften. Doch schließlich wird Montecassino zu einem Ort des Segens. Dort schreibt Benedikt seine Regel nieder und es entsteht die erste Mönchsgemeinschaft, die treu nach dieser Regel lebt. Ganz in der Nähe gründet dann auch Benedikts Schwester Scholastika ein Kloster für Frauen. Über eine schicksalhafte Begegnung der beiden Geschwister können Sie sich auf der Seite zum Fest der heiligen Scholastika informieren.
In vielen kurzen Geschichten schildert Gregor uns, wie Benedikt in Montecassino Wunder wirkt und die Gabe der Prophetie besitzt. Er stellt ihn so auf eine Ebene mit den Propheten des Alten Bundes. Seine Fähigkeiten hat der Heilige nicht aus sich selbst, sondern sie kommen aus seiner engen Beziehung zu Gott. Immer sehen wir ihn im Gebet. Noch vor den anderen Mönchen steht er zu nächtlicher Stunde auf, um vertraute Zwiesprache mit Gott zu halten. Wir sehen die Leidenschaft, die den Heiligen dazu treibt, möglichst viel Zeit mit Gott zu verbringen.
Hl. Benedikt von Nursia Ora et labora - bete und arbeite! Das ist der Wahlspruch der Benediktiner, der zwar so nicht in der Regel steht, aber deren Inhalt prägnant wiedergibt. Jeder Müßiggang soll dem Mönch fremd sein. In der Regel des Hl. Benedikt heißt es:
Müßiggang ist der Seele Feind. Deshalb sollen die Brüder zu bestimmten Zeiten mit Handarbeit, zu bestimmten Stunden mit heiliger Lesung beschäftigt sein. Jeder Tag ist geprägt von einer festen Struktur. Die erste Stelle nimmt das Gebet ein. Die Stunden des Gebets unterteilen den Tag. Zwischen den Gebetszeiten gibt es feste Zeiten für die Arbeit, die zur Zeit des Hl. Benedikt vornehmlich Handarbeit war. Später kamen vor allem Aufgaben in der Seelsorge oder Erziehung hinzu. Natürlich benötigt auch der Mönch Zeiten der Erholung. Nachtruhe, gemeinsame Essenszeiten und gemeinschaftliche Erholung haben ihren festen Platz im Tagesablauf. An erster Stelle aber steht das gemeinsame Gebet und dabei kommt es nicht nur auf die innere Gesinnung, sondern auch auf die äußere Haltung an. Das Stehen vor Gottes Angesicht, das Benedikt seine Mönche lehrt, kann auch für unseren Alltag hilfreich sein.
Überall ist Gott gegenwärtig, so glauben wir, und die Augen des Herrn schauen an jedem Ort auf Gute und Böse. Das wollen wir ohne jeden Zweifel ganz besonders dann glauben, wenn wir Gottesdienst feiern. Denken wir daher immer an die Worte des Propheten: "Dient dem Herrn in Furcht." (Ps 2,11) "Singt die Psalmen in Weisheit." (Ps 47,8) "Vor dem Angesicht der Engel will ich dir Psalmen singen." Beachten wir also, wie wir vor dem Angesicht Gottes und seiner Engel sein müssen, und stehen wir so beim Psalmensingen, dass Herz und Stimme in Einklang sind. (Regel des Hl. Benedikt) Hl. Benedikt von Nursia Der Heimgang des hl. Benedikt Wer auf Erden schon so eng mit Gott verbunden war wie der heilige Benedikt, den kann auch der Tod nicht schrecken. Im Kreis seiner Mönche stand er da, die Hände zum Himmel erhoben, und hauchte unter den Worten des Gebetes seinen Geist aus. Der Tod bedeutete für ihn nicht Schmerz, sondern Freude, den Hinübergang in die himmlische Wohnung, zu Gott, den er auf Erden mit inniger Sehnsucht geliebt hat, und den er nun schauen darf ohne Ende. Der "Heimgang (lat. Transitus) unseres Heiligen Vaters Benedikt" wird von den benediktinischen Gemeinschaften als ein eigener Festtag am 21. März begangen. Gefeiert wird sein Einzug in den Himmel, über den Gregor der Große in seiner Lebensbeschreibung des Heiligen berichtet:
Benedikt sagte einigen Schülern den Tag seines heiligen Todes voraus. ... Sechs Tage vor seinem Tod ließ er sein Grab öffnen. Bald darauf befiel ihn hohes Fieber, und große Hitze quälte ihn. Von Tag zu Tag verfielen zunehmend seine Kräfte. Am sechsten Tag ließ er sich von seinen Schülern in die Kirche tragen; dort stärkte er sich für seinen Tod durch den Empfang des Leibes und Blutes unseres Herrn. Er stand da, die schwachen Glieder unter den Händen seiner Schüler aufrecht haltend, mit zum Himmel erhobenen Händen, und tat unter Worten des Gebetes den letzten Atemzug. An demselben Tag hatten zwei seiner Brüder, der eine in seiner Zelle, der andere in weiter Entfernung, die gleiche Erscheinung. Sie sahen nämlich, wie eine mit Tüchern belegte und von unzähligen Lampen beleuchtete Straße genau in östlicher Richtung von seiner Zelle zum Himmel empor führte. Oben stand ein leuchtender Mann in ehrwürdiger Haltung und fragte sie, wessen Weg das sei. Sie antworteten darauf, das wüssten sie nicht. Da sprach er zu ihnen: Dies ist der Weg, auf dem Benedikt, der vom Herrn Geliebte, zum Himmel emporstieg. Die Magnifikat-Antiphon zu diesem Tag bringt das Erhabene des Geschehens deutlich zum Ausdruck:
Heute stieg der heilige Benedikt unter den Blicken seiner Schüler auf geradem Weg gen Osten in den Himmel auf. Heute hauchte er mit erhobenen Händen unter Worten des Gebetes seinen Geist aus. Heute wurde er in der Herrlichkeit von den Engeln empfangen. Und die alte Lesung des Stundengebetes bezieht die Worte aus dem Buch Jesus Sirach (vgl. Sir 50,6f.) auf den hl. Benedikt:
Der große Bekenner leuchtet wie der Morgenstern zwischen den Wolken und wie der Vollmond an seinen Tagen. Und wie die Sonne strahlt, so erstrahlt er im Haus Gottes. So leuchtet der Glanz des Heiligen weiter durch die Zeiten und viele sind bis heute seinem Beispiel gefolgt. Nehmen auch wir uns seinen Lebenswandel als Vorbild, damit auch uns die Herrlichkeit des Himmels zu Teil werde.
Wirkung Unter der Führung des Evangeliums - so könnte man das "Programm" des heiligen Benedikt zusammenfassen. Er möchte mit seiner Regel keine neue Lehre aufstellen, sondern er möchte einen Weg zeigen, wie Menschen unter der Führung des Evangeliums die Nachfolge Jesu Christi leben können. Dieses "Programm" des heiligen Benedikt hat seine Wirkung nicht verfehlt. In kürzester Zeit entstanden unzählige Klöster im gesamten christlichen Abendland, die sich an seiner Regel orientierten. Bis auf den heutigen Tag ist seine Regel die Grundlage für das Zusammenleben in vielen Klöstern auf der ganzen Erde. Aber auch "Weltmenschen" können aus der Regel des heiligen Benedikt wichtige Impulse für ihr Leben schöpfen. Immer haben die Klöster auch prägend auf ihre Umgebung gewirkt. Anfangs hatten sie einen wichtigen Anteil an der christlichen Durchdringung der neu missionierten Gebiete. Später wurden sie zu christlichen Zentren, von denen immer wieder entscheidende Impulse für das Glaubensleben ausgingen. Auch heute zieht die Atmosphäre eines Klosters viele Menschen an, die ihren Glauben vertiefen oder einfach nur ihre Seele neuen Atem holen lassen möchten.
Obsculta - Höre! Hl. Benedikt von Nursia Höre, mein Sohn, auf die Weisung des Meisters, neige das Ohr deines Herzens, nimm den Zuspruch des gütigen Vaters willig an und erfülle ihn durch die Tat! So kehrst du durch die Mühe des Gehorsams zu dem zurück, den du durch die Trägheit des Ungehorsams verlassen hast. An dich also richte ich jetzt mein Wort, wer immer du bist, wenn du nur dem Eigenwillen widersagst, für Christus, den Herrn und wahren König, kämpfen willst und den starken und glänzenden Schild des Gehorsams ergreifst. Gürten wir uns also mit Glauben und Treue im Guten, und gehen wir unter der Führung des Evangeliums seine Wege, damit wir ihn schauen dürfen, der uns in sein Reich gerufen hat. Höre! Mit diesem Wort beginnt die Regel des heiligen Benedikt. Sein Leben lang hat Benedikt auf den Ruf Gottes gelauscht, der ihn seinen Weg geführt hat bis ans Ziel. Menschen, die auf Gott hören, begegnen uns auch im Umfeld des Heiligen. Das zeigt uns deutlich, dass wir auf dem Weg mit Gott nicht allein sind, dass Gott uns immer Begleiter und Helfer schickt. Doch diese Menschen müssen hören auf Gottes Ruf, damit sie Begleiter und Helfer sein können. Ziemlich am Anfang seines Weges zieht sich Benedikt in die Einsamkeit zurück. Ein Mönch bringt ihm ab und zu etwas Brot. Mehrere Jahre verbringt Benedikt ganz allein in einer Höhle, ohne jeden Kontakt zur Außenwelt. Doch diese Zeit soll für Benedikt ein Ende haben. Gott offenbarte sich am Osterfest einem Priester, dass dieser hingeht, um mit Benedikt das Ostermahl zu halten. Der Priester macht sich sofort auf den Weg und findet tatsächlich Benedikt in seiner Höhle und sie preisen sie Gott und halten zusammen Mahl. Gott hat den Priester gesandt, um Benedikt die Osterfreude zu vermitteln. Sein strenges Fasten sollte ein Ende haben, eine neue Etappe auf seinem Weg sollte beginnen. Was wäre geschehen, wenn der Priester sich nicht auf den Weg gemacht hätte, wenn er nicht auf die Stimme Gottes gehört hätte? Höre! Diese Aufforderung ist an jeden von uns gerichtet. Höre auf das, was Gott dir sagen möchte. Gott hat einen Plan mit dir. Nur, wenn du auf Gottes Stimme hörst, kannst du zum Ziel deines Lebens gelangen. Höre auf die Stimme Gottes und erfülle seine Weisung durch die Tat. Neben dem Hören steht das Tun. Beides ist wichtig. Welche Freude könnte entstehen, wenn immer mehr Menschen auf den Ruf Gottes hören und ihn in die Tat umsetzen Der heilige Benedikt wollte mit seinen Klöstern eine Schule schaffen, in der Menschen lernen können, auf Gott zu hören und seinen Willen zu tun. In Gebet und Arbeit sollten die Mönche leben. So haben seine Klöster, obwohl die Mönche zurückgezogen leben, immer wieder aktiv am Aufbau der Gesellschaft mitgewirkt. Jeder Mensch braucht eine Schule, in der er lernt, auf die Stimme Gottes zu hören, eine Schule des Betens. Auch als Menschen in der Welt müssen wir uns immer wieder Zeit dafür nehmen, Beten zu lernen. Nur so können wir in der Welt als Christen aktiv sein.
Ein neuer Abraham Was in der Vorzeit rühmend ward besungen, was wir vernahmen von der Väter Größe, das macht dein Leben, heil'ger Benedictus, leuchtend uns sichtbar.
Abraham gleichend folgtest du dem Rufe, zogst aus der Heimat, wie dir Gott geboten, suchtest die Stätte, die er dir verheißen, gläubigen Herzens.
Ein zweiter Mose, gabst du deinen Söhnen Weisung und Regel für den Weg des Lebens. Was ihr Beruf sei, lehrtest du die Mönche: Gott nur zu suchen.
Heiliger Vater, den der Herr gesegnet, dem er die Krone ew'gen Lebens schenkte, stärke uns Schwache, deinem Bild zu folgen treu im Gehorsam. Der Hymnus zum heutigen Fest stellt uns Benedikt als neuen Abraham vor. Wie Abraham so ist auch Benedikt ausgezogen auf Gottes Ruf hin, er ist ausgezogen aus einer Welt, die keine Ordnung mehr kannte, in der die Sitten verfallen waren und die ihrem Untergang entgegenging. Das römische Weltreich war zerbrochen, die neuen Völker Europas noch in rastloser Bewegung. Nichts schien mehr Bestand zu haben in dieser Zeit. Doch nach Jahren der Einsamkeit kehrt Benedikt zurück in die Welt. Kein Weltpessimismus prägt den Heiligen, sondern durch ihn wirkt Gottes Plan die Erneuerung dieser zerfallenen Welt. Nach mehreren Stationen wurde Montecassino zum Ziel seines Weges. Das Kloster auf dem Berg als weithin sichtbare Stätte Gottes wurde zum Symbol einer neuen Zeit. Von dort aus ziehen die Mönche in die ganze Welt hinaus. Ihr Leben im Verborgenen, ihr Beten und Arbeiten, entfaltet eine Strahlkraft, die Europas Kultur neu zum Blühen bringt. Wie Abraham zum Vater vieler Völker geworden ist, so verehren wir den heiligen Benedikt als Schutzpatron Europas, dessen Wirken unsere Welt bis heute prägt. Bitten wir ihn um seine Fürsprache, dass unsere Heimat auch heute wieder neu den Weg mit Gott geht und in schweren Zeiten den Weg zu einer frischen Blüte findet. Benedictus heißt der Gesegnete. Wie Gott einst zu Abraham sprach: "Ich will dich segnen - Ein Segen sollst du sein" (Gen 12,2), so ist auch Benedikt ein Gesegneter des Herrn, der Gottes Segen für die Menschen sichtbar macht. Nicht aus sich hat er diese Kraft, sondern im Hören auf Gottes Wort führt ihn der Herr diesen Weg.
Durch ihn vollbringt der Mensch die höchsten Werke,
Auf dass die Welt den Finger Gottes merke.
1. Zu allen Zeiten, wenn die Missetaten überhand nahmen und der Glaube zu wanken drohte, erweckt Gott heilige Menschen, die durch das Feuer ihres Eifers dem Strom des Verderbens einen Damm setzten. Gewöhnlich beruft er diese Herolde, gleich dem heiligen Täufer Johannes, früher in die Einöde, dort zu ihrem Herzen zu sprechen, und es gleich einer heiligen Lampe mit dem Öl seiner Liebe und aller Tugenden zu erfüllen. Ein solches Licht im Herrn war Benedikt, der dem herrschenden Sittenverderbnis entfloh, und Gott unter Fasten und Gebet in einer schauderhaften Wildnis diente. Auch wir können nur in der Entfernung von der Welt, und durch Abtötung und Gebet zu den Gnaden Gottes uns vorbereiten.
2. Gott, der den jungen Benedikt zum Feldherrn eines großen Heeres heiliger Streiter bestimmt hatte, ließ es zu, dass er durch viele und heftige Versuchungen geprüft würde. Zumal wurde er so furchtbar gegen die Keuschheit angefochten, dass er sich nackt auf Dornen wälzte, das Feuer der Begierlichkeit durch das Blut seines verwundeten Körpers zu löschen. Bald zog der Ruf seiner Heiligkeit viele an, unter seine Leitung sich zu begeben. Sogar viele Klöster verlangten ihn zum Vorgesetzten. Da jedoch die Ordenszucht verfallen war, und sie keiner Regel sich fügen wollten, stellten sie ihm nach dem Leben. Auch erweckte der Feind des Heils ihm viele andere schwere Verfolgungen, die Früchte des Guten, die er vorhersah, im Keim zu ersticken. Also führt Gott alle seine wahren Diener durch schwere Trübsale zum Ziel.
3. Nachdem aber das Samenkorn auf diese Weise erstorben war, brachte es viele Frucht. Es ging daraus einer der größten und heiligsten kirchlichen Orden hervor, durch die Heiligkeit und Wissenschaften wundersam gefördert wurden. Der Orden gebar zahllose Heilige, und zählte viele Päpste und Kardinäle, Kaiser und Könige und andere Personen aus königlichen und fürstlichen Häusern als Mitglieder. Willst du vieles für Gottes Ehre tun, so leide vieles für ihn, und kämpfe tapfer gegen die Versuchungen. Jakobus 1,12: "Glücklich der Mann, der in der Versuchung standhält. Denn wenn er sich bewährt, wird er den Kranz des Lebens erhalten, der denen verheißen ist, die Gott lieben."
Der Heilsplan Gottes für den Menschen Gott offenbart seinen „gnädigen Ratschluß“
Von der wahren und falschen Freude
Die wahre Freude kennt nicht diese Welt,
Wo Bitterkeit die kurze Lust vergällt,
Hoch thront sie über diesen niedern Sphären,
Das Herz muss sie durch reinen Schmerz gebären.
1. Niemand liebt uns inniger als Jesus, unser liebevoller Erlöser, der sogar sein blühendes Leben opferte, eine unendliche Freude uns zu erkaufen. Er kennt das lebendige Verlangen unseres Herzens nach Freude. Weil er aber uns unaussprechlich liebt, warnt er uns, diesen Hunger nicht mit giftigen Speisen zu sättigen, die uns den ewigen Tod bringen würden, und erhebt unser Verlangen zu wahren und ständigen Freuden. "Ihr werdet weinen," spricht er, "und die Welt wird sich erfreuen, . . . aber eure Traurigkeit wird sich in Freude verwandeln." Und in welche Freude! "Wahrlich, keines Vergleiches sind alle Trübsale der Erde gegen die unendliche Freude der Ewigkeit wert."
2. Umgekehrt geht die Freude der Welt, die bei der Fröhlichkeit beginnt, und mit diesem Leben endigt, in ein ewiges Elend über. Darum spricht die ewige Wahrheit warnend: "Wehe euch, die ihr jetzt lacht, denn ihr werdet weinen!" Denn was anders sind die Freuden dieser ungläubigen Welt, als eine Verkettung von sündhaften Torheiten und Lastern. Sie spottet jetzt der Kinder Gottes und nennt ihr Leben Torheit. Sind wir aber getreu, dann wird sie über ein Kleines bei unserem Anblick ausrufen: "Dies sind jene, die einst die Zielscheibe unseres Spottes waren. Wir Unbesonnenen hielten ihr Leben für Unsinn. Sieh, wie sie nun den Kindern Gottes beigezählt sind, und ihr Los unter den Heiligen haben." (Weisheit 5,4-5)
3. "Ihr seid tot," spricht der Apostel, "und euer Leben ist mit Christus in Gott verborgen." (Kolosser 3,3) Ein Beispiel dieses Todes, der voll des Lebens im Innern ist, sehen wir an den Bäumen, die zur Winterzeit erstarrt scheinen, so wie der Frühling erscheint, in voller Kraft Laub und Früchte treiben. Lässt aber unser Gott seine Auserwählten hienieden ohne Freude? Ist ja doch das Reich Gottes Friede und Freude im Heiligen Geist. (Römer 14) Und so groß ist diese Freude, dass fromme Menschen selbst ihre bittersten Trübsale nicht für die rauschendsten Freuden der Welt hingeben möchten. So warten wir denn in heiliger Geduld, "denn Besseres hat Gott für uns aufbewahrt!" (Hebräer 11,40) "Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch!" (Philipper 4,4)
Heiliger Joseph, du treuer Verehrer Mariens, mit der Lilie als dem Zeichen der Unschuld in der Hand, erbitte uns von dem, der dich Vater nannte, von Jesus unserem Herrn, die Gnade, mir durch ein reines und heiliges Leben Maria wahrhaft verehren und Jesus wahrhaft dienen. Amen.
Zum heiligen Josef
Heiliger Vater Josef, ich bitte dich, stehe mir bei, wenn ich sterbe, und erlange mir die Gnade, dass Jesus und Maria mir in meinem letzten Hinscheiden zu Hilfe eilen, und meine Seele zu sich in die ewige Wohnung aufnehmen wollen. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
Das Fest des glorwürdigen Bräutigams Mariä bringt an sich selbst das gottselige Andenken an die seligste Jungfrau. So steigt auch die Ehre des heiligen Josef bis auf die erhabenste Stufe daraus, dass er der unvergleichlich großen Mutter Gottes von dem Allerhöchsten zum Bräutigam auserkoren worden ist. Lasst uns denn den heiligen Josef eifrig bitten, uns von Gott zu erlangen, dass wir allen unseren Pflichten Jesus Christus gegenüber, seinem lieben Sohn, auf Erden, und gegenüber Maria, seine selige Mutter, getreu nachkommen
1. Die Schrift fasst alle erhabenen Vorzüge des glorreichen heiligen Patriarchen Joseph in die kurzen Worte zusammen: "Joseph, der gerecht war." Vorzugsweise war er der Gerechte, in dem alle Tugenden wie in ihrem Brennpunkt sich vereinigten. So himmlisch leuchtete der Glanz seiner Heiligkeit, dass der ewige Vater selbst seinen eingeborenen Sohn ihm zur Führung seiner Kindheit in der menschlichen Natur übergab. So lilienrein auch war seine Keuschheit, dass der Allerhöchste zum Beschützer der jungfräulichen Mutter seines Eingeborenen ihn erkor, die heiligsten Personen des Himmels und der Erde ihm unterordnete, und ihre Leitung in seine Hände legte, eine Würde, deren er den höchsten Seraph nicht würdig achtete.
2. So groß und erhaben aber dieser heilige Patriarch in den Augen Gottes war, so demütig war er in seinen eigenen. Von Gottes Licht im Innern erleuchtet, und verabgründet in die hochheiligen Geheimnisse der ewigen Weisheit, betrachtete er in Ehrfurcht die heiligste Familie, liebte sie in übernatürlicher Liebe, wachte über sie mit väterlicher Fürsorge, und diente ihr als getreuester Knecht. Im Schweiß seines Angesichtes arbeitete er, sie zu nähren und zu pflegen. Waren auch seine Arbeiten nur gewöhnliche Werke, so tat er sie dennoch mit so reiner Absicht und mit so großer Liebe, dass die geringste unter ihnen alle glänzenden Taten aller weltberühmten Weisen und Helden unendlich überwog.
3. Aber hoch über allen sterblichen Begriffen steht die zarte Liebe, die himmlische Innigkeit dieser drei heiligsten Personen. In wunderschöner Vertraulichkeit kamen sie dem heiligen Patriarchen zuvor. Zärtlich liebkoste das Kind Jesus seinen geliebtesten Pflegevater. Und wer wird es je erfassen, zu wie unermesslicher Liebe und Heiligkeit dieser große Heilige in dem so langjährigen Umgang mit Jesus und Maria gelangte. Wie vieles erbietet sich hier zur andächtigen Betrachtung. Zumal aber zeigte sich die zarteste Liebe und Dankbarkeit seiner jungfräulichen Braut und seines göttlichen Pflegesohnes beim Tod dieses geliebtesten Patriarchen, der in ihren Armen verschied. O unaussprechlicher Trost, o Seligkeit eines solchen Todes! Numeri 23,10b: "Oh, könnte ich den Tod der Gerechten sterben, und wäre mein Ende dem seinen gleich."
Die Kirche feiert heute den Festtag des hl. Josef.
Er ist der Mann an der Seite Mariens und Ziehvater des Jesuskindes. Die Evangelisten Matthäus und Lukas berichten über ihn in ihren Kindheitsgeschichten, bei Johannes wird zweimal erwähnt, dass Jesus als der Sohn Josefs galt (Joh 1,45 und 6,42). Doch es wird kein Wort von ihm überliefert. Bei Markus wird er nicht einmal namentlich erwähnt. Von ihm erfahren wir nur indirekt über den hl. Josef. In seiner Heimatstadt Nazaret kannte man Jesus uns seine Eltern und sagte über ihn:
Ist das nicht der Zimmermann, der Sohn der Maria und der Bruder von Jakobus, Joses, Judas und Simon? Leben nicht seine Schwestern hier unter uns? Und sie nahmen Anstoß an ihm und lehnten ihn ab. (Mk 6,3) Matthäus formuliert ähnlich:
Ist das nicht der Sohn des Zimmermanns? Heißt nicht seine Mutter Maria und sind nicht Jakobus, Josef, Simon und Judas seine Brüder? Leben nicht alle seine Schwestern unter uns? Woher also hat er das alles? (Mt 13,55-56)
Aus diesen Stellen erfahren wir, dass Josef Zimmermann war und dass auch Jesus von ihm dieses Handwerk gelernt hatte. Ob Josef selbständig war oder wie groß sein Betrieb war, wissen wir nicht. Was wir bei Lukas über die Kindheit Jesu hören, lässt aber darauf schließen, dass Josef eher ein einfacher Handwerker war, der von seinem Gewerbe leben konnte, aber damit nicht reich wurde. Darauf weist das Einfache-Leute-Opfer von zwei Tauben hin, das die Eltern bei der Darstellung Jesu im Tempel darbringen. Bereits die frühe Kirche glaubte, dass Josef nicht der leibliche Vater Jesu war. Schon immer galt Jesus als der Sohn Gottes, und das bedeutet, dass er zwar aus einer Frau geboren war, aber nicht von einem menschlichen Vater gezeugt wurde. Gott hat ihn auf wunderbare Weise im Leib Mariens entstehen lassen. Das versucht Matthäus durch das sogenannte Passivum Divinum zu erklären, einer Formulierung im Passiv, die deutlich macht, dass allein Gott der Handelnde sein kann. Er spricht von
Josef, dem Mann Marias; von ihr wurde Jesus geboren, der der Christus genannt wird. (Mt 1,16) Konkreter berichtet uns Lukas von der Verheißung der Geburt Jesu.
Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria. (Lk 1,26-27) Maria war eine Jungfrau, die mit Josef verlobt war. Zu ihr sendet Gott den Erzengel Gabriel. Er verkündet ihr, dass sie ein Kind empfangen wird:
Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen und seine Herrschaft wird kein Ende haben. (Lk 1,31-33) Wir alle kennen diese Worte des Engels und wir kennen auch die Antwort Mariens. Sie spricht ihr Ja zu Gottes Willen und es geschieht mit ihr, wie der Engel verheißen hat.
Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verließ sie der Engel. (Lk 1,38) Der Sohn Gottes, der Messias, muss aus dem Haus Davids stammen. Um dies zu belegen, finden wir bei den Evangelisten Matthäus und Lukas jeweils einen Stammbaum Jesu. Beide unterscheiden sich deutlich voneinander, aber beide führen die Linie Jesu auf David zurück. Das entscheidende Bindeglied zum Haus David ist in beiden Stammbäumen der hl. Josef. Er ist es, der aus dem Haus Davids stammt. Auch wenn er nicht der leibliche Vater Jesu ist, wird durch seine eheliche Verbindung mit Maria die Linie ihres Kindes mit der seinen verknüpft. Für Josef war es nicht leicht, die Schwangerschaft Mariens anzunehmen. Es galt als Schande, wenn eine Frau schwanger wurde, bevor sie verheiratet war und diese Schande fiel auch auf den Mann, der mit ihr eine Verbindung einging. Maria war bei ihrer Schwangerschaft mit Josef verlobt, aber Josef wusste sicher, dass das Kind nicht von ihm sein konnte. Wie sollte er mit dieser Situation umgehen? Um der öffentlichen Schande zu entgehen, wäre es am besten gewesen, wenn er sich von Maria getrennt hätte. Wir wissen nicht, ob Maria ihm sogleich die Geschichte mit dem Engel erzählt hat, und wenn ja, selbst einem frommen Mann fällt es schwer, so etwas zu glauben. Doch auch ihm erscheint ein Engel, und dann versteht er.
Mit der Geburt Jesu Christi war es so: Maria, seine Mutter, war mit Josef verlobt; noch bevor sie zusammengekommen waren, zeigte sich, dass sie ein Kind erwartete - durch das Wirken des Heiligen Geistes. Josef, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte, beschloss, sich in aller Stille von ihr zu trennen. Während er noch darüber nachdachte, erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sagte: Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist. Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen. Dies alles ist geschehen, damit sich erfüllte, was der Herr durch den Propheten gesagt hat: Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, einen Sohn wird sie gebären, und man wird ihm den Namen Immanuel geben, das heißt übersetzt: Gott ist mit uns. Als Josef erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich. Er erkannte sie aber nicht, bis sie ihren Sohn gebar. Und er gab ihm den Namen Jesus. (Mt 1,18-25) Wenn wir die beiden Berichte von Lukas und Matthäus vergleichen, so fällt uns auf, dass bei Lukas Maria im Zentrum des Geschehens steht. Ihr erscheint der Engel. Sie spricht ihr Ja zu Gottes Willen. Josef braucht keine Erklärung. Er steht an der Seite Mariens. Er zieht mit ihr nach Betlehem, weil es so auf Befehl des Kaisers Augustus sein musste und weil der Messias in Betlehem, der Stadt Davids, geboren werden musste:
So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Betlehem heißt; denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids. Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete. Als sie dort waren, kam für Maria die Zeit ihrer Niederkunft, und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war. (Lk 2,4-7) Er steht neben der Krippe mit Maria, als die Hirten nach den Worten der Engel herbeieilen:
Sie eilten hin und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag. (Lk 2,16) In den nun folgenden Berichten von der Darstellung im Tempel und der Suche nach dem zwölfjährigen Jesus wird sogar nur noch von seinen Eltern berichtet und Josef namentlich nicht mehr einzeln erwähnt. Er steht dabei, treu und zuverlässig. Aber es ist Maria, die klar im Mittelpunkt steht. Zu ihr spricht der Prophet Simeon im Tempel, dass ihr ein Schwert durch die Seele dringen wird, sie bewahrt alles, was geschehen ist, in ihrem Herzen.
Anders bei Matthäus. Hier ist es Josef, dem im Traum mehrmals ein Engel erscheint, um ihm zu sagen, was er tun soll. Von einer Begegnung Marias mit einem Engel erfahren wir bei Matthäus nichts. Hier ist es Josef, der sein "fiat" zum Willen Gottes gibt. Doch das geschieht anders als bei Maria im Lukasevangelium. Ihm tritt nicht der Erzengel Gabriel leibhaftig gegenüber, sondern es erscheint ihm ein namenloser Engel im Traum. Ist er uns dadurch aber nicht umso näher? Dass ein Erzengel leibhaftig einem Menschen erscheint, ist etwas Einmaliges. Doch dass ein Engel zu einem Menschen im Traum spricht, das kann jedem passieren. Wir merken es vielleicht nur nicht immer. Joseph hört die Stimme Gottes, der durch einen Engel im Traum zu ihm spricht. Bitten wir den heiligen Joseph um seine Fürsprache, dass auch wir zu solch hörenden Menschen werden.
Hl. Joseph Nachdem Josef auf Geheiß des Engels Maria angenommen hat und damit auch das Kind Marias rechtlich als sein Kind galt, bekommt er noch zwei Aufträge, um das Kind und seine Mutter zu beschützen. Weil König Herodes von den Sterndeutern erfahren hat, dass ein königliches Kind in Betlehem geboren ist, fürchtet er um seine Herrschaft und lässt alle Kinder Betlehems töten. Josef aber flieht rechtzeitig mit seiner Familie nach Ägypten:
Als die Sterndeuter wieder gegangen waren, erschien dem Josef im Traum ein Engel des Herrn und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter, und flieh nach Ägypten; dort bleibe, bis ich dir etwas anderes auftrage; denn Herodes wird das Kind suchen, um es zu töten. Da stand Josef in der Nacht auf und floh mit dem Kind und dessen Mutter nach Ägypten. Dort blieb er bis zum Tod des Herodes. Denn es sollte sich erfüllen, was der Herr durch den Propheten gesagt hat: Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen. (Mt 2,13-15) Nach Ägypten ist auch ein anderer Josef gegangen, der Sohn Jakobs, einer der zwölf Stammväter Israels. Er wurde von seinen Brüdern dorthin verkauft, wurde aber dann zu einem mächtigen Mann an der Seite des Pharao, und als sein Vater und seine Brüder wegen einer Hungersnot in Bedrängnis gerieten, rettete er sie, indem er sie nach Ägypten kommen ließ. Auch dieser Josef war ein Träumer, dem Gott im Traum seinen Willen offenbarte. Somit ist es kein Zufall, dass auch der Josef des Neuen Testaments Träume hat und mit seiner Familie nach Ägypten zieht. Als die Zeit dafür gekommen ist, lässt Gott die Heilige Familie wieder nach Israel zurückkehren, und wieder ist es Josef, der hier auf Geheiß Gottes der Handelnde ist:
Als Herodes gestorben war, erschien dem Josef in Ägypten ein Engel des Herrn im Traum und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter und zieh in das Land Israel; denn die Leute, die dem Kind nach dem Leben getrachtet haben, sind tot. Da stand er auf und zog mit dem Kind und dessen Mutter in das Land Israel. Als er aber hörte, dass in Judäa Archelaus an Stelle seines Vaters Herodes regierte, fürchtete er sich, dorthin zu gehen. Und weil er im Traum einen Befehl erhalten hatte, zog er in das Gebiet von Galiläa und ließ sich in einer Stadt namens Nazaret nieder. Denn es sollte sich erfüllen, was durch die Propheten gesagt worden ist: Er wird Nazoräer genannt werden. (Mt 2,19-23) Aufmerksam sein und die Zeichen der Zeit deuten können, im entscheidenden Moment das Rechte tun, das war dein großes Verdienst, Heiliger Joseph. Du hast auf das gehört, was Gott dir gesagt hat. Als Maria auf wunderbare Weise schwanger wurde, da hast du sie nicht allein gelassen, du hast für sie gesorgt. Du hast nicht nach dem Augenschein und Hörensagen geurteilt. In Liebe warst du der dir anvertrauten Frau, Maria, verbunden. Als dann der freudige Tag kam und der Sohn Gottes geboren wurde, als die Hirten jubelten und die Könige Geschenke brachten, bist du doch aufmerksam geblieben. Du hast die Gefahr erkannt, die vom Neid des Herodes drohte. Du hast Gottes Ruf im Traum gehört und glaubend angenommen, dass du für das Kind sorgen sollst - für Gottes Sohn, als wäre es dein eigener. Als dem Kind Gefahr drohte, hast du nicht einfach weggesehen. Wieder hast du Gottes Wort geglaubt, hast alles verlassen, deine Arbeit, deine Heimat, und bist mit deiner Familie aufgebrochen in die Fremde, nach Ägypten, um Gottes Sohn in Sicherheit zu bringen. Der mühsame Weg nach Ägypten, ein Leben in der Fremde, du hast deine Familie sicher hindurchgeführt. Nach eurer Rückkehr ins Heilige Land hast du weiter treu gesorgt für das Kind und seine Mutter, in aller Stille und Bescheidenheit, um das Geheimnis wissend, das deine Familie umgab. Du hast deinen Sohn liebevoll erzogen. Gott hat dich mit Gnaden reicht beschenkt. Auf deinen Armen durftest du den Heiland tragen, und unter deinen Augen wuchs er heran. Du bist gepriesen unter allen Männern, und gepriesen ist Jesus, das göttliche Kind deiner jungfräulichen Lebensgefährtin. Dann erfahren wir nichts mehr von dir. Aber es bleibt uns dein Beispiel, aufmerksam zu sein, wenn Gott uns anrührt und in seinen Dienst ruft, anzupacken, wenn es Zeit ist und aufzubrechen, auch wenn der Weg uns ungewiss erscheint. Du hast das öffentliche Wirken Jesu nicht mehr erlebt, aber Gott hat dich in den Himmel erhoben. Dort hast du weiter auf deine Familie geschaut. Durch alle Zeiten schaust du auf uns Kinder Gottes, hörst unsere Bitten und stehst uns gnädig bei. Sei du allezeit unser Fürsprecher in unseren Sorgen um unsere Familien, um unser Wohlergehen und unsere Berufsarbeit. Stehe uns endlich auch gütig bei in der Stunde unseres Todes. Heiliger Joseph, steh uns bei, dass wir deinem Beispiel folgen. Bitte für uns, dass auch wir auf Gottes Wort hören, wie du es getan hast, und gehorsam seinen Willen tun. Bitte für uns in unseren Nöten und steh uns bei, dass wir einst das Ziel unseres Lebens erreichen, ewig bei Gott zu sein. Amen.
Freue dich, du gerechter Josef, und lobe den Herrn. Freue dich, denn ganz Israel frohlockt. Freue dich, denn der Gott Jakobs kehrt zurück nach Hause. Freue dich, denn David tanzt vor ihm. Freue dich, denn dein Weg wird durch das Licht der Welt erhellt. Freue dich, denn eine Feuersäule zeigt dir den Weg. Freue dich, denn das Brot des Lebens wandert mit dir. Freue dich, denn du trinkst das Wasser der Unsterblichkeit. Freue dich, denn mit dir wandert der einzig richtige Weg. Freue dich, denn du hältst in deinen Händen die Wahrheit. Freue dich, denn das Leben liegt an deiner Brust. Freue dich, du Ort der göttlichen Ruhe. Freue dich, du heiliger Beschützer der Unbefleckten Jungfrau. (Gebet der Ostkirche - zur Rückkehr aus Ägypten) Still ist es um den heiligen Josef in den Evangelien nach der Kindheit Jesu und auch in der Kirche war es lange Zeit still um ihn. Doch dann entdeckt das Volk seine Verehrung, zunächst im Osten, später auch im Westen. Sicher, der heilige Josef ist bei allen Festen, die in Zusammenhang mit der Geburt Jesu stehen, ganz selbstverständlich dabei. Wer sehen ihn zu Weihnachten an der Krippe Jesu und am Fest der Darstellung des Herrn neben Maria mit dem Jesuskind im Tempel. Einen eigenen Festtag erhält er allerdings erst relativ spät. Sichere Belege für ein Fest des hl. Josef am 19. März finden sich erst im 12. Jahrhundert und es dauerte noch bis zum 15. Jahrhundert, bis dieses Fest für die ganze Kirche eingeführt wurde. 1621 wurde der Josefstag zu einem gebotenen Feiertag. Pius IX. erklärte 1870 den hl. Josef zum Schutzpatron der ganzen Kirche und erhob den Rang seines Festtages am 19. März zu einem Hochfest. Seit dem Jahr 1955 hat der heilige Josef mit dem Festtag des heiligen Josef, des Arbeiters am 1. Mai einen weiteren Gedenktag im Kirchenjahr. Der heilige Josef war in der Volksfrömmigkeit durch viele Jahrhunderte hindurch von großer Bedeutung und auch heute vertrauen wir ihm ganz besonders die Sorge um unsere Familien und um unsere Arbeitsstelle an und bitten ihn um seinen Beistand in der Stunde des Todes. Josef ist der stille Mann im Hintergrund, von dem in der Heiligen Schrift kein einziges Wort überliefert ist. und doch ist er von wesentlicher Bedeutung, für Maria, für Jesus als Mensch, für Gott, und auch für uns. Josef leistet einen wesentlichen Beitrag dazu, dass Gott unter uns Menschen leben kann. Josef ist ein Mann des Hörens und er ist zugleich ein Mann des Tuns. Für ihn gibt es kein langes Diskutieren. Er tut sogleich das, was Gott von ihm will. Er sagt nicht, ja man müsste eigentlich ... und tut doch nichts. In Stille, ohne groß von sich reden zu machen, erfüllt er seinen Auftrag. Dabei ist er mehr als ein bloßer Befehlsempfänger. Er handelt in Freiheit und aus Überzeugung. Was mir besonders wichtig erscheint ist, dass Gott Josef aktiv in seinen Plan mit einbezieht. Josef erfährt nicht irgendwie von hinten herum oder indirekt durch Maria, dass Gott da irgendeinen Plan hat. Gott selbst weiht ihn durch einen Engel ein. Gott zeigt Josef, dass es seine Aufgabe ist, für den heranwachsenden Gottessohn zu sorgen. Dies schließt mit ein, dass Josef als keuscher Gefährte mit Maria zusammenlebt und auf die geschlechtliche Gemeinschaft mit ihr verzichtet. Das war sicher nicht leicht für ihn. Sicher hatte er andere Erwartungen, als er sich in das schöne junge Mädchen namens Maria verliebt und sich schließlich mit ihr verlobt hat. Josef hätte weg gehen können. Doch er blieb. Er nahm den Willen Gottes als den seinen an. Erst durch Josef wird Jesus der verheißene Sohn Davids. Er war aus dem Stamm Juda und in ihm floss das königliche Blut des Urahnen David. Obwohl Jesus nicht sein leiblicher Sohn ist, folgt der Stammbaum Jesu der Tradition gemäß doch seiner Linie. Der Gottessohn ist für ihn wie sein eigener Sohn. Josef ist immer für Maria und Jesus da. Er führt die Heilige Familie sicher durch schwierige Zeiten. Er hält treu zu den ihm Anvertrauten, eben weil er nicht bloß Statist ist, sondern weil Gott ihm die Sorge für seinen Sohn und dessen Mutter anvertraut hat und er diese bewusst angenommen hat. Josef tat, was Gott von ihm wollte. Sein Wille war eins mit dem Willen Gottes. Das ist, egal wo wir stehen, auch unsere Aufgabe. Den Willen Gottes erkennen und ihn tun. So können wir mitarbeiten am Aufbau des Reiches Gottes. Bitten wir den heiligen Josef dazu um seine Fürsprache.
Hl. Joseph Ein ehrlicher Mensch erntet vielfachen Segen und wer auf seinen Herrn achtgibt, wird geehrt. (Spr 28,20.27,18) Dieses Zitat aus den Sprichwörtern, das früher die Kirche für das Fest des hl. Josef vorgesehen hatte, trifft das Wesen des Heiligen. Er war gut und gerecht, ein ehrlicher Mensch, der treu den Auftrag Gottes befolgt hat und auf seinen Herrn achtgegeben hat. Er hat im Kind, das seine Verlobte geboren hat und das nicht von ihm stammte, den Sohn Gottes, den Herrn Jesus Christus erkannt
Wie Gott das Ja Marias brauchte, um seinen Plan zu erfüllen, so brauchte er auch das stille Ja des hl. Josef. Denn hätte Josef die Schwangerschaft Marias nicht akzeptiert, wäre sie sicher aus der Gesellschaft ausgestoßen, wenn nicht gar als Ehebrecherin gesteinigt worden. Heutzutage werden alleinerziehende Mütter von der Gesellschaft akzeptiert, aber das ist noch nicht lange so. Über Jahrhunderte hinweg galt ein außereheliches Kind als Schande. Wir müssen uns die ganze Tragweite der Situation bewusst machen, in die Maria durch ihr Ja zu Gottes Plan geraten ist.
Josef verstößt Maria nicht, sondern nimmt sie zu seiner Frau und nimmt ihr Kind an wie sein eigenes. Er ist der Ernährer dieser für damalige Zeiten kleinen Familie und er war Jesus ein guter Vater, auch wenn er wusste, dass ein ganz anderer der wahre Vater ist. Lukas berichtet uns, dass auch Jesus sehr bald darum wusste, wer sein wahrer Vater ist, spätestens ab seinem zwölften Lebensjahr, als er zu seinen Eltern, die ihn im Tempel fanden, sagte: "Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört?" (Lk 2,49)
Preisen möge dich heut, Josef, der Engel Schar, dir erklinge im Chor unseres Jubels Lied. Du bist wahrhaft erwählt hat doch der Herr der Welt Sohn und Mutter dir anvertraut. Papst Johannes Paul II. sagt in seinem Apostolischen Schreiben Redemptoris Costos über Gestalt und Sendung des hl. Josef im Leben Christi und der Kirche:
Der hl. Josef hatte am Geheimnis der Menschwerdung Gottes teil wie kein anderes menschliches Geschöpf, ausgenommen Maria.
Am Anfang dieses Pilgerweges trifft sich der Glaube Mariens mit dem Glauben Josefs. Der hl. Josef wurde von Gott dazu berufen, durch die Ausübung seiner Vaterschaft unmittelbar der Person und Sendung Jesu zu dienen: auf diese Weise wirkt er in der Fülle der Zeit an dem großen Geheimnis der Erlösung mit und ist tatsächlich Diener des Heils. Seine Vaterschaft kommt konkret darin zum Ausdruck, dass er sein Leben zu einem Dienst, zu einem Opfer an das Geheimnis der Menschwerdung und an den damit verbundenen Erlösungsauftrag gemacht hat.
Da Pius IX. in schwieriger Zeit die Kirche dem besonderen Schutz des heiligen Patriarchen Josef anvertrauen wollte, erklärte er ihn zum Patron der katholischen Kirche. Der Papst wusste, dass er damit nicht eine weit hergeholte Geste vollzog, denn aufgrund der herausragenden Würde, die Gott diesem treuen Diener gewährt hatte, hielt die Kirche nach der seligen Jungfrau, seiner Frau, stets den heiligen Josef hoch in Ehren und bedachte ihn mit Lob und wandte sich vorzugsweise in ihren Bedrängnissen an ihn. Eingedenk der Tatsache, dass Gott die Anfänge unserer Erlösung dem aufmerksamen Schutz des hl. Josef anvertraut hat, bittet sie ihn zu ermöglichen, dass sie in Treue am Heilswerk mitwirkt, dass ihr dieselbe Treue und Reinheit des Herzens, die Josef im Dienst am fleischgewordenen Wort beseelte, zu Teil wird, und dass sie nach dem Beispiel und durch die Fürsprache des Heiligen vor Gott hergeht auf den Wegen der Heiligkeit und Gerechtigkeit.
In seiner Enzyklika Quamquam pluries schreibt Papst Leo XIII.
Damit Gott unseren Gebeten ein huldvolleres Ohr leihe und damit er seiner Kirche bereitwilliger und freigebiger beistehe, scheint es uns höchst angebracht, dass die Christenheit es sich zur Gewohnheit mache, zugleich mit der jungfräulichen Gottesmutter auch den heiligen Josef, ihren keuschen Gemahl, mit großer Andacht und kindlichem Vertrauen anzurufen.
Bei dir, heiliger Josef, suchen wir Zuflucht. Wir haben deine heiligste Braut um Hilfe angefleht und bitten nun vertrauensvoll um deinen väterlichen Schutz. Um der Liebe willen, die dich mit der unbefleckten Jungfrau und Gottesmutter verbunden, um der väterlichen Liebe willen, mit der du das Jesuskind umfangen hast, bitten wir dich flehentlich: Schau gütig herab auf die Kirche, die Jesus Christus durch sein Blut sich erworben hat, und komm unseren Nöten durch deine Macht zu Hilfe.
Du hast in treuer Sorge gewacht über die heilige Familie; schütze nun auch die auserwählten Kinder Jesu Christi. Liebreicher Vater, halte fern von uns jede Ansteckung durch Irrtum und Verderbnis. Du starker Beschützer, steh uns vom Himmel aus gnädig bei in unserem Kampf gegen die Mächte der Finsternis. Wie du einst das Jesuskind aus höchster Lebensgefahr gerettet hast, so verteidige jetzt die heilige Kirche Gottes gegen alle Nachstellungen ihrer Feinde und gegen jede Widerwärtigkeit. Jeden von uns aber nimm unter deinen beständigen Schutz, damit wir nach deinem Beispiel und mit deiner Hilfe heilig leben, gut sterben und die ewige Glückseligkeit im Himmel erlangen. Amen.
Hl. Joseph Aus der Litanei zum heiligen Josef Heiliger Josef, bitte für uns Du edler Nachkomme Davids, Du weiser Josef, Du gerechter Josef, Du starkmütiger Josef, Du treuer Josef, bitte für uns Du Beispiel der Geduld, Du Freund der Armut, Du Vorbild der Arbeiter, Du Stütze der Familien, bitte für uns Du Trost der Bedrängten, Du Hoffnung der Kranken, Du Patron der Sterbenden, Du Schutzherr der Kirche, bitte für uns.
Wer preist würdig deine Tugenden O Allberühmter, und den Ruhm und Glanz der dir gegebenen Gnade? Nach der unberührten Jungfrau warst ja du es, den Gott erwählte zum besseren Dienst an seiner geheimnisvollen Fleischwerdung, du selbst das Haus eines Dienenden. Selig bist du, dass du den fleischgewordenen Gott gesehen und den offenbarten als Säugling herangezogen hast. Vater bist du genannt, dem die Heerscharen der Engel an Rang nachstehen. Deine Vertrautheit mit ihm nutzend, flehe für uns ohne Unterlass, Gottesträger Joseph, zu ihm, der allein Erbarmen hat. (Gebet der Ostkirche)
O Königin, die du die Herzen raubst, rufe ich dir zu mit dem heiligen Bernhard, meine Königin, die du durch deine Liebe und durch die Wohltaten, die du deinen Dienern erweist, ihre Herzen eroberst, erobere auch mein elendes Herz, das nichts mehr wünscht, als dich zu lieben. Sollte ich, nachdem du, meine Mutter, so sehr die Liebe deines Gottes gewonnen hast, dass er vom Himmel in deinen Schoß herabgestiegen ist, sollte ich noch leben können ohne dich zu lieben? Nein, ich will dir mit deinem geliebten Sohn Joannis Berchmanns zurufen: Ich will nicht eher ruhen, bis ich sicher bin, die Liebe zu dir erlangt zu haben, aber eine beharrliche und zärtliche Liebe zu dir, meiner Mutter, die du mich so innig geliebt hast, selbst damals, als ich undankbar dir gegenüber war. Amen.
Der heilige Joseph hat geholfen!
Gedächtnis einer wunderbaren Hilfe des heiligen Joseph am 18. März. Im Jahr 1448 wurde Navarra von einem zahlreichen, savoyischen Heer belagert. Die Stadt schien rettungslos verloren. Nun bestürmten die Karmeliten den heiligen Joseph mit Bitten und leiteten die Gläubigen an, das Gleiche zu tun. Nicht umsonst. In der Nacht vom 18. auf den 19. März verbreitete sich plötzlich vom Turm der Karmelitenkirche aus ein helles Licht. In ihm erschien der heilige Joseph, mit den Abzeichen seines Standes. In der Linken hatte er den Stab, mit der Rechten, die er gegen die Feinde ausgestreckt hatte, schien er zugleich die Stadt zu segnen und die Feinde zu bedrohen. Die wunderbare Erscheinung dauerte so lange, dass Freund und Feind sich davon überzeugen konnten. Erschreckt hoben die Feinde die Belagerung augenblicklich auf und flohen in wildem Durcheinander. So wurde das Vertrauen der Bewohner Navarras zum heligen Joseph belohnt. Aus Dankbarkeit ließen sie das Ereignis in einem Gemälde darstellen und veranstalteten zur Erinnerung daran alljährlich eine Prozession.
Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Cyrillus
O Gott, der Du den Unglauben durch den Glanz Deiner Wunder und durch die Kraft Deiner Lehre besiegt hast, verleihe uns auf die Fürbitte des heiligen Cyrillus, dass wir durch das Licht des Glaubens erleuchtet, Dein Gesetz erkennen und beobachten, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Zum heiligen Eduard
Heiliger König Eduard, bitte für mich, auf dass ich allzeit heilig sterbe - ich mag entweder durch einen plötzlichen Tod, wie du, oder auf eine andere Art sterben - und dann mit dir Gott dem "König der Könige" im Reich der heiligen Ewigkeit ewig huldigen kann. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
Das Fest der Sieben Schmerzen Mariä wurde auf einem Konzil der kölnischen Provinz im Jahr 1423, die Ketzerei der Hussiten zu vertilgen, eingesetzt. Es wird von einigen Orden und Kirchen an verschiedenen Tagen, nach der römischen Ordnung aber am Freitag vor dem Palmsonntag gehalten.
1. Betrachte die wunderbare Güte Gottes, der fürwahr den Tod des Sünders nicht will, sondern dass er sich bekehre und lebe. Er, der die Schwäche des Menschen kennt, verwirft ihn nicht, auch nach vielen Sünden. Er setzt ihm einen Quell der Reinigung im Blut seines Eingeborenen ein, und erlässt ihm seine Vergehen und der leichten Bedingung, sie aus innerstem Herzen zu bereuen, und ihrer mit Zerknirschung sich anzuklagen. Wahrhaftig, so vieles tat Gott für unser Heil, dass wir selbst schuld sind, wenn wir ewig verloren gehen.
2. Empfange daher oftmals dieses Sakrament der Gnade, das, mit gehöriger Vorbereitung empfangen, die Seele nicht nur von ihren Sünden reinigt, sondern ihr auch eine wundersame Kraft verleiht, vor neuen Vergehen sich zu hüten. Bedenke, bevor du zu diesem Sakrament hinzu trittst, in Bitterkeit deines Herzens, dass du die ewige Liebe durch schweren Undank beleidigt hast, und fasse den ersten Vorsatz, deine bösen Gewohnheiten abzulegen und wirksame Mittel gegen deine Rückfälle nicht nur in schwere Sünden, sondern auch in geringere Fehler anzuwenden. Dann aber nähere dich dem Richterstuhl der Buße in festem Glauben, in Demut und mit aufrichtigem Herzen. Mäßige deine Furcht durch Vertrauen. Halte aber dein Vertrauen durch heilsame Furcht in gerechten Grenzen. Viele täuschen sich und verlassen dieses Bad der Reinigung weit unreiner und strafbarer, als sie es betreten hatten.
3. Vergiss nie, dass du viele und schwere Sünden begangen hast, ob du auch entsprechend oft die Beichten abgelegt hast, und beschränke dich nicht auf die geringe Buße, die der Diener Jesu Christi dir auferlegt. Denn die göttliche Gerechtigkeit fordert eine Genugtuung, die ein Verhältnis zu unseren Vergehen hat. Und geben wir sie nicht in diesem, so geben wir sie unfehlbar im künftigen Leben. Sei wachsam und liebe das Gebet. Eine wachsame und dem Gebet ergebene Seele wird höchst selten in eine schwere Sünde fallen, oder sie nicht alsbald schmerzlich bereuen und diese tödliche Wunde nicht durch eine schnelle und zerknirschte Beicht heilen. Psalm 51,5: "Denn ich erkenne meine bösen Taten, meine Sünde steht mir immer vor Augen."
Heiliger Longinus, bitte für mich, auf dass ich eben jenen Weg des Heils, den du dir durch die Lanze zum Herzen Jesu geöffnet hast, durch Tränen und Seufzen immerwährend betrete, so lange ich lebe, damit ich dann auch sterbend meinen Geist in das göttliche Herz aushauchen möge. Amen.
Zu Gott
Himmlischer Vater, lass doch, wir bitten demütig, denjenigen, die Dich noch nicht durch den Glauben erkennen, das Reich der Gnade und Wahrheit zukommen, in dem wir das unverdiente Glück haben, zu sein, damit wir einst miteinander, vereinigt im Reich der Glorie, Dich mit dem Sohn und dem Heiligen Geist immer und ewig lieben und loben mögen. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
Zu Chartres in Frankreich wurde heute ein feierlicher Bittgang zur Danksagung der im Jahr 1568 von der Belagerung der Ketzer befreiten Stadt gehalten. Diese Befreiung schrieben die Einwohner mehr dem Schutz der seligsten Jungfrau als der Tapferkeit ihrer Vorfahren zu. Über allen Stadttoren steht ein Muttergottesbild, und man sieht noch an dem Tor der Druiden, vor dem die Ketzer das Lager hatten, das ganz unbeschädigte Muttergottesbild, obschon die Kanonen und Musketen-Kugeln häufig darauf abgeschossen worden sind, und rings herum einige Finger breit davon die Malzeichen hinterlassen haben.
Nachdem am 13. März des heiligen Dismas, des guten Schächers, gedacht wurde, soll am heutigen Tag das Andenken an einen anderen Mann wachgerufen werden, der bei der Kreuzigung Jesu zugegen und auch mittätig war. Es ist der Anführer der römischen Soldaten, welche die Vollstreckung des Todesurteils, das über den Heiland ausgesprochen war, überwachen sollten. Man vernehme zunächst, was das Evangelium berichtet. Es kommen zwei Stellen in Frage. Die erste hat der heilige Matthäus aufgeschrieben, sie lautet:
„Darauf rief Jesus noch einmal mit lauter Stimme und gab den Geist auf. Und siehe, der Vorhang des Tempels riss entzwei von oben bis unten. Die Erde bebte, die Felsen spalteten sich, und viele Leiber von entschlafenen Heiligen standen auf. Sie kamen aus den Grabstätten hervor und gingen nach seiner Auferstehung in die Heilige Stadt und erschienen vielen. Als der Hauptmann und die Soldaten, die mit ihm bei Jesus Wache hielten, das Erdbeben und was sonst noch geschah, gewahrten, gerieten sie in große Furcht und sprachen: Wahrhaftig, dieser war Gottes Sohn!“
Das ist die erste Stelle. Die zweite Stelle stammt vom heiligen Evangelisten Johannes und heißt:
„Weil Jesus wusste, dass jetzt alles vollbracht war, sprach er, damit die Schrift erfüllt würde: Mich dürstet! Ein Gefäß voll Essig stand da. Man steckte einen Schwamm voll auf einen Ysopstengel und hielt ihm diesen an den Mund. Und Jesus kostete den Essig. Alsdann sprach er: Es ist vollbracht! Dann neigte er das Haupt und gab den Geist auf. Es war Rüsttag. Da sollten die Leichen nicht über den Sabbat am Kreuz bleiben, denn jener Sabbat war ein ganz besonders hoher Tag. Deswegen kamen die Soldaten und zerschlugen dem einen seine Glieder und dem anderen. Als sie aber zu Jesus kamen, sahen sie, dass er schon tot war, und so zerschlugen sie ihm die Glieder nicht. Doch stieß ihm einer der Soldaten die Lanze in die Seite, und sogleich flossen Blut und Wasser heraus.“
So lauten die Berichte der beiden Evangelisten Matthäus und Johannes, und die Legende weiß zu erzählen, dass der erwähnte Hauptmann und der genannte Soldat der gleiche Mann war, der später auf den Namen Longinus getauft wurde.
Longinus war also vorher ein Heide, der mit dem Soldatenaufgebot hoch zu Ross den Kreuzträger auf dem schweren Gang nach Golgatha begleitete. Verächtlich blickte der stolze römische Offizier über die jüdische Volksmenge hinweg, und mit kaltem Blick streifte sein Auge zuweilen den Verurteilten. Alle Vorgänge, die sich auf dem bitteren Kreuzweg ereigneten, beobachtete er scharf, und als er sah, wie der Heiland das schwere Kreuz freudig auf sich nahm und es geduldig von einer Station zur anderen schleppte, wie er mit lieben Worten seine Mutter und die frommen Frauen tröstete, wie er sich willig annageln ließ, da wich die Teilnahmslosigkeit im Herzen des stolzen Offiziers zunächst einem menschlich warmen Gefühl, das sich langsam zur inneren Ergriffenheit steigerte, und als er schließlich mit unbefangenem Verstand die Wunder beim Tode Jesu erlebte, brach sich der Glaube in ihm Bahn, und er bekannte laut vor allem Volk: „Wahrhaftig, dieser war Gottes Sohn!“ Nach dem Schächer ist der Hauptmann der zweite, den die Gnade erreichte und umwandelte, und gleich darauf wurde er auch schon gewürdigt, dem Leichnam des Herrn einen letzten Liebesdienst dadurch zu erweisen, dass er ihn vor der Schändung bewahrte.
Nach jüdischem Gesetz musste nämlich ein Verurteilter gleich nach der Hinrichtung begraben werden. Weil sich aber das Verscheiden bei einer Kreuzigung oft lange Stunden hinzog, zerschmetterte man den Sterbenden in roher Weise die Beine und Arme. Bei den Schächern, die mit Jesus gekreuzigt wurden, geschah es so, aber beim Heiland nicht, denn der Hauptmann schützte des Herrn Leib vor der Schändung. In eigener Person übernahm er die Todesprobe, indem er nach soldatischer Auffassung in durchaus ehrenhafter Art das Herz des Heilandes mit einer Lanze durchbohrte. Als das geschah, floss sogleich Blut und Wasser aus der durchbohrten Seite des Herrn hervor zum Zeichen und Beweis dafür, dass der Tod wirklich eingetreten war.
Longinus war es, der das Herz des Heilandes öffnete, auf dass die Pforte des Lebens aufsprang, aus der im Sinnbild von Blut und Wasser die sieben heiligen Sakramente unaufhörlich hervorströmen mit Gnaden ohne Zahl für Zeit und Ewigkeit.
1. Du lebst hier nur kurze Zeit, und welchen Gewinn bringt es dir, wenn du den größten Teil dieser kostbaren Zeit auf irdische Dinge verwendest, ja wenn du sogar für andere lebst, wofern du nicht auch dir selbst lebst? Was findest du in der Welt anderes, als Zerstreuungen, die dich nicht zu dir selbst kommen lassen? Notwendig also ist es dir, dass du wenigstens zuweilen von der Welt dich absonderst, dein Gemüt ordnest und der künftigen Dinge gedenkst. Denn dies ist die Weisheit der Kinder des Lichtes: fortzuziehen aus den Finsternissen Ägyptens.
2. Darum auch spricht der Herr von der getreuen Seele. Hosea 2,16: "Ich will sie in die Wüste hinausführen und zu ihrem Herzen sprechen." Denn nicht möglich ist es, dass im Gewirr der Welt und unter dem Getöse der Leidenschaften eine Seele die zarte Stimme der Gnade vernimmt. Die Ansprache Gottes aber ist das Licht des Heiligen Geistes, das ihr Innerstes erleuchtet, und ihr zeigt, wie gering und vergänglich alles ist, was die Welt geben und nehmen kann, wenn es gegen die künftigen Güter verglichen wird, die in der Hand des Herrn liegen. Dort erhebt er das Herz über sich selbst, löst es von der Begierlichkeit, zieht es zur Liebe himmlischer Dinge an, sättigt es durch lieblichen Trost, und erteilt ihm sogar das Licht der Klugheit, fruchtbringend nach außen zu wirken.
3. Ist es dir nicht möglich, in die wirkliche Einsamkeit dich zu entfernen, so errichte eine Einöde in deinem Herzen, wohin niemand eindringen kann, als Gott und du. Die Ruhe einer solchen Seele ist unerschütterlich gleich dem Gipfel eines hohen Berges, wo beständige Heiterkeit herrscht. Wie sehr es auch in den niedrigen Regionen donnert und stürmt. Aber selig, wem es vergönnt ist, die heilige Einsamkeit selbst zu bewohnen, denn sie ist die Mutter himmlischer Gedanken, die Hüterin des reinen Gewissens, die Quelle der Zerknirschung und heiliger Tränen, die Leiter zum Himmel. "Ich will hören, was Gott redet: Frieden verkündet der Herr seinem Volk und seinen Frommen, den Menschen mit redlichem Herzen." (Psalm 85,9)
Der Heilsplan Gottes für den Menschen Gott offenbart seinen „gnädigen Ratschluß“
Die enge Himmelstür
Selig, wer im Weltgewimmel
Als ein Held im Kampfe steht,
Und als Sieger in den Himmel
Durch die enge Pforte geht.
Denn der reichste Siegeskranz
Winket ihm in Gottes Glanz.
1. Viele machen sich den Weg zum Himmel ungemein bequem. Anders jedoch lehrt uns die ewige Wahrheit, deren Ausspruch hier allein entscheidet. Lukas 13,24: "Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen; denn viele, sage ich euch, werden versuchen hineinzukommen, aber es wird ihnen nicht gelingen." Ringen muss der Geist mit dem Fleisch, das sich weigert, durch die enge Pforte der Abtötung, der Demut, des Gehorsams und der Buße einzugehen. Dies aber erfordert große Gewalt. Mut fassen also muss dieser geistige Streiter, denn es gilt den Eingang in den Himmel zu erlangen. Ewig glücklich ist er, wenn er in den Himmel eingeht, ewig unglücklich ist er, wenn er nicht eingeht.
2. Bedenke, wie unendlich wichtig es für uns ist, dass wir durch diese enge Pforte in den Himmel eingehen, da sogar viele, die versuchen einzugehen, dennoch nicht hineingehen können. Wir sprechen hier nicht von denjenigen, die nicht in der einen Arche der heiligen Kirche sind, sondern von vielen, die zur Zeit gerecht sind, ja auch tapfer im Kampf stehen, aber vor der Zeit ermüden, und nicht bis ans Ende aushalten. Ist dies aber so: was wird dann mit denen geschehen, die gleich beim ersten Anfall der Versuchung die Waffen von sich werfen und der Sinnlichkeit sich gefangen geben? Hüten wir uns, zur Zahl dieser Unglückseligen zu gehören.
3. "Ich sage euch, viele werden versuchen hineinzukommen, aber es wird ihnen nicht gelingen." Wer muss nicht zittern bei diesen Worten? Warum aber werden sie es nicht können? Weil der Himmel ein Kampfpreis ist, sie aber nicht kämpfen können. Denn wie viele, die während ihres Lebens von der Sinnlichkeit sich beherrschen ließen, werden, wenn sie bei ihrem Tod ihre Leidenschaft für eine Person, die sie sündhafter Weise lieben, oder für andere Dinge dieser Erde überwinden sollen, die Kraft nicht dazu haben, sondern sterben, wie sie gelebt haben. Wollen wir in diesem letzten Kampf siegreich sein, so ringen wir beständig, und lernen wir ernsthaft siegen, denn dieser letzte Sieg ist die Frucht vieler vorhergegangener Siege. "Wer aber bis zum Ende standhaft bleibt, der wird gerettet." (Matthäus 10,22b)
Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Gregor von Nyssa
O Gott, der Du Deiner Kirche den heiligen Gregor als einen Verteidiger des Glaubens gegeben hast, erfülle auf seine Fürbitte auch uns mit einem heiligen Eifer für unseren Glauben, und verleihe uns die Gnade, stets nach ihm zu leben, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Zu Gott auf die Fürbitte der heilige Franziska von Rom
Barmherziger Gott, der Du uns durch das Beispiel der heiligen Franziska ermunterst, den Weg der Vollkommenheit zu betreten, verleihe uns auf ihre Fürbitte hin die Gnade, das Zeitliche so zu gebrauchen, und unsere Standespflichten so zu erfüllen, dass unser Herz von himmlischen Dingen nie abgelenkt wird, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
Auf diesen Tag kann man die durch Fürbitte der seligsten Mutter Gottes geschehene wunderbare Erlösung aus der Gefangenschaft setzen, die sich im Jahr 1535 mit dem nun heiliggesprochenen Hieronymus Ämilianus zugetragen hat. Er wurde von dem feindlichen Kriegsheer in dem Ort, Castro novo genannt, gefangengenommen, und an Händen und Füßen mit Banden belegt. Auf Anrufung der seligsten Jungfrau aber wurde er augenblicklich, ohne menschliche Hilfe, von den Banden befreit und durch die Mitte der Feinde nach Trivigli, im Venezianischen, gebracht.
Der heilige Gregor wurde im Anfang des 4. Jahrhunderts zu Cäsarea in Kappadocien aus einer heiligen Familie geboren. Er war der jüngste Bruder des heiligen Basilius des Großen, dem er auch seine vorzügliche wissenschaftliche Bildung verdankte. Er hatte sich durch seine Gelehrsamkeit bei seinen Mitbürgern einen hohen Ruf erworben und verehelichte sich schließlich Theosebia, einer ansehnlichen jungen Frau, mit der er bis zu ihrem Tod in einer keuschen Ehe lebte. Wegen seiner ausgezeichneten Tugenden wurde er zum Bischof von Nyssa erwählt. Dieses Amt verwaltete er mit einem solchen Eifer und mit so großer Sorgfalt wachte er für die Erhaltung der reinen Lehre Jesu, dass ihn der Kaiser Valens, der der arianischen Irrlehre zugetan war, von seinem bischöflichen Sitz verjagte und in das Elend verwies. Acht Jahre lang lebte der Heilige, entfernt von seiner Herde, in der Verbannung. Schließlich wurde sein Flehen und seine Geduld in Not und Kummer belohnt. Die heilige Vorsehung fügte es, dass er zur Freude der Gläubigen wieder in sein Bistum zurückkam, wo er mit erneutem Mut für die Rechte der Kirche kämpfte und die Religion Jesu gegen die Angriffe der Irrlehrer verteidigte. Bald danach wohnte er der Kirchenversammlung zu Antiochia bei, auf der er sich durch seine Wissenschaften und seinen apostolischen Eifer unter allen anwesenden Bischöfen auszeichnete. Nach Beendigung der Versammlung besuchte er seine heilige Schwester Maorina, der er auf ihrem Sterbebett Trost zusprach. Auf der Kirchenversammlung zu Konstantinopel widerlegte er den Ketzer Eunomius vollkommen und weil damals unter den Bischöfen im Pontus große Unordnungen und Misshelligkeiten obwalteten, wurde er und Helladius von den versammelten Vätern zu Richtern über sie gewählt, bei der Gelegenheit er alle Mittel, ja persönliche Besuche anwendete, um Frieden und Einigkeit unter den entzweiten Gemütern zu bewirken.
Der heilige Gregor von Nyssa war ein helles Licht in der Kirche Christi und seinem Eifer in Verbreitung und Erhaltung der reinen Lehre gebührt ein unsterbliches Lob. Mehrere, und unter ihnen besonders der heilige Gregor von Nazianz, tadeln ihn, dass er sich bei feierlichen Gelegenheiten, besonders bei den Begräbnissen der Kaiserin Flaccilla und ihrer Tochter Pulcheria zu sehr der Wohlredenheit beflissen habe. Aber dieser Tadel betrifft nur den Strom seiner Beredsamkeit und hat keinen Bezug auf sein heiliges und tätiges Leben. Als die allgemeine Kirchenversammlung zu Konstantinopel vollendet war und von dem Patriarchen von Jerusalem dringende Klagen geführt wurden, dass in seinem Bistum die Arianer so große Verwüstungen angerichtet hätten, machte der heilige Gregor eine Reise dahin und bekehrte durch seine eindringliche Beredsamkeit Unzählige für die Wahrheit des Christentums. So wirkte er mit rastloser Tätigkeit für die Wohlfahrt der Kirche und für das Seelenheil seiner Mitmenschen. Er starb in einem hohen Alter am 9. März um das Jahr 400.
Der Heilsplan Gottes für den Menschen Gott offenbart seinen „gnädigen Ratschluß“
Vom Andenken an das Leiden Jesu
Dein Leben, Jesus, ist ein Feuer,
Die Herzen zu entzünden.
Denn deines Blutes Purpurflut
Erfüllt das Herz mit Liebesglut,
Und nimm hinweg die Sünden.
1. Unterlassen wir keinen Tag, das bitterste Leiden unseres Herrn in Andacht zu verehren. Keines unter den göttlichen Werken zeigt die unendliche Liebe unseres Gottes in so deutlichem Licht. Keines auch ist geeigneter, uns zu einer feurigen Liebe Gottes zu erwecken, als die Anschauung einer so unermesslichen Barmherzigkeit. Denn, wie der heilige Bernhard spricht: "Anschaulich wird das Herz unseres göttlichen Heilandes durch seine Wunder!" Welches Herz könnte auch je so eisern sein, nicht vor innigstem Dankgefühl zu zerfließen, wenn es die namenlosen Schmerzen betrachtet, durch die unser Jesus vom ewigen Tod uns erlöst hat. Und wer könnte sich verwehren, ihn zu lieben, der sein blühendes Leben für uns Sünder opfert.
2. Es wirkt aber auch die Betrachtung dieses heiligsten Geheimnisses mächtig, von Sünden uns abzuschrecken. Denn am Kreuz sehen wir die unendliche Gerechtigkeit Gottes anschaulich, die ein solches Opfer für die Sünde forderte. Darum auch sprach unser Erlöser selbst: "Denn wenn das mit dem grünen Holz geschieht, was wird dann erst mit dem dürren werden?" (Lukas 23,31) Ebenso spricht auch der heilige Apostel Petrus: "Da Christus im Fleisch gelitten hat, bewaffnet auch ihr euch mit diesem Gedanken: Wer im Fleisch gelitten hat, für den hat die Sünde ein Ende." (1. Petrus 4,1) nämlich die Waffen der Buße zur Tilgung der Sünde ergreifen; nicht aber die Ursache dieses bittersten Leidens durch abermalige Sünden erneuern.
3. Eine wunderbare Kraft auch wohnt dieser heiligen Betrachtung inne, unsere Schwäche zu stärken und in allen Trübsalen uns zu trösten. Denn was ist je wirksamer, den Druck so mannigfaltiger Drangsale und Bitterkeiten dieses Lebens zu lindern, und mit Kraft uns aufzurichten, wenn irgend Schweres oder Schmerzliches sich ergibt, als die andächtige Betrachtung der bittersten Leiden, die unser gebenedeiter Heiland mit so namenloser Liebe für uns erduldet hat? Wie, mein göttlicher Heiland, könnte ich je bei dem Anblick deines Kreuzes zagen oder mich weigern, dir Liebe für Liebe zu erwidern? 2. Korinther 5,15: "Er ist aber für alle gestorben, damit die Lebenden nicht mehr für sich leben, sondern für den, der für sie starb und auferweckt wurde."
O Mutter der Barmherzigkeit, siehe, wir bringen dir unsere Herzen dar, die dereinst in der Taufe durch das Blut Jesu Christi gewaschen und gereinigt, die aber später durch die Sünde von neuem befleckt worden sind. Wir bringen sie dir dar, damit du sie von neuem reinigen wollest. Mach, dass wir uns wahrhaft bessern, erlange uns die Liebe Gottes, die Beharrlichkeit und den Himmel. Amen.
Zu Gott auf die Fürbitte der heiligen Koleta
O Gott, der Du der heiligen Koleta den Mut gegeben hast, bei ihren Unternehmungen zu Deiner Ehre so viele Schwierigkeiten zu besiegen, verleihe uns auf ihre Fürbitte die Gnade, alle Schwierigkeiten in Deinem Dienst zu überwinden, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
Die selige Koleta sah die heiligste Mutter Gottes für die Urheberin ihrer Reform an, denn als sie ganze Tränenbäche wegen der Lauigkeit vieler Seelen im St. Clara-Orden vergoss, kam es ihr, wie sie sagte, vor, als sehe sie die seligste Jungfrau samt dem heiligen Franziskus, wie sie Koleta Christus dem Herrn als ein taugliches Werkzeug für solche Verbesserung dargeboten habe. Der Erfolg hat diese Erscheinung bewährt.
Diese Heilige war schon ein Gnadenkind unmittelbar durch ihre Geburt, denn sie wurde ihrer Mutter geschenkt, als diese bereits 60 Jahre zählte und bisher überhaupt jeder Aussicht auf Kindersegen entbehrt hatte. Der Geburtsort Koletas aber war die Stadt Corbie in Flandern. Schon als Kind legte sie einen ungewöhnlichen Ernst an den Tag und befliss sich der Nächstenliebe, des Gebetes und der Enthaltsamkeit. Als sie, älter geworden, sich dessen bewusst wurde dass sie ein schönes Angesicht habe, bat sie Gott, er möge es entstellen, damit es niemand Anlass zur Sünde sein. Andererseits aber bat sie den Herrn auch in ihrem vierzehnten Lebensjahr, er möge ihrem Körper, der im Wachstum zurückgeblieben war, die erforderliche Größe verleihen und siehe, beide Bitten fanden Erhörung. Noch in der Welt befindlich, wurde sie doch schon himmlischer Verzückungen und Erscheinungen gewürdigt. Nach dem Tod ihrer Eltern verteilte sie ihr Vermögen unter die Armen und trat in den Dritten Orden des heiligen Franziskus ein, wo sie noch viel mehr als bisher ein Leben der Selbstverleugnung und Bußstrenge führte. Indes war ihr von der göttlichen Vorsehung eine ganz eigenartige Aufgabe zugewiesen: nämlich den Klarissenorden (Orden der heiligen Klara), dessen Zucht und Strenge da und dort nachgelassen hatte, zu reformieren. Eine schwierige und heikle Sache! Und wie sollte gerade Koleta, die doch nur dem Dritten Orden angehörte, dazu berufen sein? Daher zögerte sie auch zunächst, sich dieser Aufgabe zu unterziehen. Als sich aber der Wille Gottes wiederholt und in unzweideutiger Weise kundgab, ging sie mutig ans Werk.
Koleta trat nun vor allem selbst in den Klarissenorden über und legte im Jahr 1406 zu Nizza vor Kardinal de Luna Profess ab. Von ihm erhielt sie alle nötigen Vollmachten zu der beabsichtigten Reform. Sie führte diese auch ungeachtet aller Schwierigkeiten mit bewunderungswürdiger Klugheit und Tatkraft durch. Es entstand auf Grund dieser Tätigkeit Koletas sogar ein neuer Zweig des Klarissenordens, der nach ihr den Namen Koletinerinnen bekam und hauptsächlich in ihrer Heimat selbst, in Frankreich, Verbreitung fand. Dem Tugendleben der Heiligen tat aber dieses arbeitsreiche äußere Wirken keinen Eintrag. Sie beobachtete die strengste Armut – ganz im Geist des heiligen Franziskus und der heiligen Klara – und war stets voll der Liebe den Nächsten gegenüber, voll Geduld, Demut und Sanftmut. Dafür war sie aber auch so erleuchteten Geistes, dass sie zukünftige Dinge voraussagen und über die Glaubenswahrheiten in wunderbar tiefsinniger Weise sprechen konnte. Schon im Jahr 1412 war sie Äbtissin (zu Besancon) geworden und in dieser Stellung starb sie auch wohlvorbereitet, geduldig und bußfertig, jede Erleichterung in ihrer Krankheit von sich weisend, zu Gent in Flandern am 6. März 1447. Papst Pius VII. hat sie im Jahr 1807 unter die Zahl der Heiligen versetzt.
Die heilige Koleta war in ihrer Jugend auf ihre körperliche Schönheit nicht nur nicht eitel, sondern trat ihr sogar feindlich entgegen. Wohl sind auch die Vorzüge der Natur Gaben Gottes, für die man ihm danken und die man gut anwenden muss, aber im Vergleich zur unsterblichen Menschenseele und zum Seelenheil kommt ihr Wert kaum in Betracht. Da dürfen sie dann auch zurückgesetzt, missachtet und bekämpft werden, besonders wenn sie uns etwa direkt Anlass zur Sünde wären. Das ergibt sich aus den Worten des Heilandes: „Wer sein (natürliches) Leben gewonnen hat, wird es verlieren, und wer es verloren hat um meinetwillen, wird es gewinnen.“ (Mt 10,39) Ja, es ist keineswegs unser Schaden, wenn wir die Natur um des Seelenheiles willen zu kurz kommen lassen: Wir werden überreich dafür im Himmel entschädigt werden.
1. Wenn wir das glorreiche Ziel unserer Pilgerschaft glückselig erreichen wollen, so hüten wir uns sorgfältig vor dem Laster der Unmäßigkeit, die das Gemüt verfinstert und der Unzucht alle Pforten öffnet. Dazu ermahnt unser göttlicher Führer uns mit den sehr ernsten Worten: "Nehmt euch in acht, dass Rausch und Trunkenheit und die Sorgen des Alltags euch nicht verwirren und dass jener Tag euch nicht plötzlich überrascht." (Lukas 21,34) Die Lust beim Essen ist ein Mittel, machen wir also das Mittel nicht zum Zweck. Sie ist eine Arznei gegen unsere Schwäche, sehr oft aber wird sie ein Reiz zur Sünde. Schämen fürwahr sollte sich der Mensch, dass sogar viele vernunftlose Tiere hier mit einem Beispiel ihm vorangehen.
2. Notwendigkeit und Vernunft müssen bei Speise und Trank unsere Richtschnur sein. Sehen wir also zu, dass wir nicht vom Notwendigen zum Überflüssigen und Übermäßigen übergehen. Was viele tun, die die Grenzen der Vernunft überschreiten, und sie sogar durch Übermaß schwächen, so dass sie durch die Speisen, die Gottes Güte uns gegeben hat, den Leib zu nähren, ihre Seele töten. So schwer ist dieses Laster, dass der Apostel von solchen Menschen spricht, ihr Bauch sei ihr Gott. Ja diesem Götzen opfern Christen täglich Vermögen, Gesundheit, Vernunft, Gewissen und Seligkeit.
3. So sehr verabscheut Gott dieses Laster, dass er es oft furchtbar bestraft. Aus Unmäßigkeit wurden die Kinder Israels des Manna überdrüssig und verlangten nach Fleisch, und "noch hatten sie ihre Gier nicht gestillt," spricht der Prophet, "noch war die Speise in ihrem Mund, da erhob sich gegen sie Gottes Zorn; er erschlug ihre Führer und streckte die jungen Männer Israels nieder." (Psalm 78,30+31) Und wie viele Schwelger essen und trinken sich noch täglich den plötzlichen Tod. Aber noch schrecklicher sind die Strafen, die Gott diesem Laster in der künftigen Welt bestimmte. Dort leidet nun jener reiche Prasser ewigen Hunger, und nicht ein Tropfen Wassers wird ihm gereicht, seinen brennenden Durst zu mildern. Möchten wir je um solchen Preis eine so niedrige Lust erkaufen. "Seid nüchtern und wachsam!" ruft der Apostel, "Euer Widersacher, der Teufel, geht wie ein brüllender Löwe umher und sucht, wen er verschlingen kann." (1. Petrus 5,8)