Ich bitte dich, gutherzigste Jungfrau, lass nicht zu, dass das Blut deines göttlichen Sohnes an mir verloren ist. Erlange mir, dass es meine Seele von allen Flecken der Sünde reinigt, damit ich würdig werde, aus seinen heiligen Wunden Schutz, Trost, Hilfe und Stärke gegen alle Gefahren des Leibes und der Seele im Leben und im Tod zu empfangen. Amen.
Zu Gott auf die Fürsprache des heiligen Lätus
O Gott, verleihe uns auf die Fürbitte des heiligen Lätus ein reines Herz, damit wir würdig werden, Dich ewig im Himmel zu schauen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
Am heutigen Tag wird im römischen Martyrologium das Gedächtnis der heiligen Elisabeth, der Mutter des heiligen Johannes des Täufers, angeführt, die die seligste Jungfrau aus Antrieb des Heiligen Geistes besucht, und von ihr den Lobspruch gehört hat: "Du bist gebenedeit unter den Frauen, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes."
Der heilige Lätus wurde in der französischen Landschaft Berry geboren und hütete in der Jugend die Herden seines Vaters. In der Folge verließ er diese Beschäftigung und trat im Drang nach höherer Vollkommenheit der Mönchsgemeinde von St. Mesmin bei Orleans bei. Hier knüpfte er mit dem heiligen Avitus, der am 17. Juni verehrt wird, enge Freundschaft und zog sich mit ihm in die Einöde von Sologne zurück. Als Avitus später wieder in sein Kloster heimkehrte, wählte Lätus den Forst Inatoire zu seinem Aufenthaltsort. Man setzt seinen Tod in das Jahr 534. Mit der Zeit baute man eine Kapelle auf seinem Grab, und es bildete sich hier allgemach ein beträchtliches Dorf, das des Heiligen Namen führt. Seine Reliquien kamen in die Stiftskirche von Pluviers im Bistum Orleans.
Der Heilsplan Gottes für den Menschen Gott offenbart seinen „gnädigen Ratschluß“
Liebe Leserinnen und Leser,
Von den Fortschritten in der Vollkommenheit
Lass dich Kampf und Arbeit nicht verdrießen,
Denn sie blühen dir als reiche Saat;
Dort wirst du im Jubel sie genießen.
Fasse Mut, denn sieh, das Ende naht.
1. "Wer gerecht ist," spricht der Herr, "der werde noch gerechter, und wer heilig ist, noch heiliger!" Warum dringt der Herr so sehr auf unsere Zunahme an Gerechtigkeit und Heiligkeit? Weil unsere Zeit, Verdienste für die Ewigkeit zu erwerben, sehr kurz ist, "denn", fügt er bei; "ich komme bald, und mit mir bringe ich den Lohn, und ich werde jedem geben, was seinem Werk entspricht." Er liebt uns, und hat das herzlichste Verlangen, unsere himmlischen Belohnungen zu vermehren. Und diese Liebe drängt ihn, uns zu immer größerem Eifer zu ermahnen, damit er uns eine umso glorreichere Krone erteilen kann. Soll dies Verlangen unseres Herrn uns nicht zu dem lebendigsten Verlangen nach unserer Vollkommenheit anregen?
2. So lange wir leben, können und sollen wir unablässig an Gerechtigkeit und Heiligkeit zunehmen, ja es soll dies unsere einzige Beschäftigung und das Ziel aller unserer Werke sein, denn dazu wurde das Leben uns geschenkt. Niemand denke, er habe die Vollkommenheit erreicht. Denn dürfen wir auch dankbar erkennen, dass wir durch Gottes Gnade nun von manchen Sünden und schweren Fehlern frei sind, so verschwinden doch alle unsere Tugenden wie nichts, wenn wir sie mit den heldenmütigen Aufopferungen großer Heiligen vergleichen. Vergessen wir doch niemals, dass jede Minute eine Ewigkeit auf ihren Flügeln trägt, und dass wir, wenn wir sie verlieren, eine Stufe in der Glorie verlieren.
3. Die Demut der Heiligen war keine Heuchelei, sie verkannten das Gute nicht in sich, aber sie gaben Gott die Ehre dafür und sprachen mit dem Apostel: "Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin!" (1. Korinther 15,10a) Indessen war ihre Liebe, ihr Verlangen, Gott immer wohlgefälliger zu werden, und noch mehr für seine Ehre zu tun, so groß, ihr Hunger und Durst nach der Gerechtigkeit so verzehrend, dass sie alles, was sie getan und gelitten hatten, als nichts betrachteten, und mit demselben Apostel sprachen: "Ich vergesse, was hinter mir liegt, und strecke mich nach dem aus, was vor mir ist." (Philipper 3,13b) An diese Dinge denke und tue alles, was deine Hand zu tun vermag.
Der Heilsplan Gottes für den Menschen Gott offenbart seinen „gnädigen Ratschluß“
Liebe Leserinnen und Leser,
Von der himmlischen Freude
Nach dem hohen Vaterlande
Seufzet, hier verbannt, mein Herz.
Wann zerfallen meine Bande?
Wann, ach, weicht der Sehnsucht Schmerz?
Wann verschlingt der Sieg den Streit
In dem Reich der Seligkeit.
1. O glückseliges Vaterland in den Höhen, himmlisches Jerusalem, wie glüht mein Herz nach dir. Psalm 87,3: "Herrliches sagt man von dir, du Stadt unseres Gottes." Wann, o wann wird der Tag erscheinen, wo ich unter deine glückseligen Bürger aufgenommen werde, die im lieblichsten Einklang die göttliche Dreieinigkeit loben Tag und Nacht, und, trunken aus dem Strom der göttlichen Wonnen, von Freude zu Freude schweben. Unverwelklich blüht dort ihre Seligkeit in der Fülle unendlicher Liebe. Dort glänzen alle wie die Sonne in ihres Vaters Reich, und singen ewige Triumphgesänge. Dort schauen sie unentwegt die glorreiche Gottheit, lieben sie und werden gleich geliebten Kindern von ihr geliebt und umfangen.
2. O Seligkeit, die hoch über allen sterblichen Worten steht. Dort wechseln nicht alternde Tage mit dunklen Nächten, denn dort herrscht der Tag der Ewigkeit, und Gott selbst ist das Licht, das die wunderbare Himmelsburg durch seine Glorie erleuchtet. Dort sind alle in Gott entzückt, und unendlich mehr lieben sie ihn, als ihre eigene Seligkeit. Dort herrscht kein Neid, wo alle groß, alle Kinder Gottes sind, denn das Maß aller ist erfüllt, und die in minderer Glorie glänzen, erfreuen sich der größeren Herrlichkeit ihrer glückseligen Brüder und Schwestern. Die ersten Himmelsfürsten aber sind mit ihnen durch die schönste Liebe verschwistert und tragen Gewänder der himmlischen Glorie.
3. O unendliche, unerschaffene Schönheit meines Gottes. Selig, die in deinem Licht wohnen und deine Herrlichkeit schauen. Selig die liebeflammenden Chöre der heiligen Engel, die zahllosen Scharen der heiligen Patriarchen, Propheten, Apostel, Blutzeugen, Bekenner, Jungfrauen und Büßer. Selig alle, die in diese himmlische Heimat aufgenommen werden, und in schöner Vertraulichkeit mit diesen heiligen Bürgern der ewigen Stadt Sion leben, wo alle in einem Geist dich, den König der Unsterblichkeit, preisen, mit deinem eingeborenen Sohn, der diese Seligkeit durch sein Blut ihnen erworben hat, und dem Heiligen Geist, dessen Gnade sie geheiligt und des Himmels würdig gebildet hat. Psalm 42,3: "Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann darf ich kommen und Gottes Antlitz schauen?"
1. Gewaltig ist die Liebe guter Eltern für ihre Kinder. Sie scheuen keine Sorgen, keine Anstrengungen, ihr Glück zu fördern. Erkranken aber diese geliebten Kinder, dann ist die ganze Familie ängstlich beschäftigt. Kein Geld wird gespart, keine Nachtwache, kein Opfer gescheut. Also sandte auch jener Fürst, dessen Sohn erkrankt war, nicht seine Leute: er selbst kam zu Jesus, um ihn um die Heilung seines Sohnes zu bitten. Aber liebe Eltern, warum diese Angst? Warum diese Sorgen? Was verliert ihr denn, wenn dieses Kind stirbt? Oder was gewinnt ihr, wenn es am Leben bleibt? Ach, du kennst die Liebe nicht, würden sie dem so Fragenden antworten, uns selbst lieben wir in unserem Kind, und wir selbst sterben gleichsam mit ihm.
2. Erkennst du hier das Bild des himmlischen Vaters? Nur einen Funken seiner Liebe legte er in das Herz der Eltern, und wie unüberwindlich wirkt er in ihnen. Was ist aber dieser geringe Funke gegen die unermessliche Liebe des göttlichen Vaterherzens. Denn der Herr selbst spricht in Jesaja 49,15: "Kann denn eine Frau ihr Kindlein vergessen, eine Mutter ihren leiblichen Sohn? Und selbst wenn sie ihn vergessen würde, ich vergesse dich nicht." Nichts zwar verliert er, wenn wir verloren gehen, und nichts gewinnt er, wenn wir selig werden, aber sein Wesen ist die Liebe, er liebt uns als seine Geschöpfe, er liebt sein eigenes Bild in uns.
3. Gute Eltern versuchen ihre Kinder durch Güte und Strenge zu bessern, sie verstoßen sie nicht, auch nach vielen Fehlern. Nur wenn sie nach allen Ermahnungen, Wohltaten und Strafen sich also gegen die Eltern empören, dass sie ihnen nach dem Leben stellen, schließen sie sie mit Schmerz vom Vaterhaus aus. So tut es auch unser himmlischer Vater, der seine unendliche Güte gleichsam erschöpft, und schließt nur jene Verstockten vom Himmel aus, die da wünschten, dass kein Gott wäre, und bis an ihr Ende in dem hartnäckigen Trotz gegen ihn verharren. "Sag zu ihnen: So wahr ich lebe - Spruch Gottes, des Herrn -, ich habe kein Gefallen am Tod des Schuldigen, sondern daran, dass er auf seinem Weg umkehrt und am Leben bleibt." (Ezechiel 33,11a)
Der Heilsplan Gottes für den Menschen Gott offenbart seinen „gnädigen Ratschluß“
Liebe Leserinnen und Leser,
Am Gedächtnis Allerseelen
Nimm, Herr, die Seelen, die in deinem Frieden
Aus dieses Lebens Kämpfen abgeschieden,
Barmherzig auf in deiner Heil`gen Schar,
Dass sie dich selig preisen immerdar.
1. 2. Makkabäer 12,45: "Es ist ein heiliger und heilsamer Gedanke, für die Verstorbenen zu beten, damit sie von ihren Sünden gelöst werden." Heilig ist dieser Gedanke, weil er von der Liebe, der ersten aller Tugenden, ausgeht, die fordert, dass wir alle, die wir in Jesus Christus ein Körper sind, einander zu Hilfe kommen, und füreinander beten sollen. Sind wir nun schon gegen unsere lebenden Brüder und Schwestern zu diesem heiligen Liebesdienst verpflichtet, wie weit mehr gegen jene, die keine Verdienste mehr erwerben können, der göttlichen Gerechtigkeit genug zu tun, da sie bereits "in jener Nacht sind, wo niemand mehr wirken kann?"
2. Ja, dieser Gedanke ist nicht nur heilig, sondern auch heilsam. Denn unsere Gebete, Almosen und andere guten Werke, ganz vorzüglich aber das unblutige Opfer unserer Erlösung, gereichen den Seelen, die das Leben in Gottes Gnade verließen, zum größten Heil, weil wir dadurch an ihrer statt der göttlichen Gerechtigkeit genugtun. Denn liebevoll nimmt der Vater der Erbarmungen auf, was wir mit Liebe für diese Seelen tun, die er selbst väterlich liebt, und zu seiner ewigen Liebe auserwählte. Es ist also eine heilige Pflicht, für unsere verstorbenen Brüder und Schwestern zu beten, die mit unserem Gebet rechnen und uns zurufen: "Erbarmt, erbarmt euch meiner, ihr, meine Freunde." (Ijob 19,21)
3. Es ist ein Ausspruch aller Väter, dass die Strafen der künftigen Welt alle unsere Vorstellungen übertreffen. "Denn jetzt aber, da sein Zorn nicht straft, und nicht groß des Frevels achtet" (Ijob 35,15), dann aber wird der letzte Heller eingefordert. Wie viele Eltern seufzen dort nach der tätigen Liebe undankbarer Kinder. Wie viele Freunde erwarten Hilfe von ihren Freunden und anderen, denen sie einst Gutes taten. Und wie überaus schmerzlich ist für sie die Unbarmherzigkeit ihrer Hinterlassenen. Könnten wir nur einen Blick in diese Gefängnisse der göttlichen Gerechtigkeit tun, wie eifrig würden wir sein, für die Verstorbenen zu beten und zu wirken. Unterlassen wir diese heilige Pflicht an keinem Tag, denn mit dem Maß, womit wir messen, wird uns zurückgemessen werden. Im Buch Kohelet lesen wir: "Versage einem Verstorbenen keine Gnade."
Der Heilsplan Gottes für den Menschen Gott offenbart seinen „gnädigen Ratschluß“
Liebe Leserinnen und Leser,
Am Fest Allerheiligen
O seht herab vom hohen Himmelssaal,
Wo selig eure Jubelhymnen klingen,
Ihr Himmelsbürger, in dies Tränental,
Wo, ach, wir arme noch in Schmerzen ringen;
Und bittet, dass Gott unser Flehn erhöre,
Und bald durch uns ergänze eure Chöre.
1. Es besteht zwischen der triumphierenden und der streitenden Kirche eine wahre, lebendige und innige Gemeinschaft, denn alle Glieder der einen heiligen Kirche sind durch das Erlösungsblut Jesu Christi miteinander verschwistert. Wir zwar leben noch im Glauben, sie aber in der Anschauung. Doch sind alle, die hienieden in Gottes Gnade leben, "Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes". (Epheser 2,19) Versichert uns aber die ewige Wahrheit, dass mehr Freude im Himmel ist über einen Sünder, der da Buße tut, als über 99 Gerechte, die der Buße nicht bedürfen (Lukas 15,7), so sehen wir daraus klar, dass die glückseligen Himmelsbürger die Gerechten genau von den Sündern unterscheiden.
2. Diese Freude der Heiligen an der Bekehrung der Sünder entspringt ihrer feurigen Liebe und der lebendigen Sehnsucht, dass die unendlich liebevolle Majestät Gottes von einer immer größeren Anzahl Anbeter verherrlicht wird. Daher auch nehmen sie den innigsten Anteil an ihren Brüdern und Schwestern, die noch in diesem Tal des Kampfes sind. Sie kennen unsere Schwächen und die Versuchungen, denen wir beständig ausgesetzt sind, und bringen die Bitten, die wir an sie richten, vor Gottes Thron. Wie auch sollten sie, die im irdischen Leben sogar für ihre Feinde beteten, nun, wo ihre Nächstenliebe vollkommen ist, nicht für diejenigen bitten, die sie verehren und anrufen?
3. Gott aber erhört die Fürbitten seiner Heiligen für uns. Psalm 145,18-19: "Der Herr ist allen, die ihn anrufen, nahe, allen, die zu ihm aufrichtig rufen. Die Wünsche derer, die ihn fürchten, erfüllt er, er hört ihr Schreien und rettet sie." Auch spricht der Sohn Gottes: "Wenn einer mir dient, wird der Vater ihn ehren" (Johannes 12,26b), diese Ehre aber besteht darin, dass er ihre Bitten erhört. So rufen wir denn diese glorreichen Himmelsfürsten oftmals an, und sprechen wir: Selige Bewohner des himmlischen Jerusalems, bittet für uns beim Thron des Allmächtigen, der euch als seine Kinder liebt, damit wir, wie ihr, die Welt und uns selbst überwinden, im Glauben leben und sterben, und einst Gefährten eurer Seligkeit werden. So heißt es in Davids Psalm: "Deine Freunde, mein Gott, sind mir überaus hoch geehrt; ihre Herrschaft wurde überaus mächtig gekräftigt."
1. Willst du Gottes Gnade erlangen und bewahren, so liebe das Gebet und lass es deine beständige Übung sein. Gott gab es uns als das allgemeine Mittel gegen alle unsere Übel, und es fordert weder einen erhabenen Geist, noch große Wissenschaft. Ein ehrerbietiges und eifriges Gebet findet immer eine liebevolle Aufnahme. Auch steht der Zutritt zum himmlischen König dir frei zu jeder Zeit. Er ist keine stolze und unzugängliche Majestät. Keine Wache verwehrt dir den Eintritt in seinen Palast. Er ist bereit, uns anzuhören, so oft wir wollen, und niemand, der mit andächtigem und zerknirschtem Herzen zu ihm kommt, geht leer von dem Thron seiner Barmherzigkeit aus.
2. Wie oft nimmst du, statt zu dem Vater des Erbarmens zu beten, deine Zuflucht zu Menschen und klagst ihnen deine Not! Darfst du dich aber wundern, wenn du ohne Hilfe, ja oft mit bitteren Worten abgewiesen wirst? Gott hat die Herzen der Menschen in seiner Hand, und sie werden dir auch nur insofern helfen, als er sie dazu anregt. Warum also nimmst du deine Zuflucht nicht sogleich zu ihm? Hast du nicht seine untrügliche Verheißung, dass du erhalten wirst, um was du im Glauben bittest? Glaubst du etwa dieser Verheißung nicht? Oder achtest du Gottes Wohltaten so gering, dass du nicht einmal darum bittest?
3. Betrachte den Fürsten, der zu Jesus kam, ihn zu bitten, dass er seinen Sohn gesund macht. Statt ihn zu erhören, gab der Herr ihm einen Verweis. Aber der betrübte Vater wurde dadurch nicht irre an der Güte Jesu. Er bat noch dringender, und erhielt endlich zu seiner großen Freude die Frucht seines Gebetes. Also prüft Gott zuweilen den Glauben und die Beharrlichkeit seiner Diener, immer aber erhört er ihr andächtiges, dringendes und beharrliches Gebet, und zögert zuweilen nur darum mit der Erhörung, damit sie dann seine Gaben umso höher achten. Denn ausdrücklich ist die Verheißung unseres Herrn: "Ich sage euch: Alles, um was ihr bettet in eurem Gebet, glaubt nur, dass ihr es empfangen werdet, dann wird es euch zuteil." (Markus 11,24)
Erwecke, Herr, in mir den Glauben; Es leuchte mir sein heil`ges Licht, Mich zu belehren und zu stärken, Dass einst ich mit gerechten Werken Vor dir erscheine beim Gericht.
1. "Wer nicht glaubt, der ist schon gerichtet!" spricht der Herr. (Johannes 3,18) Prüfen wir uns also mit Sorgfalt, diesem schweren Strafgericht zu entkommen. Haben wir den Glauben, das heißt, einen festen, lebendigen, werktätigen Glauben? Jakobus 2,19: "Du glaubst: Es gibt nur den einen Gott. Damit hast du recht; das glauben auch die Dämonen, und sie zittern." spricht der Apostel. Glauben wir, dass wir mit Jesus leiden müssen, wenn wir mit ihm herrschen wollen? Betrachten wir alle Dinge nach dem Urteil dieses Glaubens? Würde, wer wahrhaft glaubte, was wir zu glauben verpflichtet sind, leben, wie wir leben?
2. Wie viele leben in den Tag hinein, lassen die Wahrheiten des Glaubens dahin gestellt sein, und führen ein heidnisches Leben. Gehören nicht auch wir zu dieser Anzahl von Menschen? Wie kann man je an die unendliche Majestät eines Gottes glauben, und ihm nicht dienen, an seine unendliche Gerechtigkeit, und ihn nicht fürchten? Wie kann man glauben, dass, was vor den Augen der Menschen groß ist, ein Gräuel in seinen Augen ist, und mit aller Gier nach dieser Größe verlangen? Glauben, dass wir uns selbst verleugnen, unser Kreuz tragen, Buße wirken und uns Gewalt antun müssen, wenn wir selig werden wollen, und alle diese Dinge gleich dem Feuer meiden? Wie können wir an die schrecklichen Strafen der Hölle glauben, und ruhig in der Sünde fortleben, ja unsere alten Sünden mit neuen vermehren?
3. Der Glaube muss das Licht und die Richtschnur unseres Lebens sein. Immer zeigen unsere Handlungen unseren Glauben wirksamer, als unsere Worte. "Der Gerechte", spricht die Schrift, "lebt aus dem Glauben." Wir aber leben nicht nur nicht daraus, sondern wir ertöten ihn in unserem Verstand und in unserem Herzen. Stehen nicht unsere Sitten in furchtbarem Widerspruch mit unserem Glauben? Verleugnen wir den Glauben nicht unter Ungläubigen, und opfern unser Heil einer geringen Ehre, einem unbedeutenden Nutzen auf? Wehe uns, wenn wir dem Evangelium nicht glauben, und abermals Wehe uns, wenn wir als Christen glauben und als Heiden leben. 2. Petrus 2,21: "Es wäre besser für sie, den Weg der Gerechtigkeit gar nicht erkannt zu haben, als ihn erkannt zu haben und sich danach wieder von dem heiligen Gebot abzuwenden, das ihnen überliefert worden ist."
„Fürchte dich nicht, Maria, denn du hast bei Gott Gnade gefunden“,
Zwei Botschaften stehen in diesem Vers:
1. Fürchte dich nicht 2. Du hast Gnade gefunden bei Gott.
Die Angst vor Corona kann freilich Angst machen. „Nicht fürchten und Gnade bei Gott finden“ können da heute hilfreiche Botschaften sein.
Auch Israel lebte zur Zeit Marias in einer tiefen Krise. Die Römer herrschten über das ganze Land und verlangten vom eroberten Volk überhöhte Steuern. Josef, ihr Verlobter, solidarisierte sich mit der ungewollt Schwangeren.
„Fürchte dich nicht, Mari,; denn du hast bei Gott Gnade gefunden.“ Das Wort „Gnade“ bedeutet: „Gewährung von Schonung, Milde und Mitleid gegenüber einem Besiegten, einem Untergebenen“ und ich möchte hinzufügen „einem Kranken, einem Rechtlosen, einem am Rand lebenden“.„Schonung“ kommt von „schauen“. Wenn Maria , und damit bist du und ich gemeint, Gnade findet bei Gott, dann schaut Gott auf uns, ER wirft, wie ein Liebender, sein göttliches Auge auf uns. Gott findet Gefallen an uns. Auf Gott vertrauen ist der erste Schritt zur Heilung.
Die Heilungsgeschichten des Evangeliums erzählen: „Dein Glaube, Dein Vertrauen hat Dich gerettet!“. So sagt der Engel Gabriel auch heute: „Fürchte dich nicht!“, „Vertraue auf Gott! Vertraue ins Leben!“
1. Habe immer fromme und gute Übungen zur Hand und vollbringe sie getreu und in reiner Absicht. Doch hänge ihnen nicht so an, dass du sie nicht alsbald verließest, wenn die göttliche Vorsehung entweder durch Anordnung deiner Vorgesetzten oder auf andere deutliche Weise dir kund gibt, dass sie nun anderes von dir fordert. Denn wir sollen Gott nicht nur dienen, sondern dienen sollen wir ihm, wie er selbst es will, und unseren eigenen Willen verleugnen, ja sogar Großes und Lobenswertes verlassen, um Geringes zu tun. Denn verlangt Gott dies von dir, so hört das Geringe auf gering zu sein, und wird besser denn alles, was dir groß und lobwürdig scheint.
2. Dein ganzes Verdienst besteht in deiner Selbstverleugnung, um Gottes heiligen Willen zu tun. Er verteilt seine Gaben auf verschiedene Weise, je nach dem Wohlgefallen seiner Weisheit und dem Beruf und den natürlichen Anlagen seiner Diener. Nicht alle sollen die genannten Übungen abwarten, alle aber sollen in einem Geist der Liebe wirken. Kannst du also nicht tun, was andere tun, so kannst du doch diese Tugenden üben, und demütig, barmherzig und geduldig sein, wenn auch nicht auf dieselbe Weise wie sie. Nimmst du alles wie von Gott an, und suchst in allem nur seine Ehre, nimmermehr wird Gott es dann zulassen, dass du irre gehst, und was immer dir widerfahren mag, wird dir zu größerem Heil gereichen.
3. Bemiss deine Vollkommenheit nicht nach dem Maß anderer, sondern richte dich nach Gottes Wohlgefallen, und sieh nicht auf die Gnade, die dieser oder jener empfing. Verlange du keine größeren Gaben, als Gott will, dass du sie haben sollst. Deine Vollkommenheit bestehe darin, so zu sein, wie es Gott wohlgefällig ist, gleichwie ob arm oder reich. Suchst du dich selbst nicht und bist immer bereit, Gottes Anordnungen zu folgen, ob sie der Natur erfreulich oder lästig sind, dann bist du auf dem geraden Weg, der zum Himmel führt. Psalm 143,10: "Lehre mich, deinen Willen zu tun; denn du bist mein Gott. Dein Guter Geist leite mich auf ebenem Pfad."
1. Die christliche Vollkommenheit ist gleich einem hohen Berg, auf dessen Gipfel die heilige Stadt erbaut ist, wohin alle zielen, die diesen Berg besteigen, um daselbst zur Vereinigung mit ihrem Gott zu gelangen. Unter diesen Wanderern nun werden Anfänger diejenigen genannt, die noch unten am Fuß des Berges sind; - Fortschreitende die, die bereits die Mitte des Berges erreicht haben; - Vollkommene endlich die Glückseligen, die bis an seinen Gipfel gelangt sind. Die ersten haben noch vollauf zu tun, vor Sünden sich zu hüten. Die zweiten ringen nicht mehr, Sünden zu meiden, sondern wahre Tugenden zu erlangen. Die dritten, die bereits in Tugenden geübt sind, streben nach der Vereinigung mit Gott. Erwäge nun, zu welchen aus diesen dreien du gehörst.
2. Es müssen zwar auch die Fortschreitenden, ja sogar die Vollkommenen vor Sünden sich hüten, und auch die Anfänger müssen Fleiß anwenden, Tugenden zu erlangen und zur Vereinigung mit Gott zu gelangen. Indessen ist doch jeder dieser Stände vorzüglich mit der Arbeit beschäftigt, die ihm eigen ist, und niemand soll plötzlich von dem einen zu den andern übergehen wollen. Denn viele möchten gerne auf einmal vollkommen sein. Dies aber ist so wenig möglich, als dass der Körper eines kleinen Jungen plötzlich zu einem vollkommenen Mann erwachse. Das Kind mag weder die Speisen, noch die Arbeiten eines Mannes zu ertragen.
3. Darum ermahnt der heilige Apostel Petrus uns sehr weise, gleich neugeborenen Kindern nach vernünftiger Milch zu verlangen, damit wir dadurch allmählich zum Heil erwachsen (1. Petrus 2), und spricht auch an einer anderen Stelle: "Wachst in der Gnade und in der Erkenntnis unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus." (2. Petrus 3) Meist ist es nur die Eigenliebe, die so gerne sich vollkommen sehen möchte, und die nicht sowohl auf ihre Schwäche, als auf ihr Verlangen sieht, weshalb sie auch gewöhnlich auf dem Weg erliegt. Darum schreite mit Gottes Gnade, demütig und behutsam, bis dir gesagt wird: "Freund, rücke weiter hinauf!" Psalm 84,8: "Die Gerechten werden von Tugend zu Tugend schreiten, bis sie den Gott der Götter schauen."
Ich grüße dich, o Maria, die du voller Gnaden bist, der Herr ist mit dir. Ich grüße dich Grund unserer Freude. Ich grüße dich, o Tempel der Herrlichkeit, heilige Wohnstätte Himmels und der Erde. Du bist die Versöhnung zwischen Gott und den Menschen. Ich grüße dich, Mutter unserer Freude, du bist wahrhaft gebenedeit, denn du allein bist unter allen Frauen würdig erfunden worden, die Mutter deines Schöpfers zu werden. Alle Völker preisen dich selig. Nimm mich, o Maria, unter deinen mütterlichen Schutz und bitte für mich, dass ich fromm lebe, heilig sterbe und selig werde. Amen.
Zu Gott auf die Fürbitte der Apostel Simon und Judas
O Gott, der Du uns durch Deine heiligen Apostel Simon und Judas zur Erkenntnis Deines Namens gebracht hast, verleihe uns, dass wir durch die Feier ihrer Verherrlichung im Guten immer zunehmen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
Am heutigen Tag im Jahr 1633 hat der Magistrat zu Lille in Flandern zur Ehre eines in der Peterskirche bei ihnen sehr berühmten und an einem Gitter angebrachten, auf lateinisch cancellatua genannten Muttergottes-Bildes den Namen Cancellatus angenommen. Die Einwohner schreiben dem Schutz der seligsten Jungfrau in Kraft dieses Bildes viele große Wohltaten und Wunderwerke zu.
Recht ist es, dass ganz in der Nähe des Christkönigsfestes, das bekanntlich am letzten Sonntag im Kirchenjahr gefeiert wird (früher am letzten Sonntag im Oktober), die Kirche zweier Männer gedenkt, die zu der Zahl der Heiligen Zwölf gehören, zu den Getreuesten also, die der Herr in seinem irdischen Leben besaß und die ihm bis zum letzten Blutstropfen und Atemzug gefolgt sind und von denen das Kommunionlied sagt, dass sie im ewigen Reich des Christkönigs auf zwölf Thronen sitzen und die zwölf Stämme Israels richten werden. Es sind die heiligen Apostel Simon und Judas Thaddäus, deren Fest deswegen am gleichen Tag begangen wird, weil die beiden nach der Überlieferung die letzten dreizehn Jahre des Lebens gemeinsam in Persien das Evangelium verkündeten und dort auch den Martertod erlitten.
Von dem heiligen Apostel Simon weiß die Legende wenig zu berichten. Er führte den Zunamen „der Eiferer“, was darauf schließen lässt, dass er nicht zu den Halben gehörte, sondern ein ganzer Mann war, der einstand für das, was er dachte und sagte. Bis in den Tod stand er für Christus ein. Bei lebendigem Leib wurde er zersägt. Deswegen wird er auf Bildern mit einer Säge dargestellt, und die Holzfäller verehren ihn als Schutzpatron. Mit Teilen seiner Überreste ist auch Deutschland gesegnet, denn in Köln und in Goslar befinden sich Reliquien von ihm.
Mehr wissen wir von dem zweiten Heiligen des Tages, dem heiligen Apostel Judas, der zur Unterscheidung von dem unrühmlichen Namensvetter aus Karioth den Zunamen „Thaddäus“, das will sagen „der Beherzte“, erhielt.
Judas Thaddäus war ein Verwandter des Heilands, und zwar war er gleich doppelt verwandt, denn vom Vater her musste er zum heiligen Joseph Onkel sagen und zu Maria von der Mutter her Tante. Thaddäus war also ein Vetter des Herrn. Nach der Überlieferung soll er dem Heiland in Gestalt und Aussehen auch sehr ähnlich gewesen sein, so dass man die beiden miteinander hätte verwechseln können, wenn nicht Jesus, wie einleuchtend, vielmals schöner als Thaddäus gewesen sein muss, da er doch Gottes Sohn und Gott selbst und der Schönste unter den Menschenkindern ist.
Der heilige Judas Thaddäus war also ein Vetter des Herrn und ein Neffe von Maria und Joseph. Welche Achtung müssen wir vor diesem Heiligen haben, der als naher Verwandter der Heiligen Familie im Haus zu Nazareth alle Tage ein- und ausging, mit dem Jesusknaben spielen und zu Maria und Joseph Tante und Onkel sagen durfte! Fast möchte man den Bauernbuben um seine Verwandtschaft beneiden. Um so froher macht uns daher die Tatsache, dass wir durch den Glauben in die Heilige Familie aufgenommen sind, denn wir heißen Kinder Gottes, der liebe Heiland ist unser Bruder, Maria unsere gute Mutter, und der heilige Joseph ist unser väterlicher Schutzpatron. So gehören wir alle zur Heiligen Familie.
Soeben wurde beiläufig erwähnt, dass Judas Thaddäus ein Bauernjunge gewesen ist. Dass sich dem so verhält, steht zwar nicht in der Heiligen Schrift, aber es ist bekannt, dass sich später zur Zeit der zweiten römischen Christenverfolgung seine erwachsenen Enkel vor dem finsteren und tückischen Kaiser Domitian, der alle Nachkommen des Königs David umbringen ließ, ausweisen mussten, ob sie politisch einwandfrei seien. Sehr leicht konnten die schlichten Leute den geforderten Beweis erbringen, denn sie zeigten nur ihre Hände vor. Derbe, schwielige Bauernfäuste waren es, die mit Politik nichts zu tun hatten. Da schickte Domitian sie ungeschoren auf den heimatlichen Hof zurück.
Neben den Fischern vom See Genesareth berief der Heiland in sein nächstes Gefolge also auch einen Bauern, und dass einer von den Zwölfen ein Bauer war, muss alle mit Stolz erfüllen, die dem Bauernstand angehören. Einer von den Aposteln war ihresgleichen. Überhaupt, wer ein rechter Bauer ist, der ist stolz auf seinen Stand. Der Bauer ist vom ältesten Adel. Sein Stammbaum reicht als einziger von allen Ständen bis ins Paradies zurück. Als Adam grub und Eva spann, wo war denn da der Edelmann? Dazu ist an jedem Bauern etwas Königliches. Der Hof mit den Äckern, Wiesen und Wäldern ist sein Königreich. Dort schaltet und waltet er als freier Mann zum Nutzen und im Dienst des gesamten Volkes. Wenn einer, dann soll der Bauer stolz sein auf seinen Stand, er muss an der Scholle kleben und darf ohne zwingende Not nicht in die Stadt abwandern. Bauer, halte fest, was du hast! Bauer, bleib auf deiner Scholle!
Der heilige Judas Thaddäus war ein Verwandter Jesu und ein Bauer, und ein Apostel wurde er, als der Heiland ihn berief, und Apostel blieb er, tatkräftig und beherzt, bis er sterbend unter den Keulenschlägen der Heiden zusammenbrach, ein aufrechter Mann, wie es viele im Bauernstand gibt. Wieviel aber der heilige Judas Thaddäus im Himmel gilt, ersieht man daraus, dass er heute Noch oft selbst in den verzweifeltsten Anliegen Hilfe zu schaffen weiß.
Der Heilsplan Gottes für den Menschen Gott offenbart seinen „gnädigen Ratschluß“
Liebe Leserinnen und Leser,
Über die Hoffnung,
zu den Auserwählten zu gehören
Auf dir, o Herr, ruht mein Vertrauen,
Dich einst in deinem Licht zu schauen,
Und dich zu preisen ewiglich.
O milder Gott, erhöre mich.
1. Die Gerichte Gottes sind ein tiefer Abgrund. Er allein kennt diejenigen, die mit seiner Gnade zum Heil gelangen werden. Wir aber sollen, nach der Ermahnung des Apostels, unser Heil mit Furcht und Zittern wirken, da wir nicht wissen, ob wir zur Anzahl seiner Auserwählten gehören. Gottes unendliche Weisheit aber wollte dies so, damit wir in der Demut und in beständiger Wachsamkeit bleiben, ohne Unterlass zu seiner göttlichen Barmherzigkeit beten, uns rein bewahren und guten Werken mit Eifer nachgehen, die allein unsere Auserwählung sichern, auch wenn wir wüssten, dass wir zur glückseligen Anzahl der Auserwählten gehörten.
2. Bete also die göttlichen Ratschlüsse in Demut deines Herzens an, und fürchte die göttlichen Gerichte. Aber mäßige diese Furcht durch Liebe und Vertrauen. Ist nicht dein ganzes Leben eine beständige Verkettung von Gnaden und Erbarmungen von deinem himmlischen Vater? Früh schon erleuchtete dich sein heiliges Licht und zog dich zu seiner Erkenntnis und Liebe an. Und sieh, als du später hin dich verirrt und seinen Weg verlassen hast, ging seine Gnade dir nach, bewahrte dich vor den Schrecknissen eines jähen Todes und vor gänzlicher Verstocktheit des Herzens, und ruhte nicht, bist du zu ihm zurückgekehrt bist. Wie also fürchtest du, er werde nun das Schäflein verlassen, dass er mit so großer Mühe aufsuchte, und über dessen Wiederfinden er ein Fest mit seinen Engeln feierte?
3. Aber, sprichst du, wer weiß, ob ich aushalten werde! Denn wie viele, die Gott lange Zeit dienten, fielen am Ende ab und gingen ewig verloren. Sage mir, hast du in dir selbst die Kraft gefunden, deine sündhaften Fesseln zu brechen, oder hast du sie von Gott bekommen? Sind also diese großen Gnaden des Heils, die Gott dir verlieh, nicht ein sicheres Unterpfand, dass er auch die übrigen dir verleihen werde, selig zu vollenden? Rufe täglich mit ganzem Herzen um seine Gnade zu ihm, und er wird sie dir täglich verleihen. Nicht durch kleinmütiges Zagen, sondern durch kräftige Hoffnung und getreue Liebe wirst du zur Seligkeit gelangen. Psalm 31,2: "Herr, ich suche Zuflucht bei dir. Lass mich doch niemals scheitern; rette mich in deiner Gerechtigkeit."
1. "Gott will," spricht der Apostel, "dass alle Menschen selig werden, und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen!" Der eingeborene Sohn Gottes aber versichert feierlich, "viele sind berufen, und nur wenige auserwählt". Woher dies? Erstens aus dem menschlichen Widerstand, der Gottes liebevolle Absichten vereitelt. Wenn ganze Nationen der Verkündigung der Apostel sich widersetzten, und ihren Nachfolgern noch immer sich widersetzen; - wenn ganze Völker von der Einheit der Kirche sich losrissen, und noch zur Stunde die Augen der Wahrheit verschließen; - wenn so viele Kinder selbst der katholischen Kirche das Irrgerede der Gottlosen anhören, und gegen ihre Mutter sich empören: ist dies nicht ihre eigene Schuld? Und ist Gottes Vorsehung nicht vollkommen gerechtfertigt?
2. Die zweite Ursache ist "die Weisheit dieser Welt, die Torheit vor Gott ist". Denn was anderes rät diese törichte Weisheit, als Schädliches suchen, Vergängliches lieben, Heilsames vernachlässigen und Ewiges als nichts achten? Also verschmähten jene vom himmlischen König eingeladenen Gäste diese glänzende Auszeichnung, und gingen ihren Geschäften, ihren Unterhaltungen nach, ja sie misshandelten sogar seine Boten. Ahmen wir aber nicht ihrer Verkehrtheit nach? Ziehen wir unsere zeitlichen Vorteile nicht dem Heil unserer Seele vor? Widerstehen wir Gottes Einladungen nicht beständig, und zürnen denjenigen, die uns ermahnen, seiner Stimme Gehör zu geben, und seinen glorreichen Verheißungen durch treue Befolgung seines heiligen Gesetzes uns würdig zu machen?
3. Die dritte Ursache ist unser toter Glaube. Wären wir von Gottes Güte und Gerechtigkeit, von der Würde unserer Seele, von der Ewigkeit der himmlischen Belohnungen durchdrungen, wahrlich, wir würden den vergänglichen Gütern dieser Zeit nimmermehr mit so großer Gier nachstreben. Denn welcher Hungernde greift je nach einem Stein, wenn er durch Brot sich erquicken kann? Oder nach einer Schlange, wenn treffliche Fische ihm vorgesetzt werden? Welcher Mensch auch würde je der Hölle zueilen, wenn er tief von dem Gedanken an den Himmel durchdrungen wäre? Irren wir nicht, und treffen wir eine gute Wahl, dann werden auch wir von Gott auserwählt werden. "Vor dem Menschen ist Leben und Tod, das Gute und das Böse; welches ihm gefällt, das wird ihm gegeben werden."
Der Heilsplan Gottes für den Menschen Gott offenbart seinen „gnädigen Ratschluß“
Liebe Leserinnen und Leser,
Von der Berufung zum Glauben
Preis dir, o Gott, der du den Finsternissen
Mich huldreich durch des Glaubens Licht entrissen.
Es führe dieses Lichtes heller Schein
Zum ewigen Vermählungsfest mich ein.
1. Wenn ich, mein Gott, betrachte, wie tief die Welt im Argen liegt, wie viele Völker auf dem Erdkreis noch bis zur Stunde in den Finsternissen des Heidentums irren, ja wie viele selbst derjenigen, die deine Barmherzigkeit in das Licht deines Evangeliums berief, die Augen diesem göttlichen Licht vorsätzlich verschließen, um ihre höchste Glückseligkeit in den Schatten und vergänglichen Lüsten der Zeit zu suchen: dann wird mein Herz von innigster Dankbarkeit für die so große und so unverdiente Gnade des heiligen Glaubens durchdrungen, der die künftigen Güter der ewigen Glorie mir zeigt, und mich kräftigt und ermutigt, sie durch Werke der Gerechtigkeit und Geduld in den Trübsalen dieses Lebens zu verdienen.
2. Groß fürwahr und würdig deiner göttlichen Freigebigkeit ist diese Berufung zum Glauben deines göttlichen Evangeliums, mein Gott. Welches Herz auch würde sie verschmähen, ja welches würde sie nicht in seligem Jubel annehmen, wenn es ihren unendlichen Wert betrachtet. Denn dieser Beruf ist die Einladung zu jenem himmlischen Vermählungsfest, das du, der allerhöchste König des Himmels, deinem eingeborenen Sohn, dem Bräutigam seiner Kirche, hältst, und dessen Freuden alles unendlich übersteigen, was die menschliche Einbildungskraft erreichen kann, weil alles darin himmlisch, alles göttlich, alles glorreich und ewig ist. Selig diejenigen, die indessen in diesem heiligen Beruf so wandeln, dass sie "nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes sind!" (Epheser 2,19)
3. Preise die Erbarmungen deines Gottes, der vor so vielen Tausenden zu diesem göttlichen Vermählungsfest dich berief, und bereite dich dazu vor durch ein frommes und gerechtes Leben. Sieh, eingeladen wurdest du durch die Boten des himmlischen Königs, durch seine Kirche. So halte dich denn jederzeit bereit, denn bald werden die Pforten der Ewigkeit aufgetan werden, die in das Gemach des himmlischen Bräutigams dich einführen. Bewahre dich also in heiliger Treue, dass du mit dem Propheten sprechen kannst: "Mein Herz ist bereit, o Gott, mein Herz ist bereit." - "Der Bräutigam kommt! Geht ihm entgegen! . . . und die bereit waren, gingen mit ihm in den Hochzeitssaal, und die Tür wurde zugeschlossen." (Matthäus 25,6+10)
Der Heilsplan Gottes für den Menschen Gott offenbart seinen „gnädigen Ratschluß“
Liebe Leserinnen und Leser,
Von der Berufung zum Glauben
Preis dir, o Gott, der du den Finsternissen
Mich huldreich durch des Glaubens Licht entrissen.
Es führe dieses Lichtes heller Schein
Zum ewigen Vermählungsfest mich ein.
1. Wenn ich, mein Gott, betrachte, wie tief die Welt im Argen liegt, wie viele Völker auf dem Erdkreis noch bis zur Stunde in den Finsternissen des Heidentums irren, ja wie viele selbst derjenigen, die deine Barmherzigkeit in das Licht deines Evangeliums berief, die Augen diesem göttlichen Licht vorsätzlich verschließen, um ihre höchste Glückseligkeit in den Schatten und vergänglichen Lüsten der Zeit zu suchen: dann wird mein Herz von innigster Dankbarkeit für die so große und so unverdiente Gnade des heiligen Glaubens durchdrungen, der die künftigen Güter der ewigen Glorie mir zeigt, und mich kräftigt und ermutigt, sie durch Werke der Gerechtigkeit und Geduld in den Trübsalen dieses Lebens zu verdienen.
2. Groß fürwahr und würdig deiner göttlichen Freigebigkeit ist diese Berufung zum Glauben deines göttlichen Evangeliums, mein Gott. Welches Herz auch würde sie verschmähen, ja welches würde sie nicht in seligem Jubel annehmen, wenn es ihren unendlichen Wert betrachtet. Denn dieser Beruf ist die Einladung zu jenem himmlischen Vermählungsfest, das du, der allerhöchste König des Himmels, deinem eingeborenen Sohn, dem Bräutigam seiner Kirche, hältst, und dessen Freuden alles unendlich übersteigen, was die menschliche Einbildungskraft erreichen kann, weil alles darin himmlisch, alles göttlich, alles glorreich und ewig ist. Selig diejenigen, die indessen in diesem heiligen Beruf so wandeln, dass sie "nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes sind!" (Epheser 2,19)
3. Preise die Erbarmungen deines Gottes, der vor so vielen Tausenden zu diesem göttlichen Vermählungsfest dich berief, und bereite dich dazu vor durch ein frommes und gerechtes Leben. Sieh, eingeladen wurdest du durch die Boten des himmlischen Königs, durch seine Kirche. So halte dich denn jederzeit bereit, denn bald werden die Pforten der Ewigkeit aufgetan werden, die in das Gemach des himmlischen Bräutigams dich einführen. Bewahre dich also in heiliger Treue, dass du mit dem Propheten sprechen kannst: "Mein Herz ist bereit, o Gott, mein Herz ist bereit." - "Der Bräutigam kommt! Geht ihm entgegen! . . . und die bereit waren, gingen mit ihm in den Hochzeitssaal, und die Tür wurde zugeschlossen." (Matthäus 25,6+10)
Der Heilsplan Gottes für den Menschen Gott offenbart seinen „gnädigen Ratschluß“
Liebe Leserinnen und Leser,
Von der Berufung zum Glauben
Preis dir, o Gott, der du den Finsternissen
Mich huldreich durch des Glaubens Licht entrissen.
Es führe dieses Lichtes heller Schein
Zum ewigen Vermählungsfest mich ein.
1. Wenn ich, mein Gott, betrachte, wie tief die Welt im Argen liegt, wie viele Völker auf dem Erdkreis noch bis zur Stunde in den Finsternissen des Heidentums irren, ja wie viele selbst derjenigen, die deine Barmherzigkeit in das Licht deines Evangeliums berief, die Augen diesem göttlichen Licht vorsätzlich verschließen, um ihre höchste Glückseligkeit in den Schatten und vergänglichen Lüsten der Zeit zu suchen: dann wird mein Herz von innigster Dankbarkeit für die so große und so unverdiente Gnade des heiligen Glaubens durchdrungen, der die künftigen Güter der ewigen Glorie mir zeigt, und mich kräftigt und ermutigt, sie durch Werke der Gerechtigkeit und Geduld in den Trübsalen dieses Lebens zu verdienen.
2. Groß fürwahr und würdig deiner göttlichen Freigebigkeit ist diese Berufung zum Glauben deines göttlichen Evangeliums, mein Gott. Welches Herz auch würde sie verschmähen, ja welches würde sie nicht in seligem Jubel annehmen, wenn es ihren unendlichen Wert betrachtet. Denn dieser Beruf ist die Einladung zu jenem himmlischen Vermählungsfest, das du, der allerhöchste König des Himmels, deinem eingeborenen Sohn, dem Bräutigam seiner Kirche, hältst, und dessen Freuden alles unendlich übersteigen, was die menschliche Einbildungskraft erreichen kann, weil alles darin himmlisch, alles göttlich, alles glorreich und ewig ist. Selig diejenigen, die indessen in diesem heiligen Beruf so wandeln, dass sie "nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes sind!" (Epheser 2,19)
3. Preise die Erbarmungen deines Gottes, der vor so vielen Tausenden zu diesem göttlichen Vermählungsfest dich berief, und bereite dich dazu vor durch ein frommes und gerechtes Leben. Sieh, eingeladen wurdest du durch die Boten des himmlischen Königs, durch seine Kirche. So halte dich denn jederzeit bereit, denn bald werden die Pforten der Ewigkeit aufgetan werden, die in das Gemach des himmlischen Bräutigams dich einführen. Bewahre dich also in heiliger Treue, dass du mit dem Propheten sprechen kannst: "Mein Herz ist bereit, o Gott, mein Herz ist bereit." - "Der Bräutigam kommt! Geht ihm entgegen! . . . und die bereit waren, gingen mit ihm in den Hochzeitssaal, und die Tür wurde zugeschlossen." (Matthäus 25,6+10)
1. Die Abtötung ist eine Art des Todes, wie man es am Namen sieht, eines Todes jedoch, der ein Leben erteilt, das uns anregt, der Sünde und der Begierlichkeit zu ersterben, um der Liebe und der Gnade zu leben. Sie geht darauf aus, die Eigenliebe, die Trägheit, die Lust am sinnlichen Vergnügen in uns zu tilgen, damit die heilige Gottesliebe, das wahre Leben der Seele, in uns herrsche. Willst du also zum wahren Leben des Geistes, zum Leben der Gnade und der Glorie gelangen, so musst du dir selbst ersterben durch diese heilige Abtötung, ohne die keine Seele zur glückseligen Umwandlung eines geistigen Lebens gelangen kann.
2. Diese Abtötung ist ein Entzug, eine Trennung der Seele vom fleischlichen Leben. Durch sie wird der Geist Gott, der Körper dem Geist unterworfen. Sie beschränkt sich nicht darauf, zu verwerfen was das heilige Gesetz verbietet, sie versagt sich Gott zu Liebe auch erlaubtes Vergnügen, seiner heiligsten Gerechtigkeit für die Schulden ihres vergangenen Lebens genug zu tun. Sie bewacht die Sinne, die Fenster, durch die der Tod in die Seele steigt, und scheidet die Hoffart, die Eigenliebe, die Verachtung des Nächsten, den Vorwitz und alle ungeregelten Anhänglichkeiten an Geschöpfe aus dem Herzen. Das Ziel aber, wohin alle ihre Arbeiten streben, ist, Gott in allen Dingen uns gnädig zu erhalten.
3. Diese Abtötung ist die beständige Übung des wahren Christen, und jeden Tag ergeben sich ihm Gelegenheiten dazu. Denn haben wir auch eine Untugend überwunden, so ergibt sich dennoch bald wieder die Notwendigkeit, gegen eine andere zu kämpfen. Denn unser Herz ist ein Acker, auf dem die Natur fortwährend Unkraut hervorbringt, weshalb wir immer wachsam sein müssen, dass es nicht überhandnehme und die wenige gute Frucht ersticke, die wir durch Gottes Gnade nach mühsamer Arbeit gewonnen haben. Unsere Leidenschaften aber sind gleich einer übel gelöschten Fackel, die sogleich sich wieder entzündet, wenn sie in die Nähe des Feuers gebracht wird. Römer 8,13: "Wenn ihr nach dem Fleisch lebt, müsst ihr sterben; wenn ihr aber durch den Geist die sündigen Taten des Leibes tötet, werdet ihr leben."