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Naher Osten Papst bewirkt "kleines Wunder"

in Katechese 27.05.2014 16:36
von blasius (gelöscht)
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Naher Osten Papst bewirkt "kleines Wunder"

Benediktinerpater über die Reise von Franziskus ins Heilige Land
Moderation: Nana Brink


Pater Nikodemus von der Benediktiner-Abtei in Jerusalem wertet die Reise von Papst Franziskus als großen Erfolg - für die Annäherung der christlichen Kirchen und zwischen den Religionen. Auch für die Versöhnung von Israelis und Palästinensern habe er mehr erreicht, als zu hoffen war.

Nana Brink: Seit letzten Samstag reist Papst Franziskus durch den Nahen Osten, hat Bethlehem besucht, wo nach biblischer Überlieferung Jesus Christus geboren wurde. Und auch die palästinensischen Gebiete. Millionen Christen pilgern ja jedes Jahr zu den biblischen Stätten im Heiligen Land, aber die christlichen Gemeinden dort werden immer kleiner. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung macht noch etwa zwei Prozent aus und sie sind zunehmenden Druck ausgesetzt. Pater Nikodemus ist der Sprecher der Benediktiner-Abtei auf dem Zionsberg in Jerusalem. Schönen Guten Morgen, Pater Nikodemus.
Pater Nikodemus: Guten Morgen.

Nana Brink: Wie haben Sie denn den Besuch des Papstes bislang erlebt?

Pater Nikodemus: Ja, intensiv. Ich meine, was er sich da zumutet, also Chapeau für einen Mann in seinem Alter: drei Tage, drei Staaten, viele Themen. Sehr beeindruckend fand ich Bethlehem, wo ich in der Messe wirklich konzelebrieren durfte, teilnehmen durfte, auch sehr, sehr dicht dran war am Geschehen. Er hat eine Persönlichkeit, die überzeugt. Und, Jordanien habe ich sehr stark empfunden als das Thema wirklich der Flüchtlinge, der Behinderten, der Menschen am Rande. Ich denke das, was ja schon immer sein ganzes Pontifikat begleitet, wirklich die Ärmsten der Armen, da einen Blick für zu haben. Das war auch in Palästina sehr, sehr stark.

Dann natürlich gestern Abend, ich denke der absolute Höhepunkt: Das Treffen von ihm und dem ökumenischen Patriarchen von Bartholomäus, diese innerchristliche Ökumene, dieser Schub, dass wirklich der Bischof von Alt-Rom, der Papst, und der Bischof von Neu-Rom, der ökumenische Patriarch, diese beiden großen Player der Ökumene sich da getroffen haben - und eben daran gedacht haben, das ist ja der Anlass des Besuches vor dem 50-Jahr-Jubiläum vom Treffen von Papst Paul VI. und Patriarch Athenagoras, was damals ja wirklich eine Eiszeit beendet hat. Und ich glaube, die beiden haben der Ökumene da wirklich einen neuen Schub gegeben.

Und eben heute am Montag stehen interreligiöse Begegnungen auf dem Programm, das mit den Juden und mit den Muslimen. Und da erhoffe ich mir auch viel. Was mich sehr beeindruckt hat, war gestern. Ich saß eben in Bethlehem direkt hinter Abraham Skorka, dem Rabbiner. Also, er saß wirklich vor mir ein Mann mit schwarzer Kippa in Bethlehem und hat an der Messe teilgenommen. Neben ihm Omar Abud, der Muslim, der Imam, der ja auch Teil der Entourage ist. Also, der Papst kommt ja zum ersten Mal mit einem Rabbiner und einem Imam, also Spitzenvertretern von Islam und Judentum aus seiner Heimat, aus Argentinien.

"Seine gesamte Reise ist eher Versöhnung als zuzuspitzen"

Das fand ich beeindruckend, da dachte ich: Was ist das denn jetzt für eine Situation eigentlich? Wir sind in Palästinenser-Gebieten, wo eigentlich ein Jude natürlich gleich assoziiert wird mit Siedler, Soldat und sonst etwas. Und hier sitzt einfach jemand, ja, und er gehört dazu und es passt. Und neben ihm der Muslim, und es ist alles so selbstverständlich. Und das war für mich so ein kurzer Moment, denke ich, ja, es könnte so schön und so einfach eigentlich alles sein.

Nana Brink: Dann bleiben wir doch einmal bei diesem Moment. Papst Franziskus hat ja zur Versöhnung aufgerufen zwischen Israelis und Palästinensern. Überhaupt ist ihm ja der Gedanke der Versöhnung auch wichtig. Hat der Pontifex auch Stellung genommen zum Konflikt zwischen Christen und Juden?

Pater Nikodemus: Nein, also das erwarte ich auch heute nicht mehr, dass das noch drankommt. Er war nicht so der Lautsprecher, nicht der, der jetzt sozusagen verbal da irgendwie so da wirklich etwas raushauen will, sondern ich glaube, er kommt ja wirklich immer rüber als jemand, der Frieden stiften will, der versöhnen will. Und auch eben sein Aufruf in Bethlehem, wirklich zu sagen, o.k., also Peres und Abbas, na dann kommt doch zu mir in den Vatikan, dann schauen wir auch noch einmal, also ....

Nana Brink: Das haben sie ja tatsächlich gemacht. Sie haben dem ja zugestimmt.
Pater Nikodemus: Ja, genau. Sie haben dem zugestimmt. Also, ich meine, ein kleines Wunder. Als ich das gehört habe, dachte ich, oje, oje, oje, was macht er jetzt? Aber manchmal geschieht das, was man sich nicht zu hoffen traut. Aber eben, wie gesagt, ich denke, das ist erst der Brückenbauer. Und ich glaube, wenn er Konflikte zu stark zuspitzen würde, würde er eher wieder ein Medienecho hervorrufen, wo Leute aufstehen und sagen, ja, der Papst polarisiert, dieser Papst wirft quasi verbal Brandsätze und so und so. Ich glaube, das ist nicht sein Stil. Ich glaube, seine gesamte Reise ist eher Versöhnung, Friede, Brücken bauen eben als zuzuspitzen.

Nana Brink: Sie sind ja Sprecher der Benediktiner-Abtei auf dem Zionsberg in Jerusalem, kriegen alles auch sehr hautnah mit. Immer wieder sind ja die christlichen Gemeinden in Israel von radikalen Vertretern der Siedlerbewegung angegriffen worden, auch das Büro der katholischen Bischofskonferenz. Da standen dann so Sprüche, wie: "Tod den Arabern, den Christen und allen, die Israel hassen." Wie gehen Sie damit um?

Pater Nikodemus: Ja, was Sie ansprechen, ist eine Realität, die man nicht verleugnen kann, leider. Wir waren auch schon betroffen. Beide unserer Klöster. Wir haben noch ein Kloster am See Genezareth, Tabgha, was in Israel liegt. Und eben unsere Abtei hier in Jerusalem, genau zwischen West- und Ost-Jerusalem. Wir haben das auch erlebt mit Graffiti: "Tod den Christen" und solche Sachen. Mit zerschlitzten Autoreifen und Spuckattacken täglich. Ja, es gehört dazu.

Was ich jetzt einmal sagen muss, um das vielleicht einzuordnen: Es geht hier nicht darum, die Juden greifen die Christen an. Wir reden hier von einer wirklichen Splittergruppe von Ultranational-Religiösen, die einer sehr primitiven Logik folgen. Die auch nicht nur uns Christen angreifen, sondern auch Moscheen, auch andere Juden, die nicht in ihr Weltbild passen. Aber auch eben die staatliche Gewalt von Polizei und Militär. Es sind halt Leute, die sagen o.k., wenn ein Siedlungsaußenposten geräumt wird, muss dafür ein Preis gezahlt werden. Deswegen nennt man die Sachen auch Preisschild-Attacken, weil sie eben oft eine Unterschrift geben.

"Falsch verstandene Toleranz"

Die große Mehrheit der Leute, und das ist das, was mich wirklich auch beruhigt oder wo ich mich auch beschenkt fühle, die Gesellschaft ist absolut solidarisch. Und ich glaube, wir als Abtei hatten noch nie so viele Rabbiner und noch nie so viele jüdische Freunde, wie in den Tagen, wo wirklich diese Gewalt gegen uns zunimmt, wo viele sagen, wir sind auf Eurer Seite, wir schämen uns dafür und das Judentum hat ein anderes Gesicht. Was wir auch wissen. Ich meine, man muss sich auch klarmachen, auch der Islam hat ein anderes Gesicht als nur sein Islamismus. Auch das Christentum hat ein anderes Gesicht als nur Fundamentalismus. Ich denke, da gibt es wirklich große Gesten des Brückenbauens.
Wovon ich enttäuscht bin, und da muss ich leider ehrlich sein, ist wirklich die offizielle Politik. Ich meine, so sehr mich Rabbiner besuchen und normale Menschen uns anrufen und uns Solidaritätsbriefe schreiben, so sehr vermissen wir eine klare Haltung der Politik und ein klares Vorgehen der Polizei gegen diese Täter. Da gibt es eine falsch verstandene Toleranz und ich habe Angst, dass Israel sich da selbst keinen Gefallen tut. Weil, wenn ein Rechtsstaat anfängt, in seinen eigenen Reihen Leute zuzulassen, die selbst Recht setzen, die sich selbst außerhalb der staatlichen Ordnung sehen, die sich quasi wie Cowboys verhalten. Das tut keinem Rechtsstaat gut und das wünsche ich mir nicht für Israel.
Nana Brink: Ein klares Wort von Pater Nikodemus von der Benediktiner-Abtei in Jerusalem. Der Papst ist heute auch in Jerusalem. Schönen Dank Pater Nikodemus für das Gespräch.
Pater Nikodemus: Ja, danke Ihnen.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio Kultur macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

Quelle:

http://www.deutschlandradiokultur.de/nah...ticle_id=287429


zuletzt bearbeitet 27.05.2014 16:37 | nach oben springen


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