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#536

RE: Tod - Angst oder Freude?

in Wort- und Begrifferklärungen 03.09.2026 03:43
von Blasius • 5.028 Beiträge




Gott lässt unsere Fehler zu



Kein Sterblicher ist, ach, von Fehlern frei,

So lang er nicht vollendet seine Bahn;

Doch wenden, rein zu werden, Fleiß sie an,

Stehst, Herr, du huldreich deinen Dienern bei.




1. Vollkommen zu werden ist die Aufgabe des christlichen Lebens. Wie sehr wir aber immer nach der Vollkommenheit ringen, sind dennoch in diesem Leben selbst die größten Heiligen nicht gänzlich frei von allen Fehlern, wie einer der größten von ihnen bezeugt, wenn er in Jakobus 3,2a spricht: "Denn wir alle verfehlen uns in vielen Dingen." Gott aber lässt es zu, dass wir mit Fehlern behaftet bleiben, damit wir seine liebevolle Güte erkennen, die uns mit so großer Geduld erträgt, wo wir oft uns selbst kaum ertragen können. Wir verzagen beim Anblick unserer Fehler, Gott aber hört darum nicht auf, uns zu lieben. Wie zart, wie liebevoll ist diese Güte!



2. Die zweite Ursache, warum Gott es zulässt, dass wir in diesem Leben nie gänzlich frei von Fehlern werden, ist, damit auch wir selbst die Fehler unserer Nächsten mit Geduld ertragen. Denn Gott ist ein Gott des Friedens und der Liebe, und will, dass seine Kinder durch die Bande einer vollkommenen Liebe vereint sein sollen, die sich nicht ohne Geduld ausüben lässt, weil alle Menschen ihre Fehler haben. Viel, ja sehr viel haben oft andere von uns zu leiden. Wie ungerecht also wären wir, wenn wir von niemand etwas ertragen wollten. Darum mahnt uns der Apostel und spricht in Galater 6,2: "Einer trage des anderen Last; so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen."



3. Die dritte Ursache schließlich ist, damit wir immer von Gottes Hilfe abhängig bleiben, und unsere Zuflucht zu seiner göttlichen Güte nehmen. Auch sind unsere Fehler gleich einem heilsamen Schleier, der unsere wenigen Tugenden vor uns verbirgt, uns vor Eitelkeit zu bewahren. Also wurde der große Weltapostel von beschämenden Versuchungen geplagt, damit er demütig verbliebe. Indessen verlangt Gott dennoch, dass wir allen Fleiß anwenden, unsere Untugenden abzulegen und täglich vollkommener zu werden, aber auch nicht verzagen, wenn wir zuweilen noch in Fehler verfallen. Denn sind anders wir guten Willens, so werden solche uns nicht schaden, sondern zur Übung unserer Demut und unseres Vertrauens auf Gottes väterliche Güte gereichen. Sprichwörter 24,16a: "Denn siebenmal fällt der Gerechte und steht wieder auf."


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#537

RE: Tod - Angst oder Freude?

in Wort- und Begrifferklärungen 03.09.2026 19:04
von Blasius • 5.028 Beiträge




Vom innerlichen und geistigen Menschen

Siehe auch:
Der Weg zum inneren Frieden Die Leiden mit Ergebung in den Willen Gottes ertragen


Kehrst du, o Mensch, nicht in dein Innres ein,

Wirst ewig du ein armer Fremdling sein;

Und wär dein Reichtum wie des Meeres Sand,

Du kehrtest dennoch heim mit leerer Hand.




1. Der innerliche Mensch gestattet den Sinnen nur, was er ihnen nicht entziehen darf. Bei allen Bedürfnissen, denen die menschliche Natur ihn unausweichlich unterwirft, drängt er die Gier zurück, hält sich in Schranken und heiligt den Gebrauch der Dinge. Immer wachsam über sich, tritt er niemals gänzlich aus sich selbst heraus, beherrscht seine Sinne und züchtigt sie gleich rebellischen Sklaven, die nur dann sicher gehorchen, wenn sie Strafe fürchten. Tust du das nicht, so wirst du niemals dahin gelangen, ein innerlicher Mensch zu werden. Wie unwürdig aber ist es eines Jüngers Jesu, von der Neigung, von der Eitelkeit, von der Leidenschaft, von der Sucht nach Vergnügen sich fortreißen zu lassen.



2. Nicht wer die Wege Gottes und die Regeln des geistlichen Lebens kennt, sondern wer sie ausübt, ist ein geistiger Mensch. Er erhebt gleichgültige Handlungen durch Reinheit der Absicht und eifrige Liebe zu einem sehr hohen Wert, und gewinnt sogar den Verächtlichsten reiche Schätze für die Ewigkeit ab. Bei heiligen Werken aber lässt er äußerlich nur erscheinen, was die Pflicht und das gute Beispiel fordern. Das Wesentliche aber, nämlich seinen Eifer, seine Liebe, seinen Gehorsam, hält er im Innern verborgen. Er kennt keinen Zeitverlust, immer entspricht er der Gnade Gottes getreu, und sogar seine Fehler gereichen ihm zum Nutzen. Ist dies dein Leben? Und warum ist es das nicht?



3. Ach, mein Gott, ich darf es nicht wagen, den Blick in deiner heiligen Gegenwart zu erheben, denn ich muss bekennen, dass die größte Verkehrtheit in meinem Herzen herrscht. Sogar meine Andachtsübungen sind eitel und ohne Leben. In allen Dingen lau, träge, zerstreut und untreu, bin ich nur Augenblicke eifrig, da meine Feigheit den Ernst einer beständigen Wachsamkeit fürchtet. Darum auch bin ich nach so langer Zeit noch immer schwach, noch immer mit den genannten Fehlern behaftet, und fern von allem innerlichen Leben. O komm mit mir deiner allmächtigen Gnade zu Hilfe, und erbarme dich meiner. Psalm 80,4: "Gott, richte uns wieder auf! Lass dein Angesicht leuchten, dann ist uns geholfen."


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zuletzt bearbeitet 04.09.2026 08:36 | nach oben springen

#538

RE: Tod - Angst oder Freude?

in Wort- und Begrifferklärungen Gestern 08:59
von Blasius • 5.028 Beiträge



Siehe auch:
Wesen und Eigenschaften der hll. Engel (6)

Die heiligen Engel


Ihr Engel, die ihr Gottes Thron umringet,

Und Lobgesänge ihm, dem König, singet,

O schirmet liebreich unsren Pilgerlauf,

Und nehmet dann in euern Chor uns auf.




1. Die heiligen Engel sind ein lebendiges Abbild Gottes, sie sind die ersten Strahlen seiner Glorie, das erste Werk seiner Allmacht und Weisheit, und ihre Schönheit übertrifft ohne allen Vergleich die höchste Schönheit aller körperlichen Wesen. Der heilige Evangelist Johannes, der einen Engel sah, erstaunt über seine Schönheit, über seinen Adel und die Majestät so sehr, dass er ihn für Gott selbst hielt, und aufs Angesicht fiel, ihn anzubeten. Gott schuf diese glorreichen Geister in zahlloser Menge und setzte sie allen Werken seiner Schöpfung vor, weshalb auch der Apostel sie verwaltende Geister nennt. "Ehren wir diese himmlischen Fürsten, die uns als künftige Gefährten ihrer Glorie lieben und beschützen", heißt es im Brief an die Hebräer.



2. Die heiligen Engel sind jenes Licht, dass Gott von den Finsternissen trennte, als sie die Prüfung bestanden hatten, der er auch seine Engel unterwarf. Die stolzen Engel dagegen, die sich gegen ihren Schöpfer empörten, wurden auf ewig aus dem Reich des Lichtes verstoßen. Dies war dieser große Kampf, wo der heilige Erzengel Michael an der Spitze seiner getreuen Engel gegen Satan sich erhob, den er durch die Worte stürzte: "Wer ist wie Gott?" Gott erlaubt diesen bösen Geistern, seine Auserwählten zu versuchen, damit sie siegen können. Antworten wir also auf ihre sündhaften Einflüsterungen und Versuchungen mit dem heiligen Erzengel: "Wer ist wie Gott?" Er ist der Herr, ihm allein werde ich gehorchen.



3. Gott gab jedem Sterblichen auf der gefährlichen Pilgerreise dieses Lebens einen Engel zum Begleiter und Beschützer. Und lieben sollen wir diese heiligen Engel, sie anrufen in Gefahren, und ihrem Schutz vertrauen. Wir leben nun im Glauben und können nicht alle Wohltaten erkennen, die wir unseren heiligen Schutzengeln verdanken. Aber wenn einst der Schleier von unseren Augen fallen wird, dann werden wir erstaunen, was diese seligen Geister für uns getan haben. Ehren wir diese unsere himmlischen Beschützer durch ein reines Leben, damit sie unsere Freunde und Verteidiger beim künftigen Gericht sind. Exodus 23,20+21: "Ich werde einen Engel schicken, der dir vorausgeht. Er soll dich auf dem Weg schützen und dich an den Ort bringen, den ich bestimmt habe. Achte auf ihn, und hör auf seine Stimme! Widersetze dich ihm nicht! Er würde es nicht ertragen, wenn ihr euch auflehnt; denn in ihm ist mein Name gegenwärtig."


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zuletzt bearbeitet Gestern 09:03 | nach oben springen

#539

RE: Tod - Angst oder Freude?

in Wort- und Begrifferklärungen Gestern 17:47
von Blasius • 5.028 Beiträge



Von der Glückseligkeit des Christen



Wie selig, Jesus, ist, wer dich erkennt.

Wer dich von Herzen seinen König nennt,

Und als ein Bürger lebt in deinem Reiche,

Nichts ist, das seiner Seelenfreude gleiche.



1. Lukas 10,23+24: "Jesus wandte sich an die Jünger und sagte zu ihnen allein: Selig sind die, deren Augen sehen, was ihr seht. Ich sage euch: Viele Propheten und Könige wollten sehen, was ihr seht, und haben es nicht gesehen, und wollten hören, was ihr hört, und haben es nicht gehört." Alle Gerechten, alle Propheten und heiligen Könige Israels hatten nach der Ankunft des verheißenen Messias sich gesehnt, durch den die Welt gesühnt und geheiligt werden sollte. Sie alle aber begrüßten, wie der Apostel spricht, die Verheißung von ferne, und gingen vorüber. Selig wir, denen verliehen wurde zu sehen, was sie nicht sahen: das Reich Jesu Christi, das auf dem ganzen Erdkreis verbreitet ist, und fortwährend sich verbreitet, wo die Quellen der Erlösung fließen, und unter allen Nationen Bürger des Himmels erzogen werden.



2. Selig wir, die wir, mitten in diesem göttlichen Reich geboren, seine Grundsätze mit der Muttermilch eingesogen haben, indes so viele Völker und Nationen in den Finsternissen und Schatten des Todes sitzen. Danken wir unserem Gott täglich für diese große, unverdiente Gnade, und seien wir nicht gleich jenen Gottlosen und Ungläubigen, die, statt für diesen himmlischen Beruf zu danken, den Glauben verwerfen und Gottes Weisheit anklagen, weil dies göttliche Licht nicht allen Völkern leuchtet. Steht es etwa diesen vermessenen Toren zu, in die verborgenen Gerichte der göttlichen Vorsehung einzudringen? Oder verwerfen sie etwa auch zeitlichen Überfluss, weil er anderen nicht auch zuteil wurde? Wie streng wird einst das Gericht dieser Frevler sein.



3. Selig wir, die wir sehen, wie die von den Aposteln gegründete Kirche bereits zwei Jahrtausende unter einem Oberhaupt fortbesteht, und immer siegreich aus allen Kämpfen mit ihren Widersachern hervorgeht. Selig wir, die wir den Sieg des Kreuzes Jesu Christi sehen, das täglich erneuerte Opfer seiner Erlösung sehen, ja ihn selbst unter den heiligen Gestalten sehen, anbeten und empfangen. Selig wir, die wir von seinen göttlichen Wahrheiten uns nähren, und aus den Quellen seiner Erlösung schöpfen. O wie unendlich vieles verdanken wir seiner göttlichen Güte, aber wie streng wird auch einst unser Gericht sein, wenn wir unser Heil vernachlässigen. Johannes 3,18: "Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er an den Namen des einzigen Sohnes Gottes nicht geglaubt hat."


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