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Und der Papst schweigt

in Katechese 13.10.2014 22:52
von blasius (gelöscht)
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Und der Papst schweigt

Veröffentlicht am 12. Oktober 2014

Papst Franziskus leitet das Morgengebet bei der Bischofssynode in rom






Morgengebet bei der Synode


So sieht man Papst Franziskus selten: Sitzend und schweigend. Vor ihm die Teilnehmer der Synode, neben ihm das Präsidium und die anderen Funktionsträger. Aber er beteiligt sich nicht an der Debatte, sondern hört zu.

Die Bilder, die wir kennen, zeigen einen dynamischen Papst, einen der spricht und kommuniziert. Und in den Pausen sehen wir auch immer diesen Papst, morgens wenn er kommt schüttelt er den Schweizergardisten die Hände und jedem, der gerade auch ankommt. In der Pause steht er in der Halle unten unter all den anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, spricht, scherzt, begrüßt. Wie wir ihn halt kennen.

Es wäre ja auch gefährlich, würde er selber das Wort ergreifen. Auf einmal würde sich die Debatte nicht mehr wie offener Meinungsaustausch verhalten, sie würde sich um die Worte des Papstes gruppieren. Die Synode wäre nicht mehr frei, sondern hätte Vorgaben.

Die Beteiligung des Papstes sieht anders aus. Zuerst ist da die Tatsache, dass man sich überhaupt trifft, zu diesem Thema. Dann ist da die geänderte Methodik. Die mag hier und da noch etwas haken, einige Teilnehmer konnten sich mehr von ihren vorbereiteten Statements lösen, andere weniger, was natürlich auch an den vielen anwesenden Sprachen lag. Aber die Methodik hat ihre Wirkung auf die Offenheit der Debatte gehabt, und das ist sicherlich auch der Beteiligung des Papstes zu verdanken.



Offenheit der Debatte



Franziskus hat als Kardinal Bergoglio zwei kirchliche Veranstaltungen dieser Art prägend erlebt. Da war zum einen die zehnte ordentliche Generalversammlung der Bischofssynode im Vatikan 2001. Der Relator – also derjenige, der die Beratungen zusammen fasst und dann den Text zur Abstimmung vorlegt – war der New Yorker Kardinal Edward Egan, der aber nach den Anschlägen in New York nicht kommen konnte. Also wurde Jorge Bergoglio zum „beigeordneten Generalrelator“ ernannt und er übernahm diese äußerst wichtige Aufgabe. Das Thema der Versammlung war das Bischofssamt, ein Thema, das Bergoglio und auch Franziskus immer wieder beschäftigt: Der Hirte.

Dann ist da Aparecida. Auch hier wurde Kardinal Bergoglio die Verantwortung für die Redaktion des Schlussdokumentes anvertraut. Die Bischöfe Lateinamerikas hatten sich versammelt, um ein Grundlagendokument zur Pastoral zu erstellen, debattieren und abzustimmen, Kardinal Bergoglio hat dort Erfahrungen gemacht, die sicherlich auch bei den Planungen zur jetzigen Versammlung der Bischofssynode eine Rolle spielen.



Erfahrungen aus Aparecida



Es gibt viele Darstellungen der Rolle von Kardinal Bergoglio bei dieser Versammlung, ich selber habe mit nur wenigen Teilnehmern dort sprechen können aber alle stimmen überein, dass er einer der prägenden Teilnehmer war. Er habe im Mittelpunkt gestanden, seine Predigt sei die einzige gewesen, die von den Menschen mit Applaus bedacht wurde, und so weiter. Das Papier aber steht auch ohne ihn. Die Mission der Kirche in Lateinamerika, wie sie dort beschrieben ist, ist auch ohne ihn lesbar, man muss Bergoglio nicht kennen, um sie nachvollziehen zu können. Und das ist wahrscheinlich die eigentliche Stärke des Textes: Einzelne haben großen Einfluss ausgeübt, aber die Bedeutung des Textes hängt nicht an den Einzelnen.

Neu ist bei Jorge Mario Bergoglio nur wenig. In diesem Blog habe ich immer wieder versucht zu zeigen, wie das eine oder das andere auf frühere Texte oder Äußerungen zurück geht, wie Pater Bergoglio oder der Erzbischof Bergoglio das geprägt haben, was jetzt Papst Franziskus sagt. Es ist also nur fair anzunehmen, dass das auch bei dieser Versammlung gilt.

Der Einfluss, den der Papst auf die Bischofssynode hat, liegt also nicht so sehr in den Äußerungen oder darin, dass er versuchen würde, den Inhalt zu beeinflussen. Das tut er dezidiert nicht.

Aber das ganze Setting ist seines, er hat Erfahrung mit Texten, die nachher die Pastoral beeinflussen sollen, er weiß um die innere Dynamik offener Debatten, auch um die kontroversen Themen und wie damit umzugehen ist.

Wenn der Papst also in diesen Tagen nur zum Gebet die Stimme erhebt, dann heißt das nicht, dass er nur hört.



Keine schnellen Änderungen



Ein Wort der Warnung: Am Montag den 20. Oktober, am Tag nach der Synode, wird die Welt immer noch so sein wie vorher und auch die katholische Kirche. Wandel geschieht graduell, nicht in einem Umbruch. Und dieser Papst will die Menschen mitnehmen, nicht etwas aufdrücken. Also wird es dauern, bis das, was hier besprochen ist, ankommt. Es hängt ja auch von den Bischöfen ab, das zu vermitteln, das wird ihre Aufgabe sein.

Es wird kein Ukas kommen, wie in Zukunft die Kirche zu sein hat. Bei aller Schwierigkeit der Themen: Ein schweigender Papst, für den wie er selber sagt die Zeit wichtiger ist als der Raum, der also auf Prozesse setzt und nicht auf das halten von Positionen, hat viel nachhaltigeren Einfluss als einer, der aktiv einzugreifen versuchen würde.

http://blog.radiovatikan.de/und-der-paps...eigt/#more-8102

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