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25
Juni
2018

Christliche Gedichte

"Ich bin es!"
(Lukas 24, V. 36)

Ich bin's, der schon vor allen Ewigkeiten
Im Herzen trug der Welterschaffung Plan.
Ich bin's, der Euch die Erde wollt' bereiten,
Der Sonne, Mond und Sternen wies die Bahn,
Ich bin's, der - nach dem Fall - in künft'gen Zeiten
Euch Sündern die Erlösung kund gethan,
Der Euch schon dort auf jenes Weib hieß blicken,
Durch das der Welt Ich Hilf' und Heil wollt' schicken!

Ich bin's, der - als der Zeiten Füll' gekommen, -
Vom Himmel stieg in dieses Weibes Schooß,
Ich bin's, - das Wort, das Fleisch hat angenommen,
Um - Mensch wie Ihr, - zu lindern Euer Loos!
Ich bin's, für den in heißer Lieb' erglommen
Der Hirten Schaar, die Weisen reich und groß,
Da arm und bloß im Kripplein Ich gelegen,
Der Engel Lust, der Erde Weinachtssegen!

Ich bin's, der Alle an Mein Herz wollt' heben,
Der Blinde, Lahme, Taube mild geheilt,
Der Kranken Kraft, den Todten neues Leben,
Betrübten Trost, Verzagten Muth ertheilt,
Der gnadenvoll der Sünder Schuld vergeben,
Zu dem so froh der Kinder Schaar geeilt;
Ich bin's, der einst durchzog Judäas Auen,
Um wohlzuthun, des Vaters Reich zu bauen!

Ich bin's, den man zum Lohn für solche Liebe
Verklagt, verdammt, mit Haß und Hohn bedeckt,
Den man zerfleischt durch scharfe Geißelhiebe,
Gekrönt, entblößt, auf's Holz der Schmach gestreckt,
Mit Nägeln dort - daß Nichts erspart Mir bliebe! -
Das Fleisch durchbohrt, die Glieder ausgereckt, -
Ich bin's, der für der Sünder Heil und Leben
Den letzten Tropfen Blut's dahin gegeben!

Ich bin's, der nicht verblieb in Grabes Banden,
Der nur dort schlief, Euch Tod und Grab zu weih'n,
Der glorreich dann vom Tode auferstanden
Am dritten Tag im Ostermorgenschein!
Ich bin's, - der Leu aus Judas Stamm und Landen,
Der da gesiegt, dem Ruhm und Preis allein!
Ich bin's, der Auferstehung, Licht und Leben
Am Schluß der Zeit will all' den Meinen geben!

Ich bin's, der dann zum Vater heim gegangen,
Bei dem auch Euch Ich Wohnung hab' bestellt,
Ich bin's, durch den die Jünger all' empfangen
Den Tröster werth, den Geist vom Himmelszelt,
Ich bin's - damit die Völker Heil erlangen, -
Der sie gesandt hinaus in alle Welt,
Um Groß und Klein das Wort vom Kreuz zu künden,
Und überall Mein göttlich' Reich zu gründen!

Ich bin's, der, - ob im Himmel jetzt auch thronend -
Doch immer noch auf dieser Welt Ich weil',
Im Sakrament mit Gott- und Menschheit wohnend,
Wo Lieb' und Leid mit Meinem Volk Ich theil',
Der Frommen Herz mit reichster Huld belohnend,
Der Kirche Schatz, der Erde Hort und Heil,
Ich bin's, den schon Prophetenwort bekannte,
Und staunend den "verborg'nen Gott" Mich nannte!

Ich bin's, der im Altare sich verschlossen
Mit Fleisch und Blut, mit Leib und Geist zugleich,
Ich bin's, der - wenn auch Tausend Mich genossen, -
Doch unzertheilt für alle Welt noch reich'!
Ich bin's, der - ganz von Licht und Lieb' umflossen -
Für Alle trägt ein Herz so warm und weich,
Daß Ich der Wunder größtes mußt' erdenken,
Als Himmelsbrot der Erde Mich zu schenken!

Ich bin's, der nicht verwais't Euch wollte lassen,
Der bei Euch bleibt bis zu der Zeiten Schluß,
Ich bin's, der sehnlich wünscht, Euch zu umfassen
Im Abendmahl mit heißem Liebeskuß!
Ich bin's, der - trotz Verräthers Hohn und Hassen, -
Sich Jedem schenkt zu täglichem Genuß!
Ich bin's, so wahr, so wesenhaft zugegen,
Daß Alles zehrt von Meines Daseins Segen!

Ich bin's. Ich selbst! - kein Schein, kein bloß' Bedeuten,
Kein frommer Wahn, kein Spiel der Phantasie,
Kein Schatten nur, kein Bild vergang'ner Zeiten,
Kein leerer Traum, der sich verwirklicht nie!
Ich bin's, Ich selbst! - der Gott der Ewigkeiten,
Der Jungfrau Sohn, - o sinkt auf Euer Knie
Und betet an mit allen Engelheeren,
Die staunend Mich im Sakrament verehren!

"Ich bin's, Ich selbst!" - Auf dies Mein Wort, das hehre,
Sollt leben Ihr mit heil'gem Glaubensmuth!
Dafür - und wenn's in tausend Qualen wäre!! -
Dürft sterben Ihr in heißer Liebesgluth!
Dies Wort allein gibt in des Lebens Schwere
Euch stete Kraft, zu kämpfen bis auf's Blut!
Mit diesem Wort im Herzen und im Munde
Bleibt Sieger Ihr, - ging' auch die Welt zu Grunde!

"Ich bin's, Ich selbst!" - O laßt es nie Euch rauben
Dies hehre Wort, das ew'ge Wahrheit ist,
Und lebt und sterbt im einzig wahren Glauben
Als Kind des Heil's, als hochbeglückter Christ!
Dann sprech' Ich einst: "Fliegt auf, Ihr Meine Tauben,
Der Lenz ist da! vorbei des Winters Frist!
Ich bin's Ich selbst!" den nun auf Flühlingsauen
Ihr unverhüllt im ew'gen Licht dürft schauen!"

Cordula Peregrina (1872)

"Was das Ewige Licht erzählt" - Gedichte über das Allerheiligste Altarssakrament von Cordula Peregrina (C. Wöhler) - Achte verbesserte und vermehrte Auflage. Mit Fürstbischöflicher Approbation. Innsbruck. Druck und Verlag von Fel. Rauch, 1893.
Transkription: © by P.O. Schenker, Immaculata-Verlag, CH-9050 Appenzell



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