Demütigste Jungfrau! Du ragst zwar, wie eine Palme über die Gesträuche, über alle deines Geschlechtes durch den Vorzug, den Gott dir gegeben hat, und dennoch nanntest du dich die Magd des Herrn. Dein Beispiele gebe auch uns Liebe zur Demut ein und erfülle uns mit Abscheu vor aller Selbsterhebung, vor allem Stolz. Wie viel Ursache haben wir, demütig zu sein, da unsere Schwachheit und Sündhaftigkeit uns beständig vor Augen schwebt. Bitte Gott für uns, o Maria, dass er uns Gnade zu einer ihm wohlgefälligen Demut verleihen möge. Amen.
Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Gregor
O Gott, der Du dem heiligen Gregor die Wundergabe verliehen hast, gib uns die Gnade, nach dem Licht des Glaubens zu leben, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
Als der heilige Gregor vor Antritt in seinem Bistum Gott um Erleuchtung mit eifrigem durch die Nacht fortgesetzten Gebet bat, erschien ihm die seligste Jungfrau in einer ganz herrlichen Gestalt und der heilige Johannes Evangelist in der ehrwürdigen Gestalt eines Alten, dem die seligste Jungfrau auftrug, die Geheimnisse der Wahrheit dem Gregor zu erklären. Er hörte also:
"Es ist nur ein Gott, der Vater des lebendigen Wortes, der in sich bestehenden Weisheit, der Macht und des ewigen Ebenbildes; ein Vollkommener, der den Vollkommenen geboren hat; ein Vater des eingeborenen Sohnes. Es ist ein Herr, der Einige aus dem Einigen, Gott aus Gott, der Ausdruck und das Ebenbild der Gottheit, das kräftige Wort; die Weisheit, die alles, was gemacht worden ist, vollkommen begreift; die Kraft und die Macht, die alle Geschöpfe hervorgebracht hat; der wahre Sohn des wahren Vaters; der Unsichtbare dessen, der unsichtbar ist; der Unverwesliche dessen, der keiner Verwesung unterworfen ist; der Unsterbliche dessen, der vom Tod nichts weiß, der Ewige des Ewigen. Und ein heiliger Geist, der aus Gott ausgeht, und der durch den Sohn den Menschen erschienen ist; ein Bildnis des Sohnes, ein Vollkommenes des Vollkommenen; das Leben, der Ursprung des Lebens, die heilige Brunnquelle, die Heiligkeit und der Urheber der Heiligmachung. Durch ihn wird der Vater bekannt gemacht, der über Alles und in Allem ist; und Gott der Sohn, der auch überall ist. Dieses ist die vollkommene Dreifaltigkeit, die nicht zerteilt, sondern Eins in der Glorie, in der Ewigkeit, in der Herrschaft ist."
Dieses Glaubensbekenntnis wurde in hohen Ehren gehalten, und war nach Zeugnis des heiligen Gregor von Nissa zu seiner Zeit in der Kirche zu Neu-Cäsarea in der Handschrift des wundertätigen heiligen Gregor noch zu lesen. Welch ein herrliches Denkmal vom alten Glauben!
Der Beiname des heiligen Gregor deutet darauf hin, dass wir es hier mit einer echten Legende zu tun haben. Gregor ist allerdings eine geschichtliche Person, er lebte im 3. Jahrhundert, war von Geburt kein Christ, bekehrte sich als junger Mann zum Christentum, wurde Priester und später der erste Bischof in seiner Heimatstadt Neu-Cäsarea am Schwarzen Meer. Bischof Gregor war ein gelehrter Mann, der auch Bücher geschrieben hat, die noch vorhanden sind und aus denen hervorgeht, dass er klug und ernst war und genau den Glauben besaß, der nach den Worten von Jesus Christus Berge versetzen kann.
Mit einem versetzten Berg beginnt denn auch die eigentliche Legende des Heiligen. Die Geschichte ereignete sich folgendermaßen. Gregor wurde, wie erwähnt, der erste Bischof in seiner Vaterstadt. Als er das hohe Amt antrat und seine Christen zählte, stellte es sich heraus, dass es ganze siebzehn waren. Selten hat ein Bischof eine solch kleine Herde zu hüten gehabt, aber was klein ist, kann wachsen, und so ging es auch mit dem Senfkörnlein der jungen Christengemeinde in Neu-Cäsarea. Durch die Wohltätigkeit, die Liebenswürdigkeit und die Predigt des Bischofs nahm die Zahl der Gläubigen schnell zu, und bald ergab sich die Notwendigkeit, eine größere Kirche zu errichten, die Raum für alle bot.
Man begann also mit dem Bau. Und während man baute, vervielfältigten sich die Bekehrungen derart schnell, dass das neue Gotteshaus, wenn man so weiterbaute, bei der Fertigstellung bereits wieder zu klein gewesen wäre. Notgedrungen musste man daher den Bau noch während des Baues erweitern. Das war leicht gesagt, aber schwer zu bewerkstelligen, denn ein angrenzender Berg stoppte alle Vergrößerungspläne. Da war wirklich guter Rat teuer.
Bischof Gregor überlegte mit dem Baumeister und sprach mit den Maurern, aber alle erklärten ihm nur, dass man entweder auf den Erweiterungsbau verzichten oder den Berg verschieben müsse. Weil letzteres nach menschlichem Ermessen undenkbar war, lächelten die Handwerker spöttisch, als sie diese unmögliche Möglichkeit erwähnten. Der Bischof lächelte nicht, vielmehr kam ihm plötzlich der Gedanke an die Worte von Jesus Christus in den Sinn, von denen das Evangelium berichtet. Es heißt da:
Habt Glauben an Gott! Wahrhaft, ich sage euch, wer zu diesem Berg sagt: „Heb dich hinweg und stürz dich ins Meer!“ und wer dabei in seinem Herzen nicht zweifelt, sondern glaubt, dass alles, was er sagt, geschehen werde, dem wird es in Erfüllung gehen. Darum sage ich euch: Bei allem, was ihr auch im Gebet erflehen möget, glaubt nur, dass ihr es erhaltet, so wird es euch zuteilwerden.
An diese Worte dachte Bischof Gregor in seinen Bausorgen, und gleich war es ihm klar, dass gebetet werden musste. Da betete er, betete aber nicht so oberflächlich, sondern betete, wie Heilige beten, ohne Unterlass und mit einem Vertrauen, das noch fester war als Felsgestein. Er betete, in seinem Zimmer auf den Knien liegend, die ganze Nacht hindurch und erinnerte Jesus Christus an sein Wort, dass ein vertrauensvolles Gebet Berge versetzen könne. Erst als der Morgen graute, erhob sich der stürmische Beter, feierte in der gleichen Meinung die heilige Messe und legte sich anschließend nieder, um nach der durchwachten Nacht ein Stündchen zu ruhen.
Kaum jedoch lag Gregor im ersten Schlaf, da wurde er plötzlich geweckt. Es klopfte einer draußen an der Zimmertür so heftig und laut, dass man meinen konnte, es donnere, und eine Stimme – es war die Stimme des Baumeisters – rief: „Herr Bischof, komm, komm schnell! Es hat sich etwas Seltsames zugetragen! Herr Bischof, komm, komm schnell!“
Gregor aber beeilte sich gar nicht, denn was geschehen war, wusste er bereits. Als er mit dem Baumeister den Bauplatz erreichte, sah er, dass sein Gebet Wirklichkeit geworden war. Der Berg hatte sich zurückgeschoben und sogar noch mehr Platz freigegeben, als eigentlich nötig war. Die Maurer lächelten nicht mehr spöttisch, und alle Leute aus der Stadt waren gekommen, und auf das Wunder hin bekehrten sich bis auf siebzehn, die nicht Christen werden wollten. So mussten die Pläne noch einmal vergrößert werden, und es stellte sich heraus, dass der Berg so weit zurückgegangen war, wie es der zweimal vergrößerte Bauplan verlangte.
Noch andere Wunder von ähnlicher Art wirkte Bischof Gregor in Menge. Daher heißt er auch Wundertäter. Das schönste Wunder jedoch, das er vollbrachte, war das Wunder von dem versetzten Berg.
Heilige Maria, Mutter Gottes! Nimm uns als deine Kinder an und wende uns armen Sündern, für die dein göttlicher Sohn sein heiliges Blut vergossen hat, deine Mutterliebe zu. Erbitte den Gefallenen Bekehrung, den Reuigen Verzeihung, den Gerechten die Gnade der Beharrlichkeit. Ja zeige dich uns allen als unsere Mutter. Amen.
Zu Gott auf die Fürsprache der heiligen Margareta von Schottland
O Gott, der Du der heiligen Königin Margareta eine große Liebe zu den Armen gegeben hast, verleihe, dass durch ihre Fürbitte und ihr Beispiel die Liebe in unseren Herzen stets vermehrt werde, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Gebet der heiligen Margareta vor ihrem Tod
Allmächtiger Gott, ich danke Dir, dass Du mir eine so große Trübsal in den letzten Augenblicken meines Lebens geschickt hast. Ich hoffe, sie wird durch Deine Barmherzigkeit dazu dienen, mich von meinen Sünden zu reinigen. Amen.
Zu Gott
Herr, bewahre die unübertreffliche Gabe Deiner Gegenwart in mir. Vollende mich ganz in der Vereinigung mit Dir. Ziehe mich so innig zu Dir, dass ich unter den äußeren Geschäften, wodurch ich das Heil meines Nächsten befördern muss, ungeteilt und ungestört bleibe, und wenn ich sie zu Deiner Ehre auf die beste Weise vollbracht habe, sogleich in mein Inneres zu Dir wieder einkehre, wie das Wasser nach dem Sturm zur vorherigen Stille wieder zurückkehrt. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
Der heilige Edmund hat die seligste Jungfrau von Kindesjahren an als seine Mutter angesehen, vor ihrem Bildnis die ewige Keuschheit gelobt, und dies beim Studieren vor Augen gehabt und zu dieser Mutter des Lichtes seine Betrachtungen in einer Art von Verzückung öfters gerichtet. Er hat demnach selbst bekannt, dass ihm diese Mutter der Barmherzigkeit in allen seinen Anfechtungen, Schwierigkeiten, Verdrießlichkeiten und Schmerzen geholfen hat.
Wie toll das Leben mit einem Menschen umspringen kann, zeigt die Geschichte der heiligen Margareta. Sie kam im Jahr 1045 als Tochter eines landflüchtigen britischen Königs in Ungarn zur Welt, in England wuchs sie auf, wurde Königin von Schottland, und ihre sterblichen Überreste ruhen heute in Spanien. Wer aber wie die heilige Margareta von Schottland fest an die göttliche Vorsehung glaubt, der gelangt auch auf krummen Wegen zu dem hohen Ziel, für das ihn der liebe Gott bestimmt hat.
Schon darin zeigt sich im Leben der heiligen Margareta Gottes Vorsehung, dass sie in der Fremde, fern der Heimat, geboren wurde. Aus dem Unglück erwuchs der jungen Prinzessin insofern ein großes Glück, dass sie mit eigenen Augen den Segen wahrnahm, der von einem heiligen Herrscher ausgeht. Es war dieser Herrscher der Gastgeber der Eltern, der heilige Stephan von Ungarn. Das Beispiel, das ihr dieser Fürst voll königlichen Edelsinns in der Jugend gab, war für sie zum Heil des ganzen schottischen Volkes richtungweisend, als sie selbst Königin wurde. Ein Unglück ist also nicht immer ein Unglück, sondern kann auch ein Glück sein.
Als später die königliche Familie nach England heimkehren konnte, zeigte sich ihr bald in einem neuen scheinbaren Unglück zum zweiten Mal die göttliche Vorsehung, die alles zum Besten lenkt und leitet. Der Vater starb nämlich, es brachen Thronstreitigkeiten aus, und Margareta musste mit ihrem Bruder Edgar das Land fluchtartig verlassen, und weil bekanntlich kein Unglück allein kommt, trieb der Sturm das Schiff, mit dem sie das Festland erreichen wollten, weit vom Weg ab nach Norden, wo es an der schottischen Küste zerschellte. König Malkolm von Schottland nahm die Schiffbrüchigen gastlich auf, verliebte sich bald in Margareta, warb um ihre Hand, und als sie ihm das Jawort gab, feierten sie Hochzeit. Aus der flüchtigen Prinzessin war eine Königin geworden. Ein Unglück ist also nicht immer ein Unglück, sondern kann auch ein Glück sein.
Wenig später jedoch stellte es sich heraus, dass das neue Glück schon wieder ein neues Unglück im Schoß barg. Malkolm war nämlich ein Draufgänger und Streithahn und ein Geizkragen dazu, der im Jähzorn manches Unrecht beging, und wenn dieser Mann eine gleichartige Frau bekommen hätte, so wäre des Unheils wohl nie ein Ende geworden. Deshalb fügte es wieder die göttliche Vorsehung, dass der aufbrausende König in Margareta eine Gattin erhielt, die veredelnd auf ihn einwirkte und ihn nicht nur zu einem guten Menschen, sondern auch zu einem tüchtigen Herrscher umbildete, so dass das ganze Land der Königin Dank wusste.
Es folgten schöne und frohe Jahre. Die königliche Familie bildete einen Hort der Liebe und des Friedens. Sechs Söhne und zwei Töchter machten das Glück der Eltern voll, und keins von den Kindern hat ihnen je Schande gebracht. Alle gediehen prächtig; Margareta selbst lehrte sie beten und erklärte ihnen auch den Katechismus und die Biblische Geschichte. Man darf aber durchaus nicht meinen, dass die Königin in der Erziehung zimperlich gewesen sei. Wenn beispielsweise einer von den Prinzen, weil er etwas angestellt hatte, von einem Lehrer gestraft wurde und sich deswegen bei der Mutter beklagte, so erhielt er von ihr eine zweite Portion Schläge.
Mit königlicher Freigebigkeit nahm sich Margareta der Armen des Landes an. Bis zu dreihundert speiste sie täglich. Auch in die Spitäler und in die Gefängnisse ging die hohe Frau, die es als ihr Vorrecht ansah, sich als gütige Landesmutter vor allem der Ärmsten anzunehmen.
Über all dem verstrichen dreißig segensvolle Jahre. Da kam über die gute Königin in einem letzten schweren Unglück noch einmal die göttliche Vorsehung. Margareta lag nämlich im Sterben, als ihr gemeldet wurde, dass der Gatte und der liebste Sohn im Kampf gefallen waren. Da faltete sie die Hände und betete: „Gott, ich danke dir, dass du mich vor meinem Ende mit diesem großen Leid heimsuchst, um mich dadurch von den Flecken meiner Sünden zu reinigen, damit ich zu dir in den Himmel komme.“ So tief war Margareta in das Verständnis der göttlichen Vorsehung eingedrungen, die aus allem Unglück Glück werden lässt bis zum höchsten Glück, das in der ewigen Seligkeit besteht.
Glückseligste Jungfrau! Bei wem kann ich mit solchem Recht und Vertrauen um die Liebe Jesu bitten, als bei dir, der Mutter meines allerteuersten Erlösers. Du liebtest Jesus auf eine alle andere Liebe übertreffende Weise, insbesondere wegen der Hoheit deiner Seele, der Reinheit deines Herzens und der besonderen Gnadenfülle, die über dich ausgegossen war. Darum nehme ich zu dir meine Zuflucht, o Mutter der schönen Liebe, und bitte dich inständig, mir durch deine Fürbitte zu erwirken, dass ich deinen eingeborenen Sohn mit allen Kräften meiner Seele lieben und einst von Angesicht zu Angesicht schauen kann. Amen.
Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Leopold
O Gott, der Du den heiligen Leopold aus dem irdischen Reich in das himmlische versetzt hast, verleihe uns auf seine Fürbitte die Gnade, das Zeitliche so zu gebrauchen, dass wir des ewigen Lebens teilhaftig werden, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
Als der griechische Kaiser Johannes Commenus im Jahr 1123 gegen die Scythen ins Feld zog, ließ er das Bildnis der seligsten Jungfrau vor seinem Kriegsheer hertragen, und betete vor ihm eifrig, wenn er seine Kämpfer sehr ermüdet oder in Gefahr sah. Der Erfolg war: sein Vertrauen auf die Fürbitte der Mutter Gottes wurde dadurch gekrönt, dass er am heutigen Tag bei gänzlicher Niederlage der Scythen, mit der Sieges-Palme in der Hand, das Schlachtfeld verließ.
Der heilige Leopold, von seiner Jugend an „der Fromme“ genannt, war ein Sohn Leopolds III., des Schönen, und Ithas, Kaiser Heinrichs III. Tochter, und wurde am 29. September 1073 zu Melk an der Donau geboren. Schnell entwickelte er die Früchte der guten Erziehung, die ihm seine Eltern angedeihen ließen. Jedermann bewunderte an dem fürstlichen jungen Mann die Fülle der Tugenden, die ihn zierte, seine Nüchternheit, Keuschheit, Zurückgezogenheit, Bescheidenheit, Selbstbeherrschung, Gebetsliebe und Freude am Lesen geistlicher Bücher, besonders der Heiligen Schrift, und versprach sich großen Segen für das Vaterland, wenn er einmal zur Regierung gelangen würde. Er war erst vierundzwanzig Jahre alt, als die schwere Bürde des Herrscheramtes auf seine Schultern gelegt wurde. Im Gefühl der menschlichen Schwäche flehte er zum Himmel um Segen und Erleuchtung, und diese Gaben wurden ihm reichlich zuteil. Er waltete im vollen Sinn des Wortes mit Gott, und sein Hof wurde der Sitz der Gerechtigkeit, Wohltätigkeit und jeder christlichen Tugend. Die Geschichtsschreiber jener Zeit entwerfen ein schönes Bild von dem Glück, das Österreich unter dem Zepter Leopolds genoss. Doch so sorgsam er auch seinen Fürstenpflichten nachkam, verlor er bei der Leitung der zeitlichen Geschäfte doch nie das Ewige aus dem Auge. Es gibt nicht mehr als ein göttliches Gesetz für die Hohen und Niederen der Erde, und beide können nur auf ein und demselben Weg zur Seligkeit gelangen. Diese wichtige Erkenntnis bewog ihn, sein Leben nach der für alle Menschen gegebenen Richtschnur zu regeln. Er wohnte fleißig dem Gottesdienst bei, empfing oft die heiligen Sakramente und hielt treu an der damals hart bedrängten Kirche. Agnes, die Tochter des Kaisers Heinrich IV., mit der er sich in seinem dreiunddreißigsten Jahr vermählt hatte, war ihm eine gleichgesinnte, eifrige Teilnehmerin an allen Werken der Gottseligkeit. Sie hielten miteinander häufig eine Andacht, auch bei der Nacht, trugen Sorge, dass jeder an ihrem Hof das Leben nach den Vorschriften der christlichen Religion einrichtete, und gingen überall mit dem besten Beispiel voran. Ihre Ehe wurde mit neunzehn Kindern gesegnet, von denen elf am Leben blieben und in der Furcht des Herrn erzogen zu hohen Würden, teils geistlichen, teils weltlichen gelangten. Der Eifer für Gottes Ehre beseelte das fromme fürstliche Paar in dem Grad, dass es auf seine Kosten fast alle baufälligen Kirchen im Land wieder herstellte, auch zwei herrliche Klöster neu gründete, das zu Neuburg am Kahlenberge und das zum heiligen Kreuz im Tal Sattelbach. Von der Demut, dieser Grundlage aller Heiligkeit, gab Leopold vielfältig Beweise. Recht augenfällig trat diese Tugend an ihm hervor, als 1125 auf dem Tag zu Mainz die Kurfürsten ihn zum Kaiser erwählen wollten. Denn da bat er kniefällig und unter vielen Tränen, einem anderen, tauglicheren Fürsten diese Würde zu übertragen. Bei aller Frömmigkeit, bei aller Milde und Güte zeigte er aber gleichwohl Heldenkraft, wo es galt, sein Land und sein Recht gegen feindliche Angriffe zu verteidigen. Vierzig Jahre hindurch hatte der treffliche Fürst sein Volk ruhmvoll beherrscht, als er im Herbst 1136 schwer erkrankte und nach würdiger Vorbereitung am 15. November des Todes verblich. Sein Hintritt erfüllte Österreich mit unsäglicher Trauer. Die Leiche wurde im Kloster Neuburg feierlich beigesetzt, und schon in den ersten Tagen erfolgten beim Grab zahlreiche Wunder an Kranken und Presshaften. Die Heiligsprechung Leopolds unternahm Papst Innocenz VIII. im Jahr 1484. Österreich ehrt ihn als seinen ersten Landespatron.
Allerreinste Mutter Maria! "Schön bist du und kein Makel ist an dir." Ich aber bin sündenbefleckt und unrein; und doch weiß ich, dass du die Sünder liebst und nichts sehnlichster wünschst, als dass sie rein werden. So bitte denn Jesus für mich, dass er mit seinem kostbaren Blut, das er auch für mich am Kreuz vergossen hat, meine Seele reinige von allen Makeln. Erlange mir die Gnade, dass ich eine aufrichtige reumütige Beicht verrichte und fortan würdige Früchte der Buße bringe. Ach wie oft folge ich nicht meiner besseren Erkenntnis, sondern meinen verdorbenen Neigungen. Hilf diesem Übel ab, gütigste Mutter, höre nicht auf, mich mit deiner alles vermögenden Fürbitte zu unterstützen, bis die Reinheit besitze, die mich würdig macht, dich und den heiligen dreieinigen Gott im Himmel zu schauen. Amen.
Zu Gott
Du sprichst auf so vielfältige Weise zu uns, o Herr, und wir hören so selten auf Deine heilbringende Stimme. Lass doch nicht das Gewirr zeitlicher Sorgen und finsterer Leidenschaften unseren inneren Sinn betäuben, sondern führe uns von Zeit zu Zeit wenigstens in die beseligende Einsamkeit des Herzens, wo wir Deinen Willen vernehmen, und gib uns die Gnade, ihn, wie Deine Heiligen, im ganzen Leben treu zu befolgen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
Im Jahr 1290 wurde zu Rom an diesem Tag vom Papst Nikolaus IV. der erste Stein in Gegenwart aller Großen und des ganzen Volkes zur heiligen Kirche Maria major gelegt. Die edelsten und reichsten römischen Einwohner haben die Kosten zu dieser prächtigen Kirche, worin der Chor-Altar mit dem Tabernakel am meisten bewundert wird, bezahlt.
Dieser heilige Erzbischof war der Sohn eines reichen und mächtigen Fürsten von Leinster in Irland und wurde in seinem zehnten Lebensjahr dem König Dermith von Meath als Geisel übergeben, später aber den Händen des Bischofs von Glendonoch, der ihn in der Gottesfurcht erzog. Er zählte noch nicht ganz fünfundzwanzig Jahre, als ihn die Mönche von Glendonoch zu ihrem Abt erwählten, und nach dem Tod des Erzbischofs Gregor von Dublin setzte man ihn als Würdigsten auf den erledigten Oberhirtenstuhl. Mit unermüdlicher Tätigkeit erfüllte er seine apostolischen Pflichten und wachte sorglich über sich und die ihm anvertraute Herde. Vor allem verbesserte er die Sitten der Geistlichkeit und suchte nur echte Religionsdiener dem Herrn zu weihen. Im Jahr 1163 bewog er die weltlichen Kanoniker seiner Domkirche, die Vorschrift der regulierten Chorherren anzunehmen und legte selbst das Ordensgewand an. Er war rastlos in der Verkündigung des göttlichen Wortes, eifrig im Gebet, strenger Enthaltsamkeit ergeben, ein mildtätiger Vater der Armen. Damit er im Guten nicht erkalte, zog er sich von Zeit zu Zeit in das Kloster Glendonoch zurück und nahm dort seine Wohnung in einer in der Nähe liegenden Grotte. Zu seiner Zeit eroberten die Engländer einen großen Teil Irlands, und König Heinrich II. kam 1172 selbst nach Dublin, um die Huldigung zu empfangen. Angelegenheiten seines Bistums führten den Heiligen später nach Canterbury, wo gerade der Hof sich aufhielt, und hier geschah es, dass ein Geistesgestörter, als er an den Altar trat, die Messe zu beginnen, ihm einen so gewaltigen Streich auf das Haupt versetzte, dass er zu Boden stürzte. Als der Erzbischof wieder zur Besinnung gekommen war, verlangte er Wasser, segnete es mit dem Kreuzzeichen und verlangte hierauf, dass man damit seine Wunde auswusch. Alsbald hörte das Blut zu fließen auf, und er las die Heilige Messe. Papst Alexander III. versammelte zur Verbesserung der Kirchenzucht und Ausrottung der Irrlehren 1179 in Rom das dritte Konzil von Lateran. Mit dreihundert anderen Bischöfen erschien auch Laurentius dabei und wurde vom Oberhaupt der Christenheit zum Legaten im Königreich Irland ernannt. Von Rom heimgekehrt fand er sein Bistum von einer schrecklichen Hungersnot betroffen, die drei Jahre anhielt. Fortan speiste er täglich dreihundert Ortsarme und fünfzig Fremde. Dabei ernährte er oft zu gleicher Zeit mehrere hundert von ihren Müttern verlassene Kinder. Als zwischen dem irischen Häuptling Deronog und Heinrich II. Feindschaft ausbrach, übernahm er die Rolle des Versöhners und reiste dem König bis in die Normandie nach, um den Frieden wieder herzustellen. Kurz darauf wurde er von einer heftigen Krankheit befallen und sah sich genötigt im Kloster der regulierten Chorherren von Eu Zuflucht zu nehmen. Hier starb er am 14. November 1181 und wurde in der Abteikirche begraben. Papst Honorius III. reihte ihn 1226 den Heiligen an. Die Stadt Eu erwählte ihn zu ihrem Hauptpatron.
Wie traut und beruhigend das klingt! Was mag es uns zu sagen haben?
In allererster Linie möchte es uns wohl darauf aufmerksam machen, wie Mariens irdisches Leben von Gottes ausgesuchtester Vorsehung geleitet war. Man kann sie sich doch am wenigsten fortdenken von einem Menschenkind, das eigens zur Ausführung der Pläne Gottes erdacht und zur Vollendung seiner feinsten Werke erschaffen worden war. Denken wir etwa bloß an Mariens Sündenlosigkeit. Durch eine Welt zu pilgern, die so sehr im Argen liegt, das St. Paulus meint, man müsse aus ihr herausgehen, wenn man mit dem Bösen keine Berührung mehr haben wollte, durch eine solche Welt viele Jahrzehnte hindurchzupilgern, wie Maria es tat, ohne mit dem geringsten Sündenstäublein sein Herz zu belasten, kann gar nicht gedacht werden, es sei denn, Gott sende eigens seine Engel, damit der Auserwählten Fuß an keinen Stein sich stoße, unbeschadet über Schlangen und Skorpionen gehe und inmitten von Drachen und Löwen unverletzt verweilen könne.
Niemand anders hat Maria im heiligen Josef jenen Ehegemahl zugeführt, mit dem sie in jungfräulicher Liebe verbunden sein konnte, als die Vorsehung des Allerhöchsten. Darum hat die christliche Phantasie diese Wahl mit entzückenden Geschichten ausgeschmückt, und zahlreiche Künstler haben es auf ihren Bildern so gezeichnet. Wie sehr bedurfte doch die Jungfrau von Nazareth, die die Eltern nach ihrem maßgebenden Willen und des Landes Sitte verehelichen wollten, der göttlichen Vorsehung, da sie still im Herzen ihrem Gott sich gelobt hatte. Wie vertrauend empfahl die junge Mutter die Zeichen ihrer heiligen Schwangerschaft dem göttlichen Wegführer, als sie im Gesicht ihres heiligen Bräutigams die Merkmale seines Bedenkens nicht mehr übersehen konnte. Unsere Maler haben gerne die Engel gezeichnet, die die Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten vor dem Mordstrahl des Herodes beschützen sollten. Wie mag die besorgte Mutter sich und ihr Kind der göttlichen Vorsehung empfohlen haben, als sie es auf der traurigen Rückkehr zum Tempel in Sehnsucht suchte. So wird es noch mehrfach in ihrem Erdenleben gewesen sein, da es von Leid und Schmerz gekennzeichnet ist. Wer könnte sich daher liebend in Mariens Leben vertiefen, ohne sich ganz vertrauend der göttlichen Vorsehung anheimzugeben, wie sie es tat?
Mutter der Göttlichen Vorsehung hat vielleicht einen noch tieferen Klang. Ist denn je aus Gottes Vorsehungsplänen etwas Vorzüglicheres und Feineres hervorgegangen als Mariens Kind, der Menschheit Erlöser? Wird es doch deswegen der Bote des großen Ratschlusses genannt, jener göttlichen Beratung über der Menschen Fall und Wohl, dem das menschgewordene Erbarmen Gottes in Mariens Mutterschoß zu verdanken ist. Es ist so, als ob Maria in ihrem Schoß Gottes gesamte Vorsehung umschlossen und mütterlich gehegt hätte. Mutter der Göttlichen Vorsehung! Wie traut und fein!
Ist sie es nicht auch heute noch, da ihr der Herr das Amt der Gnadenausteilung anvertraute? Bahnt sie nicht gleichsam im Himmel droben der göttlichen Vorsehung um unserer Seelen Heil die Wege? Durchdringt sie deren Pläne nicht mit ihrem fürbittenden Gebet? Vertraut darum nicht das Christenherz Mariens Schutz seine Wege an, die es bei der Mutter der Göttlichen Vorsehung am besten empfohlen weiß?
Kirchengebet
Gott, Deine Vorsehung täuscht sich in ihren Anordnungen nicht. Wir bitten Dich flehentlich, halte auf die Fürbitte Mariä, der seligen Jungfrau und Mutter Deines Sohnes, alles Schädliche von uns fern und gewähre uns all das, was uns heilsam ist. Amen.
Zur Geschichte des Festes: Ein Fest zu Ehren der „Mutter der Göttlichen Vorsehung“ ist schon vor 1660 bekannt. Die Theatiner in Lissabon feierten es. 1831 wurde die Erlaubnis der Festfeier auf alle Kirchen der Theatiner ausgedehnt. – Aber auch in Genua war das Fest nicht unbekannt.
Seit dem Jahr 1732 eiferten vor allem die Barnabiten für die Verehrung Unserer Lieben Frau von der Vorsehung. 1744 wurde eine Erzbruderschaft unter diesem Titel gegründet, die in der Kirche S. Carlo ai Catinari in Rom ihre Zentrale hat, wo sich ein Gnadenbild Unserer Lieben Frau von der Vorsehung befindet. Aber nicht überall wird das gleiche Bild verehrt. Sogar die einzelnen Altäre dieser Erzbruderschaft zeigen in verschiedenen Kirchen auch verschiedene Bilder. – In Messina in Sizilien wurde bereits 1610/11 eine Kirche gebaut, die der Gottesmutter unter diesem Titel geweiht ist. Sie ist das Votivgeschenk der Stadt für die Errettung aus großer Hungersnot, die durch eine langanhaltende Dürre verursacht war. Von Rom aus wurde auch die Erlaubnis zu einem entsprechenden Marienfest gegeben, das aber auf Messina beschränkt blieb. – Verschiedene religiöse Genossenschaften, die der Vorsehung geweiht sind, feiern auch das Fest der „Mutter der Göttlichen Vorsehung“.
(Prof. Dr. Carl Feckes, So feiert dich die Kirche, Steyler Verlagsbuchhandlung, 1957)
Jungfrau und Muttergottes! Wie erhaben bist du vor Gott und den Menschen, denen die Gnade zuteil wird, deine Würde zu erkennen. Vor dem Angesicht Gottes bist du voll Gnaden, die dir von ihm erteilt wurden, oder die du durch deine große Liebe erworben hast. Vor den Menschen bist du groß, weil du ihnen als die Urheberin eines neuen und höheren Lebens erscheinst. Verleihe mir also, du liebste und mächtigste der Jungfrauen, dass ich nach deinem Beispiel einzig nach dem Beifall meines teuren Heilands strebe und dass all mein Tun und Lassen nach seinem heiligen Willen eingerichtet sei. Amen.
Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Stanislaus
O Gott, der Du unter anderen Wundern Deiner Weisheit auch dem zarten Alter die Gnade einer reifen Heiligkeit verliehen hast, wir bitten Dich, verleihe, dass wir durch ein immer tätiges Leben uns nach dem Beispiel des heiligen Stanislaus von dieser Welt losmachen, und zur ewigen Ruhe zu gelangen trachten, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Homobonus
O Herr, verleihe uns auf die Fürbitte des heiligen Homobonus, Liebe zu Dir, zur Gerechtigkeit und zu unseren Nächsten, damit wir vor Dir Gnade finden und Barmherzigkeit erlangen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
Man kann sagen, dass den heiligen Stanislaus die kindliche Andacht zur seligsten Mutter Gottes so bald zur Vollkommenheit und zur himmlischen Glückseligkeit befördert hat. Sie hat sich ihm als eine Mutter in seinen größten Angelegenheiten gezeigt, hat ihn in den geistlichen Stand geleitet, und in kurzer Zeit zu ihrer großen Herrlichkeit in den Himmel gleichsam an der Hand geführt.
Der heilige Homobonus, Kaufmann zu Cremona,
+ 13.11.1197 – Fest: 13. November
Der heilige Homobonus war der Sohn eines Kaufmanns zu Cremona in Italien. Sein Familienname war Tucinge; sein Taufname aber Homobonus, Gutmensch, der schon anzukündigen schien, was er einst werden wird. Zum Kaufmann bestimmt, erhielt er auch eine diesem Gewerbe entsprechende Erziehung. In den Lehren und Beispielen seines Vaters fand er die schönsten Beweggründe zur Redlichkeit, Gottesfurcht und Tugend. Von Kindheit an bewies er einen großen Abscheu selbst gegen jeden Schein der Ungerechtigkeit, er würde lieber sein ganzes Vermögen verloren, als die geringste Sünde begangen haben. Seinen Stand sah er als eine von Gott ihn angewiesene Beschäftigung an, und erfüllte treu die ihm obliegenden Pflichten aus Gehorsam gegenüber dem Willen des Himmels, so wie aus Gerechtigkeitsgefühl gegenüber sich und seiner Familie, und gegenüber den Menschen. Nach dem Willen seiner Eltern verehelichte er sich mit einer tugendhaften Frau, die ihn in der Führung des Hauswesens unterstützen konnte. Die gute Ordnung, die unter seinen Hausgenossen herrschte, war ein Beweis von der Wachsamkeit und Heiligkeit des Hausvaters.
Durch diese verschiedenen Mittel heiligte sich der Diener Gottes in seinem Stand. Es entging ihm keine Gelegenheit, wo er die christlichen Tugenden ausüben konnte; die Widersprüche, die er zu erdulden hatte, vermochten nicht seine Seelenruhe zu trüben, denn er ertrug sie in stiller Ergebung und Demut. Auf Unannehmlichkeiten antwortete er durch sanftes Stillschweigen oder liebevolle Gegenvorstellungen, denen selbst seine Gegner nicht zu widerstehen vermochten. Er war sich selbst so vollkommen abgetötet, dass man zu Cremona sagte, er sei ein Mensch ohne Leidenschaft.
Seine Liebe zu den Armen kannte keine Grenze. Nach dem Tod seines Vaters, der ihm ein ansehnliches Vermögen hinterließ, wurden seine Almosenspenden noch reichlicher. Er suchte die Armen in ihren Hütten auf, und bestrebte sich bei Linderung ihrer leiblichen Not, sie zugleich zur Besserung ihres Lebens anzuregen. Seine Gattin machte ihm zuweilen Vorwürfe, seine Familie müsse durch seine allzu häufigen Almosen in Armut geraten; allein er entgegnete ihr, die beste Weise sein Geld anzulegen, sei, es den Armen geben, denn dadurch werfe es hundertfache Zinsen, wie Jesus Christus es selbst versprochen habe. In seiner Lebensgeschichte liest man auch, seine außerordentlichen Wohltätigkeitswerke seien oft durch Wunder verherrlicht worden, und Gott habe ihm die Gabe verliehen, seine zur Linderung menschlicher Not bestimmten Spenden zu vervielfachen.
Mit der Wohltätigkeit verband Homobonus zugleich die Enthaltung und Abtötung. Dabei wusste er die treue Erfüllung seiner Berufspflichten mit der heiligen Übung des Gebets zu vereinbaren. Dieser so beglückenden Erhebung der Seele zu Gott widmete er einen beträchtlichen Teil seiner Zeit, und wenn er durch äußere Geschäfte zerstreut schien, vereinigte er durch fromme Seufzer und Schussgebetchen sein Herz mit dem Vater im Himmel; so dass alle Orte, wo er sich befand, für ihn Orte des Gebetes waren. Um Mitternacht stand er jedes Mal auf, wohnte der Mette in der Kirche zum heiligen Ägidius bei, und erst am Morgen kehrte er nach dem Hochamt in seine Wohnung zurück. Seine Andacht wirkte, besonders beim heiligen Messopfer, so fühlbar auf alle, die ihn sahen, dass sie immer erbaut die heilige Stätte verließen. In demütiger Zerknirschung lag er, bis der Priester zum Altar trat, vor einem Bild des Gekreuzigten. Seine Beispiele und seine Reden bekehrten viele Sünder. Die Sonntage und Feste des Herrn und der Heiligen widmete er einzig dem Gebet, und betend ging er hinüber zum Empfang der Tugendbelohnungen. Am 13. November 1197 wohnte er seiner Gewohnheit gemäß der Mette bei, und blieb vor einem Kruzifix auf den Knien liegen, bis der Priester die heilige Messe anfing. Beim Gloria in excelsis streckte er seine Arme aus. Kurz nachher beugte er sich mit seinem Angesicht zur Erde nieder. Die Anwesenden glaubten, er habe dies andachtshalber getan. Als man aber wahrnahm, dass er beim Evangelium nicht aufstand, trat man ihm näher, und bemerkte, dass er nicht mehr lebte.
Sicard, Bischof von Cremona, untersuchte den Heldenmut der Tugenden, die der gottselige Homobonus in seinem Leben geübt hat, so wie die Zuverlässigkeit der von ihm gewirkten Wunder, und begab sich mit mehreren ehrwürdigen Personen nach Rom, um dessen Heiligsprechung nachzusuchen, die auch Innocentius III. durch seine Bulle von 1198 gab. Der Leib des Heiligen wurde 1356 erhoben, und in die Kathedralkirche von Cremona versetzt. Sein Haupt blieb aber in der Kirche zum heiligen Ägidius. Der berühmte Vida von Cremona hat einen Hymnus zu Ehren des heiligen Homobonus, Patron seines Vaterlandes, verfasst.
Die Bruderschaft der Kaufleute von Lyon wählte eben diesen Heiligen, weil er in seinem sterblichen Leben demselben Geschäft wie sie sich gewidmet hatte, zu ihrem Patron.
Die Fähigkeiten und Bedürfnisse des Menschen beweisen, dass er zum Arbeiten geboren ist; zu arbeiten ist er auch als Glied der menschlichen Gesellschaft schuldig. Es wäre ungerecht, wenn er, zu den gemeinschaftlichen Lasten nicht beisteuernd, doch von dem gemeinschaftlichen Gewinn genießen wollte. Ein den Lustbarkeiten und Vergnügungen gewidmetes Leben ist demnach eines vernünftigen Geschöpfes, und noch vielmehr eines Christen unwürdig. Man beobachte jene, die keine ernste Beschäftigung haben, und man wird finden, dass ihnen ihr Leben selbst eine Last ist. Die von Natur aus tätige Seele bedarf der Übung, und kein Mensch kann glücklich sein, wenn er sich nicht eine Art von Beschäftigung zu machen weiß. Diese Wahrheit gewinnt noch an Kraft und Eindringlichkeit, wenn man von der Sinnlichen zur sittlichen Ordnung übergeht. Doch dabei wird es der Bemerkung nicht bedürfen, dass Gewerbe, die zur Sünde verleitet, jederzeit verboten sind. Die anderen müssen nach Verhältnis ihrer Nutzbarkeit für die Gesellschaft, und der in ihnen sich darbietenden Gelegenheiten zur Tugendübung geschätzt werden. Man kann sie alle heiligen, wenn man sie auf Gott, das große Ziel und Ende aller erschaffenen Dinge bezieht. Jedes Gewerbe greift ein in den allgemeinen Plan der Vorsehung, und der macht sich vor Gott strafbar, der die ihm nach seinem Beruf obliegenden Pflichten nicht erfüllt. Die mechanischen Künste zielen zwar ihrer Natur nach nicht nach Erweckung der Tugend; allein sie werden doch für alle verdienstlich, die sie durch Religionsgründe und christliche Tugendübungen veredeln. Diese Tugenden sind übrigens die Frucht des Gebetes, der Betrachtung des göttlichen Gesetzes und der Selbstbewachung. Wir müssen uns daher allzeit einige Augenblicke für diese gottseligen Übungen vorbehalten, und ihnen sogar den Vorzug geben, wenn sie hier und da mit einigen Geschäften des gewöhnlichen Lebens nicht vereinbarlich wären. Diese Augenblicke werden uns auch nie fehlen; finden wir doch solche für unsere Lustbarkeiten und Vergnügungen! Wir sollen heilig werden, und nur auf dem Weg inniger Gottergebenheit können wir es werden.
Wie schön und anmutsvoll erscheint eine Lilie, die vom Tau des Himmels befeuchtet und von der Morgensonne beschienen, ihren Glanz und süßen Duft ausgießt. Aber noch schöner ist eine jugendliche Seele, die, mit himmlischer Gnade erfüllt, von Tag zu Tag sich herrlicher entfaltet in Tugend und Gottesfurcht. Eine solche prächtige Blume im Garten Gottes war der heilige Stanislaus, der am 28. Oktober 1550 zu Kostka in Polen das Licht der Welt erblickte. Sein Vater, Johannes Kostka, und seine fromme Mutter, Margareta Kriska, stammten aus einem alten Adelsgeschlecht. Der kleine Stanislaus wuchs in Unschuld und frommen Übungen heran und hatte eine solche zarte Schamhaftigkeit, dass er in Ohnmacht fiel, wenn er ein unkeusches Wort hörte.
Im Jahr 1564 kam Stanislaus mit seinem älteren Bruder Paul ins Konvikt der Jesuiten nach Wien, um sich weiter auszubilden, und zeichnete sich durch Eifer im Gebet und Studium, durch seine Zurückhaltung und Unschuld so sehr aus, dass ihn alle seine adeligen Mitschüler lieb gewannen. Doch schon nach zwei Jahren wurde das Konvikt vom Kaiser aufgehoben, und Stanislaus musste mit seinem Bruder Paul aus Mangel an Platz in einem lutherischen Haus Kost und Wohnung nehmen. Der fromme junge Mann widmete alle seine Zeit dem Studium und Gebet, fastete viel und suchte seine einzige Erholung im Besuch des Allerheiligsten in der Jesuitenkirche und im Preis der Himmelskönigin.
Die Demut und Zurückhaltung, die Enthaltsamkeit und Schweigsamkeit, die allsonntäglichen Beichten und Kommunionen seines jüngeren Bruders waren dem adelstolzen, genusssüchtigen Paul ein Dorn im Auge. Unaufhörlich quälte und beschimpfte und verhöhnte er ihn, schlug ihn und trat ihn mit Füßen. Auch sein Hofmeister tadelte ihn als Betbruder, der weniger auf feine, adelige Manieren achte, als auf seinen schwärmerischen Hang zu frommen Übungen. Stanislaus ertrug alle Unbilden mit himmlischer Geduld, aber mehr und mehr stieg in ihm der Wunsch auf, der Welt gänzlich zu entsagen und in die Gesellschaft Jesu einzutreten. Er teilte deshalb seinem frommen Beichtvater seinen Entschluss mit und bat den Ordensprovinzial Laurentius Magnus um Aufnahme in den Jesuitenorden. Es wurde ihm die Aufnahme unter der Bedingung gewährt, dass seine Eltern einwilligten, aber auf diese durfte er nicht rechnen.
Infolge der Fasten, Nachtwachen und ständigen Quälereien durch seinen Bruder, ergriff ihn im Jahr 1566 eine tödliche Krankheit. Stanislaus verlangte sehnlichst nach den heiligen Sterbesakramenten, aber weder der protestantische Hausherr, noch sein Bruder und Hofmeister ließen sich bewegen, sein Begehren zu erfüllen. Im tiefsten Seelenschmerz flehte Stanislaus zur heiligen Barbara, sie möge ihm die Gnade des heiligen Sakramentes verschaffen. Seine Bitte wurde erhört. Um Mitternacht erschien ihm die heilige Barbara, begleitet von zwei Engeln, die ihm die heilige Kommunion reichten. Bald darauf erschien ihm die Mutter Gottes, legte das Jesuskind in seine Arme, tröstete ihn und mahnte ihn, in die Gesellschaft Jesu einzutreten. Welche Freude mochte das Herz des frommen jungen Mannes in jener seligen Stunde bewegen.
Bald genas Stanislaus von seiner schweren Krankheit und begehrte Aufnahme in den Jesuitenorden. Der Provinzial verweigerte ihm aber die Aufnahme, bis er die Genehmigung seiner Eltern eingeholt habe. Darauf riet ihm ein frommer Priester, den Provinzial von Oberdeutschland, Petrus Canisius, oder den Ordensgeneral Franz Borgias in Rom zu Rate zu ziehen. Stanislaus sah diesen Rat als einen Wink vom Himmel an. Als ihn sein Bruder wieder hart behandelte, sprach er zu ihm: „Du zwingst mich, Bruder, dass ich dir entlaufe, und du wirst es bei unseren Eltern zu verantworten haben.“ Hierauf legte er seine Kleider ab, hüllte sich in ein Bettlergewand, hörte noch die Heilige Messe und begab sich auf die Reise mit dem festen Vorsatz, niemals zurückzukehren, und sein Brot so lange zu erbetteln, bis er Aufnahme in den Jesuitenorden gefunden hätte. Nach einigen Stunden jagten sein Bruder, der Hofmeister und Hauswirt ihm nach, holten ihn ein, erkannten ihn aber nicht. Stanislaus kam wohlbehalten nach Augsburg und da er den heiligen Petrus Canisius dort nicht fand, eilte er zu ihm nach Dillingen.
Um seinen Beruf zum Ordensleben zu prüfen, befahl ihm der Ordensobere, die Hausarbeiten im dortigen Kolleg zu verrichten und freudig verrichtete der Noviz die niedrigsten Dienste. Nach kurzer Zeit schickte ihn Petrus Canisius mit zwei Jesuiten und Empfehlungsschreiben nach Rom zum Ordensgeneral Franz Borgias. Am 28. Oktober 1567 trat Stanislaus in das Noviziat. Wer kann die unendliche Freude beschreiben, die jetzt das Herz des frommen jungen Mannes bewegte? Sein Vater schrieb ihm Briefe voll der härtesten Vorwürfe, er beantwortete sie mit kindlicher Ehrfurcht und bewunderungswürdiger Weisheit, zog aber den Willen Gottes jedem anderen Willen vor.
Als Noviz lebte Stanislaus wie ein Heiliger, himmlischer Friede lag in seinem Antlitz, Engelsunschuld strahlte aus seinen Augen, seine Demut, sein Gehorsam, sein Gebetseifer, seine kindliche Fröhlichkeit erregten die Bewunderung aller. In der Anbetung des heiligsten Sakramentes und bei der heiligen Kommunion genoss er ein solches Übermaß von Wonne, dass er oft in Verzückung geriet und einem Engel des Himmels glich. Seine Liebe und Verehrung zur Himmelskönigin kannte keine Grenzen, denn ihr verdankte er seinen Eintritt in den Orden. Den Rosenkranz legte er nicht aus den Händen und in seine Unterredungen flocht er immer das Lob Mariens. Sein ganzes Leben war ein fortgesetztes Gebet, eine strenge Bußübung und ein unermüdliches Ringen nach Vollkommenheit, ein inniges Sehnen nach dem Himmel.
Im ersten Jahr seines Noviziats und in den ersten Tagen des Monats August unterredete sich Stanislaus mit dem Pater Emanuel und rief in heiliger Entzückung aus: „O mein Vater! Welch ein seliger Tag war es für die Heiligen, als die allerseligste Jungfrau in den Himmel aufgenommen wurde. Ich bin überzeugt, dass sie alle Jahre, so wie wir, durch ein besonderes Jubelfest dieses Andenken erneuern und ich hoffe zuversichtlich, der ersten Feierlichkeit, die sie wieder begehen werden, beiwohnen zu können.“ Niemand dachte an die Erfüllung dieser Vorhersage. Er aber schrieb am Fest des heiligen Laurentius nach der heiligen Kommunion einen Brief an die Himmelskönigin, in dem er sie innig bat, ihn aus diesem Tal der Tränen hinweg zunehmen und an ihrer Himmelsfreude teilnehmen zu lassen, und er legte diesen Brief auf seine Brust. Schon am Abend fühlte er sich krank und sagte: „Ich werde von meinem Bett nicht mehr aufstehen.“ Am 14. August empfing er freudestrahlend die heilige Wegzehrung und letzte Ölung, brachte einige Zeit im Gebet zu und küsste mit inniger Zärtlichkeit das Bildnis der Mutter Gottes. Hierauf begehrte er ein Kruzifix, hielt es fest in der Hand, dankte dem Heiland für alle Gnaden, die er je in seinem Leben empfangen hatte, und küsste mit heiliger Inbrunst die fünf Wunden. Gefragt, ob er zum Sterben bereit sei, rief er aus: „Bereit ist mein Herz, o Gott, bereit ist mein Herz.“ Jetzt erschien ihm die Himmelskönigin mit einer großen Schar heiliger Jungfrauen, und den Namen Jesu und Maria auf den Lippen hauchte er seine reine Seele aus im Frührot des 15. August 1568, im achtzehnten Lebensjahr.
Papst Klemens VIII. sprach ihn selig, Papst Benedikt XIII. nahm ihn zugleich mit dem heiligen Aloysius im Jahr 1726 in das Verzeichnis der Heiligen auf. Viele Wunder verherrlichten sein Grab.
@Petronella Herzlichen Dank für"s lesen der Beiträge, weiterhin viel Freude und Gottes Segen und Hilfe.
Gebete am 12. November
Maria, du Spenderin der Gnaden! Von dir redet die Schrift mit den Worten: "Wo die Frau nicht ist, da seufzt der Arme." Ja, wo sollte ich Trost finden, wenn nicht bei dir, wo Rettung suchen, Hilfe erhoffen? Wen du schützt, der lebt sicher. Wer dich verlässt, ist verloren. Siehe, arm und elend wie ich bin, seufze ich zu dir empor. Strecke deine Rechte nach mir aus, wie eine Mutter nach dem fallenden Kind. Halte mich fest auf dem Pfad des Guten, dass ich nicht wanke und strauchle. Stehe mir immer schirmend zur Seite, wenn Gefahr mir droht, wenn die Sünde mir winkt, wenn Feinde mir nachstellen. Ganz besonders aber hilf mir in der Stunde des Todes. Amen.
Zu Gott
Wir bitten Dich, o Gott, verleihe uns die Gnade, die kurzen Leiden dieses Lebens Dir zu Liebe recht willig und standhaft zu tragen, und uns dadurch der ewigen Freuden würdig zu machen, durch Christus, unseren Herrn. Amen.
Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Didakus
O Gott, der Du durch eine wunderbare Anordnung das, was vor der Welt schwach ist, erwählst, um das Starke zu beschämen, verleihe uns, dass wir auf die Fürbitte des heiligen Didakus zur ewigen Herrlichkeit im Himmel aufgenommen werden, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
Der heilige Abt Theodorus, der wegen seines von dem Konsul Studius gestifteten Klosters Studita genannt, und dessen Festtag gestern gefeiert wurde, hat für die Ehre der seligsten Mutter Gottes sowohl in seinen Reden von der seligsten Jungfrau, als in seinen Arbeiten und Leiden zur Verteidigung ihrer Bildnisse gegen die bilderstürmerischen Kaiser im 9. Jahrhundert tapfer gekämpft. Er starb nach siebenjährigem Leiden im Jahr 826 und schrieb verschiedene gelehrte Werke.
Bei dem Heiligen vom heutigen Tag, einem Spanier, ist bereits der Name nicht ohne Interesse, denn Didakus heißt er auf Latein, spanisch aber lautet der Name Diego, wobei auch das e vollsilbig ausgesprochen wird, also Di-e-go. Das ist auf deutsch Jakob, und Jakob wollen wir daher den Tagesheiligen auch nennen.
Jakob war ein Armeleutekind, lernte weder lesen noch schreiben, wohl aber früh fleißig arbeiten, was sicher kein Fehler ist, denn Kinder, die zeitig zu rechter Arbeit angehalten werden, entwickeln sich später nicht leicht zu verspielten Menschen, wohl aber zu lebenstüchtigen Frauen und Männern.
Weil Jakobs Sinn nicht auf die Welt stand, ging er ins Kloster. Dort war er Koch und Küchenmeister.
Weil Bruder Jakob viel mit Gott verkehrte, teilte sich auch Gott ihm mit und gab dem ungelehrten Klosterbruder mit der Zeit ein solches Wissen um die übernatürlichen Dinge, dass selbst berühmte Gottesgelehrte nicht mehr mitkamen, sondern bei Bruder Jakob in die Schule gingen, der seine Kenntnisse übrigens nicht mühsam zu lernen brauchte, sondern von Gott eingegossen erhielt, wie man Öl in eine Lampe gießt, damit sie leuchte.
Später hat Bruder Jakob eine Zeitlang als Missionar unter den Heiden auf den Kanarischen Inseln an der Westküste Afrikas mit gutem Erfolg gewirkt. Noch später kam er als Krankenpfleger nach Rom. Da hat er viele gesund gemacht, oft durch ein einfaches Kreuzzeichen oder durch Öl, das er der Ampel entnahm, die vor dem Muttergottesaltar brannte. Die Leute behaupteten damals steif und fest, der Klosterbruder wirke Wunder. Die Aussage ist sicher nicht von der Hand zu weisen, denn mit Gottes Hilfe geschehen auf die Fürbitte der Heiligen Wunder zu allen Zeiten.
Als Bruder Jakob ein alter Mann geworden war, kehrte er nach Spanien heim, um dort zu sterben. Bevor er starb, musste er noch manche schmerzhafte Krankheit durchmachen. Schließlich schlug aber auch für ihn die letzte Stunde. Von Augenblick zu Augenblick verlangsamte sich der Atem und setzte endlich ganz aus, so dass die Mitbrüder, die am Sterbelager knieten und beteten, der Meinung waren, er sei bereits verschieden. Doch da öffnete Bruder Jakob noch einmal groß die Augen und lachte aus vollem Herzen, und als man ihn fragte, warum er denn lache, gab er zur Antwort: „Ich hätte nicht geglaubt, dass es im Paradies solch schöne Blumen gibt, wie ich sie soeben sah.“ Mit diesen Worten und dem Lächeln auf den Lippen ging Bruder Jakob gleich darauf hinüber in den Himmel, in den er kurz zuvor bereits einen Blick hatte werfen dürfen.
Aus anderen Quellen:
Der heilige Diego, ein Laienbruder aus dem Franziskanerorden, wurde in der Burg St. Nikola in der Diözese Sevilla geboren. Schon in seiner Jugend wurde er von einem heiligen Priester in den Grundlagen des vollkommenen Lebens unterrichtet. Das große Verlangen, Jesus dem Gekreuzigten nachzufolgen, veranlasste ihn, der Welt für immer zu entsagen, in den Franziskanerorden einzutreten, um als Laienbruder dort die Gelübde abzulegen. Mit einem Priester zusammen auf die kanarischen Inseln gesandt, bewies er einen unermüdlichen Eifer in der Bekehrung der Götzendiener und wurde, obwohl nur ein Laie, von seinem Obern zum Guardian eines Klosters ernannt, das auf der Insel Fuerteventura gegründet worden war. Darauffolgend wieder nach Spanien zurückgekehrt, wohnte er in verschiedenen Klöstern seines Ordens, ohne in seinem Eifer nachzulassen, und war so in Gott versunken, dass er nur zu ihm und von ihm reden konnte. Im Jahr 1450, wo der heilige Bernhardin von Siena aus dem Franziskanerorden heiliggesprochen wurde, begab er sich nach Rom und diente während seines Aufenthalts dort den Kranken seines Ordens mit einer Liebe, die nur ein Heiliger ausüben kann. Als er wieder nach Spanien zurückgekehrt war, brachte er den größten Teil seines übrigen Lebens in den Klöstern von Sevilla, Saussaya und Alcala zu und ging jeden Tag mit großen Schritten weiter in der Vollkommenheit. Er starb ruhig im Herrn, am 12. November 1463, und wurde nach seinem Tod von Gott durch viele Wunder verherrlicht.
Der heilige Diego tat sich besonders durch seine Verehrung für die heilige Jungfrau hervor. Er fastete alle Samstage und am Vorabend ihrer Feste bei Wasser und Brot. Bei seinen Unternehmungen nahm er zu ihr mit dem größten Vertrauen seine Zuflucht. Er hatte auch die Gewohnheit, mit dem Öl ihrer Lampe die Kranken zu bestreichen, die zu ihm kamen, worauf er sie mit dem Zeichen des Kreuzes bezeichnete, wodurch viele geheilt wurden. Einmal begegnete er zu Sevilla einer armen Frau, die ein entsetzliches Geschrei ausstieß, wie wenn sie in einem Zustand des Wahnsinns gewesen wäre. Die Ursache ihrer Schmerzen war der Verlust ihres Sohnes, der sich in einem Ofen versteckt hatte, in den man ohne zu wissen, dass er sich darin befand, Feuer anzündete. Die unglückliche Mutter, die ihm nicht helfen konnte, weinte, jammerte, war außer sich. Der Heilige hatte Mitleid mit ihr und riet ihr, in die Hauptkirche zu gehen, sich vor dem Bildnis der seligsten Jungfrau anzuempfehlen, auf Gott zu hoffen, und ihr Sohn werde gerettet werden. Die arme Mutter folgte diesem Rat, und die seligste Jungfrau nahm ihren Sohn auf so wunderbare Weise in Schutz, dass man ihn unversehrt aus dem Ofen brachte, obwohl das Holz, das man eingelegt hatte, gänzlich verbrannt war. Das Gerücht von diesem Wunder verbreitete sich in der Stadt, und vermehrte die Verehrung zum Bildnis der heiligen Jungfrau, dem man in der Folge viele andere Wunder verdankte. Um die Herrlichkeit seiner heiligen Mutter an das Licht zu bringen, bediente sich Gott der zärtlichen Liebe, die der heilige Diego für sie hegte.
Erwirb mir, o liebste Jungfrau Maria, ich bitte dich dringend, die Gnade, dass ich einst getröstet von dieser Welt scheide und getrost vor dem ewigen Richter erscheine. Wenn mich in der Sterbestunde Angst überfällt, weil ich nicht wissen kann, ob ich zur Zahl der Auserwählten gehöre, so tröste mich, du Trösterin der Betrübten und erhalte mir durch deine Fürbitte den Urteilsspruch der ewigen Seligkeit. Amen.
Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Martin
O Gott, der Du siehst, dass wir aus unseren eigenen Kräften nicht bestehen können, verleihe gnädig, dass wir auf die Fürbitte des heiligen Martin gegen alle Widerwärtigkeiten geschützt werden, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Zum heiligen Patriarchen Johannes
Heiliger Johannes, flöße mir deine Liebe und dein Erbarmen zu den Dürftigen ins Herz ein, auf dass ich alle Zeit liebevoll und freigebig entweder mit leiblicher Hilfe oder mit Fürbitten, mit gutem Rat oder auf was immer für eine Weise allen denjenigen beistehe, denen ich nach dem Willen Gottes helfen kann und soll, damit, wenn ich sterbe, Gott auch mir ein "Vater des Erbarmens" ist, und ich unter allen Barmherzigen selig werden und ewige Barmherzigkeit erlangen möge.
Andenken an die seligste Jungfrau
Der heilige Martin hat sich mit so großer Andacht dem Gebet gewidmet und hat mit so großer Ehrfurcht dem heiligen Messopfer beigewohnt, dass er nicht nur die Zuseher in Erstaunen setzte, sondern auch die Bewohner des Himmels zu Bewunderern gehabt. Unter vielen Erscheinungen, die er in seinen Entzückungen hatte, wird besonders die seligste Jungfrau Maria in der Lebensbeschreibung angeführt.
Demütig komme ich zu dir, du Zuflucht der Sünder, o Jungfrau aller Jungfrauen! Wegen meiner Sünden verdiene ich zwar nicht erhört zu werden, dennoch weiß ich, dass du gerade um des Heils der Sünder willen eine Mutter Gottes und durch die edle Frucht deines Leibes eine Mutter der Barmherzigkeit geworden bist. Deine unaussprechliche Milde zieht mich an und nötigt mich, auf dich ein wahres Vertrauen zu setzen, und an der Hilfe deiner mütterlichen Güte nicht im mindesten zu zweifeln. Ich vertraue fest auf deine Fürbitte und verlasse mich darauf, dass du bei Gott für mich die Gnade erbittest, dass ich nicht ewig verloren gehe. Amen.
Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Andreas Avellini
O Gott, der Du dem heiligen Andreas die Gnade verliehen hast, täglich in der Tugend zuzunehmen, gib uns auf seine Fürbitte, dass auch wir allezeit nach der Vollkommenheit trachten, und glücklich zu der himmlischen Herrlichkeit gelangen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
Der heilige Andreas Avellini verehrte die seligste Mutter Gottes täglich mit den Tagzeiten, dem Rosenkranz und Fasten vor ihren Festtagen. Wenn der Rosenkranz noch nicht gebetet war, musste das Essen ausgesetzt oder abgekürzt werden. Er gab öfters sein Vertrauen auf ihre Fürbitte mit den Worten zu erkennen: Jesus zeigt sich zu Zeiten als einen strengen Richter, Maria aber allezeit als eine milde Mutter, wie er dann auch in Anschauung ihres Bildnisses den Geist aufgegeben hat.
Diese drei Märtyrer starben für den Glauben im Bezirk von Agde, unter den Kaisern Diokletian und Maximian. Tiberius war noch sehr jung, und man sagt, sein eigener Vater sei sein Verfolger geworden. Mit einem anderen Christen namens Modestus ins Gefängnis geworfen, erduldeten beide bitteren Hunger und schreckliche Peinigungen. Und da weder Versprechen noch Drohungen sie erschüttern konnten, wurden sie enthauptet. Eine Frau, Florentia mit Namen, die sich beim Anblick ihrer unerschütterlichen Standhaftigkeit bekehrt hatte, teilte ihre Kämpfe und ihre Kronen. Der Ort ihres Märtyrertodes, den man Cesseron oder Cessarion nannte, liegt zwischen Agde und Pezenas, ungefähr drei Meilen von Beziers. Im 8. Jahrhundert wurde ihnen zu Ehren ein Kloster daselbst erbaut, das sich als regulierte Benediktinerabtei bis zur französischen Staatsumwälzung erhielt. Die Namen der drei heiligen Märtyrer stehen am heutigen Tag in den Martyrologien von Ado und Usuard, so wie auch im römischen.
Eltern, die betont neumodisch sind und auch vielleicht mehr scheinen wollen als andere Leute, geben ihren Kindern zuweilen Namen, die in keinem Heiligenkalender zu finden sind, nennen sie Hasso oder Baldur oder Astra oder Edda oder Heide. Es sind einfachhin heidnische Namen, die mit dem christlichen Brauch, jedem Kind einen Heiligen als Namenspatron zu geben, nicht das geringste zu tun haben. So ähnlich erging es auch dem Heiligen vom heutigen Tag. Die Mutter Avellini war lieb und gut, aber sie konnte es nicht verhindern, dass der Vater, der ein Springindiewelt war, dem Kind den Namen Lanzelot gab, und Lanzelot war zu der damaligen Zeit ein berühmter Romanheld. Der arme Lanzelot Avellini, der von seinem Vater einen Romanhelden als Namenspatron erhielt!
Fast schien es, als ob der Name eine Vorbedeutung habe, denn als Lanzelot in das Alter eines Jugendlichen kam, entwickelte er sich zu einem gutaussehenden Mann. Für Lanzelot Avellini war es schon ein Glück, dass er innerlich ein sauberer Mensch war, der über die verdrehten Mädchenhälse und die zuckersüßen Mädchenblicke herzlich lachen konnte, und schließlich machte der junge Mann dem Getue dadurch ein Ende, dass er Priester wurde. Das soll allerdings nicht heißen, dass er mit der Priesterweihe auch gleich ein Heiliger war, denn das war er nicht.
Lanzelot Avellini, der neben der Gottesgelehrtheit auch die Rechtswissenschaft studiert hatte, liebte es, als Anwalt vor Gericht aufzutreten. Ruhm und Geld brachte ihm die Tätigkeit ein, und an Ruhm und Geld hing Avellini mit ganzer Seele. Wohl muss man es ihm gutschreiben, dass er manchen armen Teufel vor dem Gefängnis bewahrte, aber hin und wieder verteidigte er vor Gericht Dinge, die nicht ganz einwandfrei waren, und da geschah es eines Tages, dass ihm in einem Prozess eine dicke Unwahrheit über die Lippen flog. Bisher hatte er wohl pfiffig, nie aber unwahr die Verteidigung geführt, und als ihm die erste Lüge entfuhr, wurde er krebsrot im Gesicht bis über den Hals hinaus. Nein, lügen wollte er nun doch nicht, denn die Lüge macht den Menschen unehrenhaft.
Wie es jedem Lügner ergeht, so erging es damals auch dem Lanzelot Avellini, er wurde unruhig und verstört und dachte nur mehr daran, wie die Lüge wohl weiterlaufen und dann die Wahrheit an den Tag kommen werde, denn dass Lügen kurze Beine haben, war ihm bekannt. Über diese Gedanken verging der Tag, und es wurde Nacht. Lanzelot Avellini brütete ständig vor sich hin und fand keine Ruhe, aber schließlich – es ging schon auf die Mitternacht zu – musste er sich doch einmal zu Bett legen. Bevor er sich auskleidete, schlug er seiner Gewohnheit gemäß die Heilige Schrift auf, um einen kleinen Abschnitt daraus zu lesen. Alle Tage machte er es so, und als er es an diesem Tag der Lüge wieder tat, fiel sein Blick auf jene Stelle, wo es heißt: „Ein lügnerischer Mund tötet die Seele.“
Lanzelot Avellini las die Worte einmal, zweimal, dreimal, und dann sackte er ab wie einer, der vom Schlag getroffen wird. Die ganze Nacht blieb er auf den Knien liegen, und als der Morgen graute, ging er zur nächsten Kirche, um zu beichten. Gottes Gnade fügte es, dass er dabei an den rechten Beichtvater geriet, der ihm ernst ins Gewissen redete und ihn aufforderte, endlich mit allen Halbheiten Schluss zu machen, die Anwalterei aufzugeben und nur mehr Priester zu sein.
Gerade diesen Zuspruch brauchte Lanzelot im Augenblick, und des strengen Beichtvaters strenge Worte fielen bei ihm auf den besten Boden, um bald die besten Früchte zu zeitigen, denn Avellini wurde ein Priester nach dem Herzen Gottes, ein eifriger Prediger, Beichtvater und Caritasapostel und ein Beter und Büßer. Mit sechsunddreißig Jahren ging er ins Kloster, legte den Namen Lanzelot ab und nannte sich fortan Pater Andreas. Auch machte er das schwierige Gelöbnis, täglich in den Tugenden Fortschritte zu machen, und weil es ihm ernst war mit dem Gelübde, konnte es nicht ausbleiben, dass er in den vierzig Lebensjahren, die ihm noch vergönnt waren, zu großer Heiligkeit emporstieg.
So groß war die Heiligkeit in ihm, dass sie zuweilen wie Licht von ihm ausstrahlte. Als er einmal in pechschwarzer Nacht mit dem Messner von einem Versehgang heimkehrte, ging von seiner Person ein Glanz aus, der die Finsternis verscheuchte. Übrigens geht dieses Licht unsichtbarerweise von allen guten Menschen aus. Nur die Engel sehen es und der Himmelsvater, die sich darüber freuen.
Schön war schließlich auch der Tod des achtzigjährigen Heiligen. Am 10. November 1608 trat er in der Frühe an den Altar, um das heilige Opfer zu feiern, begann das Staffelgebet mit den bekannten Worten: „Zum Altare Gottes will ich treten“, stockte, wiederholte die Worte, stockte noch einmal, sprach sie zum dritten Mal, und dann traf ihn der Schlag, und er ging hinüber zu Gott, der ihn mit ewiger Jugend erfreut. Wegen des schönen Heimgangs wird der Tagesheilige als Patron gegen einen unversehenen Tod angerufen.
Erstellt von kathnews-Redaktion am 20. August 2017 um 11:02 Uhr „Man muss alles aus Liebe tun; man muss sich selbst vergessen.“
Ein geistlicher Schatz wurde im vergangenen Jahr von dem kleinen Schweizer Verlag Alverna gehoben. Ein neues Buch wurde anläßlich der am 16. Oktober 2017 erfolgten Heiligsprechung einer in Ländern deutscher Sprache weithin unbekannten Ordensschwester herausgegeben. Dabei handelt es sich um Erinnerungen an die Karmelitin Elisabeth von der heiligsten Dreifaltigkeit (Élisabeth de la Trinité). Sie starb im Jahre 1906 26-jährig im Kloster der Karmelitinnen in der burgundischen Stadt Dijon, war jedoch eine nicht weniger tief geistliche Persönlichkeit als die bekanntere Karmelitin Therese von Lisieux, deren Ordensname „Therese vom Kinde Jesu und vom Heiligsten Antlitz“ (Thérèse de l’Enfant-Jésus et de la Sainte-Face) lautete, und die einige Jahre früher, im Jahr 1897, 24-jährig starb.
Das vorliegende Buch „Die hl. Elisabeth von der heiligsten Dreifaltigkeit“ ist die deutsche Übersetzung der Aufzeichnungen und Erinnerungen, die von der Priorin der so jung verstorbenen unbeschuhten Karmelitin, Mutter Germana von Jesus (Germaine de Jésus), 1908 unter dem Titel „Souvenirs“ einer größeren interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. M. von Greiffenstein hat das Buch bald danach in Deutschland herausgebracht. Diese Ausgabe ist die Grundlage eines wunderbaren Buches, welches von Ramon de Luca überarbeitet und im Alverna-Verlag neu herausgegeben wurde.
In seiner Einleitung bemerkt Ramon de Luca zur heiligen Elisabeth von der heiligsten Dreifaltigkeit: „Überzeugend wirkt ihr ausgesprochen ausgewogenes Verhältnis bezüglich Gottes- und Nächstenliebe, und sie lehrt uns schweigend die Kraft der Stille.“ Wer erinnert sich hierbei nicht an das aktuelle Buch von Robert Kardinal Sarah, „Kraft der Stille“, worin auch er deutlich machen möchte, dass es gerade die Stille ist, die den Menschen und der heutigen Zeit „außerordentlich nottut“. Elisabeth und der Kardinal haben erkannt, dass selbst unter gläubigen Seelen ein lärmender Aktivismus vorherrscht, worin Stille und Sammlung unterzugehen drohen. Es ist geradezu bezeichnend, „dass im Zeitalter der kirchlichen Aktionen der Rückruf zum einen Notwendigen geht: der Kontemplation – und zwar ohne Rücksicht auf äußerlich feststellbare Frucht und Erfolg“. De Luca erkennt ganz richtig, dass dies ein „Rückruf in die Anonymität, zur tiefen, reinen liturgischen Anbetung Gottes um seiner selbst willen“ sei. „Man muss alles aus Liebe tun; man muss sich selbst ständig vergessen.“
Das schwarz-weiß bebilderte Buch mit Fotos aus dem Leben unserer heiligen Karmelitin berichtet zunächst über ihren Lebensweg in den Karmel. Zwar konnte die Priorin schon hierbei aus ihrer persönlichen Kenntnis über Elisabeth berichten, denn diese war bereits vor ihrem Eintritt oft zu Gast im Karmel von Dijon; aber nun konnte sie gewissermaßen aus erster Hand, nämlich aus persönlichem Erleben, von ihr erzählen. Der Priorin lagen außerdem persönliche Aufzeichnungen vor, sowohl von Elisabeth selbst, als auch in Briefen von anderen Personen. Wir erfahren, wo Elisabeth Catez geboren wurde und wie sie aufgewachsen ist, und dass sie mit elf Jahren zur ersten hl. Kommunion gegangen ist. Mit vierzehn Jahren möchte sie Ordensfrau werden und meinte eine Zeitlang sogar, es müssten die Trappistinnen sein, zu denen sie gehen solle. Ihr schien, dass das Klosterleben einer unbeschuhten Karmelitin nicht streng genug sei. 1899, mit neunzehn Jahren, bekommt sie von ihrer Mutter die Erlaubnis, mit 21 Jahren in den Karmel eintreten zu dürfen (1901).
Im Februar 1905 traten bei ihr die ersten Krankheitszeichen einer damals noch nicht diagnostizierbaren Krankheit auf. Es handelte sich um die Addisonsche Krankheit (Morbus Addison), einer Insuffizienz der Nieren, die unweigerlich zum Tode führen musste. Elisabeth von der heiligsten Dreifaltigkeit starb am 9. November 1906.
Diese junge, entschiedene Frau, die Gott „ein Lob der Herrlichkeit“ sein wollte, war „vom Übermaß der göttlichen Liebe ergriffen und hingerissen“. So wurde auch körperliche Buße für sie zum „gebieterischen Bedürfnis“. Man musste sie sogar vor solchen Neigungen und vor scharfen Kasteiungen bewahren. Dies gelang durch den Gehorsam, dem sie durch die Regel der Karmelitinnen unterworfen war und die dennoch genügend Gelegenheiten bot, die Forderungen des Apostels Paulus zu verwirklichen, täglich zu sterben (1 Kor 15,31).
Elisabeth litt oft an Ermüdung und hatte fast beständig Kopfschmerzen. Wir dürfen uns fragen, wie wir mit diesen beiden gesundheitlichen Einschränkungen umgehen. Unsere Karmelitin freute sich, „durch diese Schmerzen das Geheimnis der Dornenkrönung des göttlichen Meisters zu verehren“. Auch die tägliche Arbeit begriff sie als Teil ihrer Buße, besonders dann, wenn es ihr nicht gelang, das innere Gebet mit der Arbeit in Verbindung zu bringen. Elisabeth von der Dreifaltigkeit kostete die Phasen ihres äußeren und inneren Lebens bis zum Grunde aus. Sie schrieb in einem Brief: „Wenn du wüsstest, welche Süßigkeit man auf dem Grund des Kelches findet, den der himmlische Vater bereitet hat.“ Es geht ihr niemals darum, am vollen Kelch der weltlichen Wonnen zu nippen; sie geht an den Grund, in die Tiefe, wo alle Unzulänglichkeiten erfahren werden. „Ich trage mein Kreuz mit dem geliebten Meister, mein Glück wächst mit meinen Leiden.“
Ein wenig bekannt wurde Elisabeth von der heiligsten Dreifaltigkeit durch ihr Gebet „O mein Gott Dreifaltiger, den ich anbete“ (Elevation à la Trinité – O mon Dieu, Trinité que j’adore). Sie notierte es am Abend des 21. November 1904. Dieses Gebet ist ein einziger Lobpreis auf die Heiligste Dreifaltigkeit, die sie selbst in ihrem Ordensnamen verehrte. Wem es möglich ist, der sollte sich oft mit diesem Gebet beschäftigen und es inbrünstig vor das Angesicht Gottes tragen. Ja, der Rezensent ruft dem geneigten Leser zu: steigen Sie in die Tiefen dieses Gebetes hinab, – Gott wird Ihnen das Geheimnis der Heiligsten Dreifaltigkeit, welches für die meisten im Dunkeln liegt, im Licht dieses Gebetes verständlich machen.
Zum Schluss sei soll noch ein Wort zitiert werden, welches der Herausgeber in seiner Einleitung anführt: „Ich spüre, wie der Tod mich zerstört. Würde ich dabei stehen bleiben, wäre nur Verzagtheit in mir. Rasch öffne ich das Auge meiner Seele im Glauben und weiß, daß es die Liebe ist, die mich allmählich verzehrt.“
M. v. Greiffenstein Die hl. Elisabeth von der heiligsten Dreifaltigkeit Alverna-Verlag Hardcover / A5; 258 Seiten CHF 22.00; Euro 18.40 ISBN 978-3-9524562-9-3
Nachtrag
Für den belgischen Benediktiner Dom Jean Vandeur OSB war die Lektüre der französischen Originalausgabe des Buches „Souvenirs“ sehr eindringlich. Besonders von dem bereits genannten Gebet „O mon Dieu, Trinité que j’adore“ – „O mein Gott Dreifaltiger, den ich anbete“, fühlte er sich dermaßen angesprochen, dass er dazu eine Reihe von Meditationen geschrieben hat. In Deutschland erfuhr dieses Büchlein unter dem Titel „O mein Gott Dreifaltiger“ bis in die fünfziger Jahre hinein mehrere Auflagen im Pustet-Verlag. Zu Beginn dieses Jahres veröffentlichte der Sarto-Verlag diese „Gebetsbetrachtungen im Geist der heiligen Schwester Elisabeth von der heiligsten Dreifaltigkeit“ unter dem gleichen Titel „O mein Gott Dreifaltiger“ überarbeitet und mit einer neuen Einleitung versehen. Auch dieses Buch sei den Lesern empfohlen.
Dom Eugen Vandeur OSB O mein Gott Dreifaltiger Sarto-Verlag 2017, Neuherausgabe 136 Seiten; 8,90€ ISBN: 978-3943858846
Foto: Die hl. Elisabeth von der heiligsten Dreifaltigkeit – Bildquelle: Alverna-Verlag
Allerseligste Jungfrau und Mutter meines Herrn Jesus Christus! Gewähre mir durch deine Fürbitte, die Gnade von Gott zu erlangen, dass ich wie du in deinem irdischen Leben, Arbeit und Einsamkeit liebe. Du vermagst es durch deine mächtige Fürsprache, mich zur Erreichung dieser Tugenden zu bringen, durch die sich meine Liebe zu Jesus erhöhen wird, und durch die ich Seele und Körper in Unschuld bewahren werde. Amen.
Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Theodor
O Gott, verleihe uns auf die Fürbitte des heiligen Theodor die Gnade, dass wir allzeit standhaft im Glauben und unermüdlich im Guten befunden werden, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Andenken an die seligste Jungfrau
Im Jahr 1503 haben am heutigen Tag die geistlichen Jungfrauen, Annonciaden genannt, zum ersten Mal ihre Prozession oder Gelübde mit folgenden Worten abgelegt: "Ich verspreche und gelobe Gott dem Allmächtigen, der glorwürdigen Jungfrau Maria und dem ganzen himmlischen Hof, mein ganzes Leben lang die drei feierlichen Gelübde, nämlich der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams zu halten; ferner die Ordensregel der seligsten Jungfrau und Mutter Gottes Maria, wie auch die ewige Klausur zu beobachten. Im Namen des Vaters, und des Sohnes, und des heiligen Geistes. Amen."
Theodor war ein Bauernjunge in Kleinasien. Weil es damals auf dem Land noch keine Schulen gab, lernte er weder lesen noch schreiben. Seine Schule war der Hof seiner Eltern. Es war aber eine gute Schule, denn wer auf einem Hof die Augen aufmacht und sich bewegt, wird von selbst ein lebenstüchtiger Mensch, ohne dass er es eigentlich merkt.
Bald kannte Theodor alle Kühe im Stall mit Namen und Stammbaum. Er lernte füttern und melken und wusste genau, wie viel Mehl jeweils den Schweinen zur Mast in den Trog geschüttet werden durfte. Als Zwölfjähriger schor er die Schafe. Am liebsten aber ritt er die Pferde zur Tränke. Vierzehnjährig konnte Theodor ein Feld schnurgerade pflügen, konnte eggen und säen, und die Sense gebrauchte er so, dass es schön war, ihm bei der Arbeit zuzuschauen. Hunger hatte er stets für drei, aber auch rote Backen, die von guter Gesundheit zeugten. Und er hatte straffe Muskeln, denen man ansah, dass sie ohne weiteres zwei Zentner spielend heben konnten. So löste in harter gesunder Bauernarbeit ein Tag den anderen in Theodors Leben ab. Langsam aber kam der Junge ins wehrfähige Alter.
Eines Tages erhielt Theodor den Einberufungsbefehl. Er musste zu den Soldaten. Als Bauernsohn kam er natürlich zur Reiterei. Dieser Umstand machte ihm den Abschied von den Eltern und dem Hof um vieles leichter, denn solange ein Bauernjunge noch ein Pferd zum umsorgen hat, geht es ihm auch gut.
Amasea hieß die Garnison, wo Theodor einrücken musste. Die Stadt lag am Schwarzen Meer. Man schrieb das Jahr 306 nach Christi Geburt, und gerade damals hatte die letzte und grausamste römische Christenverfolgung den Höhepunkt erreicht, so dass auch die Rekruten bei der Vereidigung verpflichtet waren, den heidnischen Göttern Weihrauch zu streuen. Als die Verfügung vor versammelter Mannschaft von einem Offizier verlesen wurde, trauten sich die meisten der christlichen Rekruten nicht zu protestieren. Theodor aber war anders. Er zog vorerst nur die Stirn zusammen, und wenn ein rechter Bauer die Stirn zusammenzieht, dann kann man sich auf etwas gefasst machen. So war es auch bei Theodor. Als nämlich die Reihe an ihn kam, nahm er zwar Weihrauch, warf ihn aber nicht ins Feuer, sondern verstreute ihn auf den Boden und sagte ungeschminkt:
„Quatsch mit euren Göttern, ich bin ein Christ, ich opfere nicht!“ Bei diesen Worten horchten alle auf, und alle Hälse reckten sich. Der Offizier brüllte den jungen Mann an und nannte ihn Zementschädel und tobte und wetterte und schimpfte, so wie es bei den Soldaten üblich ist. Schließlich gab der Offizier dem Widerspenstigen drei Tage Bedenkzeit, dann müsse er entweder opfern oder sterben.
Theodor trat in die Reihe der anderen zurück. Einige nickten ihm heimlich anerkennend zu, manche schämten sich, weil sie selbst nicht den Mut dazu hatten. Bei Theodor aber war von der langen Rede des Hauptmanns nur der „Zementschädel“ in Erinnerung geblieben, und er beschloss im Stillen, dem Mann einmal klarzumachen, was denn eigentlich ein Zementschädel ist.
In der folgenden Nacht ertönte in Amasea laut und schrill die Feuersirene. Als die erschreckten Bürger aus den Betten sprangen, sahen sie, dass der Haupttempel der Stadt in hellen Flammen stand. Bald erwiesen sich alle Löschversuche als vergebens, das herrliche Gebäude brannte bis auf den Grund nieder. Offensichtlich lag Brandstiftung vor, und der Brandstifter war niemand anders als der Zementschädel.
Was Theodor getan hat, war sicherlich nicht richtig. Selbst ein heiliger Zorn berechtigt nicht zu einer Brandstiftung. Bald darauf lag der christliche Rekrut auch in Ketten. Als er vor Gericht gefragt wurde, warum er den Brand verursacht habe, gab er die bauernkluge Antwort, er habe die Götter prüfen wollen, aber sie hätten die Feuerprobe schlecht bestanden. Und als man den Zementschädel schließlich zum letzten Mal aufforderte, den christlichen Glauben abzulegen, entgegnete Theodor, strahlend wie ein Held nach gewonnenem Kampf:
„Ich war Christ, ich bin Christ, und ich werde immer Christ sein.“
Mit diesen Worten sprach Theodor sich selbst das Todesurteil. Neben den qualmenden Überresten des Göttertempels wurde er verbrannt, um im Andenken der Menschen für immer der glorreiche Sieger über den Unglauben und über sich selbst zu bleiben, dessen prachtvolle, mutige Worte heute mehr denn je zu beherzigen sind:
„Ich war Christ, ich bin Christ, und ich werde immer Christ sein.“