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Ich vergesse dich nicht (8. So im JK, Jes 49,14-15; Mt 6,24-34)

in Katechese 20.02.2015 21:03
von Kristina (gelöscht)
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Ich vergesse dich nicht
(8. So im JK, Jes 49,14-15; Mt 6,24-34)
von Pater Stefan



Folgende Szene ist uns allen sicherlich vertraut, wenn eine Mutter ihr kleines Baby in den Armen hält, es wiegt, herzt, mit ihm schmust, bedächtig mit ihm spricht, kurz gesagt, einfach liebevoll mit ihm umgeht. Nicht selten springt dann der Funke beim Betrachter über, eine positive Stimmung breitet sich aus. Intuitiv spüre ich dann, bestimmt auch Sie, dass eine Mutter mit Fürsorge, Liebe, Geborgenheit, Zärtlichkeit, Trost und Schutz in Verbindung gebracht werden kann.


Genau daran denkt auch der Prophet Jesaja, wenn dieser das Wesen Gottes mit der Beziehung einer Mutter zu ihrem Kind vergleicht. Die heutige kurze I. Lesung aus dem Buch Jesaja ist deshalb eine wirkliche Trostbotschaft. Dieses Prophetenwort wird in eine prekäre, aussichtslose Situation den Gläubigen verkündet, mitten in den Wirren und Bedrängnissen des Babylonischen Exils. Die Juden sind in diese Gefangenschaft verschleppt worden. Nun stehen sie in der Gefahr der Assimilierung mit ihrer heidnisch dominierten Umgebung. Ihr kultischer Mittelpunkt, der Tempel in Jerusalem, ist zerstört. Darum macht sich in dieser Herausforderung Ernüchterung und depressive Stimmung breit: „Der Herr hat mich verlassen, Gott hat mich vergessen“ (Jes 49,14). Auf diese Klage gibt Gott folgende Antwort: „Kann denn eine Frau ihr Kindlein vergessen, eine Mutter ihren leiblichen Sohn?“ (Jes 49,15). Auf die Anklage an Gott hätten wir eventuell mit einer anderen Antwort Gottes gerechnet. Gott macht seinem Volk keine Vorwürfe, auch wenn es eigentlich selbst für dieses Schicksal verantwortlich ist. Wegen Treuebruch gegenüber Gottes Geboten haben sich die damaligen Juden in dieses Schicksal gebracht. Selbst als das Nordreich unterging und die Juden dort zwangsweise ausgesiedelt wurden, steuerte das Südreich trotz Prophetenwarnungen auf das gleiche Schicksal zu. Es ist eben die alte Entscheidung vor dem das Volk stand und zu allen Zeiten die Gläubigen immer wieder stehen werden, wovon Christus im Tagesevangelium heute spricht: „Niemand kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird zu dem einen halten und den anderen verachten. Ihr könnt nicht beiden dienen: Gott und dem Mammon“ (Mt 6,24).

Doch auch wenn wir uns immer wieder durch die Sünde gegen Gott entscheiden und den Götzen frönen, zieht Gott seinen Kindern gegenüber keinen endgültigen Schlussstrich. Eine irdische Mutter oder ein Vater wären fähig gegenüber ihren Nachkommen sich der Verantwortung zu entziehen, oder gar gegen sie zu handeln. Solche Negativbeispiele sahen wir in den vermehrten Kindstötungen in der letzten Zeit, solche Verirrungen sehen wir bei der Abtreibungsproblematik, oder beim Familiendrama im österreichischen Amstetten. „Und selbst wenn eine Mutter ihr Kind vergessen würde: ich vergesse dich nicht“ (Jes 49,15), so lautet stattdessen Gottes Zusage.

Gott ist auch im Alten Testament, wie ihn Jesus bezeichnet hat, der „Abba“. Das Wort „Abba“ bedeutet nicht einfach lediglich „Vater“, sondern die genauere Übersetzung wäre „Väterchen“, „Papa“. Die heutige alttestamentliche Lesung bewahrt uns davor das Gottesbild im Alten Bund gegenüber dem des Neuen ausspielen zu wollen, wie es häufig geschieht. Es ist eben nicht nur die Gerechtigkeit Gottes, die im Alten Testament als Eigenschaft Gottes hervortritt. Er ist der gleiche liebende Vater, wie ihn Jesus uns gerne vorstellt. Wenn das Verhältnis Mensch und Gott ein so fürsorgendes, zärtliches und liebendes ist, dann hat dies auch Konsequenzen für uns. Unsere Beziehung zu Gott müsste von tiefer Zuversicht und Vertrauen geprägt sein. Selbst wenn wir in Krankheit, Tod, Schicksalsschlägen oder sonstige Leidsituationen geraten, darf dieses unser Verhältnis zu Gott nicht erschüttern. Unsere Entscheidung muss dann auch für Gott und nicht dem Mammon gelten (vgl. Mt 6,24). Gerade wenn wir meinen: „der Herr hat mich verlassen, Gott hat vergessen“ (Jes 49,14), dann gilt Gottes Zusage: „Ich vergesse dich nicht“ (Jes 49,15).

Sicherlich tröstlich ist Christus selbst, der am Kreuz die Gottverlassenheit durchleiden wollte: „Mein Gott mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Mk 15,37). Doch dies war nicht alles, denn der Evangelist Lukas überliefert als letztes Wort des sterbenden Heilands: „Vater in deine Hände lege ich meinen Geist“ (Lk 23,46). Aber nicht nur der Gottmensch zeigt uns in welchem Verhältnis wir zu Gott stehen können. Auch uns Menschen ist dies möglich, wie die Heiligen es uns zeigen.

Die Hl. Kirchenlehrerin Therese von Lisieux vergleicht den Lebensweg mit einer Treppe, die man hinaufsteigt. Weil sie wie ein kleines Kind ist, ist sie zu schwach zum Aufstieg und sie setzt sich auf die Stufen nieder. Aber der liebende Vater kommt entgegen und trägt sein Kind die Treppe hinauf. Dieses Ausruhen bedeutet keine Passivität im Leben, sondern ist die kindliche Lebenseinstellung auf Gottes Fürsorge und Hilfe zu bauen. Darum meint die Hl. Therese auch: „Die Heiligkeit besteht nicht in dieser oder jener Übung; sie besteht in der Einstellung des Herzens, die uns in den Armen Gottes demütig und klein macht, in der wir uns unserer Schwachheit bewusst sind und bis zur Verwegenheit auf die Güte des Vaters vertrauen.“

Um diese Einstellung auf unserem persönlichen Weg zur Heiligkeit müssen wir uns immer wieder bemühen und beten. Dieses sollte unsere einzige Sorge sein, dann geht es uns „um Gottes Reich und um seine Gerechtigkeit“ (vgl. Mt 6,38). Dann ignorieren wir Gottes Zuspruch nicht: „Ich vergesse dich nicht“ (Jes 49,15).


„Außerhalb der Kirche kein Heil"
(Katechismus der Katholischen Kirche Absatz 3, 845)
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