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Stuhlfeier des heiligen Petrus zu Rom

in Apostolische Schreiben 18.01.2020 09:38
von Blasius • 2.787 Beiträge



Der Erzengel Gabriel hatte Maria verkündet (Luk. 1), daß der Sohn, den sie gebären würde, ein König sein, und daß sein Reich kein Ende nehmen werde. Durch einen Stern geführt kamen Weise aus dem Morgenland und brachten diesem neugeborenen König ihre Huldigung dar (Matth. 2). Dem römischen Landpfleger Pilatus antwortete Jesus auf die Frage: „Bist Du ein König der Juden? Ja, du sagst es; aber mein Reich ist nicht von dieser Welt“ (Joh. 18); denn es ist ein Reich der Wahrheit und der Gnade. Weil aber Jesus, der ewige König, nach den Ratschlüssen der heiligen Dreieinigkeit, vierzig Tage nach seiner glorreichen Auferstehung den Thron der Herrlichkeit im Himmel zur Rechten des Vaters bestieg, übertrug Er den sichtbaren Charakter seiner Königswürde einem Menschen, damit derselbe auf Erden bis ans Ende der Tage sein (Jesu Christi) Stellvertreter sei.

In diesem erhabenen Amt wählte Jesus den Simeon, des Jonas Sohn, dessen Namen Er in „Petrus“ umwandelte; Er sprach: „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will Ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen. Und dir will Ich die Schlüssel des Himmelreiches geben (Matth. 16). Ich habe für dich gebetet, auf daß dein Glaube nicht gebreche; du aber stärke deine Brüder (Luk. 23). Weide meine Lämmer, weide meine Schafe.“ (Joh. 22) Petrus, von Geburt ein armer, ungebildeter Fischer, hat mit rührender Treue des Amtes gewaltet, das ihm sein Herr und Meister aufgetragen.

Nachdem er im Morgenland die ersten Christen-Gemeinden gegründet und zu fester Form gestaltet hatte, lenkte er – wohl auf Geheiß Jesu Christi – seine Schritte nach Rom, welches damals die Hauptstadt der ganzen Welt geworden war, um dort den Thron seiner Regierung zu errichten und diese Stadt zur Residenz des neuen himmlischen Gottesreiches auf Erden zu erheben. In staubigem Mantel, mit abgenutzten Sohlen an den bloßen Füßen und mit dem Hirtenstab in der schwieligen Hand kam im Jahre 42 der neue Priesterkönig dort an. Die erste Herberge und gastliche Aufnahme fand Petrus im Palast des Senators Cornelius Pudens, wo die Stammfamilie jenes trefflichen Hauptmannes Cornelius wohnte, den Petrus zu Cäsarea, in Folge göttlicher Weisung, mit seiner ganzen Familie getauft hatte (Apg. 10).

Rom, damals die größte und schönste Stadt der Erde, hatte den Höhepunkt seines äußeren Glanzes erreicht. Mittelst der unermeßlichen Reichtümer aus den eroberten und geplünderten Ländern waren Tempel, Paläste, Säulenhallen, Bäder und Lustgärten in verschwenderischer Pracht aufgebaut und zugleich für die sittenloseste Genußsucht und Schaulust der zwei Millionen Einwohner gesorgt worden. Mit den Schätzen der besiegten Reiche hatte Rom auch die Götzen aller Völker, den Aberglauben und die Laster aller Nationen in seine Mauern aufgenommen. Hier war das menschliche Elend in seiner tiefsten Tiefe zu sehen, in der Sklaverei, weil der Sklave nicht mehr die Achtung und Wertschätzung eines Tieres genoß; hier war der menschliche Stolz in seinem diabolischen Übermut zu schauen, weil der Kaiser „Herr und Gott“ genannt, in Weihrauch und Opfern göttliche Anbetung empfing; hier war die Pest hauchende Stätte, an welcher auf achtundzwanzig großen Heerstraßen der Schmutz des gewaltigen Weltreiches zusammen floß und alle Gräuel der der Schamlosigkeit sich frech zur Schau stellten.

Eine Zeichnung des Thronsessel des heiligen Petrus in Rom, auf dem Petrus als Papst gesessen hat; ein schön verzierter Stuhl aus Holz



Mitten in diesem Sumpf grauenhafter Entsittlichung errichtete der Statthalter Jesu Christi, der oberste Hirt der Lämmer und der Schafe, seinen Lehrstuhl der göttlichen Wahrheit und Gnade und stiftete die berühmte Christen-Gemeinde, welche achtzehn Jahrhunderte hindurch alle Stürme der Gewalt überdauert und den Himmel mit unzähligen Martyrern, Bekennern und Lehrern bevölkert hat. Wohl hat der hl. Petrus, wie sein Herr und Meister, am Kreuz sein zeitliches Leben geendet und das Ziel seiner irdischen Bestimmung erreicht; aber Christus gab ihm Nachfolger, in welchen Er und seine königliche Autorität allezeit fortlebt. Und auf die Frage: „Wer ist dieser bevorzugte Mann, auf welchem die Kirche Gottes, wie auf einem unverrückbaren Felsen ruht; wer unter all` den Bischöfen des katholischen Erdkreises ist allein derjenige, in dessen Händen die Schlüssel des Himmelreiches liegen, in dessen königliche Autorität Petrus fortlebt“? antwortet die ganze Christenheit mit vollkommener Einstimmigkeit: „Der Bischof von Rom ist der Amts-Nachfolger des Apostelfürsten Petrus und dadurch auch der sichtbare Statthalter Christi auf Erden und der rechtmäßige Inhaber des Stuhles Petri; der Bischof von Rom ist der Papst (Vater) aller Rechtgläubigen, der oberste Hirte der ganzen Herde Christi, das Haupt der ganzen Kirche.“ Von dem Tage, an welchem der hl. Petrus im Palast des römischen Senators Cornelius Pudens seinen Lehrstuhl errichtete, datiert die merkwürdige, segensreiche, in der Weltgeschichte großartig dastehende und über allen Zweifel erhabene Tatsache, daß Rom die Hauptstadt der ganzen Christenheit und das Herz der katholischen Lebens- und Liebes-Gemeinschaft ist; daß der Stuhl Petri den abscheulichen Götterdienst zerstört, den heidnischen Aberglauben ausgefegt, das Joch der Sklaverei aufgehoben, die Anbetung des Einen wahren Gottes zur schönsten Blüte entfaltet, in das Leben der Familie und der Gesellschaft Sitten-Reinheit, edle Bildung und Tugendhaftigkeit gepflanzt hat; daß er dieses erlösende und heiligende Werk immer noch in Europa, Asien, Afrika, Amerika, Australien und im großen Reich des Fegefeuers fortsetzt und fortsetzen wird, bis Jesus Christus in königlicher Majestät wieder kommen wird zum allgemeinen Gericht. Diese göttliche Gnaden- und Segens-Fülle, welche durch den Stuhl des hl. Petrus und seiner Amtsnachfolger immerfort allen Ländern zufließt, ist der Gegenstand des heutigen Dankfestes.

Die protestantische Irrlehre hat die Wichtigkeit des Papsttums, des Stuhles Petri und seiner Nachfolger so gut begriffen, daß sie lange Zeit die größten Anstrengungen machte, Beweise aufzufinden, daß Petrus gar nie in Rom sich aufgehalten habe. Sie glaubte ganz richtig, daß sie, wenn ihr dieser Nachweis gelänge, die Autorität des römischen Bischofs vernichtet hätte und ein beständiges sichtbares Oberhaupt der Kirche mit Recht leugnen könnte. Allein die Resultate katholischer und protestantischer Forscher haben sonnenklar den Aufenthalt des hl. Petrus in Rom und damit die rechtmäßige Amtsnachfolge des römischen Bischofs bewiesen: Um die Katholiken gegen diese trügerische Anmaßung der Reformatoren im Glauben zu stärken, hat Papst Paul IV. im Jahre 1558 das kirchliche Andenken an die Aufrichtung des hl. Stuhles in Rom durch Petrus auf den 18. Januar festgesetzt und für den 22. Februar das Andenken an die Gründung der Kirche von Antiochia beibehalten; denn seit Jahrhunderten schon war an diesem Tage nur das Pontifikat des hl. Petrus gefeiert worden. –

aus: Otto Bitschnau O.S.B., Das Leben der Heiligen Gottes, 1880, S. 41 – S. 42

https://katholischglauben.info/die-stuhl...-petrus-zu-rom/


Bild: Corrispondenza Romana

Drei erschütternde Fragen Jesu an Petrus und seinen Nachfolger
Der päpstliche Stuhl bezeichnet unmißverständlich die herausragende Position des Papstes im Apostelkollegium, die durch den ausdrücklichen Willen Jesu zum Ausdruck kommt, der ihm und nur ihm, dem Simon Petrus die Aufgabe übertragen hat, Seine Lämmer zu weiden (Johannes 21,15-23). Dreimal fragte Jesus ihn: „Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese?“ Mit den drei Anfragen, die Christus an einen erstaunten und schließlich traurigen Petrus richtete, endet das Evangelium des Johannes. Drei Fragen von erschütternder Bedeutunng, die der Stuhl immer neu jedem Nachfolger des Petrus stellt, der dessen Erbe als Stellvertreter Christi auf Erden innehat und damit auch den Stuhl erbt.

AUSZUG AUS:
Einleitung und Übersetzung: Giuseppe Nardi
Erstveröffentlichung: Corrispondenza Romana

Liebe Grüße, Blasius


zuletzt bearbeitet 22.02.2020 09:00 | nach oben springen

#2

RE: Stuhlfeier des heiligen Petrus zu Rom

in Apostolische Schreiben 22.02.2020 08:57
von Blasius • 2.787 Beiträge




Fest: 22. Februar, 2020

Stuhlfeier des heiligen Petrus zu Antiochien


Bevor der heilige Apostelfürst Petrus Bischof von Rom und somit zum ersten Papst wurde, war er sieben Jahre lang Bischof von Antiochien, und weil alle Umstände im Leben des ersten Papstes von Wichtigkeit sind, deshalb erinnert die Kirche heute durch ein eigenes Fest an jenen Tag, an dem der heilige Petrus den bischöflichen Stuhl zu Antiochien bestieg. Es war sicher sehr richtig, dass die Hauptstadt des Orients, wo die Gläubigen zuerst den Namen Christen angenommen haben, den Fürsten der Apostel zum ersten Bischof hatte.

Die Stuhlfeier des heiligen Petrus ist sehr alt. Das Fest kommt schon in einem Kalender vor, den man um das Jahr 354 unter dem Papst Liberius verwendete. „In der ersten Kirche nämlich feierten die Christen, besonders aber jene im Orient, den Jahrestag ihrer Taufe. Sie erneuerten an diesem Tag auch die Gelübde, welche sie Gott gemacht haben, und dankten ihm, dass er sie aus Barmherzigkeit in die Zahl seiner Kirche aufgenommen hat. Auch die Bischöfe hatten den frommen Gebrauch, den Jahrestag ihrer Weihe zu feiern. So haben wir noch drei Reden, welche der hl. Leo am Jahrestag seiner Erhebung auf den päpstlichen Stuhl gehalten hat. Das Volk fuhr oft fort, selbst nach dem Tod der Bischöfe den Tag zu feiern, an dem sie geweiht worden sind. Dies ist der Ursprung der Stuhlfeier des hl. Petrus. Wir müssen“, sagt der hl. Leo, „dieses Fest mit ebenso großer Freude feiern, als wir den Martertod des Fürsten der Apostel feiern. Wir erinnern uns an demselben sowohl an seinen herrlichen Eintritt in den Himmel, als auch an seine Erhöhung zur Würde des ersten Hirten der streitenden Kirche.“

Danken wir Gott für die Gründung seiner Kirche und bitten wir ihn gleichzeitig um ihre Verbreitung. Sie ist jenes geistliche Reich, welches zu stiften Jesus Christus auf die Erde gekommen ist, und das er noch immer durch die sichtbaren Häupter der Kirche regiert. Wenn wir Jesus Christus wahrhaft lieben, wenn wir wünschen, dass er stets mehr verherrlicht wird, wenn uns das Heil unserer Schwestern und Brüder am Herzen liegt, so beten wir um die Bekehrung derer, die nicht glauben, so viel wir können. Gehen wir aber in unserer Liebe noch weiter. Wie viele Glieder der Kirche gibt es, die es mit dem Glauben und der Nachfolge Christi nicht ernst nehmen! Bitten wir Jesus, dass er sie durch seine Gnade belebe und das Reich seiner heiligen Liebe in allen Herzen fest begründe. Bitten wir auch darum, dass wir nie durch die Sünde von ihm getrennt werden, sondern in Gottes Liebe immer mehr befestigt werden.


Liebe Grüße, Blasius


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