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#236

RE: Stufen zur Vollkommenheit

in Leben und Sterben 15.06.2026 22:09
von Aquila • 7.737 Beiträge

Gelobt sei Jesus Christus !

Durch die Sendung des Heiligen Geistes widerfährt der Seele das unermessliche Gnadengeschenk der Teilhabe am intimsten Geheimnis des Innenlebens des Dreifaltigen Göttlichen Lebens.
Der Heilige Geist ist das Intimste überhaupt, was uns von Seiten Gottes geschenkt werden kann:
Gott verschenkt sich in Seiner Dritten Person als das Hervorgehen aus dem Vater und dem Sohne;
das Ewige Band der Liebe zwischen der Liebesbewegung des Vaters hin zum Sohne und vom Sohne hin zum Vater.
Wie schon im vorigen Beitrag angedeutet, ist der Mensch berufen zur Anteilhabe an diesem Mysterium des Dreifaltigen Göttlichen Innenlebens.
Und Gottes Liebe drängt dazu, dass der Mensch schon auf Erden im Rahmen seiner menschlichen Fassungskraft dieser Anteilhabe gewahr werden könne.
Im Streben nach Vollkommenheit macht sich der bereitwillige Mensch auf, die Stufen der Läuterung zu erklimmen - jene der Sinne (aktiv durch Mitwirkung des Menschen) und - je nach Gottes Fügung - auch diejenige des Geistes ( passiv, d.h. durch Gottes Einwirkung). Letztere ist es dann auch, die die Seele mehr und mehr gleichförmig macht mit dem Willen Gottes.

Wer sich intensiver mit dieser Thematik befassen möchte, sei als Erstes das Werk "Die dunkle Nacht" vom hl. Johannes v. Kreuz ermpfohlen, danach jenes mit dem Titel "Aufstieg zum Berge Karmel".
Die späteren Werke "Worte von Licht und Liebe", "Der geistliche Gesang", "Die lebendige Liebesflamme" werden dann im fortgeschrittenen Läuterungsstadium dienlich sein.


Die Schönheit einer geläuterten Seele kommt einem geschmückten Gemache gleich, in dem sich der König freudig niederlässt; Gottes zunächst Vermählung und dann die Liebeseinung mit einer solchen Seele.

Dies ist die Thematik des Hohenliedes in der Heiligen Schrift.
Das Begehren Gottes - des Bräutigams - nach seiner Braut - der geschmückten ( geläuterten) Seele - um diese Seine liebende Zärtlichkeit zuteil werden zu lassen. Der hl. Johannes v. Kreuz lehrt, dass
das "Brenneisen" dieser Liebe Gottes der Heilige Geist ist ! (Der Sohn ist ferner die Berührung und der Vater die Umarmung Gottes ).
Er ist es, der die Seele mit einer Liebe von unermesslicher Weite und Tiefe erfüllt, geborgen in der Anteilhabe am Ewigen Leben des Dreieinigen Gottes.

Hören wir einen weiteren Vers aus dem Hohenlied in der Komposition von Hw Gioseffo Zarlino (1519-1590); vorgetragen vom Ensemble "Plus Ultra"
Der Vers beschreibt die Sehnsucht einer Gott liebenden Seele, die solange nicht ruht, bis sie - trotz aller Widerstände - im Schosse Seines Geliebten - Gottes zärtlichen Liebe - sich geborgen weiss.





In lectulo meo per dies quaesivi quem diligit anima mea.
Quasivi illum, et no inveni.
Surga, et circuibo civitatem,
per vicos et plateas quaeram quem diligit anima mea.
Invenerunt me vigiles, qui custodiunt civitatem,
Num, quem diligit anima mea, vidistis ?
Paululum cum pertranissem eos, inveni quem diligit anima mea.
Tenui eum, nec dimittam, donec introducam illum in domum matris meae.
et in cubiculum genitricis.

In meinem Bett tagelang suchte ich den, den meine Seele liebt.
Ich suchte ihn und hab ihn nicht gefunden.
Ich werde aufstehen und in der Stadt herumgehen
durch die Strassen und Höfe und werde den suchen, den meine Seele .
Ich suchte ihn und habe ihn nicht gefunden.
Die Wächter, die die Stadt bewachen, fanden mich.
Habt ihr den gesehen, den meine Seele liebte ?
Als ich gerade an ihnen vorüber war, da fand ich ihn, den meine Seele liebt.
Ich hielt ihn und werde ihn nicht loslassen, bis ich ihn in das Haus meiner Mutter bringe,
in die Kammer derer, die mich gebar.

-


zuletzt bearbeitet 15.06.2026 22:09 | nach oben springen

#237

RE: Stufen zur Vollkommenheit

in Leben und Sterben 27.06.2026 19:56
von Aquila • 7.737 Beiträge

Gelobt sei Jesus Christus !


Im letzten Beitrag haben wir gesehen, dass der hl. Johannes v. Kreuz (1542-1591) den Heiligen Geist als "Brenneisen" der Liebe benannt hat.
Seinem Werk "Die lebendige Liebesflamme" steht eines seiner Gedichte zu Grunde.
Es lautet:

-
1. O Flamme von Liebe lebendig,
die du zärtlich verwundest
meine Seele in tiefster Mitte!
Da du nicht mehr quälend bist,
komm schon ans End’, wenn’s dir gefällt;
zerreiß den Schleier zur süßen Begegnung!

2. O Brenneisen zärtlich!
O Wunde wonnetrunken!
O milde Hand, o zartkosende Berührung,
die schmeckt nach ewigem Leben
und alle Schuld begleicht!
Tötend hast Tod du in Leben getauscht.

3. O Leuchten von Feuer,
in deren Strahlen
die tiefen Höhlen des Sinnes,
der dunkel und blind war,
mit wundersamen Aufgipfelungen
Wärme und Licht zugleich ihrem Liebsten spenden!

4. Wie sanft und liebkosend
erwachst du in meinem Schoß,
wo du allein insgeheim wohnest!
Und in deinem köstlichen Hauch,
von Gutem und Herrlichkeit voll,
wie zartkosend machst du mich verliebt!

-

Dieses Gedicht zeugt von der dem Heiligen bereits im irdischen Leben zuteil gewordenen Gotteinung.
Der Heilige Geist ist jenes "Brenneisen", dessen Liebes-Wunde die Seele trifft als das "Erwachen Gottes" in der Seele !
Der hier liebende Mensch liebt Gott im Heiligen Geiste als der personifizierten Liebe der Allerheiligsten Dreifaltigkeit. Nur so kann der Mensch die ihm durch Gott zuteil gewordene Liebe auch erwidern.
Dieses Gedicht besingt und bejubelt die Vermählung der Seele mit Gott - die Gotteinung.

In derselben Strophe, wo das "Brenneisen" erwähnt wird, schreibt der hl. Johannes v. Kreuz auch über eine "zartkosende Berührung" (denken wir an die hl. Kommunion !) und eine "milde Hand".
Wunderschöne Umschreibungen für das Wirken Gottes in Seiner Allerheiligsten Dreifaltigkeit; doch hören wir ihn selbst:

-
"Das erste ist eine Wunde, wonnetrunken, und dieses schreibt er dem Heiligen Geist zu; deswegen nennt er ihn "Brenneisen".

Das zweite ist das Verschmecken ewigen Lebens, und dieses schreibt er dem Sohn zu; deshalb nennt er Ihn "zartkosende Berührung".

Das dritte ist, Ihn sich gleichgeschaltet zu haben, was die Schuld ist, mit der der Mensch gut ausbezahlt worden ist, und dieses schreibt er dem Vater zu; deshalb nennt er Ihn "milde Hand"".

Und auch wenn er hier aufgrund der Eigenschaften ihrer Wirkungen alle Drei benennt, so spricht er, wenn er sagt: "in Leben hast Du getauscht" doch nur Einen an, denn im Wirken sind sie alle eins
...."

-

Der hl. Johannes v. Kreuz umschreibt in seinem Gedicht die von ihm erfahrene Gotteinung.
Um diese erfahren zu dürfen, musste auch er zuvor durch die Läuterung der Sinne und des Geistes.
Diese Läuterung erfährt ein Mensch, den Gott nach und nach zur geistlichen Vermählung führen will.




Hören wir einen Vers aus dem "Hohenlied", vertont vom Priester und Komponisten Gioseffo Zarlino (1519-1590); vorgetragen vom Ensemble "Plus Ultra":

Der Vers besingt die - trotz aller Hindernisse - unbändige Sehnsucht der Gott liebenden Seele nach ihrem Geliebten:




Capite nobis vulpes parvulas quae demoliuntur vineas
nam vinea nostra floruit.
Dilectus meus mihi et ego illi, qui pascitur inter lilia,
donec aspires dies, et inclinentur umbrae;
Revertere;
similius esto diliecete mi capreae hinnuloque cervolum, super montes Bather.

Fangt uns die Füchse, die die Weinberge zerstören,
denn unser Weinberg blüht.
Mein Freund ist mein, und ich bin sein, der unter den Lilien weidet.
Bis der Tag atmet und die Schatten sich neigen,
komm zurück mein Geliebter,
wie die Gazelle oder wie der junge Hirsch auf den Bergen von Bether.


-


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#238

RE: Stufen zur Vollkommenheit

in Leben und Sterben 13.07.2026 23:04
von Aquila • 7.737 Beiträge

Gelobt sei Jesus Christus !

In zwei kurzen einprägsamen Sätzen benennt Hw Buchholz vom traditionsverbundenenInstitut Christkönig und Hoherpriester das Wesen der Gnadengaben:
-

"Gott schenkt Gnaden, um durch den Willen zur Mitarbeit an ihnen Seinen Willen geschehen zu lassen.
Er schenkt Gnaden nicht für Irgendwas wie etwa für "Selbstverwirklichung"; dafür gibt es keine Gnaden."

-
Tag für Tag wird uns die Richtigkeit dieser Aussage vor Augen geführt;
"Selbstverwirklichungs-Gesellschaften" am Rande des Abgrundes.
Niemand findet zum Seelenheil, der seinen eigenen Willen tut.

In der "Nachfolge Christi" von Thomas v. Kempen finden wir eine sehr schöne Darlegung der Göttlichen Vorsehung:

-

"Du weisst alles und jedes, und selbst das Gewissen des Menschen enthält für dich kein Geheimnis.
"Du kennst das Zukünftige, bevor es eintrifft",
Du hast nicht nötig, dass einer Dich belehre oder ermahne über das, was auf Erden vor sich geht.
Du weisst, was meinem Fortschritt dient,
und wie sehr das Leid geeignet ist, den Rost der Fehler hinwegzufegen


-
Oder wie es derhl. Ludwig Maria Grignion von Montfort angemahnt hat:
-

"Wer bei seinen Gebeten nicht Gott, sondern sich selber sucht, wird nicht erhört werden,wohl aber derjenige,der in seinen Gebeten nur Gott und dessen heiligsten Willen sucht."

-

Hw Michael Schmitz, Generalvikar vom Institut Christkönig und Hoherpriester über die Gnadenmittel:

-

"Gott hat uns in seiner Barmherzigkeit alle Mittel an die Hand gegeben, um diese „Wiedervereinigung mit Gott“ zu ermöglichen:
Im Gebet und in den Sakramenten schenkt Er uns die Gnaden, die wir benötigen, um immer neu eine Umkehr zu ermöglichen.
Selbsterkenntnis, Großzügigkeit, im Entschluss umzukehren, und Ausdauer im täglichen Kampf gegen uns selbst
– all das sind Früchte der göttlichen Gnade, die uns immer neu geschenkt wird.
Die Sakramente sind die Kanäle, in denen das Wasser dieser Erneuerung fließt und das am Kreuz als Quelle fortwährend entspringt..
In der göttlichen Liturgie wird uns dieses Wasser in wunderschönen
Gefäßen gereicht, in denen wir mit großer Sicherheit das wahre Wasser der Gnade Christi empfangen dürfen."

-


DIE SIEBEN HEILIGEN SAKRAMENTE


-


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#239

RE: Stufen zur Vollkommenheit

in Leben und Sterben 21.07.2026 20:08
von Aquila • 7.737 Beiträge

Gelobt sei Jesus Christus !


Streben nach Heiligkeit kann nicht gelingen, wenn nicht die "Königin der Tugenden" - die Demut - sich der Herzen bemächtigt.
Die Heiligen waren zeitlebens keinesfalls fehlerfrei, doch sie übten sich in der Tugend der Demut und somit im Bewusstsein der Notwendigkeit an der Mitarbeit der geschenkten Gnaden des Heiligen Geistes; den Gnaden, die unser Herr und Gott Jesus Christus durch das hochheilige Kreuzesopfer mit Seinem kostbaren Blut für uns erworben hat.
Treue zur immerwährenden Lehre der Heiligen Mutter Kirche und ihren Gnadenkanälen der hl. Sakramente ist die sichere Gewähr, nicht vom rechten Weg im Streben nach Vollkommenheit abzuirren.

Passend auch zum langsam ausklingenden Kostbaren Blut Christi Monat Juli
Pater Josef Peňáz von der Petrus-Bruderschaft: über das notwendige Fundament im Streben nach Heiligkeit:
-

[....]
Wenn wir die Heiligen feiern, müssen wir wissen, dass es gerade das vergossene Blut des Herrn war, warum sie heilig sein können.
Das Blut Christi ist und bleibt die Bedingung und Voraussetzung der Heiligkeit.
[....]
Die Heiligkeit besteht weder in der Heuchelei, zu der das Verschweigen der Wirklichkeit oder Täuschung gehört, noch im Ausüben von Komödien. Man muss normal bleiben (der Natur gemäss) und als ein normaler Mensch nach der Heiligkeit streben.
[....]
Statt der Heuchelei, gegen die unser Herr so häufig gesprochen hat, waren die Heiligen wahrhaftig.
Mit ehrlichem Schuldbekenntnis konnten sie dank dem Blute Christi die Vergebung empfangen und später sind sie heilig geworden.
Weder die Verkümmerung des Natürlichen, noch der uferlose Sentimentalismus, noch die äussere Ordnung (leere Formen / Zeremonien ohne wahre Ehrfurcht, nur nach aussen, ein blosses Theater) können den Menschen zur Heiligkeit führen.

Unsere Religion ist etwas Anderes.
Das Christentum ist Religion Jesu Christi.
„Ich hatte mir nämlich vorgenommen, unter euch nichts anderes zu kennen als Jesus Christus, und zwar den Gekreuzigten“ (1Kor 2, 2). -
Das Opfer des Herrn, sein am Kreuze vergossenes Blut."
[....]

-


Knüpfen wir noch einmal an die "Königin" unter den Tugenden - die Demut - an.
Sie wird auch mit der "Selbstverleugnung" gleichgesetzt, die keinesfalls eine falsch verstandene Abwertung der eigenen Person bedeutet, sondern vielmehr im Bewusstsein der völligen Abhängigkeit von Gott vor gefährlicher Selbstüberschätzung bewahrt. Der Mensch erkennt sich als ein Geschöpf und Kind Gottes, getragen von Seiner Barmherzigen Liebe und zur Liebeseinung mit Ihm berufen.
Demut und Selbstverleugnung verhelfen den Seelen zu einer in der gesunden Lehre der Kirche verwurzelten Ehrfurcht in der Gottes Begegnung und so auch zu einem gesunden Umgang mit den Nächsten.




Die hl. Theresa v. Avila (1515-1582) schreibt in "Wege der Vollkommenheit" sehr schön darüber, dass Jene, die sich in wahrer Demut üben, sich dessen oft gar nicht bewusst, obschon sie Stufe um Stufe im Streben nach Vollkommenheit erklimmen.

-
"Demut und Selbstverleugnung sind Schwestern, die man nicht trennen sollte.
Mit ihnen kann man gegen die Welt und ihre Fallstricke, ja gegen die ganze Hölle zum Kampfe antreten.
Dennoch ist es wahr, dass niemand, der diese Tugenden besitzt, das weiss.
Sie verbergen sich ihm derart, dass, selbst wenn man ihn auf ihren Besitz aufmerksam machte, er es nicht glauben würde. Er meint, keine dieser Tugenden zu besitzen.
Doch schätzt er sie so sehr, dass er sich ständig um sie bemüht, und so wird er, ohne es zu wissen, in ihnen immer vollkommener"


-


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#240

RE: Stufen zur Vollkommenheit

in Leben und Sterben 24.08.2026 22:40
von Aquila • 7.737 Beiträge

Gelobt sei Jesus Christus!



Das für das Gelingen des Voranschreitens im Streben nach Vollkommenheit viele Gnaden schenkende innere Gebet ist für die hl. Theresa v. Avila, den hl. Johannes v. Kreuz und die hl. Theresa v. Lisieux verbunden mit der Liebe zur Heiligen Mutter Kirche als der Braut Christi.

In "Zeit für Gott - Führer für das Innere Gebet" greift Pater Jacques Philippe
dieses wesentliche Merkmal des inneren Gebetes auf und erläutert zunächst die unabdingbare Notwendigkeit der Verbundenheit mit der Kirche und der Liebe zu ihr, zu unserer Mutter !
Sie ist der mystische Leib unseres Herrn und Gottes Jesus Christus, Seine Braut !
Die Liebe zur Kirche ist eins mit der Liebe zu Gott:

-
"Die Gnade des Inneren Gebetes ist immer von einer tiefen Einfügung in das Geheimnis der Kirche begleitet.
[....]
In der Lehre der Kirche wird von den grossen Vertretern des Karmels (Theresia von Avila, Johannes vom Kreuz, Theresia von Lisieux) gesagt, dass das Mysterium der Kirche wesentlich die Liebe ist.
Die Liebe eint Gott und die Seele, und die Liebe bildet die tiefste Wirklichkeit und Identität der Kirche, denn diese Liebe ist Gabe des Heiligen Geistes.
[....]
Der heilige Johannes vom Kreuz bestätigt ganz klar, dass die kostenlose und absichtslose Liebe zu Gott, die im Inneren Gebet gelebt wird, der Kirche am meisten nutzt und dass sie sie ganz besonders braucht:
"Ein Akt der Liebe nutzt der Kirche mehr als alle Werke der Welt".
[....]
Das Leben von Theresia von Lisieux beweist dieses schöne Mysterium. Theresia wollte immer nur eines leben,
Herz zu Herz mit Jesus zu sein.
Je mehr sie in dieses Herz zu Herz eintrat, desto mehr zentrierte sie sich in der Liebe zu Jesus, und ihr Herz wuchs gleichzeitig und weitete sich in der Liebe zur Kirche....

Wer im Gebet nicht in eine bräutliche Beziehung zu Gott, wird niemals die Kirche verstehen, dringt nie zu seiner tiefsten Identität durch.
Diese ist, Braut Christi zu sein.

[....]
Das ist die besondere Gnade des Karmels, diese tiefe Verbindung von Herz zu Herz mit Jesus im Inneren Gebet und diese Einfügung im Herzen der Kirche als selbstverständlich zu sehen.
Ist der Karmel nicht der erste marianische Orden in Europa?
Wer anders als Maria, die Braut par excellence und das Vorbild der Kirche, kann uns in diese Tiefen einführen?

-


Weiter legt Pater Jacques drei wesentliche Voraussetzungen für das Reifen im inneren Gebet:

- das stete Verlangen, die stete Sehnsucht nach Vollkommenheit....Heiligkeit,
- das Erlernen, das Leben stets unter dem Blick Gottes, in Seiner Gegenwart, zu leben,
- durch begangene Fehler sich niemals vom Inneren Gebet abhalten lassen:

-
"Um sich Gott hinzugeben, muss man sich selbst vergessen.
Die Liebe ist von Natur aus ekstatisch. Wenn sie stark ist, lebt man mehr in dem anderen als in sich selbst.
Aber wie kann man diese ekstatische Dimension der Liebe im Inneren Gebet leben, wenn man während des übrigen Tages nur sich selbst sucht, wenn man zu sehr an materiellen Dingen, an seinem Komfort, an seiner Gesundheit hängt, wenn man keinen einzigen Widerspruch erträgt?
Wie können wir in Gott leben, wenn wir nicht fähig sind, uns selbst zu vergessen, zum Nutzen unserer Brüder?

Im geistlichen Leben muss ein Gleichgewicht gefunden werden, das nicht immer leicht ist:
Auf der einen Seite sollen wir doch nach der Vollkommenheit verlangen.
Ohne diese Sehnsucht, diese beständige starke Verlangen nach Heiligkeit
- selbst wenn wir sehr gut wissen, dass wir sie niemals aus eigener Kraft erreichen, aber dass es Gott allein ist, der uns zur Heiligkeit führen kann -
würde das Innere Gebet letztendlich immer etwas sehr Oberflächliches sein, eine fromme Übung, aber nicht mehr.

Ebenso muss man sich auch klar darüber sein, dass es einen Lebensstil gibt, der dem Inneren Gebet sehr nützen oder im Gegenteil sehr schaden kann.
Wie wird es uns möglich sein, uns in die Gegenwart Gottes zurückzuziehen, wenn wir in der übrigen Zeit in tausend oberflächlichen Sorgen und Befürchtungen zerstreut sind, wenn wir uns ohne jede Zurückhaltung in unnütze Schwätzereien gehen lassen, wenn wir leerer Neugierde nachgehen, ohne ein gewisses Fasten des Herzens, des Blickes, des Geistes, durch den wir uns bremsen in allem, was uns zerstreuen und entfernen könnte vom Wesentlichen.
Es ist uns sicher nicht möglich, ohne bestimmte Zerstreuung en zu leben, ohne Momente der Entspannung.
Aber es ist wichtig zu verstehen, immer wieder zu Gott zurückzukehren, der die Einheit unseres Lebens bildet und von dem alles lebt, unter seinem Blick und in Beziehung zu ihm.

Um allen Umständen zu trotzen, trägt ein Klima der völligen Hingabe des friedlichen Vertrauens zu Gott bei. Im jeweiligen Augenblick zu leben, ohne sich von den Sorgen des nächsten Tages annagen zu lassen, sich einüben, alles friedlich zu tun und ohne Befürchtungen um das Folgende usw. und das Gebetsleben wird sich entfalten.
Das ist nicht leicht, aber es ist sehr gesegnet, sich soviel als möglich darum zu bemühen.
Auch ist es wichtig, nach und nach zu erlernen, ganz unter dem Blick Gottes zu leben, in seiner Gegenwart in einer Art von beständigen Dialog mit ihm zu bleiben, uns so viel als nur möglich an ihn zu erinnern, mitten in unserer Beschäftigungen und alles in seiner Begleitung zu erleben.
Je mehr wir uns anstrengen, desto leichter wird es für uns, in das Innere Gebet einzutreten.
Man findet viel bequemer zurück zu Gott im Augenblick des Gebetes, so als ob man ihn nie verlassen hätte!

Die Praxis des Inneren Gebetes muss also zum beständigen Gebet streben, nicht notwendigerweise in dem Sinne, dass es ein ausdrückliches Gebet ist, sondern zu einer beständigen Übung der Gegenwart Gottes.
Wenn wir so unter dem Blick Gottes leben, wird uns das frei machen.

Viel zu oft leben wir in Wirklichkeit unter dem Blick der anderen (aus Furcht oder in dem Bedürfnis bewundert zu werden) oder unter unserem eigenen Blick (einem missfälligen oder selbstbeschuldigenden), aber wir finden die innere Freiheit nur, wenn wir gelernt haben unter dem liebenden und barmherzigen Blick Gottes zu leben.

[....]

Und noch ein wichtiger Ratschlag;
nach begangenen Fehler nicht beschämt und unzufrieden über uns selbst werden, um so gar das Gebet "auszusetzen"... im Gegenteil
Genau umgekehrt zu unserer normalen Verhaltensweise ist die einzig richtige Reaktion, wenn wir gesündigt haben, sich sofort mit Reue und Demut und ebenfalls mit einem unendlichen Vertrauen in die Arme der Barmherzigkeit Gottes zu werfen, mit der Sicherheit, aufgenommen zu werden und Vergebung zu erhalten. Das ist der richtige Sinn nach der Bibel, d.h. übereinstimmenden mit der Offenbarung Gottes an uns.
Und wenn man einmal Gott ernsthaft um Vergebung gebeten hat, muss man sofort, ohne Aufschub, die gewohnten Gebetsübungen wieder aufnehmen, ganz besonders das Innere Gebet.
Man geht zur passenden Zeit seine Fehler beichten, wenn es erforderlich ist, aber in der Zwischenzeit werden die gewohnten Gebete ohne Veränderungen eingehalten.

Diese Vorgehensweise ist am meisten wirksame, um eines Tages aus der Sünde herauszukommen, denn sie ehrt am meisten die göttliche Barmherzigkeit.
Die heilige Theresia von Avila sagt etwas sehr schönes zu diesem Thema.
Sie sagt,
+
dass der, der das Innere Gebet praktiziert, sehr wohl weiterhin fällt und seine Schwächen haben wird und Rückfälle erlebt,
aber weil er das Innere Gebet praktiziert, ist jeder Fall eine Hilfe, höher zu springen.
Gott lässt alles zum Guten beitragen und zu Fortschritt für denjenigen, der im Inneren Gebet treu ist, selbst dessen eigenen Fehler."

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