O Maria, du Spiegel makelloser Reinheit, lieblich glänzender Mond der Jungfräulichkeit, du Licht und Vorbild aller Heiligkeit! Wir freuen uns mit dir deiner erhabenen Vorzüge, deiner herrlichen Eigenschaften, die dich als Mutter und Jungfrau zieren. Wir freuen uns mit dir, und danken der allerheiligsten Dreifaltigkeit, dass sie dich mit unvergleichlicher Würde bekleidet hat und bitten dich, dass du deine mütterliche Macht und Zärtlichkeit anwendest, damit alle Sünder und Irrenden zu Gott und seiner heiligen Kirche aufrichtig zurückkehren. Amen.
Kirchengebet
Gott, Du Spender alles Guten, Du hast bei Deiner Dienerin Bibiana mit der Blüte der Jungfräulichkeit die Palme des Martyriums verbunden; so verbinde auch auf ihre Fürsprache unsere Seelen durch die Liebe mit Dir, damit wir, den Gefahren entrückt, den ewigen Lohn erlangen. Durch unsern Herrn Jesus Christus, Deinen Sohn, der mit Dir lebt und herrscht in der Einheit des Heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Zu Gott auf die Fürbitte der heiligen Bibiana
O Gott, der Du in der heiligen Bibiana die Jungfräulichkeit mit dem Martertod vereinigt hast, vereinige auf ihre Fürbitte unsere Herzen durch ihre Liebe mit Dir, damit wir, von allen Gefahren befreit, zu den ewigen Belohnungen gelangen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Zu Gott
Herr, Du hast Worte des ewigen Lebens, der Du uns selbst der Weg, die Wahrheit und das Leben geworden bist, lass uns jene Worte hören und ernst beherzigen, dass wir nicht auf Abwege in Irrtum und Laster geraten. Du hast die wahre Weisheit unter die Menschen gebracht, die Weisheit der Tugend, in Deinem Evangelium hören wir sie, in Deinem irdischen Leben schauen wir sie, durch die Geheimnisse des Heils, die Du für uns gestiftet hast, werden wir für sie empfänglich und ihrer teilhaftig. Lass alle unsere Handlungen von dieser Weisheit geleitet und veredelt sein. Du bist aus Liebe zu uns herniedergestiegen, um in uns die Liebe zu entzünden, die Gründerin und Vorsteherin des Gesetzes und der Vollkommenheit. Gib, dass diese Liebe der Grund unseres Strebens, das Ziel unseres Verlangens und einst die Belohnung unserer Tugend ist. Amen.
Der Verlust Gottes ist die größte Strafe der Verdammnis O meine Seele, suche Gott von Herzen
In dieser kurzen Lebenszeit.
Sonst seufzest du vergeblich einst in Schmerzen
Um die verlorne Seligkeit.
1. Die schrecklichste Strafe der Verdammnis ist Gottes ewiger Verlust. Unsere Seele hat eine unermessliche Auffassungskraft, die nur Gott allein erfüllen kann, doch wird sie in diesem Leben vielfältig zerstreut. Sie fühlt sich gewaltsam und unüberwindlich zu Gott hingezogen; doch wird diese Anziehung hienieden durch die Geschöpfe gleichsam aufgehalten. Sie hat eine natürliche Idee von der unendlichen Schönheit und Herrlichkeit Gottes; doch wird diese Idee durch die Schwere ihres Körpers und das Verderbnis der Sinne verdunkelt und geschwächt. Ist sie aber einmal vom Körper gelöst und fern von diesen Dingen, dann fühlt sie einen unermesslichen Hunger nach ihrer wahren Glückseligkeit, die keine andere als Gott selbst ist.
2. Nun ist der Zauber der Geschöpfe verschwunden, die ihr Herz gefesselt hielt. Gelöst ist die Binde, die sie abhielt, Gott zu erkennen. Sie erkennt ihn als die unendliche Schönheit, Lieblichkeit, als den Urquell aller Seligkeit, der allein ihr unendliches Verlangen sättigen kann, und eilt schneller, denn jeder Pfeil, nach ihm, ihrem ewigen Ziel, ihn zu umfangen und unzertrennlich mit ihm sich zu vereinigen. Doch eine unsichtbare und allmächtige Hand stößt sie zurück, und nun beginnt ihr namenloser Schmerz, ihre unendliche Verzweiflung. Sie will Gott lieben und kann es nicht. Sie erkennt ihn als ihre einzige Glückseligkeit, und kann ihn nicht besitzen. Sie fühlt sich gewaltsam zu ihm angezogen, und wird ewig gewaltsam zurückgestoßen. Diese verschmähte Liebe wandelt sich in den grimmigsten Hass, sie wütet gegen sich und gegen Gott, sucht sich selbst zu vernichten und vermaledeit ewig Gott, der sie erschuf und auf ewig verwarf.
3. Was für eine schreckliche Pein, ewig nach Gott, der unendlichen Glückseligkeit, zu ringen, die sie niemals besitzen wird, ewig zu hassen, wonach sie ewig vergeblich sich sehnt. Dieser folternde Schmerz ist die unglückselige Beschäftigung der Verdammten in alle Ewigkeit. Ich habe Gott, die unendliche Glückseligkeit, verloren, auf ewig verloren, durch meine eigene Schuld verloren; habe ihn wegen der Lust eines Augenblicks verloren, und mich selbst in den Abgrund der unglückseligen Ewigkeit gestürzt. Jeremia 6,29-30: "Der Blasebalg schnaubt, doch das Blei bleibt unberührt vom Feuer. Umsonst versucht der Schmelzer zu schmelzen; die Bösen lassen sich nicht ausscheiden. Verworfenes Silber nennt man sie; denn verworfen hat sie der Herr."
Unter allen Frauen hat dich, o Maria, der Herr der Heerscharen, zu der unaussprechlich hohen Würde auserwählt, die Mutter seines Sohnes zu sein. Mit der ganzen Kirche, mit der Stimme der Apostel und aller Jahrhunderte bekennen wir es freudig und dankbar, dass du bist die Gottesgebärerin, die Mutter desjenigen, durch den alles erschaffen ist, und der uns am Kreuz mit seinem kostbaren Blut erlöst hat. Amen.
Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Saturnin
O Gott, der Du den heiligen Saturnin für seine Arbeiten und seinen Martertod im Himmel belohnst, verleihe uns auf seine Fürbitte, dass wir der Heiligkeit Deiner Lehre durch Worte und Handlungen unerschrocken Zeugnis geben, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Zu Gott
Ja, mein himmlischer Vater, ich will meinen Nächsten lieben wie mich selber, dann wirst auch du mich lieben, ich will ihm beistehen, dann wirst auch du mir beistehen, ich will ihn entschuldigen, dann wirst auch du mich entschuldigen, ich will ihn tragen, dann wirst auch du mich tragen, ich will ihm verzeihen, dann wirst auch du mir verzeihen. Muss ich aber auch meinem Bruder zu seinem und anderer Besten weh tun, so soll es immer ohne Leidenschaft und bösen Willen geschehen, damit die heilige Liebe des Christentums nie in meinem Herzen verletzt werde. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
Im Leben des frommen Dieners Mariä Josbertus, dessen Gedächtnis man am heutigen Tag begeht, wird gelesen, dass, da er zeitlebens gewohnt war, die fünf Psalmen, deren Anfangsbuchstaben den Namen Maria ausdrücken andächtig zu beten, ihm nach dem Tod aus dem Mund, Augen und Ohren fünf schöne Rosen hervorgewachsen sind.
Der Heilsplan Gottes für den Menschen Gott offenbart seinen „gnädigen Ratschluß“
Von der allgemeinen Auferstehung zum Gericht
O Schreckenstag, wo Jesus, Gottes Sohn,
Als Richter kommt auf hohem Wolkenthron.
Wer denket dein, der nicht vor Angst vergeht,
Da ewig seines Richters Spruch besteht.
1. "Die Stunde kommt, in der alle, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören und herauskommen werden: Die das Gute getan haben, werden zum Leben auferstehen, die das Böse getan haben, zum Gericht." (Johannes 5,28-29) Ertönen wird der Klang der Posaune: "Steht auf, ihr Toten, und kommt zum Gericht." Wunderbar werden auf diesen Schreckensschall alle Leiber der Verstorbenen, wären sie auch längst zu Staub geworden und in alle Winde zerstreut, sich abermals sammeln, von ihren Seelen bewohnt zu werden. Wegen dieses allgemeinen Wunders, nennt auch der Apostel diese Posaune: "Die Posaune Gottes." (1. Thessalonicher 4,16b)
2. Auferstehen werden nun Kleine und Große, Könige und Bettler, Christen, Juden und Heiden. Gehorchen müssen alle dieser allmächtigen Stimme. Aber welcher große Unterschied zwischen diesen Erstandenen! Glänzen werden die Auserwählten in glorreichen Körpern, weil sie zum ewigen Leben der himmlischen Glorie erstehen, die Verworfenen dagegen in abscheulichen Körpern, die selbst ein Teil ihrer Verdammnis sind. Welchen Körper wirst du empfangen? Wie wirst du dann die unmäßige Liebe verfluchen, die du nun zu deinem Körper trägst, wenn du an diesem Tag verworfen wirst. Mit welchem Jubel dagegen wirst du dein Fasten, deine Bußwerke segnen, wenn der König unter seine Auserwählten dich beruft.
3. Und aufschweben werden die Gerechten, dem Herrn entgegen, in die Lüfte (1. Thessalonicher 4,17); die Verworfenen aber müssen ihn zum Gericht erwarten. Auf diesem Weg zum Leben und zum Tod "werden die Engel die Bösen aus der Mitte der Gerechten sammeln". Welches schreckliche Klagegeheul wird dann auf der Erde ertönen. Wie werden zumal in tiefen Schanden diejenigen stehen, die einst gewohnt waren zu herrschen, wenn sie unter den Verworfensten aller Menschen stehen müssen, und unter den Kindern Gottes solche sehen, die sie einst verachteten und beschimpften. Denn nicht die Reichen, die Adeligen, die Gelehrten, sondern "die Gutes getan haben", werden zum ewigen Leben erstehen; und nicht die Armen, die Einfältigen, die Verachteten, sondern "die Böses getan haben", werden verdammt werden. "Denn was der Mensch nun sät, das wird er dann ernten." (Galater 6,8)
Sieh uns, Maria, zu deinen Füßen, die wir uns aufs Höchste mit dir erfreuen, dass du von Ewigkeit her zur Mutter des ewigen Wortes erwählt und von der Erbsünde bist bewahrt worden. Wir danken und lobsingen der allerheiligsten Dreieinigkeit, die dir solchen Vorzug verliehen hat, und bitten dein unbeflecktes Herz, dass du allen Sündern die Erweckung zur Buße, uns aber die Gnade erwirkst, dass wir alle sündhaften Begierden in uns ertöten und nie unterlassen, Gott aus ganzer Seele zu lieben. Amen.
Zu Gott
Du hast uns so manche Mittel gegeben, bester Vater, Geist und Herz zu Dir zu erheben, darunter auch die Erinnerungen an Deine treuen Diener, unsere Brüder und Schwestern, die uns vorangegangen sind auf dem Weg der Tugend in das wahre Vaterland. Möchten wir doch unwandelbar wie sie nach dem Guten streben und durch ihre Fürbitte unterstützt, wie sie Deiner Anschauung teilhaftig werden. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
An diesem Tag hat Papst Sixtus IV. dem Karmeliterorden in Ansehung der seligsten Jungfrau viele Ablässe und Freiheiten durch eine im Jahr 1476 herausgegebene Bulle erteilt. Weil diese Bulle mehrere von anderen Päpsten gemachte Verordnungen in sich enthält, pflegt man sie das große Meer der Karmeliten zu nennen.
Der Heilsplan Gottes für den Menschen Gott offenbart seinen „gnädigen Ratschluß“
Die Ursachen des Jüngsten Gerichts
Wenn jener Tag des Schreckens wird erscheinen,
Wo Adams Kinder alle sich vereinen:
Dann stelle mich in der Gerechten Kreis,
Und gib mich, Herr, nicht ew`ger Schande preis!
1. Wie schrecklich Gottes Strafgerichte sind, ersehen wir aus der Weissagung des Herrn über den Untergang Jerusalems, wo der prachtvollste Tempel zerstört und zahllose Menschen durch Schwert, Hunger und Elend aufgerieben wurden. Nur ein Schatten und Bild des künftigen Jüngsten Gerichts aber war die Zerstörung Jerusalems, und weit schrecklichere Zeichen werden dem allgemeinen Gerichtstag vorangehen, wo Gott denjenigen, die ihn verehren und ihm dienen, mit ewigen Belohnungen, jenen dagegen, die ihn verachten und sein Gesetz übertreten, mit gebührenden Strafen vergelten wird. So groß sind die Schrecknisse dieses Tages, dass sie allen Glauben übersteigen, so dass der Herr mit der Beteuerung schließt "Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen."
2. Diesen Tag nennt die Schrift den großen Tag des Herrn, weil er bei diesem Gericht, vor den Augen des ganzen menschlichen Geschlechtes, seine göttliche Vorsehung verherrlichen, die vermessenen Urteile der Menschen berichtigen und das große Rätsel lösen wird, warum hier so oft die Frommen unterdrückt, die Lasterhaften aber hervorgehoben, die Unschuldigen verurteilt, die Schuldigen aber losgesprochen werden, was zuweilen sogar die Gerechten erschüttert. Zeigen wird sich in ihrer höchsten Glorie die Gerechtigkeit Gottes, und wird die Ungleichheit dieses Lebens durch die Ungleichheit des andern auflösen. Verstummen wird dann die Missetat, die Gerechten aber werden über die unendliche Weisheit und Langmut der göttlichen Vorsehung in das tiefste Erstaunen versinken.
3. Auch ist dieser Tag ein Tag der Verherrlichung aller Gerechten, die um Gotteswegen Verachtung und Schmach geduldig ertragen. Denn es ziemt allerdings der göttlichen Gerechtigkeit, dass ihre Ehre vor dem ganzen menschlichen Geschlecht wiederhergestellt werde, und sie für ihre Aufopferungen und Leiden göttliche Belohnungen empfangen. Was aber wird den Gottlosen widerfahren? Erfüllt werden wird an jedem aus ihnen der Ausspruch: "Aufdecken werde ich deine Scham vor deinem Angesicht; deine Nacktheit werde ich den Völkern zeigen, und den Königreichen deine Schande." (Nahum 3,5) O Tag des Jubels und des Entsetzens, dein Andenken schwebe mir immerdar vor Augen, damit ich an dir nicht ewig zu Schanden werde. Jesaja 32,17: "Das Werk der Gerechtigkeit wird der Friede sein, der Ertrag der Gerechtigkeit sind Ruhe und Sicherheit für immer."
1830. Das politische Panorama in Frankreich und vor allem die Mentalität der Menschen hat sich durch die französische Revolution von 1789 sehr geändert. Mitten in diesen wechselnden nationalen Strömungen lässt sich die Stimme der Muttergottes vernehmen.
1830. Das politische Panorama in Frankreich und vor allem die Mentalität der Menschen hat sich durch die französische Revolution von 1789 sehr geändert. Mitten in diesen wechselnden nationalen Strömungen lässt sich die Stimme der Muttergottes vernehmen: Kommt zu den Füßen dieses Altares, hier werden Gnaden über alle ausgegossen werden, die vertrauensvoll und inbrünstig darum bitten.
Maria erschien am 19. Juli 1830 Catherine Labouré, einer jungen Frau von vierundzwanzig Jahren, die gerade ihr Noviziat bei den Töchtern der Nächstenliebe begonnen hatte. Dieser drängenden Aufforderung unserer Mutter bei ihrer ersten Erscheinung in der Rue du Bac sind Millionen von Menschen verschiedenster Kultur und Herkunft gefolgt. In einer Kapelle mitten im Herzen der französischen Hauptstadt knien sie zu Füßen Unserer Lieben Frau.
Aber wem ist Maria an jenem 19. Juli 1830 erschienen? Catherine Labouré war damals eine junge Frau von vierundzwanzig Jahren. Sie hatte gerade ihr Noviziat bei den Töchtern der Nächstenliebe begonnen. Diese vom hl. Vinzenz von Paul gegründete Institution hat die Aufgabe, sich um Alte und Kranke zu kümmern.
Catherine schreibt 1876, wenige Monate vor ihrem Tod, auf, was ihr die Muttergottes damals gesagt hatte: „Der gute Gott, meine Tochter, möchte dir eine Aufgabe übertragen. Sie wird die Ursache vieler Leiden sein, aber du wirst sie überwinden, wenn du daran denkst, dass du es zur Ehre Gottes tust. Man wird dich verfolgen, aber meine Gnade wird dir nicht fehlen, hab keine Angst. Du wirst Dinge sehen, die du weitergeben musst, aber ich werde dir im Gebet sagen, wie du es tun sollst.
Die Zeiten sind böse. Frankreich wird vom Unglück heimgesucht werden. Der Thron wird gestürzt... in der ganzen Welt werden Unglücke aller Art passieren...“
José Escrivá, der Vater des hl. Josefmaria , vererbte diesem die Andacht zur wundertätigen Medaille. Die Botschaft Marias enthielt auch das Heilmittel: „Kommt zu den Füßen dieses Altares, hier werden Gnaden über alle ausgegossen werden, die vertrauensvoll und inbrünstig darum bitten. Sie werden über Große und Kleine ausgegossen werden.“
Während einer zweiten Erscheinung am 27. November 1830, einem Samstag und Vorabend des ersten Adventssonntags, sieht Catherine die Jungfrau Maria umgeben von einer Aureole, auf der in goldenen Buchstaben geschrieben steht: „Oh, Maria, ohne Sünde empfangen, bitte für uns, die wir unsere Zuflucht zu dir nehmen.“ Und eine Stimme ertönt: „Lass eine Medaille nach diesem Modell anfertigen. Den Menschen, die sie tragen, werden große Gnaden zutel; diese Gnaden werden reichlich über all jene ausgegossen, die Vertrauen haben.“
Im Mai 1832 erscheinen die ersten Medaillen. Die Früchte lassen nicht auf sich warten. Von diesem Augenblick an werden der Wundertätigen Medaille – so wird sie von der Volksfrömmigkeit genannt – zahlreiche Bekehrungen und Heilungen zugesprochen.
Nach diesen Erscheinungen verlässt Catherine das Mutterhaus in der Rue du Bac und führt nach ihrer Profess ein bescheidenes und zurückgezogenes Leben. Sechsundvierzig Jahre lebt sie in einem Heim für Alte und Kranke am Stadtrand von Paris, wo sie immer die niedrigsten Dienste auf sich nimmt.
Sie stirbt mit siebzig Jahren am 31. Dezember 1876. Pius XII. spricht sie am 27. Juli 1947 heilig. Ihr Fest wird am 28. November begangen.
Der hl. Josefmaria war in seinem Leben öfter in Paris, um in der Rue du Bac zu Unserer Lieben Frau von der Wundertätigen Medaille zu beten.
1. Oft und dringend ermahnt der Herr seine Jünger zur Wachsamkeit, und damit wir nicht etwa meinen, diese Ermahnung gehe sie allein an, fügt er bei: "Was ich aber euch sage, das sage ich allen: Seid wachsam!" (Markus 13,37) Unser himmlischer Lehrer kannte den Menschen. Er wusste, dass er über seinen wesentlichsten Pflichten gern einschlummert, dass er der Wachsamkeit und Anstrengung bald überdrüssig wird, dass nur Drohungen oder Furcht vor einem entsetzlichen Übel ihn aufschrecken, und nur die Hoffnung auf irgend ein großes Gut ihn wachsam erhält. Damit wir aber, wenn die ewigen Gegenstände dieser Furcht und Hoffnung verzögert werden, nicht in Gleichgültigkeit und Schlafsucht versinken, und diese großen Wahrheiten nicht mehr auf uns einwirken, sprach er oftmals warnend: Wachet und betet!"
2. Beherzigen wir diese Worte unseres Herrn, und lassen wir uns von den Kindern dieser Welt nicht beschämen. Schläft etwa der Geizige, wenn er durch seine Wachsamkeit einen großen Schatz gewinnen kann? Oder schläft der Ehrsüchtige, der nach einer Ehrenstelle ringt, die er sicher ist zu erlangen, für die er Fleiß, Sorgfalt und Wachsamkeit anwendet? Oder aber schläft, nach dem Gleichnis des Herrn, ein Hausvater, wenn er weiß, dass Diebe bei ihm einbrechen wollen? Wie weit mehr Ursache haben wir zu wachen, die wahren Güter unserer Seele, die Güter der Gnade, zu bewahren und zu vermehren.
3. Alle Schmach verdient ein Held, der ein Königreich erobern will, wozu alle Mittel ihm zu Gebote stehen, wenn er es aus Nachlässigkeit und Schlafsucht verliert. Verdienen aber wir selbst nicht ewige Schmach, die wir ein ewiges Reich erobern sollen, das zu erlangen Gott alle Mittel uns gegeben hat, wenn wir, statt zu kämpfen, vor Überdruss einschlafen, zumal da wir wissen, dass wir, wofern wir dies Reich nicht erobern, ewig unglücklich sein werden? So wachen wir denn und sind wir unablässig auf unserer Hut, da zahllos die Feinde sind, die an der Eroberung dieses himmlischen Reiches uns hindern wollen. 1. Thessalonicher 5,4+6: "Ihr aber, Brüder, lebt nicht im Finstern, so dass euch der Tag nicht wie ein Dieb überraschen kann. Darum wollen wir nicht schlafen wie die anderen, sondern wach und nüchtern sein."
Der Heilsplan Gottes für den Menschen Gott offenbart seinen „gnädigen Ratschluß“
Sei nach deiner Bekehrung
nicht nachlässig
Sieh meinen Willen, Herr, zu allen Zeiten
Auf deinem heil`gen Wege fortzuschreiten.
Es segne deine Gnade mein Bemühen:
Dann wird mein Herz an Tugenden erblühen.
1. Lass dich niemals zu geheimer Vermessenheit noch zu einer falschen Sicherheit über dein Heil verleiten, weil du durch Gottes Gnade nun nicht mehr in schwere Sünden fällst, und lege die Waffen der Buße nicht nieder, als brauchtest du sie nicht mehr. Denn wer versicherte dich, dass du bis ans Ende ausharren wirst? Wie viele, die, nach dem Ausdruck der Schrift, ihr Nest über die Sterne aufgestellt hatten, fielen durch ihre Hoffart in die Tiefe hinab? Weißt du etwa nicht, dass wer nicht täglich besser wird, dadurch selbst schlechter wird? Dem Tode nahe ist der Kranke, der keinen Schmerz mehr empfindet. Es bedarf oft nur einer solchen Vermessenheit, um von Gott verlassen zu werden.
2. Unsere Natur, die durch die ursprüngliche Schuld verdorben wurde, hat immer einen starken Hang zum Bösen. Sie ist gleich dem Gewicht einer Uhr, das fortwährend nach der Tiefe zielt, und immer aufs Neue muss aufgezogen werden. Die bösen Gewohnheiten, die unsere Sünden in uns zurückließen, vermehren noch diesen Hang der Natur zum Bösen. Beständig auch sind wir zerstreuten Herzens, hassen alles, was der Natur beschwerlich fällt, und lieben ein bequemes Leben. Der böse Geist aber, der nie schläft, und immer lauert, wie er die Seelen fange, legt eben durch diese Liebe zur Bequemlichkeit viele Schlingen, durch die er die Unvorsichtigen immer weiter führt, alle guten Übungen ihnen verleidet, und sie zuletzt in die Sünde zurückzieht.
3. Ach, Herr, mein Gott, ich erkenne mein Elend. Statt an Tugenden und an Vollkommenheit zuzunehmen, bin ich nun weit von dem Eifer und von der Wachsamkeit meiner ersten glückseligen Zeit entfernt. Ausrufen muss ich mit jenem bußfertigen König: "Meine Sünden schlagen mir über dem Kopf zusammen, sie erdrücken mich wie eine schwere Last. Ich bin gekrümmt und tief gebeugt, den ganzen Tag gehe ich traurig einher." (Psalm 38,5+7) Erbarme dich meiner, Herr, und entzünde meinen Geist mit dem Feuer neuen Eifers, damit ich die verlorene Zeit einbringe, dir nach deinem heiligen Wohlgefallen diene, und durch ein heiliges Leben dich verherrliche. Offenbarung 2,5a: "Bedenke, aus welcher Höhe du gefallen bist. Bekehre dich und kehre zurück zu deinen ersten Werken."
Allerheiligste Jungfrau, die du das Licht der Welt in deinem jungfräulichen Schoß getragen und viele Jahre immer vor Augen hattest, welche großen Dinge müssen dir dadurch klar geworden sein. Du erhieltest die hohe Einsicht des unsichtbaren und ewigen Lebens, um dagegen die sichtbaren und vergänglichen Güter dieser Welt gering zu schätzen und als leere Eitelkeit anzusehen. Gib mir, o huldvolle Jungfrau, dass auch ich, durch dieses Licht des Glaubens erleuchtet, nichts achte, wünsche und begehre, als Gott und was mich zu Gott führen kann. Amen.
Zu Gott auf die Fürbitte der heiligen Katharina
O Gott, der Du die heilige Katharina zur Siegerin über die Weisheit und die Verfolgungen dieser Welt gemacht hast, verleihe uns auf ihre Fürbitte, dass wir die schädlichen Reize der Welt allzeit fliehen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
Bei Ribadeniera erzählt Equilinus, ein frommer Bischof, wie die heilige Katharina so frühzeitig zum christlichen Glauben gekommen ist. Es ist ihr nämlich als Kind die seligste Jungfrau mit dem Jesuskindlein im Traum erschienen, und Jesus hat von ihr, weil sie noch nicht getauft war, die Augen abgewendet. Dies hat die junge Katharina bewogen, sich im Glauben zu unterrichten und taufen zu lassen. Nach empfangener Taufe hat sie wieder die vorige Erscheinung gehabt, mit dem Unterschied, dass Jesus zu ihr ganz freundlich war, und ihr einen Ring an den Finger gesteckt hat.
Katharina, eine junge, hübsche und auch gelehte Königstochter, lebte um 300 in Alexandria in Ägypten, das damals eine der größten Städte des Römischen Reiches war. Wie so viele andere hat sie sich zum Christentum bekehrt, doch Kaiser Maxentius ließ die Christen auf brutalste Weise verfolgen und töten. Als der Kaiser wieder einmal Christen in der Arena den Löwen vorwerfen ließ, trat Katharina vor ihn hin und bezeugte:
Der Gott der Christen ist der wahre Gott! Sie legt ein so tiefes Bekenntnis von Christus ab, dass sich sogar die Berater des Kaisers bekehrten und taufen lassen wollten. Daraufhin befahl der Kaiser voller Wut, Katharina auf ein Rad mit Eisennägeln zu binden, um sie damit durch die Stadt zu rollen und zu Tode zu foltern. Doch das Rad zerbrach, ohne Katharina zu schaden. In vielen Kirchen findet man daher die heilige Katharina mit einem Rad dargestellt. Katharina sagte zum Kaiser:
Siehst du nun, wer der wahre Gott ist? Doch der Kaiser ließ sich durch dieses Wunder nicht belehren und befahl, Katharina zu enthaupten. Aus der Wunde soll statt Blut Milch geflossen sein. Katharina hatte den Mut, sich vor allen Leuten und sogar vor dem Kaiser offen zu Jesus Christus zu bekennen. Sie wird bis heute hoch verehrt und gehört zu den vierzehn Nothelfern. Herr Jesus, hilf uns, ihrem Beispiel zu folgen und von Dir Zeugnis abzulegen!
Thema von Blasius im Forum Wort- und Begrifferklä...
O Zeit, du Strahl der Ewigkeit entschwebt,
Wie selig ist, wer weise dich verlebt;
Du lohnest ihm mit ew`ger Himmelslust,
Doch Sünder peinigt ewig dein Verlust.
1. Es gibt keinen Augenblick, worin du nicht ein unermessliches Gewicht himmlischer Glorie erkaufen könntest. Wirst du diese große Wahrheit niemals beherzigen? Wer für jede einzelne Sekunde einen leichten zeitlichen Gewinn dir verhieße, würde ohne Zweifel deine Aufmerksamkeit wecken. Wie also geschieht es, dass die wahren, ständigen Güter der Ewigkeit sie nicht wecken? Du achtest nun den unendlichen Wert der Zeit als nichts. Gilt es, dich zu ergötzen, zu belustigen, dann erscheint die längste Zeit dir kurz. Gilt es aber deinem Heil, dann scheint jeder Augenblick dir unerträglich lange. Willst du etwa, den hohen Preis der Zeit zu erkennen, warten, bis du keine mehr zu verlieren hast?
2. Gott, der mit höchster Freigebigkeit alle Güter des Lebens verleiht, ist dennoch mit der Zeit so zurückhaltend, dass er nur einen Augenblick auf einmal verleiht. Nur der gegenwärtige Augenblick ist dein, und schnell wie dein Gedanke ist auch dieser Augenblick entflohen. Wer aber kann mit Sicherheit auf den künftigen Augenblick rechnen? Nur der gegenwärtige Augenblick ist eigentlich mein. Nur ihn habe ich, für meine Ewigkeit zu wirken. Und die größte aller Torheiten ist es, ihn zu verlieren. Die Gottlosen sagen: "Wenn Tote nicht auferweckt werden, dann lasst uns essen und trinken; denn morgen sind wir tot." (1. Korinther 15,32b) Dieser Ausspruch flößt einer christlichen Seele Entsetzen ein, sie spricht vielmehr umgekehrt: Tun wir Buße und halten wir uns bereit, denn vielleicht sterben wir morgen.
3. Die Zeit eilt und kehrt nicht zurück. Von ihr hängt meine Ewigkeit ab. Verliere ich sie, so verliere ich mich selbst auf ewig. Indessen steht es bei uns, durch ihre glückselige Verwendung, durch Vervielfältigung unserer guten Werke und verdoppelten Eifer sie zu ersetzen. Ist sie aber einmal für uns abgelaufen, dann seufzen wir ihr vergeblich nach. Dieser Verlust ist die ewige Verzweiflung der Verdammten. Werden wir doch durch ihre Torheit weise. Verwenden wir sie mit aller Sorgfalt, Schätze zu erwerben, die uns den Himmel erkaufen. Epheser 5,15-16: "Achtet also sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt, nicht töricht, sondern klug.
Der Heilsplan Gottes für den Menschen Gott offenbart seinen „gnädigen Ratschluß“
- Notwendigkeit, Gott in der Jugend zu dienen
Wie selig, wer Gott seine Jugend weiht,
Und sich durch Liebe an die Engel reiht.
Nie wird im Kampf er mit dem Feind erbeben,
Die Gnade trägt ihn durch dies Pilgerleben.
1. Viele sagen, sie wollen Gott dienen und ein frommes Leben führen, wenn sie einmal alt sein werden. Ein solcher Vorsatz ist so albern als gottlos. Er ist albern, weil sie nicht wissen, ob sie je ein höheres Alter erreichen werden, denn gewiss ist es, dass viele Menschen in der Jugend sterben. Gottlos aber ist er, weil sie Gott nur die Reste eines abgelebten Lebens geben wollen, das sie nicht mehr zur Sünde missbrauchen können. Gewöhnlich hängt die Auserwählung eines Menschen von seinen ersten Jahren ab. Auch hat die Jugend heftige Leidenschaften und bedarf also größerer Gnaden. Dazu auch ist die Jugend stark, Werke der Buße und Abtötung zu ertragen, was sie im Alter nicht eben so tun kann. Ihr jungen Leute, dient dem Herrn mit Freuden, und überaus groß wird eure ewige Belohnung sein.
2. Sehr wichtig ist es, gut anzufangen. Das Gebäude hängt von der Grundfeste, der Baum von der Wurzel, das Alter von der Jugend ab. Ist die Grundfeste schlecht, so wird das Gebäude einstürzen. Ist die Wurzel schlecht, so wird der Baum nimmermehr gute Früchte tragen. Und ist der Mensch in seiner Jugend verdorben, so wird er es unfehlbar auch im Alter sein. Der Ausnahmen sind leider höchst wenige, wie wir täglich mit Augen sehen. Beherzigt dies wohl, ihr jungen Christen.
3. Gott befahl, die Erstlinge aller Dinge ihm zu opfern. Zu diesen gehören allerdings auch die ersten Jahre. Die Jugend ist der Frühling des Lebens, seine Blüten sind Gott überaus wohlgefällig. Jesus berief die Kinder zu sich, umfing sie liebreich und segnete sie. Mit besonderer Huld und Gnade segnete er ebenso alle, die ihre Jugend ihm weihen, und beschützt sie vor vielen Übeln und Gefahren. Wie schwer ist die Gefahr, am Anfang der Lebensreise sich zu verirren, denn mit dem Weg nehmen die Verirrungen zu, und selten ist die Rückkehr auf den rechten Weg. Klagelieder 3,27: "Gut ist es dem Menschen, das Joch des Herrn zu tragen in der Jugend."
Der heilige Clemens I., Papst von 91 bis 100 und Märtyrer, war in Rom geboren, seinem Geschlecht nach aber ein Jude. Wenigstens sagt er selbst in seinen Briefen, er stamme von Jakob ab. Seine Bekehrung wird dem heiligen Petrus zugeeignet, den er in Cäsarea traf. Auch mit Paulus stand er im innigen Kontakt. Er begleitete den Apostel im Jahr 62 nach Philippi und teilte dort seine Drangsale. Derselbe nennt ihn auch seinen Mitarbeiter und setzt ihn unter die Zahl jener, deren Namen im Buch des Lebens geschrieben seien. Nach Rom zurückgekehrt nahm ihn der heilige Petrus unter seine Jünger auf, und er zeigte sich solchen Glückes würdig, denn er war nicht nur ein Schüler der Apostel, sondern auch der Erbe ihres Sinnes und Wandels. Um das Jahr 91 bestieg er den Stuhl Petri, der vor ihm Linus und Cletus eingenommen hatten. Aber so sehr auch sein Name in der ältesten Kirche gefeiert wird, wissen wir von seiner neunjährigen Wirksamkeit als Papst doch nicht mehr, als dass er sieben Notare in Rom bestellte, die alle Reden, Taten und Kämpfe der Märtyrer aufzeichnen mussten, viele Glaubensboten nach Syrien, Frankreich und andere Länder sendete und selber mit größtem Eifer und Segen an der Bekehrung der Heiden arbeitete. Eine in der Gemeinde von Korinth entstandene Spaltung verursachte seinem väterlichen Herzen herbes Leid, und er erließ an die Korinther ein Schreiben, das so hoch in Ehren gehalten wurde, dass man es noch im 4. Jahrhundert öffentlich in den Kirchen neben der Heiligen Schrift vorlas. Dies liefert den Beweis, dass Rom von jeher als der Mittelpunkt der katholischen Kirche und der dortige Bischof als das allgemeine Oberhaupt anerkannt wurde. Die Verfolgung, die Domitian im vorletzten Jahr seiner Regierung gegen die Christen erhob, wütete besonders in Rom, und dort wurden viele Gläubige, darunter selbst einige aus der kaiserlichen Familie, gemartert und hingerichtet. Eine schwere Last von Sorgen lag damals auf den Schultern des heiligen Papstes, dem die Drangsale der Seinigen das Herz durchschnitten und als treuem Hirten die Pflicht oblag, die Herde in der Standhaftigkeit des Glaubens festzuhalten und für den Kampf zu stärken. Unter Nerva genoss die Kirche den Frieden, aber im Jahr 100 gebot Kaiser Trajan, der doch in anderen Beziehungen Mäßigung und Gerechtigkeitsliebe zeigte, eine neue Christenschlächterei. Es ist kaum zu bezweifeln, dass Clemens damals den Leidenskelch getrunken und sein Blut für Jesus vergossen habe. Rufin, der Papst Zosimus und das Konzil von Bazas (452) legen ihm ausdrücklich den Namen Märtyrer bei. Auch steht er als Märtyrer in dem alten Messkanon der Kirche. Über die Art seiner Pein und seines Todes sind aber nur unverbürgte Sagen auf uns gekommen. Dem römischen Martyrologium zufolge wäre er nach Chersonesus (am äußersten Südwestzipfel der Halbinsel Krim am Schwarzen Meer in der heutigen Ukraine) verbannt und dort später mit einem Anker am Hals ins Meer gestürzt worden. Zu Rom steht eine alte, ihm zu Ehren erbaute Kirche. Er wird auch zu den "„apostolischen Vätern“ gerechnet und hat mehreres geschrieben, wovon noch zwei Briefe als echt vorhanden sind.
„Wenn du mich liebst, weide meine Lämmer!“ Mit diesen Worten, durch die einst der Heiland Petrus zum sichtbaren Oberhaupt der Kirche ernannt hat, beginnt die heutige Messfeier. Damit ist schon gesagt, dass der heilige Klemens, dessen Fest wir begehen, ein Nachfolger des heiligen Petrus auf dem Bischöflichen Stuhl zu Rom war. In der Reihe der Päpste hat Klemens an vierter Stelle von 92 bis 101 das Schifflein Petri durch die Stürme der dritten Christenverfolgung unter Kaiser Trajan umsichtig und mutvoll gesteuert.
Es war eine glorreiche Zeit, denn es verging kaum ein Tag, an dem nicht christliche Helden um des Glaubens willen Gut und Blut für Christus hingaben. Damit die Schicksale der Blutzeugen, ihre herrlichen Bekenntnisse vor den Richtern und die edle Gesinnung, mit der sie in den Tod gingen, nicht in Vergessenheit gerieten, ordnete Klemens an, dass alle Nachrichten über die heiligen Martyrer genau und wahrheitsgetreu aufgeschrieben werden sollten. Auch hat Papst Klemens an die Christengemeinde in der griechischen Stadt Korinth einen Brief gesandt, in dem er die Gläubigen zur Eintracht mahnte. Teile aus dem Brief sind in früheren Jahrhunderten als Episteln in der Heiligen Messe verlesen worden, wie es heute noch mit den Briefen der Apostel geschieht. Das ist alles, was die Geschichte über den dritten Nachfolger des heiligen Petrus berichtet. Wo aber die Geschichte aufhört, beginnt die Legende, und die Klemenslegende ist schön.
In einem Marmorsteinbruch fern von Rom auf der Halbinsel Krim am Schwarzen Meer beginnt die Klemenslegende. Dort schafften in brennender Sonnenglut unter den sausenden Peitschenhieben erbarmungsloser Wachmannschaften zweitausend Christen, die, aus der Heimat verbannt und zu Zwangsarbeit verurteilt, für die kaiserlichen Prachtschlösser schwere Marmorblöcke losbrechen und zersägen mussten. Es war ein bitteres Geschick. Als aber eines Tages, ebenfalls als Verbannter und Häftling, Papst Klemens unter ihnen erschien, wandelte sich das traurige Los in helle Freude, denn nun weilte ein Priester und Bischof, sogar der oberste Bischof, bei ihnen, der sie tröstete und stärkte in der Mühsal, der ihnen das Brot des göttlichen Wortes und in der heiligen Eucharistie das Brot des Lebens reichte. Von Stund an trugen alle leichter an dem schweren Kreuz, das auf den Schultern lastete. Wenn aber die christlichen Helden den greisen Papst bedauerten, weil auch er die menschenmordende Sklavenarbeit verrichten musste, so pflegte Klemens zu antworten: „Ohne meine Verdienste sandte mich der Herr zu euch, um an eurer Krone teilzuhaben.“ Wahrlich, da war ein Held der anderen wert.
Besonders litten die gequälten Christen unter dem Mangel an Wasser, das sie bei der großen Hitze zum Trinken und in ziemlicher Menge auch zum Zersägen der Marmorblöcke benötigten. Zwei Stunden weit musste man das Wasser herholen. Da ging Papst Klemens an einem Feierabend auf einen nahen Hügel, um dort zu beten, und während er betete, erschien ein Lamm, unter dessen Vorderfüßen sich eine Quelle auftat. Da war die Not beendet, und groß war die Freude unter den Helden. Die Heiden in jener Gegend aber bekehrten sich daraufhin zum wahren Glauben.
Natürlich meldeten die Aufseher den Vorfall nach Rom, und vom Kaiser kam der Befehl, Papst Klemens solle mit einem eisernen Anker um den Hals ins Meer geworfen werden. Also geschah es. Als aber Klemens den Gang zum Meer antrat, beteten die bedrängten und betrübten Christen: „Herr Jesus, rette ihn!“, und Klemens betete dagegen: „Vater, nimm meinen Geist auf!“ War da nicht wieder ein Held der anderen wert?
Es geschah also, dass Papst Klemens mit einem Anker um den Hals ins Meer versenkt wurde, und nachher beteten die Gläubigen, am Ufer auf den Knien liegend, Gott möge ihnen wenigstens den Leichnam des Helden an den Strand spülen, damit sie ihn ehrenvoll bestatten könnten. Was aber ereignete sich? Das Meer wich vom Land zurück, und die Christen gingen trockenen Fußes hinaus und stießen auf eine marmorne Kapelle, von Engelshand errichtet, und in der Kapelle erblickten sie ein marmornes Grabmal, und darin lag im Schmuck seiner Würde der heilige Papst Klemens.
Holdseligste der Jungfrauen, die du alle Geschöpfe an Reinheit weit übertroffen hast, so dass sogar die himmlischen Geister vor Gott nicht so rein befunden worden sind, bitte für uns arme und zu allem Bösen geneigte Sünder. O wunderbare Mutter, deren schöne Seele frei von Sünde und Fehler, selbst nicht von der Erbsünde beunruhigt und verunreinigt war, erhöre mich und stärke mich durch deine Fürbitte in meinem Entschluss, deinen geliebten Sohn durch keine Sünde mehr freiwillig zu beleidigen. Amen.
Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Klemens
Wir bitten Dich, o Gott, verleihe uns auf die Fürbitte des heiligen Klemens den Glauben, den Frieden und die Liebe, damit wir Dir wohlgefällig leben, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
Am heutigen Tag wurde im Jahr 1069 die zu einem Collegiat-Stift erhobene, zu Unserer Lieben Frau genannte, Kirche zu Mainz feierlich eingeweiht. Sie ist um das Jahr 988 vom Rat und der Bürgerschaft zu Mainz als die damalige einzige Stadtpfarrkirche unter dem heiligen Erzbischof Willigisius erbaut worden, der auch daran zwei große Türflügel von Erz hat anbringen lassen. Sie steht nahe an der Domkirche, weil die alten Katholiken zur Bezeigung ihrer besonderen Andacht zur Mutter Gottes im Brauch hatten, nahe an der Hauptkirche des Göttlichen Sohnes, eine Kirche unter dem Namen der Mutter Gottes zu erbauen, damit man aus einer in die andere leicht übergehen könne, wie man noch zu Trier, Köln und an anderen Orten sehen kann.
1. Eine vollkommene Seele fürchtet den Tod nicht mehr: "die vollkommene Liebe vertreibt die Furcht." (1. Johannes 4,18) Sie betrachtet den Tod als eine Pforte, die sie zu Gott, ihrer ewigen Liebe, führt, nach dem sie Tag und Nacht seufzt. Was auch würde sie mit diesem Leben verlieren? Einen Stand beständiger Gefahren, einen Weg, auf dem zahllose Feinde lauern, und wo sie von ihrer eigenen Gebrechlichkeit und von der Arglist des Teufels viel Böses zu fürchten hat, und daher in beständiger Angst schweben muss, von körperlichen Leiden und Drangsalen nicht zu sprechen: wie also sollte sie sich nicht erfreuen, von so vielem Elend befreit zu werden?
2. Warum fürchtest du denn den Tod? Was kann er dir hinwegnehmen, wenn du nichts Vergängliches liebst? Denn liebst du Gott allein, so gelangst du durch den Tod zu ihm. Ängstigt dich die Furcht, ob du zur Ruhe oder zur Strafe des Reinigungsfeuers in die Ewigkeit eingehst? Doch dies zu wissen, kommt dir nicht zu. Zagt auch die Natur, so vertraue darum nicht weniger lebend und sterbend auf deinen Gott. Aus dir selbst vermagst du es allerdings nicht, gut zu sterben. Gott aber, der dir verlieh, fromm zu leben, wird dir umso viel mehr verleihen, fromm zu sterben, als er dies fromme Leben dir nur wegen eines frommen Todes verlieh.
3. So wirf denn alle deine Sorgen auf Gott. Er, der im Leben deine Versuchungen dir überwinden hilft, wird auch im Tod dir beistehen. Eins nur ist furchtbar: die Sünde, die Ursache aller Übel in Zeit und Ewigkeit. Ist aber dein Herz rein von Sünden, und lebst du in der Gnade und Liebe deines Gottes, mit dem festen Willen, seine göttliche Liebe niemals zu beleidigen, dann wird kein Tod dir schaden, auch wenn er dich plötzlich überraschte, und du wirst ein mildes Gericht erfahren. Lukas 12,36-37a: "Seid wie Menschen, die auf die Rückkehr ihres Herrn warten, der auf einer Hochzeit ist, und die ihm öffnen, sobald er kommt und anklopft. Selig die Knechte, die der Herr wach findet, wenn er kommt. Amen.
Allerseligste Jungfrau Maria, mit welch herrlicher Andacht hast du dich heute dem lieben Gott ganz und gar aufgeopfert. Und mit welch großer Herrlichkeit an Leib und Seele wird dir Gott dies Opfer belohnt haben. Daran erinnere ich dich, Maria, und bitte dich, erwirb mir die Gnade, dass auch ich mich meinem lieben Gott von ganzem Herzen aufopfere. Weil ich aber dies nicht recht tun kann, so bitte ich dich, du wollest ihn an meiner statt mein Herz aufopfern, damit er es mit seiner Liebe entzünde und mit seiner Gnade erfülle. Erwirb mir auch, o heilige Jungfrau, die Gnade, deinem strengen Leben im Tempel im Fasten, Beten und Abtöten nach Möglichkeit nachzufolgen und alle Tage meines Lebens in der Gottseligkeit zuzubringen. Amen.
Verse zur Aufopferung Mariä von Johannes Angelus Silesius
Du edle Lilie, wo find`t man deinesgleichen?
Wann man wird alle Ort im Paradies durchstreichen.
Du glänzest, wie der Schnee, wenn ihn zur Winterszeit
Der Himmel mit dem Gold der Sonne überstreut.
Vor dir muss Sonne, Mond und jeder Stern erbleichen,
Dein Anseh`n, deine Pracht ist schöner, als das Kleid
Des Königs Salomon in seiner Herrlichkeit.
Dir muss der klare Blitz der Seraphimen weichen.
Dein edler Wohlgeruch erquickt die ganze Welt,
Dich preist, was unserm Gott dem Herrn zu Fuße fällt.
In dir erblicket man die Schönheit der Jungfrauen;
Der Märtyrer Bestand, ja aller Tugend Zier,
Und aller Blumen Wohlgeruch erquickt mich hier
O möcht ich ewig Gott also, wie du, anschauen.
Weiteres Andenken an die seligste Jungfrau
Zu Paris wurde im Jahr 1671 das Kloster der geistlichen Jungfrauen, die der Regel des heiligen Benedikt folgen, unter dem Titel Mariä Opferung erbaut, unter welchem Titel auch zu Metz das Klöster der Cölestiner erbaut ist. Das Fest selbst aber wurde zu Venedig in der Kirche des heiligen Grabes sehr feierlich gehalten.
1. Eine nachlässige Seele versinkt allmählich in ein solches Siechtum, dass die besten geistigen Speisen, sogar das himmlische Manna, sie anekeln, und dass sie, gleich den Israeliten, nach den Zwiebeln Ägyptens giert. Wie die körperlich Siechen verschmäht sie alle Arzneien und betrachtet sie als unnütz. Dadurch aber versinkt sie in eine Schwäche, in der die geringste Anstrengung ihr als unüberwindliche Arbeit erscheint. Die leichtesten Tugenden scheinen ihr unüberwindliche Berge, das sanfte Joch des Herrn eine unerträgliche Last. Diese Schwäche auch reißt sie zur Einwilligung in die meisten Versuchungen hin, wenn diese auch nicht zu den heftigsten gehören. Wie schwer ist der Stand einer solchen Seele. Ist es nicht etwa der deinige?
2. Die Wirkung des körperlichen als des geistigen Siechtums ist eine Niedergeschlagenheit und tiefe Schwermut. Beim geistigen Siechtum entspringt diese Schwermut den geheimen Vorwürfen des Gewissens, da eine sieche Seele das Gute unterlässt, - so wie der Beschwernis, mit der sie gewisse Pflichten erfüllt, die sie, ungeachtet ihrer Trägheit, erfüllen muss, - und dem Überdruss des Herzens, das ohne Trost schmachtet, weil sie wegen ihrer beständigen Untreue des himmlischen Trostes unwürdig ist, ihr Stand aber und die Rügen ihres Gewissens den irdischen Trost ihr verwehren. Die letzte Folge dieses Siechtums aber ist die Verzweiflung an ihrer Heilung, da sie zu ohnmächtig ist, sich zu überwinden, weshalb auch alle Arzneien fruchtlos bleiben.
3. Dies schwere Übel kann nur durch ein Wunder geheilt werden. Darum, christliche Seele, die du in diesem Siechtum schmachtest, rufe eifrig zu Jesus, ja gehe mit Jairus, dem betrübten Vater, zu ihm, wirf dich gleich ihm zu seinen Füßen, bete ihn in lebendigem Glauben an, und sprich mit Vertrauen auf ihn: Herr, meine Seele ist tot, doch lege ihr deine Hand auf, und sie wird leben. Sprich ein Wort, und sie wird gesund. Denn ein barmherziger Arzt ist der göttliche Heiland, der kein gedemütigtes und zerknirschtes Herz verschmäht. Bete mit dem Psalmisten zum Herrn: "Erbarme dich meiner, Herr, denn ich bin krank. Wende dich, Herr, und errette meine Seele. Hilf mir um deiner Barmherzigkeit willen."
1. Die Tugend wird in der Gelegenheit geübt, die Sünde wird in der Gelegenheit begangen. Suchen also müssen wir die Gelegenheit, die Demut, die Nächstenliebe, die Geduld, und überhaupt jene Tugenden zu üben, die unsere Eigenliebe abtöten, - meiden dagegen die Gelegenheiten, die unseren Sinnen schmeicheln, unser Herz verweichlichen und unsere Unschuld gefährden. Unser großer Fehler aber ist, dass wir gerade das Umgekehrte tun: den Gelegenheiten ausweichen, die wir suchen sollen, und die suchen, die wir auf alle Weise meiden sollen. Wir möchten gern geduldig sein, ohne zu leiden, demütig sein, ohne erniedrigt zu werden, liebevoll sein, ohne die Nächstenliebe anders als im Herzen zu üben. Dies aber sind Tugenden in der Einbildung.
2. Täusche dich nicht selbst! Die Tugend ist eine Kraft, die in der Gelegenheit die Probe besteht. Wie aber bestehst du sie? Stark bist du, doch nur in deiner Betkammer, da fasst du die kräftigsten Vorsätze. Kommt es jedoch zur Ausführung, dann bist du schwach und verzagt, und kannst den leichtesten Spott, die mindeste Verachtung nicht ertragen. Wäre es also nicht besser, ich würde jede Gelegenheit vermeiden? Weichst du der Gelegenheit zum Guten aus: wann wirst du dann je Tugenden üben? Wann wirst du dich selbst überwinden? Wann wirst du deine Zunge und die Aufwallungen deines Herzens bezähmen? Wann die Verdienste für den Himmel gewinnen? "Gib dem Weisen Gelegenheit," spricht die Schrift, "so wird er an Weisheit zunehmen!" (Sprichwörter 9,9)
3. Nicht diese Gelegenheiten sind es, die du meiden sollst, sondern die, wo auch eine geprüfte Tugend Gefahr läuft. Du sagst, diese und jene Gesellschaften brächten dir keine Gefahr. Wurdest du etwa darin nie zur Sünde versucht? Kehrtest du mit ganz reiner Einbildung und ebenso keuschem Herzen daraus zurück? Lernt man nicht in solchen Gelegenheiten die Welt und ihre Torheiten lieben? Erkaltet darin nicht die Liebe und Frömmigkeit? Epheser 5,15a: "Achtet also sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt.", denn voll der Schlingen ist die Welt. Gott bestraft die Vermessenheit durch Demütigung, darum sei auf deiner Hut, und fürchte dich selbst als deinen größten Feind! Matthäus 26,41a: "Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet."
Der Beiname des heiligen Gregor deutet darauf hin, dass wir es hier mit einer echten Legende zu tun haben. Gregor ist allerdings eine geschichtliche Person, er lebte im 3. Jahrhundert, war von Geburt kein Christ, bekehrte sich als junger Mann zum Christentum, wurde Priester und später der erste Bischof in seiner Heimatstadt Neu-Cäsarea am Schwarzen Meer. Bischof Gregor war ein gelehrter Mann, der auch Bücher geschrieben hat, die noch vorhanden sind und aus denen hervorgeht, dass er klug und ernst war und genau den Glauben besaß, der nach den Worten von Jesus Christus Berge versetzen kann.
Mit einem versetzten Berg beginnt denn auch die eigentliche Legende des Heiligen. Die Geschichte ereignete sich folgendermaßen. Gregor wurde, wie erwähnt, der erste Bischof in seiner Vaterstadt. Als er das hohe Amt antrat und seine Christen zählte, stellte es sich heraus, dass es ganze siebzehn waren. Selten hat ein Bischof eine solch kleine Herde zu hüten gehabt, aber was klein ist, kann wachsen, und so ging es auch mit dem Senfkörnlein der jungen Christengemeinde in Neu-Cäsarea. Durch die Wohltätigkeit, die Liebenswürdigkeit und die Predigt des Bischofs nahm die Zahl der Gläubigen schnell zu, und bald ergab sich die Notwendigkeit, eine größere Kirche zu errichten, die Raum für alle bot.
Man begann also mit dem Bau. Und während man baute, vervielfältigten sich die Bekehrungen derart schnell, dass das neue Gotteshaus, wenn man so weiterbaute, bei der Fertigstellung bereits wieder zu klein gewesen wäre. Notgedrungen musste man daher den Bau noch während des Baues erweitern. Das war leicht gesagt, aber schwer zu bewerkstelligen, denn ein angrenzender Berg stoppte alle Vergrößerungspläne. Da war wirklich guter Rat teuer.
Bischof Gregor überlegte mit dem Baumeister und sprach mit den Maurern, aber alle erklärten ihm nur, dass man entweder auf den Erweiterungsbau verzichten oder den Berg verschieben müsse. Weil letzteres nach menschlichem Ermessen undenkbar war, lächelten die Handwerker spöttisch, als sie diese unmögliche Möglichkeit erwähnten. Der Bischof lächelte nicht, vielmehr kam ihm plötzlich der Gedanke an die Worte von Jesus Christus in den Sinn, von denen das Evangelium berichtet. Es heißt da:
Habt Glauben an Gott! Wahrhaft, ich sage euch, wer zu diesem Berg sagt: „Heb dich hinweg und stürz dich ins Meer!“ und wer dabei in seinem Herzen nicht zweifelt, sondern glaubt, dass alles, was er sagt, geschehen werde, dem wird es in Erfüllung gehen. Darum sage ich euch: Bei allem, was ihr auch im Gebet erflehen möget, glaubt nur, dass ihr es erhaltet, so wird es euch zuteilwerden.
An diese Worte dachte Bischof Gregor in seinen Bausorgen, und gleich war es ihm klar, dass gebetet werden musste. Da betete er, betete aber nicht so oberflächlich, sondern betete, wie Heilige beten, ohne Unterlass und mit einem Vertrauen, das noch fester war als Felsgestein. Er betete, in seinem Zimmer auf den Knien liegend, die ganze Nacht hindurch und erinnerte Jesus Christus an sein Wort, dass ein vertrauensvolles Gebet Berge versetzen könne. Erst als der Morgen graute, erhob sich der stürmische Beter, feierte in der gleichen Meinung die heilige Messe und legte sich anschließend nieder, um nach der durchwachten Nacht ein Stündchen zu ruhen.
Kaum jedoch lag Gregor im ersten Schlaf, da wurde er plötzlich geweckt. Es klopfte einer draußen an der Zimmertür so heftig und laut, dass man meinen konnte, es donnere, und eine Stimme – es war die Stimme des Baumeisters – rief: „Herr Bischof, komm, komm schnell! Es hat sich etwas Seltsames zugetragen! Herr Bischof, komm, komm schnell!“
Gregor aber beeilte sich gar nicht, denn was geschehen war, wusste er bereits. Als er mit dem Baumeister den Bauplatz erreichte, sah er, dass sein Gebet Wirklichkeit geworden war. Der Berg hatte sich zurückgeschoben und sogar noch mehr Platz freigegeben, als eigentlich nötig war. Die Maurer lächelten nicht mehr spöttisch, und alle Leute aus der Stadt waren gekommen, und auf das Wunder hin bekehrten sich bis auf siebzehn, die nicht Christen werden wollten. So mussten die Pläne noch einmal vergrößert werden, und es stellte sich heraus, dass der Berg so weit zurückgegangen war, wie es der zweimal vergrößerte Bauplan verlangte.
Noch andere Wunder von ähnlicher Art wirkte Bischof Gregor in Menge. Daher heißt er auch Wundertäter. Das schönste Wunder jedoch, das er vollbrachte, war das Wunder von dem versetzten Berg.