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IMITATIO CHRISTI NACHFOLGE CHRISTI – Thomas von Kempen

in Schriften 25.06.2019 20:35
von Blasius • 2.497 Beiträge




Vorwort

Das Buch von der Nachfolge Christi hat bei den Gläubigen so allgemeinen Beifall erhalten, dass außer der Heiligen Schrift vielleicht kein anderes zu finden ist, welches sich so weit verbreitet hätte und in der katholischen Kirche so allgemein bekannt geworden wäre. Die gelehrtesten und heiligsten Männer haben sie allzeit hochgeschätzt, und Leute aus allen Ständen mit Nutzen und Vergnügen gelesen.

Der hl. Carolus Borromäus und der hl. Papst Pius V. ließen dasselbe nie von sich; sie nahmen es mit auf ihre Reisen und sahen es als einen Gefährten ihres Lebens an. Aus diesem Buche schöpfte der hl. Phillippus Nerius jene Heiligkeit, zu welcher er gelangt ist. Der hl. Ignatius von Loyola las, nach dem Zeugnisse des Gonzalez, täglich zwei Kapitel, eines nach der Ordnung, in welcher sie aufeinanderfolgen; das andere, wie es ihm bei der Öffnung des Buches ungefähr auffiel. Er tat dies nicht ohne besonderen Nutzen; und damit auch andere einen gleichen daraus ziehen möchten, unterließ er nicht, dasselbe nachdrücklich zu empfehlen.

Die Hochschätzung ist ohne Zweifel auf den inneren Wert des Werkes selbst gegründet; denn die Lehre, welche darin vorgetragen wird, ist die reine Lehre Jesu Christi, welche Er uns in Seinem heiligen Evangelium hinterlassen hat. Nichts wird darin öfter und nachdrücklicher empfohlen, als die bösen Neigungen zu bezähmen, sich selbst zu verleugnen, das Zeitliche zu verachten, das Kreuz zu lieben, andere geduldig zu ertragen, die Unbilden gern zu verzeihen, nach dem inneren Frieden und nach der Reinheit des Herzens zu trachten; mit einem Worte, Christus nachzufolgen und sich eifrigst zu bestreben, jene Glückseligkeit zu erreichen, welche für uns bestimmt ist. Obwohl nun diese Lehren der verderbten Natur nicht angenehm sein können, so sind sie doch auf eine solche Art vorgetragen, dass man sie nicht ungern anhören wird.

Dieses Buch ist für jedermann; für Junge und Alte; für Gelehrte und Ungelehrte; für Sünder und Gerechte; für jene, welche den Tugendweg erst angetreten haben, und auch für jene, welche schon zur christlichen Vollkommenheit gelangt sind. Alle werden daraus einen desto größeren Nutzen schöpfen, je weiter sie auf dem Wege der Tugend und Vollkommenheit fortschreiten. Sie werden hier eine unversiegliche Quelle antreffen; nachdem sie lange geschöpft haben, wird ihnen stets noch genug zu schöpfen übrig sein. Der eben so gottselige als gelehrte Kardinal Bellarmin sagte von sich selbst: „Ich habe diese Büchlein von Jugend auf bis in mein hohes Alter sehr oft gelesen und wieder gelesen, und es ist mir doch allzeit neu vorgekommen; auch jetzt find ich mein größtes Vergnügen daran.“

Der hl. Ignatius von Loyola, welchen wir schon oben angeführt haben, fand allzeit das darin, was gerade für den Zustand seiner Seele passend war; und eben dieses wird jeder andächtige Leser immer erfahren; besonders werden bedrängte Seelen vorzüglich darin Hilfe finden. Es braucht oft nicht mehr, als dieses Büchlein zu öffnen, um in der Traurigkeit Trost, in Zweifeln Rat, in der Anfechtung Stärke zu finden.

Wenn aber schon das nämliche Kapitel nach den Bedürfnissen des Lesers bald unterrichtet, bald tröstet, bald vom Bösen abschreckt, bald zum Guten antreibt, so wird es doch keineswegs unnütz sein, wenn man sich mit diesem Büchlein wohl bekannt macht und vorzüglich jene Kapitel merkt, welche für diese oder jene Umstände besonders tauglich sein möchten.

Das dritte Buch ist größtenteils gesprächsweise verfasst. Gott redet da mit dem Menschen und unterweist ihn, muntert ihn auf, tröstet ihn liebreich und stärkt ihn mit der Hoffnung der künftigen Glückseligkeit; und der Mensch redet wieder mit Gott; er trät Ihm seine Armseligkeiten vor, bittet Ihn um Licht und Stärke, überlässt sich Seinen heiligsten Anordnungen und wirft sich Ihm mit völligem Vertrauen in die Arme. Es ist notwendig, dass der Leser dieses bemerke und auf den Unterschied der Redenden acht gebe, weil ihm sonst die Sache oft unverständlich sein würde.

Das ganze vierte Buch handelt von dem heiligsten Altarsakrament, um uns diese hohe Geheimnis besser vor Augen zu stellen, unsern Glauben zu beleben, uns zum Vertrauen zu ermuntern, die Liebe in uns zu entzünden, und uns zum würdigen Empfang desselben vorzubereiten. Zu diesem Ende wird in mehreren Kapiteln die Vortrefflichkeit dieses heiligsten Sakramentes erwogen, und die Liebe des göttlichen Erlösers, welcher in demselben verborgen ist, zu Gemüte geführt.

Der gütige Gott wolle Sich würdigen, dieses Werk zu segnen, damit es zum Heil der Seelen und zu Seiner Ehre etwas beitrage.

Nützliche Ermahnungen zum geistlichen Leben

Erstes Kapitel

(1) Von der Nachfolge Christi und von der Verachtung aller Eitelkeiten der Welt.


1. Wer Mir nachfolgt, wandelt nicht in Finsternis, sagt der Herr. Dies sind Worte Christi, durch welche wir erinnert werden, Ihm in Seinem Leben und in Seinem Wandel nachzufolgen, wenn wir verlangen, wahrhaft erleuchtet und von aller Blindheit des Herzens befreit zu werden. Wir müssen also allen Fleiß anwenden, das Leben Jesu Christi zu betrachten.

2. Die Lehre Jesu Christi übertrifft alle Lehren der Heiligen; und wer den wahren Geist hätte, der würde da ein verborgenes Himmelsbrot finden. Es geschieht aber, dass viele auch aus der öfteren Anhörung des Evangeliums eine geringe Begierde nach demselben in sich empfinden, weil sie den Geist Christi nicht haben. Wer aber die Worte Christi vollkommen verstehen und einen Geschmack darin finden will muss sich befleißen, sein ganzes Leben nach dem Leben Jesu Christi einzurichten.

3. Was nützt es dir, dass du von der Dreieinigkeit Gottes hohe Dinge vorzubringen weißt, wenn es dir dabei an Demut mangelt und du deswegen dem lieben Gott missfällst? In der Tat, die hohen Worte machen weder heilig, noch gerecht; nur durch ein tugendhaftes Leben wird man Gott angenehm. Lieber ist mir, Zerknirschung des Herzens empfinden, als ihre Beschreibung wissen. Wenn du die ganze Heilige Schrift auswendig wüsstest, und wenn dir die Sprüche aller Weltweisen bekannt wären, was würde dir dieses alles ohne die Liebe Gottes und ohne die Gnade nützen? Eitelkeit über Eitelkeit, und alles ist Eitelkeit, außer Gott lieben und Ihm allein dienen. Die höchste Weisheit besteht darin, dass man die Welt verachtet und nach dem Himmel strebt.

4. Es ist also Eitelkeit, wenn man vergängliche Reichtümer sucht und auf diese seine Hoffnung setzt. Es ist Eitelkeit, wenn man nach Ehren strebt und sich zu einem hohen Stande zu erschwingen trachtet. Es ist Eitelkeit, wenn man den Begierden des Fleisches folgt und ein Verlangen nach jenen Dingen trägt, welche schwere Strafen nach sich ziehen. Es ist Eitelkeit, wenn man ein langes Leben wünscht, aber nicht daran denkt, gut zu leben. Es ist Eitelkeit, wenn man nur auf das gegenwärtige Leben acht gibt und nicht für das zukünftige sorgt. Es ist Eitelkeit, wenn man Dinge liebt, welche schnell vorübergehen, und nicht dahin eilt, wo die Freude ewig dauert.

5. Denke oft an jenen Ausspruch: „Das Auge wird nicht satt vom Sehen und das Ohr nicht satt vom Hören.“ Befleiße dich also, dein Herz von der Liebe sichtbarer Dinge abzuziehen und dich an das Unsichtbare zu gewöhnen; denn jene, welche ihrer Sinnlichkeit folgen, verunreinigen ihr Gewissen und verlieren die Gnade Gottes.

Zweites Kapitel

(2) Von der Geringschätzung seiner selbst.


1. Alle Menschen haben von Natur aus Wissbegierde; aber was nützt Wissenschaft ohne Furcht Gottes? Ein demütiger Bauer, welcher Gott dient, ist in der Tat viel besser als ein hoffärtiger Weltweise, welcher sich selbst vernachlässigt und auf den Lauf des Himmels Achtung gibt. Wer sich selbst wohl erkennt, dünkt sich in seinen eigenen Augen gering und hat keine Freude an dem Lobe der Menschen. Wenn ich alles wüsste, was in der Welt ist, wenn ich aber die Liebe nicht hätte, was würde es mir vor Gott helfen, welcher mich einst nach meinen Werken richten wird?

2. Unterdrücke die allzu große Wissbegierde, denn man verwickelt sich dadurch in viele Zerstreuungen und täuscht sich gar oft. Die Gelehrten verlangen gesehen und von anderen als Weise gepriesen zu werden. Es gibt viele Dinge, deren Kenntnis der Seele wenig oder gar keinen Nutzen bringt. Und jener ist gewiss sehr töricht, welcher auf etwas anderes bedacht ist, als was ihm zu seinem Heile dient. Viele Worte sättigen die Seele nicht, aber ein frommes Leben erquickt das Gemüt, und ein reines Gewissen flößt großes Vertrauen auf Gott ein.

3. Je mehr du weißt, und je besser du erfahren bist, desto strenger wirst du eins gerichtet werden, wenn du nicht auch zugleich heiliger lebst. Erhebe dich also nicht wegen einer Kunst oder wegen was immer für einer Wissenschaft, sondern fürchte dich vielmehr wegen eben dieser Kenntnis, welche dir gegeben worden ist. Wenn es dir scheint, du wissest vieles, und du verstehest es wohl, so musst du doch dafür halten, es sei noch viel mehr übrig was dir unbekannt ist. Bilde dir auf deine Wissenschaft nicht zu viel ein, sondern bekenne vielmehr deine Unwissenheit. Warum willst du dich einem anderen vorziehen, da es doch viele gibt, welche dich an Gelehrsamkeit übertreffen und in dem Gesetze größere Erfahrung haben als du? Wenn du etwas mit Nutzen zu wissen und zu lernen verlangst, so trachte, dass du verborgen bleibest und nimm es gerne an, wenn du für nichts geachtet wirst.

4. Die wahre Kenntnis und Verachtung seiner selbst ist die höchste und nützlichste Wissenschaft. Von sich selbst nichts halten, dagegen von anderen allzeit gute und rühmliche Gesinnungen haben, das ist große Weisheit und Vollkommenheit. Wenn du einen anderen offenbar sündigen oder schwere Verbrechen begehen siehst, so darfst du dich deswegen doch nicht für besser halten, weil du nicht weißt, wie lange du im Guten verharren wirst. Wir alle sind gebrechliche Menschen; aber niemand musst du für gebrechlicher halten als dich selbst.

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Drittes Kapitel

(3) Von der Lehre der Wahrheit.


1. Glückselig ist jener Mensch, welchen die Wahrheit selbst lehrt und zwar nicht durch bloße Vorstellungen und vorübergehende Worte, sondern wie sie in sich selbst ist. Unsere Meinung und unser Sinn betrügt uns oft und ist sehr kurzsichtig. Was für einen Nutzen bringen mühsame Untersuchungen über verborgene und dunkle Sachen, wegen welcher wir am Gerichtstage nicht werden zur Rede gestellt werden, wenn wir dieselben schon nicht gewusst haben? Es ist eine große Torheit, wenn wir das Nützliche und Notwendige vernachlässigen und freiwillig auf vorwitzige und schädliche Dinge aufmerken. Wir haben Augen, aber wir sehen nicht.

2. Und warum sollen wir uns lange über Streitigkeiten aufhalten, ob dieses oder jenes in dem allgemeinen Begriffe enthalten sei oder ob es zu einer besonderen Gattung gehöre? Jener, zu welchem das ewige Wort redet, wird von vielen zweifelhaften Meinungen befreit. Aus einem Worte ist alles, und alles gibt diesem Wort Zeugnis; und dieses Wort ist der Anfang und Ursprung, welcher zu uns redet. Ohne dieses Wort hat niemand einen Verstand, und es ist auch niemand fähig, ein vernünftiges Urteil zu fällen. Wer, statt auf andere Sachen zu sehen, sein einziges Augenmerk auf dieses richtet, wer alles auf dieses bezieht und alles in diesem betrachtet, der kann in seinem Herzen beständig sein und ruhig in Gott verharren. O Gott, Du ewige Wahrheit! Vereinige und mache mich eins mit Dir durch das Band der ewigen Liebe. Das viele Lesen und Hören macht mir oft einen Ekel; in Dir ist alles, was ich will und verlange. Alle Lehrer sollen schweigen und alle Geschöpfe vor Deinem Angesichte verstummen; rede Du allein zu mir!

3. Je mehr einer in sich selbst gesammelt ist und je mehr bei ihm innerlich alles nur auf einen Gegenstand abzielt, desto mehrere und höhere Dinge wird er ohne Mühe verstehen, weil er das Licht der Erkenntnis von oben herab empfängt. Eine reine, aufrichtige und beständige Seele wird auch bei vielen Geschäften nicht zerstreut, weil sie alles zur Ehre Gottes verrichtet und sich bestrebt, ihre Absichten von aller Eigenliebe rein zu erhalten. Wer hindert und beunruhigt dich mehr als die unabgetöteten Neigungen deines eigenen Herzens? Ein gottesfürchtiger und andächtiger Mensch bringt die äußerlichen Werke, welche er verrichten muss, zuerst in seinen Gedanken in Ordnung; er lässt sich von ihnen nicht zu Begierden einer sündhaften Neigung dahinreißen, sondern er weiß dieselbe nach dem Urteile der rechten Vernunft einzurichten. Wer muss einen härteren Kampf aushalten, als welcher sich bemüht, sich selbst zu überwinden? Und dieses sollte unser Geschäft sein, dass wir nämlich uns selbst überwinden, täglich mehr Herrschaft über uns selbst gewinnen und in der Tugend immer größere Fortschritte machen.

4. Auch die höchste Vollkommenheit, zu welcher man in diesem Leben gelangt, ist noch mit einiger Unvollkommenheit verbunden; denn alle unsere Einsichten und Kenntnisse sind nicht von aller Dunkelheit frei. Die demütige Erkenntnis seiner selbst führt viel sicherer zu Gott, als die tiefste Erforschung der Wissenschaft. Zwar darf man die Wissenschaft oder die Kenntnis irgendeiner Sache nicht tadeln; sie sind in sich selbst gut und von Gott angeordnet: doch ist ein gutes Gewissen und ein tugendhaftes Leben allzeit höher zu schätzen. Weil aber viele mehr bedacht sind, viel zu wissen, als gottselig zu leben: so geraten sie in viele Irrtümer und haben von ihren Bemühungen keinen oder doch nur wenig Nutzen.

5. O wenn doch diese Leute einen ebenso großen Fleiß anwenden würden, die Laster auszurotten und die die Tugenden einzupflanzen, als sie sich Mühe geben, spitzfindige Fragen aufzuwerfen, so würde nicht so viel Böses geschehen und kein so großes Ärgernis unter dem Volke herrschen, man würde auch in Klöstern keine so große Freiheit wahrnehmen. An dem letzten Gerichtstage wird man uns gewiss nicht fragen was wir gelesen, sondern was wir getan haben, nicht wie zierlich wir gesprochen, sondern wie gottesfürchtig wir gelebt haben. Sage mir, wo sind nun alle jene Herren und jene erleuchteten Lehrer, welche du wohl kanntest, da sie noch lebten, und welche wegen ihrer Wissenschaft so berühmt waren? Ihre Einkünfte besitzen nun andere; und vielleicht denken diese nicht einmal mehr an sie. In ihrem Leben schienen sie groß zu sein, und jetzt schweigt man von ihnen.

6. O wie geschwind vergeht die Herrlichkeit der Welt! Wollte Gott, sie hätten ihr Leben nach ihrer Wissenschaft eingerichtet, dann würden sie mit Nutzen studiert und gelesen haben. Wie viele gehen in der Welt wegen ihrer eitlen Wissenschaft zugrunde, weil sie sich um den Dienst Gottes wenig bekümmern und weil sie lieber groß als demütig sein wollen, so gehen sie mit lauter eitlen Gedanken um. Wahrhaft groß ist, wer eine große Liebe hat; wahrhaft groß , wer in seinen Augen klein ist und alle Ehrenstufen für nichts achtet; wahrhaft bescheiden ist, wer alles Irdische für nichts achtet, damit er Christus gewinne; und wahrhaft gelehrt ist, wer seinen eigenen Willen verlässt und den Willen Gottes tut.

Liebe G rüße Blasius

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